Indiana Tribüne, Volume 17, Number 338, Indianapolis, Marion County, 26 August 1894 — Page 7

Zluc zweihundert Jahre alte Dame.

Die Bank von England feierte jüngst 5hr zweihundertjähriges Jubiläum. Die Alte von Threadneedle Street", wie der VolkZmund das mächtige Fi nanzinstitut zu, nennen pflegt, gehört bekanntlich zu den ältesten Etablissernents dieser Art in der Welt. Bank Operationen datiren freilich schon seit dem Jahre 1640 in England. Die Händler mit Edelmetallen deponirten ihre Barren in den königlichen Prägeanstalten und ließen sie dort nach Bedürfniß ausmünzen. Bis zum Jahre 1640 hatte die Krone begriffen, daß es in ihrem Interesse lag, diese Depots unangetastet zu lassen. Als aber in diesem Jahre Karl der Erste vom Parlament kein Geld bewilligt erhalten konnte, bemächtigte er sich der ihm anvertrauten Fonds, die sich auf ca. 120,000 Pfund Sterling beliefen. Die Entrüstung hierüber war eine derartige, daß der König sofort zwei Drittel der Summe zurückbezahlt und den verzinsten Nest im nächsten Jahre folgen ließ. Nach einer solchen Verletzung des öffentlichen Vertrauens hüteten sich die Edelmetallhändler, ihre Vorrathe wieder dem Fiskus anzuvertrauen. Sie .machten sich selber zum Hüter derselben, fingen an, Handelspapierc zu estomtiren und eigene Billets, die mittelst Endossirung übertragbar und nach Sicht zahlbar waren, auszugeben. Die Regelmäßigkeit, mit welcher die 'Kaufleute ihren, Verpflichtungen nachkamen, erhöhte das Vertrauen in sie, so daß man lieber ihre Billets als baa?es Geld nahm, und sie bald die Depositäre der Ersparnisse der GeschäftsZeute und die Rentenempfänger der Reichen wurden. Um diese Zeit war es auch, wo sie zum ersten Male den Titel Banquier" annahmen. Crom,well begriff natürlich sofort, daß es nur in seinem Interesse liegen konnte, sich mit den Verwaltern der großen lPrivatvermögen gut zu stellen. Bei seinen in Folge von Differenzen mit oem Parlaments unvermeidlichenGeldVerlegenheiten eskomptirten ihm die 'Bankiers die Staatseinkünfte mi! 8 Prozent. Die Regelmäßigkeit, mit der die Vorschüsse zurückgezahlt wurden, sicherten dem Staate einen großen Kredit, so daß der Gedanke entstand, nach lAnalogie Hollands und den italienischen Republiken eine große Emifsionsund Depotbank zu begründen. Dem Parlament wurde sogar ein Projekt .unterbreitet, welches aber nach der Re siauration der Stuarts zurückgezogen wurde, da man die seltsame Ansicht hegte, daß derartige Institute nur 'in -Republiken bestehen könnten und mit dem monarchischen System unvereinbar seien. Mit der Zeit verschwand jedoch dieses Mißtrauen, und die Banjiers traten nach wie vor mit der Regierung in geschäftliche Verbindung. Den Stuarts war dies hochwillkominen, da sie aus ihren Kassen schöpfen mußten, um sich die Fonds für bieEntlassung der republikanischen Truppen zu verschaffen. Alles ging zehn Jahre lang gut, als Karl der Zweite in der Verzweiflung darüber, daß er von dem Parlament kein Geld für seinen Krieg egen Holland erhalten konnte, sich die Vorschüsse der Bankiers in der Höhe von mehr als anderthalb Millionen aneignete. 1 Dieser Finanzcoup, wie man es damals nannte, begrub für längere Zeit den Gedanken an eine Bankgründung umsomehr als ein solches Projekt von Finanzleuten wie Publizisten stark angefeindet wurde, die nun erst recht nicht an die Möglichkeit des Bestehens eines solchen Instituts in einer Monarchie glauben wollten. Im Jahre 1694 schien jedoch die veränderte Regierungslage, und namentlich die Garantie der jährlichen Berufung des Parlamentes eine yinreichende Garantie für die Verwirklichung des Projektes zu bieten. Eine Gesellschaft, an deren Spitze der schotte William Patterson und die Gebrüder Godfrey standen, bot der Regierung einen Vorschuß von 1.200,000 Pfund Sterling gegen 8 Prozent und die Erlaubniß an auf Inhaber lautende und nach (sicht zahlbare Wechsel zu eskomptiren. Der Betrag sollte den der Regierung gemachten Vorschuß nicht übersteigen dürfen. Das Parlament nahm den Vorschlag an. und die to.ugliche Genehmigung wurde am 27. Juli 1694 ertheilt, von welchem Tage die Gründung der Bank datirt. Die alte Dame von Threadneedle Street" hat im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Anfechtung zu erleiden gehabt. Gleich im Beginn ihres Besteyens intriguirten alle die Finanziers gegen sie, oie nicht an ihren Privilegien theilnehmen dursten. Die schwerste Krise hatte sie jedoch in Folge -ihrer Konkurrenz mit der Südsee-Ge-sellschast und im Lause der sranzösischen Revolution zu bestehen. Die große Krise von 1792 stürzte mehr als 300 von den bestehenden 400 Banken. Dank ihrem Credit widerstand die Bank am längsten. In Folge der großen Anleihen der Regierung und der dieser gemachten Vorschüsse wurde sie schließlich gezwungen, ihre Baarzahlangen einzuteilen. Die Handelswelt erstand jedoch vollständig, daß die Situation nur eine zufällige und vorübergehende war. Anstatt muthlos zu werden, traten '4000 der ersten Citv-Firmen zusammen und verpflichteten sich, den Credit der Bantbillets aufrecht zu halten. Ein schleunigst votirter parlamentarischer Akt regelte die Beziehungen der Bank zu der Reg'erung und den Privaten. Der Öruch des Friedens von Amiens vernichtete aber jede Aussicht auf Tieoeraufnähme der. Baarzahlungen. Trog aller Bemühungen der englischen Staatsmänner, trotz der Erklärungen hes englischen Parlaments, daß nach i

