Indiana Tribüne, Volume 18, Number 12, Indianapolis, Marion County, 30 September 1894 — Page 7

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Etwas ?oldatcl:latein.

Eine militärische Plauderei ron H:rm. Ferschke. Das Jägerlatein ist so allgemein besannt, daß es kaum der Mühe verlohnt, darüber noch weiteres zu erzählen. Es gibt aber noch andere Berufsstände, in welchen eine ähnliche Sprache gesprochen wird und die jeder versteht, der längere oder kürzere Zeit freiwillig oder pflichtgemäß diesem Berufe gehört hat. Hierzu sind in erster Linie die Soldaten und die Seeleute zu rechnen. Unfere Aufgabe soll es sein, ein wenig über das Soldatenlatein zu plaudern, obwohl wir uns hinlänglich bewußt sind, etwas völlig Erschöpfendes kaum liefern zu können, denn dazu ist die deutsche Armee viel zu groß. Die vielen deutschen Volksstämme mit ihren so vielfach verschiedenen Dialekten und Provinzialismen sprechen selbstverständlich auch ein ganz verschiedenes Soldatenlatein, so daß ein vieljähriges Studium dazu gehören würde, .dieses riesenhafte Material zu sichten und zu bearbeiten. In den süddeutschen Regimentern, namentlich der bayerischen Armee, würde man sich schwerlich mit den Brandenburgern, Alipreuß?n und Sachsen verständlich machen können, ebensowenig wie letztere dasLatein derjenigen Kameraden verstehen, welche cius Gegenden herstammen, wo ausschließlich plattdeutsch gesprochen wird. Ein allgemein verständliches Soldatenlatein gibt es daher nicht, wenn auch vielleicht einzelne Ausdrücke über die gesammte Armee verbreitet sein mögen. Aus diesem Grunde kann daher unsere Plauderei nur ein unvollkommenes Bild aller jener Ausdrücke, Bezeichnungen und .Redensarten geben, die, ausschließlich dem Soldatenleben entsprungen, dem Soldaten als etwas Selbstverständliches gelten, selbst wenn der Civilist, der das zufällig mit anhört, darüber den Kops schüttelt und den oder jenen Ausdruck für grob und beleidigend hält und den armen Solbaten bedauert, der mit derartigen Redensarten traktirt wird. Das ist ja wahr: mit der Aesthetik hat das Soldatenlatein. nichts zu schaffen und Prüde Seelen werden vielleicht beim Anhören desselben von Entsetzen ersaßt; aber dem Soldaten selbst thut t?as nichts und es ist ihm völlig gleichgültig, ob sein Exerziermeister seine Nase Gurke oder Rüssel, seine Ohren Löffel, seine Hände Klauen, seine Haare Borsten, seinen Kopf Blechschäbei, seine Beine Stelzen, seine Arme Vorderflossen und seine Füße Plättisen oder Violinkasten nennt. Das ist eben Soldatenlatein und er selbst spricht diese Sprache geläufig mit seinen Kameraden und bezeichnet die heiligen königlichen Montierungs- und Ausrüstungsstücke mit Ausdrücken, die dem Respekt, den er dafür eientlich haben sollte, sehr wenig entsprechen. Das Gewehr, das Heiligthum des Infanteristen, nennt er ganz respektwidrig Knhfuß, Schießprügel oder Knarre, den Helm Tulpe, Sturmhaube oder Dunstkiepe, den Säbel Plempe oder Krötenspieß und den Tornister . den Affen. Mit gepacktem Affen und gerolltem Mantel ausrücken macht ihm absolut keinen Spaß, und wenn sodann auf dem Marsch: der Himmel seine Schleusen öffnet und ein junger, noch unerfahrener Soldat seinem Ellbogennachbarn leise zuraunt: Bei das Hundewetter müßte man doch eigentlich fcie Mäntel anziehen derfen", dann erwidert letzterer als alter Praktikus höhnisch und ironisch: Oller Schafslopp, das verstehste nich, wat nutzt denn der Mantel, wenn er nich gerollt is!" Das ist eben Soldatenlalein. Hat nun der junge unerfahrene Vaierlandsvertheidiger nach so einem Regenmarsche seine Armatur- und Kleidungssiücke nicht auf das sauberste wieder gereinigt und geputzt, dann darf er andern Tags auf dem Appell einer weiteren lateinischen und absolut deutlichen Auseinandersetzung seitens seiner Vorgesetzten entgegensehen. Sein Eorporalschafisführer, der sehr gefürchtete Sergeant Klaus, rasselt" ihn an, daß ihm Hören und Sehen vergeht, nennt ihn eine gesengte Sau" und einen verfluchten Millionhund, dem er das Stangenklettern beibringen wolle" und meldet ihn sodann dem Feldwebel, welcher sich beeilt, den Schmierlappen" dem Herrn Hauptmann weiter zu melden. Dieser nun diktirt August Pimpelmann weoen Malproprete" drei, Tage Mittelarrest, und Sergeant Klaus hat das Vergnügen, das Unglückswurm" abzuführen. und zwar in den Kasten", wie die Arrestzelle ihrer Enge wegen auf lateinisch genannt wird. Fragt aber jemand, der mit der Thatfache zufällig nicht bekannt ist, inzwischen nach Pimpelmann, dann erhält er die Antwort: Der schwimmt drei Tage." Bei Brot und Wasser, das ist hart; aber Freund Pimpelmann, seiner Herrn Eltern geliebter und einziger Sohn, verzärtelt und verwöhnt, macht in drei Tagen ein ganz hübsches und ! erfreuliches Erziehungspensum durch. Verächtlich hatt: er das gute, nahrhaft: Kommißbrot Torf" genannt und nun, wo er dasselbe drei Tage lang als einziges Rahrungsmittel erhielt, fängt diese Gottesgabe mit einem Mal an, ihm vortrefflich , zu munden, und als er dann seine Zeit abgesessen resp, auf der harten Pritsche" abgelegen, da lacht ihn am Abend das sonst von ihm so verachtete Kasernenbett gar freundlich an und mit behaglichem Grunzen legt er sich in die olle Klappe", als wäre dieselbe die allervortrefslichste Sprungfedermatratze. Anderen Tages aber, als Sergeant Klaus zum Drillen" antreten und dann Griffe, kloppen"' läßt, gibt

