Indiana Tribüne, Volume 17, Number 346, Indianapolis, Marion County, 2 September 1894 — Page 3

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Vif llwMÄe öe Eeöeiis. Roman von Ji. ?Zlcdck.Ahrens. (4. Forschung.) Daniela gesellte sich dem Ehepaar, 'das sich verabschiedete, zu; dabei entging ihr in dein weißen Mcmdlicht, das um diese Stunde in geisterhafter Klarheit ans dem unbewegten Parke ruhte, nicht die hochmuthsvolle Gebeide auffällig musternden Befremdens, mit der Frau von Hasselbach sie von oben bis unten man. Valeska bebte vor verhaltenem Aerger; Graf Romanos Ankvesenheit auf dem Altan war ihren Späheraugen nicht entgangen. Knüpften sich zwischen ihm 'und der verhaßten Erbschleicherin die früheren freundschaftlichen Beziehungen, die sie endgiltig durch die Verlobung -mit Ewald Nombeck gelöst zu haben geglaubt, von neuem an? Muhte denn dieses Geschöpf, das zweifellos einem Jugendirrthum des Oberst das Dasein verdankte, ihr gerade dort feindlich in den Weg treten, w? sie die Zuneigung des alten Herrn ausgenommen, am empfindlichsten zu treffen war, ' in der Hoffnung, Graf Romano einst als den GattenNeginens zu sehen? Unerhört! Doch nun war das Maß des Erduldens, das sich Valeska in dem Punkte gestellt, voll zumUeberlaufen voll. Der lange mühsam unterdrückte Haß brach sich in seiner ganzen züg:llosen Schroffheit Bahn, es mußte eine Aenderung eintreten, so ode? so. Das war ja Graf Romano, der vorhin den Park verließ, was wollte er, weshalb kam er nicht in's Haus?" forschte sie, mitten auf dem Platz, wo sich die Wege um den Nasen abzweigten, stehen bleibend, nachdem die Schritte des Ehepaares draußen verhallt waren. Er hatte nicht viel Zeit und wollte die Begegnung mit Schweighofers vermeiden," entgegnete Daniela gelassen. Sonderbar, höchst sonderbar. Graf Montsantos Absicht bestand also lediglich darin, hierher zu kommen, sich eine halbe Stunde mit Dir auf dem Altan zu unterhalten, um dann, sobald er uns auf der Treppe wahrnimmt, schleunigst Reißaus zu nehmen! Du wirst doch selbst gestehen münen. daß dieser Vorgang einen recht merkwürdigen Eindruck auf den Unbetheiligten hervorrufen muß!" Verwundert darüber, daß Valeska der an und für sich ganz unbedeutenden Sache eine solche Wichtigkeit beilegte, äußert: sie erklärend: Romano wollte uns. vor allem Dich, bitten, am Sonniaa Nachmittag zu ihm nach Santa Theresa zu kommen; Frau Doktor Rombeck mit den Töchtern und Leopold werden ebenfalls dort sein." Aber diese Entgegnung vermochte keineswegs den erstandenen Verdacht zu beseitigen; in ihrer von stetem Mißtrauen erfülltenSeele, die alle Menschen der niedrigstenGesinnungen und Handlungen sähig hielt, weil in ihr selbst kein Raum für edlere Regungen vorHanden, stand es fest, Daniela streb: danach, Romano zu erobern, der, wie Valeska wohl durchschaute, einst angefangen, sich für die Fremde" zu interessiren. obgleich er ja vorzugsweise mit der lieben Regine tändelte. Ich bleibe dabei, daß die Sache einen Haken hat! Warum kam Graf Romano nicht direkt zu mir. wenn es ihm daran lag, mich für die Gesellschaft zu gewinnen, welche er den Rombeäs gibt? Aber da wurde jedenfalls wieder geschwärmt und über allerhand romantische Dinge geredet, von denen man weiß, daß sie dem Grafen gefallen, da er nun einmal die Anlagen zu solcher poetischer Schwärmerei besitzt!" Weniger neckj in den Worten, als im Ton und Ausdruck des Geäußerten lag für Daniela so etwas herausfordernd Beleidigendes, daß ihr das Blut in die Wangen stieg und sie nicht schweigen durfte. Du sprint. Valeska, als ob es meine Schuld sei, daß Romano sein Anliegen an mich ausrichtete und doch geschah es lediglich, weil ich zufällig gerade im Parke anwesend war." Zufällig, so-o?" wiederholte Frau von Hassclbach hohnvoll gedehnt. Uebrigens habe ich nicht das Geringste von eine? Schuld Deinerseits erwähnt, und wie sollte das auch wohl in diese? Beziehung möglich sein, da Du sehr qenau weißt, wie Graf Montsanto und Reaine zu einander stehen, daß sie g:wissermaßen verlobt sind. Andererseits kannst Du Dir jedenfalls vorstellen, wie unangenehm es mir sein muß. Dich mit Reginens zukünftigem Bräutigam in einer Weise verkehren zu sehen, die mir, gelinde aesagt, in höchstem Grade unpassend erscheint. Daniela zuckte zusammen; wie ein Schlag in's Gesicht traf sie der vergiftete Vfeil dieser hartenWorte und alles in ihr empörte sich gegen eine Beschuldigung, die ebenso ungerecht als herzlos war. Ich kann es nicht verhindern, wenn