Indiana Tribüne, Volume 18, Number 26, Indianapolis, Marion County, 14 October 1894 — Page 2
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Eine Entdeckung. ' Er hatte hübsche regelmäßige Züge, Zrug einen hellblonden Vollbart und ebensolches Haupthaar, das stets mit solcher Accuratere behandelt war, daß zedes Haar und Härchen wie hingezählt erschien; daß er übrigens Gymnasiallehrer war, sah man ihm schon auf fünfzig Schritte an. So accurat gescheitelt und peinlich gepflegt wie sein Haupthaar war, ebenso accurat war sein Anzug,sein Benehmex. seineHandlungsweise die hübsche Braut, die er hatte und nun bald heimführen Kollte, grämte sich oft darüber, daß sie so gar keinen Fehler an ihm zu entderken vermochte sie kam sich seiner oft ls unwerth vor und nagte häufig an ihrem Glücke. Da traf es der Zufall einmal, daß ?e mit ihrer Mama an dem Hause, in iem ihr Bräutigam wohnte, vorüber$ing und als die alte Hanne, seine Dienerin, freundlich aus dem weitgeöffneten Fenster des Studirzimmcrs Zherabgrüßte, konnte sie der Lust nicht jviderstehcn. ihre Mama dazu zu bestimmen, sich doch einmal mit ihr die Wohnung ihres Verlobten anzusehen, sie wolle es vor diesem, der jetzt ja aus dem Gymnasium sein müsse, schon verantworten. Auch hier dieselbe OrdTiung, wie sie ihr Bräutigam an sich selbst zeigte jedes kleinste Sächelchen an seinem Platze, auch hier alles fehlerund makellos! Doch plötzlich stieß die Braut einen Schrei aus, zeigte mit spitzen Fingern auf ein gelbes Etwas, jzas auf einer Art Postament balancirte. Mama, da sieh. . . Wahrhaftig, ein Perückchen! Da sieh mal Einer den Doktor an! Na, gräm: Dich nicht zu sehr, Alma, die tragen gar viele Männer. . Aber ich gräme mich ja nicht, Mazna, im Gegentheil, ich bin selig, daß ich etwas fand, was ihm in den Augen mancher Anderen: etwas von seinem Nimbus nehmen würde ich Aermste Zann freilich nur fegen, daß es gewissermaßen nur ein Fehlerausgleich zwischen uns ist, denn, Mama, ich habe ja drei eingesetzte Zähne, wie Du weißt, clso bleibt er eigentlich immer noch im Vortheile!" Die alte taube Hanne hatte die Daien sich nach Lust umsehen lassen.nachdem sie dieselben begrüßt hatte; für sie war es eine alte Sache, daß ihr Herr ein kleines 'Toupet trug, daß das anderen Leuten, unbekannt sein konnte, Zam ihr nicht in den Sinn, also mochien die Damen die Neserveperücke betrachten, solange sie Gefallen daran fänden sie hatte noch zu schaffen gejuicj, ehe ihr Herr heimkam. Und die Damen machten stillschweigend Gebrauch hiervon, dann aber, nachdem sie der Hanne tüchtig die Hans geschüttelt hatten, schieden sie die Braut mit einem Gesichte, das vor Seligkeit strahlte! Alma konnte ihr Gefühl nicht länyer im Zaume halten, als bis sie mit ihrer Mama auf dem Vorplätze war, dort fiel sie diese? um den Hals und lief: Ach Mama, ich gehe unendlich glücklich von hier fort, ich fühle mich ihm allmählich würdiger. . . ach süße, süße Mama, denke Dir nur, was ich noch enidenckt habe...." Nun?" O welches Glück! Er schnupft r)eimlich!" Für unsere durstigen Leser. October - Trinkregel. October kam, das Laub ist roth, Im Herbst, dem Früchtebringer Der lust'ge Zecher ist in Noth: Der Durst wird nicht geringer! Und wenn zurecht ihn keiner wies. Wovon er jetzt wohl koste. So sage ich Dir, Zecher, dies: Vom Heurigen" oder Moste"! M e m e n t o. Wenn die Beere am Stocke schwillt, Wenn der Winzer fröhlich. Lacht Cupido, dieser Schelm, Liebefroh und -selig. Denn, ob jetzt die Pfeile auch Gänzlich er verschossen. Sein Geschäft des Herzenfangs Treibt er unverdrossen. Läßt den Bogen jetzt in Ruh', Setzt sich in die Schänke, Und macht dort aus Most und Wein Lauter Liebestränke. So es manchem schon erging: Wer beim Wein, beim reinen, Sich die traute Gattin fing. Möcht' später oft drum weinen!
