Indiana Tribüne, Volume 18, Number 47, Indianapolis, Marion County, 4 November 1894 — Page 3
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Erdjjöfiie Des Ccficns. Roman von ZZ. Zlkedek-Ayrens. (13. Fortsetzung.) Ein am Ausgang sitzender Herr hat -sie die Kajüte verlassen sehen, er hört den durchdringenden Schrei, das Aufschlagen im Wasser und stürzt hinaus; er sieht das entsetzliche, ruft um Hilfe und das Dampfboot wird gestoppt. 'Dort, schon in einiger Entfernung, tauch! der Körper des Mädchens, ge tragen von den Wellen, noch einmal auf. dann ist er' verschwunden. Alle Rettungsversuche sind umsonst; das Schiff setzt sich von neuem in Beweguiig, und am folgenden Morgen brin gen die Zeitungen unter anderm die kurze Notiz: Tragisches Ereigniß. Mit dem 'Dampfboot Maria" fuhr gestern Mend eine gut gekleidete junge Dame ?iach St. Domingo; in der Mitte der L3ai angekommen, verließ sie plötzlich die Kajüte und stürzte sich in's Meer; alle unternommenen Versuche, die Vedauernswerthe zu retten, fielen fruchtlos aus. Die Motive zu der verzweifelten That sind bis dahin völlig unbeZannt." Früh am Morgen erhielt auch Kon'stanze den an sie gerichteten Brief der -chwesier; ihre Augen blieben irnna türlich trocken und kein Schrei entrang sicb der Brust, dieser Schlag war selbst für das starke Herz zu viel; sie brach zusammen und lag regungslos, die Stirn im Staube und nur das Rumpfe Bewußtsein, von jetzt an einen Schmerz tragen zu müssen, für den es leinen Trost und keine Erleichterung gab, legte sich bleiern auf ihre Seele. 'Als sie .später die Mutter allmählich ouf das traurige Ereigniß vorbereitete, äußerte diese nach langem, wortlosen Daliegen: Anstatt mich alte, kranke Person 3?om Leben zu erlösen, nimmt das erbarmungslose Schicksal mir meinKind, ein blühendes, junges, hoffnungsvolles Dasein! Und da soll der gequälte Mensch nicht Rechenschaft fordern von 'der ungerechten Vorsehung und fragen: .'Warum, warum?! .Nicht mal der Wunsch zu sterben wird einem erfüllt uf dieser schrecklichen Welt!" Konswnze schwieg; es kommen Minuten, da auch der glaubensfreudigste Mensch bis in das tiefste Innere erZittert und irre wird an der gerechten und liebevollen Weltordnung. Minuten, da selbst dem klareren, doch immer irdisch eng begrenzten Blick des armen Sterblichen die oft unbegreiflichen Wege des ewigen, lichtvollen Ge--setzes im Weltenall, das alle seine Geschöpfe in gleicher Weisheit und Harxurnie umschließt, dunkel und unverständlich erscheinen. 3C 3C st . Im sonndurchglühten Park der Pal--menvilla singen die Vögel in den lieh ten, farbenprangenden Morgen hinein und heitere Ruhe liegt nach dem ftürrnischen Tage auf der sriedensvoll schaffenden Natur. Auf den kiesbedeckten Wegen schreiitt, mit der Gemächlichkeit eines Man--nes, der keine kostbare Zeit zu verlieren hat, die lange Pfeife im Munde, -Oberst von Weddingen dahin, hier eine "vom Sturm geknickte Pflanze aufrichtend, dort,eine verwelkte Blume entfernend; und" auch auf seinen offenen Lügen liegt die zufriedene Ruhe eines Menschen, der das feine geordnet hat und dankbar die wenigen schönen Tage entgegen nimmt, welche die Vorsehung ihm noch zu schenken gewillt ist. Im Eßsaal, wohin ebenfalls durch Yit von blühenden Ranken umwachserien offenen Fenster die Sonnenstrahlen freundlich dringen, befindet sich Valeska, beschäftigt, noch einiges auf fcern gedeckten Frühstückstische zu ordrien; der Gärtner hat soeben einenKorb voll herrlicher Blumen abgeliefert, die thaufrisch und sammetartig in ihrer lieblichen Unschuld leuchten, aber Valeska beachtet sie nicht, ihre gealterten Züge bleiben finster; denn in der Brust gährt und wühlt es von unterdrückter Wuth. Onkel Karl hat zu morgen wieder den Rechtsanwalt bestellt, in dessen Händen sich bereits der zur Ausarbeirung übergebene letzte Wille des alten Herrn befindet, und nach einem flüchtgen Blick auf das Papier mußte sie gewahr werden, daß von der für sie bestimmten Hälfte des Nachlasses noch eine kleine Summe für Frau Rosalie Degen, geborene Blume, abfiel, eine gräßliche Person, die sich endlich als Danielas Mutter entpuppt! Ein wahrer Regen von fortgesetztem Mißgeschick hatte sich während der letzlen Monate auf sie ergossen; auch der "Plan einer Heirath Rezinens mit Graf Romano mußte nun als vollstän"big gescheitert betrachtet werden; nach mehreren sehr bösenAustritten zwischen Mutter und Tochter war jedoch seit etwa einer Woche ein