Indiana Tribüne, Volume 17, Number 316, Indianapolis, Marion County, 5 August 1894 — Page 3

MlMmMW. Novelle 011 strnst vs Wildenöruch. (8. Fortsetzung und Schluß.) In diesem Augenblick kamen mehrere Männer, die auf den Feldern in der 9iähe beschäftigt gewesen waren und die furchtbaren Töne im Innern des Parks vernommen hatten, eilend die Allee entlang. Hierher, Leute, hierher!" riefEberhard ihnen entgegen. Als sie aber den Varon auf dem Johann knien sahen, wurden sie stutziz und blieben stehen. Sie glaubten nicht anders, als daß der Wahnsinnige seinen Wärter überwältigt hatte. Was sollten sie thun? Jetzt trat Annna auf sie zu. Helft dem Herrn Baron, lieben Leute, helft ihm!" Die Männer prallten zurück die Frau Baronin? Aber die Frau Baroum war ja todt? Anna begriff ihr Zaudern und Stutzen. Es ist nicht wahr, was euch der Johann gesagt hat! Ich bin nicht todt; der Johann ist wahnsinnig, nicht der Baron, nicht der Baron!" Noch einen Augenblick standen die Männer wie besinnungslos; ihre schweren Gehirne konnten einen so völligen Umscbwung aller Verhältnisse nicht so rasch fassen. Tann aber kamen sie im Sturm heran; im nächsten Augenblick war der Alte von zehn kräftigen Hände gepackt, weggerien und unschädlich ge macht. Bringt ihn in's Schloß," gebot Eberhard vonFahrenwald. noch athemlos, aber mit ruhiger Sicherheit in der Stimme. In die Stube unten, neben der Küche, mit den Eisengittern vor dem Fenster. Heute Nachmittag fahre ich selbst mit ihm nach Breslau und bringe ihn in's Irrenhaus." Js gutt, . gnädiger Herr Baron, Zs gutt," kam es zur Antwort. Wer so sprechen und befehlen konnte, war vernünftig, das war ihnen klar. Die Männer zogen mit dem Wahnsinnigen ab; Anna und der Baron blieben zurück; an der Stätte, die eben von dem furchtbaren Lärm erfüllt gewesen war, trat eine tiefe Stille ein. Annas Kraft war zu Ende; sie saß am Rande des Wegs, hatte ihr Taschentuch hervorgezogen und weinte still in ihr Tuch hinein. Ihr gegenüber, mit dem Rücken an einen Baum gelehnt, stand Eberbard von ??ahrenwald. Seine breite Brust arbeitete noch von dem überstandenen Kampfe; seine Augen ruhten stumm auf seiner Frau. So verging geraume Zeit. Dann erhob sie langsam das Haupt und wandte es zu ihm herum. Er that eiuen Scbritt auf sie zu; es sah aus, als wollte er etwas sagen, aber bevor er noch dazu gelangt war, sprang sie auf. breitete die Arme aus und mit einem Sckrei der Liebe flog sie an seine Brust. Umarme mich," sagte sie. ich will, vaß die Arme mich umfangen, die mich vom Tode gerettet haben!" Als sie das sagte, brachen auch ihm Die Thränen aus den Augen, unaufhaltsam, wie ein Strom. Ja er hatte sie zum Leben errettet; und sie wußte es und hatte es ihm gesagt. Er drückte sie an sich, nicht mit der wilden Gluth und nicht mit der angstlichen Scheu der früheren Tage, sondern mit der Sicherheit der warmen bewußten Liebe. Anna." sagte er leise und innig; -und er küßte ihr Gesicht, das hingegeben zu ihm aufblickte. Dann legte er die Arme um sie und

sie schlugen den Weg zum Schlosse ein. Siehst Du nun," sagte er, wie es inir ergangen ist; dreißig Jahre bin ich alt geworden, und heute ist der erste Tag. da ich lebe. Siehst Du. es ist wunderbar, wie sich einem das ganze Leben in einem Äugenblick zusammendrängen kann: solch ein Augenblick ist es für mich gewesen, als ich den Alten zu Boden gekriegt hatte und auf ihm kniete. In dem Augenblick ich kann's mir nickt anders erklären ist der Aann gebrochen gewesen, der mich dreißig ?lahre lang gehalten hat. Der Alte, siehst Tu, war mir gewissermaßen von meinem Vater vermacht; da turn ist er von meinerKindheit an fortWährend UNI mich gewesen und ich habe wie an etwas Unfehlbares an ihn geglaubt. Und weil er sich vom ersten Tage an eingebildet hat, daß er zum Wärter eines Wahnsinnigen bestellt wäre, so ist es ihm allmählich zur firen Idee geworden, daß ich wahnsinnig sei und nichts andres sein dürfte." Von der schrecklichen Vorstellung überwältigt, schwieg er. Dann preßte er sie leise mit dem Arm. Mir ist das alles in dem einen Augenblick klar qeworden. Kannst Du es Dir vorstellen?" An seine Schulter gelehnt, mit ihm dahinschreitend, drückte Anna seine Hand. Ja, vollkommen," erwiderte sie, das was sich in Dir geregt hat, war die Gesundheit, die sich wider die Krankheit wehrte, die man ihr aufzwingen wollte. Du warst vernünftig und bist bewacht worden von einem Wahnsinnigen. Nun aber wollen wir leben!" Es war. als wenn ein frischer Lebensquell in ihr aufgesprungen wäre, in der Stunde, da sie auf der Schwelle des Todes gestanden und ihr Gatte sie in's Leben zurückgerissen hatte, war sie zur Lebensgzfährtin ihres Mannes gereift. Sie betraten das Schloß. An den Wänden hingen die zersckmetterten Snieael. dasGlas bedeckte noch fei;.t ben Fußboden, AnnasSchlasaemc stand noch in der llnordnunq. in d?r es sich befunden hatte, als sie damals das Schloß verließ ein

