Indiana Tribüne, Volume 17, Number 346, Indianapolis, Marion County, 2 September 1894 — Page 7

Lluarch':st!schs Spielarten.

S3cn Georg Fuch?. Es gibt anarchistische Gourmands, Menschen, die in dem Anarchismus das gesunden haben, was sie sonst nir gends mehr treffen: die ästhetischen, rotischen, nervösen Sensationen, die ihren abg:stumpsien Nerven den Reiz zum Leben geben. Sie nehmen an der Propaganda keinen Antheil, sie wollen nur genießen", zusehen. Aber ungefährlich sind sie deschalb nicht; im Gegentheil, wenn sie sich von der Cultur und Ordnung voll Ekel abwenden, sie, denen die bestehenden Verhältnisse reiche und überreiche Gaben darbringen, was , sollen dann die Enterbten" von diesen Verhältnissen halten? Müssen sie nicht denken, daß nicht viel daran geigen sei, wenn man sie vernichtet? Hier tritt uns der Anarchismus als ein Product des Nasseversalls entgegen. Sie und die übrigen Spielarten des Anarchisrnus zu begreisen, muß man von sranzösischen Zuständen ausgehen. Schrecklicher ist das Bild, welches uns das niedere Volk solcher VerfallsZeiten bietet. Panem' et Circenses!" schreit es durch die Straßen. Verweiaert man ihm seine ..Circenses". so bereitet ?s sich aus eigener Macht seine Orgien, schaart sich zu Haufen, zeri.:: i ei v,s::wi v:VDrr;.. I uu.nmcii, iuui, fuunvcii uic-oiucueu, tödtet die Polizisten denn Blut, viel Blut will es sehen zündet Wagen und Kioske an und verhöhnt alle Heiligthümer und Gottheiten. Dies zur Zeichnung der Verhältnisse, in welchen der anarchistische Verbrecher gezüchtet wird. Denn dieselben entstammen Alle den niederen Volksschichten und werden durch eine Wechselbeziehung und das ist von großer Wichtigkeit zu den theoretischen, gebildeten, geistig überlegenen Nihilisten erst zu dem. als was wir sie auf der Vühne des öffentlichen Lebens finden. Wir können bis jetzt vier Typen unierscheiden. Erstens den Typus Ravachol. den Blut- und Gewaltmenschen, dem der Anarchismus die Befriedigung seiner innersten stärksten Triebe: bietet. Zweitens den Typus Henry (der Dynamitarde des Cafe Terminus"). Dieser ist lediglich historisch zu verstehen. Er hat seinen Vater gerächt!" rief seine Mutter aus, als ihr die Schreckensthat mitgetheilt wurde. Emile Henrys Vater war als Commuuarde 1871 gefallen, Henry gehörte zu jenem großen Contingent, welches die rachedurstigen Söhne der Commune zu den anarchistischen Truppen stellten. Bekannter, aber als Product des decadentenPöbels besonders charakteristisch, ist der Typus Vaillant, welcher ganz an jenen verbrecherischen Histrionen der byzantinischen Zeit gemahnt, welcher cus Eitelkeit mordet. Der vierte und -actuellste Typus ist Caserio, der mystisch - fanatische Schwärmer. Gerade er bietet das deutlichste Beispiel dafür, wie der Anarchismus eine Vorgeschichte von oben nach unten erlebt und nicht umgekehrt, wie bisher angenommen wurde. Caserio. und auch die drei anderen Typen, sind ohne eine Beziehung auf die Kreise, welche ich hier mit dem Ausdruck Gourmands" bezeichne, undenkbar. Auch unter den Letzteren lassen sich vier Typen unterscheiden. Den byzantinischen", den reinen, zuschauenden, scnsations hungrigen Gourmand. Er theilt mit den folgenden die absolute Gleichgiltigkeit gegenüber jeder cultuTeilen Entwickelung, jenes gelangweilte Achselzucken auf alle Fragen. Aber er .denkt nicht weiter über seine Lage nach, er theoretisirt nicht und sucht eine Verbindung mit den handelnden Persönlichkeiten nur aus nervöser, ästhetischer Eourmandise, wie das ja Laurent Tailhade bekannte, als er selbst im Cafe Foyot von seinen interessanten Mordgesellen so übel zugerichtet wurde. Anders ist jene Gruppe, welche ein anarchistischer Belletrist die Balzac'sche Aera" genannt hat. weil sie, das Absolute suchend", den Helden Balzacs nicht unähnlich sind. Es scheint, daß Henry, welcher als Vaccalaureus nicht ohne Bildung war, ihre Theoreme kannte, Theoreme und psychische Zustände, die sich etwa als Umkehiung und -Pendant des Cäsarenwahnsinns auffassen lassen. Sie behaupten von sich, daß sie den Gedanken der absoluten Demokratie zu Ende denken, und daß es eine willkürliche Unterbindung der Logik sei. bei dem socialistischen Idealstaate stehen zu bleiben. Das Jndividuum ist Alles. Gott und Welt. Jede gesellschaftliche Stellung verletzt und beengt es, auch der radicalste