Indiana Tribüne, Volume 18, Number 19, Indianapolis, Marion County, 7 October 1894 — Page 7
Vcschichtc z:nd ekSmpft:nz der Tipytheritis.
Von Dr. M. Dyrenfurth. In welcher Stadt, in welchem klein, stcn Törfckcn hat die schreckliche Krank bcit ijicht schon thräncnrciche Ernten ge leimst! Nach den Mittheilungen des preußischen Statistischen Bureaus sind in Preußen seit länger üls zehn Iahrrn alljährlich gegen 50,000 Kinder diesem Würgengel erlegen, und offen bar ist der Grimm de'-sclbcn noch im Zunehmen begriffen. Man ist es gewohnt, die Tiphthcritu als eine gau; neue über uns hereingebrochene Krankheit zu betrachten, von welcher die Welt erst seit ungefähr vierzig Jahren etwas gehört hat. Tiese Meinung ist aber eine sehr irrige. Vielleicht darf man schon das Sterben der Erstgeborenen unter König Pharao auf Rechnung einer Tip'hthcritiscpideuüe schreiben, denn es steht fest, dies bereits den alten Griechen und Römern bekannte Leiden von ihnen die ägyptische Krankheit" genannt wurde. Arctäns von (sappadocicn, ein großer griechischer Arzt und Schriftstcller, der ums Ende des 1. Jahrhundcrts in Rom eine ausgedehnte Praris besaß, entwirft deutliche Schilderungen diphthcritischcr Rachen- und Kehlkopszu fälle. In der Jahrcsgeschichte der arfilßcncr Franziskaner zu Thann schreibt ein Mönch aus dem Jahre 1517, daß zu Basel, Mülhausen, Colinar und im ganzen unteren Elsaß und Schwabcnland eine unbekannte Sucht entstand, bei der den Leutchen Zung' und Schlund, gleich als mit Schimmel überzogen, weich wurden, nicht ohne pestilcnzialisches Fieber." In den folgcndcn Jahren wurden Frankreich. Spanien, Neapel und Sizilien von einer gleichen Seuche heimgesucht. Tcr englische Ärzt Hurham erwähnt im Jahre 17Ö9 einer Seuche mit aschfarbigen Flecken auf Mandeln, Zäpschen, Gaumen und Schlund und mit röchelndem Athem. In Schwaben herrschte in der Mitte des 18. JahrHunderts eine verderbliche Tiphthcritis unter den Kindern und zog dann ums Ende demselben nach England und Nordamerika. In den zwanziger Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts richtete sie furchtbare Verheerungen in Frankreich an. Eine Epidemie von Tours gab dem berühmten Arzt Bretonncau An laß, die Krankheit eingehend zu studircn. Bon ihm rührt auch der Name Tiphthcritis her, von Diphthera, welches Wort im Griechischen Gerbhaut, Pergament bedeutet. Er erkannte in diesem Leiden eine eigenthümliche, dnrch Ansteckung hervorgerufene Erkrankung des Organismus, welche sich durch örtliehe Entzündung am Eingang des Rachcns und Bildung eiucS mehr oder weniger dicken BelagS auf den Mandcln und der Zäpfchcngcgend kundgibt. In den fünfziger Jahren tauchte die Krankheit nach langer Zeit von neuem wieder in Teutschland auf; anfangs nur selten und zerstreut. Hier hatte fett Menichengcdcnken ihre nahe Verwandte, die häutige Bräune oder Eroup, gehaust, eine heftige, stürmisch verlausende Entzündung des Kehlkopfes mit Ausschwihung einer Haut in dessen Innerem. Wie heute die Rachenbräune, fo war damals die häutige Bräune der -Schrecken aller Mütter, eine Geißel der Kinderwelt. Napoleon der Erste, dem 1809 ein hoffnungsvoller Neffe (der altere Bruder Louis Napoleons) an dieser Krankheit gestorben war, setzte einen Preis von 100,000 Franks sür den Entdecker eines wirksamen Hcllmit mittels gegen dieselbe aus. Tie glücklichen Gewinner waren zwei Aerzte, Tr. Olbers in Bremen und Tr. Jurine in Genf. Beide priesen das Calomcl (eine Mischung von Chlor und Quecksilber) als den einzigen Netter in der Bräune allein die Erfahrung hat die Wunderkraft dieses Mittels keineswcgs bestätigt. Turch die neue noch gefährlichere Nebenbuhlerin erscheint die häutige Bräune sehr in den Hintergründ gedrängt, ohne jedoch ganz zu erlöschen; Eroup als ein rein örtliches hitziges Kchlkopflcidcn ohne vorangegangenc Pilzbildung im Rachen kommt jetzt nur noch vereinzelt vor, so daß sein Borhandcnscin als selbstständigcs Leiden von manchen Aerzten überhaupt be stritten wiid. ZI Tiphthcritis oder Nachenbräune, wie der deutsche Name lautet, erscheint bald zerstreut, in einzelnen Fällen oder Gruppen, bald in verheerenden Massencpidcmicn, häufiger im Herbst und Winter, als in dcr wärmeren Jahreszeit. Zuerst taucht hie und da ein Fall auf, dann mehren sich diese zusehends, bis sie den Umfang ciner Seuche annehmen um nur allmählich wieder nachzulassen. Tie Dauer einer