Indiana Tribüne, Volume 18, Number 26, Indianapolis, Marion County, 14 October 1894 — Page 6

Scmstrcibcn.

agdslizze au? den bayrischen Bcrgcn. A. v. Pcrsall. Von ist der ste September, fünf Uhr Morgens, unD noch ringt sich der 'Tag kaum durch. In der Wirthsstube zur JSfeb" wirst das Flackerlicht tu mx Unschlittkerze feinen. Schein über bärtig: Grellen, die dich: aneinander gedrängt die Tische füllen. Eine übernächtige Luft herrscht, noch verdictl durch die Ausdünstung triefender Wettermäntel und undurchdringlichen Tabzksnebel. Der Förster geht erregt in dem kleinen Raume umher. Gin verdächtiges Pfeifen, welches den Leuten die übelste Laune des Gestrengen verräth, dring! auZ dem auf der rechten Seite Hemd und Joppe verdrängenden Satthalse. Man muckst nicht an den Tischen und erwartet die unauZblciblicheEntladung. Es blitzt und wetterleuchtet schon in den scharfen schwarzen Augen, unter den buschigen Augenbrauen. Ein Darl stößt, von einem unvorsichtigen Bergschuh getroffen, einen nervenersckütternden Schrei aus da bricht fs schon los, das Unwetter. Mit Euren Herrgottsviechern! Ich sag's ja alleweil, im Wirtbshaus kralehl'n, draußen keinOhrwaschel rübr'n, grad wie Ihr selber! Aber das sag' i Euch, wenn Ihr' Heuer wieder so machen wollt, wie vorig's Jahr, einer den andern nach wie d' Schaf'l, wo's grad bequem hergeht, nachher könnt' Jbr was d'rleb'n. Wer is denn schuld, w:nn's schief qelji? Der Förster! Wenn's d' Gams hint' nausgchn? Der Förster, Ü3 ob man die ein'it hintrag'n könnt und den andern an Verstand eingeb'n." Die Leute dampfen mit stoischer Nuhe weiter und hüten sich wohl, durch ein unbedachtes Wort den Grimmigen noch mehr zu reizen. A Wetter is aber schon," wendet sich dieser, ein neuesAngriffsobjekt suchend, .jenen das Fenster. Grad Regen und Neöel und all' Teufel, d' Latschen gliischnaß. d' Sach' alles herunt', aber natürll g'jagt muß werd'n." Vielleicht kommens gar net, kunn! glei fein," bemerkt in der Absicht zu beruhigen der Forstgehilfe. Da kommt cr ut an. .Was? Net komni'n? Des aing grad no ab! Treiberlöbn' zahl'n! A 100 Markl für' Siubenhocken und Jierausspiel'n, die ganze Arbeit umsonst! Kann ja besser wer'n, bis der Trieb angeht. Wird a besser," öehauptete er das Firmament prüfend. ..Sehn's denn net. daß': der Sunnawind anpackt den Nebel? Da hören S's brummn?" Ein dumpfes Rolfen ist hörbar die Strafn h'raus. Rei komma!" wiedsr5ioltz er höyr.ifch lacheno. Alles erhebt sich, greift räch Hut uns Bergsto und tritt in'Z Freie, die Anfahrt der Kavaliere sich zu betrachten. Zuerst ein stattlicher Viererzug die königliche Hoheit, der hohe JagdHerr in kleidsamer Gebirgstracht. Der Förster begrübt ihn eherbietia, völlig verändert. Eine drollige Deinuih ringt sich durch die wetterharten eaergischen Züge, und die raube Stimme, die eben noch so gepoltert, Hingt jetzt fast weich. Alles geh: vortiefflick, die besten Aussichten aus qutes Wetter und Erfolg. Lächeln) nimmt der hohe Herr die längst gewohnten Versicherungen hin. Dann kommen die Gäste gefahren. Ein lebendiges heiteres Vild entwickelt sich, frohe Jagdstimmung aus allen Gesichtern. Der Förster gibt unermüdlich immer von neuem hoffnungsreichen Bescheid. Gan-.s grad gnua und aus können's gar net! Dazua solche Schüh'n, da kanns gar net fehl'n." Der Jagdherr gibt das Zeichen zum Aufbruch, der Förster geht voraus, den Zug anführend. Eine vielgestaltig: