Indiana Tribüne, Volume 17, Number 310, Indianapolis, Marion County, 29 July 1894 — Page 7

Gras Philipp Königsmark. Von Tr. phll. Staude.

Vor 200 Jahren, am Sonntag, den 1 Juli 1694. ging Abends der Oberst Graf Königsmark aus seiner an der Leinstraße zu Hannover belegenen Wohnung in das Schloß und ward nie wieder gesehen. An dieses Verschwinden des Grafen, an die bald darauf erfolgt: Verhaftung der Kurprinzessin und ihrer Hofdame, an die Ehzscheidung der Prinzessin und ihre lebenslängliche Haft in Ahlden hat sich ein ganzer Sagenskreis geknüpft. Schuld daran hat zum großen Theil der hannover'sche Hof. der ängstlich bemüht war, jede Auklärung dieser Vorgange zu unterdrücken, jeden Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des Grafen und dem Proceß gegen die Kurprinz'.ssin in Abrede zu stellen. In den Beständen des hannover'schen Staatsarchivs sind die Spuren geflissentlicher Beseitigung gerade des wichtigsten Materials ganz unverkennbar. Ein Celle'schcr Aktenband enthält die Protokolle über Minister-Conferenzen der Jahre 109093 und 169399. der Jahrgang 1694 wurde bereits bei der ersten Anlage des sorgfältigen Nepertoriums vermißt. Der alte Umschlag des Bandes aber zählte dreien Jahrgang ausdrücklich mit auf und bezeugt dadurch, daß derselbe nach der Einregistrirung beseitigt worden ist. Auch in dem Briefwechsel zwischen der Kurfürstin Sophie und der Herzogin von Orleans fehlen die Briefe von Anfang Juli bis Mitte November 1694. Zu der Sagenbildung hat auch der Herzog jlnion Ulrich von Wolfenbllttel beigetragen, der in seinem Roman Die römische Octavia" im 6. Theil die Geschichte der Kurprinzessin unter dem Namen Sota" schildert. Diesem Roman und zum großen Theil auf ihm beruhend ist eine ganze Anzahl Schriften gefolgt, so namentlich in französischer Sprache Geheime Geschichte der Herzogin von Hannover". Eine Übersetzung davon ist Fredegonde oder Denkwürdigkeiten des hannover'schen Hofes". Auch an Schriften, die ohne jeden Untergrund nur der Phantasie ihrer Verfasser den Ursprung verdanken, hat es nicht gefehlt. Soweit es b?i dem lückenhaften Material möglich, haben die Schriften des Staatsraths Schaumann, des Grafen Schulenburg und des Professors Köcher wirkliche Aufklärung verschafft. Graf Philipp Christoph Königsmark, etwa 1662 geboren, war ein Sohn des 1673 als Generallieutenant gefallenen Grafen Kurt, der mit der schönen Gräfin Wrangel verheirathet war, Philipp war einer der schönsten, aber auch zugleich ausschweifendsten Cavaliere seiner Zeit. Als Page am Hofe zu Celle ward er der vertraute Jugendfreund der Prinzessin Sophie Dorothea und wurde mit ihr auferzogen. Dann hat er im Auslande romaurische Abenteuer bestanden, an Kriegsfahrten theilgenommen und kam 1685 nach Hannover, wo inzwischen Sophie Dorothea Kurprinzessin geworden. Der Kurfürst Ernst August ernannte ihn zum Obersten eines Dragonerregiments. Die Prinzessin war in trauriger Lage; sie war in Hannover unmöglich geworden, weil der unauslöschliche Haß ihrer Schwiegermutter, der Kurfürstin Sophie ihre Stellung untergraben hatte. Diese war eine hochgebildete, aber auf ihre Abstammung von König Jacob dem Ersten sehr stolze Frau, welche in die Verbindung' ihres Sohnes mit Sophie Dorothea jini deshalb gewilligt hatte, weil die Prinzessin das Herzogthum Celle nach dem Tode ihreS Vaters erbte. Die Kurfürstin sah die Prinzessin nicht als ebenbürtig an, weil sie eine Tochter der Elpanore d'Olbreuse, die aus niederem französischen Adel stammend, erst nach ihrer Hirath mit dem Herzog Georg Wilhelm von Eelle in den Reichsfürstenstand erhoben war. In den Augen der Kurfürstin wcrr die Prinzessin So phie Dorothea nur ein unehelichesKind. das, dem Stande der Mutter folgend, nie den Slnrnen desVaters tragen dürfe. Diese Person", sagte die Kurfürstin, müßte tl sich zu? Ehre anrechnen, mit dem ersten Kammerdiener ihres Gemahls verheirathet zu werden. Ihr Schwiegervater. Kurfürst Ernst "August, ließ die Prinzessin ohne Beden in fallen, nachdem er durch sie seinen Zweck, die demnächstige Vereinigung von Hannover und Celle. erreicht hatte, und suchte Erholung bei seiner G? liebten, der Frau seines Ministers, der Gräfin Platen geb. von Meisenbug. Der Gemahl der Prinzeß, der Kur Prinz Georg Ludwig, hatte das Temperament seiner Mutter geerbt; er war schweigsam und zurückhaltend bis an sein Ende. Zum Verdruß seiner Gemahlin hielt er sich ebenfalls mehreri Gunstdamen, darunter eine Generälin v. Weyhe, die eine Schwester der Gräfin Plate.i, der Maitresse seines Vaters, war. Vom Hof zu Celle hatte Sophie Dorothea keine Hilfe zu erwarten, ihr Vater Herzog Georg Wilhelm, der in JtaIien so erkrankt war, daß er auf die Hand der stolzen Sophie verzichten und sie seinem Bruder Ernst August überlassen mußte, fühlte sich dadurch der Familie seines Bruders gegenüber gebunden, und die Mutter, das Kebsweib" in den Augen der Kurfürstin, konnte sich ihrer Tochter noch viel weniger annehmen. Das eheliche Verhältniß besserte sich auch nicht, als die Prinzessin ihrem Gemahl zwei Kinder gebar, 1683 den Prinzen Georg (König Georg den Zweiten von England) und 1687 die Prinzessin Sophie Dorothea (Gemahlin Friedrich Wilhelms des Erjte von Pttußen).

