Indiana Tribüne, Volume 17, Number 331, Indianapolis, Marion County, 19 August 1894 — Page 3

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st v s. r r AWitte oc5 leociis. Nouiaii von 52. iedks.Äyrcns. (2. Fortsetzung.) "Möchte Ihre Prophezeiung eintreffen, mein lieber Graf, doch gestztten Sie mir die Bemerkung: einem so jungen Arzte fehlt doch vor allem eine der wichtigstenGrundlagen seines Wissens die praktische Erfahrung. Sie mögen ja dort, wo es sich um einen der gewöhnlichen Männer die bekannterweise alle einen gehörigen Grad von Selbstsucht besitzen recht haben, hier aber, unser lieber Onkel, ist eine auserlesen feinfühlige Natur, die stets über andere sich selbst vergißt und deshalb durchaus der zarteren fürsorgenden Liebe eines gewiisenhasten weiblichen Wesens" hier traf Daniela ein strafender Blick nicht entbehren kann, und welche doch wohl bessere Früchte tragen dürste, als alle jene barbarischen Mittel einer sogenannten Abhärtung." Aber wir wollen es doch versuchen, Daniela saß schweigend da, während der Unterhaltung, anscheinend theilnahm s los, obgleich es in ihrem Innern stürmte; es hatte eine Zeit gegeben, da sie sich gewundert übe? des Vaters Blindheit, das', er nicht den Grund der Handlungsweise Valeskas durchschaue, wie er ihr nach und nach zur Erkenntniß gekommen, bis sie mit der wachsenden Einsicht dahin gelangte, sich zu gestehen, dast er viel zu harmlos sei, um in der Hingebung seiner Nichte nur die Verfolgung ihrer ehrgeizigen Pläne .zu entdecken, welche darnach trachteten, dieeinzige Erbin des bedeutendenNachlat zu werden, und Daniela, in der sie eine natürliche Tochter vermuthete, gänzlich aus . schlössen zu sehen. Da die Sonne hinter den Bergen verschwunden, so machte sich jetzt die kühler werdende Luft bemerkbar und Oberst von Weddingen stand mühsam auf, um sich in seinen Fahrstuhl zu begeben; auch Nomano nahm Abschied, Nachdem er zu Valeskas Verdruß eine Einladung zum gemüthlichen Abendbrot abgelehnt. Er hätte gern eine Lanze für Daniela gebrochen, aber ihm war Valeskas Abneigung gegen den Schützling Onkel Karls seit lange besannt, und er fürchtete deshalb, ihr durch Worte der Vertheidigunq nur zu schaden; auch grollte er ihr im Innern, war dorn durch sie die erste große Enttäuschung über Nomano Montsanio gekommen, unter deren Schatten tx noch heute, ohne eö sich gestehen zu wollen, litt. Sie war ihm stets eine willkommene Gefährtin gewesen, von der er sich verstanden wußte, die derständnißvoll auf alles, was er vorbrachte, einging; sie gehörten, wie von der Vorsehung bestimmt, zusammen, sie und keine andere sollt? einst, die Seine werden, das stand fest in ihm, als er die Universität bezog. Und auch Daniela hing mit schwärmerischer Verehrung an dem liebenswürdigen vornehmen Hausgenossen, doch war ihr, beeinflußt durch Valeskas planmäßige Herabsetzung, das Bewußtsein der eigenen Nichtigleit und Unbedeutendtit so stark eingeprägt worden, daß ihr niemals die Vermuthung kam, Nomano könne anders als brüderlich für sie empfinden; da er außerdem mit der dicken üppig entwickelten Negine auf dem Fuße neckischer Tändelei stand, und sie das Vorhaben Valeskas, aus den beiden ein Paar zu machen, kannie, so- glaubte sie bestimmt, er gehe schweigend darauf ein und werde sich, sobald Negine aus der Pension zurückgekehrt mit ihr verloben. Zu Romanos grenzenlosem Schmer- .;:, den er anfangs kaum zu überwinden vermocht, fand erDaniela nach seiner endgiltigen Heimkehr mit dem Ne-gierungs-Jngenieur Ewald Rombeck versprochen, den Frau vonHasselbach in ter Familie des Herrn ToktorSchweighoffe?, wo Ewald wohnte, kennen gelernt und bei sich eingeführt hatte; Romano wußte freilich nicht, daß Daniela anfangs die Bewerbungen des jungen Deutschen keineswegs ermuthigte, bis sie endlich müde des unaufhörlichen Zuredens Valeskas, und gerüchrt von Ewalds aufrichtiger Hingebung, die sie aus peinlichen Verhältnissen erlösen wollte, das Jawort gab, und sich xvü dankbarer Innigkeit an ihn zu schließen begann, die bald ihre anfängliche Glelchiltigkeit in wirkliche Liebe verwandelte. Romano schwieg damals; aber er fuh!:e sich aus s tiefste verletzt, daßDa uiela ohne weiteres den ersten besten Bewerber angenommen, es kränkte seinen Stolz, sich so zu sagen kalten Her zens von ihr verschmäht zu sehen; denn seiner Meinung nach hatte sie wohl ahnen müssen, was er empfand; und obgleich er Valeska keinen bestimmten Antheil an den Vorgängen während seiner Abwesenheit zuzuschreiben wag te, so regt: sich doch die Abneigung, welche er von jeher gegen die kolossale Persönlichkeit der Nichte des Obersten gespürt hatte, noch lebhafter als gegen Ewald Rombeck selbst, den er mit der Zeit als einen offenherzigen, gemüthvollen Menschen kennen und schätzen gelernt. Danielas nachhaltige Trauer über den Tod des Verlobten bestätigten Romano ihre vollständige Gleichgiltigkei! oegen ihn selbst, und so erweiterte das Miverständniß die Kluft zwischen ihnen immer unüberbrückbarer, und als 'vollends die fesselnde Erscheinung Kamillas auf feinem Wege erschien, da glaubte er bestimmt, mit der alten Liebe für immer gebrochen zu haben, und gab sich rückhaltslos dem Zauber, "den das strahlend frische Mädchen, die ihm die liebliche Verkörperung eines Märchenbildes dünkte, anheim. Der zum Berge aussteigende Weg zwischen

bemerkteder Oberst mit ungewohnter Entschlozzenheit, angesichts seiner herrschsüchtigen Nichte.

