Indiana Tribüne, Volume 18, Number 75, Indianapolis, Marion County, 2 December 1894 — Page 3

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Genie der TKat. von rn st Ziem in. (1. Fortsetzung.) Csrnrit irat noch näher: mit einem gewinnenden Lächeln der Bitte legte sie ttm Vater die a 'iuf die Schulter: .Sei mir. nicht böfe "gte sie leise, ich kirnte es nicht mit guter Manier ab'lehnen. Es rcar freundlich geineint. Und, Papa, willst Du nicht auch ein toeniq an mich dabei denken? Siehst Du. Dir ist das eine Last, aber ich bin jung, ich hätte so gern ein wenig Umgang, damit ich nicht ein Gänschen bleibe. (?Z sind wirtlich nette Leute Asw. Marenholz und der der 0ns Breyina. werden Dir schon gefalUn, sie sind so schlicht und verbindlich und lustig " Graf auch noch," der alteHerr zuckte bei dem Worte so hefliz zusammen, daß Annies Hand von seiner Schulter glitt. Geqen Seine Verwandten kann ich nichts einto:ita. Ich weide rn?in Mcglichtes thun, sie gut zu empfangen. Den Herrn Grafen aber verbitte ich mir. Einen Grafen sehe ich unter keinen Umständen in meinen vier Pfählen. Hie? bin ich selber Craaf." Er lachte ärgerlich über diesen Namenswitz, der ihm so mit untergelaufen. Aber ich warne Dich, Annie, lasse Dich nicht tieser mit den Leute? zu ev.:z Sphäre ein. Es taugt nichts für ein Bürgerkino. Diese Leute sind aus einer ganz ndern Welt. Ihre Sprache ist nich! unsere Sprache. Ich habe nichts gegen den Adel. Preußen wärv nicht aufgekommen ohne ihn. Unsres deutschen Ätzrlandes Einheit, gegen die sie sich Irns gesträubt haben, diese Herren Vo.t", wäre nicht errungen worden, hättm sie nicht so brav, so heldenmüthiz ihr Blut dafür verspritzt. Gewiß, bin nickt so engherzig, aber ich bin nun einmal ein schlichter Mann, ein Bürger, habe meinen Stolz, meinen Aur erstolz, will mit jedem, der sozial über mir zu stehen glaubt, nichts zn rhun haben. Da hast Du's! Ich brauche nur den Kasten aufzusperren, da könnteft Du Karrosse rollen. Johannes Qffizie? werden, und nicht einmal etwa in einem billigen Regiment, denn gegen mein ehrlich erworbenes Geld, meine reine Vürgerehre und meinen unantastbare Namen könnte auch der stolzeste Aaro nichts einwenden. An 5ionnexioen fehlte es dem Jungen auch nicht, wenn ich nur bei unserem gütigen, teuren Herrn, dem Kronprinzen KöniglicheHoheit, anklopfen wollte, der mich von der Gewerbeausstellung her kennt, oder unsrem großen Fürsten Aismarck. der bei mir mit der Frau Fürstin schon gekauft hat, als er noch simpler Herr Von" war, und den ich immer selbst bedient habe, bis er Graf tourde und Fürst, weil mir der Mann gefiel, weil er nicht stolz war, immer schlicht und sachlich und lustig, je nachdem, aber ohne jeden Spähn! Und' wenn ich wollte, könnte ich euch die schönste Herrschaft kaufen, die adligen Nachbarssöhne würden schon " hier unterbrach er sich plötzlich, aber was schwatz' ich Dir da alles vor! Kurz, was ich sagen wollte: Halte Dein?n alten Bürgernamen in Ehren, dräng Dich nickt in vornehme Kreise, ich w Dich. Du verlierst da nur Dein besseres Selbst, mein Kind, da Du nun doch einmal ein Bürgermädöen bist Siehst Du. mein Bruder Eberhard, Dein Onkel, das ist so ein Streber! Ja, ein guter, braver Kerl, aber ein Streber, der partout über seiTien Stand hinaus will. Nun, mag's .ihm gelingen, ich wünsche ihm alles. Gute. Aber ich schäme mich meiner Ellern nicht. Unser Vater hat als Kammrachergeselle angefangen ich bleibe bei der Stange. Mi? kommt kein Graf über meine Schwelle!" Außer," sehte er lachend hinzu, wer gut bür-, gerlich aus diese?. J'amen getaust ist.' Damit basta!" Er wollte abgeben, ksm aber noch einmal zurück. Nein, Annie, glaube nicht, ich poliere! Ich meine es gut mit Dir, Kind! Mein Bruder hat em armes adliges Fräulein geheirathet. auch eine Marenholz, übrigens eine sezr brave Dame, alle Achtung! Aber seitdem haben sie dort alle ihren Nag-'.l.' Nein, dränge Dich nicht in die Sp'häre der Leute da ein, die etwas Besseres sein wollen als teir. Laß Dich nicht blenden von Titeln und Uniformen, v?n Eleganz und s.iofernem Schliff und ihrer falschen wrnehmen Liebenswürdigkeit Du bist in Bürgcrkind Umgang außerhalb unsres Kreise kann Dich nur mit Deinen Verhältnis, unzufrieden machen. Bist nun httte dagewesen, was mir gar nicht ?i:!' rmd biZ? nun schort mit eine öa.z andern G'.sicht wiedergekommen! Da,mit laß es aber euch genug sein! Herr Graaf q'ng jetzt wirklich ab. die Schlafrockquasten heftig schütkZlnd, Tmch der Werkstatt im Hinterhaus, um für sein kleines Kunstwerk Bimsstein .zu holen. Seine Rede hatte auf Annie tiente nicht den Eindruck gutgemeinten Faselns hervorgebracht, den sonst, -eine Expektorationen auf sie machten. 