Indiana Tribüne, Volume 18, Number 75, Indianapolis, Marion County, 2 December 1894 — Page 7
Tcr schlaue STZungo.
Von Alfred Schönf.Id. Si? faf.en Alle zusammen im PelU lern am Schauspielertisch und schwatz tcn das Blaue vom Himmel herunter. Es war wieder einmal Premiere, und dieses in der Schauspiclerwclt stets sehr bedeutungsvolle Ercianiß bot reichlich Stoff zur Unterhaltung. Ti'e Schauspieler bilden ein neidloses Völkchen, so wenigstens behauptet man in Theatcrkrcisen selbst, während es wohl allgemein bekannt ist, daß einer dem andern, wie man zu sagen Pflegt, nicht die Lr.st gönnt. Tiefer oft unangenehm scharf ausgeprägte (sharakterzug tritt selbstvcrständlich nicht hervor, solaAge die lieben Kollegen und Kolleginnen am Stammtisch bei einander sitzen; da zeigt man der Vclt. daß ein Jeder den Änderen cchtct und schätzt. Aber in Wirtlichkeit ist es eben an der, was allerdings aus der UnterHaltung, die am Tage nach der Pre niicre im Pelikan gepflogen wurde, ganz und gar nicht hervorgehen konnte. Der würdige Väterspieler machte der zierlichen Naiven artige Complimente, indem er meinte: liebste Walter, ich hätte Ihnen gar nicht das Temperament zugetraut, clchcs Sie gestern bei der großen Scene mit Kilörke entwickelt haben." Fräulein Walter lächelte und sagte, ein wenig algirirt zwar, nur die bedeutungsdollen Worte: Na, warum auch nicht." Nee, nee. Walterchen", mischte sich die komische Alte in die Unterhaltung, so ist das nicht. Tu weißt, ich habe (Erfahrung. Zwischen Dir und Knörke ist das so so; man weiß das schon." Fräulein Walter crröthete leicht und sagte schnell: Ach Unsinn." Tie Anderen aber hatten die Bemerlung ihrer Mutter Renncrt" sofort aufgefangen und ließen nicht locker. Was? Wirklich? Die kleine Walter und der lange Knörke? Wer hätte das gedacht! Erzählen Sie", so klang es durcheinander. Nur Einer hatte kein Verlangen geIjabt, Näheres über die Beziehungen Knörke's zu Fräulein Walter zu erfahtcn, Poldl nämlich. Pold! war wie Knörke Komiker: er hieß Leopold Marsdorfcr und rangirte in jene Klasse österreichischer Komiker, die aus dem Lande der schwarzgelben (renzpfähle mit der Operette nach Teutschland gekommen waren. Man nannte ihn kurz Poldl, und diese Benennung hörte er am liebsten, weil sie ihn doch wenigstcns an Gulasch und Krapfen crinncrte. Knörke war im strikten Gegensatz zu Poldl das richtige Prototyp des norddeutschen Komikers herb in seiner AusZrucksweise, mit derben starken Nuancen, bestimmt und ohne zappliges Beiwerk. Was nun Knörke und Poldl anlangt, so konnte man vom ersten Tage ihres Beisammenseins an merken, daß Beide sich arg in den Haaren ' lagen. Tas machte sich in allerlei Chicanen bemerkbar, in dem Abfangen von Pointen, serner dadurch, daß der Eine dem Anderen einen Witz durch voreiliges Dazwischenredcn tödtete, ein falsches Stichwort brachte, so daß der Andere unwillkürlich stecken blieb oder zu spät auftrat. Kurz und gut, Knörke und Poldl standen wie Hund und Katze. Merkwürdig, an jenem Morgen nach der Premiere war Poldl noch nicht am Stammtisch im Pelikan, während Knörke unweit der kleinen Walter saß und bei der Bemerkung von Mutter cnnert" wohlgefällig schmunzele. Na, Walterchen", sagte er gutherzig, nur keinen Genirer; gewiß, ich hab' Dich gern. Prost, ich komm' Tir'n Schluck." Nun aber erröthete die kleine Walter mehr als vordem. Aber über Dich auch", meinte Mutter Rennert", was ist denn dabei! Pold! ist ja nicht hier." Was ist mit Poldl!? Wie kommt Poldl dazu?" klang es durcheinander. Tie kleine Walter sah aus, als ob sie eine ganze Schachtet Rouge aufgelegt Hütte. Ach, es ist gar nichts", wehrte sie jctzl ganz energisch ab; wir waren schon einmal zusammen engagirt. und Poldl hatte mir da den Hof gemacht." Knörke runzelte die Stirn. Tiefer Poldl! Auch bei seines Herzens zarter ?!eigung trat er als grimmer Rivale auf. Mir schwant nichts Gutes, Kleine", sagte er, indem er sich zu der noch immer stark Gerötheten neigte, Du hät lest sollen ehrlich mit mir handeln, der Poldl ist " Woas is rnit'n Poldl? Hoab die Ehr allerseits!" Poldl war soeben eingetreten. Tie Gesellschaft am Stammtisch drehte sich roie auf einen Schlag nach dem Sprechcr um. No geng:ns, Mutter Rennert, rooas haat der Poldl z'schaffen? Ser vus, Walter. Grüatz Goat, Kinder." Wit diesen Worten hatte Poldl vis-a-vis von der kleinen Walter Platz genommcn. "Nichts ist gewesen, gar nichts," er. klärten einige, aber Knörke, den es Murmte, daß Poldl ihm überall in den Weg kam, meinte ziemlich sarkastisch: Ter Poldl ist gestern brillant gewesen, wollt ich sagen.' und da sind Sie gerade eingetreten. Jetzt kann ich ja übet ruhig aussprechen. Ich habe mich nämlich scheußlich gewundert, daß Sie trotzdem in den Recensionen nicht erwähnt sind, sondern nur ich. Ihre Rolle war vielleicht zu klein." Ter Hieb saß. Poldl rückte unruhig auf seinem Etuhl hin und her und rief: Wir wer'n schon noch a moal die Rollen tauschen", und sich an den Kellner wen dcnd, bestellte er a Gloas Pilsen".
