Indiana Tribüne, Volume 17, Number 338, Indianapolis, Marion County, 26 August 1894 — Page 2

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Aus dem Trauenlcbcn.

Durch die Stellenvermittelung des Allgemeinen deutschen LehrerinnenVereins erhielten im Jahre 1893 94 654 Mitglieder Stellen, nämlich 360 durch das Leipziger Centralbureau und die mit diesem verbundenen Agenturen in Deutschland, 219 durch den Verein deutscher Lehrerinnen in England. 60 durch den Verein deutscher Lehrerinnen in Frankreich und 13 durch den Verein deutscher Lehrerinnen in Italien. Die Centralleitung der Stellenvermittelung befindet sich Leipzig, Pfaffendorferstraße 17. An der Berliner Universität ist jetzt eine Lehrerin durch besondere ministerielle Erlaubniß zum Besuch der Vorlesung?n zugelassen. Die Dame hört ein sprachwissenschaftliches Kolleg bei Prof. Johannes Schmidt. Als Volontärärztin an der Univer-sltäts-Frauenklinik in München ist Zsrl. Sophie Nordhoff von dem Direktor der Klinik Prof. von Winckel angestellt. In Bielefeld geboren, studirte die junge Dame in Washington Medizin und bestand dort die Prüfung summa cum laude. Nach beendeten Studien nach Deutfchland zurüögeZehrt, suchte sie ihre Kenntnisse an der Wiener Universität zu erweitern. Der Sängerin ffrau Katharina Klafsky wurde vom König von Württemberg die goldene Medaille des Andreasordens verliehen. In Gadki rettete eine muthige Schwimmerin, Frl. Wanda Wojcicka, einem siebenjährigen Knaben, der in den Swiderflub gefallen war, das Leben. ' Die Petersburger höheren Lehrkurse für Frauen, historisch-philologische und physikalisch-mathematische,' wurden im letzten Jahr vor 468 ZuHörerinnen gehalten. Das geplante medizinische Institut für Frauen wird in Petersbürg bald ins Leben treten. Die Petersburger Stadtverwaltung stellt dem Institut kostenlos das Lokal zur Verfügung und öffnet den ZuHörerinnen zu praktischen Uebungen die städtischen Hospitäler. Weibliche Aerzte sind in Rußland bekanntlich bereits recht zahlreich in Thätigkeit, und zwar fast ausschließlich für Frauen- und Kinderkrankheiten; das Publikum kommt ihnen allgemein mit Vertrauen entgegen, und man rühmt ihre unverdrossene Sorgfalt. Dadurch erklärt sich die Opferwilligkeit des Publikums für die Zwecke des Instituts. Der Umstand, daß Nußland über zwölf Millionen mohamedanischer Unterthanen hat.läßt die Ausbildung einer großen Zahl weiblicher Aerzte als staatliche Nothwendigkeit erscheinen; denn die Moharnedanerinnen lassen sich durch männliche Aerzte nicht behandeln, denen nur qanz ausnahmsweise der Zutritt zu den inneren Gemächern des Hauses, also auch den unter weiblicher Obhut stehenden Kinderstuben gewährt wird. Eine Ausstellung ,'on Frauenarbeiten wird im nächsten Jahre in Kopenhagen stattfinden. Die Leistungen der Frauen auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft, Philanthropie, dcs Schulwesens, der Kranken- und Kmderpflege. der Haushaltung, des Gar-ien-und Ackerbaues, der .Industrie u. s. w. soll in zweckentsprechend?: Weise zur Veranschaulichung kommen. Das Protektorat über die Ausstellung hat die Königin von Dänemark überuommen. Die medizinische Fakultät der Pa--riser Hochschule verlieh einer jungen deutschen Dame. Frl. Gorvitz, die Doktorwürde auf Grund einer Dissertaiion über die Anomalien der Endocarditis infectiosa bei Kindern". In Japan, wo das Massieren viel mehr gebräuchlich ist, als bei uns, und wo es nach jeder Anstrengung, z. B. nach jedem größeren Spaziergange zum Vorbeugen gegen Steifheit angewendet wird, bildet das Massieren einen Haupterwerbszweig für Blinde. Diese blinden Reiber" und Neiberinnen" gehen dort beständig in denStrafcen auf und ab und klingeln mit Schellen, wie bei uns Ausrufer und Milchwagen. Ihre Bezahlung ist nicht hoch, reicht aber aus, um ihren Lebensunterhalt zu decken. Der feine Tastsinn der Blinden gibt ihnen bei dieser Arbeit einen Vortheil vor sehenden Menschen. Blinke Masseusen dürften wegen ihrer leichten Hand auch bei uns gute Beschäftigung finden. Der japanische Brauch. Blinde im Massieicn auszubilden, hat in London be--reits erfolgreiche Nachahmung gefunden. Glückseligkeit. Na, Suftel. was stierst' denn die Kühherd so nachdenkli an? Nu, i denk', wenn all' die Küh' 'Bier statt der Milch geden, und nachher ihre Milch mir gehöien that was für ein herrliches Leben könnt' i nachher führen! Aha! Mann (zur Frau): Himurel Millionen Schockschwerenoth, was ist das für ein Ton, den Du heute ge$en mich anschlägst, bildest Dir wohl ein. Du hast Deinm Schwiegersohn vor Dir! Allerdings. Frau A. (vom kriedhos heimgehend): El, ei, wer hätte wohl je gedacht, daß der Mann ein solches Ende nehmen wird. Frau V.: Da haben S' Necht, dem hat man es auch nicht an der Wieae aesunaen. daß er sich mit 45 Jahren aufhängen wird. Unfehlbares Mittel. Herr Meyer: Herr Doctor. was fehlt eigentlich meine? Frau?" Arzt: Bewegung. Sie sollte viel spazieren gehen." Herr Meyer: Ja. das sag' ich ihr immerzu. Aber sie thut's halt nicht. Können Sie mir gar keinen Rath geben, was ich mit ihr anfangen soll?" Kaufen Sie ihr ein tUgan 5es Vonnet."