solchen Epidemie beträgt gewöhnlich ein ba'des Jahr, kann adcr unter ungürstigen örtlichen Bcrhältnissen: :usammeng'drängtcs Wohnen, verdcrbcne Uift. Schmutz, Armuth sich üb;i c.hr und Tag hinschleppen. In größercn S.c.dten geht sie niemals ganz aus. Tie Tiphthcritis ist nicht bloß eine Mcnschcnkrankheit, sie wird auch bei Thieren wahrgenommen und kann vzn Menschen auf Thiere und von diesen auf Menschen übertragen werden; durch den Genuß des Fleisches von Kälbern, die an Tiphthcritis gelitten hatten, sind wiederholt auch Menschen derselben vcrfallen. In einem Hause war eine Katze an Tiphthcritis verendet; kurz darauf erkrankten drei Kinder, welche mit dem Thiere viel gespielt hatten, und starben sämmtlich binnen wenigen Tagen. Umgc!chrt fehlt es auch nicht an Fällen, in denen Hunde und Schweine, welche von den Abgängen diphthcritisch' erlrankter Menschen gefressen hatten, an Tiphthcritis abgingen. Mehrfach haden italienische Aerzte Uebertragung der Tiphthcritis von Hühnern auf Mcnschen beobachtet, und Gerhard berichtet von einerin Baden unter Hühnern,
die aus Bcrona bezogen waren, ent-s'-indenen Tivbthcritis, welche auf eine Anzahl Menschen, die mit ihnen zu thun hatten, überging. Taß die Tiphthcritis zu den ' in hohem Grade ansteckenden Krankheiten gehört, darüber herrscht kein Zwcife. und geht schon daraus hervor, daß. sobald sie in einer Familie ausgebrochcn ist, meistens, bald kurz darauf. bald aber auch eine Zeit später ein anderes Familienglied erkrankt: oft genug haben sich Aerzte bei dcr Operation, Mütter durch Pflege und Liebkosung ihrer erkrankten Kinder es sei hier nur an die Großhcrzoczin Alice von Hcssen-Tarmstadt erinnert dieselbe Krankheit eingeimpft. Tcr Anstcckungsstoff verpflanzt sich durch die Krankheitsprodukte dcr Ergriff.'ncn, zumal ihrer Rachcn- und Nasenichleimhaut; er haftet an den damit in Berührung gckommcncn und nicht gcrcinigtcn KörVertheilen anderer, an den Geräthen. Bcttstcllcn, Wänden und Häusern, tnj er oft trotz dcr erdenklichsten Mühe k.ium auszurotten ist. Tcr Keim kann ab.'r auch durch Nahrungsmittel, die mit ihm bc!adcn sind, mit Brei, Kartoffcln, Fleisch und Milch übertragen werden. Es ist daher ein bodenloser Leichtsinn, ja geradezu frcvclhaft, wcnn dic Hand, die eben den schlimmen, ans Mund und Najc quellenden Ausfluß eines Kranken abgewischt hat, vielleicht noch gar mit dem Schleim besudelt, alsbald einem Kunden Semmel und Brot oder ein Stück Fleisch verabreicht. Wie ein Funken eine ganze Stadt einäschern kann, so kann auf solche Weise die Scuchc, ohne daß jemand ihre Ursprungsquellc ahnt, aus Stube und Laden in weite Kreise ihren Flug nchmcn. Man sollte daher mit Strenge darauf achten, daß in Handlungen mit Lebcnsmitteln. besonders bei Fleischern, Bückern, Mehl- und Obsthändlern diejcnigcn, dic sich mit dcr Wartung von Personen, welche mit ansteckenden Krankheiten auch Typhus, Scharlach, Masern und Keuchhusten gchörcn hierher befassen, jeden unmittelbaren Verkehr mit Geschäftskunden vermeiden. Freilich wird nicht jeder, dcr in dic Nühc cincS AnstcckzingSher das gelangt, gleich angesteckt; es gehört immer eine gewisse Anlage und Empfänglichkeit dazu. Wer dicsc nicht hat, bleibt von dcr Krankheit verschont. Tie Empfanglichkeit für Tiphthcritis aber wird durch gcwiffc Krankhcitc'.lstünde hcrvorgerufen oder begünstigt, z. B. durch Schnupfen oder Mandelentzündung (Halskatarrh). In dcr aufgelockerten geschwollenen Schleimhaut dcr Nase üud dcr Rachcnhöhle gedeiht dcr Krankheitskcim, wcnn er zufällig cingcschluckt worden, leichter als auf der normalen und gesunden. Turch Erkältung also können wir uns zwar eine Tiphtheritis nicht direkt auf den Hals laden, wohl aber bieten wir dadurch ihrem Samen einen Nährboden, auf dem er?vortrcsfliche Bedingungen zu seiner Entwicke lung findet. Mit Recht zählt daher die Tiphthcri-