Aenderung (B wird gefragt oft in der Welt, Warum das Sprüchlein so gestellt: Gin Mann, ein Wort!" darf nicht der Frau Es gelten eben so genau? Nein! Mindestens dann müßte sich Das Sprüchlein ändern sicherlich. Damit es heißt an jedem Orte Statt dessen: Eine Frau zehn Worte!" Auch ein Erkennungszeichen. Stromer (in eine Wirthschaft tretend): Lauter noble Leut'. mit denen i mi nit unterhalten kann! . Halt, dort hinten p.tzt einer, der speist a Wurscht mit de Händ'. Das is mei Mann!" Vermuthlich. Herr (an eine Zunge Frau herantretend, die ein ganz kleines Kind im Stechbett auf dem Schooß hält): Reizendes Baby! Wie alt ist die Kleine?" JungeMutfcr: Sechs Wochen.- Herr: Aller Lebst! Ist es Ihr Jüngstes?-
Mtpflcgc. c. Kleine Indiskretionen für Tamen. Heut zu Tag: spielen Modeberichte eine viel bedeutendere Rolle, als die Lehre von der Körperpflege, und es dürfte vielleicht: einmal die verehrten ältesten und jüngsten" Leserinnen interessiren, auch darüber etwas zu erfahren, wie man den 'Teint, um ihn möglichst jugendfrisch zu erhalten, behandeln soll, ohne Gesundheit zu schaden. Mit der Hautpflege zu beginnen, dazu ist jetzt noch die taugliche Saison; im Winter ist es ziemlich schwierig, Gesicht und Hände vor der Rauheit der Luft zu schützen. In Paris hat die kleinste Zofe ihre Toilettegeheimnisse, ihre Kosmetiken und selbst bei kleinen Kindern wird die Teint- und Handpflege cultivirt. Das Nagelbeißen vor Allem, das für die Gesundheit die nachtheiligsten folgen hat, auch oft dauernd die Hände verunstaltet, soll in allererster Linie von Jugend an abgewöhnt werden,' man kann nicht genug streng darauf sehen. Auch das Nagen an der Nagelwurzel ist häßlich, es wird leicht zur Gewohnheit und dem Erwachsenen wird es dann sehr schwer, sich davon loszusagen. Man muß also von seiner Kindheit an darauf Acht ! tL - f. e r 4 i . v f qaoen, oan oie aulwucyerung an oen Singern nicht angeregt wird. Die Nagelwurzeln sollen mit einer sckarfen, speciellen Nagelscheere abgezwickt, die Nägel nach dem Schneiden immer nachgefeilt werden, es ist aber nur alle drei bis sechI Tage, je nach btt Schnelligkeit des Nagelwuchses nothwendig, den Nagel zu schneiden, von zu vielem Herumschneiden an der Haut wird diese verhärtet. Die Nagelwände sollen nur durch einen leichten Druck nach dem Waschen hinabgeschoben werden, der Nagel muß, um schön zu gedeihen, unbedingt von einem kleinen Hautrahmen umgeben sein und man vermeide es, diese Haut abzustutzen. Die Nagelform soll länglich, nicht stark zugespitzt sein, der Glanz ist leicht durch den Polissoir mit Nagelpulver herzustellen. Dieses Pulver gibt dem Nagel einen natürlicheren Glanz, als alle Nagelpomaden oder Nagelwässer. Ganz verschieden ist das Wachsthum des Nagels. Bei Einem wachsen Nägel erstaunlich rasch und werden hart und spröde wie Krallen, Andere haben den Nagel weich und er wächst ganz langsam. Spröde Nägel sollen mit Fettstoffen wie Lanolin. Creme oder dergleichen ab und zu eingefettet werden, bei weichen Nägeln vermeide man jedes Fett oder warmes Wasser und schneide sie möglichst selten. Eine geradezu bewundernswerthe Virtuosität in der Nagelschmuckkunst entfaltet bekanntlich Mme. Sarah Bernhardt, es ist dies bei ihr ebenso Studium gewesen, wie ihre ganze Kunst. Sarah ist vorsichtiger aus ihre tadellos gepflegten Hände, als auf ihren Teint und man sagt, daß sie im Winter nie ohne gants gras" schläft. Das sind Innen gefettete Handschuhe von Lubin, um den Preis von 6 Franks per Paar bereits six und fertig erhältlich. Die Hände vor dem Schlafengehen fest mit Glycerin einreiben und darüber Glacehandschuhe nehmen, erfüllt ziemlich denselben Zweck. Nach dem Waschen der Hände im kalten Wasser mit guter Seife ist es in rauher Jahreszeit rathsam, dieselben mit etwas Handsalbe trocken zu reiben, auch Citronensaft macht die Haut geschmeidig und weich. Eine Handform läßt sich nicht herstellen, die schön geformte Hand ist Naturanlage, das Drücken an den Fingerspitzen, um sie schmal zu bekommen, hat nicht viel Zweck, wiewohl von gar sorgsamen Müttern den Babies