Indiana Tribüne, Volume 17, Number 324, Indianapolis, Marion County, 12 August 1894 — Page 3

MWU m mm. SLoivw von 2J. ?:ic)cs-yrc.':?. (1. Fortsetzung.) 5?cold, welcher die ewigen Zankereien der Mutter heute besonders im erträglich fand, nahm seinen Hut und verabschiedete sich unter dem Vorwände, nach nner passenden Wohnung gehen zu muffen, da man unmöglich noch länger die Gastfreundschaft deZ Doktors Äontfanto annehmen könite. Weißt Du, Konstanze," sagte Kamilla am Abend des folgenden Tages, als sich die Schwestern allein in ihrem Zimmer befanden, das Leben mit Mama allein den ganzen Tag, wenn Ibr erst fort seid Du und Leopold , ertrage ich nicht, es macht mich verrückt! Auch widerstrebt es mir, da ich stark und gesund bin, mich gänzlich von Euch ernähren zu lassen." Constanze, welche beschäftigt war. die langen aschblonden flechten ihres schlicht über der weißen Stirn gescheileiten Haares zu lösen, sah nach diefen in entschloß enem Ton geäußerten Worten ein wenig erstaun! zu Kamil!a hinüber und fragte lächelnd: Aber Herz, wa5 willst Du denn anfangen? Es bleibt Dir doch nichts aneres übrig?" So? Das will ich einmal sehen!" meinte die jüngere, kampfesmuthig in die Aermel des weißen Nachthemdes fahrend. Wir sind hier nicht in Deutschland, so daß ich irgendwelche Rücksicht zu nehmen brauchte, die m'ch am Ergreifen einer Beschäftigung hin'derte: ich habe heute in den Straßen viele großartige Bazare gesehen, wo man Fächer, künstliche Blumen und hundert andere hübsche Sacken findet; dort werde ich Verkäuferin." Das würde ich nicht thun." erwiderte Konstanze sanft, indem sie lieb?voll die Wange der schöneren jungen Schwester küßte. Siehst Du, wenn ich verdiene, und mir wird es schon gelingen, einen Platz als Buchhalterin zu bekommen. Du weißt, ich bildete mich dazu aus, und Leopold ebenfalls krbeitet, dann haben wir genug, und Dir kann das drückend? Gefühl solcher abhängigen Dienstbarkeit erspart bleiben." Aber ich sehe gar nicht ein, warum mir das alles erspart bleiben soll." Und was würde Herr Egon von Saßwitz, der schneidige Lieutenant, sagen, wenn er zufällig erfabren sollte, daß seine angebetet: Kamilla hier als Verkäuferin in einem Blumengeschäft fungirt?" fragte Konstanze mit einem Versuch zu lächeln. Kamilla richtete sich im Bette auf und stützte den Kopf nachdenklich in die Hand. Du meinst, ihm würde das unange-

nehm sein." Aber selbstverständlich; Du kennst doch ebenfalls die Vorurtheile, welche qerade in jenen Kreisen am auffälligst.en hervortreten." Das ist. richtig, und die Schwierigleiten unserer Verbindung würden sich am Ende nach einem solchen Schritte meinerseits noch erheblich steigern." Konstanze schwieg eine Weile; dann setzte sie sich auf das Bett der Schwester und ließ die Rechte liebkosend über deren weiches, goldblondes Haar gleiUn. Sage mir, Kamilla, bist Du wirklich fest davon überzeugt, daß Egon Dir treu bleibt?" O. felsenfest." erwiderte das junge Mädchen, während ein Strahl derBegeisterung aus 'ihren Augen leuchtete, ..ich glaube an ihn. wie an mich selbst, und wie könnte das auch anders sein, da Egon mir unzählige Male gelobte, einzig und allein nur mir anzugehören! Nein, Stanzi, da gibt es auch nicht den geringsten Zweifel; und sollten noch zwanzig Jahre darüber vergeüen, wir bleiben einander treu bis zum Tode." Es trat eine neue Pause ein, Konstanze erhob sich; sie wollte das schöne Vertrauen Kamillas, der sie voll mütterlicher Liebe zugethan, nicht durch Worte des Zweifels beeinträchtigen, welcher sie, die Erfahrungsreichere, sich nicht zu erwehren vermochte; aber zu dem harten Kampfe ihres Lebens gesellte sich von dieser Stunde an auch noch die Furcht, daß der Schwester die bitterste Enttäuschung des hoffnungsfroben gläubigen Herzens nicht erlassen bleiben würde. Kamilla aber kehrte das Gesicht nach der Wand, um ungestört von dem fernen Geliebten zu träumen; es war die alte Geschichte; ein reicher, bärbeißiger und adelsstolzer Onkel, von dem Egon abhing, welcher die Verbindung seines ebenso flotten als schneidigen Neffen mit der Tochter der verarmten Familie Rombeck. obgleich sie bis dahin zu den qeachtetsten der Stadt gehört, nicht dulden wollte. So blieb denn nichts, als ergebungsvoll zu warten, bis die Gesinnung des alten Herrn sich andern oder der Tod ihn in die bessere Welt berufe, worüber angesichts seiner robusten Gesundheit immerhin noch zwanzig Jahre vergehen konnten. Die Olindastraße ist eine der schönsien der reichen Vorstadt, und ihre Villen ziehen sich weit am Strande um eine Seitenbucht der R.iooai entlang. Eines der unmuthigsten dieser ele ganten hellfarbigen Gebäude, inmitten eines großen, im englischen Stil gehaltenen Parkes, bewohnte derOberst a. D. Karl von Weddingen. Hier und onrt erqoben sich auf den sanft em Vorsteigenden sammt nen Rasenflächen (ruvven jer getippten stamme der Maffanill.ipalen mit ihren zierlichen Blatt?rw?d''-7 oser dunkellaubiqeMan cas, we tcr'.in vereinigte sich neben großblätterigen, üppig wuchernden

