Indiana Tribüne, Volume 17, Number 324, Indianapolis, Marion County, 12 August 1894 — Page 6
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Vor Seist dcs Verbrechers.
AuZ dcrn Englischen von Fr. Hcrtwig. Ich bin dazu geneigt. Alles von der praktischen Seite aufzufassen, und diese Eigenschaft wurde durch den von mir erwählten Beruf nur noch mehr in mir entwickelt; ich war nämlich länger als zwanzig Jahre aktives Mitglied der Geheimpolizei. Einem Polizeibeamten, der so viel mit dem wirklichen Leben in Berührung kommt, bleibt keine Ze:t, abergläubischen: Ideen nichzud'ängm; trotzdem war ich jahrelang der festen Ueberzeugung, dab mir der Gast eines berüchtigten Verbrechers thatkräftige Hilfe zur Erlangung meiner Stellung geleistet hätte. Ich war damals dreiundzwanzig Jahre alt und sehr eifrig in Bezug auf zwei Dinge: erstens war es mir um baldige Beförderung zu thun, zweitens wünschte ich, mich zu verheirathen. Natürlich hatte ich mit der letzteren Angelegenheit noch größere Eile, denn meine Braut war eines der schönsten iinV liebenswürdigsten Mädchen der Stadt; aber ich setzte die Beförderung voran, da diese mir erst meine Heimath ermöglichte; deshalb widmete ich mich meinen Pflichten mit einem solchen Eiser, daß miint Vorgesetzteu auf mich Lufmerksam zu werden begannen und mir für die Zukunft eine gute Laufbahn vorhersagten. Eines Abends in der letzten Woche des September 1873 saß ich in meinem Zimmer und dachte darüber nach, was ich thun könnte, um meine Beförderung gu beschleunigen; ich ertappte mich bei dem heimlichen Wunsche, es möcht: sich irgend etwas Grauenvolles ereignen, wobei ich mir irgend ein Verdienst erKerben könnte. Als ich noch so in Gedanken verfunken dasaß, sagte plötzlich hinter mir Jemand: Guten Abend, Mr. Parfer!" Ich wandte mich schnell um. Es war fast dunkel im Zimmer, eine Lampe fcatk ich noch nicht angezündet. Trotzdem erkannte ich deutlich, daß ein Mann neben meiner Kommode auf einein Stuhle saß. Dieser Stuhl stand zwischen der Kommode und der 'Thür, der Fremde mußte also meine Zimmerkhür leise geöffnet und sich gesetzt haben, bevor er mich anredete. Guten Abend," erwiderte ich seine iöegrüßung ziemlich kühl, ich habe Sie gar nicht hereinkommen hören." Vci meinen Worten ließ der Jesucher ein leises verstohlenes Kichern höun. Das glaube ich," entgegnete er, Leute wi: ich verursachen nicht viel Geräusch." Ich sah ihn mir jetzt genaueren. Er war groß, stark und knochig, hatte ein plumpes Gesicht mit einer Stumpfnase und ein paar kleinen, schwarzen Augen, welche unter buschigen Brauen hervorblinzelten. Seiner Kleidung nach gehörte er den niederen Ständen an. Er trug einen 'Anzug aus grobem Wollenstoff; ein buntseidenes Halstuch umr,ab seinen Hals; in den Händen drehte er fortwährend eine Pelzmütze. Was wollenSie eigentlich von mir?" fragte ich ihn. Möchten Sie nicht gern bald bcfördert werden?" Gewiß, sobald als möglich!" Ntm, das freut mich," sagte er, nun hören Sie einmal zu. Wenn Sie meinem Winke folgen, wird man Sie wegen Ihres Spürsinnes loben." Nur heraus damit," rief ich, da ich ihn zu durchschauen glaubte. Ich nehme an, Sie wollen einen Ihrer Diebesgenossen verrathen und wollen eine Belohnung dafür haben?" Nein, darauf hab: ich es nicht abgesehen. Sagen Sie doch, haben Sie schon von dem leichtfüßigen Jim gehört?" Von dem leichtfüßigen Jim! Ich müßte ein erbärmlicher Polizist sein, wenn ich von diesem noch nicht gehört hätte. Er war einer der schlauesten und berüchtigtsten Verbrecher Englands. Vor langer Zeit von dem Nord-minster-Gericht des Einbruchs üb?rführt und zu zehn Jahren Zwangsarftit verurtheilt. hatte er zwei Jahre seiner