Indiana Tribüne, Volume 17, Number 331, Indianapolis, Marion County, 19 August 1894 — Page 6

Mlsllschc Zraucn. ' Die Frauen des weiten russischem Reiches! Wie könnte man sie ain bcsten schildern? Sind unter ihnen doch diejlripeii fast sämmtlicher bekannten Najien Vertreter:. Auf den Straßen von St. Pe:crsbürg wandeln die blonden, blau'ängigen, sommersprossigen Finnländennneu Seite an Seite mit den rothhaarigen vom Kaukasus importirten Schönen, während es in Moskau von Tartaren, Kosaken, Armeniern und einem großen Theil anderer Typen der achtzig Provinzen wimmelt, aus oenen sich das Niesengebiet des mächtigen Zarenreichs zusammensetzt. Die Wolga entlang treffen wir bei jeder Ladungsstelle auf andere Frauengestalten und andere Gebräuche, und die Frauen in 5ttein-Rußland unterscheiden sich in Sitten und Kleidung wesentlich von denen in Groß- und Süd-Nußland. Außer dem Harem der Muhamedaner sind alle Combinationen civilisirter Liebe und Eh: in Nußland vertreten. Der echte Russe theilt im großen Ganzen unsere Anschauung über die Ehe, und der Verkehr der Geschlechter zwischen den unterenVolksklassen naym in den letzten Jahren fast dieselbe freie Form an, wie bei uns. Die feine Russin der Jetztzeit wählt sich ihre Freunde aus dem Kreise ihrer Bekanntschast und empfängt sie gastZich in ihrem Hause. Ihr Ideal izt eine Heirath aus Liebe. Die Heirath-gesetze haben im Lause der letzten Jahre eine gründliche UmWandlung erfahren. Personen weidlichen Geschlechts dürfen weoer vor dem sechzehnten noch nach dem sechzigsten Jahre heirathen. und die Männer i'.:üssen mindestens ein Alter von achtzehn

Jahren erreicht und dürfen das echtzigste Lebensjahr nicht überschritten haben, wenn sie cm: Ehe eingehen wol7en. Ehescheidungen finden in Rußland viel seltener statt, als bei uns. Die russische Kirche erhebt Einspruch gegen die mehrmalige Verheiralhung und legt denen, welche sich zum zweiten oder dritten Male vermählen, Kirchenbüßen auf. Wer eine vierte Ehe eingeht, wird aus der heiligen Gemeinschaft ausgeschlossen. Nur wenige Paare treten ohne elterliche Erlaubniß vor den Altar und von der Braut wild fast immer eine ansehnliche Mitgift erwartet. Die Frauen haben jetzt nach ihrer Hochzeit weit mehr Rechte, als in früderen Jahren. Noch vor zweihundert Jahren war ein russisches Weib kaum bezser dran. als eine Sklavin. Stets hing die Reitpeitsche des Mannes über dem Eheö:tt und wurde von dem despotischen Gatten nach Belieben benutzt. Damals sah man nur selten Frciuen auf der Girt&j, denn sie fürchteten sich auszugehen. Peter der Große soll eine eigene Manier gebabt haben, die unglücklichen Weiber die ihm zufällig in den Weg kamen, niederzutreten, und sie alsdann zu belehren, daß ihr Platz das Haus wäre und sie in demselben zu verbleiben hätten. Das Schlagen der Frauen komm! heutigen Tages fast nur noch in den Landdisirikten vor und auch dort nicht mehr ganz so häufig, da selbst die Bauern, wie sick die Gräfin Tolstoi jüngst äußerte, ihre Frauen jetzt wenschenwürdkger zu behandeln anfangen. Thatsächlich besitzen die russischen Bäuerinnen viele Rechte, von denen d:e Frauen in anderen. Theilen der Welt nichts wissen. Das Kommunalsystem, nach welkem die Dörfer regiert werden, stellt in Betreff der Besitzeintheilung die Frau auf eine Stuf: mit dem Manne, so daß erstere, infolge ihrer Antheilnahme an der Arbeit, das gleiche Eigentumsrecht an den Dorfbesitz hat, wie jener. Nach dem russischen Gesetz können die legitimen Frauen und Töchter des Mannes nur ein Vierzehntel der Familienerbschaft beanspruchen, bei den Bauern jedoch diktirt allein die Arbeit das Gesetz des Erbschaftsrechts, und dieses macht keinen Unterschied zwischn legitimen Frauen und Konkubinen. Der Ehemann erbt nur