Indiana Tribüne, Volume 17, Number 316, Indianapolis, Marion County, 5 August 1894 — Page 6

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Zlntcr uns Zraucn. Icrvöo. I Das -ocIagiDort unserer modernen Aeit ist nervös", man begegnet ihm ifast ebenso häufig wie der Frage nach !dem Wetter. Besonders aber die Da'menwelt hat sich des Wortes vollstänvia bemächtigt. eS ist ihr tägliches Ge'bet. oder mindestens in ihr Taschen Vokabularium liebevoll eingeschlossen. Auch würde jedes weiblich? Wesen.das Nur halbwegs Anspruch auf eine Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft zu erheben sich berechtigt fühlt.in ihren eigenen und den Augen der Welt kaum als auf der Höhe der Situation besindlich angesehen werden, wenn sie uicht mit guten? Rechte Ausrufen könnte: Ach. ich bin so nervös!" und diesen Stoßseufzer überdies durch ihr erregtes Wesen und ihre ganze Erscheinung zu bestätigen im Stande wäre. Was ist nun nervös", ist es eine Modekrankheit oder nur ein modernkrankhafter Zustand, dem die zarten Damen häufiger unterworfen sind als die kräftigeren Männer? Ist es ein körperliches oder ein seelisches Leiden, ist es die unbedingte Folge des erregien Nervenlcbens unserer geräuschoollen. raschlebigen Zeit, oder nur eine bequeme Masse für schlechte Laune, moralischen Katzenjammer und allerlei körperliche und seelische Verstimmunflen? Wenn ich als Frau sür meine Mitschwestern, ohne den allerleisesten Anspruch an Wissenschaft, das Wort ..nervös" definiren sollte, würde ich saa.en, es ist ein Mirtum Compositum, ein Gemisch von all' den genannten peinlichen Zuständen. Ja, ich würde 7ch weiter gehen und behaupten, daß ille diese unliebsamen, unangenehmen Zustände zum größten Theile nur in der eigenen Einbildung der Damenwelt existiren, somit also auch die Nervösität vielmehr ein imaginärer als ein wirklich bestehender Zustand ist. Und ferner möchte ich die Ueberzeugung aussprechen, daß die Frauen diese unliebsamen, unangenehmen eingebildettn Zustände selbst erzeugen und heraufbeschwören, daß sie also ihre eigene Nervosität, unter der sie angeblich so sehr leiden, heranziehen und schassen helfen. Wenn die sogenannten nervösen Frauen sich einmal ganz genau selbst beobachten wollten, um zu erkennen. wann und weshalb sie zumeist nervös" werden, so dürften sie wahrscheinlich finden, daß die Veranlassung der Nervosität im Bereiche ihres eigenen Willens liegt, daß sie dieselbe also bannen oder heraufbeschwören könnten ganz nach eigenem Ermessen. Z. B. Werden wir viele Damen am Morgen ihres Jour". wenn sie rathlos von einem Zimmer in's andere jagen, in der Küche backen, hier und dort noch manches zum Empfang der guten lieben Freundinnen zurichten müssen, ausrufen hören: Ach, wie froh wäre ich, wenn das wieder vorüber wäre, es macht mich so nervös!" Und doch hängt es wahrscheinlich ganz von dem Belieben der geplagten Hausfrau ab, die Quelle dieser Nervosität mit einem raschen Entschluß versiegen zu machen, d. h. den Jour" abzuschaffen. In einer anderen Familie finden wir an einem heißen Junitage die liebende Mutter und ihre beiden herangewachsenen Töchter in Gesellschaft einer Schneiderin und einer Hilfsarbeiterin in der Nähstube versammelt. Journale, Stoffe, Bänder, Spitzen, Futierreste, Stecknadeln, Bügeleisen, Spulen, Oesen, Scheeren u. s. w. liegen umher, die Maschine rasselt. Alle befinden sich in einer nervösen fieberhaften Aufregung. Mama, wie sollen wir nun