Für den Abend dcNelbcn Tages schon hatte Poldl dem Norddeutschen Rache geschworen. Was konnte ihn mehr freuen, als wenn Knörke auf offener Scene sich tüchtig blamirte. Tas hatte er herbeizuführen beschlossen, und gerade an diesem Abend war die Gelegenhcit hierzu günstig, spielte er doch in der Operette Ter Scckadctt" wieder mit Knörke zusammen, er die große Rolle des Brasilianers Ton Januario. Knörke die kleine des schwarzen Tieners Mungo, der Alles auf Commando seincs Herrn thun muß. Poldl gewährte es überhaupt kolossales Vergnügen, gerave im Scckadctt" mit Knörke zusammen zu spielen. Da konnte er seinen Rivalen nach Herzenslust sekircn", wie er sagte. Mungo, lache!" Mungo, schäme Dich!" Mungo, weine!" Mun50, werde blaß!" Das Alles stand in seiner Rolle und er erweiterte diese Befehle, die dann dec gutmüthige, treue Mungo auszuführen hatte, durch eigene Ertempores, hinterlistig lauernd,' ob auch Muugo schlagfertig genug sein werbe. Alles, war er im Augenblick ersann, auszuführen. Mungo hatte allen Ränken und Listen seines brasilianischen Herrn bisher Stand gehalten, und es gab wohl kaum irgend eine Nuance, auf die der schlaue Knörke sich nicht im Geheimen
l vorbereitet hätte. 1 Aber Poldl hatte doch etwas Neues ersonnen! Als er am Abend vor dem Theater stand, am Schauspieler Eingang, von einem kleinen Vorgarten umgeben war, flog es wie Schadenfrcude über sein sonst so gutmüthiges Gesicht. Eben kam nämlich die kleine Walter. Es war ihr gräßlich peinlich, nach der Scene vom Vormittag an Poldl vor überzugehen. Servus, Kleine", redete Poldl sie an; bist ja ung 'heuer rcservirt; wir Zwoa hab'n do nix mit'nand, und dem Knörke zoahl i schon heim, heut, gieb Acht". Ich finde das im höchsten Grade verwerflich," entgegnete die kleine Walter gereizt, Jemanden in seinem Berufe lächerlich zu machen." Damit schritt Fräulein Walter durch die Eingangsthüc, eilte die Treppe zu den Garderoben hinauf und, ohne in die ihrige zu gehen, direkt auf die Büh ne. Tort bat sie den Thcatermeister, doch schnell Herrn Knörke zu holen, sie hätte ihm etwas sehr Wichtiges zu saacn. 11 nir rt flskl Vn! rnrtt rtrt ,11 tiiiuiii .w'uiin ivui uiuu ytwi gefällig, und in wenigen Augenblicken stand Knörke neben der erregten Naiven. Paß auf", meinte sie zu ihrem neuesten Verehrer, Poldl legt Tir heute wieder eine Falle, auf die Tu am allerwenigsten vorbereitet bist: er hat es mir eben vor der Thür gesagt. Sei gut. Du treue Helferin in der Noth," beruhigte Knörke die kleine Walter mit komischem Pathos, Poldl wird mich nicht 'reinlegen, so wahr ich Fritz Knörke bin." Knörke war an diesem Abend in seiner Garderobe allein und hatte daher in aller Ruhe Muße, über alle Schliche und Ränke nachzudenken, denen er heute seitens seines Kollegen Poldl ausgesetzt sein könnte. Er kann sagen: Mungo, stehe Kopf!" All nght' Kopf stehen kann ich. Er kann sagen: Mungo, schlage Rad!" Gut, ich schlage Rad. Mungo, krähe. wie ein Hahn, kikiriki!" ich kann's Mungo, leg ein Ei!" wird gemacht, ein Ei hab ich immer in der Tasche, ich leg ein Ei. Und weil Poldl mir armen schwarzen Mungo eines Abends hätte zurufen können: Mungo, werde blaß, habe ich immer, wenn ich den treuen Diener Januario's spiele, auch Mehl in der Hand, welches ich mir in's Gesicht werfe: all right, der schwarze Mungo ist blaß." In diesem Kreislauf bewegten sich Knörke 's Gedanken, als er sich in das Mungo-Kostüm stürzte. Halt! Da Plötzlich kam ihm eine Idee. Bis jetzt hat mich Poldl stehts blaß werden lassen, vielleicht hat er heute einen anderen Wunsch." Knörke war mit Poldl auf der Scene; hinter der zweiten Koulisfe, so daß sie Knörke kaum beobachten konnte, stand die kleine Walter. Januario, der wilde Brasilianer, peinigte den schwarzen Mungo bis auf 's Blut, aber Mungo erfüllte alle Wünsche seines Herrn zum Gaudium des Publikums, welches die dummdreiste Komik Knörle's mit hellem Jubel lohnte. Nun mußte der Augenblick kommen, wo Januario rief: Mungo, werde blaß." Wie ein Tölpel, der an Nichts auf Gottes weiter Welt dachte, stand Mungo da und harrte des Befehls. Aber wer ihn beobachtete, konnte sehen, daß er mit angespannter Aufmerksamkeit auf seine Fäuste blickte, eine jede zum Wurf nach seinem Gesicht bereit. Da kam der tolle Scherz Januario's, bei dem er Mungo zu befehlen hatte, daß er blaß werde. Mungo grinste. Januario aber