Indiana Tribüne, Volume 18, Number 68, Indianapolis, Marion County, 25 November 1894 — Page 3

in

Genie der TKnt. Von Ernst iNem'lu. ! Ach! rief Annie entzück! und blieb 'in der offenen Thür stehen. Was für -ein herrlicher Raum! Nein, Asta, ich habe gar nicht geglaubt, daß es so schöne, schloßartige Villen in unserem .Berlin gibt!" Und bist ein Berliner Kind!" er'widerte lächelnd die Kousine. Ja. aus Berlin C!" meinte Annie geringschätzig, während ihre Blicke in dem Gartensaal rundum gingen. Das ist eine ganz andere Welt!" Fürwahr, es war ein schöner Raum. Fünf mächtige Thüren, ganz aus Glas, öffneten sich an der Lichtseite auf die Gartenveranda nach dem Thiergarten Zu, Sternparkett dehnte sich spiegelnd mit verjüngtem Muster gegen dasLicht hin über die ganze Breite. An den ÄöändenSäulen auZ Riallo antieo mit bemalten Skulpturen und eine große Folge italienischer Landschaften, schimTnernd blau auf breiten schwarzen Rahinen, Valmengruppen, Majoliken auf originellen orientalischen Tischen, perslsche Voster. dazu breiter aoldener Sonnenschein, der alles überfluthete 1itr-y Viai rarAmmi!ii I 3 i. uiuuuiu;iiiviuu tuuic, uuj "das schöne blonde Mädchen auf der 'Schwelle noch einmal ihrer Kousine um den Hals fiel und rief: Ach, Asta.'seid ihr glückliche Menschen, daß ihr von eurem Reichthum einen so anmuthigen Gebrauch zu machen wißt, während ttir " Während euer Papa querköpfig bei feinen altmodisch - spießbürgerlichen Ideen bleibt!" ergänzte Asta und zog ?ie andere in den Saal. Es freut mich übrigens ganz besonders, daß unser neues Heim Dir gefällt, denn ich habe alles erdacht, und nach meinen EinfälIen hat Papa alles ausbauen lassen! Aber, komm in den Garten. Fritzi ist wieder allein mit Marenholz und 'der ist doch eigentlich meinBräutigam!" Ach, laß uns erst hier ein wenig bleiben, liebes Herz," bat Annie. Ich muß auch einmal in einem großen, eleganten Raum sitzen und mich darin heimisch fühlen dürfen!" Setz Dich, Närrchen! Aber mach nicht so viel Wesens von unserer Wohnung. das ist alles noch sehr bescheiden gegen die Entwürfe, die mir im Kopfe schwirren. Ja, wenn Papa nicht gelähmt wäre und wir nicht drüben in Moabit die Fabrik hätten da wollte ich uns schon ein Fleckchen Erde aussuchen und da etwas hinbauen am LagoMaggiore vielleicht, oder nein, im griechischen Archipel auf einer Felseninsel. Und doch wäre das alles, ist der erste Reiz erschöpft auch nichts nderes, als unser elendes modernes Leben. Toiletten, Journale, Geselligkeit, Leuteärger und dergleichen oder Langeweile. Nein, ehrlich, nicht einmal mit einem Schloß im Süden wär' ich zufrieden außerhalb der Kultur oder besser in einer andernZeit möcht' ich leben!" Das Mädchen hatte die Hä?.de im Schooß zusammengelegt, und die dunkein Augen in dem vollen, etwas blassen Gesicht blickten unter dem Gewirr krausen, schwarzen Haares glänzend von stummen Träumen vor sich hin. Du Undankbare magst Du mir einmal von dem Leben sprechen, das Du Dir begehrst.?" fragte Annie. Asta sah sie prüfend an. Gewiß," sagte sie, sich auszusprechen ist Selbstkritik. Siehst Du, unsere Zeit ist nur groß für die Männer. Die finden Gelegenheit, im vollen Strom zu schwimmen, sich zu bewähren. Für uns Frauen ist sie eine unbehagliche Uebergangszeit. Unsere Mütter noch konnten ihr volles Genügen darin sinfoen, lionsowiwos zu fein. 'Heute ist der Lebensinhalt der beiden Geschlechter ein zu verschiedener selbst in glücklicher Ehe ist die Frau viel mehr auf sich selbst angewiesen, als früher; ihr alter, ewiger Beruf genügt ihr nicht mehr recht; und ein Beruf außerhalb des Hauses ist in den meisten Fällen ein Martyrium, denn die Zeit voller Freiheit, voller Gleichheit der Geschlechter ist noch nicht angebrochen glücklicherweise! Beneidenswert!) die Frau, die in der Kinderstube und am Herd der heiligen Vesta oder aber als hungernde Lehrerin, Telegraphistin, Aerz:in sich vollauf befriedigt fühlt! Allein verständlich werden nun auch die Seitensprünge der anderen, die von Eitelteit, Toilette, gesellschaftlichen Trium hen, Kurmachenlassen, schließlich Liebschaften leben!" Ach, Asta." sagte Annie leise, nahe am Ohr der andern und wurde roth abei, ich möchte mir so schrecklich gern einmal die Kur machen lassen!" Sieh da!" Asta drohte ihr mit dem Finger, wurde aber gleich wieder ernst. A nein, lieben, lieben will ich eininal!" Liebst Du DeinenVerlobten nicht?" 