Reihe! Die behäbige Excellenz, jetzt scbon den Hut in der Hand, mit einem stark parfümirten Taschentuche den Schweif; sich trocknend. Der Geheimrath mit dem tadellosen '.seiften Schnurrbart, dem die kurze Hose niÄts raubt von vornehmer Würde. Der Offizier, die grüne Joppe in der Taille stramm geschnitten, mit den elastischen Aewegungen. die fein Beruf verleiht. Der Aristokrat mit der peinlichsten Sorgfalt für das Schuh:rk, den schlanken Knöcheln und langen Beineu. Der Forstmann in vergilbten Farben wie ein herbstliches Blatt, rni! ber gewissen stimmungsvollen Patina, die nur der Wald selbst verleiht, der von Alter und harterArbeit gekrümmte Träger, der mit einem vollgepackten Nuck'szck hinter seinem Kavalier tappt. Das olles qeh! in gemenenem Bergschritt die Serpentinen des Jägersteiges hinauf den Ständen z. Allmälig verstummen die Gespräche, die Anstrengung nimm zu. die Erwartung wächst. Schon lichtet sich der geschlossene Hochnald, und die Schroffen schwimmen hoch oben im Himmelsblau. Der erst? Stand ist erreicht. Erellenz. wenn's g'fallig wär'. A guater Bock is Jhna sicher. Lassen 'hn nur schön her, nachher kann er net aus. Beim zweiten Bog'n g'rad umkehr'n." Die Excellenz kann ihre Zufriedenheit, am Ende der Mühe angelangt zu lein, nicht verbergen und läßt mit Wohlbehagen die Gesellschaft an sich vorüberziehen. Das Gamsgebirg beginnt, der Steig wird eng und steil, Stein- und Geröllrinnen kreuzen, überschütten ihn. senkrecht unter uns braust das Thal. Die alten Herren harren ihrer Erldsung und werfen fragende Blicke auf den Förster, der erbarmungslos vor-anschrcitet.

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Herr Geheimrath!" ruft er am zweiten Stand, wenn i bitt'n den! Bor zwei Jahren haben's da anGamsbock g'fehlt. Wissen Sie's no? An guaten a no." Der alte Herr lächelt bitter zu die.sen unangenehmen Erinnerungen und nimmt den, fatalen Platz ein. Bon da ab geht's gamsig" her, über steilabfallende Lauer, um kritische Ecken und Kanten. Der hohe Jagdherr nimmt den nachften Stand, begleitet von dem Leibjager, den sogenannten Fürstenstand". So bleiben nur noch die jungen Gäste, welche bei der Gemsjagd, sonstiger Gepflogenheit zuwider, die besten, das heißt die höchsten Stände einzunehmen pflegen. Junge, kräftige Beine, gute Lungen und frischer Muth siegen hier über Titel und Rang. Der Förster sucht sich jetzt immer vorsichtiger seine Leute aus mit forschendem Blick. Es ist jetzt schon eine Ehre, nicht gewählt zu werden. Ich bin dessen sicher, mein Stand ist feit fünfzehn Jahren derselbe, der vorletzte, ich habe bereits das Hausrecht dort erworben. Machen Si's fein gnädig,- sagt der Förster, als ich ihn verlade, um auf schmalem Steig durch das Gewänd meinen Platz zu erreichen, 's junge Graff'l muß bei Jhna 'naus, wenn's an fchlecktern als an Vierjährigen fchiaen. fan's a Batzer! Weidmannsheil. Baron!" Der Platz ist mir theuer. froheJagderinnerungen knüpfen sich daran. Die Geister der von meinen. Kugeln hier schon Gefallenen beleben die Wände, die Schroffen, und erhitzen das Jäger blut. Unter mir ein gährender Kessel, von wild zerklüfteten Wänden eingeschlossen. aus dem ein breiter, jetzt im Sonnenlicht weiß leuchtender Geröllstrom sich ergießt bis hinunter in das Thal, über welchem die Nebel ihr Wolkenspiel treiben. Ueber mir die kantige Schneid, aus welcher der tiefblau; Himmel zu lasten