dann das Vermögen seiner Frau, wenn er über zehn Jahr mit ihr gelebt hat. andernfalls fällt e3 an ihre Eltern zurück. Die Bäuerinnen nehmen an den Dorfversammlungen theil und Wittwen. welche Familienhäupter sind, haden Stimmrecht, ja. es kommt vor, daß in solchen Versammlungen eine besonders dazu befähigte Frau zum OberHaupt über das ganz: Dorf gewählt wird. Die Landfrauen in Rußland sind durchweg tüchtige Arbeiterinnen. Ueberall auf den Feldern trifft man sie an, wo sie pflügen, säen, ernten, Heu aufladen, kurzum, jede nur denk5a Arbeit verrichten. Je zwanzig bis dreißig arbeiten immer zusammen, und jede? solcher Trupps" wird von einem Manne beaufsichtigt. Das harte Leben beraubt sie schon frühzeitig ihrer Schönheit, und die lederartige Haut alterer Frauen ist von unzähligen FalZen und Sorgenlinien durchfurcht. Ueber dem Bauernstand steht der Kaufmannsiand, dessen Frauen, weder den Bäuerinnen, noch den Damen des Adels ähneln. Sie befassen sich nicht mit der grottn Arbeit der Bäuerinnen, besitzen aber keineswegs di Intelligenz ihrer aristokratischen Schwestern. Wenn sie sich putzen, rauchen, essen, dann haden sie ihr Tagewerk vollbracht, dabei sind sie voll von abergläubischen Vorurtheilen. In keiner russischen Kirche ist einer Frau das Betreten des inneren aller-

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heiligsten Raumes gestattet. Als löse Vorbedeutung gilt es, wenn ein Jäger beim Hinausgehen aus dem Hause zuerst einer Frau begegnet, und jeder russische Kaufmann wird ihm alsdann den Rath geben, lieber wieder umzukehren. Ihre Töchter verheirathen die Kaufleute durchVermittler, doch selten bdn gen sie sie ohne stattliche Mitgift an den Mann. Die Verlobungszeit währt nur in Ausnahmefällen über zwei bis drei Monate. Bei den Bauern weben und sticken die Mädchen ihre Hochzeitsgewänder allein, und sobald sie alt genug sind, um zu nähen, beginnen sie an ihrer Auö'teuer zu arbeiten. Verlobt sich hingegen eine Kaufmannstochter, dann kommen ihre Freundinnen und helfen ihr die Linnen- und Baumwollenschätze verarbeiten. Da gibt es während der Nachmittage vollständige Nähzirkel, dcnen sich nach dem Thee der Bräutigam nebst einigen jungen und ledigenFreunden zugesellt, durch welchen Zuwachs der Abend stets in beiterster Weise mit einem Tanz geschlossen wird. Rus'ischeTrauungen finden gewöhnlich in der Nacht statt. Das Brautpaar, welches sich vor der Kirche begegnet. tritt mit je einer brennenden Wachskerze in der Hand vor den Altar und wessen Kerze zuerst auslöscht, der soll, nach dem Volksglauben, auch zuerst sterben. Nach der Ceremonie wandert die Hochzeitsgesellschaft drei Mal um denjenigen Theil der Kirche, wo das Kreuz angebracht ist. Nach der Segnung und während der Eeremonie küssen sie alle drei Mal die Heiligenbilder der Kirche und sich gegenseitig. Dann führt der Bräutigam sein: junge Gattin in sein Haus, wo sie von den Eltern des Mannes begrüßt und mit Salz und Brot gZsegnet werden. Bei den Bauern, wo oftmals die Familien von drei Generationen in einer nur aus zweiStuben bestehenden Hütte zusammenwohnen, wird die junge Frau nicht freundlich willkommen geheißen, auch kann der Mann nur wenig thun, um ihr das Leben behzgllch zu mzchen. Der Aelteste der Familie rcgiert den Haushalt und von den Annehmlichkeiten desselben für den neuen.weiölichen Ankömmling sprechen zahlreiche Gesänge bekannter russischer Dichter. In Klein-Rußland heißt es z. B.: ..Wer muß das Wasser bringen? Die Schwiegertochter. Wer muß geschlagen werden? Die Schwiegertochter. Warum muß sie geschlagen werben? Weil sie die Schwiegertochter ist. Kaum hat sie das Haus betreten, so feinden sie 'die Alten" an. Der Vater sagt: Sie haben uns einen Bär gebracht. Die Mutier sagt: Sie