schon das Naschen schmal gedrückt oder lang gedehnt, der Fuß aus den kleinsten Schuh dressirt wird ob dies Alles mit Erfolg, darüber gibt es freilich keine statistisch feststehenden Mittheilungen. Freilich gilt bei der Frage der Handpslege das Wort Gretchens: Sie ist so garstig, ist so rauh." Die Hand, elchs arbeitet, wird fast immer leicht zu unterscheiden sein von jener, welche keinerlei Arbeit zu verrichten hat und dabei gib! es auch noch allerlei Abstufungen, wie denn beispielsweise die Hand einer ausdauernden Klavierspielerin ein besonderes Aussehen zeigt. Die Hände können bei Witterungseinflüssen leicht geschützt werden, nicht aber das Gesicht, dieses Spiegelbild der Seele. Es ist jeder Temperatur unterworfen; der Schleier erscheint oft mehr als Deckmantel, denn als Schutz, und der Gesichtspflege ist daher größte Beachtung zu widmen. Mit Quacksalbereien die Gesichtshaut zu behandeln, ist keine Temtpflege. Die sogenannten Schönheitsmittel sind oft so schädlich, daß Zähne und Augen darunter leiden und es ist fast bei keinem äußerlich anzuwendenden Mittel so viel Gesahr für die Gesundheit vorhanden, als bei den Schönheits- und HaarfärbeMitteln etc. Das Gesicht soll entschieden an kaltes Wasser gewöhnt werden, weil ein an warmes Wasser gewöhnter Teint bei Temperaturwechsel umso jäher !cibet; die Bauernmädchen haben oftmals den bewundernswerthesten Teint, ro sige Wangen, weil eben ihr Gesicht gegen Kälte abgehärtet ist. Gleichwie die Abhärtung von Jugend auf die Menschen vielfach gegen Krankheiten, die durch Zug. Erkältung und dergleichen entstehen, unempfindlich macht, so übt sie ihre Wirkung auch in Bezug auf den Teint. Hat die Natur (was speciell uns Damen gewiß recht peinlich ist) nicht selbst für einen rosigen Teint gesorgt, uns noch Mitener, öder Gott sei's geklagt, gar Schnurbarthaare bescheeri, dann müssen wir eben zur Kunst greifen! Da nun ist daraus Rücksicht zu nehmen, ob die Haut Po-
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rös, ob sie trocken oder ledern ist. V:! fettem Teint ist Mandelkleie beim Waschen unerläßlich, festes Abreiben danach und keine Cremes. Am besten benützt man gutes, approbirtes Gesichtswasser, das man mit dem Handtuch verreibt. Sobald das Gesicht trocken ist, hat man gutes Puder mit Nehhäutchen ganz dünn, beinahe un kenntlich, aufzutragen. Ein trockener Teint foll mit Seife gewaschen und darauf etwas Creme mit einem feuchten Handtuch eingerieben werden. Vor dem Schlafengehen ist es rathsam, das Gesicht wieder zu waschen und dieselbe! Procedur, vorzunehmen, die Haut wird dadurch geschmeidiger und weniger rauh. Gegen Haare im Gesichte sollte man überhaupt kein Mittel anwenden. Das Entfernen jedes einzelnen Haares, mittels Elektricität ist das Einzige, das, wohl sehr schmerzhaft und mit riesig viel Zeitaufwand verbunden, Hilfe schafft, sonst aber wäre alle Mühe vergeblich, das Schneiden, Auszupfen oder Abbrennen ergibt 'nur eine Förderung des HaarWuchses, es reizt den Haarbalg und dieser treibt dann statt eines Härchens mehrere hervor. Unsere liebe Noth haben wir geplagte Menschenkinde? auch mit den Mitessern die die Kunst ebensowenig zu vertreiben vermag, wie auf die Dauer die Sommersprossen. Am besten gegen Mitesser sind Sandabrei bungen nach dem Ausdrücken und da ein Gesicht, das mit Mitessern behaftet ist. auch porös und fetthaltig zu fein pflegt, soll dasselbe möglichst trocken behandelt werden. Man verwende keine Seife und wische die Haut beim Transpiriren mit einem Haut.reinigungspapier fest ab, so daß die Poren nicht durch Staub verstopft werden können. Nöthe im Gesichte, sowie Wimmerln, Pusteln etc. sind Erscheinungen, die zuweilen nicht ohne Arzt vertrieben werden sollten. Uebrigens möchten wir doch besonders hervorheben, daß zwischen der Pflege der Haut und dem Schminken noch immer ein beträchtliches Unterschied besteht; die Schminke an und für sich schadet dem Teint, die Pflege der Haut soll ihm nützen. Wer darüber Genaueres erfahren will, der suche die intime Freundschaft einer Schauspielerin. Aber einer klugen.