scheint. Tiefe Nukie, keine Ahnung des Mordes, der heimtückisch bereitet wird. Ein Nudel Gemsen äst im kühlbeschatteten Laner. der sich durch die Wände hinauf zieht wie ein grünes Band. Ein Steinpocher umflattert neugierig mich fremden Gesellen, und zwei Bergraben schwingen sich kreischend, die Mahlzeit witiernd, hin die Felsöurgen. Thürme und Basteien. Da dröhnt ein Schuh, vielfaches Echo weckend, durch die Thäler schleichend, langsam vergrollend. Die Gemsen drüben werden unruhig, die Raben schwingen sich höher dann wieder endlose Stille. Der lustige Kampf der Sonne mit dem Nebel unten naht der Entscheidung. Bald bäumt er sich zornig aus in hoherrSäulcn, bald schmiegt er sich katzenhast einen Ausweg suchend, bald flattert er in losen Schleiern, und immerfort neue Ctral)lenheere sendet das sieghafte Gestirn, das nun die Höhe erklommen. Auf einmal flieht er, in wilder Hast sich überdrängend, in die Ebene hinaus. Rein und klar, morgenfrisch winken das herbstliche Thal, die weiße Bergstrafte, die Gehöfte, und des Lebens vielfältige Töne dringen heraus. Der Trieb ist weit, der Weg durch die endlosen Latschenfelder jenseits der Schneid beschwerlich, noch hört man keinen Treiber. Da plötzlich ein feines Geriesel, dann ein abwärts polternder Etein. Das Herz hüpft auf. es ist. als ob eine Hand über die Magengrube streift. Die Betrachtunq ist zu Ende, die Jagdlust erfüllt die Seele. Mein Blick durchforscht die Wände, die Tiefe. Das Gemsrudel hat sich aufwärts in Bewegung gesetzt. Jraend etwas ist nicht richtig. Unten fällt der erste Schuft, die Excellenz meiner Berechnung nach Wildpret wol. Aus der Schneid erscheinen silhouettenhafZ: Gestalten. Geröll geht ab. der Gemspfiff tönt berauf. und das Feuer beginnt, das Wild hat die Schützenlinie erreicht, dort wird es abprallen. und dann sucht es die Höhe. Ich lege mich platt nieder und blicke hinab, doch der Fels hängt über und hindert die Aussicht, nur ganz unten springt es hin und her wie schwarze Flöhe. Ueber die Schneid herüber ertönt jetzt das Zeichen der Treiber. tU lendes Juchschreien, dumpfes Bellen, aho! ccho! Mau! Wau!" jeder nach seinem Geschmack, und auf einmal saust es herab in den steilen Kaminen und Rinnen, schemenhaft, unglaublich, schwarze fliegende Punkte dort! dort! Und unter mir das verlockende Geriesel. Gerassel, immer näher immer näher! Jetzt, Herz, sei standhaft. Augen seid schnell und sicher! Zur rechten Zeit das rechte Stück, das heißt, einen weidgerechten Bock erkennen, das ist die Kunst! Mit dem GerafsT habe ich mich nie abgegeben, im Leben nicht und auf der Jagd nicht, ein Spitzenbock" nach Nietzsche muh es sein. Mir gegenüber schleicht ein einschichtiges" Gems vorsichtig, jede Deckung benutzend. zwischen den Latschenboschen hindurch da hat's das rechte! Ich laue es nicht mehr aus den Augen oder vielmehr aus dem Feldstecher. Jetzt springt es aus einen Schnaken", die Krücken weit und hoch na wart'! Hinab, hinauf, dann wieder verschwunden. weiter oben ein ganzes Pack und von unten der.Lärmsoll ich mit dem Burschen die kostbaren Minuten vertragen! Bang! bang! prallt unten Schuß auf Schuft gegen die Wände aber jetzt! Da steigt er herauf in der Rinne, kohlschwarz nur noch um die Ecke, da bleibst du doch stehen heiliger Hubertus! Nichtig! . Jetzt kommt der Hochgenuß des Jägers! Das Korn in den zottigen Leib getaucht, ein Gedanke jetzt hast' ihn!