seiner Auffassung ein Pfund Sterling und ein Sovereign denselben Werth hätten, trat die Panik ein und das Agio auf Gold stieg auf 7 Schilling pro Sovereign. Erst im Jahre 1816 verschwand der Unterschied zwischen Gold und Papier. Die absolute Friedensepoch: zwischen 1819 und 1832, in welche die Erneuerung der Privilegien der Bank fällt, gab dem Staate, der endlich einmal der Bank nicht bedürfte, erst wieder die Möglichkeit, dieser seine Bedingungen zu diktiren. Die Akte von 1832 rcservirte dennoch der Bank das Privilcgium der Emission, welches allen den Gesellschaften verweigert wurde, die in London und in einem Umkreise Londons von 65 Meilen aus mehr als sechs Personen bestanden. Die Periode von 1832 bis 1842 war ebenfalls eine absolut friedliche, in welcher die Regierung keine neuen Bei pflichtungen gegen die Bank einzugehen brauchte. Diese Periode, welche mit drei Jahren großen Wohlstandes besann, fab darauf die schweren Krisen von 1836 und 1839, welche die Folge von gewaltigen kommerziellen und Eisenbahn-Unternehmungen, wie der Uebernahme von fremden Anleihen waren. Die neu errichteten Diskontound Depot-Banken, die Joint-Stock-Banks, hatten dieser unbändigen Spekulation allen Vorschub geleistet. Der Rückschlag war ein furchtbarer. Um eine Zahlungseinstellung zu vermeiden, mußte die Bank in Arrangements mit der Bank von Frankreich und zwölf Pariser Bankiers wie mit Hamburg eintreten, von denen ihr zwei Millionen zur Verfügung gestellt wurden, mi! denen sie zwar ihre Angelegenheiten ordnen, nicht aber den einmal erwachten Geist des Mißtrauens beruhigen konnte. Im Jahre 18-11 fand m der Folge eine Trennung des eigentlichen Bankgeschäftes von dem Emissionsgesckäft statt. Man hatt: bemerkt, daß die Menge der vom Publikum verlangten Vankbillete niemals unter vierzehn Millionen gewesen war. DaS Gesetz bestimmte, daß diese Qualität Billets in Zukunft auf die bloße Garantie der Staatsschuld, die 11 Millionen Pfund Sterling betrug und 3 Millionen öffentlichen Fonds, die im Emissions-Departement deponirt wurden, ausgegeben werden durfte. Alle anderen von dem Emissions-Departe-ment verlangten Billets mußten mit Baarbeträgen hinterlegt werden. Die eigentlichen Bankoperationen wie Dis-konto-Depots wurden einem anderen Departement anvertraut, welches ourch fortgesetzte Erneuerung seines Portefeuilles, seiner Depots und für sich zu sorgen hat. Im Jahre 1847. 1848. 1857, 1853 fanden leichtere Krisen statt und das Wort: so sicher wie die Bank von England, ist noch in dem letzten Jahre stark erschüttert worden. Bei dem Studium der Geschichte der Bank ist interessant zu beobachten, wie sie seit ihrem Entstehen sich die Verlegenheiten des Staates zu Nutze zu machen wußte, um nach und nach immer größere Privilegien für sich herauszuschlagen. Vor Allem war sie darauf bedacht, ihr Kapital zu vermehren und ihre Alleinherrschaft zu sichern, letzteres nicht immer mit Erfolg. Sie oing hierbei mit der größten Rllcksichtslosigkeit auf das Publikum zu Werke, bis eines Tages der Staat ihrer nicht mehr bedürfte und ihr seine Bedingungen auferlegte. Die Bank ist heute der Agent der Regierung, für welche sie die Steuern einnimmt, die Zinsen der Staatsschuld zahlt 25 Millionen Zinsen an 234.000 Rentenbesitzer, Schatzkammerscheine in Umlauf setz! und auf die langsam einkommenden Land- und Mahltare Vorschüsse gewährt. Ihre übrigen Geschäfte bestehen in Diskontirung von Wechseln, in der Annahme unverzinslicher Devositen, in der Eröffnung laufender Rechnungen auf Namen, vermöge deren sie Zahlung für dritte Personen leistet und annimmt. . Weiter besorgt sie ErHebung von Zinsen, Renten, Pensionen etc., kauft und verkauft Gold und Silber. leiht auf Unterpfand und Hypotheken. Für die Besorgung der Geldqeschäfte der Regierung erhält sie 250.000 Lstrl. Sie hat 18 ' Millionen Noten in Umlauf und wird von 24 Direktoren, einem Gouverlikur und einem Vi:egouverneur verwaltet. An Gehältern, Löhnen und Pensionen gibt sie jährlich circa 300.000 Lstrl. an etwa 1000 Personen aus. Eine nette Dame!

