Indiana Tribüne, Volume 18, Number 26, Indianapolis, Marion County, 14 October 1894 — Page 3

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togiie öcs EMens. Noman von AZ. 'Flicdek-Ayrens. (10. Fortsetung.) Die regelmäßigeren Athemzüge der Mu"-r im anstoßenden Zimmer verrieten einen etwas ruhigeren Schlaf. Konstanze hatte eine Weile für sich, die sie benutzte, den letzten Brief MagnuZ Holmsens noch einmal zu lesen, der auch in ihr Schicksal entscheidend einzugreifen versprach. Deine Zeilen, meine liebe Konstanze, erregen stets eine neue Sturmfluth neuer Gedanken und Empfindüngen; der Briefwechsel mit Dir ist für mich eine Quelle ernsten Nachdenkens geworden; die Gegenwart verlernt es immer mehr, ideal zu denken, die Ideale der Zeit werden in den Staub der Allgemeinheit getreten; Waffengetöse, Eijenrauch und politisches ötampfgeschrei verengert den Blick und stumpfen das Gehör ab. Die Voraussetzungen des Daseins werden härter und härter, und die brutalen Förderung?n des Lebens lassen dem Geiste keine Zeit, sich in reinere Sphären zu schwingen. Du aber hast mich aufgerüttelt. Dir nachzueifern, und ich glaube mit Dir an einen unverwüstlid)cn Idealismus der Menschheit, daß er trotz allem nicht im Abnehmen, sondern im Zunehmen begriffen ist, und wir einer wachsenden, sittlichen Berfeinerung entgegenstreben. Glaube mir, Konstanze, ich erkenne die ganze Größe, welche in der Entsaaung liegt, die Du für uns beide bestimmtest, doch ich. der stürmischere Mann, vermag mich nicht mit dem Gedanken zu befreunden, ich will Dich, das Weib meines Herzens, erkämpfen! Unter diesem Gesichtspunkt habe ich -neue Ideen gewonnen und bin überzeugt, die Sittlichkeit meines Strebens wird auch Dir einleuchten. Du hältst mich für gebunden anAgnes Hainburg, weil ich mit ihr verlobt bin; fast alle modernen Gesetzbücher unseres Zeitalters hegen andere Ansichten und si.'chen mehr oder minder die freie Lösbarkeit des Verlöbnisses aus, welches die Schließung der Eh: niaM erfordert, weil die Frist der Verlobung vor allem eine Prüfungs und Erprobungszeit darstellen soll; die Züufligen Eheleute sollen sich gegenscitig kennen und beurtheilen lernen. Hat aber diese Zeit einem der Verlobten bewiesen, daß die segensreiche Wirtung, welche man aus der Verbindung erhoffte, nicht eintreten werde, und daß eine unüberbrückbare Ziluft die Betrefsenden von einander trennt, dann soll der Verlobte von dem voreilig unternommenen Schritt zurücktreten. In dem Augenblicke, wo ein zwingendes Moment sich störend dazwischen dränaen würde, wäre das hohe Ideal der Freiheit unwiederbringlich verloren und die Ehe gestaltete sich zu einer entwürdigenden Knechtschaft. Wenn ich jetzt noch an eine Ehe mit Agnes denke, so komme ich mir vor wie ein Mensch, der sich einen unberechtigten Vermögensvorrheil verschaffen wollte, wie ein Glücksritter und Betrüger; deshalb, Konstanze, sagte ich mich hier von allem los, folge Dir nach in das neue Land der Zukunft und suche dort eine Heimath zu gründen, die Dich aller Sorgen um das tägliche Brot entheben wird; ich warte nur noch Deine Antwort ab, um darnach so schnell wie möglich abzureisen. Ein Gefühl unendlicher Seligkeit dehnt meine Brust und hebt mich leicht übe: alle Schwierigkeiten hinweg, die sich entgegenstellen dürften; ich bin so siegesge'wiß. so voll Hoffnungen, als wäre eine Bergeslast von meiner Seele genommen. Mit Dir vereint durch das Leben gehen! Erfaßt Du ganz denJnbalt dieses zauberischen Wortes, das mich berauscht? Dieses ist der letzte Brief, den Da erhältst vor dem Wiedersehen mit Deinem Magnus." Sie wollte den Brief bald beantWorten, heute jedoch nicht mehr die müden Augen versagten. Konstanze stützte den Kopf in die Hand; war das, was sie heute an freudigem Bewußtsein empfand, noch dem Himmelstürmenden Glücke ähnlich, das früher die Gewißheit seines Kommens in ihr erweckt haben würde? Nein," antwortete sie sich zögernd; jener erste Rausch des wilden Entzückens schien unter den langen Kämpfen erstarrt zu sein; seit einiger Zeit schon war Konstanze aus dem Reich der Liebe, wohin sie die Gedanken trugen, in die schön: Welt des eigenen Innern geflüchtet, wo die Quellen der Poesie ein heimliches und fast noch köstlicheres Reich des Erlebens geschaffen, als das der Lieb: zu MagnusHolmsen. Doch so zart und unbestimmt webte dies Empfinden in der denkenden Frauenseele, daß sie sich fest vornahm, es