Indiana Tribüne, Volume 18, Number 5, Indianapolis, Marion County, 23 September 1894 — Page 3

et Erapie öes EeGens. Vornan von ZZ. Zttedek'Ayrens. (7. Fortsetzung.) Regine strahlte förmlich, als Daniela schließlich mm Vertheilen der eingesammelten Pfänder bestimmt wurde. Was soll der thun, dem dieses Pfand gehört?" fragte sie. einen Gegcnstand in der verschlossenen Hand hochhaltend, ihr Blick traf unwillkürlich Negine und nun wußte diese, daß es sich um ihren Ring handelte. Allen hier Anwesenden einen Kuß 'geben!" rief sie voll sprudelnden Uebermuths, die Wangen hochgerötc. Nach diesem war Frau von Hasselbach gezwungen anzusehen, wie Regine. einen nach dem andern, die jungen Leute lüßte und zuletzt wirklich und wahr-hastig-auch den widerwärtigen Pro- ' fcen, den Kommis! Und sie beeilte sich dabei nicht einmal. Empörend, unglaublich! Der Boden begann ihr unter den Füßen zu brennen, sie hatte nur noch einen Gedanken: fort, fort, Regine der Gegenwart dieses Menschen entziehen! Als aber Leopold die feuchten, schwellenden Lippen des Mädchens viel heiße? und nachdrücklicher als nöthig war, auf den seine fühlte, da wußte er, daß sie ihm zu eigen gegeben, und dieser verlangende Kuß nur der erste von vielen nachfolgenden war. Valeska bebte vor verhaltenerWuth; kurz vor elf vermochte sie nicht, sich länger zu beherrschen und brach zum Leidwesen Neginens. nach deren Meinung es erst jetzt recht interessant zu werden begann, auf; als man in der Halle die Sachen nahm, konnte sie nicht umhin, ihrem rasenden Arger durck, eine giftige Bemerkung, dieLeopold treffen sollte. Luft zu machen. Mein Gott," äußerte sie, das orangefarbene Kopftuch unter das Kinn befestigend, sollte es nicht gefährlich sein, sich noch um diese Zeit hinaus zu wagen? Es fanden heute Morgen Zusammenrottungen statt, der Pöbel ist ja außer Rand und Band! Man muß in der That Angst bekommen, von dem mörderischen republikanischen Gesindel belästigt oder gar massakrirt zu werden." Befürchten Sie gar nichts, gnädige Frau," bemerkte Leopold, ironisch lächelnd. Dieses republikanische Gesindel besteht einfach aus Leuten, die nichts bezweckten, als die Erhebung des Landes zur Republik und die Abschiebung der veraltcten Monarchie in der Gestalt des kranken Kaisers und der Seinen; es floß kein Tropfen Blut! Denn auch zwischen diesem verworfenen Pöbel

gibt es, gleichwie in den Kreisen des sogenannten Adels, anständige Mensehen, die eine Dame niemals belästigen würden und etwas anderes betreiben, als Raub, Diebstahl oder Betrug im Großen." Der Hieb war fast zu derbe. Valeska wollte antworten, aber es würgte ihr in der Kehle, und sie beschloß, mit schweigender Verachtung zu strafen; Konstanze hingegen, welche die Worte gehört, warf ihrem Bruder einen vorwurfsvollen Blick zu, den er nicht beachtete. Leopold hatte sich im Lause des Abends so heftig von der fatalen Person, der Hassclbach, angegriffen geseben, daß er ihr ein für allemal zeigen mußte, wie gering er von dem dachte, worauf sie so hochmüthig und verachiend pochte. Endlich war der allgemeine Abschied vorüber und sie saß im Wagen des Oberst neben Regine, die sich stumm in die Ecke drückte, um zu träumen. Ich bitte Dich um Alles in der Welt," begann sie, indem jeder Nerv in ihr vor Zorn und Entrüstung bebte, was ist denn eigentlich in Dich gefahren. Du hast Dich ja unverantwortlich benommen heute! Jeder, der nicht geradezu blind ist, mußte bemerken, daß Du den Kommis, den Rombcck in einer Weise auszeichnetest, die förmlich etwas herausforderndes, ja, aufdringliches an sich hatte! Ich dabe mich für Dich geschämt, es waren fürchterliche Stunden, die ich da üm Deinetwillen erleben mußte." Gott, Mama," kam es sehr gelassen aus der anderen Wagenecke, mache nur nicüt gleich solch schreckliche Gefeiere! Beruhige Dich nur; ich habe lzeute die Ueberzeugung gewonnen, daß Romano sich gar nichts aus mir macht, er heiratht weder mich noch Daniela, sondern Kamilla Rombeck, das steht fest; laß ihn doch was kann man machen, wenn er mich nicht will?" Du lügst!" rief Valeska, in ihrer heftigen Aufregung jede Rücksicht bei Seite labend, ich habe es genau gesehen, anfangs unterhielt er sich vorzugsweise mit Dir, Ihr wäret im alkrbesten Gange bis zu dem Momente, da jener Mensch erschien. Was hast Du nur an dem, wie ist es möglich, daß eine junge Dame von Deiner Erziehung und Deinen Ansprüchen Geschmack an so einem pfenniglosen Federfuchser finden konnte!?" SÄreie doch nicht so furchtbar, Mana!" sagte Regme, sich die Ohren zuhaltend. Romano unterhielt sich nur deshalb anscheinend so eifrig mit mir, weil ich ihn förmlich an den Haaren herbeizog; ich that mein äußerstes, ihn zu kapern, bis ich sah, daß er zum Anbeißen keine Lust verspürte, glaube rrx, ihm liegt nichts ferner. Was ubrigens Leopold Rombeck anbetrifft, so brauchst Du Dich deswegen nicht zu beunruhigen, es wäre ja Blödsinn von mir, an eine Heirath mit ihm zu d?Nlcn. da er weder Vermögen noch ausreichende Stellung besitzt; er ist eben ein unterhaltender Gesellschafter, ich habe mich köstlich mit ihm amüfirt und dazu ist er gut genug." Wie schon oft. belog Regine durch diese Erklärung ihre Mutter mit einer l'emerkenswerthen Geschicklichkeit; denn