Graf Montsanto mir nach wie vor mit der freundschaftlichen Vertrautheit gemeinsam verlebter Jugendjahre beaeanet und ich sehe auch nicht ein, daß Negine dadurch in irgend einer Weise 'Abbruch erlitte," erwiderte sie, ihre stürmischen Empfindungen unter einer Gelauenhett verbergend, die sie sich all rnäblich den fortgesetzten Angriffen der verhaßten Frau gegenüber zu eigen gemacht: auch kannst Du. was mich be trifft, desweaen vollständig beruhigt sein. ich wäre wohl die letzte, der sich Romano mit gewissen Abttchten zu nahern suchte! Meinst Du?" äußerte Frau von Hasselöach im Tone beleidigenden Zweifel'-. Es ist gut, wir haben uns nun darüber ausgesprochen. Als Re qinens Mutter hielt ich es für meine Pflicht, ihre Rechte zu vertheidigen und Dich zu ersuchen. Deinen Verkehr mit dem Grafen fortan so viel wie möglich

einzüschränlen; es paN mttner Meinung nach auch durchaus nicht, auf so vertrautem Fuß mit einem jungen Herrn zu stehen, der Dir streng genommen ein Fremder ist und bleiben wird umsomchr, da Du niemals Deinen Standpunkt außer Acht lassen solltest, der Dich gesellschaftlich sowohl wie in jeder anderen Beziehung unwiderruflich von ihm trennt." Daniela antwortete nicht, sie preßte die Lippen zusammen und die Hand gegen das pochende Herz, als suche sie es zu beschwichtigen; hätte sie jetzt den sie durchtobenden Gefühlen Worte verliehen, so würde es eine verzweiflungs. volle Anklage gegen Valeska gewesen sein, und das wollte sie vermeiden. Es war so unnütz, und würde nur dazu gedient haben, aus dem Wortwcchsel einen Auftritt zu schaffen, der die Kluft zwischen ihnen erweitern, dem Hasse Valeskas von Hasselbach nur neue Nahrung geben würde. Sie glitt an Valeska vorüber, schritt dem Hause zu und trat in das Lestibül, von dem links eine Thür in das behaglich eingerichtete Wohnzimmer Oberst von Weddingens führte; er saß in seinem dunkelrothcn Schlafrock auf dem gewohnten Sessel am Tische neben der brennenden Lampe und sA die Zeitung. Gute Nacht, Papa; kann ich noch irgend etwas für Dich thun?" fragte sie liebeooll und küßte seine Stirn. Nein, Kind, danke Dir; Du weißt ja, Valeska besorgt das alles und läßt sich davon nichts nehmen; mir ist das auch an . liebsten so. Gute Nacht." Daniela zögerte noch immer; ihre Hände sanken gefaltet auf die Schulter des Oberst, und ein: unendliche Zärtlichkeit quoll in ihrem Herzen auf, ein heißer Strom von 5Nndesliebe, Verehrung. Schmerz und unbestimmte? Sehnsucht. ..Sag' mir noch ein gutes Wort, Papa, ehe ich gehe," bat sie mit zittern der Stimme. Ich bin so arm." Er sah empor und die hellen, blauen Augen richteten sich forschend auf ihr Gesicht, in welchem der Ausdruck muthloser Hilfsbedürstigkeit lag. Was ist denn. Kleine, bist Du nicht wohl?" O, doch. Nicht wahr. Du hast mich lieb? Ich meine so recht, recht innig lieb?" Ehe Oberst von WeddingenZeit zum Antworten hatte, wurde die Thür wieder geöffnet und in ihrem Rahmen erschien Valeskas imposante, in helle Seide gekleidete Gestalt. Noch nicht zu Bett, Kindchen?" ließ sich die laute, aufdringliche Stimme mit dem nur für Daniela hörbaren strafenden Tadel vernehmen, Du weißt doch, Onkels Stunde hat längst, geschlagen, er muß wirklich um diese Zeit nothwendig seine Ruhe haben." ' Ich gehe schon," hauchte it und

eilte scheu, als gelte es etwas Wider-, wartigem zu entrinnen, hinaus. In ihrem Zimmer warf sie sich schluchzend, auf das Sopha. Wie kühl und ableh-' nend im Vergleich zu früheren Zelten der Vater sich gegen sie verhielt, der' Geist der Entfremdung stand zwischen ihnen, und das war das Werk der Schlangenklugheit diese? Frau, die sich von Anfang an als der böse Dämon des verlanenen Kindes erwiesen und so geschickt ihre Rolle vor dem nichtsahnenden Onkel spielte! Nicht die Beleidigungen und Herabsetzungen, die ihr persönlich galten, waren es, die sie der Verzweiflung nahe brachten, sondern die Gewißheit des Verlustes der Liede des verehrten Mannes, an dem ihr kindliches Herz begeistert mit allen seinen Fasern hing. Und doch war es so aanz unmöalich, der Heuchlerin die Maske vom Antlitz zu reißen und sie dem Vater in ihrer wirklichen abschreckenden Gestalt zu zeigen, wenn nicht em Zufall ihr zu Hilfe kam; vor solcher Meisterin des Ränkespiels und der Verstellung mußte die einfach: Wahrheit traurig unterhegen. Frau von Hasselbach hatte sich dem Oberst gegenüber niedergelassen, ihr lag seit lange viel aus dem Herzen, von dem ein Theil auf jeden Fall noch heute