Unter solchen Umständen ist es natürlich, daß Sophie Dorothea wieder Zuneigung zu Königsmark gewann.den der damalige englische Gesandte in Dresden einen lockeren Vogel" nennt und über- den er berichtet: Ich habe ihn m England, Hamburg, Flandern und Hannover als einen ausschweifen den Menschen gekannt und würde ihm immer aus dem Wege gegangen sein." Graf Königsmark weilte nicht dauernd in Hannover, sondern nahm an den Kriegszügen am Rhein theil.wohin ihm die Prinzessin ihr Bild nachsandte. Von Dresden, wo August der Starke, der ihm wohlwollte, Kurfürst geworden. war er 1684 nach Hannover zurückgekehrt. Die Vertraute zwischen der Prinzessin und Königsmark war die Hofdame der ersteren, Fräulein v. d. Knesebeck. welche auch die Correspondenz vermitielte. Aon diesem vertrauten Verkekr erfuhr die Gräfin Platen, welche selbst Königsmark geliebt, bei ihm aber keine Gegenliebe gefunden und deshalb au? sein und oer PrinzessinVerderben sann. Durch ihre Kundschafter erfuhr sie, daß

die Prinzessin, während ihr Gemahl in Berlin weilte, mit Königsmark heimlich Hannover verlassen und sich zunächst zu dem mit dem hannoverschen Hofe verfeindeten Herzog von Wolfenbüttel begeben wollte. Der Abend des 1. Juli 1694 war bestimmt, die letzten Besprechunzen über die Flucht am nächsten Tage zu treffen. 5önigsmark begab sich zwischen 10 und 11 Uhr in das Schloß zur Prinzessin, ein Paar schlichte griese Leinwand-Sommerho-sen, ein schlicht weißes Kamisol und eineu braunen Rock anhabend." Die Unterhaltung zwischen der Prinzessin und Königsmark dauerte sehr lange, so daß die Knesebeck zum Abschhd mahnte; endlich ging Königsmark und die Prinzessin packte die Sachen für die Flucht. Als Königsmark den Corridor bei dem Rittersaal entlang gegangen, erwarteten ihn 4 Trabanten im Dunkeln. Diese waren von der Gräfin Platen beauftragt worden, Königsmark zu verhaften und im Fall des Widerstandes ihre Waffen zu gebrauchen. Königsmark vertheidigte sich tapfer, brachie den Trabanten mehrere Wunden bei, bis sein Säbel zerbrach und er übermannt wurde. Tödtlich verwundet wurde er in ein kleines Gemach gebracht, das unter Wasser gesetzt werden konnte, und vollends ersäuft. So vermeldet der englische Tourist Wraball und beruft sich dabei auf das Zeugniß eines französischen Gesandten Blondel, der damals in Hannover lebte. Am nächsten Morgen ward die Leiche von Königsmark in einen geheizten Ofen gelegt, verbrannt und der Platz sofort zugemauert. Wie die Kurprinzessin erzählt, wurde der Kurfürst durch die Gräfin Platen von dem Geschehenen unterrichtet, hat erst laut gezürnt,' dann aber angeordnet, daß die Ueberreste in ein heimliches Gemach geworfen würden, daß man Kalk darüber schütte und den Raum zumauere. Aeußerlichkeiten, die an diesen Mord erinnern, sind jetzt im Schlosse nicht mehr zu finden; vergebens sehen sich fremde Besucher nach den Blutflecken auf dem Fußboden um, die nach einer Sage unvertilgbar sein sollen. Schaumann berichtet: Man will einen noch vorhandenen Schädel, welcher allerdings Spuren einer heftigen Kontusion auf der Oberfläche zeigt, angeblich von einem Schlag mit der Hellebarde herrührend, welcher bei einem Umbau des Schlosses unter einem Treppengeländer vorgefunden sein soll, als den Königmark's erkennen. Im Schloß weiß man davon nichts." Oft ist damals auch das Gerücht aufgetaucht, Königsmark sei nicht todt, sondern werde in einem Keller des Schlosses gefangen gehalten. Der Sohn der Schwester des Ermordeten Gräfin Aurora.Graf Moritz von Sachsen, hat sogar in seinen Memoiren eine romantische Geschichte erzählt, derzufolge Königsmark noch bis zum Februar 1695 als Gefangener im Schlosse gelebt habe und dann auf Befehl des Hofes bei Abendessen vergiftet worden sei. EinBrief von1698 an denHerzog von Sachsen-Zeitz meldet als Gerücht, Königsmart, der in einem tiefen Loch gesessen, in dem ihm fein Bart ellenlang