1 Mein Verlobter?" fuhr Asta auf und stand einen Augenblick mit geballien Händen und finsterer Stirn. Gewiß, innig, zweifelnd, zagend aber aus dieser Liebe wird im besten. Falle eine morerne glückliche Ehe. Und ich möchte doch gern in meinem Leben noch etwas Besseres erleben. Und sei's im Traum od:r, lache nicht, in einer langen Hypnose. Ein Vierteljahr reglos liegen, träumen, ich sei Byrons Medora oder ein anderes Weib seiner wilden Archipelgedichte, ich säße auf einem Felsenschloß, auf zackige? Klippe über den jxlad waters of the dark blue sea, fühlte um den Mann meiner Liebe em Sehnen, so grenzenlos wie diese See. die uns trennt: svrinat kerShirm auf, die Felsen donnern und beben, so empfände ich die ganze schrille Angst um ihn, bis )tm segel austauchte, die ganze heiße Wonne des Wiedersehens, hört: ich endlich draußen seinen Tritt! She tom he prang bbe clung tohU'-nlxac Till ai ceArt uernvea oencatn ner maxien lies;

Ist c: gegangen, nd sitz' ich lange einsam, soll mich die volle, tiefe Melancholie dieser Einsamkeit erfüllen, und dann wieder der helle Stolz über seine Kühnheit, seinen Sieg, die Sorge um seine Wunde, wenn ich ihn Pflege o Kind, das alles derstehst Du ja nicht ich armes Mädchen will Empfindungen haben, ganze und mächtige Emt-fin-düngen ich komme nicht au mit den gebrochenen Akkorden, den undeutlichen Modulationen, den stumpfen, matten Farben des Daseins, das mich envartet, das nichts Einfaches, Klares, Gewaltiges haben wird!" ; Sie hatte Annies Hände ergriffen und preßte sie heftig. Ehe aber die Freundin noch etwas erwidern konnte, öffnete sich eine Flügelthür und ein Rollwägelchen auf dicken Gummirädern, in dem ein alter Herr saß. ward von einem Diener in den Saal geschoben. Die Mädchen erhoben sich und gingen ihm entgegen. Guten Tag, Anna!" rief der Kommerzienrath schon von der Schwelle her, und Guten Tag, Onkel!" ant wortete ebenso herzlich das Mädchen, indem es sich über die regungsloseHand auf der Ledertrommel des Wägelchens neigte, um sie zu küssen. Tritt weiter fort, Kind!" sagte der

Gelahmte, der den Kopf nicht zu ihr zu erheben vermochte, ich möchte sehen. wie Du aussiehst. Frisch, rosig, wie immer! Was macht der Papa? StubenHocker, wie immer? Asta, Du hast Dich und die Kleine mit irgend welchem tol Ien Zeuge aufgeregt, wie es Deme Gewohnheit ist ich kenne Deine Auaen! Wo stecken Franz und mein: kleine Fritzi? Ah, mit Marenholz imGarten! Kommt Kinder, es ist. draußen schöner, als hier. Im Saal kann ich auch im Winter spazieren fahren!" Der gut geschulte Diener setzte so gleich den Wagen wieder in Bewegung. In dem wohlgepslegten Garten stand alles in Saft und voller BlÄhe. Lauer Fruhlingswlnd trieb Duftwellen über den sammetnen Rasen heran. Ge ällt's Dir bei uns. Kind?fragte der alte Herr. Annie Nickte in stummem Entzücken. So komm doch öfter zu uns heraus!" fuhr der Onkel fort. Und bring Deinen Papa mit. Ich glaube, er ist in diesem Mai wohl nicht em einzig Mal aus der Heiligengeiststraße in's .f ru tjicic yciummcii t Ach nein, Onkel! Und ich bin heute eigentlich auch heimlich hier!" Heimlich? Ja," gestand Annie stockend auf seinen großen, erstaunten Blick. Papa sieht es nicht gern, daß wir zu Euch gehen. Er glaubt, es machte uns unzufrieden mit unsern bescheidenen VerHältnissen." Der Kommerzienrath erwiderte nichts. Du kennst meinen Verlobten noch gar nicht, Annie?" begann da Asta. Komm, ich will ihn Dir, vorstellen. Papa, da ist der, Johann mit Deinem Schachtisch. Ich schicke Dir Fritzi -zur Partie." Die zungen Damen schritten emen der sauberen Kieswege auf das Paaran der Gartenmauer zu, das in lebhaftem Gespräch stand und ihnen den Rücken wendete. ' Stattlicher Mann, straffe, vornehme Haltung!" flüsterte Annie der Kousine zu, und deren Gesicht erglänzte freudig. Er, der Herrlichste von allen! Zitirte Asta. Annie aber wußte nicht' genau, ob da nicht ein leisspöttischer Oberton mit vibrirte. Da lachte eben Fritzi auf, ein kurzes. schnellunterdrücktes Lachen, wie über eine sehr drollige, vielleicht gewagte Bemerkunq, wandte sofort ihren dunkeln Krauskopf, um zu sehen, ob iemand m der Nähe, erblickte ihre Schwester und wurde plötzlich roth, worauf auch der Offizier einen Blick über die Achsel zurückwarf. Fritzi. Papa wartet mit demSchach auf ich!" sagte