Lluch eine Lehrerthättgkettl Plauderei von Paul A. KirsteiN. s ' Ja sehen Sie, mein Lieber so haben sich d Beiden nun endlich gestern öffentlich verlob!!. Da können Sie sehen, daß es doch noch die hohe, erhabene Liebe gibt, die Sie so oft von der Bühne herab predigen." Und wann wird die Hochzeit sein?" Oh sehr bald,, schon in vier Wochen!" Wie, so schnell?" Aber, was denken Sie! Eine solche Liebe verzögert doch nicht, nun sie endlich einmal in der Mitte des Weges ist, der Welt zuliebe, die Ankunft am langersehnten Ziel!" Da kann ich den Beiden nur Recht geben. Offen gestanden, mich freut diese Verlobung ungemein." Ach und mich erst," warf da das reizende Töchterchen des Hauses ein, aber am meisten freue ich mich doch auf die Hochzeit. Eine Hochzeit ha! so was Poetisches-an sich, es ist so seieclich, und dann kommen einem so besondere Gedanken..." Z. B. an die.eigene Hochzeit!"

Ach, pfui, Sie Garstiger, aber wa rum denn auch nicht? Ist es'venn nicht der erhabenste Moment im Leben, wenn sich zwei, die sich so recht von Herzen lieb haben, zu Freud und Leid für immer vereinen! Und daran sollte man nicht denken und sich nicht darauf freuen dürfen? Darum fühlt man sich ja eben in so gehobener Stimmung; man scherzt und lacht... Wissen Sie denn schon, wir wollen ja auch Theater spielen!?" Theater spielen?" Ja, Herr Dr. Müller schreibt ein kleines Stück, und Fritz und ich wollen es aufführen." Ja können Sie denn das? Haben Sie denn das schon einmal proöirt?" Nein, das gerade nicht," erwiderte die Mutter, aber wozu haben wir Sie denn! Auf Sie habe ich natürlich dabei gerechnet. Da Sie doch Liebhabe: von Beruf sind, und es sick in fast allen Hochzeitssiücken nur um die Liebe handelt, so denke ich, wird es Ihnen doch nicht schwer fallen, den Kindern dies einzustudiren. Nicht wahr, ich habe mich auch nicht verrechnet?" Ach. bitte, bitte, thun Sie's, Herr " Aber gewiß, meine Damen, mit größtem Vergnügen! Was ich dazu beitragen kann, werde ich gewiß mit Freuden thun. Beschaffen Sie nur recht schnell das Manuskript, daß wir bald anfangen können, und dann werde ich mit allem gebührenden Fleiß und Eifer an diese mich unendlich yochehrende Aufgabe gehen!" Und ich verspreche Ihnen feierlichst, meine Rolle bis auf das Und" auswendig zu lernen, und Ihnen in all Ihren Anordnungen stets auf das Pünktlichste Folge zu leisten!" Abgemacht, eingeschlagen!" Aber wie ist das mit den Proben? Herr Fritz ist doch tagsüber im Geschäft, und des Abends rufen mich meine Pflichten." Na, dann studiren Sie es zuerst meiner Tochter allein ein, der Fritz hat sowieso schon öfters gespielt, und Sonntags, wo Sie doch immer bei uns sind, halten wir dann gemeinsame Proben." Wir rönnen ja auch des Abends immer noch allein prsbiren, Mama, damit wir sicherer und ruhiger wer den." Gewiß, auch das. Oh, wir werden das schon machen. Sie bekommen dafür auch immer eine Tasse extra guten Kaffee!" Aber bitte mit Zucker, gnädige Frau, wenn Sie mir schon das Leben versüßen wollen. - Na also, wenn ich den Text habe, sprechen wir noch ausführlicher darüber. Doch jetzt, meine Damen, muß ich mich empfehlen. Es ist halb 6 Uhr, ich muß in die Garderobe." Also, Herr , besten Dank im Voraus, und auf baldiges Wiedersehen!" Oh, aber durchaus nichts zu danken, gnädige Frau! Auf Wiedersehen, meine Damen." Nach drei Tagen hielt ich das Manuskript in Händen und gleichzeitig ein rosa Briefchen, das mich für den körn menden Sonntag zu einem Teller Suppe und einer wichtigen" Vesprechung einlud. Die gnädige Frau hielt nämlich das Stück für die beiden jungen Leute zu schwer, und wollte, mit der Eitelkeit der Mutter, meine Meinung hören, ob sich diese auch Nicht blamiren würden. In der That enthielt das kleine Stück einige Schwierigkeiten, namentlich für den weiblichen Theil, die aber bei einiger Mühe doch nicht unlösbar waren. Es handelte sich im Wesentlichen um zwei Menschen, die aus Furcht, daß ihre gegenseitige Liebe von einander nicht erwidert würde, dieselbe nicht zu gestehen wagten, und erst, als der eine von ihnen von bitterem. Leid betroffen wird, ganz unbeabsichtigt ihr Denken und Fühlen ausplaudern. Dies war eine kleine Episode aus dem Leben der Neuverlobten kurz in Prosa niedergeschrieben, und war, wie man sich denken kann, von Jemandem, der dies zum ersten Male versuchte, nicht leicht darzustellen. Doch da es bei Dilettanten ja weit mehr auf den guten Willen, als auf die gute Ausführung ankommt, so glaubte ich ruhig dazu rathen zu dürfen, umsomehr, da die Beiden von Hause aus Interesse und Verständniß für diese Kunst mitbrachten. So wurde denn gleich eine kleine Leseprobe gehalten, ich klärte die