er sich solche Mühe und macht seine

Sache so gut, dafe selbst dieser schwer zu befridigende alte Eisenfresser" beifällig mit dem Kopf nickt und das große Wort ausspricht, der Malefizkerl, der Pimpelmann, hat sich, wie es mir vorkommt, wie ein Boa-Construk-tor gehäutet und die Badekur scheint ihm die faulen Knochen inclusivi der Gebeine rehscheneriert zu haben." Da er gerade Rührt euch" commandirt hat, so darf dieser Witz von derMannschaft fröhlich belacht werden, was von dem gestrengen Herrn mit gnädigem, herablassendemLächeln ausnahmsweise geduldet wird. Erwähnt mögen noch einige andere Ausorücke werden. Zur Zeit befinden sich ja wohl in fast allen Käsernen von der Militärbehörde protegirte und beaufsichtigte Kantinen, in welchen Unterofsiciere und Soldaten ihre leiblichen Bedürfnisse befriedigen können; früher dachte kein Mensch 'daran, und nur die Kasernenwärter, angestellte alte Militärs, hielten einen kleinen Handel mit Eßwaaren und lieferten namentlich daö zum Kaffcekochen so nothwendige heiße Wasser gegen Entgelt. diese heißen im Soldatenlatein Knapphänse", der Ursprung jener Bezeichnung ist unschwer zu erra-' tkieri. Befand xA YciZ 5?ns?rn?ment in Seiner Festungskasematte.so nannte man Kpr rr n Y r fi r rt 2 VnnM rtitHk fmT f W 5 WllY' t J W UUU fptrVU ViikU' tenbär." Andere Bezeichnungen militärischer Persönlichkeiten sind von ihrer Beschästiauna berzuleiten. So wird ein Proviantbeamter Mehlwurm", ein Lazarethgehilse Pflasterkasten , ein Tambour Kesselflicker" und ein Mussker Blechpfeifer" genannt. Die Artlllerie heißt kurzweg die Bombe und der Artillerist Bombenschmeißer", die Infanteristen werden von anderen Waffengattungen mit dem Titel Fuß.ifY...u i " f . . e r c rr laiiaze: oeeyri. wanreno nco oie uavalleristen die Bezeichnung Stallknechte" und die Pioniere Maulwürfe" gefallen lassen müssen. Die Jäger wer den ihrer grünen Waffenröcke wegen Laubfrösche" und der Train ganz allgemein schweres Getränk" genannt. Die alljährlich bei allen Truppentheilen stattfindende große Besichtigung der Armatur- und Bekleidungsstücke gesammten Kammerbestände, welche in der Regel von dem Divisionscommandeur oder den Inspekteuren der Spezialtruppen in Begleitung eines hohen Jntendanturbeamten vorgenommen wird, nuint man in der gesammten Armee etwas respektwidrig LumpenParade", und da die Herren Generäle, welche diese Parade abnehmen, als junge Fähnriche oder Lieutenants zweifelohne dasselbe Latein gesprochen haben, so werden sie es ja wohl nicht übelnehmen, wenn die Generation nach ihnen dieselbe Sprach: spricht. der Sache wird damit nicht geschadet. Bei manchen Truppentheilen hat sich mitunter aus bestimmten Gründen und bei besonderen Gelegenheiten eine beliebte Redensart eingebürgert. So kennen wir ein Bataillon, in welchem ein sehr humoristischer Compagniechef sich befand, der mit dem Bataillonscommandeur auf permanentem Kriegsfuß stand. Letzterer gab sich außer Dienst Mühe, mit seinen Offizieren sich möglichst gut zu stellen, im Dienst jedoch fiel er bei jeder Gelegenheit aus der Rolle und war in der Regel von einer so hahnebüchenen Grobheit, daß das gesammte Officiercorps unter sich einstimmig beschloß, außer Dienst den Umgang mit dem Major auf das möglichste Minimum zu beschränken. Als der humoristische Compagniechef darauf von anderer Seite darüber befragt wurde, gab er die klassische Antwort: Manchmal glaubten wir, der geehrte Herr sei gezähmt, er fällt aber bei jeder Gelegenheit in seine natürliche Wildheit zurück". Dieser sehr bald allgemein bekannte Ausspruch wurde denn auch in kurzer Zeit in der ganzen Garnison zum geflügelten Wort, und der betreffende Herr Major ließ sich darauf in eine sehr entfernte Provinz versetzen. Ein anderes geflügeltes Wort, das schließlich in das Lexikon des Soldatenlatein Eingang fand, stammt vom alten Wrangel, der es bekanntlich mit der deutschen Sprache nicht allzu genau nahm oder sich wenigstens den Anschein gab. Vei der Jnspicirung eines zur Uebung eingezogenen Landwehröataillons seines Armeecorps hielt er schließlich eine Ansprache an dasselbe. welcher er, nachdem er seine Zufriedenheit mit den gesehenen Leistungen ausgesprochen, mit den Worten schloß: Man muß nicht nur ein guter Soldat sein, sondern es vor allen Dingen auch wirklich sind, und nu geht zu Hause bei Muttern, liebe Kinder, und denkt stets daran, was Euch der alte jute Wrangel jesagt hat. Adieu, Kinderkens!" Zwei lateinische Ausdrücke von sehr schwerwiegender Bedeutung für die Betreffenden sind die Bezeichnungen Majorsecke" und blauerBrief". Man pflegt zu sagen, das sei ein schlechter Soldat, der nicht darnach strebte, einst General zu werden. Nun, die Zeiten, wo jeder Soldat den Marschallstab in seinem Tornister mit sich trägt, werden ja wohl auch in der französischen Armec, woher bekanntlich dieser Ausspruch stammt, vorüber sein; bei uns war man in dieserBeziehung im Stande der Gemeinen von jeher weniger begehrlich. Aber daß der Officier ein Avancement bis in die höchsten Chargen hinauf anstrebt, das, dünkt uns, ist nicht allein sehr natürlich, sondern auch äußerst wünschenswerth, da mit diesem Streben auch die Leistungen sich steigern und somit die Qualität der gesammten Armee erhöht , wird. Bis mm Aauvtmann binauk aebt denn z auch das Avancement in der Regel unbeanstandet seinen ruhigen Gang, für

