Indiana Tribüne, Volume 18, Number 47, Indianapolis, Marion County, 4 November 1894 — Page 6

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M ZMboliK der Jaxbtiu

Unser gesammtes Geistes- und Gefühlsleben gründet .sich-auf die uns durch unsere Sinne zugänglichen c fteren Eindrücke, und zkar spielt daS Au?e die 'wesentlichste Vermittlerrolle zwischen Außenwelt undGehirn. Während unsere, sonstigen Sinn? stundenlang vollständiqe? Unthätigkeit unterKorsen .'sind,' führt das Auge. in. wa chem Zustande durch ungefähr sechshundert Billionen 'Lichiwellen,- die. rn der Sekunde in' das Orgun .dringen, unserm GehKn . ununterbrochen Farben und formen zu. Den .nichts in -der Welt ist färben-, ud sonnenlos. So weit auch unsere Forschungen zurückreichen, bei allen Völkern finden wir einen gewissen Farben- undForrnensinn entwickelt. Der Anblick dieser verschiedenen Farben rief im Menschen instinktiö entsprechende Empfindüngen he.rvor: Freude. Schrecken u. s. w., und diese Gefühle, suchte der Mensch wieder durch die ihn umge5enden Gegesstände zu symbolisiren. Der Nächstliegende Gegenstand für seine -Gefühlsäußerungen war . natürlich der faene Körper; an seinen Mitmenschen konnte er die gemachte Wirkung, den hervorgerufenen Eindruck am besten beobachten. Durch Unterstützung des menschlichen Nachahmungstriebes wurde dann dieser Eindruck verallgemei,uert. und so. gestaltete sich nicht selten In Ausdruck einer persönlichen Em'pfindung zum Allgemeingut eines Volksstammes, das sich dann von Geschlecht zü. Geschlecht weiter vererbte. Auf diese Weise ist wohl, die Aedeutung der Farben und der meisten Trachten entstanden, die schon sehr alten Ursprungs ist und deren Spuren wir nicht nur bei allen wildenVölkern ier Gegenwart finden, sondern die sich euch, trotz der alles niöellirenden Kultu?, in ziemlich ausgesprochener Weise in allen civilisirten Ländern noch bis zum heutigen Tage erhalten hat. Die .Helligkeit des Tageslichtes, das Blau des Himmels, das lachende Grün der pflanzen rufen auf unser Empfinden einen erheiternden, lebensfreudigen Eindruck hervor, während uns dje grauen Wolken eines Herbsthimmels, das Fahle der Erde, das Gelb und Braun der Blätter und Pflanzen im Spätherbst, die Dunkelheit der Nacht ernst, schwermütig und traurig stimmen. Auch viele wilde Völkerstämrn? zeigen eine große Furcht vor der Dunkelheit der Nacht, und bei den Alien schon galten die hellen Farben als ein Symbol des Frohsinns, der Lebenslust, während die dunklen Farben, hauptsächlich das Schwarz, zur Charakterisirung, des . Schmerzes, der Trauer, der düstern Stimmung verirendet wurde. Nach Bruasch stimmt die bis in das 28. Jahrhundert vor Christus festgehellte Farbensymbolik der Egypter