'Ca:-:.z die mißlich: MüHenpraHk bei arabischen Jasmin mit den purvu.'rothen Blumen der Hibiskusgebüsch?. und über den goldenenZinnen des Dauses erhoben sich stolz die lichten Kronen der feingliederigen Tamurindenbäume. Ein heiteres Bild des Reichthums, eine friedensvolle Statte desFrohsinns und irdischer Glückseligkeit, wo Kunst und Natur sich zum harmonischen Schaffen vereinigt. Oberst von Weddrngen war einst durch einen Jugendstreich, es handelte sich um die leichtsinnig für einenFreund geleistete Bürgschaft, veranlaßt worden. aus dem Offizierstand zu scheiden undBerlin zu verlassen, um nach Südamerika zu gehen; auf dem Todtenbette hatte der Vater dem einzigen Sohne verziehen, und das Erbe diesen in den Stand gesetzt, die herrliche PalmenVilla zu kaufen, wo er von seiner Pension und den Zinsen eins nicht unbeträchtlichen Vermögens in finanzieller Beziehung sorgenfrei lebte. Der Oberst, heute ein angehender Sechsziger und nur noch dasSchattenbild des einstigen stattlichen Dragoners. hatt: nicht geheiratet; während der ersten zehn Jahre verhindert: sein unstetes und etwas abenteuerliches Leben in der Weltstadt die Gelegenheit dazu, dann brach der Krieg herein, aus welchem er als Invalid: zurückkehrte, so daß nun vollends an eine Ehe nicht mehr zu denken war. Mit seiner Vorliebe für ein gemüthliches Heim gründete er sich jedoch eine behagliche Häuslichkeit, deren geschmackvoll eingerichtete aber einsame Näume er bald darauf plötzlich mit einem ganz kleinen, schwarzäugigen Mädchen belebte, welche er als Tochter zu sich nahm; man behauptete, die Mutter Danielas sei eine Deutsche und habe einst dem Herzen des Oberst sehr nahe gestanden, da er indessen den Fragen und neugierigen Bemerkungen der Bekannten ebenso standhaft wie beharrlich auswich, erkannten sie bald die Unmöglichkeit, etwas bestimmtes über die Herkunft der Kleinen und das wahre Verhältniß Weddingens zu ihr, zu erfahren, damit erlosch allmählich das Interesse und die Angelegenheit fiel der Vergessenheit anheim. Während der ersten Jahre war denn auch alles vorzüglich gegangen, der Oberst hatte die kleine Daniela lieb gewonnen, bis sie heranwuchs und er einsehen mußte, daß das zarte und träumerische Kind von nun an doch der Leitung einer verständigen weiblichen Hand bedürfe; in dieser Verlegenheit empfing er einen Brief von seiner in Berlin wohnenden Nichte Valeska von Hasselbach, welche ihm in den rührendsten Ausdrücken erzählte, daß sie unlängst glücklich von ihrem ebenso launenhasten als jähzornigen Manne geschieden sei, und es ihr außerordentlich

willkommen sein würde, mit ihrem zehnläbriqen Töchterchm Reqine vorläufig Aufnahme im Hause des Onkels zu finden, weil ihre Vermögensverhältmtie infolge der Scheidunasgeschicyte höchst mangelhafte geworden. Das kam ja wie gerufen! Etwas payenderes ließ sich nach des vertrauensseligen Oberst Meinung gar nicht finden. Valeska wurde zweisellos nicht allein seinem Pflegekinde eine geschickte Erzieherin, sondern auch ihm selbst eine angenehme Gesellschaft und dem Hause eine würdige Repräsentantin abgeben, und so schrieb er denn mit umgehender Post. Mutter und Tochter möchten so schnell wie möglich kommen, er würde, was in seinen Kräften stände thun, ihnen das eigene verlorene Heim zu ersetzen. Es war am Nachmittag; auf dem Park in seinem glänzenden und vielgestaltigen Blätterschmuck der Tropen lagen warm und goldig die Sonnenstrablen, als Daniela die wenigen Stufen hinabschritt, welche aus der von blühenden Ranken bewachsenen Veranda hinaus in's Freie führten; auf dem Kiesweg wartete der Oberst in seinem Fahrstuhl, den sie alsbald in Bewegung setzte; seine hohe Gestalt war auffallend abgemagert, das militärisch zugeschnitteneHaupt- und Barthaar fast weiß und in den geradlinigen ehrlichen Zügen lag der Ausdruck mißmuthiger Unzufriedenheit, den fortgesetzte körperliche Schmerzen bringen. Gehen wir in die Laube, oder