Indiana Tribüne, Volume 18, Number 19, Indianapolis, Marion County, 7 October 1894 — Page 3
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Sie TEingöDfe Des Ceöcns. Noman von 55. Filcdek.Atzrens. (9. Fortsetzung.) "Frau von Hasselbach erhob sich ge?äuschvoll und strecktdie Hand abwehrend nach der Tochfe;? aus. Höre auf, ich kann nicht mehr,"es ist zu viel. Pattc Deine Sachen und zieh Dich an; so wie die Dinge liegen, ist es nothwendig. Du kommst sofort mit mir nach Hause, um die unausbleibliche schimpfliche Ausweisung von Seiten der Nenard zu vermeiden." Negine überlegte; die Mutter hatte -recht, die erste Zusammenkunft mit Leopold würde in der That das Davonjagen aus dem Institute zur Folge haben, und außerdem begann es hier höchst unbehaglich zu werden; denn die Gefährtinnen tuschelten bereits und steckten gruppenweise die Köpfe zusamrnen. So lange nichts verrathen war, sahen sie über Neginens Benehmen hinweg, weil keine es besser trieb; doch jetzt, nachdem die dumme Geschichte einmal vor das Forum der höchsten Autorität, Madame Nenard, gelangt, mußte man schon, um den Schein für sich zu retten, den Stein auf die Unvorsichtige, die sich hatt: abfassen" lallen, werfen. Und schließlich konnte sie auch in der Palmenvilla fortan l:iel freier handeln. Ja, es ist das beste, ich fahre gleich mit Dir." Sie zog die kleine goldene Uhr und warf einen Blick darauf. Fünf; um sechs Uhr acht der nächste Zug, bis dahin bin ich fertig." Sie ging hinaus und begegnete im Jlur der Vorsteherin. Meine Mutter erwartet Sie, Madame Renard," äußerte Regine vollkommen ruhig, um Ihnen mitzutheilen, daß sie mich sogleich mit sich nehmen möchte; Sie gestatten daher wohl, daß ich meine Sachen pc'cke und mich verabschiede," Ei gewiß. Regine," erwiderte die Französin prompt, es thut mir zwar unendlich leid, Sie gehen zu sehen, allein ich erachte es für meine erst: Pflicht, den Wünschen Ihrer hochverehrten Frau Mutter in keiner Weise entgegenzutreten; ich begebe mich sofort zu ihr." Auf diese Weise konnte Regine, in schweigender Uebereinstimmung, und chne den gesürchteten Skandal, das Institut verlassen; dem Obersten . wurde gesagt, daß eine plötzlich in der Pension auszebrochene Scharlachcpidemie Madme Renard gezwunaen habe, die gesunden Schülerinn'. schleunigst den Angehörigen zuzuschicken, eine Erfindung, welcher der alte Herr anstandslos Glauben schenkte. Und während Negine noch am selben Abend einen langen Brief an Leopold schrieb, worin sie ihm erzählte, es sei Aussicht vorhanden, den Widerstand der Mama zu brechen, er möchte sich morgen um sieben Uhr Abends in
der Nähe der Palmenvilla aufhalten, j um weitere Schritte mit ihr zu berarhen, ging Valeska ruhelos in ihrem Zimmer auf und ab. Alles, was sie erhofft, erstrebt, sank traurig in ein Nichts zusammen! Onkel Karl hatte ihr später am Morgen auf die Frage, wie er die Theilung seines Besitzes vorzunehmen gedenke, geäußert: Daniela bekäme die Hälfte, das übrige sie, Valeska, und dabei war er eigensinnig geblieben, trotzdem sie ihn die bittere Enttäuschung, nur die Hälfte erhalten zu sollen, fühlen und den Vorwurf seiner Undankbarkeit durchblicken ließ. Der alte Herr hatte recht ironisch gelächelt, als ihm zum ersten Male ilar wurde, wie schwer es der Nichte ankam. mit seiner Tochter zu theilen, und sie hätte ihn hassen mögen um 'dieses Lächelns wegen! Sie sank auf das Sopha und lehnte ihr bleiches Haupt zurück; ein Mondstrahl fiel in das Zimmer und glitt über die Gestalt hinweg, die vollständig gebrochen dalag. weil das Schicksal ihr die Rolle zu versagen begann, welche sie mit iyrem Kinde in der Gesellschaft zu spielen als das höchste Ideal ihres Lebens, das einzig erstrebenswerthe Ziel ersehnt hatte. Als Leopold den Brief Reginens am nächsten Morgen im Geschäft erhielt, war er zerstreut, und eine schlaflose Nacht lag hinter ihm; seit gesternAbend hatte eine heftige Unruhe sich seiner bemächtigt. Es war nämlich gegen sechs Uhr ein Mann zu Oskar Fiebinger-in den Laden gekommen, wettergebräunt und rauh, dem Ansehen nach ein porkugiesischei Goldgräber aus dem Jnuern; aus einer längeren Unterredung mit dem Chef hatte Leopold nur so viel verstehen können, daß es sich um Diamanten handle und eine Summe, welche dem Manne von Fiebinger darauf gezahlt