Indiana Tribüne, Volume 17, Number 353, Indianapolis, Marion County, 9 September 1894 — Page 6
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Zlic Dicnstdotcnfrage.
Gine Hauptaufgabe der gebildeten Frauenwelt begeht darin, tsc weiblichen Dienst boten derart heranzubilden, dajz sie später üidjtige, brauchbare Arbeiterfrauen werden. Auf diesem Gcbiete sonnten einsichtsvolle, menschenfreundlich? Damen sehr viel leisten und thatkräftig an der Cultur mitarbeiten! Das Leb:n baut sich in den Familien auf; in ihnen ruht der gesunde Kern wirklicher Tüchtigkeit. Mithin können dem socialen G!nb der Gegenwart gerade gute, verständige Hausfrauen der VolkSkreise abhelfen. Wohl die meisten von diesen, sind in früher Jugend Dienstmädchen und bilden sich unbewußt nach dem Geist:, der im Hause ihrer Herrschaft lebt. Aber dieses Bewußtsein, das zugleich das Gesühl ernster Verantwortung wea't, ist nur wenigen unserer Hausfrauen so in Fleisch und Vlut überggangen, daß sie danach leben und einen ernsten, erziehlichen Einfluß auf die Mädchen üben. Welche Wohlthat wäre das für ein junges Ding, das im Elternhause keinen Begriff von Zucht nd Ordnung erlangt Halle, weil ihre Mutter ebenfalls nichts davon verstand oder in der Misere des täglichen Lebens unterging, wenn nun während ihres Dienstverhältnisses eine fesieHanv sie zum Guten anhalten und ihr eineu Begriff davon geben wollte, was ein ordentliches Mädchen, eine Pflichttreue Hausfrau wissen und leisten muß! Mau klagt so viel über schlechte Dienstboten, namentlich uoer die Anspräche der dienenden Mädchen, welche ihre Herrschast oft an Luxus übertreffen. Wer aber denkt wohl ernstlich daran, diesem Unheil durch fortdauernde, gütige Belehrung zu begezuen? Statt unablässig auf solches Mädchen zu schellen und sich als Opfer dessen Unverstandes hinzustellen, wie das viele Frauen: thun, die dadurch nur sich selbst und dem wehrlosen Mädchen das Leben auögiebig verbittern und Verdruß im Haufe permanent erhalten, sollte die ffrau lieber auf den StandPunkt des Mädchens, auf deren Ideen- i kreis, und mangelhaftes Urtheil Rückficht nehmen und sie sich zu? treuen Gehilfin heranziehen! Junge Mädchen sind bildsam, und wenn sie einsehen, daß man es gut mit ihnen meint, fügen sie sich leicht und willig den Anordnungen, deren Richtigkeit sie vielleicht nicht verstehen,denen zu gehorchen sie aber als Pflicht crtav.nl haben. Die meisten Hausfrauen fehlen eben darin, daß sie von ihren Dienstmädchen zu viel fordern, in der Annahme, daß sie ungefähr dasselbe leisten müssen, wie die Dame, falls sie die Arbeit selbst thun wollte, den Tag über vollbringen würde. Das ist ungerecht: einmal muß die Jugend, dann aber auch die mangelhafte Erziehung, endlich der Urnstand berücksichtigt werden, daß man in eigene? Sache zweifellos mehr vollbringt als für Fremde und daß man immer gut thut, seine Anspräche möglichst niedrig zu stellen, natürlich, ohne den dienenden Geist zu verwöhnen! Das wäre eben so unrichtiq, als wenn die Hausfrau ihr: Arbeit selbst thun wollte, weil das Mädchen sie nicht kann und erst dazu angelernt werden muß. Dieses Anlernen ist eben eine große und wichtige Aufgabe gebildeter Frauen. Es richtig anzufassen und erfolgreich durchzuführen ist viel wichtiger und folgenschwerer für die Wohlfahrt der Allgemeinheit, als manche neue Erfindung. Wie die Männer durch die Soldatenjahre praktisch zur Ordnung, Sitte unv Sauberkeit erzogen