Zver wirst den ersten Stein Aon Tietrich Theoen.

In wenigen Tagen ist die Berhandlun.2. Ich bin als einziger Augenzeuge geladen worden, und ich will mein Zeugniß vor den Schranken des Gerichts und vor der Welt ablegen. - Wer wirst den ersten Stein? Ich möchte es die Richter fragen, und ich frage es die, die nicht nach dem zu urtheilen haben, was der tod:e Buchstabe des Gesetzes vorzuschreiben scheint. Die Wellen desselben Sees, die das verwitterte, altersgraue Gemäuer des Gutshauscs von Tiefenau bespülen, rauschen zu Füßen der leicht ansteigenden Anhöhe, welche das stolze, moderne Herrenhaus des Gutes Padöhl trägt. Ein Dorf mit weitversheuten Häusern, sanftgewelltes Ackerland, weite Moorwiesen und Waldung umkränzen den See. Das Torf heißt Hollen, und der Sce wird nach dem Dorfe benannt. Scin Waffer ist tückisch. Wer an seineu Ufern wandelt, muß Acht geben, daß er der dunkelschwimmenden Fluth nicht zu nahe kommt, denn sie hat d.is Ufer unterspült, und die übersteü:nden Ränder sind oft nicht stark genuz, um die Last eines Menschen zu tragen. Die Dörfler meiden den See. Ein paar Boote, die am Ausgange des Dorfes, nahe dem Gutspark von Padöhl, in rauschendem Schilfe halb versteckt angekettet liegen, gehören den beiden alten Fischern, welche die Fischereigerechtigkeit des Sees von den Herren auf Tiefenau und Padöbl gepachtet haben. Die Fahrzeuge sind plump und roh gebaut und stechen von den beiden Booten, die zu den Gütern gehören, ebenso ab, wie die armseligen, strohgedeckten Flicherhutten von den stolzen Herrenpalästen. Bon den Bauern besitzt keine? ein Boot, und selten traut sich ein jüngerer Bursche mit den Fischern auf das schwanke Element hinaus. eaenuver dem ortt ouen vefindet sich eine der wenigen Stellen des Sees, an denen das Ufer flach verläuft und zum Tränken der Pferde benützt werden kann. Die Kinder waten im Sommer mit hochgekrempelten Kleidern dort umher und suchen nach Muscheln und glatt abgeschliffenen Steinen. An den schroff abfallenden Rändern der Wiesen übt höchstens ein emsamer Angler seinen verbotenen Sport. Sonst hat der See zu dem Leben der Dörfler keine tiesergreifende Beziehung gewonnen. Eine (scheu halt Jung und Alt von ihm fern. Auch die Fischer wissen von thm nichts Gutes zu berichten, außer daß er reich an Barschen, Brachsen, Schleien und Hechten ist. Kommen sie mit dem Netze dem Waldufer zu nahe, so bleiben sie mit dem Garne unliebsam an den Wurzeln hängen, die vom Wald aus in den See hinauslaufen, oder an den umgestürzten Baumriesen, die der turm in die Tiefe hinab gerissen hat und die aus dem dunkeln Grunde herauf ihre gabeligen Aeste gleich Fangarmen emporstecken.... Oder es sind andere Arme, die dort unten festzuhalten suchen, was in ihren Bereich kommt - von den Menschenopfern, die der See seit alten Zeiten gefordert und die er selten wieder herausgegeben hat. Unter den Opfern ist der letzte Gutsher von Padöhl, Klaus von Rohr. Er ist an einem dunklen, sturmrauhen Abend hinausgefahren und nicht wieder gesehen worden. Und wie die Trauer in das neue, eben erst im Bau vollendete Herrenhaus von Padohl eingezogen ist, da hat zugleich Fritz von Tuxen auf Tiefenau, der den besten Freund verloren hatte, seinem alten Herrensitz den Rücken gekehrt und ist in die Welt hinausgewandert, die ihn in der Ferne festgehalten hat, bis der Allbeherrscher Tod dort auch ihn ereilte. Auf beiden Gütern herrschten dann die Frauen: die Herrin von Tiefenau mit ibrem unerwachsenen Sohn Frau von Rohr mit ihrem-Töchterchen. Als der Gutsherr von Padöhl sein Grab in den Wellen fand, zählte seine Tochter Elise acht Jahre. Die Wirkung des schweren Verlustes auf das Kind war eine solche, daß Niemand, der die Vaterlose vor der Katastrophe gekannt hatte und sie nach derselben wieder sah, sich des tiefsten Mitleids erwehren konnte. Ein rechtes Sonnenkind, sorglos, heiter, so war sie mit ihrem Vater durch Park und Garten. Feld und Wald, in die Scheuern des Gutes und in die Häuser der Beamten und kleinen Leute gekommen, hatte die schüchternen Aliersgenossen durch ihr zuthunliches, erquickend offenes Wesen im Sturme geWonnen und sich in die Herzen der Eltern bleibend eingeschmeichelt. Klaus von Nohr hielt