Haft abgesessen, war dann aus Portland entsprungen und hatte sich bisher vor den Nachforschungen der Polizei schlau zu verbergen gewußt. Natürlich habe ich von dem leichtsüßigen Jim gehört," erwiderte ich, was wissen Sie von ihm?" Er ist in diesem Augenblicke in Westford und beabsichtigt, heute Nacht einen Diebstahl auszuführen, und zwar in dem Hause der Mrs. Singletoneiner alten Dame, welche in der Mapletonsiraße wohnt. Sie ist schrecklich reich und hat nur weibliche Dienstboten um sich. Sie besitzt sehr werthvolles Silbergeschirr; daraus hat Jim es abgesehen. Gegen ein Uhr Nachts wird er durch das Küchenfenster hineinsteiyen, durch die Wirthschaftsräume in das Eßzimmer schleichen und dort den Wandschrank zu öffnen versuchen. Das klingt ja Alles ganz schön", erwiderte ich. aber es kommt mir doch recht abenteuerlich vor. Sie müssen inir erst sagen, wer Sie sind, und wie Sie hinter die Schliche des leichtfüßigen Jim gekommen sind. Ich will es zu Protokoll nehmen." Ich wandte mich von ihm ab, um mein Schreibzeug zu holen; kaum eine halbe Minute hatte ich ihm den Rücken zugekehrt, aber als ich mich wieder herumdrehte, war er nicht mehr da! Die Thür war zu, und doch hatte ich sie weder öffnen noch schließen gehört. Blitzschnell stürmte ich hin und blickte das enge Treppenhaus hinunter; Niemand war zu sehen. Ich ging hinunter auf den Hausflur, wo meine Wirthin. Mrs. Marriner, mit einer Bekanten plaudernd vor der Hausthür stand. .Mrs. Marriner unterbrach idj ihre
Unterhaltung, welch: Richtung hat der Mann eingeichlagen, der soeben herunter kam?" Mrs. Marriner sah mich erstaunt an. Es ist kein Mensch heruntergekomm:n, wenigstens in den letzten drei Viertelstunden nicht." Ach, Unsinn!" unterbrach ich sie, jetzt eben ist ein Mann fortgegangen, den Sie vor ungefähr zwanzig Mmuten zu mir hinauf g:schick: haben müssen." Mrs. Marriner schüttelte den Kopf. Nehmen Sie es mir nicht übel. Mr. Parker," sagte sie schnippisch, entweder Sie haben zu tief ins Glas geguckt, oder Sie phantasiren." In der folgenden Nacht steckte ich einen Revolver zu mir und begab mich nach Mrs. Singletons Hause. Zufälliger Weise kannte ich die Haushälterin, eine Frau in mittleren Jahren, die sich nicht so leicht einschüchtern ließ. Sie willigte ein, mich in dem Eßzimmer zu verstecken. Dem Wandschrank, welcher das Silbergeschirr enthielt, gegenüber stand ein Speisespind, von hier aus konnte ich den ganzen Raum übersehen, den Dieb beobachten und ihn im gecigneten Augenblick packen. Bald nach Mitternacht, als Alles im Hause still war, ging ich in das Eßzimmer und schloß mich in das Speisespind ein. In der Thürfüllung desselben war eine breite Spalte, welche mir das Heraussehen ermöglichte. Gleich darauf hörte ich einen 'Ton, der mich zur Wachsamkeit mahnte. Es war ein leises Geräusch, wie es das Knarren eines Brettes oder das Oeffnen einer Thür verursacht. Natyenrigen Minuten trat ein Mann ein, welcher eine kleine Blendlaterne in der Hand hielt; kein Anderer war es als der leichtfüßige Jim. Mit Kaltblütigkeit ging er zu Werke. Zuerst schritt er zum Fenster und untersuchte es; dann prüfte er die Thür des Speisespindes, in welchem ich versteckt war, verschloß die Zimmerthür und wandte seine Aufmerksamkeit dem Wandschrank zu. Er stellte sein Licht auf einen Stuhl vor dem Thürschloß und zog die niedlichste Sammlung von Werkzeugen, die ich je gesehen habe, aus der Tasche. Mit diesen ging er leise und schnell zu Werke. Jim war etwas schwächlich gebaut und scheinbar von geringer Muskelkraft, während ich mich eines starkknochigen und sehnigen 5lörperbaues rühmen kann. 5iäme es zwischen uns zu einem Kampfe, so hatte