werden, so sollten auch all: Mädchen eine praktische Schule durchmachen, damit sie dereinst gutcArbeücrfrauen werden.Mann und 5Unde? sorgfältig versorgen können, was leider heut: selten ausreichend geschieht, weil sie es nirgends gelernt haben und man von selbst überhaupt nichts kann, wenigstens nicht, ohne empsindliches Lehrgeld gezahlt zu haben, was die Zukunft der jungen Frau erst recht trübe gestaltet. Man behauptet allgemein. dieDienstmädchen verschlechterten sich von Iah? zu Jahr. DaS ist aber ein: Ungerechtigkeit, denn auch diese Mädchen entwickeln sich nach den gegebenen Berbältnissen und nach dem Beispiel, das sie vor Augen haben. Wie Luxus und Vergnügungssucht überhaupt mit der Zunnahme der Cultur stetig st:!gen, so auch die Ansprüche der dienenden Klane. Wie der Herr, so der Diener. Natürlich gibt es auch gänzlich un begabte, unbrauchbare und wirklich schlechte Mädchen',doch sind das immerhin Ausnahmen, und dann trifft das junge Ding selbst oft weniger die Schuld, als die schlechte Umgebung, in der sie leben mußte. Wer wollte aber bestreiten. daß manche Hausfrauen, nervös, abgehetzt, sorgenvoll, solch armes Mädchen für alles" wie einen Packesel behandeln, der vom frühen Morgen bis zur sinsenden Nacht fleißig arbeiten muß. ohne ein freundliches, aufmunterndes Wort zu hören. Man bedenkt dabei qar nicht, daß auch dieses Mädchen von Natur ein frisches, lebenslustiges Gemüth besitzt, Verlangen nach Freude hat und von ihrem Dienstverhältnis nur dann befriedigt sein kann, wenn es in Pflichttreue geübt wird und freundliehe Anerkennung findet. Jedenfalls wird eine :ute, einsichtsvolle Hausfrau, die ihr Mädchen streuge, aber liebevoll hält, viel besser bedient werden, als nachsichtigere, die stets unzufrieden sind und nörgeln, selbst ewig unruyiz, aögehe-zt erschei-
r.en und deshalb auch andere nicht zu? Ruhe kommen lassen! Ein freundliches, gutes Dienstmädchcn ist ein wahrer Schatz für jede Haushaltung, der gar nicht hoch genug anzuschlagen ist, Behagen t?ie Frieden erzeugt. Darum sei es ernste Aufgabe der deutschen Frau, ihr Mädchen sachgemäß zu erziehen für das eigen: Vedürfniß, dann aber für den Staat, das c-oen, in welchem es dereinst auf wichtiger Stelle stehen wird. Daß sie diese ganz ausfüllen könne zum Segen und zur Wohlfahrt des Arbeiterftandes, dahin muß das Streben der gebildeten Frau unablässig gerichtet sein. Wer diese Pflichten aus den Augen setzt, vergeht sich gröblich gegen seine Mitmenschen.
!ie Liebe im Wort. Die Lieb: macht erfinderisch, aber nirgends meh; als in Schmeichelnamen. Ich habe einmal, plaudert eine Dame, Liebesbriefe geksen, da bestand die ganze erst: Seite au5 der Ueberschrist, aus lauter zärtlichen Vezeichnungen. die für den Nichtbeiheiligten manchmal recht komisch klingen und ebenso unverständlich sind, wie das ruffische Schm:ich:lwort Mein Gürkchen". Unsere Verliebten geben den: Gürkchen nichts nach. Ich bin so indiskret, einige von mir zufällig aufgeschnappte Prachtexemplare vonSchmeichelworten wiederzugeben, zweisle jedoch nicht, daß einige Verliebt: beim Lesen natürlich nur heimlich zu sich sagen werden: ..Das kann ich noch besser." Ich glaube gern, ich würde mich sogar freuen, wenn zur Nachahmunz für künftig: Geschlecht:? noch eine w:i ter: Auslese hier veröffentlicht würde. Der Verliebt: setzt den Gegenstand seiner Neigung, je wie es ihm paßt, in das Thierreich, Pflanzenreich oder Mineralreich, abwechselnd auch