den Villen war einsam geworden, jetzt lag das eigene Haus mit seinen zierlieben Thürmchen und Balkons im weineu Mondlicht da; unwillkürlich stand Romano still; aus dem breiten Erkerfenster des ersten Stockes schimmerte helles Licht, dort hatte Tante Angela jetzt den Tisch für ihn decken lassen. Einsames, freudloses Mahl! Wie schön müßte es doch sein, wenn einst, statt der alternden, schrullenhaften kleinen Dame, ihm ein junges Weib mit goldblondem Haar und rosigen Lippen freudig bewillkommnend entgegenireten würde! Und dieser Traum verlaß den junqen Arzt nicht mehr. Um dieselbe Zeit, als Doktor Montsanto träumeno in die duftige Sommernacht hinaussah, leuchtete auch aus Konstanzens freundlichem Mansardenstübchen, das sie allein benutzte und nri Kamillas Hilfe deutsch behaglich eingerichtet, sowie mit weißen Gardinen und rosakattunen Bettvorhängen geschmückt hatte, noch der Schein ihrer kleinen Lampe. 5tonstanze batte ein Geheimniß, von dem sie selbst zu der Mutter oder den Geschwistern fast niemals sprach; erst wenn es gelungen, und ihr Streben mit Erfolg gekrönt sein sollte, wollte sie mitteilsamer darüber werden. Es war eine Novelle, an der sie schrieb, der erste Versuch eines innewohnenden unwidersteylichen Triebes, die Schemen der rastlos schaffenden Phantasie auf dem Papier in Form und Gestalt zu bannen; eine köstliche Gabe, die eine geheimnißvolle Traumwelt der Poesie und Schönheit in ihrem Innern erstehen ließ, in welche sie nach der Prosa des Alltagslebens flüchten konnte. Ja, schreiben! Alles, was sich an guten und großen Gedanken der Seele offenbart, den anderen mitzutheilen, fessellos ihrem kühnen Flug in die Sphären des Lichts zu folgen, in dem Erstehen der eigenen Gebilde zu schwelgen und mit den vertrauten Gestalten, die dem Innern entstiegen, verkehren zu dürfen, das war herrlich und hob sie über die elenden Sorgen des Tages hinweg, welche die Armuth der Familie täglich drohender erwachsen ließ. Ihre Wangen rötheten sich, während die Feder emsig über den Bogen des blauen Heftes glitt; zuweilen hieltKonstanze inne und blickte sinnend, wie in eine zweite, unsichtbare Welt vor sich hin, um dann von neuem eifrig fortzufahren. Endlich, es war nicht weit von Mitternacht. legte sie die Feder nieder, erhob sich und verschloß das Hcft des entstehenden Werkes in die an der Wand stehende Kommode; nachdem es gethan, blieb sie stehen und betrachtete gedankenvoll das in kleinem Nahmen stehende Brustbild eines jungen Mannes. dessen vornehmes Aeußere eine auffallende Ähnlichkeit mit der Erscheinung des Grasen Herbert Bismarck zeigte. Vorüber!" Magnus Holmsen. den sie einst mit der verborgenen Gluth einer ernsten und doch leidenschaftlichen Frauenseele geliebt, war der Verlobte einer andern geworden, und heute vielleicht schon deren Gatte; für Konstanze hieß der Roman ihres Lebens: Entsagung. Als das Licht der Lampe so hell auf die ausdrucksvollen Züge des jungen Mannes fiel, da legte sich gegen ihren Willen ein feuchter Schimmer auf die Augen; doch cS ist gefährlich, sichder Wollust der Thränen zu überlanen; denn sie ertödtet den Muth und selbst den Willen der Genesung, und standhaft besiegte Konstanze die Anwandlung der Schwäche, war ihr doch eine andere Aufgabe gegeben, die ihre ganze Kraft in Anspruch nimmt. Vorüber" ist für sie der süße Traum der ersten Jugend, dem ein so schmerzliches Erwachen gefolgt. 3. Siehst Du. Mamachen," sagte Kamilla, während sie dieRosen und Fuchsienstöcke. eine freundliche Sendung Doktor Montsantos. am Fenster der parterre gelegenen Wohnstube ordnete, es wird immer gemüthlicher bei uns! Sogar Dein Kanarienvögelchen, das Du nicht entbehren zu können meintest, hat Konstanze beschafft; nun mußt Du aber auch das ewige Klagen lassen, es verdirbt einem ja die ganze

Stimmung. Kamilla. die immer heitere, spürte das Bedürfniß, sich den bedrückenden Kummer von der jungen Seele zu wälzen; lachte doch auch die schöne Welt unter dem krystallklarcn Himmel gar so sonnig da draußen, die bunten Vögel zwitscherten so fremdartig und doch bekannt verheißungsvoll, und von den blühenden Orangebäumen im Nachbarsgarten her, weht: einDuft, förmlich berauschend, zu entzückend! Und aus einem Winkel ihres Innern lachte dazu das geliebte Bild Egons und erweckte eine Seligkeit, die von Zeit zu Zeit in hellen Strahlen aus den blauen Augen blitzte. Du haft gut reden, und nimmst alle Dinge auf die leichte Schulter." entgegnete Frau Doktor Rombeck in ihrer monotonen Weise, aber habe ich vielleicht Ursache, etwa so grundlos vergnügt zu sein, wie Du? Da ist Leopold; mir will es gar nicht einleuchten, daß Leopold nicht bei uns wohnt; was könnte er dadurch sparen! Aber natürlich, das Essen ist ihm zu schlecht und ärmlich, der Raum zu beengt,' und daß wir es nicht besser haben, ist ihm egal." Du hast schon recht, Mama," lenkte Kamilla ein, da sie es stets sogleich bereute, ein Wort d:8 Vorwurfs gegen die arme Mama geäußert zu haben, doch bedenke, er ist ein junger Mann, der viel mehr Bedürfnisse hat, als wir genügsame Frauen, da muß man ein Auge zudrücken; er hat ja überdies auch wenig genug von feinem Leben." Leopold befand sich bereits seit mehreren Wochen in dem Komptoir des Herrn Oskar Fiebinger, roelcher son-