gewachsen, solle wieder an's Licht gekommen sein und zugleich habe sich seine Unschuld erwiesen. Der hannoversche Hof wollte von dem Verschwin den Königsmarks nichts wissen, er bestritt jeden Zusammenhang zwischen der Gräfin und dem bald darauf begon:lenenScheidungsproceß der Prinzessin. Am 5. Juli 1594 zeigte der Secretär Königsmark dem hannoverschen Gene-ral-Feldmarschall v. Podewills an. daß sein Herr sich verloren". Den 1. Juli Nachmittags habe sich der Graf sehr unruhig gezeigt, so daß ihm solches befremdlich vorgekommen. Selbigen Abend habe der Graf Schreibmaterialien gefordert, da er die ganze Nacht zu schreiben hätte, und. seine Diener aufgefordert, zu Bett zu gehen. Der Secretär habe dann aus dem Fenster gesehen, daß der Graf ausgegangen, und derselbe sei nach der Zeit nicht wieder gekommen. Sein: Domestiken to'i ren nicht ungewohnt gewesen, daß der Graf ein paar Nächte und einen Tag oft, auch wohl länger ausgeblieben, für, dieses Mal erscheine es aber zu lange, und er wisse nicht, ob sein Herr noch lebe. Er bat den Feldmarschall um Verhaltungsmaßregeln, worauf der Kurfürst anordnete, nicht zu viel Lärm in der Sache zu machen, die Effekten Königsmarks in Verwahrung zu nehmen, die auf die dienstliche Thätigkeit sich beziehenden Schriftstücke abzuliefern. ' Während man so in Hannover die Angelgenheit allmählich einschlafen lassen'wollte, nahm sich ihrer der Kurfürst von Sachsen August der Starke, .leb-

haft an. Er ward dazu veranlaßt, weil er Königsmark gewogen war, dem er bereits eine Stelle in seinen Heeren als Generalmajor angeboten hatte, und weil die schöne Aurora seine Hilse in Anspruch nahm, die der Kurfürst bei diesem Anlaß kennen lernte. Aurora war der festen Ueberzeugung, daß ihr Bruder noch Gefangener im Hannoverschen Schlosse sei. August der Starke schickte auch schon am 10. Juli seinen Obersten Bannier nach Hannover, mit dem Auftrage, die sofortige Auslieferung Königsmark's, der als Generalmajor am Rhein dringend nöthig sei, zu erwirken. Kurfürst Ernst August antwortete, Königsmark sei nicht mehr in seiner Gewalt, er könne ihn also nicht ausliefern. Königsmark habe sich verloren" und man wisse nicht, wo man ihn suchen solle. Am 4. August 1694 schrieb der englische Gesandte ini Dresden an seinen Collegen Cressel ini Hannover: Ich fürchte, daß Dolche und Gifte in Hannover ebenso gangbar sein werden, wie in Italien; die Fürsten sind oft da gewesen 'und mögen die' Sitten des Landes, die Leute ohne Lärm aus der Welt zu schaffen, kennen gelernt haben. Ich glaube, daß der Leichnam Königsmark's jetzt in der Cloake ist. Man hat mir gesagt, daß seine Schwester wie Cassandra rast und wissen will, was aus ihrem Bruder geworden, aber in Hannover antWorten sie wie Kam, daß sie nicht ihres Bruders Hüter seien. Ich dachte, der Leichnam würde gefunden werden, die Mörder aber würden im Dunkeln gehalten bleiben." Der sächsische Hof war nicht beruhigt, sondern ließ Bannier noch dring licher und entschiedener auftreten, so daß die Spannung zwischen beiden Höfen immer größer ward. Da Bannier weiter drängte und die Wahrheitsliebe des Kurfürsten anzweifelte, wurde ihm erklärt, sein Aufenthalt in Hannover sei beendet; der Kurfürst führte Beschwerde über ihn und Bannier mußte Hannover verlassen. Endlich ward der Strelt durch gegenseitige Deklarationen beigelegt. Auch die Bemühungen des Grafen Löwenhaupt, des Schwagers von Königsmark. blieben ohne Erfolg; derGräfin Aurora die nach Hannover gekommen, wurde der dortige Aufenthalt untersagt. Mit Graf Philipv war der letzte Sproß des Geschlechts in der schwedischen Linie verstorben, die brandenburgische existirt bekanntlich noch. Wenden wir uns nun zur KurPrinzessin zurück. Vom kurfürstlichen Hofe wurde die Prinzessin eines verbrecherischen Umganges mit Königsmark beschuldigt, sie selbst leugnete dies entschieden. Der Schein zeugte gegen