ich ihn in rnei ner Gewalt. Ich hatte aber daö Gefühl, als müsse er irgendwo einen. Revolver stecken haben, den er als letztes Mittel brauchen würde. Mein Plan war daher, so lange zu warten, bis er sich über das Thürschloß gebeugt hätte. Der Augenblick kam bald. Jim war mit seinen Vorbereitungen fertig und begann seine Arbeit. Ich stürzte mich auf ihn, indem ich das Werkzeug seiner Hand etwand und ihn zu einem Knäuel umwarf. Er stieß einen Laut der Wuth und der Ueberraschung aus, als er hinfiel, und begann sogleich,- sich wie ein Aal unter mir zu winden. Während ich ihn mit einer Hand niederdrückte, versuchte ich mit der andern, die Handschellen herauszuziehen. Der Einbrecher benutzte diese Gelegenheit, um ein scharfes Messer herauszuziehen. Er hatte sich auf den Rücken gewälzt und hieb, bevor ich gewahr wurde, was er beabsichtigte, mit seiner dolchähnlichen Klinge auf mich ein. Ich wehrte den Angriff ab, dabei aber drang das Messer in meinen linken Arm. und ich fühlte einen warmen Blutstrom hervorquellen. Das machte mich wüthend; ich ergriff eins
der stählernen Werkzeuge und versetzte meinem 'Gegner damit einen so derben Hieb über die Schläfe, daß er wie todt hinfiel. Dann legte ich ihm eiligst die Handschellen an und fesselte auch seine Knöchel. Dann erhob ich mich und sah nach meinem Arm. Das Messer hatte eine klaffende Wunde gemacht, und das Blut floß im hörlich. Aber es war nicht gefährlich, und als die Haushälterin gerade jetzt eintrat, legte sie mir einen Verband an. Dann eilte ich auf die Straße und rief den Polizisten, welcher mir zuerst begegnete, um mit dessen Hilfe den Verbrecher nach dem Polizeiamt zu schaffen. Ich empfand ein Gefühl des Stolzes, als ich dem Polizeiinspektor Bericht erstattete. Wie, den leichtfüßigen Jim, Jakob Blander, hätten Sie eingefangen? Unsinn, Parker!" Ich führte ihn zu der Zelle, wo Jim sich unter Aufsicht des Arztes befand." Sie haben Recht," sagte er. erstaunt, nachdem er sich den Verwundeten genau angesehen hatte, er ist es wirklich. Das ist sehr günstig für Sie." Da ich durch den Blutverlust einigermaßen erschöpft war, begab ich mich nach Hause, um ein wenig zu schlafen. Der Arzt hatte meinen Arm untersucht und mir die Versicherung gegenben, daß die Wunde in kurzer Zeit geheilt sein würde. Als ich meine Wohnung betrat, sah ich denselben Fremden, de? m'ch schon am Abend besucht hatte, in meinem Lehnstuhl sitzen. Er erhob sich, als ich eintrat. Nun, Mr. Parker sagte er. hosfentlich haben Sie Jim dingfest gemacht?" Ich bejahte es. Ah." erwiderte er tief, aufathmend, das freut mich." Jetzt mußte ich doch dahinter kommen, wer der Mensch eigentlich war. Setzen Sie sich," sagte ich deshalb, ,ich möchte Sie einiges fragen." Ich zog meinen Ueberzieher aus und hängte ihn an die Wand. Nun sagen Sie mir", begann ich und wandte mich zu ihm, das Wort blieb mir im Halle
stecken, der Mann war verschwunden! Jetzt wurde es mir doch unheimlich zu Muthe. Ich lief eilig die Trepp: hinunter, fand jedoch die Hausthür v:rschlössen, wie ich sl wenige Minuten früher verlassen hatte. Ich kehrte in mein Zimmer zurück, keines klaren Gedankens fähig. Ich überlegte mir die Sache hin und her, ohne eine wahrfcheinlick;: Erklärung zu finden. Als ich am nächsten Morgen das Polizeibüreau betrat, wurde mir mitgetheilt, daß der Dieb mich zu sprechen wünsche. Ich begab mich in seine Zelle, wo er mit verbundenem Kopf lag. Wie die Untersuchung ergab, hatte ich ihn derb getroffen, und er mußte noch für einige Zeit das Bett hüten. Auf meine Frage, was er von mir wolle, antwortete er: Ich möchte wissen, wie Sie auf meine Spur gekommen sind. Ich könnte darauf schworen, daß