Kaffeelied. Gaffee is eegal Ae Hochgenuß. Aber, wer kocht'n. Wie er sinn muß?! Eenzig mir Sachsen, Und schdolz sein mer druff! Viererlee macht'n, Paßt ämol uff! Dut reeneZ Wasser In ä' Gefäß, Setzt's in die Rehre, Macht's sachdchen hceß. Kriemelt ä Klimbchen Cichorje 'nein, Das macht das Steffchen Erscht sesfig und fein. McMt Gaffeebohnen Ae Sticker 'nein. Aber mehr ja nich, .' Sonst werd't Jhr'fch berei'n. Ae Stickchen Zucker Dut dazu gäm'n, Sießigkeet is Eich Das halbe Läm'n. Schlieft nachher sachdchen Den ganzen Quark, Er macht Eich helle, GemiedliH und schdark! DaS Auge der Liebe sieht scharf! Herr Nickerl macht eines Sonntags, da seine Frau wegen eines kleinen UnWohlseins zu Haus: bleibt, in Gesellschaft eines guten Freundes eine LandPartie. Diese seltene Gelegenheit ist zu günstig, als daß man nicht einmal ein bischen über die Schnur hauen sollte. Beide Herren sind demnach in recht unternehmung-lust:g:rStimmung und als der Zufall ihnen gerade zwei hübsche Mädchen entgegenführt, wird rasch Bekanntschaft mit denselben gemact. Die Unterhaltung wird immer animirter und zu gute? Letzt promeniren beide Pärchen Arm in Arm. Als Herr Nickerl am Abend heiter und fröhlich nach Hause kommt, mustert ihn seine Gattin mit Unheil verkündenden Mienen und frägt: Wo warst Du denn?" Eine kleine Landpartie habe ich mit meinem Freund gemacht." So? das willst Du mir weiß machen? O, Du heuchlerisches Ungeheuer! Mit einem Frauenzimmer bist Du eingehängt gegangen, sogar sehr eng: angeschlossen hast sie wohl um die Taille genommen, wie? Mich wirst Du nicht anlügen fy a. um Go!!esw:llen, Frau wie kannst Du so W7.3 behaupten. Du warst ja den ganzen Tag zu Hause." stottert bestürzt und verlegen der Beschuldigte. Wieso ich es weiß? Schau Dir mal Dein: beldcn Stiefel an) Dc? linke ist ganz mit Staub bedeckt, vom rechten aber ist der Staub total abgestreift. Na. wart'!" Glück. Erster Student: Du, ich hab' doch ein merkwürdiges Glück. Der Regenschirmmarder hat mir schon zwei Schirme gemaust." Zweiter Student: .Merkwürdiges Gluck?" Erster Stunt: Na, denk' doch 'mal, was das für Pech gewesen wäre, wenn es in der Zeit geregnet hatte!"
