Indiana Tribüne, Volume 18, Number 40, Indianapolis, Marion County, 28 October 1894 — Page 6
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gijpiisdjc Cigarcücn. uir.crcfe von (S. Groinc2cI;n;:cn:nj.
Nein, Frau dbta konnte ganz en! schieden nicht den Cigarrendft leiden ganz entschieden nicht! Er machte sie nervös, die bläulichen, leichten Raiichrinc,e weiten ihre Migräne kurz, ttejin ihr Glück nicht gestört werden sollte, so wußte Hans Sörensen, was er zu thun und zu lassen hatte. Das Thun war: Schweigen! Und daZ Lassen: tauchen! Also raucht: er draußen, auf seinein Bureau und auf der Straße. Aber just, wenn ihn am meisten nach einer duftigen Cigarette gelüstete, nach dem Mittagessen, beim Kaffee, Abends nach dem eingenommenen Abendbrote dann kam ihm sfrau Ebba's Nauchöerbot wie eine unerhörte Qual, eine grausame Tortur vor und gern hätte er sich dagegen aufgelehnt. Allein, seine junge und büb'e Gatim öbba war ihm viel zu sehr an's Herz gewachsen, als daß er sie durch einen Genuß, dem er allein nur sröhnen konnte, belästigen und erzürnen wollte. Und so ertrug er denn äußerlich ruhig, aber mit heimlichem Murren den Zwang, den die holde Ebba ihm auflegt: und rauchte das dreifache an Cigarren und Cigaretten, sobald er sein behagliches Heim, dem seiner Meinung nach nur ein wenig Cigarrenduft fehlte, um ein vollkommenes Paradies zu sein, verlassen hatte. Zwar hatte er nichts unversucht gelassen, um Ebba's Widerstand zu b:siegen aber er war in den kleinen Scharmützeln, deren Siegespreis eine Cigarette war. immer schmählich besiegt worden. Er verzweifelte schließlich daran, jemals seiner Leidenschaft in seinem traulichen H:im' folgen zu dürfen. Eine innige Freundschaft verband ffrau Ebda mit der Bewohnerin der benachbarten Villa, die in einem Herrlichen Parke lag, mit Frau von T)orrch, der jungen Wittwe des unlängst verstorbenen alten Staatsraths Thorby. Oft lustwandelten die beiden Frauen Nackmittags in dem schönen Park und wenn Hans heimkehrte, lud er sicki oft selbst noch auf ein Stllndtfcn bü der fröhlichen Nachbarin zu Gaste, die ihr Wittwengewand auch nach dem abgelaufenen Trauerjahr noch forttrug, weil Schwarz das Ebenmaß "ihrer schlanken Figur am Vollkommensten hervorhob. Im Uebrigen war Abigail von Thorby eine der lebenslustigsten Frauen, eine brillante Reiterin, eine geistvolle Gesellschafterin und frei von so manchen kleinen Prüderien, die andere Frauen oft so unausstehlich rnachen. Wieder war es eines schönen Sommernachmittags, als Frau Ebba das kleine eiserne Psörtchen in der Mauer des Nachbargrundsiücks. zu dem ihre Freundin ihr den Schlüyel gegeben hatte, öffnete, um ein paar Plauderstündchen mit der Nachbarin zu verbringen. Im Hause fand sie Frau Thorby nicht. Die Gesellschaftsdame, welche sie antraf, sagte, daß die Gesuchte im Garten sei und zwar in Beglertung eines Herrn, der sie dringend zu sprechen begehrt und vorgegeben habe, erwartet zu werden. Unschlüssig, ob sie unter solchen Umständen die Freundin aufsuchen oder ihren Besuch lieber auf eine spätere Stunde verschieden sollte, ging Frau Ebba durch den Park zurück, aber ihre weibliche Neugier war docb so siegreich, daß sie die großen dunklen Augen nach cllen Seiten ihre Blick: richten ließ, um von der Freundin und dem Herrn, der so dringend" sie zu