innerlich verhehlte sie sich keineswegs, daß Leopold einen unauslöschlichen Eindruck hervorgebracht. Regine. die in ihren heimlichen Träumen bereits unzählige Male den Augenblick herbeigesehnt, wo der Rechte" erscheinen würde, war schon an diesem Abend überzeugt, daß sie zum ersten Male liebte, und zwar mit jener zügellosen Gluth, deren unreines Feuer nur allzu oft in seinem Jturmesfluge die Schranken der Sitte überschreitet. Valeska aber war zum zweiten Male vor ihrer Tochter verstummt; die zehn Monate des Aufenthaltes in der Pension hatten einen fremden Geist der Nichtc.chtung und Hinwegsetzung über den Anstand in Regine gezeitigt, vor dem sie sich entsetzte. Das Kind besaß ja eine Reife der Anschauungen, eine Zuversicht angesichts der heikelsten Dinge, die an Schamlosigkeit streifte! Ich will Dir etwas sagen, Regine, Du darfst mir nicht wieder zu Madame Renard zurück; ich sehe voll Entsetzen, daß Du dort Anschauungen geWonnen und Dir einen Ton angceignet hast, der das Gegentheil ist von dem, was man gute Erziehung nennt." Und hysterisch aufschluchzend, vorbarg Frau von Hasselbach das Gesicht in beide Hände; die Enttäuschung traf zu unerhört, zu grausam; diese einzige Tochter, auf die sie alle Hoffnungen des eigenen verpfuschtenLebens konzentrirt, die sie vor allem beschützt hatte, um aus ihr ein Musterbild zu schaffen, das unberührt von dem Schmutz und Elend der Welt einem bevorzugten Wesen gleich, das höchste Glück in reiner Sphäre fände, hatte längst den Glanz der Flügel eingebüßt, erbarmungslos hatte der Erdenstaub sie zerstört. Ich möchte nur wissen, was Du mit einem Male gegen mich hast, Mama, was that ich denn? Gar nichts! Benahm ich mich unpassend, inwiefern? Ich weiß von nichts. Du bist komisch! Soll ich nicht wieder zu Madame Renard gut, dann bleibe ich zuHause. mir ist's egal. Uebrigens behauptetest Du stets, es sei eine besondere Ehre, in Madame Renards Pension gewesen zu sein, weil sich dort nur Gräfinnen, Baronessen und überhaupt die vornehmsten jungen Damen aufzuhalten pflegen, daß die meisten von ihnen viel klüger sind als ich, ist doch nur vortheilhaft; denn man kommt doch schließlich nur in ein Institut, um zu lernen." Um zu lernen, allerdings," wiederholte Valeska bitter, aber nicht, um sich den Kopf mit dummen und häßlichen Sachen füllen zu lassen, für welche Du, wie es mir scheint, eine ganz besondere Vorliebe hegst!" Du wirst beleidigend, Mama," entgegnete Regine. indem sie sich ausrichtete, in verändertem Tone, thue das lieber nicht, es möchten da Dinge zwischen uns zur Sprache kommen, die besser mit Schweigen übergangen werden. Wenn ich Dir keinen weiteren Anlaß zur Klage gebe, als wie es heute nach Deiner Meinung geschah dann freue Dich von ganzem Herzen, daß überhaupt aus mir noch ein halbwegs anständiges Mädchen geworden ist." Als die Worte, zu denen Regine sich hatte hinreißen lassen, den Lippen entfallen waren, bereute sie dieselben sofort; denn ihre Wirkung war eine unerwartet starke. Aus Valeskas wogender Brust rang sich ein heiserer Schrei sie wollte sprechen, als die Stimme aber versagte, packten ihre eiskalten Finger krampfhaft das Handgelenk der Tochter. und ehe diese sich's versah, spürte sie die Rechte der Mutter in zwei schallenden Ohrfeigen auf den Wangen. Der Wagen rollte fast geräuschlos durch die nächtlich stillen Straßen; von der Seite her glitt der weiße Schein eines elektrischen Kandelabers hell über die beiden Frauen auf den seidenen Polstern hin. Sekunden lang herrschte unheilvolles Schweigen, während Regines Augen sich funkelnd im kalten Glänze und voll Verachtung auf die Mutter richteten, welche drohend den Blick erwiderte. Du hast mir wehe gethan, aber nicht so wehe, wie zu jener Zeit, in der ich vor Angst und Scham vergehen zu müen glaubte. Ich war zehn Jahre alt, als ich hörte, wie Deine Dienerschaft Dir Titel gab, die ich nie aus zusprechen gewagt haben würde. Du hast es nicht gesehen, wie ich Nächte hindurch geweint habe. Ich wich Dir aus, um nicht nach der Ursache meiner verweinten Augen gefragt zu werden. Ich wußte es nur zu gut, daß die Leute recht hatten, wenn sie sagten, daß Du Deinen Mann hintergangen hättest. In der Pension, ja in dieser Pension, ist mir das alles erst so recht klar geworden; aber Du kannst zufrieden sein, wenn ich dadurch nicht schlechter geworden bin, sondern mir gelobt habe, unter allen Umständen des Weibes Würde zu wahren, allerdings, indem ich mich so gebe wie ich bin, nicht wie ich vor der Welt scheinen möchte."