das Aufrücken in die'Majorcharge'Zedoch werden schon höhere Ansprüche gemacht, denen, nach Ansicht der höheren Vorgesetzten, nicht jeder Hauptmann entspricht, daher die scharfe Ecke, die Majorsecke", die umsteuert werden muß und die daher von dem betreffenden Vorwärtsstreber mit Recht gefürchtet wird. So manchem strebsamen, tüchtigen und noch in voller Kraft stehenden Hauptmann hat der scharfe Zug an jener unheilvollen Ecke umgeworfen das Warum? war häufig nicht klar und nur der gehofften Rangerhöhung mit den silbernen Kantillen kommt der verhängnißvolle blaue Brief" (so genannt, weil die schriftliche Abschiedsertheilung sich in einem blauen Couvert befindet), und der noch vor wenigen Tagen in voller Kraft und Berufsfreudigkeit wirkende Officier steht am Ende seiner Laufbahn und setzt hinter seine ebemalige Charge oder die als Wundpflaster ertheilte Charaktererhöhung sein bescheidenes a. D. oder z. D. außer Dienst" oder zur Disposition". Ja, es gibt viele steile Anhöhen in der Welt, aber wenige können sie ersteigen! Auch die Spitznamen, welche einzelne Regimenter führen, gehöre zum Soldatenlatein. Am bekanntesten und in Berlin ganz allgemein im Publikum verbreitet ist der dem Garde-Füsilier-Regiment beigelegte Name Maikäfer". Woher der Name stammt, ist mit Bestimmtheit kaum nachzuweisen und wenn gesagt wird, derselbe kam daher, daß das Regiment früher zur Maikäferzeit von auswärts nach Berlin zur Uebung einzog, so stimmt dies absolut nicht dasselbe, früher Gardereseröercgiment, hat immer in Berlin gestanden und brauchte daher nicht erst dorthin zu kommen. Nichtiger wird wohl der Name von den gelben Achselklappen hergeleitet, welche das Regiment von jeher trug und heute noch trägt. Die siebenten Husaren in Bonn beißen und nennen sich selbst Lehm up". Diese Bezeichnung kommt nach Aussage Sachverständiger daher, daß das Regiment, wenn es zum Exerzieren aus der Stadi rückte, in der Regel bei Neubauten . vorüberritt, auf welchen die Maurer den Handlangern zurlesen, Lehm herbeizuschaffen, plattdeutsch kurzweg: Lehm up!" Die Husaren, die diesen Zuruf täglich wiederholt vernahmen, fingen an, die Maurer im Vorüberreiten zu foppen, indem sich in ihren Reihen der Ruf Lehm up" erhob, schließlich wurde derselbe im Regiment zum geflügelten Wort und mit demseben haben sie Frankreich