Abend herunter mußte, obgleich die Stunde der Ruhe für ihn bereits geschlaaen; trotzdem hielt sie es für angemessen, die Unterredung als von dem Wunsche des Onkels selbst ausgehend. herbeizufuhren; deshalb athmete sie geräuschvoll, seufzte dazwischen lies und ließ die Brust so heftig auf- und abwogen, daß ihm ihre Unruhe nicht entgehen konnte. Was i!t Dir denn. Valeska. eine Gemüthsbewegung?" Ja. eine Gemüthsbewegung, Onsei; ich habe mich geärgert, furchtbar geärgert." Hm," machte der Oberst, bedächtig seine Zeltung zusammenfaltend, was gab es denn? Du sollst es hören und wirst erswunen; was mich am meisten bei der ganzen Angelegenheit empört, ist die Drei stiakelt. die krasse Undankbarkeit in einem Wesen, das wir beide geliebt ha ben. das wir noch lieben, wenn auch mein Vertrauen schon seit geraumer Zeit arge Stöße erlitten hat. Du spricht von Daniela?" Freilich spreche ich von ihr," entaeanete Valeska emphatisch. Es ist geradezu unglaublich; darum darf ich auch jetzt nicht langer schweigen, son dern halte es für meine Pflicht, Dich daraus aufmerksam zu machen, daß sich hinter der unschuldsvollen Miene Deiner Pflegetochter leider, leider eine ausgemachte Jntriguantin verbirgt die es faustdick hrnter den Junten hat. Oberst von Wcddingen, der mißmuthig vor sich hingesehen, blickte betroffen auf. Sollte das wirklich der Fall sein es will mir gar nicht in den Smn Bitte," unterbrach ihn Frau von Hasselbach eindringlich, laß mich erst erzählen, ehe Du, wie immer, ihre Partei ergreifst, lieber Onkel; ich bin gewiß

Dit leg!?, welche ungerecht it gegen

Daniela, die mir einst an's Herz ge wach en war. die ich mit der selbstlosen Liebe einer Mutter erzogen und geleitet habe; da sie aber die Rücksichtslosseit so weit zu treiben waat. mich !n meinen heiligsten Gefühlen zu verletzen. da darf ich nicht langer schwemen. Du mußt das Vorgefallene erfahren." Valeöka hielt rnne, lehnte sich zurück und bedeckte die Augen mit derHand, wahrend der Oberst, welcher einen Weinkrampf seiner Nichet befürchtete, sich schweigend verhielt. Du weint. Onkel." begann Frau von Hasselbach nach kurzerPause in ihrem wirkungsvollen Brustton, ich verfolge senJahren emenPlan. ernenLieblingsplan, an dem mein ganzes Herz hängt und den dieVerhältnisse auch auf beiden Seiten zu begünstigen scheinen; er betrifft die Versorgung meiner armen kleinen Regine. Sie besitzt kein ermoien und ist folglich in erster Linie cir-.uf angewiesen, durch eine passende Partie den Platz in der Gesellschaft einzunehmen, der ihr durch Geburt und Stand zukommt, und an mir ist es, dahin zu streoen, das für unsern armen Liebling zu erreichen. Meine Wünsche schienen mit Erfolg gekrönt zu werden. Regine erwarb sich in dem GrafenRomano nicht nur einenFreund, der entzückt ist von der Anmuth des frischen Kindes, sondern auch einen h::mlichen Anbeter, welcher einzig nur mit dem Aussprechen seiner Gefühle zögert. weil Reginchen natürlich bis dahin noch zu jung war." So," äußerte der Oberst im Tone ausrichtigen Erstaunens. Du meinst. Romano hatte in der That em Auge auf die Kleine geworfen?" Aber zweifellos, erwiderte Valeska, pikirt von seiner Verwunderung, ich bitte Dich. Onkelchen, das konnte doch niemanden entgehen, der halbwegs seiner Umgebung ein bischen Aufmerksamkeit schenkt. Nun, Du bist ja krank," fugte sie entschuldigend hinzu, und Kranken ist die Selbstsucht gestattet. Natürlich liebt Graf Montsanto meine Tochter, so etwas entgeht emer Mutter nicht, kurz und gut. die ganze Sache stand geordnet fest. es war sozu sagen ein schweigendes Uebereinkommen zwischen uns dreien, daß nach Neginens Rückkehr aus der Pension die Verlobung gefeiert werden sollte, da tritt mir jemand in de Weg, um alles zu verderben!" Wohl nicht möglich," sagte Oberst von Weddingen merkwürdig gelassen. wer sollte sich das einfallen lassen?" Es folgte eine Pause, die bestimmt war, mit ihrer stummen Wucht niederschmetternd auf Onkel Slaxl zu wirken. Daniela, keine andere, als Dclne äußerlich so spröde und tugendhafte Pflegetochter!" Hast Du Beweise dafür?" fragte er, die Brauen zusammenziehend. Mir ist das offen gestanden unbegre:zllch." Das glaube ich, äußerte Frau von Hasselbach prompt und hohnvoll; um Danr?la in ihrer ganzen Vielseitigkeit begreifen zu können, bist Du zu harmlos, zu gut und zu nobel. O hinter dieser scheinbaren Demuth und Unterwürfigkeit hält sich ein schlau jeden Vortheil berechnender Geist versteckt! Lange habe ich mich gesträubt