Indiana Tribüne, Volume 18, Number 40, Indianapolis, Marion County, 28 October 1894 — Page 9

Zndiana Tribüne.

? etia Gerächt. i?rzZhlung au? d?m Pariser Leben von Her bert Mannstein. Ter Pcrlachaise war angefüllt mit einer glänzenden, hocharistokratischen Menge. Die prächtigen Uniformen sahlrcicher Offiziere funkelten im hellen Sonnenschein, und ein Tamenflor in eleganter Trauertoilctte war gegenwär. xig, um der Marquise de Brianon die lefcte Ehre zu erweisen. Neben dem offenen Grabe stand der trauernde Wittwer und blickte finstern Auges in die Gruft, in die man sein Liebstes gebettet hatte. Ter Marquis de Brianon war ein stattlicher Mann in der Blüthe der Jahre. Seine stolze, imponirende Haltung sprach seinem schon stark ergrauten Haar Hohn. Seine kühnen, aristokratischen Züge waren von Wind und Wetter gebräunt, und selbst die tiefe Trauer seines Herzens vermochte es nicht, gänzlich den Ausdruck unnachsichtiger Strenge und wilder Energie zu bannen, der aus seinem flammenden Auge und seinen fest zusammengepreßten Lippen sprach. Wie ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel hatte ihn das Unglück getroffen. Aber obwohl der starke Cichbaum bis ins Mark verwundet wurde, der Schick salsschlag vermochte es dennoch nicht, ihn zu fällen. Ter Marquis hatte in reiferen Jahren ein blutjunges, engel schönes Geschöpf zu seiner Gattin ge macht. Er liebte seine Vivienne mit be: Leidenschaft der Jugend, gepaart mit der Tiefe und Treue reiferen Alters. Er betete sie an, er lc5 jeden Wuusch von ihren Augen ab, und er hätte den Boden küssen mögen, den sie betrat. Sein Glück war so groß, so berauschend, so schrankenlos, wie es nur selten den armen Staubgeborenen beschicken ist. Ta nahm es ein jähes, furchtbares Ende. Tie Marquise ritt eines Tages aus, nach ihrer Gewohnheit nur von einem Groom begleitet. Sie sollte nicht lebend zurückkehren. Ihr Pferd scheute urplötzlich und schleuderte seine Reitecm aus dem Sattel. Die Mar quise siel mit dem Kopf hart aus einen Prellstein auf. Als der Groom zu ihrer Hilfe herbeigeeilt kam, hatte sie schon ihren letzten Seufzer gethan. Inmitten der Freuden dieser Welt war sie vor Gottes Thron gerufen worden. Brianon war halb wahnsinnig vor Schmerz, als lhm fem schönes, heißge liebteS Weib, das er vor wenig Stun den prangend in Schönheit und Lebens krafi d?rlaffen hatte, als blutüber strömte, entstellte Leiche ins Haus ae bracht wurde. Er schloß sich mit der Todten ein und überließ sich in der Emsamkett seinem fassungslosen Jammer. Als der Tag des Leichenbegäng niffeS heranrückte, erschien er jedoch sinster und gefaßt. Kein menschliches Auge sollte den tiefen Jammer seiner Seele sehen. Tie Ceremonie war beendet. 3aM lose Kränze bedeckten den provisorischen Hügel. Einer nach dem andern cnt sernte sich auS dem KreUe der Leldtra genden, nur der Marquis stand noch immer regungslos am Grabe seines Weibes und starrte wie gebannt aus die Stätte, wo so viel Schönheit und Hold seligfeit für immer und ewiq eingeker kert war. Endlich nahte sich ihm der würdige Geistliche. Herr Marquis," sagte er mit sanfter Summe, der Herr hat's gegeben. der Herr hat's genommen. Ter Name des Herrn sei gelobt!" Ter Wittwer fuhr empor wie aus schwerem Traum. Ein finsterer Blick aus seinen dunklen Augen traf den alten Seelenyirten. Ich danke, Herr Pfarrer, für Ihre trostrerchen Worte!" sagte er, aber seine Stimme klang hart, und seine Rede dünkte dem frommen Geistlichen wie bitterer Hohn. Der Marquis wartete keine