Indiana Tribüne, Volume 18, Number 12, Indianapolis, Marion County, 30 September 1894 — Page 6
?ic Vroszcn. Novelle: von ücrl Herold.
. Die letzten Walzertakte waren versflunaer, die Tänzerinnen schritten mit schwindelnden Sinnen, etwas dichter .eben den Herren alZ gewöhnlich.ihren Plätzen zu. Es war eine hohe Gestalt, die jetzt den sich tief verneigenden Herrn mit einem schnellen, kleinen Kopfnicken ent'lieft. Die junge Dame, Fräulein Magdalene Hartmann,blieb noch einen Augenblick stehen und strich mit der !.and über die Stirn. Und unter dieser schlanken Hand hervor, die über die suchenden Augen leichten Schatten warf, musterte sie den Saal mit seiner bunten, wogenden Gesellschaft. Es war viel da zu sehen, jede Berichterstatterin eines Modeblattes hätt: hier interessante Studien machen können; aber Fräulein Magdalen? wurde nicht befriedigt durch das, was sich ihren Blicken bot. Sie sank langsam auf ihren Stuhl zurück, drapirte mit der Fußspitze die kleine Schleppe ihres kostbaren gelblichen Spitzenkleides und entfalitte dann den Fächer, um sich vor einem indiskreten Augenpaar zu schützen. Wie dieser Mensch dazu' kam, sie so anzustarren! Ein ganz obskurer .Mensch zwar der Gesellschaft angefcoria, zwar aus guter Familie, aber vermögenslos! Von dieser Sorte gibt es so viele, und sie sind auch nicht zu verachten, wenn für irgend einen Tanz ein besserer Ersatz fehlt, aber weiter sollen sie nicht aufdringlich werden. Und Fräulein Magdalene, durch den Fächer vor den angstvoll fragenden Augen geschützt, sah weiter über die plaudernden, lachenden Menschen, und das schöne Gesicht wurde immer ernster. Er war nicht dabei. Auf ihrer Tanzkarte hatte er, obgleich, als' er die Tanzkarte forderte, noch der gröfzxt Theil der Tänze offen war, nur eine einzige Polka, in der Mitte des zweiten Theiles erst, angezeichnet, jedenfalls nur. weil er sich verpflichtet glaubte, mit ihr zu tanzen, und saß nun draußen beim Wein. Vielleicht sah er neben einem Fauteuil, in dem die blasse Dame lehnte, die gegen alle Wallgewohnheiten in schwarzem Samrocliostüm erschienen war, und die so stolz einige kühne Herren, die sie um Tänze gebeten hatten, abwies. In FräuleinMagdalenes Herz quoll es bitter auf. Es war eine Niederläge, die sie hier erlitt, die erste in ihicr triumphreichen Jugend. Sie war die einzige Tochter eines vielfachen Millionärs und hatte natürlich desfalb schon über den ganzen Schwärm der Verehrer zu verfügen, bei denen die Millionen allein, die Persönlichkeit der Dame gar nicht ins Gewicht fallen. Aber sie war auch schön,entschieden das feinste und lieblichste Gesichtchen in dem ganzen reichen Damenflor, den die Vrachträume des Union-Elubs beherbergten. und das konnte ihr nur neue Anbeter zuführen. Fräulein Magdalene war sich jedoch ibre? Schönheit und ihrer Millionen bewußt und entdeckte mit kritischem Auge auch die kleinsten Fehler eines jeden Einzelnen. Man hatte ihr so lange eingeredet, daß ein mittelloser oder wenig bemittelter Mann sich nur ihres Vermögens wegen um sie betreibe, das; sie ganz fest davon überz;eugt wurde, und die jungen Herren der baute finance, nun, die gefielen ihr erst recht nicht.. Sie hatte einen cmnz ernsthafter Verehrer darunter, aber er war so entsetzlich fade sie konnte sich nicht entschließen. Dann kam plötzlich Varon Konrad von Wildenbrand. und das Herz der jungen Dame schlug ihm zu. Er war ein Mann von imponirendem Aeußeren, und man erzählte sich Wunderdinge von seinem Reichthum. Wenn sie den t'ätte erobern können! Aber es gelang ihr nicht. Anfangs ließ er sie ganz unbeachtet, dann wußte sie eines Tas,es es so einzurichten, daß er sich in einer kleineren Gesellschaft der UnterHaltung mit ihr nicht entziehen konnte, und seitdem hatte er