Indiana Tribüne, Volume 17, Number 360, Indianapolis, Marion County, 16 September 1894 — Page 7
7
' j
tyapa Feidl'S Heimkehr auS Amerika.
Nach anderthalbjähriger Abwesenheit ist der Neulerchenfelder Cafetier Franz Seid! aus Amerika wieder nach Wien heimgekehrt und erzählt in übersprudelnder Fülle die lustigsten und drastischesten Geschichten. Bei mancher derselben blinzelt er so drollig mit den Augen, daß man nicht recht we'ch, wo die Grenze zwischen der Tugend der Wahrhaftigkeit und der Tugend der Schalkhaftigkeit ist; doch alles eins, wir $tbtn seine Erzählungen ohne viel Bedenken wieder. Sie sind ja in jedem Falle ein Beweis, wie dieses Ungeheuer Amerika dem echtesten Urwiener erscheint. Wir trafen ihn noch während der Fahrt auf einer Eisenbahnstation vor Wien, schreibt der Berichterstatter des N. W. T.". Er strich sich die vorgekämmten Sechser, sah furchtbar energisch in die Welt und antwortete auf unsere Frage, oö er nicht aufgeregt sei: Ah was, wenn man in Amerika, dem Lande der Revolver und der Defraudanten war, kriagt ma a Kaltblüatigseit!..." Aber als wir uns Wien zu nähern begannen.wurde er immer auf geregter und als derStefansthurm seim edlen Glieder am Horizonte abzeichnete war. seine Rührung unbeschreiblich. Und nun gar erst, all ihm auf dem Perron des NordbahnHofes seine Frau, seine jungverheirathete Tochter und sein Sohn um den Hals fielen und vier Herren in schwar z:m Rock mit weißer Kravate und Eylinderhüten ihm als Deputation der Feuerwehr und der Veteranen Willkommgrüße boten, da hatte er Thränen in den Augen, trotz der amerikaNischen Kaltöüatigkeit!" Zu Hause, nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte, erzählte er dann von seiner Popularität in Amerika. In Hunderten von Abbildungen wurde er verewigt; wo er ging und saß verfolgten ihn Zeichner und ein begeisterter Artikel eines englischen Blattes schloß' mit den Worten: Columbus chat Amerika entdeckt, aber Papa Seid! hat für Amerika den Gespritzten" entdeckt." Nur hab'ns mir glei' d:n Spitznam' Papa" aufbracht, erzählt er. Mi' kennen's in ganz Amerika mehr als unser Wien. A Jeder, der deutsch red't, is dort a German", uns Weaner und Oesterreicher halten i' für a wilde Race, so a Art von europäische Indianer... Na, in die ersten acht Tag' san mir schon die Aug'n auffangen, wo i bin. Fcihr' i mit ein Car" von der elektrischeu Kabelbahn. Da is net g'schimpft wo5)'r?-über Ueberfüllung der Waggons, aö:r auf die Trittbretter rund,umadum san's g'standen und am Dach isan's g'hockt. Springt a Arbeiter auf und tritt an Neger auf die Zech'n. Der schreit Auh!" und gibt dem Arbciter an Stoß kann sie das a Weißer g'fall'n lass'n? Haut der also z'ruck, die Andern mischen si drein !und auf amol muaß der Car" steh'n bleib'n. Um den Neger bild't si a Knäu'l und plötzli' schlepp'n's den Schwarzen zu an Bam, werfen ihm aStrick um an Hals und hängen 'n auf. Da is a Policeman kommen und 'hat den schon Bewußtlosen befreit und der Tramwaywaggon setzt hierauf seine Fahrt fort... Is 's wahr? erlaubten wir urß bescheiden zu fragen. Seid! wirft uns einen vernichtenden Blick zu. I ziag amol mei' Brieftasch'n außer, berichtet er weiter, um die Anstreicher, Tischler etc. zu zahl'n. .Da packt mi' a meiniger Freund, an Amerikaner, und sagt: Um Gotteswillen, steck' di: Brieftasch'n ein, Geld därfst in Amerika net seh'n lass'n, nur Checks oder Bonds. Und wann a Lebensversicherunqsg'sellschaft erfahrt, daß Du Tei' Brieftasch'n mit a paar tausend Dollar' 'zeigt hast, nimmt's Di' nimmer in Versicherung." Nachher bin i a zur Einsicht 'kummen, was da in Amerika fürLeut' umanand renna. Da war zum Beispiel der Primgeiger von meiner Musikkapell'n a Zigeuner, der grortig spielt, der hat aus Eifersucht a Madel derstochen; a Tiroler, der mit Edelweiß Hausiren 'gangen is, war a g'fährlicher Wildschütz und hat a paar Jager derschosseit. Da muaß i Jhna a GerichtsverHandlung derzählen, bei der i war. A böhmischer Schustergesell', dem's schlecht 'gangen is, kummt nach Amerika ohne Kreuzer Geld. Trifft er auf der Gass'n eine Dame und reißt ihr 's Geldtasch'l aus der Hand wird derwischt