'Das Dienstmädchen ebenem war inzwischen eingetreten, hatte die Lampe gebracht. war ab und zu gegangen, um den Tifch zum Abendbrot zu decken und der alte Herr hatte auf deren Anwesenheit keine Rücksicht genommen und nicht bemerkt, daß Annie wie auf Kohlen den Schluß seimr Auseinandersetzung erwartete. Nun stand sie und blickte mit gereiz ren. leidenschaftlichen Augen im Zim iner herum nichts hielt ihrem Vergleiche stand; seit sie heute in eine Qndre, schönere Häuslichkeit hineingesehen, war sie fremd in ihres Vaters . SdcluZ geworden. Mine Servietten, Therefcr fur? sie das deckende Madchen 02

Nanu, Fräulein? Js ja heut erst Tonnerstag!" ' .Fräulein?" sagte heftig Annie. Nennen Sie mich in Zukunft " Gnädiges Fräulein!" hatt: sie fortfahren wollen, doch war ihr das Wort im Munde stecken geblieben. Sie fühlte, sie würde sich damit vor dem Mädchen einfach lächerlich machen. So wendete sie sich hi ab und lief in das dunkle Vorderzimrer. während Therese ihr verdutzt nachblickte. Da stand sie nun, legte die Stirn an die Scheiben und sah auf die Schilder drüben am Hause jenseits der engen Straße, die beim Licht der Laterne vor dem alten, räucherigen Gebäude ganz gut zu lesen waren. Schneidcreit und Sohn, L.dechandlung." Das war Onkel" Schneidereit, wie die Graafschen Kind?r gewöhnt gewesen, ihn zu nennen, der öfter zu Papa in städtischen Sachen (beide waren in der Einschätzungskommission) herüberkam und immer so derbkräftig nach Fellen roch. Scholwien, Schneider." Tante" Scholwien, zu der sie. so lange sie und Johannes klein waren, öfters gegangen, weil sie da auf dem Schneidertisch am alten braunen Kachelofen mit ganzen Armeen von Hosenknöpsen Soldaten spielen durften. Dann langte Tante" Scholwien wohl in die Schieblade, holte eine Schrippe" heraus und schmierte" sie mit Bratenschmalz. Und die Kinder aßen und guckten dem mit gekreuzten Beinen auf dem Tische Faden langziehenden Onkel" Scholwien zu, und es schmeckte ausgezeichnet. Restauration von Paul." Auch werden kleine Fuhren gefahren!" Von dort ließ sich Papa seine kleine Weiße" holen, die er zum Frühstück trank. Bisweilen waren die Kinder mit hinübergegangen mit dem Mädchen; und der altgewordene Vierdunst, der in dem Keller die Stelle der Luft vertrat, die Würste mit großen Speckstücken, der rothe Schinken mit dem runden, fettglänzenden Knochen waren ihr dertraute Eindrücke, dem schönen Mädchen, das am dunkeln Fenster stand und zuschaute, wie bei Pauls eben ein spektakelnder Betrunkener die Keller treppe hinaufgeworfen und auf die Straße gestoßen wurde. Das ist meine Welt! Das sind die Eindrücke meiner Kindheit!" murmelte sie mit zuckender Lippe und sah sich im Geiste wie heute Nachmittag in der Villa des OnkelsKommerzienrath, Un ter den Linden, bei Bauer, am Arme des schönen Offiziers, im Gespräch mit dem interessanten Grafen. Nein, dies ist meine Welt gewesen! sagte sie plötzlich laut und heftig in das finstere Gemach hinein und erschrak vor ihrer eigenen Stimme. Heute Nachmittag habe ich zum erstenmal Lebensluft geathmet. Und niemand wird mich

hie? festhalten!" II. Die drei Herren Marenholz nun mehr in Civil waren inzwischen in der Königgrätzerstraße bei Frau von Belleville angelangt. Frau von Bellevme hatte emen der letzten Salons in Berlin. Es gibt dort wirklich noch ästhetische Abende. mageres Büffet, Thee, an dem nur der Name nicht anzuzweifeln ist, und ermüdend viel Esprit. Frau von Belleville hat em eigenthümliches Talent, werdende Berühmt henen zu wittern. Mancher, der zehn Jahre später erst seinen Erfolg" hatte, war dort schon lange in die literarifchen Kreise Berlins eingeführt; und kaum irgend jemand, der ein versprechendes Erstlingswerk herausgebracht, oder