Indiana Tribüne, Volume 18, Number 68, Indianapolis, Marion County, 25 November 1894 — Page 7

Tas Todeö dreien.

Eine Srimina! - Geschichte. In cirnr Stadt des ungarischen Tieflanges wohnte ein junger Kaufmann mit seiner hübschen Frau. Ter Kauf irann war sehr eifersüchtiger Natur und hatte deshalb mit seinem Weibchen vst heftigen Streit, so daß er sie eines Tages wegen eines Osticicrs mit dem Erschießen bedrohte. Mehrere Wochen nach dieser zur allgemeinen Kenntniß gelangten Trohung fand man die junge nrau eines Morgens mit der Wäscheleine um den Hals erwürgt auf dem Acden des Schlafzimmers, während der Gatte der Ermordeten, als ob nichts Besonderes um ihn herum geschehen wäre, unbeschädigt und tief schnarchend im Bette schlief. Auf den Lärm und das Jammern der Magd kamen Leute von der Straße herbei und waren Zeui,en der Scene, wie der Gutte, nach langer Mühe endlich erwachend, eine $ute Weile gleichsam betäubt vor sich jzinstarrte und dann, als er seine Gaiiin erblickte, sich schluchzend über deren Leichnam stürzte. Tennoch hielten fast sämmtliche anwesenden Zeugen ihn allein für .den Thäter dieses schauer lichcn Verbrechens. Tie Polizei verhaftete den Kaufmann und überführte ihn nach kurzem Verhöre als Untersuchungs-Gefangcnen in den Kerker. Er leugnete Alles, was uf die mörderische That Bezug hatte, und erupsand über die Ermordung seiuer Iruu einen so wahren und tiefen Schmerz, daß man an seiner Schuld zu zweifeln begann. Eines Tages bat er den Gefangen-haus-Jnspcktor, er möge ihn rasch vor den Untersuchungsrichter führen, denn er habe diesem eine wichtige Mitthcilung zu machen. Seine Bitte wurde erfüllt. Bor dem Untersuchungsrichter ;ab er dem Wunsche Ausdruck, daß derselbe das, was er nun erzählen werde, weder zu Protokoll nehme, noch dasselbe eine gewisse Zeit hindurch irgend Jemandem wiedererzähle, denn sonst laufe man Gefahr, die Wahrheit nicht aufhellen zu können und den Thäter, ehe man ihn fassen konnte, entkommen zu lassen. Hegen Sie gegen Jemanden Verdacht? fragte der Untersuchungsrichter. ' Ja. Obwohl ich gar keine Bcweise habe. Und wen verdächtigen Sie? Meine erste Frau. Wie? Sie hatten also auch eine ndcre Frau? Schau, schau, davon habe ich noch gar nichts gehört. Wann ließen Sie sich von derselben scheiden? Wir waren nach heidnischem Glauben getraut, und haben uns daher einfach verlassen. Ah, Herr, dann war sie also eigentlich gar nicht Ihre gesetzliche "Frau!? Ja doch! Wenigstens hielten die Frau und ihre Familie unsere Ehe für ganz gesetzlich, denn wir waren streng nach ihren religiösen Satzungen getraut Vordcn. Tas ist unmöglich! Ich kenne cine solche heidnische Religion hier in Ungarn nicht. Und es verhält sich dennoch so! Tamit Sie mich aber völlig verstehen, erlauben Sie, daß ich Ihnen früher in Kürze meine Lebcnsgcschichte erzähle. Sehr gern. Ich war kaum 13 Jahre alt, als ich mit meinem Bater hart zusammengericth: Er prügelte mich durch und ich stach nach ihm. Er zeigte mich bei der Polizei an, allein bevor mir noch die Vorladung zugestellt werden konnte, entfloh ich. Ich wurde ein Wanderdursche. fand auch einen Gefährten, mit dem ich unterwegs Bekanntschaft gemacht hatte. Er war früher StrüfUng gewesen. Am Waldesrande hiel im wir Äast, während derselben stürzt x er sich über mich, schlug mich mit ..lnem Knüttel nieder und raubte mich aus. Es war schon Nacht,' als ich aus meiner Betäubung erwachte. Ich schaute umher und bemerkte zu meiner unbeschreiblichen Freude den Schein eines entfernten Feuers durch das dunkle Laub des Waldes durchblicken. Ah, Feuer! rief ich. Wo Feuer ist, da giebt es auch lebende Wesen, dort sind Menschen! Meine Kraft zusammenraffend, erhob ich mich vom Boden und strebte mit al ler Energie dem Feuer zu, ohne darüber nachzudenken, ob dies das Feuer stieb licher Hirten oder das von Räubern sei! Was kümmerte mich das auch, ich wollte Mo unter Menschen gelangen, von be r.en ich Speise, Tranks und eine Lagerstatte erhalten konnte. Als ich mich dem Feuer schon ziemlich genähert hatte, wurde ich plötzlich von Jemanden ergriffen und. alsbald umgaben mich dreißig bis vierzig Gestalim, b.c mit einander beriethen, was sie mit mir beginnen sollten. Der Eine wünschte, daß ich gctödtet werde, der Anbei e widersetzte sich. Endlich näherte sich mir eine riesige, robuste schwarze Gestalt mit den Worten: Ei, was macht Ihr denn so viele Umstände mit ihm? Er sterbe! Tann sah ich, daß der Mann ein großes,, blinjcndes Messer in der Hand hielt, wcl- . ihcs er gegen meine Brust hielt. In diesem Augenblicke sprang cine diel kleinere Gestalt vor ihn hin und erfaßte die wordbereite Hand. Halte ein! Ich löse ihn aus." Tu lösest ihn aus? Womit?" Wenn es sein muß, mit meinem Leben! Er gehört mir! Schau, welch' kleine Hand er hat. Tas ist vornehmer Leute Ksnd, der kann vielleicht gar auch lesen und schreiben. Er wird uns noch von Nutzen seiu. Ich wandte meinen Blick meinem Retter zu. Ein sechzehn- bis siebzehn, jähriges . schönes Mädchen stand vor mir, welches seine großen, strahlenden schwarzen Augen auf wundersame Weise auf mich heftete. Sie war eine