Du tödtest mich!" rief Valeska, sich konvulstvisch wmdend. An der Wahrheit stirbt niemand! erwiderte die Tochter, aber vielleicht hält sie Dich davon ab,' meine Wahl nach Deinem Sinne zu lenken und mich an einen Mann zu fesseln, dem es nie gelingen würde, mein Herz zu gewinnen. Deine Lieblosigkeit hat meinen guten lieben Papa in die Wüste Afrikas getrieben, wo er im Gram um sein. verfehltes Dasein zu Grunde geaangen ist. Run, Du hast Dich zu trösten verstanden! Halt ein, Unselige, oder " Reg'lne ließ ihre Mutter nicht weiter spre chen. Keine Szene, Mama! Denk' an den Kutscher, der Dinge ausplaudern möchte, die lieber begraben sein mögen." . Es war die böseste Stunde, in wel cher Valeska in ihrer eigenen Tochter

fcin strengen Richter ihres Thun) fand.

Der Wagen hielt, sie stiegen aus und schritten stumm durch den thauschimmernden Park, über dessen Palmenkronen sich der sternfunkelnde Himmel m feierlichem Frieden breitete; hier, in der nächtlichernsten und doch heitersrischen Natur herrschte die erhabene Ruhe, welche an den beiden sturmisch bewegten Menschenkindern, die dem stillen Hause zuschritten, wirkungslos vorüberging. Augusto, der farbige Diener, kam, und berichtete, der Herr Oberst sei zu Bett gegangen und alles in bester Ordnung; so gingen denn die beiden Damen gleich hinauf in den Salon Valeskas, dessen anstoßendes SchlafZimmer Regme für diefe Nacht mit der Mutter theilen sollte. Die Lampe brannte und warf durch ihren rothen Schirm ein warmes Licht auf die kostbaren grünen Sammetmöbel, die perfischen Teppiche und erbsenfarbenen seidenen Fenstervorhange, auf all den Schmuck der Palmengewächse, Bilder und reizenden Gegenstände, welche Geschmack und Reichthum den Besitzenden gewähren. Regme gabHut undFacher der Kammerjungfer Avette, riß hastig den Shawl, welchen sie der Nachtkühle wegen um die Schultern gelegt hatte, herunter und ließ sich in einen Schaukelswyl fallen; auf ihren Wangen glühte noch die Nöthe der Scham und Entrüstuna über die von Valeska erduldete Mißhandlung. Wecken Sie mich morgen früh um sieben Uhr, Fvette, ich fahre mit dem Achtuhrzug." Zu Befehl. Mademoiselle. Du hörtest doch bereits, daß ich Deine Rückkehr in die Pension nicht dulde." stieß Valeska heraus, sobald die Französin sich entfernt hatte. Ach. das geht ja nicht; wenn ich so mir nichts. Dir nichts fortbleibe. werden die Bekannten gleich das allerschlimmste denken und sagen, ich hatte fort gemußt. Du weißt doch, wie boshaft die Leute gleich schwatzen; diese zwei Monate, welche noch an meinem Jahre fehlen, werden mich sicherlich nickt schlechter machen, als ich es nach Deiner Ansicht bereits bin," bemerkte Regine, den Kopf zurückgeworfen, die Hände auf den Seitenlehnen, während der schöne Fuß den Stuhl in schaukelnder Bewegung hielt. Valeska schwieg; es wurde ihr. klar, daß sie mit dem heutigen Tage die Macht über Negine vollends verloren hatte. Wie entgeistert saß sie da und durchlebte im Geist noch einmal die verflossene Stunde, wahrend Regme sich im Nebenzimmer zur Ruhe begab; gleich Keulenschlagen waren die schrecklichen Worte des Kindes auf sie niedergesaust, um erbarmungslos das nackte Herz an seiner empfindlichsten Stelle, dem Mutterstolz, zu treffen; stürmisch durchwogten sie Verzweiflung, Zorn, Reue, ohnmächtige Wuth. bis end lich zwischen all die tobenden Leidenschaften ein Strahl des Mitleids fiel, sie litt; aber hatte Regine nicht ebenfalls gelitten während der langenJahre, da das beschämende Gefühl, die Mutter verachten zu müssen, sich nur in dem geringschätzenden Benehmen ihr gegenüber zeigen durfte? Arme Regine; aus dem Mitleid aber brach sich überquellend die Mutterliebe siegreich ihre Bahn und mit ihr die Sehnsucht nach Versöhnung. Sie wankte, die gerungenen Hände ineinander gefaltet, nach dem Schlafzimmer, wo eine Ampel mattes Licht verbreitete, und ließ sich auf den Rand des Bettes nieder; Regine lag, das jugendliche Antlitz umflossen von der Fülle goldschimmernder Locken, auf dem weißen Kissen, der Wand zugekehrt die Augen