Indiana Tribüne, Volume 18, Number 82, Indianapolis, Marion County, 9 December 1894 — Page 11

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Tribüne. 9 EZM Mein ZZcnno kommt. Bon Gabriele Neu t er. . Frau Amtsrichter Loeser sah von weitem den Briefträger die Straße herunterkommen. Ob er zu ihr ins 'Haus treten würde? Sie stand einen Augenblick am Fenster, ihre welken Wangen überflog eine bläuliche Nöthe, dann wandte sie sich in das Zimmer zurück und griff nach ihrem Strickzeug. Er fern doch wohl nicht! Sie seufzte. Tie Nadeln klirrten unter der nervösen Hast ihrer Finger. Eigentlich sollte sie jetzt in einer Kaffeegesellschaft beider Frau Oberprcdi ger sein. Sie hatte die Einladung ausgeschlagen. Wenn sie ihren Bekannten begegnete und man ein Schwätzchen mit der freundlichen alten Tamc halten wollte, fluchtete sie scheu und ängstlich in eine Seitengasie. Am liebsten ging sie nur noch an dämmerigen Abenden in die Luft hinaus. Ihren alten Regenmantel umhängt, die schwarze Wachstuchtasche am Arm, schlich sie einsame Feldwege entlang, uuf denen ihr höchstens ein paar arme Kinder in den Weg kamen, welche brau fcen ihre Trachen steigen ließen, oder an den Rainen hockten und mit Schußkugeln spielten. Nicht weit von ihnen blieb sie dann stehen und sah trüben Blickes auf sie hin. Tiefe Zeiten der Schwermuth wiederholten sich mit einer gewissen Regel Mäßigkeit im Leben der Frau Amts richter Loeser. Und ihre Freunde wuß. ten - schon Bescheid über deren Gründ und Ursache. Wollte sich eine von den Tamen die Bestätigung ihrer Vcrmuthung holen, so brauchte sie nur in die kleine Wohnung hinauf zu steigen. Ta fand sie Frau' Loeser, das Strickzeug uuf dem Schoße ruhend, in ihrem Korbstuhl sitzen und still vor sich hin weinen. Müde und geduldig, wie Menschen den Schmerzensanfall eines alten Leidens erwähnen, sagte sie zu ihrem Gast: ..Ich bin heut eine schlechte Gesellschaft mein Benno hat so lange nicht geschrieben." Einmal wartete sie auf diese Weise ein ganzes Jahr Am Ende kam ein beranüater Brief von Benno aus dem indischen Archipel und die Frau Amtsrichter ersuhr niemals den Grund, warum ihr Sohn eö für nöthig befunden hatte, ihr solche Qual aufzulegen. Ein anderes Mal hatte er sich inzwischen verheirathet und theilte ihr mit, daß seine Frau sehr reinlich sei sie bade täglich zweimal. Auf Frau Loefers angstvolle und vorsichtige Fragen hörte sie später, ihre Schwiegertochter wäre keine Eingeborene, sondern eine englische Tame. Tie Erkundigungen nach dem Ursprung der jungen Frau wurden von dieser selbst, wie auch von dem Sohn sehr übel aufgenommen. Lieber Gott, Willy Weber, der mit Lenno zusammen in die Schule gegansen war, hatte da irgendwo eine yäuptl'mgstochter geheirathet. . deren Vater nur Sonntags einen Rock und eine Hose anzog da wäre es doch schließlich keine Unmöglichkeit gewesen. . Aber Benno war bei alledem ein lieber guter Junge. Schickte er nicht plötzlich eine große niste mit fremdartigen Gegenständen, und'einen vier Bogen langen Brief, in dem er sich weitläufig über die Sitten und Gebräuche der Javanen und über den Stand der Tabzkskulturen ausließ? Tas Schreiben interessirte den OberPrediger und den Stabsarzt und den Regierungsrath außerordentlich. Tie Amtsrichter mußte es den Herren vorlesen, und man rieth ihr, es in der Zeitung zu veröffentlichen. Endlich war sie auf den Brief ganz stolz und wagte keinem Menschen zu sagen, daß sie weit lieber gewußt hätte, was für Möbel in Lennos Wohnstube standen und ob der kleine Enkel blondes oder schwarzes arcyen aus oem opscycn irage. Sie hatte ja auch viel Theilnahme für die Javanen. .. . Zwischen Frau Locsers einfachen, abgenutzten bürgerlichen Möbeln standen nun indische Götzenbilder, an den Wänden hingen neben den Photographien würdiger Juristcnfamilien die Sarougs der javanischen Schönen, und ihre zarte Seide mit den phantastischen Stickereien goldene Vögel, die sich durch tropische Blumcnfülle wanden strahlten einen seltsamen Farbenzaubcr über das stille Wittwenh'.-im. Aus den Schnitzereien strömten scharfe unHeim liche Tüfte in die sanften Gerüche der Nefeden und Primeln des sonnigen Fensters. Und über der braunen Ripschaiselongue, auf der Frau Loeser ihre Nach'Mittagsruhe hielt, lag ein gewaltiges Tigerfell. Es war von zwei Kugellöchern durchbohrt. Benno erzählte ihr, sie hätten das Thier in der Speisekammer gefangen und durchs Fenster er schössen.' ' Man denke nur einen Tiger in der Speisekammer, wenn man da arg loö hingehen , will, ein bischen Zucker oder Thee zu holen! Frau Loeser schrieb gleich, sie möchten nur den Kleinen niemals allein in die Speisekammer lassen. Durch ihre -bescheidenen, friedlichen Träume jagte fortan dieser Tiger bald kauerte er, ihre kleinen Vorräthe knuspernd, im Küchenschrank oft saß aus seinem Kopf ein goldener Vogel mit einem Schnabel von Edelsteinen, der ihr grausam nach den Augen hackte. Aber sicher ging es Benno recht gut, daß er seiner alten Mutter so kostbare, theure Sachen schicken konnte! Man fragte sie um Rath, wenn ein junger Mann aus ihrem Bekanntenkreise nach