derbarerweise mit seinem Geldwechselgeschäft einen kleinen Juwelenladen vereinigte, doch hatte Leopold bald die Einsicht gewonnen, daß dieser unscheinbare und vernachlässigte Laden nur als Deckmantel derWuchergeschäfte dienen mußte, denen der äußerst sparfame Chef seine Hauptthätigkeit widmete. Leopold war in hohem Grade unzufrieden; er hatte eine eitle, genußbedürftige Natur, welche es nicht verstand, sich in die Zeit und ihre VerHältnisse zu schicken; sein Gehalt von monatlich hundertundsünfzig Milreis war viel zu bescheiden, um seine Ausciaben mit den Einnahmen in Einklang zu bringen, und um seiner Mutter nur wenigstens etwas geben zu können, hatte er bereits von tem Kollegen im Komptoir eine kleine Summe geborgt, ohne zu bedenken, wie schwer es ihm fallen mußte, an dem bestimmten Tage das Versprechen zu lösen und die Schuld zu tilqen. In seiner Verlegenheit hatte er ein Lotterielos gekauft, worauf er vorläufig seine Hossnung setzte und sich der Sorgen zu entäußern suchte. Es war gegen Abend; in dem Hinterstübchen des kleinen, versteckt in einem verwilderten Garten gelegenen Häuschens, welches verloren zwischen den Villen der Reichen stand und zu Kamillas Freude einen Ausblick auf das nicht allzu loejt entfernte Meer bot, hatte sie unterdessen den Tisch gedeckt, und da 5ionstanze, welche ebenfalls seit einigen Wochen in ihrer Stellung thätig war, heute ungewöhnlich lange blieb, schon mit der Mutter von dem dürftigen Mittagbrot gegessen. Jetzt kam die Schwester endlich den Weg an der Hecke entlang angegriffen und abgespannt von der neunstüneigen, fast ununterbrochenen Arbeit am Schreibtisch des düsteren, kahlen Stadtkomptoirs; aber sie klagte nicht, sondern dachte: Ich werde es lernen, mich hinein zu finden; nur geduldig das auferlegte Kreuz tragen, je mehr wir versuchen es abzuwerfen, um so schwerer wird es. Und habe ich nicht meine Welt, in die ich mich retten kann, um nicht zu Grunde zu gehen in der Alltäglichkeit?" Für Konstanze, die so blaß aussah und den ganzen Tag hart arbeitete, hatte Kamilla heimlich eine Schüssel zurückgesetzt, von der sie und die Mama nichts erhalten durften; dieSchwester bekam zu der dünnen Suppe und dem Rindfleisch mit den glasig gewordenenKartosfeln noch etwZsFruchtgelec, von dem Kamilla wußte, daß sie es bevorzugte. Aber Konstanze blieb zerstreut, sie schien die Auszeichnung nicht zu bemerken und hegte hete dringender denn je zuvor den Wunsch, die Einsamkeit ihres verschwiegenen Zimmers auszusuchen. Die Verzögerung ihres Kommens hatte nämlich den Grund darin gehabt, daß Konstanze nach dem Geschäftsschluß noch auf dem deutschen Konsulate angefragt, ob Briefe angekommen seien, da cinigeVerwandte und Freundinnen Auftrag hatten, ihre Nachrichten für's erste nach dort zu senden. Es fanden sich in der That drei Briefe vor; zwei für Frau Doktor Nombeck von Bekannten und einer von Konstanze selbst, denen feste, wohlbekannte Handschrift auf dem viereckigen weißen Kouvert sofort ihre ganze Aufmerksamieit erregte. Ihre Wangen überzogen sich mit heißer Gluth, um ebenso schnell der Blässe tiefer Erregung zu weichen. Sollte es denn möglich sein. einBrief von ihm?" Sie wankte hinaus und prüfte draußen die Aufschrift noch einmal nachhaltig. Nein, es lag keineTäuschung vor, diese charaktervollen Züge entstammten keiner andern Hand als derjenigen Magnus Holmsens. Warum, was bedeutete das? Weshalb wollte er von neuem an der tiefen Wunde ihres Lebens rühren, die noch nicht vollständig zu heilen vermocht? Was war es, das er ihr noch zu sagen hatte, nachdem sie auf immer von einander Abschied genommen? Ihre Knie zitterten; ohne zu wissen,