Ein Knall, ein Sturz über die Wand, ein inneres Jauchzen, als habe man etwas Großes, Herrliches gethan, ein gieriger Blick, wie derBock bergab saust, in eine Staubwolke gehüllt. Doch jetzt ist keine Zeit zu grausamem Genießen, die Ereignisse drangen, der Gestürzte rollt unter das unter mir auswärts flüchtende Wild. Der Gemspfiff ertönt in nächster Nähe, ich lehne mich so weit vor als möglich und richte die Büchse senkrecht nach unten. Jetzt erscheint ein Stück, noch eines, ein ganzes Rudel springt rathlos durcheinander, Geiß. Kitz und Bock, lauter Glump". Mein Aisier schleicht von einem zum andern, doch die richtig: Kruk'n" zeigt sich nicht. Auf den un teren Ständen wird wacker gefeuert, oben steigen bereits die Treiber herein durch das Gewänd. Der Jagdteufel ist los! Polternde Steine, Geröll, barbarische Schreie, Schüsse, von allen Seiten die Angstpfiffe des entfliehenden Wildes. Die Pirsch ist schöner, edler, es gilt einen größeren Einsatz an Ausdauer, Muth und Gewandtheit, aber dieser Furor, dieses leidenschaftliche Erglühen, diese dramatische Entwickelung haben doch ihren großen Reiz für den Jäger. besonders wenn er ein echt zefärbter ist. der seine sorgfältige Auswahl trifft, feine Leidenschaft bezähmt, beim Schießen nie von wildem Bernichtungstrleü erfaßt wird, wie blind ohne Beobacking des bewegten Schauspiels darauf losknallt auf alt und jung, wie es leider nur zu oft geschieht. Mich ergötzt die vorsichtige Kitzgeiß, die jeden Schritt erwägt, die leichtsinnige Jugend, die gleichsam die ganze Geschichte für einen Scherz hält, ebenso wie der schußgerechte Kapitalbock. Oder ist das zu viel gesagt? Da erscheint nämlich einer unter mir in der Sandreihe, kohlschwarz wie ein Teufel, die Kruken hoch und weit kümmere ich mich noch um das Schicksal der übrigen Schar? Beobachte ich noch? Offen gesagt nein! Die Augen gehen mir über, ich sehe nur mehr den schwarzen breiten Nacken, über den mein Bisir unruhig tanzt aber ich muß doch meinen Posten getreu ausfüllen, und der da unten ist reif für die Ernte. Was ist schlimmer, von einer reinlichen Kugel gefällt, mitten heraus aus dem strotzenden Leben, oder alt und krank am Winterfrost langsam verderben, von der Lawine verschüttet?! Einmal muß es ja doch sein, und zum ewigen Nachrühm soll dein Gehörn mein Zimme: schmücken. Ob ich damals so lange philosophirte? Schwerlich! Ich kann mich nur mehr erinnern, daß die Büchse mir nicht gehorchte, das Blut schoß mir in Kopf und Hand in der unbequemen Lage, das Bisir schwankte bedenklich über den in der Entfernung von 180 Schritt ziemlich schmalen schwarzen Sirich und die Treiber stiegen immer mehr herein und mußten ihn jeden Augenblick vertreiben. Herrschaft! Die Zähne übereinander gebissen nur einen Augenblick Nuhe. verdammtes Blut! Plötzlich steht das Bisir still, ein Knall, und auf dem weißen Stein unter dem Bock, der regungslos steht, erscheinen rothe Flecke ein sonderbares Taumeln und Schwanken, dann ein jähes Zusammenfahren, und der Bock verschwindet unter meinem Sitz bergab. Hat 'n schon," schreit ein Treiber herüber aus der Wand. Darauf ein dumpfer elastischer Fall Hat 'n schon!" Ueberall in den Wänden erscheinen jetzt die kleinen Gestalten der Treiber auf Plätzen, die in der Entfernung UNmöglich erscheinen. Einzelne Gemsen, die sich in den Wänden versteckt, flüchten der Höhe zu, die Treiberkette