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irged einem fremden Erdtheil aus wandern wollte, denn ihr war es doch so geglückt mit ihrem Sohn. Ohne Frage sie mnßdcm lieben Gott sehr dankbar sein. Nun war der Briefträger gewiß vorüber. Tie Frau Amtsrichter schob ihr Schälchcn mit dem ?!achmittagskaffce zurück. Nein essen mochte sie nicht das war ihr jetzt ganz unmöglich. Schließlich am Abend wurden ja noch einmal Postsachen ausgegeben. Ta die Klingel! Ach Gott es war auf jeden Fall nur eine Rechnung! Aber der Bote rief ihr schon, ehe sie bis zur Thür gelangen konnte, von außen zu: Frau Amtsrichter aus Indien ! Wenn ich vielleicht um die Marken bit ten dürfte?" Gerne ' die die sollen Sie haben " Tie alten Hände flogen, als sie das Eouvcrt zerreißen wollten, und ThrÜ ncn blendeien die Augen! Na ich hole sie mir morgen sagte der Mann gutmüthig und nickte und ging. Tiese Nachricht, die da heut vor ihr lag! Nein es war ja doch nicht zu glau den! Sie würde es ja doch wohl nicht erleben! Blind und wirr vor .entzücktem Schrecken tappte sie nach ihrem Hut und lief hinaus zum Oberprcdiger und zu den anderen Tamen. Mein Benno kommt!" Wirklich? Ja, wahrhaftig? Aber daS ist doch zu schön! Welche Freude für Sie! Solch ein Glück! Gottes Segen zu dieser Aussicht. Ja ja ja! Mein Benno kommt! Und seine Frau. Und die Kinder! Frau Oberstabsarzt, könnte ich mir wohl von Ihnen ein Kinderstühlchcn borgen? Und ob ich's ins Blättchen setze, wegen der Badewanne? Meine Schwiegertochter badet täglich zweimal. Ja, das wird schwierig herzustellen sein! Ich denke, ich gebe dem Wirth ein paar Mark, wegen des größeren Was serverbrauches?" Aber liebste Frau, wollen Sie denn die ganze Familie bei sich ? Lassen Sie sie doch im Hotel wohnen!" Meinen Benno ?" Frau Loeser lachte wie ein junges Mädchen. Und die Kinder ? Ach, das kann ich ja ganz gut einrichten! Tas läßt sich alles bewerkstelligen! Sie müssen eben vorlieb nehmen! Im Hotel? Nachdem sie schon die entsetzlich Reise mir zuliebe machen, auch noch hier die Kosten? Nein Hoffentlich kann ich die Stube und Kammer neben meiner Wohnung noch dazu miethen. Es wird schon gehen!" Tie zitternde Seligkeit wirkte auf Frau Loeser wie ein Rausch. Sie wurde stolz und übermüthig. Sie prahlte damit, daß ihre Schwiegertoch tcr nur englisch sprechen könne, obwohl ihr diese Thatsache die halbe Vorfreude an dem in Aussicht, gestellten Besuch verdarb, und sie von einer unbehag Ilchen Furcht vor den Anforderungen der fremden Tame ruhelos umgctrieben wurde. Sie mußte ein Mädchen miethen, denn mit einer Aufwärtcrin auszu kommen das wäre einfach unten! bar gewesen! Ein Kleid mußte sie sich euch noch schneidern lassen und die Gardinen mußten tüchtig vorgenommen werden und die Fußböden! Wie sollte sie nur mit allem fertig werden? Ach und die Markstücke flogen! Es war ein Glück, daß sie jetzt gerade ihre Jahrcspension ausgezahlt bekam. Nun ihr Sohn hatte es ja, Gott sei Tank! Sie selbst war , von ihrem kleinen Standcshochmuth immer voll auf befriedigt gewesen. Beamten Wittwen schwelgten eben nicht in Reichthümern. Jetzt klimmte die Frau Amtsrichter