von dem das Gerücht ging, daß er seit einigerZeit merkwürdig oft über Herrn von Hulsens Schwelle gewandelt, war trn stände, sich den liebenswürdigen Einladüngen der ehrwürdigen alten Dame aus die Dauer u entziehen. Und namentlich fanden sich dort interessante. aber etwas verschuldete Kavaliere, die mit der Feder zu sündigen begannen, und reiche, hübsche Töchter bürgerlicher Familien, welche Apoll auf Kosten der väterlichen Börse huldigten, zusammen. wie unwürdige Zungen behaupteten, weil Gold das Eisen anzöge." Wovon lebte die gute alte Dame? - Niemand hat es je ergründet und die es ja wußten, schwiegen im eigenen Interesse. Gern aber und mehr als glaubwürdig oft versicherten die Eingeweihten, daß auf dem reinen Ehrenschilde der Frau von Belleville auch nicht der geringste Makel hafte. GrafBreying hatte seine Erregunghaben wollen, er hatte gehofft, sie würde ihm in der Form eines kleinen Spiels werden, das man in einem der vielen Kabinets der gastlichen alten Dame arrangiren können sie ward ihm indeß in völlig anderer Form. Der Dichter hatte heute Nachmittag ein reizendes, naives Mädchen auS der Heiligengeiststraße kennen gelernt, ein temperamentvolles, impulsives Kind, welches ihm gestand, daß sie seine Gedichtsammlung gelesen. Papa habe ihr dieselbe aus den Händen genommen und unschuldiges Satinpapier in den Ofen geworfen. Aber der gräfliche Dichter des Naturalismus hatte doch erkannt, daß seine Lieder auf diese junge Seele den eigenthümlich erregenden Eindruck gemacht, den naturalistische Verse auf die halbreife Jugend zu machen bestimmt sind. Und er hatte sich nicht gescheut, auf der dunklen Brücke, die so bereits von ihm zu seiner Leserin bestand, die ersten zögernden und so reizvollen Schritte zu thun. Heute Abend nun sollte er Annie Graaf lieben lernen. Frau von Belleville saß mit ihm al. lein in ihrem Kabinet, der Stätte stil-' ler Sammlung, wo ihre feinsinnigen Gesellschaftsskizzen entworfen, empsun den, gedichtet und niedergeschrieben wurden, dieselben, welche ein verstandziißvoller Berliner, Verleger nnter dem!

sinnigen Titel Peccoblüthen" jüngst veröffentlicht hat. Sie blättert: in einem Notizbüchlein, einer Art intimen kleinen Adreßkalenders Adreßkalenders ausschließlich weiblicher Namen. Der Dichter folgte ungeduldig dem feinen Spiel ihrer vornehm-bleichen, alten Finger ihn plagte die leise Furcht, daß der feingeistige, schmale Lehnsessel aus geschnitztem Holz, der unter ihm sanft knackte, zusammenbrechen möchte. Mein lieber, junger Freund!" sagte endlich die Dame und sah mit mütterlichem Lächeln über den Rand ihres Büchleins. Ich glaube, ich bin imstande, Ihnen behilflich zu sein. Gewiß, gewiß, die mein Körnet" wird mich richtig inspizirt haben. Gedulden Sie sich vierzehn Tage " Gedulden Sie sich vierzehn Tage," seufzte der Gras. Ich wollte, ich könnte das jedem sagen, der " Die alte Dame hatte für diese Anspielung nur ein feines abweifendesLächeln, das den Dichter sofort wieder zur Ordnung brachte. Ah," machte er bei sich, die delikate Angelegenheit soll feingeistig" behandelt werden. Die gute Alte ist nun 'mal nicht anders "sie muß sich etwas vornebeln!" Erlaubt dies kleine gebeimnißvolle Buch von Nostradamus' eigner Hand nicht wenigstens eine leise Andeutung? Man sieht doch gerne, n?ie und wo?" fuhr er laut fort. Vertrauen Sie mir, lieber Breying. Nicht wahr, mein Rath ist gut Sie haben eingesehen, daß es das beste für Sie ist, wenn Sie ihm folgen und sich rangiren. Das weitere müen Sie Jhrer mütterlichen Freundin überlassen!" Und diese mütterliche Freundin wird mir in vierzehn Tagen " Wird Ihnen in vierzehn Tagen eine Einladung zu einem literarischenAbend schicken, der für Sie arrangirt sein wird. Sie werden eine kleine gewählte Gesellschaft finden und werden eine neue Arbeit von Ihnen vorlesen. Nichts Naturalistisches, wenn ich bitten darf. Eine hübsche, kleine, stimmungsvolle Novelle. Setzen Sie all Ihr Talent an diese Arbeit. Denn das Schicksal wird sie Ihnen mit ungefähr dreimalhunderttausend Thalern honoriren. An diesem Abend wird eine junge Dame sich in Sie verlieben, eine junze Dame, die bis dahin von allen Seiten auf Sie wird aufmerksam gemacht worden sein. Diese Dame ist hübsch, temperamentvoll, sprühend von Geist und blühend von Gesundheit, aus sehr guter Familie; wenn ihr Vater auch ein wenig Bouraeois ist, so ist er doch seiner Zeit von Seiner KöniglichenHoheit dem Kronprinzen auf der Gewerbeausstellung besonders ausgezeichnet worden, und ich weiß, daß früher selbst Fürst Bismarck bei ihm aus und ein gegangen ist : er stand mit dem Fürsten in geschäftlicher Beziehung. Sein Bruder ist Kommerzienrath, besitzt eine Villa in der Thiergartenstraß: " Kommerzienrath Graaf," warf lächelnd Bcying ein. Die alte Dame sah bestürzl auf. Sie sprechen von Fräulein Annie