mit der unserigen völlig überein: Weiß war ihnen das Sinnbild der Heiterkeit, der Freude am Dasein; mit dem Hellen und Weißen verknüpften sie das Symbol fleckenloser Herrlichkeit, die ihr makelloses Innere äußerlich durch die Kleidung bezeigen sollte. Bei Sen ölten Römern hatte bloß der freie Bürger das Recht, eine weiße Toga zu tragen. Auch die Fetischpriester von Akanta tragen nur weiße Gewänder, da ihnen die weiße Farbe als Symbol lix Reinheit gilt. Das weiße Kleid fces Kindes und der Braut sollen bei uns ja dasselbe versinnbildlichen. Grün, die beliebteste Farbe der alten Egypter, gal! damals, wie noch heute, als Symbol der Hoffnung, Blau diente schon bei den Alten zur Symbolik der Treue: blaue Steine und dun- ' kelblaue Gewänder galten bei den Ägyptern als ein probates Mittel, treue Gesinnung zu offenbaren und sich den Schutz des Himmels zu sichern. Die Kundgebung der Trauer bestand bei allen Böllern des Alterthums im Anlegen eines dunklen, meist schwarzen Gewandes. Unter den römischen Kaisern kam dann zwar die Sitte auf, iasj die Frauen zur Trauer weiße Kleider anlegten, auch geschah dies zuweilen im Mittelalter dennoch waren das nur vorübergehende Moden, die bald wieder dem Schwarz als dem geeignetsten Traucrsymbol Platz machten. Nach Klemm tragen die Frauen an der Sierra-Lcona-Küste als Zeichen der Trauer schwarze Mützen und Halsbänder, die aus schwarzen Sainenkörnern gemacht sind, während die grauen des amerikanischen Indianerstammes Eoroados sich zur Trauer .schwarz bemalen. Die Frauen der nordafrikanischen Beduinen weichen biervon insofern ab. als sie sich zur Trauer acht Tage hindurch die Hände und Füße mit Indigo blau bemalen; während dieser Zeit genießen sie aber kein: Milch, da ihnen die weiße Farbe zur Trauer doch nicht passend erscheint. Wenn also auch nicht bei allen Bölkern die Farben die gleiche Bedeukung baben, so suchen sie doch sämmtlich tederzeit durch eine bestimmte Farbe ihrem Gefühl Ausdruck zu geben. Die Südosi-Australier bemalen nach Ratzel iüren Körper am liebsten weiß.schwarz ode? roth. Dieser allgemein verbreiteten Sitte scheint eine tiefer: Bedeutung zu Grunde zu liegen: Roth ist die (eilige Färb: und gilt nicht bloß als Symbol des Zornes und Krieges, sondern wird auch bei solchen festlichen Tänzen, die eine religiöse Bedeutung haben, verwendet. Gelb und Roth gelten bei den Anhängern Buddhas als heilige Farben; daher tragen z.B. alle Tataren, und zwar Frauen und Männer, in ihren Mützen ein viereckiges Stück gelben Tuches, das mit einer rothseidenen Quast: versehen ist; wer sich den Luxus einer seidenen Troddel nicht leisten kann, der befestigt wenigstens ein Fleckchen rothen Stoffes auf seiner Mütz: als Zeichen seiner