sprechen begehrt habe, etwas zu entdecken. Und richtig drüben unter der a!ten Buch: saß Frau Thorby, und ein höchst modisch, aber etwas auffallend gekleideter Herr schien ihr eindringlich etwas mitzutheilen. Von einem Gebüsch gedeckt, hemmte Frau Eböa den Schritt. Ihre Evanatur machte sich bei ihr gelten, der brennende Wunsch, zu wissen, was jener junge Mann mit der Freundin zu verhandeln habe, ward rege und immer reger, als sie sah, wie schließlich der Fremde mehrere kleine Päckchen h:?vo?zoa und wie eins davon in den Händen der Frau Thorby blieb. Jetzt nahm der Modisch: ein Notizbuch hcroor, zeichnete etwas ein und verabschiedete sich dann unter eine? Anzahl tiefer Verbeugungen. Tcr Fremde verschwand, die Frau von Thorby blieb sitzen und schien sich angelegentlich mit dem Kistchen z'u beschästigen. Als Frau Ebba herantrat, legte sie es mit einem leichten Erröthen bei Seite. DaZ steigerte natürlich der Letzteren Neugier und alsbald rückt: sie mit einer Frlge nach dem schmucken weißen, golderänderten Käsigen hercus, das fcit feine Hand der Freundin, die wie schützend über demselben lag, nur zur Hälfte bedeckte. Warum jollt: ich es Dir. meiner liebsten? Freundin, nicht anvertrauen?" sagte Frau von Thorby nach einer kleinen Pause. Da sieh selbst " Sossioi & Co.". las Frau Ebba den geschnörkelten Namenszug in goldenen Buchstaben auf der bunten Etiqvxiic. Was ist das?" Oeffne!.Mas? Cigaretten?" Cigaretten echte egyptische. Warum schaust Du so verdutzt drein? Ich rauche sie mäßig, aber sehr gern. Mein guter alter Gatte hat mir" die Passion für sie eigentlich beigebracht. Wenn ich ausreite nnd draußen vor der Stadt allein bin, dann zünde ich mir eine an. Und ich will sogar ganz offen sein und Dir sagen, daß ich in meinem verschwiegenen Boudoir auch hin und wieder den köstlichen aromatischen Geruch einigen dieser zierlichen weißen Röllchen entlocke: Aber das ist doch kein Genuß!" rief m Ebba ganz entsetzt. ÜUU
Doch ein ganz eigenartiger socpr! Weißt Du was, Ebba, wir gehen hinein und ich fröhne meiner Nauchleidenschaft. Und wenn Du ganz weis: bist, dann versuchst auch Du eine 'Cigarette. Erstens sieht es Niemand und zweitens ist's kein Verbrechen!" Ich, o nie!" rief Frau Ebba. Halt! Das habe ich auch einmal gesagt!" lachteAbigail. und nachher that Zch's doch. Komm!" Ach, über die Grundsähe einer Frau! In diesem Augenblicke scheinen sie noch in einem tiefen Fundamente zu wurze!n und im nächsten flattern sie wie eine Schaar kleiner Vöglein davon. E? eine Viertelstunde verging, sah Ebba mit wechselnder Nevier, wie zwischen den rothen Lipven Abiqails kokett die Cigarette schwebte und nach weiteren zehn Minuten versuchte sie selbst mit leicht bebender Hand eine solche zum Munde zu führen. Die beiden Frauen waren so vertieft in ihr: Beschäftigung, daß sie gar nicht bemerkten, wie für einige flüchtige Secunden ein Männerkopf am Zensier sichtbar ward und wie sich auf dem hübschen Gesicht: Hans Sörenfens, denn diesem gehörte der obbemeldete Kopf, ein so großes Erstaunen au--prägte wie das Bild, das seine Augen schauten, nur hervorzurufen im Stande war. Ebba seine Frau die eingeschworene Feindin jedes Tabaksaualms die Bernickterin seiner so schön geplanten häuslichen Nauchopfer, sie rauchte, rauchte Cigaretten! Ganz verdutzt ging Hans, der