diese Abendtoilette eigentlich aufputzen, ich weiß wirklich nicht, welche von diesen drei Zeichnungen am kleidsamsten aussallen würde," spricht eine der Töchter. Ach. ich bitte Dich, um Gottes Willen lasse mich endlich in Ruhe, wähle Dir selbst etwas, ich habe diese ganze wochenlang? Schneiderei herzlich satt und bin schon so nervös davon, daß ich nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht, und wann wir endlich zur Abreise nach dem Hotel fertig sein werden!" Auch hier hängt es wahrscheinlich von dem Belieben der geplagten Mutter ab, die Quelle dieser Nervosität mit einem raschen Entschluß versiegen zu machen, d. h. die Anzahl der Toiletten zu verringern. Drüben kehrt eben eine Frau von der Shopping-Tour heim, müde und abgespannt wirft sie eiligst Hut und Umhang ab, sie muß noch in der Küche nach dem Rechten sehen, eben wird auch ein Päckchen gebracht, das bezahlt werden soll, der Mann an der Thür zieht wiederholt ungeduldig die Glocke. Niemand hat das richtige Ehange", die Kleinen stürmen mit ihren verliedenen Wünschen und Angelegenheiten auf die Mama ein. bis diese etwas kreischend ausruft: -Kinder, jetzt seid augenblicklich still, ich bin so nervös von dem stundenlangen Herumlaufen, Abhetzen und Suchen, nach schönen modernen Sachen für Euch, daß mein Kopf mir ordentlich summt, d'rum thut was ihr wollt, nur mich laßt in Ruhe." So läßt sich die Mama vernehmen, doch wahrscheinlich hinge es von d;m Belieben der geplagten Mutier ab.die Quelle dieser Nervosität mit einem raschen Entschluß versiegen zu machen, d. h. nicht so großen Werth auf die schöne und moderne Toilettirung ihrer Kinder zu legen, und doch bin ich fest überzeugt davon, daß alle die drei genannten Damen trotz aller klagen es doch vorziehen werden, ihre nervösen Zustän5 und Stimmungen vi ertragen, als sich von so heilig gehaltenen Dingen wie Jours". Abendwiletten und luxuriösen Kinderklkidern zu trennen. Und alle diese Frauen werden uns auf Befragen einmüthig versichern, daß sie wedzr sür

Empfanastage, noch complicirte Sommcitoilenen, noch luxuriöse Kinderbekleidung eine besondere Vorliebe hegen, sondern daß sie einfach gezwungen sind, in diesen Dingen mitzuhalten, weil eben alle anderen Bekannten es auch thun und man unmöglich eine Ausnahme machen, noch hinter den Anderen zurückstehen kann. Und darin liegt meiner Ansicht nach die unversiegbare Quelle der allerhaufigsten Nervenleiden und nervösen Zustände unserer armen nervösen Frauen, in dieser ängstlichen Aufrechthaltung der Welt des Scheines, in der Pflege eines unechten Luxus, der nur zu dem einen Zwecke vorhanden ist, um die Anderen zu blenden und zu täuschen. Und Niemand hat den Muth dieser, namentlich in Amerika bis zumWahnsinn durchgeführten Welt des Iuxuriösen Scheines, entgegenzutreten, sich davcn zu emancipiren und so seine eigenen Nerven und die seiner Nachkommen zu schonen und zu schützen: Jene Frau, die weder Vorbereitungen für den Jour" noch für Sommer-Hotel-Ausstattungen, noch für unvetnünitigen Kindertand zu treffen hat, wird all die damit verbundenen Nervenerregungen vermeiden und dadurch auch den Kindern den Anblick dieser ansteckenden krantbaften Zustände ersparen. Denn Nichts theilt sich so schnell mit, als Nervosität; ist die Mutter nervös. so hat ihr zehnjähriges Töchterchen sicher auch schon Nerven, und bis es herangewachsen ist, steht es der Mutter sicher nicht an Nervosität nach, vielleicht übertrifft