Glaubens- und' 'Stammesanzehongseit. In den Nationalfarben haben die moderrren Kulturvölker ebenfalls Abzeichen von bestimmter Symbolik. Der Preuße singt: Die Fahne schwebt mir schwarz uud weiß voran," und gsbt die Bedeutung dieser Farben an. Die Vereinigung Englands, Schottlands und Irlands wird durch die aus den Kreuzen des St. Georgs-Andreas-und St. Patricksordens.aus Roth-Blau-Weiß, bestehende britische Unionsflagge fymbolisirt, und die französische Trikolore dient zur KennZeichnung der Vereinigung des Königthums mit dem Bürgerthum: fcfc weiße Flagge der Bourbonen. in der Mitte der beiden Pariser Gtadtfarben. Deutlich, ist auch die Entstehung der Farben von Helgoland: roth die Felsenkant,, weiß der Dünensand und

farün das Rasenland dieser Insel. So wlchtn die Farben heute noch im Verkehrsleben, der Völker sind, so unwesentlich' wird ihre Bedeutung nacr) und nach für den einzelnen. Je mehr sich unfer Gefühlsleben verinnerlicht. um so geringer wird naturgemäß unser Bedürfniß nach all diesen äußerlichen Merkmalen, die die Menschheit, in ihrer Kindheit und in der Uncultur zum Ausdruck ihres Empfindens brauchte. Fatme und Said. ' Der Pascha von Botschibimbutfchibaubau, Der hatte eine schöne Sklavin, schau, - schau! Der Pascha aber war schon alt, ach herrjeh. Und sie war erst sechzehn Lenze, o weh! Die reizende Kleine hieß Fatme ei, ei, Sie fand viel zu kalt den Alten, o waih! Said Bimbam ben Babl war auch noch da, Und der war erst zwanzig Jahre! Na, na? Der war doch viel wärmer, die Kleine war froh, O Seid, was machst Du? " Der Pascha! oh, oh! Dem Pascha verräth's ein Eunuche, o pfui! Der wüthet und kochte Verderben! Hui, ' hui! Er holt einen riesigen Sack aus dem Haus, Und sandte nach den Verliebten, o Graus. In den Sack mit den Beiden und fest schnürt ihn zu. Dann werfet den Sack in das Meer! Hu, hu! Der Sack aber hatte ein Loch, groß genug. Daraus entwischten die Beiden, guck, guck! Die Geretteten wurden dann Mann und Frau, Und Kind etcetera pp! Schau, schau! Doch bald ändert die schöne Fatme sich, ei. Und zankt und keift! Said jammert: O waih. Ach, wenn ich doch damals ersoffen wär, Oder sie ! Ja lieber sie ! Parole d'honneiir!" Der Pascha von Botschibimbutfchibaubau Lag heiter auf seinem Divan! Schau, schau! ' Seltsamer Wunsch. Die Gattin des Gatyrikers John Dryden, Elisabeth Howard, beklagte sich häufig darüber, daß ihr Gemahl sich um seine Bücher mehr bekümmere, als um ihre Person. Kannst Du mir es verdenken, wenn ich bisweilen wünsche, selber ein Buch zu sein, damit Du Dich mehr mit mir beschäftigicst?" Ein Buch, meine Liebe?" rief Dryden, "in der That, ein vortrefflicher Gedanke. Noch lieber aber wäre es mir. wenn Du ein Kalender wärest!" Warum ein Kalender?" fragte die Gattin verwundert. Nun, weil ich Dich dann alle Jahre neu bekäme!" y Auf dem Schützenfest. Was. Müller, Du kommst doch noch zum Skat? Wie' in aller Welt bis Du denn Deine Alte losgeworden, mit der wir Dich vorhin noch auf dem Schützenplatz sahen?" Müller: Ja, wißt Ihr, das machte sich ganz leicht; wir kamen gerade an einer Schießbude vorbei, traten naher, und sie äußerte den Wunsch, auch mal zu schießen. Das war mir gerade recht, ich hab sie einfach schießen lassen!" I m Zoologischen Garten. Sohn: Papa, was ist denn das für ein Thier?" Vater: Das ist ein Dromedar, mein Sohn." Sohn: Wir haben doch eben ein Dromedar gesehen, das hatte nur einen Höcker." Vater: Na ja, das ist eben ein buckliges Dromedar." AucheinMonolog. Daß i' so ein arger Bummler bin, ärgert mi' nit, daß aber mei' Sohn jetzt anfängt, mir ganz g'waltig Concurrenz z' mach'n, dees fuchst mi' verteufelt!" NachihrerAuffassung. Major (liest ein Kapitel aus dem deutsch-französischen Krieg vor): De? Lieutenant rückte entschlossen vor, jedoch der Oberst befahl ihm anzuhalten . . ." Tochter: Hatte der Oberst denn eine Tochter?" Mißverstanden. Frau : Du, Mann, das Kind schreit, geh, thu' es doch ein bischen wiegen.'" Mann (kommt -schnell zurück). Frau: Nun, das Kind schreit noch immer?" Mann: Aber ich hab es gewogen, wiegt 18 Pfund!"