gegen diese Annahme, habe ihr immer wieder das Wort geredet alle ihre Fehler und Schwächen Dir gegenüber stets mit demMantel derLiebe zugedeckt denn ich habe sie aufrichtig lieb gehabt; aber dem Hlmel sei Dank endlich fiel es wie Schuppen von meinen Augen, nachdem es mir gelang, zu cntdecken, daß Daniela von neuem alles anwendet den Grafen in ihre Netze zu ziehen!" Du bist sicher, daß sie darauf ausgeht?" fragte kopfschüttelnd der Oberst. Sicher! diese meine beiden Augen hier sind Zeugen," entgegnete Frau von Hasselbach sich vergessend, indem sie mit einer brutalen Bewegung ihrer Hände die Lider hochzog. Heute Abend um halb zehn bedenke die späte Stunde, welche an und für sich schon Verdacht erwecken muß. war Graf Romano aus Gstt weiß was für sonderöarenGründen, in unsern Park gekommen, ging nach dem Altan da unten an der Mauer, wo Daniela ihn erwartete, und unterhielt sich dort mit ihr geraume Zeit, um dann ebenso unbemerkt und geräuschlos wieder zu verschwinden! Das reichte endlich hin, mir ein Licht darüber aufgehen zu lassen, was im Grunde das kokette Lächeln und ihre höchst unpassende Vertraulichkeit ihm gegenüber, zu bedeuten hat. Ich begreife nur nicht, weshalb Romano das so heimlich betreiben.. Natürlich vermagst Du hier nichts zu begreifen, lieber Onkel, schnitt ihm Valeska wieder das Wort ab. Graf Romano ist eben eine schwankende Natur. etwas schwärmerisch angehaucht, die leicht zu beeinflussen ist. besonders aber weiblichen Wesen wie Daniela ge genüber, die jenes gewisse Etwas in sich haben, ich meine jene versteckt: Sinnlichkeit, die klug verschleiert, in geelg neten Momenten die Flamme imManne um so plötzlicher ausflackern läßt. Ja, Onkelchcn, ich bin dahin gelangt, einzusehen, daß Daniela eine ganz gefährliche Person ist. im wahren Sinne des Wortes eine Schlange, die wir an unserer Brust nährten, die unsere Liebe dadurch lohnt, daß sie Negine denBerlobten abspenstig macht! Das ist ja abscheulich." sagte der Oberst entrüstet. Ich werde ernsthaft mit ihr sprechen, sie darf das auf keinen Fall fortsetzen, bei meinem entschiedenen Unwillen nicht! Frau v. Hasselbach ließ ihn diesmal ausreden, der Angriff mußte jetzt in anderer Weise fortgesetzt werden, um sich wirksam zu erweisen. Thue das lieber nicht, Onkel." begann sie mit veränderter Stimme, jedes Wort gewichtig betonend, es verursacht Dir nur etne unnütze Aufrcgung. und das Mädchen wird sich doch heraus zu reden votn. Vltm, ich werde

zweifellos recht darin. Sieh, Du tast dieses sremdeKmd aus ooscurer Sphare zu 'Dir in's Haus genommen, bis heute weiß ich noch nicht einmal woher ne eigentlich stammt. well Du über den Punkt hartnäckiges Schweigen beobachtest Du hast ihr einen Platz in Deinem Herzen eingeräumt, der von rechtsweaett ausschließlich mir und unserer Regine gehören sollte. Aber ich habe geschwiegen und die Rechte, welche Du der Fremden zuge standen, ohne weiteres anerkannt, habe Daniela behandelt als wäre sie meine Tochter, da ich sah, wie sehr Du an dem Mädchen hingst, so lange wie sie mir keine andere Veranlassung zum Tadel gab, als ihre vielen schlechten leiten, die Doppelzüngigkeit undHinterlist, die es so vortrefflich versteht. Komödie vor Dir zu spielen. Nun aber, wo sie es wagt, mich und mein Kind in den heiligsten Rechten zu benachtheiIigen, ist der Zeitpunkt gekommen, da es meine Mutterpflicht gegen Regine verlangt, ein gebieterisches Halt zu sprechen!" Ich ermächtige Dich dazu, sprich mit ihr. Valeska. Oder ich selbst " Nein, Onkel Karl, bloße Worte dienen hier zu nichts, da muß aründlich Wandel geschafft werden, soll ich nicht vor Aerger dabei zu Grunde gehen; es thut mir unendlich leid, Dir diefe Aufregung bereiten zu müssen, aber entweder ich gehe und Deine Pflegetochter bleibt, oder sie geht. Beide können wir nicht langer unter demselben Dache leben." Oberst von Weddinqen spitzte die Lippen, rückte unbehaglich in seinem Sessel hin und her und blickte dann düster vor sich hin. Daß auch die Frauenzimmer niemals in Frieden mit einander leben konnten! Er durfte seine Nichte, die sich wirklich in der aufopferndsten Weise seiner angenommen und dem Hauswesen vorgestanden hatte, nicht verletzen und wollte doch auch Daniela nicht gern von sich lassen, es war ihm unmöglich, sie für so schlecht zu halten. Sein schweigen währte Frau von Hasselbach zu lange. Dir scheint die Wahl zwischen mir und der Fremden ja recht schwer zu werden, äußerte sie bitter. Ich trenne mich, offen