Indiana Tribüne, Volume 18, Number 61, Indianapolis, Marion County, 18 November 1894 — Page 3
?te XEiaQööie öcs Ceöcns. Roman von ZZ. Attedek'Ayrens. (15. Forisehung und Schluß.) Die Tage unseres Glückes sind vielleicht gezählt; denn über meinemHaupte hängt das Damoklesschwert des Todes in Gestalt eines Herzfehlers, der mich zu jeder Minute plötzlich abberufen kann; es können Jahre darübe? vergehen, doch wiederum auch nur Stunden wer weiß. So skht es mit mir, Daniela, willst Du es trotz dem wagen?" Sie batte ihm erschrocken zugehört, doch als er jetzt, ein Bild der Jugend und Gesundheit, in ihre Augen blickte, da erschien ihr der Gedanke seines Todes so ungeheuerlich, daß sie ihn nicht zu fassen vermochte. Es bedürfte der Frage nicht, Romano," entgegnete sie, demüthig seine Hand küssend. Ob es nun Jahre sind, oder Stunden, sie erschöpfen ganz den Inhalt des vollkommensten Glückes, das einem Sterblichen zutheil werden kann; und sollten es nur Stunden sein, wir haben in ihnen gelebt, wie nur Auserwählten zu leben vergönnt, und das ist übergenug." Die Geschäftsleute schlössen ihre Lokale, die jungen Leuet strömten heraus, um, so rasch wie möglich der dumpfen Stadt entrinnend, ihre in denBergen der Vorstädte gelegenen Wohnungen aufzusuchen, unter ihnen auch Äonstanze. Sie nahm die Pferdebahn und stieg an dem freien Platze aus, der zumPal menweg führte, wo Magnus Holmsen ihr entgegenkommen wollte, um zu erfahren, ob sie sich für oder wider ihn entschlossen habe. Zaghaft blickte sie die schmale Allee entlang, wo bereits die Schatten der beginnenden Dämmerung lagen sie war leer, von Magnus keine Spur. Warum kam er nicht? Konstanze blieb stehen, sah sich nach allen Richrungen um vergebens, der Erwartete ließ sich nicht blicken. Er trotzt," dachte sie, durch seine Kälte, will er mich reizen und zum Nachgeben zwingen." Den ganzen Tag hatte sie sich mit ihm beschäftigen müssen, er nahii: ihr Denken vollständig in Anspruch; und doch sträubte sich Konstanze gegen die Herrschaft über ihr ganzes Sein; denn wenn er auch behauptete, nicht ihr Herr" sein zu wollen, sie kannte ihn besser, Magnus Holmsen würde dahin gelangen, ihr Herr zu werden, das ließ sich aus den vorbandenen Anzeichen deutlich erkennen. Und dann sprach wieder das Mitleid und die Liebe für ihn; freilich, wie einst, während der ersten Mädchenjähre, wo er das Lichtbild ihrer heim lichen Träume gewesen und die Elementarkraft der Leidenschaft alle Schranken siegreich überwunden haben würde, so war es jetzt nicht mehr; aber er hatte alles um ihretwillen aufgegeben, eine reiche, ihn vergötterndeBraut seine Laufbahn, Eltern und Heimath! Dies Bewußtsein der Pflichten und Dankbarkeit gegen ihn entbrannte die sich befehdenden Gefühle zu heftigem Kampfe und es gelang ihr nicht, einen bestimmten Entschluß zu fassen. Vielleicht hatte er Abhaltung und würde mit dem nächsten Wagen eintreffen; sie ging die Allee noch einmal bis zum Ausgang wieder zurück und spähte nach dem eintreffenden Pferdebahnwagen aus. Jetzt wurde das Rollen desselben in der Abendstille vernehmbar, ihr Herz pochte in vernehmbaren- Schlägen; im nächsten Augenblicke hielt er auf dem Platze, und eine schlanke Männergestalt schwang sich heraus, es war Magnus. Sie kam ihm aus der Dämmerung des W5ges entgegen, er grüßte ehrerbietig, doch aus seiner Haltung sprach die stolze Zurückhaltung eines in seinem Empfinden verletzten, selbstbewußten Mannes. Du kommst spät, Magnus." Es ging leider nicht anders, vergib; ein merkwürdiger Zufall trägt daran schuld." Ein Zufall?" fragte sie. Ja, denke Dir, es bietet sich mir unter Umständen schon jetzt eine gute Stellung. freilich führt sie mich nach einer etwas jenseits der Welt gelegenen Gegend, nach Paraguay; deshalb hab: ich auch die Annahme vorläufig noch hinausgeschoben, um Deine Meinuna zu hören." Er hatte so kühl und geschäftsmaßig gesprochen, daß es ihr doch einen schmerzlichen Stich versetzte, während sie gemeinsam den dunkelnden Weg ent
lang schritten. Du kannst überzeugt sein, daß ich nur rathen werde, was für Dich das beste zu sein scheint," äußerte sie, bemüht ihrer Stimme Festigkeit zu geben. O, davon bin ich allerdings fest überzeugt." entgegnete er mit schneiden'der Bitterkeit. Deiner kalten Natur wird es stets gelingen, den Verstand über das Herz triumphiren zu lassen! Doch mag das auf sich beruhen, jedenfalls ist es klug gehandelt, dem Verstände die Herrfchaft einzuräumen, wo die wichtigsten Lebensfragen in Betracht kommen." Du bist ungerecht, Magnus." Ungerecht, inwiefern?" Dann, gleichsam bemüht, jedes weichere Empfinden vor ihr als überflüssige, seiner unwürdige Nomantik und Gefühlsballast abzustreifen, fuhr er in gezwungenem, kaltblütigem Tone fort: Mit der Stellung hat es also sei gende Bewandtniß: BaronSolms, früherer Attache bei der deutschen Gesandtschaft in Paraguay, hält sich zur Seit in Rio auf und sucht einen Pri- ' 5aisekretär; nun traf ich heute Morgen zufällig einen alten Brannten aus