drehte sich höhnisch lachend nach ihm um und rief vor Freude strahlend: Mungo, werde roth!" Und schnell wie der Blitz schleuderte sich Mungo den Inhalt der einen Hand in das schwarze Gesicht, welches im Nu über und über roth ward. Januario dachte, ihn treffe der Schlag, als er das breite, rothbepudcrte Gesicht seines Mungo erblickte. Tas Publikum schrie vor Lachen und brach in stürmischen Beifall aus, der sich erst legte, als Mungo, die durch Puder erzeugte Schamröthe im Gesicht, sich dreimal dankend verbeugt hatte. Tie kleine Walter kicherte vor Freude, und auch die nicht beschäftigten Kollegen und Kolleginnen kamen herbei, um sich I den rothen Mungo anzusehen, der stolz erhobenen Hauptes soeben abging und nur, die drei inhaltsschweren Worte
sprach: Mi? kann Zkeiner!" Tie Vorstellung war aus, und schon saßen die Mitglieder des Theaters wieder am Stammtisch im Pelikan; nur Poldl fehlte noch. Tie Unterhaltung drehte sich um nichts weiter, als um den Geniestreich Knörkc's. Ja, seht her," sagte er lächelnd, in der einen Hand hatte ich Mehl, in der anderen rothen Puder; und wenn Poldl gesagt hätte: Mungo, werde schwarz, weiß, roth," ich hätte mich auf der rechtcn Backe weiß, auf der linken roth gemacht und wäre in der Mitte des Gesichts schwarz geblieben!" Eben kam Poldl, als Alle über diesen Einfall herzlich lachten. Er sagte kein Wort, setzte sich in die Nähe Knörkc's, so dicht er konnte, und bestellte ein Pilsencr. Als der Kellner ihm das Bicr gcbracht hatte, stand er auf und sagte: Ich trinke dieses Glas auf das Wohl des fchlauestcn Mungo, den ich je hatte und je haben werde. Prosit!" Alle stießen an und tranken. Seit jenem Abend waren Poldl und Knörke die besten Freunde und Knörke ist noch oft auf Befehl Poldl 's roth ge worden. Tcr wilde Jägcr.
Eine wahrhastige Geschichte von Wendelin . Lederer. Es war im vorigen Jahrhundert, als sich eines Abends ein Mann Namens Nikodcmus Fcdcrle. seines Zci chcns Stadtschrcibcr zu Bäringen, im Walde auf der Sonntagsjagd verirrte und trotz allem Suchen den rechten Weg nicht finden konnte. Es wurde dunkel und er mußte seine Bemühung ausgebcn. Tie Nacht war kühl und er suchte sich so gut es ging unter einer Eiche bequem zu machen. Ta fiel ihm ein. daß dieser Wald durch einen alten Spuk verrufen war, und zwar sollte der ruhelose Geist eines vor fast zweihundert Jahren verschiedenen gräulichen Cünders, als wilder Jägcr" bekannt, allhier sein Wesen treiben. Er hatte viel Schauriges über den Unhold gehört, allein er' hatte das nie geglaubt und als gebildeter Mann die Geschichten bclächelt. Nun fühlt? er dennoch einige Beklemmung bei dcm Gedanken daran, und da es auch empfindlich kälter wurde, beschloß er. sich ein Feuer zu machen und wach zu bleiben. Türrcs Holz war genug vorhanden und bald prassel tcn lustig die Flammen. Er sehte sich möglichst nahe und warf von Zeit zu Zeit frische Aststücke in die Gluth. Plötzlich hörte er fern ein cigenthümlichcs Gekläff, erst weit, dann immer näher und näher. Bald vernahm er das Brechen von Acftcn, starke Schritte und das Schnauben des Hundes. Erschreckt blickte er nach der Richtung des Geräusches, und schon war es nah; da Buschwerk krachte und hervor brach wie der Sturmwind eine gespenstige mächtige Gestalt. Tem St.adtschrciber standen die Haare zu Berge, denn er erkannte sofort, daß er den viclverrufencn wilden Jäger vor sich habe. Er war es wirklich und wahrhaftig. Im Kreise des Feuers hielt er den gewaltigen Schritt an, riß an der Leine den vorwärmenden Hund zurück und rief mit grollender Stimme: Kusch dich, Pluto!" Ter wilde Jäger war ein hochgewachsener knochigcr Mann, in altem schäbigen gelben cderwamms, ebensolchen Hosen und mächtigen rothbraunen Schaftstiefeln. Sein spitzer grauer Hut war mit einer langen blutrothcn Fed'er geschmückt; auf der Schulter trug er ein alterthümlichcs verrostetes Feuerrohr. Er setzte sich, nachdem er den wie zu Stein er starrten Stadtschreiber, mit düsteren Blicken gemustert, gegenüber auf einen Baumstumpf, zog den großen schwarzen Hund zu sich und sagte nach einer Weile; Na, mein Lieber, erholt Euch nur: ich frcß Euch nicht!" Dabei zog er ein großes blauleinencs Sacktuch hervor, wischte sich den Schweiß von der Stirn und schneuzte sich dann ungemein kräftig hinein. Ter Mann war nicht übel; das Auffälligste an ihm war aber eine