Amüsante Disscnschast. Die durch ihr Gewich! gespaltene Birne. Wie kann man ein Messer so genau unter eine mit einem Faden an der Decke aufgehängte Birne halten, daß dieselbe beim Anzünden des Fadens auf das Messer herabfällt und in zwei Stücke zerschnitten wird? Man braucht dazu keineswegs ein Bleilot, um dkn Schneidepunkt ausfindig zu machen. Dies geschieht, indem man die Birne in ein Glas Wasser taucht. Einige Tropfen werden sich nun von der Birne loslösen und aus eine und dieselbe Stclle des Tisches
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oder Fußbodens herabfallen; dieser Punkt wird genau martiit. Da es sich um eine Ueberraschung handelt, müssen diese Vorbereitungen im GeKeimen getroffen werden, so daß die Zuschauer, die man nun eintreten läßt, die Birne bereits aufgehängt finden. Im bestimmten Augenblick stelle nun das Messer an die Stelle, die du dir vorher genau gemerkt hast, lasse den Faden durch jemand aus der Gesellschaft anzünden, und die Birne wird beim Herabfallen sicher in zwei Stücke zerschnitten werden. Du kannst dieses Experiment auch mit zwei kreuzenden Messern machen, also die Birne in vier Stücke zerschneiden. Durch Versuche wirst du genau finden, in welchem Punkte die beiden Messer sich kreuzen müssen, so daß also die Birne in vier Stück zerschnitten wird, welche du auf einem Kaffee- oder Theebrett auffängst. Daß bei diesem Versuch die Birne nicht hart, die Messer nicht stumpf sein dürfen, ist wohl selbstverständlich. Marie iussrida. Nachstehendes Bild stellt die kleine, vierzehnjährige Socialistin Marie Gieufsrida, welche gelentlich der letzten aufständigen Bewegungen auf Sicilien so viel von sich reden gemacht hat, dar. Die Kleine ist nett und ihr Züge vcrrathen trotz der jugendlichen Weichheit die Energie, die sie beseelt. Seit ihrem zwölften Jahre ist Marie eine wirkliche Socialistin, welche sogar in großen' Versammlungen begeisterte Reden gehalten hat auf ihrer letzten Tournee in 22 Städten. Ihr Vater war das Haupt des Aufstandes und wurde wegen seiner Betheiligung an demselben zu 18jähriger Gefängnißstrafe verurtheilt. Die 14jährige Marie entfaltete nach seiner Verhaftung eine so lebhaste und bedenkliche Agitation zu seiner Befreiung, daß sie auf Befehl des Ministerpräsidenten Crispi in der kleinen sardinischen Stadt Mores internirt wurde. VomKasernenhof. Sergeant: Einjähriger, ich sag' Ihnen jetzt zum letzten Male, treten Sie mit dem linken Fuße an und wenn Sie zwanzigmal ein Rechtspraktikant sind!" Merkwürdige Ansicht. Frau A.: Ist das e:n interessantes Buch, das Ihre Tochter liest? Frau B.: Es muß wohl sehr interessant sein, denn kaum hatte sie das erste Capitel durch, da las sie schon den Schluß! Kasernenhofblüthe. Unterofficier: Weeßt Du. Nauke. Deine Griffe sind for die Katz'! Ick bin überhaupt mit Dir nicht zufrieden. Du bist der dümmste Soldat von der gann Compagnie. Und wegen so 'nein Theekessel muß sich der Finanzminister Miquel den Kops zerbrechen, wo er diö Steuern for rhn aufbringen soll!"