großer Waffenstillstand eingetreten, da Regine es absichtlich vermieden hatte, der Mutter -neue Veranlassung zu dergleichen im "liebsamen Vorgängen zu geben. Doch beruhte das im Grunde nur auf berech--nender Klugheit und glich der Ruhe vor dem ausbrechenden Sturme, der jetzt Glicht länger hinausgeschoben werden konnte; denn unerschütterlich entschlafsen,' allem Trotz zu bieten, wollte Regine ihr Lpold gegebenes Versprechen halten und die äußersten Versuche wagen, Äre beiderseitigen Verhältnisse in eine Bahn zu leiten, die zur baldigen Vereinigung führen würde; nach reiflichem Ueberlegen war sie denn auch über diesen wichtigen Punkt mit sich in's Reine gekommen. Regine 'wollte fiä) Romano vollständig anvertrauen, in dem Grade, wie er sich für die Rombecks interessirte, würde er zweifellos einwilligen, Leopold und ihr zu helfen, indem er ihnen nach ihrem Vorschlag
das so heiß erstrebte Glück der Verbindung ermöglichte. Jetzt wurde die zum Korridor fiih rende Thür geöffnet, Regine trat herein, morgenfrisch; die üppigen Formen umschloß ein duftiges. zartgrünesKleid, auf dem bräunlich schimmernden Haar saß ein runder weiße? Spitzenhut mit Rosen; ai'L , ihrem vollen runden Gesicht sprach ein ruhiger, verklärterAusdruck, der Widerschein innerer, seliger Befriedigung. Regine erschien durch ihre Liebe veredelt und verschönt. Guten Morgen, Mama," begann sie, am Tiscke stehen bleibend, den langen dänischen Handschuh zuknöpfend, ist es schon Zeit zum zweiten Frühstück? Ich habe keinen Hunger und möchte mich entschuldigen." Ich dächte. Du könntest eine passendere Zeit zu Deinen Ausgängen wählen." entgegnete Frau von Hasselbach äußerst schlecht gelaunt, obgleich ich seit lange keine Rücksicht mehr von Dir gewohnt bin." Ich will nach Santa Theresa, um Graf Romano kurz vor seiner Sprechstunde zu treffen; es ist. eine dringende Angelegenheit, über die wir zu verhandeln haben." Was soll denn das "wieder heißen?" fragte Va:?ska. indem sie einen Teller unwirsch zur Seite schob, gutes auf seinen Fall, nachdem ich gewohnt geworden, nur unangenehmes durch Dich zu erfahren!" Vib nur diesen pathetisch abstoßenden Ton auf, Mama, mit dem erreichst Du ja doch gar nichts, lieber laß uns
vernünftig zusammen reden; Romano wird Leopold Rombeck zu einer ausreichenden Existenz verhelfen, ich weiß das bestimmt und mochte Dich deshalb bitten. Mama, Deine Einwilligung zu der Verbindung nicht langer zu versagen; es kommt ja doch schließlich nichts bei dem starrsinnigen Auflehnen dagegen heraus. Meinst Du? das wäre doch, einem achtzehniähriaen, unmündigen Mäd-. chen gegenüber!" rief Valeska hohnvoll. Sollte Leopold Rombeck m der That die Dreistigkeit haben, bei mir um die Hand meiner Tochter zu werben, so müßt? er doch als ersteGrundbedingung tm Stande sein, ihr eine sorgenfreie Existenz zu bieten, meines Wissens aber besitzt der hoffnungsvolle Herr Kommis außer seiner Schönheit keinen rothen Heller." Da hast Du recht; zu unserem Plane ist das indessen auch nicht nöthia. Leopold wird umsatteln, er könnte sich zum Beispiel durch Romanos Vermittlung als Fazcndeiro (Farmer) im Urwald niederlassen. Du siehst aus diesem, daß wir entschlossen sind, uns durch nichts von unserem Vorhaben abschrecken zu lassen und sollte die Welt darüber in Stücke gehen." Valeska war jetzt mit dem Tische fertig, sie faltete die herabhängenden Hände ineinander und näherte sich Regine mit einer Miene, die halb bittere Ergebung, halb zornfunkelnde Wuth zeigte. So, das ist rn mal wieder hinter meinem Rücken, wie es Deine Art und Weise geworden, recht fein ausgeklügelt. und ich danke es Gras Romano durchaus nicht, Dir die Hand zu derartigen Geschichtet zu bieten. Unerhört! Die Idylle mit dem Urwald mag ja recht hübsch und nach Eurem Geschmacke sein, aber sie ist nicht nach meinem, und das gibt, Gott sei Dank. denAusschlag. wo es sich um die Verheirathung meiner einzigen Tochter handelt! Auch haben wir noch Gesetze, welche dergleichen Tollheiten einen Riegel vorschieben, indem sie die Verheirathung einer Minderjährgen ohne die elterliche Einwilligunz einfach nicht gestatten. Das ist Dir jedenfalls noch unbekannt." Durchaus nicht; das Gesetz ist in derBeziehung allerdings gegen uns und auf Deiner Seite; gibt aber das Gesetz der bürgerlichen Gesellschaft nicht zu, daß wir getraut werden, nun, so warten wir die'Zeit ab und gehen bis dahin einfach ungetraut zusammen fort." Frau von Hasselbach