in ihren Gedanken ganz heimlich und für sich an der socialen Leiter einige. Stufen in die Höhe. Als ein hoher Angestellter der holländischen Regierung wer konnte es wissen wahrschein lich mußte Benno sich dem Minister vor stellen vielleicht würde der Großherzog.... Ach Gott, wie Frau Loeser das Herz schlug! . Tas Schiff ging nicht unter, welches Benno und die Seinen trug der Eisenbahnzug entgleiste nicht an der Troschke brach kein Rad, wie Frau Loe ser immer noch gefürchtet hatte, und, sie selbst wurde nicht vom Schlage getrof fen. Es kam der Augenblick, wo sie mit wankenden Knieen die Treppen hinunterlief, wo sie in den Armen eines großen Mannes lag und ihre Wange in seinen Bart drückte, wo un ter Lachen und Weinen und Jubel eine elegante Frau mit einem vornehmen starken Parsüm sie umschlang und rief: Mamie dear! Mamie darling!" wo zwei süße kleine Geschöpfe stumm und scheu ihren Liebkosungen widerstrebten, wo die neue Köchin und die alte Stundensrau und die indische Wärterin unzählige Koffer und Taschen die Treppen hinaufschleppten und überall in den' Weg stellten, - wo sie endlich.end lick alle um den Kafseetisch saßen, der mit Blumen und Bergen von Kuchen geschmückt war wo in dem' Lärm und Wirrwarr, bei den fremden,, unverständlichen Tonen, zwischen den fremden Gesichtern der Frau Amtsrich ter aus einem seligen Taumel heraus klar wurde: Mein Benno ist g'kommen! Mein Benno ist ja hier! Sie sah dabei veniger auf diesen Herrn in weltmännischem Anzug, des sen Teint von gelber Färbung, dessen Ausd:uck kühl und überlegen war, als auf den kleinen Jungen, der neben ihr saö. Sein keckes Naschen, die glänzenden dunklen Augen das war Benno, ibr Benno!. Erkannte sie ibn. wie er ; : : ' '- ' . i