soll ich Dich nach dem Pavillon fahren, Papa?" Kind, Du weißt doch, daß es in der Laube zieht, und mein Rheumatismus durchaus keinen Zugwind vertragen kann." Gewiß; ich dachte mir auch schon, daß Du den Pavillon vorziehen würdest und trug Valentins auf. uns den Kaffee dorthin zu tragen. Und später darf ich Dir wohl vorlesen, nicht wahr? Ich denke mir. Du bist recht gespannt auf die Fortsetzung unsererGeschichte," fügte sie in ihrer sanften Weise mit 'einem schüchternen, liebevollen Blick auf den alten Herrn, hinzu. Oberst von Weddingen nickte zustimmend, er wollte ein freundliches Wort entgegnen, unterdrückte es jedoch; in seinem Innern hatte nach und nach ein Gefühl des Unmuths Wurzel gefaßt, erweckt und sorgfältig genährt durch das seit Jahren ihm täglich tropfenweise von Valeska eingeflößte Gift des Mißtrauens gegen Daniela, die heimlich von ihr der Berechnung und Verstellung beschuldigt wurde; und in der hoffnungslosen Gewißheit, wie vergeblich es sein würde, gegen die herrschsüchtige Frau von Hasselbach zu kämpfen, den Vater anders zu stimmen oder sich zu vertheidigen, hatte sie allmählich gelernt, ihr Los schweigend zu ertragen. Sie hatten bald den kleinen, auf einer Anhohe gelegenen Pavillon erreicht, dessen buntfarbige Fenster einen weiten Ausblick auf das Meer und den belebten Strand gewahrten; der Diei ner brachte das Kaffeegeschirr, Daniela

füllte die Tasse des Krankc-n, versah sie mit Rahm und Zucker und stellte si: vor ihn hin; das alles geschah so geräuschlos und mit so anmuthigen Bewegungen, daß, während er das junge Mädchen betrachtete, unwillkürlich in seinen falkenscharfen Augen ein warmer Blick des alten Wohlwollens sichtbar wurde. Daniela verhielt sich einsilbig; sie erschien gedrückt und niedergeschlagen im Bewußtsein der falschen Stellung, die Valeska dem ihr so unliebsamen Schützling des Onkels nur allzu geschickt anzuweisen gewußt. Dann begann sie zu lesen, während der Oberst seine lange Pfeife anzündete; es war eine friedensvolleStunde, welche die beiden in dem stillen, von den Nachmittagssonnenstrahlen durchglühten Park verlebten; das Lied der fremdartigen Vogelstimmen drang zu ihnen, an den rothen Blüthendolden der zum Fenster hereinwachsendenRanken naschten unter lautem Surren buntschillernde Kolibris und vomUfer her klang dumpf das gewaltige Rollen der Ozeanwogen über den Strand. Da wurde die eisern-:Gitterthür zum Park geöffnet, ein Mann in, Uniform kam näher und lieferte eine Depesche für den Hausherrn ab. Von Valeska," bemerkte Daniela, die sie auf seinen Wink geöffnet hafte, und las: Regina wieder wohl, ich komme mit dem Achtuhrzug, bitte den Wagen zum Bahnhof zu senden. Valeska." Na, dachte ich mir schon, daß es mit der 5Zrankheit des kerngesunden Mädels da in der Pension nicht weit her sei," äußerte derOberst paffend. Valeska ist eben allzu besorgt. Machst ja ein recht finsteres Gesicht, Kleine, paßt Dir wohl nicht, daß sie früher zurückkommt, als wir dachten, hem?" Daniela richtete den düsteren Blick prüfend auf das Gesicht des PflegeVaters, als suche sie in den Tiefen seiner Seele zu lesen; die in ung:wöbalich gütigem Ton gesprochene Frag: überraschte sie, und ließ im Fluge alle jene stürmischen Empfindungen gegen Valeska, die so lange energisch unterdrückt worden, von neuem lebhafter erwachen. Nein. Papa, laß mich offen sein, ich freue mich nicht; es war so schön und friedlich mit Dir allein." Und sich ein Herz fassend, setzte sie hinzu: Ich wollte, es wäre so geblieben." Aber sie meint es doch sehr gut mit Dir," entgegncte er, die grauenBrauen runzelnd. Thust Tu ihr nicht unrecht, mit Deiner Abneigung?" Nein, Papa, ich bin sicher, ihr nicht unrecht zu thun," antwortete Daniela bewegt. Siehst Du," fuhr sie tiefaufathmend fort, während das Buch in ihrem Schooße ruhte, das quälende Bewußtsein verläßt mich nicht. Valeska ein Dorn im Auge zu sein, ein überflüssiges Geschöpf, das sie am liebsten ganz aus Deinem Herzen verdrängen möchte, und so ist es gewesen von Anfang an bis heute." Aber Kind," äußert: der Oberst vetroffen von dem unerwartet leidenschaftlichen Gefühlsausbruch desMädchens, ich glaube fest, das beruht auf Einbildung; sehe ich sie nicht immer freundlich zu Dir. werden nicht so gut es geht, alle Deine Wünsche berllcksichtigt? Mir scheini. Du bist in dieser Hinsicht Valeska nicht so dankbar, wie Du sein solltest." Dankbar," o wie Daniela dasWort verabscheute! Nicht aus dem Munde des alten