Im Weiche der Mode. In der diesjährigen Saison bringt di: Mode eine überraschende FarbenPracht. Sie macht höchst gewagte, aber auch höchst feinsinnige Farbenc'ombinationen,. und beschränkt sie sich bei iner Toilette wirklich nur auf eine Farbe, so nuancirt sie sie mindestens. Als' sehr wirkungsvoll darf man die in der ersten Illustration veranschaulichte Toilltte bezeichnen, die aus erbsgelbem Tuch und goldbraunem Seidenplüsch besteht. Der glatte 'Rock ist hinten mit drei Rollfalten gearbeitet, die eine Einlage von Roßhaarsioff haben. Der angesetzte, vorn auseinandertretende. daselbst 16 Zoll lange Schooß der Jackeukaille ist hinten eschlitzt und mäßig 'gekräust, wogegen er nach dem Rande hkn sehr tollig fallt, da dieser durch den'runden Schnitt des Schooßes eine Weite bon mehr als

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Toilette aus Tuch. 2 1-2 Jards aufweist. Der seidenen UntertaiÜe sind, eine Weste nachahrnenl), kleine Schooßtheile, sowie ein Latztheil aus weißer Seide aufgesetzt, die mit schwarzen, bronzefarbenen und Goldperlen bestickt sind. Den sehr breiten Aufschlägen der vorn übereinandertretenden Jackentaille schließt sich ein auf den Schultern in langen Spitzen verlaufender, hinten 5 1-2 Zoll breiter Kragen an. Ueber diesem befindet sich ein ziemlich hoher Mediciskragen aus Chinchilla, und auf den großen Plllchrevers ruhen kleinere, triangelförmige Aufschläge desselben Pelzwerkes. Sehr weite, lose fallende Keulenärmel und vier große, elegante Perlmutterknöpfe mit facettirtem Stahlrand vollenden die fesche Toilette. . ,V .: - " 1 Besuchs- und Straßena n z u g. Gleichfalls recht chic, wenn auch weniger reich erscheint der Straßenanzug, der in Figur 2 dargestellt ist. Er besteht aus grauem Tuch mit einem bauschigen Einsatz aus Sammet, der für Besuche u. f. w. durch einen hellen oder andersfarbigen Einsatz aus- Tuch, Sammet oder Seidengaze ersetzt werden kann. Der glatteRock ist am unteren Rande nur' einigemale durchsteppt. Auch der Paletot ist von bemerkenswerthe? Einfachheit sowohl im Schnitt als im Ausputz. Der letztere besteht nur in breiten Aufschlagen aus Sammet und in einen halben Zoll breiten, - aufgesteppten Tuchstreisen, welche die Ränder des Paletots und die Taschenpatten begrenzen. Der Schnitt des Paletots hat die gerade, sackartige Form und ist hinten ohne Naht, wenigstens in der Mitte, während' die beiden Seitennähte nur eine schwache Ausbiegung an der Taille zeigen. StraHencostüm. Höchst feinsinnig in der Farbenstellung ist das Straßencostüm (Figur 3), das aus olivefarbenem und mattblauem Tuch besteht. Dem auf hellblauer Seide gearbeiteten, hinten mit Roßhaareinlage versehenen Rock ist. am unteren Rande ein blauer Tuchstreifen aufgesteppt, der sich auf dem vorderen Theil desselben in Bogen erhebt und mit drei Viertel Zoll breiten, olivefarbenen Tuchstreifen besetzt ist. Die Taille wird im Rock getragen und mit