gewichtige feuerrothe Nase, die jetzt förmlich glühte. Auch die Augen waren stark geröthct und etwas triefend, ohne Zweifei vom vielen Weinen des reuigen Sünders, wie Nikodcmus dachte. Toch ward er bald eines Bessern belehrt, da Jener soeben eine umfangreiche Flasche hervorzog und einen tiefen Zug daraus that. Tann hielt er sie dem Stadtschreibe? hin und sagte: Ta, nehmt einen Schluck; es wird Euch nöthig sein!" . Ich danke Euch herzlich." sagte Fe derle. aber ich trinke keine scharfen Sachen!" Ach papperlapapp nur versucht; es ist ein Guter!" Ter Stadtschreiber nahm nun schüch tern die Flasche und kostete ein wenig. Es war wie Feuer und hatte einen gü ten Geschmack; er that darum noch einen ziemlich kräftigen Zug. Er ist wirk, lich gut!" sagte er und leckte sich die Lippen. Nach diesem ersten Versuch tranken sie zusammen noch öfter und Fedcrl sühltc, wie ihm das Leben zurückkehrte und der Muth, soviel nur ein Stadt schreibe? haben kann, wuchs ihm zu' sehcnds, so dc.ß er mit seinem Gegen' über bald in der schönsten Unterhaltung begriffen war. Endlich getraute er si auch den Jäger um Namen, Herkuns? und die Umstünde, die ihn zu einem so ruhelosen Treiben gebracht hätten, zu fragen. Ta verfinsterten sich die Züge dc5 wilden Jägers. Er blickte eine Weile in die Flammen, spie dann krästig aus und sprach : k .'Na, wenn 's Euch interessirt, das ist bald erzählt. Ich heiße Ulrich von Dunkelstein und bin us guter Familie." Hm! Ullrich von Tunkelstein?" unterbrach der Stadtschreiber;. der
Name ist mir bekannt, ich glaube, ich habe davon gelesen. Toch fahrt nur fort!" Jener that es: Ich spuke nun schon gegen zweihundert Jahr hier herum, rhne Ruhe im Grabe, und daß ich das thun muß, das kam so: Ich ging eines schönen Morgens, es war gerade ein Feiertag, auf den Anstand ich bin nämlich ein leidenschaftlicher Jäger und wie ich also am Platze bin und paffe, kommt richtig ein prachtvoller Bock und ich brenn' ihm eins drauf. Ich geh' darauf hin, wo er gestürzt ist und will ihn g'rad ausweiden, als auf einmal ein alter ehrwürdiger Pater im Mönchshabit und mit langem weißen Barte vor mir steht. Tcr legt die Hand auf den Bock und sagt: -Bcr-worscner Frevler! mußt Tu sogar an Feiertagen die unschuldigen Thiere des Waldes verfolgen und todten? Weiche von hinnen nnd lasse den Bock den: Kloster zur Buße. Nur das kann dich retten! Ich lehnte das ab, wir kamen in Streit, und da ich etwas hitzig bin und er den Bock nicht wieder loslaffen wollte, schlug ich dcm Alten einfach den Schädel mit dcm Kolben ein. Er hatte nur noch Zeit zu rufen: Weh Tir! Tu hast einen Gesalbten des Herrn gemordet Tu bist vermaledeit und sollst keine Ruhe im Grabe finden! Tann verschied er. Jetzt erst wurde mir klar, was ich gethan hatte. Priester Mörder! schrie es in mir und wie von Furien gejagt eilte ich fort, durchrannte den Wald bis in die finstere Nacht und stürzte endlich dabei in einen Abgrund, wo ich mir das Genick brach. Aber der Fluch des Mönches lastet thatsächlich auf meiner Seele und raubt mir die Ruh' im Grabe. Also ist es leider." Er spuckte abermals kräftig aus, nahm einen Schluck aus der Flasche und schwieg. Tcr Stadtschreiber hatte mit wach sendcm Erstaunen zugehört; nun schrie er in höchster Erregung: Aber Mann, Euren Fall habe ich erst kürzlich in einer alten (5hronik gelesen Ihr seid in einem entsetzlichen Irrthum. Jener Mensch, der zur selbigen Zeit wie Ihr, erschlagen im Walde gesunden wurde, war gar kein Priester; cs war ein bekanntcr Gauner und Wildsrevler. Tas hat sich nachher Alles herausgestellt. Er lebte als frommer Siedler, um über den wahren Beruf zu täuschen. Ta habt Ihr ja eher ein gutes Werk gethan! Tcr Näubcr wollte Euch um den Bock betrügen." Ta sprang der wilde Jäger auf, starrte den Sprecher an und brüllte: Hölle und Teufel! Ist das wahr?" Vollkommen!" sagte Fcderle; cs ist Alles wohl bewiesen!" Tonncr und Hagcl !" schrie jener; dann hab ich ja umsonst gespukt! Mich um zwei Jahrhunderte um die Grabesruh' gebracht! Ha, ich bin schrecklich betrogen worden ! O entsetzlich, niederträchtig!" Er knickt? zusam men und ließ sich schwer auf den Baum stumpf zurückfallen. Ter wilde Jäger schimpfte noch lange; aber schließlich kamen weichere Gefühle über ihn und eine Thräne der Frcude darüber, daß er nun erlöst war, trat in sein Auge. Ihr seid mein Retter!"