tis zu den Infektionskrankheiten, d. h. zu dcnzenlgen, die ihr Dasein einem winzigen, lebendigen, pilzartigcn Keim verdanken, der, sobald er cm für sein Gedeihen zuträgliches Heim gesunden, sich dort niederläßt, in den Säftcstrom eindringt, sich dort in Myriadcn von Myriaden vervielfältigt und dadurch eine Reihe eigenthümlicher Krankheit--erscheinungcn zu Tage fördert nicht er selbst freilich, sondern erst das giftige Produkt, das cr als lebcndiger,mit Stoffwechsel begabter Organismus aus seinem Innern ausscheidet. Solch ein Pilz ist ein ruchloser Schmarotzer; er ernährt sich von seinem Wirth, und zum Tank dafür richtet er ihn durch Vergiftung zu Grunde! Tie Großthat der Entdeckung des Tiphthericbazills verdanken wir dem Professor Löfflcr in GrcifSwald, die nicht mindere dcr Tarstcllung seines Giftes gleichzeitig demselben Forscher und den Franzosen Roux und 7)crsin. Man gewinnt das Tiphthcriegift, indem man die Bazillcn in Bouillon aussät, züchtet und sich ausreifen läßt; haben sie nach Wochen ihr Wachsthum vollendet, so fallen sie zn Boden, während das Gift in dcr darüberstehenden Flüssigkeit gelöst bleibt und feine Wirksamkcit längere Zeit beibchält. Mit dcn Bazillcngiftcn das Mitzutheilende gilt u. a. auch vom Wundstarrkrampf und vom Typhus stellte man nun im Laufe dcr letzten Jahre an Thieren Versuche an, welche zu dcn denkwürdigsten und sür die Heilkunde bofsnungsvollsten Ergebnissen geführt haben. Wir fasten dieselben, uns lediglich auf dcn Gegenstand unserer AbHandlung beschränkend, in folgenden Sätzen zusammen: 1. ) Tie Tiphtheritis ist eine nicht bloß dem Menschen eigene, sondern auch bei vielen Thiergattungcn, kleinen Vögeln, Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen, Hunden und Schafen anzutrcfsende Krankheit, wogegen andere Thiere, wie z. B. Ratten und Mäuse, ihr durchaus widerstehen (immun bleiben). 2. ) Tas von dcn Bazillcn abgcschiedcne Gift kreist in dcr gesami'ten Blutmaffe und haftet insbesondere auch an allen Atomen des von seinen festen Elementen befreiten Blutes, dem Blutscrum. 3. ) Impfung mit dcm Blutserum erkrankte? Thiere kann die gleiche Krankhcit bei anderen für dieselbe cmpfänglichcn hcrvorrnfcn. 4. ) Impfung mit Scrum von dcr I ncktion cieljciücr Thiere kann bei gefunden, der Krankheit zugänglichen, die Empfänglichkeit dafür aufheben und vermag zugleich dcm Erkranken nicht bloß vorzubeugen, sondern anch 5. ) bereits Erkrankte zu heilen. 0.) Tas Scrum aus dcm Blnt unempfänglicher Thiere kann cmpfängliche widcrstandskrüftig machen, selbst wenn jenen vorher der Anstcckungsstoff in sonst tödtlichcr Menge einverleibt worden war.
Tas um nicht qcistrciche Hypothesen aus flüchtigen Wahrnehmungen, sondern unumstößliche Thatsachen, welche Stabsarzt Professor Bchring in Berlin durch unzählige mühevolle Versuche und Gegenvcrsuche im Verein mit ander n ForsÄern sicher gestellt hat. Wie aber dic Rettung eines solchen vergifteten Thieres infolge dcr Scrumzufuhr zu stände kommt, hat man sich nach Bchring so zu erklären, daß durch dieselbe dcm Thicrc neues Blut und damit gcwisse Eigenschaften und Fähigkeiten des Individuums eingeflößt werden, von dcm das Scrum herstammte. Tie neue Scrumthcrapie hat bereits ihre Probe auch bci dcr Mcnschendiphtheritis bestanden. Man konnte das Tiphthericserum unbedenklich anwcnden, da dasselbe, auch in stärkster Konzcntration, bci Gesunden sich vollkommen unschädlich crwicscn hat eine Eigcnschaft, die man dcm Tubcrkulin bekanntlich nicht nachrühmen kann. Im Berliner Institut für Jnfcctionskrankheiten wurden im März 1803 zu in erstenmal diphthcrickranke .Binder durch Einspritzungen von Scrum aus dcm Blutc giftfcst gcmachtcr Schafe behandclt. Von clf Kindcrn starben nur zwei, bei allen schwanden die Belüge dcr Mandeln, wie überhaupt die örtlichcn Krankhcitcrschcinungcn schr schnell, auch der ganze Verlauf war ein außergewöhnlich milder. Auf diesen Umstand muß Gewicht gelegt werden, da aus ihm die Wirksamkeit des neuen Mittels gegen die eigentliche Tiphthcrickrankheit hervorgeht. Tcnn lcidcr wird in vielen Fällen die Heilung durch die gleichzeitige Anwesenheit' noch anderer schlimmer Pilzunholde, dcr Strcptokokkcn, erschwert, gegen welche ein Versahrcn bis jetzt noch nicht versucht worden ist. Mit Spannung sieht die ärztliche Welt dcr weiteren Entwickelung dcr Scrumfrage entgegen. Bewährt sich dic neue Methode, so wird Bchrings Name mit gleichem Glänze, wie der Jcnncrs in der Geschichte strahlen, denn dic Menschheit würde von einer Geißel befreit sein, die fast cbcnso mörderisch ist) wic cs dercinst dic jetzt fast vcrschollenen Blattern waren. Vielleicht crlcben wir cs noch, daß den Kindcrn zum Schutze gcgcn die Tiphtheritis allgemein Schafblutserum eingeimpft wird, wie jetzt dic Kälbcrlym'phe gegen die Pocken! Kann doch ein Schaf im Lauf eines Jahres 2 Quart und somit den nöthigen Stoff für 5000 Kinder her-geben.