Wohl durch seine Gegenwart eine allzu intime Annährung der Dorfkinder an seinen Liebling fern, aber auch in seinem Beisein schütteten die Kleinen ihre Herzen gern dem Herrenkinde aus, das an ihren Sorgen stets so herzlich theilnahm und so willig, freundlich, selbstbeglückt half. Kamen Vater und Tochter die zum Dorfe führende Allee herab und stand so eine Kleine etwas zagend abseits, so sprang Elise auf sie zu. die hellen Vlauaugen strahlend, das liebliche, frische Gesicht von schelmischem Frohsinn und kindlichem Eifer durchleuchtet, und ermunterte die schüchterne Wegelagerin, ihren Wunsch oder ihre Sorge rasch zur Sprache zu bringen. Ein Händedruck, ein zuversichtliches, freundliches Wort, ein neckisches Lächeln scheuchte meist den großen Kummer des kleinen Herzens wie mit einem Zauberschlage fort, und Elise eilte dann jubelnd ihrem vorausgeschrittcnen Vater nach, aus der Ferne noch der Zurückgebliebenen zuwinkend.

Nach der traurigen Katastrophe hüiete das Gutskind, das mit schwärmen scher Liebe an dem Vater gehangen hatte, wochenlang das Bett, und der Arzt hatte genug zu thun, den schwachen Lebensfaden nicht völlig reißen zu lassen. Die Dorfkinder standen nach der Schulzeit stumm am Ausgange der Allee und blickten scheu auf das große, schloßartige Herrenhaus und auf die Fenster, hinter denen sie die vielentbehrte kleine Kranke wußten. Und in ihre jungen Augen stahl sich manche Thräne, die verlegen mit der Schürze oder dem Rücken der Hand abgetrocknet wurde. Der stolze Herrenbau. der ihnen früher als das Höchste aller ihrer Vorstellungen und schier übermäßig kostspielig und schön erschienen war. hatte seinen Hauptreiz in ihren Augen verloren. Eher brachten sie ihn jetzt in eine dunkle. geheimnißvolle Beziehung mit dem Unglück. Neunundneunzig Stuben hat das Schloß." raunten sie untereinander, weil es keine hundert habm durfte. Unser Herr wollte es. Aber hundert Stuben hat der König, und der hat's nicht erlaubt. Da ist zwischen zwei Stuben die Wand, die schon gebaut war, wieder weggerissen worden, und aus den zweien hat man eine gemacht. Und die Stube gerade, die neunundneunzigste, hat Elise bekommen, und in der liegt sie jetzt hinter den luftigen, weißen Gardinen, mit wundem Herzen und mit verweinten Augen. . ." Als der Hochsommer herangekommen war und mit ihm die schulfreie Zeit, hielten sich die Kinder noch mti in der Nähe de Herrenhauses auf; denn der Arzt hatte im Dorfe von der fortgeschrittenen Genesung Elisens berichtet und die Hossnung ausgesprochen, daß sie nun bald ganz hergestellt sein werde. Da wollte Jedes aus der Schaar sie zuerst sehen, ihr die Hand drücken, oder ihr aus der Ferne freudig zunicken, wenn die gnädige Frau sich in der Nähe aufhatten und sie hindern sollte, zwischen den Rasen und Blumenbeeten hindurch auf die Kranke zuzustürmen. Ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, und als ihre Sehnsucht endlich in Erfüllung ging, wagte Keines, den gefaßten Vorsatz auszuführen; denn Elise lehnte reglos in einem Fahrstuhle, der von einen fremden, goldbetreßten Diener langsam auf den gelbbraunen, sauberen Kieswegen dahingeschoben wurde. Erst als der Wagen in die Nähe der Allee kam, schritt eins der Mädchen zögernd vor und hielt der Kranken eine kopslose Puppe wie hilfesuchend entgegen. Der Diener achtete ihrer nicht und schob den Rollstuhl weiter. -Enttäuscht ließ die Kleine den Arm mit der verstümmelten Puppe sinken, und Thränen traten in ihre Augen. Gech nah!" tönte es da aufmunternd hinter ihr, und da sie den Fischer Hinrich Pries erkannte, der bei dem verstorbenen Herrn viel gegolten hatte, so lief sie quer über den Rasen an den