trat einen Schritt zurück, ihr Antlitz nahm eine grünlich gelbe Färbung an, und, das Bild furienhaft entfesselter Unweiblichkeit, nickte sie verzerrten Gesichtes wiederholt automatenhaft mit dem Kopfe. So weit bist Du also glücklich gekommen, höchst nett, muß man sagen! Oh, ich traue Deinem Starrkopf zu, das schamlose zu begehen, verlörenes, gesunkenes Geschöpf, das einen infamen Charakter besitzt! Vater imHimmel. was für Früchte ernte ich an meinem einzigen Kinde!" Jedenfalls nur solche, die Du gesäet hast," erwiderte Regine scheinbar gelassen. Dein Leben ist aus lauter Pose zusammengesetzt, es ist mir unmöglich, Dich zu achten, und da ich nun einmal zu einer liebevollen Tochter in Grund und Boden verpfuscht bin, so will ich wenigstens als Gattin in meiner Liebe zu Leopld ein ganzes Weib sein, in ihr aufgehen und für sie kämpfen mit dem Muthe einer Tigerin!" ' Ah," entgegnete Valeska. aus keuchender Brust, so höre denn nun auch meinen Entschluß; ich bin hierher gekommen, warum? Weil ich, mich selbst vergessend, nur an Dich dachte, Dir wollte ich eine gesicherte, glanzvolle Zukunft verschaffen, deshalb allein habe ich nahezu acht Jahre lang das erbärmliche Leben hier in klösterlicher Abgeschiedenheit ertragen, die Komödie verwandtschaftlicher Zärtlichkeit gespielt, mich willig den Launen eines alten, griesgrämigen Narren gefügt, um schließlich seiner von der Landstraße aufgelesenen Zochter wegen bei Seite geschoben zu werden wie ein uanühes Stück Möbel, und nichts zu erntcr. als die stete Besorgniß. mich von dieser klugen Person übertrumpft zu sehen und das einzuheimsen, wozu - mein Scharfsinn leider nicht ausgereicht! Und mehr noch, in meinem eigenen Kinde, für das ich mein Leben sozusogen geopfert, ersteht mir jetzt eine F:ind!n, die hohnv'oll vernichtet, was
ich mühsam aufgebaut. Aber nie gebe ich meine Einwilligung zu jener wahnsinnigen Heirath, nie so lange ich noch die Kraft besitze, einen Laut über meine Lippen zu bringen. Das halte fest, es ist mein letztes Wort!" Damit rauschte Valeska der Thür zu, welche in den vorderen Salon führte, riß sie auf und taumelte entsetzt zurück, hinter derselben stand Onkel Karl. Den Park verlassend, war der Oberst in der Absicht durch den Salon gegangen, sich zum Frühstück zu melden, als Valeskas laute Stimme, die sein Kommen übertönte, ihn unwillkürlich innehalten ließ, dieHand auf den Griff der Thüre gelehnt. Auch er nickte automatenhaft; auS seinen Zügen war jeder Blutstropfen gewichen, unheimlich blitzte es aus den stahlscharfenAugen und höher reckte sich die hagere Gestalt in dem offenen rothen Schlafrock empor; sekundenlang schien er vergebens nach Worten zu ringen, er hob nur die geballte Faust gegen Valeska, die zusammenknickend, sich am liebsten hätte vom Boden verschlingen lassen. Du ha, ha! Da kam ich ja merkwürdig zu rechter Zeit, um endlich hinter der Maske, welche Du vor mir getragen hast. Deine wahren Gesinnungen zu erkennen! Drastischer konnte wahrlich niemand in die sich selbst gestellte Falle laufen. Und einer solchen Frau, deren ganzes Sein und Trachten nur darauf ausging, mich alten kranken Mann zu hintergehen, zu beerben, Dir habe ich das liebste, was ich besitze, anvertraut, die Tochter meines Herzens, Daniela; das kann ich mir selbst nicht verzeihen! O, in der That, Du hast recht; ich muß ein jämmerlicher alter Einfaltspinsel gewesen sein, um die schmachvolle Komödie, welche Du Dein Leben lang vor mir gespielt hast, nicht zu durchschauen...." Höre auf!" schrie Valesak, mit seitwärts abwehrender Hand. Nein," entgegnete Oberst von Weddingen hart und stampfte mit demFuße auf, nicht eher, als bis Du aus meinem Munde gehört hast, daß ich Dich verachte und jeder Nest einer verwandtschaftlichen Zuneigung mit dieser Stunde in mir erloschen ist, nicht eher, als bis ich Dir bewiesen habe, daß ich nicht ganz der armselige Schwächling und Krüppel bin, iü'it Du Dir vorgestellt. Unsere Gemeinschaft ist von heute an zu Ende, magst Du oben wohnen, an meinem Tisch will ich Dich nicht mehr sehen, und was mein Testament betrifft, nun, es ist noch Zeit, die Aenderung dahin vorzunehmen, daß Daniela meine Haupt'erbin wird! Für Deine Tochter foll gesorgt werden, Du aber erhältst von dem alten Narren" keinen Pfennig." Das war zu viel, einen Schrei ausstoßend, sank Frau von Hasselbach auf das Sopha; Daniela, herbeigelockt von dem ungewöhnlich lauten Wortwechsel,