Bild der Verwahrlosung und Verwüstung. Anna blieb stehen und faßte ihren Gatten an beiden Händen. Eberhard," sagte sie, wir müssen zu einem Entschluß kommen. D:in Vater hat Dir den alten Tiener vermacht; er hat geglaubt. Dir einen Segen damit zu bereiten Du hast erfahren, was es gewesen ist. Siehst Du, wie soll ich Dir's sagen, ich meine, man kann nur leben, wenn sein Leben einem gehört; und Dein Leben hat Dir bis heute nicht gehört. Du hast es wie ein Erbtheil empfunden, das zurHälfte Dir, zur andern Hälfte Deinen Vorfahren gehörte. Komm und laß uns überlegen, wie wir's anfangen, daß wir nun wirklich unser eigens Leben leben." Er sah sie mit strahlenden Augen an. Den Anfang dazu weiß ich," versetzte er. Diese Ahnengalerie, die hier seit Jahrhunderten gehangen hat und jetzt als eine Sammlung Abgeschied:ner immer noch mitten in unseren Wobnräumen hängt, lass' ich hinaufschaffen in den oberen Stock. Da m'ögen sie hänaen, als das, was sie sind, als ftiftori'".! Reliquien. Denn die Erinncrung, scheint mir, ist schließlich do wie ein Leichnam im lebendigen Dasein, und darum ist mir immer zu Muthe gewesen, als lebte ich fortwährend in der Gesellschaft von Todten." S? ist's recht." erwiderte sie, und nun noch eins. Wir können über die Erinnerung an jenen bewußten bösen Abend nicht so hinweg, und wenn wir'S mit Gewalt versuchen, werden wir wieder krank. Du hast mich einmal gefragt, ob wir eine Hochzeitreise machen wollten, ich hab's damals nicht gewollt nun schlag' ich Dir vor, Eberhard, wir wollen reisen, und wenn wir wiederkommen, bringen wir die große weite Welt in' unseren Seelen mit und schließen uns nicht mehr, wie bisher, in unserem Schlosse ein, son dern denken und sorgen für die Menscken um uns her und wenn man für Menschen zu sorgen hat, behält man keine Zeit, sich vor Gespenstern zu sorgen." I,n tiefer Freude schloß er seine junge, kluge, muthige Frau in die Arme. Heute Nachmittag." sagte er. fange ich mit meinen Pflichten an, indem ich den Alten nach Breslau in die Anstalt bringe, und morgen früh reisen wir in die Welt. Reisen wir ganz allein?" Nur eine soll uns begleiten," erwiderte sie lächelnd, die gute treue Franzel." Und so geschah es. Im August reiste der Freiherr von Fahrenwald mit seiner Gattin ab, und als im Mai des nächsten Jahres der Frühling wieder in das schlesische Paradies lurabstiez. kamen sie zum Schlosse Fahrenwald zurück. Heute stiegen sie nicht am Parkrande aus, heute fuhren sie durch das Dorf, heute gingen sie nicht, einsam wie damals, vor der Welt versteckt, durch den einsamen Park, heute durchschritten sie. Hände schüttelnd, grüßend und lächelnd, die Bewohnerschaft des Dorfes, die sich festlich gesammelt hatt: und. den Schulzen an derSpie, die Herrschaft bewillkommnete. Der Schritt des Barons war elasiisch und frisch, der der jungen Frau Baronin, die an seinem Arme hing, etwas gehemmt, und auf ihrem freundlichen Gesichte lag eine leise schamhafte Rothe. Nu sag mir, Franzel," sagte am Abende nach der Ankunft die alte Taglöhnersfrau, die in der Zwischenzeit mit ibrem Manne die Dbhut über das Schloß geführt hatte und jetzt auf ihm

als wohlbestallte Verwalterin eingesetzt war, nu fa mir. Mit unserer Frau Baronin hm?" Die Franzel nickte und kicherte, und was die beiden sich mit halben Worten unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut hatten, kam im Juni an's Licht, als in dem Schlafgemache, zu dessen geöffneten Fenstern dieFrühlingsluft hereinströmte und der Sang der Vögel hereintönte, unter dem blauseidenen Betthimmel ein reizender, rosiger, kleiner Fahrenwald neben der blassen, glückseligen jungen Mutter lag. Dak Du doch das Schenken nicht lassen kannst., Du Unverbesserlicher," sagte sse lächelnd zu dem Manne, der fflückllberströmt neben ihr stand und soeben einen großen köstlichen, mit einem Vrillantenbande zusammengebundenen Blumenstrauß auf ihr Bett gelegt hatte. Seit einem Jahr das erste Mal wieder," entgegnete er, indem er sein Gesicht auf das ihrige niederbeugte und sie mit tiefer Seligkeit auf Mund und Stirn und Augen küßte. Und wieder einige Zeit später, als der Sommer in voller schwerer Wucht auf der Erde lag, vernahm derMann, der dort oben in seinem Bette eben vom Schlaf erwachte, einen Ruf von unten, wie den Ruf der Lerche, die zum Leben weckt. Aber es war nicht die Lerche und auch nicht die Nachtigall, und als er an's Fenster stürzte, sah er im Garten dort unten, zwischen den Blumenbeeten wandelnd, seine Frau, seine Anna, die heute zum erstenmal in's Freie gekommen war. Das Kindermädchen ging hinter ihr. den Kleinen im .Kissen tragend; und als am Fenster droben das Gesicht des Vaters erschien, nahm Anna das Kind in ihre Arme. Nicht mit dem Taschentuche wehte sie heute, heute winkte sie mit dem Kmde: Komm herunter. Eberhard, hier unten ist's wundervoll. Und er kam, wie ein Sturmwind kam er hinunter zu Mutter und Kind, und es war, wie sie gesagt hatte wundervoll wundervoll. (Ende.)