GLttkngen, Tbeologe, ein verbummeltes Genie und stark herabzekommen, der mir die Sache mittheilte, nachdem er selbst vor den Augen des Barons keine Gnade gefunden. Ich stellte mich ihm vor, gefiel, und werde den Posten erhalten, dessen, Annahme es weiter nichts bedarf, als Deine Einwilligung." Dir diese zu versagen besitze ich .wohl nicht das Recht, Magnus." Er hatt: noch gereizter gesprochen, ihre scheinbare Kälte kränkte ihn aufs äußerste, und doch suchte er das Verletztsein vor ihr zu verbergen; die zähe Hartnäckigkeit seiner nordischen Natur ,ließ ihn gewaltsam den Sturm des Innern verbergen und ruhig vor ihr er'scheinen. Er hatte gehofft, ihre weibli.ehe Natur würde, besiegt, ihn bitten, zu -bleiben, und um so qualvoller emPfand er. die Enttäuschung, jetzt nur noch dem Wunsche nachgebend, ihr den Stachel, den er selbst spürte, ebenfalls in's Herz zu drücken. Deine Worte liefern den Beweis, daß Du mich nie geliebt hast, sonst würdest Du Dich aufgelehnt haben gegen diese Trennung auf immer; Baron Solms reist in wenigen Tagen nach Paraguay zurück und ich begleite .ihn." , Wie dürfte ich es denn wagen, Magnus. Dich zu bitten, eine sichere Stellung aufzugeben, nachdem Du schon so viel für mich geopfert! Ich, die ich Dir nichts zu bieten habe." : Das sind Phrasen. Du dürftest, es, wenn Du mich wahrhaft liebtest." entgegnete Magnus Holmen herrisch, da das aber, wie ich bereits aus unserem gestrigen Gespräch erfahren, nicht der Fall ist, so frage ich Dich einfach nur noch, ob Du einverstanden bist mit unserer Trennung." Er war stillgestanden, um besser in ihren Zügen lesen zu können, undZonstanze fühlte, von kaltem Schauer durchrieselt, daß mit der Beantwortung der Frage ihre und seine Zukunft entschieden sei. Sie wagte es nicht, zu ihm aufzublicken; in seinem interessanten Männerantlitz lag der Ausdruck strenger Kälte und des unbeugsamen Hochmuths eines sich dem Weibe überlegen dünkenden Mannes, und sie erkannte zugleich, daß dieses Bewußtsein ihm helfen würde,, ihren Verlust zu überwinden. Einen Augenblick maßen sich die beiden hohen nordischen Gestalten regungslosals suchten sie gegenseitig die Grenzen der Kraft und Selbstbeherrschung auf den Tiefen der Seele zu lesen, und wieder lehnte sich ihr weibliches Empfinden auf gegen den Mann, der sie beherrschen wollte. Ich bin einverstanden, Magnus!" Sie hatte die Worte halb mechanisch. als sei es ein fremder Geist, der aus ihr redete, gesprochen, und der eiyene Klang tönte fremdartig an ihr Ohr; die Empfindung des Schmerzes war im Momente dem Bann der Erstarrung gewichen, die sie unzugänglich für die Tragweite des Geäußerten werden ließ. Magnus Holmsen zuckte unmerklich zusammen, wich einen Schritt zurück und reichte ihr die Hand. Lebe wohl denn. Konstanze, wir werden uns in diesem Leben wohl nicht mehr begegnen." Sie legte ihre eiskalte Rete in die seine, und in der Erstarrung desUeberschmerzes, ihn nun auf immer zu verlieren. war es, als müsse sie dieHand fest-
halten, als könnten sie nicht auf diese Weise von einander scheiden; da hatte er sich schon losgerissen, sah sie geisterhaft aus -todtenblassem Gesichte an. grükte stolz, doch ehrerbietig und entfernte sich.' Die Glieder gelähmt, stand sie wie angewurzelt und sah ihn im Schatten der Dämmerung verschwinden, sie wollte seinen Namen rufen, doch aus der zusammengeschnürten Kehle drang kein Laut. Seine Schritte waren verhallt, Konstanze stand allein. Und langsam, langsam dasHaupt gebeugt, als hätte es den Kummer der ganzen Erde zu tragen, trat sie den kurzen Heimweg an. Alles, was das Dasein des Weibes an heimlichemHoffen, an Glück und verborgener Sehnsucht enthält, war dahin, vorüber und entschwunden der Traum ihrer Jugend. Armer Magnus! -Wie trostlos öde und einsam erschien ihr plötzlich die Welt ohne ihn. Da nun Maqnus hier ist. wirst Du mich auch wohl bald verlassen, und ich habe dann niemand mehr, der sich um mich bekümmert; denn verheirathete Kinder sind für ihre Eltern nicht mehr, da," klagt Frau Doktor Rombeck, während sie Konstanze die Speisen