durchquert und lhre Attacken siegreich geritten. Es erinnert dies an den Spitznamen, welchen zur Zeit der Befreiungskriege das Litauische Dragoner-Regi-ment befand sich damals ein dem Trunk ergebener Feldscher Namens Hcurich, der von jedermann geneckt wurde und, sobald er nüchtern oder schwankend auf der Bildfläche erschien, stets von alle Seiten bei Namen gerufen wurde. Der fortgesetzte Ruf Hairich", der im Biwak oder auf rm barsche von anderen Truppentheilen gehört wurde, führte nun zunächst dazu, daß das ganze Regiment so genannt wurde, und als dann bei einer Attacke einigeSpaßvögel im Uebermuth den Ruf Heurich" ausstießen, pflanzte sich derselbe von Schwadron zu Schwadron fort und lachend und immerfort Heurich" rufend hieb man die Franzo sen zusammen. Von diesem Tage ab nannte sich das Rgiment selbst stolz die Heurichs". Es würde zu weit führen, wollten wir dieses Thema weiter ausspinnen, wir Wollen jedoch nicht unterlassen, zum Schluß noch einer Bezeichnung ZU gedenken, die uns jederzeit ganz besonders angemuthet hat. Es soll nicht verschwiegen werden, daß in größeren Garnisonen die Freundschaft und Kameradschaft zwischen einzelnen Regimentern oft zu wünschen übrig laßt, derartige unsympathische Regnungen stammen oft aus uralter Zeit her. Ebenso alt sind aber auch die Freundschaftsbande, welche einige Truppentheile miteinander verbinden. Die befreundeten. Truppentheile nennen sich Couleur"; sie verkehren in der Garnison freundschaftlich miteinander die Unterofsiciere laden sich gegenseitig zu ihren Vergnügungen ein. bei Vegegnungen auf dem Marsche herrscht großer Jubel und die Begrüßung Cou!cu Couleur!" will kein Ende nehmen. Diese Freundschaften stammen in der Regel von den vereint durchgemachten größeren Felddienstübungen und Manövern her, kein Mensch aber weiß mehr, in welcher Zeit die Anfänge dazu entstanden sind; es ist eben immer so gewesen und eine Generation erbt die Tradition von der anderen. Der Raum gestattet nicht, die verschiedenen Couleuren" in der Armee hier anzuführen und, ehrlich gestanden, dürfte unfere Kenntniß dazu wohl auch schwerlich ausreichen; erwähnen wollen wir jedoch die uralte Couleur des ersten Garde-Dragoner-Regiments mit dem Garde - Schützenbataillon, heute, wie früher. Der letzte große Krieg, in welchem ja, Gott sei es gepriesen, endlich AlldeutschlandsSöhne Schulter an Schulter nebeneinander fochten, wird dessen ,sind wir gewiß, noch gar viele Couteuren geschaffen haben, denn keine Truppe ließ die andere im Stich, hier gab es keine Eifersucht, keine Schadenfreude über eine etwa erlitteneSchlapp: eines anderen Truppentheils, nein, hier hieß es: Einer für alle, alle für einen Couleur, Couleur! Und so soll es auch in Zukunft bleiben: Preußen und Sachsen, Hanseaten und Bayern, Württemberger und Badenser und alle übrigen Volksstamme des geeinigten, großen deutschen Vaterlandes Schulter an Schulter in ei-

ner großen Front, gleichzeitig gegen Osten und Westen, kameradschaftlich, einig und kampfbereit alle Mann Couleur!"