gekommen war. um sein Weibchen abzuholen, in den Park zurück. Was 'sollte er thun? Die Damen zu überraschen versuchen? Beim ersten Klopfen an die Thür würden die Cigaretten verschwinden und der Thatbestand würde einfach und mit echt weiblicher Hartnäckigkeit abgeleugnet werden. Nein, so ging es nicht! Aber nutzbar machen wollte er sich den Anblick, so viel stand fest. Frau Ebba fand ihren Gatten heute Abend ein wenig wortkara. Es war zudem sein Clubabend", so nannte er sein allwöchentliches Zurllckflüchten an den Stammtisch, und so kam es zu keiner Frage nach der Ursache. Als Hans sein Stammlocal betrat, kam ihm ein Herr entgegen, der ihn sehr devot ansprach: Mein Haus hat wohl nicht mehr die Ehre, hren ganzen Bedarf an Cigarren und Cigaretten zu decken, Herr Sörensen? Ihre Bezüge sind gegen früher viel geringer geworden. Schade Wir haben jetzt aanz prächtige egyptische Ctqaretten. Hätte ich Sie heute Nachmittag in Ihrer Wohnung anzutreffen erwartet, ich würde Ihnen die neuen Qualitäten vorgelegt haben. "ch befand mich in der unmittelbaren Nähe Ihres Heims." Wie ein Blitz durchzuckte es .ans. Bei unserer Nachbarin, der Frau von Thorby?" fragte er gespannt. ..Wie?" rief der Andere überrascht. Sie wissen? Nun, dann ist es ja kein Geheimniß mehr, und ich kann eingestehen, daß mein Haus die Ehre hat, auch die gnädige Frau zu ihren Kunden zu zählen." Welch: Qualität raucht Frau von Thorby?" Diese: Sossidi & Co. ganz vorzügliche! Der Khedive raucht sie nicht besser!" Und damit zog der Cigarrenreisende ein Schächtelchen aus der Tasche und reichte es Hans. Famos!" rief dieser. Diese da behalte ich gleich! Und von derselben Sorte senden Sie mir zunächst eine Biertel-Mille! Aber gleich morgen!" Zu dienen!" Noch nie war Hans an .seinem Stammtische so aufgeräumt gewesen, wie am heutigen Abend. Der nächste Morgen kam. Kaum war Hans aufgestanden und der Ruf zum Kaffee von den Lippen Frau Ebba's erschollen, da stellte sich Hans ein. im gemüthlichen Morgenbabit, zwischen den Lippen ein: Sossidi & Co." und so paffend, als wolle er das ganze Zimmer in wenigen ZUgen mit dem aromatischen Rauche füllen. Frau Ebba prallte erschreckt zurück. Aber Hans das ist doch "
Bitte?" sagte Hans mit unheimlicher Höflichkeit. Du rauchst ja hier im Wohnzimmer nein, wirklich, das ist zu crg! Du weißt doch, daß ich den Rauch nicht vertragen kann!" Wirklich?" lächelte Hans. Hm! Von anderen Cigaretten vielleicht nicht, aber diese doch wohl?" Und er schob hr das Schächtelchen hin. Bitte, überzeuge Dich, es !n Dein: Sorte!" Meine V Frau Ebba's Augen blickten starr auf ihren Mann. Hans Du Du Du weißt ?" Alles! Daß Dir bei Frau von Thorby die egyptischen Cigaretten famos schmecken, und daß Du mir hie? das Rauchen verbietest! Nein, liebe Frau kein Wort mehr nun ist's vorbei mit dem Rauchverbot!" Ehe Frau Ebba antworten konnte, kam das Mädchen mit einem Packet herein. Das ist soeben von Qualm & Co. abgegeben worden!" Stimmt!" lachte Hans. Da Ebba das erste Viertel-Mille der neuen Egyptischen! Jetzt rauche ich weiter und wenn Du klug bist, kleine Frau, dann rauchst Du mit!" Ob sie es gethan hat? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur von Qualm & Co., daß Sörensens zu den besten Priratkunden der Firma gehören. DerKrückenspottet, wer ihrer nie bedürfte.