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einem Gürtel umschlossen den vorn zwei Rosetten zieren. Im Rücken ist die Taille ganz ohne Naht gearbeitet und in der Mitte 'mit einer, eingestepp5en, zwei Zoll breiten, geradenQuetschfalte ausgestattet. Auch die Vordertheile haben an jeder Seite eineflache, schräg gelegte Falte, über welche sich die ' breiten, unten spitz verlaufenden Aufschläge aus blauem Tuch legen, die mit -sich kreuzenden, olioefarbenen Streifen hesteppt sind. Den Aufschlägen schließt sich ein Umlegekragen an. der sich nach den Seiten stark verbreitert und in tiefen Spitzen bis auf'"die Aermel fällt. Die Aufschlag begrenzen eine hellblaue Tuchweste mit einem Plastron aus hellblauer Seidengaze und gleichen, vollen Rosetten an dem Stehkragen. m Recht apart wirkt der Aermel, der oben seqr weit ist, den un'teren Theil des Armes ziemlich anschließend umspannt und sich nach der Hand hin durch eine kelchförmige Manschette erweitert, die außen mit blauem Tuch, innen mit blauer Seide bekleidet und mit grünen Tuchstreisen besteppt ist. . . AcrMalzcrkomg. Der ruhmreiche Beherrscher aller geschwungenen und noch zu schwingenden Tanzbeine, Johann Strauß, hat unter riesig Theilnahme aus Nah und Fern in der lustigen Kaiserstadt an der Donau sein 50jähriges Jubelfest als Dirigent gefeiert. Am 15. October 1844 hat der Jubilar zum ersten Male am Dirigentenpulte gestanden und die 50. Wiederkehr dieses Tages ließen die Wiener nicht vorübergehen, ohn: ihrem weltberühmten Landsmanne die überschwänglichsten Huldigungen darzubringen, zu denen sogar amerikanisch: Bewunderer Abordnungen entsandt hatten. Das erste öffentliche Auftreten Johann Strauß' fand beim Dommayer" in Hietzing statt und zwar war das erste Stück, das der Debütant dirigirte, die Ouvertüre zur Stummen von Portici": Dann folgten vier neue eigene Compositionen: der Walzer Die Gunstwerber", die Polka Herzenslust", die D:öüt-Quadrille" und der Walzer Sinngedichte". Erst dieser letzt: schlug ein, schlug durch, rasender Jubel erscholl und fünfmal mußte der junge Strauß die Sinngedichte" wiederholcn. Jetzt stand er da als gemachter Mann, Wien war erobert. Sein Vater war gar nicht anwesend, denn er fühlte sich als glorreicher Besiegter. Hatte er doch seit dem 25. October 1825, dem Tage nämlich, an dem ihm dieserSohn geboren worden, daran festgehalten, daß der Junge kein Musikant, sondern etwas Ordentliches" werden sollte. Er ließ ihn vier Klassen im Schottengymnasium durchmachen und schickte ihn dann auf die Handels schule. Allein der kleine Johann war bereits wirklicher 'geheimer Musikus und hatte schon im siebenten Jahre, ein Walzer-Mozart, in der Sommerfrische zu Salmannsdorf seinen ersten Walzer (Der erst: Gedanke") componirt. Des Vaters Schulzwang lastete schwer auf ihm und seinem Bruder Joseph; heimlich 'spielten sie mit, vierhändiger Begeisterung die Walzer des väterlichen Tyrannen, die sie nachgerade unübertrefflich vortrugen. Di:

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, Der Jubilar Strauß. beiden Knaben wurden deshalb viel in Gesellschaften geladen und entzückten alles durch ihre Specialität". Endlich erfuhr es Vater Strauß und sie mußten ihm vorspielen. Die Thränen traten ihm in die Augen, als er hörte, wie völlig "in seinem Geist, mit seinem feurigen Rhythmus und seiner wiene-rischen-Anmuth die Jungen ihm zu spielen wußten. Allein bekehrt war er noch immer nicht. Heimlich mußte Johann seine Musikstudien fortsetzen; er gab Klavierstunden, um Violinstunden nehmen zu können. Generalbaß und Eontrapunkt lernte er und KirchencomPositionen waren 'die ersten Früchte davon. Die Nothwendigkeit, sein Brot zu erwerben, führte ihn zum Walzer zurück. Die Verleger zahlten damals 40 Gulden für ein Tanzstück. Für die Blaue Donau" erhielt er später ein Honorar von 500 Gulden; abnte doch Niemand, welche Beliebtheit . dieses Meisterstück erreichen würde. Der Verleger selbst erröthete später üler sein gutes Geschäft und leistete ein Nachtragshonorar. -Nun denn, als Vater Strauß sah, daß sein Sohn an der Spitze eines selbstgedrillten Orchesters so glänzend gesiegt hatte, ergab er sich und bot ihm eine Stellung in seiner Kapelle an. Strauß Sohn blieb jedoch lieber selbstständig, obgleich er vorerst in Wien nichts machen konnte, da alle vornehmeren Säle und Gärten sich verpflichtet fühlten, dem altberühmten Strauß Vater treu zu bleiben. Da begann der Sohn zu reisen und dirigirte unter anderem elf Sommer hindurch in Petersburg täglich ein großes Concert. Im Jahre 1848 war er Kapellmeister der Wiener Nationalgarde, während