Asta. Worüber lacht man denn? Ach. Asta, Joseph ist so drollig!" Mas fragender Blick schärfte sich. . Dieses Kind kein Engel ist so rein " bemerkte nun in unbefangen frivolem Tonfall der Herr, sich vor den Damen verbeugend ist unverantwortllcherweise trotz leiner sechzehn Jahre in's Residenztheater mitgenom-' men worden und thut nun Fragen Fragen, die " Einen flotten Offizier," fiel Fritzi ein, veranlassen, ihm trotz feiner sech zehn Jahre Antworten zu geben. AntWorten, die " Mich wieder veranlassen werden," rief Asta lächelnd, euren Verkehr ein' wenig mehr zu kontrolliren! MeinVerlobter, Joseph von Marenholz meine Kousine, Annie Graaf." Annie erröthete tief. Himmel, was war der Mann schön! Schlank, groß, so tadellos elegant, so voll einnehmendster vornehmer Grazie seine Verbeugung, geradezu eine bestrickende Huldigung für die Dame, der er sie machte. Könntest du je," dachte drs Kind der Heiligengeiststraße, am Arme so eines Kavaliers die Linden entlang spazieren!" Und die gronen blauen Augen! Das seine, seidenblonde Haar! Sie mußte sich zusammennehmen. um zu verstehen, was er ihr sagte von Vorzug, ihr hier zu begegnen", Besuch U ihrem Papa" um Gottes willen, '. dieser vornehme Mann sollte einen Einblick in ihre spießbürgerlichen Wohnverhältnisse daheim gewinnen? Und Papa, der den Adel so haßte und am liebsten die Schildpattfeile führte! Asta kam ihrer Stummheit zu Hilfe: Fritzi und Joseph, Joseph und Fritzi!" sagte sie mit fröhlichem Pathos, daß ibr es wißt, ich dulde keine Götter neben mir. Verkündet Für, Bismarck heute morgen das Recht all deutschen Männer auf Arbeit, so verZünde ick das Recht aller deutschen Frauen auf Treue. Fritzi, macht Di

der Herr da wieder den Hof, so hast Du ihn derb abfallen zu lassen." Bitte, versuchen Sie cs noch ein.mal, mein Herr!" begehrte Fritzi gegen Mahrenholz auf, ich wünsche Sie jetzt derb abfallen zu lassen!" Sofort erlauben mir die Damcnerst ein kleines Zitat aus meine? fröhlichenFähnrichszcit. ehe ich abfalle." Und er deklamirte, sich gegen Asta neigend: Liebchen pardon für das vulgäre Wort " ?i,bchen, nicht um GoldkZlohik fcör' ich aus. V.t rrru ja tnl Sticht um eint üö,A5konk urt wär'Z die van Bulzarie::). (r:c:.j, tvai) bin ich dein! Toch lii Schau'n nach diidschkn MZÄch.'n, TIe s'kunölich ach mir irf)", hier fizirte er mit übermüthigen Augen die kleine Fritzi ,?!zch drn bannen, nach dkn blonStN, iüirft du mir dh iuzkt.-hki,?!' Nichts wird zugestanden!" eiferte Asta. Wisse mein Freund, bei der kleinsten Untreue kehre ich das französische wiv-hxl einmal um und verfahre nach der Maxime tue-le!" Gleich tobten brav!" gab Marenholz frei nach Faust zurück. Wenn ich mir da überhaupt noch eine unterthänige Bitte- erlauben darf, so wäre es die: Ich möchte dann einen schönen. ehrlichen Soldatentod durch eine Kugel sterben!" Selbst das grausame Mittelalter stellte bisweilen dem Armensünder die Wahl der Todesart frei, lUtd sieh, liebes Fräulein Medea, wie gut ich bin ich erbiete mich sogar. Dich vorher im Gebrauch der Mordwaffe zu unterweisen. Wir bringen einen kleinen Pistolenstand imGarten an mit der Ueberschrist tue-lt! und eine MannZscheibe und üben fleißig, denn alles im Leben will gelernt sein, und Angeschossenwerden ist unter Umständen bedeutend unangenehmer cls Todtgeschossenwerden!" , Also Untreue setzen Sie doch als sicher voraus, Joseph?" rief Fritzi dazwischen. Liebes Kind." klagte Joseph. Sie ahnen gar nicht, wie schlecht wir Mänuer sind!" Fritzi, Papa wartet!" bemerkte Asta jetzt sehr ernsthaft. Und wir sollten nicht so scherzen. Dergleichen unge wöhnliche Vorstellungen bleiben dann im Hirn hängen und treiben plötzlich auch bei unzureichendem Anlaß zu ettremen Entschlüssen. Oder romantischer ausgedrückt: Das Schicksal fügt oft, um überfrohen Scherz zu strafen, daß er überraschend ernst wird!" Brr!" machte Joseph, um GotteS willen, liebe Asta. nicht diese dramatischen Augen ich kin der edelstm Vor-