eslfrirt' August Bürger. Hundert Jahr: sind verflossen, feit Gottfried August- Bürger, der Sänger der Lenore", auf dem Göttinger FriedHofe seine letzte Ruhestätte fand. Ein schlichtes Denkmal bezeichnet hier die Stelle, wo sein sterb:ickes Thcil beizegesetzt wurde, aber, der Kreislauf der vollen hundert Jahre mußte sich schließen, bevor die Frage ernstlich erwogen werden sollte, ob ihm, dem um unsere Literatur unzweifelhaft Hochverdienten, nicht ein anderes Erinnerungszeichen als dieser einfache, jetzt dazu noch halbverwitterte Stein gelühre. Ein seltsames Schicksal verfolgte den Mann. Man hat, und nicht mit Unrecht, sein Leben ein. freilich wenig in die Sphäre der Poesie fallendes, bürgerliches Drama genannt, und er selbst hat, unfähig, die Conflikte desselben durch kllnstlerisches Schaffen zu überwinden, mit verhältnißvoller Offenheit auf einzelne Abschnitte desselben in allzu Helles, wenig erquicklichtes Licht fallen lassen.
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Gottfried August Bürger. Am 1. Januar 1748, wie er selbst sagt, in der ersten Stunde des Jahres, als der Sohn eines Predigers in Wolmerswende bei Harzgerode geboren, erhielt er im elterlichen Hause eine nur mangelhaft: und unregelmäßig: Erziehung, bis sein mütterlicher Großvater Bauer, ein nicht unvermögender bäuerlicher Gutsbesitzer in Aschersleben, sich seiner annahm und ihn erst auf die Stadtschule in Aschersleben und später auf das Pädagogium in Halle brachte. Nach dem Willen dieses Großvaters sollte Bürger sich in Halle dem Studium der Theologie widmen; unter den für ihn wenig ersprießlichen Einfluß von Klotz gerathen, gab er jedoch dieses lässig betriebene Studium auf und dczog später die Universität Göttingen, um das Studium der Rechte zu ergreifen. Die Klotzische Beeinflussung dauerte zum Nachtheile für den jungen BürgersGeburtshauS. Studenten auch in Göttingen fort; Bürger lebte hier jedenfalls über seine Mittel, vielleicht auch ausschweifend, keinesfalls aber in der rohen Weise, wie es geschäftige Zwischenträger dem Großvater darstellten, der nunmehr seine Hand'gänzlich von dem Enkel abzog, den Unglücklichen seinem Schicksale überlassend. Trotz aller Ablenkung durch gesellige Vergnügungen und selbst Excesse hat Bürger das juristische Studium während seiner GöttingerZeit niemals vernachlässigt, und er pflegte es auch, als die bitterste Roth über ihn hereinbrach und er zu den verzweifelt sten Mittel greifen mußte, um das nackte Dasein zu fristen. Jedenfalls erwarb er sich Kenntnisse $enug,, um eineStellung im üürgerlich-nLeben aus zusüllen, wie sie ihm endlich durch Verrnittlung eines der dichterischen Freunde, die er in Göttingen gefunden, zu theil wurde. Boie, das Haupt jener Vereinigung junger Poeten, die in un serer Literaturgeschichte unter dem Namen des Göttinger Dichterbundcs oder des Hainbundes fortlebt und zu dem außer Bürger vornehmlich noch Voß, Miller, Hölty. Ewald. Hahn, Clauswitz. die Stollberge, Leisewitz und Graf Schönborn zählten, Boie war es, der dem Freunde die hilfreiche Hand bot. wenigstens war er es, der , die ersten einleitenden Schritte that, um Bürger zu der Stellung eines Gerichtshalters", das heißt Lehen- und Patrimonialrichters bei der Famile von Uslar in dem Amtsbezirke Altengleichen zu verhelfen. Blühten dem Dichter aus dieser Stellung auch keine Rosen, so . JF&my? MUM Bürge rsGrabinGöttingcn. hatte sie doch das Gute, daß sie eine Aussöhnung mit oem Großvater herbeiführte. Bürgers weitere Lebensschickliche dürfen als bekannt vorausaesetzt werden. Das Glück war nicht an seinen Lcöensweg zu vannen. Unglückliche Unternehmungen, wie es scheint, auch allzu große Vertrauensseligkeit räumten bald mit dem großväterlichen Erbe, das, aus achttausend Tbalern bestehend, für jene Seit und die Umstände :s Dichters nicht unbeträchtlich war, auf. .Ein Ehebündniß, das er wohl mehr zur Erlangung eines aeordneten Hausstandes als aus 5,erzensneigung mit Dorette Leonhart schloß, wurde dadurch verhängnißvoll für ihn. daß es, wie tz selbst gesteht, schon am Traualtar eine' verzehrende