nin? , Vollendete Zigeuner-Schönheit mit biegsamcr, schlanker Gestalt und üppigen rothen Lippen. Ich war unter wandernde wallachische Zigeuner gelangt, und um meiner Netlerin, der schönen Zigeunerin willen, trat ich. in die Bande ein. Tiefer That folgte alsbald die Feier meiner Hochzeit mit dem Zigeunermädchen, bei welcher Gelegenheit ich schwören mußte, weder die Karawane, noch meine Frau jemals zu verlassen. ?!un begann ein eigenthümliches Leb(7.. Ein wenig arbeiteten wir, lebUn aber mehr noch von Betrug und Ticbstahl, bis man uns bei einem bcdcutcndcrcn Raubanfall auseinandersprengte. Wir fielen auseinander, gleich einem Bund Stroh, und seither begegnete ich weder dem Zigcunerwcibe,

noch einem anderen Mitgliede der Lande. Ich suchte auch die Bcgcanuna zicht: i5i freute mich vielmehr bei dem Gedanken, daß sie mich vielmehr für ein Opfer der Berfolgung .und für todt hielten. Tamals kehrte ich nach Budapest zurück und vernahm, daß mein Bater gcstarben sei. Mir fiel ein bedeutendes Vermögen zu. und ich wurde 5kaufmann. .Ten übrigen Verlauf meines Lebens halte ich nicht für nöthig zu erzählen, denn dieser war schon völlig öffentlich und Sie kennen ihn a ohne hin. Ich kenne ihn! Toch woraus fchopfcn Sie den Verdacht, daß Ihre erste Frau, oder vielmehr die Zigeunerin, den Mord begangen hat?" Aus dem Umstände', da meme Frau tagszuvor von einer fremden Zigeunerin Tabak für mich gekauft hat und ich. als ich am Abend von demselben rauchte. alsbald so schläfrig wurde, dan ich mich zu Bette legen mußte und die ganze Nacht hindurch in so tiefem Schlafe lag, daß ich selbst bei dem Geräusche des Kampfes nicht zu erwachen vermochte." Ist noch etwas von dem Tabak übrig? Es muß noch ein ganzes Sieb voll auf dem Kasten stehen." Ter Untersuchungsrichter schickte sofort um den Tabak; derselbe war mit Opium getränkt. Ter Kaufmann wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Run aber müssen Sie mir beistehen, den wahren Thäter ehestens dingfest zu machen, sagte der Untersuchungsrichter." Gern," versetzte der Andere. Um mich aber zu vergewissern, ob wir auf der richtigen Fährte sind, muß ich so rasch als möglich Alles in meinem Hause untersuchen, denn das Rachczcichcn der Bande muß dort irgendwo auf dem Schauplatze der Mordthat aufgezeichnet sein." Wie sieht das Zeichen aus?" Es ist zwei einander mit den Spitzen gegenüber stehenden Trcieckcn ähnlich." Gehen wir zusammen." Im Hause angelangt, brauchten sie das Zeichen nicht länge zu suchen; es war mit Kreide in starken Strichen ncben dem Bette der ermordeten Frau auf die Seitenfläche des Eiscnofens aufgczeichnet. Was jetzt? fragte der Richter. Ich werde darüber nachdenken. Wollen Sie gefälligst morgen früh einige Geheimpolizisten zu mir schicken?" Einer der Geheimpolizisten werde ich fern. Wie es Ihnen beliebt!" Tamit schieden sie von einander. Am nächsten Morgen eilte der Rich ter mit einem Geheimpolizisten wieder in das Haus. Die Thür stand offen. Sie traten in das Zimmer. Ter Kaufmann lag todt aus dem Erdboden. An seinem Halse war der dünne Strick, mit welchem er erwürgt worden war, fest zugeschnürt. Bei seinem Kopfe war auf dem Erdboden die Zeichnung zweier, mit den Spitzen gegen einander gerichteter Dreiecke sichtbar. Tie Untersuchung wurde sofort ein geleitet, aber eine Zigeunerbande war m der ganzen Umgebung nicht aufzu finden. ' Ter ganze Fall bleibt ein ewiges Natyscl. Ter falsche Herr Lieutenant. Militär Humoreske von Alexander Müller. Schönwald und Puht waren die Ticskurcn der Schustcrbude memcr Schwadron d. h. sie walteten in dem Raum, der für die Schusterei und Schneiderei der Schwadron bestimmt war. Sie bildeten zwei vollkommene Gegensätze. Schönwald, unser Schwa dronsschncider, war ziemlich groß. schlank, mit hellblauen Augen, wäh rcnd Puht, der Schuster, kurz, gedrun gen, mit pfiffig blinzelnden Augen um ä) schaute, (schonwald sprach hoty deutsch. Puht nur urberlinisch. Schon Wald war der Aristokrat, Vuht der Te mokrat im Schusterbudcnstaate. Nur in einem Puntte stimmten sie überein: sie hatten Beide offene Köpfe, waren Beide helle wie Wachs". Es war gegen elf Uhr Nachts. Ich lag in unserer Schreiberstube, welche mit sechs Schreibern belegt war, im Bett und lauschte gleich den übrigen Bewohnern derselben dem sechsten Stu benkameradcn, , der uns auf seiner Geige möglichst leise etwas zum Besten gab, wie wir öfters zu thun pflegten, als ich plötzlich aufhorchen mußte. Pst!" rief ich dem Spieler zu, sei mal still, ich glaube, Sporengellirr auf dem Flur zu hören." Im Nu war Alles ruhig, und wir lauschten. Richtig, da, kamen Tritte den Flur entlang, zwischen .denen 'sich deutlich das bekannte Geklirr hören ließ und gingen dann an unserer Stuben thür vorbei. Mit eicm Satz war ich ans dem Bette und öffnete die Thür ganz wenig, um durchzulugen. Ta sah ich in der That die Rückseite eines Ofsiziers, begleitet von emem Tragoner mit Laterne, also jedenfalls