Tie Harmonie des Geruches. Obgleich der Sinn des Geruches uns nicht so unentbehrlich wie die übrigen ist, und das gänzliche Fehlen desselben einem Culturmenschen wenig Genüsse entziehen und nur zu wenig Berufsarten untauglich machen kann, so ist doch eine Schulung und Pflege dieses Sinnes recht wohl möglich und für manche Gewerbe geradezu erforderlich. Vor allem möchte dies in der Parfüme-rie-Branche der Fall sein, wo eine feine Rase dieselbe Rolle spielt, wie dieZunge beim Koch, 5lellermeister oder Bierbrauer. So sollen denn in der That in den Parfümerie-'Fabriken Südfrankreichs solche Geruchs-Virtuosen anzutreffen sein, welche viel: hunderteWohlgerüche in den feinsten Rüancen aus Mischungen, -herausfinden und gerade wie der Musiker das Ohr, so hier die Rase in einer Weise geschult haben.daß sie geradezu Erstaunliches leistet. Interejsant sind nun ganz eigenartige Beobachtungen, welche ein Wissenschaftlich gebildeter französischer Parfümeur gemacht haben will, und welcher die Behauptung aufstellt, daß gerade wie gewisse Tongruppen, wie z. B. die Accorde, dem Ohreeine ganz besondere Befriedigung gewahren und ein Fehlton von diesem sofort unangenehm emPfunden wird, so auch für unser Geruchsorgan solche Harmonien von Ge rüchen recht wohl vorhanden seien und die Mischung von Parfüms durchaus nicht eine Sache der Willkür sei, da eine tntsprechend geschulte Nase einen Mißgriff ebenso gut herausfinde, wie oas Ohr des Musikers eine Dissonanz der Töne. Der Aussteller dieser Theorie geht noch weiter und nutzt die von ihm angeblich als Thatsache erwiesene Behauptung praktisch aus, indem er eine Tonleiter aufstellt, wo jeder Ton durch einen Geruch vertreten ist. Diese Substituirung der Noten durch Gerüche ist aber keineswegs eine willkürliche, sondern stützt sich auf die vom Erfinder oder seiner aesthciisch gebildeten Nase gemachten Erfahrungen, welche Parsüms, zusammengebracht, sogenannt: Accorde" ergaben. So behauptet er, daß Bittermandelöl, Heliothrop, Vanille und Clematis solche verträgliche Stoffe feien, ebenso wieder Orange.Cikrönen und Lavendel; dagegen würden Vermischungen dieser beiden Gruppen stets Geruchscontraste bilden. Hiernach setzt Msr. Piesse, wie der Vater der Lehre vom Parfüm-Contrapunkt heißt, seine Parfüm-Tonleiter zusammen, die beim fünfgestrichenen Baß-C mit Patchouly beginnend, beim hohen fünfgestrichenen C mit Ananas-Parfüm endigt. Und nun soll, einfach nach den Gesetzen der Tonfolge, durch Herausgreifen der betreffendenParfüm-Noten, die in der Musik Accorde geben wllrden, auch durchaus harmonische Mischungen sich stets ergeben und dieses System auch dem nicht mit besonders entwickeltem Geruchssinn begabtenParfümeur die Composition richtiger Parsüms ermöglichen. Daß die Theorie auch ihre graue Seite hat, giebt der Entdecker derselben allerdings zu; wie wir nun aber durch Mikroskope und Teleskope die Schärfe unserer Augen vermehren, durch Sprachrohre und Telephone unseren Ohren eine weitere Tragweite geben können, so w '? der Scharfsinn des Menscfen nicht daran fehlen lassen, r;- '.u construiren, welche r uachhelfen und ihn nijiärlen. a es versucht, in kurzen Worten die Theorie dieser in Südfrankreich wirklich angewandten Meßinstrumente der Geruchsstärke zu geben. Diese stützt sich darauf, daß ein Gemisch von einem belobigen einfachen Wohlgeruch mit Terpentinöl eine völlig geruchlose Mischung giebt, sowohl das Terpentinquantum in einer gewissen, in ihrer Größe von dem jeweiligen Parfüm abhängigen Menge zugesetzt wird. Die Blüthe oder die zerstäubte Essenz, deren Parfllmirkraft nun festgestellt werden soll, wird in einen Glasballon eingegeben und so lanae Terpentin eingespritzt, bis die Neutralisation eintritt. Jetzt gilt es zu bestimmen, wie viel Terpentin zur Vernichtung des Parfüms nöthig war; da hierfür oft nur Spuren erforderlich sind, so geht ein Messen oder Wägen der Terpentinmenge nicht gut an. weshalb man von der ebenso merkwürdigen Thatsache Gebrauch macht, daß Pbosphor im Dunkeln zu leuchten ausHort, sobald eine gewisse Menge Terpentindampf in der Atmosphäre enthalten, ist. Leitet man also die oben erhalk.Parfüm und Terpentin enthaltene Luft in einen Phosphor enthaltenden Kolben, so wird sich aus dem früher oder später eintretenden Erlöschen der Phosphorescenz die Menge des Terpentins iestimmen und rückschließen lassen, wie groß die Riechkraft des betreffenden Stoffes im Vergleich mit anderen.mehr oder weniger Terpentin zu ihrer Vernichtung brauchenden Wohlgerüche ist. Ein anderes von Mesnard construirtes Instrument läßt sogar die Ricchkraft direkt der Größe nach erkennen. In einem Kästchen befinden sich zwei Rollen, auf welche je ein Band aufgewickelt ist. Auf eins der Bänder wird das Parfüm gespritzt und nun das andere mit Terpentin getränkte Band in das Kästchen eingeführt und so lange abgewickelt.bis die Nase keinenGeruch mehr bemerkt; so wird jedes Parfüm einen Streifen Terpentin von bestimmter Länge erfordern und sich aus diesen Längen direkt eine Scala der Geruchskraft der verschiedenen Parfüms ausstellen lassen, ohne den Geruchssinn direkt nöthig zu haben.

Auf der Entcnzagd. Humoreske uon Fritz Bernhard.