Weibwürschterln in Münka Tcr ehemalige Schuhmacher und nunmehrige Privatier Pech, ein stattlicher Mann in dcn hohen Fünfzigern, geht aus Langeweile im Gange des Justiz-Palastcs in München auf und ab, setzt sich schließlich auf eine Bank, zieht eine Zeitung ans der Brusttasche und vertieft sich in eifriges Lefcn. Endlich kommt die Sache zum Aufruf, worauf cr mit dem als Zeugen vorgc ladenen Wirthschaftspächter Hubcr in den Saal tritt und gegen den Letzteren bemerkt: Reut Eahna d'Zcit nit, die'S da heromet verkratzcl'n müaß'n? I' moan, es war ayna a grouerer Nutz'n, Sie that'n a wengl 's Bratdrejch n zuaschaug'n." Ter Angesprochcne sagte kein Wort und trat nach der üblichen Belehrung über die Wichtigkeit des Zcugcneides wieder hinaus. Richter: Hcrr Pech! Sie haben gegen einen Strafbefchl Einspruch erhoben. nach welchem Sie wegen groben Unfugcs zu 10 Mark Geldstrafe verurtheilt worden sind, weil Sie am 5. Juli in dcr Huber'schcn Wirthschaft geschimpft und gelärmt und muthwillig einen Tellcr zerschlagen haben. Wie begründen Sie den Einspruch? Angeklagter: Aha! muthwilli' ham's g'sagt! Ta vergang Eahna der Muthwill'n bei aner solchen Bedienung. Tcr Zorn war's, der mir kcmma is', wia i' g'spannt hab, daß i' um mci guct's Geld wieder a fcuerrothe, ausg'sottenc und versalzene Wcißwürscht kriagt hab. San denn ds hcutzutag noch Wirthsmetzgcr? Da kimmt so a' Bauernhcnkl in d' Stadt Müuka eina, a Haub'n wia an Luftballon, macht Sprüch wia a Nichtiger und is a Patzer durch und durch. Schaug'ns, das feinste Fruahstuck in der Müchncrstodt mueß doch meiner Lcbtog a richtig's Paar Weißwürschterln sein. Wenn Oaner in an Wirthshaus a Weißwurst cffcn thuet, na kenn i', wo er dahoambt bis! Zum Beispiel a alter Münch'ncr schneid' a paar Würschterl in dcr Mitt'n durch, faßt a Hälft' beim Zipfl, ziagtd'Haut durch dic Zähn, an Truck und furt is'. Seh 'ans. Tcr Fcincre, dcr schncidt's nach der Läng auf, ziagt d'Haut aba und schiabt's bröcklweis g'schnitt'n eina. Tös is' scho a Gottesgab verhonakelt. Mit Ausnahm's thuet's Oana z'weg'n dem, daß er a mal aa Jemanden d'Haut o'ziag'n kann. A G'schcertcr dcr b 'stellt sich a Stückcre viere, schnidt's mit sammt dcr Haut auf und verdros sclt's z'sammt die Soatlin, daß nix'n z'Grund geht. Also Richter: Bitte. Sie schweifen so weit von der Sache ab, blcib.-n wir bei dcm groben Unsug vom 5. Juli. Angeklagter: Entschuldigend, Herr Staatsanwalt, glei kemma mir auf dcn grob'n Unfug von dcra Wirthschaft. Also a richtige Weißwurscht mueß weiß, saftig und wollet sein. Tös Mollcte kann mcr 5Zoan beschreib 'n, dös mues; dcr Gusto auf'm Züngl gcbcn, 'smucß a Schnittling drinna'scin und bcilcib nit z'vicl Salz, aa koana hart'n Krüsperln oder gar a wengl auSg'sott'na KalbSkopf. Und jctz'n kcmma mcr auf das ganz konträre Gegentheil von aner Wcißwürscht und solchcne gibt's beim Herrn Hubcr in der Wirthschaft. Ta bin i alfo seit Jahr und Tag alle Fruah, bestell' mir drei Stück und a Maaß. Seit 14 Tagen hat dcr Wirth an neuch'n Metzger, so an Halbwild'n von der boarifch'n Ostgrenz und dcr Kerl macht Würfcht erbärmlich faa'.i'
Eayna. Wia's cina schneid', spritzt Eahna 's Waffen in 's G 'ficht, 's Brat is roh undverschwcmmt, g'salz'n san's wia d'Haring, von an Grcanzcug ka' Spur und was d' Hauptfach is, Abends kann mer aa n' Wcißwürscht hab'n und dös woaß doch a jcd's Kind in München, a Wcißwürscht därf nct. Elfe läuten hör'n. Am 5. Juli kriag i wieder drei Würscht und da sag' i' zur Kellnerin: Säh, Marie! Wenn's heut wieder so rar sind wia gestern, na' bleib' i' aus und geh zu der Babcttl am Viktualicnmarkt. Thuet mer leid, sagt dös Schnapper!, i steck nct dainnct und mach's aa nct, dös müass'n's an Metzger verzähl'. Tie sagt nachher 'n Wirth, daß mir d'Würscht nct guct gnua san und dcr hat's dann sclbcr bracht. I schncid's an, der Wirth schau gt zua und moant: Sie brancha nct so hoagli csin und meine Sacha z' vcracht'n! was fehlt denn denc Würscht? Tamischcr Tropf, sag i. Stockwürscht san 'ö wia du a Stock bist und wennst koa Wcißwürscht macha kannst, na' kauf Krcuzcrwürscht'l. Jctz'n hoaßt mi dcr Maisch an Sucstcr und an Aufdrahr.'r und sagt: i verstand gar net, was guctc Wurscht wär. Träuf hab' i' 'n Icll.'r z'sammt die Würscht an Cfcn hing'worfcn, weil mi dcr Zorn übermannt hat und bin fürst. Tös war dic ganzc G'schicht. Richter: Bezahlt haben Sin nichts? Angeklagter: Glei' d'rauf hab i' meine Eenü g'schickt und fragen lasten, was i schuldig bin, aber dcr Wirth hat g'sagt: er knnnt's nimmer ausmache, die Sach käm an 's Schwurgericht. A Martl hab i cahm no' anbot 'n, wenn 's