Herrn, der es fast nie gebrauchte, aber Frau von Hasselbachs wegen, welche es bei jeder Gelegenheit benutzte und keinen Tag vorübergehen ließ, ohne ihr die Abhängigkeit und Aussichtslosigkeit ihrer Zukunft vorzuhalten; eine an Haß grenzende Abneigung hatt: sie endlich ergriffen gegen diese Frau, die so schlangenklug die Rolle vor dem Onkel spielte, der solchen Frauenherzen gegenüber harmlos und unerfahren wie ein Kind, nicht das fein angelegte Ränkespiel mit seinen tausend kleinen Nadelstichen, die Daniela das Leben bis zur Unerträglichkeit verbitterten, zu durchschauen "vermochte. Ich bin nicht undankbar, Papa, glaube nur das nicht; gelänge es mir doch, Worte zu finden, welche Dich davon überzeugen würden. Valeska nennt mich so vor Dir und ich weiß auch, daß sie mir Absichten zuschreibt, an die ich nie im entferntesten gedacht habe, Absichten, die so häßlich, ja, so haarsträubend sind, daß " Daniela brach ab; für den Niesenkmpf der Gefühle, die sich seit Iahren in ihrer Seele aufgestaut und festgesetzt hatten, fehlten ihr in diesem bedeutungsvollenMoment die passenden Worte; sie empfand die hilflose UnMöglichkeit, sie vor dem Oberst glaubhaft zu machen, der sie nicht begreifen würde und in ihren Auslassungen, mißtrauisch wie er gegen Daniela geworden, möglicherweise gar eine bös-

willige Verdächtigung der abwesenden Nichte erblicken konnte. Was redest Du da von haarsträubenden Absichten, Kind, ich verstehe Dich nicht?" bemerkte er scharf, die Brauen noch finsterer zusammenzie hend. Wenn Ihr Frauen Euch zanken wollt, so thut das unter Euch, mich aber laßt mit solchen Geschichten in Rule, die mir meine wenigen schmerzinsfreien Augenblicke nur vergällen. Daniela sah ein, wie thöricht und unvorsichtig sie gehandelt, sich so hin reißen zu lassen; denn anstatt zu gewinnen, hatte sie sich nur von neuem vor dem Vater herabgesetzt; Valeska von Hasselbach blieb nach wie vor eine siegreiche Gegnerin, der gegenüber ihre schwachen Waffen sich als völlig wir kungslos erwiesen und nach wie vor nichts weiteres übrig blieb, als ergebungsvoll das hinzunehmen, was die weltgewandte Frau und Herrin des 'Hauses für sie, den lästigen Elndrrng !ling, bestimmte. Sn diesem Moment wurden zur Er

leichterung Danielas auf dem Kiesweg leichte, bekannte Schritte hörbar, und

gleich darauf zog über das eben noch finstere Antlitz Herrn von Weddingen ein bewillkommendes Lächeln heller Freude, als am Eingang des offenstehendcn Pavillons Doktor Romans Montsanto erschien. Gegen Fernstehende nicht ohneSteifbeit, kam der junge Arzt selbst im erkehr mit nahestehenden Freunden nicht über eine gewisse Zurückhaltung hinaus, die jedoch -seiner vertrauengewinnenden Liebenswürdigkeit keinen Abbruch that; denn das schmale, nachdenklicke Anilin mit seinem berabbängenden schwarzen Schnurrbart wurde I von emem Paar Augen belebt, denen ein eigenthümlicher Reiz innewohnte, eine fesselnde Macht; und im Gesprach flammten sie oft rn edlemFeuer der Begeisterung auf, das die gelassene vornehme Ruhe ihres Besitzers Lügen strafte und ihn verschönte. Romano Montsanto war im Hause des Oberst ein gerngesehener Gast; der alte Graf, welcher seiner Zeit in demselben Regiment mit Weddmgen gedient, war während der Schlacht bei Asungscon von einer feindlichen Kugel in die Brust getroffen gefallen, und sterbend hatte der brave General den Kameraden gebeten, sich seines jungen Sohnes nach Kräften anzunehmen, eine Aufgabe, welche Karl vonWeddingen getreulich erfüllte, indem er nicht nur das bedeutende Vermögen des elternlosen Knaben mit seltener Gewissenhaftigkeit als Vormund verwaltete, sondern ihm auch in seinem eigenen Hause eine Heimath gewährt hatte. wo er die Fenen der Schulzeit und später der Universitätsjahre verlebte. Sieh va, Romano," begrüßte ihn der Oberst, die Rechte ausstreckend. das nenn ich einen gescheldtenElnsall, auch einmal unerwartet den alten kranken Onkel aufzusuchen! Bist, in der That ein echter und rechter Arzt, mem guter Junge, wenn man Dich nur sieht und in derNähe hat, so glaubt man schon, es gehe einem besser." Das kommt daher," entgegneteNomano, Daniela ebenfalls die Hand zum Gruße reichend, weil die Eigenschaften und Stimmungen des Menschen fast immer ansteckender Natur sind; der Arzt vor allem soll deshalb sein eigenes Mißgeschick und seine Schicksalswiderwärtigkeiten zu Hause lassen und vor dem Patienten nur eine harmonische Heiterkeit zur Schau tragen! Wir sollen unsere