die Tasse mit beiden Fäustchen an den Mund setzte, aenau so hatte Benno sich

böse umgesehen und mit einer trotzigen Bewegung die blonden Locken aus der Schlinge der Serviette gezogen, die sie ihm umband. Sie nahm sachte, mit Thränen auf den Wangen ein Stückchen Zucker.schob es dem Kleinen zu und flüsterte bittend: Will Benno der Großmama em Küßchen geben?" Der Kleine sah sie verwundert an. er wußte nicht, was sie wollte. Gwendolen kommandirte: Ben do kiß Grany! Now be a good boü!" Dieser verdollmetschte Kuß Frau Loeser stürzte plötzlich eine heimtückische Welle von Weh über das freudejauchzende Herz. Benno eröffnete ihr schon am nachsten Tage, er müsse gleich nach Karlsbad. wegen eines Leberleidens! Jetzt schon ? Nachdem sie ihren alten Jungen noch gar nicht wieder kennen gelernt hatte? Wenn sie ihn nur mehr und ruhiger hätte genießen können! Es gab so schrecklich viel zu thun für sie! Die verwöhnten Jndier froren beständig, man mußte trotz des Junis in allen Stuben heizen. Dann wollte Benno gern seine Kinder-Lieblings-speisen haben und die konnte sie nur allein kochen, wenigstens behauptete er es! Und was er für unglaublich starken Kaffee trank Frau Loeser war immer in Todesangst, bis der ordentlich gerieth, nachdem Benno ein mißvergnügtes Gesicht gemacht hatte es sollte ihm doch gefallen bei seinem alten Mütterchen! Mit Gwendolen und den Kindern lebte sie sich besser ein, als sie gefürchtet batte. Die liebevollen Schmeichelworte der schönen Frau, die leichten, lustigen Zärtlichkeiten ihrer weichen duftenden Hände genoß die alte Dame mit demselben staunenden Entzücken, mit dem sie den Saft tropischer Früchte scklürfte. welche die Kinder ihr mitgebracht hatten. Und die Überraschung, als sie merkte, daß Gwendolen ganz gut Deutsch verstand, sie sprach es sogar ein wenig! Warum hatte sie da nur niemals geschrieben? JD, das macht zu viel Arbeit! Du mußt Englisch lernen; nein, wirklich Mama, das mußt Du!" ftrau Loeser. besann sich auf die Reste ihrer Schulvokabeln, die Kleinen und ihre Aya hatten bald begriffen, daß sie sich durch Gebärden und einZtelne charakteristische. Laute verständlich machen konnten, und so kauderwelschte denn alles fröhlich durcheinander. Gwendolens größtes Vergnügen war es. mit der Mama Einkaufe zu machen. Frau Loeser führte sie natürlich nicht in die kleinen Läden, too sie ihre gerinaen.Vedürfnisse zu decken pflegte, sondern in die großen Geschäfte, mit den eleganten Schaufenstern. Da saßen sie auf den von den herbeifliegenden Eom mis diensteifrig zugeschobenen Stühlen vor den Ladentischen und befühlten mit herablassenden Mienen die Stoffe und die reizenden Jäckchen und Kinderkleidchen, all die wunderschönen Sachen, von denen Frau Loeser wohl manchmal im Stillen gedacht hatte: Wie müßte das Benno oder Ellichen stehen? Große KartonZ wurden ihnen zur Auswahl in's Haus - gesandt, und Frau Loeser hatte ihr Vergnügen daran. . wenn Gwendolen- gelassen in Goldstücken zahlte.. Ja, daß auch sie selbst im Haushalt große Braten brauchte und alle aus dem Vollen ging, gewährte ihr eine stille Befriedigung. ' . Als Benno von Karlsbad zurückkehrte, erklärte er: Nun wollten sie sich mit Mütterchen amttsiren. Bald gingen sie in ein Gartenconcert, bald lauste er Billets für das Sommertheater., Frau Loeser saß dort zwischen dem stattlichen jungen Paar auf den theuersten Pläsen, in der Fremdenloge, denn anders that es Benno nicht er hatte nun mal diese Eigenthümlichkeit. : In den Zwischenacten redeten einige angesehene Herren Bcnno auf alte Schulbekanntschaft an und baten ihn, einmal Abends in den Elub zu kommen; sobald er sprach, lauschten sie auf merksam seinen Worten. ' Alle diese Einzelheiten gehörten zu einem Leben, von dem die Frau Amts richter vor langen langen Jahren ge träumt, wie sie e5 hatte erwarten dürfen, denn jeder verhieß zur Zeit ihrer zungcn Ehe ihrem Manne eine glanzende Earriere. und wie eS dann mit seinem frühen Tode iah vor' ihr abgeschlossen war. Nun führte Benno sie hinein, und sie streckte und dehnte und behagte sich in diesem weiteren und glänzende ren Dasein. . So ganz prächtig, wie die Stellung ihres SohneS von Weitem schien, war sie indessen doch nicht. Tie Holländer verlangten von den Beamten in ihren Eolonien eine imponierende Führung des Haushaltes. Glaub mir. Mutterchen,- sagte Benno einmal, Du kannst sorgenloser leben als wir. Wenn meine Gesund heit eö nicht durchaus verlangte, so hät wir diese Reise nun und 'nimmer.'. . 1 Und wir wollten doch auch Mama besuchen," siel Gwendolen ein. ; Na . ja selbstredend man Hai sich nun nochmal wiedergesehen.- ' Frau Loeser legte den Arm um ihres Sohnes .Schulter und küßte ihn auf das Haar. In dem wehmüthigen Be wußtsein dieses Wiedersehen werde wohl das letzte sein, vergaß sie die Ent täuschung. die es ihr verursachte, daß Benno ohne sein Leberleiden vielleicht nie daran gedacht hätte, 'ihr Frau und Kinder zu bringen. . ' .. Es dünkte Frau Loeser' anfangs so leicht und .selbstverständlich, wenn ihr Haushaltsgeld nicht mehr zur Bestrei-