das zarte Fräulein die Mutter sogar noch an nervöser Reizbarkeit. Ja, aber wo soll das enden? Wenn all' die nervösen Frauen ihr nervöses Treiben fortsetzen, ihre Nerven immer mehr abspannen, da bleibt ja für die kommenden Generationen nichts weiter übrig, als gleich cbensovielen wandelnden zerrütteten Nervenbündeln ihr nervöses Dasein zu fristen. Wir Alle streben nach Freiheit und machen uns doch zu Sklaven einer künstlich aufgebauschten Welt des luxuriösen Scheines, die unsere Gesundhcit untergräbt, weil sie unsere Nerven krank macht. Warum waren unsere Großmütter und Ahnen trotz des großen Kindersegens nicht nervös? Weil sie in schlichter Einfachheit lebten und also Zeit hatten, sich in aller Ruhe der Erziehung ibrer Kinder zu widmen, anstatt ihre Kräfte in der beständigen Sorge für Tand und Aufputz des Lebens zu vergeuden. Wer dem Luxus huldigt auf Kosten seiner Nerven, der begeht ein Unrecht an sich selbst und seinen Kindern, denn Frieden und Heiterkeit entfliehen aus jenem Hause, dessen Leiterin nervös" ist und die Hauptursache derNervosität entschwindet in dem Augenblicke, wo wir aufhören, die Rücksichten gegen die Außenivel: als oberste Richtschnur gelten zu lassen. Wenn wir Frauen versuchen wollten, die entsetzliche Nervolitä! aus dein Hause zu verbannen, und mehr uns selbst, dem Gatten und den Kindern zu leben, würden wir zur Festigung des wahren Familienglücks unendlich viel beitragen, denn nervöse Frauen sind wever selbst zufrieden, noch lönnen sie Zufriedenheit und Glück um sich verbreiten. diese Männer!

Ein junger Ehemann, dessen Frau etwas eifersüchtig war. war von seiner Erholungsreise zurückgekehrt zur liebenden Gattin. Sie saßen nach langer Trennung behaglich bei einander; sie tändelte mit seiner Hand und zog ihm dabei svielend den Ring vom kleinen Finger; ein weißer .Hautstreifen wurde sichtbar. Wie Du verbrannt bist, sieh doch!" rief die junge Frau und zeigte auf die durch den Ring geschützt gewesene unverbrannte Stelle. Neugierig zog sie ihm nun auch den Ehering vom Goldfinger; hier aber war aber die Haut ebenso gebräunt wie sonst auf der Hand, denn der Ehemann hatte den Trauring während der Reise im Portemonnaie gehabt! Die junge Frau reimte sich auch die Sache richtig zusammen, und diese Entdeckung hat die Freude des Wiedcrsehens getrübt. Die Sonne bracht es an den Tag! Ter bravc ZoUn. Alter Herr (im Eisenbahnwagen): Haben Sie Kinder, gnädige Frau? Dame: Jawohl, einen Sohn. Herr: Einen Sohn? Ist er Raucher? Dame: Er hat nie auch nur eine Cigarette in den Mund genommen. Herr: Das hör' ich gern. Das Rauchen ist eine schauderhaste Angewohnheit. Kneipt er viel? Dame: Nein, er hat noch nie . ein Wirthshaus betreten. Herr: Dann wünsche ich Ihnen von Herzen Glück zu Ihrem braven Sohne. Kommt er öfter spät nach Hause? Dame: Nie, er geht immer gleich nach dem Abendbrot zu Bett. Herr: Ach, das ist ein musterhafter junger Mann, ja ein trefflicher Sohn. Wie alt ist denn Ihr Herr Sohn? Dame: Zwei Jahre, mein Herr. Sicheres Mittel. A.: Kennen Sie den Unterschied zwischen giftigen und nichtgistigen Pilzen? 58.: Nein, aber ich habe ein unfelbares Mittel, mich vor der Vergiftung durch Pilze zu schützen. A.: So.was ist denn das für ein Mittel? B.: Ich esse nie welche! Kindermund. inte: Armes Herzchen. Du hast Zahnschmerzen, na. wenn ich Du wäre, wäre der böse Zahn schon längst heraus. Die kleine Ella: Ja, Tante, das glaube ich, daß er dann 'raus wäw.!