keine Seele außer mir etwas von meinem Vorhaben wußte." Einer Ihre: Genossen gab mir die Anleitung dazu." erwiderte ich. Das ist unmöglich; ich habe keine Genossen, bei diesem Streiche wenigstens nicht." Ich beschrieb ihm den Fremden und fragte, ob er denn keinen Menschen kenne, der so aussähe. Während ich sprach, nahm Jims Gesicht einen Ausoruck des Schreckens an. Jede Spur von Farbe war daraus gewichen. Ja. gewiß weiß ich. wer das ist." sagte er. als ich geendet, das ist ja Barksea Bill, mit dem ich früher oft zusammen war. Aber Sie müssen seinen Geist gesehen haben, denn er selber ist vor drei Jahren gestorben." Durch diese übernatürliche Lösung der Sache war ich begreiflicherweise nicht wenig überrascht; ich dachte noch oft darüber nach, als Jim längst hinter den sicheren Mauern Portlands saß. Natürlich avancirte ich und heirathete auch bald. Zu unsrer Hochzeit erhielten wir von Mrs. Singleton ein ansehnlich Geschenk aus Dankbarkeit, daß ich sie vor einem bedeutenden VerIujt bewahrt hatte. Das Glück war mir günstig, und ich stieg von Stufe zu Stufe. Trotzdem mich meine Bekannten oft auslachten wegen meines Aberglaubens, war ich doch fest überzeugt, daß Sie meine erste Beförderung dem Geiste Barksea Bills verdankte. Genau fünf Jahre nach der Gefangennahme des leichtfüßigen Jim fuhr ich von Westford nach Sheffield; in Leeds mußte ich umsteigen. In dem Wagen, welchen ich bestieg, befand sich nur ein Reisender, welcher mir das Gesicht zuwandte. Obgleich der Mann bedeutend besser gekleidet war. erkannte ich doch sofort in ihm denjenigen wieder. der mir so sonderbare Besuche in meiner Wohnung abgestattet hatte. Ich glaube, der Fremde sah mir an, daß sein Anblick mich erschreckte. Guten Tag. Mr. Parker," sagte er lachend, wi: ich sehe, haben Sie mich sogleich wiedererkannt. Sie verdankn mir sehr viel; oder sind Sie nicht btx Meinung?" .Gewiß," erwiderte ich, ich habe das nicht vergessen. Denken Sie nur. ich habe Sie bis jetzt für einen Geist gehalten, die ganzen fünf Jahre hindurch. Nun müssen Sie mir aber sagen, wie Sie an jenem Abend in mein Zimmer und wieder heraus gekommen sind." Er brach in ein schallendes Gelächter aus. Also für einen Geist haben Sie mich gehalten? Nun, hoffentlich für einen guten. Uebrigens war das fe;n Kunststück, man muß nur eine Thür leise zu öffnen und zu schließen verstehen." Aber ich folgte Ihnen auf dem Fuße und sah Ihnen nach." Ich wohnte für einige Tage in demselben Haufe. Sie blickte.: die Treppe hinunter, während ich hinaufgegangen war. Sie hätten in die Dachstube kommen sollen, dort hätten Sie mich gefunden." Ich sagte ihm. was Jim in seine? Zelle über ihn erzählt hatte. JmsSchuld war es freilich nicht.daß ich nicht gestorben bin",erwiderte er, er versuchte es. mich zu ermorden, und ließ mich dann halbtodt liegen; da gelobte ich mir, wenn ich wieder gesund
wuroe, es ivm früher oder spaler heimzuzahlen. Ich hängte das unsaubere Gewerbe an den Nagel und widmete niich wieder rechtschaffen meinem früheren Handwerk, welches in Kanalisiren und Rohreausbessern bestand. Mit einer solchen Arbeit war ich in Westford in der Nähe von Mrs. Singletons Haus beschäftigt, als ich den leichtfüßigen Jim sah. Ich konnt? mir ungefähr denken, waZ er im Schilde führte. da ich von dem Silbergeschirr der alten Dame gehört hatte. Ich beobachtete ein oder zwei Nächte seine Vorbereitungen und wußte ungefähr, wie er zu Werke gehen würde. Dann, da Sie gerade Geheimpolizist waren und mir zunächst wohnten, so theilte ich es Jhnen mit. Das ist Alles." .Sie gaben mir die Zeit und die Einzelheiten so. genau an?" warf ich ein. Nun, darin hatte ich Erfahrung, ich habe manche Jahr in Portland zugebracht, das können Sie mir glauben. Aber daß Sie mich für einen Geist gehalten haben! Ha ha ha, Sie müssen damals doch noch ein recht unerfahrener Beamter gewejen )ctn. Vielleicht hatte er darw Recht. Etwas habe ich aber auf jeden Fall von dem leibhaftigen Barksea Bill gelernt, nämlich das, wenn man ein Haus durchsucht, man ebenso gut nach oben wie nach unten sehen muß. Kasernenhofblüthe. Feldwebel (zum Rekruten): Maier, Sie werfen ja JhreVcene herum, wie'n &nadmt leine BomHe."