hatte die letzten Worte des erzürnten Vaters vernommen und bestürzt über den heftigen Auftritt, schlang sie ihren Arm um den Greis, während Regine die Schläfen der Mutter mitKölnischcm Wasser rieb. Danielas Augen ruhten auf der gebrochen Daliegenden, und einen Herzschlag lang erstand wohl die Erinnerung an all die gehässigen Verleumdungen, die spitzfindigen Demüthigungen, welche ihre Jugend verbit tert hatten, in ihrem Geist, doch nur einen Augenblick, dann machte das Mitleid für die so tief Gefallene der aufwallenden Empfindung der Genug thuung Platz. Mein lieber, lieber Vater, ich bin so glücklich. Dich zu haben und mache mir wirklich nicht das geringste aus dem Gelde; laß Valeska die Hoffnung des Besitzes. Du nimmst ihr sonst alles, was ihr das Dasein lebenswerth erscheinen läßt," bemerkte Daniela, im Augenblicke unbewußt der Ironie, die in ihren Worten lag. Du hast recht, der einzige Gott, zu dem sie betet, ist das Geld," entgegnete der Oberst, während sein Körper noch vor Empörung bebte und es geringschätzend um seine Lippen zuckte. Im Uebrigen bitte nicht für diese Komödiantin, meine Tochter, die selbst Dich so erfolgreich zu verdächtigen wußte, daß Zorn und Mißtrauen Überhand in mir zu nehmen drohten. O, die Weiber, das ist ja ein wahres Otterngezüchte, von dem wir harmlosen, qutmüthigen Männer uns blindlings übertölpeln lassen; pfui Teufel, wie kann ein Mensch so tief sinken und nur um des elenden 'Geldes willen seinem nächsten Verwandten gegenüber, zum Komödianten und 'Verräther weiden! In der That ein ehrenwerthes Bestreben, und fällt das Ergebniß nicht ganz nach Deinem Geschmacke aus, so ist das nur eine gerechte Strafe." fügte er, gegen Frau von Hasselbach gewendet, verächt. lich hinzu. Diese war wieder zu sich gekommen und wankte, die Hände gegen denKopf gepreßt, hinaus, im Bewußtsein des Vergeblichen einer Rechtfertigung, die es nicht gab; das einzige, was blieb, war der Versuch einer demüthigenden Bitte vor dem Onkel, und dazu mußte erst die Stunde kommen. Auch Regine ging, doch vor dem Verlassen der Villa konnte sie nicht umhin, ein gutes Wort für die Mutter bei dem Oberst einzulegen. Es war meine Schuld, Onkel Karl, ich habe Mama bis zur Besinnungslosigkeit aufgebracht durch mein Beharren bei dem Entschluß, Leopold Rombeck zu heirathen." Traurig genug,- versetzte ? : schroff, daß ein Mädchen von Deinen Jahren derartig auf einer Sache besteht, um die Mutter so in Harnisch zu versetzen; aber das ist's eben in unserer verrückten Zeit, da sitzt keine Ordre und kein Pariren mehr darin, der Geist der dreisten Auflehnung steigt den Kindern schon in die unreifen Köpfe! Schämen solltest Du Dich, Regine! Hcirathe meinetwegen wen Du willst, wenn Du's
nicht lassen kannst, mit Deiner Mutter aber bin ich fertig, sie kommt mir von heute an nicht mehr vor das Gesicht." In einem Zustande halbe: Bewußtlosigkeit erreichte Valeska von Hasselbach den oberen Salon; das war also das ffacit ihres Lebens! Schisfbruch, vollständiger Schiffbruch an allem, was sie ersehnt, erstrebt, errungen; von der abgöttischen Liebe zu dem Kinde geleitet, nur Reginens Zukunft im Auge, war sie vernichtend über andere Exisnzen hinweggeschritten, die sich jetzt drohend gegen sie erhoben. Die elende Komödie ihres Lebens war verfehlt, umsonst gespielt, und der Vorhang senkte sich nur über Trümmer.' 13. Am Strande. Gegen acht Uhr; dichter, wallender Abendnebel schwebt über den Wassern und verhüllt die Ufer; alle Umrisse verschwimmen in weiche, dunkelnde Schatten die Natur malt grau in grau; kein Stern ist sichtbar, alle Lichter scheinen erloschen und in die überirdische Ruhe dringt kein Laut der AußenWelt. Gegen ein altes Boot gelehnt, daS kieloben im Sande liegt, wartet Negine ungeduldig auf Leopolds Erscheinen; warum er nur so lange auf sich warten läßt? Sie hat gute Nachrich ten für ihn; denn Romano hat eingeWilligt, schon um der Schwestern willen, Leopold zu einer neuen Existenz zu verhelfen. Endlich erschallen rasche Schritte; aus dem grauen Nebel taucht die schlanke Gestalt des jungen Mannes und mit einem Jubelruf schlingt sie die Arme um seinen Hals; aber auf Leopolds ganzem Wesen liegt noch die Erschütterung der furchtbaren Katastrophe, die ihm Kamilla geraubt, und erst, nachdem er der athemlos horchenden Braut die Einzelheiten mitgetheilt, und ihre Thränen sich mit den seinigen vermischt, beginnt sie den Bericht. Also nun nach all dem trüben, entsetzlichen