und wird vor den Richter g'führt. Der red't ihn sanft und väterlich an und derDolmetsch übersetzt's. Du bist sagte der Richter in dieses Land der Freiheit in böser Absicht gekommen. Wahrscheinlich hast Du schon früher gestohlen und geraubt. Doch das ist egal. Ob Du ein Mörder oder sonst ein Galgendieb bist, hier bist Du ein freier Mann und Alle sind gleich. Darum sage die Wahrheit, ich will milde urtheilen." Der Schustergesell' erwidert, die Roth hat eahm dazu getrieben. Run." sagte der Richter, das ist vielleicht die Wahrheit, aber keine Entschuldigung. Mein Sohn, ich könnte Dir 40 Jahre und 50 Jahre Gefängniß geben, doch will ich milde vorgehen, weil ich es Di? versprochen habe und verurtheile Dich zu 27 Jahren Zuchthaus!" Geh' weg! ruft's voller Staunen im Kreise, aber Seidl blinzelt mit den Augen und sagt: 27 Jahre aus besonderer Milde, .meiner Six! Mi' habn's ja auch nur viermal eing'sperrt. Zwa Zeugen und 1 Dollar 50 Cents für'n Verhaftsbefehl und man sitzt schon. Da is ein Ungar zu mir kommen, der Herr Hunfalva. der schimpft über meine Kost und krakehlt. I' sag' zum Hausknecht: Schmeiß'n aussi!" Richti' liegt er draußen. Nach aner Stund'
kummt der Sherif mil Konstablern und ein' Berhastsbefehl. . . Der Ungar verlangt für den Hinauswurf 10,000 Dollar Entschädigung und erlegt 1000 Dollar Kaution für'n Prozeß. 1 bin a Fremder und muaß die gleiche Kaution erlegen, damit's mi' auslass'n. Guat. Wia der Ungar g'scg'n hat. daß er verliert, führt er Zeugen, daß i eahm vurg'worfen hätt', daß er fünf Jahr' im Zuchthaus g'sessen is. I wir' wieder verhaft', wieder 1000 Dollar Kaution. Und 's Finale! Auf Anrathen von mein' Doktor hab' i mi' mit 500 Dollar aus'glichen mit dem Herrn von Hunfalva. Auf die Art hat mi dann auch mein Fleischhauer einsperren lass'n, wei! i eahm vorg'worfen hab', daß er m! bei'n Wäg'n betakelt, a Zimmermann hat mi in Arrest setzen lassen, weil i eahm net hab' um 500 Dollar mehr zahl'n woll'n, als ausg'macht war, und a g'wisser Freund, der mi bei'n Einkaufen begleit' hat, laßt mi einführ'n mit der Behauptung, i hätt'n al Geschäftsführer engagirt und net zahlt. De G'schicht is die: So lang's bei an Fremden a Geld g'spür'n, wird er verfolgt. Hunderte laufen herum, die vom Einsperren der Fremden leben. Mittwoch und Samstag. fährtSerdl fort, san 500 bis 600 Studenten kommen und haben Ha, Ha, Hurrah" g'sungen. An so an Studentag lauft a Kellner von mir mit 14 Krügeln Bier in der Hand und da mach'n si' zwei Studenten die Hetz und stell'n eahm's Füaßl. Der arme Kerl fliagt nieder und zerschneid't si' d'Hand' an de Glosscherb'n von die Krügelgläser. I pack' an Studenten Wups, hat er an Revolver in der Hand. I gib eahm an Faustschlag unters Slinn, daß er z'sammfallt. Den Revolver hab i mir zum Andenken aufbewahrt. . . Sehr trübe gestimmt ist PapaSeidl, wenn er von San Francisco spricht, wo die Leute Temperenzler sind. Bei 2000 Gäst' 50 Dollar Losung. Ka' Bier, kan Wein trinken's; nur a Wasser und Kaffee. Kummt a fünffacher Millionär zu mir mit Frau und drei Töchter und trink'n alle Fünf aus aner Schal'n Kaffe! Oder es kummt a G'sellschaft von achtzehn Herren, lauter reiche Herren, hängt an Jed'n a Körberl mit'n Lunch" am' Arm! I sag'., bitte, was darf i zum Trinken bringen? Antwort Drei Glas Bier! Mit ein' Wurt. i bin schreckli' betrog'n word'n. Anstatt acht Restaurationen in der Fair" hat's 147 geb'n und in mein Schank und in der Kuchel san Kassier' der Ausstellung g'sessen und hab'n aufg'schrieben ein Viertel von der Losung g'hört ja der Ausstellung! G'stohl'n und betrog'n hat man überall. D'rum mein' i, kummt's, daß man lauter Compagniefirmen sind' in Amerika. Dös is, damit immer einer von die Chef im G'schäfts is sunst tragt's Personal d'Kassa und d'Waar' weg. Die Frauen in San Francisco, erzählt Seid! weiter, das is ein prächtiger Schlag; a bisserl leicht, aber schön! aber schön! I' hab' singen und jodeln müass'n a jede Nacht, das Hai ihna g'fall'n und sie hab'n auf Deutsch g'rufen: Papa Seidl, singen, kriegst Kuß." Mit die Mädel und Frauen in Amerika is übrigens a eigene Sach'. Man heirat' und laßt