haben, uns einen Nichtsthuer gebracht. Der Schwager sagt: Sie haben uns ein unreines -Ding gebracht." In solcher Weise verbringen di: armen jungen Weiber ihre Flittermochen, und so leben sie weiter, bis sie selbst alt werden und sich an ihren eigenen Schwiegertöchtern rächen können. Die Frauen der höheren Klasscn Rußlands gehören zu den gebildetsten und intelligentesten der ganzen Welt. In allen besseren Familien lernen die Mädchen schon von ihrer frühesten Ju-g-nd an fremde Sprachen, in denen sie von ausländischen, Gouvernanten unErrichtet werden, und besuchen dann .die Hochschulen für weibliche Studirende, von denen jedoch mehrere ö':Z auf Weiteres geschlossen worden sind, da die Regierung solch: als Brutstätten des Nihilismus ansieht. Es gibt ein Institut, das (solle gium für die Töchter Adeliger", welches seinen Hauptsitz in Moskau hat, dessen Zweiganstalten sich aber auch in anderen Theilen des Reichs befinden, in welchen die Töchter unbemittelter Adelsfamilien auf Kosten des Zars erzogen werden. Nirgendwo sieht man schönere uno klügere Mädchen als dort. Die meisten von ihnen bilden sich als Gouvernanten oder Schullehrerinnen aus. Vor ungefähr zwanzig Jahren besaß der Nihilismus auch unter den ionangebenden Damen, manche Anhängerin. und viele Freidcnkerinnen findet man' jetzt ebenfalls selbst in hohen Kreisen, obgleich die Frauenköpfe mit kurz geschorenen Haaren fast ganz von d?r Bildfläche verschwunden sind. Alezander der Zweite, welcher in vielen Beziehungen sehr tolerant war, konnte die Männerköpfe" bei Mädchen nicht ausstehen. Er wurde cinst auf der Straß: von einer solchen, äußerlich gekennzeichneten Freidenkerin mit einer Verbeugung im Vorbeigehen begrüßt und dankte ihr. mit einem forsehenden Blick in's Gesicht. Am nachsten Tag: erhielt sie eine Aufforderung von der Polizei, sich unverzüglich bei dem Chef derselben einzusinken, und als sie, auf's Höchste erschreckt, dem Rufe Folge leistete, legte man ihr einen Schein zum Unterzeichnen vor. laut dessen sie sich verpflichten sollte, ihr Haar in Zukunft ungehindert wachsen zu lassen, wo nicht, warte ihrer das Gefängniß. Selbstverständlich unterschrieb sie. Zuversichtlich. Bankier: Welchem glücklichen Umstände verdanke ich die Ehre Ihres Besuches? Lieutenant: Um mit der Thür ins Haus zu fallen, Herr Konimerzienrath. ich komme als Ihr zukünftiger Schwiegersohn! O weh! Herr A.: Ist es ein Knabe oder ein Mädchen? Herr B.: Rathen Sie 'mal. Herr A.: Ein Mädchen? Her? B. (traurig): Zu: Hälfte haben Sie's rathen.

Moderne Ilken. c ' Es gibt Zaum eine bessere LeibesÜbung,' als das Schwimmen, und doch gibt 'es nur wenig Mädchen, welche dasselbe erlernen. Das Schwimmen stählt nicht nur die Muskeln des Körpers und gibt demselben eine graciöse Haltung, sondern es verleiht auch Selbstvertrauen im Augenblick der Gefahr. Wo immer Schwimmschulen bestehen, sollte kein junges Mädchen den Besuch ein:r solchen versäumen. Merkwürdigerweise gibt es in unserem Lande, das jeden nur erdenklichen Sport cultivirt, nur an Verhältnißmäßig wenigen Orten derartig: Anstalten, und die junge Schöne, welche sich zum Nixlein herausbilden will, ist meistens auf die hilfreiche Hand eines Freundes oder Bruders angewiesen. Das Schwimmen ist leicht zu erlernen, denn das Gewicht des menschlichen Körpers kommt demjenigen eines, gleichen VolumensWasser ungefähr gleich. Bis zur Taille reichendes Wasser, die starke Hand eines Schwimmkundigen und ein: kleine Dosis Selbstvertrauen sind die einzigen Erfordernisse, um im Schwimmen in kurzer Zeit Fertigkeit zu erlangn. Die Schülerin geht mit ihrem Lehrmeister in das Wasser; letzterer legt di: linke Hand, in der Taillengegend, unter ihren Körper, während er di: Recht: unter ihr Kinn placirt.