Graaf aus derHeiligengeiststraße, Gnadiaite?" fuhr der Dichter fort. Diese junge Dame habe ich die Ehre zu kennen. Es ist eine Verehrerin meines im würdigen Talents " Schön, ich wünsche Ihnen alles Glück!" sagte trocken die Greisin. Da können Sie also mtintz Hllse entrathen." Ich bitte, ich bitte," rief der Graf, roi? sollte ich ohne die Unterstützung meiner theuren mütterlichen Freundin " Also gut! Es bleibt bei dem Vortragsabend." Wenige Minuten darauf saß Graf Breying sinnend in der Kaminecke des Salons und spann einen glänzenden Traum aus Marenholz, Franz Graaf und ein paar andere Herren hatten im Nachbarzimmer ein honettes Spielcken begonnen. Da draußen im Westen Hardenbergstraße oder sonstwo gab es so reizende Gartenvillen; da würde in absehbarer Zeit ein graslicher Dichter leben, in heiterem Lebensgenusse. an der Spitze eines großen Vermögens, zur Seite einer schönen, jungen, temperamentvollen Frau, in einem Interieur, das Luxus und vornehmer Geschmack auf das Behaglichste ausgestattet, ungedrängt von Gläubigern, entrückt der Misere der Chambregarnies und der Wirthshaustafel und da. wenn den Dichter die Lust anwandelte.würden ihm auch die schwankenden Gestalten" nahen, die es ihm in der Quere und dem Trubel seines jetzigen Lebens so schwer festzuhalten gelang, die scheuen Musen, und würden sich eher herbeilassen, ihm den Kranz zu reichen, den Kranz Erfolg", den Kranz Ruhm", nach denen er bisher eigentlich nur um des Erwerbs willen so ein brennendes Verlangen trug. Und wer würde das schöne, temperamentvolle. junge Weib sein die Spenderin all jener Märchenpracht? Annie Graaf. das Kind der Heiligen geiststraße, die Erbtochter. Seltsam je mehr der Sinnende seinem goldglänzenden Traum nachhing je sehnender und inniger erfüllte sich sein Herz mit jenem holden Zauber, den die Menschen Liebe nennen und als ihn endlich Franz Graaf mit der Aufforderung aufstörte, mitzukommen und noch einen Spaten bei der Irma zu trinken", da war die angenehme Selbsttäuschung, vollkom men da liebte Breying Annie. Das ist auch so eine Sumpfh'öhle, wo Sie Naturalist uns hingeschleppt haben! sagte Marenholz zu dem gras lichen Dichter, als die Herren sich in Um Restaurant aus den durchgeseste nen Rohrstühlen an einem der inschrif tcnzerschnittenen Holztische nieder ließen.

Eine !n rothen Plüsch gekleideteKell nerin von tadellosem Wuchs und et was übernächtigem, .aber hübschem Gesicht, die rothe Irma", hatte ihnen ein Zeichen gegeben, in welchem der Zimmer sie servire, und diesem Zeichen waren die Herren gefolgt. Drei Herren? Macht vier Spaten! hatte die rothe Maid dann bemerkt, nachdem sie den Herren beim Ablegen der Paletots behilflich gewesen, hatte Vier Glas Bier gebracht und am Tische Platz genommen. Nun, Grafen und Barone, wie geht's denn heut?" eröffnete sie die Konversation. Teufel, woher wissen Sie denn, Kindchen, daß wir Grafen und Barone sind?" fragte Franz zurück. Ich bin Lehrling in 'nem Handschuhgeschäft, die Herren sind streikende Maurer! Uebrigens steigt Ihnen meine Blume!" Pn?sit!" Dann wurde die Schenkin abgerufen.