Beiden über Verschiedenes in der Sprache und in der Betonung auf, sprach mit ihnen über den Inhalt und gab ihnen so die erste Anleitung zum Lernen. Es ist im Allgemeinen nichts Angenehmes für einen Dilettanten eine Komödie einzustudiren, denn alles, was er sich im Laufe der Jahre praktisch oder durch besonderes Studium angeeignet hat, was ihm bereits zur zweiten Natur geworden ist, sieht er hier in ihm unbegreiflicher Unvollkommenhcit wieder von neuem erstehen. Nur von dem Bestreben geleitet, etwas recht Gutes zu schaffen, gibt er seine Anordnung auch nur in dem gebräuchlichen Bühnentone, der natürlich nicht verstanden wird. Dadurch verliert tt die Geduld und zumeist auch die Lust, ein Zustand, der für beide Theile gleich unangenehm ist. Hier nun lag die Sache ganz anders. Es hat einen ganz seltsamen Reiz, ein junges, unschuldiges Mäd chen in jene höchsten seelischen Empfinduugen einzuführen, die, wie schon erwähnt, in diesem Stück enthalten waren. Es mag dies ungefähr dem Gefühl gleisen, das ein Lehrer empfindet. wenn er seinen Schülern eine ihne?i kaum oberflächlich deZannke Welt erschließt, z. B. wenn er sie in die Ge heimnisse der Natur einführt, wenn er

ihnen zeigt, wie durch das ewige Wachsen' und Sprießen, durch das ewige Vergehen und Neuerblühen die Erde sich verjüngt und verschönt, wie alles entsteht und langsam bis zur höchsten Vollendung sich ausbreitet. So war es hier also vor allen Dingen nöthig, das junge Mädchen in die Geheimnisse der menschlichen Seele einzuführen, und ich versuchte es mit jener glühenden Wärme, mit der ein schwärmerisch veranlagter Mensch den Gegenstand seiner Neigung verehrt. Die ganze Schauspielkunst ist ja nichts weiter, als das Nachempfinden der Empfindungen eines Anderen. Und doch ist dies nie ganz möglich! Darum gab sie mir auch, als ich einmal bei Durchnahme der Liebesszene amchluß des Stückes ziemlich ungeduldig ausrief: Aber bestes Fräulein, können Sie sich denn in die Seele jenes Mädchens nicht hineinversetzen? Haben Sie denn noch nie geliebt?" sehr richtig zur Antwort, ihre Liebe würde sich anders äußern!" und nach einer kurzen Pause fuhr sie dann, den Schelm im Nacken, fort: Haben Sie denn schon so viel geliebt, daß Sie all das nachempfinden können?" Ich muß wohl etwas roth geworden sein bei dieser Frage, denn sie wurde plötzlich ganz ernst, und ihre großen, braunen Augen blickten so hilfesuchend, so verlassen umher. Und dann aniwortete ich, und mir wurde recht feierlich zu Muthe, als ich ihr sagte: Ja, mein Fräulein, den ersten Probepfeil habe ich wohl schon gespürt, aber jene große, erhabene Liebe, die uns völlig in Fesseln schlägt, die das geliebte Wesen zu unserem zweiten Ich erheb:, die eine Welt von Zärtlichkeit umfaßt, und die uns getrennt vergeh läßt, die habe auch ich noch nicht erlebt; auf diese Liebe hofse und harre ich noch, und gebe es Gott nicht vergebens und auch nicht zu lange!" Was soll ich noch viel erzählen! Die Zeit rückte mit dem Probiren langsam vorwärts, und wir, geleitet und beherrscht von unseren Trieben, merkten es kaum. War ich zuerst ziemlich gleichgültig an die Einstudirung gegangen, so war während der Proben meine Freude und Lust dazu immer größer geworden, denn es gewährte mir ein reines, wahres Entzücken, während der Gespräche, die wir ja nothwendig sühren mußten, einen Blick in diese kmdliche, unverdorbene Mädchenseele zu werfen. Da drinnen stand noch mit unverlöschbaren Lettern das heiligste Gebot des Menschen, das uns zu vertrauen befiehlt, auch wenn wir einmal getäuscht wurden; doch wehe dem, der mit Lust darauf ausgeht! Und wie sie zuhören konnte, wenn :ch sprach. Als wollte sie mit dem Blick ihrer reinen Augen mir die Seele aussaugen. Was Wunder, daß ich dabei immer begeisterter von meinem Ideal sprechen konnte, und sie schließlich an das glauben und das wünschen lernte, was ich ihr so aus tiesstem Herzen anvertraute! Merkwürdig war es nur, daß sie auf den Proben mit ihrem Bruder nie so spielen konnte, wie sie es mit mir that, und daß ihr gerade die Klage über die scheinbar unerwiderte Liebe so ganz besonders gelang. Ja manchmal iraten ihr die Thränen in die Augen, und dann sprach sie mit einem so großen Sehnen in ihrem Tone, daß man glau ben konnte, es wären ihre eigenen, ihr tiefstes Fühlen verrathenden Worte. Auch mir wurde es seltsam zu Muthe! Ich hatte mich so an dieses offene, liebe Mädchenauge gewöhnt, daß ich schon mit Schrecken an die Zeit dachte, wo diese reizenden Nachmittagsstunden ein Ende hatten, wo ich mich auf gelegentliche Besuche beschränken mußte. Fiel aber bisweilen ein Tag aus, dann konnte man gewiß sein, daß mit mi: nichts anzufangen