Fahrstuhl und hob ihre Puppe von neuem flehend empor. Zu sagen vermochte sie nichts. Das Herz schlug ihr zum Zerspringen. Elise von Nohr rührte sich nicht. Die großen blauen Augen richteten sich fragend auf das Mädchen und streiften dann verständnißlos die Puppe. De Kopp de Kopp!" stieß die Kleine in ihre Herzensangst hervor und schluchzte. Die Kranke schien zu begreifen. Der Kopf " kam es seltsam rauh über ihre Lippen. Ja, der Kopf!. . . . Es ist nicht gut, den Kopf zu verlieren. Willst Du meine Puppe?" Die Kleine konnte sich nicht mehr fassen, ein tiefes Erbarmen in ihrem unschuldigen Kinderherzen ließ die Thränen unaufhaltsam aus den Augen stürzen,und da sie zugleich sich ihrer schämte, so eilte sie davon, so schnell ihre Füße sie tragen wollten. Und mit ihr verschwand die ganze betrübte Schaar, um fortan nur selten noch dem Gutspark sich zu nähren und nach der ehemaligen Freundin, die so ganz verändert war, auszuspähen. Elise war auch selten zu sehen. Als sie soweit hergestellt war, daß sie sich wieder allein ergehen konnte, weilte sie mit Vorliebe zu Füßen der Anhöhe und blickte sehnsüchtig auf den See hinaus. Ihr fröhliches Plaudern war verstummt, das Lachen von ihrem langsam wieder erblühenden Gesichte verschwunden. Eine stumme Frage lag in ihren tiefen Augen, ein stummer, ergebener Schmerz um ihren weichen Mund. Frau von Nohr überließ die Obhut ihrer Tochter ausschließlich der Erzieherin. Das Verhältniß zwischenMutter u. Tochter war ein räthselhaftes. Fuhr die Gutsherrin aus, so mußte ein betreßter Diener neben dem Kutscher Plctz nehmen und ihres leisesten Winkes gewärtig sein. Nie sah man das Kind neben ihr im Fond des seidengepolsterten Wagens. Ein Diener folgte ihr in gemessener Entfernung, wenn sie im Park promenirte; ihr Kind begleitete sie nichts Das Mittagsmahl nahm die Herrin zwar mit ihrer Tochter und der Erzieherin gemeinsam ein. Aber selten richtete sie auch bei dieser Gelegenheit ein kühles Wort an das Kind, und dieses athmete jedes Mal auf, wenn die Tafel vorüber war. Ein Jahr nach dem Trauerfall ging Frau von Nohr auf Reisen. Elise mußte sie an den Wagen geleiten und ihr die Hand zum Abschied reichen. Sie legte die schmale Hand in die der Mutter, nickte ihr thränenlosen Auges zu und sah dem davonrollenden Wagen tiefaufathmend nach. Dann eilte sie an den See, pflückte vom Boote aus ein paar volle gelbe Seerosen und schaute sinnend auf ihr Spiegelbild im Wasser, das in dem leichten Wellenschlag wundersam verflüchtigt

und verzerrt wurd'e. Aber in das Sinnen stahl sich bald ein glückliches Lächeln, als sei sie von einem schweren Drucke befreit worden. Frau von Nohr schien die Heimath zu vergessen. Jahre kamen und gingen und nur selten traf selbst im Anfang eine flüchtige Nachricht von ihr auf Padöhl ein. Nur das Eine stand fest, daß sie sich in Hamburg eine Villa gekauft und sich dort wenigstens vorübergehend niedergelassen hatte. An einen 'Hamburger Bankier mußte auch der Verwalter des Gutes eine bestimmte Summe regelmäßig einzahlen. Elise fragte nicht nach der Mutter. Sie lebte still für sich hin und zeigte sich anhänglich und dankbar ihrer Erzieherin gegenüber, die sich ihrer mit wahrer, etwas pedantischer Herzlichkeit annahm und für den Unterricht mit den Jahren den Prediger des nahen Kirchdorfes mit heranzog. Ihre Vorliebe für den See behielt das junge Mädchen bei. Sie ließ im Schatten einer Weidengruppe unmittelbar am Ufer eine Bank herrichten und saß dort träumend stundenlang. Oder sie kettete das Boot los und ruderte auf die silberglänzende Fläche hinaus, zog weit draußen die Ruder ein und stützte träumend den Kopf in die' Hand. Wenn dat man keen Unglück gifft." sagte dann wohl Hinrich Pries, der Fischer, wenn er sie einsam draußen auf den Wellen schaukeln sah, und er ließ sie nicht aus dem Auge, so lange sie ausblieb. Ja. de See. de ver-

dämmte See!" brummte er während des Wartens mißbilligend und unbehaglich in den grauen, struppigen Bart hinein. Elise von Nohr feierte ihren achtzehnten Geburtstag. Die Gutsleute hatten zu ihrer allseitigen Ueberraschung am frühen Vormittag einen seltenen Gast durch das Dorf reiten, unfern vom Gutshause halten und dann Kehrt machen sehen. Der Reiter war kein Anderer gewesen, als Friedrich von Tuxen. der junge Herr von Tiefenau, der also wieder einmal dem alten Sitze seiner Familie einen kürzeren oder längeren Besuch abstatten mußte. Die Leute sahen in dem Auftauchen dieses Mannes nichts Erfreuliches. Der Verkehr zwischen den beiden Herrschaften war seit dem Unglück stillschweigend und doch wie auf Verabredung eingestellt worden, und die Leute auf beiden Gütern ahnten dunkel einen Zusammenhang zwischen dem augenscheinlichen Bruche und dem gewaltsamen Ende des Herrn von Nohr. wenn