Gesundheit und Kraft den Schwächeren bringen, dadurch sind wir ihnen nützlich und werden sie erheben; denn nur Leben erweckt Hoffnung und Leben. Das, was wir andern schulden, ist nicht unser Hunger uild Durst, sondern unser Brot und unser Vorrath; darum ist auch der Beruf des Arztes für denjenigen, der ihn in seiner ganzen weitgehenden Verantwortlichkeit erfaßt, mehr eine Mission, die ihren wohlthätigen Einfluß nicht allein auf den Körper, sondern auch auf die Seele, die eins mit jenem ist, erstrecken soll. Doch was ich sagen wollte, Onkel, wie bekommen Dir die neuen Kräuterbäder?" Vorzüglich, mein Junge; die Schmerzen haben zum wenigsten in der Nacht etwas nachgelassen und ich fühle mich im Allgemeinen ein wenig wohler, nur mit dem Gehen will es noch gar nicht werden." Geduld; befolge genau meine Vorschriften und ich wette, Onkel Karl, Du marschirst nach einigen Monaten so vergnügt im Park umher, als hätte es niemals feindliche Kugeln gegeben. Nur durchaus mit Dona ValeskasVerweichlichungSsystem brechen, dem müssen wir von jetzt ab entschieden Front machen." Hier wurde ein Ausruf freudiger Ueberraschung von feiten Danielas vernehmbar, der Nachmittag brachte einen zweiten willkommenen Besuch, Konstanze und Kamilla in Begleitung Leopold, näherten sich; dieser hatte heute seinen letzten freien Tag. da er so glücklich gewesen, unerwartet schnell eine einigermaßen passende Stellung zu finden, am selben Tage, da es ihm gelungen war ein kleines bescheiden möblirtes Haus zu billigem Preise in der Vorstadt Rio Comprido zu miethen. welches die Damen seit einer halben Woche bewohnten. Oberst von Weddingen begrüßte die jungen Leute mit der ritterlichen Liebenswürdigkeit, welche ihm besonders Damen gegenüber eigen, und auch Romano fühlte sich sehr angenehm von dem Zusammentreffen berührt, um so mehr, da er für Konstanze eine gute Nachricht hatte; es war seinen eifrigen Nachforschungen gelungen, auch für sie einen Platz als Buchhalterin in einem Weißwaarengeschäft ausfindig zu machen, und er sprach mit ihr darüber. Ich bin Ihnen von Herzen dankbar. Doktor Montsanto! Sie ahnen nicht, was für eine schwere Sorge dadurch von mir genommen ist; ich wede mich wohl bemühen, Ihrer Empfehlung Ehre zu bereiten." Davon bin ich fest überzeugt, Dona Konstanze." bemerkte er theilnahmsvoll, nur befürchte ich, daß es einer jungen Dame Ihres Standes und Jhrer Bildung unmöglich sein wird, dem Joch: solcher dauernden und anstrengenden Arbeit stand zu halten." O," meinte sie lächelnd, wir deutschen Mädchen sind nicht so zart geartet, um nickt das vollgemessene Maß der Tagesarbeit standhaft bewältigen zu können, und dann ist auch das ernste Pflichtgefühl noch da, welches uns Mühe und Schwierigkeiten leicht überwinden laßt. Romano Montsanto nickte; sie war ihm ungemein sympathisch, diese schlanke, blasse De ''che mit dem müden, herzgewinnenden Lächeln um die einen Lippen und der wohlthuend ar yrh1nnn TOiifv ?rSr2 rt,ninK!Tl3 I wie ein LandschaMild mit klaren 1 1 W I ViiVll vvuw l V tf Hov ,w v

Seen und unbewegtem Wald, aber desser noch gefiel ihm Kamilla. Sie erweckre die Bewunderung seiner künstlerisch beanlagten Natur, und in ihrer goldblonden, rosigfrischen Erscheinung lag etwas Sinnbestrickendes, das ihn halb gegen seinen Willen gewaltsam anzog; wahrend der Oberst sich mit Leopold unterhielt, Konstanze aber von der sie verehrenden Daniela in Anspruch genommen wurde, traf es sich, daß er eine Strecke mit Kamilla den Parkweg entlang schritt, da sie eine Gruvve seltsam auffallender Gewächse in der Nähe zu sehen wünschte. Sie hatten bald den Platz erreicht, und staunend blieb Kamilla stehen; denn was ihre Aufmerkscvnkeit erregt, erwies

sich als eme merkwürdige Kakteenart, aus deren weitumfassenden stacheligen Brntterschooß sich auf manneshohem Schafte fächerartig' ein wunderbar reicher rother Blumenflor erhob, der in den Vtzten Strahlen der sinkenden Sonne purpurfarben leuchtete. Wie köstlich ist doch hier die Natur, etn?as Großartigeres habe ich noch nie gesehen," bemerkte sie. von freudiger Bewunderung durchglüht. Und doch," cntgegnete Romano, dessen Augen auf ihr ruhten, gewann diese glanzvolle Gotteswelt um uns berum erst die Bollendung, namdn Sie mit Ihrer Schönheit darin erschienen waren, Dona Kamilla. Die Artigkeit hatte zu aufrichtig geklunqen, um Mißfallen zu erregen. dennoch glaubte Kamilla sie um Egons willen zurückweisen zu müen. Schmeicheleien sind mir verhaßt, Doktor