durchbrechend. Das Schießen hat aufgehört, der Bogen ist zu Ende. Unten im Graben wird das gefallene Wild aufgebrochen, und der Förster wettert und flucht. Ein Hund gibt Standlaut, dann plötzlich wieder dieselbe ernste Nuhe, wie vor einer Stunde. Ich steige über die Schneid zum Treffplatz der Treiber und oberen Schützen, welche im zweiten Bogen ihren Stand zu ändern haben. Da wird tüchtig geuntert" (gegessen) Schnaps und Speck und erzählt! wias hinten außidruckt hab'n, daß man's mit dem Stecken hätt' erschlag'n fönnen, von schiache Platz" (gefährliche). Allmälig sammeln sich immer mehr, Botschaft kommt, wer geschlossen Hai, wer g'fehlt und die Nachricht, daß die königliche Hoheit vier gute Vöck erlegt und den Sepp g'lobt hat. weil er so schneidig vor ihm abgeftieg'n is," ruft allgemeine Freude hervor. Wenn auch im ganzen das Resultat in anbetracht der vielen Schüsse, die gefallen, ein schlechtes scheint, diese vier Böcke sind der Erfolg, und der Förster wird jetzt anders aufdrah'n". Wirklich, man hört ihn schon den Berg heraufpusten und stöhnen, ohn: einen Fluch, und jetzt lacht er sogar schmetternd. Unwillkürlich lachen die Leute mit. Guat is ganga! Brav habt's Eure Sach' g'macht. Die königliche Hoheit is sehr zufrieden, für die Batzer da uns können wir alle nix. Aber jetzt aus. Leut', der Nebel druckt schon wieder 'rein, zum Fressen habt's hernach Zeit." Aber Herr Förster, a bißl rasten müassen's do a," meint ein Jäger. Wer sagt denn das? Alle mit einend geh i Euch in Grund und Boden 'nein, sammt der Klarinett'n, die i in mein Hals stecken hab die pfeift mir guat." Sein großes roihes Sacktuch flattert wie eine Fahne des Aufruhrs in seiner Rechten. Allgemeine Erhebung! Jetzt geht

es bergab der Schneid entlang, über ! Latschcngewurzel und Gestein. Ich

yaoe oiesma: einen vweyrnano, oas weiß ich aus Erfahrung, die einzelnen guten Böcke, die sich in den Bogen stets befinden, drängen nach unten. Aus der Ebene herein wälzt sich das geschlagene Ncbelheer, schon flattert seine leichte Kavallerie um die Schrofsen und Gräben, finster drohend nah! die Hauptmasse, und kaum beginnt der Trieb, stürzt sie herein, jede Bucht, je den Riß füllend. Die Gefahr für die Treiber ist groß, ihre Zurufe ertönen wie aus dem Leeren heraus; nur vereinzelte Schüsse fallen. Dann und wann steigen, wie eine Wandelkoulisse, hohe Fichten, groteske Felswände, doppelt, mächtig erscheinend vor mir auf, um allmälig wieder zu zerfließen. Der Wind ist schlecht und läßt kein Stück heraus. Der Förster fetzt sich zu mir und wartet ungeduldig aus jeden Schuß. Er weiß jeden genau nach dem Stand anzugeben, kennt den Ton jeder Büchse. Bier Schüsse fallen dicht hinter einander das ist der Geheimrath mit feinem Repetirer, mit: alt a nix. wenn man net hinhalt." Ein vereinzelter .cher Knall. Das ist die körn Hoheit." Das ganje Gesicht des Ae:. leuchtet. Bura und gar is des san halt Leut." Ein paar Treiber, die sich in einen graben abstehlen wollen, weroen so unversehens angedonnert, aus dem Nebel heraus, daß de: eine fast stürzt vor Schreck. Kaum ist der Bogen zu Ende, verzieht sich auch der Nebel wieder! Der Förster lacht nur höhnisch und schüttelt den Kopf. Diese Tücke des Schicksals kenn' ich," lag darin. Wir waren die letzten, die in der Wegscheid' eintrafen, die Strecke war schon bereitet. Man untersuchte die Kruken, wunderte