auch Jedermann sich hu tete. seinen Gedanken offen Ausdruck zu aeben. Das plötzliche Erscheinen des Gutsnachbarn rief jedoch auf Padöhl eine Stimmung des Unbehagens her vor, die auch ohne Worte deutlich genug zu erkennen war. Elise wußte von dem merkwürdigen Besuche nichts, und dieser konnte also auch nicht die Schuld an der sichtlichen Erregung tragen, in der sie sich befand. ! Sie saß vor dem Schreibtisch ihres ! Vaters und hielt einen unscheinbaren, zerknitterten Zettel in ihrer Hand, auf den sie mit brennenden Augen hinstarrte. Ein Zittern durchlief ihren schlanken Körper und die wenigen Zeilen des Zettels verjchwammen zur Unkenntlichkeit. Sie suchte sich zu fassen und von Neuem zu lesen . Das Blatt war offenbar aus einem Notizbuch gerissen und fluchtig beschrieben: Eonstance! Ich muß Dich sprechen, heute noch, trotz Sturm und Dunkelheit. Du weißt, wo ich warte. Laß mich nicht umsonst harren. Immer und ewig Dein F. 28.s7." Elise faßte sich an die Stirn. Eine schreckhafte Ahnung ließ sie im Tiefsten erbeben. Der 23. Juli war der Todestag des Vaters... Eonstane hieß ihre Mutter ... Also waren an sie, und an diesem Tage die Zeilen gerichtet? Wem hatte sie eine geheime Zusammenkunft gewähren sollen? Mit welchem Rechte war eine solche von ihr gefordert worden? Und wie endlich kam das Schriftstück an diesen Ort, in den Schreibtisch ihres Vaters, in das verborgene Fach, das sie selbst eben erst gefunden hatte? Sie schlang die Hände ineinander und ließ den blonden Kopf tief sinken. Blitzschnell reihten sich die Gedanken zu einer furchtbaren Kette. Nichts sprach, wenn noch ein Zweifel statthaft gewesen wäre, deutlicher für die Adresse, an die das Schreiben gerichtet war, als der Ort, an dem es gefunden wurde. Wäre es an eine gleichgiltige, nur denselben Namen führenden Person gerichtet gewesen: es wäre nicht dorthin gekommen. Die Adressatin war ihreMutter, o Schmach! und der Zufall oder die Fügung hatte die Ladung in die Hände dessen gebracht, den gerade zu umgehen sie bestimmt waren. Wer war der Absender ? Das Mädchen schluchzte auf. Immer und ewig Dein F.". . . F. . . Fritz von Tuxen! Der Herr von Tiefenau. Der Freund ihres Vaters, der nach dessen Tode in die Welt gegangen war, um nimmer Es ist nicht auszudenken Der 28.7. . . Er sollte ihn verrathen haben? Ihm sollte der Vater in der stürmischen Nacht entgegen gefahren sein, um seine Ehre zu schützen, oder zu rächen, und dabei den grausamen Tod zu sinden? Und an diesem Tode sollte vielleicht nicht das Unwetter allein Schuld, sollte vielleicht der verrätherische Freund unmittelbar betheiligt gewesen sein? Sie erinnerte sich einer auffälligen Schilderung des Fischers Hinrich Pries, die dieser von dem Unglücksabend gegeben hatte, und des Umstandes, daß der Tiefenauer Gutsherr bei

seinen dielen Besuchen stets über den

See zu kommen pflegte... Und sie dachte der Mutter, die wie einst jener ein ruheloses Wanderleben in der Fremde führte ruhelos, liebelos schuldbeladen und schuldbe wußt? Die zarten Finger bebten, als sie das Blatt wieder verbarg, den Schreibtisch abschloß und den Schlüssel in die Taschen gleiten ließ. Sie ging durch eine Reihe Zimmer und sah im letzten thränenden Auges und stumm fragend zu dem aus prunkendem Goldrahmen auf sie niederblickende.'l Bilde der Mutt:r empor. . . Es gab keine Antwort und brachte keinen Trost. Sie kehrte m ihre Räume zurück, stand am Fenster und sah den See durch die Bäume des Parkes silbern zu sich heraus grüßen. Sie trocknete die Thränen und schellte nach ihrer Dienerin. .Ich lass: Hinrich Pries bitten, mich zu besuchen." Der Gerufene fand sich bald ein. Besorgt blickte er auf das eregte junge Mädchen. Hinrich Pries," begann Elise, Ihr habt mir einmal erzählt, was Ihr gesehen an dem Abend Ihr wißt, was ich meine? Wollt Ihr mir das noch einmal sagen, recht sorgsam und genau?" Der Fischer war etwas befremdet, folgte aber der an ihn ergangenen Aufforderung. Ja. giern, so gut als ich kann," sagte er. Ich meine man, daß das nich so leicht is. Mein Kopf wird all was schwach. Aber es wird woll gehn. Nich wahr, das wissen Sie noch, daß es zehnmal en höllisch stürmischer Abeno gewesen ls, un duster draußen, daß man