Indiana Tribüne, Volume 18, Number 68, Indianapolis, Marion County, 25 November 1894 — Page 2
Ver Trousscau der Zarcnbrauz. - Schon vor geraumer Zeit als die schwere Erkrankung des inzwischen ver!stcrbenen Zaren Alezander des Dritten iin der Öffentlichkeit noch nicht bekannt 'war traf man am Darmstädter Hofe .die Vorbereitungen für die Ausstat--tung der' Vrinzessin. welche elternlos iirnd die jüngste unter den vier Schwejstern des regierenden Großherzogs Ernst Ludwig ist. Es sei hier bemerkt, daß das Verwandtschafksver'hältniß zwischen dem russischen und dem großherzoglich hessischen Hofe auf diele Jahre zurückdatirt, da die Gemahlin des Zaren Alexander des Zweiten eine Prinzessin von Hessen und Tante der jetzigen PrinzessinBraut war. Ferner ist die Zweitälteste Schwester der Prinzessin Alix, Prinzessin Elisabeth, mit dem Großfürsten Sergius, dem Bruder des Zaren Alex.ander des Dritten, seit dem Jahre '1834 vermählt und führt den Namen Großfürstin Elisabeth Feodorowna. Der Trousseau der Prinzessin Alix wurde in Paris angefertigt. Im ersten Ccnfektionshause daselbst wurde vor
mehr als einem halben Jahre ein eigenes Atelier errichtet, in welchem ausschließlich die Vorarbeiten an kostbaren .Stickereien für die Braut des damali.gen Großfürsten-'Thronfolgers und jetzigen Zaren Nicolaus des Zweiten !zur Anfertigung gelangten. Als Maiieriale waren aus Rußland große 'Massen von Edelsteinen, Perlen und echten Spitzen nach Paris gelangt. 'Eine Vertrauensperson der Zarenfamitte überbrachte diese Schätze bei Objecten, deren Werth nach Millionen zählt, kann man eben nicht genug vorsichtig sein Die Blau- und Silberfüchse, die in. das Pariser Atelier kamen, mußten schon an der Grenze als Zoll ein kleines Vermögen bezahIlen. Es war eine schwierige Aufgabe, den Geschmack der deutschen Prinzessin In seiner puritanischen Einfackbeit mit stier russischen Prunksucht zu versöhnen. Die Großfürstin Elisabeth, welche die meisten Anordnungen gab, ertheiltcim Allgemeinen die Weisung, zuben Stikereien mehr Silber als Gold, zu den Agraffen mehr Brillanten als farbige Edelsteine zu verwenden. Die Zarin Mutter hatte ihrerseits verfügt, daß man, um die verwandtschaftlichen Verhältnisse zu markiren, vier völlig gleich: Toiletten, die einen für sie selbst, die zwei anderen für die Prinzessin Alix verfertige. Hierzu erwählte die Großfürstin ein Modell in weißenk, gepreßiem Sammet, mit Bolero aus orilentalischen Perlen gefügt als Soireetoilette. dann eine Dinertoilette in 'Azurdamast mit Zobelköpfchenumrahinung von der Taille und als Abschluß iti Schleppe. Vom Brautkleide selbst äst auch nicht ein Fleckchen des kostbaren lUnterstoffes sichtbar; in den nach rufÄscher Mode kurz gehaltenen Brautjschleier sind Guirlanden zarter Myrdhtn eingewebt; die Stickereien, die das Wrautkleid bedecken, machen einen märchenhaften Effekt. Das Material für 'die Schlafröcke hat die Großmutter der hessischen Prinzessin, die Königin Vik'toxia von England, geliefert. Aus dem Vorraiöe ihrer echt indischen Shawls brachte man sechs Exemplare nach Palis. aus, welchen die Scheere erbarmunqslos die Negliges für die hohe Braut zuschnitt. Die Abfälle haben so 'kolossalen Werth, daß sie sorgfältig gesammelt und retournirt wurden. Diese Gewebe vertragen keinerlei Zierde und man begnügte sich damit, für den weien, sogenannten Lendemain-Schlaf-lock, eine Schnur echter Perlen um die Taille zu schlingen. Die Leibwäsche wurde nur theilweise in Paris angefertigt. Dieselbe enthält theure Rcliauien an Stickereien, die sämmtlich von der Hand der verstorbentn Mutter der Braut,' der Großherzogin Alice von Hessen, angefertigt worden. Man hatte Alles sorgfältig angeordnet. Alles war fast bis zum letzten Nadelstiche vollendet, da- brachte der Draht die Ordre, in größter Eile einige Dutzend Trauertoiletten herzustellen. Das Pariser Haus entfaltete sein großes Können. Die beiden Gliederpuppen, welche die Anprobe aller Prunktoiletten über sich ergehen ließen, verwandelten sich urplötzlich in in tiefes Schwarz gekleidete Leidtragende. Für Bit erzte Zeit konnte man den , dufteren Wollstoffen keinen Lichtblick gestatten, der Passementerie keine glitzernden Iais-Thränen beifügen, bald aber ge--statten o:e für russische Trauer emgeführten Farben, Lila und Weiß, die lazontten .omvmatwnen. Wtiu schwarze Guipure und Alenconspitzcn Chantilly schmiegen sich weich an die i - - . v r hatten von ueroings oouig gianziojtti Seidenstoffen. Als Merkwürdigkeit beben wir noch hervor, daß auch be! den Schuhen und Stiefeletten der Braut im Modesalon das letzte Wort gesprochen wurde. In allen Nuancen ivurde zu den Toiletten die . gleiche Cbaussure angefertigt, in den kleinen Aokarden der Hausschuhe glikern und slunmern kleine Diamantagraffen Auch diese mußten ans Anlaß des ainscheidens des Äaren geschliffenen schwarzen Stahlknöpfchen den Platz Laumen. ; - Allzeit getrost. Froh mit Fröhlichen zu sein, Soll mich nicht verdrießen, .