Antwort ab. Er verneigte sich leicht und schritt in stolzer, aufrechter Haltung und mit schnellen Schritten zu semer Equipage. Auch diese trug die Abzeichen tiefer Trauer. Tie silbernen Geschirre der Pferde waren mit Crepe umwunden. Kutscher und Tiener trugen breite Florstreisen um die hohen Hüte. jflach Hause!" befahl der Marquis bar ch. . Er schmiegte sich ties in die seidenen Kissen des Wagens. ES dünkte ihm, als ob dieselben noch das Lieblinasparfüm seiner Vivienne aushauchten. Tie Thränen traten dem starken Mann in die Allgen, aber er drängte sie mit zor niger Gewalt zurück. Nur jetzt kein Zeichen von Schwäche, wo er der Öeffentlichkeit preisgegeben war. Endlich hielt die Equipage vor dem prächtigen Hause des Marquis. Er stieg hastig die Treppe empor und trat in die Zimmerflucht, welche Bivienne bewohnt hatte. Dort schob er den Rle gel vor und sank auf das nächste Sofa nieder. Endlich war er wieder allein mit semem Elend. Das war nicht mehr derselbe Mann. der vorhin so hart und regungslos wie ein Felsblock erschienen war, jetzt barg der Marquis sein Antlik in den Atlas. kissen und schluchzte so faffungslos wie ein ttlnd. Gott, mein ott," ächzte er ver zweifelt, warum Kast du mir das ae tha.? Warum nahmst du mir meine Gern:, mein Glück, mein alles, und liefest mir dieses elende Leben? 0, er löse mich von meiner Qual. Nimm mich zu dir, damit ich im Jenseits mit der Geliebten vereint bin!" So rang der starke Mann mit seinem Weh. Stunden vergingen, in denen er Welt und Menschen vergaß. ndUch hörte der erlösende Strom

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der Thränen auf müden, erloschenen zu fließen. Tie Blicke wanderten räumerisch durch das lleine emacy. Es war das Boudoir Vivicnncs, und jedem Eeräth war ihr eigenartiges Gepräge aufgeorual. ie ronvaren Rosenholzmöbel standen in genialer An. Ordnung umher. Im goldenen Rei fcn schwang sich ein buntgesicderler Papagei hin und her und kreischte mit schnarrender Stimme: vivienne, scyone irnenne, azon sie der Schönen!" Tie zierlichen Möbel waren über laden mit kostbaren Nippsachcn. Daö strenge, betäubende Parfüm Biviennes füllte noch den Raum. Auf dem Boulctischchcn lag noch it)r großer 0"ijs-.. u! rA it.. v i s 9 &ns.tl - Ijumii, sie lt u;i uuuu iaiius yi worfen hatte, nicht weit davon ein eng lischer Roman mit einem Papiermeffer r 5 ffi... v ?"-. als niezciqcn zn?i,a,cn ocn cuni. Alles athmete noch Biviennes Nähe, nur sie war fern, für ewig fern. Ter Marquis ergriff den Fächer, mit dem die zarten Finger der Todten so oft getändelt yatten, uno prelle inbrünstig seine Lippen darauf. Ein Spitzentüchlem Biviennes lag dabei. Er drückte eö an seine brennenden Augen. Gott, mein Gott," ächzte er aber, mals, wofür strafft du mich so hart? Warum nahmst du mir nicht lieber das Leben als meines Lebens Sonne?" Er sank schwer auf den kleinen Sessel vor Biviennes Schreibtisch nieder. DaS Haupt in die Hand gestützt starrte er düstern Blickes vor sich hm. Ta say er plötzlich, daß in emem der Tyürchen des Schreibtisches em winzig kleiner Schlüssel steckte. Unwillkürlich drehte er denselben um. Brianon wollte sich wollüstig in seinen Schmerz versenken. indem er sich ganz in die Erinnerung an die Geliebte vertiefte. In diesem Schreibtischchen verwahrte sie sicherlich ihre kleinen Heiligthümer auf, die we nigen Briefe, welche er ihr als Bräuti gam geschrieben als ihr Gatte hatte er es nie vermocht, sich von seinem Kleinod zu trennen vielleicht auch einige Erinnerungszeichen