hinschiebt, welche diese nur zum Schein berührt. Nein, meine Mutter, mich behältst Du, ich bleibe Dir treu und werde für Dich arbeiten, so lange ich lebe. Sei ohne Sorge." Es lag etwas in demWesen derTochter, das Frau Rombeck betroffen machte und sie den Gegenstand nicht weiter berühren ließ, auch, hielt sie Konstanze nicht zurück, als diese den Wunsch aussprach, sich heute früher als gewohnlich nach ihrem Zimmer zu begeben. Allein!" Sie tritt, wie es so oft qeschehen, an's Fenster und schaut sinnend in die einsame Nacht hinaus; dämmernd, wie die dem Licht entflossene Seele hier unten, ruht das Mondlicht auf der überirdisch stillen Erde. Allein und einsam; und doch nicht ganz. Denn während sie noch träumverloren in Schmerz um den Verlust des geliebten Mannes grübelt, oa nä Hern sich leise die freundlichen Gestalten der regsam schaffenden Phantasie, und die leichtbeschwingte Seele zieht, der Flug empor, hinauf! In ihrem Geiste wird es rege, das Reich der Poesie, die geheimnißvolle innere Welt öffnet ihre Pforten, und aus der betäubenden Qual findet Konstanze die erlösende Zuflucht in der eigenen Brust. Allein und frei! köstliches Wort. Und wenn auch durch äußere Verhält
nisse noch gebunden, sie darf doch schaffen, ihrem Genius, der lieblich lächelnde Muse folgen, die sie leicht und mit sichererHand hinwegzieht über allen Erdenjammer und alle Noth, in die heiteren Sphären des ewigen Lichtes und des reinsten Glückes, ihre Hei math. Ein Jahr ist seit jenen Ereignissen vergangen. Valeske. von Hasselbach hat längst die Palmenvilla verlassen und eine bescheidene Wohnung in Botafogo gemiethet; der Hochzeit Romanos und Danielas, die vor sechs Monaten statt gefunden, beizuwohnen, vermochte sie nicht, das war zu viel, und sie ging, dem neuen Paar das Feld zu räumen; denn auf den ausdrücklichenWunsch des Oberst von Weddingen, der die wenigen ihm noch gönnten Tage gemeinsam mit den jungen Leuten verleben wollte, sollten sie ihren festen Wohnsitz bei ihm in der Villa nehmen. Valeska ist alt geworden; die Züge der Unzufriedenheit, des Neides und heimlich fressenden Grames haben sich unverwischbar darin eingegraben; ihre Tochter hatte mehrere Male geschrieben, ziemlich flüchtige Epistel, aus denen Valeska niSjt auf den Seelenzustand Reginens zu schließen vermochte, und ihre Antwort lautete ebenso kurz; heute jedoch war ein Brief von der jungen Frau, eingetroffen, der die Mutter auf's tiefste bewegte und endlich die Gefühle ausgibiger Versöhnung erweckte. El Paraiso, den 20. Nov. 1890. .Liebe, gute Mama! Du hast meine Zeilen an Dich siets so kurz beantwortet, daß ich annehmen muß. Dein Unwille gegen mich hat sich noch immer nicht gelegt; heute habe ich nun eine Nachricht zu melden, die hosfentlich ihren Eindruck nicht verfehlt, eine Nachricht, die mein Leopold froh begrüßte und mich so freudig stimmt, daß ich mir sage, sie wird auch Dich bewegen. Liebe Mama, in etwa drei Monaten sehe ich meiner schwersten Stunde entgegen und meine Bitte lautet: sei bei mir dann; ich weiß es wohl, unsagbar habe ich Dich gekränkt, und oft meine harten Worte bereut, nachdem es mir hier allein, in wildfremder Umgebung und der verantwortlichen Stellung einer Gattin und Hausfrau, so recht klar geworden, was ich an Dir entbehrte, Deine lieb:voll:Fülsorge fehlt: überall. Ich war zuweilen recht, recht unglücklich; denn so gut und lieb auch Leopold ist, er verlangte doch sein
Recht, und trug meiner Unerfahrenheit, Jugend und den Umständen nach Männerweise keine Rechnung. Es war eine harte Schule und oft habe ich gefürchtet. unterliegen zu müssen: aber nun geht es schon bedeutend besser! O, Mama, die Liebe ist solch' eine geschickte Lehrmeisterin! Und ich liebe meinen Mann heute, wenn es möglich ist, noch hundertmal inniger, als zur Zeit unse,rer Verlobung, obgleich er zuweilen recht anspruchsvoll und strenge gegen mich ist. Doch gerade das gefällt mir so an ihm; ich bin sicher, ein Mann, der mir in allem nachgäbe, den ich gar nicht zu fürchten hätte, könnte mir nicht imponiren. Meine Natur ist eine sonderbare, ich brauche einen Herrn", den ich um so heißer liebe, je härter er sich gegen mich bezeigt. Und Herr" ist mein Leopold mir gegenüber; es liegt nach meiner Ansicht für die Frau eine unbeschreibliche Wollust darin, gänzlich in der Demuth und Hingebung vor dem geliebten Mann aufzugehen. Unsere äußeren Verhältnisse gestaltn sich sehr gut, das Paradies blüht auf, Leovold schafft mit bewundernswerthem Eifer, und da wir einander stets in die Hände