Nur der Augenblick ist mem. Ihn will ich genießen. Sollte nach ihm mein Geschick Drohend sich gestalten, Hoff' ich ihm mit freiem Blick - Muthig stand zu halten. Es gibt Menschen, denen n Fußtritt von einem Lackstiese! wohler thut, als ein Händedruck von schwielißtt Hand.
Der alte Zollenstihrer. Erzählung von E. Erschricht.
In den fünfziger Jahren konnte man in Hamburg zu allen Jahreszeiten morgens schon in erster Frühe einen alten Mann auf der Mauer einer An laqetreppe im Hafen sitzen sehen unter dem Schatten einer schönen, breitästigen Linde; seine Jolle, sauber gestrichen und tadellos gehalten, lag befestigt hinter ihm. Er hatte keine Gemeinschaft mit den vielen dort statwn'.rew den Jollen- und Everführern noch mit den Trägern und Arbeitsleuten; er wurde von ihnen Herr Kapitän" ge nannt und mit großer Achtung behandelt. Der Alte war ein schöner Mann mit einem klugen, feinen Gesicht, auf dem in sonderbarer Starrheit ein Kummer geschrieben stand, der ihn aus dem lauten Lärm, der Hast und Unruhe, der Nohheit und Heiterkeit seiner Standesgenossen ausschied. Von ihm aber erzählte man, daß ihm in seiner Jugend ein großes Unglück auf See widersahren, und daß er damals mit semem stattlichen Schiff heimgekommen sei, es verkauft habe, ebenso sein schönes Haus an der Uhlenhorst; dann habe er ein großes Vermögen dem Magdalenenstift geschenkt. Nachdem er einige Jahre wie verschwunden gewesen war, tauchte er plötzlich als Jollenführer auf; sein Haar war weiß und die ernst hohe, breite Gestalt gebückt und hager. Er sprach mit niemand, und in einer Art verlegener Rücksicht ließ man ihn anfänglich auf semem Platz allem; dies wurde bald zur Gewohnheit und ist so gewesen, bis eines Morgens der Platz leer blieb und der freudlose Mann eingegangen! war zu seines Gottes Frieden. Und dies ist die Geschichte seiner Jugend und des großen Unglücks, das ihm widerfahren war: Kapitän Vonhold war eben heimgekehrt mit seinem flotten Segler; er hatte unerwartet rasche Fahrt gemacht. als ob Wind und Wogen gewußt hätten, wie sehr er sich helmsehnte nach seiner kleinen jungen Frau, die so schon war, so fein und zierlich und ach so bezaubernd! Er hatte sie aber auch selbst entdeckt und sich erobert, und das war so gekommen: Emes Tages, vor nun bald zwei Jahren, brachte er seine Taschentucher zu einer jungen Stlckerm, denn er mußte sich um solche Dinge selbst kummern, da er keme sorgsame Seele auf der Welt sein eigen nannte. Wenn er nach seinen langen Reisen in die Heimath zurückkam, dann betrat er in feierlicher Stimmung, wie man auf den Kirchhof geht, km großes, schones Haus, in dem sein Mütterchen als eine alleinstehende Wittwe mit großem Vermögen ihn erzogen und ihn auch noch Kapitän hatte werden sehen, und in dem noch alles lag und stand, wie sie es verlassen, da ein rascher Tod sie abberufen hatte. Oben im Haus wohnte zwar seit seiner Knabenzeit eine reiche alte Dame, Frau von Schllttchow, der dann und wann ihr Sohn Gesellschaft leistete, ein Gutsbesitzer von zweifelhafter Güte, dem seine Frau eines Tages davongelaufen war. Bornhold!, konnte Schlittchow dennoch gut leiden. Was so mit einem auswächst und einem nie zu nahe tritt, das lernt man freundlich dulden. Jedesmal, wenn Bornhold sein Haus betrat, that ihm das Herz weh. denn hier un ten wehte ihm eine Grabesluft aus den so lange verschlossenen Räumen entge gen; er stieß dann Thüren und Fenster auf und ließ von seiner Mannschaft scheuern, putzen, abstäuben, bereicherte d:e Sammlungen von Wasfen und eth nographischen Gegenständen von Mir schein und Gestein mit dem Neuherzugebrachten, schloß Fenster und Thüren wieder und segelte davon. Eines Tages trug er, wie gesagt, seine Taschentücher zu einer jungen Stickerin, Fanny Ortlep. Sie war so einsam auf der Welt wie er, aber sie hatte kem eigenes Haus, war gut erzo gen und gebot über eine geschickte Hand für die Nadel zum auskömmlichen Erwerd; kurz sie war ein Muster von einer kleinen Stickerin, von einer reizenden Stlckerm! Bornhold stand staunend und bewundernd vor ihr. Wie hübsch sie geZleidet war trotz großerEinfachheit; wie angenehm auch das Stübchen sich ausnahm mit den blühenden Bäumchen am Fenster! Und Fanny Ortlep, welch ein hübscherName! Er sprach ihn ganz leise zu sich selbst