U SraQöÖic Des Ccöcns. Sicrnan von A. tllc5csiljrnt5. Xaiteri'.bt Wai t ttbtt d e Mengen I-ct :ir ba Ideal; denn die r.onill'.? lUlur tc Humanst ist der totut Raffel v. Röder. 'L Der von Bremen kommende Post-

dampfer hatte die vierw'öchige Fahrt über den Ozean beendet und soeben Anker geworfen; die meisten Pa'agiere verließen in den herannahenden Ruderboten das Schift; einige warteten noch, und zum Theil recht ungeduldig, um von den Bekannten oder Angehörigen in Empfang genommen zu werden. Zu diesen gehörten auch zweiDamen, Mutter und Tochter, welche, auf dem H:nterdeck am Nailing stehend, über die im Nachmittags - Sonnenglanze schimmernde blaue Fluih der stolzen Niobai hinaussaben. ob cc Boot mit dem Sohn und Bruder r.rd) immer nicht austauchen wollte, vergebens; und als endlich die legten Mitreisenren verschwunden und bereits eine halbe Stunde seit der Ankunft im Hasen vergangen war. wurden die Wartenden von ncbtlicher Bestürzung ergrissen. Ich bin sicher, dan etwas vorqesallen ist," sagte jetzt Frau Doktor Äomb?c! eine aristokratisch aussehende ältere Dame, die um das magere, scharf geschnittene Gencht graue Sä'läfenlocken trug zu ihrem Sohne Leopold, der unterdessen nahergetreten. Zweifellos ist Ewald ein Unfall zugestoßen." fügte sie mit ihrer klagenden, verdrießlichen Stimme hinzu; denn es lieqt nicht in seiner Art. uns hier vergeblich warten zu lassen. Ach. diese unselige Neiie! Ich habe das Elend vorausgesehen und hätte mick niemals bestimmen lassen sollen, aus meine alten Tage noch eine solche abenteuerliche Fahrt über den Ozean zu unternehmen." Die älteste Tochter Konstanze, ebenfalls eine schlanke, vornehme Erscheinung. deren edles, blasses Antlitz einen bemerkenswerthen Zug stiller Ergebung trug, richtete die ernsten grauen Augen, die zuweilen verloren vor sich hinschauten, als blickten sie rn eine andere Welt, fragend auf den Bruder, ihre eigene Besorgnis verschweigend. um rnt die Unruhe derMutter zu vergrößern. Beste Mama," bemerkte Leopold, eine aufsallend hübsch: blonde Reckengestalt, unmuthig, diese Klagen haben wir wirklich nachgerade zurGenuge ansteten müuen, sie ändern an dem Geschehenen ja doch nichts mehr; was sollte Ewald denn widerfahren sein, mein Gott! Nur nicht immer gleich das allerschlimmst: muthmaßen! Vielleicht hat er das Signal, welches die Ankunft des Dampfers meldet, übersehen das wird es sein. Wir warten noch em Weilchen und kommt er dann nicht, so fahre ich hinüber und suche ihn auf." Wo nur Kamilla- bleibt? wan Konstanze ein. Sie hatte kaum d:e Worte gesprochcn, als von der Kajüte her auf dem Verdeck ein etwa neunzehnjähriges Mädchen erschien, dieSchönheit und de: Liebling der Familie; eine geschmcidige. blühende Gestalt in enganschließend der rother Sammttaille. aus der sich ein kleiner Kovf mit blondgekräuse'tem Haar und frischem rosigen Gesichtchen, aus dem zwei tiefblaue Augen lachten, erhob. Bist Du endlich fertig? Das währt immer eine Ewigkeit mit DeinemAnziehen," äußerte Frau Doktor Rom deck vorwurfsvoll. Aber Mutterchen." erwiderte Ka. milla heiter, indem sie ihre beidenHände an die eingefallenen Wangen der älteren Dame legte, ich muß- doch hübsch aussehen, was denkt unser lieber Ewald sonst, von mir. Aber warum kommt er denn nicht, alle andern sind schon weg und es ist bald sechs Uhr!" Ja, weshalb kommt er nicht," wiederholte die Mutter klagend, das ist's ja eben, wir ängstigen uns nachgradc." Dann ist es das beste. Du fährst hinüber ihn zu holen, Leopold," entschied Kamilla kurz entschlossen. Dort steht der Herr Kommandant, ich werde ilm bitten, d:n Befehl sogleich zu ertheilen. Wenige Minuten später wurde eines der weinen Böte herabgelassen. dieMatrosen senkten die Nuder und von den Blicken der Seinigen gefolgt, glitt Leopold auf den sanft schaukelnden blauen Wellen hin. dem ziemlich fernen Ufer zu. wo sich die Weltstadt amFuße der in röthlichem und violettem Abendnebel leuchtendenGebirge erstreckte, und sanft an den palmengeschmüclten Hügeln emporzog. Was wird er für Nachricht bringen?" sagte Frau Doktor SRornbeef. Hätten wird doch die Reise nicht unternommen; denn was soll aus