als Geheimniß in sich zu verschließen, das Magnus, der sein Lebensglück allein auf ihrem Besitz erbaute, für immer verborgen blieb. Am nächsten Morgen in aller Frühe schritt ein junges Menschenkind rüstig den Hügel von Santa Theresa empor; Schweißperlen standen auf der weißen Stirn, der Athem versagte beinahe, aber das half alles nichts, wollte Regine Romano vor seinem ersten Ausgange abfassen, mußte sie sich beeilen. Sehr angenehm konnte der Beweggründ dieses Besuches zu recht ungewohnlicher Stunde gerade nicht genannt werden; Graf Montsanto sollte nichts geringeres als ihr das Geld für Leopold borgen. Ist Romano zu Hause?" redete sie Daniela an, die ihr in der Halle ent acaentrat, ich muß ihn sofort sprechen: Mein Gott, Papa ist doch nicht kränker geworden? Ich gehe heute zu mr JRtm, es ist meine eigene Anaele -s,eit. bitte, rufe ihn zu mir heraus'

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hinaus, Frau Doktor ist am Typhus erkrankt." Krank! Auch das noch! Wann kommt er wieder? Ich will hier warten." Das trifft sich schlecht, Regine; Romano hat zurückgelassen, daß er erst um sieben Uhr Abends wiederkommt, weil er zu einem Schwerkranken nach Santo Amara müßte." Erst um sieben," äußerte Regine erblassend, großer Gott, was fange ich nun an? Ist t: schon lange fort?" Eine halbe Stunde." Da finde ich ihn vielleicht noch am Bahnhof! Adieu, Daniela, ich muß eilen, Tod und Leben hängen davon ab, daß ich Romano treffe." Sie stürmte fort und Daniela blickte ihr verwundert nach; was mochte sich zu Hause ereignet haben, um die sonst so phlegmatische liegine dermaßen aus dem Konzept zu dringen? Daniela hat te gestern zum zweiten Male mit ihrer Mutter gesprochen und deren Nothlage erwies sich als cine so dringende, daß sie die Tochter selbst gebeten," eine Versöhnung für sie bei dem Oberst anzubahnen und ihn um eine nochmalige, letzte Unterstützung zu ersuchen. Auch die gütige Dona Angela, vor der sie in ihrer Vedrängniß das Herz ausgeschüttet hatte, rieth zu diesem Schritte, und so trat denn Daniela einige Stunden später den Weg nach der Palmenvilla an. Um dieselbe Zeit, als Regine haftigen Schrittes die Richtung zum Bahnhof einschlug, stand Herr Oskar Ficbinger vor seinem Schreibpult und starrte mit grübelndem Ausdruck in seinem spitz . gemeißelten gelben Gesickte unter dem glattanliegenden dünnen Haar, den Kopf auf die Hand gestützt, bald in's Leere, bald in die offene vor ihm flehende kleine Schachtel mit Diamanten. Er stand vor einem Räthsel; denn es fehlten drei. Wie er so dalehnte, die hagere Gestalt in einen langen, schmierigen Rock gehüllt, um den zusammengekniffenen Mund einen harten, fast grausamen Zug, glich er merkwürdig dem Bilde eines Geizhalses, der um des Zieles der Anhäufung seiner Schätze willen gleichgiltig über Leichen und zerstörte Existenzen der Mitmensckcn hinwegschreitet. Schon zum dritten Male hatte er die Steine nackgezählt und mit der neben ihm liegenden Aufzeichnung verglichen umsonst! Es blieben nur elf und sollten dorft vierzehn sein; drei der gröIrren fehlten. Ein Irrthum war ausgeschlossen, dort stand es schwarz auf weiß, von seiner eigenen Hand verzeichnet; er hatte die Diamanten vor etwa zehn Monaten von dem Goldaräber Samoni erhalten und Fiebinger empfand dabei den Eindruck, als sei der Mann auf unrechte Weise in den Besitz derselben gelangt, es kamen böse Geschichten vor unter den Goldgräbern; doch was kümmerte ihn das, da er in jede: Hinsicht ein vortheilhaftes Geschäft dadurch abgeschlossen hatte. Wohin waren die fehlenden Steine gekommen? Die Schlüssel zu der verschlossenen Schublade befanden sich ausschließlich in seinen oder des Bruders Händen, der unlängst ein: Reise nach den Provinzen angetreten. Halt!" Er legte den Zeigefinger an die Nase. Nein, das war ja undenkbar; und dennoch Leopold Rombeck, hatte er dem nicht einmal die Schlüssel eingehändigt, um den Tllrkisenring eines (schlssskapltans m der Schublade zu suchen? Jawohl, er entsann sich deutlich des Tages; dabei mußte dem jungen Menschen die Schachtel in die Hände gerathen sein. Aber so blitzschnell einen Diebstahl von solcher Tragweite planen und ausführend Diese vornehme, anziehende Erscheinung eines Mannes, zu dem er ausnahmsweise rasch Vertrauen gefaßt? Aber so und nur so konnte es sein; kein anderer als Leopold Rombeck hatt: die Steine gestohlen; sein Vorgänger war niemals im Besitz der