sie und sie bekannte sich nur zu der Schuld, durch ihr Verhältniß zu Königsmark ein strafwürdiges Aergerniß gegeben zu haben. Infolge de? Lieblosigkeit und Abneigung ihres Gatten habe sie sich so weit vergessen können, daß sie zu einem Abenteuer in vertrauliche Beziehungen getreten sei. Auch Fräulein v. d. Knesebeck. die am 2. Juli verhaftet, erst in Springe, dann in Scharzfeld gefangen gehalten wurde, bestritt entschieden, daß der Graf der Prinzessin nächtliche Besuche gemacht habe, gestand aber ein, daß die Flucht beider geplant gewesen. Nach derBeseitung Königsmarks verständigten sich 'die Väter, die Ehe ihrer Kinder zu trennen und die Prinzessin lebenslänglich in einem einsamen Schlosse gefangen zu halten. Um von der Welt den Schein zu wahren, würd? die Klage nur wegen Versuchs bösw:!liger Verlassens erhoben und die Prinzessin einstweilen nachLauenau gemacht. Dort wurde ihr am 31. December das Urtheil des Eh.'gerichts verkündet, das auf Trennung der Ehe lautete, ganz den Wünschen der Prinzessin entsprcchend. Sie ward aus dem Kurhause ausgestoßen, ihr Name im Kirchengebet gelöscht, ihr Vater verbot ihr seinen Hof und ließ sie nach dem Celle'schen Schloß Ahlden bringen, wo sie im Fe-' bruar 1696 anlangte. Hier lebte sie in strenger Gefangenschaft noch 30 Jahre in Gesellschaft von zwei Hofdamen, eines Kammerherrn und des wachthabenden Officiers, mit denen sie zusammen speiste. Sie hatte zuletzt ein Jahreseinkommen von 28,000 Thalern und erwies den Armen viel Gutes. Mit Sohn und Tochter stand sie in BriefWechsel, ihre Mutter besucht fit, ihr Vater wurde durch seinen Tod an einem Besuch verhindert. Am 26. November 1726 starb die Prinzessin von Ahlden", 60 Jahre alt. ihr Sarg wurde in aller Stille nach Celle gebracht und, dort in der fürstlichen Gruft in der Stadtkirche beigesetzt. Während Sohn und Tochter die Ueberzeugung von der Unschuld ihrer Mutter hegten, hielt Georg Ludwig, der als Georg der Erste den englischen Thron bestiegen, sie der Untreue für schuldig und hatte, wie Walpole berichtet, die Absicht, vor versammeltem Parlament den Prinzen von Wales als seinen Sohn zu verleugnen. Nie betrat der König die Gemächer seines Sohnes, weil darin das Bild seiner geschiedenen Frau hing. Georg der Erste starb im nächsten Jahre auf der Reise von England nach Hannover in Osnabrück. Fräulein v. d. Knesebeck kam 1697 aus der Feste Scharzfeld frei. Sie wurde durch einen als Dachdecker verkleideten treuen Diener befreit, den ihre Freunde bestochen hatten. Sie erfuhr seine Ankunft durch ein mit einem Bindfaden an ihr Fenster Herabgelassenes Billet. Der Dachdecker erschien wieder vor ihrem Fenster, stieg in daS Zimmer und veranlaßte sie, sich in eine Schlinge zu setzen und sich in den Schloßgarten hinabzulassen. Auf bereitgehaltenen Pferden entkam sie nach Wolfenbüttel, wo der Herzog Anton Ulrich sie freundlich aufnahm. Sie wurde später in Berlin Hofdame bei der Königin von Preußen, der Tychter

von Sophie Dorothea. Der KömMandant von Scharzfeld, zur strengen Verantwortung gezogen, hatte an den Kurzfürsten berichtet: Der Teufel in Gestalt eines Dachdeckers habe das Fräulein durch die Lüfte entführt, der Beweis sei ein Loch im Schieferdache des Schlosses, anders könne er dieFlucht nicht erklären." Die Gräfin Platen behauptete sich in der Herrschaft bis zum Tode Ernst ölugust's 1698. Sie starb, zuletzt blind geworden, 1706, und wie Vehse in seiner Geschichte des Hannover'schen Hofes berichtet, erzählt man, daß sie noch in ihrer letzten Krankheit fortwährend Königsmark's Gespenst neben ihrem Bette zu sehen geglaubt habe. Ihre mit dem Oberstallmeister v. Kielmannsegge verheiratete Tochter war in England die Geliebte von Georg dem Ersten und von ihm zur Gräfin Darlington gemacht worden. Ein Nachkomme der Gräfin Platen- war Graf Adolf (starb 1890). der letzte hannover'sche Minister des Aeußeren.