im Guten ausganga wär', er hat abcr g'sagt, da g'langa koana dreihundert Stutzen. Ohne Jeugenvernehmung wurde dic Strafe auf drei Mark herabqesekt. Herr Pcch wollte gleich seine Schuldigkeit bereinigen, wurde aber auf cmcn jpätcrcn Bcjuch des Gerichts boten vertröstet. Auch rcch! meinte cr: der kriagt a Fufzgcrl mchra und mueß selber die Weißwircht probir'n in dcra Malcsizknclp'n, damit Oaner vom G 'richt woaß, was dös für a Graffl is. Sie! mit dic Würscht, da hat's was! 's Bcjte is, Sie schaugcn's z'erst an. wcn's a Anderer ißt und nachher erst b 'stell 'n, mich kriagt Koancr mehr dran! (Zsclöblut als Heilmittel der Tubertulose. Tcr französische Arzt Tr. Viqucrat hat, nachdem er beobachtet hatte, daß der Esel gegen die Tuberkulose gefeit ist, sich dcm Studium der Ursachen dieser Immunität gewidmet und hat sie entdeckt. Sie bestehen in einer bis jetzt unbekannt gewesenen Substanz, die in dem Blutc des Esels vorhandcm ist und von hier in die Ausscheidung des Thieres und besonders in die Milch des Weibchens übergeht. Wie gewöhnlich waren die Kaninchen, das lebende Repcrtoire aller Krankheiten, die die Thicrwclt heimsuchen, die ersten, die das neue Heilmittel erprobt haben. Viqucrat wühlte einige tuberkulöse Exemplare, spritzte ihnen ein wenig Eselsblut ein und wiederholte die Opcration an dcm zweiten Tage, bis dic Kaninchen vollständig gesund wurden; einige von ihnen sind seit einem Jahre geheilt und Zeichen von Lungenvercitc rung haben sich bei ihnen nicht wieder bemerkbar gemacht. Viqucrat machte dann dieselben Versuche mit Ziegen, Hunden und Füchsen stets mit Erfolg, zuletzt machte er Einspritzungen nur mit Eselserum und mit Serum (Blutwasscr) sollen auch bci tuberkulösen Menschen icdcn zweiten Tag subkuti nte Einspri tzungcn gemacht werden. Tie Zahl der Fälle, bci welchen das Arzneimittel versucht werden kann, ist aber sehr bc schränkt, dcnn Esclscrum bringt nur dann Heilerfolge hervor, wcnn bei der Tuberkulose noch nicht dic Eitcrunq bcgönnen hat, und cs ist bekannt, daß die Tuberkulosen sehr rasch m die Ette rungspcriode eintreten. Cyinesifcher Aberglaube. Bei keinem Volke ist dcr Glaube an das Scin böscr und guter Geister so verbreitet und festgewurzelt, als bei dcn Ehmcsen-, dieselben glauben sich gcgcn dic Einflute böscr Gastcr dadurch schü tzcn zu können, daß sie dcn Zi:n'.nerbo dcn ihrer Wohnungen mit einer ncivis sen Pflanze bestreuen, eine adcre an die Thür stecken. Tie erstere, dcm Wcrmuth ähnliche heißt im Chinesischen Xgai, die letztere, unser Kalmus, heißt Qiang-pu. Jene wird zu dcm gleichen Zwecke gebraucht, wie das gelbe veqcta bilische Pulver, womit die Ehincscn die Stirnen lhrcr Kindcr emreibcn. näm lieh als ein Präscrativ gcgcn Giftcin flüsse. Manche trinken anch eine Auf lösung dieses Pulvers, das halb eine medicinische, halb eine magische Kraft besitzen soll. Tas Ulian-pu verdankt leine Auszeichnung dcn schwertahnu chcn Blättern. Ursprünglich wurde nämlich cm aus Papier ausqcschmtte ncr Schutzgcist mit einem Schwerte in dcr Hand an die Thürjchnalle gehängt, um die bösen Geister abzuwenden. Ties ist jetzt Nicht mehr gebräuchlich, aber die Idee wird durch die Verwcn dung jener scharfblättcrigcn Binsenart festgehalten. Beide Pflanzen zusam mcn geben zugleich ein schönes Wort spiel, indcm Pu-nai so vicl bedeutet als: Keine Angst! Es thut nichts!" Wcnn also ein Ehincse scin Haus in obiger Weise schmückt, erblickt cr schon in Bereinigung beider Pflanzen einer stillschweigende Versicherung von dcr Wirksamkeit dieser , Vorsichtsmaßregel. Im Zweifel. Sepp (der ein gutes Geschäft g:macht hat und defzhalb mit seiner Alten in einem sehr feinen Restaurant zu Mittag speist): Du. Lern, in meiner Supp'n iZ a' Flieg'n; dees muk i' glei' der Kellr.erin sag'n!" Leni: (&h', sag' liaba nix am End' g'hört s' 'nein!"
Am Toilcttcnlisch. Kosmetische Skizze von E. Günther.