ein Sonnenstrahl, Leopold, das heißt, wenn Du die Hilfe von ihm annehmen willst; ich weiß. Du hegst ein Vorurtheil gegen Graf Romano; er will uns helfen, nachdem ich mein ganzes Herz vor ihm ausgeschüttet.Aber Regine, ich besitze wahrhaftig nicht mehr das Recht, sein Anerbieten auszuschlagen und willige in alles ein, sobald es mir nur Befreiung aus den jetzigen Verhältnissen bringt!" Das thut es," entgegnete sie freudig. Kannst. Du Dich entschließen, den Kaufmannsstand an den Nagel, zu hängen und ein freierLandmann, was man hier einen Fazcndeiro nennt, zu werden? Es wäre so viel schöner, Leopold; denn Du mit Deiner stolzen, kraftvollen Figur, die geschaffen ist zum Gebieten, paßt gar nicht zum Komptoirmenschen, dort aber im Walde bist Du Herr." Wenn auch vorläufig nur über Bäume und die etwas fragwürdigen Existenzen etwaiger Löwen und Tiger," bemerkte Leopold mit einem schwachen Versuch zum Scherzen. Doch gleichviel. Du hast recht, es ist tausendmal besser, dort Herr zu sein, als sich hier in ewiger Misere von erbärmlichen Menschen treten zu lassen; nur möchte ich wissen, wie das bewerkstelligt werden könnte." O wie herrlich, daß Du einwilligst, und wie dankbar werde ich Dir dafür sein!" äußerte Regine, sich inniger an ihn schmiegend, und nun höre: Romano besitzt, wie Du wohl schon ersahren hast, ausgedehnte Ländereien in der Provinz Minas; da ist nun ein großes Gewese mit viel Wald, von wo aus regelmäßig Holzsendungen nach Rio und anderen Städten geschafft werden. Romano ist bereit, Dir die Oberaufsicht der Farm zu übergeben, da der letzte Inspektor nach beträchtlichen Unterschlagungen durchgebrannt ist; was meinst Du dazu?" Daß mir leider jede Kenntniß die--ser Branche abgeht, Regine." Das schadet nichts; Romano sagt, es bedürfe jedenfalls für Dich nur eines Studiums von ein paar Monaten an Ort und Stelle, das übrige thäte schon die Praxis nach und nach allein; gefällt Dir jedoch der Jnspektorplan nicht, so habe ich noch einen andern in petto, gib acht." Nun?" fragte er, nicht ohne Rührung über ihren liebevollen Eifer, sich mit ihm in die Einsamkeit des Urwaldes zu begraben. Romano besitzt nämlich noch bei Campos, an den Ufern des Parahyba, ewe kleine Fazenda, nicht sehr werthvoll, weil furchtbar vernachlässigt augenblicklich; dieses weitläufige Äesitzthum, es trägt seiner wunderschönen und romantischen Lage wegen den großartigen Namen el Paraiso, das Paradies, will er uns käuflich überlassen." Aber womit dieö Paradies, da uns gar keine irdischen Mittel zu Geböte stehen, erwerben, Regine? Unterbrich mich nicht, dann wirst Du es schon erfahren; Romano ist doch so ein feinfühlender Mensch, der denkt, Dir ein Geschenk nicht anbieten zu dürfen, weil Du zu stolz sein würdest, es anzunehmen. Nun wohl, da hat er also den Kaufpreis festgestellt, nach deutschein Gelde etwa dreitausend Mark. DasKapital will er jedoch als erste und einzige Hypothek auf de fazenda ruhcn lassen und, wir sollen während der ersten fünf Jahre nur die Zinsen der Summe mit drei Prozent zahlen, nebenbei können wir indessen auch, sobald es uns paßt, die Hypothek abbe-
zahlen und sind von der Stunde an unbestrittene Besitzer des Paradieses. Wunderst Du Dich nicht über meine geschäftlichen Kenntnisse und mehr noch Über da? prachtvolle Anerbieten, Leopold? Denn als Romano fort war, hat mirDona Angela anvertraut, das Paradies sei unter Brüdern mindestens achttausend Milreis werth, und würde t noch bedeutend im Werth steifn, wenn
nächstens tn unmittelbarer Nähe eine Bahnstation gebaut wird; was sagst Du zu dem Plane?" Daß er mir wunderbar gefällt," erwiderte Leopold freudig überrascht. So etwaL bietet sich wahrlich nicht zum zweiten Mal, ein Narr, wer da nicht zugrisfe! Wir werden uns Mühe geben, die Farm so bald wie möglich unser freies Eigenthum zu nennen, Regine, und leben dann vollständig frei unter den Freiesten! Das ist nach meinem Geschmack Du siehst mich Feuer und Flamme; laß Dich küssen, Herz, für das, was Du zu Stande gebracht." Sie umarmten sich und tauschten heiße Küsse eines nahenden unendlichen Glückes. O, es wird köstlich, Leopold! Wir treiben Hühner-, Gänse-, Entenund Schweinezucht, ich lege einen französischen Gemüsegarten an. Du wirst Dein blaues Wunder sehen, was ich den Tag über alles zu schassen vermag. Ist es doch für unser Eigenthum, unsere Scholle, unser Glück; und Abends, nach des Tages Last und Mühen, lese ich Dir vor."