rung der vergrößerten Mrlhschafi' rei chen würde, sich an Benno zu wenden. Er war doch ifcr Sohn und was sie be saß gehörte ihm, war da nicht auch daS Umgekehrte der Fall? Einmal, in den ersten Tagen, hatt? er ihr einen Fünfzig-Mark-Schein in die Hand gedrückt aber der war langst verbraucht. Es war wirklich zu dumm von ihr, daß sie vor der einfachen Bitte zagen konnte. Er hatte mancherlei in seinem Kopf, sonst würde er ihr gewiß schon mehr angeboten haben. Immer wieder schob sie die Frage hinaus, ließ sich lieber bei Bäcker und Fleischer auf Rechnung geben. Am Ende dachte Benno doch von selbst daran es wäre ihr solche Erleichterung gewesen. Bcnno machte mit seiner Frau noch einen Abstecher nach Berlin. Frau Loeser hatte viel Noth mit den Kindern, unruhige und schlaflose Nächte. Die zarten ausländigen Pflänz chen erkrankten bei jedem Windzug, und der Arzt kam fast nicht uu3 dem Haus. Aber es war doch wunder-wun verschön, das Leben mit den beiden Entelchen. Zutraulich wurden sie, kamen mit allen kleinen Wünschen zu ihr, und besonders Ellichen, die Gwendolen's lebhaftes Temperament und vielleicht auch von ihrer Großmutter Liebesfülle geerbt hatte, wußte nichts Besseres, als die Aermchen fest um ihren HalS zu