D i e erste Lection. Dann sireckt die Schülerin die Beine aus und nimmt die vorstehend darge stellt! Haltung ein. Sfar keine Aengstlichkeit! Das Wasser und di: Hände des Lehrmeisters tragen den Körper. In dieser Position müssen die ersten Schwimmöewegungen gemacht werden. Di: Häde werden an die Brust gezoczen, so daß die Fingerspitzen, bei nach außen gedrehten Handflächen, sich beinahe berühren; die Bein: werden möglichst an den Unterleib gezogen. Dann werden die Arme nach beiden Seiten des Körpers ausgestreckt, und die Füße kräftig zurückgestoßen; man muß genau darauf achten.daß di: Arm- und Leinbewegungen zu gleicher Zeit statt Die S ch w ! m m b c w e g u n g. finden, um die Kraft des Stoßes zu erhöhen. Die Bewegungen sollten mind:stens 10 Minuten lang alltäglich mit kurzen Ruhepausen, wiederholt weiden. Am fünften Tage wird die Anfängerin bereits die Genugthuung haben,' daß sie sich im Wasser halten kann, wenn nur ihr Kinn leicht gestützt wird und am zehnten Tage wird sie ohne Beistand einige Fuß schwimmen können. Unter keinen UmstänKopfhaltung. den sollte sie sich überhasten und es wird nicht lange währen, bis sie an di: 20 ?)ards weit schwimmen kann. Ein: Anfäng:rin sollte aber die folgenden Verhaltungsmaßregeln nicht außer Acht lassen: Im Wasser muß der Mund geschlossen und durch die Nase geathmet werden; Schwimmversuche an der Hand eines Unkundigen oder zu schlechten Scherzen Geneigten sind zu vermeiden und, vor allen Dingen, darf man den Muth nicht verlieren. Der zer st reute Professor. T7y7 Professorin: Aber lieber Mann, Du triefst ja vor Nässe und Dein Negenschirm ist fast trecken." Professor: Ich werde doch nicht vergessen haben, ihn aufzumachen?" Aus der Schule. Lehrer verklärend): Die Liebe der Mutter ist unendlich und an jedem Tag: neu. Sie herzt und liebt Dich und gibt Dir jeden Morgen einen ? Nun, Maxchen, was gibt Dir Deine Mama.wenn Du Morgens erwachst? Maxchen (sich schüttelnd): Leberthran. Auch ein Beruf. Richter: Welchen Beruf haben Sie?- Vaaabund: Ich bin Baumeister." Richter: Was bauen Sie denn?" Vagabund: Lustschlösser

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Vcethovcus cburtsstättc in Bonn. Bei keinem unserer deutschen GeisteSheroen ist die Geschichte namentlich der ersten Entwicklung in größeres Dunkel gehüllt, als bei Beethoven. Selbst über die Stätte seiner Geburt entspann sich nach dem Tode des Meisters noch ein: literarische Fehde, und erst bei Gelegenheit der hundertjährigen Geburtsfeier Beethovens wurde sein Geburtshaus in der Bonngasse zu Bonn mit einer Marmortafel bezeichnet. Das Haus in der Rheingasse

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Das Beethovenhaus in der Bonngasse. aber, in welchem Beethoven einen großen Theil seiner Knabenjahre zubrachte. trägt heute noch die alte Tafel mit der falschen Bezeichnung: Beethovens Geburtshaus". Der Großvater, Ludwig van Beethoven, geboren zu Antwerpen 1712, kam, kaum zwanzig Jahre alt, nach Bonn und wurde im Jahre 1732 vom 5iurfürsten Elemens August als Baß sänger mit dem Titel Hofmusikus und dem damals recht ansehnlichen Anfangsgehalt von 400 Gulden angestellt. Er blieb zeitlebens ein trefflicher Sänger und wurde 1701 sogar kurfürstlicher Hofkapellmeister. Schon 1733, einundzwanzig Jahre alt, hatte er die neunzehnjährige Maria Josepha Pol! aus Bonn geheirathet. Von den Kindern aus dieser Ehe blieb nur der 1740 geborene Sohn Johann am