satze voll und froh und zur weitge hendsten Tugend entschlossen!" Jetzt kam auch Astas Bruder Franz durch den Garten daher ein sehr hell gekleideter junger Herr, kurzgeschoren. Schnabelschuhe ohne Absatz, sehr, magere Wangen und schläfrige Augen mit schwarzem Schattenstrrch gegen die Nase. Kinder, der alte Rhangabe ist eben gekommen!" meldete er. Asta vor! Und sage nicht etwa, daß ich da bm. Bin heute nicht aufgelegt!" Anrne, entschuldige mich! Ich muß die freundliche alte Excellenz empfangen. Nein, bleibe toch noch, Kmd! In einer Viertelstunde bin ich wieder da. Und so lange kann ich Dich ja diesen Herren wohl anvertrauen!" Damit ging Asta davon. Wer ist gekommen, Franz?" fragte Annie unbefangen. Alte Rhangabe, der griechische Ge sandte. Geistreicher Herr, französischer Esprit, mir unsympathisch, einfach weil ich da nicht mitkomme. Spezieller Verehrer von Astas Konversation. Seinetwegen bat sie auch Neugriechisch gelernt. Üebrigens ein charmantes altes Haus! Hat neulich Asta seine Leila" zum Geschenk gemacht mit einem reizenden französischen - Widmungsepigramm." Wird aber, fürcht' ich, an der griechischen Anleihe scheitern," warf Marenholz ein, ist ein viel zu feinqeistiger Herr, als daß er in dieser leidigen Finanzfrage reüssiren sollte!" Der griechische Gesandte!" dachte Annie. Und wie lässig sie davon sprechen. Wenn es nicht ein Zufall wäre, daß er jetzt gerade kam, würde ich beinahe denken, sie wollten mich mit dem Verkehr, den sie haben, demüthigen!" Daheim, wer kam als Besuch zu ihrem Papa? Der Her? Schneidermeister Müller. Onkel" Peetz vom Bezirksverein ach, wenn der Onkel Kommerzienrath doch einmal zu Papa sahren möchte und ihm den Kopf zurecht setzen! Eine halbe Stunde später ging Annie. wie sie es ersehnt hatte, am Arme des schönen, ritterlichen Mannes die Linden entlang, Franz an ihrer anderen Seite. Es hatte sich gerade so gemacht, als sie zur selben Zeit die Villa verließen, daß sie den gleichen Weg" hatten. War Annie vorher zu still gewesen, so war sie jetzt mehr als angeregt. Ihr Gesicht strahlte von gesundem, frisch pulsirendem Blut, ihre schönen Augen gingen ausdrucksvoll und fast übermüthiz von einem ihrer Begleiter auf den andern. Das ganze elegante Berlin trieb und rollte in großem Fluß an ihnen vorbei. . Zahllos Urnen die Grüße, die Marenholz mit Kameraden tauschte; mit Vergnügen gewahrte Annie, daß sie von den Offizieren bemerkt wurde. sehr bemerkt wurde. Wen grüßten Sie eben?" fragte sie ungenirt ebenso ungenirt, wie sie seinen Arm angenommen, als er ihn uns fagons bot denn die Herren hatten sich soeben vor einer schönen jungen Dame in einem sehr eleganten Wagen besonders respektvoll verneigt. Die Frau Fürstin von Pleß!" sagte Marenholz leichthin und die Frau Fürstin von Pleß hatte jür die Gruppe auf dem Fußsteig Annie eingeschlos

sen ein reizend liebenswürdiges Lächeln gehabt. Auch daß die Soldaten, Unteroffiziere und Einjährigen mit strammem Respekt ihr und ihrem Begleiter die Honneurs machten, gefiel ihr kurz, das Kind der Heiligengeiststraße war entzückt. Jetzt nahte des Kaisers leichte Equipage, alle Köpfe entblößten sich, alles machte Front, sie stand dicht an der Bordschwelle zwischen Franz und Joseph, und ihr schien, daß der greise Herr, wie er ihren Gruß erwiderte, öesonders ihr freundlich zunickte. Sie hatte sich nicht getäuscht. Haben Sie bemerkt?" fragte Joseph, Majestät nickte Ihnen zu. Seien Sie stolz das ist so gut wie ein Orden. Unser guter, lieber Herr und König zeichnet so nur die hübschesten unter den jungen Damen aus, deren Gesicht ihm besonders gefällt!" Annie erröthete vor Vergnügen. Ja, in dieser Sphäre fühlte sie sich wohl; sie erstaunte selbst, wie witzig und aufgelegt sie heute Nachmittag mit den flotten jungen Herren war, nd wie alles, was sie sagt.', traf und gefiel. Aber ach, man war schon an der Friedrichstraße und da hinten gar nicht fern am Fuße des vierschrötigen rothen Riesen vom Rathhausthurm erwartete sie ihr Baheim mit ihrem Papa und der ganzen Atmospbäre sauertöpfischen Elends", wie Annie es im stillen nannte. Bei dem unfreiwilligen Aufenthalt, den es. stets an der Kranzlerecki gibt, gesellte sich zwanglos ein junger Herr zu ihnen, der ihr als Graf Breyinz vorgestellt wurde. Graf Breying, der Dichter!" sagte ihr halblaut Joseph, als sie vor Cafe Bauer standen und Franz mit dem jungen Grafen im Gedränge ein paar Schritt zurückgeblieben war. Ah!" machte Annie. Der Dichter des Naturalismus ; ich darf mich seinen Freund nennen. Gnädiges Fräulein sollten ihn kennen lernen eine ganz ungewöhnliche Persönlichkelt, die einst Wildenbruch ersetzen wird!"' Kinder, da ist gerade ein Tisch frei!" kam jetzt Franz heran. Er wies auf einen der vordersten Tische bei