unter die Götter. Feen oder Elfen. In das Veilchen, die Lilie, die Sonnenblume alle Sorten Schlinggewächse, wie zum Beispiel der Herzens-Epheu, ferner die Tanne und der stolze Eichbaum. Kaktusse, Kürbisse und Disteln sind nicht gebräuchlich. Die Beiwörter lieb, entzückend, schön, reizend, allerliebst, göttlich angebetet, traut, himmlisch, einzig und Herzens- geben in mannigfacher Zusammensetzung die nöthig: Ausschmückung zu allen Kosenamen. Für das Thierreich ist das besonders nöthig, denn wenn auch Mäuschen und Lämmchen ganz gut klingen, so dürfte dies z. V. beim Hammel weniger der Fall sein, aber: ..Mein kleiner süße? Herzenshammel" läßt sich schon hören. Gewöhnlich wird die Schmeichelei in eine Frage eingekleidet, wie z. B.: Bist Du denn mein kleiner Spitzbube, mein Herzensdieb?" Ja. mein Gold", antwortet sie und birgt ihr Haupt an seine Schulter. Mit Gold" kommen wir schon in di: Mineralogie, obwohl das Thierreich noch lange nicht erschöpft ist. Ich überlasse es den Leserinnen, aus Tauben, schlanken und braunäugigen Nehen, Piepmätzchen. Lerchen, Bienen, Gazellen und Libellen. Hühnchen. Kücken. PuttHühnchen u. s. w. mit den obigen BeiWörtern, das Wünschenswerthe zu vereinigen. Von dem Mineralreich war Gold schon genannt. Edelstein. Juwel, sogar Goldjuwel, Pe?le, alle kommen in der Liebessprache vor. Aluminchen" würde; doch auch ganz wohllautend klingen. Verliebte sind ja meist närrisch, aber mit der lieben Narrheit bringen sie es so weit, die drei Reiche der Natur zu vereinen. Solches Unikum hörte ich von einem Liebhaber im Nebencoupe also benennen: Du ist doch mein goldener Nesen-Hammel, Puttchen!" Weitere seltsame Namen sind auch Pusselchen". Schnuckelch-n". Käferchen", Kakerlakchen" u. s. w. Jede Provinz hat ihre besonderen Schmeichelnamen, wie dc? Ostpreuß: sein Duchen". der Sachse sei Lammchen", der Schlesier sein güldenes Qastel", der Berliner Schnuteken" oder Schnuckelchen". So manches Schimpfwort in Beröindur.g mit mein, klein, süß u. f. w. verfehlt seine Wirkung nickt. Kleiner süßer Lump", herziger Affe, Filou", all so etwas kann man zu hören bekommen. In Aachen sagt man soaar: Oh du süßes Schinnäschen" (Schindaas!) u. s. w. In Gedichten ist man weniger vertraulich, aber. Kosenamen gibt es auch darin genug. Verherrlichungzn aller Art. Zum Schluß sei es mir erlaubt, ein: kleine Vlumenlese aus d:r deutschen Minnezeit hineinzufügen. Traute, süße und Herzenstraut. Osterblume. HonigsÄmack. Herzensminnenest. meines Herzens Inaesinde. Turteltaube. Augenweide, süßes Zuckerrohr, Herzensparadies und Andere mehr. Unendlich viel Gemüth, kinaebende Zuneigung. Lieb:, Freundschaft und Harmonie lieat in dem ei neu Wort, da? ich zuletzt anführe: Mein Trautgeselle!" Entschuldigt. Meister 0u seinem Burschen, der zwei Glas Vier bat holen sollen): Junge, die Gläser sind ia fast leer! Bursche: Ja. Herr Meester, det eene Jlas lies so sehr ieber. det ick habe abdrinken müssen, un da hab' ick n bisken zu vill: jeschlürft un babe mußten nu ooch von det andere TilaZ abdrinken von wenn det JleichZewicht. Ick bab: et aber bei allen Abdrinken nicht in't richtig: Loth krieZen kennen'. M o d e ? n. Hausfrau: Hier, Marie, schenke ich Ihnen ein ganz neues Kleid." Dienstmädchen: Das kann ich nicht annehmen, gnädig; Frau!" Hausfrau: Gemren Sie sich doch nicht; nehmen Sie es ruhig." Dienstmädchen: Ich kann nicht, gnädige Frau, der Schnitt ist ja fei! zwei Jähren außer Mode."