mit einem liebkosenden Ton, und wie sie mit den schneeweißen Handen in seinen bunten, ostindischen seidenen Tüchern wühlte, wurde er ganz verlegen. Ikoeimoigcn ," sagte er, .komme ich wieder, übermorgen. Können Sie wol bis dahin die Arbeit vollenden? Ich will übermorgen Abend m See! Sie rümpfte ein wenig das Näschen und sagte: Solche Kleinigkeit heute Abend schon, um sieben Uhr, können Sie die Tücher bekommen. Ja, ja, das ist gar keme Arbeit und die schone Seide! Es muß ein herrliches Land sein, aus dem sie stammt! Was haben Sie geholt von dort?" Farbhölzer. Fräulein." Nun," sagte sie, das ist weiter nickts hübsches. Herr Kapitän." Und damit ging er. Nichts hübsches, nichts hübsches! "wiederholte er mehrfach und trottete wie ein eiliger Schulknabe ohne lang-:Ueberlegung direct auk sein Schiff, dann in sein Haus. Er nahm schöne Straußfedern und einen aiscbnikten Elfenbcmsacher, . ein fla mingorothes Seidentuch mit langen. lchw:ren Fransc, feine gemalte Ttlkk
und Tassen, ein großes Packet farbige I Nähseide und geschnitzteSchildpattscha-!
len, legte alles fein säuberlich in ein se i derleichtes Mattenkörbchen, imd um t ben Uhr stand er schon an ihrer Thür und klopfte. Er hörte deutlich, daß sein Herz fast lauter pochte als sein Finger. Und wie er das Korbchen schenkte und sagte: Nichts hübsches!" lachte sie ganz laut und warf den schwarz umzapften Kopf zurück, da sah er in den hübschen Mund und auf die tadellosen Zähne des zierlichen, spitzen Gebijies, dachte unwilkurlich an einen Haifisch und lachte befriedigt. Alles an ihr war Frische, Jugend, Schönheit und Gesundheit! Ein bischen scharf und kurz angebunden mochte sie wol auch sein. und das that ihm erst recht wohl, darin war sie sein Widerpart. Da war nun nicht viel zu sagen; als er um neun Uhr von ihr ging, war sie seine regelrechteBraut, und da er nichts anderes bei sich hatte, besiegelte er den Bund mit seiner schönen Brillantnadel, die immer, sei seinen Knabenjahren, in semem Schifferknoten gesteckt hatte. Am nächsten Tage wurden d:e Pa pier: eingereicht, und als er nach vier Wochen von seiner schottischen Reise heimkehrte, ward die Hochzeit mit emem großartigen Schmaus am Bord seines Schiffes gefeiert. Im Hafen hatten die Schiffe geflaggt und die Häuserreihe am Strand. Im alten Haus hatten die Tage zuvor die Seeleute eine Generalreinigung vorgenommen, alles Holz geölt und gerieben, die Messingschlösser geputzt, bis sie heiß waren; die Takelage von Gardinen und dahin gehörigem Segelzeuz hatte die alte Frau von Schlittchow mit einem halben Dutzend von Tapezierern besorgt; kurzum am Abend betrat FannyOrtlep einen Feenpalast. Aber es war für sie nichts besonderes; sie bewegte sich mit ihrer Zierlichkeit und it) rer überlegenen Weise darin, als wäre eigentlich alles viel zu einfach für sie. und obgleich ihr bischen Hab und Gut mit einem Handwagen vor die Thür gefahren wurde, wußte sie doch alles so zu beleuchten, daß Bornholz ordentlich stolz war. Er war überhaupt immerfort stolz, dann und wann wirklich verlegen; sie war auch so merkwürdig fein und klug! Ja, er hatte ein unbeschreibliches Glück gemacht! Und seitdem hatte er m zwei Jahren nur zweimal sein kleine Frau für kurze Wochen gehabt diese kleine Frau, von der alles Glück, aller Glanz und alles Lebenswerthe für ihn ausging! Und nun war er helmgekommen; das Herz schlug ihm wie ein Hammer in der Brust, und er malte sich den ganzen Zauber der Ueberraschung mit glühenden Farben aus. Im Vorraum empfing ihn die Dieneun; nc paßte 10 recht rn oen Rahmen seines hübschen Hauses, war selbst hübsch, trug ein Sammtjäckchen, das die weißen Arme auö den Pufen heraussehen ließ, ein kleines Häubchen, eine Spitzenschürze und Hackenschuhe an den kleinen weißbestrumpf ten Füßen. Merkwürdig! jedesmal fühlte .er sich verlegen vor diesem gerauschlosen, lächelnden, immer saubern und tadellosen Mädchen! Und jetzt, ob'gleich er doch abwinkte, glitt sie schon m die Stube, meldete, kam zurück und nahm ihm seinen Ueberrock ab. Er trat nun rasch ein. Fanny stand schon in der Thür, und er riß sie mit einem jauchzenden Aufschrie in seine Arme empor wie ein Kind! Ja drüben am Fenster er sah es erst viel späte? - stand Herr von Schlittchow und blickte hinaus; er hatte sich