Leben. Leider gab sich die Großmutter Beethovens dem Trunke hin und mußte später in einem Kloster zu Köln untergebracht werden. Ihre unglückselige Neigung vererbte sich leider auf den Sohn. Dieser, als Sänger wie als Mensch gleich unbedeutend, war ein unstäter, leichtsinniger, jovialer Bursche, weshalb ihn der Vater auch scherzweise Johannes den Läufer" nannte. Es war wohl aus einer seiner lustigen Fahrten, daß er in Ehrenbreitstein die Tochter des kurtrierischen Hauptkochs Kewerich kennen lernte. Maria Magdalena Kewerich, unseres Beethovens geliebte Mutter, hatte bereits mit siebenzehn Jahren den kurtrierischen Kammerdiener Johann Laym geheirathet und war schon im Alter von neunzehn Jahren Wittwe geworden. Die Trauung fand statt am 12. November 1767, und . das junge Paar zog in das Hintergebäude des Hauses Bonngasse 515, des nunmehrigen Beethovenhauses. Ueber den beschränkten Wohnräumen befand sich die unmittelbar unter dem Dache gelegene Schlafstätte. In dieser ärmlichen Kammer erblickte am 16. Dezember 1770 Ludwig van Beethoven das Licht der Welt. A.V M'WW . 'fe I ' VM a-imm! i mm mVdWyM -xZZr:;jis iwaj 5 V 2 w SC t WtttS& Die Dachkammer, in welcher Beethoven geboren wurde. So sind denn dies Haus, dieses Kämmerlein geweihte Stätten. Spät hat man sie als solche in pietätvoller Weise erkennen und pflegen gelernt. Erst nachdem sie lange recht unwürdigen Zwecken gedient, erwarb endlich eine Anzahl Bonner Bürger das Haus, um es dauernd vor Entweihung' zu schützen und es nur dem Andenken des Meisters zu widmen. Möglichst in den alten Zustand zurückverseht, sollen die Räume des Hauses ein Beethovenmu. seum aufnehmen, welches Andenken aller Art an den großen Tondichter, Handschriften, Bildnisse, die Ausgaben seiner Werke, die Beethovenliteratur, zur Veranschaulichung und vertieften Kenntniß und Auffassung seines Wesens und seiner Entwicklung vereinigen und den zahllosen Verehrern seiner aöttlichen Werke zugänglich machen soll. t . ,. Gemüthlich. Lehrjunge (zum Fenster desWirthSHauses hineinrufend): Herr Wirth, der Mester soll heimkommen! Sind S' so gut und werfen S' 'n 'naus!" 's war Dinde! Rentier Heischen (findet auf dem Felde eine Flasche voll Tinte, welche er für Schnaps hält und kostet): Ei Herrchäses. das schmeckt ja wie Dinde! (Thut noch einen kräftigen Schluck): Nee, das schmeckt wahrhaftig wie Dinde! (Trinkt die Flasche vollends aus): 's war Sie weeß Kneebchen Dinde!

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Elegante Costiime. Schon längst hat die Blouse ausgehört, als Bestandtheil des Morge? oder Neglige - Anzuges zu gelten. S'.e ist salonfähig geworden und damit zu einer Beliebtheit gestiegen, der sich wohl noch kein Toilettegegenstand durch so lange Zeit erfreut hat. Die Mode der Blousen ist von überaus praktischem Werthe und dabei kleidsam und jugendlich. Darin liegt wohl die Erklärung für die Beharrlichkeit, mit der alle Damen. Alt und Jung, an ihr hängen. Es spricht auch kein Anzeichen dafür, daß dies sobald eine Aenderung erfahren sollte. Damit ist auch die Zukunft des Gürtels gesichert, welchem wir kürzlich eingehende Aufmerksamkeit geschenkt haben. Blouse und Gürtel sind zwei unzertrennliche Begriffe. Einfachen, englischen und eleganten Toiletten sind Blousen beigeaeben, die natürlich je nach dem Zwecke, für den sie bestimmt sind, in den allerverschiedensten , Variationen auftreten. Gelten sie als Vervollständigung einer