si' scheiden im Handumdrehen. Viele Männer, die in Europa ihr Weib sitzen lassen hab'n, sind in. Amerika rechtsgiltig mit anderen verheirat'. Das Rezept ist ganz einfach: Man nimmt zwa Zeugen (Gebühr: 2 Dollar per Mann), die bestätigen vor'n Richter die Identität des Brautpaars. Der Richter verlangt Trauungsgebühr 2 Dollar 50 Cent, stellt den Ehecontrakt aus und sagt glei: 's Scheiden kost' nur 1 Dollar 50 Cent." I' hätt' aus Hetz die alte Kassierin, die i in Chicago mitg'habt hab, g'heirat' und hätt' mi am nächsten Tag scheiden lassen, um nur mit die Dokument' zu beweisen' wia's da zuageht... A junger reicher Herr in San Francisco, den i kenn', der heirat' im Durchschnitt drei- oder viermal im Jahr und verschreibt im Ehecontrakt 5000 Dollar Abfertigung bn der Scheidung. Bon meinen Kellnerinnen hab'n auch a paar g'heirat': die letzte hat zweimal geheirat' und is schon wieder g'schieden. 's erstemal an Kellner' ,s zweitemal an Officur. Ane, a saubers Madel, hat an amerikanischen Zahnarzt g'hcira:', die is no verheirat'. ....Kunterbunt gehen nun Seidl'S Reminiszenzen durcheinander. Da ist er in Sacramento. wo gerade 500 streikende Arbeiter sich vor dem einfahrenden Zug auf die Schle:n werfen. Der Zug muß- da stehen bleiben, er kann .doch nicht 500 Menschen überfahren. Wie er steht, sprwgen die Streikenden hinauf, schießen den Lo komotivführer und den Heizer herunter und werfen die Pullman-Wagzons über den Damm. Durch einen Monat ist kein Zrief nach San Francisco gekommen, weil die Post- und BahnVerbindung eingestellt war. 2000 Waggons wurden verbrannt. In der Gol'dminenstadt Maningham siecht ma nur 's Gold rollen und neben dem Gold liegt der Revolver. Piff. paff, puff, geht's in den Spielhöllen und es sollen 35.000 Menschen jährlich auf die Weis' umkommen". In Mexiko war i a." fährt Seidl fort. I hab' die Stell' g'seg'n, wo s' 'n Kaiser Maximilian erschoss'n hab'n. A Pyramid' aus drei'spitze Steiner is aufbaut und in aner Hütrn zeigen s' den Schreibtisch, das Tintenfassel und die Feder, wo der Kaiser seine Abdankung unterzeichnet hab'n soll." Am 20. Juli verließ Papa Seidl Amerika. Wia i auf's Schiff steig," sagt er, und grad 's Schiff zum Fahren anfangt, wer kommt am Strand g'laufen und schreit: Aufhalten! Auf-
halten! Meine Köchin mit'n Sherif und zwa Konstablern. die wieder an Verhaftsbefehl in der Lust schwenken. I wink' mit der'Hand und ruf': Psiat Gott!" Es is a Wunder, daß i no leb'; so viel Revolver, so viel Schießen, so viel g'fährliche Menschen und so viel von Arrest hab' i mein Leben net g'seg'n." Bei diesen Worten zieht Seidl seine Uhr heraus und schreit am helllichten Tage: Jessas, Mitternacht is!" Alle springen auf und rufen besorgt: Es -ist erst drei Uhr Rachmittags!" Ah so," erwidert Seidl. i hab' meine Uhr nach der Zeit von San Francisco gericht't!. . ." 2cr japanisch. chinesische Krieg. Tokio, im August 1894. Die Fersen, auf denen in Korea ein Ereigniß dem anderen folgt, nehmen eine verwirrende Gangart an. Kaum vermag ich Schritt zu halten. Die et fernen Würfel fallen wie die Fliegen. Gestern bedeckten die Japaner ein Schlachtfeld, heute bedecken es die Chinesen, morgen Beide. Ohne Unterbrechung nimmt das eine diese? ostasiatischen Völker dem andern die Klinke des Kriegsruhms aus der Hand. Wie daö enden soll, das kann uns auch die dreisüßige Pythia nicht sagen. Der 'schier unerschöpfliche Vorrath von Menschen macht es möglich, daß die gefallenes Lücken sofort durch neue Mannschaften ausgefüllt werden. Man kann namentlich von den Chinesen sagen, daß sie wie Sand am Meer aus der Erde schießen. Bekanntlich hat, wenn wir unsern Augen in Schillers Don Carlos trauen dürfen, der König von Spanien einmal gesagt: Jetzt gib mir einen Menschen, gute Vorsicht Du hast mir viel gegeben. Schenke mir Jetzt einen Menschen!" Solche drei Verse würden einem Kaiser von China niemals übcr seine allerhöchsten Lippen kommen, er würde sich lieber in anderer Weise lächerlich machen, als den Himmel um einen einzigen Chinesen zu bitten, etwa wie ein Bäcker den lieben Gott nicht um eine Semm-el anflehen wird. HLchstens würde sich