gestanden. ungern von dem Kinde," entgegnete der alte Herr, während in seinen Zügen ein auffallend müder, schmerzlicher Ausdruck bemerkbar wurde, aber selbstverstandlich sollen Deine Wunsche durchaus nicht ganz unberücksichtigt bleiden, ich will Du besitzest eben eine unbesiegbare Schwäche für das Mädchen, Onkel Karl, ich weiß, daß wir damit zu rechnen haben, und möchte Dir deshalb einen Vorschlag machen, der allerseits befriedigen wird. Ich meine, wir aeben Daniela vorläufig auf ein Jahr in Pension zu Madame Renard, sie kann das außerdem sehr gut gebrauchen, da ihre Zlenntnlsse im Allgemeinen höchst lückenhaft sind. Dort mag sie bleiben, bis Graf Romanos und ReginesHoch zeit stattgefunden, später bleibt Dir dann immer überlassen, was Du weiter über sie bestimmst." Dieser Vorschlag leuchtete demOberst ein, schon um des lieben Friedens willen, war er bereit, darauf einzugehen. Der Gedanke laßt sich hören, Valeska; ärgere Dich nicht länger. Ich will morgen früh mit Daniela reden, und bin überzeugt, sie wird den Vorschlag gern ergreifen, der rn nur zu ihrem Vortheil gereicht. Und nun möchte ich zu Bett gehen; der erste kleine Spaziergaisg heute im Park ließ doch in den alten steifen Gliedern eine rechte Mattigkeit zurück." Also es bleibt bestimmt dabei, sie geht?" Jawohl, jawohl, Daniela wird sich meinem Wunsche fügen." Valeska erhob sich innerlich triumphirend, und schellte dem Diener, dann kutc sie wiederholt die hohe Stirn des Greises, der in dem Egoismus und der Weltentfremdung körperlichen Leidens rückhaltslos vertraute und eine Zärtlichkeit für echt hielt. derenFalschheit der Gesunde längst durchschaut haben wurde. Allein in ihrem Prächtig ausgestatteten Salon de3 ersten Stockes schritt sie noch lange aus dem weichen Teppich hin und her, ihre gegenwärtige Lag: mit allen Vortheilen und Nachtheilen, wie sie zu thun Pflegte, überdenkend; es gab noch einen Punkt, der ihr viel Unruhe bereitete und zu dessen Erledigung sie trok ihrer Macht über den Onkel 'nicht allzu ungeduldig zu drängen " denn er betraf das Testament des Obersten, welcher diese Angelegenheit mit der den meisten alten Leuten anhaftenden Abneigung gegen die Aufsetzung des letzten Willens, noch immer hinausgeschoben hatte. Als nächste Blutsverwandte fiel ihr der Hauptantheil des Nachlasses zu, doch sie fürchtete beständig, da sie Daniela für seine wirkliche Tochter hielt, es möchten nach seinem Tode etwaige Verwandte des Mädchens auftauchen und einen Prozeß beginnen der die ganze Erbschaft in Frage stellte, zum mindesten auf Jahre unentschieden ließ, und um das zu vermeiden, mußte jenes Testament unangreifbar zu Gunsten ihrer geregelt. dastehen. Äuner diesem qav es noch einen Punkt, der ihr Sorge bereitete, Graf Romanos entschieden: Vorliebe für Daniela! O. Valeskas alles beob achtenden Blicken konnte jene Vorliebe nicht entgehen, die sie von da an eifrig bekämpfte. Ob sein Herz in der That lebhafter für Regine sprechen würde? Vielleicht war es thöricht, sie in der Pension zu lassen, semem Anblick ent rückt, aber wer hätte ahnen können, daß die verhaßte Daniela das Pech haben würde, den Verlobten durch den Tod zu verlieren? Deshalb mußte sie cntfeint werden, und das war ja heute glucklich erreicht worden.

Dir ekwas 'sagen, und Du aibsl mTxl

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'Vvettedie'französische'Kammerzofe, hatte unterdessen die Lichter im anstoßenden Schlafzimmer angezünder. die Spitzenvorhänge des Bettes zurückgeschlagen und in einer rothen Krystallschale ein Gemisch verschiedener Essenzen angezündet, die sie verglimmen ließ, um in der aufsteigenden kleinen Rauchsäule dasNachtgewand ihrerHerrin mit dem fremdartig exotischen Duft zu durchtränken; dabei lag auf ihrem gelblichen Gesichte ein Ausdruck von Hohn, Abneigung und Verdrossenheit. Haben anadiae Frau noch etwas zu befehlen?" fragte sie in reinem Pariser französisch. Nein, Nvette. Du kannst aehen. ich bedarf DeinerDienste heute nicht mehr." )Vt Ztammerzose ging, Valeska setzte sich vor den Toilettenspiegel, an dessen Seite zwei Kerzen brannten, und begann das Haar für die Nacht zu ordnen; unwillkürlich unterwarf sie iV. i'.r. rn.rfi' i wayreno cicjer zeimasligung oas große volle Gesicht, welches die ersten Spuren des beginnenden Alters zeigte, einer flüchtigen Prüfung, und ein bitteres Lächeln glitt über ihre Züge. Wie erbarmungslos doch das Alter seine häßlichen Linien um Mund und Augen grub, um die Entsagung zu