englischen Toilette. so sind sie in gleichem Stoffe gehalten, werden auch oft mit einem ganz kurzen Schößchen außen getragen und mit sechsfingerbreiten grauen oder weißen Lederg'ürteln zusammengehalten. Selbstverständlich sind auch Aenderungen erlaubt, doch gilt unsereAngabe als einzig elegante Zusammenstellung für Kleiner im Genre tailleur". Seidenblousen oder solche aus gouffrirtem Mousseline - Chiffon oder Seidencrepe benüht man für elegante Garten- oder auch Besuchskleider; gesellt man solchen Blousen noch irgend einen Besatz, Aufputz oder Kragen aus echten Spitzen, so können sie zur vollendeten Salon-T?i-lette getragen werden, insbesondere wenn vom faltigen Sidengürtel lange Kleid aus changeant Seide. Schärpen mit Fransenabschluß herabhängen. Der viereckige, doch gar nicht tiefe, sich dem Halse fast anschließende Ausschnitt kann sowohl bei Reise- wie bei Promenadeblousen Verwendung finden, ist jedoch nur dann kleidsam, wenn ihn eine Batiststickerei oder Spitze umgibt, die entweder in Passen- oder Lei'stenform angebracht ist. Hier gibt es die mannigfachsten Varianten. Eckige oder Vogenpassen, oder solche mit Spangenausläufern, den Halsausschnitt umrahmende Leistenöesätze, von denen die senkrechten als Spangen lang herabreichen. Passen mit Mittelspange, parallel laufende Entredeux, die den Ausschnitt umrahmen, wechseln mit eckig auslaufenden Satteln ab, die aus der jetzt zu neuer Beliebtheit gelangten Thurmzackenspitze herzustellen sind. Die Epauletten werden für Blousen so viel als möglich vermieden; schoppig, doch wenig überhängende Vorderbahnen gestalten sie kleidsamer als gespannte Falten. EostümausKrepvmitTüllspitze. Die beigefügten Illustrationen fiellen einige elegante Eostüme dar, die aus den ersten Berliner Ateliers hervorgegangen sind. Das für junge Damen zu Sommersestlichkeiten geeignete elegante Costüm aus grün und roth changeant" Seidenstoff besteht aus einem glatten, mit einem faltigen, Gürtel abschließenden Nock, sowie einer durch einen großen Kragen von gelblicher, zackiger Guipürespitze vervollständigten Taille. Letztere ist hinten geschlossen, daselbst längs der Mitte in eine, vorn in drei Tollfalten geordnet und zwischen diesen mit plissirter, grüner Seidengaze bekleidet. Manschettenartig aufgesetzte Spitze schmückt die in Keulenform geschnittenen Aermel, welche ebenso wie der Gürtel und der mit plissirter Seidengaze überdeckte Stehkragen mit kleinen Rosetten aus rothem Sammet verziert sind. Selbstocrständlich lassen sich für dieses Costüm auch einfachere Stoffe, wie Krepp, Musselin etc. verwenden. Der glatte Rock des hübschen Kleides aus gelblichem, gemustertem Kreppstoff schließt mit einem Gürtel von fliederfarbenem Moireband ab. den vorn zwei Rosetten, hinten zwei lang herabhängende Enden von gleichem Band zieren Jäckchenartige Theile, denen sich ein großer Kraaen anschließt, sowie ein Jabot nebst Stehkragen aus gestickter gelblicher Tüllspitze bilden die elegante Garnitur dr hinten glatten, mit bauschigen Aermeln verbundenen Taille, deren oben und unten leicht eingekrauste Bordertbeile in der Mitte, wie erfichtlich. Puffig arrangirt sind. Sehr kleidsam und leicht ist der aus hellem Sei-

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denstoff auf einem Drahtgestell gesertigte Hut, dessen Kopf mit einem schleifenartigen Arrangement überdeckt ist, während der eingekräusten Krämpe eine gestickte Spitze aufliegt.