auch den üblichen Vflichttanz bei allen Festlichkeiten eingehalten. Fräulein Magdalene klappte den Fächer zu. denn sie sah den obskuren Menschen. Herrn Eberbard Gerung, durch den Saal gehen und im Theezimmer verschwinden. Und dann kam ihr der Gedanke, doch auch einmal die Nebenräume zu durchschreiten. Gewiß, es war heiß im Saale, und die grelle Beleuchtung in dem hellen, sehr stark mit Gold dekorirten Raume that den Augen weh, vielleicht begegnete sie draußen auch Herrn von Wildenbrand. Eberbard Gerung war durch das Theezimmer geschritten. Dort saßen auf dem rothsammetnen kleinen EtabZissement der einen Ecke, in welcher eine Palmengruppe der glänzenden Marmorbüste des Kaisers als wirkungsvoller Hintergrund diente, einige ältere Damen und tauschten ihre Beobachiungen unter der heirathsfähigen Welt des Clubs aus. Er schreitet durch ein anderes Zimmer, in welchem flott gespielt wird. Die Luft ist durch den Rauch aller Sorten feiner Cigarren verdorben, den Eintretenden befallt ein leichtes Hüsteln in diesem blauen Qualm. Dann schließt sich eine weitere Thür hinter ihm, und er athmet erleichtert auf. Er steht im Wintergarten, eine angenehme Temperatur umsängt ihn, und das grüne Gewirr der Palmen und Dracaenen nickt ihm so anheimelnd zu. Er läßt sich auf die nächste Bank fallen, und eine mächtige Musa schützt ihn mit ihren breiten Blättern vor dem Licht. Da hört er reden. Auf der anderen Seite der Pflanzengruppe sitzen eine Dame und ein Herr. Es ist Konrad von Wildenbrand und die
Comtesse Rittinger. Das schone blasse Gesicht der Comtesse sticht seltsam von dem schwarzen Sammetgewand ab in dem unsicheren Licht des Wintergartens. Lieber Freund und Vetter." sagt sie mit zitternder Stimme zu Konrad, ich danke Ihnen von gcuizem Herzen für die guten Worte, die Sie mir gesagt haben, aber ich kann Ihre Werbung nicht annehmen!" Und weshalb nicht. Konstanze? Lieben Sie einen Anderen?" Die Comtesse zuckt mit den Schultern. Ja, kennen Sie den kurzen Roman nicht, den ich durchlebte, oder wollen Sie ihn von mir selbst erzählt haben?" Konrad beugt sich nieder und küßt ihre Hand. Ich weiß, Comteß. daß Prinz Bernhard sich für Sie interessirte, ich weiß, daß königliche Hoheit ihn deshalb in den Orient geschickt haben. und daß Sie Ihres Amtes als Hofdame der Prinzessin Amalie in Gnaden enthoben wurden! Was soll aber mich das kümmern?" Prinz Bernhard wird sich nach seiner Rückkehr verloben!" sagte sie leise, ich weiß es. Und Sie meinen, es sei qut für mich, dasselbe zu thun! Viel leicht ist es das Rechte! Aber. Konrad, ich habe ihn geliebt. Darf ich Ihnen die Brosamen der Liebe, die mein armes Herz noch hat, geben?" Konrad ist aufgesprungen und steht auf das zitternde Weib nieder. In seiner Brust arbeitet es mächtig. Ach, die Großen!" stößt er zwischen den Zähnen hervor, die Großen! Alles nehmen sie uns!" Dann sinkt er auf seinen Platz zurück, und die Stimme ist seltsam hart und rauh, als er wieder sagt: Sie waren offen, Comteß, auch ich will es sein. Sie haben geliebt, auch ich, Sie hatten das wohl von einem Manne von vierunddreißig Iahren auch nicht anders erwartet! Brosamen gegen Brosamen!" Die Comteß führt ihr Spitzentuch an die Augen und trocknet die quellen den Thränen. Es ist ganz still im