der Kaiser in die erste beste Moschee tragen lassen und bit ten: Jetzt gieb mir zwei Millionen Unterthanen. Du hast mir viel gegeben. Schen7e mir Jetzt zwei Millionen." Aber auch dies würde er nicht zu erflehen geruhen, denn er hat mehr Unterthanen, als er nöthig hat. Ich bin überzeugt, daß unter seinem Scep ter täglich die Bevölkcrung Griechenlands geboren und die Bevölkerung der Balkanhalbinsel begraben wird. So ist denn anzunehmen, daß der gegenwärtige Krieg nicht etwa eines Tages wegen Menschenmangels endet. Aber auf welche Weise sonst? Enden muß der Krieg.wie am Ende Alles auf der Welt. In diesem Augenblick aber fehlt wohl Jedem der Muth, irgend etwas zu maßen, und so will ich denn dem Leser nicht den Kopf zerbrechen. Das Wichtigste für heute ist eine Thatsache, die ich in meinem zweiten Bericht noch für eine Mähr oder weniger unmöglich erklärte: Dem chinesischen Vicekönig von Korea, Li-Hung-Tschang (so und nicht anders schreibt sich Se. Vice-Majestät, oder da er höchstselbst nicht schreibt, läßt er sich schreiben, nicht also Chang, wie in Changement, oder Schang, wie in Ausschank oder in Schangdarm), ist gegen mein alles Erwarten nun doch die gelbe Jacke aberkannt worden, die einst' des Kaisers Huld über ihn ausgoß und die ihm auch wirklich wie angegossen saß. Aber des Kaisers Pandorabüchse hattte noch mehrere Schüsse, und die sind denn auch auf den Unglücklichen abgefeuert worden. Nicht zufrieden damit, den kopfüber in Ungnade gefallenen Vicekönig zu entjacken, ging der Kaiser im Aberkennen von Kleiöungsstücken noch weiter. Steht dem Kaiser einmal der Zopf zu Berge und wird ihm das Häuschen zu eng, dann verliert er die Zügel über sich und dann geht er drunter oder drüber, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Namentlich im Ausziehen von Hofcostümen kann er, wenn er nicht bei Laune ist, ein Apollo sein, wenn er auch nicht so weit wie dieser geht. Kaum also hatte er dem Vicekönig die gelbe Jacke abgestreift, so zog er ihm auch die Weste aus. Der Vicekönig wollte vor Scham in den unter ihm wankenden Boden sinken. Wenn der Kaiser in dieser Weise fortfuhr, so stand er bald da, wie Gott ihn verzeihen Sie das harte Wort! geschaffen hatte, dann einen Schritt weiter, und der Kaiser zog ihm auch di: Zähne aus. Er stürzte vor ihm in die Knie und rief: Geben Sie, was Sie mir nahmen, wieder!" Der Kaiser lächelte, sagte: Sonderbarer Schwärmer!" und befahl ihm, auszustehen, um dem Armen dann auch die unaussprechlichenHosen von den schlottcrnden Beinen zu streifen. Ein solches exemplarisches Straf-Entkleiden hatte in China selbst in den finstersten Zeiten noch nicht stattgefunden. Jetzt, wo es weniger finster, war der Ausgezogene doppelt genirt. Nun erst beruhigte sich der Kaiser und sein Zorn legt: sich, tait eine Windsbraut, nachdem sie sich endlich durch das Entwurzeln von Bäumen sattgefegt hat. sich legt. Zwar nahm er dem Vicekönig noch die Pfauenfeder und drei Ranggarde, aber das Entkleiden hatte doch wenigstens aufgehört, und der k'onigliche Sansculotte konnte sich hinter eine der bekannten Wände zurückziehen, welche die spanische .Etiquette für (ol
ehe Fälle vorschreibt. Nun wurden ihm andere Kleider gebracht, die er sich selbst anzog. Der Kaiser zieht wohl aus, aber nicht an, wie dies das gewöhnlichste Kindermädchen, welches seinen Dienst versteht, zu thun pflegt. In der Stadt wurde von nichts Anderem gesprochen. Die Bewohner steckten die Zöpfe zusammen und besprachen den Vorfall mit Schadenschmerz oder Schadenfreude, je nach dem politischen Standpunkt, welchen die Plaudernden einnahmen. Die Anhänger (d. h. nicht die Henker. sondern die Freunde des Vicekönigs) sandten diesem sofort allerlei Garderobe und Pfauenfedern in den Palast, und schon am Abend erschien eine Proklamation an allen Straßenecken, welche in der Uebersetzung lautet: Koreaner! Es sind Uns aus Unseren geliebten Unierthanenkreisen in Anlaß Unserer k. k. Entkleidung, obschon dieselbe keine völlige genannt werden kann, so unendlich viele Jacken, Westen, Beinkleider, sowie Pfauenfedern und andere Beweise liebevoller Theilnahme zugegangen, daß