lehren! Als Valeska vor etwa acht fahren Berlin verlassen und mit ihrem Kinde Ausnahme im Hauje des Onkels gefunden, hatte sie gehofft, er würde bald dem Uebel, welches die Verletzung auf dem Schlachtfelde hinterlassen, erliegen. dann wollte sie, als reiche Erbin zurückgekehrt, noch einmal den vollen Becher der Freude, von dem sie nach ihrer Meinung viel zu wenig gekostet. bis auf die Neige leeren. Aber Onkel Karl starb nicht, er erholte sich, wenn auch langsam, und Valeska mußte sich . .n r 4' rm ms ' . . voll yelmilazer ALiity gestehen, das; sie den Lebensunterhalt für sich und Regine durch das Opfer ihrer schwindenden Jugend erkauft hatte. Valeskas Vergangenheit war eine sturmbewegte gewesen, über die sie mit dem Eintritt in das Haus des Oberst wohlweislich für immer den Schleier der Vergessenheit gebreitet hatte; nachdem ihre unglückliche Ehe mit dem Major von Hasselbach auf Grund geJenseitiger unüberwindlicherAbneigung geschieden worden, hatte sie eme Zeitlang eine recht fragwürige Eistenz geführt und sich von ihrem ehemaligen Hausfreund, dem BaronBernstein, unterstutzen lassen, dessen allzu häufige Besuche bereits früher Anlaß zu den heftigsten Auftritten zwischen den beiden Gatten gegeben hatten, bis ihr Ruf derartig zu leiden begann, daß die Bekannten anfingen, sie zu melden und Valeska die Nothwendigkeit erkannte, Berlin mit der heranwachsendenRegine zu verlassen, wenn sie nicht vollends an dem Schiffbruch ihres Lebens zu Grunde gehen wollte. Damals dachte sie: kehre ich nur als reiche Erbin zurück, dann ist alles vergessen und verziehen. die heute ihre Nasen rümpfen, empfangen mich mit osfenen Armen," aber der Tod des Onkels trat nicht ein, die letzten Jugendjahre schwanden. Als sie dann endlich vor der grauenhaften Erkenntnib stand, daß für sie selbst alles verloren sei, da übertrug sie das Facit ihres verfehlten und verpfuschten Lebens auf das einzige, abgöttisch geliebte Kind. In Regine wollte sie fortan weiter leben, der Tochter sollte alles im reichsten Maße werden, was ihr selbst versagt worden, Ehre, Ansehen, gesellschaftliche Stellung, Reichthum, und erbarmungslos zermalmte Valeska, was sich ihr in diesem Bestreben hindernd in den Weg stellte. Die Toilette- war beendet, t erhov sich und ging zur Ruhe, um zum letzten Male in den hoffnungsvollen Gedanken an die große Zukunft des geliebten Kindes einzuschlafen. 5. Ein sonnenlichter Morgen! Im thaublitzenden Park der Palmenvilla ösfnen die Blumen ihre duftendenKelche den Tiefen des krhstallklaren blauen Himmels, ein Hauch der Freude leuchtet aus den strahlenden Farben, klingt aus den Tönen der Käfer- und Vogelwelt, und schimmert aus dem feuchtgesättigten Laub der Baume und Gebusche wie eine Hymne jubelnden Dankes nach oben. Ttn der Veranda stand Daniela und sah ernst in die lachende Pracht hinaus; sie war soeben aus dem Zimmer des Obersten gekommen, der ihr angekündigt, daß er beschlossen habe, sie auf ein Jahr zu Madame Renard in Pension zu geben; und Valeska, welch: der Unterredung beigewohnt, hatte bestimmt, sie solle am ersten Dezember, also nächsten Monat, dort beginnen. rceht kam Romano den Weg -heraus und grüßte schon von weitem. Der Unvermeidliche, nicht wahr, Daniela, das dachten Sie, weil ich so früh wieder da bin?" fragte er lachend. Es fiel mir nämlich ein, daß ich morgen über Land muß, und da wollte ich vorher gern Onkel Karl Loch einmal sehen. Es geht ihm gut? Aber Sie haben ja geweint," fügte er bestürzt, forschend in ihre Augen blickend, hinzu. Sie nickte. Vava hat mir vorhin seinen Entschluß mUaetheilt. mich in eine Pension zu schicken, denken Sie sich, Graf Romano. jetzt, wo ich zwanzig Jahre alt bin! Was mir aber so weh thut bu der Sache, ist die Gewißbeit. dan es nur schiebt, weil man mich fort haben will aus demHause, ich bin ihnen eine unbequemeLast, der man sich auf alle Falle cntlediqen mochte!' Romano hörte nachdenklich zu. wahrend er der Gewohnheit nach den Schnurrbart Mit Daumen und Zeigefinaer strich. Das fehlte noch; was gibt denn Onkel Karl für Gründe dazu an?" Ach. allerhand hergesuchte; ich bedürfe derAbwechslunq. alle jungen Damen meines Kreises verbrächten ein ?kabr in der Vennon. und so welter: ich bemerkte ia deutlich, daß der sondnba Einsall gar nicht von Papa

kam,' natürlich hat Valeska ihn daiu veranlaßt." Es ist mi unbegreiflich, weshalb di.'se Frau Sie mit solchem Haß verfolgt, vollständig unbegreiflich. Also Ihnen ist der Pensionsplan nicht will-kommen?"