cm' tallwachthadcndcn. Ist man

erst mehrere Jahre Soldat, so kennt man jeden Offizier des Regiments oder gar der Schwadron, wenn man nur ein leincs Bruchthcil von ihm sieht, aber der da aus dem Flur stand? ES stand im Nu bei mir fest, daß der Offizier dort in die Schwadron sicher nicht gehöre, und was hatte ein fremder Offizier in unserem Revier zu thun? Jctt sah ich, wie der atcrnenträgcr die Thür einer der nächsten tubcn öffnete. hörte, wie bum! bum! alle Rekruten von ihren Betten, Schemeln und sonstigen Plätzen hochsprangen und vernahm dann, wie der Offizier hier und dort charf tadelte und schimpfte. Nach 4 i i k p r einer vcue trat cer ajtnzicr aus oen Flur, und da es mir schien, als wenn er sich unserer Stube zuwende, schloß ich eilends leise die Thür und war schwupp! in meinem Bette. Krach! Untere Thur ama aus, Wir blinzelten Alle unter der Maske tief Schlafender mit halbqeschlonenen Augen nach der Thür, durch die der Ossizier und sein Begleiter eintraten. Unsere Augen wurden aber plötzlich wacher und Na, nun schlag' doch aber der Teusei 'rein!" brüllte da unser Violln künstle?. Tet sind ja Schönwald und Puht!" Mit verblüffender Geschwindigkeit waren die Beiden von sechs Gestalten umringt, die nur mit dem Hemd bekleidet waren. Richtig Schönwald und Puht: Eastor and Pollux! Tas (Jeläckter! Mensch, wo hast Du denn den Rock mit viel Orden her?" fragte einer. Tas ist Graf Hentink seiner," erwiederte Schönwald, da sollte ich das Futter innen etwas annähen, wo's losgegangen war. das Prineenez ist von dem Einjährigen Wellert gepumpt, und die Hosen sind meine Extras." Wie kommt Ihr nur wieder auf den verrückten Gedanken?" forschte ich. Jotte doch!" sagte Puht, janz eenfach; wir wollten mal det Jungvieh een bisken uhzen. Tet Ihr ihnen nicht verrathen dhut," wandte er sich an uns Alle. Nu wollen wir uns den ollen Kerls uff de andern Stuben ooch noch vorstellen." Sie gingen weiter den Flur entlang. und ich wollte eben, nachdem ich ihnen noch, troö der Kälte, im tiefsten NegHer' "'"i"- Augenblicke nachgeschaut. in me'.ne Stube zurücktreten, als ich halt! Ich habe ja noch nicht erzählt, wer Judas" war. Das heißt, ich meine nicht den biblischen Herrn, sondern emen ganz Anderen. Unser gestrenger Herr Wachtmeister Nibusch war in der Schwadron allgemein gefürchtet. Und war die Sache noch so klein, gemeldet mußte sie doch sein," sangen die Leute von ihm wenn er es nicht hören konnte. Da es nun begannt war, daß er am lievsten dann gerade ttwas zur Bestrafung meldete, wenn er dem Uebelthäter versichert hatte, er werde dieses eine Mal noch nichts gesehen und gc hört haben", hatte man ihm ob dieser cft geübten schnöden Berräthcrei den Namen Judas" gegeben. Also, gerade, als ich in meine Stube zurücktreten wollte, sah ich, wie sich die Thür von Judas' Wohnzimmer öffnete und sein Kopf vorsichtig nach den Ruhestörern schaute plötzlich flog seine Thür ganz auf, er selbst auf den Flur hinaus, den beiden Dragonern nach' und schwapp! da hatte c? sie am Ende des Flures gestellt. ; Schönwald was wurdest Tu so bleich? Puht warum zitterte denn das Licht der Laterne plötzlich so sehr? . Und nun ging's los: . Sich da, sieh da guten Abend, meine Herren! Na na, der Herr Lieu tcnant Freiherr von Schönwald so so und sein getreuer Freund, der Herr Puht! . Das ist ja reizend, entschuldigen Sie nur, Herr Baron, daß ich so unangezogcn vor Ihnen erscheine, Ihr scid ja ein paar recht nette Brüder, na, ick nerdc Euch den Salat schon ?"rccht machen, Ihr ver Kerle, Ihr, na wartet Euch werde ich das besorgen weg mit Euch 'rein in Eure Stube! Morgen sehen wir uns!" Er verschwand die Beiden verschwanden. : Nachdem sich endlich die Aufregung über das eben Erlebte ein wenig, bei uns gelegt hatte, schliefen wir ein. Gegen neun Uhr erhob ich mich, nach einem Blick durch das Fenster nach dem Portal des Kasernenhofes, von meinem Stuhl im Bürcau. Herr Wachtmeister, der Herr Rittmeistcr kommt." So? Geben Sie schnell den Rapport her." Ter Rittmeister erwartete uns auf dem Hofe Nachdem ihm Judas" ae meldet, daß Menschen und Thiere der Schwadron wohl und munter, das Revier in Ordnung sei. fragte Herr von Ecndling. wie gewöhnlich, in seiner kurzen, doch immerhin freundlichen Art: Sonst was Neues?" Judas setzte sich in Position es wollte mir scheinen, als wenn er or deutlich anschwoll. Jawohl, Herr Rittmeister. Es ist ycu.e ycaan was painrl. was mir m den zwanzig Jahren meiner Dienstzeit noch nickt vorgekommen ist. und waö mir " So kommen Sie doch nur zur Hauptsache, lieber Nibusch, : was ist denn los? Die Kaserne steht noch, wie ich sehe," - Herr Rittmeister, unsere beiden Handwerker, Schönwald und Puht, sind heute Nacht im Revier umherzogen. Schönwald mit dem Rock des Herrn Grafen Hentink, als Officicr verkleidet. Puht mit brennender Laterne in der Hand, wie ein Stallwachhabender, und haben die Rekruten erschreckt, welche glaubten, daß em Ofsizler das Revler ableuchten wolle. ' : : .So? Jh. waZ Sie. lagen?" Ritt