Die Herren saßen in dem öden Loale, gähnten und studirten die Inschriften an den Wänden: Pale Ale" Knickebein" eine illustrirte An zeigetafel der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Aktiengesellschaft mit einem großen Ozeandampfer Maibowle ern: Bleifederzeichnung irgend eines lustigen Bauführers, Fräulein Jrmas Porträt darstellend, mit der Unerschnft Irma, ich liebe Dich" und ähnliches. Pahle-Ahle!" las Franz laut ab die. deutsche Aussprache sollte ein Witz ern und Pahle-Ahle wiederholte gedankenlos Breying. Warum geht man eigentlich in solches stumpfsinniges Lokal, wie dieses?" ragte Marenholz. Gutes Bier!" erwiderte Franz. ,Trefflich gehaltenes Bier!" Naturalistischer Studien halber!" aalt der Graf. Keine Blague, Poet!" meinte Josevb. Ich nenne das einfach Sichselbstanöden!" Ein starkes Bier ein beizender Tabak und eine Magd im Putz! Goethe hat doch einige Verse, die man gelten lassen kann!" begann Franz. Kein Bein!" Der Gras nahm sofort den Fehdehandschuh auf, und die belWn Herren stritten. Marenholz starrte noch ein paar Augenblicke in die glockcnlose GaSflamme und erinnerte sich dann, daß er zu Haus beim Umkleiden einen Brief vorgefunden und zu sich gesteckt hatte. Ah, Astas Hand! murmelte er. wie er den, Brief hervorzog. Während die Literaturfehde der sndern heftiger entbrannte, las er: Mein Liebster! Eben bist Du gegangen, und schon läßt es mir keine Ruh" ich muß Dir schreiben. Ach, Joe, Du herzlich geliebter Mann, warum hatten wir heute Nachmittag keinen Auaenbllck für uns allein? Immer kam jemand und nahm mich in Anspruch, und doch hatte ich gerade heute so sehr das Bedürfniß, .recht, recht gut gegen Dich zu sem und Dir einmal ganz zu zeigen, wie ich Dich liebe. Warum dies Bedürfnlß so stark über mich gekommen ist? Ich will es Dir sagen, mein Aoe. Weil ich heute Morgen ein Buch eines jener jungen Autoren gelesen habe, die schonungslos den Schleier vom Leben der zungen Manner Ziehen. Da bei die ser traurigen Lektüre sagte ich mir immer die Worte vor: Der Deine ist besser, der Deine ist nicht so wie die. andern! Und dann konnte ich mir Mühe nur die Zeit erwarten, da Du kommen mußtest, um Dir zu zeigen. wie ich Dir vertraue, wie ich an Dich glaube. Du Einziger, wie nichts rn meinem Herzen ist, als Du, Du allein! Fragen wollte ich Dich, ob Du ebenso ausschließlich nur mich (keme andere, nie vorher eine andre) liebst, nicht fragen, nur aus einem lieben Munde die. Bestätigung hören, die mich so fror)' gemacht hatte, die mich nun. morgen, wenn Du kommst. Geliebter, so froh, so glücklich machen wird!" Hier legte sich Fräulein Irma, wel che ihre andern Gäste befriedigt hatte. über Josephs Schulter, warf einen raschen Blick in den Brief, den er zwar rasch zusammenklappte, und flüsterte; ihm mit heftiger, lerser Stimme ln 5 Ohr: Ah. eine Damenhand, mein feiner Kavalier ich denke. Du ! Pfui Teufel!" fuhr Marenholz auf, was erlauben Sie sich, was soll dies unanständige Betragen heißen!" und schüttelte das Madchen von seiner' Schulter ab. auf welche es sich mitArm und Brust fest aufgelehnt hatte. Die Dame trat einen Schritt von ihm fort und maß ihn mit einem langen, erstaunten Blick aus .halbg, schlösse nen Augen. So, pfeift plötzlich der Wind daher?" sagte sie dann spitz und wendete ihm den Rucken, um sich zu Franz zu setzen. Marenholz klappte Astas Brief zusammen und steckte ihn fort. Er hatte doch nicht das Herz, ihn jetzt und in dieser Umgebung weiter zu lesen. Immer noch Faust?" fragte er in den Disput der beiden hinein. Wißt ihr. welcher Vers mir durch den Sinn geht? ' .ttkskllschft könntkn sie bis allkrdkftk habe Und so!chk Tirnk nach'. Ja. es ist jämmerlich, es ist unver-.' standllch, es ist einfach lnsiplde. Breymg und Franz, daß wir hier sind! Wie sagte der heut etwas morali sche Herr da drüben?" fragte , das? Madchen lächelnd Franz, Gesellschaft' ?Tilri " 1 fWililtlil ICH Gesellschaft könnten wir," fiel Ma-' renholz ern, rhr mit ruhiger Nachlässig-', keit gerade in's Gesicht sehend, die al lerbeste haoen und lausen solchen Dirnen nach! Das ist stark!" Sie verfärbte sich, i rifv am? ' UilW IU11U UU Irma, zahlen!" antwortete Maren holz.

Na, na, erst austrinken lassen," beschwichtigte Breying. der den Zusammenhang nicht begriff; doch eilte er sich, feinen Krug zu leeren, da Joseph schon stand. Das Markstück Trinkgeld, das Jo-. seph, der den Bettel für die andern gleich mit abmachte", liegen ließ, blieb unberührt auf dem Tisch liegen wie Franz vom Ausgang einen raschen Blick auf die Hebe im rothen Sammt zurückwarf, bemerkte er, daß sie mit bitter zuckenden Lippen stand, Marenholz nachblickte und das Weinen zu unterdrücken schien.