Wie rauh wird m:ine Haut, die friiher so weich und glatt war! Wie leicht h?ften jetzt Staub und Schmutz an ihr und wie wird sie wund und rissig, wenn ich an die kalte Luft komme!" So klagt das junge Fräulein oder die zunae Frau, die noch m den schönsten Jahren steht, in welchen an ein Altern, ein Runzllgwerden der Haut nicht zu denken ist. Betrübt blickt sie in den Spiegel wehmüthig betrachtet sie ihre Hände, wendet allerlei kosmetische Mittel. Wasser und Schminken an. aber die Haut wird nicht besser, nicht schöner. Es ist zum Verzweifeln mit diescr Rauhheit und Rissigkeit! Und doch ist es so leicht, in diesem unliebsamen, so oft vorkommenden kosmetischem Falle" Abhilfe zu schaffen. Die junge Dame hat auf ihrem Toilettentische einen argen' Hautfeind die Seife! Das klingt fast ungeheuerlich! Nicht wahr? Die Seife, nach deren Verbrauch man den Culturgrad der Volker bemißt, die so rasch und gründlich den Schmutz des irdischen Staubes von uns fortnimmt, soll eme Hautfeindin sein?! Und doch verhält es sich so. Sehr viele' Menschen. die über rauhe Hände und rauhes Gesicht klagen, verdanken das ihrer Seife. Und wenn die Großmutter dazu ungläubig den Kopf schüttelt, so verstehen wir das wohl, denn in ihrer guten alten Zeit war die Seife weit besser als in dem Zeltalter der gronartigen Fortschritte der chemischen In-, dustne . Wie kann nun die (Seife der Haut schaden? Um verständlich zu werden. müssen wir etwas weit ausholen und zunächst erklären, woraus die Seife selbst besteht. Die alten Germanen oder Gallier, welche die Kunst des Seifensiedens erfanden und dieselbe den hochcivilisirten Römern mittheilten, bemieten iare Seife durch Kochen eines Gemisches von Hammel- oder Rindersett.mit Buchenholzasche und erhielten dadurch eine sehr gute Seife, eine reine Waare, wie sie heute gar nicht un Han del vorkommt. Diese Seife zeichnete sich vor Allem dadurch aus, daß sie keine freie ätzende Lauge enthielt, daß sie neutral war, wie der technische Ausdruck lautet. Das Herstellen einer sol chen reinen Waare ist jedoch umständlich und kostspielig, denn aus 100 Pfund Fett erhält man nur etwa 160 Pfund guter Kernseife. Man ersann darum im Laufe der Zeit verschiedene Verfahren, die das Fett mehr auszunützen gestatten; 5us 100 Pfund Fett können danach 200 bis 300 Pfund Seife bereitet werden, ja, es gibt Methoden, die es möglich machen, aus 100 Pfund Fett sogar 1400 Pfund Seife zu sieden! Solche Seifen enthalten selbstverständlich viel ätzendeLauge und sind böse Hautfeinde; denn die Lauge greift die Haut an, beraubt sie der oberflächlichen Schutzschicht, macht sie rauh ( , rfund rling. z-rarilge icyaoilcye t fen können sehr gut schäumen und mit köstlichem Parfüm versetzt werden. Sie sind billig, gefallen und werden gern gekauft. Woran kann man nun erkennen, daß eine Seife keine freie ätzende Lauge besitzt? Die Chemiker verstehen wohl auf diese Frage Antwort zu geben, aber ihre Untersuchungsverfahren sind so umständlich, daß sie nur in einem Laboratorium, niemals aber von Laien zu Hause ausgeführt werden können. Man hat gesagt: eme neu trale Seife darf auf der Zunge nicht brennen, wenn man sie mit derselben in Berührung bringt. Das Mittel ist wohl einfach, aber auch nicht besonders zuverlässig und wenig appetitlich. In dieser Beziehung ist das Publikum sehr auf die Gnade des Fabrikanten angewiesen. Als in neuerer Zeit die Klagen über die scharfen Seifen immer lauter wur den, erfann man ein neues Mittel, um diesem Ueoelstande abzuhelfen: man bereitete übcrfettete Seifen. Dabei wird in den Kessel beim Seifensieden von vornherein mehr Fett, als zum Verseifen nothig ware.hlneingethan und die olge ist nun. daß alle Lauge ae bunden wird, dafür aber freies unverfeistes Fett übrig bleibt. Solche Seifen sind nun für die Haut in der That sehr zart und mild, haben aber nicht so schönes Aussehen, schäumen auch nicht so stark wie andere Seifensorten und werden darum von dem Publikum weniger geschätzt, als sie es verdienen. Der untrüglichste Probirsteinz für die Güte der Seife ist aber die menschliche Haut selbst. Bemerkt man, daß sie an Glanz und Glätte verliert, daß sie rauher wird und darum die Hände sruyer a:s on t cvmukia werden, so hat man allen Grund, die bisher gebrauchte Seite als verdächtig anzuse hen und zu einer besseren zu greifen. Wer eine empfindliche Haut besitzt. thut dann gut, eine medizinische überfettete Seife, wie z. B. die Benzoe- oder Thymolseife aus einer renommirten Fabrik zu wählen. Er zahlt zwar dafür einen höheren Preis, weiß aber weNigstens sicher, was er erhält. Uebri gens kann gute Seife überhaupt billig nillZ! avgegeven werden. Die milde überfettete Seife verdient überhaupt die größte Beachtung seitens der großen, großen Zahl von Frauen und Jungfrauen, die an Trockenheit der aut leiden oder dieselbe durch emsiges Arbeiten in der Hauswirthschaft hervorrufen. Unsere Haut wird stets von der Natur durch zahllose kl'ine Talgdrüsen eingefettet: dadurch t i. r raiiü ic gianno, roeicq uno geicymeldig. Bei vielen Menschen pflegt nun diese natürlicke Fettabsonderuna aeringsügig zu sein; die Haut erscheint alsdann trocke und spröde und hat sie Neigung, namentlich an den Han
den Risse und Sprünge zu bekommen.