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Im ZZcichc der Zllodc. AAteri; Damen behaupten bisweilen, sie müßten in der Mode hinter der Ju$end zurückstehen, während die jüngeren Damen wieder sagen, es gäbe in Betreff der Tracht und Kleidung keine alten Damcn mehr. Thatsache ist, daß die heutige Mode mit großer Freigebigkeit auch für die älteren Damen sorgt und daß sie die Grenzen der verschiedenen Altersstufen mit leichter Hand verwischt. Die 'heutige Mode fordert nicht mehr matronenhaft: Einfachheit wie früher, sie verlangt nicht, daß eine Frau, wenn sie ein gewisses Alter erreicht hat.lhren natürlichen Kopfschmuck mit einer Haube bedecke, sie will vielmehr das Haar durch eine rationelle Pflege bis ins hohe Alter gesund und kräftig erhalten wissen, damit dieHaube nur von wirklich hochbejahrten Damen oder aus Gesundheitsrücksichten getragen werde. Dieser für ältere Damen früher unerläßliche Putzgegenstond ist denn auch heute zu einem aus Spitzen, Federn und Blumen bestehenden Haarschmuck! zusammengeschrumpft. Auch in Bezug auf die Haarfrisur ist die Mode älteren Damen gegenüber sehr entgegenkommend, denn die äußere Erscheinung einer Frau ist von bestimmendem Einfluß bei der Frisur. Es gibt viele Frauen in den fünfziger Jahren, also ohne Zweifel ältere Damen, die so jugendfrisch und frohgemuth ins Leben schauen, daß es absurd wäre, wollten sie sich der herrschenden Mode entgegen frisiren. Selbstverständlich werden feinfühlige Damen jede auffallende Frisur, hängende Zöpfe u. dgl. oder gar kurz geschnittenes Haar vermeiden, umsomehr, wenn vielleicht blühende Kinder um sie her ein sichtbares Zeugniß für ihr Alter abgeben. Es bleibt den älteren Damen trotzdem noch sehr viel Hübsches übrig, und sich nicht vorzeitig alt machen.heißt noch lange nicht: sich jung machen wollen!

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Eostüm aus Plissekrepp. Für ältere Damen werden in diesem Jahre zu Sommerlleidern Seidenstoffe bevorzugt, und zwar Taffet, Levantine jnd Foulard. In den Farben sind die srauen und bräunlichen Töne beliebt, doch werden auch Reseda, Bronze und Stahlblau getragen. Einer besonderen Gunst erfreut sich die kleine, klare oder chinirte, verschwimmende Musterung in den Stoffen. Diese Stoffe und Farben werden ja freilich sämmtlich auÄ von jüngeren Damen getragen, doch garnirt man sie für diese mit hellen Spitzen, flatternden, farbigen Schleisen und dergl., während man für ältere Damen dunklen oder schwarzen Spitzin, Sammet, Stoffrollen und Passementerieborten den Vorzug gibt. Die letzteren, besonders wenn sie mit flimmernden Perlen durchwebt sind, bilden oft einen wirkungsvollen Schmuck. Zu wollenen Kleidern, die einfarbig oder doch nur mit kleiner, bescheidener Musterung gewählt werden, verwendet man vorzugsweise Moire zum Besatz und hattet die Röcke mit Schrägstreifen von diesem oder auch vom Stoff des Kleides aus. Die Streifen begrenzen entwede? den vorderen Theil des Rockes in vertikalen Linien, oder sie ziehen sich in beliebiger Anordnung rund um den Rock. Kleid aus grauem Krepp. In den beigefügten Illustrationen findet die Leserin mehrere sehr hübsche Eostüme aus verschiedenartigem Krepp dargestellt. Sehr elegant und fein wirkt das aus dunkelblauem Plissekrepp gefertigte Eostüm. welches aus einem einfachen Rock, sowie einer vorn und hinten in gleicher Weise aus schmalen Stoffstreifen und gelblichen Guipüreeinsatzen zusammengestellten Taille besteht. Letztere wird durch einen mit Rosetten ausgestatteten Stehkragen von schwarzem Moireband begrenzt und durch einen Gürtel aus gleichem, breiterem Band vervollständigt, für welchen das Band von vorn nach hinten gelegt, dann wieder zurückgeleitet und vorn etwas seitwärts unter einer vollen Schleife geschlössen wird. Die oben bauschig fallenden Aermel sind durch kleine Rosetten aus Moircband leicht gerafft und mit schmalenRevers von gleichem Band, die mit Guipüreeinsatz umrandet sind, begrenzt. ,'m einem utterrock lose ausli?- ....... J ' "I" I " I genden oberen Rock des hübschen Klei-