Wintergarten nur irqendwo aluckt das Wasser aus einem Blumentopf in den Untersatz. Soll ich mich noch mehr demüfiji gen?" fragt Wildenbrand bebend. Nein, mein Freund! Es ist ein ehrlicher Handel, wie es sich sür uns ziemt! Konrad zieht sie an sich, und sie verbirgt ihre überquellenden Augen an leiner Brust. Eberhard Geruna hat still hinter der Musa gesessen. Er sieht die Beiden nicht, nur manchmal flattern einzelne ihrer Worte zusammenhanglos eruder zu ihm. Sie kommen nun Beide näher Arm in Arm und schreiien der Thür zu. Da öffnet sich diese, und Magdalene Hartmann tritt ein. Sie nimmt ihre Schleppe auf, und der weiße Atlas des Unterkleides knistert bei jedem Schritt. Sie steht ganz plötzlich.überrascht vor den beiden dunkeln aristokratischen Gestalten, und ihr Blick hebt sich fragend zu Konrads Gesicht empor. Aber er bemerkt eS nicht, mit leichter Verbeugung schreitet er an ihr vorüber. Sie steht einen Augenblick betrossen still. Sie sieht, wie vor der Thür Konrad sich schnell niederbeugt und die Stirn der Comtesse kußt. Und Fräulein Magdalene wendet sich um, ihre Hände krümmen sich in einander, und sie möchte schreien vor Schmerz. Aber es kommt nur ein leises Murmeln von ihren Lippen: Die Großen, die Großen! Wie hochmüthig sie auf uns herabschauen! Alles nehmen sie uns!" . Und Fräulein Magdalene schreitet hastig weiter um die nächste Palmengrup'pe und steht vor Eberhard Gerung. Er springt von der Bank auf, streckt ihr die Hände entgegen, und ein glückliches Lächeln fliegt über sein Gesicht. Magdalene," stammelt er, Fräulein Magdalene!" Sie schaut ihn mit einem bösenVlick an. Was wollen Sie eigentlich!" Nagt jie yerd. Bei ihrem unfreundlichen Ton bleibt er einen Augenblick stumm.dann fragt er leise: Das fragen Sie noch! Und müßten es doch wissen, sollten es aus jedem Blick, jedem Wort errathen haben." Ich finde das Räthsellösen langweilig," sagte sie kühl. Sie müssen sich damit an Andere wenden!" Und sie geht weiter, aufgeregt, mit zuckenden Lippen. Sie fühlt nur. daß sie, die Gefeierte, von einem Manne, den sie zu lieben glaubt, verschmäht wor-. den ist, und es ist ihr ein Bedürfniß gewesen. Jemandem weh zu thun. Eberhard Gerung verläßt den Winterqarten und geht durch den Rauch des Spielzimmers hinüber nach dem Theesalon, wo die beiden Mütter noch immer Liebespolitik machen. Dort begegnet ihm Ernst Emil Vetterlein, der ernsthafteVerehrer Fräulein Mag dalenes. Er läßt das Monocle aus dem Auge fallen und ruft Gerung an: Sagen Sie mal, haben Sie Fräulein Hartmann nicht gesehen? Ich habe die jetzige Francaise von ihr, kann sie aber Nirgends finden. Eberhard weist ihn hin zu dem Wintergarten, und der junge Bankier stürmt davon. Er hat an diesem Tage mit seinem Papa eine sehr ernsthaste Unterredung gehabt, die ihm nicht gefallen hat. Nach den bedeutenden Verlusten.die wir in letzter Zeit hatten," erklärte der Vater dem Sohne, befinden wir uns jetzt in einer sehr schwierigen Lage! Mir scheint. Dir ist das noch nicht aufgefallen?" Der junge Herr schüttelte mit dem Kopfe. Es war ihm nicht aufgefallen, er hatte zu wenig Interesse für das Geschäft. Wir müssen einen Coup ausfuyren: .Ich bin. damit einverstanden,- er-
widerte der apathisch: Sohn. Ein: Spekulation an der Börse?" Der Vater hatte gelacht. Diesmal nicht, augenblicklich ist nur Gelegenheit zum Verspekuliren; wir haben dieselbe in letzter Zeit zu häusig benutzt. Nein, Du mußt heirathen! Fräulein Magdalene Hartmann." Herr Emil Vetterlein hatte sich einen Augenblick besonnen. Dann sagte er: 'Ja, das geht. Bevorzugt habe ich sie stets." Suche Dich heute Abend zu erklären! Das Aussenden der Karten allein befestigt unsernCredit wieder vollständig." Und nun suchte Herr Emil Vetterlein die Auserwählte. Er fand sie im Wintergarten auf einer versteckten Bank, zurückgelehnt, das Taschentuch vor das Gesicht gepreßt. Und er läßt sich dort neben ihr nieder und beginnt eine Unterhaltung, die nur er führt. Vom Subskriptionsball kommt er auf den Cirkus Renz und von diesem auf die nächsten Frühjahrsrennen zu sprechen. Dann fällt ihm plötzlich die Francaise ein, und er führt Magdalene zurück in den Saal. Sie kommen zu spät. Der Tanz hat bereits begonnen. Sie sitzen nun allein an der einen Seite des