Muß nun die Beicherm emer solchen Haut öfters ihre Hände ins Wasser tauchen, be:m Neinmachen und !aschen nachhelfen oder diese Arbeiten selbst besorgen, so verschlimmert sich die unschön: Beschaffenheit der Hand; in die Risse und Sprünge dringt der Schmutz hlnem, setzt sich dort so fett, daß man ihn nicht ohne weiteres wegwaschen kann und schließlich wird aus der sonst schöngeformten Hand jenes Gebilde, das jedem unter dem Namen der Küchenhand" wohl bekannt ist. Je mehr man nun solche KüchenHand mit scharfer Seife oder gar Soda wäscht, desto schlimmer wird der Zustand, denn icde Waschung beraubt die Haut noch mehr des Fettüberzugs. Solche Hände können nur dadurch gebessert werden, daß man ihnen Fett zuführt, und dies geschieht eben durcq eine milde übersetzte Seife und durch Einreiben von Fett, wie z. B. Lanolincrcme nach zeoer Waschung. Uebrrgens sind rauhe, rissige Hände nicht allein ein kosmetischer Fehler; sie sind noch aus einem anderen Grund: zu vermeiden. Die Rizze gehen tiefer und gestalten sich zu kleinen Wunden; dringt nun in diese Schmutz ein. so können langwierige und schmerzhafte Entzündungen entstehen, Leiden, die gerade an Hand und Finge: bei arbeitcnden Frauen und Madazen nicht seiten sind. Es gibt aber auch Menschen mit einer so zarten Haut, daß dieselbe selbst die mildeste Seife nicht verträgt. Für diese hat man allerlei Waschpulver ersonnen. Man kann sie selbst bereiten, indem man anerkannt gute Seife in dünne Scheibchen schabt, während einiger Tage im Ofen dörrt und dann zu Pulver reibt. Diesem Seisenpulver setzt man nun t nach Bedarf die gleiche oder zwei und dreifache Menge echter Mandelkleie oder feinsten Reismehles hinzu und parsümirt das Ganze mit einigen Tropfen wohlriechenden Oels. Wer auch diese Seifenpulver nicht vertragen kann, der kann sich mit rei ner Mandelkleie oder auch mit einem sehr einfachen Mittel, mit Brot, das in Regenwasser oder anderem weichen Wasser aufgeweicht wurde, waschen. Die Seife ist ja zur Reinhaltung der Haut nicht unbedingt nöthig; die alten Römerinnen waren Meisterinnen der Kosmetik und kannten doch die Seife nicht, sondern wuschen sich mit erdigen Pulvern und ähnlichen Mitteln. Wir haben bis letzt nur von Menschen mit besonders zarter Haut gesprachen. Es gibt aber auch solche, die namentlich an den Handen eine harte, schwielige Haut besitzen. Den Besitzern und Besitzerinnen einer solchen Hand leistet dic Bimssteinseife gute Dienste, da sie, regelmäßig benutzt, durch Rei bung emen Theil der Schwielen fortnimmt und sie dünner macht. Zlcbcr das ZZricfschrciben unscacr Vindcr. Welches Kind ließe sich nicht gern etwas schenken? Und nun gar ein Packet von außerhalb! Wer bekäme das nicht gern? Die Freude hat aber für viele emen bitteren Nachgeschmack: es muß ein Dankbrief geschrieben werden! Ich sage mit Bedacht: es muß geschrieben werden, und daß dies eschehe, darauf haben die Eltern zu sehen. Die Pflicht des Dankens wird. wie keine andere, gar oft versäumt; es sei unsere Aufgabe, unsere Kleinen zur Dankbarkeit und Höflichkeit zu erziehen; da, wo em mündlicher Dank unmöglich ist, hat der schriftliche an seme Stelle zu treten. Auf diese Weise wird unseren Kindern die Pflicht der Dankbarkeit und Höflichkeit zur guten Gewohnheit" und anderseits lernen sie mit Leichtigkeit einen Bries schreiben, eme Errungenschaft, die ihnen im späteren Leben von unberechenbarem Nutzen sein kann und wird. Es gibt sehr viele Erwachsene, denen jeder Brief eine Last ist. ja, - man sollte es kaum glauben welche jeden Brief vorher aufsetzen müssen. Wie viel Zeit sie dadurch derlieren, wie viel Gelegenheit zum Erwerd und Fortkommen im Leben ihnen dadurch entgeht, weil sie es zu schwer machen, die nothigen schnftlichen Schritte zu thun, oder sie hinauszuschieben, bis es zu spät ist, liegt auf der Hand. Man mache es sich also zur Aufgäbe, schon frühzeitig seine Kinder oft und viel Briefe schreiben zu lassen, gebe auch zuerst mehr auf Stil als auf Rechtschreibung, und man wird bald die Freude haben, daß den Kindcrn, selbst kleineren, ein Brief durchaus nichts Unangenehmes mehr, sondern eine leichte Mühe ist. Klar und übersichtlich weiß bald ein jedes sein: kleinen Erlebnisse zu schildern und seinen Dank für diese oder jene kleine Gabe auszusprechen. Man lehre nur von frühester Jugend an die Kinder die schwere Kunst des Denkens und gewöhne sie durch eigenes Beispiel daran, sich stets beim Sprechen korrekt auszudrücken, so wird sich diese Eiaenschaft sehr bald auch auf den schriftlichen Ausdruck, speciell auf das Briefschreiben übertragen. Unser Grundsatz hierbei sei: Erst denken dann schreiben. Solch ein vorher durchdachter Brief kann sehr wohl, ter großen Zeitersvarniß wegen Zeit ist Geld sofort ins Reine geschrieben werden. Dadurch wird das Bertrauen des Kindes zu seinem eigenen Können gestärkt, und ein vernünftiges Selbstvertrauen ist die Basis der Leistungssähigkeit; außerdem wird aber durch den schriftlichen Verkehr mit anderen Familiengliedern das Gefühl vtr Zusammengehörigkeit und Bern?and!enl'.ebe in den Kinderherzen geweckt. Deshalb dulde man auch Nicht,
daß die 'Veantoriunz eines Briefe? auf die lange Äank geschoben werde; einmal aus Höflichkeit, andererseits.