Gleichheitsstaat; alssBekämpfung jeder staatlilben Form. Ob das m'öqlich ist oder nicht, ist gleichgiltig (!). Wir sind Individuen, wir haben dieses Bedürfniß, und wir setzen es durch kraft der HeiZigkeit der Individualität. Wenn darüber die menschliche Gesellschaft, die u::siur, ja die Mensckbeit zu Grunde geht, so ist das eben nicht zu ändern, wir haben ja Alle kein Interesse an den Dingen mehr. Diese Theorie gilt iin Allgemeinen, besonders in Deutschland für tfc eigentlich und einzig anarchistische. Man hat sie aus Philosopben ableiten wollen und bisher ganz übersehen, daß sie ein Product des Nasseverfalls ist und vollkommene Gleick'ailtiqkeit gegen jedes culturelle Leben voraussetzt. Vollkommen unsinnia ist es, sie von Nietzsche abzuleiten. Nietzsche lehrt das gerade Gegentheil: Züchtung einer höheren Gattung. Mensch. Schaffung einer öberen Cultur durch den aristokrati'en Staat, in welchem der zur Führung geborene Edle herrscht und die Maen nach seinen Machtwinlen lenkt. Ich habe auch in den zahlreichen Schriften und Documenten der Anar chie, welch: ich studirte, niemals den Namen Nietzsche's getroffen. Nietzsche ist in Paris nur. dem .Namen nach be

rannt, da nur kleine Fragmente, meist aus dem Zarathustra", übertragen wurden und rein ästhetisch goutirt werden. Das Verhältniß Nietzscbe's zu jeder Art des Anarchismus ist etwa das des aristokratischen Staatswesens, welches die Weltgeschichte kennt, der Republik Venedig zu jener Rotte libertinistischer Schwärmer, welche sich einst im Mittelalter auf einer Insel in der Moldau in paradiesischer Nacktbeit niedcrließ und dort wie das liebe Vieh ihr Wesen hatte, bis man sie dementspreckend auch wie das liebe Vieh todtschlug. Die dritte Gattung sind die Anarchisten des bösen Gewissens". Sie sind zum größten Theile hoch gebildete, vornehme Leute, oft in einflußreicher Stellun. Sie wurden durch die PanamaKatastrophe und ähnliche Vorgänge in jene verhängnißvolle Gleichgiltigkeit allem Bestehenden gegenüber gedränak. Sie empfinden in sich die moralisch: Unfäbigkeit zum staatlichen Leben und b?a:üßen in dem Anarchismus die Erlösung. Man hat ihre Stimme sogar schon im Parlament gehört. Sie sind es, die in das französische Staatsleben jenes Element bringen, welches uns als Frivolität erscheint. Sie sagen sich: wir mögen regieren, mit wem wir wollcn, und wie wir wollen, ein productides atsleben werden wir doch nicht mehr erlangen. D'.ese Leute sind es, die Ibsen in seinem Baumeister Solneß" so wunderbar symbolisirte. Unter ihnen sind die finanziellen Hintermänner der Anarchie zu suchen. Eine mir vorliegende, etwas posirtc, aber dafür um so offenere Aeußerung aus diesen Kreisen sagt: Man will Vaillant tödten? Aber haben wir dazu das Recht? Vaillant ist ein Heiland (Sauveur"), t: hat uns an uns selbst rächen wol len, indem er uns in unserem Rendezvous (Parlament) zu tödten versuchte. Der Tag ist nicht mehr ferne, wo wir uns Alle danach sehnen werden, daß uns ein einziger, universeller Schlag von unserem bösen Cewsssen befreit." Das ist allerdings ein erschütterndes Bekenntniß. Zum Glück befinden sich diese Leute in einem grundsätzlichen Irrthum. Eine moderne Nation sckövft sich nicht so rasch aus wie ein antiker Stadt-

Staat (Rom, Syrakus, Athen). Paris ist nicht Frankreich, und bei den modernen Verkehrs- undWanderungsverhältnissen strömen immer neue, unverbrauchte Kräfte zu, welche im Stande sind, auch das Staatswesen zu regeneriren. Die vierte und gefährlichste Gruppe endlich ist sehr schwer zu schildern. Es treten hier mehrere ganz heterogene Elemente zusammen, so daß es schwer ist. aus ihren Aeußerung!, die überdieS in einer mysteriösen Rhetorik gehalten sind, den durchgehenden Faden des Wesentlichen herauszuspüren. Sie sind eines Theils Mystiker, anderen Theils schroffe, unerbittliche Realpolitiker. Sie erklären die Propaganda der That" zum Selbstzweck. Denn als Realpolitiker sind sie sich klar darüber, daßAnarchie einJdeal und unerreichbar ist, daß vielmehr, da sich die menschliche Gesellschaft, diese sal: bete" (schmutziges Thier), wie sich einer ihrer Theoretiker ausdrückt, im Unrecht befinde gegenüber dem Einzelnen, weil also der Einzelne, welcher gegen die jeweils bestehende Ordnung ankämpft, im Stande der Nothwehr (droit de legitime deftnse") handle: der Kampf