knapp die Hand vor den Augen sehen konnte. Ich habe noch mein Netz einholen wollen, was ich ausgespannt hatt un was mir der Sturm leicht hätt zerreißen können. Da kam ein Lichtschein den Berg herunter, un als ich hinsah, da war's der Herr Vater. Er trug seine große Laterne, die neumodsche, höllisch helle, leucht mir ins Gesicht, un sagt, ich solle heim gehen in dem Hundewetter, un er wolle noch nach Tiefenau fahren. Nee, sagt ich, Herr, das geht nich, denn das Wetter is wie behext. Ruhe, sagt er, ich fahre. Un ich mit, setzte ich hinzu. Du bleibst un machst, daß Du die Decke über die Ohren kriegst, sagt er, hängte die Laterne fest hin un stieß ab. Ich hab nich mit dürfen, Fräul'n, sonst " Ich weiß, lieber Pries. Sonst wäre das Glück aus Padöhl wohl nicht so jäh zerstört worden. Ihr saht das Boot noch lange?" Nee. das Boot nich, Fräul'n. Bloß das Licht. Das gaukelte draußen in der pechschwarzen Nacht wie ein Irrlicht. Un schier war mir's, als ob es immer halten blieb, wo es war, auf derselben Stelle, daß ich mir schon dachte: auf wen wartet er denn nu? Aber meine Augen müssen mich wohl für'n Narr'n gehalten haben, denn als ich sie kurze Zeit zumachte un wieder hin sah, da war's gar so, als ob zwei Lichter da wären un hin un her sprangen, als ob sie tanzten. Ich graule mich nich leicht, Fräul'n, aber ich kriegte ne Gänsehaut un wurde erst wieder ruhig, als ich endlich nich mehr doppelt sah, als ob ich benebelt wäre, sondern deutlich wieder das eine helle Licht erkennen konnte, das sich nu auch richtig nach Tiefenau zu welter bewegte. Dann is es in der Bucht verschwunden, un ich hab gedacht, nu kommt der Herr richtig an un bleibt die Nacht bei seinem Freunde, dem Herrn von Tuxen. Is aber doch nich geblieben. Is gar nicht dagewesen. Ja, de See. de verdämmte See Ich bitte, daß Sie das man entschuldigen, was mir da herausgeplatzt is. Ich fluche ja nich, aber de verdammte See " Elise von Nohr dankte hastig und verabschiedete den Fischer i'o schnell, daß er in der Bestürzung sogar die beabsichtigten Glückwünsche völlig vergessen hatte. Dat is doch rein ton Dullwar'n," brummte er kopfschüttelnd, Ja ja, de verdammte See!" Zwei Lichter! Elise lehnte sich müde gegen einen Schrank und strengte ihr zermartertes Gehirn zu logischem Nachdenken an. Zwei Lichter. Wirklich zwei? Oder war es Sinnestäuschung gewesen, wie Hinrich Pries es angnommen hatte und noch glaubte? Still gelegen hatte das Boot, daß es ausgesehen, als ob der einsame Ruderer Jemanden erwartet hätte. Nur ausgesehen? Oder traf die un".'wußte Reflexion das Richtigte? Hai.e der Verrathene thatsächlich gewartet, um dem Frevler an seiner Ehre, den er muthmaßte, den er vielleicht kannte, den-Weg des Verrathes abzuschneiden? Und hatte dann ein unheimlicher Zweikampf dort draußen stattgefunden in dem heulenden Sturm, der den Racheruf und das Gegenwort verhallen und verwehen ließ? Sank das eine Licht dort in die Tiefe der schwarzen Nacht und des sturmgepeitschten Sees und mit ihm der doppelt Unglückliche?.... Armer Vater! Das gequälte Mädchen mußte sich festhalten, um nicht umzusinken.' Eine Dienerin, deren Klopfen sie überhört haben mußte, blieb bedrückt an der Thür stehen. Elise faßte sich. Das Mädchen berichtete von dem Zungen Herrn von Tiefenau und seiuem Besuche im Dorfe. Ich danke. Das kann mir nicht gelten. Ich bin auch nicht zugegen." Elise eilte den Parkweg hinab an den See.trat ins Boot und ruderte hinaus. Die Sonne fiel grell und blendend auf das Wasser. Die Ruder blitzten bei

jedem Ausholerr. Die aufsprühenden

Tropfen funkelten im heißen Sonnenlicht. Eine Wildente erhob sich klatschend, um ein paar Schußweiten entfernt wieder ins Wasser zu fallen. Der blonde Scheitel des Mädchens leuchtete golden, ihre helle Gewandung hob sich schwanenweiß vom Boot und der glitzernden Wasserfläche ab. Eine Stunde ruderte sie im Sonnenbrande. Ermüdet von der Anstrengung, matt von der Gluth. landete sie im Schatten mächtiger, tiefzweigender Buchen. Sie warf die Kette um den Stamm einer verkrüppelten, niedrigen Erle, strich sich mechanisch über die erhitzte Stirn und kniete in dem Boote nieder, die Arme auf die Bank stützend und den Kopf in die Hände vergrabend. Armer