arbeiten, so hosft er bestimmt, die Fazenda bereits nach einem Jahr als unser schuldenfreies Eigenthum zu fehen. Der edle Romano! Er hat uns seinen Besitz fast ganz geschenkt; es freut mich, daß er Daniela bekommen, die paßt besser zu ihm als ich. . AlsoDu kommst; Mama, nicht wahr? Denke Dir, wie gut Leopold ist, er selbst wird diesen Zeilen die Bitte an Dich hinzufügen das ist doch wahrhaftig viel. Ist Dein einst gegen mich so liebevolles Herz nicht ganz zu Eis erstarrt, dann wirst Du seiner Bitte doch gewiß nicht widerstehen können, und darauf baue ich fest. Von Leopolds Mutter und Schwester hörst Du wohl nichts? Konstanze hat meinesErachtens damals unbegreiflich gehandelt; läßt sie ihren Verlobten einen Posten hinten in Paraguay antreten, gibt ihm den Laufpaß, um das Loos einer alten Jungfer auf sich zu nehmen, oder Schriftstellerin zu werden, was weiß ich. Und das nennt die Welt Liebe! Der arme Magnus Holmsen, uns hat sein tragischesGeschick sehr leid gethan. Und nun leb wohl, Herzensmutting, es hosft, Dich bald umarmen zu dürfen. Deine Tochter Regine." Dieser Brief erzählte Valeska eine ersckütternde Herzensgeschichte und ihre Thränen netzten seine Zeilen; doch die Empfindung des Hasses gegen den Schwiegrsohn, die in ihr rege wird, erstickt sie um Reginens willen, zu der die mitleidsvolle Mutterliebe in ihrem ganzen Reichthum erwacht; ja, sie hatte sich einst vorgenommen zu warten, bis die Stunde gekommen, wo die Arme da im Urwald sie nöthig habe, und Valeska beschließt, so schnell es angeht, nach Paraiso zu reisen, dem nach ihrer Meinung bedauernswerthen Kinhe zur helfenden Stütze. Am selben Tage hat aucy Konstanze Nachricht erhalten, und zwar die günstige,der Annahme einer neuen Arbeit von feiten der Redaktion einer angesehenen deutschen Monatsschrift, nebst dem ermuthiaenden Bescheid, daß ihre Arbeit, künstlerisch durchgeistigt.' auf em vielversprechendes Talent hindeute. das hoffentlich noch manche schöne Frucht zu Tage fördern werde. Der erste grundlegende Erfolg! Auf ihrem
Antlitz leuchtet, schöner als die Msrgenröthe, die Hoffnung eines seligen Glückes; Dankbarkeit und freudige Begeisterung, mit einem Gemisch vonDcmuth und Würde, durchglüben sie. Ich will schaffen so, wie Gott es mir gegeben. Und ist auch die Lausbahn des denkenden Weibes in den Reihen der für das Ideal Kämpfenden eine dornenvolle, so ist sie doch die Herrlichste, die emporführt in die heiteren Sphären der Gottheit und des Lichts; und in dem Bewußtsein der Erfüllung hoher Pflichten darf sie sich am Abend ihres Lebens friedererfüllt gestehen: ich habe aelebt; denn mir ist das höchste geworden, was dem Menschenkinde hier unten zu werden vermag, ich habe Gott gesunden und erkannt!" (Ende.)
2!e ostindisckicn Eisenbahnen. Die Eisenbahnverhältnisse in Ostinfcien sind von den unsrigen so verschieden, daß. ein Vergleich nicht uninteressant sein dürfte. Wir entnehmen dem Berichte des Generaldirektors der oftZnsischen Eisenbahnen für das am 31. März 1893 beendete Fiskaljahr Folgendes: Die Meilenzahl der indischen Eisenbahnen beträgt 17.763, ist also gewiß keine große für em so ausgedehntes und dichtbevölkertes Land. Indessen haben diese Eisenbahnen eine größere Bedeutung, als man nach ihrer Schienenlänge schließen sollte. Während der letzten 10 Jahre sind imDurchschnitt etwa 800Meilcn jährlich gebaut worden. Eine große Anzahl neuer Linien ist geplant. Mehr als die Hälfte der Bahnen wird vom aate oder unter Staatsgarantie betrieben. Mit Ausschluß des Tilgungsfonds und der Zinsen für die im Bau begriffenen Eisenbahnen beträgt der Verlust der Regierung für 1893 ungefähr $3,000, 000, die Rupie zu 33 Cents gerechnet. Dieser Verlust wird hauptsächlich dem Fallen der Silberpreise zugeschrieben, da die Zinsen der Eisenbahnschuld in London in Gold zu bezahlen sind. Ein volles Drittel der Eisenbahnfrachten besteht aus Getreide. Weizen wird nach den Exporthäfen, bei einer Durchschnitts-Entsernung von 800 1000 Meilen, zu fünf Mills per Tonne befördert, also für ungefähr soviel wie unsere Eisenbahnen von Chicago nach der atlantischen Küste berechnen. Für Entfernungen von 100 bis 300 Meilen beträgt die Rate 1$ Cents die Tonne in Mengen von 6 Tonnen aufwärts. Diese Frachtraten sind sehr niedrig im Beraleichc zu anderen Güterraten in Ostindien. Die niedrigsten Frachtsätze sind sonst U Cent per Tonne und Meile, die höchsten 4j bis 7 Cents. Die ostindischen Eisenbahnen befördern also Weizen zu einem so niedrigen Satze wie die unsrigen und halten sich