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Leidenschaft zu der jüngeren Schwester der erwählten Lebensgefährtin in ihm aufkeimen ließ, Zwistigkeiien und Zerwürfnisse mit seinen Patrimonialherren thaten ein übriges, ihm die Gerichtshaltersielle, nachdem er sie zwölf Jahre lang betleidet, zu verleiden, und so siedelte er 1781 als Privatdozent nach Götting:n über, wo er nach Dorettens Tode seine angebetete Molly" heiratheie um auch diese nach zroeijähriaem Eheglücke zu verlieren! Der traurigen Episode, die Elise Hahn, das Schwabenmädchen", in dem Leben des unglückseligen Dichters spielte, sei hier nur flüchtig gedacht. Vor der Zeit gealtert, krank, in den zerrüttetsten VerHältnissen beschloß Bürger am 8. Juni 1794, ein an Leib und Seele gebrochener Mann, sein freudloses Dasein. Ueber Bürgers dichterische Begabung und die Stellung, die er in unserer Literatur einnimmt, sollte man denken, könn: ein Zwiespielt der Meinungen nicht herrschen! Und doch hat es sowohl
wahrend lerne Lebens wie in d:n seit her verflossenen hundert Jahren an Stimmen nicht gefehlt, die sich scharf gegen seine dichterische Begabung wie !gegen. sein? dichterischen Leistungen ausgesprochen. In verhältnißvoller Weije eröffnete kein Geringerer als Schiller im Jahre 1791 in der Literaturzeitung" den Reigen dieser Tadler, dem schwergeprüften Dichter damit ein: Wunde schlagend, die dieser bis an sein Lebensende nicht verwinden ronnte. Alles, was der Dichter geben kann, so Dorette. Molly. führte Schiller aus, ist seine Jndividualität. Drese muß es also werth sein, vor Welt und Nachwelt aufgestellt zu werden. Kein noch so großes Talent kann dem einzelnen Kunstwerk verleihen, was dem Schöpfer desselben gebricht, und Mängel, oie aus dieser Quelle entspringen, kann selbst die Feile nicht wegbringen. Schiller vermag in Bürger den wirklichen Volkssänge? nicht zu erblicken, weil er an dem größeren Theile seine Gedichte den inilden, sich immer gleichen, immer hellen männlichen Geist vermißt, der eingeweiht in die Mysterien des Schönen, Edlen, Wahren, zu dem Volke bildend herniedersteigt, aber auch in der vertraulichen Gemeinschaft nie sei"? yimmlische Abkunft verleugnet. Als Schiller die Besprechung der Jürgerschen Gedichte im Jahr? 1802 der Sammlung seiner kleinen Prosa!schen Schriften einverleibte, sah er sich genöthigt, derselben eine einschränkende Bemerkung hinzuzufügen. Hielt er auch das von ihm gefällte Urtheil im wesentlichen aufrecht, so räumte er doch ein, daß es so, wie er es abgegeben, von der Leidenschaft des Parteistreites diktirt worden sei. Mit besseren Gründen unterstutzt, mögen die Schillerschen Ausführungen heute noch ihre Geltung behaupten, vorausgesetzt, daß das Idealbild, etwa von Schiller selbst ab gesehen,niemals erreicht worden. Wenn Bürger etwas geweien, so ist er em volksmäßiger Dichter gewesen. Wie wenig andere hat er es verstanden, Töne zu treffen, wie sie nur aus der Volks seele hervorzudringen vermögen. Wenn er das Lied vom braven Mann anstimmt, dann klingt es wirklich wie Orgelton und Glockenklang, wenn er das Märlein vom Abt von Sankt Gallen anhebt, lebt ein Volkshumor auf, wie Deutschland ihn