bescheiden abgewendet, um nicht zu stören. Aber Bornhold umarmte auch ihn m feiner großenFreude.Er war so rückhaltlos, so überströmend glücklich, daß er keine Verleanbeit emvsand: in diesem Äugenblick hätte selbst die Anwesenheit eines Königs ihm Nicht die kleine Frau, aus den Armen zu reißen vermocht. Hort nur," sagte er endlich, ich fahre in den nächsten Tagen nach Leith m das schone Schottland zurück, und Fanny, meine schöne Fanny, nehme ich mit! Und, zu Schllttchow gewendet, fuhr er fort: Lieber alter Freund, wenn Sie Lust hab?n, kommen auch Sie mit. Es wird eine rechte und richtlge Sommerreise! Wir wollen dann gleich, während das Schiff löscht, einen Ausslug dureb, die Highlands machen. so emen kleinen Abstecher von drei b:s vier Tage?l. Es wird köstlich werden!" Fanny war entzuckt. Schlittchow strich den langen Schnurrbart und versuchte schwach eine dankende Ablehnuna, denn es wäre doch zu viel bei Güte!" Aber Bornhold meinte immer alles ernsthaft, was er sagte, und gab nicht nach. Schllttchow ließ sich dann auch nicht länger bitten,, fagte zu und be wegte endlich feme lange, elegante und fein geformte Figur zur Thür hinaus, sich bescheiden zurückziehend,' um nicht länger zu stören." Fanny stand vor ihrem Gatten, das Köpfchen ein-wenig seitwärts geneigt, ein Lächeln um die Lippen, die blauen Augen mit einem seltsamen, fchmachtenden Ausdruck zu ihm gewendet Er kannte diese Art an ihr, so zu blicken; manchmal war sie ihm aufgefallen; es war dann immer, als ob sie zerstreut sei und doch auf etwas warte ein fremder Zug gewinnender Liebenswür diakeit, von der ihr Herz nichts zu wis.sen schien. An Bord, wenn er ihrer gedachte, hatte sie wohl mitunter so vor seiner Erinnerung gestanden; aber daß sie nun ihn so anblickte, das, war ibm ganz neu, und um sein eigenes Erstaunen rascher überwinden zu können, riß er sie. abermals mit der ganzen Gewalt seiner . mächtigen Leidenschaft .an. sich. : Merkwürdig . merkwürdig! : sie sa3 ihn, immer wieder so cn! - Und doch suhlte er, darüber könne er nicht mit
ihr sprechen; es hätte sie vielleicht gekränkt. Aber wie komisch ist es doch! dachte er ein paar Tage später, als er in Geschästen zu seinem Rheder ging, und unwillkürlich lachte er ganz laut. Da sagte ein Herr, der dicht hinter ihm her ging: Du bist ja höllisch fidel!" Es war der Lootsencommandeur, eine Art Nespectspcrson für ihn, denn er war sein Vormund gewesen und wurde von ihm Onkel gerannt, ohn: es zu sein. Nun ja, Onkel," sagte Bornhold, weißt du, ich bin ja auch so höllisch glücklich! Und denke Dir. ' weil ich nicht nach Ostindien segle, sondern nur nach Schottland, so nehme ich meine kleine Frau mit!" Gott sei Dank!" entfuhr es dem alten Herrn, und er setzte gemäßigter hinzu: Ich meine nur, Du sparst Dir einen neuen Trcnnungsschmerz, und ihr wird die Reise auch gut thun; da habt ihr euch einmal so recht allein!" Nun," erwiderte Bornhold, und in diesem Augenblick fiel ihm ein, wie recht fcer Alte eigentlich hatt:; aber es war zu spät, nun," sagte er, so ganz allein freilich nicht, ich habe Schüttchow eingeladen, mitzukommen." Da blieb der Alte stehen, wendete sich voll zu Bornhold herum und sagte: Nicht wahr, das hat er doch nicht angenommen?" Nun, warum sollte er denn nicht, Onkel?" So so nun ja weißt Du hör mal wirf den Kerl über Bord, wenn es noch angeht! Nimm ihn nicht mit; ich kann den Kerl nicht leiden! Fahr Du doch allein mit DeinerFrau!" Bornhold sagte gar nichts, murmelte wie gedankenlos ein paar Worte, grüßte und trat mechanisch in seines Rheders Haus. Was meinte eigentlich der alte Herr? Er hatte offenbar mehr gesagt, als er beabsichtigt hatte und doch nicht alles! Bornhold's Herzschlag setzte langsam aus. Der große, starke Mensch zitterte und hielt sich am Thürpfosten; er konnte nicht klar denken; in ungleicher Strömung fühlte er die Vlutwellen seine Augen umdunkeln. Die Eomptoirthllr ging auf. Leute