es Uns ganz unmöglich ist, für jedes einzelne Kleidungsstück Unseren huldvollsten Dank zu ertheilen. Wir gestatten daher, daß jeder Spender an dieser Stelle Unseren viceköniglichen Dank entgegennehme. Zugleich ersuchen Wir diejenigen Unserer geliebten Unterthanen, welche unbrauchbare, oder unpassende Gegenstände bei Uns abgeladen haben, solche wieder bei Uns abholen zu lassen, oder selbst abzuholen. ES sind dies: Schwimmhosen Papierwäsche, Costüme in Knallbonbons, Narrenkappen, einzelne Handschuhe) Rheumatismusketten, Gigerlstöcke, Pulswärmer. Brillensutterale. Leibbinden Slrumvsbän der Korksohlen und ähnliche Erzeugnisse der vaterhalbinselschen Industrie. Zuwiderhandelnde) werden mit einer Bastonnade tyrn 24 Stunden bis 3 Tagen bestraft. Gegeben Tokio, den 12. Aug. 1894. Li-Hung-Tschang. Vice-R. Trotzdem hat er seine bisherige Stellung und den Oberbefehl über di: gesammte Land- und Seemacht behalten. Wie er aber namentlich dasOberkommando ohne Pfauenfeder führen soll, das ist Allen ein Räthsel. Wie sich der Europäer keinen Pfau ohne Pfauenfedern anders als ganz radlos vorstellen kann, so kann sich der Chinese keinen Generalfeldmandarin ohne Pfauenfedern -denken. Den Soldaten fehlt der Respekt. Ein Qberkommandeur ohne Pfauenfeder erscheint ihm wie ein Schriftsteller und eine Uhr ohne Feder, und wenn ein solcher FeldHerr eine Schlacht verliert, so heißt es: Natürlich, ohne Pfauenfeder hat noch kein Mensch eine Schlacht gewonnen, sondern nur verloren." So viel Werth wird in China auf diese Feder gelegt, während sie bei uns nur als Spielerei, oder Zierrath gilt. Unsere Generalstabsofficiere müssen eine große wissenschaftliche Bildung und gute Karten haben, aber eine Pfauenfeder brauchen sie sich nicht anzueignen. Bei den Chinesen bricht denn auch allmälig, die Ueberzeugung durch und durch, daß es nicht so weiter gehen könne. Gestern sprach ich im WirthsHaus mit einigen Mandarinen. Obschon dieselben von den bekannten und beliebten Südfrüchten ihren Namen haben und im Gegentheil sehr pflegmatische Leute sind, so geben sie doch jetzt schon zu, daß mit der gelbsten Jacke und mit der dunkeläugigsten Pfauenfeder höchstens ein Hund zum, keinenfalls aber vom Ofen zu locken sei, um wieviel weniger ein Japaner. Ich gab ihnen Recht und rieth ihnen, dahin zu wirken, daß China sich der europäischen Cultur öffne, wie Japan das gethan habe. Diese Worte bildeten den Finger, mit dem ich eine offene Wunde berührt hatte, und die Mandarinen sprangen auf, drückten sich an meine Brust, ließen einen frischen Theekessel und eine zweite Flasche Rum kommen.und folgte meinem Rath ein Pekkogelage, wie ich ein solches hier noch nicht mitgemacht habe. Die Mandarinen waren ungemein vergenügt, sangen: Thee her! Thee her! oder ich fall' um, juchhe!" und Bringt mir Blut der edlen Staude, bringt mir Thee!" und endlich fragten sie mich, was denn zu thun sei, um China der europäischen Cultur zu öffnen. Das ist so einfach wie Schopenhauer's vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde", antwortete ich. Ueberall in China müssen Volksversammlungen veranstaltet, ungehaltene Reden gehalten und Resolutionen beschlössen werden, wodurch die Enge hergestellt wird, in die der Kaiser zu treiben ist und aus der er nicht anders heraus kann, als durch die verlangten Reformen." Kaum hatte ich dies gesagt, so versanken sie in ein Nachdenken. wo es am tiefsten ist, und endlich nahm ein Mandarin das Wort und sagte: Wir wollen uns den Rath beschlafen. Denn daß wir Alle hingerichtet werden, wenn wir ihn befolgen, dafür lege ich meinen Kopf ins Feuer. Je länger wir also über Ihren Rath nachdenken, desto länger behalten wir das Leben, und daS ist doch kein Spaß." Und süßen Pekkos voll wankten sie nach Hause. Lange sah ich ihnen nach, dann sagte ich: Akmes China, Konfuzius steh' Dir bei. Dir ist nicht zu hel-fen!"
(Selb si bewußt. Gardelieutenant: Sagen Sie doch, Comtesse, lieben Sie mich wirklich mehr, als mich die Andern lieben?" Neu. Wie kommts denn, daß alle Mitglieder Eures Junggesellenclubs Glatzen haben?" Das ist ja unser Vereinsabzeichen!-.
Zkcr alte Amucl.