Schlüssel gewesen, und der Lehrling, ein Dummkopf erster Sorte, konnte bei einem so schlau angelegten Gaunerstückchen gar nicht in Betracht gezogen werden. Oskar Fiebinger überlegte; drüben in Deutschland hätte er sofort auf den dringenden Verdacht und so viele AnHaltspunkte hin. den Buchhalter verhaften lassen können; hier ging das nicht, auf bloßen Verdacht hin durfte niemand festgenommen werden; es mußte zuvor gleichsam ein unmittelbarer Beweis der Thäterschaft beigebracht werden. Uebrigens. so rechnete Fiebinger, würde es nicht klug gehandelt sein, in solcher Weise gegen den Buben vorzugehen, weil er, einmal der Schande der Verhaftung preisgegeben, alles für verloren halten mußte und ein Ersatz des Verlustes unter den Umständen zur Unmöglichkeit wurde; er beabsichtigte infolgedessen schlauer vorzugehen und den Burschen, gegen den sich jetzt sein rückhaltloser Haß wandte, in der eigenen Schlinge zu fangen. Warte, Kanaille." zischte er zwischen den dünnen Lippen hervor, währcnd aus den grünlichen Augen ein schadenfroher Blitz zuckte, Dich wollen wir schon krieg.'n, das sollst Du büßen!" Jetzt erschallten draußen imEingang leichte Schritte, die Thür zum Laden wurde geöffnet. Leopold trat ein. Hinter dem Ladentisch vor der Wand befand sich das Pult Fiebingers, so daß er sich beim Erscheinen des jungen Mannes ein wenig zur Seite wenden mußte, um ihn anzusehen; er führte diese Bewegung mit einer gewissen langsamen Feierlichkeit aus und richtete, den Kopf zurückgeworfen, den Blick mit einem so vielsagenden Ausdruck der Drohung und hohnvollen Ueberzeugung auf Leopold, daß dieser unwillkürlich erbleichte und ein Zittern der Kniee spürte, während der Ge-

.er weiß alles." UndFiebinger wußte alles; aus dem sichtbaren Erschrecken Leopolds erkannte er, daß der Schuldige in der That vor ihm stand. Auf ein Wort, Herr Rombeck äußerte Fiebinger trocken, ihn zu sich hinter den Ladentisch winkend, während er langsam die verhängnißvolle Schach tel zur Hand nahm, es fehlen nämlich hier an den vierzehn Steinen drei der werthvollsten und niemand anders als Sie hat dieselben genommen." Aber, Herr Fiebinger, wie können Sie mich solcher That beschuldigen, wie dürfen Sie es wagen " Still," gebot ihm Fiebinger eindringlich und mit einer gebietenden Handbewegung. Sie haben einen alten Mann vor sich, der Welt und Menschen kennt; kein andere? als Sie kann die Diamanten genommen haben, ich weiß es. Anstatt die alberne Komödie des Leuznens vor mir 'aufzuführen, sollten Sie lieber die That offen eingestehen, da ich in diesem Falle, aber nur -in diesem, Rücksicht auf Ihre ehrenwerthe Familie nehmen werde, die Sie selbst durchaus nicht verdienen. Erklären Sie sich bereit, die Steine bis heute Mittag um ein Uhr zurückzuschaffen, so soll die Sache abgethan sein und keine weiteren Folgen als Jhre sofortige Entlassung nach sich ziehen. Beharren Sie jedoch bei dem nutzlosen Leugnen, so übergebe ich die Angelegenheit umgehend der Polizei und was das ni bedeuten hat, wissen Sie ebenso gut wie ich." Unter diesen wuchtigen Worten war es Leopold, als schwanke der Boden unter ihm, auf seine Augen legte sich ein Rrbel, der alle Gegenstände in verschwommenem Lichte zeigte, und die Kniee zitterten. Der Polizei ausgeliefert die den Beweis erbrachte, daß er der Schuldige war Gefängnißstrafe seine Mutter und Schwestern Regine vernichtete Existenz Schande und Entehrung das alles irrte in tollem Durcheinader wüst durch sein Gehirn. Furchtbar! Gestand er aber, so lag noch die Möglichkeit einer Rettung vor, wenn es Regine gelänge, die versprochene Summe zu beschaffen. Ich wundere mich, daß Sie so langer Zeit bedürfen, sich zu entschließen; Sie zwingen mich demnach, die Polizei sogleich benachrichtigen zu lassen! Berger!" rief er laut in das anstoßende Komptoir hinein, wo der Lehrjunge herumhantirte. kommen Sie mal her!" Leopold taumelte und hielt sich mit der Linken am Ladentische fest um nicht zu fallen, ihm schwindelte unwillkürlich hob er die Hand abwehrend. Warten Sie noch. HerrFiebinger kam es heiser und kauv. verständlich von seinen blutleeren Lippen, ich ' ich " Haben Sie sich anders besonnen, so soll es mir lieb sein, es liegt ja auch in Ihrem eigenen Interesse. Sie kön nen geben," wandte sich Fiebinger dem unschlüssig dastehenden Hans B:rger zu, der abwechselnd seinen Chef und den wie vernichtet dreinschauenden Buchhalte? neugierig, mit