Saales und schauen in die lächelnde, knirende, kokettirende Menge hinein. Magdalene versteht nicht, was er spricht. An ihrem Ohr klingt etwas vorüber von Liebe, in ihrem Herzen ist etwas, was aufschreit, sich windet und bäumt. Und sie fährt plötzlich auf.als Herr Emil Vetterlein ihre Hand ergreift, und mit einem wehen Lächeln sagt sie: Kommen Sie morgen, ich werde Papa darauf vorbereiten!" Das Fest rauscht weiter und weiter. Gegen Morgen erst verstummen die fröhlichen Tanzweisen, und die dicht verhüllten Damen huschen hinaus, um in die vorfahrenden Wagen zu springen. Eberhard Gerung steht fertig zum Aufbruch im Vestibül. Da kommt Magdalene an ihm vorüber, und Herr Emil Vetterlein begleitet sie an den
Wagen. Sie steigt schnell ein, dankt mit einem kurzen Kopfnicken und will die Hand, die er noch hält, zurückziehen. Aöer er ist damit nicht einverstanden. Er muß doch zeigen, und wenn er auch nicht gerade viele Zuschauer hat, daß das heutige Fest des UnionClubs nicht umsonst gewesen ist, er küßt die kleine Hand. Im Vestibül stecken zwei Herren die Köpfe zusammen; sie werden sich bereits klar darüber, daß dieser Kuß einen äußerst wohlthätigen Einfluß auf die schwierige financielle Lage der Firma Vetterlein und Sohn ausüben müsse. Gerung schreitet schnell hinaus in die Winternacht. Er weiß nun, daß es für ihn keine Hoffnung mehr gibt. Ach. die Großen, die Großen!" sagt er leise, und seine Pulse fliegen. Was ist's für ein Leben! Sich verschenken, verhandeln und einzig um den schnoden Mammon!" Er fühlt die schneidende Winterluft nicht; wie glühend Blei geht es durch seine Adern. Eine kleine Strecke geht er die Straße entlang, dann bleibt er stehen und starrt dem Wagen nach, der an ihm vorllberrollt. Er hat etwas Helles darin blinken sehen, ein blasses Gesicht, das ihm für immer verloren ist. Auf der Straße daher, schnellen Schrittes, sind zwei Leute gekommen, ein Mann in vertragnem alten Ueberzieher und an seiner Seite ein junges Weib. Sie hält in der einen Hand eine Blechkanne, gibt sie nun dem Mann herüber und sagt: Trag Du, mich friert an den Fingern. Und ich darf nicht mit steifen Händen an die Arbeit kommen." Er nimmt ihr das Gefäß ab. Was ist denn das?" fragt er und deutet auf die glänzende Fensterreihe des Union-Clubs. Ach. ein Gesellschaftshaus; da sind aber nur die ganz Großen drin, die ganz Großen!" Und die Frau schaut neugierig zurück, nach den flimmernden Lichtern. Diese Nacht war Ball da. da wird's hoch hergegangen sein! Aber jetzt gieb mir Deinen Arm. wir wollen uns auch mal so führen wie die Grof'.en!" Und sie drängt sich dicht an ihn heran, und sie lachen Beide. Laß mich los!" sagt der Mann. . Weshalb soll ich's nicht auch mal so gut haben wie die feinen Damen!" Das paßt sich nicht für uns!" Ja. was paßt sich denn sonst?" fragt sie heiter.' Er nimmt sie plötzlich beim Kopf und giebt ihr einen schallenden Kuß. Das paßt sich, und, nun schnell, daß wir nicht zu spät kommen." Sie eilen dahin, und im Vorüberyehen stößt der Mann an Eberhard Gerung. Er wendet sich halb um. und mit einem Nicken sagt er zu seiner Frau: Die Großen! Die Großen! Wir müssen schon an die Arbeit, und die kommen iefct erst aus Lust und Jubel zum Schlafen!" Und die Beiden eilen schnell weiter, die Straße hinaus. Aber mit lang kamen Schritten schleicht er nach seinem einsamen Heim, wo nicht Schlaf, nicht Ruhe seiner warten. Eine Patriotin. Elsa (zu ihrer Freundin): Aber. Jda, Du wirst doch einem Lieutenant nicht einen Korb geben?! Das muß Dir schon Dein Patriotismus verbieten!" Der wird gut! Der kleine Karl (triumphirend): Papa, Eduard hat heute das erste Wort gesprochen." Vater: So! Was hat er denn ge sagt?" Karl: 'Naus! hat er gesagt, als der Schuster mit derRechnung hier war!"