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Kleid aus Voile. Sehr hübsch für junge Mädchen ist das aus tabakfarbener Voile gearbeitete Costüm. dessen vorn, wie ersichtlich, leicht geraffter Rock an der einen Seite bandcauartig mit. durch eine Schleife verziertem, dunkelrothem Sammetband garnirt ist. Achselöänder von gleichem Land zieren zu beiden Seiten die hintcn glatte, vorn blousenartig arrangirte Taille, die mit einem breiten, aus Sammetband zusammengesetzten Gürtel begrenzt und auf den Achseln mit kleinen Vandschleifen ausgestattet ist. Den weiten Puffen der unten engen Aermel liegen lose, nur oben und unten befestigte Bandenden auf. Kleidausgestreifter Seide. Leichter, hell und dunkel gestreifter Seidenstoff und Ecru-farbener, mit blauem Glanzgarn gestickter Batist bil den das Material für eine geschmack volle Sammettoilette. Dieselbe besteht aus einem runden, an einer Seite faltig arrangirten Rock aus Seidenstoff und einer mit kurzem Schooß abschließenden, vorn krausen Taille ausBatist, die, Wie ersichtlich.fichuartlg Mit einem brei ten Vatistvolant ausgestattet ist, dessen Enden, jabotartig gefaltet, den Haken schluß decken; kleine, rosettenartig gefaltete Batlsttheile zleren außerdem die Taille vorn und auf den Achseln Ein Stehkragen aus Batist, sowie weite Keulenarmel aus Seidenstoff vervollständigen die Taille. Clnef Glavcncc. An der gesegneten Mosquitoküste geht es wieder mal recht bunt zu. Der junge Mosquito-Häuptling Clarence hat mit bewaffneter Hand die Nicaraguaner aus Bluesields vertrieben und gedenkt nicht, ihre Oberhoheit anzucrkennen. Wie es heißt, haben ihm dort lebende Amerikaner bei dem Aufstande Vorschub geleistet, wiewohl unsere Regierung die Oberhoheit Nicaragua's über die Mosquitoküste anerkannt. SeiChiefClarence. tens des Marineministers Herbert ist die Columbia" dorthin gesandt worden, um im Verein mit der Marblehead" unsere Interessen zu vertreten. Daß Ricaragua Alles aufbieten wird, um dem jungen Clarence Raison beizubringen, steht zu erwarten und in dem Durcheinander könnte wohl amerikanischen Bürgern, die dem Letztgenannten hilfreiche Hand geleistet haben, übel mitgespielt werden. Zo is ct West! Da wir'n mal 'n Kirl, dei Klumbumbus näumt würd un von den seggt würd, dat hei Eier stahn laten künn. Eines Dags kem hei tau dei Königin Jsabell und säd tau ehr, sei müggt em doch drei Scheep geben, indem dat hei, wil hei Eier stahn laten kunn. nu ok Amerika entdecken wull. Sei gew em denn dei Scheep un hei segelt los. Na 'n Wil keem hei denn tau 'n Land un hei frog dei Kirls an Acuver. wat dat sei nich Will wirn. Ja, dat sünd wi," seggen sei. Is dit denn woll Amerika?" Ja, dat wir Amerika." Büst Du denn woll Klumbumbus?" Ja, ick bün Klumbumbus." Na. denn helpt dat nich, denn sünd wi ja entdeckt." Der schlaue Dude. A.: Ich weiß gar nicht, wie es Brave mit seinem schmalen Einkommen fertig bekommt, sich so gut zu kleiden." B.: Nichts einfacher als das; er verpfändet immer seinen alten Anzug und die Pfandsumme benutzt er zum Deposit für einen neuen."

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73U Zlntcr uns Iraucn. öludiüdj? Srlinte mifllurftlldie Frcruen. Tiit dem Gürtcl. mit tm 2i!cict Rciijl der ictivuc .h,, cul;:vcl.... Der Brautstand ist einer der qlücklichsten Zustände des weiblichen Lel?n-, er zeigt das Mädchen auf dem HohePunkt seiner Glanz- und Bl'Ithezei:, ausgestattet mit allen Eigenschaften der vollendeten Jugendkraft. verschönt durch das befriedigende Gefühl reiner strahlend in dem Bewußtsein des erreichten Zieles, der verstandenen Herzenssprache und der erwiderten, wahren, echten Zuneigung. Zumeist bringt die Braut in die Ehe ihr bestes Selbst mit, eine enthusiastisch: Liebe für den Mann ihrer Wahl, ein 'auteres Gemüth, ein bildungsfähiges We--sen und den festen Willen. Glück zu gewähren und Glück zu empfinden. Wie kommt es nun, daß aus dieser aluckstrahlenden Braut so häufig eine unglückliche Frau wird? Bringt die Ebe selbst das Unglück mit, oder liegt d:e Schuld zu gleichen Theilen an Jenen, welche die eheliche Verbindung einqehen, oder trägt die junge Frau selbst die Verantwortung für ihr eigenes Ungluck, oder trifft