offenem Munde anstarrte. Sie erklären sich also bereit, mir die Diamanten bis um ein Uhr abzuliefern?" sraate er so barsch und laut, daß der langsam sich entfernendeLehrVma die Worte noch vernehmen mußte. Geben Sie mir Zeit bis heute Abend um acht Uhr, Herr Fiebinger," rang es rtdj dumpf und schwer aus der zusammengeschnürten Kehle. Ter Kaufmann antwortete nicht, sondern ließ nur einen mißtrauisch prüfenden Blick über die vornehm schöne Erscheinung des jungen Mannes gleiten, dem zu vertrauen er Narr genug gewesen. Ich weiß," fuhr Leopold in demselben Tone fort, daß es für mein Vergehen keine Verzeihung gibt, ich befand mich damals in der grauenhaftesten Verlegenheit; gelang es mir nicht, auf irgend eine Weise Geld zu schassen, so blieb mir nichts als eine Kugel. Ich habe die Steine versetzt mit dem Vorbehalt, sie zu jeder Stunde einlösen zu können; Sie sollen keinen Verlust erleiden, bis heute Abend sind sie in Ihren Händen." Gut!" sagte Oskar Fiebinger kaltblütig und auf Leopold einen Blick s tödtlicher Verachtung werfend, daß er, zusammenzuckend, sich abwandte und zugleich erkannte, daß er von seinem Chef weder Mitleid noch die geringste Rücksicht für ihn selbst zu erwarten hatte. Entschuldigungen, für Ihre Handlungsweise gibt es demVertrauen gegenüber, das ich Ihnen schenkte, durchaus gar keine; erlassen Sie mir jede nähere Bezeichnung." Vor der so deutlich zur Schau getragenen schonungslosen Verurtheilung erwachte in Leopold der Trotz, er wollte ausfahren und Klage führen über seine erbärmliche Besoldung, welche ihn allein in die elende Lage gebracht und der Versuchung ausgesetzt hatte, doch er besann sich; es wäre unklug, diesen Zahlenmenschen noch mehr zu reizen. Mochte ihm die Frist gewährt sein, gleichviel aus welchem Grunde, sie war gewährt und dadurch wenigstens eine letzte schwache Aussicht auf Rettung vorhanden. Freilich schwach; denn Leopold vermochte nicht zu glauben, daß es Regine möglich sein werde, d!e Summe zu beschaffen. Eins meßte ich Ihnen aber noch zu bedenken QtUn, bemerkte Fiebinger. Ich muß nämlich wieder in den Besitz der Steine gelangen, weil sie nicht mir gehören, sondern ein Gut sind, das ich abzuliefern habe; diesem Umstand allein verdanken Sie es, wenn ich Ihnen die Gelegenheit biete, die Sache durch die Rückbeschaffung der Diamanten in etwas wieder auszugleichen; sollten Sie jedoch beabsichtigen, sich den Folgen Ihrer Handlungsweise durch die Flucht entziehen zu wollen, so vergessen Sie

danke khn blitzartig durchzuckte:

nicht, daß ich in derselben Stunde nicht allein die Polizei auf Sie hetzen, son dern auch Ihre Familie von dem Vorgefallenen in Kenntniß setzen und um Schadenersatz einkommen werde." In Leopolds Ohren brauste es, mechanisch wankte cr der Cingangsthüre des KomptoirS zu. als cr sich durch ein gebieterisches Halt! Fiebingers zurückgerufen körte. Da Sie entlassen sind, so haben Sie nichts mehr im Geschastslo!al zu suchen, H?rr! TaS beste wird wohl sein, Sie thäten sofort die nothwcndigen. Schritte zur Erlangung der Steine." In ohnmächtiger Wuth. Neue, Angst, den Tod im Herzen, schritt Leopold hinaus; auf der Schwelle der Hausthür blieb cr einen Augenblick stclzen und griff an seine Stirn; schimpf lich entlassen als ein Bertraucnsbrüchiger, als ein Ticb. Das war nicht mehr dieselbe Welt, die da vor ihm lag; die Menschen hasteten vorüber, jeder eifrig seiner Beschäftigung nachgehend, cr sah sie wie durch einen Schleier und fühlte sich auszestoßen aus ihrem verband. Ter Tag lag vor ihm; wie die end losen Stunden des Wartens bis um sieben Uhr am Abend, da er Regine treffen sollte, hinbringe ? Als cr die Straße langsam, gesenk tcn Hauptes, ohne zu lvissen, wo er sich eigentlich befand, hinabschritt, hörte er plötzlich seinen Namen nennen; Konstanze, welche auf ihrem Wege in das Waschgcschäft bei Fiebingers vorbei mußte, stand vor ihm. Leopold, was ist denn Dir geschehen. Tu bist doch nicht krankt Er fuhr mit der Hand über seine Augen, sah sie abwesend, und einen Moment sprachlos an, was Konstanze die (clvißheit eines außergewöhnlichen (5reiqnieS gab. Richte, Konstanz? mich befiel plötzlich ein Unwohlsein es geht schon vorüber." Rein, Leopold", sagte Konstanzc.die seit längerer Zeit heimlich um den Bruder besorgt gewesen, fest, das ist cs nicht, Du verbirgst mir etwas, ich lese cs ja in Deinem Gesichte. Du bist ganz enstellt. Komm", fügte sie ahnungsbange seinen Arm ergreifend hinzu. ich habe noch zehn Minuten, treten wir dort in die Wartehalle der Pferdebahnstation und sage mir, was vorge fallen ist." ' . Er gehorchte wieder halb mechanisch, ihrem überlegenen Willen nachgebend. 