Ion F. Truloff. In einem der Eckhäuser an der Neuen Friedrich- und Königstraße in Berlin befand sich vor vierzig Jahren der Laden des Optikers Amuel. Er war ein kleines altes Männchen, sein dünnes, graues Haar stets mit einem Sammetkäppchen bedeckt. Wie er zum Optiker geworden, hat Niemand ergründen können, denn sein Urtheil über optische Gegenstände war durch keinerlei Sachkenntniß getrübt. Trotzdem verkaufte er Brillen, besonders blaue, die er großweise aus Rathenow bezog, und zur Zeit des Wollmarktes war der Eingang seines Ladens mit Kuhglocken, von der größten an bis zur kleinsten, dekorirt. Das Alles aber hätte die Aufmerksamkeit der damaligen Berliner nicht in so hohem Maße erregen können, wie es der Fall war. wenn er nicht durch seine steten Klagen bei Gericht zur Zielscheibe des Berliner Witzes geworden wäre.' Er kam nie zur Ruhe, dafür sorgten schon die Sonnenbrüder, vulgo Eckensteher, die ihren Platz an der Ecke gegenüber vor der großen Lehmannschen Destillation Tag aus, Tag ein behaupteten. Herr Amuel. ich komme von Boetzow'n von't Schönhausener Dohr", rief ihm einer derselben zu, un er läßt fragen, ob Sie noch Kuhjlocken vor Ochsen haben." Ge wiß, gewiß!" rief Amuel eifrig und stotternd wie immer. Sie kö kö können haben das schönste Geläut für Herrn Boe Boetzow! Sehen Sie hi hier, fünf Glocken in Mo mo moll! Soll'n Sie ha haben für vi vier Thaler." Klingeln Sie mal damit!" Amuet klingelt eifrig. Sehr jut", sagt der Sonnenbruder. Nu binden Se sich die Dinger man selber um den Hals, denn muß det sehr natürlich aussehen." Wie wie haißen Sie?" ruft Amuel wüthend. Schlimbumski mit'n tz, Ackerstraße 30." Gu gut. Herr Schlimbumski! Wir we werden uns sprechen bei'n Schiedsrichter." Guten Tag,' Herr College!" redet ihn bald darauf ein Handwerker an. Wie haißt College, Herr Retzlaff? Ich kenne Ihnen doch! Sie sind doch Tischler und ich bin doch O O Optikos!" Richtig, eben dadrum! Sie machen Brillen un ick ooch!" Herr Retzlaff wir wir werden uns sprechen aufs Gericht!" So geht es Tag für Tag, und die Nachbarschaft sorgt mit Eifer dafür, daß die Amuel-Witze rumkommen." Am bösesten aber. hat ihm doch de? Schauspieler Beckmann mitgespielt, der mit ihm beim Mittagstisch im Kaiser Alexander'' bekannt geworden war. Derselbe trat eines Tages in den Laden und verlangte im fürchterlichsien Stotterton höflichst eine Brille. Herr Be be be beckmann! Ich ver bittitte mich, daß Sie mi mich nachm m machen!" Beckmann versicherte unter Stottern hoch und theuer, daß es ihm nicht einfiele, einen so berühmten Optiker ärgern zu wollen. He Herr Beckmann! Wi wir werden uns sprechen aufs Gericht!" Und richtig! Beckmann erhielt eine Vorladung vor den Schiedsrichter. Es ist selbstverständlich, daß im damaligen, noch typisch unverfälschken Berlin, wo Jede? seinen Bürgerbrief haben mußte und darauf nicht wenig stolz war, alle Welt einander kannte. Beckmann kannte also den Schiedsrichter und der Schiedsrichter den Optikos". Kläger und Verklagter erschienen in dem der heiligen Hermandad geweihten Raum. Angeklagter, wie heißen Sie?" fragte der Richter ordnungsgemäß. Ich ch hei hei heiße Be bebebebebeckmann!" Ich ersuche Sie, Herr Beckmann, hier alle ungehörigen Scherze wegzulassen und. wie es sich vor Gericht geziemt, meine Fragen ernst zu beantWorten. Sind Sie schon bestraft?" Ve ve verheirathet!" . Lassen Sie das, sag: ich noch einmals! Sie als bekannter Schauspieler stottern auf der Bühne niemals!" Da da da ver ver verstelle ich mich ja blo bloß!" Jetzt wars mit dem mühsam aufrecht erhaltenen Ernst des Schiedsrichters zu Ende; er. mußte lachen, und Amuel war kirschroh vor Wuth. Der Schiedsrichter wußte trotzdem durch schmeichelhaftes Lob des großen Optikers diesen zu . beruhigen. Ein Vergleich kam zu Stande. Ergebniß: Beckmann zahlt zwei Thaler an die Armenkasse und verpflichtet sich, am nächsten Sonntag Punkt drei Uhr bei Amuel zu erscheinen und ihn um Verzeihung zu bitten. Selbst der SchZedsrichier war verblufft, daß Beckmann auf diese letzte Bedingung einging. Amuel hatte natürlich nichts Eiligeres zu thun, als seine ganze Verwandtschaft und alle nur möglichen Freunde zum Sonntag einzuladen, damit sie Augen- und Ohrenzeugen sein sollten, wie der grauße beriehmte Schauspieler vons Königsstädter" vor ihm Abbitte leisten würde. Aber er wollte dabei doch nobel sein: Er wollte denselben nach der Abbitte einladen' ßu einem Löffel Suppe", womit er ein feines Diner mit gutem Weine meinte. SonntagNachmittag konnte Amuels Wohnung kaum die Zahl der Gäste,
die in vollstem Staate erschienen waren. fassen. - Gespannte Erwartung auf alle Gesichtern. Punkt 3 Uhr klingelt es ganz furchtbar. Alle stürzt und drängt nach dem Corridor. Mit königlicher Würde öffnete der Optikos Amuel" höchstselbst die Außenthür. Beckmann steht vor der Gesellschaft, still, ernst feierlich. Keiner wagt zu athmen. Da brüllt Beckmann mit tiefer Grafasstimm?: Bin ich hier recht bei Herrn Marcus Meier?" N n nein! I ich bin bin Amuel!" Bitte um Verzeihung!" sagt Beckmann mit süßer Stimme und tiefstem Diener und geht ruhig die Treppe wieder hinunter. Wie der Löffel Suppe" oben der Gesellschaft geschmeckt hat, können wir leider nicht berichten.
