Indiana Tribüne, Volume 17, Number 316, Indianapolis, Marion County, 5 August 1894 — Page 2
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JJcr vcrlMgnilzvoUc Zopf. ' Wilhelm Kunst, einer der berühnrtesien Schauspieler der vierziger Jahre, befand sich, wie so viele seiner Colleges, stets in Geldverlegenheit, und seine Gewohnheit, von Bekannten Darlehen zu erbitten, war fast sprichwörtlich geworden. Am Hoftheater zu D., an dem eben Kunst Gastrollen gab, befand sich euch der Hofschauspieler R., ein mittelmäßiger Darsteller, aber ein von seiner hohen Bedeutung selber fest überzeugter Mensch, der Alles aufbot, die Augen des Publikums auf sich zu ziehen und sich in den Vordergrund zu drängen. R. war durch eine Erbschaft vermögen') und war daher für unseren Kunst die richtige Quelle, um einen Pump" zu versuchen. Unter den schmeichelhaftesten Ausdrücken, sprach der Mime auf der Probe zu einem neuen Stück den vermögenden College um einen Vorschuß von fünfzig Thalern an. Die Ccmplimente nahm der College als selbstverständlich entgegen, im Uebrigen aber hielt er sich völlig zugeknöpft, ja, er nahm sich sofort heraus, dem berühmten Kunstgenossen eine derbe Lecrion über seine Verschwendung und seinen vielbemäkelten Lebenswandel in Gegenwart sämmtlicher Bühnenmitglieder zu ertheilen. Auf das Höchste gereizt, schwur Kunst, sich nicht nur an dem Knauser zu rächen, sondern ihn sogar zur Abbitte seiner Dreistigkeit und Gewährung des erbetenen Darlehens zu zwingen, eine Drohung, die R. emfach verlachte. Das Stück, auf dessen Probe sich der Vorfall zugetragen, gelangte wenige Abende später zur Darstellung; es war ein Rokokostück mit Zopf und Pudcrperrücken, in welchem Kunst einen edlen Ritter und R. einen schleichenden Böswicht zu spielen hatte, der bei einem Zweikampf mit Ersterem zur Erde ,ftürzt, von dem Sieger aber großmüthig behandelt wird. Das Theater war brechend voll, der Hof in seiner Loge. Die große Scene kam. Angesichts des rächenden Stahls sank R. vorschriftsmäßig zu Boden, verachtungsvoll und mitleidig zugleich tritt der 'Held einen Schritt zurück. Gott hat gerichtet!" kam es in ergreifendem Ausdruck von den Lippen des Mimen, .steh' auf!" Aber der Gefallene stand nicht auf, obwohl es aussah, als mache er eine darauf hinzielende Bewegung. Steh' auf!" wiederholt: Kunst in gebieterischem Tone. Ich kann nicht," flüstert? der Gefallen?. Sie stehen ja auf meinem Zopfe." Ha, der Wurm, wie er sich jetzt krümmt!" höhnte Ritter Kunst und leise, indem er sich niederbeugte, fragte er: Bitten Sie ab und geben Sie mir das Geld?" Laut aber gegen das Publikum geNandt: Soll ich Dich mit dem Schwert vom Bett Deiner Feigheit treiben, Verleumder?" Das Publikum fing an, unruhig zu werden, die umstehenden Schauspieler
auf der Scene verbargen mit Mühe das machen ver Unglückliche streckte sich, ti hob die Hand, um vorsichtig den bedrohten Zopf unter den schweren Reiterstiefeln seines Besiegers hervorzuzieh:n, aber diese lastet auf dem armen Anhängsel wie ein Felsen. Und aufstehen, die Perrllcke unter den Füßen des edlen Ritter lassen, kahlköpfig vor den Augen des Publikums zu erscheinen es wäre sein Tod gewesen! Kunst, ziehen Sie weg ich bitte ab!" Kaum verständlich kam es aus R.'s Munde. Aber der edle Ritter wich keinen Zoll. Angstschweiß stand aus des Zopfbesitzers Stirn. Leiser flüstert! Kunst ihm zu: Soll ich morgen die fünfzig Thaler haben?" Laut gegen das Publikum: Fürchte nichts. Du Unseliger, erheb: Dick, sonst" des Mimen Stimme schwoll fürchterlich an soll dieser Stahl Dich vom Boden kitzeln! Morgen fünfzig Thaler?" Ja. ja," wimmerte das Opfer, aber nun treten Sie weg." Mein Gelöbniß ist erfüllt," improvisirt? Kunst im Geist seiner Rolle, als er endlich den Fuß von dem Zopf des Gefällten zurückzog und der gedemüthigte Bösewicht sich langsam in recht kläglicher Verfassung vom bretternen Rasen erhob. Das Stück nahm seinen Fortgang, aber der verzögerte Zwischenfall war -nicht unbeachtet geblieben. Rasch ver breitete sich die Ursache desselben zu allgemeiner Heiterkeit und zum Aerger R.'s, der nicht nur die fünfzig Thaler Qn den berühmten Borger zahlen mußit, sondern auch noch den Spott obendrein zu tragen hatte. Seit jener Zeit soll R. aber, so oft er mit Kunst in einem Rokokostück zusammen wirkte, den ihm so verhängnißvollen Zopf am Rockkragen befestigt Izaben. um beim Niedersinken das ihm so theuer gewordene Object vor dem Fuße seines berühmten College zu bewahren. Blick in die Zukunft. Hausbesitzer (zu dem Wohnung suchen denBrautpaar): Sie würden mir na türlich sehr passen, ich vermiethe näm lich nur an kinderlose Leute!" Aber, Karl, das ist auch wieder nichts... wenn wir gleich im ersten Jahr wieder ausziehen müssen!" .S a t t. Er: Komm Emilie, wir wollen gehen." Sie: O, lasse mich nur noch ein wenig hier, die Aussicht ist ja entzückend, ich kann mich kaum satt sehen." Er: Gut, dann bleibe Du noch da, und sieh Dich satt, ich gehe inzwischen in die Restauration und esse rcich satt!" Kurze Kritik. Nun. wer ist denn bei dem gestern aufgeführten Trauerspiel zuletzt am Leben gebliejfo;?" Leider der Dichter." ...