an anderen Gütern schadlos. Die Passagierraten sind 2 oder 3 Cents per Meile erster Klasse, also ungefähr den unsriaen gleich, wahrend Neijende dritter Klasse (Eingeborene) nur bis Cent die Meile bezahlen. Der bei Weitem größere Theil der billigeren Reisen ist für kurze Distanzen. Für Fahrkarten zwischen einander nahe liegendenPunkten werden 2 Cents gerechnet, dage gen entschädigen sich die Eisenbahnen für diese nleorlgePassagierrate dadurch, daß sie die Zuge überladen. Die Durchschnittsanzahl der Passagiere auf den Zug ist 220, auf einer Linie sogar 274. . , r.r. t n rr : IN Ameuia oeiragi oieieioe . Einnahmen für Passagierbeförderung betragen $1.05 per Eisenbahnmeile, ungefähr so viel, wie in den Ver. Staaten. Die niedrigen Passagierraten bedingen selbstverständlich minderwerth ige Ausrüstung,' langsame Züge und Ueberladung. Eine Vergleichstabelle zeigt folgende Ziffern: Pcr ffiskndzbnmkilk: 35. Ztxit. Cftinb. Tsnnki, BisörSkrungsmiilk. . 50).""l M." UuffiQifrf Re'.jk-ukNen . . . 3"W,0,N Anzadl 6 Atizkftell:en ..... 5 V) Die Ver. Staaten mit einer bedeutend größeren Meilenzahl und Bahnausrustung befördern mehr Fracht auf die Meile, aber weniger Passagiere. In Ostindien wird die dreifache Anzahl von Angestellten gebraucht (96 Prozent davon sind Eingeborene) wie in Amenka. Ueber ihre Arbeitslöhne enthalt der Bericht keine Angaben. Die Be schaffung der Kohle bildet für viele ostindische Bahnen eine ernste Frage. Einige derselben importiren KoÄen aus Cardisf, Wales, zu einem Beförderungspreise von $4 bis $7 die Tonne. Die Geldberechnungen nach amerikarnscher Währung beruhen auf den amtlich gegebenen Werth der Rupie in dem Fiskaljahre 1803. der auf 1 S. 4 D.. gleich 33 Cents festgesetzt ist. Nach den heutigen Silöerpreisen ist die Rupie aber nur noch 24 -Cents werth. . Die Durchschnlttseinnahme auf die Bahnweile ist $1.40, die Betriebskosten betragen 64 Cents (47 Prozent), und die Reineinnahme 76 Cents. Das sind Resultate, die einigermaßen denen der amerikanischen Eisenbahnen gleichkammen. trotz der großen Unterschiede in den Einzelheiten des Betriebes. , Nur eine Erklärung möglich. Richter (zu dem Angeklagten): Du bist angeklagt, dem Kläger in einer einsamen Straße begegnet zu sein, ihn niedergeschlagen rmd um Alles was er bei sich trug, beraubt zu haben, ausgenommen eine werthtzoll: goldeneUhr. Was hast Du vorzubringen?- Der Angeklagte: Hat er wirklich eine cpU dene Uhr bei sich gehabt?" Richter: Jawohl." Der Angeklagte: Dann bekenne ich mich irrsinnig." Erkannt. A: Gut. daß ich Sie treffe. Wie stets eigentlich mit den 30 Mark, Ix: Sie nur noch schul den?" B: Wissen Sie. ich dachte mix, nächsten Montag ist JHt Geburts tag, da bringe ich Ihnen das Geld und kann dann gleich mit gratuliren. A: Bringen Sie mir nur das Geld: I Graiuliren kann ich mir dann schon e.tt ri m ' ' lciojir
Ein Doppelmensch. Man schreibt aus Vendig: Ekeradelfo" nennt ihn die Wissenschaft, Ungeheuer (Mostro") der' Profane, jenen Knaben, welcher gegenwärtig auf den Kliniken von Venedig, Pavia und Mailand so großesAufsehen eregt. Giovanni Libbra ist eine der seltenenDoppelbildungen, wie sie im Laufe von Jahrhunderten einmal geboren werden und R noch seltener am Leen erhalten lassen. Im Alterthum scheinen ähnliche Doppelbildungen häufiger gewesen zu sein, wie aus den Schriften vonPlutarch, Demokrit und Aristoteles hervorgehen soll, von denen jeer seine Ansicht über das Entstehen eines solchen- Wesens niedergelegt hat. Das bier in Rede stehende Doppelgeschöpf ist ein sympathischer, beinahe hübscher, sehr inielligenter und gutmüthiger Knabe, in Südamerika geboren, der sich, ungeachtet seiner monstruösen Bildung, während seines nun schon nahezu zehnjährigen Daseins der vollkommensten Gesundheit erfreut. Giovanni Libbra ist nach Art der Siamesischen Zwillinge, der Brüder Tocci u.s.w. gestaltet, und ein vollständig ausgebildeter Knabe. Nur daß dasGeschöpf. welckes verwachsen mit ihm zur. Welt gekommen ist, von feiner Magengrube aus beginnt, keinen Kopf, wohl aber einen Herzschlag besitzt, sowie auch einen Theil der menschlichen Funktionen verrichtet. Giovanni Libbra, das kleine Unglückliche Geschöpf, welches mit dieser schauerlichen Belastung geboren wurde, ist nicht nur außerordentlich heiter, sondern scheint e? gar nicht zu wissen, daß ihm eine schwere Lebenslast aufgebürdet ist. Er springt.pfeift und singt nach Art normaler Kinder, hat guten Appetit und ist sichtlich froh, auf der Welt zu sein. Wiewohl beständig alS Mostro" von seiner