Montsanto, ich glaube nicht daran," äußerte sie kühl. Sie können beruhig: sein, in diesem Falle sind sie nur allzu aufrichtig gemeint; oder wurden Sie es mir etwa nicht glauben, wenn ich Ihnen erzählte, von Ihrer Häßlichkeit entsetzt zu sein? fugte er lächelnd hinzu. Jetzt mußte Kamilla ebenfalls lachen, ein liebes, herzliches Lachen, das ihn entzückte. Sie sprechen überdies alsKunstler, fuhr sie dann von neuem ernsthaft fort. Dona Angela hat mir wahrend unseres Aufenthalts bei Ihnen verrathen, daß Sie m Ihren Mußestunden die Kunst der Malerei treiben; Künstler aber glauben nur allzu oft die Pbantasiegestalten ihrer goldenen Traume verwirklicht zu sehen, um bald genug ernüchtert, ihren Irrthum zu erkennen." Sind Sie dessen so aewiß, Dona Kamilla? In diesem Falle irren Sie sich doch; freilich, die meisten Menschen sind so arm, daß si: nichts geben, wenn sie sich selber bringen, aber es gibt andere, deren Nähe ein erquickendesGeschenk, deren Dasein an und für sich schon eine Gottesgabe ist, die jedem das Leben erhellt, der sie schauen darf. und zu diesen Auserwählten gehören Sie." Keine Schmeicheleien mehr, Doktor Montsanto, sonst bin ich gezwungen, Ihnen meine Freundschaft zu entziehen, ein Verlust, der mich selbst allerdings in erner Linie schädigend treffen würde," drohte Kamilla in halbem Scherz und doch bestimmt. Gut, ich gelobe mich zu bessern und werde Ihnen keinen ferneren Anlaß zur Klage geben; Sie sprachen von Freundschaft. Dona Kamilla. ich wollte nur, es wäre mir besser vergönnt, sie Ihnen und den Ihren erweisen zu dürfen, doch man gestattet mir nicht das Geringste zu thun; Sie sind hier fremd, in ungewohnten VerHältnissen, ich möchte noch einmal heut: herzlich bitten, sich doch vertrauensvoll an mich zu wenden, sobald meine Dienste sich Ihnen auf irgend eine Art von Nutzen erweisen konnten. Kamilla verbeugt sich dankend, doch förmlich, auch dieser warmen Versicherung Romanos gegenüber glaubte sie, sich ablehnend verhalten zu mussen; denn so unerschütterlich lebte in ihr das Gefühl der Treue gegen Egon von Saßnitz, daß sie instinktiv jede noch so harmlose Annäherung des Grafen von Montsanto als jenem unangenehm abwehren zu müssen glaubte. Die Geschwister hatten sich kaum eine halbe Stunde später entfernt, und auch Romano stand eben in Begriff, sich zu verabschieden, als eine Droschke vor dem Portal des Parkes hielt; der Kutscher sprang vom Bock, riß den Wagenschlag auf und heraus stieg die hohe und imposante Gestalt eine? Dame zu Ausganz der Dreißiger, in elegantem hellgrauen Reiseanzug, der stramm die üppigen Formen umschloß, über den röthlich-blonden Stirnlöckchen ein kokettes Kaxottehütchen von perlfarbener Seide. Da kommt ja Donna Valeska," bemerkte Romano gleichmüthig; Daniela war bei dem Anblick der gewaltigen Erscheinung erblaßt, und rückte unwillkürlich dem Oberst näher, der etwas beunruhigt, als ob nicht alles in Ordnung wäre, umher sah. Wir sollten doch den Wagen schicken, Daniela?" Um acht erst. Papa, und jetzt ist es kaum sieben; Valeska wird sich anders entschlossen haben und mit dem Personenzuz von Santo Amaro gefahren sein." Das leuchtete dem alten Herrn ein, beruhigt lehnte er sich in seinen Stuhl zurück. Romano war unterdessen der Ankommenden entgegen gegangen, nahm ihr das Reisetäschchen ab und küßte galant die mit königlicher Geberde dargereicht: sein behandschuhte Rechte, während um die vollen Lippen des platten, von Gesundheit strahlenden Gesichtes, dessen breite Backenknochen in ein allzu kurzes, spitzes .Kinn verliefen, ein sinnlich ausdrucksvrllesLächeln spielte. Wie reizend, Graf Romano. Sie hier anzutreffen, da kann ich Jb icn ja

gleich die herzlichen Grüße unserer diegine bestellen! Onkel Karl hat gewiß schon erzählt, daß ich gestern früh von Madame Renard die Nachricht erhielt. Negine habe Fieber und befände sich gar nicht wohl, aber Gott sei dank, ich konnte sie heute schon wieder ziemlich hergestellt, verlassen. Nun, noch ein paar Monate, und wir haben den k!5inen Wildfang für immer hier, das Pensionsjahr ist zu Ende. Wir freuen uns beide unendlich darauf! Aber fast bin ich diesmal eifersüchtig geworden, so dringend trug sie mir stets von neuem auf, doch ja nicht die Grüße an ihren lieben Romano zu vergessen." Diese laut, mit tiefem Kontraalt gesprochenenWorte drangen deutlich vom Parke bis zum Pavillon, auf dessen Treppe jetzt Daniela erschienen war; Frau von Hasselbach, welche die Entgegnung Romanos