Warum der brüske Aufbruch, edler Tannhäuser?" fragte unten der Graf. Ein moralisches Aufftoßen?" Marenholz antwortete nicht, sondern schob seinen Arm in den seines zukünftigen Schwagers. Deine Schwester ist ein prächtiges Mädchen," sagte er ihm halblaut. Ich will verdammt sem. gehe lch je wieder in eine Weiberkneipe!" Gs ist eine dumme, stumpsinnigeGewohnheit," erwiderte Franz lachend. .Leute wie wir haoen im Grunde da nichts verloren. Weißt Du. Breying schleppt uns immer wieder hinein. Der Dichter in ihm bedarf das!" meinte Joseph. Breying, der ein wenig abseits ging, wars einen kurzen, schärfen Blick auf Marenholz. dann bemerkte er höhnisch: Der Teufel, welche interessante Charakterntwickelung in unserem Adonis, seit er der schonen Sarmatln den Abschied gegeben. Wißt ihr, das Stücklein will ich in Verse bringen, das Stücklein vom dürren, reuigen Herzen, das grüne Blätter bekam und zwar gerade in der Lasterhöhle!" Kindchen, seien Sie um Gottes wlllcn vernllnstig," erwiderte Marenholz ärgerlich, lassen Sie die Sarmatin ruhen. Wenn Sie einen Funken dichtenschen Empfindens m sich tragen, so müssen Sie fühlen, daß es ein ganz ei,genes Glück ist. eine Verjüngung unsres Herzens, eine Art Weihe, sich von einem reinen, zungen, gerstrg hochstehenden Weibe geliebt zu wissen!" Der Appell an denDichter in Breying that seine Wirkung. Nachdenklich ging er neben den andern die Königgrätzerstraße hinunter. Endlich sagte er: Marenholz, Franz lacht mich aus ich habe euch ein Gestandnih zu machen: ich liebe! Die andern beiden, selbst Joseph, der so seltsam ernst gewesen, seit er Astas Brief gelesen hatte, lachten fröhlich auf. Breying wollte bose werden, besann sich aber eines Besseren. Moquirt euch immerhin dies ist eine Liebe, die mich zu den schlimmsten und den edelsten Thaten treiben wird: ich werde heirathen, und ich werde arbeiten." Donnerwetter!" sagte Franz, stehen bleibend. Franz. was für ein Mann ist Ihr Onkel Graaf in der Heiligengeiststraße?" fragte der Dichter weiter. Der?" erwiderte Franz gedehnt. Doch nicht die kleine Annie? Theuerster. mein Onkel ist von jener aussterbenden Rasse Berliner Philister, die keinen Adligen riechen können. Ich gehe jede Wette ein, da verschwenden Sie der Liebe Muhe. Ein Prinziplenrelter, blind, taub: eher tritt Ihnen das siriegsministerium das StückchenStraenland dahinten Ire waren geraoe am Museum für Volkerkunde zur Durchlequng der Zimmerftraße ab, als Onkel Heinrich einem Grasen seine einzige Tochter! Uebrigens keine üble Idee, Annie ist reich, aber wie ge sagt, jede Wette!" -Wetten wir drei Körbe Sekt? fragte Breying. Um Himmels willen! Aber meinetwegen, wenn Sie uns durchaus einmal etwas pomren wollen, erwiderte der gutmüthige Franz. 'Also, es gilt! Marenholz, Sie horen tsr wandte neb der Wimter an den stumm und in sich gekehrt daneben aehenden Lieutenant. Hat mir der Vater meiner Angebeten nicht binnen drei Wochen von heute d:e Pforten seinesHauses gastlich geöffnet, drei Körbe Moöt & Chandon, zwischen Franz und mir! Ich höre!" sagte Joseph zerstreut. Wohin jetzt?" fragte nun der junge Graaf. Ich habe Hunger. Wo werden wir zu Abend essen?" Marenholz entschuldiate sich und trennte , sich von den andern,' er habe noch zu arbeiten und müsse nächsten Morgen um füns Uhr in Dienst. Er wohnte in der Bernburgerstraße. Es war gegen zehn Uhr, als der Of fizier sein . Wohnzimmer betrat. Sein Bursche hatte ,hm draußen gemeldet. daß eine verschleierte Dame ihn erwarte. Die Dame habe sich nicht abwelsen lassen, sagte, sie käme von semem Wäschelieferanten und brächte eine Rechnung. , Aeraerlich stieß Joseph, ohne erst abzulegen, die Thür zu seinem Salon aus und fuhr zurück. In dem matten Licht der großen Lampe auf dem schwärzen, mkrustlr' ten Tisch, die ein blaßblauer Schleier deckte, stand hochaufgerichtet, die Hand auf dem Herzen, die schöne Frau, welche ihm heute, Nachmittag Unter den Lmden begegnet war und Franz so neuglerm gemacht hatte. Das Zimmer war fast dunkel, da die schivarzen Möbel, die schweren Teppiche, Polster und Portieren alles Licht einzusmlucken schienen. Marenholz blieb in der Thür stehen Wie erschrocken. Joseph ! sagte sie mit emer leisen tlesen Summe, in einem Ton, durchzittert von Herzeleid, flehentlichem Aorwurs, leidenschaftlicher Bitte. Der junge Mann schlug seine Linke vor Die Augen. 6 in schwerer, banaer Seufzer kam von den Lippen der Dame, die einen ra' schen, serdenrauschenden Schritt ihm-

entgegen that, ihm mit den wunder