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Zndiancr von Einst un) Jetzt Wer bat sie nicht mit innigstem Entzücken und athemloser Spannung gelesen, die wunderbaren Leverstrumpfgeschichten des unvergleichlichen Cooper, und sein 5Znab:nhaupt geschmückt
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S i t t i n g B u l l. mit sorglich gesammelten Hahnenfedern und den hölzernen Tomahawk in den Gürtel gesteckt, um sich auf den KriegsPfad zu begeben gegen die verhaßten Bleichgesichter? Uns waren all' die Fährnisse des amerikanischen Urwaldes, Die Perle der Prairie" und Die große Schlange" noch erreichbare Wirklichkeit, und in manchen zehnjährigem Herzen reifte der Wunsch, hinauszuziehen und sein Haupt nicht in der Kinderstube auf Federkissen, sondern im Wigwam auf gegerbte Hirschfelle zu betten. Heute klingt das Alles wie ein Märchen. Der echte Indianer" spielt eine decorative" Rolle. Der Jndianer von Sonst und Jetzt, wir haben die beiden Typen zu Nutz und Frommen I. Smith Esq., alias Cha-la-d i - h a h. Derer zusammengestellt, die für den Wandel der ZeitenJnteresse haben. Der Bildhauer Eduard Kemeys hatden Indianerhäuptling Sitting Bull" nach dem Leben modellirt, und darunter stellen wir die Photographie des gegenwärtigen Häuptligs der Cherokesen, Nimrod I. Smith Esq., genannt Cha-la-di-bah. Sitting Bull und Mr. Smith, zwischen diesen beiden Typen liegt die Geschichte eines im Urzustands mächtigen, unter dem Einfluß der Ei vilifation aussterbenden Volkes. Grohe Menschen. In Castan's Panoptikum zu Berlin zeigt sich zur Zeit ein junger arabischer Riese, welcher wohl der Größte aller zur Zeit lebenden Menschen sein dürste. Hassan Ali dies ist sein Name zählt erst 16 Jahre, mißt aber bereits 7 Fuß 10 Zoll. Da Hassan in dem Alter sieht, in welchem das Wachsthum noch nicht aufgehört hat. so darf er hoffen, noch eirncn Zoll zu gewinnen und den berühmten"schw-dischen Riesen unter den lieben, blauen Kindern", wie der Preußenkönig Friedrich WilHelm der Erste, seine Leibgarde nannte, zu übertreffen; zwar Goliath hatte die fabelhafte Länge von 8 Fuß 3 Zoll. Der Geldprotz. ....Sie lehnen mich als Schwiegersohn ab, weil ich keine Schulden habe! Wie soll ich das verstehen?" No! Wenn Se sich nicht müssen lassen bezahlen von mir Ihre Schulden. woher soll dann kommen bei Sie der Respekt vor mir?!" Der Geizhals. Geizhals: Ich fürchte mich immer des Nachts vor Einbrechern." Herr: Schaffen Sie doch einen Hund an." Geizhals: Das ist mir zu theuer." Herr: Dann bellen Sie ab und zu wie ein Hund." Geizhals: Das möchte ich schon, aber dann ' kommen sie mir Hundesteuer abfordern!"
Zlntcr uns Zraucn.
?ie Aukgabe derZNutter. Wenn wir Frauen uns allsonntäglich hier zusammenfinden, um dasjenige zu besprechen, was uns gerade am meisten beschäftigt, um unsere Gedanken über die wahren Ziele und Zwecke des Lebens auszutauschen, da werden die Mütter sich wahrscheinlich da?i ertappen, daß bei Allem, was sie auch reden und denken mögen, ihre Kinder es sind, mit denen sie sich in Gedanken und Gesprächen immer wieder beschästigen. So sehr uns auch die verschiedenenSorgen und Arbeiten des Haushaltes in Anspruch nehmen, mit wie vielem Eifer wir selbst daran gehen mögen, für den verwöhnten Herrn des Hauses etwas Gutes. Genießbares auf den Tisch zu bringen, wir sind uns dessen bewußt, daß all' dies, verbunden mit den unausbleiblichen Dienstmädchenschmerzen. doch nur den allerkleinsten Theil unserer großen Lebensaufgabe in sich schließt, sondern daß die eigentliche Mission der Frau, welche Mutter ist, da beginnt, wo es sich um das Wohl des Kindes handelt. Dem von der Natur gegebenen Instinkte folgend wird die Äcutter in erster Linie für die Ernährung ihres Sprößlings Sorge tragen, ferner wird sie gewiß den Körper ves Kindes vor jeder äußeren Gefahr zu schützen suchen, gerade so wie die Thiermutter besorgt über ihre Jungen wacht, und sie schließlich noch fein säuberlich putzen und rein halten hilft. Aber so wichtig auch Nahrung, Schutz. Bekleidung und Pflege des menschlichen Wesens für