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Erwird gehängt.' Eine Episode aus dem Leben im fernen Westen. Während meines Ausenthaltes im fernen Weiten machte ich die Bekannt schaft einer der besten Jäger, d mir je aus meinen Reisen begegneten. Es war ein Mann, welcher sich wenig um moralische Verpflichtungen kümmert?, aber als Freund der Wahrheit einige schätzensttrthc Eigenschaften besaß. Er nahm die Ding: und die Menschen wie sie waren, ohne darüber viel Gedanken zu verlieren. Duldsamkeit war eine seiner Tugenden. Es verursachte ihm keinerlei Gewissensbisse, daß er in seinem Leben schon vom professionellen Spiele gelebt hatte, schon ein Desperado war oder als LandstraßenAgent" den Postwagen aufgehalten hatte. Auf der anderen Seite verübclie er es Niemandem, wenn man innerhalb der Grenzen des Erlaubten blieb, und zur Zeit, als ich ihn kennen lernte, war er ein behäbiger Bürger geworden, welcher die bestehendeOrönung der Ding: beschützte. Nur bei seltenen Gelegenheiten er zählte der Jäger Geschichten aus seiner Vergangenheit, da er aber, wie alle echten Jäger, ein gutes Erzählertalent besaß, so lauschte man seinen Worten mit großer Aufmerksamkeit. Eines Tages begaben wir uns auf die Värenjagd und nahmen, nachdem wir dem gesuchten Meister Braun das Fell über die Ohren gezogen hatten, ein Bad im See. Ich bemerkte, daß er an einem seiner Füße eine Schmarre hatte, und frug ihn, wie er zu derselben aekommen sei. Er sagte mit Gleichqiltigkeit: Ach so, da hat mich ein Mann mit seinem Revolver zum Tanzen gezwun gen. Mehr ist nicht daran." Natürlich wollte ich von ihm die Ge schichte hören. Er fuhr fort: EZ war zur Zeit, als ich in New Mexiko eine Wirthschaft betrieb. Damals kannte ich einen Mann Namens Fow ler, auf dessen Gefangennahme $3000 ausgesetzt waren.
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.Herr Mayor, ich werde den Fowler erschießen." Bom Staate aus?" frug ich. Nein, von seiner Frau, welche eine Spielhölle betrieb und welcher er davongelaufen war. Fahren Sie fort," antwortete ich. etwas erstaunt über die Art und Welse, wie die Frauen in New Meziko ihre Manner suchen lassen. Der Jager erzahlte weiter: Eines Tages kamen zwei Männer zu mir, um zwei neue Gewehre zu borgen, welche ich erst neuerdings erhalten hatte. Es waren die einzigen Gewehre ihrer Art in der Stadt. Die Männer wollien die Gewehre, um Fowler damit zu tödten." Nur langsam, sagte ich. Meine Gewehre könnt Ihr bekommen, aber zu Welchem Zwecke brauch ich nicht zu wissen, sonst wird nichts daraus. Ich war nicht wenig überrascht, als ich am nächsten Tage Fowler mit mtu nen Gewehren daherreiten sah. Simp son, sagte er, hier sind Deine Gewehre. Die beiden Männer hatte er erschossen. Fowler, sagte ich, wenn ich gewußt hätte, was die beiden Gesellen im Schilde führten, hätte ich ihnen meine Gewehre nicht gegeben. Das war natürlich nicht wahr, aber er brauchte es ja nicht zu wissen. Gleich darauf wurde Fowler wegen der Geschichte verhaftet und dem Türken vorgeführt. Dem Türken, was meinen Sie damit?" frug ich. Der Friedensrichter war ein Türke aus der Türkei. Er überwies Fowler den Geschworenen. Fowler war indessen ein spaßiger Kerl. Als er das Sprüchlein vernahm, stürzte er sich auf den Türken, schlug ihn zu Boden und stampfte so lange auf ihm herum, bis derselbe ihn freisprach. I ch war zum Tanzen ge. nöthigte Das war scbon mehr Berufung an ein höheres Gesetz," bemerkte ich lackend. Simpson fuhr fort: Der Türl' befürcktete. bah er von owler noch er. sckossen werde, und so kam er in meine Wirthschaft und bot mir $25 per Tag an. wenn ich ihn vor Fowler beschützen wzlle. 5lck beaab mich zu Letzterem und sagte: Fowler, der Türk hat mir $25 ver Tag angeboten, wenn ich ihn vor Dir beschützte, mi diesen Preis lasse ich mich nicht erschießen, wenn Du daber dem Türken das Lebenslicht ausblasen willst, dann sag es frei heraus, und taue es. Wenn nicht, so sehe ich keinen Grund, warum ich die $25 per Tag nicht verdienen soll.