worden. Sie konnten jedoch nicht einig werden, und obgleich der Fremde aufgebracht und dringend sprach, wies ihn der Geldwechsler doch ziemlich , barsch zurück, so daß jener sich gezwungen sah, anscheinend resultatlos den Laden zu verlassen. Ein eisiger Schreck war lähmend "durch Leopolds Glieder gefahren; und bei längerem Nachdenken wurde ihm der Zusammenhang furchtbar klar; der Fremde kam. wie er erwähnt, von Ou-ro-Preto; Leopold entsann sich, dort gab es reichhaltige Gold- und Diamantenlager. Zweifellos hatte er sich seinerzeit in Verlegenheit befunden und von Fiebinger eine Summe auf die Diamanten erhalten, die damals schlecht im Preise standen und nicht ohne bedeutenden Schaden zu verkaufen waren; und jetzt forderte der Mann' die Steine, ohne die volle Summe des oarauf erhaltenen Geldes erstatten zu, können. Ja, so ungefähr lag die Sache: die Herren hatten viel zu rasch gesprochen, um genau von Leopold verstanden zu werden; auf alle Fälle aber sah ti ein, daß Fiebinger bei dieser Gelezenbe'. den Inhalt der Schachtel prü-
fen und das Fehlen der bewußten drei Steine bemerken werde. Allmächtiger Gott, was nun beginnen? Jetzt trat das entsetzliche an ihn heran, beängstigend wie ein Alp legte sich die That und ihre schwerwiegenden Folgen ihm auf's Herz. Ein Dieb, der schändlich das Vertrauen des Chefs mißbraucbend, aus verschlossenem VehälterWerthgegenstände geraubt! D:nn würde der Chef ihm nicht in's Gesicht lachen, wenn er behauptete, 'die Diamanten nur in der Absicht genommen zu haben, sie, sobald es ihm möglich, wieder an ihren Platz zu legen. Er begriff heute nicht, wie er eingewiegt in felbsttäuschende Sicherheit den Schritt begehen konnte und stand vor sich selbst, wie vor einem grauenhaften Räthsel. Konstanze, Kamilla, seine Mutter Regine! O Gott! Unablässig. dasGehirn fiebernd, suchte er nachMitteln und Wegen, die ihn herausreißen sollten aus der Noth; sechshundertMilreis, auf der Stelle in seinem Besitz, würden ihn retten; denn Manu:l Cordes hatte sich verpflichtet, dieSteine für diesen Summe zu jeder Zeit vor Ablauf von sechs Monaten nach dem Datum des Geschäfts, auszuliefern, und einmal in seiner Hand, konnte er sie vielleicht noch unbemerkt in die Schachtel gelangen lassen. Aber wie das Geld beschaffen? Er dachte an den Grafen Montfanto, den nach seiner Meinung vom Schicksal so Bevorzugten, der alles besaß; mit der uneigennützigsten Freundschaft hatte er sich seiner Mutter und der Schwestern angenommen, aber gerade die Wohlthaten des jungen Arztes erwecktcn Leopolds Abneigung noch lebhafter, demüthigten seinen Mannesstolz. Nur vor dem nicht kriechen müssen, lieber gleich die erlösende Kugel durch den Kopf! Der Tag verging indessen ohne die Rückkehr des Goldgräbers; bei jeder Bewegung Fiebingers war Leopold zusammengezuckt: Jetzt nimmt er die Steine zur Hand!" Aber es geschah nicht, und ein Tag war wieder gewonnen. Als das Geschäft geschlossen wurde.
athmete er befreit auf und schlug halb mechanisch dieRichtung nach dem Platze ein, wo Regine ihn erwarten wollte, nachdem er vorher die Wohnung Manuel Cordes aufgesucht, diesen aber nicht zu Hause getroffen hatte. Wie spät Tu kommst!" sagte Regine, welehe bereits längere Zeit gewartet, mit liebevollem Vorwurf. Wenig fehlte, Regine. so wäre ich überhaupt nicht gekommen undDu hattest mich nicht wiedergesehen," entgegnete er, sich in ihrer Gegenwart seiner trostlosen Stimmung überlassen. Mein Gott, was ist Dir passirt. Leopold, ein Unglück?" fragte sie angstvoll. Wie man's nimmt," bemerkte er, den Mund zu einem Lächeln verzerrend. Sprich Dich aus. Du erschreckst mich! Sage offen, was vorgefallen ist. bitte!" Das kann ich nicht. Regine, es ist eine Angelegenheit besonderer Art; aber sie versetzt mich m eme Stimmung, daß ich wirklich schon ernsthast überlegte, ob es nicht das einzig richtige sei, mir eine Kugel durch den Kopf zu schießen." Leopld! Konntest Du das thun, so wäre es ein Beweis, daß Du mich weder liebst, noch mir Vertrauen schenkst, und das verdiene ich Deinetwegen docy wahrhastig nicht. Sage, was Dich so niederdrückt, wer weiß, vielleicht kann ich helfen, oder wenigstens rathen." Er schwieg, bis es ihren dringenden Einreden endlich gelang, ihn zu bewegen, daß er eingestand, es sei eine Ehrenschuld, die