Selbstzweck sei. Die Anarchie besteht in der Propaganda par le fait", sie hat keinen Zweck, sie ist nichts als die eDige Todfeindschaft zwischen dem Individuum und seinem Bedränger, der menschlichen Gesellschaft. Die Anarchie erstrebt die Expansion" des Ich's, die ewige Revolte. Man will in ihren Thaten, in ihren Hinrichtungen, Massenmorden u. s. w. Mittel erblicken. Aber das sind Resultanten. Es ist ungenau, zu behaupten, daß diese Leute die Societät angreifen: im Gegentheil, die Gesellschaft ist es. welche sie angreift. Sie vertheidigen sich nur. Wohlan denn! Die Stunde des Aufruhrs schlägt immer, Tag und Nacht, durch all: Jahrhunderte, seit der ersten Ungerechtigkeit, seit Kain! Die letzte Wendung führt uns auf die Mystik, auf die furchtbare Religion" dieser wildesten aller Nihilisten. Der Verfasser jener Worte will sagen: Gott, der Repräsentant der sittlichen Weltordnung, das ist die herrschende Gesellschaft, hat das Opfer Kain's, das ist die Eigenart eines Individuums, verschmäht, von sich gewiesen ohne Grund. Daß dieses Individuum (Kain) nunmehr sich gegen die Gesellschaft wehrt und sie vernichtet, soweit es dieselbe erreichen kann (Abel), das ist ihr Recht. Dieser grausame Zwiespalt ist im Anfang der Dinge begründet und soll bis zum Ende der bewußt ten Menschlichkeit währen. Wir hof fen niemals einen Staat zu erleben, der diesen Kampf ausschlösse, wir den ken nicht daran, auf einen anderen Zustand hinzuwirken, uns ist dieser blutige Kampf Selbstzweck und heilig." Hieran knüpft sich eine Soteriologie, eine förmliche Religion, welche vielfach auf Jesus Christus eremplificirt, auf welche jedoch unmöglich hier eingegangen werden kann. Es scheint keinem Zweifel zu unterliegen, daß Caserio von dieser Gruppe aus inspirirt wurde. Die ganze Schilderunz seiner Persönlichkeit, sowie auch die bis jetzt von ihm bekannt gewordenen Aeußerungen deuten darauf hin, daß er diese verbrecherische Mystik, allerdings in primitiver Verflachung, in sich aufgenommen hat. Vor Allem zeigt dies aber seine That, die nur ein Mensch begehen konnte, der in der oben citirten Weise den Mord als Selbstzweck aufsaßt. Diese Lehre treibt ihre Gläubigen zum Blutvergießen wie der Islam,' aber sie wollen dadurch weder ! Verbreitung noch Herrschaft, noch

sonst etwas erreichen. als eben Blutvergießen. Es wäre sehr zu wünschen. daß Caserio über seine religiösen Anschauungen und die inneren Mot'we seiner That gründlich vernommen worden wäre; es ist vom größten internationalen Interesse, den Anarchismus in seinen Grundzügen undQuellen kennen zu lernen. Wie es scheint, ist er in Frankreich ein organisches Product des Rasseverfalls. Vielleicht ist er in Spanien und Italien nur sekundärer Natur. von Frankreich importirt. Es ist möglich, daß die Anarchisten und Nihilisten in den -verschiedenen Ländern im Grunde gar nichts mit einander zu thun haben, daß sie sich auf ganz anderen Gründen entwickelten und, insoweit sie sich über die nationale Grenze vereinigten, dies st; nachträglich vollzogen haben. In diesem, sehr wahrschein lichen Falle würden sich in den einzelnen Ländern für die Gesetzgebung aeg'en di: Anarchie ganz verschiedene Bedingungen und Directiven ergeben.

2cr stramme Hund. Ebensowenig, wie dem Eskimo (a pris leuchtende Pracht bekannt ist, ebensowenig, wie der Kirgise die Reben am sonnigen Rhein, die der Himmel schü tzen möge, kennt, ebenso steht der Bewohner von Berlin W. oder S. den Schönheiten und Wundern gegenüber, welche Berlin N. bietet und birgt. Welcher Bewohner der Bellevuestraße oder des Bellea'llianceplatzes kennt zum Beispiel den strammen Hund? Und doch gibt es kaum ein interessanteres, wohlthätigeres und besser geleitetes Lokal" in'der Reichshauptstadt. Noch weit hinter der berühmten Schnapszahl 111, unter deren Schutz Bötzow ein .eim in der nördlichen Friedrichstraße aufgeschlagen hat, noch viel weiter nach Norden, dort fast, wo die stolze Friedrichstraße in die bescheidenere Chausseestraße" sich wandelt, prangt ein Transparent, dessen Laterne das Leuchten der Sterne überdauert: Strammer Hund. In Rom sahen die Auguren einander an, sie lächelten n.nd wußten genug. Wenn ein paar wackere Kämpen in Berlin N. des Nachts endlich durch die Kellner, welche Stuhl auf Stuhl thürmen als Wink mit dem Stuhlbein, daß es Zeit sei, den Skat zu