seit Jahrhunderten nicht mehr gekannt, wenn er von Frau Magdalis und ihrem Kummer erzählt, führt er uns unvermittelt, in die Hütten der Armen und Elenden ein. wenn er Lenorens Todesritt schildert, läßt er den Geister- und Gespensterglauben der Menge aus verjährter Grabesruhe zu greifbarer Lebendigkeit erstehen, und wenn seine Absage an die französische Revolution ergeht, nimmt er, ohne sich rn einem Weheruf über die nur dem Sehenden erstrahlende Fackel des Himmelslichtes zu ergehen, einen Standpunkt ein, von dem man nur wünschen könnte, daß die Gesammtheit unseres Volkes ihn getheilt hätte. Weiß er als volksmäßiger Sänger das, was diesen vor allem charakterisirt, den Naturlaut, anzuschlagen, so verfügt er andererseits über die ganze Wahrheit und Innerlichkeit und das ganze feine Formgefühl des echten und wirklichen Dichters. V e r u f s l Z e b e. Der Seemann liebt stürmisch. Der Heizer feurig. Der Conditor süß. Der Dichter schwärmerisch und Der jugendlich: Bühnenliebhaber nur äußerlich. I a so ! Denken Sie sich nur. wie unangenehm es ist, wenn man des Nachts etwas später heimkommt und das Hausthor verschlossen findet. Das passirt mir nämlich sehr oft und ich muß dann jedesmal vor der Thur über nachten." Ja, aber weshalb nehmen Sie denn keinen Hausthoncklusse mit?" Mein Bester, den hab' ich ohnehin, aber ich kann das Schlüsselloch nie finden! ' V e r d i e n i e N u h e. Studen A.: Nun, altes Haus, bist Du schon . . rr... ' ti..v.i Iüioei um uuuuctica vsiuocn V.: Nach gethaner Arbeit ist aut ru ben: ich habe diesen Morgen schon flln Gläubiger zur Wir hinaus geworfen!- -
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Die fünf Zwnc öcs Studenten.
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Geruch. Wenn ein Blumenmädchen fein Und adrett auch muß sie sein Sich rm Mlttagssonnenschem Auf der Promenad' stellt ein Kauft er sich ein Röselein, Heftet's in das Knopfloch 'rein. Daß es dort,- im ros'gen Schein Leuchte chic, vlan, pschutt und fein. S o befriedigt, schnell genug. Sich des Studio's Smn: Geruch! & Geschmack. Das Studiren ist kein Spaß, urbeit gibt s ohn' Unterlaß. Kneipe, Fechtsaal, Bummel, was Los ist immer dann das Naß! Wenn die Kathi Maß für Maß (NB. Prächt'ges Mädel das!) Schleppt herbei ohn' Unterlaß Bon dem braunen Gerstennaß, Weiß der Studio, daß voll List Sein Geschmackssinn thatig ist. Gesicht. Des echten Studio Gesicht Ist manchmal scharf und manchmal Nicht! Gehör. Kommt ein Manichäer her, Ach, wie hört der Studio schwer. Klopfen maz er noch so sehr. Aufgemacht das wird nicht mehr! Doch, so üm den Ersten her. Wenn d' Wechsel fällig war, Ei, wie fein wird da, auf Ehr', Unsers Studio's Sinn: Gehör. Geldbriefträger klopft Hurrah! Eins, zwei, drei, ist Studio da! Gefühl. Wenn der Tag, den man erharrt, ' Kam und angesetzt" man ward. Wenn man, riesig ungeniert, Endlich steht, anbandagiert, Wenn es heißt: Auf die Mensur!' Und die Hiebe pfeisen nur Wenn dann endlich es schmerzt hart. Wird vernäht die Riesenquart Seufzt der Studio leise noch: Sieh', Gefühl auch hab' ich doch!" An Einem genug. Ihr Vater: Sie lieben also meine Tochter?" Ihr Anbeter: 'Mehrmals mein Leben." Ihr Vater: Das genügt. Sie werden sie niemals mit meiner Einwilligung bekommen. Wissen Sie, ich bin selbst ein Lügner und ein Lügner in der Familie ist gerade genug. Für Concurrenz danke ich." Der erste Patient. A.: Wer ist denn der Herr dort, der so selbstbewußt einhergeht?" V.: Das ist der junge Thierarzt, der sich vor zwei Monaten hier niedergelassen kzat. Gestern ist er zu einem kranken Kanarienvogel gerusen worden, und nun hat er den Größenwahn!"