durchaus mchl! irä Ware Mir schrecklich, ein Jahr dort zwischen den ganz jugendlichen fremden Damen verbnngen zu müssen." Dann will ich Ihnen einen andern Vorschlag machen, Daniela; ist man darauf erpicht, Sie fortzuschicken, so kommen Sie eine Zeitlang zu uns; Dona Angela wurde sich unendlich freuen, so eine jugendliche angenehme Gesellschafterin um sich zu haben; Sie kennen ja die alte Dame recht gut, ihre Schrullen und Eigenheiten abgerechnet, ist sie eine Seele." Daniela schlug überrascht die Augen zu ihm auf und wandte dann das Antlitz verwirrt zur Seite. Lag es nicht zweifellos in Valeskas Absicht, sie von Romano zu trennen. und nun wollte er sie in fem Haus nehmen? Sie werden unter dem Schutz meiner Tante vollständige Freiheit genießen," äußerte der junge Arzt, welcher ihr Schweigen falsch deutete, ernst, niemand wird sie hindern, JhreFreunoe öle nomoeas und andere, zu besuchen oder zu empfangen. Es wäre sehr hübsch, zum wenigsten für uns. Ich darf die Sache also in Ordnung dringen, nicht wahr? Ich weiß wirklich nicht, wie ichJHnen danken soll, Romano," entgegnete sie, in wachsender Verwirrung seinen fragenden Blicken ausweichend, Hoffentlich willigt Papa em. Ja, ich neh me Ihr Anerbieten an, es bleibt mir auch nichts anderes übrig; denn ich müßte wohl keinen Funken Ehrgefühl mehr besitzen, wollte ich nach dieserAnkundigung darauf bestehen, hier zu bleiben, und zu Madame Renard gehe ich Nicht. Auf keinen Fall, Sie armes Kind! Dona Angela wird es 5!hnen schon bebehaglich zu machen wissen, so daß Sie nichts entbehren," 'tröstete Romano, als sich von neue ein feuchterSchimmer an DanielasWin?ern zeigte, und wir beide zanken uns a'jch nicht, wie? fetzte er mit seinem weichen, sinnenden Lächeln m ihr Antlitz hinzu. Sie wurden durch ein Geräusch in dem offenstehenden Salon unterbrochen. der Fahrstuhl mit dem Oberst von Weddingen wurde von einem farbigen Diener m die Veranda geschoben, wo der Frllhstückstlsch bereits gedeckt stand. Kaum hatte Romano den alten Herrn begrüßt, als auch Frau von Hasselbach, das chiu eikorvMN am Arm, in der rosigen Frische ihres apfelblüthenfarbigen Morgenkleides, auf den rothlich blonden Loachen em zierliches Spitzenhäubchen, erschien und holdselig lächelnd, ihm die schöne Hand zum Gruß und Kuß überließ. Sie besitzen seit kurzem eine eigene Vorliebe, die Leute zu überraschen, mein lieber Graf," bemerkte sie, sich zum Niedersetzen rüstend, gestern Abend kommen und verschwinden Sie geheimnißvoll wie ein Phantom, und heute früh tauchen Sie schon wieder aus, zu einer Zeit, wo die meisten Ehnstenmenschen noch in den Federn Iregen. ha. ha. ha," fügte sie gezwungen lachend hinzu. Graf Montsanto verbeugte sich, und nahm dann ebenfalls am Tisch, dem der Farbige unaufgefordert noch ein Kouvert hinzugefügt, Platz. Abgesehen davon, daß ich mt Palmenvilla als meine mir liebgewordenc Heimth, nicht vergessen kann, besitzt ja der Arzt ven magischen Schlu ei, welcher ihm zu allen Tageszeiten Eintritt estattet. Ich liebe dergleichen ueberraschungen, Dona Valeska, denn fast iedesmal bietet sich dadurch Gelegen heit, ein kleines Komplott hinter Ihrem Rücken zu schmieden." erwiderte er mit einem belustigten Zucken um die Mundwinkel, das Valeska infolge der eingehenden Beschäftigung mit der Kaffeetasse des Oberst übersah. Ein Komplott. Graf Romano? Sie belieben wohl zu scherzen? Etwas derartiges, und bedeutete es auch das unschuldigste von der Welt, könnte man Ihnen wahrlich doch nicht zutrauen. Wer weiß, schworen Sie lieber nicht auf mich, entgegnete er mit einem schelmisch-ausdrucksvollen Blick feiner tiefen dunkeln Augen. Handelte es sich dom heute um nichts geringeres als die Entführung Danielas und zwar von meiner Seite aus." Frau von Hasselbach hielt mit dem Eingießen der Sahne inne und blickte starr auf Romano. während über ihr Gecht eine grünlich fahle Blässe zog. Sie verstehen es m der That- aus dem Grunde, unsere Spannung zu erwecken, mem Ueber Graf 5 Nicht wahr. Dona Valeska? Uebriaens bandelt es sich um eme große Sache, Onkel Karl," fügte er, sich an den Oberst wendend, hinzu. Ich mochte Dir einen Vorschlag machen, zu dem Daniela mich ermächtigte und 'der meinerseits eine Bitte enthalt. Tante Ankl wird nämlich alt. sie fühlt sich da oben in dem großen Hause da ich doch am Tage meistens abwesend bin, recht einsam: was meinst Du. wenn wir sie bäten, sich der guten Alten ein wenig anzunehmen, und auf eine Zeitlang das Amt so einer Art von zungen Gesellschafterin be: ihr zu versehen?" (Fortsetzung folgt.) A. (am Stammtisch): Meine Herren, ich gehe jetzt, ich hab' genug, sogar der Ochse hört auf. wenn er genug hat." B.: Und darum wollen Sie uns fchon verlassen? Ob der Schmuck, den mir mein Bräutigam zu Weihnachten geschenkt hat. echt ist?" Das kannst Du leicht erfahren. Schreibe ihm ab. Ist der Schmuck echt, dann fordert er ihn zurück.

Der Zvcg zur glücklichen Ehe.