pneumatische Vcschiihe. .Männermordende Maschinen von wahrhaft riesigen Dimensionen, deren Zerstöruxgskraft alles bisher Dage wesene weit übertrifft, sind auf der äuße?sten No?dspitze von Sandy Hook einer eingehenden Prüfung unterworsen worden und die unter Aussicht von Bundes-Osficieren vorgenommenen Schießversuche sind zur vollsten Zufriedenheit ausgefallen. Die Zerstörungskraft dieser Niesengeschütze ist so groß, daß es selbst für die stärksten feindlichen Flotten ein Ding der UnMöglichkeit sein dürfte, in einen Hasen einzudringen, welcher mit einer Batterie derselben armirt ist. Es wurden mit zwei Geschützen Versuche angestellt. Das Eine hat ein Kaliber von 15 Zoll bei einer Rohrlänge von 50 Fuß und das Zweite ein solches von 8 Zoll bei einer Länge von 45 Fuß; die Rohre sind glatt. Die Geschütze werden nicht mit Pulver, sondern mit comprimirter Luft geladen. Das 15 Zoll-Geschütz vermag Stahlprojektile von 11 Fuß Länge, dre mit 500 Pfund Nitro-Gelatine geladen sind und ein Gesammtgewicht von 1120 Pfund haben. mit der größten Genauigkeit 3700 Bards weit zu schleudern, doch können auch Projectile von geringerem Kaliber, deren kleinstes mit 50 Pfund Nitro-Gelatine geladen wird, verwendet werden. Statt des Pulvers wird comprimirte Luft als treibende Kraft benutzt, da die Explosion des Ersteren zu plötzlich ist und das Projectil selbst im Rohre zum Efplodiren bringen würde; auch verhindert die Anwendung von comprimirter Luft das Heißwerden des Geschützes, ja dieselbe kühlt dasselbe sogar ab, das Rohr bleibt außerdem vollkommen rein.
I Geschoß von 11 Fuß.' ' Die pneumatischen Geschütze sind wahre Wunderwerke der Technik zu nennen. Die Kolosse, welche mit den Lafetten ca. 52 Tons wiegen, lassen sich mit Leichtigkeit um ihre eigene Achse bewegen, so daß sie ihre Verderben bringenden Geschosse nach allen Seiten entsenden können. Als Kraft zum Bewegen und Nichten der Geschütze dient Elektricität und die Bewegung eines Hebels genügt hierzu. Die comprimirte Luft wird von dem Maschinenraum in eisernen Röhren nach den aus Eisen und Stahl hergestellten Luftkammern, die sich unter der Lafette befinden, geleitet. Ein mächtiges Ventil regulirt den Zutritt der. comprimirten Luft. Die pneumatischen Geschütze gewähren den Vortheil, daß ihre Tragweite nicht von der Elevation des Rohres abhängt, sondern von dem größeren bezw. kleineren Quantum comprimirte: Luft. Cr-Trfy trtri. - '.- Laden des Geschützes. Das Laden der Geschütze ist durchaus gefahrlos. Die Projectile werden aus dem Magazin auf kleinen Wagen bis an die Lafette gebrach! und dort von einer Maschinerie aufgenommen, welche dieselben in das Rohr schiebt. Zum Laden mit Geschossen mit dem schwersten Kaliber sind sechs Mann erforderlich, zum Abfeuern ein Mann, welcher auf einer kleinen Platform zur Seite steht und das Ziel durch ein Teleskop beobachtet. Um Geschosse des sogenannten Sub-Kalibers (kleiner als die Rohrweite) verwenden zu können, werden dieselben mit entsprechenden Ringen versehen. Um dem Flug der Projectile größere Sicherheit zu heben, sind dieselben an dem Hinteren Ende mit einer fächerartigen Vorrichtung versehen; zum Ezplodiren werden sie durch Zeitzünder gebracht, die an der Spitze befestigt sind. Abfeuern. Die Schießversuche haben überra schende Resultate ergeben.. Während die modernen Riesenkanonen, die mit Pulver geladen werden, fürchterlich knallen.hörte man beim Abschießen der pneumatischen Geschütze nur ein unverhältnißmäßig leises Puffen, dagegen konnte man das Projectil während seines ganzen Fluges beobachten. Die Vorschrift war, daß acht Geschosse, welche jedes mit 200 Pfund der stärksten Explosivstoffe geladen sein sollte, auf eine Entfernung von 3500 Jards gefeuert werden, und daß mindestens fünf der Schüsse in ein Rechteck von 360 Fuß Länge und 90 Fuß Breite treffen sollten. Zum Erstaunen der entsandten Artillerie-Officiere trafen aber sämmtliche acht Schüsse in einer Entfernung, welche die vorgeschrieben: noch etwas übertraf, in einen Raum, der nur 120 bei 30 Fuß einnahm. Wenn man bedenkt, daß ein großes Kriegsschiff mindestens ein: dreifache
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Länge hat. so ist leicht ersichtllch.welche vernichtende Wirkung das Feuer eines pneumatischen Dynamit-Geschützes haben muß. Fahrschuyc.