?oi!cttc:l un5 Vörpcrljaltung. Kleide? machen Leute", heißt es zwar im Sprichworte, allein dies trifft nicht immer zu. Ohne eine elegante Haltung mackt auch eine auf das 5iostbarste gekleidete Dame keinen schönen Eindruck; die feine Toilette erinnert zu sehr an den .Garderbeständer. Daß gerade von den Amerikanerinnen in dieser Hinsicht viel gesündigt wird, wollen diese nicht gern zugestehen, allein es ist nichtsdestoweniger eine Thatsache. Eine Engländerin, welche unsern Eontinent bereiste, bemerkte jüngst, die Amerikanerinnen sähen aus. als wenn nur selten Wasser mit ihrem Gesicht in Berührung käme, und machten den Eindruck, als schöben sie den Unterleib vor sich her. Die erste Beschuldigung, welche wohl auf den übermäßigen Gebrauch von Schminke und Puder zurückzuführen sein mag, ist grundlos; anders verhält es sich mit der zweiten Behauptung. Wer in den gegenwärtigen Sommertagen, in denen einfache Kleider und Blusen vielfach getragen werden, in dieser Hinsicht Beobachtungen anstellt, wird sich von deren Wahrheit leicht überzeugen, denn die meisten Sommertoiletten haben keine vollen Draperien, welche häßliche Linien verhüllen. Die meisten Mädchen und Frauen haben einen hohlen Rücken. Ruht die Last des Körpers auf den Fersen, so wild das Rückgrat in widernatürlicherWeise gebogen, das Kinn tritt unter einem Winkel von 45 Grad hervor und die Körperpartien unterhalb der Taille
Unnatürliche Haltung. thun das Gleiche. Die vorstehende Illustration veranschaulicht eine solche widernatürliche Körperhaltung, welche nicht nur einen mehr als unschönen Eindruck macht, sondern auch geradezu gesundheitsschädlich ist. Vor allen Dingen ist es nothwendig, das Kinn empörzuhalten und die Last des Körpers mehr auf den Fußballen ruhen zu lassen; die ganze Haltung und Erscheinung des Körpers wird eine andere. bessere. Die Brust tritt hervor und der Unterleib verliert seine widerNormal. natürliche Prominenz; der Rücken kommt ganz von selbst in seine normale Lage. Vor einem hohen Spiegel kann eine jede Dame sich leicht von dem Zutreffenden der vorstehenden Aussührungen überzeugen. Die Sommersaison ha! ihren HöhePunkt erreicht und deshalb gibt es von dem Gebiete der Sommertoiletten eigentlich wenig Neues mehr zu berichten; das Neue ist eben mehr oder weniger eine Modifikation von Bekanntem. Da die herrschend: Mode mit den Aermeln einen ungewöhnlichen Luxus treibt.so dürfte es hier wohl am Platze sein, in Wort und Bild einen hocheleganten Aermel zu schildern. Dieser Aermel kann aus irgend einem weichen Stoff, wie Krepp, chinesische Seide u. s. w. hergestellt werden. Sein unterer Theil liegt dicht am Arme an; die Puffe wird an der Schulter voll aufgenommen und dicht gezogen. Der untere Theil der Puffe wird etwa vier Zoll vom Rande aufgenommen und an das Futter geheftet. Ein schmaler Sammetstreifen wird am Ellbogen um den Aermel befestigt und an der oberen Seite in eine Schleife gebunden. Am Handgelenk wird der Aermel mit Spitz: besetzt. K e u l e n ä r m e l. Als noch elegant gelten in dieser Saison die Surplicetaillen. welche als Modificationen der gleichnamigen Blusen angesehen werden