Es fällt mir nicht ein, den' Türken
umzubringen, Du kannst ihn ruhig beschützen," sagte Fowler. Er schlug den Türken zu Boden." Ich beschützte also den Türken ungefahr eine Woche lang und erhielt $25 per Tag. Als ich aber eines Abends ausging, begegnete ich Fowler, der, wie ich sofort sah, rn schlechter Laune war. Ohne ein Wort zu sagen, zog er seinen Revolver und sing an, nach meinen Füßen zu feuern, so daß ich zum Tanzen genöthigt war. Ich hatte keine Waffe bei mir. Als Fowler von mir abließ. begab ich mich nach Hause und holte meinen Revolver. Um nicht gegen das Gesetz zu handeln, begab ich mich zum Mayor und sagte: Herr Mayor, ich werde den Fowler erschießen. Der Mayor erhob sich aus seinem weiten Stuhle und antwortete: Ich bin auf Deiner Seite. Der Richter, welcher eben eintrat, fügte hinzu: Ich werde Bürgschaft für Dich stellen. Unter diesen Versicherungen machte ich mich mit ruhigem Gewissen auf die Suche nach Fowler. Letzterer war aber inzwischen verhaftet worden, weil er einen anderen Bürger schwer beleidigt hatte und saß :m Gefängniß. Die freunde des Gesetzes und der Ordnung befürchteten ein wenig, daß ihr Eifer für die Aufrechterhaltung des Gesetzes erkalten möge, wenn man mit Fowler nicht sofort abrechne. Sie nahmen den Mann daher aus dem Gefängniß, um ihn an dem Aste eines nahen Baumes aufzuhängen. Unter den Anwesenden befand sich der Mayor, der Rtchier und der Türke. Letzterer hatte Fowler die Hiebe noch nicht vergessen, wekrt ihm dieser ausgetheilt hatte. .Er warf ihm einen Handk u ß zu." Der Türk' " endete Simpson seine Geschichte, war doch ein komischer Kauz. Als die Freunde Fowler eben in die Höhe zogen, sagte er: Einen Augenblick, meine Jungens. Herr Fowler, adje! und er warf ihm einen Handkuß zu. Militärische Anerkennung. Alle Wetter, ist das eine schneidige Erscheinung, die reinste Jungfrau von Orleans in Civil!" Der Herr Buchhalter Meyer hat sich eines Morgens verspätet und betritt statt um 7 Uhr erst 7.10 Minuten das Comtoir. Aber, Herr Meyer," ruft ihm der Chef entgegen, wo in aller Welt sind Sie denn den ganzen Vormittag herumgebummelt?" Ein gemeiner Streich. May: Nun. Elise. wie gefällt Dir Dein Gatte?" Elise: Er ist ein Schurke." May: Das fm alle Männer; aber was hat er denn gethan?" Elise: Du weißt, er war em Wittwer, als .ich ihn heirathete. Well, ich habe ausgefunden, daß alle seine Liebesbriefe an mich einfach Wort für Wort von denen abgeschrieben waren, welche er einst, als er verlobt war, an seine nachherige erste Frau ge5rieb:n hat." Mayy: Laß' Dich das nicht kümmern. Er wird Dir nie wieder welche schreiben."