beschließen, ihre Stammkneipe verlassen müssen, dann sehen sie auch einander an, sie lächeln, und der hungrige Magen, den der schönste Null auf dem Pferd" nicht zu sättigen vermochte, erinnert sie kräftig an den strammen Hund". Ebenso ergeht es allnächtig einigen hundert Studenten. Wer zwei bis siebzehn Halbe" in einem Abend gespönnen" hat, wer ein Dutzend Ganze" vorkommen oder nachkommen mußte, der will dann seinem verehrten Magen auch noch etwas Reelles" zukommen lassen, etwas, das den wichtigsten Körpertheil freudig und heiter stimmt nach dem Einerlei von Gerstensaft und Tabaksrauch. In diesem Falle heißt die Losung mit untrüglicher Sicherheit Strammer Hund", und das Feldgeschrei lautet: Erbsensuppe m!t Speck." Dazu eine kühle Blonde, eine Portion Königsberg Flack" für besondere Liebhaber und im Handumdrehen ist man ein anderer Mensch. Aber warum soll ein anderer Mensch" nicht mal einen Schnaps trinken? fragt man sich flugs, und da die Antwort befried!gcnd ausfällt, wird schnell noch einiges Trinkbare genehmigt. Zwölf Stufen führen hinab in des Bacchus und der Ceres wunderbarsten Tempel aber Schiller wird Lügen gestraft, denn seine Verse: Kaum, daß ich Vacchos, den Lustigen habe. Kommt auch schon Amor, der lächelnde Knabe", verlieren im strammen Hund ihre AnWendungsfähigkeit. Denn weder der lächelnde Knabe, noch die Göttin, die Knydos und Paphos bewohnte, haben dort Zutritt. Weibliche Wesen werden nach elf Uhr Abends einfach nicht mehr 'reingelassen. Und das schadet nichts, denn die räumigen Hallen sind genug gefüllt. Im ersten Raum, in dem der stramme Hund" seines Amtes waltet, in dem der riesengroße, beängstigend robuste Wirth in sehr gemessener Höflichkeit feines Büffets dampfenden Töpfen die Götterspeisen entnimmt, haben zahlreiche Droschkenkutscher einen Kneiptisch etablirt. Polizeibeam!e in Civil und in Uniform genehmigen in größter Eile ein Stehseidel. Nebenan ist der Saal". Hier sitzen an grauen, gescheuerten Holztischen die besten Gäste des strammen Hundes die Studenten. WeißbierglaS und Knobelbecher kreisen, und die Stimmung ist sehr animirt. Aber die Tugend der Sophrosyne macht der Wirth des strammen Hundes seinen Gästen ebenso zur Pflicht, wie die sieben Weisen Griechenlands ihren Schülern. Singen, Lärmen und Schlagen auf die Tische ist verboten," während andererseits Heiterkeit, Frische und Aufmerksamkeit als nothwendigste Requisiten im strammen Hund" verlangt werden. Denn weithin sichtbar zeigt dräuend eine weiße Tafel mit schwarzem Druck das eherne Hausgesetz an, das dort die Schlafmützen strast: Jeder Gast, welcher im strammen Hund schläft, wird auf die Stirn gestempelt." Die Römer brannten Verleumdern und Ehrabschneidern ein schändendes K auf die Stirn, im strammen Hund wird jeder Schläfer auf die Stirn gestempelt". Aber so herzlich hat kaum jemals Homer gelacht jener Kerl, der bekanntlich" fo kolossal lachen konnte, wie ein Realschulabiwrient annahm wi: das unauslöschliche La-

chen ertönt, wenn ein Gestempelter" sich schlaftrunken erhebt. Der Wirth entfernt sich mit dem Stempel und dem Bewußtsein einer vollbrachten edlen That; die beiden Kellner stimmen discret in die allgemeine Heiterkeit ein und mit gedämpfter Stimme wird ein dreifaches Hoch auf den strammen Hund ausgebracht. Man ist nicht sehr seßhaft im strammen Hund. Sobald Suppe, Flack" und Weißbier verzehrt sind, und sobald einem der Tischgenossen die Zeche angeknobelt" ist, verläßt man die gastlichen Hallen, denn da die Zahl der Gäste oft die Zahl der Stühle übersteigt, sind feiernde Gäste da unten nicht gerade gern gesehen. Nacht muß es sein, wo Friedlands Sterne strahlen" daö gilt auch vom strammen Hund. Am Tage, in der nivellirenden Helligkeit des Sonnenlichts, ist dort ein Keller wie viele. Da geht der Wanderer sorglos vorüber, unbekümmert um die Schönheiten der Nacht. Aber zu der Zeit, da mancher Leander zu seines Hero schwimmt, sobald die Sterne strahlen, wird es lebhaft dort unten. Und wenn Mitternacht längst vorüber ist, wenn rechts und links die Laternen erlöschen, wenn fern im Osten der neue Morgen vor den Nachtschwärmern sich graut", dann strahlt warm und einladend nur noch ein Transparent dem Wanderer einen Willkommensgruß entgegen in der Finsterniß. Das ist der stramme Hund im dunkelsten" Berlin. Zur Psychologie der Kleidung.