nicht abwartete, wodurch ihr ein leises, kaum bemerkbar spöttisches Zucken seiner Lippen entging, wandte sich Daniela zu, die ihr die Hand zum Gruße reichte. Doch nur flüchtig, als ob sie etwas Unverweibliches zu berühren habe, streifte ihre Hand die zarten Finger des jungen Mädchens, und mit einem beleidigenden Uebersehen, das jedoch nur Daniela fühlte, schritt Valeska an ihr vorüber und betrat den Pavillon, um sofort ihre ganze geräuschvolle Aufmerksamkeit dem Oberst zuzuwenden. Guten Abend, Onkelchen! Nun, wie geht es uns? Ein bischen Heimweh nach mir gehabt? Mir war die kleine Reise ja auch fatal, aber ich mußte unserer lieben Regine doch das Opfer bringen, obgleich es mir recht schwer wurde, mich von Euch, Ihr Lieben, Guten, zu trennen! Erwartetest mich wohl nicht so früh, wie Onkelchen? Ja, ja, ich liebe solch: kleine Ueberraschungen." Allerdings nicht, Valeska, die Depesche " Weiter kam der Oberst nicht, da Frau v. Hasselbach ihm auf jede seiner weißbärtigen Wangen ein paar schallende Küsse zur Feier des glücklichen Wiedersehens drückte. Ich hatte mich nämlich versehen, die Züge sind vor kurzem geändert worden," erklärte sie dann, sich von den engenHandschuhen befreiend, hielt aber plötzlich inne und sah umher, wobei es über ihr Gesicht wie ein Erschrecken zog, bis die runden wasserblauen Augen mit dem Ausdruck vorwurfsvollen Entsetzens auf Daniela haften blieben.

Aber liebstes Kind, ich bitte Dich um alles in der Welt, wie konntest Du es dulden, daß der arme Onkel hier im Zugwind sitzt, ohne seinen warmen Mantel, sogar ohne Decke, um diese Zeit, wo der Thau zu fallen beginnt, der Gift ist für seine rheumatischen Schmerzen! Da mußtest Du doch wirklich, zumal ich fort war, bemüht sein, es ihm nicht an der allernothwendigsten Sorgfalt sehlen zu lassen!" Ich bin nicht schuld daran, Valeska, Papa wollte durchaus nicht....." Ach was," unterbrach sie Frau von Hasselbach im Tone höchster moralischer Entrüstung, Du weißt genau, daß Kranke in dem Punkt was ihnen gut thut nicht immer ihren Willen durchsetzen dürfen. Mir wäre es freilich ganz unmöglich, Onkels Wohlbefinden auch nur eine Sekunde außer acht zu 'lassen, aber unsere heutigeJugend ist zu gedankenlos, zu selbstsüchtig! Nun, zum Glücke bin ich wieder da und kann Onkels Pflege von neuem allein übernehmen, da niemand imstande ist, es mir darin recht zu machen." Du irrst Dich diesmal, Valeska, Daniela trägt keine Schuld, ich selbst spürte heute nicht das Bedürfniß, mich so warm einzuhüllen," bemerkte Oberst von Weddingen. Und ganz mit Recht nicht," warf hr Romano ein; ich bin entschieden gegen das Verweichlichungssystem, undmöchte mit der Autorität des Arztes fortan alle überflüssigen Decken und Mäntel ein für allemal verbannt seben; Onkel Karl ist abgesehen von seinem Rheumatismus, kerneswegs eigentlich krank, sondern nur in hohem Grade kraftlos, ein Zustand, der allmählich einer zweckentsprechenden VeHandlung weichen wird." In Valeska kochte es; sie sah bereits die Macht, die sie durch eine scheinbar selbstlose und hingebende Pflege über den alten Herrn gewonnen und die ihn immer abhängiger von ihr werden ließ, ihren Händen entschlüpfen. Doch galt es nebenbei den Grafen Romano, in welchem sie das Ideal eines zukünftigen Schwiegersohnes erblickte und den sie beimlich zum Gatten der siebenzehnjähriaen Regine bestimmt hatte, nicht allzu schroff entgegenzutreten. Der Autorität des Arztes müssen wir uns allerdings fügen," erwiderte sie mit süßsaurem Lächeln, doch wage ich zu bezweifeln, daß sie die liebevolle Fürsorge und Mühe, wie ich sie Onkel Karl gewidmet, zu ersetzen imstande. Hoffentlich bringt die neue Methode, für die ich Si: verantwortlich machen Graf Montsanto, den Erfolg herbei, wie ich ihn durch meine Behandlung demnach vergebens erstrebt haben soll." Romano verbeugte sich leicht. Ich übernehme die Verantwortung und stehe für den Erfolg." entgcgnete er festen Tsnes. Was die Verweichlichung verdarb, wird eine vernünftige und zweckentsprechende Abhärtung voraussichtlrch in einigen Monaten verwischt haben." Frau von Hasselbach sah betroffen zu dein jungen Arzt hinüber, der mit einemmale so kühn und energisch gegen sie aufzutreten wagte; sollte er sie und ihre verborgenen Pläne durchschaut haben? Nein, das war unmöglich; ein zweiter Blick, den sie auf Romanos gleichmüthige Züge warf, während er neben dem Sessel des Obersten stand, beruhigten sie vollständig. (Fortsetzung folgt.)