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Im Zicichc der Mode. Es dürfte unsere Leserinnen gewiß interessiren, schon jetzt einige Andcutungen über die Pelzmoden des kommenden Winters zu erhalten. Bei der Soiree eines Pariser Diplomaten erschienen jüngst (inParis kommt auch im Herbst und Frühjahr der Pelz zur Geltung, besonders bei großen Empfängen) in einer schwülen Sommernacht einige Damen in duftigen, leichten, aber pclzbesetzten Toiletten, ganz im Gegensatze zur früheren Mode. Und die neue Mode kleidet Damen von Wuchs und Fülle auch gar nicht übel. Die Toiletten sind tief ausgeschnitten und der Pelzbesatz besteht aus einer Reihe einzelner gleicher Bestandtheile, entweder aus lauter Köpfchen oder aus lauter Krallen, aus Schweifchen oder ganzen Pfoten, und namentlich die letzleren werden zum Zusammenhalten der troussirten Falten verwendet. Aber auch ganze Thiere findet man als Pelzbesatz auf decolleiirten Toiletten. So erregte eine etwas excentrische Modedame vor einiger Zeit nicht gering: Sensation, als sie in einer weißen, duftigen, über und über mit ganzen weißen Mäuschen verbrämten Toilette erschien. Ja, man sicht kleine Zobelund Hermclinköpfe auch auf Mänteln an Stelle der Knöpfe. Der untere Rand dieser Mäntel oder Jacken ist mit einzelnen Jltisschweifchen, die sich zu Fransen aneinanderreihen, reich besetzt. Das Neueste jedoch, was uns die Mode hier bringt, sind pelzbesetzte Unterröcke. Ja wohl, Unterröcke! Denn das ist das Geheimniß der jüngstenPariser Mode, daß der Pelzbesatz vom Kleidersaum auf den Unterrock gewandert ist. Die echte Pariserin irägt soi gar pelzbesetzte Seidenwäsche, die ' Farben immer kontrastirend und dem Teint angepaßt. Man sieht von der Achsel schräg bis zum Gürtel em ganzes Thier kriechen, einen Marder, einen wohlriechenden Iltis oder ein Hermelin, oder man gibt auch so ein Thierchen um dasAermelloch, oder man trägt es auf den Hüten; Freilich muß dann aber die Größe des Thieres derjenigen des Hutes entsprechen. Eine solche Toilette kleidet aber nur große, juno Nische Gestalten. Natürlich ist diese Mode, ihrer besonderen Kostspieligkeit wegen, nur für die oberen Zehntausend und Jene, die so glücklich sind, nach dem Preise nicht fragen zu müssen. Von diesen Excentricitäten uns abwendend, machen wir die Leserinnen mit einigen anderen Schöpfungen der Mode bekannt. H e r b st p a l e t o t. In der ersten Illustration ist ein eleganier Herbstpaletoi mit Zackenkragen und Stickerei veranschaulicht. Derselbe kann aus allen Stössen hergestellt werden ; er ist mit gemusterten Stickereiborden geziert und mu einem sepa rat anzulegenden kurzen Achselkragen versehen, dessen Rand vx Thurmzaaen ausgeschnitten und mit Stickerei geziert ist. Dem Achselkragen ist der kleine Umlegetheil angesetzt, dessenRand Zierstichumrahmung hat. Die Rückenund Seiientheile des Paletots sind am Schoßtheile glockig geschnitten, d. h. sie formen durch starke Abschragung an allen ihren Seiten Dütenfalten. Die Vorderbahnen sind spitz gestaltet, schlieben mit Haken und erscheinen wie die Aecmelstulpen mit Borden kaniirt. Die Bauschärmel erfordern weite, gerade Theile, die beim Ansätze an das Armloch zu reihen sind. Besuchs- oder Empfangskleid. Ein sehr elegantes Besuchs- oder Empfangskleid mit Pattentaille für ältere Damen stellt die zweite Abbildung dar. Die Toilette ist in bräun-lich-grünem. gemusterten Taffet gedacht, kann jedoch auch in Wollengeweben ausgeführt und dann zu Promenadezwecken benützt werden. Der Rock, vier bis fünf Yards weit, erscheint aus Keilzwickeln zusammengestellt, die un-
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ten in Stoffbreite gelassen und nach