Leopolds Augen leuchteten auf, frohe Zuversicht scbwellt ihm die Brust und die Phantasie malt die Zukunft des selbstherrlichen Mannes, für den fortan kem Gesetz mehr exrstirt, als das, das er sich selbst gegeben, im rosigsten Lichte; denn seit lange ist diese vollkommene Freiheit das Ideal seiner heimlichen Wünsche gewesen. Nur emen recht schweren Punkt gibt es noch zu überwinden," flüsterte Re gine nach kurzer Pause, ich meine da3 Gelingen meiner Flucht aus der Palmenvilla und unsere heimliche Trauung; merkt Mama davon etwas. o wird sie es mit allen ihr zu Gebote tehenden Kräften zu verhindern wisen. Und dann begann ein leiser AuStausch zwischen den beiden nur hin und wieder durch einen Kuß oder eine Liebkosung unterbrochen, bis nach einer Stunde der ganze Plan fertig besprochen bis zum Ausführen vor ihnen lag; niemand hörte das Geheimniß derLiebenden, die Wand des Nebels trennt sie von der Außenwelt und die Wellen, die langgestreckt bis zu ihren Füßen rollen, gleiten schweigsam in das Meeresbett zurück. . Leopold hat widerstrebend eingewilligt, der letzte kühne Schritt entsprach nach dem vorangegangenen nicht ganz seinem Geschmack, doch es gab auf dem betretenen Weg nun keine Rückkehr mehr, und er führte zu einem erlösenden ausgleichenden Ziele. Eine Woche war seit diesem Gespräch vergangen, an den inneren Verhältnissen der Palmenvllla hatte sich Nichts verändert; nur Valeska empfand deutlich, daß unter den gegenwärtigen Peinlichcn Umständen die Tage ihres Aufentbaltes im Hause Onkel Karls ge zählt seien; sie war bereits so weit gekommen, nur noch die Gelegenheit abwarten zu wollen, ihn durch Bitten dahin zu bewegen, ihr wenigstens eine kleine Jahresrente auszusetzen, die sie der drückendsten Sorgen um das tägliche Brot enthob. Regine hatte sich während der letzten Zeit liebevoller gegen die Mutter gezeigt, aber an ihrem Vorhaben vermochte selbst die tiefe Niedergeschlagenheit Valeskas nicht zu rütteln; so saß sie denn am heutigen Abend in ihrem Zimmer und schrieb den um Verzeihung bittenden Abschiedsbrief, den Frau von Hasselbach am Morgen nach der Tochter heimlicher Abreise finden sollte. Nun war auch daS beendet, die Dunkelheit begann ihre verhüllenden Schleier zu verbreiten und Regine ging hinab zu Daniela, der einzigen, welche in das verhängnisvolle Vorhaben eingeweiht worden. Stille," äußerte Regine, die Jugendgefährtin umschlingend, als diese sie noch einmal beschwor, von der Flucht aus der schützenden Heimath abzustehen, das ist nun zu spät; wenn die Eltern' sich den erwachsenen Kindern gegenüber einsichtslos und als Tyrannen hinstellen, da handelt man eben, wie sie uns zu handeln zwingen. Mama wollte Leopold Rombeck nicht als Kaufmann, sie wollte ihn nicht als Farmer, so muß sie denn die Folgen ihres Eigensinns ertragen lernen! Trösie sie nur. sobald ich fort bin im Falle sie sich von Dir trösten lassen will." Dann beginnen die beiden bei verschlossener Thüre leise die letzten nothwendigen Sachen in einen kleinen Kosfer zu packen und mit laut pochendem Herzen sieht Regine von Zeit zu Zeit durch das Fenster in die zunehmende Dämmerung hinaus; um zehn Uhr soll ein Bote am Parkthor den Kosfer in Empfang nehmen. Es wird stiller in der Villa. Onkel Karl hat sich bereits zurückgezogen, Frau von Hasselbach liegt, von Migräne geplagt, auf dem Sopha, da schlägt es dreiviertel; die Nacht ist mondlos und unbewegt, sie begünstigt das Unternehmen. Leise öffnet sich eine Hinterthür und nach innigem Abschied von Daniela schlüpft Regine heraus..Einen Augenblick steht sie stille, preßt, nach oben blickend, die Hand gegen das wildpochende Herz und das Gefühl de: ungeheuren Wichtigkeit des Schrittes legt sich bang auf ihre Seele, doch nur sekundenlang, und es ist überwunden. Onkel Karl und auch Mama werden verzeihen, wenn die Trauung vollzogen ist Thatsachen wirken zwingend, und flüchtigen Schrittes eilt sie: durch den nächtlichen Park dem Ausgang zu. in dessen Nähe Leopold sie erwartet. Frei, Deine Braut und bald Dein Weib," flüstert sie, ihn umschlingend. aus tiefer Brust. Möge Gott mir vergeben, daß ich so ganz ohne den elterlichen Segen., wie ein Dieb in der Nacht, zu Dir komme." Wird es mir möglich sein. Dir daS alles vergelten zu können, meine arme Regine?" . Ja! Denn ich gehöre zu Dir. und