Das Dichterwort: Die meisten glücklichen Ehen werden seufzend geschlössen, die meisten unglücklichen im Rausche des Entzückes" enthält, mag es auch paradox klingen, em gut Stück Wahrheit. Wenn ein grüner Junge sich auf einem Ball, im Theater oder in einer Gesellschaft m em hübsches Gesicht verliebt und sich mir. ihm verlobt und verheirathet, so fragen wir ängstlich, wie werden die Beiden ihr Nest bauen, wie werden sie sich durch das Lebenslabyrinth hindurcharbeiten. Wenn aber em grüner Junge ein Mädchen bezehrcnswerth findet und mit jugendlicher Begttste rung sich eine Lebensstellung erringt, um seiner Liebe ein Heim schaffen zu können, wenn er sich ferner bemuht. ihr Wesen zu ergründen und sich mit Hufe erfahrener Menschen über die wichtigste Lebensfrage, die Heirath, klar wird und dann heirathet, so geben: wir dem jungen Paar unseren Segen, mit auf den Weg und erfreuen uns an seinem Glück. Um aber zu diesem Gluck zu gelangen, geHort Zelt dazu. und das für Liebende widerwärtige Wort Geduld. Geduld ist der Fels, an dem die Leidenschaften der Lieber erst zerschellen müssen, der Prüfstein: der Ehe. Jeder denkende Mensch gebraucht Zeit und Nachdenken, selbst: in dem von Nervosität untergrabenen Amerika, will er eine wichtige Frage erledigen; es ist eigentlich, daß über die wichtigste Lebensfrage, die Heirath, oft eine übermüthige Laune, ein Rausch des Entzückens", eine Sinnen liebe entscheidet, eine Frage, von der die Ezstinz. das Glück nicht zweier Menschen allein, sondern einer ganzen Generation abhängen mag. In derc meisten Fallen ist die Liebe wie ein wildes Pferd, das mit feinem Reiter durchgeht. Das sprudelnde Herz läßt den ruhigen Geist garnicht zu Worte kommen über der Gegenwart wird die Zukunft, das nüchterne Leben, der ganze Kampf um's Dasein vergessen. .Jugend kennt keine Tugend , und sie kennt auch nicht die Geduld, sie kennt kein Ueberlegen, kein Wenn und .Aber". Unüberlegtes Handeln erzeugt jedoch in den meisten Fällen Ungluck, und wie Mit zeder Lebensfrage verhält es sich so mit der Ehe. Aus dieser Wahrheit ist darum nur die eme Lehre zu ziehen, nicht zu jung zu heirathen und sich vorher volle Klarheit über die Wichtigkeit dieser Frag: zu verschaffen, denn jung gesreit, hat Mancher bereut" scheint mir ein viel richtigeres Wort. In das Kapitel der Ueberlegung gehört vor Allem, daß man sich nach den amllienverhaltmssen der geliebten Person erkundigt. Was sind oder waren die Eltern, w:e sieht s im ElternHause aus, wie gehen Eltern und Kinder mit einander um? Oder man streckt seine Fühlhörner unter den Berwandten. Freunden und Nachbarn der Geliebten aus und sammelt sich aus dem Gerede einen Extrakt, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen, denn in allem Klatsch liegt neben Lüge manche Wahrheit. Aber vor allen Dingen sollte sich ein liebendes Paar cffenherzig begegnen. So bin ich und das werde ich Dir in der Ehe sein sollte Einer den Andern klar suhlen lassen und bei Beiden zum klaren Bewußtsein. heranreifen, bevor sie den oft verhängnißvollen Sprung in ein dunkles Leben wagen. Offenheit erzeugt Vertrauen, und Vertrauen Liebe. Nicht die, welche in den Flitterwochen, wie eine Seifendose verweht, sondern eme treue, aufopfernde Liebe bis zum Tod, ja. die darüber hinaus durch ihre gutenThaten in anderen Menschen weiterlebt, und mit ihrem Hauche auf d:e Nachwelt veredelnd wirkt. Wie Grillparzer so schön sagt: .Das eben ist der Liebe Zaubermacht, Daß sie veredelt, was ihr Hauch berührt. Der Sonne ähnlich, deren goldener Strahl Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt. Ohne diese Liebe sollte ein Mann nicht seine Hand zum Lebensbunde dem Madchen anbieten, oder sich em Mädchen nach der Heirath sehnen. Ohne diese ist kein wahres Eheglück möglich, wohl em Nebeneinandergehen, nicht aber em Jnelnander-Aufgeden, wohl ein Gedankenöerkehr, nicht aber ein Gedankenleben. Aus der wahren Liebe sprießt eme Tugend nach der anderen hervor, wie Früchte am Baum, und machen die Ehe zu emer nutzlichen, edlen Institution; sie umgiebt die Ehe mit emem Glorienschein, der durch seine Strahlen Mit- und Nachwelt berührt, sie streut Rosen auf den oft steiNichten Lebensweg. Es gibt Manner, die in ihrer frühen Jugend zum Ueberkochen heiß geliebt haben, die für ihre erste Liebe" durch's euer gegangen waren, denen zeder Augenblick ihres Daseins mit ihr: Leben und ohne sie: Tod bedeutete; wie fchauen diese Männer auf ihren Jugendtraum in einer nüchternen Stunde des spateren Lebens zurück, nachdem alle Leidenschaft verfolgen und das Leben seine Furchen durch bittere Ersahrungen gezogen hat? In vielen Fallen die Pessimisten sagen in den meisten erwies sich das herrliche Bild als Phantom, als Zerrbild ihrer Phantasie, in wenigen Fällen blieb es treu und wahr und begleitete sie, wie die Sonne, erheiternd und warmend durch's Leben. In manchem Falle, wo die erste 'Liebe noch rechtzeitig als Wahn entdeckt, vor einer zweitenverschwand, preist man sich glücklich, vor dem Irrthum einer jugendliches Begeisterung bewahrt geblieben zu se:n. Es ist und bleib! eben eine unumstößliche Wahrheit, daß Herz ohne Geist keine Lebensfrage entscheiden darf.