kamen heraus, nach .ihm Gekommene traten ein er stand noch immer fest mit einer Schulter am Thürpfosten. Endlich ging es vorüber, und er be trat das Comptoir. Der Rheder, ein Jugendfreund von ihm. sah ihn seltsam prüfend an und fragte dann besorgt: , Vornhold, alter Junge, fehlt Dir etwas?" Ein schrecklicher Verdacht stieg be! diesem mitleidigen Ton in Bornhold's Seele auf. Mein Gott, sprechen die Leute schon? und was? Er zwang sich zum Lachen und sagte: Ich bin nicht ganz auf dem Damme, die schändliche Grippe liegt mir noch in den Knochen!" Mensch." sagte der andere, davon wußt' ich ja gar nichts! Gott sei Dank, wenn es weiter nichts ist!" Und auch dies gab Bornhold einen Stich. Zwei Tage später gingen sie in See. Nicht um die Welt hätte er ihn zurückgelassen, diesen feinen, glatten, klugen, immer liebenswürdigen Menschen mit einer so schlechten Vergangenheit, daß er bel lhm zuHause kurzweg das lange Lasier" genannt wurde. Nein. Beide wollte er sie unter Augen haben, und niemand sollte auch nur eine Ahnung hegen von dem Feuer der wilden Leidenschaft, die sein Herz durchtobte. Sie war immer weich und schmiegsam wie ein Kätzchen, und oft, unzählige male täglich sah sie ihn mit dem seitlich geneigten Köpfchen aus zärt-lich-schmachtenden Augen an. Wie ein Heiligthum, wie ein zerbrechliches Spielzeug hatte er sie geliebt und behandelt: zart, fast ehrerbietig. Jetzt verband ihn mit ihr eine wilde, wahnsinnige Glüht, drohend, vernichtend. rücksichtslos! Nach solchen Stunden qualvoller Leidenschaft stürzte er an Deck, schickte den Steuermann oder den Hochbootsmann auf die Freiwacht und versah ihren Dienst. Dann weinte er; er weinte laut in die Nacht hinaus und zerschlug seine Brust mit den geballten Fäusten. Wie wie sollte das enden!" Nach einer kurzen, herrlichen Fahrt b:i günstigem Wind und' klarem Sonnenschein, warmen Nächten mit stillem Vollmond am reich gestirnten Himmel näherten sie sich der schottischen Küste, und lag sie vor ihnen, die herrliche, märchenhast schöne Stadt! Edina! Wie bläulich schimmernde, weiche Schleier ümzogen die Nebel ihre malerische Contour. Vorbei ging es am alten Baßrock, dem ragenden Fels im Meer, von dem die aufgescheuchten Vöael die Luft mit dichten Zügen umdunkelten. Siegreich, die weißen Segel geschwellt, flog das Schiff vor dem leichten Winde. Sie ankerten unweit des langen Leithpier; und die unvergleichliche. Schönheit dieser nordischen, fast immer, zumal jetzt in der Morgenfrühe, leicht verhüllten Küste redete zu dem Herzen des unglücklichen Schiffers eine beredte Svrache der Beruhigung und Sänftigung. Seine Augen Mten sich mit Thränen, und ihm war zu Muthe wie dem Genesenden, nach schwerer Krankhe:t, und aufathmend sagte er sich: Ich weiß' doch gar . nichts ' Wie ein Rasender habe ich mich auf den blinden Verdacht hin geberdet! Erlöse mich, Herr, von dem Uebel! verlaß mich nicht. . Herr, mein Gott!" . Sie machten nun gemeinschaftlich den Ausflug in die Hochlande wie drei
treue Kameraden. Bornhold war er füllt von eine? Weichheit und Güte, von einer Dankbarkeit gegen Welt und Menschen; ein Vfadfmoer auf den frühlingsfrischcn Höhen, des Hochlandes und ein begeisterter Erzähler der Sagen und Hdoensänge, die sich hier um jeden fußbreit Erde ziehen! Und staunend lauschten ihm die andern. Als sie an Bord zurückgekehrt waren, bestimmten sie den Tag für die eigentliche Besichtigung der Stadt. Das Boot lag klar, Bornhold und Fanny sianoen am Fallreep, Schlittchow war noch unten. Ich will ins Kartenhaus gehen und mir meinen Reiseführer heraussuchen; beinahe hätte ich ihn vergessen. Du mußt ein paar Minuten warten," sagte Bornhold. Er ging, und als er das Kartenhaus betrat, stand der Steuermann schon mit dem Buche in der Hand und stu bitte sich für den fvlgenden Tag seine:: eigenen Besichtigngsplan zurecht. Das trifft sich t," sagte lachend der Kapitän, da brauche ich ja mein Buch nicht erst zu suchen." ' Er nahm es dem Lesenden aus der Hand, klopfte ihn heiter auf die Schulter und trat zurück. Als er ans Fallreep kam, war Fanny nicht mehr da; er sah nach dem Boot hinunter in dem Glauben, daß sie schon darin sei; und plötzlich trat er mit ein paar raschen Schritten nach hinten und blickte durchs Skylight in die Kajüte. Da sah er noch gerade, wie sie die Arme von Schlittchow's Hals löste. Jetzt wußte er, und in den Sekünden, die er gebrauchte, um ans Fallreep zurückzukehren, war das Schicksal der beiden entschieden. Er ging voran ins Boot, und als Fanny eben erschien, mit den kleinen eleganten Füßen zierlich niedersteizend, bot er ihr galant die Hand. Sie sah, daß er todtenbleich war und die Lippen fest eingezogen hatte. Bist Du nicht wohl?" fragte sie sanft und sah ihn mit dem ihm so räthselhaften Blick und Lächeln an. Plötzlich wußte er auch das! Falsch und lauernd war der Blick! Verrath und Lüge lächelten die Lippen! Ja, das war's das war. es immer gewefen früher eine kokette Lockung für fremde, nun eine Maske für ihn! Er hätte sich auf dies freundliche Puppen-