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Es ist jedenfalls sehr erklärlich, daß man die Erfindung des Regenschirms in die durch ihre Schnürlregen" bcrühmte Stadt Salzburg verlegt. Beim Osterfeste des Jahres 803 wurden nämlich die hohen Herrschaften, darunter auch der bei seinem Freunde Bischof Arno weilende Kaiser Karl der Große, beim feierlichen Umzüge im Dome vom Regen überrascht. Gar bänglich," heißt es in der Chronik, sahen die Ritter und Höflinge aus dem Vordache zum bleigrauen Himmel empor, sich für seine Kleider und blanken Waffen sorgend. Da nahten auf den Wink des Bischofs einige Diene? mit sonderbaren mit Leinwand überzogenen Gestellen. Um einen schön bemalten Stab waren im Kreise biegsame Ruthen befestigt und darüber legte sich weich und faltig die weiße Leinwand. Dieselbe wurde ?ufgespannt und unter ihrem Schutze trat man den Rückweg zum Kloster St. Peter an. Karl der Große soll hocherfreut gewesen sein über diese Erfindung und sich den Schirm von Arno zum Andenken erbeten haben. Tic höchste Stufe der Vernunft. Bierhuber (nach dem Theater): G'spielt hat der eincSchauspieler schon wie ein Gott! Besonders im dritten Akt machte er einen Durstigen,datz einem schon vom Zuschauen die Zunge raushängt. Dann trinkt er aus einem leeren Trinkhorn so natürlich als hätt' er drin e Frischgezapft's vom Hofbräuhaus, wischt sich dernach de Bart ab so glücklich, wie nach dem Calvator. Ich hab' mich aber vor Entzücken nimmer halten können und hab bravo Da capo g'schrieen, da sie mich beinahe 'nausgeworfen hätten! Nothschrei. Sonderbar ist dieses Leben, Sonderbar sind diese Leute. . Was sie gestern arg verdammten, Loben sie voll Inbrunst heute. . Was genial sie heute preisen, ' Tadeln morgen sie als kläglich: Selten wechseln sie die Wäsche, Ihre Meinung abec täglich. Gedankensplitter. - 4 So mancher wird als Wohltha ter gepriesen, der den Leuten erst dasi Geld abnimmt und dann damit einArmenhaus baut, in dem nun Jene-' aus Barmherzigkeit Aufnahme finden. Hüte Dich vor Frauenthränen! So naß sie auch sind, setzen sie Dich doch leicht auf's Trockene. Eine richtige Antwort ist eiw lieblicher Kuß," spricht Salomo; auf manche Fragen ist aber auch ein lieblichcr Kuß die einzig richtige Antwort. Man sagt immer: Aus den Augen, aus dem Sinn. Das stimmt nichb ganz, denn wenn wir ein Portemonnaie verloren haben, kommt es unä zwar aus den Augen, aber noch lange nicht aus dem Sinn. Die Ehe soll sich in jeder Hinsicht durch Beständigkeit auszeichnen und fängt doch gleich mir einem Ring Wechsel an! Sternschnuppen. ' Ehe und Meer ähneln einander. Beide haben Ebbe und Fluth. Der Ebbe in der Kasse des Mannes folgt die Thränenfluth der Frau. Hoffnung ist das tägliche Brot der. Armen. Der große Mißgriff geistvoller Raturen ist, daß sie die Dummköpfe nie für so dumm halten, als sie wirklich sind. Frl. Aeltlich: Stelr Dir vor. Rora, was für eine originelle Gesellschaft ich zu meinem Geburtstage gebe! Für jedes Lebensjahr lad' ich mir einen Gast ein." Beste Freundin: Hast Du denn Platz für fo viele Menschen?" Ein untröstlicher Wittwer hatte auf das Grab seiner verstorbenen Frau einen Grabstein setzen lassen mit den Worten: Hier ruht mein Weib, mein alles!" Als er aber bald darauf wieder heirathete, machte die böse Welt dar aus: Hier ruht mein Weib, mein altes!" Ein schlimmer Vater. Frau Scharf: So ein Mann ist doch die gemeinste Creatur auf Erden! Freundin: Aber ich bitte Sie Frau Scharf: Ja wohl, ich hab' recht! Hören Sie nur das neueste Stückchen von meinem Mann! Unser Baby zahnt ietzt, und da hat den kleinen Engel nichts so sehr zur Ruhe gebracht, al wenn er seinem Papa hin und wieder ein paar Haare aus dem Vollbart herausreißen konnte. Und da kommt heute mein sauberer Herr Gemahl nach Hause denken Sie sich ratzekahl rasirt. Ein Schlaumeier. Du. Hans, warum gibst Du denn heut' Deiner Sau gar nix z' fress'n?" Ja. weißt. Steffel. dös hat sein" eig'na Grund: Mei' Sau krieagt immer an ein'm Tag gar nix z'sress'rt. und am andern, was nur grad' in's. Vieh 'neingeht weißt', damit i' et schön'S durchwachsen's Fleisch krieaz: immer a biss'l fett und nachher wiede? a biss'l mager!" Die zärtliche Tochter. Vater: Du solltest dem Rathe Deiner Mulier folgen, mein Kind. Sie hat ein besseres Urtheil betreffs der Wahl eines Gatten als Du!" Tochter: Das hat sie bisher noch nicht Uxokm senl"