Tafclsrcudcn im Z-o-Zommcr. Den Tafelfreuden ist der Hochsomwer wenig günstig; nicht etwa, weil derselbe uns keine Genüsse für die Zunge böte an ihnen mangelt es nicht aber die Temperatur macht den Menschen wenig empfänglich für Speisen und Gerichte, die er in kühlerer Jahreszeit mit Beifall und Wohlgefallen begrüßen würde. Der wahre Feinschmecker soll sich im Allgemeinen nicht allzuviel aus frischen Früchten machen, so wenigstens melden einstimmig gastronomische Schriftsteller, aber in den Sommermonaten weiß auch er sie zu schätzen und ist den mannigfachen Obstspeisen, die eine geschickte Köchin herstellt, nicht feind. Daher wollen auch wir uns beute in das Bereich der Obstgerichte" begeben, zumal wir uns schmeicheln, von ihnen verschiedene Bereitungsweisen zu geben, die es verdienen, probirt und gewürdigt zu werden. ??:cht von den Eompotten soll die Red: sein, die wenig Variationen in der Zubereitung gestatten, und die stets nur ein mehr oder minder begehrtes Anhängsel eines Diners bilden, sondern wir möchten von den verschie den süßen Nachspeisen aus frischen Frücrzten reden, die nicht nur für die Sommermonate den Speisezettel bereichern sollen, sondern die auch in den Wintermonaten auf der Tafel erscheinen können, da man dann an Stelle der frischen Früchte die eingemachten nimmt. Äie Obstspeisen theilen wir in zwei große Gruppen, in kalte und warme Fruchtgerichte. Besonders die ersteren sind für die Sommerzeit empfehlenswerth, während die warmen Obstspeisen in ihren mannigfachen Formen an kühlen, zukünftigen Herbsttagen willkommen sem werden. laltc bstspeisen. Gemischte Charlotte. Man bereitet eine klare Rheinweinsulz (Recept in jedem Kochbuch) mit Citronenoder Apfelsinengeschmack und läßt dies abkühlen. Indeß hat man eine Kuppelform bis zum Rande in kleingestampstes Eis gegraben, damit sie kalt wird. Man gießt nun diese Form am Boden und an den Wänden mit der Gelee aus, damit sie überall gleichmäöig damit bedeckt ist. Kleine, gleichmäßig ausgestochene Makronen, die man in dickflüssige Rheinweinsulz taucht, damit sie festhaften, drückt man gleichmäßig an Boden und Wand der Form und füllt die Lücken mit frischen Erdbeeren aus. Bevor man die Form ausgoß. hat man allerhand frische Früchte, je reichhaltiger, desto besser, vorgerichtet, entstielt und entkernt, mit Zucker bepudert und mit Rum beträuseit, um sie so einige Stunden hinzustellen. Sie werden gut abgetropft; dann eine Schicht in die ausgelegte Form gethan, mit dickflüssiger Sulz überfüllt und dieses erst erstarren gelassen, bevor eine neue Schicht Früchte und Gelee hineinkommt. Die Form wird bis zum Rande gefüllt und bis zum Anrichten in Eis gegraben. Man taucht vor dem Stürzen die Form einen Augenblick in mäßig heißes Wasser, trocknet sie ab und stürzt sie darauf behutsam auf eine passende Schüssel. Wiener Apfelpudding. Von sechzehn guten Frühäpfeln kocht man ein nicht zu steifes Apfelmus mit Weißwein und etwas Vanille, sowie dem nöthigen Zucker. Man streicht es durch, vermischt es mit sechs Löfseln Aprikosenmarmelade und einem Gläschen Curacao und läßt dies gefrieren. Indeß hat man allerhand Früchte in Zuckersaft gekocht, abkühlen und abtropfen lassen, unter die man zuletzt einige in Streifen geschnittene Pistazien mischt. Auch ein Viertel Quart Sahne wird steifgeschlagen und nebst den Früchten unter die gefrorene Masse gezogen, die nun noch einige Stunden in Eis stehen bleibt, bevor sie gestürzt und mit Schlagsahne servirt wird, welche mit etwas Zucker und Curacao gewürzt wurde. Schwedischer Pu d ding. Zwölf Aepfel schält man. sticht aus ihnen mit einem Ausstecher kleine Kugeln, die man sofort in mit Citronenfast versetztes Wasser wirft, dann in Zuckersaft kocht und mit feuchtem Pavier auf einer Schüssel zudeckt, damit sie weiß bleiben. Auch aus zwölf großen Birnen sticht man Kugeln aus, die man in dem mit Cochenille gefärbten Zuckersaft der Aepfel roth kocht und auf einem Siebe abtropfen und erkalten läßt. Zugleich hat man eine gute Weinsulz bereitet und kaltgestellt, damit sie dickflüssig wird. Eine Kugelform wird nun nach der zweiten Vorschrift ausgegossen und in abwechselnden Reihen mit den in die Sulz getauchten Obstkugeln ausgelegt. Ist dies geschehen, so füllt man in die Mitte eine Schicht von zuvor gekochtem Apfelmus, das man mit einigen Löf feln flüssiger Mandelsulz . und ein Viertel Quart Schlagsahne