weil durch all.ulznqes oqern das gejenseitige Interesse an denMittheilungen erlischt, und endlich: ung gewohnt ist alt gethan." Man weiß. welche Sorgenberge sich vor den Eltern aufthürmcn, wenn zumal serne Söhne sich so selten herb:i!ass:n. ihnen mitzutheilen, was sie thun und treiben. Und Wie oft ist solche Sorge nicht umsonst! Wer gern an seine Lieben schreibt, hat meist nichts zu verbergen. Viel: haben oft auch gar keinen ernsten Grund für ihre Schreibfaulhcit, cs ist eben nur Veguvnlichkeit und Nachlässigkeit, und das sind grobe Fehler, gegen die cs gilt, bei Zeiten ernstlich zu Felde zu ziehen! Auch dürfte sich sür ihr späteres Le ben mancher, sogar recht große Vortheil daraus ergeben, wenn unsere Kinder schon früh gelernt haben, einen gewandten Brief zu schreiben. Wie ost ist ein solcher die Veranlassung zu einer günstigen Beurtheilung der Fähigkeiten, zu einem vortheilhaften En gagement geworden, dcnn le style c'est l'homme". Sind doch auch Briefe eine vorzügliche Vorübung für größere, schriftliche Arbeiten, ja für die schriftstellerische Thätigkeit sogar. Und welche Quelle der Freude bietet auch ein reger, interessanter Briefwcchsel in einem oft einsamen und freudenarmen Dasein; ja wie ost ist er schon , die Brücke von Herz zu Herz gewor den! Also lehren wir aus allen vorae nannten Gründen, um all der vielseitigen Vortheile willen unsere Kinder bei Zeiten einen Brief schreiben. Licbcszaubcr. Der deutsche Volksglaube kennt allerlei geheime, durchweg noch aus uralten Zeiten stammele Zaubermittel, die Liebe erzeugen.' Da gibt cs zunächst verschiedene Arten, um die Aufmerksamkeit des oder der Erkorenen auf sich zu ziehen, so z. B. Rosmarinbüsche, die das Mädchen bei sich trägt. Ist so die Bezauberung eingeleitet, dann zwingt sie den Geliebten, daß er an sie denkt, durch folgendes Gebet an den Mond (das aber bei zunehmendem Monde gesprochen werden muß) und an den Abendstern: Grüß dich Gott, Abendstcrn! Ich seh' dich heut und allzeit gern; Scheint der Mond über's Eck Meinem Herzallerliebsten auf's Bett. Laß ihm nicht Rast, laß ihm nicht Ruh Daß er an mich denken mu'." Noch kräftiger wirkt es, wenn man nicht nur den Geist, sondern auch den Leib bezaubert, was meist in der Weise geschieht, daß man der betreffenden Person etwas von dem eigenen Körper, etwas verbrannte Haare, Schweiß. Thränen oder Blut beibringt. Das Mädchen schneidet sich z. B. während der letzten Jahresstunden in der Sylvesternacht in dcn Finger und mischt drei Tropfen von ihrem Blute in einen Trank, den sie dem Geliebten gibt. Oder sie entwendet ihm heimlich einen Schuh oder Stiefel, trägt ihn acht Tage lang selbst und gibt ihn dann wieder zurück. Und so gibt es noch eine Menge Zaubermittel in allen deut schen Gauen. Droht der Schatz aber einmal untreu zu werden, so gibt es wiederum einen Weg, ihn zurück zu führen. Das Mädchen braucht nur in der Kirche drei Wachskerzen verkehrt anzuzünden und drei Vaterunser zu be ten, oder sie reißt ihm heimlich einHaa: aus und steckt es unter ihre Thürschwelle, so wird er dadurch hcrbeigezogen. Ein anderes Mittel, um jeglicher Untreue vorzubeugen, räth das 1706 gedruckte unfehlbare Zauber- un) Wunschbüchlein, so in allen Nöthen kräftiglich hilft." an; dort heißt cZ nämlich: Soll Dein Buhle treu Dir sein. Gieb ihm Kateraugen ein, So Du felbsten ausgestochen Einem Kater von zwölf Wochen Und verbrannt zu Pulver fein. Um Mitternacht bei Vollmondschein Schütt' das Pulver ihm in Wein, Mußt dabei noch nüchtern sein Und sprich also: Kater, Katerauaez Darfst für keine Andere taugen. Bleib' mein Buhle ganz allein" Wird er ewig treu Dir sei Erst kürzlich erschienen vor dem Ottakringer Bezirksgericht (Wien) zwei kaum sechzehnjährige verliebtMädchen, die nach diesem Recept dem jungen Kater der als Klägerin, auftretenden Frau bei lebendigem Leibe die Augen ausgestochen und das LiebesPulver" daraus hergestellt hatten. Sie wurden der böslichen Beschädigung fremden Eigenthums schuldig befundenund für ihre Grausamkeit je zu 24 Stunden Arrest verurtheilt. Ist aber die Untreue bereits zur Thatsache geworden, dann gibt der Aberglaube den Verlassenen wenigstens Mittel an die Hand, um sich zu rächen. Wirft man dem Ungetreuen Erde vom Grabe einer Wöchnerin über den Kovf, so wird er nie wieder geliebt werden, kann aber nur sein Tod die von ihni beganaene Treulosigkeit sühnen, so q'bi es' auch dafür ein Mittel. Das tt trogene Mädchen braucht nur um Mi! ternacht in eine unter Beschwörung an gezündete Kerz: einige Nadeln zu ?techen und dabei zu sagen: Ich stech' das Licht, ich stech' dasLichr, Ich stech' das Herze, das ich liebt'!" dann muß der Ungetreue sterben. Gut aufgefaßt. Onkel (bei der Abreise des Neffen zu? Universität): Adieu denn, Junge, mein: besten Segenswünsche folgen Dir!" Nesfe: Aber bitte Onkel, bald; der Papa hat mir sehr knapp mitgeaebenl"