gesicht stürzen können und es zerreißen! Nein, nein! Ganz und voll soll seine Rache sein, heimtückisch wie sie und er der Schuft! Er half ihr wiederum galant an's Land. Warte hier heute Abend mit der Jolle; das Großboot ist zu schwer, der Wind kommt auf; ein Mann genügt," fagte er zu einem der Matrofen. Und nun schleppte er dieVeiden überall umher, auch wohin zu gehen er früher gar nicht beabsichtigt hatte. In die Gales, die sein alter Freund Mr. Brown gebaut hatte. Er kannte den Direktor und ließ die Zellen, in denen die größten Verbrecher saßen, aufschließen. Es war noch Zeit genug. um m s Schwurgericht zu gehen. Das finstere Gebäude im Midlothian war gefüllt mit Zuhörern. Ein Mann ii- r" . I. I c r ' qaiic icu zu ocraniworien, oer jem schuldiaesWeib erdrosselt battt. .Vfui" sagte Bornhold, wie kann em Mann r 1 i r.: u uiiyuiuui ciu; Und sie wanderten die Highstreet wieder hinunter nach Old Bow, dem verrufenen Verbrecherviertel, unÄ in das gemiedene Haus Loglodging,. in das Zimmer mit den. erblindeten Fenstern, die wie todte Augen auf die schreckliche Mauer sahen; sie standen an dem feuerlosen Kamin, vor dem Bark und Hair ihrer Opfern das Kreuz brachen. Mit eintöniger, gedämpfter Stimme beschrieb Bornhold Die Thaten der Scheußlichen. Endlich es war schon am späten Nachmittag gingen sie im alten Schlosse Holyrood umher. Bornhold hatte immer gesprochen, mit fast heiserer Stimme ihnen alle? erklärt, Denkmäler, Plätze, Gebäude, alles klar und klug aus einem vorzüglichen Gedächtniß schöpfend. Oben, im Schlafzimmer der Maria Stuart, das im nordwestlichen Flügel des alten Gebäudes liegt und mit den von Maria gebrauchten Gegenständen noch den letzten Schimmer versunkener Pracht erkennen läßt, hier stand Fanny mit einem leichten Schauder in ihrem reuelosen Busen. Sie hob die Augen zu dem Deckengemälde, das auf großen Feldern den Sturz des Phaeton zeigt. Zu den Fenstern herein siel ein Strahl der sinkenden Sonne. Fanny schlug das Herz in einer befremdlichen Bangigkeit. , Hinter dem gerafften Gobelin, der an dieser Stelle Genien, stürzende Pferde und gevanzerte Ritter zeigt, war die kleine Thür zu dem engen Zimmerchen geöffnet, das einen ganz schmalen Tisch und wenige Stühle mit geraden, gepolsterten Lehnen enthielt. Hier hatte Darnley den Riccio getroffen. Setzt euch." forderte Bornhold seine Gefährten auf; er gab dem Guardian einen Souvereign. und dann machte er es sich bequem. Fanny saß ihm gegenüber und blickte ihn zärtlich an. Er sah. als ob er es aus einem Buche vor ihm ablesen könnte, wie lhre Schuld und Falschheit in jeden Zug ihres feinen, schmalen Gesichtes gegraben war. Hier," sagte er, saß die schöne Maria, wo du jetzt sitzest, und neben ihr Riccio, wo jetzt Schlittchow sitzt; und die holde Gräsin Argyll saß hier auf meinem Platz und neben ihr der Zapitän der Garden. Sie hatten zusammen soupirt. Und hier am Boden, sieh die dunklen Spuren des einst veroffenen Blutes Za, Darnley wußte seinen Feind zu treffend. ; .War denn," fragte nach einer Pause
mit leiser Stimme Fanny, war denn ihre Schuld erwiesen i Hatte er ein Rkcht zu dieser Grausamkeit? Die Geschichte zweifelt." Er sah sie spöttisch an mit einem blitzenden Blick. Erwiesene Schuld? Wann meinst du, daß eine Schuld erwiesen ist? Kann ein Mann danach fragen, wie weit sich seine Frau verlor? Er muß es fühlen, er muß es an ihrem hohlen Lächeln, an ihrem falschen Blick erkennen! Er zweifelte wohl zuerst, erschreckt, verwirrt, aus seinem stolzen Mannesbewußtsem herausgerissen durch ein unscheinbares Etwas, durch ein Wort, einen Blick, eine nur ihm merkliche Veränderung; aber der Zweifel endet plötzlich, denn es gibt gar keinen an's Herz greifenden Verdacht ohne eine wirtliche Begründung; und nun weiß er, auch ohne Beweise!. . Was meinst du wohl, wie er gelitten hat. Sie in ibrer stolzen Schönheit, in ihrer königlichen