Zu allen Zeiten und bei allen Völkern haben die Menschen einen Theil ihres Denkens der Kleidung gewidmet. In Madagaskar darf der König allein Roth tragen; und dasselbe Gesetz bestand in Frankreich während des Mit telalters. Später wurde die Scharlachfarbe für den Adel reservirt. So sind in den verschiedensten Kulturepochen Form und Farbe der Kleidung Gegenstand der Gesetzgebung gewesen und haben zu besonderen Rang- und Ehrenunterscheidungen gedient. Darum sollten Historiker und Soziologen ihre Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Moden der Völker richten; denn zwischen diesen und der sozialen und politischen Lage einer Nation bestehen die engsten Beziehungen. Ein Zookge kann von einem einzelnen Thier.lochen auf das ganze Thier schließen. In derselben Weise muß ein Historiker und Soziologe fähig sein, die genauen Lebcnsbkdingungen und den Stand der Civilisation eines Volkes aus dessen üblichen Gebrauchsgegenständen herzuleiten. Dort, wo die herrschendeKlasse glänzende, farbenprächtige Gewänder trug und die unterdrückte Klasse eine ärmliche, gemeine und gänzlich kunstlose Kleidung, da war auch immer eine aristokratische oder eine Militärherrschaft mächtig. Das war in Alt-Assy-rien der Fall, wie heute im Negerstaai: Uganda. Im anderen Falle, wenn berichtet wird, daß in einer Nation sich alle Klassen mehr oder weniger gleich kleideten, so kann man sicher auf eine demokratische Reaierungssorm schlicßen. Kleider haben übrigens oft genug eine hervorragende Rolle in den Kriegen und Revolutionen der Völker gespielt. Im byzantinischen Kaiser. reich gab es zwei politische Parteien, die Rotben und die Blauen, die sich nach der Farbe ihrer Kopfbedeckung unterschieden; und im modernen Italien heißen die Radikalen die bothen, die Monarchisten die Blauen und die Klerikalen die Schwarzen. Nicht ohne Grund trägt die bewaffnete Macht unserer Staaten farbige Uniformen. Ein Zwerg in Polizistenuniform flößt größeren Schrecken ein als ein Riese in beliebiger bürgerlicher Kleidung. Höchste Harmonie. Vater: Nicht wahr, die beiden JungenS ergänzen sich famoS?" Musikkritiker: Gewiß. Was der Eine nicht kann, greift der Andere falsch." Der Dorflehrer M. 'in L., der als Nebengeschäst das Ausziehen von Zähnen betrieb, glaubte zur Unzufriedenheit mit acht Schülern Grund zu haben und zog diesen zur Strafe je einen bis" drei Zähne aus. Wegen Körperverletzung angeklagt, erklärte er bei der gerichtlichen V:rnehmung, daß er nur Milchzähne oder ganz hohle Zähne ausgezogen habe, und daß er hiermit den Kinderen nicht nur keinen Schaden sondern vielmehr eine Wohlthat erwiesen habe. Dr. Gleitzmann in Belzig wurde beauftragt, die acht Kinder zu untersuchen und über die Behauptung des Lehrers ein Gutachten abzugeben. Er fand, daß dem einen Kinde Schneideähne, dem anderen Eckzähne, dem dritten Backzähne ausgezogen waren, hier die oberen, dort die unteren; doch lautet: das amtseidliche Gutachten dahin, daß den Bindern durch die Operation kein Schaden an der Gesundheit erwachsen, zum Theil eher eine Wohlthat geschehen sei. Infolge dessen wurde die gerichtliche Untersuchung gegen den Lebrer eingestellt. 'Kürzlich wurde gerüchtweise gemeldet, daß in Folge des Kenterns eines Segelbootes bei Deal's Jsland in der Chesapeake-Bai nahe der maryländischen ' Küste einundzwanzig Personen ertrunken seien. Zum Glück hat sich das Gerücht nicht bestätig! und Niemandem auf Deal's Island ist von dem Unglücksfalle etwas bekannt. Ein Berichterstatter in Crißfield in Maryland telegraphirt, daß dort dem Genicht kein Glauben geschenkt wird.

?as ist doch selbstverständlich ? !

Co Max Viola. Eine Dummkjungenliebe. eine Dummcjungenlieb;, die sich gewaschen hatte! Ich zweiundzwanziz, sie siebzehn; ich beschmierie Le'inwandtllcke mit unmöglichen Farben und Formen und sie war mein Ideal, meine Göttin, meine was weiß ich! Heute ist's nicht mehr ferne von den Vierzig, doch zuweilen gebe ich meinen Gedanken einen Ruck und leise läuft dann das Herz den Gedanken nach; dann wird es mir so wohlig, so.dämmerig, so warm; es kribelt mir in den Augen und in den Adern und dann möchte ich mich irgendwohin in's riechende Heu legen und zum Himmel hinaufjauchzen, möchte träumen von der nächsten Zusammenkunft mit Hermine und alle die Jahre des Kampfes und des Elends vergessen 'und wieder sein, wie einstens: jung und gut und dumm und glücklich. Und dann wird es mir auch, als ob ich wieder dumm und glücklich wäre; ein Frühlingshauch zieht mir durch die Brust, ich höre fernen, fernen Glockenklang, ich fühle leisen Blumenduft, selige Frühlingswärme huscht über mein Antlitz und schließt mir leise die Augen und ich muß schlafen und träumen Also, , zweiundzwanzig war ich. Heute kann ichs ja gestehen, daß ich, um nicht zu verhungern, nicht allein die sixtinische Madonna, sondern auch Firmatafeln malte, allein