Ein neuer Fahrsport ist durch die patentirte Erfindung eines Fahrfchuhs ins Leben gerufen. Unter einer stabilen Stahlsohle befinden sich zwei hintereinanderlaufende, 17 Cmtr. im DurchlneZser haltende und mit pneumatischen Gnmmireifen versehene Räder, die sich in Kugellagern bewegen. Um denFahrschuh am Fuße zu befestigen, hat man, wie beim modernen Schlittschuh, nur nöthig, mit dem Stiefel auf die Stahlsohle zu treten und mittels eines Schlüssels eine am vordern Theil des Gestells angebrachte Schraube anzuziehen, wodurch sich zwei stählerne Backen an die Stiefelsohle anlegen und sie festhalten. An der Schuhhacke der Stahlsohl: ist eine aufrecht stehende, fzrpr-vi-ucsw'L?. aii V! etwa 15 Cmtr. hohe Beinschiene angebracht, an der sich zwei mit Filz unterlegte Riemen befinden, die man um den Stiefelschaft schnallt und mit der Hose schließlich verdeckt. Hat man beide Schuhe an den Füßen befestigt, so braucht man nur die Bewegung des Schlittschuhlaufens zu machen, und man eilt auf günstigem Terrain sglattem Pflaster, Asphalt) mit großer Schnelligkeit dahin. Daß man das Laufen auf dem Fahrschuh erst erlernen muß. versteht sich von selbst. Jedensalls hat der Radsahrtsport durch den Fahischuh eine bcachtenswerthz Bereicherung erfahren. Clcktrischcr Tpazierstock. Eine effectvolle Neuheit auf dem Gebiete der Elektrotechnik ist der Spazicrstock mit elektrischer Beleuchtung. Derselbe besteht aus einem konisch zulaufenden, elegant polirten Ebonitrohr, dem oben di: Batterie mit der Glühlampe luftdicht angeschraubt ist. Die Glühlampe wird durch einen geschliffenen Glaskcpf vor allen äußeren Beschädigungen' bewahrt, außerdem trägt jener noch zur Verstärkung des Lichtes bei. Die Batterie enthält drei Platin - Zink - Elemente kleinster Eonstruction mit 60 Quadratcmtr. Platinfläche, 6 Volt Spannung und 4 Ampere Stromstärke. An den beiden Polen, dem Zink- und dem Pla1 tinpol, sind die Drähte der Glühlampe j befestigt. Die Elektricität wird durch ein Naß - Element erzeugt. Die betreffende Flüssigkeit gießt man bis ungefähr 15 Cmtr. vom Rande der oderen Stocköffnung in das Rohr hinein. worauf man die Batterie wieder eract und luftdicht aufschrauben muß. Beim Neigen oder Umkehren des Stockes wird der Stromschluß bewirkt, und die Glühlampe erstrahlt in glänzendem, weißem Lichte, das fast anderthalb Stunden ununterbrochen erhalten werden kann. Diese Brenndauer läßt sich natürlich nach Belieben auf verschiedene Zeiten vertheilen, da bei aufrechter Stellung des Stockes kein Materialverbrauch stattfindet. Haben sich die Flüssigkeit und die Batterie abgenutzt, so kann die Erneuerung nach der beigegebenen Anweisung von Jedem leicht vorgenommen werden. Das Gewicht des gefüllten Stockes beträgt 510 Gr., seine Länge 85 Cmtr., die Dicke am oberen Ende 33, am unteren Ende 15 Mmtr. Er ist kräftig ausgeführt, sodaß er auch zum Stützen verwendet werden kann. Der Knopf ist in der verschiedensten Weise, mit oder ohne Schuhkapsel aus Nickel oder Silber ausgestattet. Pech. Kassirer: Zwanzig Jahre hindurch bin ich bei der Kasse gesessen, Millionen sind durch meine Hände gerollt, während ich selbst in den bescheidensten Verhältnissen lebte, aber immer hab' ich der Versuchung widerstanden! Endlich in einem schwachen Augenblick hab' ich 300 Gulden herausgenommen und jetzt bin ich im Unglück!" Verbrecher: Da hat man's! Und ein Anderer, der gern stehl'n möcht', kommt zu keiner Kasse!" Scharfe Bedingungen. A.: Haben Sie schon gehört, der Doktor Neuntödter hat mit dem Doktor Murkser ein amerikanisches Duell unter sehr schweren Bedingungen." 