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des aus grauem Kreppstoff sind etwa bis zur halben Höhe in regelmäßigen Entfernungen oben mit kleinen Rosetten abschließende Theile aus plissirtem, orangefarbenem Seidenstoff eingesetzt, zwischen denen der Stoff leicht gerafft erscheint. Die hinten glatte Taille auZ Krepp ist mit vorn, wie ersichtlich, in Falten gereihten, am Taillenabschluß leicht eingekräusten Vordertheilen verbunden und mit einem faltigen Stehkragen von gleichem Stoff begrenzt. Ein breiter Miedorgürtel aus Seidenstoff, der vorn unter einer großen Schnalle aus Goldbronze geschlossen wird, sowie halblange in Doppelpuffen arrangirte Aermel, welche ein Bandeau von Seidenstoff umschließt, vervollständiaen die Taille. '

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AnzugausKreppundSpitze. Aus goldfarben und blau changeant Kreppstoff besteht das für junge Damen geeignete elegante Kostüm, welches auf dem mäßig weiten, in Glockenform gearbeiteten Rock mit einem breiten Pliuevolant garnirt ist, dessen Ansatz eine leicht eingekrauste Guipürespitze, sowie eine Rüsche aus schmalem, gelbem Seidenband deckt. Die gleiche Garnitur wiederholt sich, auf der vorn und hinten passenartig mit gelber Seidengaze. im übrigen mit plissirtem Krepp überdeckten Taille, welche durch einen faltigen Stehkragen von ersterem Stoff begrenzt und durch einen schmalen, seitwärts unter einer Schleife geschlössen? Gürtel aus gelbem Seidenband zusammengehalten wird. Gleiches Band und Schleifen zieren auch die halblangen Bauschärmel, die je mit einem Spitzenvolant abschließen. Eostüm aus grau-blau em Kre'pp. Die letzte Abbildung zeigt ein Kostllm aus grau und blau gestreiftem Krepp, dessen Rock vorn längs der Nähte mit schmalen Blenden verziert und mit einem Passementeriegürtel begrenzt ist. Den krausen, aus gemustertem, blauem Seidenstoff gefertigten Vordertheilen der hinten glatten, mit Keulenärmeln verbundenen Taille liegen mit Passementerie verzierte Jäckchentheile auf, die vorn durch .faltige Revers begrenzt werden. Letzteren schließt sich hinten ein breiter Kragen theil an; der Stehkragen besteht aus Seidenstoff. Eine neue Fisch-Art. Alter Neger: Say, Mister, was wollen Sie denn hier latschen? Bäckermeister Schmutzle (von Art. A., zur Zeit in Sommerboard): Oh, ich angle blos aus Plaisir. Alter Neger: Plaisir? Plaisir? Von so 'nem Fisch hab' ich noch nie ihch gehört. Hier in dem alten Tümpel qiöt's auch blos Schlammpeitzgers und Aale. Einfache SatiLfactron. Silberstein: Morgen wird kommen der Sohn von Nathanleben und wird Dich bitten um die Hand Deiner Tochter Sarah. Was wirste sagen?" Seligmann: Ich werd' sagennein"! Seit mich der Jung' 'mal so arg beleidigt hat, will ich nichts mehr von ihm wissen." Silberstein: Schaute! Sag' ja", und Du bist gerächt!" Lava lie. Cousinchen, wie kann man nur ein so reizendes Ohrläppchen haben? (zupft sie daran.) Und wie kann man nur so läppisch sein. Cousin? (gibt ihm eine Ohrj ' '

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?cr Papst und das CardinalCollcgium. Mehr als 84 Jahre sind über das Haupt des Papstes Leo des Dreizehnten dahingegangen. Der ehrwürdige Greis ist älter als der eiserne" Kanzler Bismarck und wenn gleich seine Lebenskraft, im Verhältniß zu seinem hohen Alter, noch bedeutend ist, so kann der Tag doch nicht mehr fern sein, an welchem auch er der Natur den letzten Tribut wird bezahlen müssen, Leo der Dreizehnte, Gioachino Pecci, am 2. März 1810 zu Carpinto Romano geboren. ist der 264. Papst und am 2. März 1878 nach dem Tode Pius des Neunten als solcher gewählt worden. Während seiner Regierung hat er eine ebenso umfassende wie energische Thätigkeit entwickelt; dieselbe trat aber in durchaus milden Formen zu Tage. Durch die Ernennung gemäßigter Cardinäle wie Franchi, Jacobini zu Staatssecretären bekundete er seine Versöhnlichkeit den Mächten gegenüber, welche der katholischen Kirche entgegengetreten waren. Als sein Hauptwerk muß die Beend!gung des sogenannten Culturkampfes in Preußen angesehen werden, aus welchem er als Sieger hervorging. Mit dem deutschen Reiche lebte Leo der Dreizehnte nach Bismarck's Entgegenkommen in qutem Einvernehmen und im Jahre 1887 bemühte er sich, die Reichstagsfraction des Centrums von ihrer regierungsfeindlichen Politik ab-zubringen.