drucken und so stumm und still sie ltt m küssen. Wenn die Frau Amtsrich ter später auf Bennos Besuch zurück Huste: die Zelt, welche er mit semer Frau in Berlin zubrachte, gab ihr die ungetrübteste Erinnerung. Tas Ehepaar kehrte in sehr schlechter Laune zurück. Von Concerten und Theater war keine Rede mehr. Benno sprach viel von den unvorhergesehenen Kosten großer Reisen und machte seiner Frau Vorwürfe über ihre Einkäufe. Gwendolen brachte Mama aus Berlin neue Gardinen mit sie hatte also doch die künstlichen Stopfereien in den plten bemerkte .Tie Gabe machte der Amtsrichter keine Freude, sie rnufcte immerfort daran denken, wieviel lieber sie das Geld gehabt und daß ihre Gardinen noch lange gut genug für sie gewesen toären. Sie schrieb ihre Ausgaben aar nicht mehr aus,theils fand sie keine Zeit dazu, theils hielt eine quälende Furcht vor dem Resultat sie ab. Sie bezahlte auch fast nichts mehr baar. Und wieder sah sie Nachts in ihren Träumen den schönen javanischen Tiger lnit weichen Sohlen durch ihr Heim schleichen und gemüthlich verzehren, was :r auf seinem Wege fand. Wie oft nahm sie sich vor, Benno so recht vertrauensvoll ihre Sorge auszusprechen. Ja vertrauensvoll .... Vergebens suchte sie die Scheu und Verlegenheit zu bekämpfen, die sie in seiner Nähe überfiel. Sie war seit fahren nicht daran gewöhnt, behaglich imd geschickt mit Männern zu verkehren. Und Venno.ihr Benno blieb ihr :in fremder Mann. Um Benno's böse Stimmung nicht zu reizen, wandte sie sich an Gwendolen and deutete ihre peinliche Lage an xanz flüchtig, denn die Stimme vcrsagte ihr vor aufquellendem Acrger. Gwendolen wollte die Sache mit ihrem Zcanne besprechen ja natürlich! Sie vollte schon alles machen sie hatten ja die Verpflichtung. .. .Mamie sollte sich nur nicht ängstigen! Tag für Tag wartete Frau Loeser. ttber es geschah nichts weiter. Ansang September reiste die Familie ab. ' Gwendolen weinte in ihr parfümier s Taschentuch, und die Kinder klaminerten sich immer wieder an die Groß lnama. Tie indische Wärterin küßte ihr dankbar das Kleid und Benno rief ihr tröstend zu: Wenn der Junge in )ie Schnle muß, schicken wir ihn Dir rieber!" - : . : Tie Frau Amtsrichter stand in ihrer Hausthür und winkte und warf Kußhände, als sie ihr ganzes reiches Leben, In eine Troschke gepackt, vor ihren Au ;en davonfahren sah. Nun hatte sie Zeit. Trübselig setzte - sie sich an ihren Sekretär, zählte und schrieb. Die Pen pon des Jahres war verzehrt. Ta la zen die Rechnungen mit den großen Summen wie schwere Steine um sie her. Sie holte ihre Eassette, schloß auf und aahm weitläufig und umständlich, in vem sie. sich oft die Augen wischte, einige ZLerthpapiere. heraus. . Groß waren die Schätze . nicht, . sie bedeuteten eben nur Schutzwehr gegen den Mangel, ein we aig bescheidenes Behagen eine Blume eine Gabe für Arme ein Erspar teö für kranke alte. Tage. Ja .sie mußte die .Papiere nun oerkaufen. so schwer es ihr wurde, es zing nicht anders..' Dafür hatte sie doch die Freude ge lossen! Und laut, aufschluchzend drückte sie ien Kops an den kalten Blechkasten, von Zlbschiedswch und Bitterkeit überwälgt. Wie Könige essen. Es mag interessant sein, unmal Um schau zu halten, wie Könige essen. Tie Königin Victoria von England entwickelt beim Esscn einen fast eingesinnig ;u nennenden Geschmack. Selten ist ihr eine. Speise recht, und was ihr heute schmeckt,, daS rührt sie beim nächsten Male nicht an. , Es ist daher keines wegö angenehm, mit der Königin zu essen, denn die Etiquette verlangt, daß man gleichzeitig mit der Königm zu essen aufhört. Wer daher zur königli chen Tafel gezogen wird, der läßt's an der Ehre genug sein und ißt sich vorher satt. t Wein trinkt die Königin jetzt gar nicht mehr. Früher nippte sie an Burgunder odcrPortwein. Champag ver hat ihr niemals geschmeckt, dagegen trinkt sie. wenn andere ibren (Sfiomöan ner bekommen, ein Gläschen Whiskey mit Apollinaris. Ter Prinz von WM ist lein . Kostverächter. Docb