Sicherheit nahm sich nicht einmal die Zeit, daran zu denken! Oh, wie heiß er sie damals gehaßt hat, wenn er ihre weißen Finger sah, die einst ihn geliebkost hatten und nun den andern umfingen! Er hätte sie ihr aliedweise brechen mögen er hätte sie an sich reißen mögen, ihr falsches Gebiß mit wahrsinnigen Küssen bedecken, ihr das Herz aus dem Busen reißen, es zerfleischen, sie niederwerfen und ihren fündigen Leib wie eine Schlange zertreten! Und die Augen oh, die Augen! Nein diese falschen Augen mit dem schändlichen, dem schmachtenden, begehrenden Blick vernichten! Was meinst du. wie er gelitten hat! Nachts neben ihr auf diesem von Genien getragenen Lager, sie an sich reißend, die nicht sein mehr war, was meinst du, wie die wirren Gedanken in seinem Kopf ihn gehetzt und gefoltert haben! Ja, gut, gestürzte Throne kann man wieder aufrichten, verwüstete, niedergebrannte Stätten neu erbauen, aber ein verrathenes Herz, eine verlorene, schöne, heilige Liebe die können nie wieder erstehen, nie niemals! Und ehe ein König begreift, daß er zum Bettler wurde ja da mußte er leiden wie die verdammten Seelen im Fegefeuer! Ja was meinst du wohl? Dann wurde er plötzlich ruhig, und dann kam dieRache! Gott sei Dank, daß sie kam! Wie mag fein Herz geschwelgt haben, als das falsche Weib in flehender Bitte die Hände zu ihm erhob: Schone ihn, schone ihn!" Und er hielt sie fest an diesen weißen Händen und sah, wie sie sich wand in ihrer Qual, in derselben Qual, die er erlitten! Hingeben, verlieren müssen, was wir so grenzenlos lieben! Und der Feigling, der Schmarotzer an diesem
Tisch, der flehte und stöhnte im Sterben, denn langsam, langsam gaben sie ihm Wunde auf Wunde! Georg Douglaß voran; Ruthven, die andern anstachelnd, denn seine Hand war ihm zu vornehm, um den Schuft zu berühren. Und immer noch hielt Darnley mit seinen starken Händen das verbrecherische Wew sie durfte den Ster j benden nicht mit, ihrem königlichen Leib ; berühren, denn das wäre Gnade geweI i r f i ten. A)a oa icyieppten ne iyn wie ! einen Sund hinaus. Siebst du es? sDas ist das Verrätherblut, es schreit seine warnende Stimme durch die?lahr Hunderte, daß alle falschen Herzen es hören sollen!" Bornhold schwieg und sah sein Weib an. Das falsche Lächeln war nicht mehr da, auch nicht der sehnsuchtsvolle Blick ; , sie war bleich wie eme Ste bende und zitterte leise. Den andern würdigte er keines Bli ckesmehr. Er stand dann auf, und sie verließen rasch das Schloß, hinter dem der letzte. tiefrothe Schein der gesunkenen Sonne in langen Streifen sich hinzog und verrinzelte leuchtende Punkte auf die schmalen, eilig gen Osten ziehenden Wolken warf; der Wind hatte sich er hoben und blies eiskalt von den Craggs herüber. Sie fuhren durch die Stadt zurück, Leithwalk entlanq. Es war vollkommen finster geworden; der scheidend Mond und die vereinzelten Sterne tauchten nur hier und da zwischen den schwerenWolkenmassen über dem Meere auf. Als sie an den Pier kamen, gingen die Wogen hoch und peitschten den Gischt bis zu ihren Gesichtern empor. Die Jolle lag bereit. Bornhold erfaßte das Steuer, cus der Mittelbank saß der Ruderer, vorn Fanny und Schlittchow. Sie hatten ein weißes Licht vorn am Boot, und der Schein fiel zeitweilig auf Bornhold's Gesicht. Schaudernd sah Fanny, daß es einen ruhigen, erbarmungslosen, schrecklichen Ausdruck hatte. Das Boot legte sich nun längsseit des Schiffes; der Matrose sprang auf und griff in die Rüsten, um das Boot dicht heranziehen z können, es mit den Füßen regierend. Langsam erhob sich nun auch Bornhold und faßte nach dem Fallreep. Er wendete sich und schrie mit heiserer Stimme: Halten Sie Fanny fest!" Die beiden waren aufgestanden, und Schlittchow nahm die Zitternde in den Arm. Indem nun Bornhold mit dem einen Fuß das Boot, es tief niederdrückend, abstieß, schwang er sich mit dem andern auf die Fallreepstreppe; rücklings stürzten die Umschlungenen in's Wasser, und in demselben Augenblick kenterte das Boot. Der VZann, der. an den Rüsten känpen geblieben war, schrie gellend mit singendem Ton: Zwei Mann übe? Bord!" Bornhold schwieg. ....- Am Bord wurde gerufen und gelaufen. Der Steuermann kam mit einer
Laterne die Trepp: herab; unten stand'