vermischt hat und welches kalt sein muß. Ueber diese Apfelmusschicht legt man allerlei gedünstete Früchte, wie: Aprikosen, Reineclaudes, Pfirsiche, Ananas.Nüsse, sowie die übrig gebliebenen Kügelchen, und füllt so die Form abwechselnd. Man gräbt sie in Eis. läßt sie einige Stunden stehen und stürzt sie beim Anrichten. Man garnirt den Pudding mit halben Aepfeln, Pfirsichen und Avrikosen. die man mit einer Kirsche, Hagebutte,Reineclaude oder dergleichen füllt. Marzipankruste mit Anan a s. Aus 13 Unzen geriebenen Mandeln und ebensoviel Zucker nebst Rosenwasser wird ein fester Marzipanteig geknetet.zu einer runden Platte ausgerollt und damit eine mit Mandelöl ausgestrichene glatte Form gleichmäßig ohne Falte ausgefüttert. Der über den Fmiand. hinausra
gende Teig wird abgeschnitten, zu einer federkieldicken Walze geformt und diese mit Eiweiß oben auf dem inneren Rand der Form befestigt und dann bunt geformt. Man bedeckt die Form mit weißem Papier und stellt sie zwölf Stunden in einen sehr gelind warmen Ofen. Dann nimmt man die Form ab und stellt die Marzipankruste auf die passende Schüssel. Eine frische Ananas wird geschält und zur Hälfte in Scheiben, zur Hälfte in Würfel geschnitten. Die Fruchtschale wird in drei Viertel Quart Wasser aufgekocht, die Flüssigkeit durchgeseiht und mit 1.10 Pfund Zucker vermischt, geschäumt und hierin erst die Ananassckeiben, dann die -Würfel fünf Minuten gekocht, worauf beides abtropfen muß. Der Fruchtsyrup wird auf ein halbes Quart eingekocht, durch einen. Geleebeutel gethan, mit einer Drittel Unze aufgelöster Gelatine vermischt und so lange auf Eis gestellt, bis er anfängt zu erstarren; dann wird der steife Schaum von einem halbenQuart
süßer Sahne und die Ananaswürfel darunter aezoaen. Die Hälfte der Creme wird in die Marzipankruste gefüllt und diese an einen kalten Ort gestellt, damit die Creme starr wird. Die zweite Hälfte der Creme füllt man in eine glatte Form, die ebenfalls kalt gestellt wird. Beim Anrichten wird die in die Form gefüllte Creme auf die in der Kruste befindliche gestürzt und die Oberfläche darauf mit den ausgestochenen Ananasscheiben, sowie abgetropften grünen, gedünsteten Reineclaudes und Glaskirschen verziert. Pfirsiche auf Fein-schmecker-Art. Reife, tadellose Früchte schält man. Dann kocht man Zucker mit wenig Wasser, Citronensaft und etwas Vanille dick ein und läßt hierin jede einzelne Frucht zwei Minuten durchziehen. Man füllt die Pfirsiche auf eine flache Schale, kocht den Zuckersaft noch etwas ein, gießt einen Löffel Maraschino zu und gießt ihn über die Früchte. Sie müssen mindestens drei Stunden in Eis stehen, bevor sie servirt werden können, sind dann aber von köstlichem Wohlgeschmack. Marme vbstspelsen. Aprikosen nach Conde. Dreißig Aprikosen schält man. halbirt sie, läßt sie in Zuckersaft, in dem man etwas Vanille ausziehen ließ, aufwallen und legt sie dann zum Abtropfen auf ein Sieb. Sechs rohe Aprikosen streicht man durch, mischt diese mit dem Zuckersaft, kocht eine ziemlich steife Marmelade davon, gibt mehrere abgezogene, in Streifen geschnittene Aprikosenkerne und die Aprikosenhälften hinein und stellt alles warm. Gleichzeitig wird ein Drittel Pfund Reis mehreremale abgekocht und dann mit Sahne weick'gedampft, mit Zucker, weniq Butter und einigen Eigelb vermischt in eine Randform gedrückt und lichtbraun gebacken. Etwas von dem Reis behält man zurück, formt kleine Kugeln davon und bäckt sie inSchmelzbutter aus, bepudert sie mit Zucker und glacirt sie mit glühender Schaufel. Kurz vor dem Anrichten wird der Reisrand gestürzt, mit etwas Him'beermarmelade bestrichen und mit geriebenen Pistazien bestreut. In die Mitte werden die Aprikosen gefüllt und mit geriebenen, mit feinem Zucker vermischten Makronen bestreut und am Rande mit gelckenen Reiskugeln garflirt. Dasselbe läßt sich mit Pfirsichen zubereiten. Pariser Krusten. Zehn Frühäpfel schält man. schneidet sie in Würfel, kocht sie in Wein mit Zucker weiß und nicht zu weich und läßt sie abtropfen. Der Saft wird dick einge!ocht und mit sechs Löffeln AprikosenMarmelade und zwei Löffeln Madeira vermischt, die Aepfelwürfel wieder hinei.igethan und dieses im Wasserbade heiß gehalten. Von feinem Weißbrot werden nun gleichmäßige Scheiben geschnitten, in Sahne und Zucker gew:icht, in geriebenen Makronen, dann i Ei und zuletzt in Semmel gewendet und goldbraun gebacken. Man