litqx er jeder anderen Speise die beleg ten Brödchen vor. Kaviarbrödchen, Gänseleberpasteten, geräucherter Lachs ctc. dürfen bei keiner Mahlzeit fehlen. Tabei trinkt derPrinz zwölf bis sechzehn Tassen Thee täglich, doch verachtet er im Gegensatz zu seiner Mutter auch den Wein und den Champagne? keineswegs. König Humbert von Italien ist weit bescheidener, als sein Vater Victor Emanuel. Er liebt es, alla cacciat ora" zu essen, nach Jägerart, eine kräf tige. ausgiebige Fleischspeise und schwär zes Brod dazu. Alle Süßigkeiten sind ihm verhaßt. Ein Feinschmecker und Vielesser ist der König von Portugal, dessen Leibessülle in Folge dessen ganz bedenklich zu nimmt. Einen wahrhaft königlichen Appetit entwickeln auch die Könige von Schweden und Dänemark, der König von Griechenland, und der König von Württemberg, der sich auch lieber an derbe Kost hält und jeden französischen Koch durch seinen plebejischen Geschmack" in Verzweifling bringt. Kaiser Franz Joseph von Oesterreich ist ein mäßiger undeinsacher Esser, da gegen hält sein Bruder und, nach der Erbfolge, sein Nachfolger Carl Ludwig