Bauer, von denen aus man so recht bequem das Leben Unter den Linden beobachten und an sich vorbeifluthen lassen kann. Annie, Du mußt müde sein komm. Du nimmst etwas Eis!" Aber Franz!" Und sie setzte hinzu: Mit den fremden Herren!" .Erweisen Sie mir die Gnade," bat Marenholz, den Verlobten Ihrer Kousine nicht als Fremden zu betrachten!" Ich ziehe mich auf der Stelle zurück, mein gnädigstes Fräulein!" fügte der Dichter, die ungewöhnliche Persönlichkeit, hinzu, die äußerlich sich freilich in nichts von den anderen unterschied. Gleich darauf war Annie an dem Tische installirt. Sie war noch nie be! Bauer gewesen und hatte immer mit einer gewissen Scheu auf die mehr oder weniger elegante Welt gesehen, die dort aus und ein ging, wenn sie einmal vorübergekommen war nun saß sie plötzlich mitten darunter, musterte die Vorbeiwandelnden, ließ sich den Hof machen, ließ sich angaffen denn in ihrer Frische und Animirtheit fiel sie in der Gruppe der drei Herren ein wenig aus und fühlte absolut keine Befangenheit. Der gräfliche Dichter des Naturalismus, der Ersatz Wildenbruchs, machte einen ungeheuren Eindruck auf sie. Sie war ganz harmlos, und die einführenden Worte Marenholz' hatten voll auf sie gewirkt. Der junge Graf freilich, wenn er sich nicht um sie bemühte, verhielt sich ziemlich stumm, hatte', wenn er den schöngeformten, hcchmüthigen Mund zu öffncn geruhte,' nur ein kurzes Wort mo-

numentaler Geringschätzung für die Personen, von denen gerade die Rede war. Ihm zu Ehren gleichsam wurde Literatur gesprochen. Heyse der Puppenkopfdichter!" warf GrafBreying ein Georg Ebers die Dichter halten ihn für einen hervorragenden Gelehrten, die Gelehrten für einen hervorragenden Dichter!" bemerkte der strenge Kritiker lächelnd alle Größen, die Annie im Herzkämmerlein mit jungmädchenhaftem Enthusiasmus verehrte, waren Handlanger der Kunst in seinen Augen und das imponirte Annie. Was für großartige Züge mutz die Poesie tragen, die er gelten läßt", dachte sie, wenn ihm unsere Besten so gering erscheinen!" Zuletzt ließ Graf Breying sein großes Wort" los. Mein gnädiges Fräulein," erklärte er und balzncirte seinen Strohhalm, diese Herren Heyse, Ebers und alle Andern haben keine Ahnung, um was es sich in diesen Tagen handelt, welche Verjüngung in der Literatur eintreten muß. will sie nicht die Fühlung mit dem Publikum verlieren Sehen Sie, wir bedürfen eines neuen Kunstideals, und auch ich, so bescheiden meine literarischen Verdienste biiher sind, auch ich bin auf derSuche nach diesem neuen Kunstideal!" . Eine ehrfurchtsvolle Stille entstand. Tann zahlte man und ging weiter, wobei der Graf neben Annie, Franz und Joseph hinter dem Paare wandelten. Welches Gespräch der Dichter und das junge Mädchen führten, war den beiden Herren nicht klar. Sie hatten zu viel mit ihren eigenen Dingen zu thun. Eine Dame begegnete ihnen in der Nähe deä Pleßmrfchen Geschäftes, die aller Augen auf sich zog; wunderbar gelvachsen, in schlichter vornehmer Toileite von untadeligem Chic kam sie allern und ein wenig langsam die Straße herauf. Die wunderschönen tiefen dun keln 'Äugen blickten, gerade vor sich hin

und schienen niemand zu gewahren. Franz sah sie schon von weitem und mackteJoseph auf sie aufmerksam. Marenh?lz schien indessen absolut die Dame nicht sehen zu wollen und fragte merkwürdig nachlässig: Welche denn? Wo denn?" Wic dieDame an ihnen vorüberging, richtete sie ihre Augen voll auf Marenholz, und ein Blick iraf diesen, .um den Franz viel gegeb:n hätte, so eigenthümlich melancholisch, voll schwermü-thig-zärtlichen Vvrwurfes war er. Wie Franz seinen zukünftigen Schwager mit Fragen bestürmte, mußte dieser allmählich zugeben, daß er die Dame gekannt habe, ja noch ein wenig kenne, es sei die geschiedene Frau eines bekannten Sportsman, eine adelige Sarmatin" von großem Reichthum. Ich warne Dich, lieber Junge," sagte er, diese Frau ist echter Leidenscka fähig ailf keine Weise gebe ich zu, daß Du ein Interesse für sie faßt." Während ihres Gespräches war 5Hnen aufgefallen, daß die vorderen tel den einen wahren Sturmschritt angeschlagen hatten, daß Anmes Wange, von der sie ein Stückchen sahen, so oft sie sich zu Breying wendete, heiß und roth aussah, und daß der Graf mit einer leisen und hastigen stimme sprach. Breying, laufen Sie doch nicht so!" rief schließlich Marenholz ihnen