15s ist nichts, meine arme Konstan,t 5O doch, o doch", hauchte sie schreckgebannt. Du verließest das Geschäft um diese Zeit, und Dein Gang zeigte mir, daß cs kein Weg in seinem Auftrag war. Tu schrittest wie Jemand, der nicht weiß, wohin er soll. Ich bcschwöre Tich. Leopold, habe Vertrauen zu mir. Deiner älteren Schwester. Was ist mit Tir Nichts." ..Gehst Du wieder zu Fiebinger zurück?" fragte sie zitternd. Nein," antwortete cr, vor sich hinstarrend. So wurdest Du entlassen, jetzt heute?" Sein Schweigen gab ausreichende Antwort. O Gott," flüsterte Konstanze, die Hände ineinander ringend, ..mein armer, lieber Leopold hast Tu Tich vergessen und in einer unseligen Minute, o, sprich doch, habe wenigstens den Muth zu gestehen, damit ich Dir tragen helfe." Ich bin das nicht mehr werth. Dir gkgcnübcr nicht, Konstanze," entgegnete er voll unsäglicher Bitterkeit. Laß mich laufen, auf unseren Namen fällt kein Schatten ich werde alles begleichen, heute jedenfalls noch. Sei ruhig! Ha, wäre der alte Fiebinger nicht solch ein erbärmlicher Kerl, solch ein knickerbeiniger Jammermensch, die ganze Geschichte würde schon geregelt sein, 'so aber Hast Du die Kasse ? Sie wagte nicht den Verdacht auszusprechen. Bewahre, keine Ahnung; ich ließ mir etwas Geld auf ein paar Diamanten geben, die ich wieder einlöse, das ist alles. Aber es ärgert mich so schändlich, deswegen gleich wie ein Verbrecher schlimmster Sorte behandelt zu werden." Wie konntest Tu das aber thun, Leopold!" Mach' mir nur jetzt keine Vorwürfe, Konstanz. Gott weiß, wie bitter ich die ganze Sache bereue; nie wieder, nie wieder! Ter Mensch muß eben alles durchmachen und an sich selbst die Er fahrung sammeln,, so lernt cr feststehen: es hilft nun nichts, mit dem Kopfe durch die Wand zu rennen." Sie sprachen noch eine Weile, da schlug es neun Uhr in der Halle, Konstanze erschrak, sie kam hellte zu spät in das Geschäft. Ich muß fort, so schrecklich es mir auch ist. Dich zu verlassen. Geh nach Hause, Leopold," bat sie zitternd, ja? (5rfinde der Mama und Camilla gegen über irgclfd cine Ausflucht, dainit sie sich nicht zu sehr erschrecken. ' Geh. versprich es mir; irre nicht so ziellos umher! Ich habe so wie so heute bei der Arbeit keine Ruhe." Sie zürnte nicht, seine liebevolle

Schwester, sie iah nur beschwörend zu ihm auf, mit ihrem ernsten, blassen ehrlichen Gesicht; ein Gefühl des Abscheus gegen sich selbst erfaßte ihn. in die Augen trat ein feuchter Schimmer. könnte cr nur diesen Fiebinger niedcrschicßcn, wie einen tollen Hund! Ich verspreche es Dir, Konstanzc, und sei unbesorgt, ein Leid thue ich mir nicht an. (Sin paar nothwendige Wege muß ich natürlich besorgen, wie Tu Dir vorstellen kannst." Gewiß; ist denn Aussicht vorhandni, das Geld zum Einlösen der Steine zu beschaffen? m .Ich bekomme eS, so gut wie sicher." Darf ich fragen, von wem?" Jedenfalls von dem Oberst Wed-

dingen; ich habe eine Fürsprcchcrin: Regine von Hasselbach." Regine weiß sie denn ? äußerte Konstanze erstaunt. (5twas davon nicht alles; das Geld wird um sieben Uhr in meinen Händen sein bis dahin ist'S noch lange, sei also guten Muthes." Mein Gott, so könnte dicftr Kelch vielleicht noch von uns gcnon'mcn werden. Und aich Du, Leopold, bleibe standhaft! Oft ist der Fall ein Mittel, desto glücklicher wieder aufzustehen. dieses cine Mal wird Dir vergeben werden." Konstanze ging, doch im Komptoir angekommen, war es mit ihrer Faffung vorbei uud nur mühsam gelang es, die Aufmerksamkeit den Zahlenreihen zzuwenden; die Gedanken schweiften ab, und oftmals ruhte ihe Blick sinnend auf den verwitterten grauen Mauern des kleinen Hofes. Was hätte sie darum gegeben, nur heute frei zu sein, wo die Angst um Leopold ihr die Brust zusammenschnürte. Ohne Stellung und die Mutter krank. Und schwer trat auch die Besorgnis um Magnus an sie heran. Er gab dort alles auf, um hier von vorne zu beginnen mit nichts, wohl gar ohne Empfehlungen. Und sollte cs ihm wirklich mit der Zeit gelingen, durfte sie die Mutter verlassen? '.würde es nicht doch ihr Loos sein, immer zwischen diesen düsteren Mauern zu sitzen und Zahlenreihen zu schreiben, wenn es ihr nicht gelang, auf jenem