waS mich an Dich bindet, ist stärker
und heiliger noch, als das Band selbst zwischen Mutter und Kind." Am Bahnhof trafen sie mit Nomauo und Konstanze zusammen; Leopold hatte die Schwester eingeweiht und die Aussicht auf die lichtvollere und gestcherte Zukunft des Bruders versöhnte sie mit dem unvermeidlich damit zusammenhängenden Unternehmen der Flucht Reginens. Seien Sie ganz beruhigt, Dona Konstanze," tröstete Romano die Gebeugte, wahrend sie auf dem nachtlich matt erleuchteten Bahnsteig wartend hin und her wandelten, die beiden gehören zusammen und werden zufrieden sein; wo zwei sich derartig gefunden, ist jeder Widerstand ein thörichter, man soll sie gewahren lassen, um einen tragischen Ausgang zu vermeiden. Mit den nothwendigen Mitteln versehen, werden sie in Novo Friburgo von meinem Freunde, dem Marquis Celso Rodrigues, empfangen, der sie so lange bei sich wohnen läßt, bis die gesetzmäßige Trauung vollzogen; und das ist in diesem Falle leicht zu bewerkstelligen,. da m dem Neste em alter Protestant!scher Geistlicher wohnt, der für dieHeirathslustigen unseres Brasilien das. ist, was in Europa Grewa Green oder Helgoland bedeutet." Konstanze reicht ihm schweigend die Hand; am Eingange erscheinen Leopold und Regine, ein letztes bewegtes Danken und Abschiednehmen Umarmungen zwischen Konstanze und der zungen Braut innig geflüsterte Glückwünsche alles gedämpft unter der Gegenwart eines großen Schmerzes. Einsteigen! erschallt die schnarrende Stimme des Schaffners. Die Abtheilthürm werden schallend geschlössen, der Zug setzt sich rn Bewegung und trägt zwei glückliche Menschen in die dunkle Nacht hinaus, dem erträumten Paradiese" ibrerukunft entgegen Begleitet von Romano tr'tt Konstanze den Heimweg an, nach Hause, wo es einsam geworden, seit Kamilla, ihr Sonnenstrahl, aus ihm verschwunden; der Wunsch der jungen Todten ist erfüllt, die Wellen haben sie hinausgetragen in das weite Grab des Ozeans. Sie haben viel für memen Bruder gethan, Graf Montsant,?." .Das finde ich nicht, Dona Konstanze; es wurde m meine Hand gelegt, zwei Menschen zu beglücken, ich erfüllte meine Pflicht, weiter ' nichts; wer aber wie ich auf dem Standpunkt steht, in dem Menschen nur den hilssbedürftigen Bruder zu sehen, und es sich zur Lebensaufgabe stellte, von seinem Platze aus mit allen Kräften zu helfen, der mußte diese Gelegenheit mit ganz besonderer Genugthuung ergreifen." Dachten alle sa wie Sie, dann stande es besser um die heutige Menschheit, die soziale Frage wäre gelöst." Vielleicht. Ich hebe viel und ernst haft über die Frage nachgedacht; ich sah all das viele Elend, den grenzenlosen Jammer, welchen die Armuth den Enterbten des Schicksals bringt und sie der Würde des Menschenthums schuldlos beraubt, und ich fragte mich, waS mein Verdienst denn, eigentlich sei, um vor tausenden bevorzugt, Geld in Fülle zu besitzen, während die meisten in dem grausamen Kampf um s Dasein vergebens um das trockene Brot für sich und die ihren ringen. Das erschien mir eine krasse. Nicht zu ertragende Ungerechtigkeit und brachte mich dahin, den Besitz nur als ein anvertrautes Gut zu betrachten, auf das nn Grunde die andern ein ebensolches Recht haben, und von da an reifte der Entschluß, mein Leben der Hilfe zu widmen. Und darin liegt meines Erachtens eme viel große re Selbstsucht, als man denkt; denn es gibt in der That kaum etwas beglückenderes als das Bewußtsein andere so rech beglückt zu haben." Sie wandern wieder schweigend durch die einsamen Straßen der Bor stadt weiter. . Es ist nicht wert von zwei, fern im Osten über den dunkelblauen Bergen leuchtet der erste blasse Schein des Morgenlickts empor, über den Meeresstreifen am Horizont flackert es rosig Übergossen auf. Durch die Natur zieht es belebend, wie Erwachen und aufathmende Freude; das große, erwartungsvolle Schweigen vor der erhabenen Feier des. Sonnenaufganges ruht auf ihr. Und aus dem Chaos der schmerzlichen Gefühle hat sich während derWanderung an der Seite des jungen Arztes, der KonstanzensEinsilbiqkeit ehrt. der Gedankengang endlich auch auf das letzte Erzeugniß ihres Herzens die kleine Novelle, gerichtet, die