an ihre früh verstorbenen Eltern. Durch ihre Hin terlassenschaft konnte er nochmals einen tiefen Blick in ihre kindlich reine Seele thun. Ach, und wenn sein Schmerz hundertfältig ausgewühlt wurde, er hatte doch einst ein göttliches Glück be. sessen, er hatte einen Engel sein eigen genannt. Er öffnete das Thürchen, in dem der Schlüssel steckte, und ariff nach den ersten Gegenständen. Eine unbezahlte Rechnung nach der andern fiel in seine Hand. Brianon lächelte wehmüthig. Anne süße Vivienne!" murmelte er. Haushalten war Deine Sache nicht. Du warst eben noch ein Kind, ein holdes unverdorbenes, engelreines Kind!" Er öffnete ein anderes Thürchen und fand zahlreiche Briefe, aber keiner der selben war von seiner Hand. Hin und wieder entfaltete er ein Blatt, aber er legte es bald gleichgiltig beiseite. ES waren Huldigungsschreiben vornehmer Personen, eine GeburtstagSgratulation des Prinzen N., ein Gedicht vom Für sien H., welches augenscheinlich eine Blumenspende begleitet hatte, und der gleichen. Brianon schüttelte den Kopf. Vivienne war noch ein Kind gewesen, sonst hätte sie diese gleichgiltigen Blät ter sicher nicht aufbewahrt. Ganz zu unterst in dem Fach lag ein Päckchen-Briefe, -welches sorgfältig mit einem rothseidenen Bande verschnürt war. Es werden die meinen sein!" dachte der Marquis. Er griff begierig darnach, aber seine Miene verdüsterte sich im nächsten Augenblick. Die Handschrift auf der Adresse war eine schöne, kühne Mn nerhand, aber nicht die seine. Minuten lang starrte er finster auf das kleine Bündel Briefe. Ein heftiger Kampf malte sich in seinen stolzen Zügen. Sollte er die Briefe ungelesen verbrennen und ewig in seiner Brust den leisen Argwohn gegen die theure Todte tragen? Nein, er wollte diese Blätter lesen, eines nach dem andern, und jedes Wort würde die Bestätigung von VivienneS Unschuld und Engel reinheit enthalten. Der Marquis hatte die letzten Worte mit lauter Stimme gesprochen, als ob er sich selbst zu überzeugen wünsche, dann löste er mit fester Hand daS rosen farbene Band. Eine kleine Photo graphie fiel zur Erde. Brianon bückte .sich begierig darnach. Im nächsten Augenblick stieß er einen halberstiaten Schrei aus. Sein dunkles Gesicht wurde aschfahl. Stieren AugeS blickte er au? das schöne, junge Männerantlitz, daS iyn so übermüthig aus dem Bild chen anlachte. er Baron amt-Armano! mur melte er verstört. Wie kommt Vivienne zu seinem Biftd" Er wendete dle Photographie um; aber die Rückseite trug keine Widmung. Ein entsetzlicher Argwohn erhob sich in der Brust deS unglücklichen ManneS. Gott im Himmel!" stöhnte er. Nur daS nicht! Nur das nicht! Nein," tröstete er sich selbst, es kam, nicht sein! Dieser Argwohn ist em Ire vel, ein Verbrechen an der theuren Ver klärten! Gott nxiß, durch welchen Zu fall sie in den Besitz des Bildes aelanat ist! Vielleicht geben diese Briefe einen Aufschluß darüber!" Seine Hand bebte wie im Fieber srost, als er das erste Schreiben entfal tete. Während er las, wich jeder Bluts tropfen auS seinem Gesicht, sein Haar Itrauvte lieg, em entietzttcyes Etoynen entrang sich seiner Brust, ein Stöhnen so qualvoll, so schmerzzenffen, wie es das zu Tode verwundete, Thier in der Agonie ausstößt. Er wollte aufsprin gen und davonrasen; aber er bezwana sich mit Übermenschlicher Gewalt. Ob ihm die Blätter wie höllisckeö Feuer in der Hand brannten, ob iym daS Herz m zerspringen drohte, er laS einen Brief nach dem andern, diese nichUwtzr diges Bikfc djc seine Eötekludelten.