war, und ich bis zum nächsten Tag völlig verstimmt war. Inzwischen war der Tag der 5)ochzeit herangekommen. Meine Schüler hatten in einer Generalprobe vor Freunden und Bekannten eine Probe ihres Könnens abgelegt, und so schien alles auf's beste ablausen zu wollen, als plötzlich der Bruder erkrankte, so daß er an der Feier nicht theilnehmen konnte. Ein Ersatzmann war in der kurzen Zeit nicht zu finden, und so entschloß ich mich denn, den Bitten meiner verehrtes Gastfreunde nachzugeben, und die Rolle selbst zu spielen. Na, und wir spielten denn auch zusammen, und ich glaube sogar recht gut, denn es war ja doch das, was wir beide schon lange gedacht und gehofft hatten. Und als ich mich dann zum Schluß des Stückes von diesen lieben kleinen weichen Händen umschlungen fühlte, da konnte ich mich nicht mehr halten, und coram publico, als müßte es so sein, drückte ich ihr einen heißen Kuß auf die vollen Lippen und flüsterte zu ihr aber das läßt sich gar nicht erzählen! Nachher standen wir denn beide da zwischen dem alten Gerumpel und Theaterplunder, und ich sagte ihr, wie ich sie so ganz unbändig lieb hätte, so so ganz zum Vergehen, und ob sie mich denn auch lieben könnte, so recht mit meiner Liebe?" Und was meint ihr wohl, was sie mi? antwortete? Ja, Du mein Einzigster, ich will mein Leben d'ran setzen, es zu thun, Du hast es mich ja selbst gelehrt!" Seht ihr. das ist meine Thätigkeit im Lehrberuf! Und daß dieselbe von Nutzen und Erfolg war, hat mir meine kleine Frau schon oft genug bewiesen! "Das neues Kabel, welches zwischen Irland und Nova Scotia.- Canada. gelegt wird, wieat 11,000,000 Wnd und ist 2100 Meilen lang.

Entsündnngsgcfahr der KrauenKleidung. Der Umstand, daß Unglllcksfalle durch Entzündung der Kleidung beim männlichen Geschlechte selten, beim weiblichen häufig torkommen, lehrt, daß die Gefahr in der Form und Beschaffenheit der Frauenkleidung zu suchen ist. Während die eng anliegende Kkidung des Mannes aus dichten Geweben und in der Regel aus Wolle besteht, welche ohnehin schwerer entzündlich ist. liegt die Frauenkleidung an den größeren Theil des Körpers nicht an und wird durch lockere Gewebe gebildet. Zur Herstellung der Frauenkleidung finden vielfach Gewebe aus Baumwolle. Leinen.' Halbwolle VerWendung. In chemischer Hinsicht sind Baumwolle und Leinen als Cellulose zu bezeichnen; es ist dieses der gleiche Stoff, aus welchem das Holz besteht. Daher kann die leichte Verbrennbarkeit der Leinen- und Baumwollenaewebe nicht Wunder nehmen. Schwerer entzündlich sind Wolle und Seide, welche in chemischer Hinsicht der Hornsubstanz ähnlich sind und bei der Verbrennung gleiche Erscheinungen darbieten, wie verbrennende Hornspäne, indem sich die Asche aufbläht und ein unangenehmer Geruch auftritt. In der Form von Halbwolle und Halbseide, sowie in rein verarbeitetem Zustände, wenn die Gewebe sehr dünn und luftig sind, geschieht die Verbrennung gleichfalls mit großer Schnelligkeit. Während die Berührung der Kleidung des Mannes mit einer Flamme meist nur das Glimmen der betreffenden Stelle zur Folge hat, entsteht in gleichem Falle in. der Frauenkleidung meist eine Flamme, welche, begünstigt durch die luftige Beschaffenheit der Frauenkleidung bei Bewegung derselben rasch um sich greift. Offenbar hat jede Maßregel zur Verhütung der bezeichneten Unglücksfälle ihren Ausgangspunkt darin zu suchen, daß die Entstehung heller Flammen verhindert wird. Zu letzterem Zweck stehen aber schon Zetzt Mittel zu Gebote. Es scheint nicht allgemein bekannt 311 sein, daß sogenannte Flammenschutzmittel für die Kleidung existiren. Ihre Zahl ist keine geringe. Alaun, Borax, wolframsaures Natron, schwefelsaures Ammoniak u. s. w. in 2- bis öprocentiger Lösung dienen diesem Zwecke. Ein Gewebe, welches mit einer dieser Salzlösungen getränkt und wieder getrocknet ist. geht unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht in Flammen auf, sondern verglimmt nur mehr oder wenier rasch. Damit ist aber beim Traaen derartiger Kleidung die größte Gefahr beseitigt. Die hauptsächlich gefährdeten Baumwollen- und Leinenkleider werden jedoch gewaschen und würden hierdurch die Eigenschaft, unentflammbar zu sein, verlieren, weil die schützenden Salze in Wasser löslich sind. Dem gewaschenen Stoffe müßten daher die schützenden Salze von Neuem wieder zugeführt werden. Zu einer solchen Zuführung müßte die allen Hausfrauen wohlbekannte Operation des Stärkens der Kleider benutzt und zu diesem Zwecke die Stärke entsprechend zusammengesetzt werden. Das durchaus nothwendige Stärken des Kleides verleiht demselben alsdann die Eigenschaft, unentflammbar zu sein, wieder. Wörtlich genommen.