bestreicht die Schnitten auf einer Seite .nit Johannisbeergelee, füllt die Aepfel kn die Mitte einer Schüssel und legt die Krusten im Kranze herum. Gebackene Aprikosen. Zwanzig große, reife Aprikosen schält van, halbirt sie.entfernt den Kern und stellt sie, mit Zucker bestreut, eine Stunde verdeckt beiseite. Indeß bereiUt man einen Backteig oder Klare, kaucht dann jede Aprikosenhälfte in den Teig, der sie ganz einhüllen muß, lind bäckt sie in Schmelzbutter goldöraun. Dann läßt man die Aprikofln ablaufen,taucht sie nun an einer Gabel schnell in zum Bruch gekochten Mucker und bestreut sie mit gehackten Pistazien. Auf zierlich gebrochener Serviette kreuzförmig anzurichten. Galgenhumor. Aieht dann und je ein Mißgeschick verdunkelnd über unser Glück: Gleich schwingt der übermüth'ze Ton, Des Witzes Laune, sie flieht davon. Doch richtet sich bei uns das Leid Recht häuslich ein auf lange Zeit: Da tritt der Flüchtling wieder hervor Mit bitt'rem Lächeln als GalgenHumor". Auf der Messe. A.: Da, höre nur, wie diese Musikanten einem Die Ohren zerreißen; es sind doch Böhmen, welche gewöhnlich besser spielen, namentlich Violine." 23.: Nun, diese da werden . eben von Kratzau sein!" AucheinVorzug. Sie:Jst es wahr, daß Du in Deinen früheren Jahren einmal so betrunken warst, da Du auf der Straße lagst?" Er: Allerdings. aber in schönster Lage der Stadt!"
Ecistcrgrscljichtcn aus Dem Schws.vcnlande. r Von Carl Äöchlinz. Wer etwa glaubt, daß Hexen, Gespenster. schwarze Katzen und dergleichen aus unseren Häusern und Ställen verschwunden seien, oder daß der Zeitgeist sie verschwinden ließ, ist im Irrthum. Geht doch selbst in Berlin, der Stadt der kritischen Vernunft, manch freidenkender Mann heimlich zur Kartenlegerin, um zweifelhafte Fälle vorher entschieden zu sehen. Bei unseren Bauern dagegen, mögen sie protestantisch oder katholisch sein, im Norden oder im Süden wohnen, blüht der ganze Aberglauben noch versteckt, aber kräftig. Die Leute wollen ihn haben, können ihn nicht missen und machen ihn sich in den alten F.rmen zurecht, wenn irgend etwas Unerklärliches vorgefallen ist.
Wer als Maler auf seiner Studienreize häufig rn dasselbe Landitadtchen Ipder Dorf kommt, lernt die Leute durch das enge Zusammenleben besser kennen, als irgend sonst jemand; er hört vieles und es wird ihm manches vertraulich mitgetheilt, waö sonst ein Fremder nicht so leicht zu hören bekommt, wenn er sich auch noch so große Mühe gibt. Man kann so im Laufe der Jahre die ganze Denkungsart der Leute studiren, besonders wenn man durch schlechtes Wetter am Arbeiten im Freien verhindert und an die Wirthsstube gebunden ist. Mein Studienort ist ein altes weingrünes Städtchen in Schwaben. Auf steilen Kalksteinfelsen erhebt sich die verwitterte Stadtmauer, welche wohl schon seit drei Jahrhunderten ihren Zweck verfehlt hat. da sie den nahen, noch viel höheren Weinbergen gegenüber keinerlei Schutz mehr gegen Kanonenkugeln gewährt hätte, und welche jetzt als Giebelmauer für Scheunen und Häuser dient. Durch die verschiedenartigsten Fenster, Luftlöcher und Pförtchen wurde sie durchbrochen, und Risse und Einstürze machten sie zu dem, was wir romantisch nennen. Kein Wunder, wenn es in diesem alten Gemäuer ein wenig spukt, und die Phantasie der Einwohner mehr angeregt wird, als in irgend einem modernen Ort. Das erste, was man im Wirthshause hört, ist, wieviel Wein es wohl im Herbste gibt, wie gut er wird und was er wohl kosten wird. Das zweite ist die Sorge um den Apfelwein, den Mooscht", und dann erst kommt die Feldfrucht in Betracht. Aber auch manch anderes hört man, und so habe ich mir nach und nach eine Anzahl meist fröhlicher Geschichten gemerkt, welche aus dem Reiche der Geister in die freundliche Gaststube zur Sonne" gewandert sind. Mein Sonnenwirth hatte sieben Katzen, mit denen ich auf sehr gutem Fuße stand. Als die Thierchen mich eines Abends freundlich umschnurrten.' sagte ein junger Knecht, er könne die Katzen nicht leiden, denn in ihnen stecke der Teufel, worauf ich ihm erwiderte, er solle sich schämen, als jungerMensch an solche Geschichten zu glauben. Er bestand aber auf der Richtigkeit seiner Behauptung. In einem bestimmten kleinen Gäßchen gehe es Nachts um, meinte er, und dort hätte der Polizeidiener noch jede Neujahrsnacht ein schwarzes Böckle springen sehen. Das ist allerdings ein schlimmes Thier." erwiderte