auf alle Fälle innerhalb einiger Tage getilgt werden müsse." Eme Ehrenschuld," wiederholte Regine erleichtert, aber das ist ja gar nicht so furchtbar schlimm die muß eben bezahlt werden; hast Du denn niemand, keinen Freund, keinen Bekannten, welcher Dir die Summe vorstrecken könnte?" Niemand, Regine. Ich bin zu kurze Zeit hier) um Freunde erworben zu haben, man muß a überdies mit dem erbärmlichen Gehalte wie ein Klausner leben. Deshalb bleibe ich dabei, es gibt keinen anderen Ausweg als die Kugel." Stille davon, wenn Du mich lieb hast. Wie viel ist es denn?" Sechshundert Milreis." Weißt Du. wer sie Dir vielleicht geben würde? Romano." Den zu bitten, widerstrebt meinem Stolze, ich kann es nicht." Also Du mußt das Geld haben. Du mußt?" Entschieden. Aber laß uns jetzt von etwas anderem sprechen oder ich werde wahnsinnig! Es nützt ja doch zu nichts!" Nein," sagte Regine, ihn groß und fest anblickend, in entschiedenem Tone, wir reden weiter darüber, die Sache muß in Ordnung; ich werde Dir das Geld verschaffen und zwar bis morgen Abend, verlaß Dich darauf." Aber Kind, wie wolltest Du das ermöglichen?" Einerlei, ich habe meinen Plan; was würde ich nicht thun, um Dich aus solcher Verlegenheit zu retten!" Seid Ihr denn so reich, Negine, daß Du ohne weiteres über die große Summe verfügen kannst?Reich?" fragte sie verwundert. Ach so, wir sprachen ja eigentlich niemals über unsere Verhältnisse. Nein, Leopold, reich ist Mama gar nicht, im Gegentheil, sie besitzt so gut wie gar nichts, wir erhalten alles von Onkel Karl." Nach diesem unumwundenen Geständniß sah Leopold eine Weile schweigend auf die Figur, welche er mit seinem Stock im Sande des Strandweaes. wo sie sich befanden, gezeichnet; er empfand bei der offenen Erklärung eine
starke Enttäuschung, und 'wahrend er so wortlos dastand, betrachtete ihn Regine. als suche sie die Gedanken auf dem Grunde seiner Seele zu lesen. Du meintest wohl, ich wäre reich?" bemerkte sie mit einem scnderbarenZucken um die Lippen, halb in gezwungenem Scherze. Etwas wie Beschämung, sich durchschaut zu sehen, ergriff ihn; doch hätte er in diesem Augenblicke es um alles nicht über sich vermocht, ihr einzugestehen, daß er in seiner Lage darauf gerechnet hatte und rechnen mußte, als er das Verhältniß mit ihr einging. Das ist wirklich ganz aleichgiltig, Regine; ob arm oder reich, ich habeDich lieb und bleibe Dir treu." Ich glaube Dir. Leovold." Trotz der Versicherung blieb ein leiser Stachel im Innern zurück, wenn auch ihre Neigung, welche dem geliebtenManne alles verzieh, ihn zu überwinden suchte. Fasse also Muth, morgen Abend um diese Stunde befindet sich das Geld in Deinen Händen, und sollte ich es vom Himmel herunter holen; vertraue mir, ich pflege mein Versprechen zu hallen," setzte sie im Tone unerschütterlicher Ueberzeugung hinzu. Ueberwältigt von Dank schloß Leopold sie an seine Brust und küßte ihre Lippen. Las; mich wissen, wie Du es beschaffen willst. Negine; denn auf keinen Fall will ich, daß Du Dich meinetwegen in Ungelegenheiten stürzest." Dafür laß mich sorgen, ich habe meine Quellen; ich bitte Dich, das ist ja eine Bagatelle, wo es sich um Deine Ehre handelt." Du bist ein großherziges Mädchen, Regine." Wirklich?" Sie blickte selbstvergessen in seine Augen und schmiegte sich fest an ihn. Nennst Du das großherZig? Ich finde es so selbstverständlich, daß wir alles mit einander theilen; Du würdest mir doch auch helfen, befände ich mich in peinlicher Lage?" Ob er es gethan haben würde? Wer weiß; wohl kaum. Aber ihre unbegrenzte Hingebung beschämte ihn von neuem, er nahm sich sest vor, es ihr zu
danken, sich niemals wieder mit Dingen zu besassen, die zu jeder Minute Schmach undSchande über ihn bringen konnten; nur dieses eme Mal noch frei daraus hervorgehen! Der heutige Abend hatte ihn inniger mit Regine verbunden, als die vorhergehenden Wochen es vermocht; er sah, daß unter der eigenartigen Schale und den vielen Schwächen doch ein Kern steckte, der aus Gutmuthigkeit und verwegener Treue bestand und jener unendlichen Liebe des Weibes zu dem Manne, die ihm blindlings folgt in Noth und Elend bis hinter die Mauern des Gefängnisses bis in den Tod. Also wann sehen wir uns morgen wieder, Regine?" fragte er bald darauf, ihr die Hand zum Abschied reichend. Sagen