meiste? von Scndling blickte vor sich hin cine ganze Weile, dann drehte ir sich zu mir herum, und indem ich in

seine lachenden Augen blickte, empfing ich den Befehl von ihm. Gehen Sie mal hinauf und sagen Sie dem Schönwald und dem Puht, dad sie sich' schlennigst hierher verfügen sollen, aber genau so angezogen, wie heute Nacht, genau fo verstanden?" Zu Befehl. Herr Rittmeister." Ich machte kurz Kehrt und heidi, die Trcp" pcn hinauf und 'rein in die Schusterbude. Wie hatte diese cine Nacht auf unsere Helden gewirkt! Wie ein zusammengcknicktcs Taschcnmcjjcr hockte Schönwald mit untergeschlagenen Bei ncn auf seinem Tisch, blaß.'mit schlaf fcn Zügen, als wenn er jede Minute sein Ende erwartete, und Puht der arme Kerl der saß stumm und regungslos auf seinem Dreibein am Fenster und blickte mit gläsernen Augen starr nach dem Rittmeister und Judas Qvfdcm Kasernenhof. toic fuhren jäh zusaximcn, als ich eilig die Thür aufriß und einen Augenblick die Szene, die sich mir darbot, überschaute. Los!" fing ich an, schnell! Ter Ritter" hat befohlen, das; ihr gleich zu ihm runterkommcn sollt. Ihr sollt genau so angezogen erscheinen wie heute Nacht, los los! Er wartet unten auf Euch." Wie sie hasteten, wie sie suchten, während ich vor Lachen sast bersten wollte. Schönwald, wo ist das Pincencz?" fragte ich. ..Tas Pincencz auch das soll ich mitnehmen? fragte er und wurde noch einen Schatten bleicher. Natürlich genau so, wie heute Nacht sollt ihr aussehen." Er hing sich das Pincencz an einer Schnur um den Hals. Aufsetzen!" sagte ich. Was?" Tas Pincencz, und Puth muß die Laterne anstecken." Mein Gott!" winselten Schönwald und Puth. Nun seid doch nicht solche Hasenfüße" sagte ich. während wir die Treppe hinuntersticgcn. Ter Ritter" ljt ganz gut gelaunt." Vel Puyr lernen Die Mahnung zu wirken, aber Schönwald bis zu je nem Tage hatte ich mir öfters die Frage gestellt, wie wohl em Mensch auslchcn müsse, der zum Richtblock geschleppt wird, seit dieser Zelt wein ich es: un gefähr so wie unser Schneider. Jetzt standen wir drei Schritte entscrnt vom Rittmeister: ich trat vor. Befehl ausgeführt." Er drehte sich um und platzte los vor Lachen, wie ich noch nie einen andc rcn Menschen habe lachen hören. Ter ganze Körper bebte, und die Thränen rannen ihm die Wangen her uuter. Unter fortdauerndem Lachen wandte sich der Rittmeister wieder zu mir. ..Holen Sie 'mal alle Unter ofnziere meiner Schwadron her. und Graf Hentink auch!" In fünf Minuten waren sie Alle da. Hier, meine Lieben, stelle ich Ihnen Herrn Lieutenant von und zu Schön wald vor, nebst seinem Burschen Puht. Graf Hentmk, wie macht sich Ihr Rock auf so einer Gestalt?" Alles lachte nein wieherte beinahe. Endlich faßte sich unser Chef. Was soll ich nun mit ihnen anfangen ? Wachtmeister, was meinen Sie?" Herr Rittmeister, die Leute haben sich doch etwas herausgcnom.z-n, was unerhört ist." Na, so schlimm brauchen wir es nicht zu nehmen." Er sann einige Zeit nach. Nun werde ich Euch mal was sagen: Sie bekommen von mir vorläusig auf einen Monat keinen StadtUrlaub, geben Ihre Extrasachen auf der Kammer ab, und da Ihnen die Sache Spaß zu machen scheint, werden Sie Beide abwechselnd .wei Wochen hindurch Nacht um Nacht Stallwache thun. Wegtreten!" Tie Telinqucnten verschwanden. Nachdem sie Jeder drei Tage Stallwache gethan hatten, wurde ihnen der Nest in Gnaden erlassen. Einkünfte der Zarenkinder. Ueber die Hohe der Einkünfte der russischen Großfürsten und Großfürstinnen, soweit dieselben Söhne, Töchter und Enkelkinder des Zaren sind, folgende Festsetzungen: Tie Söhne erhalten bis zu erfolgte? Großjährigkeit eine jährliche Pension von 33,000 Rubel aus der Staatskasse; nachdem sie majorenn geworden sind, wird die jährliche Apanage auf 150,000 erhöht und gleichzeitig wird ihnen zur Ausstattung ihres Hofhaltcs und so weiter eine einmalige Abfindung von einer Million Rubel gezahlt. Bei der Berheirathung erhält jeder Großfürst , eine nochmalige Dotation von 200,000 Rubel und außerdem steigert sich die jährliche Apanage um 35,000 Rubel, also auf 185,000 Rubel. Tie Enkclsöhne müssen sich bis zur Großjährigkcit mit 15,000 Rubel jährlicb begnügen, nach erfolgte? Großjährioicit werden ihnen 150.000 Rubel jährlich, sonie eine ein malige Abfindung von 000,000 Rubel gezahlt. Tie Töchter des Zarew be ziehen bis zur Großjährigkeit 33,000 :ttubcl: nach crsolater Groniähriakelt bis zur Berhcirathung empfangen sie 50,000 Rubel. Tie letztere Festsetzung bezieht sich auch auf die Enkeltöchter; die minderjährigen Enkeltöchter erhal ten dagegen nur 15,000 Rubel. Gc lcgentllch ihrer Berhcirathung erhalten sämmtliche russischen Großfürstinnen eine Mitgist von emcr Million. Scherzfrage.. Welcher von en beiden. Dichtern hatte eine größere Hand, Schiller oder Göthe? . ,.. um k.shlgL) zn Zh?!U zhaö .hnquvJß'ü!Duuzq :zaozuzz)