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ZZerbMte. Mit Recht kann eine Toilette unvoll-
ständig genannt werden, wenn man einen ihrem Charakter nicht angepaßten Hut dazu wählt. Ein einfaches Hütch." cint sich einer geputzten Nobe eben so wenig, wie ein streng in sranzostschem Geschmacke gehaltener Hut zu einem Kleide englischen Genres. Hier ist der kleidsame Amazonenhut am Platze, mit zwei langen, von einer chiken Sammetbandmasch? ausgehenden, vollen Straußenfedern garmrt. Der Grundzug der Hutmode für den Herbst ist, wie dies nach dem allgemeinen Charakter der Toiletten nicht anders zu erwarten war, unqesuchte Einfachheit. Es kommen viele Bandaarnituren oder ArranaemeniS aus klein brochirten Seidenstoffen in Anwendung, die vorwiegend in Maschenart gesteckt und vorne placirt werden. Die Kövfe der Hüte sind mäßig hoch, ebenso haben die Krampen nicht die Breite angenommen. i Amazone. welche prophezeit wurde; grivirte, das heißt mit Jaisstaub bestreute Vögel werden, wie Spitzen oder Blumen, nur wenig genommen: dagegen sind Flügelgestccke in allerverschiedensten FormundFarbencompositionen beliebt. Roth-blau-grun schathrte Flügel, ganze. kleine Papageien oder große schillernde exotische Vögel sitzen, oft den ganzen Kopf deckend, auf den Huten, doch geben viele Damen den einfach garnirten. heuer in so geschmackvollen Exemplaren vertretenen Modellen den Vorzug. Die .Herbsthüte sind vorwiegend in Spiegelsammet und zwar in dunklen Nuancen c.chalten: für Capots, die im Durchscknitt ein wenig größer geworden sind, kommt oft auch weimer Filz in Anwendung. Ein ganz neues Modell einer solchen Capote zeichnet sich durch seine Originalität aus. Unter dem vorne angebrachten Straußfedern , Arrangeinent und adocvons aus .lais in Tropfenform befestigt, die bei jeder Bewegung des Kopfes die sehr weiche Krämpe niederdrücken, so daß diese in ihrer Form fortwahrend varurt. Zu Toques und Capotehütchen müssen klein gemusterte Schleier getragen werden, die auch unterhalb des Kinnes nicht in so reichen Falten liegen dürfen, wie bei den breitkrämpigen Hüten. Ganz neue lcvendelblaue Schleier haben verstreute kleine Stahl- oder Faispailletten, die auch in Abwechslung mit ganz kleinen creme Spitzenfiguren auftreten. Mit Gold- und Silberperlen bestreute Schleier haben Retzfond; oft sitzt zwischen jedem Verbindungsgitter eine kleine Perle. . x V)$ti&'8r .Yiii'(X JW'fi v'i INS Helena. Mehrere sehr elegante Herbsthüte sind in unseren Illustrationen veranschaulicht. Ein Herbsthut Amazone" aus tabakbraunem Filz ist in dem ersten Bilde dargestellt. . Der Krämpenrand ist vorwärts stark, rückwärts wenig herabgebogen; zwei lange Straußftdern legen sick rings um die Krämpe. Worne sitzt in einer tabakbraunen, hochoesteckten Bandschleife ein schattirter Vogel. Einen Herbsthut Helena" aus ganz weichem, feinen blauen Biberfilz, garnirt mit gemustertem französischen Sa-iin-Foulard, der vorne in Form einer großen Elsässer-Masche angebracht ist, veranschaulicht die zweite Illustration. S a m rn e t h u t. Recht malerisch wirkt ein rundes Hütchen (dritte Abbilduz) aus schwar-