Vater! Alle ihre Gedanken konzentrirten sich auf ihn Und dann hatte sie Alles ringsum, und was ihr Herz in fieberndem Schmerze schlagen ließ, vergessen, den Vater, die Mutter, den Verräther, den Festtag, den Sonnenbrand, über den Wipfeln und über dem gleißenden Wasser, den Weg, der in der Nähe an den See streifte und von dem aus ihr Boot beobachtet werden konnte, und sich selbst Wie ein Kind hatte sie sich in den Schlaf geweint, der dieBrust sich ruhig dehnen ließ und den blassen Wangen neue Färbung lieh. Plötzlich schreckte sie aus und erhob sich jäh. Jeder Blutstropfen wich aus ihrem Gesichte. Auf ihrem Nacken brannte ein Kuß, vor ihr stand ein Fremder, jung, städtisch gekleidet, ein Monocle im Auge, ein breites, vertrautes Lächeln um den offenen Mund. Die Scham entpreßte ihr einen heiseren Schrei, das ahnende Erkennen des Sohnes des verhaßten Verräthers ließ sie blitzschnell nach einem der Ruder greifen, ein Schlag, und der Eindringling stürzte über den Bootsrand in die aufspritzende Fluth. Wie gejagt sprang das Mädchen ans Land und flog dem Herrenhause zu, hilferufend, bis ihr die Stimme und die Füße den Dienst versagten und sie bewußtlos vor den tieferregt hinzueilenden Gutsleuten zusammenbrach. Die Stelle, an der Friedrich von Tuxen ein tragisches Geschick ereilte, ist tief. Er war kein Schwimmer und theilte das Grab mit dem GutsHerrn von Padöhl. Die Netter kamen ZU spat. In Folge des Processes gegen Elise von Nohr lst bekannt geworden, was jahrelang verschwiegen herumgetragen worden war. Wie ich es gehört und wie ich den letzten Akt selbst gesehen habe. so habe ich es berichtet. Sein letztes Opfer hat der See nicht behalten. Es ruht im Erbbegräbniß auf Tiefenau. Elise von Nohr aber steht im Schutze der Göttin des Rechts. Wer wirft den ersten Stein auf sie Mir u!i den Sticrljörncni entkam. Münchhausiade von C. Crome Schwiennig. Der aeneiate Leser kennt vielleicht mein Abenteuer mit dem Elephanten, der so fürchterliche Zahnschmerzen hatte, daß er sich auf die Schienen der Vengal-Bahn legte, um sich von dem Zuge überfahren zu lassen. Ich zog ibm damals den kranken Zahn aus. aus dem ich mir nachher eine meterhohe. Elfenbeinstatue der Diana Mutzen ließ. Aber dies 'Elephantenabenteuer war noch nichts im Vergleich zu dem Stier-Abenteuer, das ich m den sparnschen Pyrenäen bestand. Es war Winter und ein grimmig kalter dazu. Schnee war nur wenig gefallen. Die meisten Berge waren frei davon. In unser kleines Gebirasdorf kam da eines schönen Tages die Nachricht, ein mächtiger und sehr wilder Toro, der schon ein paar arme Bergbewohner, die ihm zu Gesicht gekommen waren, aufgespießt hatte, lasse sich in der Nähe sehen. Sofort erwachte meine Jagdlust. Mein Begleiter, ein junger schottischer Lord, oc: in Nubien Löwen, in Bengalen Tiger und in Sibirien Wölfe gejagt hatte, war sofort bereit, mich auf der gefahrvollen Jagdtour zu begleiten, und so brachen wir denn eines Freitags in aller Herrgottsfrühe auf, um dem Stiere den Garaus zu machen. Wir hatten uns vortrefflich gegen die Kälte vorgesehen und unser Jagdzeug war in tadelloser Ordnung. War schon der Freitag" nicht anz nach meinem Geschmack, so war :ch eines Unfalls fast sicher, als eine alte, zahnlose Spanierin uns dicht vor dem Ausgange des Dorfes begegnete. Ich wollte schon umkehren, aber mein Schotte, der allen Aberglauben belächelte. setzte mir mit seinen satirischen Worten so zu. daß ich allem Weidmannsbrauch zum Trotz den Jagdzug nicht aufgab. Wir stiegen mit vieler Mühe die schmalen Bergpfade empor, bis wir an eine breite, rings von steilen Bergen eingeschlossene Schlucht kamen, in welcher ein kleiner Bergstrom, schmal, aber tief und reißend, die Vergwässer aufnahm und in seinem weiteren Laufe zu Thal förderte. In dieser Schlucht war der Stier häufig gesehen worden. Er kam hierher. um sich zu tränken, und wir öeschlössen, ihn hier zu erwarten. Wir machten es uns so bequem wie n:özlich, zündeten hinter einem Felsenvorsprunge ein kleines Feuer an und bereiteten uns unser Frühstuck. Während der Schotte alsdann noch crnmal seine Büchse prüfte, sprang ich an einer schmalen Stelle des Wildbaches über denselben, um nach dem Thier zu recognosciren.