wir um acht Uhr, hier an derselben Stelle." Es ist mir ja fürchterlich." äußerte er mit bewegter Stimme und ihre Hand festhaltend, d:e Hilfe von Dir, meiner Braut, anzunehmen, um so menr, da Deine Mutter noch nicht einmal von unserm Bllndniß weiß, und es nie zugeben wird, doch es bleibt mir nichts übrig, wenn ich leben soll, es muß sein." Ja, es muß sein. Und ist es nicht tausend mal besser, die Hilfe von mir. Deiner Braut, anzunehmen, als von irgend emem andern? Sei ruhig, Leopold. Nur eine Bitte hätte ich noch an Dich." Und die lautet?" fragte er zärtlich, mit seinem bestrickenden Lächeln in ihre Augen blickend. ...ore: sollte es mir mcht gelmqen. das Geld zu bekommen ich meine. im Falle alle bösen Gewalten des Schicksals sich wider uns verschwören, dann versprich mir, daß ich vereint mit Dir sterben darf: wenn Du todt wärest. und ich müßte allein hinterdrein folgen, das wäre so unheimlich und schauervoll." Still kein Wort mehr! Wir sehen uns wieder, Geliebte!" Und sie -trennten sich mit einem letzten Kuß nach diesem ernstenGespräche; Leopold war am Nachmittag von Konstanze benachrichtigt worden, daß die Mutter sich nicht wohl befände, er beabsichtigte, noch hinaus zu fahren, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Frau Doktor Rombeck kränkelte seit kurzem, und es schien, als habe ein schleichendes Fieber sich festgesetzt, das den Kindern Grund zu ernster Besorg niß gab. Zu Hause angelangt, suchte Regine sofort Frau von Hasselbach auf, die sich in ihrem Salon befand. Willst Du mir einen großen Gefallen e.zeigen, Mama?" Dein Betragen in der Letztzeit ist durchaus nicht darnach angethan, daß ich mich geneigt fühlen sollte. Dir einen Gefallen zu erzeigen." Ich brauche nämlich auf derStelle sechshundert Milreis," fuhr Regine. unbeirrt dem Einwand gegenüber, fort. Mehr nicht?" fragte Valeska Hohnvoll, indem sie das Buch, worin sie, in der offenen Balkonthür stehend, gelesen hatte, auf einen nahen Tisch warf. Ganz abgesehen davon, daß ich augenblicklich solche Summen gar nicht in der Kasse habe, müßte ich doch auch erfahren, zu welchem Zwecke Du sie bedarfst." Das kann ich nicht sagen; die Hauptsache ist, ich muß das Geld haben." Hast Du in der Pension Schulden gemacht?" Bewahre, kein Gedanke," antwortete das junge Mädchen nach kurzem Zögern. Dann sce ich auch durchaus keine Veranlassung, Dir das Geld zu geben." In diesem Falle werde ich Onkel I Karl bitten, es mir zu borgen."
Borgen! Dir! Das wlrst'Du'nlcht thun! Ich kann mir schon denken, wozu Du die bedeutende Summe verwenden willst; jedenfalls hat der Herr Leopold Rombeck Dich angepumpt, was seiner gerühmten nobeln Gesinnungsart sehr ähnlich sieht." Und verhielte es sich wirklich so, was wäre auch weiter dabei? SichGeld zu borgen, ist noch lange nicht unehrcnhaft; jeder Mensch braucht es und ist in seiner chronischen Verlegenheit nicht immer allzu wählerisch in den Mitteln, zum Ziele zu gelangen." Valeska empfand den Stich, der in den Worten des schrecklichen Kindes lag; deutete sie doch zweifellos auf ihr Bemühen hin, möglichst die alleinige Erbin Onkel Karls zu werden, dadurch, daß Daniela dem Pflegevater entfremdet, ausgeschlossen wurde. Also ich habe recht, es ist für jenen Menschen! Negine, bist Du denn ganz verblendet, siehst Du nicht ein, wie
tief ein Mann gesunken, wie niedrig seine Denkungsart sein muß, wenn er unter solchen Umständen es wagen mag, Geld von Dir zu leihen? Ich bitte Dich, Kind, ist es denn denkbar, daß bei der Erziehung, wie Du sie genossen hast, diese Erbärmlichkeit Dich nicht auf das peinlichste befremdet?" Erziehung?" wiederholte Regme anfahrend und verächtlich, daß Du nicht von Deinem hohen Pferde herunter zu bringen bist! Wo sitzt bei mir Deine Erziehung, was verstehst Du darunter? Aufgewachsen bin ich wie hunderttausend andere, das ist alles. In der Schule hat man mir den Kopf mit Dingen vollgepfropft, von denen dieAlltäglichkeit lehrt, daß wir sie nicht brauchen. Und Du. hast Du jemals das geringste unternommen, was mein Herz und meine Seele bildete? Bis zu meinem zehnten Jahre verbrachte ich die Abende fast ausschließlich bei den Dienstmädchen, weil Du in Gesellschaft gingest oder welche hattest, in die ich nicht hinein gehörte nach Deiner Behauptung; durfte ich cer einmal