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iixix Sammet; derselbe hat eine vorn:
und seitwärts etwa 31-2 Zoll, hinten nur halb so breite Krämpe, die einen geraden, 11-2 Zoll hohen Kopf umschließt. Der Kopf des Pettinetgestelles ist außen, di: Krämpe innen und außen glatt mit Sammet bezogen, der am Rande de? Krämpe mit einer Hohl naht aneinander gefugt t. Den Kopfrand umgibt ein glattes Bandeau; zwischen der, wie ersichtlich, an beiden Seiten hochgcbogenen 5ttampe und dem Kopf sind an der linken Seite ein paar siehende Straußfedern eingefügt, wayrend die Krämpe an beiden Seiten voll: Rosetten aus schwarzem Atlasband zieren. Ein eleganter Cap?tehut für junge Damen (letzte Abbildung) besteht aus einer sehr langhaarigen, gelb u-nd dunkelblau changirenden . Angora - Filzplatte, die vorn in zwei hochstehende. hinten in zwei schräg verlaufende Falten geordnet ist. Der Theil mmittm der letzteren ist aufgeschlagen und mit ein paar kleinen Schmucknadeln festgesteckt; die PlaUe ruht auf einem runden. Pettinetrand, der nutDraht benäht und mit Sammet eingefaßt ist. Die Garnitur besteht aus dunkelblau und altgold klnqirendem Seidenband von etwa 3 Zoll Breite, aus dem eine volle. stehende Schleife gebunden ist, die aus vier Oesen und zwei Enden besteht. Zwischen den Schleifen hervor tritt nach beiden Selten hm t em blausckwarzer Walkürenflügel mit grüngoldig schimmernden, kleinen Federn, Eapotehut. und' durch den festen Knoten de? Schleife sind, sich entgegentretend, zwei lange Nadeln aus Wachsperlen und Goldbronze gesteckt. Den Bügel garnlren vorn zwei gezogene kleine Rosetten aus Sammet, während hinten um die Mitte des Bügels ein langes Band geschlungen ist, dessen Enden vorn zur Schleife geknüpft werden. Fatale Situation. Aeh, Hut entflogen . . . Kuckuckswind... lauf ihm nach ... Trinkgeld. Js scho recht; halten S' nur derweil mei' Säu'!" S HVsW BfeS Jwyzs KTw 4 ' (? Jtzzr MyM 'z?r-& ' "rt--T. . Ach, eigenthümliche Situation, das!" Alle Wetter, Melanie. . . . nein, solches Pech!" Schalttsche Wcltwclöhcit. Seh' einen Greis ein Mädchen ich frei'n, So denk' ich an dies Bild: Ein dummer Winzer nur neuen Wein In alte Schläuche füllt! Was willst Du um den Wein Dich sorgen? Laß diese Sorge der strahlenden ' Sonne! Doch ist er gerathen, dann trinke den Saft Der Reben voll Dankbarkeit und Wonne! Gutmüthig. Auf, der Eisenbahn fällt aus dem Gepäcknetz auf den Kopf eines Passagiers fortwährend ein Koffer, en der Eigenthümer mit vielen Entschuldigungen immer wieder zurückexpedirt. Endlich sagt der Geduldige bei einer erneuten Entschuldigunz: Heren Se, nu' brauchen Se sich nich mehr zu entschuld'aen '
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nu bin ich's geweehnt!"
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