wttye sonnenklar die quio ftines Weibes erwiesen.

Als der letzte Brief seiner Hand ent glitt, sank Brianon wi? gebrochen in seinen Scsiel zurück. Seine Züge wa ren bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, sein starker Körper bebte wie Espenlaub. Mit blutunterlaufenen, unheimlich funkelnden Augen stierte er wie gebannt auf die glühenden Liebesbriefe, welche ein anderer feinem Weibe geschrieben hatte. Er hatte Vivienne angebetet wie eine Heilige, er hatte zu ihr ausgc blickt wie zu einer Göttin, er hatte ge wähnt, daß ein Engel ohne Schuld und Fehl auf die Erde herniedergestiegen wäre, um ihn zu beglücken; und jetzt tagte in ihm die furchtbare Erkenntniß, dan seine Heilige, seine Göttin, sein sie ckenloser Engel ein falsches, lügenhaf tes, ehrloses Weib gewesen war. Seine zärtliche Liebe hatte sie nur ge duldet, weil sie mußte, wie ost mochte sie über seine schrankenlose Hingebung höhnisch gelächelt, wie mochte sie ihn in ihrem Innern verspottet und verachtet haben, weil der alte Thor so blind war für ihren Lug und Trug. Dieses Weib mit den süßen, schuldlosen Kinderaugen hatte ihn mit jedem Blick belogen. Er hatte sie vergöttert, und ye yatte seine Ehre mit Schmutz besudelt und seinen Namen durch den Schlamm der Sünde geschleift. Bnanon stöhnte laut. Was war ver Schmerz, den er an dem offenen Grabe VivienneS gefühlt hatte, gegen den Jammer, der jetzt seine Brust mit tau send Dolchen durchbohrte? Wie küstlich war die tiefe heilige Trauer seines Her MS gewesen gegen die wilde, wüthende Verzweiflung, welche jetzt in seiner Brust tobte! Jetzt erkannte er, daß daS Glück semeS Lebens auf einer Lüge auf gebaut war, daß er sich von dem Irr licht der Lüge hatte leiten und führen lasten, daß ein Netz von Lug und Trug ihn umstrickt hatte. Mit emem Schlage war ihm alles genommen, was bisher sein Herz hatte höher schlagen lassen. Das Glück der Vergangenheit war m eitel Nichts zerronnen, die Trauer der Gegenwart war jäh erloschen, ihm blieb nichts übrig als die Verzweiflung. So grübelte und brütete der Unglück liche Mann, während er einen Brief Saint-Armands nach dem andern von der Flamme des Lichts verzehren ließ. Zuletzt waren die Beweise von Vivien nes Sündenschuld zu Staub und Asche verkohlt. Brianon stierte finster auf die Reste der Zeugen einer verbrechen sehen Leidenschaft. Wie diese Flammen Worte von Biviennes Mitschuldigem, so war auch sein Leben in Staub und Asche zerfallen. Eine Stunde nach der anderen ver ging, und noch immer saß Brianon aus derselben Stelle und starrte mit erlo schenen Blicken ins Leere. Sein Kam merdiener wartete vergebens auf