Eins Entdeckung von ungeheurer Wichtigkeit ist gemacht!" Mit diesen Worten trat der dicke Commissionsrath Löper an den Stammtisch, wo verschiedene ältere Heri-en des gleichen Kalibers in gemüthlicher Unterhaltung beisammen saßen. Was regt Sie denn so auf, lieber Löper?" Aufregen? Von Aufregen ist keine Rede, aber lustig bin ich!" Weshalb denn?" In dem Grenzbruch auf unserer Jagd sind mindestens zwei Koppeln junger Märzenten." Die Nachricht wirkte w:e eine Vombe. Die alten Herren wurden förmlich lebendig; von allen Seiten regnete es Fragen. Erst trmken!" wehrte der Commissionsrath ab; mir klebt die Zunge am Gaumen!" Endlich war der Stammseidel mit dem stärkenden Naß zur Stelle. Löper that unter allseitiger Theilnahme des Tisches einen tiefen Trunk, wischte den eisgrauen Bart und hub dann an: Für die Herren, denen unser Jagdjzrrain unbekannt ist. muh ick voraus schicken, daß wir an der Grenze em Moor haben, das seit Menschengcdenicn trocken liegt. Ob sich nun die Abzugsgräben unterhalb verstopft haben, oder was sonst die Ursache sein mag: rn diesem Fruhzahr fand sich Wasser an, mit dem Wasser fanden sich Enten an, und letzt stehen wir vor der angenehmen Thatsache, eine Erfolg versprechende Entenjagd abhalten zu können." Es ergab sich, daß der Commissionsrath, ein alter waidgerechter Jäger, der seine Jagd hegte und Pflegte und für jedes unzerstört gebliebene Rcbhuhngelege eine namhafte Prämie zahlte, dem Jagdterrain einen Besuch abgestattet hatte, um zu erforschen, wie sich die nächste Saison anlassen würde, und bei dieser Gelegenheit die beiden Koppeln Enten entdeckt hatte. Der übernächste Tag wurde sofort zur Abhaltung der Jagd in Aussicht genommen. Die Jagdgesellschaft bestand nur aus älteren Herren, die ihrem Vergnügen einen Wochentag cpfern konnten; in aller Eile erließ man noch einige' Einlaoungen, da man auf Erfolg nur rechnen konnte, wenn der kleine, aber völlig unzugängliche Bruch ringsum mit Schützen bepellt war. Die weitere Unterhaltung, die sich fast ausschließlich um die Entenjagd drehte, wurde selbstverständlich in dem mit Recht so beliebten Jägerlatein geführt. Anfangs ließ sich die Sache ganz harmlos an; der Eine berichtete von einem ganz ungewöhnlich guten Jagdresultat, zwei, drei Andere stellten ihn jedoch sofort durch viel bedeutendere Leistungen in den Schatten. Nun ist es bekanntlich unter Jagdkumpanen eine schöne, durch stillschweigende Uebereinkunft geheiligte Sitte, die Glaubwürdigkeit der von einem Zunftgenossen berichteten Jagderfolge nicht zu bezweifeln. Doch davon wußte der Bankier Erdmann, ein jüngerer Herr, der im kommenden Herbst in die Schaar der Jünger Nimrods einzutreten beabsichtigte und sich um Aufnahme in den ziemlich exclusiven Jagdclub des Stammtisches bewarb, noch nichts. Erstaunt sperrte er Mund und Ohren auf; solche Erfolge hatte er bis dahin nicht für möglich gehalten! Von Zweifeln war sein ahnungsloses Gemüth noch nicht angefressen. Wie sollte er auch dazu kommen! Saß er doch in der Gesellschaft ehrenwerther, ergrauter Männer, deren Ernsthaftigkeit ihm, dem Jüngeren, noch manchmal unbequem war; daß selbst alte Herren.' wenn sie Jägerlatein sprechen, die Ernsthaftigkeit so völlig ablegen können. um einen Neuling zu hänseln, hielt er in seiner Arglosigkeit für völlig ausgeschlossen. Ach. er sollte in dieser Beziehung bald recht traurige Erfahrungen machen! Ein alter Gerichtsdirector wußte von einem Hunde zu erzählen, der auf einer Entenjagd verloren gegangen war und erst nach mehreren Jahren auf demselben Terrain geschossen wurde, weil er inzwischen völlig die Lebensart einer Fischotter angenommen hatte. Zweifelnd sah der Bankier sich in der Tischrunde um. Aber die alten Herren sahen ernsthaft drein, daß er schließlich diese Mittheilung als eine Bereicherung seiner jedenfalls noch recht unzugänglichen kynologischen Kenntnisse registrirte. Dann nahm ein pcnsionirter Oberst das Wort, um wie er sagte, eine tolle Schnurre zu erzählen. Es war die alte bekannte Geschichte von den beiden Förstern, von denen der eine sein Pulver auf der Entenjagd verschossen hatte und vergeblich seinen Kameraden um einige Maß Pulver bittet. Endlich legt derselbe so erzählt der Oberst weiter, sein Pulverhorn neben sich; eine plötzliche Bewegung des Kahnes das Horn liegt im Wasser! Der Andere aber stürzt sich dem Horn sofort nach und füllt sich, auf dem Grunde des Sees stehend, eiligst einige Schuß Pulver in sein leeres Horn. Das herzliche Gelächter, das dieser Schnurre folgte, that Herrn Erdmann wohl; er glaubte annehmen zu dürfen, daß alle unwahrscheinlichen, übertriebenen. Jagdgeschichten nicht nur an und für sich, sondern auch aus dem Verhalten der. Tischrunde leicht 'erkennbar wären. So gelang es der Gesellschaft, dem Bankier eine Reihender unglaublichsten Jagdgeschichten, zu versetzen. Endlich nahm auch der Commissionsrath das Wort. .Vor einigen dreißig Jahren," so be-

gann er, als ich für meines Vaters Geschäft in Rußland Holz kaufte, war ich ein seh? passionirter Jäger. Ich ließ auf meinen Reisen keine der zahlreichen Gelegenheiten unbenutzt, wo ich meiner Leidenschaft nachgehen konnte. In einem Sommer, es mag gerade in dieser Zeit gewesen sein, wurde ich von einem russischen Oberförster zur Entenjagd eingeladen. Wild war im Ucberfluß vorhanden, wir schössen viel und verlebten einige herrliche Tage. Am Nachmittag des letzten Tages nahmen wir noch einen ziemlich großen, aber total vermoderten See in Angriff, der reiche Ausbeute zu liefern versprach. Ich bestieg, trotz der Abmachung meines Gastgebers, allein einen schwerfälligen, etwas altersschwachen Kahn, weil meine Erfahrung mir sagte, daß andernfalls eine große Menge Enten unbeschossen abstreichen würde." Der Commissionsrath machte eine Pause, die er durch einen kräftigen Schluck ausfüllte, und fuhr dann fort: Ich hatte mich getäuscht. Ich kam nicht zum Schuß, trotzdem ich schon damals einen Hinterlader führte, ein Lefaucheux; es mag wohl eins der ersten Exemplare gewesen sein, die nach Rußland kamen. Viel Mühe machte mir das Weiterschieben des Kahnes, da ich doch mit den Schützen am Lande in gleicher Nichtung bleiben mußte. Schließlich gerieth ich an eine Stelle, wo ich nicht vorwärts, nicht rückwärts konnte. Meine Stange fand nirgends einen festen Punkt in dem unergründliche Moder, dazu dunkelte es kurzum.die Situation war recht ungemüthlich. Auf mein Rufen kamen die Jagdgeführten so nahe wie möglich an mich herangewatet, aber wie sollten sie helsen? Ein zweiter Kahn war nicht vorHanden, und mein Seelenverkäufer füllte sich bedenklich mit Wasser."