geschlossen; eine Weile saß Valeska regungslos, dann ersaßte sie sanft die auf der blauseidenen Decke ruhende Hand Reginens, die ihr jedoch hastig entzogen wurde. Regine," sprach sie leise, beschwörend, laß uns Frieden schließen; ich ließ mich zu einer Heftigkeit hinreihen es wird nicht wieder geschehen. Beging ich Fehler im Leben, so büßte ich sie auch durch frühe Entsagung und jahrelange ausopfernde Pflege Onkel Karls. Laß die Bergangenheit ruhen, wir wollen von jetzt an gemeinsam Hand in Hand für Deine Zukunft sorgen, die Dich entschadigen soll für alles, was Du entbehrt hast bis dahin." Regine hatte bei dieser schwachen Vertheidigung der Mutter ein ungläubiges Gesicht ' gezogen. Sei wieder gut, mein Kind, sei versöhnt!" Meinetwegen, ja; nur darfst Du nicht vergessen, daß bei der Gründung meiner Zukunft nicht Dein Wille, sondern vielmehr der meine den Ausschlag zu geben hat; ich lasse mich nicht lä?.ger gängeln, sondern werde sehen, auf die Art und Weise glücklich zu werden, welche ich für die geeignete halte!" Es ist gut," entgegnete Frau von Hasselbach gepreßt, Du magst, entscheiden. Aber meine erfahrene Einficht, meinen Rath, den die Mutterliebe eingibt, wirst Du hoffentlich nicht verschmähen." Mutterliebe. hin, ich glaube nicht so recht daran, es ist alles Egoismus von -der Eltern Seite; glänzen willst Du mit mir. prunken. Deinen eigenen Ehrgeiz befriedigen, dazu bin ick Dir das aeemnete Mittel." Nein, Regine, nein, meine Liebe zu Dir ist echt, ich würde alles, alles opfern für De?n Glück!" Warum bestehst Du dann so aus der Verbindung mit Romano? Weil er eine Million und den Grafentitel bcscht! Ob mein Herz dabei zu Grunde ginge, das ist ganz egal, wenn nur die Welt geblendet wird von dem Glück und Glanz.Du irrst Dich, Herz, mein heiliges Wort darauf ich dachte bei dieser

Heirath 'in 'erster Linie nur an Dich." Regine wandte das Gesicht von neuem der Wand zu, als wünsche sie, nichts mehr zu hören. Gute Nacht. Mama. Ich bin todtmüde und möchte jetzt scklafen." ..Gute Nacht, mein Kind." Das Herz der Mutter krampfte sich zusammen in namenlosem Weh; die unendliche Liebe zu dem schutzlosen Wesen, das nur noch sie auf dieser Erde hatte, überkam sie plötzlich mit überschwänglicher Gewalt, unter einem Thränenstrom beugte sie sich hinab und küßte inbrünstig die weiße Stirn des ruhenden Mädchens. Regine," schluchzte sie, betest Du nicht mehr wie früher ich meine die kleinen Verse ich lehrte sie Dich " Es war, als müsse sie sich anklammern an diese letzte Hoffnung. ob noch ein Rest der kindlichen Unschuld in dem Herzen , der Tochter zurückgeblieben. Aber Negine drehte den Kopf zu ihr, und ein unbeschreibliches Lächeln, halb Spott, halb geringschätzende Verwunderung umspielte ihre Lippen. 7. Was hast Du denn da, Kamilla, eine kleine Myrthe?" Ja, Stanzi, Dona Angela hat sie mir geschenkt, reizend, nicht wahr? Sieh, hier kommen schon zwei Knospen zum Vorschein, das bringt Glück! denke Dir," fügte sie erröthend hinzu, Dona Angela legte es mir an's Herz, das Stöckchen recht zu pflegen, um einst meinen Brautkranz daraus zu winden." Da hat sie recht, das wünsche ich Dir von ganzer Seele, Liebling; Mama scgte. Du hättest heute früh einen Brief von Egon, bekommen, schreibt er denn Gutes?" Ei ja, wie immer; heute sind's gerade drei Jahre her, daß wir uns heimlich verlobten! Er meint, sein Onkel würde doch schließlich nachgeben, ich solle nur treu ausharren. Als ob ich ihm untreu werden könnte, so etwas nur auszudenken! Und käme ein Königssohn, ich schlüge ihn aus; denn es ist doch so ganz was selbstverständliches, sich treu zu bleiben, wenn man einander liebt." Leopold war lange nicht da." bemerkte Konstanze nach einer Weile, indem sie sinnend zuschaute,. wie Kamilla den Myrthenstock, der ihr den Brautkranz spenden sollte, liebevoll begoß. , O doch, gestern Mittag; zwar nur einen Augenblick, aber ganz erfüllt von einer neuen Eroberung. Was meinst Du dazu. Negine von Hafselbach hat aus der Pension an ihn geschrieben!" Und das erzählte er Dir? Wie indiskret!" Warum? Ich bin ja seine Scbwesier. und verrathe es nur Dir; so sehr ernst scheint er auch die Sache nicht zu nehmen. Du weißt, er prahlt gern ein bischen mit seiner Unwiderstehlichtat." Leider; Leopold ist grenzenlos leichtsinnig, Kamilla, ich kann nicht oh-