Moderne (5rzieln:ngsresultatc. Ueber moderne Erziehungsresultate berichtet ein biederer Engländer an den Standard", indem er seine erheiternden Ersahrungen mit einem dreizehnjährigen Mädchen mittheilt, das in einer Londoner Board School" Schulunterricht genossen hatte und nicht wenig stolz auf das Gelernte war. Sie wär", so schreibt John Bull, in Ehemie, Botanik. Physiologie, Französisch und Thonmodelliren unterwiesen worden, und durch dies kleine Weltwunder einigermaßen eingeschüchtert, wagte ich kaum, einige Fragen an sie zu richten. Zuerst in der Chemie. Ich fragte sie nach den Bestandtheilen der Atmosphäre und war etwas enttäuscht, als sie nicht wußte, was überhaupt die Atmosphäre sei. Ich erläuterte, daß ich Lust meine, worauf sie entgegnete, davon wisse sie ; nichts, wohl aber von stickstoffhaltigen Nahrungsmitteln. Was bedeutet stickstoffhaltig"? fragte ich und wurde be lehrt, es heiße fett-. In der Physiologie kannte sie weiter nichts als die Anzahl der Knochen in der Hand, und ich kann über die Nichtigkeit ihrer Angaben nicht urtheilen, da ich selbst die Zahl nicht kenne. .In der Botanik riskirte ich keine Frage, um nicht meine Unkenntniß zu verrathen; aber sie ermöglichte mir eine Schätzung ihrer Kenntnisse auf diesem Gebiet, da sie mich fragte, ob Maulbeerblätter auf Rosensträuchern wachsen. Sie wollte mit den Blättern eine Raupe füttern, die dann einSchmetterling und schließlich eine Puppe" werden sollte. Das war allerdings eine Verkehrung des gewöhnlichen Verlaufs der Dinge, aber Entomologie wurde auch in jenerSchule merkwürdiger Weise! nicht gelehrt. Das Französische war schrecklich. Sie fragte mich, was die Worte Dieu et mon droit" bedeuteten, die sie dabei aussprach, als wären sie englisch. Sie war sehr erstaunt, als sie hörte, sie seien französisch. Nur daß et und" heiße, wußte sie. Auch Kochen hatte sie gelernt. Als ich sie aber fragte, wie sie Kartoffeln kochen würde, antwortete sie. sie würde die Kartoffeln in kochendes Wasser werfen. Und dabei hatte dies Madchen für eme gute Schülerin gegölten." Was dabei sein muß. Aelteres Fräulein: Sie lieben wohk auch die frische Luft sehr, Herr Wamperl?" Wamperl: Allerdings, aber was Gut's zu essen und zu trinken muß dabei sein!" Erfahren. Erster Backfisch: Aber Deinem alten Onkel mit dem großen, garstigen Bart möchte ich keinen Kuß geben." Zweiter Backfisch: Ach, Du weißt nicht, wie die Männer küssen!" Wohlstand. Gesangslehrer: Herr Kommerzicnrath, Ihre Tochter nimmt bereits das hohe C!" Kommerzienrath: Lassen Sie ihr nehmen das hohe C, lassen Sie ihr nehmen was sie will, ich zahl's!" C o u l a n z. Ich wiederhole Ihnen, ich unterstütze Sie nicht!" Na, Herr, dann geben Sie mir wenigstens ein paar Pfennige, damit ich Sie nicht ganz umsonst belästigt habe." Zarter Wink. Verehrer: Nun, wie gefällt Ihnen das Halsband, Valesca?" Tänzerin (sich im Spiegel damit betrachtend): O, es würde mich bei gleichen Ohrringen entzückend kleiden." Der geschickte Arzt. Schwab: Wir hent en g'schickte Arzt; den müsset Ihr au' nehma. So oft noch bei uns eins krank war, hat er glei' g'sagt: da kann mer net helfe," und jedesmal hat er au Recht g'habt!" Kindermund. Mama, mein Magen sagt, es ist Essenszeit." Mama: Ach Unsinn. Du solltest lieber sehen, was die Uhr ist." Robert: Mama, mein Magen acht drei Minuten vor!" Auf dem Lande. Frau: Sieh' nur, Männchen, was die Landleute im Alter noch für gute Zähne haben!" Mann: Nun, Frauchen, wie erhaltet Ihr Euch denn nur Eure Zähne so schön?" Bäuerin: O, nix mach i, bloß bei der Nacht lege ich sie in die Waschschüssel." So fo. A.: Sie sind kein Freund der Wassercur?" V.: Nein, fchauen S', ich hab an guten Freund g'habt, der hat's gründlich durch 'macht, und ist doch blos 45 Jahr alt worden." A.: An was ist er denn a'storben?" B.: Aufg'hangt hat er sich!" Darum. Gatte: Es wäre mir lieb, wenn Du selbst morgen kochen wolltest, da Herr Neumann bei uns zu Mittag speist!" Gattin: Ich denke. Du kannst Herrn Neumann nicht leiden?" Gatte: Eben darum sollst ! Du ja auch morgen kochen!"