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Leo der Dreizehnte. Als er den päpstlichen Stuhl bestieg, waren in Frankreich die Lehren Leon Gambetta's und Paul Bert's allgemein populär und der Einfluß der Kirche schwand immer, mehr; ihm aber ist es gelungen, denselben zu erhöhen und die Freundschaft der französischen Republik zu gewinnen.- Seinem Tact ist es zuzuschreiben, daß England und Rußland sich dem Papstthume freundlicher erweifen, als unter Pius dem Neunten, und daß die Gleichgültigkeit der katholischen Mächte, Oesterreich und Spanien, dem hl. Stuhle gegenüber geschwunden ist. Gegenüber der italicnischen Regierung hat er stets die Ansprüche auf Rom aufrecht erhalten. Aber nicht nur als Pontifex maximus der katholischen Kirche hat sich Papst Leo der Dreizehnte in solcher Weise hervorgethan, daß sein Name neben denjenigen der berühmtesten Päpste genannt; auch als lateinischer Dichter hat er sich großen Ruhm erworben. Cardinal N a m p 0 l l a. Wer wird Leo des Dreizehnten Nachfolger auf dem päpstlichen Stuhle werden? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht blos für die Hunderte von Millionen katholischer Christen von der größten Wichtigkeit; durch den Charakter des nächsten Tiaraträgers wird nicht zum geringsten Theile der innere Frieden Europas bedingt werden. Die europäischen Herrscher erblicken in dem Papste ihren stärksten Bundesgenossen gegen die revolutionäre und socialistisehe Propaganda und einen Schwäch ling als Nachfolger Leo desDreizehnten können weder die gekrönten Häupter, noch die katholische Kirche selbst gebrauchen. In Rom gilt der Cardinal Ram polla als der nächste Tiaraträger. Seine Aussichten sind die denkbar günstigsten. Er ist ein geborener Jtaliener, denn seine Wiege stand in Sicilien; in Jahren ist er nicht allzu weit vorgerückt, da er die Fünfziger noch nicht überschritten hat; er ist ein Mann von vielseitiger Bildung, und von festem Charakter, ohne aggressiv zu sein. Von Leo dem Dreizehnten mit unbedingtem Vertrauen beehrt, ist er als Inhaber der, höchsten Aemter in die päpstliche Politik auch' vollständig eingeweiht und gilt er als persona grata" bei allen europäischen Mächten, mit denen er als erster Berather des Papstes in directen Contact gekommen ist. Was seine Stellungnahme der italienischen Regierung gegenüber betrifft, so glaubt er mit Leo dem Dreizehnten, daß dieselbe nur durch den Dreibund gehalten und ein europäischer Krieg den Untergang des Hauses Savoyen bedeuten wird. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß einem anderen Cardinal die Tiara zu Theil werden wird; dachte doch nach dem Tode Pius des Neunten Niemano an den Cardinal Pecci als dessen Nachfolger und doch wurde er gewählt. Im