23.: Was Sie sagen; wie sind denn die Bedingungen?" A.: Wer die schwarze Kugel zieht, muß sich, sobald er krank wird, vom andern behandeln lassen." Seine Ferien. Heut' is Dienstag, da mach' i nix am Mittwoch und Donnerstag, da sei?' i, Freitag and Sonnabend' gieöts niz zu thun, dann kommt der Sonntag und der blaue Montag juchhei, a ganze Wcch' Ferien!
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Bilder aus Korea.
Nach Photographien, welche sich im Besitze des Herrn H. C. Eduard Meyer, koreanischen Consuls für das Deutsche Reich in Hamburg befinden, sind die nachstehenden Illustrationen angefertigt, welche Li hui, König von Korea, und den Vice-Präsidenten Pak Chu Fang in Hofkleidung darstellen, sowie die Audienzhalle des neuen Palastes in Söul veranschaulichen. Die Verwaltung Korea's, das zum Zankapfel zwischen China und Japan gePak Chu Yang. Lihui. worden ist, liegt unter einem unumschränkten König in den Händen einer Leamtenhierarchie. Wie in allen asiatischen Despotenreichen, so ist auch in Korea Beamtenwillkür und Erpressung an der Tagesordnung. Ein jeder Beamte sucht aus dem Volke soviel herauszuschinden, als nur möglich, und durch Kriecherei seinen Vorgesetzten gegenüber sich in den Besitz einer mögA u d i e n z h a l l e. lichst einträglichen Stellung zu setzen. Fast alle höheren Aemter werden vom Adel eingenommen, der eine sehr große Macht besitzt. Den Angehörigen jene? Staaten, welch: mit Korea HandelsVerträge abgeschlossen haben, sind als Vertragshäfen" zugänzlich Chemulpo, Fufan und Wön-san. Daß die Erschließung des Landes, im Falle des endgiltigen Triumphs der Japaner über die' Chinesen, mit schnelleren Schritten als bisher vor sich gehen wird, ist mit gutem Grund anzunehmen. Präsident Hlppolyte. Die neuesten Nachrichten aus Port au Prince besagen, daß General Hippolyte, welcher seit dem Jahre 1888 Präsident der Negerrepublik Hayti ist, schwer krank darniederliegt und die Republik am Vorabend einer neuen Revolution steht. Nicht weniger als 26 Größen des Landes sollen auf das tft. 4lT Ä I. "CS? Präsidentenamt speculiren, unter ihnen der E?-Präsldent Legitime, welch' Letzterer seiner Zeit von Hippolyte gestürzt und aus dem Lande vertrieben wurde. Daß die Besetzung des Präsidentcnstuhles nicht ohne Blutvergießen vor sich gehen wird, darf als sicher angenommen werden. Während der Sonntags- . ruhe. Kunde: .Also es ist wirklich nichts zu aven, Herr kchleiichert?" j Kaufmann: Nehmen Sie eine von ' meinen Töchtern, die fallen nicht in tai neue VeeZ! Viel schlimmer. Brown: .Die Dienstbotensraae wird na&at ! radc unerträglich. Im letzten Jahre aII V A. A .A. I r L Im.!..... . f 3 ' juiic meine iuu uiui .ucuigcc ai5 j zwanzig verschiedene Zunge Mädchen." ! Smith: Sie Glücklicher! Meine 1 1 - , 1 . AI liizu yaue zwanzig ane. Bedenklich. A.: Vor einem Jahre haben Sie mich zum Duell gefordert! B.: Mcrdings, mein Herr! A.: Ich sagte Ihnen damals, ich hätte mich eben verheirathet und wollte mein Leben nicht aus's Spiel setzen. B.: Ich erinnere mich. A.: Nun, meine Ansichten haben sich jetzt geändert, ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung!