schönen schwarzen Augen, deren Ränder vonBattist rothgerieben schienen, angstvoll in's Angesicht blickend. Eme lange Stille entstand. Kein Wort keinen Blick nichts?" hob dann die Fremde von neuem an, und die starken sremdlandischen Laute ihres Organs vibrirten eigenthümlich sonor m den Ecken deZ Gemachs. Da er nicht antwortete, m seiner Stellung verharrte und sich wie müde gegen den Thürpfosten lehnte, schienen Thränen in ihren Augen aufquellen zu wollen. Doch warf sie mit einer schönen, swlzen Bewequna das Haupt, das eine mächtige Fülle schwarzen Haares trug, hintenüber und kämpfte die aussteigenden Perlentropsen nieder. Nun," begann sie dann von neuem. und die vollen Lippen bebten, ich bin nicht gekommen. Sie um eine Liebe zu bitten, dle Sie m? entzogen haben. Nein, mein Freund, ich bin gekommen, um zu scheiden. Joseph, Sie waren mir viel, nicht viel, alles! Joseph, mein Freund, ich danke Ihnen! Oft habe ich mir gesagt, daß es ja einmal wurde enden müssen nun ist die traurige Stunde da, vor der ich aebangt habe. Wohlan. Sie sollen mir ein sreundlichesAndenken bewahren Sie sollen Nicht arm in dieEhe eintreten, die Sie mit einem reichen Mädchen schließen wollen. Da habe ich über meinGeld zu Ihren Gunsten verfügt, denn über meine Zukunft verfugte ich so, daß ich des geprägten Goldes nicht mehr viel bedürfen werde. Erschrecken Sie nicht. es ist kein Grund dazu. Ach. Liebe blühte auf, Liebe stand rn herrlicher Frucht, Liebe starb! Und ach, Joseph, es muß wohl so sein, da es von Anbe ginn der Welt so war. Aber wie trübe. wie trostws sind diese Tage. Komm. meinFreund." sie sireckte mit einer Herrlichen plastischen Pose beide Arme gegen ihn aus, komm, küsse Mich ein letztes Mal, zum Scheiden, zum Scheiden, furchte mcht, daß ich Dich festhalten wolle. Deinen Körper, nachdem ich Deine Seele, die mein war, verloren. Komm," ihre Stimme erhob sich zu lerdenschaftlicher, zwingender Werbung, .einen lenlen atun oann gey. Joseph hatte die Hand sinken lassen. widerwillig gehorsam, im Banne ihrer machtigenAugen trat er langsam naher. bis plötzlich ihre vollen Arme sich um ihn schlugen, ihr zuckender Korper sich gegen ihn warf, ihre Lippen auf den seinen brannten. So kalt, so kalt!" flüsterte sie. Geh." Damit stieß sie ihn von sich, senkte das Haupt, das Licht ihrer Augen erlosch; Thränen erstickten ihre Stimme, wie sie noch einmal flüsterte: Sei glücklich!" Ein Seidenrauschen sie hatte das Zimmer verlassen. Joseph stand noch eine Weile sprachlos, wie an denselben Fleck gebannt. da sie ihn verlassen. Dann that er langsam zwei Schritte zum nächsten Sessel, ließ sich hinein sinken und bedeckte das Antlitz mit' beiden Händen, Als er sich wieder erhob, warf er in starker Erregung die Arme vor sich hoch: Asta! Asta!" rief er mit einer Stimme, deren innigerKlang ihm selbst wundersam m s Ohr fiel. Diese hatte .keinen Fluch für Dich diese wünscht Dir nur Segen. Und ich schwör's Dir ibei ihren Schmerzen, alle ihre Thränen ,sollen Lächeln aus Deinem lieben Geisicht werden. Asta, Du sollst Vertrauen hegen dursen wie anders soll die Zukunft sein, als die Vergangenheit war! Ich gelobe es Dir, ich verpfände Vr ? 1 rv . r.vri . . AJix meine yre, mu qui einen oraoen Kerl hnrathen! Dann klingelte er, setzte sich zu einem Briefe an seineVerlobte nieder und 'hieß den Burschen nachsehen, ob die Dame sich auch aus dem Hause gefunlden hatte, welches ja um zehn Uhr verschlossen zu werden pflegte, und hieß ihn ihr m unauffälliger Entfern 'nung das Geleit geben, bis sie heimgelangt wäre. HI. Das Morgenlicht schien grell in Vreyings Zimmer, das am WaterlooUfer parterre belegen war. ' Auf dem Bette, halbentkleidet, lag der Dichter; Rock. Manschetten Schlips. Hut und Schlüssel als malerisches Stillleben vor ihm auf dem Teppich auf dem Sofa, den Cylinder schief auf dem Kopse, eine ausgegangene Zigarre, die ihm aus dem Munde gefallen, auf der Krawatte, ruhte m ver Pose eines Erschlagenen Franz beide sahen in diesem scharfen Morgenglanze unheimlich bleich aus, der eine wie der andre. Auf dem Nachttischchen verlosch eben das niedergebrannte Licht. Von der verkohlten Papiermanschette des Leuchters war em widerlicher Qualm ausgegangen, der wie eine Wolke durch das stille Zimmer schwebte und plötzlich den zungen Herrn auf dem Sofa, dessen Nase er titzelte, niesen machte. Von dem Geräusch erwacht, fuhr er in die .iöhe, griff sofort mit beiden Händen nach dem schmerzenden Kopfe und blickte erstaunt um sich. Der Eylinder fiel inzwischen über die Lehne hmter ihm mit einem lauten Knall auf's Parkett. Da erwachte auch Breying und richtete sich jäh auf, mit verdutztem Gesicht seinen Gast anstarrend. .Je ich bin ja bei Jhnen Je wo kommen Sie her?" Diese Ausrufe kreuzten sich noch starrten die Herren einander unen Augenblick fassungslos an. dann brachen pe beide in fröhliches Lachen aus. Aber auch das Lachm brach gleich wieder ad. Au!" rief Frarn und duckte den Kops. Au! antwortete Breying und that desgleichen. (Fortsetzung folgt.).