den Gebieter. DieZNacht schlich mit blei schweren Füßen dahin, und der Mar quiö wich nicht aus dem Gemach seines todten WeibeS. Erst als die Sonne strahlend durch die Fenster lachte, trat Bnanon mit schweren, müden Schrn ten in sein eigenes Zimmer. Ter Kammerdiener fuhr jäh zurück bei dem Anblick seines Herrn und stierte ihn fassungslos an. In dieser Nacht war daS Haar des Marquis de Brianon schneeweiß geworden, und sein Antlitz zeigte die tiefen Furchen des Greifenal terS. Mit keinem Wort berührte Brianon die furchtbareVeränderung seiner selbst. Er machte wie gewöhnlich Toilette und schrieb dann einen Brief an den Baron de Saint'Armand: Herr Baron, würden Sie mir die Ehre geben, heute mit mir ein Dejeuner einzunehmen? Ich habe mit Ihnen eine Sache von Wichtigkeit zu besprechen. Crgebenst Brianon." Als er den Voten abgesandt hatte, schloß der Marquis sich in sein Zimmer ein. Ter Kammerdiener versuchte einigemale durch das Schlüsselloch zu bli. cken, aber er konnte des Gebieters Thun und Treiben nicht beobachten. Nach Stunden verließ Brianon erst sein Ge mach. Ist die Antwort von dem Baron de SaintArmand schon da?" fragte er ruhig. Ein parfümirteS Billet wurde ihm auf silbernem Teller überreicht. Brianon starrte düster auf das Blatt. Tas waren dieselben kühn geschwungenen Züge, in denen SaintArmand Vivi enne glutathmende Liebesbriefe geschrie ben hatte. Ter Baron versicherte höf lich, daß er eö sich zur Eyre rechnen würde, der Aufforderung des Herrn MarquiS Folge zu leisten. BrianonS Züae wurden von einem grimmigen Lächeln verzerrt. Wenn noch ein Funken von Ebre in ihm lebt, so muß er kommen!" dachte kr finster. Er wird ahnen, waS ihn er teertet." Er befahl in gelassenem Ton, zum Teieuner ein zweites Couvert aufzule gen. In dem Wandschrank in meinem Zimmer steht eine Flasche mit Port wein!" sagte er zu dem Diener. Ich wünsche, daß dieselbe serdirt wird. Hü. ten Sie sich, die Flasche zu verwech sein! Es ist eine besonders alte und edle Sorte." Pünktlich, zur Zeit deS Gabelfrüh. fiückS, erschien der Baron de Samt Armand. Sein schönes Gesicht war todtenbleich. Die sonst so kecken Augen vermieden scheu den Blick seines Gag gebers. Er wagte eS nicht, den Mann anzusehen, den er verrathen hatte. Seien Sie mir willkommen. Herr Baron!" sagte der MarquiS ruhig; aber er streckte seinem Gast nicht die Hand zur Begrüßung entgegen. Der Herr MarquiS haben befoh len!" murmelte der jüngere Mann ver legen. Wir werden zuerst unser kleines Tezeuner mit einander einnehmen, und dann von de; Angelegenheit reden, welche ich erörtern möchte!" versetzte Brianon mit unheMlicher Rube.