oben hin entsprechend verschmälert werden. Die Grone der abzuschrägenden Zwickel richtet sich nach der Hüftenund Taillenweite. Etwa sechs Zoll vom Taillenschlusse nach abwärts gemessen, muß die Weite des Rockes, b:vor seine Rückenbahnen gereiht werden, die Hüftenweite um acht bis 10 Zoll übersteigen. Der Rock ist mit Seidenstoff zu füttern und mit einer etwa bis zu seiner halben Höhe reichenden Mousseline-Einlage zu versehen. Seinen Rand umgibt ein aus Sammiband und drei gereihten Köpfchen bestehender Aufputz. Dem breiten Bande ist oben und unten ein Kopfchen scheinbar untersetzt. das aber in Wirklichkeit an den Rock zu befestigen ist. In der Mitte des Bandes erscheint ein ziopschen, dessen beide Kanien in der Mitte mit der Zugreihe zusammengefaßt sind. Die Taille hat doppelte Vordertheile, deren untere vollkommen anpassend gestaltet sind und mit Haken schließen. Sie reichen etwa sechs bis acht Zoll unierhalb des Schlusses und fügen sich mit den oberen, losen zugleich in die Seitennähte. Die Rücken- und runden Seitentheile sind am Schoßtheile stark gezwickelt, so daß sie in Dütenfalten auffallen und können nach Belieben in der Mitte geschlitzt sein oder nicht. Die Seitennaht wird fast bis zum Schlüsse geöffnet; der Stoff ist sowohl an Vorder- wie an Seitentheilen wegzubiegen, so daß der Rock sichtbar wird. Die Begrenzung der Jackentaille bildet eine gemusterte Sammtborde, die auch den hellen Seidensioffkragen kantirt. Den Halsrand umgibt ein getheilter, steif gefütterter Kragen, dessen übertretendes Ende mit Haken oder einer Ziernadel sich anschließt: es können die anpassenden Vordertheile auch übertretend gestaltet sein. Die Aermel sind aus geraden Stoffbahnen hergestellt und unterhalb der Stulpe in Säum: genäht. Kleid aus Wollkrepp. Recht elegant erscheint das Kleid aus kupferfarbenem Wollenkrepp, letzte Abbildung. das aus Rock und Jäckchen besteht und durch eine Bluse aus roth und blau changeant Seidenstoff vervollständ'lgt wird. Der Rock ist mit schwarzen, drei Viertel Zoll breiten Atlasbändern garnirt. die sich auf den Seitentheilen des Rockes befinden, welche mit etwa 1 1-2 Zoll breiten Säumen ein glattes Deöant einschlietzen. Die Bandgarnitur ist dem hinten in doppelte Quetschfalten arrangirten Rock in diagonalen Linien aufgcsetzt, die immer in zwei Reihen dicht nebeneinander laufen und an ihrem unteren, beziehungsweise vorderen Rande in kokardenartig gefalteten Bandrosetten enden. Das offene Jäckchen ist übereinstimmend mit dem Rock mit Bändern benäht, die hinten in der Mitte eine aufsteigende Spitze bilden und vorn mit gefalteten Bandrosetten enden. Der Jacke ist ein hinten breiter, eckiger, vorn Ausschläge bildender Kragen aufgenäht, der hinten zugleich einen breiten Stehkragen ersetzt. Die sehr weiten Keulenärmel sind an ihrem unteren Theile dreimal mit je zwei, ebenfalls aufsteigende Spitzen bildenden Bändern besetzt. Recht elegant ist die Bluse, die von einem schmalen, mit schwarzer Soutache ausgenähten Sattel herabfällt und durch einen Gürtel aus schwarzem Atlasband zusammengehalten wird, den zu beiden Seiten je eine Rosette ziert. Die Bluse ist mit breitem Steh-Umlege!rag:n gear beitet und auf den Acrmeln mit sehr großen Puffen versehen. Unser Kleinster. Seht den dicken Schelm, da steht er. Unser kleiner Strampelpeter, Dicke Aermchen. Dicke Beine, Runde Bäckchen hat der Kleine. Möchte schon ein Großer sein. Und kann geh.'n kaum allein. Leiner dicker Ans au mit." Sagt er stolz bei jedem Schritt. An' der Mutter Schürzenend: Trippelt er ihr nach bchnde, Immer ein. Immer aus Durch das ganze große Haus, Speisekammer, Küche. Keller, Ja. bis in den Hühnerstall, Ueberall, überall. Gut parirt. Sie: Nicht wahr, lieber Richard, dieses Jahr kaufst Du mir zum Geburtstag ein seidenes Kleid?" Er: Hm.. Sag' einmal, Schätzchen, für wen schmückst Du Dich denn eigentlich?" Sie: Wie Du nur fragen kannst! ?atürlich für Dich!" Er: So, nun da werde, ich Dir wieder ein einfache Wollkleid kaufen! In einem solchen ge fällst Du mir entschieden am allttbe-sten!-
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