laut zu, da Franz außer Atwem zu kommen drohte. Allein Breying hörte nicht. Dies junge Blut, eure Kousine,, hat's ihm angethan!" spottete Josephe Erkennt man den kühlen Dichter des Naturalismus wieder? Ich kann mich doch in Uniform nicht aaf nen Dauerlauf einlassen!" Als sie in der Heiligengeiststraße ankamen, batte Annie sick schon wieder gefaßt. Allein eine verrätherische Röthe zuckte sah ein paarmal über ihr Gesicht, sie athmete voll und schwer, und ihre schönen Augen hatten einen eigen heißen Ausdruck. Breying dagegen war gedankenvoll und antwortete zerstreut. Man trennte sich, und die drei Her-" ren bestiegen eine Droschke. Als man den Grafen fragte, wovon er die jungeDame so angelegentlich unterhalten, sagte er brüsk: Poesie Definition der Leidenschaft " Neues Kunstideal!" spottete der Offizier. . ?klwohr, lauter Dinge, von denen ihr nichts versteht, meine kleinen Lämmer!" Ich brauche fetzt Erregung," fügte der Dichter nach einer Weile hinzu. Ein Spielchen! Wir fahren doch zur Frau von Belleville?" Mir auch recht," meinte Franz, aber erst zu Joseph!" Ick will mich in mein bürgerliches Inkognito hüllen!" bemerkte Marenholz lachend. Graf Breying blickte den ganzenWeg stumm zum Wagen hinaus, und bei Marenholz angelangt, stürzte er ein paar Glas von dessen schwerem Portwein binunter. Nun, Du bist lange geblieben, Kind. Und Du hast Di wohl bei Deinen Besorgungen verspätet, denn Du scheinst erhitzt zu sein bist Du so start gelaufen?" Mit diesen Worten empfing Papa, Graaf feine Tochter Annie. Der alte Herr faß in feinem Wohirzimmer an seinem Schreibpult und hatte eine winzige Bürste, wie man sie zum Elfenbeinvoliren gebraucht, in der Rechten. Vor ihm, auf der heruntergelassenen Platte des atlmodischcn Sekretärs, stand ein kleines Kunstwerk,, das er liebevoll betrachtete. Ganz in seine Arbeit vertieft, hatte er nur einen raschen, prüfenden Blick für seine Tochter gehabt, die eigenthümlicherweise heute in etwas verle genem Schweigen näher zu treten zögerte und in der dunkeln Tiefe de2 Berliner Zimmers" blieb. Sieh einmal, Annie," fuhr der Papa jetzt fort,, das Dingelchen ist nun beinahe fertig. Es ist. aus lau ter kleinen Abfallstücken zusammengefetzt, welche die Gesellen mir hatten unter ihre Tische fallen lassen, und die ich, des Al -nds wieder aufgelesen habe." Bei.Qim nahm er das Wertchen, auf unoyielt es zwischen Daumen und Zeigefinger gegen das Licht. . Es war ein Elfenbeinschiff, Modellartig sauber ausgeführt, mit drei Masten, vollaufgetakelt, mit Davits. Bro ten. Schraube, Flagge und allem Zubehör, im Ganzen anderthalb Zoll hoch und ebenso lang, ein wirN'iches Kunstwerk, an dem der alte Herr Wochenlang in der Stille mit emsig.em,Behagen gearbeitet hatte. Sehr hübsch, Papa!" sagte Arm kühl. Kostet so gut wie nichts. Nur meine Zeit, und die Zeit eines müßigen alten Mannes hat keinen Werth. Aber ein reicher Russe oder Engländer zahlt wohl feine drei- bis vierhundert Mark für die Kuriosität. Das soll zur Hälfte für Deine Sparbüchse fein, zur Hälste für Deines Bruders Johannes kleine Bedürfnisse!" Welch ein gemüthlich altmodisch Berliner Zimmer das war, in dem Papa Graaf saß; saubere Gardinen weiß mit Grecborte an dem Ixzxttn Fenster, das auf den engen Hos hinausginq. Die beiden Kommoden ne den dem Mahagonibüffet waren nach Vatersitte bekramt mit alten Zeitun gen, Nähkäcben, Schlüsselkorb, einer Küchenwieqeschale, zwei Astrallampert mit selbstqeschnittenen Lichtschirmen; Über die eine war Papas gesticktes Käppchen gestülpt; Quf der Marmorplatte deZ Büffets ein silberner Kuchenkorb. darin, forglich in Papier gewickelt, ein tüchtiger Rest deZ Sonntagsalkdeutscben",' daneben e!ne angeschenkte Weinflasche mit ftstewgetriedenem Korkstöpfel. Aus dem Sofa, das stelzbeinig hohe Holzfäße auö Sftaha