mein Stolz Änd meine Hoffnungen verließen! mich keinen Augenblick; 'ich wußte, daß ich einmal ein Atelier mit Schnitzereien und persischen Teppichen besitzen, daß ich UpmannS und Gianaclis. rauchen und Martell - Cognac trinken werde. Na, was ich damals rauchte und trank, das war zum Erbarmen, doch es hatte ja nichts zu bedeuten; lächerlich! Zweiundzwanzig Jahre, Muth, Entschlossenheit, Vertrauen und vor Allem meine Sashia, die es göttlich haben sollte, wenn ich einmal ein Rembrandt geworden. Ja, Sashia! Ich war wieder einmal höllisch mißmuthig, weil ich eine Firmatafel malen mußte einen schwarzbärtigen Türken mit einem Tschibuk da ging Sashia hin und verlobte sich mit einem, lichtblonden Beamten. Es war ein Jammerpaar: sie stolz, lühn, leidenschaftlich, eine berückende Gestalt, brennende Augen, Zähne blau-weiß wie Milch, und Lippen, als ob sie bluten würden. Und er ein geschältes und getrocknetesAkazienstämmchen, eine gute, schläfrige, langweilige Häringsseele. Ich höre, man müsse nicht eben ein Künstler sein, um in der Enttäuschung, welche Einem die erste Liebe bereitet hat, die tollsten, Dinge zu begehen. ila, ich dürfte denn doch Besonderes gleistet haben. Ich suchte zuerst Hermt auf und frug sie, ob es wahr sei. Mii einem spöttischen Lächeln, mit einem verächtlichen Blick wandte sie sich stolzen Hauptes von mir ab. Sie lächelte, sie verachtete mich, mich, dem sie hundertmal geschworen, sein Weib zu werden. Ich ging ganz ruhig fort, nur stieß mich acht Tage lang es mag ja ordinär genug klingen der Bock. Es war, als ob mir eine Faust die Gurgel zusammenpreßte, so daß ich nicht weinen konnte und doch wollte ich immer weinen, immer und immer und konnte es nicht. Und das drückte mir die Seele ab und raubte mir den Athem und meine Augen wurden starr und glühend und roth. Ich traf sie einmal auf der Straße; Arm in Arm kamen sie daher. Ich stellte mich vor sie hin und warf ihnen, ihr und ihm, ein kurzes lautes Lachen in's Gesicht, daß sie sterben sollten vor Schande, doch sie wollten es nicht. Sie schauten mich so mitleidig an. mein Elend schien das arm: Akazienstämmchen derart zu dauern, daß ihm Thränen in die Augen kamen. Sie hatten Mitleid mit mir Mitleid mit mir! Ich fühlte, ich müsse niedersinken und als sie fort waren, lehnte ich mich an eine Mauer und zitterte und fror dabei war es Frühling, die Sonn' leuchtete, die Vögel sangen und aus den Fenstern zog Vlumenduft auf die Straße. Wenn ich alles Elend, das mich damals bedrückte, auflesen sollte, dann fiele der größte Theil suf die Scham. Der Schmerz, sie verloren zu haben, that nicht so weh als die Scham, mich belächelt, verachtet zu sehen. Nun ja, Firmatafeln malen, das konnte ihr freilich nicht imponiren, und als der wilde Zorn gebrochen war, da zog ich wie ein begossener Pudel einher; ich schämte mich, sah Keinem in die Augen und ging blos Nachts auf die Straße, um mir mein Elend nicht vom Gesicht lesen zu lassen. Allmählich machte die Scham einem Rachegefühl Raum, rächen wollte ich mich an ihr, bitter rächen und dieses Nachegefühl verließ mich nicht mehr und blieb mein treuer Gefährte all' die Jahre hindurch. Ich hatte es zu toll getrieben, zu viel getrunken, zu viele Fenster eingeschlagen, zu viele Unterhaltungen, mit der Polizei, so daß man mich wegen ewigen Randalirens ausweisen wollte. Damals kriegte ich von meiner Großmutter fünftausend Gulden und die kamen mir äußerst gelegen. Ich hätte es vielleicht auch so gehalten, doch ich that einen feierlichen Schwur, von meinen Schulden keinen Heller zu bezahlen, und machte mich auf den Weg nach Paris. Ich will ja Paris und seine Vergnügungen nicht entdecken, ich will blos bemerken, daß ich die fünftausend Gulden längst vertollt hatte, im Moulin Rouge längst bekannt war, doch einen Pinselstrich, nein, den hatte ich noch nicht gemacht. Ich konnte nicht arbeiten, daS Denken an Hermine beschäftigte mich zu sehr und ich wäre wahr-

scheinlich verhungert, wenn ich schließlich nicht doch gearbeitet hätte. Hübsche Arbeit, außerordentlich hübsch! Nanon hieß sie, rothes Haar hatte sie und toll war sie, wie ein ganzes Narrenhaus beisammen. Ich malte sie für den Inhaber einer Wechselstube und erhielt wöchentlich fünfzig Francs, bis das Porträt fertig sein werde. Nanon hatte mich selbst protegirr. Eines Tages, das Bild war noch nicht fertig, kam Nanon auf die fulminante Idee,ihrem Wechsler zur größeren Feier seiner Trauung ein Fläschchen Vitriol an den Kopf zu werfen und ihm das rechte Ohr und die Haare und die Kopfhaut zu verbrennen. Der Wechsler kam in's Spital, Nanon in's Gefängniß und ich wurde ein berühmter Mann. Ich stellte ihr Porträt zum Verkaufe aus, weil es mir ja ohnedies nicht ganz bezahlt worden war und im nächsten halben Jahre malte ich sechs Nanons, per Stück fünftausend Francs. Na und wciter ging es dann schon von