Land- und Wasser-Dreirad. In diesen Tagen will, sobald es die

Witterung-verhältnisse nur einigermaBen günstig erscheinen lassen, der Deutsche Georg Pinkert aus Waldheim in Sachsen den Aermelcanal zwischen Dover und Calais in seinem Landund Wasser - Dreirad zu kreuzen versuchen. Die in den meisten Ländern patentirte Erfindung, aus welcher Pinkert em großes Vermögen zu erringen hofft, wird folgendermaßen beschrieben: Jedes der beiden Treibräder besteht aus einem äußeren und einem inneren Randkranz, welche mittels Schrauben zu emem luft- uno Wasserdichten Ringe verbunden sind. In den äußeren Radkranz sind schaufelartige Erhöhungen eingepreßt, die im Wasser zur Fortbewegung dienen. Die eine Fortsetzung des äußeren Radkranzes bildende Flansch: mit Rad- und GumPinkert und sein Dreirad. mireif dient bei der Fahrt auf dem Lande als Rad, auf dem Wasser dagegen als Kiel. Der durch die beiden Radkränze gebildete Ring wird durch eine mit eingedichtete Scheidewand, die sich der Form des äußeren Radkranzes anpaßt, in zwei luft- und wasserdicht von einander getrennte, ungleich große Räume getheilt, so daß bei etwaiger Beschädigung des äußeren Radkranzes die Möglichkeit des Sinkens durch den großen Luftraum ausgeschlossen ist. Das Vorderrad besteht aus zwei trichter- oder linsenförmigen Theilen, die ein Rad bilden, in dessen Reif oder Kranz ein Gummireif liegt. In der Achsenrichtung des Rades befindet sich eine Blechbüchse, die dasselbe nach innen luftdicht abschließt und in welche die auf der Achse drehbare Nabe eingesetzt ist. Das Vorderrad dient sowohl im Wasser als auf dem Lands zur Steuerung. Obwohl dieses Rad vermöge seiner Construction nahezu unverletzlich ist. wird dasselbe gleichfalls in zwei luftdichte Räume geschieden. um das Sinken unmöglich zu machen. TieTchacksche Gemäldegalerie in München. Allen Besuchern Münchens wohlbekant ist jenes berühmte Haus an der stillen Briennerstraße. unweit de? Propyläen, das der jüngst verstorbene Graf Adolf Friedrich von Schack einst als ein Heim edler Kunst hat bauen lassen. Lorenz Gedon, der geniale Architekt und Bildhauer, hat mit diesem Bau im Jahre 1872 die. erste alänzende Vrobe eiaenen Schaffens ab- ( gelegt, die inneren Räume aber füllten sich mit den Gemälden, welche derauHerr mit durchaus sebstständig gerichtetem Geschmack im Laufe von vielen Jahren gesammelt hatte. Wo Schack auf seinen weiten Reisen,' vornehmlich in Italien und Spanien. Kleinodien der Malerei fand, da gab er einem begabten Künstler den Auftrag, dasLiebgewordene für ihn zu kopieren. So haben der junge Franz Lenbach, außerdem August Wolf, Ernst v. Liphart u. a. treffliche Kopien für ihn angefertigt. Ganz besonders aber wendete Schack seine Gunst den lebenden deutschen Malern zu, und unter diesen wieder mit erkennbarer Vorliebe solchen, die seiner Ansicht nach von ihren Zeitgenossen nicht genügend geschätzt wurden. Warme Herzensgüte und feines Verständniß im Bunde leiteten seine Hand bei der Erwerbung der Kunstschätze, die heute seine. Galerie zieren, diese Eigenschaften waren es. die unter seinem Dache die Werke eines Vonaventura , Genelli, Moriz von Schwind, Anselm Feuerbach, Arnold Böcklin,. Franz Lenbach und so vieler anderer zusammenführten und seine kleine Galerie sie umfaßt im ganzen gegen 300 Nummern zu einem Ausschnitt deutscher Kunst gestalteten, wie er sonst nirgends zu finden ist. Mütterlicher Rath. Tochter: Mama, der Lieutenant Huber Hai mich beim Tanzen so an sich gedrückt." Mama: Drück' ihn nur wieder, so bin ich auch zu einem Manne gekommen!" Malitiös. Ihr Fräulein Tochter singt ja gar nicht mehr, seit sie aus der Pension zurück ist!" O doch, aber in aller Frühe; Sie müssen einmal Acht geben, wenn Sie den ersten Hahn krähen hören....!" So, ist sie das?" Verblümt. Feldwebel (zu dem in Urlaub gehenden Rekruten): Haben Sie mir nicht 'mal gesagt, daß Sie zu Hause große Geflügelzucht betreiben?" Rekrut: Zu Befehl, Herr Feldwebel!" Feldwebel: Hm. wissen Sie was.Sie können mir für mein Bureau ' einige Gänsekiele mitbringen uusruvfen werde ich sie selbst!"