wo sie eigentlich ging, so brennend konzentrirten sich die Gedanken auf den einen Punkt, schritt Konstanz: durch die vom Menschengewühl? bunt belebten Straßen dem Halteplatz derPferdebahn zu. die sie des weiten Weges bis zur Vorstadt Rio Ccmpridos wegen benuken mußte. Als sie dann endlich, ohne die Aufmerksamkeit derJhren und damit lästige Fragen zu erregen. nach ihrem Zimmer gehen durfte, verschloß sie die Thür, um heute gänzlich ungestört zu sein, da Kamilla zuweilen denEinfall bekam, derSchwester, welche sie fast mehr als ihre Mutier liebte, vor dem Schlafengehen noch den Gutenachtkuß zu geben. Niemand sollte von dem bcdeutungsvollen Brief erfahren, den sie jetzt, am Tische sitzend, ihrer Kleidertasche entnahm und im Licht der Lampe unter heftig pochendem Herzen las. Konstanze! Deine erste Empfindung bei Empsang dieser Zeilen wird gewesen sein, daß ich nicht mehr das Recht besitze, an Dich zu schreiben, doch wird Dein Urtheil hoffentlich ein milderes fein, nachdem Du meine Zeilen zu Ende gelesen hast. Du weißt, daß das, was uns getrennt hat, nicht Wankelmuth war oder Feigheit, angesichts der sich erhebenden Schwierigkeiten in Betreff unfererVerbindung; ich mußte einfach der unabweisbaren Nothwendigkeit gehorchen, als ich meinen alten Eltern, die alles an mein Studium gewendet, das ungeheu Opfer unserer Liebe brachte. Die plötzlich hereingebrochenen ungünstigen Zeitverhältnisse führten den Sturz de-' Hauses meines VaterS herbei, und um die Zukunft derjenigen, welche so viel

für mich gethan hatten und von nun an gleichsam auf mich angewiesen waren, in etwas erträglicher zu gestalten, mußte ich ihnen vor allem die Sorge um mich abnehmen, ein Entschluß, der unter den obwaltenden Umständen nur dadurch ausgeführt werden konnte, daß ich die Hand der reichen Erbin Agnes Hainburg, die sich mir zugeneigt, erbat ur.d erhielt. Wir nahmen Abschied von einander, nachdem ich Dir die Gründe dafür klar gelegt. Du billigtest sie und redetcst mir übdies noch zu; ich sühlte mich dadurch verletzt und zürnte Dir, um erst später die ganze Größe Deines entsagendenMuthes einzusehen; es war nicht Gleichgiltigkeit, die Dich leitete, sondern die Seelengröße eines jener seltenen Frauenherzen, welche in der Entsagung ihr: ganze Hoheit offenbaren. Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen, Ihr habt Bremen verlassen, zwischen uns liegt jetzt das Weltmeer; unwiderbringlich bist Tu mir verloren. Konstanzc! Der Gedanke hat mich in den letzten Wochen fast dem Wahnsinn nahe gebracht, ein ungeheurer Kamps hat sich in meiner Brust entfesselt! So, wie die Verhältnisse gegenwärtig liegen, ertrage ich sie nicht länger, und da komme ich, in dem furchtbaren Zwiespalt, der mich ergriffen hat, zu Dir, der einzigen, um Rath und Hilfe. Auf heute über sechs Wochen ist unsere Hochzeit festgesetzt; mir graut vor diesem Zeitpunkt, ich stehe vor mir selbst wie vor einem unheilvollen Räthsel, daß ich jemals imstande war, in dieses' Bündniß zu willigen, zu dem das harte Muß der Pflichten kindlicher Ergebenheit und Sohnesmitleid mich getrieben! Ich hoffte, mit der Zeit würde die Dankbarkeit angesichts der innigen Liebe Agnes Hamburgs mich erwärmen und jene Zuneigung erwecken, die eine friedensvolle Ehe erwarten ließ, doch je tiefer ick Einblick gewinne in die unverständliche, launenhafte und hochmüthige Natur dieses Mädchens, um so entschiedener fühle ich mich abgestoßen. Um eine Agnes Hainburg als Gattin zu ertragen, hätte ich Dich nicht kennen und lieben müssen. Ich kann nicht; und in der Verzweislung wende ich mich an Dich! Rathe Du mir uno tröste mich, wie Du es damals so schön gethan. Und muß es denn sein, mein Gott, soll ich wirklich mein Leben opfern und das Entsetzliche über mich eraehen lassen, dann soll dieses Schicksal mir zum wenigsten ganz aus Deinem Händen kommen, ich muß den Tn,'r empfinden, daß ich Dir, Tu Edle, gehorche und das vollbringe, was Du mit Deinem klaren Scharfblick als richtig für mich Erkennst. In dem wüsten Taumel. den?n Beute ich zur Zeit geworden, ist mein Urtheil, meine Dcnkkraft getrübt. Und wenn es möglich ist. 0 Konstanze, dann laß Dein Herz für uns entscheiden! Die Eltern haben aus den Trümmern ihres einstigen Vermögens immerhin so viel gerettet, um unter ganz bescheidenen Ansprüchen ruhig leben zu können: ich aber gebe alsdann hier alles auf und komme nach dort, zu Dir; gewiß wird doch auch in der Neuen Welt für einen strebsamen Menschen, der das Neferendarexamen gut bestanden hat. ein Arbeitsseld vorhanden sein. Und schließlich unterwerft ich mich gern jeder anderen Thätigkeit, sobald ich weiß, Dich dadurch zu erringen. Beantworte mir, bitte, diese Zeilen umgehld. der Brief kann dann nach achtundzwanzig Tagen in . meinen Händen sein; ich zahle die Stunden bis dahin. Bis zum letzten Athemzuge nur der Deinige, Magnus Holmsen." Konstanze stützte den Arm auf den Tisch und bedeckte die Augen mit der Hand; so blieb sie lange regungslos; alles, was so mühsam und nach unsäglichem Ringen zur Ruhe gbracht worden, das hatte der Brief zu neuem schweren Kampf erweckt.