mit Dir ausgehen, so nahmst Du mich nur' zu Deinen Einkaufen Mit, so daß mir allmählich klar werden mußte, wieDein ganzes Leben sich nur um Putz und Vergnügungen drehte, abgesehen von den ewigen Zänkereien und häßlichen Auftritten Mit dem armen Papa, den Du nur vor den Leuten freundlich behandeltest, als wäret Ihr das alucrlichste Paar von der Welt. Dann folgte die interessante Mazorsperlode, wo Du so viel zu vertuschen und zu verbergen hattest, bis wir hier eintrafen." Ich verbiete Dir, ein Wort weiter zu reden," rief Frau von Hasselbach hochaufgerichtet, mit flammendem Blick. Und ich spüre das Bedürfniß, Dir zu zeigen, wer ich bin und wie ich denke, damit wir uns von unserem gegenseitigen Standpunkt aus richtig beurtheilen lernen, antwortete Regme schneidend. Um Dich ganz dem kränkelnden Onkel Karl widmen zu können. wurden Daniela und ich in die Kinderstube verbannt, wo Nvette sich meiner annahm, mich französisch plaudern lehrte und noch so manches andere, bis ich in die Pension gebracht wurde, wo sich Elemente zusammen fanden, die haarsträubende Geschichten zu berichten wußten; aber Du selbst hattest mich da hineingesteckt, genoß doch die Pension und ihre Insassen den Ruf der höchsten Wohlanständigkeit, weil sie theuer war. Luge! Heuchlerische, verderbte Naturen sind es meistens, die sich auö der Konvernenz und Falschheit einen Mantel zusammenflicken, unter dem sie ihre sittlichen Gebrechen und moralische Gesunkenheit verbergen können! Siehst Du, ln solcher Umgebung bin ich aufgewachsen, und wenn ich nicht das geworden bin, was ich nach Deiner sogenannten Erziehung hätte eigentlich werden müssen, ein putzsuchtiges, lügenhaftes, oberflächliches, verderbtes Geschöpf, so verdanke ich das einem etwas in mir, von dem ich nicht genau weiß, waS es ist, das mich jedoch gerettet hat vor mir selbst und meiner Umgebung. Ich trage wohl den Stempel Deiner Erziehung an der Stirn und will auch gar nicht besser scheinen. als ich bin. aber ich verabscheue dieLllge und den Sumpf, rn welchem Du gelebt hast." Frau von Hasselbach hatte sich auf einen Stuhl geworfen, die Ohren mit den Händen zuhaltend, als Regine, ihre Rechte gegen die Hüfte gestimmt, den Oberkörper vorgebeugt zu ihr herantrat. Du gibst mir also die Summe nicht, Mama?" Bei dem veränderten Klang der Stimme kam wieder Leben in Valeskas regungslose Gestalt, sie richtete sich langsam auf. Nein, Du unnatürliches, Du schlechtes Kind," entgegnete sie mit einem Ausdruck der Entgeisterung in den Zügen, noch bin ich nicht reif für das Irrenhaus in Votafogo, und daß Du mir Onkel Karl mit der sauberen Angelegenheit verschonst, obgleich auch er sicherlich nicht einfältig genug sein würde, der Unverschämtheit des Herrn Rombeck, der Deine Gutmüthigkeit zu frivolen Zwecken ausnutzen möchte, ent gegenzukommen!" Aber es handelt sich doch um ein Menschenleben, Mama!" Gleichviel; ich fühle mich nicht im entferntesten berufen, einen fremden Menschen aus der Verlegenheit zu retten, in die er sich zweifellos durch strafwürdigen Leichtsinn selbst gestürzt. Das ist mein letztes Wort in dieser Sache, geh' mir aus den Augen, ich will Dich heute nicht mehr sehen!" Negine unternahm keinen weiteren Versuch, die Mutter zu gewinnen, weil sie das vergebliche desselben einsah; auch an Onkel Karl sich zu wenden, konnte nichts nützen; war auch der alte Herr durchaus nicht geizig, so würde er doch, von der Mama gestempelt, ihre Bitte für Leopold unbedingt abfchla7.en. Sie aina nach ibrem Zimmer und .?arf sich mit schmerzendem Kopf und
brennendem Gesicht auf das Sopha, um darüber nachzudenken, wie Hilfe herbeizuschaffen sei, bis sie endlich den