uns werden, im Falle Ewald ein Unglück zugestoßen ist? Und daß etwas gesckehen. davon bin ich jetzt felsenfest überzeugt, meine Träume der vergangenen Nacht war.ti unheilverkündend! Hätte ich nur niemals eingewilligt, aber Ihr alle bestandet ja darauf. Deutschland zu verlassen, in einer Weise, daß es unmöglich war. Euch zu halten." Ich bestand darauf. Mama?" fragtc Konstanze im Tone leisen Erstaunens. während um die Lippen ein kaum bemerkbares Lächeln schwebte. V:rzeih', aber das ist doch ein Irrthum. Du vergißt, daß Ewald den Wunsch zuerst geäußert hat und Du darauf selbst den Gedanken unserer Uebersiedelung nach Rio anregtest, nachdem Dein kleines Vermögen, das Papa hinterlassen, durch den Zusammenbruch des Bankhauses verloren ging." Jawohl, Mama," stimmte Kamilla entschieden bei, d sich der Mutter geenübe? mehr erlauben durfte, als die 'älteren Geschwister, Stanzi hat ganz recht. Ewald schrieb, seine ausgezeich-

mit Stellung, als von der 'Regierung angestellter Ingenieur, erlaube ihm, uns hier in de? Gründung eines neuen Heims behilflich zu sein und Du bebauptetest oft. daß es Dir höchst pein!ich sei. von den Freunden und Bekannten über die Achsel angesehen zu werden, weil wir arm geworden; erinnerst Tu Dich nicht? Denke nur mal ordentlich nach." setzte sie in gutmüthiger Dringlichkeit hinzu. Nun, und hatte ich darin ZmGrunde nicht vollständig recht?" entgegnete Frau Doktor Rombeck, die sich niemals für besiegt erklärt haben würde und eine besondere Geschicklichkeit besaß, jede noch so nachtheilige Wendung zu ihremVortheil auszunutzen, war es zu ertragen, in den Kreisen, wo ich bis dahin als vermögende Doktorswittwe den Ton angegeben, fortan die Rolle der Verarmten. Geduldeten zu spielen? Was blieb uns wohl übrig, als Ewalds Vorschlag anzunehmen, wenn wir uns nicht dadurch, daß Ihr in den Dienst zu fremden Leuten gezogen, dem allgemeinen Mitleid, oder gar der Spottlust und Geringschätzung der Geseäschaft preisgeben wollten? That ich nickt recht darn. Ewalds Wunsch zu befürworten? Aber Ihr seid immer undankbar, Euch knn man es nie recht machen. Traurig, mit meinen fünfzig Jahren zu solch einem Leben wie ich es führe, gezwungen zu sein!" Konstanze antwortete nicht' nur der müde Zug um ihren Mund trat in diesem Augenblick besonders deutlich hervor; sie legte die schmale weiße Hand auf die Nailing und sah gedankenvoll über das Meer hinaus nach dem Punkte, wo jetzt das Boot mit Leopold anlegte. Hast recht, Mutterchen, wie immer," sagte Kamilla, die Aussichtslos sigkeit der Vertheidigung einsehend, in nicht ganz ehrerbietigem Ton, wonach sie, die Hände auf dem Rücken, das allerliebste Stumpfnäschen nach oben gerichtet, mit der Miene komischer Ergebung auf dem Verdecke hin und her stapfte. Plötzlich näherte sie sich der Schwesier. Stanzi, änastigst Du Dich?" fragte sie leise, die dunkelbewimperten blauen Augen voll liebevoller Innigkeit zu der älteren Schwester aufschlagend. Ja, Kamilla; die Zollbeamten sagten. das gelbe Fieber herrsche stark in Rio, obgleich wir jetzt September, also die kuhlere Jahreszeit, hätten." Mein Gott, mein Gott, es wäre nicht auszudenken! Was sollte dann wohl aus uns werden?" Warten wir, Herz; es muß sich bald entscheiden." Konstanze athmete tief auf; die ahnungsvolle Bangigkeit von etwas furchtbarem schnürte ihr das Herz zusammen; im Geiste folgte sie dem Bruder. der nun in die Stadt gegangen war, während die Matrosen mit dem Boote seine Rückkehr abwarteten. Und welch' ein Paradies war doch dies neue Land in seiner märchenhaften Pracht und Schönheit! Die Sonne war jetzt hinter dem hohen Gipfel des kühn emporragenden Gebirges verschwunden; die glühende Farbenpracht aber leuchtete vom klaren Himmel hernieder auf die belebte blaueBai mit ihren palmengekrönten Inseln und tausenden von Schiffen aller Nationen und umhüllte die weißen Villen, die Klöster und zierlichen Kirchen der sich am Strande hinziehenden Riesenstadt. wie mit einem' Glorienschein. In diesem Momente erblaßte Konstanze und von ihren Lippen rang sich leise ein unterdrückter Ausruf des Schreckens; am Strande war wieder die leicht zu erkennende