Welch eine Aufgab: hatte Magnus Holmsen in ihre Hände gehegt, er ahnte sicherlich nicht die ganze Größe der Verantwortung, vor die er sie gestellt! Sie waren Nachbarskinder gewesen in Bremen und hatten früh einander kennen und lieben gelernt; der lebhafte, tiefempfindende und ein wenig roinaniisch beanlagte Magnus hatte in der gleichaltrigen Konstanze eine verständige Gefährtin gefunden, die schon, als er noch ein Knabe, eine gewisse Macht über ihn gewonnen, deren sanfter Mahnung er blindlings gehorchte, bis die kindliche Freundschaft sich späier in leidenschaftliche Liebe verwandelt hatte. Ihr Herz sollte entscheiden, schrieb Magnus Holmsen; ihr Herz? Ja. das sprach sür ihn nur zu beredt; und doch Eine Stund; verging, dann noch eine, die Konstanze in dumpfem Zurathegehcn mit sich selbst verbrachte; im Hause war es todtenstille geworden und auch von draußen her unterbrach kein Laut die nächtliche Ruhe. Einmal. als die Stimmen des gemarterten Herzens gar zu laut für den Fernen flebt'n und die bestrickenden Schmeicheltöne. welch für ihn baten, ihr den Rest der Fassung zu rauben drohten, da sank Konstanze überwältigt aus ihre Knie nieder und flehte unter heißen Bitten inbrünstig zu Gott, um die rechte Eingebung m dem schrecklichen Kampfe. Und beruhigter erhob sie sich; es war. als ob die innig: Hingebung, das begeisterte Vertrauen auf die Allmacht des großen Gottes sie erleuchtet unv gekräftigt hatte; entschlössen legte sie den Voaen zurecht und schrieb, nur von kurzen Pausen des Nachdenkens unterbrochen. die Antwort. flT)rtm'2 v-y. 121 1W:nn diese Zeilen als Antwort aus !.inen Brief, der heut: in meine

Hände gelangte. Dir eine Enttäuschung bereiten, dann nimm die Versicherung, daß nur nach reiflichem Ermessen und aus dem heiligsten Pflichtgefühl heraus, die Entscheidung, welche Du in mein? Hände legtest, sich mir entrungen hat. Es ist, mein Freund, etwas großes und erhabenes um die Liebe zweier Menschen, welche durch seelisch: Bande aneinander gefesselt, sich von der Natur für einander bestimmt wissen. und es steht dem Mann: an, sich aufzulehnen gegen das widrige Geschick, das ihn mitleidslos von dem Weibe seiner Wabl trennen sucht.