Umgebung bezeichnet und jedem der Vielen, die ihn sehen wollen, als Ungeheuer" vorgestellt, scheint der Kleine das eher als eine Art Ehrentitel, denn als Kränkung aufzufassen. Vater und Mutter sind kräftige, wohlgebildeie Menschen im besten Lebensalter. Ursprünglich dem Bauernstande angehörig, haben sie sich auf das Abrichten von Thieren geworfen, mit welchen sie die halbe Welt durchzogen. An dieser abenteuerlichen Laufbahn trägt ein Bruder des Bartolomeo Libbra, so heißt der Vater des Doppelwesens, Schuld. Derselbe erfreut sich gleichfalls einer ganz ungewohnlichen Monstruosität. Er hat blos ein Bein und an der Stelle des zweiten eine weibliche Brust, unter dem kinken Arm einm Entenflügel und im rechten Arm unter der Haut eine vollstän ausgebildet: Hand, die eine Faust machen kann. Im Uebrigen ist er ein wohlgewachsener Mensch. Seine seltene Mißbildung gestattete ihm, den Pflug im Modenesischen zu verlassen und eine Tournee durch Amerika, Afrika, Kleinasien u.s.w. anzutreten, welche ihm, dem 22jährigen, schon eine recht schöne Summe eingebracht hat. Dieser Glücksfall ließ seinem ältesten Bruder Bartolomeo , keine Ruhe; er wurde Thierbändiger und, nach 4 normalen Kindern. Vater des Eteradelfo, welcher gegenwärtig zu den Weltwundern zählt
und, so er noch langer am Leben bleibt, hohe Berühmtheit erlangen wird. Das wäre die humoristische Seite dieser traurigen Sache. Wer sich vomStandpunkte der Wissenschaft für das Phänomen interessirt, den verweisen wir auf den Aussatz des Prof. A. Cuzzi, Leiter der Kl:mk zu Padua, in der Gazetta deali Ospedalr", vom 11. März v. I.: Considerazione su di un mostro doppw Eteradelfo. (Verlag von Ballard.) Die DurchflÄtigkeit der Luft zu Berlin ist von Professor Dr. I. Glan siudirt worden. Schon der äußere Anblick der Luftschicht, die LberBerlin schwebt. lehrt, daß die Atmosphäre dieser Wellstadt viel Licht vernichten muß. Vom Gipfel des Kreuzberges aus erscheint sie als eine grauschwarze oder graubraune Schicht, welche über dem Häusermcer schwebt und im Osten, dem gewerbreichsten Theile der Stadt, etwas dunkler ist. Nach Professor GlansBeobachtungen kann aber die Höhe der Luftschicht, welche hauptsachlich das Licht der Sonne (und des Mondes) vermindert, nicht bedeutend sein.' Er schätzt sie auf das 2z- bis 3-fache der Höhe gewöhnlicher Wohnhäuser, also, ziemlich der Höhe des Kreuzberges gleich. Professor Glan schließt die daraus, daß man abends bei klarstem Wetter in Berlin selbst nicht viele Sterne sehen kann und daß auch die helleren dort nur ein mattes Ausschen haben, während dann auf dem Kreuz. berge die Zahl der sichtbaren Sterne sehr viel größer ist und die. Hellern leb haft blitzen und funkeln. Aus seinen Messungen findet Professor Glau, daß (in der Nähe des Moritzplatzes.), bei senkrechter - Durchstrahdmg am Tag: 6:7 vom Lichte zurückgehalten werden, während nach den ältern Beobachtung gen von Bougner der Lichtverlust auf dem freien Lande in der Nähe des M:es nur ein Fünftel beträgt. Sonach ist derselbe m Berlin am Tage etwa viermal größer als in freier Luft draußen. Professor Glan hat auch Untersuchungen über die abendliche Durchsichtigkeit der Luft m Berlin angestellt, und zwar ein anzesJahr hindurch. Im Durchschnitt aus sammtlichen Beobachtungen ergab sich bei senkrechter Dxrchstrahlung ein Lichtderlust von ?iahe zwei Fünftel. Die Luft ist, hiernach also über Berlin abends durchsichtiger als am Tage nachmittags, aber immer noch erheblich undurchsichtiger als über dem freien Lande. Der Grund dieser abendlichen Aufhellung ist ohne Zweifel darin zu such, daß um jene Zeit viele Schorn steine aushören, Rauch zu entsenden. Gutkr Lakd. Wrnn die Che tnmii sin ?tlI,. ldlaz ist, so versuche ti witdn ud wic5! C? machcn I die Cch:uspiklinr und hcuca sich didt! tcl kdrnt.
Schlangen und Nmeisen. Sämmtliche bei unS vorkommenden Schlangen, also auch die Kreuzotter, haben, schreibt man den Hamb. Nachrichten", ihre gefährlichsten Feinde in den Ameisen, besonders in der großen rothbraunen Waldameise, deren oftmals mehrere Fuß hohe Hügel in manchen Waldungen vorkommen und allgemein bekannt sind. Sobald eineKreuz otter von den Ameisen bemerkt wird, fallen dieselben, nachdem sie ihre Genossinncn aufmerksam gemacht und in großer Zahl herbeigeholt haben, über die Schlange her, heften sich mit ihren scharfen Beißzangen an ihren Körper an, dringen ihr in den Nachen und in den Schlund ein, zerstören ihr die Augen und setzen ihr so heftig zu, daß sie binnen kurzer Znt in dem vergeblichen Kampfe