Genie und Wahnsinn Kants Schädel war deutlich asymmetrisch, sehr geräumig, ein Hyperbrachycephalus (sehr kurz) mit beträchtlicher Jochbreite und bedeutender Höhe der Augenhöhlen. Rafaels Schädel war klein und brachycephal (kurz). Cuvier war in seiner Jugend etwas hydrocephal (wasserköpfig); es zeigte sich am Gehirn eine Art von kleineren aufgesetzten Windungen. Das Gehirn Byrons wieÄ starke Entzündungserscheinungen auf und zwei Unzen blutiger Flüssigkeit waren in den Hirnhöhlen. Georg der Erste von England starb an Apoplexie. Bei Karl dem Zweiten fand sich Lympherguß in den Hirnhöhlen und an der Gehirnbasis. Herzog FerdinandWilhelm vonBraunschweig ward 1685 durch die Stirn geschossen und trepanirt. konnte aber schon am 14. Tage die Dragoner zum Sturm anführen Heine starb an Tabes dorsalis" (Mckenmarkschwindsucht). Der Apostel Paulus war sehr wahrscheinlich Epileptiker, ebenso Peter der Große, Napoleon der Erste und Pius der Neunte (bis zum 30. Jahre). Mohamed war wohl eher Hysteriker, Rousseau litt vom 54. bis 66. Jahre an Verfolgungswahn. Georg- der Dritte von England hatte fünf Attaquen psychischer Erkrankung. Noch in lebhafter Erinnerung ist das gleichartige Leiden Ludwigs des Zweiten von Bayern. Eine Reihe bekannter Personen litt an erotischen Verirrungen, so Michel Angelo, Winckelmann, Platen, Wilhelm von Oranien, endlich Sappho, Katharina Howard und Katharina die Zweite von Rußland. Tie werden nicht geroocht. Am Abend des 16. August 1870 ritt der Leibarzt des Großherzogs von Sachsen-Weimar, Dr. Matthes, von Gorze nach Pont-a-Mousson. Es war ein Gedränge", erzählt er in seinem lesenswerthen Buche Im großen Hauptquartier", daß ich kaum vorwärts gekommen wäre, wenn ich nicht das Glück gehabt hätte, den Wagen Bismarcks zu erreichen. Bismarck saß in seiner Kürassiruniform darin und rauchte eine herrlich duftende Havanna. Mein großer Brauner drängte sich rücksichtslos an den Wagen und schien durch die weiße Mütze hindurch sich von dem Zustande der berühmten dreiHaarö überzeugen zu wollen. Da rief Bismarck einen Sergeanten, der, selbst verwundet, in ' der Mitte einer Gruppe Verwundeter ging, zu sich und lud ihn ein, mit ihm zu fahren. Mit der Entschuldigung, seine Leute nicht verlassen zu dürfen, dankte dieser, bat aber den Herrn General" um Auskunft, wie es mit dem Verluste in seinem Regiment stehe. Nachdem er diese und noch dazu eine ganze Hand voll Cigarren erhalten, trat er zurück. Ich fragte ihn, ob er wisse, von wem er die Cigarren bekommen habe, und nannte ihm, als er mir einen ganz fremden Namen angab, Bismarck. Wie elektrisirt war der Mann und die Cigarren in die Höhe haltend rief er freudig: Na, die werden nich geroocht!" Bismarck aber holte sich nach kurzer Zeit einen anderen Blessirten und hob ihn in den Wagen." Könnte schlimmer werden. Mutter: Nun, meine Tochter, wie ist Dir denn heute Dein erstes Mittagessen gathen?" Jungverheirathete Tochter: Eigentlich ganz gut Otto hofft, morgen doch schon wieder in's Geschäft gehen zu können." Schrecklicher Gedanke. .... Sie haben sich also von Ihrem Männerhasse immer noch nicht bekebrt? Reut sie das nicht?" Durchaus nicht! Eines nur thut mir leid! Daß ich nicht sechs Töchter habe!" Warum dieser sonderbare Wunsch?" Weil ich das Zeug von mindestens sechs Schwiegermüttern in mir fühle!" Berechtigter Wunsch. GefängnWrektor: (Bit. scheinen sich bessern zu wollen, und Sie interessiren mich; kann ich etwas thun, um Ihr Schicksal zu lindern?" Verurtheilter: Ja!" Gefängnißdirektor: Was?" Verurtheilter: LassenSie mich 'raus!" Patriotisch. Fürst (auf der Durchreise zur Deputation einesLandstädtchens): Ihr habt ja stets treu zu Eurem Fürsten gehalten!" Bürger: Ja, was will ma anders mach'n, wenn ma net eing'sperrt sein will!" Im Auskunftbüreau. ...Sein einziger Fehler ist: er hat kein Geld' . . . doch muß ich zu seiner Entschuldigung sagen: er hat nie eines gehabt!"
ZAr unsere Zraucn.