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Cardinalcollegium hat Cardinal Parocchi zahlreiche Freunde, ebenso Simeoni, Jacobini. Vanutelli, San Felice. Der Letztere namentlich ist unter 5i Paiocchi San Ff e lice. seinen Collegen wegen seines liebenswürdigen Charakters ungemein beliebt, doch wollen Eingeweihte wissen, daß selbst seine vertrauten Freunde ihn nicht für stark genug halten, um das von Leo dem Dreizehnten begonnene Werk weiter führen zu können. Alles in Allem genommen, deuten alle Anzeichen darauf hin, daß Rampolla der nächste Tiaratäger sein wird. Tie Wandmalereien im Nathökeller zu Wieöva!en. ffimdrinn? Vagcn folt dir ganze Wrlt. Ein zcöcr Zaiid, od arm. oö fci.1i. an Mut und iklk. Il:m solqt grtrcu das Alter unv die Jugend, itc &ki?tim und der TdrrhclkHeer, Tas Laster und die Tugid. Zwei Sätze sind es, die dem herrlichen Bau, welcher auf dem Platze zwischen der Kirche und dem königlichen Schlosse in der schönen Bäderstadt Wiesbaden stolz sich erhebt, auf die Stirne geschrieben sind: Ich bin ein deutsches Rathhaus" und Wir können's machen!" w Darin hat der sorgliche Geist des Erbauers, nach dem Vorbild unserer weisen Aelterväter einen kühlen, anheimelnden Ort geschaffen, in welchem diese Erfrischung bequem und angenehm stattfinden kann . den Rathskeller. Ein lauschiges Plätzchen, ein Eia popeia rnci ftindche schlas ei. dann geyn nirr 'aach noch Luinmerich um Appeinzei! kühler, guter Trunk und zur Erholung des Geistes von den Strapazen verantwortungsvoller, trockener Deöatten eine heitere, phantasievolle Umgebung. Sechs Monate haben die beiden Maler K. Kögler und 5). Schlitt dazu gebraucht, die Aufgabe zu lösen. ?eutkks?Blut aat Gro;aia unv lait, Mcrr r.arjivc' nai) ein geuiucht! Nw. (l)s. (D.t.iu ui oc4iuu vuu ycü4uci -peuueuj in Wiesbaden ist unter dem Titel Die Wandmalereien im Rathskeller zu Wiesbaden" ein Band erschienen, den wi? unseren Lesern angelegentlichst empfehlen können. Die Mehrzahl dieser Wandmalereien rührt von de? Hand Kaspar. Köglers her, dessen Bill MS Vham in d,n k,in Mugt forr er aus dem Paradies Ieyk bl ingt e Zchöppcke Apreiwei Ins Paravie? uns wieder nei. der und Skizzen sich wegen ihres ftischen Humors, ihrer hübschen, correcten Ausführung stets des allgemeinsten Beifalls zu erfreuen gehabt haben. Das Buch ist wirklich ein Schatzkästlein von einer Menge heiterer, feuchtfröhlicher Skizzen und Reime. Einige der gelungensten Bilder findet man in den hier beigegebenen Illustrationen. Gewiß. In Karlsbad gewesen? n ,ya Viel abgenommen?" Gewiß! Soll ich Ihnen 'mal die Hotelrechnungen zeigen?" f e 1 e i n.g e f a II e n. Frau Müller "(beim Kaffeeklatsch): Sagen Sie 'mal, Frau Schulze, Sie wollten sich ja mit dem Manne, der für einen Dollar jeder Einsenderin das wichtige Geheimniß mittheilen will, wie man den prachtvollsten Kuchen und anderes feine Backwerk ohne jede Milch backen kann, in Verbindung setzen? Haben Sie ihm den Dollar eingeschickt? Frau Schulze: O gewiß, meine Liebe. Frau Müller: Und was hat er Ihnen geantwortet? Was sollen Sie an Stelle der Milch benutzen? Frau Schulze: Cream.