ich, worauf er fortfuhr, er sei einmal Nachts durch das Gäßchen gegangen, da hätte er im Mondschein eine schwarze Katze sitzen sehen, welche ihn mit feurigen Augen anglotzte und nicht von der Stelle gewichen sei. Als er dann nach ihr getreten und gesagt habe: Gehschte weg. Lumpevieb." sei die Katze verschwunden gewesen, er aber hätte mit verrenktem Schenke! dagelegen, wie wenn er siebzig Fuß hoch hinuntergefallen wäre. Vier Wochen habe er im Spital liegen müssen. Meine Erklärung, er habe in seiner Höllenangst wahrscheinlich so stark aufgetreten, daß er hingefallen sei, fand keinen Glauben bei ihm. Meine Hauptbeschäftigung neben dem Malen ist das Fischen mit dem Wurfgarn. Als ich einmal mit meinem Wirth, welcher auch Fischer ist, nach dem Wasser ging, rief uns einer zu, ob er einen Hecht haben könnt?. Da nun Hechte im Neckar ziemlich sclten sind, fragte ich im Weitergehen meinen Wirth, ob denn hier armeLeute die theuren Hechte kaufen würden, worauf er etwas verlegen antwortete, es läge den Leuten nicht daran, den Hecht zu verspeisen, sondern sie brauchten ihn zur Sympathie"; die Leute hätten ein krankes Stück Vieh im Stall und glaubten, wenn sie einen Hechtkcpf über die Stallthüre nagelten, die Heren oder Geister aus dem Stalle verschwinden würden. Als ich ihn von der Seite ansah, meinte er. cr selbst glaube natürlich nicht an das Zeugs; er wisse recht gut, daß die Krankheit des Viehs von einem schlechten Stall berrühre oder es seien zu viel Ratten drin, die das Vieh bei Nacht so kujonirten. daß es Morgens naß geschwitzt dastünde. Im vorigen Winter habe ich freilich ein gutes Geschäft gemacht: da war das Altwasser so lang: zugefroren, daß alle Hechte 'darin abgeitanden . waren. Nach dem Auft5.auen habe ich den todten Hechten die Köpfe abgeschnitten und sie für fünfzig Pfennige das Stück an die Bauern verkauft." Ich lachte. Er aber meinte, ich solle nur einmal aufpassen, wenn die Richtigen in der Wirthsstube beieinander wären und das Gespräch auf Geiste? käme, da könnte ich etwas zu hören bekommen. Früher sucht: ich viel in alten Häue,:n nach Alterthümern, jetzt findet
man nichts mehr: Die Stugarker Hexe hänts mitzenomme" oder die Kinder hänts d' Steege na geschmissc," heißt es immer. Oben im Städtch?n steht ein großes gothisches Haus, welches sehr vielversprechend aussah und ein merkwürdiges Alterthum enthalten sollte. Was es jedoch sei, konnte ich von Niemandem erfahren. Ich beschloß daher, mich direkt an den Besitzer des Hauses, den Hannes, zu wenden, und als er eines Sonntags in der Sonne" saß und etwas im Kopse hatte, hielt ich die Gelegenheit für günstig, ihn auszuhorchen. Er erzählte mir auch viel, was ich jedoch nicht alles verstand, da er sehr ängstlich und leise sprach, obwohl er seinen Mund dabei weit öffnete. Es sei die ganze biblische Geschichte darauf von König David bis zu Karl dem Großen." Jedenfalls handelte es sich um einen werthvollen alten Krug.- Wenn ich aber genauer fragte, was es denn eigentlich sei oder ob ich es sehen könnte, verzog er seinen Mund zu einem verlegenen Lächeln und schwieg. Weitere Nachforschungen führten nicht zum Ziel und mein Anerbieten wies er mit den Worten ab: Mer häns wieder eingemauert, daß Ruh im Haus isch; mei' Brüder häns nit andersch tho'!" Dann neigte -er sich vertrauensvoll zu meinem Öhr und sagte: Wisset se, mei Haus ischt e Kloster gwä, und do ischt's nit sauber drin, und wann i emol bei Nacht mit eme Rausch heimkomm, no trage se mi de Steege nuff. Aelle hänt weiße Kutte an und lange Bärt." Auf meine Bemerkung, daß er es doch sehr gut habe, meinte er: Jawohl, awer mer derf se nit 'verzürne." In dem Hause selbst war es mir unmöglich, die Stelle der EinMauerung zu erfahren; immer dasselbe Lächeln war die Antwort. Eines Nachmittags war in der Sonne" die richtig: Gesellschaft beisammen und t man kam ganz zufällig auf das Gespensterthema. Ein fremder Holzbauer, der nach einem guten Geschäft sich am Wein gütlich that, las laut aus der Zeitung vor, daß ein Mann aus B. die Verpflichtung übernommen habe, Selbstmörderleichen gegen einen Lohn von 49 Mark sofort nach Tübingen auf die Universität zu fahren. Das wäre doch sehr wenig und Tübingen wäre weit, meinten viele der Anwesenden; bis er wieder zurück wäre, hätte er von dem Gelde nichts mehr übrig. Es wäre doch auch ein bedenkliches Geschäft. Einige meinten, sie würden sich nichts