ittag kurzer Mst meldck 'ein Dienet, daß servirt sei. Beide Herren traten in den Speisesaal, wo ein üppiges Mahl ihrer harrtc. Zwei Diener ser virten die erlesenen Speisen; in den Gläsern funkelten die edelsten Weine, die Tafel prunkte im Schmuck silberner und kriftallener Geräthe, aber die Ta feinden vermochten nicht, dem köstlichen Mahl Gerechtigkeit anzuthun. Saint Armand berührte kaum die Speisen auf seinem Teller, mit bebender Stimme beantwortete er BrianonS Fragen, in seiner Erregung leerte er wiederholt sein volles Glas. In seltsamen Eontrast zu seiner Un ruhe stand die eisige Ruhe des Marquis. Er machte in weltmännischer Art den

Wirth und führte daS Gespräch über allerhand TageSfragcn. Mit keinem Wort erwähnte er des SchicksalSschla gcs, der ihn vor wenig Tagen getroffen hatte. Nur als der Portwein servirt wurde, sagte er mit tiefer Stimme: Herr Baron, Sie werden sich nicht weigern, mir Bescheid zu thun, denn ich weihe dieses Glas dem Andenken der Verewigten!" SamtArmand erröthete dunkel, um dann tödtlich zu erbleichen. Er stieß mit dem MarquiS an, ohne denselben anzusehen, dann leerte er sem Glaö in einem Zu;e. Der Marquis beobachtete ihn mit adlersscharfen Blicken, dann erst leerte er sein eigenes Glas. Im nächsten Au aenblick hob er die Tafel auf. Louis," befahl er dem Diener, bringen Sie die angefangene Flasche Portwein in mein Arbeitszimmer." Ter Diener gehorchte und zog sich zurück. SamtArmand saß m stummer, peinlicher Verwirrung seinem Gasige der gegenüber. Er harrte ängstlich daraus, daß Brianon endlich die MaSke fallen lassen würde. Aber der Mar quiS schwieg noch immer. Er trat an den leeren Kamin, in dem ein großes Makartbouquet die Stelle eines Winter, lichen FeuerS vertrat und goß den Rest des Portweins auf den Rost auS. SaintArmand beobachtete ihn stau nend, an seinem Verstände zweifelnd, ohne jedoch eine Frage zu wagen. Ta trat der MarquiS plötzlich dicht vor ihn hm und sagte mit dröhnender Stimme: Sie sind ein Schurke, mein Herr Baron de Sarnt.Armand! Saint.Armand fuhr empor wie von einer Viper gestochen. Er hatte auf dieses Wort beständig geharrt, er war aus diesen Angriff gewappnet. Sie werden mir Rechenschaft für diese Beleidigung geben, Herr Mar quiV!" rief er mit funkelnden Augen. Nein." entgegnete Brianon in schneidendem Ton. DaS werde ich nicht! Glauben Sie, ich werde meinen Namen an den Pranger der öffentlichen Meinung stellen, indem ich mich mit Ihnen schlage? Glaoen Sie, eS ist mein Wille, daß die Schmach, welche Sie und das Weib, das meinen Namen trug, über mich gebracht haben, in alle Winde hinausaeschrieen wird? Sollen alle Klatschmäuler in ganz Paris sich zuraunen, der MarquiS de Brianon hat sich mit dem Liebhaber seiner Frau geschlagen? Nem, mein Herr Baron, ich kann den Schimpf nicht auslöschen. mit dem Sie meinen Namen besudelt haben; aber ich kann ihn in tieseS Ge heimniß hüllen vor der neugierigen. schadensrohen Welt. AuS diesem Grunde begehre ich nicht ihr Blut." Ziehen Sie ein amerikanisches Duell vor?" stammelte SamtArmand ver wirrt. Es ist unter Eavalieren ver pönt; aber ich bin zu jeder Genugthu una bereit!" Brianon stieß tii grausiges, hohles Lachen aus, das schauerlich in seines Geaners Ohren dröhnte. Ich habe Sie nickt gefragt, ob Sie bereit