rechtenWeg gefunden zu haben glaubte. 9 Leopold fand die Seinen in lebhafter Berathung, an welcher selbst Frau Doktor, in Kissen gepackt auf dem Lehnstuhl sitzend, theilnahm; von Zeit zu Zeit fuhr ein schauerndes Frösteln durch ihre Glieder und dann hüllte sie sich fester in den warmen Shawl. Auf Kamillas lieblichem Gesichtchen aber lag eine gewisse feierliche Seliglen, em aus dem Innern leuchtendes Glück, das ein am Morgen von Egon eingetroffener Brief zuwege gebracht; er hatte sein Bild, welches einen schneidigen Lieutenant mit kleinem, ziemlich faden Gesicht und langem blondem Cchnurrbart darstellte, gesandt und zugleich geschrieben, Kamilla solle sich bereit halten, im Februar von Rw abzurciscn, um, in Bremen angekommen bis zu ihrer Trauung be: seiner alten Tante Sabine von Krome zu bleiben; das Reisegeld werde er wohl auftreiben und nach Weihnacht an sie absenden. Nun stelle Dir vor," klagte Frau Doktor, sobald Leopold genüaend von dem Stand der Dinge in Kenntniß gesetzt, auf diese unbestimmte, abenteuerliche Geschichte hin will Kamilla die schreckliche Reise unternehmen, was sagst Du dazu?" .Das geht ja gar nicht; wie schreibt er denn eigentlich?" fragte Leopold. Ganz mit seinen eigenen Verbältnissen beschäftigt war es ihm unmöglich der Schwester Angelegenheit die nothwendige Aufmerksamkeit zu widmen. Wie er schreibt?" entaeanete die Mutter, oberflächlich, unklar wie sein Charakter ist, ein Bruder Sausewmd, der morgen vergessen hat, was er heule verspricht." Aber Mama," bat Kamilla, Egon hat ein so gutes Herz." Schwäche des Leichtsinns," murrte Frau Doktor. Meiner Ansicht nach," warf Konstanze ein, müßte erst Fräulein von Krome ihre schriftliche Einwilligung zu der Sache ertheilen; thut die alte Dame das. fordert sie selbst Kamilla zum Kommen auf und sagt ihre Hilfe bei der Verbindung zu, dann ist alles gut und sie kann ruhig reisen." Und ich?" bemerkte Frau Doktor vorwurfsvoll. Ich bleibe hier, nicht wahr? von Allen verlassen ohne eine Seele, die sich den Tag über um mich kümmert! Nein, Mama," äußerte Konstanze mit jenem weichen, halben Lächeln, mit dem einVerständiger die unliebenswürd:ge Laune eines Kindes übersieht, ich stehe dann eme Stunde früher auf, ordne alles im Hause und esse in der Stadt, so daß Du nur für Dich zu kochen hast, und Abends leiste ich Dir Gesellsast." Bürde Du Dir nur noch mehr auf. als ob Deine Schultern nicht gerade schon aenug trugen, sagte Leopold unwirsch. Mit gütemWillen kann der Mensch viel leisten, Leopold, wir dürfen doch dem Glücke unserer Kamilla nicht im Wege stehen." Wartet nur die Sache ruhiq ab," mahnte der junge Mann. Die Tante Krome soll schreiben und der Lleutennant das Reisegeld senden, dann wird sich weiter über die Sache reden lassen." Kamilla meinte, es sei doch hinreichend, wenn Egon das Geld schicke, da er es jedenfalls von dem alten Fräulein erhalte, aber sie wurde überstimmt, und nachdem Frau Doktor noch eine Weile über die Einsichtslosigkeit, UnVernunft und Undankbarkeit der Kinder gescholten hatte, wurde ihr so schlecht zu Muthe, daß Konstanze sie zu Bette bringen mußte. Kaum dort, nahm das Fieber so rasch und heftig zu. daß die Schwestern, auf's äußerste bestürzt, Leopold aufforderten, fofort Doktor Montfanto zu holen. Auch das noch! In hobem Grade ungern verstand er sich dazu, bittend das Hauö des Arztes zu betreten, den er nicht bezahlen konnte. Als aber Kamilla, sein Zögern bemerkend, ihm gereizt kundgab, selbst den weiten Weg nach Santa Theresa unternehmen zu wollen, verließ er das Haus. Acb. wie sie doch den Menschen erniedrigte und selbst die Seele in Lumpen zu hüllen drohte, die gräßliche Armutt das schauerliche Gespenst, mit dem man fortwährend Brust an Brust zu ringen hatte, um nicht ganz zu versinken in den Schmutz und Schlamm des Lebens. Was hatte er denn gethan, den Fluch der Armuth zu tragen? Und Konstanze, seine edle Schwester, wie hart schleppte sie, trotz ihres zufriedenen Lächelns, an der Kette eines freu deleeren Daseins! Er wußte, was es hieß, den ganzen Tag angeschmiedet in der düsteren Hinterstube am Schreibpult zu sitzen, und nun gar sie, das zartere Weib!, Und rsos mochte ihr noch bevorstehen, wenn ti Romano befand sich zu Hause und versprach sogleich aufzubrechen; er bat Leopold, ein Glas Wein in seinem Zimmer zu trinken, doch dieser lehnte ab: er mochte nichts mehr von dem Glücklichen, Bevorzugten; und im stillen verwundert darüber, was er ei gentlich dem jungen Manne gethan ha ben könne, um dessen schroffes Benehmen zu verdienen, trat Romano, obgleich es schon elf war, den Weg nach der fernen Vorstadt an. Er untersuchte die Kranke, fand das Fieber ziemlich heftig und sprach den Schwestern gegenüber die Befürchtung au daß hier Typhus vorliege, der sich seit kurzem in der Gegend zeige. 3?e Nachricht wirkte höchst niederschlagend auf beide Mädchen; die Mut te: krank, und so gut wie gar keinGeld vx Hause!