' sagte er, zu dem Stadtschreiber gcwcndet, und es ii die letzte Nacht; laßt uns darum noch einmal fröhlich sein !" Sie leerten darauf zusammen die Flasche und sangen zum Ende das schöne Lied : Sauf, Bruder, sauf!" bis Nikodcmus Fcdcrle einschlief. Als er am Morgen erwachte, war der wilde Jäger verschwunden. Tiefsinncnd ging Federle, nachdem er den rechten Weg glücklich gefunden, nach Hause. Von dcm wilden Jäger hat man nie mehr etwas gesehen oder gehört. Tas unglückliche Opfer eines verhängnißvollen Irrthums oder richtiger schänd lichen Betrugs war endlich erlöst. Juvcltöne. In dem württembergischen Theile des früheren souveränen Fürstenthums Hohenlohe hat die Ernennung des Fürsten Ehlodwig Hohenlohe Schillingsfürst zum Reichskanzler und des Fürsten Hermann Hohcnlohe-Langen-bürg zum Statthalter der Reichslande, sowie die Erinnerung daran, daß des Ersteren Bruder, Fürst Gustav, Eardinal ist. gewaltige Begeisterung erregt. Ein biederer Bewohner jenes Landes theils hat in seiner Begeisterung dcn PcgasuS bestiegen und in folgendem Liede dem allgemeinen Jubcl Juwel wie die Hohenloher in ihrer fränkischen Mundart sagen Ausdruck gegeben : Hohenloher Juwel. Soochts norr jedem Zinkcnische, Er söll jetzt zum Fescht sich rüschte, Eöll vun jedem Torn rohbloose; d 'Madlich straae scheine Roose Juwcln söll hait iwcrohl Vun Hallbrunn bis nach Merchedohl E jede Fraa und jeder Mon, Wu Hohelohisch schwätze kon." Ja, bloost 's norr roh vun jedem Torn Hail isch uns alle widerfohrn." Herrgott, 'wie stäht des Hoheloh Jez in dcm ganze Weltall do! Tcr Ehlodwich, der isch Bismark worde, Kriecht noch de schwarze Adlcrordc! Raichskanzlcr isch er, sell isch wohr, E Held mit fünfcsiebzich Johr. Färscht Hermann, der isch aa net wennich. Im Raichsland driwe Vizckönich, Statthalter jcz und General; Und der Prinz Gustav Kardinal! Im Staat.' im Raich und in der Kärch Isch Schillingsfärscht und Lang:bcr Vorr alle andern owe dron; Tes fraat doch jede rechte Mon. Wenn son die Hohcloher sieche, Wo miesse m'r en Krattel krieche. Do Exzellenz, dort Eminenz, Und iwcrohl Jntellichenz! Son was gäht Aam dorch Mork und Baan Vun Mazzebach bis Naiestaan. Trum fraat se mit sam'm Bäwele Vun. Herze der alt' Gäwele, Tie ruefe kraizfidel und froh: Hurrah dl Färschte Hohenloh!
Am gedeckten Tiscks. Eine jede Wissenschaft hat ihre Poesie. selbst wenn sie an sich praktischen
Zwecken dient. Zu allen Zeiten galt j die Kochkunst als dre prosaiscyite unter den Frauenkünsten, der man alle Poesie absprach, bis ter Schönheitssinn der Hausfrauen trotz aller Prosa der Kochkunst auch ihr eine poetische Seite abgewann in dem zierlichen Anrichten der Speisen und der geschmackvollen Anordnung des Speisetisches. Daher ist es keine leere Redensart. weint ich die Behauptung aufstelle, daß man den guten Geschmack und das schönheitsstnnige Wesen der selbstthätigen Haussrau nirgends besser erkennen kann als in der Art. wie sie ihre Tafel deckt und ihre Speisen aufträgt. Ich meine hier nicht die festlich gedeckte Tafel und die demnach reich verzierten Gesellschaftsschusseln, sondern d:n täglichen Tisch und die alltäglichen Speisen. Was vorerst den Speisetisch anbetrifft, so habe ich oft tüchtige Hzus. frauen, denen aber der Sinn für Poesie fehlte, 'die Anschauung aussprechen hören, daß, wie der Tisch aussehe, eigentlich Nebensache sei und nur, was auf ihm stehe, den Ausschlag gebe bei der Beurtheilung des Könnens der Hausfrau. Allerdings kann selbst der reizvollst gedeckte Tisch den Hausherrn nicht über die mangelhafte Zubereitung der Speisen trösten, aber ebenso wenig vermögen nachlässig angerichtete Speisen auf reizlos gedeckter Tasel den Genuß zu geben, den sie bei zierlichem Anrichten gewährt haben würden. Der Genuß beim Essen aber ist kein überflüssiger Luxus, sondern ein von der Natur gewolltes Mittel zur Erhöhung der Bekömmlichkeit der Speisen. Aber auch den Schönheitssinn ihrer Lieben zu wecken und stets neu zu beleben bietet dasAnrichten der Speisen derHausfrau eine geeignete Gelegenheit. Und wie leicht ist es verhältnißmäßig, sie zu ' t "J .. .. r c . ircrwgcn; man oeoars oazu lemer großen Hilfsmitkl und keiner kostspieligen Ausgaben, und ich will in nachstehenden Zeilen nur ganz kurz zeigen, wie l Jk ! ..C. ' t..PL c - iuemg außer uji uno Zliüt zur j Sache dazu gehört. 