sich, einen Jährling als seine Beute zu finden, musterte einen Kapitalbock. Eine Kitzgeiß wurde von der Excellenz entschieden in Abrede gestellt. Da sich kein anderer bereit fand, sie auf sich zu nehmen, das Loch mitten auf dem Blatt aber einen natürlichen Tod ausschloß, blieb das Räthsel ungelöst. Der Geheimrath, der vergeblich seinen Bock suchte, forderte den Förster energisch aus. morgen sein ganzes Personal zur Nachsuche auszusenden, der Bock müsse ganz in der Nähe seines Standes steintodt" liegen. Der Förster ließ alles schweigend über sich ergehen mit einem verschmitzten Blick auf die Hoheit, seinen Herrn, der ihn so gut versteht; er hat ibm eben die Hand gedrückt und in herzliches Wort der Anerkennung ' gesagt. Was kümmerten ihn da noch alle Kitzgeilen, Jährlinge, Excellenzen und Grasen! Die Wagen werden vorzefahren. man verabschiedet sich bei ihmmit dem man es nie verderben darf, bindet ihm nochmals unzählige Aufträge auf die Ceele. verlangt Telegramme über daZ Ergebniß der Nachsuche. Unter einem von dem Förster inscenirten donnernden Hoch auf den hohen Jagdhern saust das Viergespann davon. hinter ihm her die flotten Gespanne aller Art, dem Jagdschlosse zu. Wie ein lustiger Jägertraum verschwindet alles im Tannenwald. In den smaragdgrünen Lichtern der Gefallenen spiegelt sich ihre Heimath, die Wände und Schroffen, die Matten und Wälder. In der Wirthsstube drängt sich wieder Mann an Mann bei der schäumenden Maß, ober der Förster geht nicht mehr drohend wie in Gewitter umher, er sitzt jetzt mitten unter den Leuten. Die Spitzen des weißen Schnurrbartes, die heute früh so drohend hinausstanden, senken sich jetzt unter der Last der frischen Bierschaumes, die gefürchteten Augen blicken jetzt kindlich heiter, indem er den Erzählungen der Leute zuhört. Dann aber zuckt es :n seinem Antlitz auf, er schiebt unruhig den Maßkrug bin und her und stößt kurze Dampfwollen aus seiner Pfeife. Ich kannte den Alten Richtig! Wie ich noch G'hilf war in Steingaden, da geh' i einmal, 's war im Oktober, umanand 's hat g'rad ' erste Schnee g'schnieb'n " Und nun floß es heraus wie ein Waldbach, der bald lustig dahin hüpft über Stock und Stein, bald verworrene Strudel, bald langweilig flachwässerige Tümpel bildet, und die Klarinette im Halse quiekte zur rechten Zeit die drollig: Begleitung dazu. Der Mond schwamm schon über den Schroffen, als wir den Heimweg antraten. Die Träger mit den Gemsen aus den Rücken warfen groteske Schatten auf die weiße Landstraße. Die Bergstöcke, die Menschen, die Hunde. alles bildete schiefe, .sich durchschneidende Linien. Im äffenden Licht, oder in unserem Affen? Der Förster behauptete das erstere, ich das letztere, und wir sind heute noch nicht einig darüber; aber darüber sind wir es. daß der 14. September einer d:r schönsten Tage unseres frendenre!chen Jägerlebens war. Aus w c a. Unter-Redacteur: Der Mörder Krüger, der morgen hingerichtet werden sollte, ist eben als unschuldig befunden 'und aus der Hast entlassen worden. Was sollen wir denn nun machen, der illustrirte Bericht über die Hinrichtung ist doch schon gesetzt und gedruckt? Chef-Re-dacteur: Ach. das thut nichts, lassen Sie den Bericht ruhig stehen und drucken Sie darüber: Der Mörder Krüger unschuldig! Den Bericht über die Hinrichtung der der Beurtheilte nunmehr entgangen ist, findet der abschätzte Leser weiter unten!"