die Entfaltung seines Körpers ist, so können doch da, wo die Mutter fehlt oder ihre Kräfte nicht ausreichen und sie der Hilfe bedarf, auch fremde Menschen für das leibliche Wohl des Erdenbürgers erfolgreich thätig sein, aber die ee'le des Kindes wecken, sein Gemüth bilden, das ist eine Aufgabe, die kaum jemand Anderer an Stelle der Mutter ebensogut wie diese zu erfüllen im Stande ist. Die Seele des Kindes, mit all' ihren geheimnißvollen Erscheinungen, das Gemüth in seinen zarten Regungen, sind beide abstrakte Dinge, deren EntWicklung und Heranbildung fast allein in die Hände der Mutter gelegt ist. Und doch vermögen wir dieser nicht bestimmte Gesetze anzugeben, nach welchen die Seele und'das Gemüth unsehlbar zu behandeln sind, sondern auch das ist mehr Sache des Gefühles als des faltischen Wissens, kann eher angedeutet, als wirklich gelehrt werden. man ist eher im Stande, vor Abwegen zu warnen, als die allein richtige Me thode zu demonstriren. Bor Allem hüte die Mutter ihr Kind davor, sein eigenes Ich als die wichtigsie Person zu betrachten, sein Person liches Behagen als Richtschnur für all' sein Thun und Lassen anzusehen. Kleine Menschen, die niemals gelernt haben zu entsagen, denen jeder Genuß als selbstverständliche Gunst gewährt wird, die müssen sich nach und nach zu qroßen Egoisten entwickeln, es fehlt ihnen der Sinn für die Leiden der Menschheit um sie her, sie gehen achtlos an allem irdischen Jammer vorbei, wenn ihnen selbst auch nicht die kleinste Entbehrung auferlegt, der geringste Wunsch versagt worden. Das Gemüth muß Nahrung haben wie derKörper, es schlummern ungeahnte Kräfte undRegungen in beiden, wenn sie rechtzeltig erweckt werden. Wenn aber das verwöhnte Muttersöhnchen stet nur die Freuden des Lebens genießt, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie viel: Tausend Altersgenossen all' dies entdchrrn müssen, wenn man ihm niemals zeigt, wie beseligend es ist. das eigene Glück mit Anderen zu theilen, von seinem Ueberfluß Andere genießen zu lassen, dann bilden sich diese gemüthsrohen Menschen heran, die mit hoch erhobenem Haupte, gewappnet mit dem Schilde I don't care," durch die stöhnende und jammernde Welt rücksichtslos dahinzuschreiten vermögen, ohne auch nur stillzustehen und den leidenden Schwerbeladenen einen mitleidigen Blick zu gönnen. Ferner verfalle die Mutter nicht aus verblendeter Nachahmungssucht in jenen Cardinalfehler, welcher hierzulande bei der Erziehung angeblich hochgeborener Töchter begangen wird. Da heißt es nämlich, jede heftig: Aeußerung von Schmerz und Freude, ja selbst von Liebe, sei ein Zeichen von proletarischer Unbildung. Gewöhnt eure deutschen Töchter nur ruhig daran, die Lust und auch den Schmerz auszudrücken, in ungekünstelten Worten die Sprache des Herzens zu reden, die Seele ausklingen, die Empfindungen in Worte kleiden zu lassen. Jenes Mädchen, welches ein wahrhaftes Gemüthsleben führt, wo die Mutter Zeit und Verständniß für die Gemüthswelt ihres Kindes übrig hat, wo sie sich nicht als hyperkultivirte, erkünstelte Salonmenschen fremd und kühl gegenüberstehen, das wird auch schon den richtiaen Ton für ihre Gefühlsäuszerungen finden, sich weder in rohemLachen, noch lautem Stöhnen, noch leidenschaftlicben Liebesäußerungen gefallen. Und selbst wenn die Tochter der Mutter, dasWeib dem Manne gegenüber manchmal seine wahre treue Liebe etwas zu herzlich ausdrücken sollte, so wollen wir dieser den Vorzug gewähren vor jener feingebildeten Amerikanerin, welche sowohl in der Mutter wie in dem Gatten eine praktische Maschine zur Befriedigung der eigenen Wünsche erblickt, die man ja nicht durch zu heftige Umarmungen in ihrer nutzbringenden Thätigkeit stören darf. Man sagt, die Völker hat!en Gesetze und Regierung wie sie dieselben verdienen, so auch die Mütter
Töchter ie nach Verdienst. Es ist die