daraus machen, mit einem solchen Gast die Nacht durchzufahren. Der Mensch isch nit so schreckhast, awer's Viech!" sagte der Holzbauer, mei Gäul merke alles, wo eöbcs isch, was wir gar nit sehe. Die ziehen koin Wage an, wo so aner druff liegt, und wenn er im Kaschte verschlösse isch." Nun erhob sich ein allgemeiner Meinungsaustausch, ob Todte als Geister umgehen oder nicht. Ein alter Zimmermann war der Ansicht, daß es in Häusern nichts gäbe, aber: Drauße hat's!" Wie er einmal Nachts den weiten Weg nach O. nach Hause - gegangen wäre, hätte er auf einmal aus der Luft eine solche Ohrfeige bekommen, daß er fast in den Chausseegraben gefallen wäre. Andere wußten, daß der Geist eines alten Schnapsbruders im Arrestlokal im Nathhause eines Nachbarortes umgehe, weil der Mann sich dorterhenkt hatte. Er kujonirt: die Jnsanen so, daß sie oft die ganz: Nacht brüllen müßten, um den wüfchten" Kerl zu verscheuchen. Wenn einmal einer der dortigen Bauernbuben eingesperrt würde, dann kämen alle seine Kameraden und unterstützten ihn beim Brüllen, so daß kein Mensch in der Nachbarschaft schlafen könnte. Ein anderer rief nun dazwischen: Ja, wißt ibrs dann nimmeh, wie in W., wo der alt Pfarrer gestorwe isch. der alt den junge bei der erschte Predigt nit uff die Kanzel nuff hat lass: wölle. was die ganz Gemoan g'sehe hat?" Es wurde noch vieles erörtert, was man wußte und als glaubhaft zugeben mußte und daß es auch Leute gäbe, wie der und jener, die Meister über Geister wären. Ein Bahnwärter sagte siegesgewiß: Und i weiß g'wiß, daß faner an meine Zwetscbge schüttelt und stiehlt; er muß bis zum andern Marge amZwetschgeboom siebn bleiwe, an dem er geschüttelt hat. bis i en abhol. I hab cn alts Buch, do stobt's drin, wie mer's mache muß!" Diese Aeußerung erregte manchen Zweifel, und ich fragte einen, was wohl damit gemeint sei, und erhielt die geringschätzende Antwort: Ha, er meint ebe, ei könnt' banne." Der fremde Bauer suchte dann die Geisterseherei seiner Gäule, zu beweisen. Er sei einmal bei Hellem Mondschein auf der Straße nach B. gefahren. Plötzlich stutzten die Pferde, sie mußten etwas gesehen haben; er aber habe mit dem besten Willen nichts Auffälliges bemerken können. Dann seien die Pferde mit ihm querfeldein durchgeganan, und ein Rauschen in derLuft sei über ihm hergefahren und hätt: ibm die Backen gestreift, worauf ihm die Sinne vergangen wären. Wie lange dies gedauert, könne er nicht sagen. aber auf einmal rief ihm eine Stimme von oben zu: Oh, oh. oh!" worauf auch die Pferde hielten. Er rief dann: Aber um's Gotteswille. jetzt saget se mer an. wo bin i dann jetzt?" Da habe ihm eine Stimme auZ der Höhe geantwortet: Sie sind ufZ dem Bissinger Feld und do hob: isch die Stroße!" Da sei es wie Schuppen von seinen Augen gefallen, und er hätte die Straße wiedergesehen; c! sei aber kein Mensch in der Nähe gewesen. Den meisten schien die Sache rich-
tig, nur einer sagte: Du wirsch! wohl en rechte Fahne gehabt hawe!" Ein anderer dagegen meinte: Do hat Dich eb: einer verführt. Der Stechele ischt au emol von eme Gcischt verführt worde, wie er im Wald hat Holz stehle wolle. Der Hot en unter de Arm packt und uff de Michclsberg nuff yetrage durch d' Luft und awer au wieder zerück uff deselbe Platz, wo sei Axt gelege hat." Darauf erzählte der Holzbauer weiter, daß er einmal nach D. gefahren sei und wieder einmal standen die Gäule wie festgenagelt. Nach einigem Umschauen bemerkte er einen großen Trupp Ocsterreicher und Franzosen, welche seitwärts in einem Thälchen miteinander herumhantirtcn. Da sei aus dem Gewühl ein Offizier auf ihn zugetreten und habe gesagt: Hebe Dich weg von hier!" Da sei er aber durchgegangen, und als er im nächsten Ort dies erzählte, hätte ihm einer gesagt: Ja weischt denn Du Kamel net. daß dort die groß Schlacht zwische de Oesterreicher un Franzose wor?!" Einer, der in allen diesen Fällen ziemlich ungläubig schien, erzählte dann eine Geschichte aus demSchwarzWald, welche sehr zum Schaden der Hexengläubigen ausgefallen ist. Dort hatte ein Mann zwei krankeKühe im Stall, anstatt aber zum Thierarzt zu schicken, wird der Hexenbanner geholt. Der sagt natürlich: Ja, die sind freilich verhext, aber nur still, daß es kein Mensch erfährt, dann wollen wir gleich heute Nacht die Hex herbanne; her muß sie! Ihr müßt bloß ein Hufeisen glühend mache undSchlag zwölse unter Eure schwarze Kuh legen