feuchtender Puder. Die eleganten Damen des Babels an der Seine sind glücklich in dem Vesitze eines Verschönerungsmittels, welche wohl geeignet ist. ihre natürlichen Reize um ein Bedeutendes zu erhöhen. Es ist dies eine Art von leuchtendem Puder, die Erfindung eines sranzösischen Chemikers. Es ist bekannt, daß das Gesicht und die Schultern decolletirter Damen in den Strahlen des elekirischen Lichtes die rosige Frische des Aussehens verlieren und nicht selten eine geisterhaste Blässe annehmen, während das Gaslicht den Teint ungesund erscheinen läßt. Diese Erscheinungen treten besonders in hell erleuchteten Räumen, wie im 'Theater und Ballsaal, in recht unliebsamer Weise hervor. Dies wird durch die blauen und gelben Strahlen im Lichte verursacht. Besonders das elektrisch: Licht ist reich an violetten Strahlen, welche aus dasAnt-

! Leuchtender Puder. litz eine höchst fatale Wirkung ausüben. Run hat ein Chemiker einen Puder hergestellt, dessen chemische Zusammensetzung die Wirkung der blauen und gelben Lichtstrahlen vollständig paralysirt. Der Hauptbestandtheil dieses Puders besteht in schwefelsaurem Chinin, das in Alkohol aufgelöst und mit schweselsaurem Zink gemischt wird. Leuchtend, phosphorescirend wird dieser Puder genannt, weil er selbst in der glühendsten Sonne seinen Glanz mehrere Stunden lang behält. Derselbe schützt nicht nur vor dem Übeln Effect des künstlichen Lichtes, sondern erhöht sogar dieSchönheit eines frischen Teint. Vor der AnWendung wird die Haut mit der Lösung von Chinin und Alkohol gebadet, worauf das Pudern mit schwefelsaurem M, Gewöhnlicher Reispuder. Zink erfolgt. Die Wirkung ist überraschend. Der 'Teint nimmt eine zarte weiße Färbung dann, die dem parischen Marmor in Nichts nachsteht, und neben welcher alle Gesichter, die nicht der gleichen Behandlung unterworfen waren, in krankhafter, gelblicher Färbung erscheinen läßt. Der Puder absorbirt nämlich die dem Teint schadenden farbigen Strahlen und läßt denselben in glänzender Reinheit crstrahlen. MKasernenhofbliithe. Hauptmann: Stillgestanden! Wenn sich im Glied noch eine Helmspitze beweqt. so lasse ich Euch stillstehen, bis Ihr Wurzeln schlagt!" Wie er sich unterhält. A. : Wie unterhält sich denn Freund Gänsler in seiner Abgeschiedenheit? B. : Sehr gut. . Er sucht dort dem Leben seine' schönste Seite, und den Honorationen des Städtchens imSpiel das Geld abzugewinnen! Deshalb. Er: Es ist zwecklos, Rosalie, wenn Du heute Abend mit in den Bortrag gehst, er wird m französischer Sprache gehalten. Sie: Einerlei, die Leute sollen denken. die Frau Lilienthal spricht auch fraruösisch!

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Im ZZclchedcr Mode. Eine reiche Auswahl gefchmackvollcr Herbstmäntcl bietet die diesjährige Mode. Als Material wird Vorzugsweise Tuch in den verschiedensten Farbenuancen verwendet. In der ersten Abbildung ist ein hübscher, besonder für junge Damen geeigneter Mantel von höchst graziösem, kleidsamem Schnitt veranschaulicht; er ist aus grauem, dunkelblauem oder lederbraunem Tuch hergestellt und mit Passcmenteriegalons - verziert. Der Mantel hat die Form einer langen Redingote, deren Rock vorn glatt ist und rückwärts drei tiefe, dütenartige galten bildet. Die Taille wird durch

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Mantel aus Tuch. ein ringsherumlaufendes,etwas fchnebbig aufgesetztes, nur von Galons gebildetes Mieder zusammengehalten, und ein von oben bis unten reichender Galon verdeckt die in der Mitte angebrachte untergesetzte Knopfpatte. Der Galonbesatz wiederholt sich auch in mehrfachen Reihen auf der kurzen -runden Schulterpelerine, dem umgelegten Stehkragen und den unten eng zulaufenden Keulenärmeln. Hierzu ein runder schwarzer Stroh- oder Filzhut mit schwarzen Federn. Der Promcnadenmantel. - welchen die zweite Illustration darstellt, ist mehr für eine ältere Dame bestimmt und kann ebensowohl aus Seidenstoff wie aus feinem bräunlichem Tuch oder Wollstoff gemacht werden; der Besatz besteht aus fpitzenartig durchbrächenem leichtem Passementeriegalon oder .schwarzem, geklöppeltem Guipureeinsatz. Die