Teint und Zaar bei der Wahl

dir Kleider. Ist die Gestalt einer Frau schon bestimmend für die Kleidung, so noch mehr die Färb des Teints und der Haare. Bezüglich der Farben herrscht indessen auch das Gesetz des Gegensatzes, und deshalb ist gewissenhaftes Prüfen der eigenen Person eine erste Bedingung; nur so werden wir eine harmonische Uebereinstimmung unserer Gestalt und der Toilette erreichen. Die Classisicirung der Damen in Blondinen und Brünetten, die gemeinhin beliebt wird, ist nicht immer zutrefsend. Denn jede Classe hat eine Reihe, von Unterabtheilungen, bei denen sich die Grenzen oft ganz verwischen. Ein solcher nicht genügend ausgesprochener Typus, der nicht blond, nicht braun, nicht groß, nicht klein, nicht blaß, nickt rosig, kurz, möglichst undeutlich erscheint, hat es bei der Toilette ziemlich schwierig. Besitzt eine Dame dunkles, blauschwarzes Haar, frisches Colorit auf dem dunklen, in's Olive oder Orange spielenden Teint, so ist damit schon eine Grundstimmung geschaffen, die durch brillante Farbentöne leickt verstärkt werden kann. Alle goldigen Töne, von dem feinen weizenfarbenen Gelb bis zum dunklen Altoold der Orange sind dazu passend, und zu diesen eignet sich wiederum Roth, das z. B. als Schleifen- und Blumenputz ein gelbes Gewand außerordentlich belebt. Die Scala der rothen Farbentöne ist ja unendlich groß, vom leise sich röthenden Abendhimmel bis zum flammenden Purpur, dem glühenden Granatroth und der dunklen Weinfarbe. Lachsfärbe, Dunkelblau und Violett, die letzten beiden mit Gelb gemischt, sowie Olivefarbe mit Roth eignen sich ebenfalls für so eine blühende dunkle Schönheit, wie auch Schwarz und Elfenbeinfarbe mit Gelb oder Roth für sie durchaus vortheilhaft ist. Die verschiedenen Beigefarben und bräunlichen Nuancen, die als neutrale Farben für bescheidene Toiletten' gewählt werden, müssen am besten gelbliche und röthliche Töne zeigen und durch gelben und rothen Schmuck belebt werden. Man mache sich's überhaupt zum Gesetz, bei günstigem Teint gleichartige, bei ungünstigem jedoch qegensätzliche Farben zu wählen darin besteht das aanze Geheimniß einer harmonisch erscheinenden kleidsamen Toilette! Alles, was einer blühenden Brünette vortheilhaft erscheint, muß dagegen von derjenigen gemieden werden, die mit dem dunklen Haar einen matten, elblichen 'Teint verbindet, in den sich graue Farbentöne mischen. Blau und Violett z. V. würden bei ihr geradezu eine krankhafte Färbung deZ Gesichtes erzeugen, wenn die Farben an sich auch noch so klar und reizvoll wären. Weinroth. Braun, belebt durch Roth, Gelb, Weiß sind für ein blasses, von dunklen Haaren umrahmtesGesicht am