sein Vater das gleiche Tyrtäusamt bei dem ersten Vürgerregiment bekleidete. Große Revolutionäre freilich waren sie, beide nicht. , Erst nach des Vaters Tode (1849) übernahm der Sohn dessen Orchester, an 'dessen Spitze er 1863 k. k. Hofballmusikdirector wurde. Gegen 500 Tanzstücke hat Johann Strauß geschrieben und sie geben seit einem Menschenalter den Ton an in allen Ballsälen, der Welt. An der schönen blauen Donc?u" war schon Opus 317, im Jahre 1867! Wichtig im Entwickelungsgange der Straußschen Musik ist die Blaue Donau", weil sie der erste Gesangswalzer des Künstlers ist und zu seinen Operetten hinüberlcitet. Soll man noch andere seiner Tanzweisen hervorheben? Wiener Blut", Wein, Weib und Gesang", den Kaiserwalzcr", G'schichten aus dem Wienerwald", Hesperuspolka", Tausend und eine Nacht", Freut euch des Lebens", Seid umschlungen, Millionen" u. s. w., u. s. w. Zur Operette wurde Strauß durch Maximilian

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Johann Strauß, Vater. Steiner, Director des Theaters an der Wien, gedrängt, der ihm auch das Libretto von ..Indigo" (1871) schrieb. Den größten Operettenerfolg hatte Strauß mit der Fledermaus" (1874, in Paris als La Tsigane" 1876), einer wahren Weltoperette, deren Werth aber seltsamerweise anfangs nicht erkannt wurde. Glänzende Erfolge wa-ren-dann noch Karneval in Rom" (1872), Der lustige Krieg" (1881) und besonders Der Zigeunerbaron" (1885). Auch .Das Spitzentuch der Königin" (1883) und Fürstin Ninetta" (1893) erwiesen sich sehr lohnend. Wie einst Offenbach (Die Rheinnixen"), so klopfte auch Strauß gelegentlich an das Thor der Wiener Hofoper (Ritter Pasman" 1891). Sein neuestes Werk, das übrigens noch im Werden begriffen ist, ist eine Operette; dieselbe heißt Jabuka oder das Apfelfest" und behandelt einen Stoff aus dem serbischen Volksleben. Der Meister fühlt sich trotz seiner vorgeschrittenen Jahre noch frisch und rüstig zum Schaffen und die Erwartung, daß er die Mitwelt mit weiteren anmuthenden Melodien erfreuen wird, erscheint deshalb wohl berechtigt. SchwerGewicht. s2P 1. Bauer: Was ist denn mit Dir, Seppel? Warum bist denn gar so müd?" . . 2. Bauer: Ja i muß so schwer tragen, i hab' in der Stadt Geld wechseln lassen." 1. Bauer: Was hast enn ein'wechselt, daß 's gar so schwer is?" 2. Bauer: '497 Mark in Silber und 3 Mark in Bier!" ' Qual. Sie kokettirt mit schönen Herr'n, Mir will das Herz 'schier brechen. Ich will sie warnen, möchte gern Im Ernste zu ihr sprechen. Doch fang' ich an,- so schmeichelt sie. Ich solle doch nicht dumm sein, Sie küßt mich, setzt sich auf mein Knie, Ja, muß ich da nicht stumm sein?! - Consequent. Dame der alten Sitte: Sie haben ein Töchterchen bekommen? Gratulire! Emancipationsheldin (mit kurzem Haar, in Männer-Anzug): Ja, noch sind wir nicht so weit, wo wir diese Ungercchtigkeit aus der Welt schaffen. Dame der alten Sitte: Ihr Töchterchen heißt Anna? Emancipationsheldin : Nein, sie soll sich bei Zeiten an das gleichberechtigte Beinkleid gewöhnen und wird deshalb H o s i anna getauft! . Ein unglückliches Weib. Sie: Paul, das thut weh! Ich weiß es ja, ich seh' es ja, daß Du mich nicht mehr liebst!" Er: Aber liebe Frau, soll ich Dir denn noch öfter meine Liebe schwören?" Sie (schluchzend): Nein, nein ich glaub' es nicht! Eine Frau mit einem so alten Hut kannst Du ja gar nicht lieben!" G e m ü t h l i ch. Richter: Der Gerichtshof hat Sie. zu zehn Jahren Zuchthaus verurtheilt Angeklagter!" Angeklagter: Na meinetwegen; das soll uns .nicht abhalten, vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken!"