viel aur einen guten Tisch. KaiserWilhelm ist mit kräftigem Ap Petit und unverwöhntem Geschmack, so recht ein Tischgast, an dem jeder Wirth seine Freude haben muß. Twee Pirow'er De Engländer hat ee'n Sparr'n, Te Franzos mokt sich to'n Narr'n, De Berliner hat een grot Mul, Te Pirow'er de iö mulful. EnS föhrt de Vullbur Krischau Schmok Mit sienen Nower Fritzen Klok Noh d' Stadt. Se har'n Hänn' sich drückt, Har'n beten an de Mützen rückt Un wären siegen in 'S Kalesch. AS se nu kämen ran noh Bresch, Wo een Schlag Weiten wär to seh'n, Seggt Schmok To Klok: De Weiten, de steiht schön!" Bur Klok kiekt sich den Weiten an, Un Schmsk, te tippt de Perd bet an, Un Beid', de föhr'n so sachten fort, Un Keener seggt een Wort. Singt wo een Lerch sich in de Höcht, Kiekt jedwer noh und jedwer söcht; Un Beid'. de föhr'n so sachten fort, Un Keener seggt een Wort. Löppt mol een Hosen öwer'n Weg, So kieken s' noh, bet he is weg; Un Beid'. de föhr'n so sachten fort, Un Keener seggt een Wort. Een Handwerksbursch köm bi se ran An'n Wog'n, sprök üm een Gaw se an: 17 m.: t-c r r.n c a. wu -ums , vu uyi u u uiyicu uii, Un Keener seggt een Wort. Döch'aS se köm'n noh Perl'berg ran, Wo'n schönen Weitenschlag füng an, Seggt Klok Te oi!" , . Baron Lugenburg alS Astronom. Bravo, bravo, Herr Oberförster V scholl eS lachend von der Tafelrunde. Nur Baron Lugenburg schwieg derdrossen, denn die Aufschneidereien sei nes Freundes waren ihm in innerster Seele verhaßt. Als sich der Lärm etwas gelegt hatte, räusperte sich der Baron sehr vernehmlich, warf dem Oberförster einen vorwurfsvollen Blick zu und begann: Ter Herr Oberförster hat unS soeben eine Hundegefchichte erzählt, die mich an em eigenes, jedoch vuchstäbllch wahres Erlebmß erinnert. Wie Ihnen allen bekannt sein dürfte, befasse ich mich in meinen freien Stun den sehr eifrig mit Astronomie. So beobachtete ich denn vor etlichen Jahren einen Kometen, der ich will übrigens keine spiritistische Erklärung der Thatsache versuchen eine höchst eigen thümliche Anziehungskraft auf mich ausübte. Mir kam es auch vor, als ob der Komet seinerseits sich ebenfalls bemühe, recht freundlich auszusehen, so oft ich ihn beobachtete: doch war mein Fernrohr zu schwach, um über diesen Punkt volle Klarheit zu erlangen. Schließlich kam der letzte' Tag an dem das Gestirn in unseren Gegenden noch sichtbar war, und ich glaubte deut lich zu bemerken, daß es sehr betrübt herniedersah. . Die Sache interessirte mich, und rasch entschlossen reiste ich ihm nach Austra lien nach. .- Ich kam noch rechtzeitig an und hatte meinen Kometen bald mit einem der dortigen Riesenfernrohre ent deckt. Aber auch er mußte mich sofort bemerkt haben, denn denken Äe sich mein grenzenloses Erstaunen! kaum hatte ich ihn. .gefunden, begann der Bursche höchst vergnügt . mit dem Schweife zu wedeln!" . . m ,, m " ' Nuby'S Pile Suppositorh wird garantirt für die Seiluna von Hämorrhoiden und Verftobwna,' oder , - m ra .ti . c ' ' . oav ?elv roiro zurucrgegeven. öv die Box. Schicke zwei Postmarken für Zirkulare und Probe an Martin Rudy, registrirten Apotheker, Lancaster, Pa. Postkarten nicht beantwortet. Zu derkaufen in allen guten Apotheken. Ward Broö., A. Kiefer & do. und Daniel Stewart, Wholesale Agenten, Indianapolis, Ind. LUD LAN 00 Cl UC i ,, . I V .U-L EYE CIA3SESJ g . ttRKraiPTI0NS yy east MARKET ST. Brillen wdn nach dm befim kthodkn den ugm angepaßt.

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Offizieller Bericht

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erciianis feionai iank. Indianapolis, den 2. Oktober 1891

Aktiva. Anleihen $ 640,535 72 Vereinigte Staaten BondS 250,000 00 Stadt Indianapolis, Marion und andere County BondS 0O9.9V6 94 Baarrnittel:

In Banken

Beim Ver. Staaten Schatzamt 8,500 00 Baar (Gold 5336,000 00) 436,516 27 v . . $1.043,254 72 Bond'Prämien 12,000 00 Gewölbe, Geldschrank und Möbeln 17.000 00 52,472,787 38 Passiva. Eingezahltes Kapital 5 300,000 00 UeberschußFond und Gewinne 119,594 75 Nationalbank'Noten im Umlauf 223,750 00 Depositen 1.829,442 63 52,472,787 83 John P. Frenzel, Präsident. Otto N. Frenzel. assirer. O. F. Frenzel, Assistent-Kassirer.

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