können. Dieselben können mit Röcken von Moiree oder Crepe de Chine getragen werden. Vorstehend abgebildete Taille ist aus rosa Glace seide gefertigt. Die Seide ist über das Leibchen wie ein Halstuch gezogen und mit einer Schleife von schwarzem Sammet oder Tüll aufgenommen. Darunter erscheint ein Spitzenjäckchen. das über den Husten die Gestalt einer Schooßtaille hat. Die Taille kann in Gestalt eines lateinischen V tief ausgeschnitten werden: bei Ausgängen wird dann ein adiustirter Spitzenkragen darunter aeschoben Der Aermel reicht bis :um
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Ellenbogen, und wird dort in einer graciösen Seidenpuffe aufgenommen. Das breite Taillenband stimmt mit der Schleife in Material und Farbe überein.
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Surplicetaille. Was für hübsche Kleider aus billigem Gingham hergestellt werden können, zeigt die vorstehende Illustration. Der betreffende Gingham ist blaßgrün, mit Heliotroplinien und Mauvepunkten. Wo der elegante Doppelrock an den Seiten aufgenommen ist. tritt grünseidene Futterseide hervor. Die Taille ist mit einem Revers gefertigt, das in einem Stock"-Gürtel von grüGinghamkleid. ' nem Seidenmuslin ausläuft. Ein Jabot von Mullstickerei fällt vom Kragen herab und der Rand des Revers ist mit Spitzen besetzt. Der Aermel ist dreiviertel lang; in der Mitte befindet sich eine Rosette von mauve Sammet, und am Ende ein Sammetstreifen mit einer zweiten Rosette. Whalcback Tagamorc. Die epochemachende Erfindung de amerikanischen SchiffsbaumeistersMcDougall bricht sich langsam, aber sicher Bahn. Nach seinem Princip construirte Schiffe, welche in Folg: ihres gerundeten Verdecks Whalebacks (Walrücken) genannt werden, gibt es auf den großen Seen in großer Zahl, auf dem Ocean dagegen sind sie noch selten. Eines der stattlichsten Schiffe Whnleback Sagamore". dieser Art ist die in Sund:rland,England, gebaute, aber unter belgischer Flagge fahrende Sagamore". Der britische Handelsrath und Lloyds hatten anfänglich in die Seetüchtigkeit dieses Schiffes nicht das geringsteVertrauen, weshalb dasselbe von seinen Eigenthümern nach Antwerpen gesandt wurde und jetzt die belgische Flagge führt. Sagamore" ist für den atlantischen Küstenhandel bestimmt und traf jüngst mit einem vollen Cargo im Hafen von New Jork ein. Das Schiff hat, bei einer Länge von 320 und einer Breite von 38 Fuß. einen Tiefgang von 19 Fuß 6 Zoll und eine Tragfähigkeit von 4000 Tons. Es hat keinen Kiel, dagegen zwei flossenähnliche Vorrichtungen, die das Rollen verhindern, und einen doppelten Boden. Auf Deck befinden sich sieben Thürme, welche bei starken, über Deck sich ergießenden Seen, über Wasser bleiben und theilweise mit Ladcvorrichtungen versehen sind. Das Schiff hat trotz seiner bedeutenden Tragfähiqkeit nur eine Besatzung von 24 Mann und eine Fahrgeschwindigkeit von elf Knoten bei einem Kohlenderbrauch von 17 Tonnen pro Tag. Kindermund. (rrrh Tif H Mutter: Dorchen, sage mir einmal, wann tritt eine totale' Mondsinsierniß ei?" Dorchen: Wenn Papa seine Perrücke aufsetzt." Verkannte Bildung. Richter: Ihre Heimath?" Vagabund: Jeehrter Jerichtshof zu dienen. Bayern." Richter: Ihr Dialekt straft Sie aberLügen." Vagabund: Daran bin ick unschuldig wie en neujeborenes Kind. Wat kann ich dafür, dat ich so en jottvoll jewähltes Deutsch spreche !" Eingegangen. Dame: . .. Mein Vater hat sich nämlich, im Vertrauen gesagt, bei Ihrer Hausfrau über Sie erkundigt!" Herr (wüthend): Der dürfen Sie nichts glauben die alte Vettel lügt, so oft Sie den Mund ausmacht!" Dame: So. ich dank? sür diese Aufklärung sie hat Sie nämlich über alle Maßen gelobt!"