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. Der schlaue Vrudcr ZtMo. Die Berechtigung des Ausdruckes Pech" war ihm nie mehr zum Bewußtsein gekommen als heute, wo er im Spritzenhause zu-E., einem Bororte von L., wegen grober Ruhestörung internirt saß. Mußte er, der studiosus medicinae Karl Friedrich Schulze,denn gerade heute auf dem Tanzboden den großnäsigen Malerssohn treffen, mit dem er regelmäßig Streit bekam? Erst gehauen, dann arretirt, der ihm bekannte Herr Bürgermeister, dessen Intervention -ihn vom Sitzen" retten sollte, verreist, u;;d er durch den pflichteifrigen Nachtrath in das Spritzenhaus gesperrt; das waren nun die Folgen! Und dabei erst neun Uhr. und vor früh sieben Uhr kaum Aussicht auf Befreiung. Sollte er die wacklige Thüre eintreten? Die Flucht hätte ihm der gemüthliche Bürgermeister wohl verziehen, die Sachbeschädigung nicht. Doch sieh' da! Durch das Dach blinkt ein Stern, demnach muß ein Loch vorhanden sein! Gewandt schwingt sich Schulze auf die Spritze,

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zrrrr vorsichtigt hebt er um die Oeffnung ein paarZiegel aus, dann einSchwung, und er ist auf dem Dache, eine kurze Kletterparthie, ein dumpfer Fall und er ist, em zweiter Casanova, sen Bleidachern entronnen. Die tiefe Stille, die um ein Uhr nach Mitternach über den einsamen Straßen der Universitätsstadt L. liegt, wird plötzlich durch wildes Schreien und Toben unterbrochen. Em anae zechter Studio wehrt sich wie ein Verzweifelter gegen zwei Nachtwächter, die ihn bei dem Laternenauslöschen erwischt haben und zur Wache , führen wollen. Mit Kraft stößt er den Einen vor die Brust, daß er sich unsanft zu Boden setzt, und verschwindet mit Riesenschritten dem Andern im Dunkel der Nacht. Ihm nach aber schallt der Drohruf des einen Wächters: Ich kenn Sie schon, Herr Schulze, das wird Ihnen schlecht bekommen!" Eine Stunde später wandern zwei Gestalten eilig auf der Landstraße nach E. zu. Flüsternd ertheilt der eine Aeltere dem Andern Instruktionen. Also Leibfuchs, wohl verstanden! Wenn sie mich diesmal fassen, ist mir das Consilium sicher; so vermeide ich es vielleicht. Da liegt das Spritzenhaus. Also vorwärts, und keinen Lärm gemacht!" -r?2 ts 'r ' ! o Vorsichtig klettert der Sprecher mit Hilfe seines Begleiters auf das niedrige Dach und verschwindet durch ein Loch desselben. Der andele Nachtwandler entfernt sich lautlos. Vor dem Schöffengericht der alten Universitätsstadt L. steht der studiosus medicinae Karl Friedrich Schulze, angeklagt wegen groben Unfugs, nächtlicher Ruhestörung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Mit ernsten Gesichtern blickten, die Schöffen auf den verdorbenen Musensohn, dessen Schuld durch die Aussagen zweier Nachtwächter bewiesen ist und den nach feinen vielen Vorstrafen eine empfindliche Geldstrafe, vielleicht sogar Haft erwartet. Auch der Herr Amtsrichter, der sonst ein. milder Beurtheiler toller Streiche ist, macht eine ernste Miene bei seiner Frage: Was haben Sie auf die Anklage zu erwidern?" Nichts weiter, als daß ich unschuldig bin." Wie wollen Sie das beweisen?" Sehr einfach. Dcr Thäter dieser verabscheuungswürdigen Thaten kann Ich nicht gewesen sein, weil ich in selb!ger Nacht im Spritzenhause zu E. gesessen habe!" Großes Erstaunen, namentlich von Seiten der Nachtwächter.