passendsten. Grün ist hier in allen seinen Schattirungen zu meiden, weil es dem Gesicht jeden Schein des Lebens raubt. Aus diesem Grunde aber steht Grün einem vollblühenden, dunkelblonden Madchen ganz vorzuglich, hier dampst es das überquellende Leben und tont die allzublühende Frische des rosigen Teints ab zum schimmernden Weiß der Apselblüthe. Eine Dame mit lebhaftem Colorit auf Wangen und Lippen darf getrost alle positiven Farben tragen, wenn auch Blau unkGrün ihrer Eigenart immer am gunstigsten sem werden. Besonders kleidsam sind für sie Lachsfarbe, Maisgelb, em rothllch schimmerndes Lila, Rehbraun, Beige und Olive. Blau und Violett können von ihr sogar ganz unvermittelt getragen werden. Eine zarte Blondine mit Hellem. Zn's Gelbe spielendem Har und blüthenweißem Teint wird am vortheilhaftesten Blau tragen, das aber immer, um eine schöne Wirkung hervorzurufen, mattgetönt sein muß. Lila, Rosa, Purvurroth. mattes, röthliches Gelb werden ihr ebenfalls vortrefflich stehen. Bei dunkleren Nuancen dieser Farben rufen Spitzenkragen eine anmuthige Milderung und größere Kleidsamkeit hervor. Hat das Haar einen röthlichen Schimmer, so z,t e:n zartes, lichtes Grun von prächtiger Wirkung. . Je zarter und lichter die Haut und Hautfarbe, desto zarter und weicher muß die Farbentönung der Kleider sein, zumal wenn sie gesellschaftlichen Zwecken dienen. Für die neutralen Töne der Straßentoilette empfehlen sich Taubengrau. Rehbraun, Schieferblau. Braun, Silber- und Steingrau. Die letzten beiden fehen besonders gut aus mit einem Schleifenausputz von kirschrother Farbe. Schwarz und Weiß darf jede Dame tragen, doch werden diese Farben kleid samer erscheinen, wenn man sie mit einer der Eigenart der Trägerin ange messenen Farbe belebt. Für Schwarz eignet sich sehr gut der Jettschmuck.doch darf eine zarte, helle Blondine nicht allzuviel davon wählen, während für eine dunkle Schönheit dieser Schmuck sehr reich ausfallen kann. Unter den zahlreichen Farbenzusammenstellungen der heutigen Mode scher neu Blau mit Gelb bis zum Orange. Blau mit Lachsfarbe odeRoth in den verschiedenen purpurnen oder scharlach nen Tönen, Blau mit Braun oder auch Dunkelblau mit leuchtendem, dunklem Grün besonders . prächtig vmo wirkungsvoll. Zu Gold passen fehr gut Kirschroth. Purpur. Lila, Violett. Orange, Gelbbraun .oder Blau und Grün; letzteres ist von besonders fchöner Wirkung. Zu Silber sind Hellbla'. Lila, Rosa und Lachsfarbe fehr vortheilhaft; zu Stahl Silbergrau, Violett und Blau. Zu Schwarz sind Rubinrotb, Smaragdgrün, Türkisblau, sowie Orange passend, während sich zu dem zarten Elsenbeinweiß Hell-

Hau, Hellgrün, Mattrosa, Lachsfarbe.