hölhercn Gebiet der Literatur Fuß zu fassen? Wohin sie sah, umwölkte sich der ,Horizont ihres Lebens mit schwarzem, unheildrohcndcm Gewölk. Unterdessen verfolgte Regine ihren Weg. um, auf dem Bahnhof angelangt, zu erfahren, daß der betreffende Zug vor fünf Minuten abgefahren sei. Schaffner," redete sie einen der ihr bekannten Beamten an, fuhr Graf Montsanto mit dem Zuge? Sie kennen doch den Tokio?." Gewiß; jawohl Fräulein, ich sah den Herrn einsteigen." Wann führt der nächste?" Erst um halb drei einer dazwischen wurde ausgesetzt." .Und von Santo Amaro wieder ab?" Halb sieben, Fräulein." Besten Tank", entgegnete sie, dem Manne ein Geldstück reichend. Tann berechnete sie im Fluge die Lage der Dinge,- sie mußte mit dem nächsten Zug nach Santo Amaro, um Romano zu sprechen Jeder in dem Reste würde !ihr sagen können, zu welchem Schwerkranken der Graf Montsanto gerufen worden sei, und cr konnte von dort sei-' nem Banllcr in Rio tclegraphiren, so ,daß sie bei ihrer Rückkehr nach hier das 'Geld sofort in Empfang nehmen durfte. Gegen sieben würde sie wiederkommen, jeden früh genug, das Geld zu erhalten, 'zu spät indessen, um zur rechten Zeit an der bezeichneten Stelle des Strands ein.zutreffen, und damit Leopold in seiner Ängst nicht vergebens warte, mußte cr üon der unvermeidlichen Verzögerung 'in Kenntniß gesetzt werden. Rasch entschloffen löste Regine ihre Broche ab, brach die Nadel entzwei und schlug die Richtung nach der Alfandcgastraße zu Oskar Fiebinger ein. Als sie in den Laden trat, erschien heute der erste Buchhalter, welcher Leopold, nachdem sich dieser des Spieles wegen von ihm zurückgezogen, grollte; er hatte durch den Lehrling von dem am Morgen istattgefundenen Austritt gehört und sich den Zusammenhang nach seinen Vermuthungen zurechtgelegt. Könnte ich vielleicht Herrn Rombeck ein paar Minuten sprechen?" fragte Regine, sobald die Broche zum Ausbeffern abgegeben war. Thut mir leid, Fräulein", entgeg.nete der junge Mann mit vielsagendem Achselzucken, Herr Rombeck befindet sich seit heute srüh nicht mehr in unserm Geschäft." Ah! Warum nicht?" Ter Ehef hat ihn entlaffen." Und weswegen?" Tas ist so cine Sache, Fräulein äußerte der Buchhalter, indem er die Wundwinkel höhnisch herabzog. Man .spricht nicht gern über dergleichen Tinge, es ist eine sehr fatale Geschichte." Regine fand das Gesicht sowie die Art und Weise des Mannes ebenfalls sehr fatal", so daß sie ihn hätte ohrfeigen mögen. Sie brach die Unterhaltung jäh ab, maß ihn verächtlich von oben bis unten und entfernte sich. Sie war überzeugt, hier handelte es sich um eine schimpfliche Entlassung, die höchst wahrscheinlich in engem Zusammenhang mit der so nothwendig zu beschaffenden Geldsumme stand. Hatte Leopold sich vergessen, vielleicht gar das Geld veruntreut? der Arme! Wie entsetzlich mußte er mit seinem Stolze unter solchen erbärmlichen Verhältnissen leiden, und heißer noch erstand in ihr der Wunsch, ihn auf alle Fälle durch die Beschaffung der sechshundert Milreis zu retten. Sie

trat m tut Restaurant, schrieb em paar zärtliche und tröstende Zeilen, er möge sie erst um halb acht erwarten, händigte den Brief einem Neger, den sie bezahlte, ein, er solle um die bezeichnete Stunde nach der Olindastraße gehen, dort warten, bis Leopold, den sie genau beschrieb, erscheine, und ihm das Billet einhändigen. In der angstvollen Erregung um den Geliebten kaum die Erschöpfung spürend, begab sich Regine von neuem zum Bahnhof, nahm nur, um sich körperlich zu stärken, an dem gedecktenTisch des Wartesaales einen 'Imbiß ein, und ohne den weiten Weg nach Hause noch einmal zurückzulegen, fuhr sie mit dem Nachmittagszuge nach Santo Amaro ab. Hier gelang es ihr zum Glück sogleich, den Schwerkranken in der Person des gestern auf der Jagd verunglückten Baron Lopez Caju zu ermitteln, unverzüglich eilte sie nach dessen Villa und ließ Graf Montsanto herausrufen. Als der Ersehnte endlich erschien, war Reginens Bewegung eine

so heftige,' d"äh"öie unnatürliche Ueberreizung der Nerven sich bei seinem Anblick in einem Aufschluchzen Luft machte. Romano, Gott sei gedankt!" Ist ein Unglück geschehen, Regine?" stieß er, die Weinende bestürzt ansehend, hervor. Nein, aber Du sollst eins verhüten, Du mußt mir helfen!" Um was handelt es sich denn?" Sechshundert Milreis, die ich auf der Stelle brauche." Aber Kind, ich habe kaum den dritten Theil der Summe bei mir; was willst Du mit dem vielen Gelde anfangen?" Einen Menschen retten. Nein, zwei mich und ihn, Romano," fuhr sie, die Wimpern gesenkt, in beschwörendem Tone fort, ich habe einen jungen Mann kennen gelernt und liebe ihn