gegen die immer zahlreicher herbeieilenden Feinde ermattet und endlich verendet. Es ist nicht Feindschaft. welche dir Ameisen veranlaßt,' die Schlangen anzugreifen und zu tödten, sondern ihr Fleisch lockt sie an. Kaum ist die' Schlage durch die Bisse der Ameisen wehrlos geworden, o deginnen sie auch schon, die Beute auf ihre Art zu zerlegen und die kleinen losgerissenen Fleischstücke nach ihrer Behausung zu tragen, und nicht früher ruhen sie, als bis alle Weichtheile des gctödteten Thieres geborgen sind. Nur die Haut und das Skelett bleiben liegen und letzteres bleibt in der Haut wie in einer Hülle stecken. Man erkennt an dem Vorhandensein des Skeletts, daß man es nicht mit einer abgestreiften Schlangenhaut, sondern mit einer von Ameisen getödteten Schlange zu thun hat. Den Holz oder Beeren- suchenden Frauen und Kindern ist diese' Thätigkcit der Ameisen recht wohl bekannt, und sie betreten daher diejenigen Wälder, in welchen sich Ameisenhaufen befinden, furchtlos in Pantoffeln oder gar barfuß, da sie sicher sind;, daß die Ameisen schon im Frühjahr den Wald von giftigen Schlangen gesäubert haben; nur ganz vereinzelt mag-sich noch einmal eine solche dorthin verirren. Es ist diese Eigenschaft der Ameise ein Grund mehr, dieselbe zu schonen und wvmoglisi in solche Waldungen zu verpflanzen, in denen sie bis dahin noch nicht heimisch war. Daß sie auch schädliche Larven, Raupen und Puppen und selbst Käfer vertilgt, dürfte bekannter sein, als der Krieg, dcn sie gegen, da2 Otterngezücht führt. (5in neue Tl,ermomcterfüllung Das Quecksilber hat bekanntlich Eigenfchaften, die es als Thcrmometerflüfjigseit wenig geeignet erscheinen lassen, vor Allem die. daß cs schon bei 39 Grad Eclsius gefriert, also für Zwecke, bei dc:un die Temperatur unter diesen Stand sinkt, ungeeignet wird. In solchen Fällen füllt man das Thermometer gcwöhulich mit Alkohol, der bedeutend länger flüssig bleibt als Quecksilber, dem man aber wegen seines häufigen Wassergehaltes. der die Angaben stört, nie volles Vertrauen schenken kann. Da ist man nun auf einen anderen. Körper verfallen, den die Chemiker Toluol nennen und den sie aus den Steinkohlcnthecr herstellen. Das Toluol saugt kein Wasser an, verdunstet auch sehr schwer, gefriert erst bei bedeutend größerer Kälte als Quecksilber und' dehnt sich bei. der Erwärmung gleichmäßig aus. paßt also sehr gut zur Thcrmometerflüssigkeit. Außerdem ist.as Toluol sehr billig und viel leichter als Quecksilber, man kann also das Thermometer gefäß viel größer machen als. jetzt, wodurch die Genauigkeit der Angaben vergrößert wird. Das Toluol hat eine tiefblaue Farbe, die vom Glase vielmehr absticht, als die des Quecksilbers, so daß bei Toluolthermomctern leichter der Thermometerstand abzulesen, ist.
Humoristisches Ordnung muß siiw.. Bettler (sein Geld zählend): Acht Mark 40 Pfenrge." Dame:. Ach, Sie armer Manu, da habenSie 10 Pfg (will ihm das Geld aeben). Bettler (barsch): Jetzt mach' ich schon. Kasse, kommen. Sie morgen! Es traf sich Zn-an-derer Weise. May (zu ihrer Schwester): Hat me:n Karl beute beim Vava einen wissen zarten Gegenstand- berührt? (Sie: dachte an ihre Verlobunav) vtay: Ja,. er hat ihm aus leme Hühneraugen ge treten. Ist es das. was. Du meinst? Da liegt der: Hase im Pfeffer. Jhr Laden befindet ixch in einer vor züglichen Lage! Da. pcrssiren fortwährend Leute vorüber!" Das ist ewn der Teufel!" bemerkte der Krämer, sie? passiren vorüber,, verMen aber herein, zu kommen!"' Häufig Erlebte Ein Drabe der einen Seidenresvkt vor altenSee--leuten hatte., sui$ kürzlich einen er Z grauten Seebär .Kapitän Skaggs. , iv( t i m: v. l i gnen uuu cavmai cm lozuv uujuuj einen Haifisch abgebissen worden?" Ich sollt, es deirZeÄ, me'lnJüngelcheTc." antwortete den Kapitän, da? ist mir' mehr Äls' ein-. Dutzend Mal' passlet!" Das' Recht auf Glückwünschen. Junger Mann: Erlaube mix gsiz ergebenst zum neuen Iah? zu. grawliren. Herr Barsn! Barorr: Aber ich kenne Sie gar nicht! Jung Mann: Wer Herr Baron werden: sich doch meiux erinnern? ich bin der Scbreiber es Serichtsvollziehers, den Herrn Ba ron gepfändet hat! Weiß sich zu helfen. Der fünfjährigz Fritz war die Treppe herunter gefallen und hatte sich derart an der Lippe verletzt, daß der Arzt kamzien und die Lippe zusammen nähen . Nutzte. Die Mutter war untröstlich ? and sagte: Doktor, ich befürchte, da rird eine häßliche Narbe für s ganze Ltben zurückbleiben." ' Das thut lichts. Mama sagte der kleine Held, ,ich werde mir einen Schnurrbart dar lber wachsen lassen."