und darauf melken, dann kommt die Hex. Das andere besorg ich schon." Die Sache wird also gemacht. Voller Angst legt der Bauer das glühende Eisen unter die Kuh, sein Weib fängt zitternd an zu melken und als der erste Strahl Milch auf das heiße Eisen niederzischt und broddelt, stürzt die Frau mit gellendem Schrei zum Stall hinaus: Die Hex, die Hex! Sie kommt, sie kommt!" Ihr Mann springt ihr nach: Halt, halt!" und ihren nacheilenden Mann für die Hexe haltend, rennt die Frau wie wahnsinnig in die Nacht hinaus. Sie wird schon wiederkommen," beruhigt sich der Bauer, aber sie kam nicht mehr, und am andern Morgen fanden sie Holzarbeiter ganz verstört und halb erfroren zusammengekauert auf einem großen Stein mitten in der Enz sitzend. Die Frau blieb ihr Leben lang blödsinnig. Später hatte ich einmal Gelegenheit, ungestört eine Unterhaltung zwischen dem Weidenbauer und dem Jakobfrieder anzuhören. Der Jakobfrieder hatte schwer von Hexen zu leiden und begann zu seinem Nachbar: Wie i Dir scho' früher emol gesait hau', lent die Luder, die Hexe, mir und mein Viech gor koi Ruh; emol isch dees, 's andermcl sell, und mei Weib plogt mi' scho' lang, i soll doch unsern Stall versichern lau'. Bei's Zimmermanns häb's glei' geholfe, und am Freitag Nacht will der Fuchs aus W. komme und mein Stall versichere." Wie macht er dann dees?" wollte der W:idenbauer wissen. Ha, ällc-s sait er einem net, nur so viel' weiß i, daß er Papeierle nemmt, die besonders zupappt send, und außa isch allerhand Zuigs druff gemolt; die Hauptsach aber, schäz i, werd inne drena sei', awer anrege derf mer's net. Von selle Papeierle nagelt er eins auße an d' Stallthüre na, eins inne und eins über d' Raufe, und dann molt er no' drei rauthe Kreuz an d' Stallthüre na, no' müsse die Kanallie, die erdeschlechtige wieder umkehra, wann se nei' wöllet. En schwarze Bock soll i sür alle Fäll au' eintho'; sell thut oft au' guet, dovor hänt se Respekt." Ja. wenn mer's nur au' ganz g'wiß wüßt, ob's wirklich Hexe geiht. Woischt d' Herraleut lachet unsereins aus, wenn se's höret," meinte der Weidenbauer. Und glaubet's selber," fuhr der Jakobfrieder auf, worum nehmet denn unsre Gericht koin Hexaprozeß an? Oifach weil mer net an se na kann! Do helfe bloß Zaubermittel!" Ha, 's Gericht macht ebe koin Hexaprozeß aus, weil im Strofbuch koin Paragraph für d' Hexa vorg'sehe isch." Ja sell isch freili' en Fehler, aer worum Hot mer se denn in frühere Zeite verbrennt, und unsere Vorväter send doch seine sottige Efel g'wä, doß se ebbes thau' hättet, wo gar nix drä' g'wä wär! Und des kann e Blind's sehe, daß's in meim Stall scho' lang net mehr sauber isch, und wie dunderschlechtig isch's bei mir in dene zwölf gefährliche Rächt nach Weihnachte zuganga! Zaierscht send se hinter mei' Gäul, und Du hoscht selber g'sehe. wie die Morgens dagestande send, brühnaß und d' Schwänz so fest inenander dreht und lauter Drobtstumpe nei' geflochte, wie's gar koi Mensch fertig bringt. Zittert hänt's am ganze Leib. Die Thierle send ebe viel g'scheiter als d' Mensche, sie sehen's! I woiß fast g'wiß, wer's g'ewä isch die alt Webers! Umsonsch hänt mei Gäul net g'scheut, wie- sie mit ihrem alte rauthe Kopftuch über d' Stroße g'spronge isch, und an dem Blick, mit dem se oim anglotzt Hot, haun i grad g'nueg!" Ja, sag emol, sie hab jo Des Weib verklagt, weil's gesait hätt, sie häb Eure Gäns verhext," sagte der Weidenbauer. und d' Herra uff'm Gericht hätten g'sagt. sie soll nur ruhig hoimgeha. sie sei koi' Hex; dees gäb's in unserm Johrhundert nemmeh. D' Jakobfriedern müß eb: e' b'schränkt's Weib sei', daß sie so ebbes sag." Ja hoimgeschicki hän se se, die Herra," höhnte der Jakobfrieder, sie wsr'n au gewißt hewe, worum, und
jetzt soll mer au no beschrankt sei', wenn solche Thatsache vor oim liege wie todte Gäns! Moinscht ebda, mei Eäns wäre an ere Krankheit gestorbe, wenn se Abends kerngesund send un sresse, was se nur nunterbrenge, un Morgens liege se do, mausdaudt, d Hals hentersche dreht, d' Füß strecke se ganz weit vor, d' Flügel au verschränkt, so daß mer ganz gut sieht,, wie sich die arme Thierle hänt wehra müsse oh wie Hot mei Weib geheult! Und worum Hot denn d' Her glei' hermüsse?" Ha, dees kann au Zufall sei', daß. d' Webere grad komme isch. um Milch z'hole," sagte der Ungläubige. So, dees isch Zufall, wenn i de Hexebanner hol', un' der sagt glei': Dees wölle mer