Aufgabe der Mutter, rechtzeitig dakGemuth des5Nndes zu erwecken, es zu mlden und treulich zu hüten, dann wiko ihr in der kindlichen Seele auch dir Dank entgegenblühen, den sie durch ihr gutes Werk redlich verdient hat. Die Erzicyung des Manncs. Minna, Jenny und H:?ene waren Pensionsfreundinnen gewesen, und ihr: Freundscyas: blieb aua) begehen, als sie bereits aüe drei veryeiralhet waren. Einst saßen sie beisammen UNZ strikten, darüber, wessen Ehe am glücklichstem sei, und welche on den Dreien ihren Man am besten erzogen Härte. Da Jede den Bogel aogcschossen haben, wollte, kam man nach längerer Debatte überein, die Probe zu maazen. ede sollte die beiden Anoern einmal zum Essen einladen. Jeoesmal sollte ein verbrannter Braten auf den Tisch tommen, und daran, welche Mien? die Eheherren dazu machen würden, wollt: man die Größe des ehelichen Glücks erkennen. Lei der Jenny kam man zuerst zusammen. Alles war in heiterster Stimmung bei der Tafel, bis ein verbrannter Kalbsbraten erschien. Die bis dahin liebenswürdige Miene des des Wirthes wurde finster, seine Augen schössen Blitze auf die schreckensbleiche Jenny, er brummte unverständlich: Worte in den Bart, welche sich die Befucherinnen so verdolmetschten: Wenn nur nicht Fremde hier wären, ich wollte. Dich lehren Am nächsten Sonntag wiederholte sich bei Minna dasselbe. Nur ließ ihe Gatte seinen Unmuth über den verbrannten Braten nicht im Geringsten merken. Ja, er aß sogar eine tüchtige Portion von demselben. Noch galanter zeigte sich Helenen's Gatte, als die vier Personen in der folgenden Woche um einen verbrannten. Schweinebraten herumsaßen. Er afc zwar nicht viel davon, pries ihn aber als besonders schön und sang .wahre Loblieder auf die 5ochkunst seiner Frau. Später kamen die drei Freundinn?!? wieder zusammen, und Minna wie Helene bedauerten Jenny ausrichtig. Was stellte sich aber im Laufe des Gesprächs heraus? Helenen's Gatte schmollte, als die Freundinnen fort waren drei Tage lang wegen des verbranntenBratens aus demselben Grunde machte Minna's Mann dieser eine heftige Scene; Jenny's Gatte aber bat, als sie unter vier Augen waren, seine Frau wegen seines Benehmens bei Tisch um Verzeihung und kaufte ihr zur Versöhnung einen Schmuck, den sie sich lange gewünscht hatte. Welche hatte ihren Mann am besten erzogen? Verblüht. Herbstlich vergilben die Blätter am Baum. Silberne Fäden durchspinnen de.i. Raum. Sie auch im sorglich geglättetem Haar Herbstliche Fäden schon wird sie ge---wahr. Wogend erschauern die Wunder tr Saat, Blätter der Rosen bestreuen den Pfad Ihr auch entschwand ihre Jugend' geschwind. Wie sich die Rose entblättert im Wind, Doch es erklingt in des prangenden: Flucht: Sterbende Blüthe trägt heilige Frucht? Ihr ach, die stets sich in Tugend ge--müht. Blieb es ein Räthsel, warum sie cp blüht. Gin schlimme? Sandel. Die ehrsame Gattin des Dorfschulzen zu K. ist eine sparsame Frau, mitwelcher der schlaue Beitel,der aus Dingen, die ankere Leute nicht mehr gebrauchen können, schönes blankes Geldzu machen versteht, schon manches Geschäftchen gemach! hat. Heute steckt er wieder seinen schwarzlockigen Kopf durch die halb offene Thüre und fragt mit seinem süßesten Lächeln: Nix zu handeln, Frau Schulzin?" Allerdings hat die Mutter des Derfes eine ganz: Menge Lumpen, wofür der Beitel ihr bunte Tassen verhandeln soll, aber man muß erstere noch zusammensuchen, und Beitel soll deshalb am Abend wieder kommen. In der geräumigen Wohnstube des Schulzen hat sich um sechs Uhr der Eemeinderath versammelt, um über die Brauchbarkeit: des Spritzenhauses als unfreiwilliges Nachtquartir für Landstreicher zu berathen, und man ist. gerade in einer heftigen Debatte begriffen, ob man den Gefangenen ein Strohlager gewahren solle oder nichts als sich die Tbüre halb geöffnet und eine allen wohlbekannte Stimme fragt: Smd dieLumpen jetzt alle zusammen Frau Schulzin V Der arm: Beitel soll schon um 7 Uhr zu Bett gelegen haben. Woher aber die blauen Flecken stammten, die seinen Körper zierten, hat er nur seiner Rebakka verrathen. Bei der Rekruteneinstellung. Serqeant: Was sind Sie sonst, Einjähriger? Einjähriuer: Doctor der Philosophie!" Seraeant: Na, lassen Sie deswegen den Mu:h nicht sinken!-
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