Die Mission des Weibes aber, das nach echter Sitte und Veredelung trachtet, besieht in der gehorsamen Ergebung gegenüber denjenigen Pflichten, welche durch die Umstände aeeitiat. das Gewissen von ihr fordern darf. Sei stark. Maanus. wie ick es nack so vielen schmerzlichen Stunden, in denen ich glaubte, das Herzblut müsse mir erstarren, geworden bin; Du gekörst nicht mir, nicht einmal Dir selbst allein. Deine Eltern, denen Du der Lichtstrahl ihres einsamen Alters geworden, darfst Du nicht durch die Vernichtung ihre? schönsten Hoffnungen kränken, indem Du sie verläßt, wie 1 cv oer erne c:ie '.oenieurer, o?rn oer xz?oen drüben zu betn aeworden: und zweitens, Magnus, verzeih', daß ich es sagen muß. doch da es ganz klar werden soll zwischen uns, will ich auch dirsen Punkt erwähnen, bist Du Agnes Hainourg in einer Weise verpflichtet, die sich nicht so ohne weiteres abthun läßt. ..Die aefeierte Tochter des reichen Vanauiers. mit der mich von der Schule her eine leichte MädchenfreundZchaft verband, zeichnete vor allen Uebriaen so deutlich aus. daß niemandem die beneidete Bevorzuauna entgehen konnte; di Eltern vermoch ten dem verwohnten Kinde leinen Wunsch zu versaaen. es war ja auch nicht nöthig, besaß doch der alte Hamburg genug, um auf Vermögen bei seinem zukünftigen Schwiegersohne verzichten zu dürfen; allseitig hielt man die Verbindung für Dich als ein besonderes Cll'.ck. Ihr wurdet ein Brautpaar. Aus was für Gründen aber wolltest Du jetzt plötzlich furücktreten und so viele frove Hossnungen Zerstören? Was würde Dir das Recht geben, Magnus, Agnes schnöde zu verlauen, behastet mit dem Schatten eines aufgehobenen Verlöbnisses, ohne daß sie. sich das Geringste zu lazulden lommen ließ, was wich: Handlungsweise zu rechtfertigen vermöchte? ..Du nennst sie bockmüthia. launenhaft; das sind Eigenschaften, die auszulojchen sind, an dem Madchen, welches liebt; und Agnes thut mehr als das, sie betet Dich an. und damit ist Dir die Macht gegeben, erziehend aus sie einzuwirken; denn das wayryasl liebende edlere Weib will nicht Herrsck'.en. es will nur ausschauen, bewundern und anbeten; freiwillig und freudig beugt es sich feiner Uebermacht. Rasse all' die Energie Deiner so relchen Natur zusammen, schöpfe aus dem. was Dir die Vorsehung an Willenskraft und schönem Wollen gegeben und betrachte Deine Braut mit uevevollem Sinn: als ein krankes, verzocenes Kind, das der Arzt zu einer ernsten Kur der Enthaltsamkeit verurf??st. wende ikr einen warmen Strahl des Sonnenscheins in Deinem Herzen zu. der so unendlich zu beglücken weiß, und es wird Dir aelinaen. sie nach Deinem Wunsch zu lenken; denn Agnes ist durchaus nicht ictjlsart, ne vesitzt Impulse, die zur Großmuth neigen. Von dem harten Schicks alsschlage, der uns durch Ewalds Tod getroffen, wirst Du iekt wobl schon durch Heinrich Karstedi, Deinem Freunde, an dessen Eltern Mama die Vtaqnqi lanoie. gehört haben. Und dann noch eins, eh: ich schließe, Magnus; als der Verlobte und baldige Gatte Agnes Hamburgs, darfst Du wohl verborgen in Deinem Innern die Freundschaft für mich hegen. welche aus dem, was uns einst verband, erstehen mußte, aber, so schwer es mir auch wird, ich muß Dich bitten um meiner eigenen Ruhe willen, die ich so nothwendig brauche, dieser Freundschaft ferner nicht mehr durch Briefe an mich Ausdruck zu verleihen. Auch in mir lebt die Erinnerung an Dich weiter; so lange ich lebe, bin ich Dir dankbar für die süßen Stunden reinsten Glückes, die mir durch Dich geworden. Damit muß es genug sein; einen Brieswechsel auf dieser Grundläge würde ich für Sünde halten und als einen Raub an den Rechten Deiner Braut betrachten. Lebewohl. Magnus, und vergiß nicht: Wollen ist Können und Starksein unsere Pflicht! Gott segne Dich tausendmal und lasse dieGeöete in Erfüllung gehen, die ich in stiller Nacht für Dich nach oben sende. Konstanze Rombeck." Im Osten färbt: sich der Horizont schon mit dem ersten röthlichen Schimmer des erwachenden Tages, als Konstanze ihren Brief beendet hatte, den sie am Morgen aus ihrem Gange in's Gefchäft selbst zurPost trägen wollte; und von Thränen und seelischer Erregung sterbensmüde geworden, legte sie sich endlich nieder, um wenn möglich, noch ein paar Stunden erquickenden Schlafes zu genießen. Frau Doktor Nombeck hatte schon den ganzen Morgen gegen Kamilla über Leopold gescholten, der sich nach ihrerMeinung zu feinemNachtheil verändert hatte und durchaus nicht mehr so aufmerksam war, wie sie es von drm Sohne beanspruchen zu können glaubte; dabei zeigte er ein so finsteres Gesicht. als ob er unablässig über einen Gegenstand nachgrübelte, der ihn stark beunruhigte. Und was das unerhörte-