sind oder nicht!" versetzte der MarquiS mit ätzendem Hohn. Ich habe Mir meine Genuatbuuna aenom men, ich bin gerächt. Ehe die Sonne untergeht, sind Sie ein todter Mann, Herr Baron. Sie und ich, wir beide werden heute noch Vivienne mö Jen seitö folgen. Der Portwein, den wir auf das Andenken fctr Todten tranken. entlielt den Todestrank l" Saint.Armand stieß einen gellenden Schrei des EntseßenS aus. Er stierte den Marquis mit weit geöffneten. glanzio en Augen an. .Meuchelmörder!" keuchte er. Feiger Giftmischer!" Der Marquis weidete sich mit fun kelnden Augen an seiner Qual, seiner seelenangft. HadlN Sie nicht meine Ehre gemor tet?" fragte er. Haben Sie nicht mein Leben vergiftet? WaS sind Sie Besseres als ich? Ich habe Gleiches mit Gleichem vergolten. Ich war der Rächer meiner Ehre, der Richter Ihrer Schuld. Fort mit Ihnen aus diesem Hause. Elender! Sie sollen nicht unter meinem Dach sterben ! AuS meinen Augen, qurke!" Saint.Armand stieß einen rasenden Muo). eine wlltöende Dbuna auS Vann stob er davon wie von Furien gejagt. Brianon sah ihm Mit eisiger erycyiung nacy. ES ist aescheben!" murmelte er .Jedt kann ick in Frieden sterben. ?& habe mich gerächt, ohne daß die Welt mem unseliges Veheimniß erführt!" Er klinaelte seinem an7N7?r,Z?n?? Ich fühle mich krank und werde mich zu Bett keaen!' sagte er rub ta. Als er entkleidet war, gebot er dem 4k i . m ' " wiener, sich zu entfernen. Ich wünsche, unter keiner Bedin aung gestört zu werden!" befahl der MarquiS in seinem gewöhnlichen Tone. er wiener entfernte sich auf den Zehenspitzen. Zu seinem Bedauern hatte er nichts von Um Gespräch seines Herrn mit Saint.Armand erlauschen können, und die eilige Entfernung de3 Baronö erfüllte ihn mit allen erdenkli chen Vermuthungen. Als er am näch-. sten Morgen zur gewohnten Stunde in das Schlafgemach deS Marquis trat, lag sein Herr todt und starr, mit scbmer.verzerrtem. bleickem Antlid in

oen zlin.cn. er cuig yerocigerufene Arzt konstatirte als Todesursache Herz-

chlag. Fürwahr, das feme indische Gift, das Brianon dem Portwein bei l emlscht, hatte seme Wirkung nicht verehlt. Ter plötzliche Tod des Marquis de Brianon unmittelbar nach dem jähen f. r ir w r r ? , in'chelven feiner fcyoncn, gefeierten attin erregte allgemeines Aufsehen; aber noch größer war die Theilnahme, die das plötzliche Ende des jungen Ba ron de Saint'Armand hervorrief. Saint.Armand war kaum au5 dem Hause des Marquis gestürzt, als er sich in eine Droschke warf. Mit anastver zerrten Mienen nannte er dem Kutscher die Adresse des ersten Pariser Arztes. Er war kein Feigling, aber das Leben lag noch so schön, so herrlich, voll un zähligcr Freuden vor ihm, und ihm graute vor dem Tode. Während der Fahrt sah er. dan die Sonne langsam sank. Eine wahnsin nige Todesangst umkrallte sein Herz. atte Brianon nicht gesagt: Ehe die -onne untergeht, sind Sie ein todter Mann!" Gott im Himmel, war es denn schon zu spät zur Rettung? Sollte er verloren sem? Er sühlte einen rasen den Schmerz in seinen Eingeweiden, eme kraftvollen Glieder krümmten sich n Konvulsionen, die Auaen traten iom weit auö den Höhlen. Mit Aufbietung seiner ganzen Krast versuchte er, sich dem Kutscher bemerkbar zu machen, aber das Wagenaerassel verschlang daö Geräusch seiner Stimme. Endlich