15m hübsch gedeckter Tisch muß vor allem tadellos reines Tischzeug zeigen, nichts gibt ihm ein häßlicheres Aussehen als ein zerknittertes, beschmutztes Tischtuch. Bei sorgfältigem Abkehren des Tafeltuches, Auflegen der zierlichen Schüsselunterlagen, oder bei Bedecken der Mittelfläche desTisches durch einen bunten Tischläufer, der zudem wohlthuend das sonst leicht eintönig Wirkende weiße Tuch belebt, und Zusammenfalten in den vorhandenen Falten ist es nicht nöthig, wöchentlich' mehr als ein Tafeltuch heraus zu geben es sei denn, daß die kleinen, unruhigen Tischgäste trotz bester Erziehung doch einmal ein Unheil anrichten. Beim Einkauf des Tifchgeschirres achte die Hausfrau auf eine gute, aber auch zierlich geformte Waare; ein kleines Mehr der Anschaffungs kosten wird durch längere Haltbarkeit und hübschere Form reichlich aufgewogen. Glas- und Nickelsachen, die viel dazu beitragen, den Tisch zu beleben, seien strahlend blank, sie erzielen in trübem Zustande ganz das Gegentheil des beabsichtigen Zweöes. Farbiges Glas für Salznäpfchen und dergleichen ist sehr zu empfehlen; Nickelgeräthe sind versilberten Sachen entschieden vorzuziehen.sie bedürfen keines umständlichen Putzen, das to? Hausfrau den täglichen Gebrauch 'des Silbers meist verleidet. Daß man, wenn man keine der zierlichen preiswerthen Weinkaraffen besitzt', die Flaschen in bronzirte oder vernickelte Unterstätze stellt, daß man Salz- und Pfeffernäpfchen mit kleinen Löffeln, Fleischschüsseln mit netten Auflegegabeln versieht un für den Braten endlich ein Eztrabesteck auflegt, sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber selbst in besseren Haushaltungen, die wohl Anspruch auf feinere Lebensführung machen, fehlen diese Sachen oft. Die Wirkung des zierlichen Deckens der Tafel kann erhöht werden durch eine Ausschmückung mit einer Blumenschale und einem Obstkörbchen. Sie sollen nicht mit seltenen Pfanzen oder Früchten gefüllt sein, nein, gerade die Einfachheit ihrer Anordnung soll zeigen, daß nur der Schönheitssinn der Hausfrau, nicht Prahlerei mit dem Wohlstand, sie aus die Tafel gestellt hat. Daher kann de? Blumenstrauß aus den bescheidensten Feldblumen bestehen, wenn er nur anmuthig geordnet ist. Ob er nun mit den ersten Frühlings lindern Floras. aus Gras und sommerlichenWiesenblumen.aus' herbstlich verfärbtem Laub und Ebereschenbeeren, oder im Winter aus Stechpalmen mit rhren rothen Beeren, oder nur aus Tannengrün gebildet ist, immer wird er der Tafel ein reizvolles Ausseen eben, 'das noch erhöht wird durch ein Körbchen mit sauber abgeriebenem Obst, wie es die Jahreszeit bringt. Dies Körbchen kann leicht und doch hübsch aus einem zierlichen Spankörbchen hergestellt werden, das innen mit waschbarem Deckchen bekleidet wird, dessen Spitzenrand etwas über den Rand des Körbchens fällt, außen bronzirt und am Henkel mit Band umwunden wird. Bietet so der Speisetisch ein freundliches Bild, so beachte die Hausfrau auch, daß nachlässig angerichtete Schüsseln dies Bild nicht trüben. . Auch ein einfaches Gericht gewinnt durch zierlichen Ausputz ein lockendes AusseUn. Diese Verzierung ist keineswegs so zeitraubend wie manche Hausfrauen glauben auch hier macht Uebung bald den Meister die Kosten sind ebenfalls unbedeutend, , der Erfolg aber ist 'groß. Nur muß man beim Ausvutz der Gerichte darauf achten, daß die Sachen sowohl im Geschmack zu dem zu oerzierenden Gericht l?assen als auch
durch abweichende Form oder Farbe ausdrucksvoll sind. Rindfleisch nimmt sich sehr hübsch mit übergestreuter Petersilie in einem Kranze von Merrettiglocken aus; gebratene Apftlschnitten passen gut zu Leberspeisen, Pfeffergurken und Perlzwiebeln zu Schweinefleisch, KohlherzÄen wie allerhand bunt geschnittene Gemüse zu Kalbsbraten und kleine Röstkartoffeln nebst geschmorten Gurkenstreifen zu Hammelfleisch. Alle gekochten Fische lieben einen Ausputz von Petersilie, ausgezackten Citronnscheiben. die zur Hälfte mit Rothrübensaf! noch gefärbt werden können, und gewiegtem, hartem Eigelb. Mischgerichte, wie Ragouts, Fricassees geminnen außerordentlich durch zierliches Anrichten. Eierviertel, Kapern, geröstete Weißbrotdreiecke und Perlzwiebeln genügen schon für eine geschickte Hand, um ihnen ein hübsches Aussehen zu geben, das man noch durch einen Kranz kleiner, ausgebackener Kartoffelmu-