sie, und bereits recht unliebsame Auseinandersetzungen zuwege gebracht, war der Umstand, daß Leo?ld fast regelmäßig die Abende außerhalb desHauses verlebte, indem er erklärte, fpazieren zu gehen oder in Gesellschaft Bekannter ein Glas Vier in einem Restaurant zu trinken, was sogar den ihn stets vertheidigenden Schwestern nicht recht glaubhaft erschien. Für diese neue Sorge konnte Frau Doktor Nombeck sich auch wiederum nicht verhehlen, daß ihr mit der Bekanntschaft des Grafen RomanoMontsanto ein gewijsermaßen angenehmes Ereigniß widerfahren war, obgleich sie die guten Dinge niemals anerkennend, immer nur das Schlimme in den Vordergrund zog, um sich und die Ihrigen daran zu erbauen. Der junge Arzt hatte sich denn auch nach wie vor als ein liebevoller Veschützer der kleinen Familie, die ein so lebhastes Interesse in ihm erweckte, erwiesen, und da es sich von selbst verstand, daß er als Doktor in dieRechte eines Hausarztes trat, so war ihmGelegenheit geboten, sich öfters auch uneingeladen nach dem Befinden derDamen erkundigen zu dürfen; heute Nachmittag jedoch erwartete man ihn, er hatte gestern im Vorbeigehen versprochen, ein paar Musikstücke seines berühmten Landsmannes Amerika Aelso zu bringen, da Romano die Entdeckung gemacht, daß Kamilla eine prachtvolle Altstimme besaß, und ihre ernsten deutschen Lieder mit meisterhafterFertigkeit aus dem Klavier zu begleiten verstand. Jetzt war es kurz vor seiner Ankunft, Frau Doktor saß strickend auf ihrem Platz am Fenster, während Kamilla vor dem Spiegel stand, und noch eine Nadel in das kunstvoll geordnete blonde Haar befestigte. Höre Kamilla, Du siehst entsetzlich

kahl und einfach in dem schlichten schwarzen Kleide aus, und die dunkle Tüllrüsche am Hals ist auch nicht mehr tadellos," ließ sich jetzt FrauDoktor vernehmen, nachdem sie das junge Mädchen eine Zeitlang prüfend gemustert. Schneide doch die beiden halberblühten Rosen dort vom Topfe und befestige sie auf der Schulter. Aber Mama, ich werde mich hüten und der armen Stanzi die Rosen abschneiden, welche sie mit soviel Sorgfalt pflegt; und wozu denn das?" fugte sie, sich abwendend, hinzu, um die Noten auf dem alten, ziemlich fragwürdigen Klavier zu ordnen, das sich m der möblirt gemietheten Wohnung vorgefunden. Wozu das?" wiederholte Frau Doktor Rombeck scharf. Als ob es Dir entgangen sein könnte, daß GrafMontsanto Absichten auf Dich hat! Mir ist das schon lange aufgefallen, obgleich Du es leider, wie mir scheint, nicht feyen willst und eigensinnig verschmähst. eme naluriiazen iaven iym gegenüber in das günstigste Licht zu stellen." Du irrst Dich, Mama, glaube nur nicht, daß Doktor Montsanto daran denkt; ein so vornehmer Mann und ich unbedeutendes Geschöpschen! Bewahre! Und offen gestanden, so hoch ich ihn auch schätze und verehre, aber zum Gatten möchte ich den Grafen Romano nun und nimmer nicht," erwiderte Kamilla erröthend; denn sie dachte heute weniger als je an Doktor Montsanto; r 1 f v 1 v iv oesano sicy vom aus lyrer ru 1 ein gestern von Egon eingetrofsenerBrief, der von zärtlichen Liebesversicherunaen strotzte und einen sehr abenteuerlichen Plan zum Vorschlag gebracht hatte: Kamilla sollte nämlich im Laufe des nächsten Jahres nach Bremen lom-. men, und dort bei Egons Tante, die ihn vergötterte, wohnen. Dann wollte er sich aller hartherzigen Onkel zum Trotz mit ihr trauen lassen, der unabänderlichen Thatsache gegenüber wurde der alte Brummbar zweifellos die Waffen strecken, wonach allgemeine Versobnuna die aluckllck vereintenLie benden au den Gipfel alles irdischen Glückes heben wurde. Natürlich stimmte Kamilla diesem romantischen Unternehmen bei, und sah die Reihenfolge der sich abspielenden großartigen Ereignine Rückreise nach Deutschland, heimliche Trauung, rührender Verzeibunasakt bereits im Geist an sich vorüberziehen. So, Du möchtest ihn nicht, und der Grund dafür?" bemerkt: dieMutter, indem sie die stechenden Augen ves schars geschnittenen gelblicren 0i sichte fragend auf Kamilla richtete. soll ich's sagen? Weil der Sausewind, der Herr Leichtfuß Dir im Kopse steckt. der schneidige Lieutenant, dem das Lebensideal nicht über die Schneid" hinausgeht, das einzigste, womit er sich brüsten kann! Und dagegen der Graf Montsanto! So was Nobles. Gehaltvolles, solch ein ernster Mann, der Dich auf Händen tragen würde, nach dem Tausende die Finger begierig strecken. sollte man es für möglich halten, daß Du imstande warst, ihn abzuweisen? Kamilla, ich bitte Dich, nimmVernunst an, bedenke was Dir geboten wird, daß Du mit dieser Heirath Deine ganze Familie, mich, Konstanze. Leopold herausreißen könntest, und die Bekannten in Bremen bei solchem uns widerfabrenen Glücke vor Neid bersten würden!" Kamilla. die jetzt am Fenster stand und ihre kleine, hübsch: Hand betrachtete. welche seit lenter Zeit die unvermeidlichen Spuren der groben Hausarbeit zu zeigen begann, schüttelte den Kopf, und in ihren Zügen ward ein schmerzlicher Ausdruck sichtbar. (Fortsetzung folgt.) Äamenloaik. . . . . Die Emma ist trostlos, daß sie es selbst mit anh'ören mutzte, wie Du, ryre veste frrnrn bin. Dick über ihre Berlobuna so aehässig aussprechen konntest. Wie ist so etwas nur möglich?!" Das hat sie sich nur selbst zuzuzschreiben. Wenn man sem Lov yoren wm, oarr man Nicht von rückwärts kommen!

Qpur.