Da muß eine von uns die Nacht bei Mama wachen." sagte Konstanze. Ich
werde es heute übernehmen. Lassen Sie doch die Farbige aufbleiben, oder eine Wärterin rufen," bemerkte Graf Romano, der es unerhört and. daß Konstanze nicht ruhen sollte, während sie ihm in der friedensvolen Mondnacht das Geleite bis zum nahen Pförtchen gab. Wir haben kein Mädchen, Herr Graf, und eine Wärterin zu nehmen reichen gegenwärtig unsere Mittel nicht entgegnete Konstanze mit edler Offenheit. So besorgen Sie die ganze Wirthschaft selbst, ohne jede Hilfe?" fragte er betroffen und erstaunt, weiße Damen von solcher Bildung die gröbsten Arbeiten verrichten zu sehen. Kamilla thut es: m Deutschland siebt man nichts darin, wenn die Töchter des Hauses sich derWirthschaft annehmen. O. auch ich bin weit davon entfernt, im Geaentbeil. ich bewundere Ihre Vielseitigkeit, die alles so harmonisch zu vereinen weiß: die Frauen meiner Heimat q könnten viel vonJhnen lernen. Dona Konstanze, fuhr er nach kurzem Äöaern in verändertemTone fort, Sie sind ein hochbeseeltes Mädchen wie ich noch keines gesehen habe; sollte es Ihnen nicht möalich sein, sich zu überwinden und Hilfe anzunehmen von einem Manne, der es sich zur höchsten Ehre schätzt. Ihr Freuud zu heißen und sich zur Aufgabe des Lebens machte, zu heifen?" Ich versiebe Sie nicht ganz." bemerkte Konstanze, während die Rothe leiser Verwirrung m rhre Wangen stieg. Ich bin der Arzt für Ihr körperliches Wohl; würden Sie es mir nicht einmal gestatten, auch m dem helfen zu dürfen, was Ihre Seele zur Zeit bedrückt? Ich meine die Sorge für das Nothwendige des täglichen Lebens." Sie senkte die Wimvern und errötbete noch tiefer. .Verzeihung. Doktor Montfanto, wenn meine Antwort Sie verletzen sollte, aber ich bin sicher, Sie begreisen mein Gefühl; gerade, weil mich das Band so schöner Freundschaft mit Ihnen verknüpft, möchte ich nicht das Geld semen haßlichen (schatten darauf werfen lassen. Nicht wahr. Sie ehren diese Schwäche und vergeben mir? Graf Romano künte m wiederholten Malen ihre Hand. Wohl dem, der so fest und unentwegt im c-turm ves ebens steht! Ich bewundere Sie, Dona Konstante: und doch, wir sind alle Kinder eines Gottes, sind Brüder und bedürfen der Hilse untereinander. Stä bandle nicht allein für mich," äußerte sie. wie um Entschuldigung bittend, ich yave einen eyrilcyen. fleikiaen und sebr stolzen Bruder, der mich verutheilen würde im Falle der Annabme solcher Hilfe, und auch Mama, sowie Kamilla dürften nicht einverstanden seilt." Sollten Sie nicht erbaben sein über den Begriff des erbärmlichen Geldes. das nur insofern werthvoll iU weil es über unerträgliche Schwierigkeiten hinweghilft?" Sie schüttelte leicht das Haupt. Svrecken wir nicht mehr davon: meinen Dank. Graf Montfanto, für Ihr schnelles Kommen, und aus leoerlehen." Konstanze erwiderte offen seinen Händedruck und ging in's Haus zuruck. Nachdenklich in die Ecke seines Waaens lehnt, fuhr Graf Romano nach Santa Theresa zurück; nie zuvor hatte er emen so nesen Vllck m vie Armutb der ??amile Rombeck geworfen. wie heute, das Ringen dieser Frauen in dem brutalen Kampfe um das )oatm lag plötzlich in seiner ganzen Krankheit vor ihm da. Arme kleine Kamilla! Wie emsig war sie bis dahin bemüht gewesen, jene erbarmungslose Armuth mit dem Schleier einer scheinbaren Behaglichkeit zu verdecken, und es war ihr auch gelungen bis heute. Hier mußte geholfen werden, er durfte nicht müßig dem Elend der beidenMädchen zuschauen, seine ganze ritterliche Sinnesart lehnte sich dagegen auf; es kam nur auf das wie" an. Anonym eineGeldsumme schicken? Jene stolzen Wesen würden imstande sein, die Annahme zu verweigern; eine Berbindung mit Kamilla. wie er sie schon früher geplant? Ja, das wäre das beste. Sein Herz hing an dem lieblichen blonden Mädchen, und da ihm Daniela verloren war, warum söllte er nicht seinem Wunsche nachgeben und eine junge, blühende Gattin in das schöne, doch so leere Heim führen? Nachdem der Gedanke einmal feste Wurzel gefaßt, .ließ er ihn nicht mehr fallen und selbst die Bedenken, welche ihm Kamillas Gleichgiltigkeit in betreff seiner einflößten, suchte er daurch zu erklären, daß solche kalt zurückhaltende Strenge vielen jungen Deutschen eigen; ihn auszuschlagen lag gar kein Grund vor, und jedenfalls war ihr Herz noch frei; einmal seine Braut, sollte dasFeuer seiner v:reh?endenL!ebe sie schon erwärmen. Er beschloß hierauf, bei der nächsten passenden Gelegenheit und sobald wie irgend möglich offen um Kamillas Hand zu werben. Während Romano in dieser Weise mit sich einig geworden, erlösend in das Schicksal ihrer Familie einzugreifen und in den Bildern des Glückes schwelgte, das ihm bevorstand und womit er sie alle dort, die dann zu ihm gehörten, überschütten wollte, saß Konstanze allein in ihrem Wohnzimmer vor der Lampe, nachdem Kamilla darauf bestanden, sie um Mitternacht von dem ermüdenden Wachen ablösen zu wollen. (Fortsetzung folgt.) .