Gestalt Leopolds in feinem hellgrauen Anzug sichtbar geworden und zwar allein; er bestieg das Boot und stand bald darauf vor den Seinen. Sag' es nur gleich heraus, Ewald ist todt, sprich und spanne uns nicht auf die Folter!" rief Frau Doktor Rombeck kreischend, den Sohn am Arme packend. j Konstanze hatte die Wahrheit in seinen verstörten Zügen gelesen; Kamilla schrie auf, legte die Arme um des Bruders Hals und verbarg das Gesicht an seiner Brust. Ja; es ist so, Mutter, fasse Dich. Ewald ist eine Beute des Fiebers geworden und schon seit vierzehn Tagen todt," antwortete Leopold tonlos. Frau Rombeck sah ihren Sohn mit weitgeöffneten Augen, aus denen das Entsetzen blickte, rathlos und ohne Versiändniß an. Ewald ist todt! Ist es denn wirklich wahr? Allmächtiger Gott! Furchtbareres konnte uns nicht treffen!" Das Uebermaß desSchmerzes ließ sie verstummen. Leopold war der erste, welcher sich scheinbar ermannte; die Nothwendigkeit des Handelns den schutzlosen Frauen gegenüber, deren einzigeStütze er fortan war. lieh ihn gewaltsam und mit Erfolg die leidenschaftliche Trauer um den einzigen, stets so liebevoll gewesenen Bruder, beherrschen. Er erzählte die näheren Umstände bei dem Ende des früh Dahingeschiedenen, wie sie ihm von der Wirthin Ewalds mitgetheilt worden, und sprach mit dem Kommandanten, der sich genähert hatte. um den hart Betroffenen seineTheilnähme auszudrücken, und auf Leopolds Wunsch gern noch einmal den Befehl ertheilte, sie an's Land zu fahren. Als sie bald darauf, noch erstarrt im

Schmerze, rathlos am Ufer standen, welche Richtung einzuschlagen, näherte sich ihnen eiligen Schrittes ein junger Mann, der den Eindruck eines Gelehrten hervorrief; eine nur mittelgroße, etwas unbedeutende Figur mit einem gelblichen, schmalen Antlitz, deff'.nReiz nur in einem Hauch durchgeistigten Wohlwollens und menschenfreundlicher Gute bestand. Habe ich die Ehre, vor Frau Doktor Rombeck zu stehen?" fragte er, höflich den Hut ziehend, etwas befangen, in fremdartigem, doch ziemlich

reinem Deutsch. Aus die bejahende Antwort fuhr der junge Arzt fort: Ich bin Doktor Montsanto, ein Freund Ihres Ewald, und hatte mir vorgenommen, Sie schon an Bord des Schiffes zu begrüßen, doch traf mich die Nachricht der Ankunft leider von Hause abwesend, wodurch die Verzögerung entstand." Nachdem er hierauf manches tröstende aus den letzten Stunden des Verstoröenen. den er behandelt, erzählt hatte, fragte Leopold nach der Adresse eines kleineren Hotels, wo man vorläufig Unterkunft finden könne. Dessen bedarf es nicht," erwiderte

Doktor Montfanto. So lange bis Sie eine passende Privatwohnung gefunden baden, betrachte ich Sie als meine Gäste, das ist. nur die Erfüllung eines Versprechens, welches ich Ihrem Bruder gerne gab, und das zu losen Sie mir gewiß gestatten. Es lag etwas so einfaches, wohlthuendes und beruhigendes in dem Wesen des jungen Arztes, dem sich die Schwergeprüften in dieser Stunde gesuglg unterwarfen, dankbar, wemgstens für die nächsten Tage der Sorge um ein Unterkommen enthoben zu sein; gemeinsam bestieg die kleine Gescllschaft alsdann einen Pferdebahnwagen, der sie bis zum Fuße des malcrischen Hügels von Santa Theresa bringen sollte, auf welchem die geschmackvolle Villa Doktor Montsantos zwischen den Wohnungen der Reichen und Angesehenen der Stadt lag. Es ist Ihnen, allen vielleicht noch unbekannt," nahm er kurz vor dem Aussteigen noch einmal das Wort, daß Senhor Ewald sich etwa vor einem Monate öffentlich verlobt hat." Ja, diese Ueberraschung kam allen unerwartet; er hatte wohl einmal geschrieben, eine junge Dame kennen gelernt zu haben, die er sehr verehre, doch von der Absicht einer ehelichen Verbindung bis dahin nichts erwähnt. Der Entschluß dazu mag ihm wohl plötzlich gekommen sein," bemerkte der junge Arzt, auf dessen hoher Stirne sich seit dem Erwähnen der Verlobung eine Wolke ernsten Sinnes zeigte, gedankenvoll. So betrauert denn auch eine Braut den Tod unseres armen Ewald!" äußerte Konstanze fassungslos. Leider, es ist Dona Daniela Rikardo, die Pflegetochter des Obersten Karl von Weddlnaen, eines Deutschen. tn dessen Hause auch ich