unendlich. Gibst Du mir das Geld nicht, so sterben wir beide noch heute. Du wirst also-mit sechshundert Milreis den Tod zweier Menschen verhüten." Ihre Wangen brandn unnaturlich. aus den Augen strahlte ein inneres Feuer und' der junge Arzt las die Wahrheit der Worte m ihnen. Wie richten wir das ein, Regine, fährst Du mit dem nächsten Zuge wieder zurück? Ja! Du gibst es mir?" Was will ich denn machen, wenn Du mir derartig die Pistole auf die Brust setzest?" bemerkte er mit einem halben Lächeln. Sie stieß einen Schrei der Freude aus und küßte seine Hand. Telegraphire an Deinen Banquier, bis um sieben muß das Geld in meinen Händen sein." Das geht nicht, da könnte jeder kommen, er muß meine NamensunterSchrift sehen; das Checkbuch habe ich natürlich nicht bei mir, aber es geht auch so." Er zog seine Brieftasche hervor und schrieb auf ein Blatt derselben, man möge der Vorzeigen dieses, Fräulein Regine von Hasselbach, unverzüglich die genannte Summe auszahlen. So, nun ist's so gut wie in Deinen Händen, Regine." Das vergesse ich Dir nie," erwiderte sie, das werthvolle Papier an sich nehmend. Schlafe heute ruhig, Du hast zwei Menschen dem Leben erhalten." Sie verabschiedete sich bald darauf und Romano ging zu dem verwundeten jungen Baron zurück, indem er Betrachtungen darüber anstellte, was für Wunder doch die alles bewältigende Liebe in einem Frauenherzen zu vollziehen wüßte. Und wieder siht Regine nach qualvollem Warten im Abtheil des 'Zuges, der mit rasender Schnelligkeit der Hauptstadt zufährt noch immer nicht schnell genug für die vorauseilenden Gedanken; wenn sie nun doch zu spät käme? Was konnte Leopold an diesem schrecklichen Tage nicht alles unternommen haben! 10. " Etwa um die Zeit, als Regine und Graf Romano in Santo Amaro mit einander verhandelten, verließ Leopold das Haus seiner Mutter, um sich nach der Gegend des Hafentheils zu begeden, wo Manuel Cordes seinen Stand inne hatte; er wollte dem Händler sagen, sich an diesem Tage etwas länger am Strande auszuhalten oder ihn in der Wohnung der Marecostraße zu erwarten weil er beabsichtige, die drei Steine noch am Abend einzulösen. Als er die Stadt erreichte, bemerkte Leopold eine ungewöhnliche Bewegung, ein Rennen und Hasten nach bestimmter Richtung hin, das auf ein außerordentliches Ereigniß schließen ließ; je näher er demStrande kam, um so toller .wurde das Stürmen, von allen Seiten sammelte sich fluthartig die Menge an, und rasch war er in ein solches Gedränge gerathen, daß er, die Unmöglichkeit einsehend, nach irgend einer Seite hin zu entweichen, sich mit vorwärts schieben lassen mußte. Sie bringen den Kaiser fort!" Der Steamer wartet auf der Bai ein Kriegsschiff begleitet ihn bis an die Grenze Dom Pedro ist endlich so weit von seiner schweren Krankheit hergestellt, daß er fort kann mit den Seinen!" So schwirrt eS durch das Gewoge der Leute, die alle gekommen sind, den Kaiser zum letzten Mal zu sehen; jetzt, in der zwölften Stunde, wo er auf immer scheiden soll, regen sichMitleid und Anhänglichkeit in dem Herzen seines einstigen Volkes, für ihn, den man alt, arm und krank in die Verbannung schickt. EineStunde vergeht Leopold kann nicht vor- noch rückwärts, der Wagen mit der kaiserlichen Familie ist noch nicht erschienen, Verzweiflung packt ihn, er muß zu dem Portugiesen und mit Gewalt sucht er sich Bahn zu brechen. Doch wie eine Mauer steht das Volk, Kopf an Kopf, unabsehbar. ein Menschenmeer, und drohendeLau--te werden bei seinem Drängen laut. Der Angstschweiß tritt ihm auf die Stirn und, erfüllt von dumpfer Muth losigkeit, überläßt er sich schließlich mit dun Gleichmuthe der Verzweiflung seinem Geschick. Hat denn alles sich verschworen so mag das Schicksal über ihn hereinbrechen. Und noch eine halbe Stunde vergeht; wie Hammerschläge fällt der Klang der Kirchenuhr auf sein Lrz. Halb sieben! In dieser furchtbaren Stunde seines Lebens betet Leopold zu Gott; jetzt, wo dem Anschein nach kein Mensch mehr helfen kann, soll er, der Allmächtige, ein Wunder thun und helfen; in solchen Augenblicken der tiefsten Noth und in der Todesstunde, da kommen die Menschen erschüttert zu ihm, an den sie bis dahin nicht geglaubt. (Fortsetzung folgt.)