gon! zeigie. große elngeopfie 5zrelvecken, nicht mehr ganz weiß und mit einigen Löchern. Die Tapete, einst, hellgrau und gold, der Stolz der Heiligengeiststraße, zehn Jahre früher, war arg verschossen und verblindet kurz, eine gemürhliche, ein wenig schlampige Häuslichkeit alten Stiles Annie stand und ließ ihre Augen rundum gehen: Hier sollen wir Herrn von Marenholz mit Asta empfangen und gar Graf Breying, wenn sie Besuch machen kommen!" Vorn freilich, jenseits des Korridors, war noch ein Zimmer, das einzige Vorderzimmer des schmalen Hauses, dreifensterig und mit altmodischem Luzs ausgestattet: Silberservante mir inschriftverzierten Tassen und anderen Schausbücken; grüne Plüschmöbel, von denen aber seit Menschengedenkcn die grauleinenen Bezüge nicht abgenommen worden, auf die jeweiliger Besuch ruhig zum Niedersitzcn genöthigt ward in der Ofenröhre Eßwaaren, zumal der Sonntagsbratenrest, der vor demMädchen versteckt werden sollte. Herrn Graaf fiel endlich auf, daß seine Tochter wortkarg im Dunkeln blieb. Nun, Kind, wo warst Du denn den ganzen Nachmittag?" Annie athmete lief und faßte ihren Entschluß. Bei Onkel Eberhard Graaf!" Wo?" fragte der Papa gedehnt, bei meinem Bruder?" Eine Pause entstand, während welcher der alte Herr nachdenklich mit seinen. Schlafrocktroddeln spielte. Haben sie dich gut aufgenommen?" fragte er dann weiter. Sehr herzlich', Papa!" Nun, das freut mich!" Asta ist vertobt!" fuhr Annie fort und trat ein wenig näher. Die gleich'mäßige Ruhe des. Vaters ermuthigte sie. Ich weiß, mit einem Adligen. Sie haben uns a die Anzeige geschickt, und ich habe ihnen freundlich geantwartet, ihnen unsere herzlichen Glückwünsche schriftlich gesendet." Ach, ich wußte nicht, Papa, datz Du ihnen geschrieben hast. Da bin ich selbst hingegangen!."' - Das ist, wenn auch gut geineint, doch ein wenig- zu- viel, mein Kind sagte mit leisem Vorwurfe der alte Herr. Du durftest wohl abwarten, ob Asta mit ihrem Verlobten zu uns käme und dadurch zeigte, daß ihr an .unsern persönlichen. Glückwünschen etwas gelegen sei." Herr von Marenholz will Dir in den nächsten Tagen mit seiner Braut seinen Besuch machen auch, wenn Du es erlaubst, ein Herr von Breying, den dort kennen gelernt!" Sie unterschlug klugerweise vorlaufig den Grafentitel. ? Um Himmels willen, Kind!" fuhr der Vater auf. Gleich zwei Adlige auf einmal. Was soll ich schlichter Mann mit den Herren anfangen? Gewiß sind es. reiche, verwöhnte Leute, die sich über unsern billigen Rothspohn, unsere altmodischen Plüschsessel, unfere formlose Gutmeinung, unsere ganze einfacheArt moquiren werden. .Konntest Du denn das nicht vermeiden?"' Papa, ich konnte ihnen doch nicht saaen: Kommen Sie lieber nicht, Papa liebt die Adligen nicht?" Nein, freilich denn das wäre die Wahrheit gewesen. Und wer die Wahrheit geigt, kriegt den Fiedelbogen an den Kapf! Was will denn übrigens der andere Baron bei uns?" Besuch machen!" Besuch machen," echoete der alte Herr, etwas ärgerliche Das ist ein so modernes Wort, das ich nicht verstehe. Besuch machen, das heißt Leuten Zeit stehlen und Unbequemlichkeiten verurfachen. Da soll ich eine Viertelstunde lang Gott weiß welchen dummen Schnak über mich ergehen lassen, Redensartigkeiten hin und her schieben, ber denen man sich beiderseits nichts denkt, freundlich thun, während ich nichts davon empfinde, und mein altes Gesicht zu gesellschaftlicher Verlogenheit, will sagen: unechter Liebenswllrdigkeit, Herzlichkeit auff Kommando verstellen ach. Kind, diesen Mummenschanz hättest Du mir ersparen können!" (Fortsetzung folgt.)

Zwecklos Schmeichelei. Junger Mann: Du bist ein wirklich netter kleiner Junge Hans!" Hans: Es hat keinen Zweck, mir Zärtlichkeiten zu sagen, Herr Meyer, meine Schwester hat schon einen Schach!Ein Kompliment. Sagen Sie, Herr Stadtrath, ich las da- heute im Morgenblatt von der neuen Anstalt für Idioten sind das auch Menschen?Ohne Zweifel, Herr Drähmich. Menschen wie Sie und ich!"' ' Eine längere Unterredung unter vier Augen. Jansen: Was hat Dein: Frau letzte Nacht gesagt, als Du nach Hause kamst?" Schmidt: Wa sie gesagt hat? Lieber Freunds es wür de drei Stunden nehmen, wenn ich Dir mir die Hälfte von dem faen wollte, was sie gesagt hak."-' Ein ehrlicher Polizift. Angeritzter: Police! Police! Hilfe!" Polizist.: Was M denn los? Weswegcir schreien Sie nach Hilft? An geheiterter: Dorn mit mir Jemand hic hic HÄft heimzufinden!" Polizist: Nemme SZe sich doch e Cab; fell' is als biEfiger, wie die Tax im Polizeigericht5" Die Mutter: Ich glaube, ich habe gester Abend gesehen, wie d Zunae Reichert seinen Arm um De Taille gelegt hatte?- Die Tcchtei: (berrosfe,): a. Mama." Die Mutter? Hast Du Dich etwa mxi ihm verlobt?" Die Tochter: New. Ma.na; er ist so furchtbar schüchtern, d.' er mir niemals einen Heirathsantrag machen wird, wenn ich es nicht so , einrichte, daß er sich bei. mir ganz wie l Hause fühlt.-