erzogen wurde; sie wird morgen sruh kommen, sich Ihnen vorzustellen." In der Villa angekommen, wurden sie auf das verbindlichste von Dona Angela Montsanto, einem ältlichen, lebhaften kleinen Fraulem empfangen, die ihrem Neffen das Hauswesen führte, seit er, vor einem halben Jahr von der Universität Sant Paulo zuruckqekehrt, sich als Arzt m Rw niedergelassen hatte. Als am folgenden Morgen Frau Doktor Rombeck mit ihren Kindern Berathung über die nächst zu unternehmenden Schritte hielt, meinte sie: Ich mochte am , liebsten gleich mit dem nächsten Dampfer wieder nach Deutschland zurückfahren; was sollen wir jetzt noch hier, da Ewald todt ist?" Nein, behauptete Konstanze sanft doch entschieden, das geht auf keinen all; wenn wir nach hier kamen, so geschah es doch keineswegs in der Absicht, uns gänzlich auf Ewald zu verlassen; wir, ich meine besonders Leopoko und mich, hielten es selbstverständlich für unsere Pflicht, selbstthätig mit anzugreifen, und das werden wir jetzt nur um so eifriger und nachhaltiger thun." Uttd ich werde ebenfalls helfen. Du arme, liebe Mama, es soll Dir schon an nichts fehlen," tröstete Kamilla unter Thränen lächelnd und sich zärtlich an die Mieter schmiegend. Wir müssen nun doch einmal das Schreckliche standhaft zu ertragen suchen und dürsen nicht verzagen." Ohne Zweifel bleiben wir, ich zum wenigsten gehe nicht wieder nach drüben," entschied Leopold, während er energisch den kleinen blonden Schnurrbart strich. Schlechter kann es uns auf keinen Fall ergehen und außerdem tragt man hier die Misere der Armuth doch in dem angenehmen Bewußtsem, den anderen kein unterhaltendes Schauspiel damit zu bereiten." Konstanze wollte eben auf diese in bitterein Tone geäußerte Bemerkung antworten, als der Diener Dona Daniela Ricardo meldete, und fast zu gleicher Zeit erschien auf der Schwelle der offenstehenden Thür eine junge schwarzgekleidete Dame, aus derem weichen, sanftovalen Antlitz von ungewohnlich:.?: Liebreiz zwei dunkle, schwermüthige Augen blickten. Schüchtern, doch elastischen Schrittcs ging sie auf Frau Doktor Rombeck zu, und zog deren Hand ehrfurchtsvoll an die Lippen. Ich bin Daniela, die Braut Ihres Sohnes; es sollte mir nicht vergönnt sein. Sie Mutter nennen zu " Die Stimme versagte ihr, und von überquellender Empfindung ergriffen, sank das junge Mädchen in die Knie und ließ das Haupt auf dem Schooß der älteren Dame ruhen. Es folgte eine Pause, die niemand zu unterbrechen wagte; dann erhob sich Daniela und erzählte mit ihrer wohlklingenden Stimme, in demselben fremdartigen Deutsch wie Doktor Montsanto, daß sie Ewald Rombeck vor einem Jahre kennen und lieben gelernt und ihr Pflegevater. Oberst von Weddingen, der sie als Tochter angenommen. gern seine Einwilligung zu der Verbindung gegeben habe; er wäre vor vielen Jahren als junger Offizier nach Rio gekommen, und habe dann später in den Reihen der brasilianischen Armee den großen Krieg von Paraguay mitgemacht, wo er wiederholt verwundet worden und zum Oberst emporzerückt se'

riaete sie von Zeit zu Zeit daS kindlicbe Antlitz mit einem Anflug von Schwärmerei und Hoffnungslosigkeit nach oben, der ihr etwas rührendes, hilfsbedürftiges gab. Graf Romano meinte," so schloß sie, ich sollte gestern schon zu Ihnen kommen, aber ich dachte, es wäre doch zu früh." rar Romano? Wer ist das?" fragte Frau Doktor Rombeck die sich mit dem Gedanken der plötzlich auf der Bildfläche erschienenen Braut ihres Sohnes noch nicht recht vertraut machen konnte, ein wenig schroff. Daniela sah sich betroffen :m Kreise um, ohne jedoch bei den übrigen einem besseren Verständniß zu begegnen. Gras Romano ist, Sie befinden Sich doch in seinem Hause ach so, ich vergaß," fügte sie verwirrt, unter lieblichem Erröthen hinzu. Er gibt nichts auf seinen ererbten Titel und nennt sich am lkbsten nur Doktor Montsanto." Soo," bemerkte Frau Rombeck aedehnt, in ihren Augen hatte der Arzt mit emem Mal bedeutenö an Wichtigkeit gewonnen: Da scheint ja der Herr Graf recht anspruchslos zu sein." O, das ist er auch", entgegnete Daniela eifrig, einfach und selbstlos, wie selten jemand, ich bin so beruhigt, daß er