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Dali. Wir sind in der alten Salz- und' ehemaligen Reichsstadt am Kocherstrand. Schwäbisch Hall. Was die Chronisten von der Entstehung der Stadt zu berichten wissen, gehört mehr oder weniger dem Gebiet ' der Sage an. Aber es ist bedeutsam, daß schon in der Sage die Salzquelle eine Hauptrolle spieltl Ein Graf des Kochergaus so wird erzählt , zu dessen nicht allzu großem Gebiet auch das damals noch von dunklem Dickicht des Waldes bedeckte enge Thal des Kocherflusses gehörte, soll auf der Jagd, wie ja Aehnliches häufig berichtet wird, dem Wilde folgend, die Salzlache", das heißt die Salzquelle entdeckt haben. E habe an der Stelle einige Wohnhäuser erbauen und Salz sieden lassen.' Die Salzsieder dürfen wohl als die erste und vornehmste Zunft und Genossenschaft in Hall bezeichnet werden, und auch für die Wehrkraft der alten Reichsstadt waren die Sieder", die eine besondere Compagnie bildeten, von ganz hervorragender Wichtigkeit. Eine Chronik berichtet, daß die Salzsicderssöhne, welche die Dorfmühle einmal vor Brand gerettet hatten, jährlich 11 Scheffel Dinkel zu einem großen mürben Kuchen von 100 Kuchenträger und Hofj u n g f e r. Pfund aus dem herrschaftlichen Fruchtkasten bewilligt bekommen haben und dieser Kuchen in der Dorfmühle gebacken, dann an Peter und Paul unter Trommeln und Pfeifen von den dabei in schwarzer Kleidung und mit Mantel (der Tracht der Sieder für den Kirchgang) erscheinenden Siederssöhnen herumgetragen wurde. Am Nachmittag des Festtages schloß sich dann der Siederstanz auf dem Unterwöhrd", einer mit stattlichen Bäumen bepflanzten Insel im Kocher, an. Bei den Umzügen der Sieder in der Stadt scheinen bei den Brunnen Tänze, ähnlich dem Metzgersprung in. München, stattgesunden zu haben, wobei es auch an muthwilligen Streichen, Hineinwerfen von Menschen und Thicren in die Brunnen und so weiter, nicht fehlte, weshalb später hiegegen Verbote des Magistrats erlassen wurden. Den alten Siederstanz hatte man in Hall fast ganz vergessen. Er war zum letzten Mal von einem Siederhof beim Uebergang der alten, freien Reichsstadt an Württemberg (1803) aufgeführt worden, und als man ihn 1862 bei der Einweihung der Eisenbahn von Heilbronn nach Hall wieder ins Leben rufen wollte, war man auf ein achtzigjähriges Mütterlcin als Lehrmeisterin angewiesen, eine ehemalige Siederstochter, die sechzig Jahre früher noch mitgetanzt hatte. H a u p t l e u t e. Ebenso wurde auch die originelle, etwa aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammende Musik, welche zum Marsch und Tanz der Haller Salsieder gespielt wird, vor dem Untergang bewahrt. Die Aufführung des Tanzes ist folgende: Die kostümirten Musikanten sind mit Trommel und Querpfeife versehen. Unter den Klängen dieser Musik vollzieht sich der Aufmarsch der Paare, die nun um die Spielleute einen Kreis, ziehen, in welchem man tanzt. Der Tanzende nimmt die Hofjungfer" züchtig nur beim kleinen Finger und kommt ihr auch während des Tanzes niemals näher. Drei große Schritte, Trommelwirbel, zwei kleine Schritte, wobei sich der Siedersbursche gegen die Hofjungfer kehrt so ungefähr ist dieser Reihentanz, dabei durchaus ernstbaft und still. Freundlich dürfen die Tanzenden schon sein, aber sprechen oder gar lachen und jauchzen, würde sich nicht schicken, ihnen sogar zur Unehre gereichen. Frühreif. Papa: Diesmal fast Du ein schlechtes Zeugniß nach Hause gebracht; ich hoffe, daß das nächste beider sein wird!" Ack,tja5 riaer Hans (für sich): Olle? Opiimist!" Verrathen. Hinz (der in. vergangener Rächt in Rachbar Kunzens Oostgart::i crv,d): Ra, le! Ihnen ist man rcohl wieder in den Aepfeln gewesen?" Kunz: Ja, und Ihnen hat die Diebesbande wohl Schnupftücher gestohlen eins lag noch unterm Baume!"