(?in letzter Tanz

.Horch, Väterchen, kennst Du die Melodie. Die drüben beim Nachbar erklungen?" Schatz, freilich! lebendig wurden durch sie Die schönsten Erinnerungen. Wohl ist entschwunden so manche Jahrzehnt, Seit zuerst beim Klag dieser Weise, Das Köpfchen an meine Schulter, gelehnt. Du froh Dich drehtest im Kreise. Doch weiß ich es noch, wie heimlich? Lust Das Herz ließ ungestüm schlagen, Als sollte verrathen das Pochen der Brust, Was der Mund nicht wollte sagen. Das Lied ergreift mich mit Zauber gewalt, Reich' zum Tanz mir den Arm, derr lieben! Komm, wurden auch unsre Füße alt. Die Herzen sind jung geblieben." Entsetzlich. Was mag denn eigentlich in unfern Freund Schnippchen gefahren sein? Der ist ja wie umgewandelt. Er sieht so bleich aus, scheint immer vor sich hinzubrüten und erschrickt förmlich, wenn man ihn anspricht. Sollte er Geschäftssorgen haben? Schnippchen Geschäftssorgen? Keine Spur! dem sitzt blos ein furchtbarer Schreck in den Gliedern, den er kürzlich auf seiner Rückreise von Berlin gehabt hat. Wie Du weißt, ist der gute Schnippchen ein ausgesprochen?? Verehrer des schönen Geschlechts, der auf Reisen seinen Trauring lediglich in der Westentasche zu tragen und in Nichtrauchercoupes zu fahren pflegt. Das letztere that er denn auch in vonger Woche, als er von Berlin nach Dresden zurückfuhr. Von Leipzig ab fuhr er allein mit einer tiefverschleierten Dame, in der eine Schönheit ersten Ranges glaubte vermuthen zu müssen. Seinem Grundsatz: Dem Muthigen gehört die Welt" getreu, knüpfte er mit dem Gegenstand seines Interesses eir: Gespräch an und frug die Dame schließlich kurz und bündig, warum sie, denn ga? so tief verschleiert gehe. Uni mich." erwiderte die Gefragte, vor ten zudringlichen Blicken der Männer z schützen." Das finde ich grausam entgegnete Schnippchen, da es doch für uns Männer gerade zu den höchsten Lebensaenüssen gehört, in die Auge einer schönen Frau blicken zu dürfen. Ja." warf die Dame ein, fo lange eS sich dabei um unverheirathete Herre bandelt, wird nicht viel dagegen zu sagen sein, aber leider sind gerade die verheiratheten Herren diejenigen, welche eine alleinreisende Dame am meisten zu fürchten hat." Nun. Gottlob " jubelte Schnivpcben, dann lasse Sie den neid'schen Schleier ruhig fallen, denn ich bin noch gänzlich unverbeiratbet." Dabei spreizte der sauber: VocativuZ seine Finger auseinander, an denen in der That kein? Spur von einem Trauringe zu erblicken war. Nun denn." sprach die Dame, so will ich Sie Ihres höchsten Lebensgenusses nicht länger berauben," damit rin ste de:? -Schleier vom Gesicht und Schnippche fiel vor Schreck auf den Rücken.So häßlich war die Dame?" Das nickt, aber er erkannte in ih? seine Schwiegermutter. Guter Rath. Auf einem ungarischen Dorfe, wurde dem Landkrämer Abraham ein großes kupferner Kessel gestohlen. Während alle Nachforschungen nach demselben von Seite Abrahams erfolglos blieben war der Zigeuner Pöti, der den Dieb stahl verübt hatte, in nicht geringe? Verlegenheit. Er selbst hatte für de allzu umfangreichen Kessel keine VerWendung, diesen aber auf den Markt bringen und zum Kaufe anbieten, war äußerst gefährlich: denn wie leicht konnte der Kessel erkannt werden un Pöti in Conflikt mit dem gestrengen Stuhlrichter und seinen handfesten Panduren kommen. So war Pöti denn entschlossen, ein noch nie dagewe senes Ereigniß eintreten zu lassen rnifc den ihm unbequem gewordenen Kessel nächtlicherweile dem Abraham unbemerkt wieder zurückbringen. Bevor je doch Pöti dazu kam, aus der Noth ein: Tugend zu machen.begegnet ihm Abraham. Denk' dir Pöti. mein großer Ku pferkessel ist mir worden gestohlen!" Thut gar nix, Abraham, wirst Kcssel wieder kriegen, denn wos soll ot mer Dieb mit grvhem Kessel onfon gen?" Wie haißt anfangen? Mit ä Hämmer werd er ihn zerschlagen, die Stück in ä Sack legen, auf'n Markt tragen und des Kupfer verkäsen!" Bei diesen Worten blitzten die Augen des Zigeuners auf, Pöti erfaßt die Hand des Juden und mit dem Aus druck innigsterTheilnahme ruft er aus: Ormer Öbrohom. deinen Kessel wirst du nimmer kriegen!" AucheinCitat. A.: Womit hast Du Dich beschäftigt, als Du gestern Abend nach Hause kamst, jun ger Ehemann?" B. (welcher eine Woche vorher sein erstes Kind bekommen hat): Ich kam,.sah und wiegte!" Ueberwundener Stand punkt. Kellner (zu einem Gast, der im Begriff ist, fortzugehen): Pardon. Sie haben noch nicht bezahlt!"' Gast: Mein Gott, das ist bei mir 're schon längst glücklich überwunden Standpunkt!-