von nun an auch Papa behandelt. Er ist nämlich krank, setzte sie erklarend hinzu. In der letzten, entscheidenden Schlacht bei Ipiranga traf ihn eine Kugel in die linke Seite, die bis heute Spuren emer schmerzhaften Lähmung zurückließ. Aber obgleich Papa seinen Lehnstuhl kaum verlassen kann, sieht er doch sehr gern Gesellschaft und er forderte mich ausdrücklich auf, Sie einzuladen, recht bald zu uns hinaus zu kommen, wir wohnen nämlich in der Wlindastraße der Vorstadt Batofogo." Ihren Pflegevater ausgenommen, stehen Sie also ganz allein da?" setzte Frau Doktor Rombeck zum geheimen Unwillen ihrer Töchter das Examen des Mädchens fort, das im Begriff gestanden, ihre Schwiegertochter zu werden. Ganz allein," bestätigte Daniela traurig und verlegen. Von meinen Eltern weiß ich nichts; denn Papa spricht nicht darüber; sie sind jedenfalls längst gestorben." Während der Unterhaltung zwischen den Damen stand Leopold den Rücken gegen die Fensterbank gelehnt; er verhielt sich einsilbig, betrachtete hingegen voll regem Interesse dieses zarte, ätherische Wesen, die Braut seines todten Bruders und ein warmes Mitleid für die Verlassene bemächtigte sich seiner; wie schwer mußte ihm unter solchen Umständen der Tod geworden sein! Und noch andere, weniger reine Gedanken durchzogen ihn; Ewald hatte wohl ein gutes Gehalt bezogen, doch Vermögen besaß er nicht; zweifellos aber würde der Oberst von Weddingen seine Pflegetochter nicht ohne eine gute Mitgift in die Ehe gegeben haben; vielleicht besaß Daniela, die ihm sympathischer wurde, je länger er sie sah und sprechen hörte, sogar selbst ein unabhängiges Vermögen, und Hier unterbrach er plötzlich seinen Gedankengang durch eine Bewegung; das war ja alles Unsinn. Lag doch vor ihm die nächste Zukunft so gänzlich aussichtslos und ohne jede Hoffnung! Ein stellenloser Kommis, der irgendwo als Buchhalter oder Korrespondent Beschäftigung zu finden hoffte, und dazu gesellte sich von nun an noch die Pflicht, seine Mutter und Schwestern unterstützen zu müssen; das alles vermehrte die Unzufriedenheit mit seinem Lose, welche ihn seit lange schon belastet und in hohem Grade entmuthigt hatte. Em entzückendes Geschöpf, diese Daniela Ricardo," äußerte Kamilla, als der Besuch gegangen war, begeistert, während der Thränenstrom aus den verschleierten Augen von neuem reichlicher floß. Wir gehen morgen zu ihr, nicht wahr Konstanze?" Warum nicht lieber heute schon?" warf Frau Doktor Rombeck vorwurfsvoll ein. Fräulein Ricardo mag eine ganz liebenswürdige junge Dame sein, aber was sie von ihren Verhältnissen Mittheilte, gefiel mir, offen gestanden, gar nicht; damit hat es sicherlich einen Haken, das klang zu abenteuerlich. Keine Verwandte, keine Eltern! Alles dunkel; wer weiß, welcher Sphäre sie entstammt, und ob es nicht klug sein würde, sich etwas zurückhaltend gegen sie zu zeigen." Konstanze war von dieser Aeußerung ihrer Mutter geradezu entsetzt, ein Gefühl der Empörung, des Verletztseins in der Seele des todten Bruders, ergriff sie, und auf ihren Lippen schwebte eine bittere Bemerkung, die sie jedoch, um in der gegenwärtigen Stimmung einen peinlichen Auftritt zu vermeiden, für sich behielt. Kamilla aber, die ihre Mutter sekundenlang starr angesehen hatte, sagte eindringlich: Liebe Mama, ich glaube, solche veraltete Vorurtheile hättest Du besser drüben gelassen, die passen nicht hierher; in unserer augenblicklichen Verfassung, wo wir im Grunde nichts sind, als arme Eingewanderte, sollten wir es immerhin für eine Ehre halten, von Fräulein Ricardo in das Haus ihres Pflegevaters, des Oberst von Weddingen, eingeladen zu werden. Das ist meine Ansicht von der Sache." Und Deine Ansicht pflegt stets diejenige zu sein, welche irgend eine Unart gegen mich vorzubringen weiß?' erwiderte Frau Rombeck takelnd. Als ob ich nicht ohnedies schon unglücklich und geschlagen genug wäre, so daß die Herzlosigkeiten meiner Kinder füglich unterwegs bleiben könnten! Ach. wäre ich doch an Ewalds Stelle gestorben! für mich würde es wirklich das beste sein, da unten ungestört zu schlafen." (Fortsetzung folgt

während Daniela sprach.

Etwas vom Daar.