Grundform des Mantels P r o m e n a d e m a n t e l. ist eine vorn und im Rücken eingereihte Taille mit darangesetztem faltigem Rock, wobei ein Gürtel den Ansatz verbirgt; der Schluß wird vorn mittels einer untergesetzten Knopflochleiste bewerkstelligt. Die im Rücken offene Pelerine besteht aus zwei Theilen und läßt die im Schlüsse eingereihte Manteltaille sichtbar werden; darüber fällt ein faltiger Schulterkragen, und den Hals umgibt eine breite, dichtgetollte Spitzenrüsche. Den runden schwarzen Filzhut schmückt eine Garnirung von Spitzen und Sammt nebst einer JetAigrette. T u ch j a d c t. Ein elegantes Jacke: aus hell drapfarbigem Tuch mit halblangen, vorn angeschnittenen, im Rücken angesetzten Schößen wird in der dritten Aböilduna veranschaulicht. Die Bordertheile sind so geschnitten, daß sie ein kurzes spanisches Jäckchen bilden, dessen Ecken etwas vorspringen und mit, je drei schön gearbeiteten Perlmutterknöpfen befetzt sind, während an den Seiten die Jackettheile in die Schöße auslaufen. Der breit umfallende Kragen und die großen spitzigen Revers sind mit braunem Moire belegt und mit Tuch eingefaßt, die einfachen keulensörmioen Aermel erhalten keinen .Besatz. "Das Jacket öffnet sich über einem blusenartigen Chemisette von

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cremeweißem Seiden- oder Äollst?ss. das von einem drapirten braunseide nen Gürtel umgeben ist; ein Rock aus braun und cremeweiß carrirtem Wollstosf und ein braunes Strohhütchen mit cremefarbigen Spitzen und rothen -ammtrosen vervollständigen den AnZUg. Die letzte Illustration veranschaulicht ein sehr zierliches und kleidsames Pelerinen-Mantelct von ganz neuer norm, das sich für die Uebergangsjahreszeit sehr nützlich erweisen dürfte und sich besonders gut ausnimmt, wenn es in Seidenstoff zur Farbe des Kleides passend hergestellt wird. Das einfach, aber elegant gemachte Kleid

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Pelerinemantelet. besteht aus holzbraun und blaßblau gestreiftem Wollstoff und hat einen glatten, unten weiten Rock, c:nc anschließende, unter den Rock tretende Taille und Ballonärmel mit engen Stulpen, alles ohne Besatz. Das Mäntelchen aus holzbraunem Atlas ist in Form einer kurzen, vorn umgeschlagenen und mit einem oben faltig eingereihten Capuchon versehenen Pelerine gemacht und vorn mit einer großen Schleife von braunem Moire verziert, deren lange, unten breit zulaufende und mit cremefarbiger Guipurefpitze besetzte Enden dem.Mantelet erst den eigentlichen Charakter verleihen. Den umgeschlagenen Theil der Pelerine schmückt ein breiter Guipurebesatz, über dem eine braune Atlasrüsche hinläuft, wie auch eine gleiche, aber breitere Rüsche als Halsabschluß dient; braune Atlasrosetten sind vorn unter der Halsrüsche und inmitten der Moireschleife angebracht. Dazu paßt der holzbraune Strohhut. mit gelben Rosen und braunen Federn garnirt. Am Brunnen. Am Brunnen war's, da trafen sich Beid'. - Au himmlischem Herzen und 5!oscn, Der schmucke Jäger, die blonde Maid. Am Brunnen war's, da trafen sich Beid', ' O selige Zeit der Rosen! Am Brunnen war's, da schied er von, ihr; .Und muß ich von hinnen auch reiten. Einst kehr' ich wieder, so harre mein hier!" y!t Wz'rS ;r,r- - i v l: . rr. x . . j V . .jy y y w Am Brunnen war's, da schied er vo ihr. Für den König, die Heineath zu sireiten. Am Brunnen sitzt sie, daö Haar ergraut. Gebleicht sind die Wangen, die rothen. Der irre Blick in die Ferne schaut Am Brunnen sitzt sie, das Haar ergraut Sie harret des Liebsten, des Todten! DiebillardspielendenRar wale. '. Ein Wundeö der Dressur. Gerechte Besorgn iß. - Commerzienräthin (zu ihrem Hausarzt. während ihre Tochter im Reben zimmer Klavier spielt): 5iören Sie nur, Herr Doctor. wie die Ella wieder phantasirt!" Arzt (besorgt): .Hat sie das öfter?" Interessant. A.: Seit wann führst Du denn eigentlich ein Tagebuch? B.: Schon nahezu zehn Jahre. A.: Verzeichnest Du darin jedwede Begebenheit. B.: Rein, das nicht, ich notire lediglich jeden Taa, was ich gegessen und getrunken habe!

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