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Wenn nach des Lebens Sommertacmr Mit ihrer Gluth und ihrem Glück Dich der Erinn'rung Flügel tragen Zum Jugendparadies zurück; Wenn schon zur Abendstunde lenken: . - 2ie Newer an des Lebens Uhr. Und abendliche Schatten senken Sich tiefer auf das Herbstes Flur; Dann sorge, daß nicht bittre Klage, Weil Lenz und Jugendglück entflieht. Dir bei der Neige deiner Tage Schwermuthig durch die Seele zieht; Dann sieh, daß nach dem Blüthen--träume Dir reift des Herbstes goldne Frucht, Und Gott an Deines Lebens Baume Vergeblich nicht den Segen sucht! ?in gcmüihvoUcr Zechpreller. Baron Greifenstein diesen Namen Namen hatte sich der ehemalige Böttchergeselle Krawautschke beigelegt schien heute Pech zu haben. Er glaubte in ein gefülltes Restaurant zu treten, fand aber Niemand m der Kneipe, als den Wirth, der vor dem Büffet saß und mit der hohlen Hand Fliegen fing. Nichtsdestoweniger btitütt der Baron" ein Glas Bier. Wenn ein verständige? Hausknecht da ist," dachte er, lasse ich mich nachher rauswerfen. Aber er sollte besseres Glück haben. Der Wirth stellte mit unterthänigster Miene das Bier hin, und Krawautschke leerte es aus einen Zug, bis nichts mehr im Glase war. Nichts mehr, ist zuviel gesagt. E klingelte etwas ganz schwach, so daß es zwar der Baron, aber nicht der Wirth hören konnte. Noch einmal setzte er das Glas an den Mund und ein Markstück glitt in den letzteren, von da rn seine Hand. Krawautschke wußte sehr wohl, woher diese Mark kam. Das war einfach die Bezahlung einer Zeche, welche der Wirth aus Faulheit in das leere Gla? geworfen und aus Nachlässigkeit darin: gelassen hatte. Es war also nur eine gerechte Strafe, wenn er das Geldstück confiscirte. Aber das ärgerte ihn, daß er dem Wirth nichts dafür anhängen durfte, daß sich solche Sachen im Bier finden. Nein, das konnte er ihm nicht schenken. Er holte aus der Westentasche einen abgerissenen Hosenknopf hervor und warf ihn ins Glas. Was ist das für eine Wirtschaft! rief er aus, da finde ich einen Hosenknöpf im Bier. Darum hat es auch so kurios geschmeckt." Gleich werde ich Ihnen ein frischet Glas Bier bringen," sagte der Wirth, natürlich ohne Bezahlung zu bean spruchen!" Das war dem Herrn Baron recht, er war aber auch nicht undankbar. Als der Wirth sich auf einen Augenblick entfernte, ergriff er seinen Hut und ging vor die Thüre, wo er einem Criminalschutzmann in die Hände fiel, der ihn von seiner schätzenswerthesteu Seite kannte. Als Krawautschke einige Tage später von dem Untersuchungsrichter eingehend examinirt wurde, behauptete er, der Wirth habe gesagt, er beanspruche keine Bezahlung. Dieser Behauptung wegen wurde die Strafe Krawautschke noch ein wenig verschärft. Pech. Wie, höre ich recht, auch Sie haben einst gedichtet, Herr Forstrath? Jahwohl, als junger Student. Die edle Kunst ist mir verleidet worden. Ich hatte ein wunderherrliches Gedicht auf den Frühling verbrochen; bei dem Ausflug meiner Verbindung mit Damen: natürlich wollte ich das Poem zum Vortrag bringen. Alles ging gut, das Silentium für den Dichter!" rief lautlose Stille hervor im Kreise, all die mehr oder minder schönen Augen hingen in größter Spannung und Aufmerksamkeit are meinen Lippen. Und ich begann; in schwungvoller, begeisterter Sprache feierte ich den: lieblichen Jüngling, Frühling geheißen. Diese Luft Dieser Duft " Weiter kam ich nicht, ein wahres Hohn gelächter der Hölle verschlang meine Worte. Aber, was war geschehen, was? Der Forstrath schwieg einige Secunden; dann tönte es dumpf von seinen Lip pen: Gerade als ich an .die Stelle gelangt war, Dieser Duft." hatte Com militone Müller ein Butterbrot mit Limburger Käse herausgewickelt! Ein Kenner. Junger Gatte: Wieviel bin ich für die Herstellung mei ner Gattin schuldig? Arzt: Das über lasse ich ihnen; soviel Sie glauben, daß Ihre Frau Ihnen wertö ist. Junger Gatte: Ja. das sind so viele Millionen, daß ich es gar nicht taxiren kann. Arzt: So, na, dann werde ich in einem Jahr 'mal wieder nach fragen, vielleicht kö'nnen Sie es dann beurtheilen! Boshaft. Baron (heruntergekommen): Sie haben kein Recht, mich zu beleidigen, mein srrynem Stammbäum ist mehr denn dreihundert Jahre alt. A.: Das muß wohl wahr sein, weil er so erbärmliche Früchte trägt! Vor Gericht. Richter: Sie sind angeklagt, den Zeugen mit einem Ziegelstein geschlagen zu haben; was haben Sie zu erwidern? Angeklagter: Herr Richter, es war man een ganz kleiner Ziegelstein.der Zeuze ist ja me Freund! Grob. Er: Sie haben da eine wirklich reizende Rose, was würden Sie wohl sagen, wenn ich Sie bitten würde, mir dieselbe zu schenken? Sie: jJch würde ganz einfach sagen: WaS wollen S?e mit der Rose, Sie habea doch Ihre Nase!
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