Ver jornrntr ist ja Ende. Der rasche Flug der Jahre hat uns aberntete die ersten Tage des Septem der. und mit diesen den'feierlichen Einzug deL Herbjtcs gebracht. Wehmüthig blicken wir Alten und Aelteren dem scheidenden Sommer nach, denn die enteilende Zeit erinnert uns stets gar sachte daran, daß auch wir uns dem Herbste und bald dem Wi.üer des Lebens nähern, daß es für uns kein Aufblühen, kein Wachsthum mehr gibt, sondern ein langsames allmälizes Verblühen, n Versiegen der Kräfte. Wie als erstes Zeichen des herbst!!chen Absterbens das Laub sich entfärbt und doch in seiner wunderbarenFarbenMischung der Landschaft cir.en ganz eigenthümlichen, fast melancholischen Reiz verleiht, so verbreiten auch die ersten leisen 9Jfohnu:iq,n des hereinbrechenden Alters, die farblos hellen Silberfäden über dem Haupte des Trägers einen weihevollen, ehrsurchtgebietenden Zauber. Die rothen und gelben Blätter, ebenso wie die grauen und weißen Haare, erzählen uns, daß die Mittagsgluth des heißen Sommers sie mit ihrem sengenden Hauch berührt, mancher wilde Gewittersturm sie erzittern gemacht, bis dann crst di: klare kühle durchsichtige Herbstluft nachfolgte, daß wir schon manchen heißen Tag erlebt, manchen harten Kampf durchfochten haben müssen, bis wir erst lernten, langsam gleichmäßigen Schrittes mit klaren Blicken dem sichtbaren Ende nachzustreben. - Doch nicht für Alle ist der Schluß des Sommers gleichbedeutend mit dem Abwärtsschreiten von den Höhen des Lebens, sondern die Meisten beginnen erst gereift unter den sommerlichen Sonnenstrahlen den Ausstieg dazu, sich scheidend von uns gewendet, dann blicken wir sorgenden Mütter die holden kNenschenfrüchte prüfend an, um zu erschauen, was die lieben erwärmenden Strahlen des herrlichen Himmelslichtes zu Tage gefördert. Ob die Früchte prall und fest geworden, gehörig anGewicht sich bereichert, mit appetitlich rosigen Backen in die Welt gucken und zu herrlicher Reife erblüht sind. Das besorgte Auge des mütterlichen Gärtners sucht auch noch zu erspähen, ob kein tückischer Wurmstich etwa den guten Kern angefressen, ob sie aus dem dauernden Sonnenschein innerlich und äußerlich gestärkt und gekrästigt hervorgingen. Denn die sommerliche Ruhe war für das Werden der Menschlein eine gesegnete wichtige Epoche! Weder im eisirzen Winter noch während der Früh lingsstürmc, nicht in den langen Monaten. wo die Kinder an die Schulbank gefesselt, praktisches Wissen ansammeln müssen, ist ihnen Gelegenheit gegeben Körper und Seele zu entfalten, als zur Zeit wo ihnen die Ferien-Sonne leuchtet. Ruhe und Freude, Bergluft und Waldesgrlln, Tummeln am Meeresfand. Untertauchen in der erfrischenden Fluth, Rudern und Schwimmen, Lachen und Singen, fröhliches Treiben auf sonnigen Bergeshalden, all' dieZ kann die Jugend im Sommer genießen, und es wirkt mächtig auf die Entwicklung des Körpers und des Gemüthes.. Anstatt aus Tafeln und Tabellen naturgeschichtliche Facta und Namen und Zahlen studiren zu lassen, hat die verständige Mutter ihre Kinder hinausgeführt unter Gottes freien Himmel und das große geheimnißvolle Buch der Natur vor den neugierigen Blicken der Kleinen aufgeschlagen. Während sich vor ihnen all die Wunder des Weltalls erschließen, wenn sie geleitet von ihrer sinnigen mütterlichen Erzieherin das Wesen der Pflanzen und Thiere, der Steine und Sterne erblickten, dann knüpfte sich unmerklich auch ein gar festes Band zwischen Mutter und Kind, sie verkehrten inniger und vertraulicher mit einander, und während in der kindlichen Seele ein Athem aufging von der Allmacht und Gewalt des Schöpfers, wuchs auch die unvergängliche Liebe zur Mutter, zu den Eltern empor, an deren Hand sie zuerst diese schöne Welt erschauten. Und zu der Liebe gesellt sich auch die Dankbarkeit, stets werden die Kinder Jene lieben, die ihnen die Augen und das Verstände niß geöffnet für die herrlichen Werk? de? Schöpfung, die sie umgibt, und die mit der guten Mutter verlebten Sommertag: werden zu den liebsten sonnigsten Erinnerungen der Jugendjahre gehören. Ungern sehen wir ihn nun scheiden, den Ferien-Sommer! er hat uns geplagten Hausmütterchen vielleicht wenia Ruhe und Erholung gebracht, uns noch um einen Sommer älter gemacht, aber wenn uns sein wohlthätiges Wirken entgegenleuchtet aus den strammen Gliedern, den glückstrahlenden rosigen Gesichtern, aus den hellen Augen unserer Kinder, dann rufen wir voll Dankbarkeit und doch voll Trauer aus: De: Sommer ist zu Ende!" Tenr schwachen Scschlccht. Die Schwäche sanfter Weiblichkeit Bleibt immer cuer schönstes Kleid; Nur jen? wünscht, sie '.oär ein Mann. Die eine niu" nie werden kam. V o e s i e u n d P r o s a. Gatte: Heut: vor tlmm Jahr hadec :oir uns verheirathet, denkjt 'n noch is. den herrlichen Äuz:nolick, als z'.z unsere Hochzeitsreise antraten? Gattin: Ja wohl, daran erinnere ich mich ganz genau.aber bis jetzt erinnere ich mich uoÄ nicht, das seidene Kleid belomm::: zu haben, das Du mir bei der Gel?2e: heit versprochen bast!