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Wenn weit hinten in Korea die Völler aufeinanderschlagen, dann machen es die weitab vom Schauplatz des Kampfes gelegenen Völker noch genau so, wie zu Faustens Zeiten, sie kannegießen und unterhalten sich über den Krieg. 5Iannegießern wir ein bischen mit. Was ist die Ursache dieses Krieges zwischen den Aankees des Ostens und den Schlitzaugen? Es ist, wie gewöhnlich bei Kriegen, eine höchst untergeordnete Sache. China besitzt seit Tausenden, von Jahren Hoheitsrechte auf dieHalbinsel Korea, deren LMillionen Menschen jedoch von einem eigenen Könige schlecht und recht regiert werden. Der Chinesenlaiser kümmert sich gar nicht um seine sogenannten koreanischen Unterthanen und es genügt ihm, daß der koreanische König ihn als seinen Schutzherrn anerkennt. Aber der Kaiser von China kann es doch nicht dulden, daß der Mikado von Japan immer mehr Einfluß in Korea gewinnt und Truppen dorthin schickt, König von Korea. unter dem Vorwande, japanesische Unterthanen zu schützen. Letztere sind allerdings sehr schutzbedürftig, denn in Korea wüthet seit Jahren ein Bürgerkrieg und die vielen dort wohnenden Japs" sind ziemlich schlimm dran. Es wird nämlich gar nicht darnach gefragt, nach Einnahme einer Stadt Seitens der koreanischen Insurgenten, ob man Japanese oder Koreaner ist, die Köpfe fliegen dann nur so von den Rümpfen hinunter und das ist bekanntlich eine recht gesundheitsgefährlich: Prozedur. Koreanische Krieger. Der Bürgerkrieg auf Korea ist entstanden in Folge der maßlosen Corruption der koreanischen Beamten. Von dieser süßen Gesellschaft könnten namlich die Tammanyten in New York noch verschiedene Pointers bekommen. Die koreanischen Beamten stehlen wie die Raben und das mit Steuern entsetzlich belastete Volk will sich das nicht länger gefallen lassen. Daher der Bürgerkrieg, daher die Einmischung des Mikado zum Schutz seiner auf Korea wohnenden Unterthanen, daher jahrelange Unterhandlungen zwischen Mikado und Chinesenkaiser wegen angeblicher Reformen in Korea und daher endlich der jetzt ausgebrvchene Krieg. Chinesischer Bogenschütze. Die Japs sind slinker, behender und in unserem Sinne des Wortes civilisirter, als die Chinesen. Sie haben eine verhältnißmäßig gute Flotte und da es für China ungemein umständlich ist. seine Legionen auf dem Landweg: nach Korea zu bringen, so sind die Cbinesen auf den Seeweg über das gelbe Meer angewiesen. Hier aber sucht die Flotte der Japaner die chinesischen Truppenschiffe abzufangen und sie hat schon eins derselben in den Grund gebohrt, wobei 2000 Zopfträger zu Grunde gegangen fein sollen. Sowohl Japan als China haben einige moderne Panzerschiffe, welche von der Gesellschaft Vulkan zu Stettin gebaut worden sind und auf welchen deutsche Ingenieure fungiren. Der Seekrieg mag immerhin dazu beitragen, um festzustellen, was mit dem modernen Panzer und den Torpedos erreicht werden kann. Beim Bürgerkriege in Chile kam es schon zu derartigen Duellen, beim letzten brasilianischen Kriege jedoch wurde eine solche Seeschlacht in Folge der Feigheit des Admirals Mello vermieden. Die Japaner haben in Deutschland moderne Schußwaffen gekauft und die Chinesen sollen 500.000 MannlicherGewehre, welche von der Lsterreicbischen Armee abgelegt wurden, für diesen Krieg erworben haben. Es fragt sich aber sehr, ob sie damit umzugehen ver-lteöen.