sein Capitän, den Kops weit vorgebeugt, mit stieren Blicken dem Lichtschein, der auf das Meer fiel, folgenv. Das Boot trieb schon weit ab von den beiden war nichts zu sehen. Ein paar Schwimmer gingen noch. mit Rettungsgürteln nach, das große Boot wurde niedergelassen sie fan den keine Spur. Um Gottes willen, Capltan. sagteder Steuermann, steh'n Sie nicht so da! Thun Sie etwas, sprechen Siedoch, befehlen Sie. nur so nicht, so nicht, um Gottes willen, Capitan!" Da wendete sich Bornhold und stieg. langsam empor, sah in den dunkeln Himmel hinauf und sprach leise: Herr, mein Gott, ich abe dein Gericht gehalten nun richte auch du. mich dereinst nach deiner Gnadet Ter Student in Jena. Es war ein Student in Jena, Ein Bursche frei und frank, Dem schenkte feine Lena Einen Humpen blitz und blank. Es ging ihm nichts darüber, Er leert ihn jeden Schmaus; Das Geld ging alles flöten. So oft trank er daraus. Und als maz kam zu pfänden, Da gab er Alles, her. Gönnt AlleÄ seinen Gläubigern, Den Humpen nimmermehr. Es saß im hohen Saale Der Bursche frei und frank; Er leert zum letzten Male Den Humpen blitz und blank. Dann trug er ihn von dannen: Ich hielt Dich bis zuletzt; Doch jetzt ist Alles alle, Nun wirst auch Du versetzt.Er sah ihn fallen, sinken, Wohl hinter des Gitters Gestaö. Dann stürzt er fort zu vertrinken. Was man für den Humpen gab. Die verhängnilzvolle Spieluhr. Gottfried Emil Spulchen verwalkt seit dreißig Jahren seinen hohen Posten" als Thurmwächter zu Kleinstadt. In treuer Pflichterfüllung hält er allnächtlich von der Gallerie des Kirchthurms Ausschau, um die Feuerlaternen anzuzünden, sobald ein verdächtiger Schein im Umkreise aufflammt. Niemals hat er während der Dienstzeit dem Schlafe sich hingegeben erst wenn bei dämmerndem Morgen das Glockenspiel mit feierlichem Chorale den jungen Tag verkündet sucht der treue Wächter sein Bett auf. Kürzlich hat Spulchen seine Tochter Emma, welche nach außerhalb verheirathet ist, besucht. Am Abende vor seiner Heimfahrt der Zug geht in aller Frühe spricht Frau Emma: Bäterchen, damit die Furcht, den Zug zu versäumen. Deinen Schlummer nicht störe, will ich da unsere Wecker-Spiel-uhr neben das Bett stellen. Wenn wir's dann auch verschlafen das Spiel des Apparates weckt Dich sicher und rechtzeitig." Aber Papa Spulchen ist von Natur ein vorsichtiger Mensch, hat außerdem in seinem Leben selten die Eisenbahn benutzt und folglich, etwas ängstlich. Als er allein in seinem Schlafzimmer sitzt, denkt er: Du legst 'die Kleider überhaupt nicht ab, sondern durchschläfst die Nacht auf einem Stuhle turnn bist Du bei den ersten Tönen der Uhr reisefertig." Eben beginnt sich das nächtliche Dunkel im Osten zu lichten in festem Schlummer sitzt Spulchen auf dem Stuhl, er träumt von seinem Kirchthurm, seinem geliebten Glockenspiele, welches ihm allmorgendlich da? Signal gibt zum Ausruhen von schwerer Pflichterfüllung da erschallen von der Spieluhr her feierlich die Töne eines Chorals durch das Gemach. Schlaftrunken springt? Gottfried Emil Spulchen auf: Ach, der Choral." murmeln seine Lippen, dann kann ich ja schlafen gehen!" Wenige Minuten später ruhte Papa Spulchen sanft in seinem Bette und verschlief den Zug. Enttäuschung. Liebst Du mich, Aennchen?" O Fritz!" Thust Du's, Aennchen? Nur ein ganz klein Bischen?" Nun ja denn, Fritz." Und würde uns Dein Papa eine Wohnung einrichten, wenn ich Dich Heirathe?" Ja. Fritz." Und mich zum SoziuS nehmen?" Ja, Fritz." Und würde Deine Mama nur dann kommen, wenn ich sie einlade?" Gewiß Fritz." .Und Deine Geschwister ebenfalls?" Aber natürlich, Fritz!" Und Dein Alter würde meine Schulden bezahlen?" Doch wohl, lieber Fritz." Liebe, Süße, willst Du mich heirathen?" Nein. Fritz." Rede und Antwort. Mit einer riesigen Schleppe fegte auf dem Bahnhof zu Ulm eine Dame d:n Perron. Ein BLuerlein tritt der Dame unabsichtlich auf ihre Schleppe und wurde von ihr mit den Worten angefahren: Sie Ochse, haben Sie denn keine Augen im Kopfe?" Verzeihen Se, dö han i nit gewußt, daß e Kuh so en lange Schwanz Hot," entgegnete prompt das Bäuerlein. Auf der Eisenbahn. Herr: Mein Fräulein, können Sie den Tabaksrauch vertragen?" Fräulein: .Nein!" Herr (sich eine Cigarre anzündend): Jetzt will i' doch sehen.ob's mi' nit ang'logen haben!"
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