Zu allen Zeiten und bei allen Vö kern war das Haar ein Gegenstand der größten Aufmerksamkeit, daneben war es aber auch mehr als alles andere ein Sklave der unerbittlichen Tyrannin Mode, und ebenso hielt man das Haar für wichtig genug, darüber vielfache, oft drakonische Gesetze zu erlassen. Bei den alten Juden war es fast eine religiöse Satzung, das Haar der Männer kurz zu tragen, während Mädchen und Frauen die größteSorgfält auf ihr langes Haar verwendeten und dasselbe mit Golddraht durchflochten. Die alten Aegypter fanden sogar die Scheere nicht genügend, sondern, rasirten den Kopf, und an Stelle der natürlichen Kopfbedeckung trat die Perrücke. Im britischen Museum m London befindet sich eine solche aus einem der Gräber in Theben, die in allem den Perrückew gleicht, wie sie bei" uns in den letztverflossenen Jahrhunderten getragen wurden. Griechische und römische Dameir waren stolz auf ihr langes Haar; bei den letzteren brachte es später dieMode mit sich, fremdes Haar mit dem natürlichen zu verflechten und den ganzen. Kopfschmuck mit Ocker oder selbst mir Eoldstaub einzupudern. Blondes Haar wurde als größte Schönheit betrachtet, eine große Anzahl von Färbemitteln waren im Gebrauch, und von Deutschland her wurden Unmassen von blondem Haar eingeführt. Venus wurde stets die goldhaarige genannt. Sklaven waren gesetzlich gezwungen, ihr Haar kurz zu tragen. Als Cäsar Gallien eroberte, zwang er die Einwohner, ihr Haar kurz zu scheeren. Die Götter Griechenlands hatten alle ihre besonderen Haarfrisuren. Jupiter wurde mit imposanten Lockere dargestellt, die von der Stirn ausgehend, in dichten Massen auf seine Schultern fielen, und wenn er diese schüttelte, dann zitterte der Olymp. Apollo hatte ebenfalls einen Locken'kopf, an einigen Statuen jedoch erscheint sein Haar auf dem Scheitel in einen Knoten gebunden. Herkules trug eS gleich der Mähne eines Stieres. Venus und Diana hatten es in einen Dovvelknoten gebunden, nur mit dem Unterschiede, daß die Enden bei der einen von vorn nach hinten, bei der anderen seitwärts sich zeigen. Der Haarknote der Amazone war nicht glatt, sondern zerzaust. Die Männer fast aller deutschen Stämme trugen das Haar lang. Die Gothen z. B. scheinen die Stutzer der damaligen Zeit gewesen zu sein, denn sie verwendeten die größte Sorgfalt auf ihr Haar und schmückten es mit Bändern und Goldfäden. Als die Sachsen nach England kamen, da, wurden sie bald ihres langen Haares wegen die erklärten Lieblinge des dortigen weiblichen Geschlechts. Eine Ausnahme machten die Rormannen, die das Haar kurz trugen, und als Wilhelm der Normanne England eroberte, zwang er die besiegten Sachsen, es ebenfalls zu kürzen. Äie Mädchen der Sachsen ließen ihr Haar frei über die Schultern fallen; sobald sie sich aber verheirateten, kürzten sie es und hielten es mit einem metallenem Ring zusammen. Bei den Franken hatten nur die Könige und der Adel das Privilegium, das Haar lang zu tragen, und ein Ecsetz schrieb genau vor, wie lan. je der Rang das Haar tragen durfte. Die christliche Geistlichkeit ei.rke mit aller Macht gegen lanaes Haar, aber die Geistlichkeit selbst war durchaus nicht so willig, die Schee.-e zu gebrauchen, und die durch Papst Anicctus im Jahre 153 dekretirte Tonsur fand den heftigsten Widerstand. Die Tonsur sollte das äußere Zeichen sein, daß der Betreffende der Sklave Got tes sei. Schwäbischem Sumor. Die Schwaben auf der Reise. Einiae Schwaben kommen Abends 10 Uhr, mit Sack und Pacl, in ein Hotel. Sprecher: Mir möchtet gern bei Jhna über Nacht bleiba." Oberkellner: Es thut mir sehr leid, meine Herren, aber es ist scyon Allesbesetzt ich kann Ihnen kein einziges Bett mehr geben." Sprecher: DeeS braucht's au net mr gehet kllt in Speissaal nei', na gebet Se ons amol d' Wei'kart!" Zweiter Schwabe: und au glei en Würfelbecher." K ü f s e. A.: Du, was ischt denn der Bräutigam von der Thurabäck's Anna?" B.: So viel i woiß, a Mechanikus und Optikus. A.: Natürle, dees ka n n mer denka: i woiß von früaher hear,wann se noah zua meiner Schwester komma n ischt, hotse ällig, bei Pfänderspiele scho' d' Küß' so geara möaa." Was ist eln Ttammgast. Ein Stammgast ist ein in einer bestimmten Gaststube täglich oder an bestimmten Tagen um die bestimmte Stunde erscheinendes, am bestimmten Platze eines bestimmten Tisches sich niederlassendes, aus bestimmtem Trinkgeschirr bestimmt: Mengen einer bestimmten Flüssigkeit in bestimmten Zwischenräumen confumirendeS, bestimmte Vorrechte genießendes und, falls dieselben geschmälert, bestimmt wetterndes, bestimmtes Trinkgeld verabreichendes, zur bestimmten Zeit sich empfehlendes und entfernendes und falls nicht Hagestolz zu Hause eine Gardinenprkdigt bestimmt zu hSreü bekommendes Menschenkind. Der Grund. Was, Deine Frau hat sich den Finger verbrannt und Du Dir den Magen verdorben, wie ist denn das gekommen?" Sel bcr aekocht hat sie!"