Der Dichter Schmeckpfeffer, seines Geistes und der Schärfe seines Witzes wegen ebenso beliebt wie gefürchtet, ist zu einer Abendgesellschaft geladen, deren geistigen Mittelpunkt er bildet. Zu den Geladenen zählt auch der Bankier Elkeles, der außer in Werthpapieren auch in Versen macht, sich dem Schmeckpfeffer geistesverwandt wähnt und im Laufe des Abends sich ungebührlich an denselben herandrängt. Schließlich bittet er den Dichter, ihm die Ehre zu erweisen sich in einem Album das er bei sich führte und das' schon die Handschriften vieler bedeutender Männer enthalte mit einem Verslein zu verewigen. Dabei scheut er sich nicht in der ihm eigenen plumpen Manier zu verstehen zu geben, daß ihm vor Allem daran gelegen, daß die Widmung so eine Art von Werthschätzung seiner "Person seitens des Dichters erkennen lasse, natürlich nur insofern, als er ihn, den Elkeles, just auch nicht zu den Dümmsten rechne. Schmeckpfeffer verspricht es und nimmt das Album an sich und Elkeles beeilt sich, von Einem zum Andern gehend, seinen Erfolg unter die Leute zu bringen, in der Hoffnung später um so mehr gefragt zu werden und um so öfter Gelegenheit zu finden den vermeintlich für ihn so schmeichelhaften Vers vorzulesen. Bald nach dem Souper und früher noch als die Andern verabschiedet Schmeckpfeffer sich von der Gesellschaft, unmittelbar vor seinem Weggang dem Elkeles das Album überreichend. Kaum hat die Thür sich hinter dem Dichter geschlossen, so Lfsnet Elkels das Album und liest, während ein Dutzend Augen ihm über die Schulter gucken. Du bist der Dümmste nicht mein Freund, bist klüger schier Noch als das Schaf, ja glaube mir. Ich mach' daraus kein Hehl, Du bist selbst klüger noch als das Kameel. Avancement. Vater (zu seinem Söhnchen, das bei einem Schuster in der Lehre ist): Na, wie geht's,machst Du Fortschritte?- Junge: 0 ja! Jetzt darf ich sogar schon lachen, wenn der andere Lehrjunge eine Ohrfeige kriegt!"

Ncrlincr Aaushaltungs.ule.l. ' Von Minna WettsteiN'Adelt. Die socialen Nothstände, die: sich in den letzten Jahrzehnten mit einer außerordentlich fühlbaren Schärfe herausgebildet haben, lenkten die Aufmerksamkeit wohlwollender Volksfreunde auf die hauswirthschaftliche Bildung der Frauen des Proletariats, in der richtigen Erkenntniß, daß deren mangelhafte wirtbaftliche Ausbildung einen großen Theil der Schuld an dem socialen Elend hat. Man kann sich .täglich davon überzeugen, daß in der Unfähigkeit so vieler Frauen armerer Stände, einen ordentlichen Haushalt mit geringen Mitteln zu führen, ein Hauptgrund ehelicher Zwiste, schlechter Kindererziehung, des WirthsHausbesuchs des Mannes und schließlich der Eheverlassung zu suchen ist. Nicht selten stehen einer Arbeiterfamilie in der Großstadt kaum anderthalb bis zwes Mark täglich für die Ernährung zur Verfügung, und damit soll eine gesunde und nahrhafte Kost bereitet werden! Das ist selbst für die gebildetste und erfahrenste Hausfrau eine schwere Aufgabe. Die Frauen des Proletariats, die bald nach der Confirmation das elterliche Haus verlassen, um als Arbeiterinnen in Fabriken und Geschäften. oder als Näherinnen. Putzmacherinnen, Plätterinnen oder LehrMädchen so viel zu verdienen, daß sie sich erhalten können, treten in die Ehe, ohne die nothdürftigste Kenntniß im Kochen und in der Führung eines einfachen Haushaltes zu besitzen. In Frankreich und Belgien hat man in den Mädchenvolksschulen den Unterricht im Kochen und Backen längst als obligatorisch in den Schulplan aufgerammen; die deutschen. Anschauungen von den idealen Aufgaben der Schule widersetzten sich lange diesem Eindringen des Kochlöffels, bis das Recht der praktischen- Aufgabe sich dennoch Eingang zu verschaffen wußte. Die erste hauswirthschaftliche Schule wurde in Chemmtz in Sachsen gegründet; dem deutschen Manchester folgten Naumbürg. Karlsruhe, Kassel. Eberswalde und Berlin. Den Unterricht in diesen Schulen geben hauswirthschaftlich ausgebildete Lehrerinnen; er zerfällt in praktischen und theoretischen Unterricht. Die Mädchen müssen die täglich wiederkehrenden Arbeiten, wie Feueranzünden, Wasser- und Holzholen, vor Beginn des eigentlichen Unterrichts besorgen, sie müssen die Lebensmittel gegen Baarzahlung