selbst. Dreißig, vierzig, auch fllnfzigtausend Francs jährlich, und als ich des tollen Lebens endgiltig satt wurde, hätte ich ein. Vermögen mitnehmen müssen, als ich nach zehn Jahren hcimzog.allein es war vertollt. Nun, der Name war wenigstens gemacht. Durch Graf Pergen von der Botschaft wurde die Aristokratie auf mich aufmerksam gemacht, mein erstes Porträt, das der Gräfin Birkheim, machte Furore und dann ging es folgerichtig; Aufträge, Geld, Anerkennung. Auszeichnung u. f. w. Noch in Paris hatte ich gehört, daß Hermine Wittwe geworden sei. Das arme Akazienstämmchen war' gänzlich eingetrocknet, hatte sich hingelegt und war todt. Als ich heimkam, war sie bereits zwei Jahre Wittwe, ich aber bekam sie ein halbes Jahr lang nicht zu Gesicht. Dann jedoch um so öfter, bei Greiner, dem Bildhauer. Sie war eine gute Freundin seiner Frau. Das

erste Mal kam sie mir gleich von oben herab" entgegen, stolz, kalt, hochmüthig, so daß mein ganzer Zorn, der in den letzten Jahren kühler geworden war, völlig wieder erwachte. Doch schön war sie, schön, daß sie Einem sofort in's Herz fiel, schöner als sie früher gewesen, bei Gott, viel schöner! Ich aber, ich blieb kühl; jetzt war ja ich ein großer Herr, ein gefeierter Künstler, verdiente viel Geld, besaß ein herrliches Atelier allerdings war ich noch genug darauf schuldig und dann war eine hübsche Gesellschaft nicht vollständig, wenn ich nicht dabei war. Sie aber war Wittwe und hatte nichts oder doch nicht viel. Jetzt wollte ich sie meine Uebermacht fühlen lassen, allein es wäre zu dumm gewesen und so gab ich es gleich wieder auf. Aber kühl blieb ich und protzte indirect; ich stellte es nämlich so an, daß sie von meinen großen Erfolgen, auch bei den Weibern, genug zu hören bekam. Ich ließ sie völlig links liegen, ein halbes Jahr lang, dann biß sie an. Ich sah, wie sik warm und wärmer wurde, und als ich mich mit ihr zu beschäftigen begann, hätte es nur eines einzigen Ansturmes bedurft und sie wäre in meinen Armen gelegen. Doch ich sprach ihr mcht zum Herzen, ich ging blos sehr fein mit ihr um, fein und discret, ich kehrte die elegante Künstlernatur mit dem Pariser Schliff hervor. Doch von Liebe oder derlei sprach ich nichts, nicht ein Wort; in meinen Augen aber konnte sie lesen, was sie nur wollte; es ging ganz vorzüglich. Ob sie mich, als sie noch Mädchen war. geliebt hatte, daran mochte ich zweifeln, daß sie mich aber jetzt liebe, liebe mit der ganzen Gluth ihres Herzens, daran war nicht zu zweifeln, keinen Augenblick. Ein Wort, und der gar.-ze Stolz wäre verflogen und aufgelöst, weinend wäre sie an meinem Halse gelegen. Doch ich sprach dieses Wort nicht, nein, ich sprach es nicht, obwohl es mir stets auf der Zunge lag und ich mir hundertmal in die Lippen beißen mußte, damit es nicht herausgleite. Es war Spätsommer und wir hatten Greiners Geburtstag gefeiert. Uebermüthig genug war es herg-gan-gen, blos ich blieb ruhig, kühl, wie ich mir es angewöhnt hatte, wenn Hermine in der Gesellschaft war. Es war zwei Uhr nach Mitternacht, als wir aufbrachen. Ich geleitete sie heim, zu Fuß, die Nacht war sternenhell und warm. Sie wohnte im Villenviertel, in einer Parterrewohnung. Vor dem Thore verabschiedete ich mich. Ich fühlte, wie ihre Hand die meine wärmer und länger drückte, wie ihr Blick sich in meine Augen grub; ich aber that kühl, als sähe und fühlte ich nichts und sie verschwand im Thore. Ich rauchte eine Cigarette an. Die Zündhölzchen wollten kein Feuer fangen und es verstrich eine lange Weile. Dann brannte die Cigarette und ich hätte gehen können, allein ich blieb noch; es hielt mich, ich weiß selbst nicht, warum. Drinnen wurde Licht gemacht. Die Fenster öffneten sich und Hermine lehnt: sich heraus. Sie sah mich gleich, allein sie sagte nichts und ich auch nicht. Ich stand blos und sah sie an. Sie aber ward roth und ihre Augen funkelten. Ich trat nahe zum Fenster hin, mein Gesicht berührte beinahe das ihre, allein ich sprach noch immer nichts. Da, nach einer Weile, kam es von ihren Lippen so süß, so warm, so schmelzend: Heinrich Und als schämte sie sich, daß sie sich verrathen hatte, wich sie in's Zimmer zurück. Ich auf das Gesimse, durch das Fenster, mitten in das Zimmer hinein. Da war ich! Heinrich, um Gottes willen Heinrich, was beginnen Sie?" rief sie angstvoll, ich aber schloß das Fenster und ergriff ihre Hand. Sie zitterte wie Espenlaub, ich mußte auf der Hut sein, son?c stürzte sie hin. Hermine," sagte ich leise, sah ihr in die Augen und strich ihr sanft über's Haar. Da begann ihr Busen zu woc&l üe Üürite mir in ..die Arme und

schluchzte so laut und schmerzvoll, daß