Xlila. Hiriajrotg und läcio eignen. Braun. Dunkelgrün. Dunkelvisle!! und dergl. sehen stets etwas hart aus zu Weiß, während Schwarz und Weiß in seinen Gegensätzen ein sehr anziehendes Gesammtbild geben. Zclbstfortbi'duttg. Taglich vernehmen wlr es in Wort und Schrift mit aufdringlicher. Deutlich'eit, bis wir schließlich selbst davon! überzeugt zu sein glauben und s volltönend nachsprechen: Wir sind ein gar hochgebildetes Geschlecht; Du:ge, die unseren Grotzeltern e:nst als ganz unerreichbar erschienen, die werden heute von den kleinen Schulkindern fchon ge lernt!" Aber so gebildet wir selbst uns auch dünken mözen, so Manches wir in unserer Jugend auch gelernt haben. und so stolz wir aucy auf die Wlnensb:rge schauen, welch: in den Köpfen der Kind:r jetzt aufgethürmt werden, fo hindert das die Mehrzahl der deutschen Frauen doch nicht, im Hinblick auf vert , Yrt , gangenes uns zumnsliges Ulen in der Gegenwart selbst vollkommen mit ihrer geistigen Entwickelung stehen zu bleiben, ja sogar rückwärts zu schreiten. Ohne daft. die brauen sick selbst davon Rechenschaft ablegen, kann man doch kühn behaupten, daß der Moment dieses gefährlichen Stillstandes und Rückschrittes zumeist dann beginnt, ivcnn der große Ehrgeiz ihres Lebens befriedigt, wenn sie glücklich an den Mann gekommen sind. 5?ast könnte man glauben, der Besitz des Mannes hätte auch den ganzen Wissensdurst des Weibes befriedigt, denn sowohl Musik wie Malerei, als Literatur und alle schönen Kiinste mit Ausnahme viel leicht des Schonthuns und der edlen Kochkunst, sie werden gewöhnlich nach dcm Erlangen des güldenen Eheringleins an den nachstbestenHsken gehängt. Warum dem so ist, läßt sich nicht so leicht erklären, als daß dem so ist. W:nn die Frauen, einmal in den :cyeren 2ien ver Ehe eingelaufen, c.ufhören, weiter an ihrer geistigen Äusbildung zu arbeiten, so geschieht dies erstens deshalb, weil sie zumeist mit ihren Händen so viel zu arbeiten l-:komm:n, daß sie darüber nu? zu leicht das leitend: auvt veraenen. und weil flä WvtJn?' j'.b fl.WllltU in der orge und der treuen Pflichterfüllung für Andere, die Kinder, auch die Pflichten gegen sich selbst vergessen. Und drö ist es ein falscher Fleiß, de? nur mit den Händen arbeitet, eine unrichtige Auffassung de? Mutterpflichi:n, welche die Kinder geistig zu förbern versucht, und doch selbst geistig zurckbleibt. Denn gerade die Gattin und Mutter ist Diejenige, welche nicht nur alles Gelernte fruchtbar zu verwerthen wissen. sondern auch mit wirklich großem NU" fc:n für sich und Andere stets weiter zu l:rnen bestrebt sein muß. Wir leben in cirer Zeit, wo die Wissenschaft nicht nur stets fortschreitet, sondern wo ihre :rrungenschaft:n gar bald Gemeingut Vieler werden und so die Jugend vieles Neue lernt, was wir Aelteren damals noch nicht lernen konnten. Bleibt aber die Mutter stehen, wahrend ihre Kinder vorwärts schreiten, so gibt dies der ohnehin etwas selbstbewußt angelegten Jugend Veranlassung und Gelegenheit, sast verächtlich aus die altere, unwissendere. ungebildetere Generation herabzuölicken. Aber dies dürfte und brauchte nicht zu fein, wenn gerade die Mutter, die ja mit den Kindern viel mehr in Berührung kommt, als der Mann, sich stets bemühen würde, im Laufenden zu bleiben, was die wichtigsten Zeltfragen und Entdeckungen betrifft. Manche, vielleicht Viele, werden mir darauf erwidern, dan eine Frau, die ihren Haushalt zu versehen, die als Gattin und Mutter unzaqllge Pflichten zu erfüllen hat, unmöglich Zeit finden kann, um an ihrer geistigen Fortblldung zu arbeiten. Ich gestehe dies bis auf einen gewissen Grad zu, aber wenn wir uns selbst ernstlich beooachten, werden wir finden, daß manches halbe Stundchen mit überflüssigem Geschwätz und mit eben solchem Tand und Pun hingebt, welches aus eine viel verkünftigere Weise nützlich verbracht werden könnte. Eine slnkme, strebsame Frau kann für Vieles Zeit finden, wenn sie nur ernstlich will, und es ist ja eine allgemein bekannte Thatsache, daß gerade Diejenigen, die am meisten zu arbeiten haben, auch unendlich mehr leisten können und für viel mehr Zeit finden, als Solche, die nur wenig oder nichts thun. Es läßt sich gar Vieles in die kurze Spanne Zeit, die man ein Menschenleben nennt, hineinbringen. wenn man es nur versteht, mit derselben hauszuhalten. Und keine Zeit ist nutzbringender angewendet, als jene. in welcher wir geistig vorwärts schreiten. seien die einzelnen Schritte noch so klein, wenn sie nur feste und sichere Spuren zurücklassen. Welch' hohe Befriedigung wird es der Mutter gewähren, wenn sie ihren lernenden Kindern nicht nachzustehen braucht, und wie wird die Jugend sich glücklich fühlen. wenn sie bei der Mutter Verjtandniß und Interesse für ihre Studien findet. zu ihr hinaufblicken kann. D'rnm mit Energie und Ausdauer an's Werk, bewahren wir unseren Geist vor dem Einschlafen, indem wir nicht

in der hauslichen Arbeit untergeaen, , sondern durch unausgesetzte Fortbildung unserem Leben ein höheres Interesse und bleibenden Werth geben als gebildete, fähige Erzieher unserer Kinder, der Träger r.er Bildung für komwende Geschlechter. ' Kühnes Bild. A: Sehen Sie nur Fräulein Ella dort! Wie bös die wieder d'reinschaut!" B: Ja, der reine Entwurf zu einer Schwieger2&Sl"