Zur die Küche. Gewürze und solche )inge wieWein, Citronensaft, Essenzen, welche den Speisen Wohlgeschmack geben, werden, damit diese nicht durch's Kochen an Aroma verlieren, nicht zu früh, manche sogar erst kurz vor dem Anrichten an die Speisen gethan. Das Salzen der Speisen und wie viel Salz anzuwenden sei, lehrt die Erfahrung. Niemals gebe man aber Salz gleich beim Ansetzen an das Fleisch, sondern siets erst, wenn es eine Zeit lang gekocht oder gebraten hat, es wird dann weiche? und zarter werden. Während des Kochen? oder Bratens qieße man stets mit heißem oder kochendem Wasser zu, niemals mit kaltem. Harte Speisen werden am besten mit kaltem Wasser angesetzt, wie Hülsenfrüchte, Kartoffeln in der Schale, trockene Fische, geräuchertes Fleisch u. s. w., grüne und junge Gemüse, zarte Fische, Fleisch von jungen Thieren stets heiß. Gepökeltes Fleisch wird am besten, wenn es je nach der Größe des Stückes nur 1 2 Stunden schwach wallt; nie lasse' man es start kochen. Wenn eine Auswässerung des Fleisches nothwendig ist, srr darf sie sich nicht weiter erstrecken.als es dieReinlichkeit erfordert; das reinlicheSchlachtvieh soll entweder gar nicht oder höchstens nur leicht 'abgewaschen werden. ES ist eine bekannte Sache, daß' viele Köchinnen die Gewohnheit haben',, sowohl Fleisch als Begetabilien aus bloßer Gedankerklosigkeit lange Zeit im Wasser liegen zu lassen; dies ist ein ganz verkehrtes Verfahren, das sehr viel, dazu beiträgt die Speisen zu verschlechtern. Zur Rettung ange tanit. ter Seifen. Auch der umsichtigsten. Köchm kann es einmal Passiren,, daß. ihr die eine oder andere Speise, an brennt. Ist dies nicht zu weit vorge schritten rmd die Speise noch nicht ganz' verdorrn, so stelle man den Tops oder die Kasserolle so schnell als möglich in ein. Gefäß mit kaltem Wässer und ersetze letzteres sofort wieder' mit frischem sobald es warm geworden, ist. Dadurch wird sich die am Boden des Gefäßes angelegte Kruste lösen und. die Speise selbst den üblen Geruch verlieren. Gelingt nun letzteres auf diese Weise nicht ganz, so feuchte man ein reines Tuch mit frischem reinem Wasser an, deck es über das Gefäß, streue Salz darauf und lasse es eine Weile sa stehen. Herstellung von Zuckerte i g. Ein halbes Pfund abgetriebene Butter wird mit vier Unzen Citronen Zucker,, dem Safte einer halben Citrone und zehn hartgekochten, passirten Eierdotiern nach und nach verrührt, fünf Unzen gestoßene oder besser in derMandelmühle geriebene Mandeln dazu . gemengt, und dieses mit zehn Unzen Mehl gut verrührt, worauf man es' zu einem glatten Teig bearbeitet und diesen zugedeckt an einem kalten Orte ruhen läßt. Der nun steif gewordene Teig wird hierauf auf einem mit Mehl bestaubten Brett zwei Messerrücken-dick ausgewalkt, hierauf mit verschiedenen Formen zierliche Figuren ausgestochen, welche man mit Hilfe eines. Messers auf ein ntit Butter bestrichenes Blech legt, mir aufgeklopften Eiern-, bestreichi und nach Belieben mit fein ge schnittenen Mandeln, gemischt mit Hagelzucker., besäet, und dann bei mittelmäßjger Hitze blaßgelb bäckt. Chow-Chow wird wie' nächstehend geschildert bereitet und man-ge--braucht-dazu Folgendes:, Einen großenKrautkopf, zwei Dutzend Gurken,, ein: halbes Dutzend grünen Pfeffer,, eine? Gallone grüne Tomaten- ein- halbes Dutzend Zwiebeln, eine halbe Gallonesäure Aepfel. Mn schneidet die Zwiebelni ganz fein und läßt sie zehn Minu-. ten in heißem Wasser stehen; dann-zer-kleiner: man die anderen Ingredienzien hübsch fein.gibt die Zwiebeln dazu und bestreut Alles mit Salz. Man läßt es nun- über Nacht stehen und dann-zwei Stunden abtropfen. Dann wird es mit schwachem Essig bedeckt und vierundzwanzig Stunden stehen gelassen.- alsbald der Essig abgegossen und auf jede Gallone der Mischirng ein halbesPfund Zucker beigefügt. Folgende- Gewürze, werden noch verwendet: eine UnzeMuskatbLZthe, eine Unze Gewürznelken eine Unze Senf- und ebenso viel Selle-rie-Samen und ein großes Stück Meer retLg. Diese werden mit dsn Essig ge kocht und dann: der Chow-Chow damit bedeckt. Zubereitung v cn M ay-o--. irjtise. Matt nimmt eine kleine Schlüssel, schlägt 24 Eigelb hinein
arid rührt sie mit etnss Salz- und Pfeffer, bis' sie dick werben- und nimmt, dann einen-Eßlöffel vcTlOel undi-gießd dasselbe tropfenweise v&ttx- beständigem Rühren zu- den EigeAkn. Söwie sich dieselben verdicken, knin immer etwaS mehr Oel' eingerühzt- werden- und so, fort. bäsdüS Oel a?fgeganZen:ist; nun? würzk man die Sauce mit feinenr. Salz, weißem Pfefför undem Safte einer- Citrone und stelle sie bis' zunr Getkrauche an einnr kaltM- Ort,, indem mwr. sie von Zeij zu Z?t. einige: Male: ui?rührr; sollte die Sauce gerinnen, was' bier sebr lcbt aescöeben kann, sa , be: man in ein- anderes Schuffrfche I rr irf. . . . . cl.r. llocy ein iZigM uns verruyre rneies. indem man zrach und- noch immer ei nen Kaffeelöffel voll von: der gerönnenen Sauce dazugebt und solches sa lange wiederholt, bis die geronnene Sauce au5ganzen und wieder gebunden ist. Blumenkohl in.Essiz wird fol-. gendermaßen in Gläsern eingelegt? Festerweiße? Blumenkohl wird in zierliche Stückchen geschnitten, abgeschält, in siedendem Salzwasser nichö zu. weich gekocht, und wenn er gut ab gelaufen, mit Meerrettig, Esdragon. Lorbeerlaub und Pfefferkörnern in ei Einmachglas gelegt, mit Essig begossen und zugebunden.