hielt der Fiaker vor dem ause des berühmten Arztes. Der Kutcher sah mit Verwunderaug, daß sein t. n rw r aorga i reme Annauen macyke auszusteigen. Schließlich kletterte er selbst vom Bock und öffnete die Tbür. Da bot sich ihm ein gräßlicher Anblick dar. In die Kissen des Wagens gedrückt, daS schöne Gesicht bis zur Unkenntlich keit verzerrt, lag Saint.Armand, die feinen Hände geballt gegen einen un sichtbaren Geaner, vielleicht gegen den Tod, der ihn so jäh überwältigt hatte. Alle ärztlichen Bemühungen um ihn blieben erfolglos. Saint.Armand hatte r ' iP" . . w. ii. r leine öajuio inu oem ueoen oezayu. Obgleich diese Tragödie sich in tief ster Stille abgespielt hatte, drangen bald einzelne Gerüchte deS wahren Sachverhalts in die Öeffentlichkeit, und ganz Partö erzählt sicy icfct die Ge schichte der schönen, sündigen Marquise de Brianon, welche ihren Gatten und ihren Liebhaber nach sich gezogen hat in das finstere Grab. Fürwahr, an ihnen hatte sich daS Bibelwort be währt: Der Tod ist der Sünde Sold!" . ' In entsetzlicher Weise 8at der Kaufmann Rich. Legeler in Dresden seinen Tod gefunden. Auf dem Hinterperron eines die Kaulbach straße passirenden Pserdebahnwagenö stehend, beugte er sich zur Seite und gerieth mit dem Kopse zwischen den Straßenbahnwagen und einen demsel ben entgegenkommenden Möbelwagen so unglücklich, daß durch eme Quet fchunz des KopfeS sofort der Tod her belaesuhrt wurde. Der beste Rath. 1. Herr: ZlZein, sie ist unnahbar. Sie hat ein jerz, hart und spröde wie Glas. 2. Herr: Hast Du s schon mit emem Dia ianten probirt? Nehmet nur die echten. , A 5 Brandt's ' nhwoiTor00. uuimwiuii MM Blutroinigond. Befördern die Verdauung. Bestes Mittel gegen Leber- u. Gallenlelden. K3" Zu haben In allen Apotheken. Feine alte vzr Weine finden Sie in bester Auswahl und jeder Sorte bet cU Z&3SGDUd Wein-Keller: No. 33 Süd Delaware Str. Billigste Preise. Freie, Prompte Ablieferung nach am Stadttheilen. Teledbou 16G9. Zur Erwnerung! Meinen Freunden und dem Publikum Hier mit mr V iif Mm Cl) itfcfftift im gw ivgv; vwp tw vit AWityWfMl Ecke OHio und Noble Straße, übernommm habe, und mich bemühen werde dieselbe zu einem angenehmen Sammelplah der Deutschen zu geftalten. Veste Getränke und Sigarreu ,e. Zu zahlreichem Besuche ladet ein Gottlleb Leudhardt, Scke Obio und Noble trabe. EiS! EiS! Eis! Wir benützen da Eoupon.System für Ablief, erung von EiS an unsere Sunden. Sausen Sie Ihre Koupon, bevor da Ei geliefert wird. Da wir einen guten Borrath von EiS besitzen, s find wir t der Lage z folgenden Preise zu verkaufen t 100 bis 200 Pfd in einer ieferung SSc perlOOPfd $00 bis 1000 Pfd in einer Lieferung 20c per , 1 biX Pfd in einer Lieferung 17e , 2000 und mehr in einer Lieferung ISe CDüt3" mW CDax-, Ofnce : No. 223 We Walnutnr. Tel. 1098. fci Mrr oor nlCW IIn ft rortt. r '. muw .vwjii.i'i V, V. .i 1 h.r ... HHn.w iM .nil Ist tHM Wl I I walocitirt,brTw:heyiiT.An7 1 1 en da Ib. wm. Ein ta lcora. jour ,pk nonnni, r aU joox tim to tb work. Thl u atirly w toadad briop wonderful toecM to rrcry workar. BtfiuMfiM nilf from $ti u i per wek ad Bpwmrda, s4 Bor aiUr a UtUm eirari.oaa. Wa caa fornitb roa tba cm. W. ftroiak wrtBiac. W Mut roa. Ko rik. Tob emu örrot

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