Mit angehaltenem Athem lauschte der Bankier den Worten des alten Herrn, der so spannend , zu erzählen verstand. Endlich," so fuhr Her: Löper fort, fielen wir auf einen rettenden Gedanken. Ein Knecht holte die Leine vom Jagdwagen, man warf mir ein Ende zu, um mich mit dem Kahn ans Land zu ziehen. Vergebens, der Seelcnverkäufer wollte seinemNamen Ehre machen. Er rückte und rührte sich nicht. Schließlich es war schon fast dunkel geworden, entschloß ich mich zu einem Wagstück. Ich band den Strick an die Spitze der Stange und rief den Herren am Lande zu, sie möchten so schnell wie möglich zuziehen: ich hoffte mit Hilfe der Tragkraft der Stange über den Moder und das Röhricht hinwegzugleiten. Flinte, Jagdtasche ließ ich schweren Herzens in dem Kahn zurück, und kurz entschlössen, warf ich mich mit der Stange in das pechschwarze Moderwasser. Ein Zuruf Ein Ruck. . . Die Stange entglitt meinen Händen, ich lag sechs. acht Schritt vom Kahn im zähen Schlamm. . . Wie von der Erinnerung übermaltigt, hielt der alte Herr inne. Schweigend saß die Tischgesellschaft da. Nur Herr Erdmann vermochte d Spannung nicht zu ertragen. Na, und was geschah mit Ihnen?" Ich versoff!" Verblüfft schaute der Bankier sich um; in den Gesichern der Jagdkumpane arbeitete es seltsam, aber Rührung war es nicht... Ich verstehe, meine Herren, was Sie wollen; aber uzen lasse ich mich nicht." Ein fürchterliches Gelächter war die Antwort. Tiefqekränkt verlief Herr Erdmann den Stammtisch, an dem er sich nie. wieder sehen ließ. Auch unter die Jünger Nimrods ließ er sich im Herbst nicht ausnehmen. Und wenn später einmal in seiner Gegenwart die Unterhaltung sich der Jagd zuwandte, dann nahm er Hut und Stock und verließ eiligst unter irgend einem Vorwand die Gesellschaft. Trockene Abreibungen. Daß eine genügende Ventilation der Haut ein Haupterforderniß zur ErHaltung der Gesundheit ist, bezweifelt heute Niemand mehr. Die Hygieniker sind darüber einig, daß man die Kinder von frühesterJugend an eine durchlässige, leichte Kleidung gewöhnen und sie abhärten muß. Für die ältere Generation sind allerdings die Abhärtungsverfahren schon Ftwas heiklerer Natur, die Unterlassung einer rechtzeitigen Gewöhnung Iäfct sich kaum mehr nachholen, die Widerstandsunfähigkeit der Haut oder des Körpers gegen die Einflüsse der Temperatur ist schwer zu beseitigen. Die Rathschläge, die zu diesem Zwecke gegeben werden und die hauptsächlich auf kalte Waschungen hinauslausen, sind zwar recht gut, aber sie werden meist aus Aengstlichkeit oder Bequemlichkeit nicht befolgt. Leuten, die nicht die genügende Energie besitzen, um eine systematische Abhärtunaskur durchzumachen, ist zu empfehlen, wenigstens zu dem Mittel der trockenen Abreibungen zu greifen; auch dadurch wird die Hautthätigkeit außerordentlich gestelgert.wenn auch nicht m demMaße wie bei den Waschungen nimmt am be sten des Morgens mit einem einfachen groben Lappen vor, namentlich am Rücken, an der Brust und den Schenkeln. Die Prozedur darf höchstens 2 bis 3 Minuten dauern, die Haut muß recht roth werden, dann wird mit ei nem weicheren Lappen nachgerieben. Das Verfahren erfordert wenig Zeit, so gut wie. keine Kosten und leistet bei Leuten, die die kalten Wasserabreibun gen nicht vertragen, sehr gute Dienste. A'pfelgrüne Oberhemden ist die kommende Mode für Herren.