ne Anon an seine Zukunft denken und fürchte immer, wir erleben einen Krach mit ihm. Wollte Gott, daß ich mich irrte!" Aber Stann. wer wird so schwarzseherisch sein. So lange der Himmel blau ist, sollen wir lachen und uns freuen, die bösen Stürme kommen schon ganz von selbst! Nur nicht die schöne Zeit in Sorgen vergrämen, die noch gar nicht vorhanden sind. Komin, ich singe ein lustiges Lied, Dir die Grillen zu vertreiben. Du meine kluge, gelehrte Schwester!" Und lachend zog sie Konstanze zum Klavier. Regine wußte wohl, weshalb sie der Mutter gegenüber darau'f bestanden hatte, nach Santo Amaro in die Pen-' sion zurückzukehren, wurde es doch vorläufig viel leichter sein, von dort aus die angefangenen Beziehungen zu Leopold Rombeck fortzusetzen, als im Hause Onkel Karls, wo sie eine belästigende Aussicht ihrer Handlungen zu befürchten hatte. Sie sagte sich, daß Leopold nicht wagen würde obgleich sie es heimlich ersehnte c die ersten Schritte weiterer Annäherung zu unternehmen, trotzdem sie gesprächsweise die Adresse Madame Renards genannt und er offenbar von ihr dazu ermuthigt worden war; sie erwartete ungeduldig die schriftliche Anfrage, wie ihr die Gesellschaft bekommen sei; als diese ausfcliefc. entschloß Regine sich zwei Tage später, dem übertrieben Schüchternen zu Hilfe zu kommen, indem sie selbst die gewünschte Korrespondenz einleitete. , So schrieb sie denn bei verschwiegener Nacht an Leopold folgende Zeilcn: Hochgeehrter Herr Rombeck! (sie stnd gewiß erstaunt, einen Brief von mir zu erhalten, ich bitte, die Störung gütigst entschuldigen zu wollen; es handelt sich nämlich um eine kleine Gefälligkeit von Ihrer Seite, wodurch mir ein großer Dienst, geleistet Ware. Im Lause unserer Unterhaltung bei Graf Montsanto erfuhr ich zufällig von Ihnen, daß sich nicht weit von Ihrem Geschäft, in der Alfandeaa strafte, die berühmte Vlumenhandlung von Montani befindet; nun ist Freitag der Geburtstag meiner Freunbin, ich möchte ihr ein schönes V?uquet schenken. Wollen Sie die große Güte haben, dieses für mich ganz nach Ihrem Geschmack zu bestellen? Sie würden mich außerordentlich verbinden und dankt Ihnen im Voraus aus das herzlichste Ihre " Hier hielt Negine inne, kaute an der Feder und überlegte, wie sie schreiben sollte, um viel, und wiederum auch nicht zuviel zu sagen. Ihre treuergebene?" Das klang zu steif und altmo disch. Ihre dankbare?" Ebenfalls

nicht. Einfach: Ihre Regine von Has-

selbach. Ja, so sollte es fern, daraus mochte Leopold lesen, was er zu lesen wünschte. Es war die gewöhnliche Form, und doch lag in diesem Ihre Regine" etwas, aus dem er viel entnehmen durste. Nun wartete sie gespannt von neuem; wie ein Fieber hatte es sich ihrer bemächtigt, wachend und im Traume sah sie nur die Gestalt des schonen jungen Mannes vor sich, und selbst die Gesellschaft der sonst so willkommenen Freundinnen war ihr gegenwartig laitig, well dieselbe sie hinderte, ienen erotischen Bildern der Phantasie nachzuhängen, m denen ihre Seele unablässig voll 'Entzücken schwelgte. Leopold fühlte sich von Regmens Brief nicht sonderlich überrascht, er hatte die Annäherung vorausgesehen und besaß, Erfahrung in Liebesgeschichten; das versprach ja sehr interessant zu werden! Denn ohne es sich gestehen zu wollen, fand er Regine von Hasselbach, die Tochter der unausstehlich hochmüthigen Dame, die ihn gewissermaßen en canaillc" behandelte. doch recht anziehend; es lag etwas naturwüsiges. ursprüngliches in diesem zügellosen Wesen, das nur durstig mit dem durchsichtigen Schleier der Konvernenz die verborgene Leidenschaft verhüllte, deren Feuerblitze zündend aus den Augen und einzelnen unüberlegten Worten zuckten. Da sttckte Rare darin, ein Verhältniß mit ihr würde äußerst reizvoll sein. Außerdem lenkte die anregende Zerstreuung ihn von dem Gedanken an die drei Kavsteine ab, der ihn gegen seinen Willen unausgesetzt beschäftigte. Während der Frühstückspause ging Leopold in das gegenüberliegende Geschäft des Herrn Montani und bestellte außer dem Geburtstagsbouauet noch einen kleinen Strauß ausgesuchter Jsabellarosen, dem er das Antwortschreiben auf Regines Brieschen beifügte. Hochverehrtes 'Fräulein! Es ist mir unmöglich, Worte zu finden, die hinreichend ausdrücken, wie sehr mich der Auftrag beglückte, den ich hoffentlich zu Ihrer vollen Befriedigung erledigen durfte. 