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"j iJ " r sirt und meine Schnupftabaksdose ich bin bekanntlich ein leidenschaftlicher schnupzer uno geye nie oyne eine uarie Dofe voll Nießkraut aus zur Hand genommen, als ein lauter Schrei mti nes Schotten mich herumfahren lieB! Heiliger Hubertus der Stier! Kaum drei Schritt vor mir stand er und peitschte zornig mit dem starten Schweif seine Flanken. Ich lasse die Schnupftabaksdose fallen, so daß der braune Inhalt aus den felsigen Äodea fiel, reiße die Büchse an die Backe unv drücke los. Gefehlt! Nur in die breite Wampe war mein Geschoß gedrungen und hatte den Stier noch wüthender gemacht. In, der nächsten Sekunde lag ich, von dem ungeheueren Thier überrannt, am Boden, hart an meinem Kopfe lag d:e Taoaksdoje und um sie herum oer Schnupftabak. Ich war verloren, rettungslos verloren. Mein schottischer Lord konnte nicht schießen die Gefahr, mich seibst: zu treffen, war zu groß. Und doä) hätte ich in dieser furchtbaren Sekunde eine schnell tödtende Kugel dem grauicn Schicksal, aufgespießt und ausgescklint ?u werden von den furchtbaren Hörnern des Stieres, mit Freuden vorgezogen. Wie ich zu Boden geschleudert war, so war ich liegen geblieben stell' dich todt, dachte ich blitzschnell, vielleicht hat das Vieh ein Erbarmen und läßt von einem rcaungslosen Cadaver ab. Aber die Dose, der Schnupftabal! Kaum zehn Centimeter von meiner Nase entfernt lag ein Häuflein dieses Nasenlabsals und just in dem Moment. als der ?tier, der mich mit seinen blutunterlaufenen, grimmigen Augen einen Augenblick betrachtet hatte, mit einem brummigen Schrei den Kopf noch tiefer zu mir herabneigte, verspürte ich jenes Kribbeln in der Nase, das einem kräftigen Hatzii voraufzugehen Pflegt. Meine Herren in diesem Augenblicke stockte mein Blut in den Adern. Ich wußte nun, der nächste Augeublii mußte mir den sicheren Tod bringen. Die heiße Schnauze des gereizten Thieres streifte mein Gesicht di Hatzii! Hatziiii! Hatziiiiii! Der mächtige Kopf des wilden Stieres schnellte zurück, so sehr schien ihtt dieser menschliche Nawrlaut erschreckt zu haben, aber das Gebrüll, das er gleich darauf ausstieß und das in der Schlucht furchtbar dröhnend wiederhallte, zeigte zugleich, daß seine Wuth nur noch durch den kleinen Zwischenfall vermehrt war. Jetzt senkte er den Kopf und seine Hörner streiften wie zwei stählerne Kolben meinen Kopf. Ich schloß die Augen und erwartete den Todesstoß. Da. was war das? Ein fürchterliches Niesen scholl an nein Oh5, noch einmal, noch einmal und wieder einmal es klang, als obeine ganze Compagnie Grenadiere aufCommando a tempo zusammen meßte. Ich öffnete die Augen und sofort wurde mir die Situation klar. Der ausgestreute Schnupftabak hatte seinen Reiz nicht nur auf mein Riechorgan, sondern auch auf das des Stieres geltend gemacht schnobernd hatte sich de? Stier eine große Quantität Schnupftabak in die Nase gezogen und das gewaltige Thier nießte nun herzbrechend. Der ungewohnte und scharfe Nasenreiz äußerte sich beim Stiere genau wie beim Menschen. Er kniff die Augen zusammen und ein Schwanken seinesmächtigen Körpers verrieth, daß dir Neiz es für einige Augenblick: seiner gefährlichen Instinkte völlig beraubt, hatte. Dieser Augenblick, meine Herren war meine Rettung. Jedesmal, wenn der Stier niesend seine Augen auf Sekünden schloß, zog ich die im Bereich mrimz Armes lieaende Büchse, deren nicht abgeschossener Lauf mit einer Mciallkugel geladen war, näher zu mir heran. Und in dem Moment, als das. Thier vor einem neuen Nieß-Ausbruch blinzelnd den Kopf ein wenig zur Seite wandte, schob ich den Lauf hart an sei : nen Kopf heran und drückte ab. Wie ein MehIsaS, o launos iaat das Unthier zusammen, zum Gmck nach der von mir abgewendeten Seite ich war auf daä Wunderbarste gerettet worden. Ich sprang au? die Füße und jubeltemeinen ob des Vorganges ganz verMüssten Schotten zu. Aus Dankbar--keit aber habe ich mir aus den Hörnern des Stieres lauter Tabaksdosen drehen, lassen nie gehe ich ohne eine derselben auf die Jagd. Man muß eben, dankbar sein, meine Herren! Umschrieben. Wenn nur meine Frau, als sie ledig war, Klavier gespielt hätte!" Sei doch froh. da& sie es nicht kann!" Ja, weißt Du, dann hätt' ich sie eben nicht geheira theü" Fachmannes che Bezeichnung. Wer war denn der Hm, dem Du soeben eine Unterstützung gegeben?" Ein vagirender Corrector!" So, so, also gewissermaßen, ein armer Druckfehler - Teufel!" Gefährliches Mittel. A: Ist denn das Haarfärben wirklich so gefährlich, wie die Aerzte imner sagen?" B: Gewiß! Darauf kannst Du Dich verlassen! Erst kürzlich hat t ein Onkel von mir versucht, und in drei Wochen war er mit einer Wittwe mit vier Kindern verheirathet!" Ungerechtfertigt. Chef (der seinen Clerk über den Büchern eingeschlafen gefunden hat): Ich will Ihnen etwas sagen, Meyer, am nächsten Ersten" können Sie gehen!" Clerk (mürrisch): Na, deshalb brauchten Sie mich doch nicht jetzt schon auf-zuwecken!"

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