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Zm Reiche der ZNode.
Wenn wir ein Resume aus unseren Leobachtungen und Informationen, soweit diese die nächsten Zukunftshüte betreffen, ziehen, so kommen wir zu dem Schlüsse, daß im Herbste nicht allzu große Formen, vorzugsweise in braunem und blauem Filz dominiren werden. Der Wagenhut bleibt nach wievor in seinen Dimensionen unbeschränkt und wird noch immer viel mit kurzen in Mengen placirten StraußZederköpfchen, glatt oder mit schimmerndcm Flitter bestreut, garnirt sein. Sehr viel doppelseitiger Aufputz, doch nicht mehr in symmetrischer Anordnung soll angewendet werden. Man hört viel von Hüten reden, deren sehr breite weiche Krampen mit Flitter gestickt und durch eine Drahtkappe mit faltig darüb'er zu spannendem Sammt oder grobfadiger Faille zu einem Barett completirt werden sollen. Ein derartiges Modell war braungrün gehalten, mit Stahlpailletten in SonnenUnordnung an der Krampe bestickt und hatte eine stahlgraue faltige Sammtkappe, welche am oberen Theile von zwei großen Pfeilnadeln in Altsilber durchstochen war. Zu beiden Seiten erschienen mit Flitter bcsäete schwarze Steh- und dunkelgrüne kurze Straußfedern aus dunkelgrauen Mousseline-Chiffon-Rosetten aufragend. Allem Anscheine nach werden im heurigen Herbste sehr viel Filzhüte getragen werden und auch die Ve?mengung von Schwarz und Weiß soll nach wie vor beliebt bleiben, in der Weise, daß schwarze, seidig glänzende Filzsormcn' mit reinweißem 'oder elfenbeintoniaem 'Atlas geputzt werden. Die Rosetten werden von ihrer Große einbüßen und nicht mehr aus gereihtem, gerollten Stoffe, sondern aus kunstvoll übereinandergelegten schrägen Streifen hergestellt sein; sie machen den Eindruck, als wären sie geflochten. Die Schnallen scheinen eine abgethane Sache zu sein; dagegen tauchen sonnenförmige Stahlaigretten auf in größeren und kleinen Exemplaren. Eigenartig ist eine Hutform aus dunkelblauem oder dunkelbraunemFilz ganz mit niedriger Kappe und vier wellig gebogenen, übereinander placirten Krämpen, zwischen welchen der Rollenausputz, der natürlich durch Rosetten oder kleine Maschen unterbrochen wird, Platz findet. Die Rappe kann nach Belieben garnirt sein, doch hat dies in mäßiger Weise zu geschehen. Die Toques aus Sammt, die lm Vorjahre ganz ohne Drahtunterläge, also vollkommen biegsam, am beliebtesten waren, werden Heuer durch nicht zu kleine Filztoques ersetzt, welche in gleichmäßiger Art an beiden Seiten ' zu garniren und mit runden Kappen ousgestattet sind. Irgend eine Stahl-perlen-oder Chenillen-Stickerei an derselben wirkt sehr elegant und macht viel anderen Ausputz unnothig. Wagenhut aus ecru Stickerei. Runde Hüte sind in Art der Ehepaliersformen zu beiden Seiten an den Krämpen aufgebogen und mit langen Federn geputzi, welche meist rückwärts Überhängen und beiderseitig über die Frisur fallen. Solche Hüte sind nur in dunklen Farben elegant. Es verlautet viel von Rouleaux aus Pelz in mehrreihiger Anordnung auf den Filzhüten. Einen Wagenhut aus ecru Stickerei mit kleiner Kappe und großer. Haubenförmiger Krämpe, die in große Falten gebogen ist. stellt die erste Illustration dar. Am Rande der Krämpe ist eine Drahteinlage. Die Stickerei ist von Goldfäden durchzogen. Die Kappe erscheint mit schwarzen Federn und großen schwarzen Sammtbandmaschen garnirt. Rückwärts als Abschluß eine gleich: Masche. Basthut. " Hochelegant ist der Directoire-Hut für junge Frauen, wie ihn die zweite Abbildung veranschaulicht. Die 5crämpe ist vorne hoch aufgebogen und mit einer dicken Bastschnur eingefaßt, die in Abständen mit Knötchen beseht ist. Garnitur des Hutes: große Orakelblumen in Form eines Kranzes und eine rückwärts placirte oiQt weiß'