2);e Rosen, welche beizufügen ich nicht unterlassen konnte, und die mir als ein Sinnbild Ihrer Schönheit und Anmuth erscheinen, bitte ich, als ein schwaches Zeichen meiner Verehrung und Bewunderung gütigst von mir annehmen zu wollen. Leid thut mir bei dieser Gelegenheit nur der armselige schriftliche Behelf, weil ich zu gern Ihnen Aug' in Auge gesagt hätte, wie unendlich es mich beglückt, Ihnen ei-' nen kleinen Dienst erweisen zu dürfen. In der ebenso ungeduldigen wie sehnsuchtsvollen Erwartung eines baldigen Wiedersehens grüßt Sie hochachtungsvoll, verehrtes gnädigesFräulein, Ihr treu ergebener Leopold Rombeck." Diesen Brief fand Regine entzllckend, und nachdem sie ihn mit glühenden Wangen wohl zum zehnten Male gelesen, sand er seinen Platz an ihrer Brust: er liebte sie, es unterlag nicht dem geringsten Zweifel, solche beredten Worte diktirte nur die Liebe demManne in die Feder. Und schnell entschlossen schrieb sie in ihrem Freudenrausch: Zu einem Wiedersehen zwischen uns, mein Herr, kann früher Rath werden, als Sie denken. Es trifft sich nämlich, daß ich übermorgen nach Rio fabren muß. um fehlende Perlen und Wolle zu einer Handarbeit, welche für Mama bestimmt ist und von der sie nichts erfahren darf, einzukaufen. Da ich gleich nach den Besorgungen mit dem nächsten Zuge hierher zurückkehre, würden Sie vielleicht die Güte haben, mich auf dem Gange zu begleiten, weil ich nicht gern allein in dem Gewühl der großen Stadt gehe. Ich treffe mit dem 6 Uhr-Zug Nachmittags ein. Bis dahin Ihre Regine von Hasselbach." Was würde die hochnäsige Mutter wohl sagen," dachte Leopold nicht ohne Genugthuung, wenn sie diese Zeilen ihres Töchterchens lesen dürfte, die mir unverblümt ein Stelldichein am Bahnhof gewährt, noch ehe ich darum ersuchte. Nun, die Sache kommt mir ganz gelegen; denn jedenfalls ist Regine, die einstige Miterbin des Oberst von Weddingen, was man eine brillante Partie nennt." So ging er denn um die bezeichnete Stunde zum Bahnhof, wo der nächste Zug nach wenigen Minuten eintreffen mute und was vorauszusehen, geschah er brachte Regine. Da Leopold weder an die Glasperlen noch rothe Wolle oder sonstige Besorgungen glaubte, so führte er seine jungeBegleiterin in den düsteren Wartesaal erster Klasse, wo selbst am hellsten Tage Dämmerung herrschte; hier nahmen sie in einer abgelegenen Ecke Platz, und Regine bezeigte denn auch gar keine Eile, den gesicherten Winkel zu verlassen, wo sie sich unbeobachtet und ungestört unterhalten konnten. Und keine Stunde war vergangen, als Blicke und W.rte bereits so deutlich zwischen ihnen gesprochen hatten, daß Leopold es wagte, Reginens Hand zu nehmen und ihr heiße Worte der Liebe zuzuflüstern, die sie berauschten, während ihre Gegenwart, der athemraubende Dust, der von ihr ausging, auch ihn in einen verwirrenden Taumel versetzten. Was es nur ist," äußerte sie einmal. nachdem sie lange in seinen Anblick versunken gewesen, von Dir geht ernxls aus, was mich so bannt und fesselt, daß ich gar keinen eigenenWillen mehr besitze: all meine Kräfte, mein ganzes Leben will ich einsetzen für Dich. Du bijt fortan meine Welt, ich könnte sterben um Deinetwillen! Aber sei mir treu, betrüge mich nicht,, Leopold, das wäre mein Tod." . Aber Regine. wie könnte ich Dich betrugen! Du bist, jetzt meme Braut. denn auch ich liebe Dich wahnsinnig."

' ja; Ich bin Deine Vrau! und röTr heirathen uns, sobald ich die Pension hinter mir habe, nicht wahr?"