es mich ergriff; doch nur einen Augenblick, dann kam alles Schwarze hervor, was die vielen Jahre am Grunde mcines Herzens schlummerte. Jeyt war sie mein, nichts als das in Lieb: ausgelöste Weib, weich, hingebend steroerö. Wachs zwischen meinen Fingern. Ich erhob ihr feuchtes Antlitz, als ob ich sie küssen wollte; mit einem Blick, haß. begehrend, neigt: sie mir die Lippen zu da stieß ich sie von mir und .lachte grell, kalt und höhnisch auf. daz & wi? ein eisiger Lustig durch's Zimmer strill). Wie ein: Wahnsinnige schaut: sie mich an; sie taumelte; ich glaubte, sie müsse taumelnd niederstürzen, doch sie stürzte nicht; todtenöleich starrte sie mir mit irren Augen in's Gesicht, ich pfiff leise vor mich hin. holte dann c'ne Eigarett: hervor und steckte sie an der Lampe an. Da entfuhr ihr ein heiserer Schrei, si: stürzte auf die Etager: zu und geschehe?! war es! Sechs, Wochen laborirte ich an der Wunde; war mein Schädel zu hart oder di: Kugel zu klein ihr Revolver war so eine Art Damenspielzeug genug, die Geschichte verlief ohne Gefahr und der Schuß, den si: auf mich abgefeuert, hatte tciri andere Fol?n, als diese kleine Narbe da an meiner Stirn. Als mich der Arzt aus meiner Ohnmacht erweckt hatte, fuhr ich mit ihm nach Hause. Sie saß bleich, mit verschränk-' ten Händen wie leblos am Nande ihres Bettes und rührte sich nicht, als mich der Arzt fortbrachte. Wie gesagt, sechs Wochen laborirte ich an der Wunde, na und dann dann heirathcten wir uns. Das ist doch selbstverständlich?! Die TriUittge. Die Holzhauserin vom Winkl sitzt in der Stuben und schneidert tapfer drauf los und denkt an gar nichts Böses, da geht die Thür auf und herein tritt der alte Jägerbartl von der Oed, der hie und da zukehrt, weil er mit dem Holzhauser diermalen auf die Jagd geht und sonst manchen Handel mit dem vermöglichen Bauern hat. Grüaß Gott, Väurin, allweil streng bei da Arbat?" spricht er die fleißige Hausfrau an. Grüaß Gott aa, Bartl." entgegnet sie und setzt mit Bezug auf das soeben gespendets Lob bei: Was halt sei muaß!" Ja. ja! Js da Holzhauser nöt dahoam?" Met Mo? Der is vor a halben Stund' scho zum Krama ganga, der muaß alle Bot kemma! Kann i chm was ausrichte oder willst Di leicht a wengl niedersetzen?" Hab' schier koa Zeit net," erwidert der Bartl; muaß no nach Vergbach zum Forster und nach Bixendorf zum Wirth, und da leid's koan Hoamgart'n net. I hätt' Dei Mo was z'bringe g'habt. Woaßt, bei ins is ebb's värkemma bei ins hat oane Drilling kriagt!" Na, so was interessirt eine junge Frau immerhin: Was hast g'sagt, daß oane kriagt hat?" fragt sie in sichtlicher Neugierd:. No ja. Drilling, hab' i g'sagt!" Ja waar nöt aus!" ruft die überraschte Frau. Ja," fährt der Bartl fort, die Drilling und eahna Mutta sind recht wohlauf, aber jetzt müassens von dahoam furt, weil's do scho sechs Wocha alt sind!" Wos? Sechs Wochen, geh weiter! Und i hoab' ns koa Sterbaswortl davon g'HLrt! Am End' luigst mi o?" G'wiß net, i wer Dir's glei beweis'n. Die Drilling sind recht arme Deisin und da ham halt a paar g'sagt. sie nehmen sie drum o. Ja, und Dei Mo schau, der hat sich auch oan b'stellt, der nimmt auch oan o!" Waar net z'wida! Gel, Bertl, jetzt laßt nach!" I? Warum net gar! Dei Mo kriagt oan von die Drilling, i hab'n glei gar mitbracht!" Bartl, i sag' D'r 's. i hab' jetzt g'nua von dera Dummheit," droht die Frau, welche eine Ueberlistung ahnt und beinahe ärgerlich wird. Du hast oan bei Dir? ja wo denn?" In mein Rucksack!" lacht derBartl, nimmt den Rucksack ab, der wirklich so viel Bewegung zeigt, daß man ein paar Lebewesen darin vermuthen kann. Hierauf macht er die Schnüre los, mit denen der Sack zugezogen ist und drei allerliebste Kerlchen, ohne Zweifel die Drillinge, krabbeln auf den Tisch heraus und schen neugierig auf die Leute, welche sie umgeben. Es sind drei niedliche Teckel, ein ganzer Wurf, den nun Bartl auf die von ihm angeregte Weise zu vertheilen im Begriff steht. Du bist a elendiga Tropf, Bartl. 'Du kannst d' Leut anliiaga!" schilt die Bäuerin lachend, betrachtet aber die kleinen Eindringlinge doch mit so viel Wohlwollen, daß an einer guten Aufnähme des künftigen Hausgenossen nicht zu zweifeln ist. Eine besondere Freude an den Hunden zeiget natürlich der jugendliche Stammhalter des Hauses. welcher sich gleich bemüht, einen 'der drei Kleinen an sich zu locken. Die Frau des Hauses aber fährt fort, in bester Laune den Bartl abzukanzeln, daß er ihr einen so eigenthümlichen Schrecken eingejagt habe, worauf ctr alte Spaßvogel in seiner spöttischen Weise seiner Freude Ausdruck gibt.daß er die Frau mit seinen Drillinaen" so nett drangekriegt hat. Ihr zweiter Kummer. Alter Bekannter: Es sind fast drei Jahre, daß ich Sie nicht gesehen habe. Ich erwartete, daß Si: wahrend dessen längst den Wittwenschleier abgelegt haben würden. Immer noch in Trauer um Ihren armen Gatten?" Wittwe (betrübt): Ja, um meinen Zweiten." Das Billigere. Sie: Dieser Hut paßt nicht zu meinem Teint, ich muß einen anderen haben!" Er: Aber, liebes Kind, Du ruinirsr mich noch mit Deinen Abgaben!" Aä was ich meinte ja nur einen anderen Teint!-