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China kann eine nach Millionen zählende Armee zur Schlachtbank führen. Das Gros dieser Armee besieht
aber heute noch aus Bogenschützen un Schwertträgern. Chinesische Tigergarde.' Am Schlimmsten sind bei diesem Kampfe die Koreaner dran. Auf ihrem Gebiet wird der Krieg ausgefochten, sie haben also den; größten? Schaden zu tragen mit der Gewißheit, vom Sieger verschluckt zu werden. Freilich, schlimmer als sie eS unter ihrem angestammten Könige und dessen Troß von Räuberhauptlcuten gehabt haben, kann es ihnen später kaum ergehen, selbst wenn sie sogar den Chinesenkaiser zum Herrn bekommen. Hoffen wir, daß im schlimmsten Falle das fortschrittliche Japan Sieger bleibt, aber hoffen wir noch mehr, daß es den europäischen Mächten, von denen Rußland undEngland stark interessirt sind, im Vündniß mit den Ver. Staaten gelingen mag, die feindlichenBrüder zu versöhnen und die furchtbaren Schrecken eines vielleicht Jahre lang dauernden Krieges abzuwenden. . Ein zukünftiger S ch w i e g ersöhn. &r MA .r-, i,-.. Sie sind also angestellt, Herr HilfsPrediger; ich gratulire herzlich. Thekla gib' doch Herrn Hilfsprediger die Cigarren! Darf man fragen, in welchem Orte Sie angestellt worden sind?" Hier am Orte, gnädige Frau!" Ach, das ist reizend, da müssen Sie uns recht oft besuchen! Ottilie biete doch dem Herrn Hilfsprediger einen Liqueur an! Sie trinken vielleicht auch eine Tasse Caffe, Herr Hilfsprediger? Nein, wie mich Ihr Besuch freut! " Zwei Gänse. Zwei Gänse standen am Fenster Und sehen hinab auf die Straß', Und jede hat den Zwicker. Den goldenen auf der Nas'. Und plötzlich brach die Eine Es war die Tochter vom Haus Und stets etwas hochgetragen In ein spöttisches Lachen aus. Was hast Du denn?" fragte die Andere. Ei! schau nur die Enten dort an. Wie häßlich sie wackeln und watscheln. Daß man's kaum mitanseh'n kann." Ganz richtig!" erwidert die And're, Wi: sehr sie sich wenden und dreh'n. So verstehen doch allein nur wirGänse Mit Anmuth einherzugeh'n." Unter uns Männern. Erster Ehekrüppel: Was halten Sie von der Geschichte, daß JonaZ drei Tage im Bauche eines .Walfisches gesteckt? Zweiter Ehekrüppel: Unter uns gesagt, ich hab' meiner Frau als Entschuldigung für langes Ausbleiben schon viel schlimmere Bären aufzebunden. Einfache L ö s u n c. Prinzipal: Es ist recht fatal, daß Sie mir Ihrem Offert so spät kommen! Nun habe ich bereits einer Dame den Posten versprochen!. . . Was thun?" BuchHalter: Sehr einfach! Ich Heirathe die Dame, und Sie engagircn mich! Zeitgemäß. In einem hochmodernen, pikanten Theaterstück hat im dritten Akt soeben eine GerichtsverHandlung begonnen als ein Herr im Parquet aufsteht und ruft: Ich be antrage Ausschluß der Oesfentlich keit!"' Der Lebensretter. A.: Wo gehen Sie denn so schnell hin? B.: Ich will rasch nach Hause, meinert Neufundländer holen, es ist eben Jz w.22d Z. Wassei aefallen!
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