Eine Emancipirtc. Ueber die Emancipation eqyptischcr

Prinzessinnen berichtet der in Maghreb als Arzt lebende ehemalige Leibarzt des Sultans von Marokko, Mustafa Vei, in einer interessanten Studie über die mohammedanische Frau. D:c stetig fortschreitende Civilliation setzt siaz über die mohammedanischen Religionsanstchten siegreich hinweg und zwar am meisten und deutlichsten im mohammedänischen Staate Egyptcn. Und zwar keineswegs erst jetzt, sondern schon zur Zeit des alten Khedive Ismail. In Egypten emanclpirten sich zuerst die Prinzessinnen Anfangs der 70e: Jahre. Sie kleideten sich vollkommen nach den neuesten Pariser Moden, vonAerschle'.erung war kaum noch die Rede, auf alle Fälle war der kleine Schleier so dünn, daß die strahlenden schwarzen Augen der Inhaberinnen voll hindurchdran gen. Der Saik (Vorläufer) und die die Prinzessinnen .begleitenden Eunuchen h.iten Befehl, nicht hindernd d:5 Neugierigen zurückzuweisen, während es frühe? einem Gjaur unmöglich w:r, die Prinzessinnen zu beobachten. Alle Prinzessinnen verschworen sich, bei ihrer Verheirathung auszumachen, da ihre Männer nur eine Frau nehmen sollten. Ob dies indeß durchgeführt worden ist, weiß der Verfasser nicht anzugeben, jedenfalls hatte der verstorbene Khedive: nur eine Frau, und der jetzige ist noch ledig. Die 20jährige bildhübsche Prinzessin M. in Kairo war an einen reichen. aber dreimal so alten Pascha verheiratbet, der noch streng nach den alten koranischen Regeln sein ganzes Haus regierte. Er hatte einen großen Harem und sein Thaleb (mohammedanischer Geistlicher) gab ihm in Allem Recht, namentlich wenn er genügend zahlte. Es kam zu Schwierigkeiten zwischen dem Pascha und der Prinzessin, die so weit gingen, daß die Prinzessin ver langte, von ihrem über 60 Jahre alten Eaiten geschieden zu werden. Es ezistiren im Koran über die Scheidung genaue Vorschriften. Prinzessin M. setzte nun durch, daß sie nicht nur ihren alten Gatten verlassen durfte, sondern daß dieser auch ihr Heirathsgut herausgeben mußte, und die 20jährig, wunderhübsche Prinzessin bezog ein eigenes Palais. Sie war. wie wir sagen würden, ein emanoipirtes Frauenzimmer. Nicht nur fuhr sie spazieren mit zwei europäisch gekleideten Dienern, hatte eine französischeHofdame. sondern sie ging eines Tages, nur von einem Diener und der Hofdame begleitet, in ein französisches Restaurant, ließ sich dort Essen geben, wobei auch ein Glas Rothwein nicht fehlte. Mohammed hat den Wein nicht ausdrücklich verboten, sondern nur gesagt, daß es sündhaft sei, ihn zu trinken. Prinzessin M., die zweifelsohne den Koran kennt, denn jede egyötische Prinzessin wird außer in alle Zweige des europäischen Unterrichts auch in's Arabische eingeweiht, wurde diesmal in ihren civilisatorischen Gewohnheiten arg gestört, denn sie erhielt vom Khedive eine ernste Verwarnung und einen dreimonatlichen Hausarre'st. Eine cqyptische Prinzessin in einem eüropäischenRestaurant. das war doch noch nie dagewesen, da mußten sich ja die Gebeine Mohammeds in Medina im Grabe umdrehen. Aber es sollte noch besser kommen. Kaum hatten sich die internationalen Klatschbasen in Kairo, unterstützt darin von den Harcmszuträgerinnen, über diese Excentricität der Prinzessin M. etwas beruhigt, so ging das Gerücht, die Prinzessin sei mit ihrem Leibarzt zusammengezogen und lebe mit ihm wie Mann und Frau. Und nicht blos Gerücht war es. nein, es entsprach so sehr der Wahrheit, daß sie Beide noch heute zusammenwohnen. I fc l a n a s a !. Von großem Einflüsse auf die Verdaulichkeit der genonenen Speisen ist es. ob man rasch oder langsam ißt. Bei schnellem Essen wird die Nahrung meistens nur ungenügend zerkleinert und eingespeichelt. In Folge dessen werden die Speisen weniger rasch, auch weniger vollständig verdaut, so daß nach der Mahlzeit leicht Magenoeschwerden entstehen. Langsames Essen bedeutet in der Regel so viel als genügende Zerkleinerung und ausreichende Einspeichelung der Speisen. Iß langsam! ist darum annähernd gleichbedeutend mit der diätetischen Rnel: Kaue gut! Aber nicht blos durch das Kauen. sondern auch schon dadurch, daß wir die Speisen nur längere Zeit imMunde behalten, wird die Absonderung größerer Mengen von Speichel verursacht, die der Verdauung der betreffenden Nahrungsmittel zu Gute kommen. Was wir beim Essen an Zeit opfern, gewinnen wir hundertfach durch völlige Ausnützung der Speisen, durch Ersparung an Kraft und durch Gefundheitsfreudigkeit. Langsames Essen ist aber auch der bette Schutz vor dem Genusse zu heißer Nahrung. Werden Speisen von hoher Temperatur in den Mund gebracht, so kühlen sich dieselben hier bei ihrem längeren Aufenthalte so weit ab, daß sie den Magen nicht mehr durch zu große Wärme schädigen können. Langsames Essen ist insbesondere bei trockenen, mehlreichenNahrung-mit-teln (Brot, Kartoffeln) und bei breiigen und flüssigen Speisen nothwendig. Um dies für letztere Speiseformen zu erreichen, empfiehlt es sich, ein Stück Brot zuzuessen. Hierdurch werden namentlich die Kinder zu einem langsamen Essen gezwungen und vor dem hastigen, überaus schädlichen Verschlingen der Speisen bewahrt. Neue Krankheit. WaZ macht Deine Frau?- Su ist ixivJi seit einigen Tagen Doch nicht von Bedeutung?" Glaube kaum? tin neuer Hut oder dergleichen."

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