selbst einkaufen und sich später im theoretischen Unterricht darüber äußern, warum sie dieses oder jenes Stück Fleisch bevorzugen; welches, je nach dem Gerichte, zu dem sie gebraucht werden, die besten Theile des Rindes oder Kalbes sind, und worin der Nährwerth dieser oder jener Gemüse und Hülsenfrüchte besteht. Jedes der Kinder erhält einen breitgeflochtenen Strohkorb und allmorgendlich die Anweisung, was und wie viel es einzukaufen! hat; selbstverständlich wechseln die Kinder in den Gegenständen, die si: einzukaufen haben, ab. so daß sie der Reibnfolge nach alle Lebensmittel beurtheilen lernen, die man zu den tägliehen Mahlzeiten braucht. Die Schülerinnen müssen vor der Zubereitung der Speisen feststellen, für wie viel Personen. Erwachsene und Kinder, schwer arbeitende oder kränkliche, gekocht wird und wie viel man für die einzelne Person rechnet. Jedes Kind mu abwechselnd für größere oder kleinere Familien kochen. Krankenkost besorgen und bei der Zubereitung der Speisen alle Eventualitäten in Betracht ziehen, die in einer Familie vorkommen. Im tbeoretischen Unterricht werden die Mädchen auf besonders nahrhafte und schmackhafte Lebensmittej aufmerksam gemacht und auch darauf, wie aus Ucbriaaebliebenem eine gute Mahlzeit herzustellen ist. Das so Erlernte müssen sie dann kurze Zeit darauf im Kochunterricht praktisch ausführen. Als besonders segensreich ist hervorzubeben, daß die hauswirthschaftlich ausgebildeten Lehrerinnen, die diesen Unterricht leiten, den Kindern nicht sofort Alles vormachen, sondern die Mädchen an selbstständige Arbeit von vornherein gewöhnen, selbst auf die Gefahr hin, daß so Manches Anfangs verdorben wird. Die Schülerinnen beweisen fast ausnahmslos großes Interesse an diesem hauswirthschaftlichen Unterricht, sie arbeiten freudig und mit großem Eifer und sind stolz darauf, eine Mahlzeit selbstständig herzustellen. Man? hat beobachtet, daß Kinder, die bisher nicht den geringsten Sinn dafür zeigten, die Mutter im eigenen Haushalt zu unterstützen, jetzt ihre Kenntnisse gern praktisch beweisen und der Mutter die Last des Kochens abnehmen. Zudem werden die Mädchen ordnungsliebender, besonnener, ernster und gesitteter, ihr ganzes Wesen nimmt etwas Selbstständigeres und Bestimmteres an. Es ist zu hoffen, daß die hier erzogenen Mädchen dahin gebracht werden, daß sie eine nahrhafte und schmackhafte Kost bei geringern Geldderbrauch herzustellen vermögen und so die Arbeitskraft, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Mann und Kind zu erhalten wifsen; sie werden so den Aufgaben, die die Führung des späteren Haushaltes an sie stellen wird, gerecht zu werden vermögen, indem sie ihn mit Umsicht und Sparsamkeit, mitUeberlegung und Nacbdenken leiten. Das von den, Schülerinnen gekochte Een wird theils gegen Entschädigung an n-vi;rche Arbeitsanstalten abgegeben, theils erwerben es die Angehörigen der Kinder um ein Geringes, oder aber die Kinder müssen es selbst essen, um zu sehen, wie die von ihnen zubereiteten Speisen schmecken. In den verschiedenen Städten ist die Verwendung des gekochten Essens ver

schieden, je nachdem die Bedürfnisse der Großstadt oder Kleinstadt liegen. j Selbst wenn man aber den Segen 1

der .fausbaltunasscbulen als weitae-F hend und anhaltend nicht anzusehen vermöchte, selbst wemr. das Familienelend in ärmeren Kreisen durch tüchtige Hausfrauen nur unwesentlich gemildert würde, so dürfen wir doch nicht übersehen, daß die Mädchen, die diese städtischen Kochschulen besucht haben, an Disciplin. Ordnung und häusliche Arbeit gewöhnt sind, daß sie der demoralisirenden Fabrikarbert nicht so leicht in die Hände fallen, sondern lieber in Dienst treten werden. Sie dürften gesuchte Dienstboten werden, da sie den Hausfrauen die Mühe des Anlernens ersparen; ist doch heute die Klage der Frauen derjenigen Stände, die sich weibliche Hilfe im Haushalte leisten können, immer darauf gerichtet, daß sie nur Dienstboten finden, die in keiner Beziehung systematisch geschult sind, die deshalb auch nicht selbstständig arbeitcn und denken können und selbst dem kleinsten Haushalte nicht gewachsen sind. Wir hoffen deshalb, daß die Schule sich nicht länger der Pflicht entziekt. auck