Erst morgen. Sl'zze von Marie Trcutcr. 4 Es klopft. Herein!" ; Störe ich, Oheim?- ; Nein!" ' Der große Mann mi: dem schon stark gelichteten blonden Scheitel arbeitet, ohne aufzublicken, weiter. Die Thür wird leise zugeklinkt und leichte Schritte nähern sich dem Schreibtisch. Mit fest ineinander verschlungenen Händen steht das schlanke, schwarzbraune Mädchen?' hinter dem Arbeitssessel des Gelehrten. Jetzt wendet sich der Mann herum, sein Antlitz ist bleich. Was willst Du, Maria?" fragt er. Oheim, Baron, Seestld war bei Dir?" Ja, vor einer Stunde." Was wollte er?" Er warb um Deine Hand." Ah!" Des Mädchens Busen hebt und senkt sich. Und was sagtest Du ihm?" Er solle sich morgen bei Dir di: Antwort holen!" Morgen? Warum erst morgen?" Der Mann antwortet nicht, seine Lider senken sich noch tiefer über die Augen. Es huscht etwas an seinem Geiste vorüber. Bilder aus vergangenen Tagen. Beslaggte Straßen. Ehrenpforten, jubelnde Menschen, Janit scharenmusik! Vom Felde der Ehre heimkehrende Truppen, den Triumph des Sieges auf den verwetterten Gesichtern. Unter ihnen er selbst als jun-

ger Officicr den Arm in der Binde, das eiserner Kreuz auf der linkenBrust. Auf dem Altan des weinumrankten Hauses in der Vorstadt steht sein junges Wew mit lachendem Munde, Thranen in den Augen. Sie hält ihm etwas entgegen, etwas Jauchzendes, Zappelndes einKind ein kleines, schwarz -braunes Mädchen. . Das Kind Deiner Stiefschwester! Seine Mutter starb aus Gram um den auf dem Felde der Ehre gefallenen Gemahl! Nimm es an Dem Herz als Dein als unser Kind!" Und er hatte Beide in seine Arme geschlossen. Dann kam der Tag, wo sie sein Weib begruben, und er hatte nu? noch das Kind. Und dann ging auch das Kind fort für volle drei Jahre. Als eS wieder in sein Haus zurückkehrte, da war aus dem Kinde eine Jungfrau geworden, von seltsamer Schönheit und sinnigem Benehmen. Doch er hatte keine Zeit, sich um die holde Menschenblüthe zu bekümmern. Der Wissensdrang, der Forschungsgeist trieb ihn hinaus in ferne Lande. Nach fünf Jahren kehrte er wieder zurück in die Heimath, in sein vereinsamtes Haus zu seinem Kinde. Zu seinem Kinde? Nein, das war nicht sein Kind, dieses wunderschöne Weib mit dem ernsten, in sich gekehrten Wesen kannte er nicht. Fast instinktiv wichen sie einander aus. Die Jahre, die er fern von der Heimath zugebracht, hatten ihm das Herz seines Kindes entfremdet. Einmal hatte fein Blick lange und gedankenvoll auf dem holden Antlitz geruht. Es war ihm gewesen, als wenn die Waiigerv schmaler geworden und dunkle Schatten um die Augen lägen. Dann, als fühle es feinen Blick, hatte das Mädchen zu ihm hinüber gesehen einen Moment nur. . Von diesem Moment an hatte er nicht mehr gearbeitet, nicht mehr geschlafen. Warum . erst morgen?" fragt das Mädchen noch einmal, jedesWort scharf betonend. Der Mann fährt sich mit der Hand über die Augen, dann schweifen seine Blicke unruhig über den Tisch. Er springt empor, seine Augen starren groß, entgeistert auf das blasse Weib, das sich bebend an die Lehne eines Sessels klammert. Was ihm aus den großen, dunklen Augen entgegcnleuchtet. er kann's nicht fassen, nicht begreifen Todesangst, Vcrzivciflung und Liebe! J Liebe er täuscht sich nicht es ist wirkliche Liebe! Aber nicht die Liebe. nicht die Liebe des Kindes zum Vater, sondern Liebe des Weibes zum Manne, reine göttliche Leidenschaft! Er blickt lange in die räthselhast tiefen Augensterne, bis sie erglühend die Wimpern fenkt, dann zieht er die zitternde Gestalt sanft in seine Arme. Lange hielten sie sich schweigend um schlungen. Endlich hebt sie das Köpfchen und. unter Thränen lächelnd, wiederholt sie noch einmal ihre Frage: Warum erst morgen?" Weil das heute mir gehören sollte! Weil sich heute mein Schicksal cntscheiden mußte!" sagte er ernst. Und seine Äugen gleiten auf den weinumrankten Altan hinaus, wo er an der Seite seines Weibes einst sein Glück in die Arme geschlossen hatte zum ersten Male. Und den Braut kuß auf die Lippen der Geliebten hauchend. flüstert er: Darum erst morgen!" Treue Liebe. Treue Liebe kennt kein Meiden, Wenn ihr auch das Schicksal grollt , ;t r-rcn r V. Uno ourcy a;ciucii iyi iw"!!4 i Treue Lieb' ist echt wie Gold. Wie das Gold in Feuersgluthen Sich als echtes Gold bewährt. , Wird in heißen Trübsalsfluthen Treue Liebe nur verklart. - Einem Hungrigen ist eine warme Wurst lieber, als ein Du tzend warme Worte.