Verunglückte Zvcrbung. (eitercS aus dem Künstlerki'

Von dem verstorbenen Eellovirtuosen Joseph Diem wußte , man manche drollige Anekdote zu erzählen. Diene war entschieden ein begabter Mensch und tüchtiger Musiker, aber als früherer enn-hirt und so von der Pue auf dienend", ganz aus dem Volke bervoraeaanaen". konnte er mit den gesellschaftlichen Formen der Höhergebildeten nie zurechtkommen. Sein; höchstes Selbstlob war: daß er Auto-didakt-sei. Er batte dieses Fremdwort sich zu eigen gemacht, obgleich iym )ox)t fremde ispracyen oder gelehrte und wissenschaftliche Ausdrücke nicht geläufig waren. Aber als er von Weimar aus eines Tages in Karlsbad eintraf mit Concertabsichten, schwatzte er. wie üblich, mit überströmodern Herzen und dem bekannten Redeflüsse seiner Karlsdader Wirthin soviel von seiner Herrlichkeit vor und ließ das beliebte Fremdwort so oft einfließen, auch in Verbindung mit .Sennbirt . auf welchen er alelchsalls stolz war. dak die aute Böbmin der festen Meinung wurde: beide ihr fremden Bezeichnungen .seien die hauptsächlichsten Wurden des neuen Kurgaste-, un demaemäk seine Personalien für die Kurliste aufsetzte. In einem Exemplar der damaligen Fremdenliste Karlsbads konnte man als Curiosum lesen: Joseph Diem. Autodidakt und SennHirt aus Weimar. 5n Berlin lernte D:em eine iunae Dame kennen, ' selbstverständlich 'da Ideal in bester Form! Der Vater Millionär! Die junge Dame hatte ihm bereits Hofsnungen aus (Legenliebe gegeben, und es handelte sich für unsern jugendlichen Schwärmer nur noch darum, in den Familienkreis seiner Anaebeteten zu gelangen, die per sönliche Bekanntschaft des gestrengen Papas zu machen. Endlich ist auch dies durch Empfehlungen und gute Freunde vermittelt und der wichtige Abend nabt. an welchem Diem dem. Alten vorgestellt werden soll und zu. Cellovorträgen in den Salon des Krösus und seines Goldtöchterlems geladen ist. Das Instrument ist -bereits vorausgesandt, und da ern fürchterliches Reaenwetter die Strafen schier , unpassirbar macht, muß sich unser Held sur seine Person nach einer Droschle umthun. Endlich ein Gefährt in Sicht! Diem stürzt drauf los, öffnet den Wagenschlag und indem er von recht emsteigt, thut em anderer von Imls dasselbe. Jetzt Kampf um den Besitz des Vehikels! Herr! Sie sind ein? Unverschämter!" schrie endlich Dienr mit Berserkerwuth, ich war doch zuerst am Platze!" Das muß erst bewiesen werden, hinaus!" lautete die Antwort, solch' Grünschnabel kanrr laufen! Grünschnabel genannt zu werden in dem Auaenblicke. wo man vor dem wichtigsten Ereignisse seines Lebens stebt. vor der neuen Bräutigamswürde, das ist allerdinas unerhört! Der Künstler schäumte jetzt vor Wuth. und mit der ihm noch geläufigen, bäuerischen" Ausdrucksweise ließ er aus dem Arsenale seiner SchimpsWorte eine Anzahl recht derber, sehr beleidigender flügge werden, daß der ganz verdutzte Drofchkenconcurrentsich schleunigst zurückzog, aver mir oeit unheilverkündenden Worten: Uner hörter Grobian! Aber warte, junger Bengel. ich werde dich schon wiedersinden!" Und wirklich! endlich in die Kissen der eroberten Droschke versenkt, und nachdem er die Adresse seines pralump tiven Schwiegervaters dem Rosselenker noch zugerufen. Kört Diem ganz deutlich. daß ein zweiter Wagen dem seinigen unausgesetzt nachjagt. Vor dem Hause des Mlllwnars un Commeienratbes anaelanat. sprana Diem erregt aus der Droschke. schnaubte athemlos an dem reichvetreßten Portier vorüber, die ersten. Stufen der feenbaft erleuchteten Treppe überspringend. Himmel! sein. Feind und Verfolger war kea genug, ihm bis hierher nachzusetzen, auch er nabm bereits die ersten Stufen, unerhört! Herr ! wie können Sie wagen hier einzudringen!" zeterte der Cellokünstler in wilder Empörung und vertrat dem andern mit herau fordernder Haltung den Weg. Portier, weisen Sie diesen Menschen hinaus! mich aber melden Sie: Joseph Diem. Kammervirtuos! ?lndek der Portier dachte ant keine Melduna! Er sank vor Schrecken in die Knie ob der ungeheuren Frevel? that, du sich soeben ereignet hatte. Diem's Verfolger aber warf tmn verächtlichen Blick auf den Künstler, schritt dann stolz und ohne nur ein; Wort zu verlieren, an seinem Gegner vorüber, die Treppe Humus, denr. ersten. Stocke zu. .Was soll denn dies?!" stotterte vlofelich unser Held und warf einen Hilfesuchenden Blick auf den Portier.. Großer Gott!" keuchte nun der wieder Wort findende Crrberus de Sauses. .Sind Sie dttückt?! das war ja der Herr Commerzienratl) selbst !!" Erst nach langer Bedenkzeit wagte es Diem. durch einen Dienstmann sein Cello zurückzufordern. Bon den nfassen des commerziesi.räthlichen HauseZ h7.tte er natürlich seid dem unglücklichen .Quiproquo nie toiede? trn Wort ver nommen! Vertheidigung. Frau (einen Brief in der Hand, weinend): .So treibll Du's, und bedenkst nicht. daß Du mir ewige Liebe und Treue , geschworn hast!" Er: Aber, Frau. das ist aber auch schon em: Ewigkeit her!"

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