Ich fürchte, mein geliebtes Mäd- i chen, Deine Mutter wird Dich mir ' verweigern, weil ich zur Zeit nichts bin und nichts besitze." Ach, Mama," entgegnete Regine mit beschwiötigender Geberde, die ' muß; und will sie anfänglich nicht, j nun. dann zwingen wir sie einfach dazu." lwinaen?" fragte Leopld nicht ohne leises Befremden angesichts so durchgreifender Entschlossenheit, wie mein Du das?" Das ist do ziemlich einfach; ich meine, da wir beide einig sind, uns auf Tod und Leben anzugehören, so ließe Mamas Zusage sich dadurch ertrotzen, daß wir uns überall zusammen zeigen und für Brautleute ausgeben." Regine. Du wärst imstande, so gegen Deine Mutter aufzutreten?" Ja, weil ich Dich liebe," erwiderte sie einfach, viel mehr als meine Mutter, mehr als mich selbst und alles, alles. Ist kann es gar nicht ausdrücken wie sehr. Weißt Du, " fuhr sie in leisem, berückendem Tone fort, ich bin eine Motte und Du das Licht, ich mus: zu Dir; von Deiner ganzen männlichschönen Erscheinung. vonDeinem Lächeln an bis in die Fingerspitzen, geht ein Fluidum aus so nennt man es wohl? das mich berauscht und Dir zu eigen gibt. Ich glaube, so kann nur ein Weib lieben, Leopold; so demüthig und sehnsuchtsvoll. Ich möchte ich möchte ein Thier oder irgend ein Gegenstand sein, nur um immer bei Dir bleiben zu dürfen." Liebling," flüsterte er, heiser vor stürmischer Bewegung, willst Du mich rettungslos mit dem Zauber Deines reichen Innern bethören?" Ja; denn Du sollst mich lieben, so schrankenlos, wie ich Dich." Ein Gluthblick war die Antwort. Unablässig kamen Reisende und gingen; Araber in weißem Burnus, steifnackige, großkarrirte Engländer, zierliche Franzosen, Spanierinnen, Deutsche, niemand beachtete das in Gespräch versunkene Paar, nur ein Kellner warf hin und wieder listige, vielsagende Blicke hinüber. Zuweilen traten auch Negerinnen an den Tisch und boten ihre Orangen, Feigen, Ananas oder leucktende, fremdartige Blumen zum Kaufe an. Regelmäßig rief der Schaffner mit schallender Stimme die Namen der Stationen des Zuges aus, bis Leopold, sich plötzlich erinnernd, die Uhr zog und gewahrte, daß es Zehn vorüber sei, der letzte nach Santo Amaro gehende Zug also schon vor einer halben Stunde abgegangen .war! Herr des Himmels, was beginnen wir nun, Regine?" sragte er, sie rathlos anblickend. Sie lachte schelmisch, innerlich froh lockend über das kleine Abenteuer, welches ihr seine Gesellschaft noch auf längere Zeit sicherte. Da bleibt wohl nichts, als wir sitzen hier bis morgen früh da fahre ich mit dem ersten Zug um fünf; ich weiß bestimmt, die Wartesäle werden in der Nacht nicht geschlossen." Ich hatte gehofft. Dir beim Abschied in dem Menschengewühl unbemerkt den ersten Kuß geben zu können; ich versehe vor Sehnsucht darnach, Regine." Sie erglühte, sah eine Weile vor sich hin und dann verheißungsvoll in seine Augen. So unternehmen wir einen Spa ziergang durch die Stadt, essen irgendwo und kehren darnach hierher zurück; willst Du?" Ob ich will! Du bist ein Engel und ein Original! Wir wählen die weniger belebten Straßen, Herz, damit uns niemand sieht." Aber laß doch die Leute uns sehen, Leopold! Ich verleugne Dich von heute an keine Sekunde und vor keinem. Du bist mein zukünftiger Gatte, wer will mir verbieten, an Deiner Seite spazieren zu gehen?" Sie verließen das Bahnhofsgebäude, Regine hängte sich an den Arm des jungen Mannes und bald waren sie in dem Gewoge der hellerleuchteten Straßen verschwunden. Als Leopold am nächsten Morgen, nachdem er von Regine Abschied genommen, den Bahnhof verließ, lag das dumpfe Gefühl eines schwer belastenden Druckes auf ihm; zum irsten Mal warf er sich heftig vor, die Diamanten genommen zu haben; in diesem eigenthümlich gearteten Mädchen hatte er eine Eroberung gemacht, die entscheidend auf sein Leben wirkte, dieser unbegrenzten, elementaren Liebe gegenüber hatte es auch ihn mit. schrankenloser Hingebung ergriffen, die ihm das Blut in Feuerströmen durch die Adern trieb. Solch eine fand er niemals wieder; Regine würde und mußte sein Weib werden. Wenn man jetzt das Fehlen der Steine entdeckte? Entsetzlicher Gedanke! Die Schreckgespenster der Furcht wollten ihn heute nicht mehr verlassen, zuweilen beengte eine plötzliche, stechende Angst seine Brust und raubte ihm den Athem. Dazu malte die erregte Phantasie allerHand unsinnige, verworrene Bilder. Wenn min der portugiesische Händler Manoel Cordes verschwände oder den Kauf ableugnete, Leopold durste ja nicht klagen, weil er machtlos in die Hände des Mannes gegeben war! Der Angstschweiß trat ihm in kalten Tropfen auf die Stirn, bis endlich die Gewißheit der Unmöglichkeit einer Entdeckung ihn wieder besonnener werden ließ. Und Daniela? Ihr liebliches Bill, war unter dem Aufgang des neueren glänzenderen Sternes fast ganz in seiner Erinnerung verblaßt. (Fortsetzung folgt.)

Amer ans Krauen.