schein aus übrigenKartoffeln bereichern kann. Diese Muscheln stellt man her, indem man übrige Kartoffeln reibt, mit etwas Salz, einigen Eiern und Mehl zu einem ziemlich festen Teig verrührt, den man zu daumendicken Rollen formt. Diese Nouen werden in gleichmäßige Stücke geschnitten und jedes Stuck qeoen die Nuckselte emes Reibeisens gepreßt und rundlich aus gedrückt. Man bäckt die so entständenen kleinen Muscheln entweder m Backseit schnell goldbraun, oder kocht sie einfacher nur :n Salzwasser einen Augen blick auf. Auch die Gemüse gewinnen durch einen Ausputz; Spinat wird mit Omelettenschnitzeln oder gerösteten Brotstreifen umgeben und m der Mitte mit Setzeiern belegt, Blumenkohl erbält eine Umrandung kleiner gefärbter Semmelkloschen oder Morcheln, Rothkraut wird mit Apfelvierteln. Braunkohl mit Maronen verziert, Bouillonreis siebt hübsch mit kleinen Pilzen oder Liebesapfelscheiben aus, Kartoffelbrei daqeqen liebt goldige Speckwurselchen und gelb gebratene Zwiebelringe. Compotte und süße Speisen werden Nicht so Viel verziert, man ordnet die gedünsteten Früchte in einer Glasschüssel, wobei man die besten obenauf legt und sie dann mit ihrem eingedickten Saft überfüllt. Süße Speisen putzt man mit Obstgel6e. eingemachten Früchten und kleinem Backwerk aus. Für alle kalten Fisch- und Fleischspeisen endlich ist ein Ausputz von Fleischgelöe am passendsten, das man mit Hilfe von Fleischextrakt schnell auf folgende Art bereitet: Man setzt ein drittel Quart Wasser mit Salz, wenig 1tronensä'ure. Gcwürz und Kräutern aufs Feuer, kocht dies zehn Minuten, siltrirt die Flüssigkeit, fügt ein Glas Weißwein, 75 Gran Flerschextrakt und sechs bis 125 Gran weiße, aufgelöste Gelatine hinzu, klärt, wenn nöthig, die ,1?lüssiakeit und läßt sie erstarren. Man wiegt foje Fleischsulz oder sticht sie beliebig aus" wenn sie mit reichlich Gelatinezusatz bereitet wurde. Necepte gegen den Rost. Was ein rechter Dichter ist. dem wird Alles zur Poesie, selbst ein trockenes Rezept. Das beweist der Autor des Rezeptes gegen den Rost: Vieles kann der Mensch benutzen, Rost'ges Eisen blank zu vutzen So zum Beispiel wirkt die Zwiebel ' Ganz energisch auf das Uebel; Andrerseits hinwiederum Steckt man in Petroleum, Was man wünscht, hübsch blank zu kriegen; Zehn Minuten läßt man's liegen., Zum Poliren wendet man Schmirgel oder so was an. Auch wird Seife oder Sand, Wohl auch Baumöl angewandt; Auck mit Sviritus und Leder Kann man putzen. Zwar nicht Jeder Wird die noth'ge Nuye yaven, Rost mit Messern abzuschaben; Doch wie die Erfahrung lehrt, st auch dies empfehlenswert Und erforderlichenfalls Greift der Mensch zum Schweineschmalz. Weil sich sorglich eingefettet Bald der rauhe Rostfleck glättet; Doch das Beste wird wohl bleiben, Mag der Leser sich auch sträuben: Was geworden etwas naß. Reiben ohne Unterlaß, Was getrocknet ist sodann. Sicher auch nicht rosten kann! Was jede Hausfrau wissen soll. Gegen rauhe Hände gebrauche Citronensaft. Mit warmer Milch und Wasser kann man Oeltuch ohne Seife reinigen. Eine heiße Schaufel über Möbel gehalten, nimmt weiße Flecke davon weg. Streue Sassafrasrinde unter getrocknete Früchte, um Würmer davon zu halten. Eine Hand voll Heu mit Wasser in einerr neuen Eimer gethan, nimmt den Geruch der Farbe mit fort. Tintenflecke auf Seiden-, Woll- und Baumwollstoffen lassen sich mit Terpentin entfernen. Eine Mischung von Bienenwachs und Salz macht alte Bügeleisen so glatt wie Glas. Fische lassen sich viel besser abschuppen, wenn man sie emen Augen blick in heißes Wasser hält. Zähes Fleisch kocht ebenso weich wie anderes, wenn man dem Wasser ein wenig Essig zufügt. Um das Weiße von Eiern schnell zu schlagen, thue eine Messev spitze voll Salz hinein; je kühler die Eier und, desto schneller geben sie Schaum. I in Heirathsbüreau. aben Sie Vermögen?" Nein! Aber einen Beruf ?" .Gegenwärtig nicht ich habe meine Gründe....!" .Also Grur.dbe. sitzer!"