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Taffetbandmasche. Schwarze Sammt bindebänder.. Einen sehr hübschen Ef fect macht auch der Canotier aus grünem Stroh mit Guirlanden aus ??eld-
blumen. Rückwärts ein Fächerfaltenarrangement aus creme Spitzen. . Canotier. Ein sehr elegantes VesuchZkleid aus ecru Bastseide und Spitzm mit Plisserock veranschaulicht die letzte Jllus.ra tion. Der Rock hat eine Grundform aus Satin oder Seide, die aus Zwickeltheilen hergestellt wird und etwa 16 Zoll hohen Randbesatz hat. der mit Mousseline unterlegt sein kann. Der Grundrock ist etwa 137 Zoll weit; nachdem er bis auf den oberen Rand fertig gestellt wurde, versieht man ihn mit den Pliffes in folgender Weise: zu ' Besuchs. leid. dem Doppelrocke werden etwa V) bis 11 Stoffbreiten genommen, so viel, daß der Gesammtumfang 1 1-2 mal so weit ist, wie der Grundrock. Diese Bahnen sind an je einer Seite in Zwickel zu schneiden; dies hat am vorderen Theile weit mäßiger zu geschehen, als rückwärts. Wenn die Berbindungsnähte (man immt die Blätter am unteren Rand: gleich) ausgeplättet und der Rand losgeheftet, der untere nach Erforderniß gerichtet, dann gibt man beide Röcke auf eine Puppe und regulirt durch Einlegen die rückwärtigen und nach Bedarf auch die vorderen Plisses nach der Hllftenform des Grundrockes. Die Taille ist vollständig anpassend; die Oberstofftheile können mit dem Futter gleichartig geschnit. ten sein. Sie schließt rückwärts unsichtbar mit Haken und ist mit einem prinzeßartigen Spitzen- oder Passementerieputze ausgestattet, dessenSchoßtheil ungezwungen auf dem Rocke liegt. Den oberen Taillentheil deckt einegleichartige Passe, die mit Haken abschließt und einen Faltenblousentheil hervortreten läßt, der schoppig überhängend gestaltet und unten verstürzt an die Taille befestigt ist. Dies geschieht, bevor die Passe angebracht wird ,da man den oberen Rand des Faltentheiles unter dieselbe schiebt. Der Rücken erscheint ganz mit Spitzen ge deckt, aus welchen auch der Stehkragen und die hohen a jour-Stulpen herge stellt sind Ba ck f i s ch - U n t e r h a l t u nz. 1 Leonie:Js: Dein Papa auch gegen die Civilehe?" Ilse: .Das nicht, aber leider gegen die Militärehe!" N i ch t m ö g l i ch. A.: Wenn Ihre Frau noch lebte, so würden Sie jetzt Ihre silberne Hochzeit feiern können." B.: Silberne Hochzeit! Welcher Unsinn ich würde längst vorher gestorben fein." Traurig. . . .Lieber Freund, Sie müssen das Trinken aufgeben!" Aber, Herr Doktor, ich trinke ja nie einen Tropfen!" So? Dann müssen Sie das Rauchen lassen!" Jch rauche auch nicht!" Ja, lieber Freund, wenn Sie gar nichts aufzugeben haben, dann kann ich Ihnen nicht helfen!" Unmöglich. Doktor: Sie müssen sich mehr körperliche Bewegung machen. Patient: O, Doktor, dasist unmöglich. Doktor: Ich sage Ihnen. Ihre Gesundheit hängt davon ab. daß Sie in Zukunft zweimal so viel gehen, wie bisher. Patient: Ich kann wirklich nicht. Ich bin Brief träger.
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