Nach langem, festen Sommerschlaf haben sich die Thore der fein säuberlich geputzten und getünchten Schulgebäude unserer Jugend wi:d:r gastlich erschlossen. In den großen Hauptsälen aller öffentlichen Schulen herrscht dann ein gar buntes Treiben, denn die freie Schule, neben dem allgemeinen Wahlrecht eine der fr.'iesten Institutionen unseres großen, freien Landes, nimmt Alles willig auf, was da kommt, um zu lernen, ohne Unterschied des Standes, der Nationalität oder Rellgwn. Wie am Wabltaa die Männer alle in geordneten Reihen den Wahlraum betreten, um die Sorge und die Arbeit für ihre Wohlfahrt, für ihr Wirthicyastllches Wachsen und ihr gutes Gedeihen den eben dafür zu bestellenden und vom Gemeinwesen bezahlten. Beamten zu übertragen, o treten jetzt in Reih' und Glied die Mütter, gefolgt von den zukünftigen Staatsbürgern und Bürgerinnen, in den Schulräum, um die Sorge und die schwere Arbeit für deren Wohlfahrt, für ihr körperliches Wachsen und geistiges Gedeihen den vom Gemeinwesen hierfür bestellten und bezahlten Fachleuten m übertragen. In beiden Fällen, im anvertrauen der ganzen bedeutendere wichtigen Arbeit an die Staats- sowie an die Schulbehörde, handeln die meiUen Menschen ohne zedwedes selbstständiges Denken, ohne eigenes Urtheil. Sie geben diese Stimme für diesen oder jenen Candidaten ab, weil die Partei ihn aufzustellen für aut fofiin den, sie übergeben ihre Kinder dieser oder jener Schoolmam" zum Unterricyt, weil der taat sie anzustellen für gut erachtet. Ob die Ziele und Zwecke der Partei und des Staates auf den eingeschlagenen Wegen erreicht werden das ist eine Frage, die weder die Manner noch d Mütter sehr ernst nehmen. Ist einmal der Wahlzettel abgegeben, die Kinder der Schule übergeben, danrc ist man vie Politik und die Kinder für geraume ßtit glücklich los, und man geht darüber zur Tagesordnung, zu den dringenden täglichen Geschäften über. Die Männer betreten das Wahllokal nicht wieder bis zum nächsten Wahltermin, und die Mütter den Schulraum nicht eher als bis zum nächsten Schulanfang und vielleicht dann nicht einmal, wenn die Kleinen groß genug geworden, um die Sache allein erledigen zu können. Die Männer lesen dann in den Zeitungen darliber, wie ihre erwählten Beamten sich . aufführen, und die Mütter sehen hin und wieder einen Report", ein guteö .Ticket" als Zeichen des anständigen oder schlechten Betragens ihrer Sprößlinge, aber 'weder die Männer noch die Frauen wissen genau, was wirklich in der Partei und in der Schule vorgeht, wie beide beschaffen sind. Den Herren der Schöpfung würden wir uns nicht unterfangen, Rathschläge in Bezug auf Politik zu ertheilen, hingegen möchten wir die Mütter drin eno auffordern, sich genaue Kenntnisse über das zu verfchafftn.was die öffentliche Schule ihren Kindern geben kann, und was nicht. Bor Allem sollte sich jede Mutter darüber zu informiren suchen, wie das .Schulzimmer beschaffen ist, in welchem, ihr Kind täglich fünf bis sechs Stunden Verbringen wird. In manchen: Schulen werden die Kinder in einem üitl zu kleinen Raum geradezu zusammengepfercht. Wie kann nun der vielleicht zarte A-B-C-Schütze, wel. chem schon das ungewohnte Stillsitzen allein eine körperlich: Qual ist, dabei gedeihen? Und das, was er in der Schuk an Kenntnissen zunimmt, steht sicher nicht im Verhältniß zu dem. was. er an Gesundheit einbüßt. Wenn man absolut nicht im Stande ist,, die jenr Uebelstand abzuhelfen, und auch nicht das Geld für Bezahlung eines Privatinstitutes erschwingen kann, dann soll die Mutter sich lieber die Unbequemlichkeit auferlegen, das Kind noch ein halbes Jahr von der Schule fern zu halten, ehe sie es krank und blaß werden läßt. Ferner soll die Mutter darauf achten.welcher Sitz spater ihrem ttmoe m der Schule angewiesen wird-, damit nicht etwa ein kurzsichtiges Wesen einen Platz in der rückwärtigsten Reihe erhält und dann nur mit Anstrengung wahrnehmen kann, was an der Tafel vorgeht. Neben diesen und noch manch" anderen Momenten, welche in sanitärer Beziehung zu beobachten sind, wird jede aufmerksame Mutter bei genaue? Prüfung des gewiß ganz vortrefflichen Public-School-System" doch, auch entdeckten, daß die öffentliche Schule nicht Alles zu geben vermag. Sie kann jedes einzelne Kind weder genugsam zum Denken anregen, noch darauf sehen, das; Alles, was gelernt, auch verstanden wird, sie. kann weder auf das Gemüth einzuwirken, noch auf das Herz des Kindes einen Einfluß ausüben. 2& Volksschule lehrt ihre Schüler eine vortreffliche Disciplin, bildet sie zu guten Rechnern, zu praktischen Menschen heran, gibt ihnen eine schöne, energische Handschrift und allgemeine Kenntnisse über die Geschichte . und die Beschafsenheit ihres eigenen . Landes, fchrl sie die englische Sprache . sprechen und fehlerlos schreiben, aber . wenn trotz alledem weder Denker noch : Gefühlsmenschen herangebildet, wenn ; manche körperlichen Schaden nehmen . itnS A?stin nprroSen. dan.n ist dafür , "' , ' ' , nicctt vi: 'öa)iu:, lonacrn m yzus. nicht Ue Prinzipalin und Lehrerin. Indern dieMutter verantwortlich. Sie muß, ausgleichen, was die Schule zu th'n übrig läßt, und darf w:der ihr wachsames Auge schließen, noch die Hände in den Schoß legen, sondern unausgesetzt an dem Wohle ihrcr Kin der arbeiten, ob die Schale nun schließt oder beginnt.