. . Plötzlich sah ich ein Gesicht vor mir. Ein Gesicht na. fast war's mir. als ob es mir schon bekannt wär:. Aber wo hatt: ich es nur gesehen? Es lächelte etwas gezwungen und legte die Stirn in bedeutsame Falten. Gott im Himmel, der Mensch thut wirklich, als ob er denken wollte! Solcher Luxus, den leistete ich mir nur höchst selten. Als ob er diesen meinen geheimen Gedanken errathen hätte, verzog sich das Gesicht ironisch. Na. ich will mic doch ausbitten, daß Sie sich nicht über mich lustig machen! Diese energischen Worte verfehlten ihre Wirkunq nicht, auzenblicks wurde ferne Miene wieder ernster. Ich hatte nun Gelegenheit, die Gesichtszüge aufmerksamer zu studiren. Ein ziemlich großer Mund, beschältet von einem mäßig starken Schnurrbart, da drüber eine dito Nase, graue Augen hm, aus diesem durchaus. nicht hervorragenden Ensemble ließ sich keineswegs ein Schluß machen.wer und was der große Unbekannte eigentlich war! Und dabei starrte er mich fortwährend an, bald durchdringend, bald wieder gleichgiltig, als habe er noch nie einen Menschen gesehen. DaS war entschieden unhöflich. Herr. . . . begann ich, ärgerlich mit den Achseln zuckend, da der Mensch ahmte doch letzt wahrhaftig meine Mundbewegung beim Sprechen und das Achselzucken nach solche Drei stigkeit! Wollte er sich über mich lushg machen, mich provoziren? ES mußte so sein, denn als ich nun drohend die Augenbrauen zusammenkneife, lmltirt er mich abermals! Da5 war zuviel meine Gutmüthigkeit zu (5nde. ?Nein Herr, ich bitt: Sie drinaend. mich nicht noch länger so herausfordernd zu sixiren Er stellt sich bei meinen Worten in die gleiche Pose der Kerl mutz Schauspieler sein! thut so, alswoll: er auch loswettern, gerade wie ich; als ich aber nun Zweige, gibt auch er wieder seine dumme Afferei aus. Ni'M einmal, daß er ein Wort der Entschuldigung gesprochen. Habe ich es mit einem Stummen zu thun, oder einem Verrückten? Scharf nehme ich ihn auf's Korn verrückt?! Nun. dieser Frechling copirt mich schon wieder. . . . Wuthend hebe ich die Hand empor warte. Jungechen, Du sollst mich Nicht langer foppen! Naturlich um sich zu wehren, hebt auch er die Rechte ich schlage zu und treffe gerade aus seine Faust Donnerwetter, ehr Klirren wie von Glas, dann ein Scheröenfall Ich habe den funkelnagelneum Consolspiegel, den ich mir mit saurem Ersparnissen geleistet hatte und der in meiner Abwesenheit in die Wohnung geschafft worden war, in meiner, von einem fidelen Herrenabend kommenden fidelen Stimmung eingeschlagen! Tcr Dichter und die Fee. Ein Dichter lag auf dem Kranken bette. Seine Dichtungen, die Arbeit seines Lebens, hatten eben die Presse verlassen. Das Fieber hatte ihn mächtlg erfaßt und er zitterte am ganzen Körper heftig. Kein Mensch war in feiner Nahe, der ihm pflegend und trostend sein Leiden erleichtert hätte. Es war Nacht. Die Uhr schlug die zwölfte Stunde. Fieberhafte Träume rasten durch sein Hirn. Da mit einem Male stand eine lichtvoll glänzende Gestalt an seinem Bette. Es war eine nee. Du, armer Dichter", sprach sie, Niemand ist an Deinem Lager, der Dich tröstet: Du bist verlassen. Niemand nimmt sich Deiner an! Ich wurde gesendet aus dem machtigen und herrlichen' Feenreiche: Ich besitze die Macht, Dir einen Wunsch zu erfüllen! Nenne mir einen und er soll in Erfüllung gehen!" Ach", seufzte der Dichter, indem er freudig die Erscheinung betrachtete, ich habe nur einen einzigen Wunsch!" .Sprich!" erwiderte freundlich die Fee. Laß' mich so lange leben", sprach er mit zitternder Stimme, b:s meine Dichtungen die zweite Auflage erleben!" Die Fee schüttelte traurig ihr siolzeZ Haupt und sprach: Ich kann Dir alles erfüllen, nur ewig leben lassen kann ich Dich nicht!" In dem Momente war die Fee verschwunden. Die Uhr schlug Eins. Liebe und Treue. Du has rothes und blaues Briefpapier, Elli?" Ja, siehst Du; wenn ich an Hans schreibe, dann nehm' ich das rothe roth tst die Liebe, und an Emil schreib ich aus blaues Papier blau ist die Treue!" Das sicherste Zeichen. Dienstmädchen: Frau Müller, unserm Zimmerherrn, dem Studiosen Daumerl seine Stiesel liegen heute wieder kreuz und quer vor der Thür. Frau Müller: So, dann bringen Sie nur gleich einen marinirten Hering mit! Nicht sein Fehler. Mrs. Brown: Ich bin wahrhaft überrascht. Henry. Schämst Du Dich denn nicht, erst um diese Stunde in der Nacht heimzukommen?" Mr. Brown: Ist nicht mein Fehler. Wäre länger geblieben, aber der Barkeeper sagte, er müßte jetzt die Bude zumachen." Annonce. Drei gewöhnliche Tanten, werden gegen eine Erbtante einzutauschen gesucht. Zu erfragen Ui Pumpmayer, Student. D i e Rivalinnen. Carrier Jack ist sehr schweigsam." May: O,'ich finde, daß er ein, sehr amüsante: Plauderer ist." Carrie: Wirklich?" May: Er sagt: Ich liebe Dich!" mit so viel Feuer und Leiden schaft!