am Ende gar den Gatten die Hauptschuld? Wir wollen uns bemühen, soweit nrauen überhaupt da,u im Stande sind, diese Fragen unparteiisch zu beantworten. Wenn wir früher den Brautstand als einen der glücklichsten Zustande im weiblichen Leben bezeichnet haben, so durfte der ganz neuqedackene Ehemann, aber auch nur dieser, dieselben Attribute unbedingt auch für den Ehestand rn Anspruch nehmen, uno das junge Frauchen wird in den mti sten Fällen dem Lob: beistimmen. Also in dem Eingehen der Ehe selbst, die eine der heiligsten Institutionen in unserer unheiligen Zeit ist. dürfte das Scheitern des Frauenglückes wohl nichts zu suchen sein. Ferner liegt es vollständig in der Macht der beiden Eheleute. ihre eheliche Gemeinschaft ganz zu dem zu machen, was sie selbst wünschen und erwarten, und da wollen wir denn hoffen, daß die Frau nicht selbstquälerisch und unvernünftig genug ist, ?hr eigenes Unglück heraufzubeschworen, folglich bleibt uns nichts anveres übrig, als die Hauptschuld an dem Unglücke der Frau dem Manne zuzuschreiden. Wem dankt die Verlobte eigentlich das oroke Glück des Brautstandes? Natürlich nur dem Bräutigam. Er betet sie an, er vergöttert, bewundert, verwöhnt sie, trägt sie auf den Hänoen, gibt ihr tausend schöne Namen, erblickt in ihr sein Alles, das erträumte Ideal, die gütige Fee, welche alles irdische Glück über ihn ausbreitet. Er kann den beseligenden Moment kaum erwarten, wo sein Engel ihm ganz allein gehören, wo er sich ihres Anblickes ungestört von den neidischen Blicken der Fremden wird erfreuen können. Er will seinem zarten Vögelchcn ein Nest'chen bauen, so fein und weich, daß sie wie eine kleine Prinzessin darin wird leben können, nur' duftende Blumen will er auf ihren Weg streuen, jedes Steinchen des Anstoßes aus dem Weg: räumen. Für ein Küßchen, einen freundlichen Blick will er Alles thun, Zeden freundlichen Wunsch ihr von den süßen Augen ablesen. Und so wiegt er die Braut allmälig in einen betäubenden Zustand der Verhimmelung, welchem das Hochzeitsfest und de? Hcnigmond als Schlußakt des schönen Zanöermärchens nachfolgt. Als glänzende, angebetete Göttin ist die Braut zum Altare getreten, als ganz gewöhnliches Menschenkind findet sie sich nach wenigen Monaten in ihrer einsamen Behausung wieder. Anstatt sie fernerhin anzubeten, zu vergöttern, liebt sie ihr Mann kühl und ruhig, anstatt zu bewundern, wird getadelt, statt des Verwöhnens will der Herr Gemahl nun selbst ein wenig auf Händen gciragen werden, das verkörperte Ziel seiner Wünsche soll die LieblingsspeisiN in der erträumten idealen Vollendung immer auf den Tifch bringen, die FeenHände müssen auch kräftig nä&n und bürsten können, und der beseligende Moment des Alleinseins klingt oft in einem vernehmlichen Gähnen oder Brummton von Seiten des Ehemannes aus. Das zarte Vögelchen wird zur Scheuerfrau, die kleine Prinzessin zur geübten Wäscherin, die Blumen verwetten, und nur die Steine des Anstoßes muß die Frau selbst aus dem Wege räumen, wenn sie nicht darüber stolpern will. Die lauten Wünsche dcs Mannes erheischen prompte Erfüllung, wenn überhaupt Küsse und freundliche Blicke noch erlangt werden sollen, und aus dem Himmel wird das Fegefeuer, aus dem holden Zaubermärchen eine traurige wahre Geschichte. Und wer hat Schuld an dieser jähen Verwandlung, an diki'n grellen Kontrasten? Nur Derjenige, welcher das ruhige Mädchen erst in einen ungesunden Zustand der Verzückung hineingedrängt bat, um sie dann nach der unvermeidlichen Ernüchterung des Mannes enttäuscht und verbittert die zauhe Wirklichkeit .wiederfinden u lassen. Würden die Herren ibr: Bräute wen:ger anbeten und verwöhnen, sie niemals in den Wahn versetzen, daß sie ganz wunderbare, außergewöhnliche Wesen wären, dann würden die nochmaligen Frauen auch keine wunderbare, außergewöhnliche Glückseligkeit erwarten. Würden die Herren, anstatt den Mädchen süßen Weihrauch zu streuen, ihnen 'aufrichtig mittheilen, daß ihnen ?n ernstes, pflichtenreiches, arbeitsoolleZ Leben in der Ehe bevorsteht, dann würdri? die Bräute vielleicht nich! so überglücklich, aber die Frauen jeden salls nicht so unglücklich werden.

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