IrattcnlUTUs im . 16. Jahrhun
dert. Zu allen Zeiten haben Luxus und Mode die Töchter Evas tyrannisirt. An zahlreichen Versuchen, das Ueberhandnehmen des Luxus selbst mit Hilfe strenger Gesetze einzuschränken, hat es nicht gefehlt, allein alle derartige Experimente haben keinen dauernden Erfolg gehabt. Von dem rassinirkn Luxus, welchem manche Modedame heut zu Tage fröhnt, haben wir alle mehr oder wenige? Kenntnin; was in dieser JeZiehung eine Weltdame dcs 16. JahrHunderts leistete, erzahlt uns Graonus Schauplatz der Künste". D:r Verfasser ist offenbar kein Freund der Damen gewesen, denn er geißelt ihre ,sundiqen und gottocraessenen llllotria" in der folgenden derben Weise: Was meynestu, großqunst'.ger Leser, dass sie vorhaben, mit ihren lieblieben Gesängen, mit künstlichen instrumentls musicis mit ihren sremdigen Tänßen, malzeyten, spatziren rennen. unot anderen dergleychen angestellten Kur.',weyl. als dass sie denen, die sie schon an sich haben bracht, nach dem Vecunia-Veutel greyffen und noch Andere an sich ziehen, welche durch ihre öngelische Stimme. Musica undt Gebärden, durch die zierliche undt feynst aesetzcte Rede undt endlich durch solche unvergleychliche Freude und Kurzweyl aleichsamt entzücket, auch im wachm allezeyt von ihnen allezeyt träumen und sich dermassen in ihre höllische Lieb verwickeln, dass sie sich nimmermehr können oder mögen loß wirken undt davonnen gehen. O über die Narrethei Dieser! Damit auch ja alles köstlich genugsamt zugehe und ihre Lieben undt getrewen desto weydllcher girren, und ihnen zutragen, muss alles bey ihnen auf das zierlichste ausgebutzet seyen. Nambllch: ihr Bett mit seydenen undt güldenen Umhängen behänget die Küssenzl'echen. uff dass pattlste vernähet und geziereth die Stühle, so sie darauf sitzen, schon überzogen die Tische mit schönste undt beste Türklsche Deppichen bedecket die Gemache mit sammet. seyden oder feynste aüldene Stücken behänget die Tresür überladen mit eitel Silbernen geschyrren Pokalen und schzuschüsseln alle Simms mit schönen Bildleyn bestellet. Dass seyn nur die innerstenGemache; aber auch die ausswendig! Wände mit Blumen undt Laubwerk gemalet dazu dass gantze Haus mit guten Gerüchen, beydess von Nauch undt riechende Wasser erfüllet." Auch gegen das Schönthun gegenüber denen Getrewen" zieht der gute Mann weidlich zu Felde und erzählt, wie es die Flirts" im 16. Jahrhundert trieben: Zu diesem Ende lässt man sich aufs denen Erkkern, denen Thüren undt Fenstern sehen; da beweget man aufs zierlichste weyse den Fächer, winket und spricht mit denen verlokkenden äugen, lachet undt ladet seine Liebsten, umb dass sie bey ihnen einkehren mögen. Auch schreybt man Briefe, mit allerley Simbolica uff dem Papyr, giebt allerhandt Avisen und lauffen ihre Boten und ihrer Liebsten Iungcn und Lakayen stättiglich, beydes, in derStadt undt auff dem lande, aufs und ab. Das Verbessern" weiblicher Schonbeit war zu des Verfassers Zeiten ebenfalls im Schwange, denn er lamentirt: Und meynestu, dass sie mögten traaen ihr Angesicht, so ihnen der Weltenvatter gegeben? Mit Nichten! Sie machen darawß eyn Bildniß, dass ihnen nicht gleychet. Da fehlet es an keynem waschen, schmücken undt malen. dass nur allzeyt gleych schön seyen da vermögen die Apoteker nicht Bleyweyß genugsamb zu sühren da kann man nicht Allawn floris crystalis, boracis Präparat!, destillirtes Essig, Bohnenwasser undt ander derglevchen fachen genugsamb zu Wege bringen. Da erfrischet man dass Angesicht undt machet eyne zärtliche und glanpendle Hawt mit Pfyrsichkernwasser und Lymoniensafft. Da krauset man dass Haar und machet es steiff auf der Stirne mit Dragantum und Safft von Quittenkerne und kommyt davon eyne Tewerung, beydes in Weynsteyn undt ungelöschtem Kalk, diweyl sie großmächtiglich viel davon aussnutzen, dass sie nur ja gute Laugen haben mögen, damit sie sich frisch und roth macheten undt es angleychen derer Morgenröthe aleych thuen!" Aus diesen Aufzeichnungen ersehen wir. daß auch in Betreff des Luxus der weise Rabbi Ben Akiba mit seinem Ausspruch Es ist Alles schon dagewesen" Recht hatte. Farbiger Siegellack. . Die Narbe des Lackes soll die Stimmung und das Gefühl gleich äußerlich zur Schau tragen. Deshalb schreibt die neueste Mode die folgenden Stimmungsfarben" vor: Weiß für Vermählungsanzeigen. Rosenlack für junge Mädchen. Rubinroth für Liebesbriefe. Grün für Glückwunschschreiben. , Blau für Sündhaftigkeit. Grau unter Freunden. Gelb für Eifersucht. Braun für Bedauern. Blaßgrün für Vorwürfe. Chokoladefaröen für Einladungen zum Diner. Zinnoberroth für Geschäftsbriefe. Schwarz für Todesanzeigen. Violett für Beileidsschreibcn. . Gemüthlich. Schaffner (zum Passagier): Warum zogen Sie die Nothleine?" Passagier: Ach. Herrjeeses, ich sah Sie nämlich am Bahndamm so ä reizendes Pilzchen stehen, und daZ wollt' ich mir holen!"
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