bald hauße han, wer die Gäns verhext Hot. Dei Weib soll nur e' offnes Feuer uff'm Herd mache un' so e daudte Gans mit Haut un Hoor verbrenne, awer Schlag zwölfe muß es sei', un' no streust dees in's Feuer, awer uffmache derfscht d' es net, (un' do Hot er mer ebbes im'e Papierle mitgäbe), dees treibt d' Hex her;, 's erscht Weib, wo in's Haus kommt, isch's. Mei Weib thut, wie er's ge--sagt hat, und richtig, wer kommt d Steege ruff d' Webere! Isch dee2 au en Zufall?" I ben nor froh," erwiderte mit ruhigem Lächeln der Weidenbauer, daß. selöigsmol, wie's zu Eurem Kamin so faumäßig g'raucht un' g'stonke ' Hot, un' tnei Weib g'schwind zu Euch Hot nüber springe welle un' sehe, ob's denn brennt, i zu ihr gesagt hab: Du bleibscht do; zuvor abwarte, was los isch! Dui isch froh, daß se mir gefolgt hat, sonscht wär se jetzt au eHex." Ha, sell hätt' mer am End doch net glaubt," gab der Jakobfrieder zu, awer mei Bua isch au verhext; wie hänt den vor e paar Johr d' Hexe g'ritte! Kaum ischt er im Bett g'lege, ischt's grad g'wä, als hopf ebbes vom Fenster her auf en zu un' Hot sich glei' so fescht uff sei Bruscht gesetzt, daß er kein Ton herausbracht Hot un' sich nemmeh Hot rühre un rege könne, und dann hänt se en klaubt un' pfetzt un drückt, bis-se g'nueg g'hett hänt, uff eimol Hot er dann en Schrei tho', und da send se weg g'wä." Darauf erklärte ihm der andere: Die Doktor saget, dees sei Aberglaub, dees käm bei junge Leut häufig, vor: mer heißt's Alpdrücke." Jo, schönesAlpdrücke, Hexe send's! Un' seit er dees nemmeh hat, lauft er so eme Taglöhnersmädle noch, dem Frankeliesle. Goht des au mit rechte Dinge zu, daß e hiesiger Baurebua, der emol allein den ganze Hof kriegt, so einer nochsprengt? I un' mei Weibhänt em alles vorgestellt, hänt schimpft un' bittet nix will batte antho" Hot f'es em! Aber der Fuchs woiß au. do e Mittel." No woischt," meinte der Weidenbauer, dees muß mer sage, blitzsauber isch d' Frankeliesel un' Unrechts ka' mer ihr nix nachsage, als daß se arm isch, un' i mein', dees seiet ebe der Liesel ihre schwarza Auge, die's Deinem Buabe antho' hänt." Dees isch's jo grad, sait mei Weib an dene glitzerige Auge sah mer's, das; se au e Hex sei! Deswege verstoß i lieber mein' Bua, als daß so oine uff de Hof kommt, vor dere mer Tag un' Nacht in Todesangst sei' muß um sich un' ums Viech. Mei' Knecht glaabt au. daß se eine sei, denn letzthin ischt er Obends am Frankehäusle vorbeiganga, un' do ischt 'm uff oimol einer uffgesesse, und den Hot er bis vor de Flecke naus trage müsse. Un' so en schwere Kerle; der häb en so druckt! Aber g'sehe Hot er en net. Geschwitzt Hot er, daß er patschnaß hoimkomme isch un' Hot glei' in's Bett neiliege. müsse." O Jakobfrieder," erwiderte der Weidenbauer, i hau' au' ebbes läutehaire, worum dei' Knecht häb in's Bett liege müsse, aber sell wär mit ganz natürliche Dinga zuaganga. Dem--noch hätt er au' zum Liesle nei' g'wöllt un' sei zuedrengli' worde, un' do hänt em des Liesles Vater un' Bruder de Leib recht verschlage; dees wird em, schäz i, druckt hau uff sein Buckelx moinscht net? Au' haun i g'hairt doß e gewisser Bauer sei'm Knecht' 200 Mark verspräche hätt', wenn er's Liesle verführ, damit sein Bua net. mehr an's denke soll." Das war zu viel für den Jakobfrieder. Er erhob sich und sagte beim Hinausgehen: Jetzt will i nix mair wisse, gut' Nacht!" Hinter ihm her rief der Weidenbauer lachend: Du, wann mer wieder z'samma kommet, saischt mer au, was der Fuchs ausg'richt Hot!" Das sind die merkwürdigen Geschichten, welche ich in der Sonne gehört habe. Wer unserem Volksleben Verständniß und Interesse entgegenbringt, findet darin mehr als ein: Unterhaltung für den Augenblick. Steckt doch in solchem Aberglauben ein gut Stück altgermanischen Heiden--thums, das vom Volke desto treuer festgehalten wird, je lebhafter die Phantasie und je geringer das ver--standesmäßige Denken entwickelt istvor allem ein von Haus aus zum. Singen und Sagen" gestimmtes Volk, wie die Schwaben, wird sich nur ungern und langsam von jenen Vorstellungen trennen. Die Zeit der Hexenprozesse, die wohl die schlimmste Ausartung dieses Aberglaubens waren, ist vorüber, aber der Hexenglaube oder die Hexenfurcht sitzt noch fest, und wenn es nach des Jakobfrieders Kopf ginge, würde auch jetzt noch alljährlich in jedem Oberamt mindestens eine Hexe nach gutem aU ten Brauch" verbrannt werden. ,