Eine Steck- und cinc Zläynadtl. Eine Steck- und eine Nähnadel waren NachbaM in einem Arbeitskorb, und da sie bade müßig wann, fingert sie wie die Unthätigen so oft zu streiten an. Ich mochte wissen," hub die Stecknadel höhnisch an, wozu Du nützte bist.wie Du ohne Kopf überhaupt durch die Welt kommen willst." Was nützt Dir Dein topf, wein Du kein Aug: hast," an:mortete die Nähnadel forsch. Was nützt einem ein Auze, wenn immer etwas 'drfa ist!" sprach die Stecknadel. Ich bin fleißiger und vermag viel mehr Arbeiten zu verrichten," versetzte die Nähnadel. Zugegeben," meint: die Stecknadel, dafür wirst Du aber, nicht lange l:ben." Warum nicht?" Weil Du zart urd gebrechlich bist." Und Du bist ein bedauern-erthes, derbes, hartes Wesen." Und Du bist so stolz, daß Du Deineu Rllckcn nicht beugen kannst, chrce zu brechen!" rief die Steclnadel ikNtrüs!et. Wenn Du mich weiter in dieser Weise beleidigst, reiße ich Dir den Kopf ab!" Und ich reiße Dir Dei:r Auge aus, wenn Du mich berührst! bedenle wohl. Dein Leben hängt air einem einzigen Faden!" Während sie noch mit einander stritten, that sich die Thüre auf. eur halberwachsees Mädchen trat ein,, griff nach der Nähnadel, zog einen, Fadlll, durch deren Auge und hub zu nähen an ein Stich und der Iaden. fiel zur Erde der armen Nägnadel war öas Auge aus-gerissen!, Aergerlich hierüber griff das junge. Mädchen, das offenbar Eile hatte, nach der Stecknadel,, unr sich mit dieser enstweilen den großen schwarzen Knopf art den Mantel zu. befestigen; aber auch das mißlang; sie riß- der armen Stecknadel den Kopf ab und warf nun auch diese zu der verunglückten Nähnadel So mutzte es uns gehen!"" meinte diese betrübr. Nun brauchen wir uns' n:cht nrehr zn zanken" entgegnete die andere, das Unglück, glaube ich. hat uns zur Vernunft gebracht." Schade., daß wir nicht früher? kluger waren," sagte die Nähnadel. Wie sehr gleichen wir den Menschen,, die oft so lange über ihre Vorzüge uiid Vortheile streiten,, bis sie derselben verlustig sind und nicht eher begreifen,, daß, sie als Bruder Hand in Hand, durch die Welt gehen sollten, als bis sie), ebenso wie wir jetzt,, nebeneinander- im- Staube liegerQ." 21m. gxünen Vodensee.

Ich saß anu grünen Bodensec Ganz, einsam und alleine,, Der Säntis wie gespenstig stuud Im bleichen Mondenscheine. HerrjehseZ. ei herrjehses. Es sichelte ä Mückenschwarnr Ganz frech mer um de.Nase, Dribsinnig hubbt' ä alter Frasch Um mich herum im Grase. Herrfehses, ei herrjehsesi Uff enmal fuhr ä Liftchen- seich! Mer kalt durch Leib und Glieder Nä härnse, an den BodenseeSetz ich mich nie nich wieder. Herrjehses, ei herrjehses!. Tohuwabohu Frau Schulze, geborene. Timpel, bekam s. 3.- bei ihrer VrheiratbMg als Aussteuer u. A. auch zwei. Dutzend silberne Eßlöffel, die nach ihrem Madchennamen mit T gezeichnet, wurden. In der Ehe schaffte, sie. sich dann noch ein Dutzend Theelöffel an. rue ste diesmal natürlich mit S. zeichnete Jüngst, wahrend Frau Schulzes. Sominerrelse, wurde bei ihr eingebrochen,, sie fand bei ihrer Rückkunft den.Silberschrank halb geleert. Auf ih. Bitte erschien nun sofort in ihrer Wohnung un Criminalcommissär, der die.Jnventurc des gestohlenen Gutes o2lsnehmen. wollte. Natürllch ist Frau. Schulze: in: furchtbarster Aufregung, der. Kops; schwindelte ihr.,. Ach ach. meine?. silbLmen Eßlof Hl' Also Eßlöffel sind? Jn gestohlentooiden?" Ja och'. nein;, dös: öaren ja meine T.Löffel!" Theelöffel?' Aber- das DendTheelöffe! hier ist: noch sollständiz- vor Handen." Dief hier?' Das sind ja dafr mei ne f chönttr S-Löfs:l5 Ave-r;, gnadige Frau, Sl faqten: eben, daß dic? Eßlöffel Ihnen, gestohlen Warn?!"' Nfr, Herr- Commissär. begreifen- SlZ7 denn-nicht: meir EßlöM sind eigenÄich DMfsi daher reine S-Lof fel, während di? Theelöffels die keine T-Löffel sind,, erentlich -2ös7el' sind. Da nuit die crrstohlcnei Eßlöffel TTofsel sind, die Tb.e'el abv-r noch vollständig verbanden, so sind mir kein? S-'Löfftl aesiohlen werden, sondern die T-Lofsel. fc ia drch Eizlöffet akr. Her? Commissär, Vvas ist Jbn:n denn?'' HMe! H'.lfe!" lallte der Aerm pe, dann fiel er in Ohnmacht. Er hatte tötn die Standbaftigkelt weder mit S noch mit TLöffel ?eg:s senk I n der Schule. Lehrerin? Nun, Mariechen, kannst Du mir sa gen, aus welchem Geschlechte Maria Theresia war?" Schülerin: Aul dem weiblichen Geschlecht.-.