bhr belsend und fördtrnh u i ' ' - i i j einzutreten; sie ist sehr wohl imStande,! durch planmäßigen, Unterricht in der Haushaltungskunst eine Besserung wirthschaftlicher 'Schäden herbeizuführen. ( Die wohlthätigen Folgen würden nicht nur den Hausfrauen zu Gute kommen, die heute eine so verantwortliche Vertrauensstellung, wie es die Mithilfe in der Wirthschaft ist. rohen, ungeschulten und zuMißbrauch so leicht geneigten Kräften überlassen müssen, sondern auch einen nicht unwichtigen Theil der socialen Frauenfrage zur Lösung bringen: Das jetzt zwischen Himmel und Erde schwebende Institut der Stützen derHausfrau" würde auf eine breite Basis gestellt und weiteren Kreisen zugänglich. Die besseren Löhne, die damit verbunden wären, trügen einsichtige Hausfrauen gern, und damit wäre ein guter Theil des Dienstbo ten-Elends aus der Welt geschafft. ; Kinderchen. 1 Furnivall, der Gründer der Early Englisch Text Society und Herausgeber der Bücher dieser Gesellschaft, hat zufälliger Weise in Ehester, wo er seine vorjährigen Ferien zubrachte, eine literarische Entdeckung gemacht, die ein merkwürdiges Licht auf die Sitten und Gebräuche des 16. Jahrhunderts in England wirft. In der genannten Stadt hat er in einer vergriffenen Handschrift die Verhandlungen vor dem bischöflichen Gericht wegen Ehescheidungen von 1561 bis 1566 aufgefunden und in nicht weniger als 27 Fällen handelte es sich um die Lösung von Kinderehen. d. h. von kirchlich vollzogenen Ehen von Kindern unter 12 Jahren; in mehreren Fällen waren der Bräutigam oder die Braut nur drei bis vier Jahre alt, mußten in die Kirche getragen werden, und die Eltern sprachen an ihrer Stelle die Eheformeln vor dem Geistlichen aus. Da gerade jetzt in England bedeutende Anstrengungen gemacht werden, um den Kinderehen in Indien im Interesse der Moralität ein Ende zu setzen, ist es lehrreich, aus den von Furnivall an's Tageslicht gezogenen Gerichtsverhandlungen die Gründe zu hören, welche christliche Eltern damals veranlaßten, ihre Kinder in unreifen Jahren inander anzutrauen. Es sind zumeist pekuniäre Rücksichten, der ' Vater eines zweijährigen Bräutigams erhält von dem Vater einer etwas älteren Braut Geld, um ein Stück Land zu kaufen. Ein anderer Vater heißt seinen Knaben ein ganz junges Mädchen heirathen, um eine Schuld zu tilgen; wieder ein Vater gibt seine Zustimmung aus Furcht, sein Einkommen zu verlieren. Dann hat eine der Bräute einen steinreichen Großvater, von dem die unmündigen Eheleutchen mit der Zeit ein Bauerngut zu erhalten hoffen. Testamentsverfügungen und Zwang der Eltcrn spielen ebenfalls eine Rolle und eine Eva von 12 Jahren verlockt sogar einen 10jährigen Jungen vermittelst zwei Aepfeln, mit ihr nach Colm zur Hochzeit zu gehen. Der Junge hat es aber gleich nachher bereut. Diese Kinderehen wurden in Kirchen oder Kapellen, zur Tageszeit oder Nachts bei Kerzenlicht abgeschlossen, und unter den Kindbräuten befindet sich auch die einzige Tochter des Bischofs von Chester. In diesem Falle sowie in manch andern Fällen war die früh geschlossene Ehe unglücklich oder doch unpassend und führte zur Lösung des Vertrages, der ohnehin, sobald das Mädchen das 12.. der Knabe das 14. Jahr erreicht hatten, förmlich bei Seite gesetzt werden konnte, falls die Kinderehe nicht schon vorher durch Zusammenleben vollzogen worden war. Später gab ein Ricbter (er starb 1624) die autoritative Erklärung ab, daß Kinderehen, vor dem 7. Jahre geschlossen, ungiltig seien, wenn sie nicht durch später von beiden Kontrahenten abgegebene Erklärungen ratificirt würden. Die englischen Kinderehen erklären auch, weßwegen in Romeo und Julia die letztcre in ihrem 14. Jahre an den Grafen von Paris verheirathet werden sollte. Die historische Veranlassung zu den Kinderehen ist, nach Furnivall' Ansicht, in dem Feudalgebrauch des 16. Jahrhunderts zu suchen, der dem Landesfürsten die Vormundschaft begüterter Waifen gab. Durch eine frühe Verehelichung wurde diefe Nothwendigkeit vermieden. Kinderehen kamen wohl im Bürgerstand als unter den Ldliaen vor. Frieden im Kriege. Offichr (der von seiner Frau, einer rechten Xantippe, gequält wird): ), hat tcn wir doch einmal Krieg, dann hätte ich Frieden! .