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Hier", fährt 'Schulze mit eleganker

Handbewegung nach der .ersten Zuschauerbank fort, Herr Amtsdiener Müller wird mir gern bezeugen, daß er mich in fraglicher Nacht um neun Uhr in das Spritzenhaus gesperrt und Morgens sechs Uhr im Beisein des Herrn Amtmanns von E." aber mals elegante Handbewegung nach einem dicken, jovial lächelnden Herrn auf der ersten Bank, wieder daraus entlassen hat." Triumphirend blickt Schulze umher, erblassend sehen sich die beiden Nächträthe an. Die Zeugen werden vernommen und bestätigen Schulzes Angaben. Der Gerichtshof verkündet nach kurzer Berathung Schulzes Freisprechung. Stolz erhobenen Hauptes schreitet dieser hinaus.ihm. folgen kopfschüttelnd die Nachtwächter. Du, wenn er's nicht war,war's sein Geist," flüstert der Eine. Und er war's doch!" murrte der Andere. Geladen. Gattin: So, also jetzt, um zwei Uhr morgens, kommst Du nach Hause? Eduard, ich bin bis obenhin geladen!" Gatte: I ich auch, süßer Engel, ich auch!" ; Parallele. 5 i-iift.&4 !W Wie entsetzlich! Doktors Guste hätte wirklich einen Clown geheirathet?" Na, was ist Arges dabei! Wie mancher Andere ist für seine Frau auch nur der dumme August!" In der Stadt des Pschorr. Weißt, Minnerl das Lucifer! da sauft heut's Bier mit mehr Durst als wia i! Sacra, was is dös? ' Hab's a schon g'spürt, Alter.hast heute erst neun Maß und a halbe wirst mi doch nit krank werd'n? Kasernenhofblüthe. UuTTy , f. v ' s : ' & 'S V rzs Tempo, Tempo, nicht so rasch mar schieren sobald die Kerls in die Nähe .der "Kantine kommen und den Wurst- und Krautgeruch in die Nase bekommen, sind sie nicht mehr zu hal ten!" Guter Rath. Bist du verliebt in ein schönes Gesicht, Bedenke, eh' du dich erklärst. Ob du sie liebtest auch weniger nicht. Wenn blind du wärst. Gewitzigt. Dame (laut): Wie ungalant von einem Herrn, einer Dame den Platz nicht anzubieten." Herr: Verzeihen Sie, ich habe schon einmal Eine sitzen lassen, und die hat mich auf Schadenersatz verklagt." I n' s Stammbuch. Ja den Staub tonnrn sie Dich ziehen; erniedrigen kann Dich Niemand, als Du selber:-

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