sie ihm vor etwa zwei Wochen zur Prüfung vorgelegt latte. Sind Sie zufrieden, Graf Montsanto, traf ich es jetzt besser als zum ersten Mal?" Er blieb stehen und hielk ihre Hand, die sie ihm zum Abschied gereicht hatte, fest. Ja, Dona Konstanze. ich wollte schon davon beginnen, fürchtete jedoch. Sie. in Ihrer Versunkenheit zu stören; Sie gehören zu jenen glücklichen Auserwählten, welche die Natur durch sich selbst zu einem bestimmten Berufe der Kunst ausersehen hat. Die Novelle Magdalene ist ein echtes Kunstwerk, das den Stempel JhreZ Geistes trägt, und so soll es sein; denn der Mensch steht über der Natur, er soll sie in ihren idealen Momenten erfassen und' wohl ein Abbild von ihr geben, doch ein veredeltes, von seinem schöpferischen Geist durchwehtes, und das ist Ihnen vollständig gelungen." So, meinen Sie, ich kann die Ar beit an eine Redaktion in Deutschland senden und auf dem eingeschlagenen Wege weiterschaffen?- fragte sie, während ein zartes Noth der Hoffnung sich über ihr ernstes Antlitz ergoß. . , (Fortsetzung folgt.) t
Molaus und Alk. In dem herrlichen Luftschlosse fli vadia.Sterbenslager desZaren Alexander des Dritten, hat die Eheschließung des Großfürsten-Thronfolger Nikolaus Alexandrowitsch mit der Prinzessin Alir von Hessen stattgefunden, nachdem letztere in formeller Weise zur griechischen Kirche übergetreten war. Die Verlobung des fürstlichen Paares war am 20. April dieses Jahres ra Coburg erfolgt.
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In der gleichen Morgenstunde, iit welcher der hessische Großherzog Ernst Ludwig mit seiner jungen Gemahlin, der coburgischen Prinzessin Victoria, in Darmstadt einzog, fand zu Eoburg die feierliche Verlobung seiner vierten und jüngsten Schwester Alix statt. Ihr Bräutigam, Nikolaus Alexandrowitsch, an dessen Seite sie die russische Kaiser-, kröne tragen wird, ist geboren am 18. Mai 1863. also 26 1-2 Jahre alt. Seine Verlobte, um 4 Jahre jünger, ist eine Enkelin der Königin von Eng land, denn deren so -jäh dahingeraffte liebenswürdige Tochter Alice, Groß Herzogin von Hessen, war ihre Mutter. Ein Herzensbündniß fand in der Eheschließung des Paares nicht seine Weibe. Der Großfürst-Thronfolger, der übrigens körperlich wie geistig ein höchst unbedeutenden Mensch ist, unterhielt seit Langem ein Verhältniß jiy mit einer Dame vom Theater die Einen nennen sie Lochnitzka, die Anderen Labunska einer polnischen Jüdin, welchem Verhältniß zwei Kinder entsprossen sein sollen. Nikolaus sträubte sich mit solcher Hartnäckigkeit gegen die Verlobung mit der Prinzessin Alix, daß er sogar auf die Thronfolge zu verzichten bereit war, wenn man ihm in seiner Liebesaffäre freie Hand lassen wollte. Ein Machtspruch seines Vaters zwang ihn schließlich Ze doch zur Unterwerfung unter dessen Befehl. Prinzeß Topase. In nachstehender Abbildung stellen wir den Lefern eine allerliebste Kleinigkeit" vor, die kleine Prinzeß Topase, welche zur Zeit in Berlin auftritt. DaZ Deminutiv-Fräulein, welches 17 Lenze zählt, mißt nur 26.4 Zoll; sie bleibt also hinter dem bekannten Zwerge General Mte" der eine Große von 32 M Zoll aufwies, und dessen Vraut, Mfö Millie, die 28,4 Zoll hoch. war. noch um mehrere Zolle zurüc! und dürfte: wohl unter den Kleinen die?Allerkleinste: sein. Jedenfalls aber f. sie die Allerniedlichste. Sie verbindet mit Anmuth und Grazie eine sprudelnde Laune und vermag ein großes Publikum vorzüglich zu unterhalten. Sie singt Eouplets mit der Verde- eine routinirten Chansonette, tanzt Tarantella und und entwickelt große- Gewandtheit und Kraft in dem modnsten und phanta stischsten aller Spezialitätentänze, im Serpentintanz. Besondere Geschicklichkeit entwickelt die Liliputprinzessin in ihren Produktionen der Salonmagi. Trauschein für Manchen die Veschk.inigung, daß -er nur dem Scheine 'rraute. 5as Valletgreichen. Choristin (neu engagirt, zu einer Col leain vom Ballet): Denke Dir nur, da. bekQmme ich neulich anonym ein wundi'.rhübsches Armband.... von einem 'Verehrer, wie die Karte sagt ich war außer mir.... was sagst Du zu solcher Keckheit? Ich? Ich gäb' was drum, wenn ich nur wüßt', wer. jener Herr gewesen ist!
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