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c& ktfä&fo

?ic blonden cneliancrinnen. Von iUbevt Schtthei.

Wenn wir die Gallerien der europäischen Hauptstädte durchwandeln, werden es immer wieder die Bilder der großen italienischen Meister sein, die uns vor Allem anziehen und fesseln, und bewundernd bleiben wir dann lange stehen vor dein herrlichen Gestalten und Gesichtern eines Raphael, Tizian, Paul Veronese, Giorgion?, Tintoretto, Palma Vechio und wie sie alle heißen mögen, jene Meister, die gelebt zu einer Zeit, von der uns schon mehr denn drei Jahrhunderte trennen. Und doch haben auch jene Meister, die so Unsterbliches geschaffen, sich dem Scepter der strengen Göttin Mode unterwerfen müssen. Wenn wir die Fülle der uns aus jener Zeit erhalten -geblie-ben:n Madonn.'nöilder, der Porträts berühmter und schöner Frauen betrachten. so muß uns das Vorherrschen der blonden Haarfarbe auffallen, während doch heutzutage in der ganzen Lombardei wir nur vereinzelt Blondinen begcgnen und besonders in Venedia brünett fast ausschließlich vorherrscht. Woher nun der Widerspruch zwischen sonst und jetzt? Haben denn die Meister der Renaissance mit besonderer liebe nur Blondinen gemalt oder ist im Laufe der Jahrhundert: die lichte Haarfarbe gänzlich geschwunden? Nichts von alledem, die Sache ist einF w ' l ? i r ä , .. . . Taa) mit, oan zu izlanZ Zeiten blond gerade in dn Mode gewesen, daß besonders Venedig das gepriesene Paradies der Blondinen war, als Meister Vecellio seine "Ladinra. Paul Veronese seine triumphirende und gekrönte Venezia geschaffen. Berühmte Blondinen waren damals: Beatrix von Este, die Gemahlin des MailänderHerzogs Lodovico des Mohren, den der französische König Ludwig der Dreizehnte entthronte, die schöne und geistvolle Marchesana von Vasto, die liebliche Johanna von Äragonien, deren Züge uns Raphaels Pinsel verewigt, die vielberufene Lucrezia Borgia. deren Lob Ariosto. der Kardinal Bembo. Bayard. der Ritter sonder Furcht und Tadel, uns verkünden und andere mehr. Aber nicht diese Damen ganz .allein haben es vermocht, Blond in Mode zu bringen. In seinem oft citirten Buche: Von der vollkommenen Frauenschönheit" sagt de? Florentiner Messer Agnolo Firenzuola frei heraus: Wisset, daß für wirklich schöne Haare Blond die einzig wahre Farbe ist," und der Kardinal Aeneas Sylvius Piccolomini, der später unter dem Namen Pius der Zweite den päpstlichen Stuhl bestiegen, schrieb ja in lateinischer Sprache einen galanten Roman zur Verherrlichung der blonden Frauen, desgleichen that ein für holde Weiblich'keit schwärmender Mönch, Namens Colonna. in einem Werkchen, betitelt: Traum des Polyphile". Vornehmlich also in Venedig ward Blond die herrschende Modefarbe, und jede Frau, die auf Eleganz und Chic hielt, träumte von einer lichten Chevelüre, die in drei Abtönungen getragen wurde: brennroth, goldblond und aschblond. Wo die Natur diese Gabe eigenwillig versagt hatte, mußte eben die Kunst nachhelfen. Freilich waren solch: Toiletteng:Heimnisse ja . eigentlich nichts Neues, Ovid und Martial berichten uns von blonden Perücken, welche die römischen Damen auf ihren natürlichen Haaren getragen. In Plinius, der uns mit seiner Encyklopädie das erste Conversationslexikon für gebildete Stände" gegeben, finden sicb genaue Angaben über die Zusammensetzung von Mitteln zum Färben. Es heißt dort, daß Seife aus Buchenasche und Ziegenfett, Nußfast die Farbe verändere, eine Mischung von Mastixöl und Essig die Haare bleiche, oft in einer einzigen Nacht, daß aber auch das Sonnenlicht häufig diese Arbeit verrichte. Nachdem Blond in Venedig wiederum Mode geworden und man in dieser Stadt, die für die damalig? elegant: Welt das bedeutete, was später Paris geworden, sich erinnerte, wie Maler und Poeten von jeher für goldenes Haar geschwärmt, kam denn alsbald ein: Industrie in hohe Blüthe, .die bestimmt war, allen berechtigten und unberechtigten Wünschen nach dem ncu:n Artikel Genüge zu thun. Um diese Zeit hat ein Anonymus in einem gereimten Büchlein, betitelt: Von den Thorheiten der Frauen, sich sehr ungalant geäußert: Was soll man sagen von ihren Haarsträhnen, welche jede von ihnen zu bleichen sich anschickt, um ihnen goldenen Schimmer zu verleihen. Seht, wie sie sich im vollsten Sonnenschein auf ihren. Balkon setzen. Dank d:r Sorgsalt, die sie ihren Haaren angedeihen lassen, finden sie nicht Zeit, sich mir anderen Dingen des Haushaltes zu beschäftigen. Sie kämmen sich, betrachten sich und brauchen drei volle Stunden, den Kopf zu trocknen. Ihr Dichten und Trachten ist nur darauf gerichtet, die Haare zu bleichen und hierzu die richtigen Recepte anzuwenden. Von Tagesanbruch an beginnen sie, sich zu schmücken mit Spitzen und Gelckmeide, mit Gehängen und tausendfältigem Flitter, mit Schleiern, mit diesem und jenem, ohne Unterlaß darauf bedacht, sich schön zu machen." Die ersten genauerenAufschlüsse über die Sonderbarkeiten dieser Mode gibt uns ein Buch: Alte und neue Gebrauche, welches Cesare Vecellio. der Vetter des aroßen Tizian, im Jahre 1589 hat erscheinen lassen. Mit vielen Holzschnitten geziert, liefert das Werk einen sehr schätzbaren Beitrag zur Kenntniß der damaliger: Sitten, und es war erne glückliche Idee der bekannten Pariser Firma Didot, davon im Jahr: 1859 einen Facsimile-

Neudruck zu veranstalten, nachdem die Originalaus'abe nahezu verschwunden ??ar. So gibt Vecellio zu dem Bilde: Die Dame, welche sich die Haare bleicht, solgend: Beschreibung: Gewöhnlich sind die Dächer de? Häuser zu Venedig mit kleinen Bauten aus Holz gekrönt, deren Form diejenige ganz offener Belvedere.ist. Auf glatter Erde errichtet, sind sie gemauert, nach Art der Terrazzi, wie man sie in Florenz und Neapel kennt. Man gibt ihnen eine Bedachung aus Ecment und Kalk, um sie wetterfest zu machen. Dort halten sich häufig die Venetianerinnen auf, man kann sie dort öfter antreffen, als in ihren Gemächern. Dort verbringen sie. das Haupt der Sonnenzluth ausfetzend, ganze Tage, mit allen Kräften bemüht, ihre Reize zu mehren, als ob sie solches nöthig hätten, als ob die unablässige Anwendung solcher Prozeduren, die doch alle kennen, nicht ihre natürliche Schönheit drGefah? aussetzte, nur als eine künstlich: geschätzt zu werden. In den Stunden, wo die Sonn: ihre Strahlen kochend am heißesten hernieder sendet, crsteize-n sie die kleinen Log:n und verurth:ilen sich selbst dazu, dort ob:n zu braten. Ruhig sitzend, netzen sie ohne Unterlaß ihre Haare mit einem Schwamm, der in V:rjüngungswasser getaucht ist, das ihre Hand hergerichtet hat oder das gekauft wurde. Hat die

Sonne das Haar getroanet, wird es rasch von Neuem mit Miztur benetzt, um wiederum zu trocknen und unablässig wird die Procedur fortgesetzt. So bekommen sie die blonden Haare, die man an ihnen sieht. Wenn sie sich dieser so wichtigen? Beschäftigung hingeben, haben sie über ihre Kleidung einen Bademantel geworfen, aus weißer Seide fein und leicht gefertigt, den sie Schiavonetto hnßen. Außerdem bedecken sie das Haupt mit einem StrohHut ohne Boden, durch dessen Oeffnung die Haare gezogen werden, die während der ganzen Operation, auf den Rändern usgebreitet, ir Sonne ausgesetzt sind. Diesen Hut, gleicherweise als Trockenplatz wie als Sonnenschirm dienend. um Nacken und Teint gegen die heiße Gluth zu schützen, nennen sie Solana." Diese Mode, daS Haar zu bleichen, also blond zu erscheinen, hielt sich, was fast unglaublich lautet, zwanzig Jahre in Venedig, bis schließlich sogar die Courtisanen es verschmähten, fürBlondinen zu gelten, wenn sie von Haus aus brünett waren. Doch verbreitete sich die Kunst einer solchen Verschönerung nach Rom und nach Neapel, und außerhalb Italiens, nach Spanien und Frankreich, wie eine darüber existirende, ziemlich umfangreiche Literatur uns belehrt. Am längsten hat sie sich in der Folge wohl am Hose von Versailles erhalten, wo freilich dann aufgelegter Poudre die Stelle der scharfen Essenzen vertreten mußte. Aber eine dermaßen präparirte Ehevelüre galt noch nicht als vollkommen, wenn ihr der aufgestreute Goldstaub, der Schmuck der Perlen fehlte. Und in diesem Punkte war das Zeitalter der Renaissance bekanntlich leistungsfähig, bildeten doch Perlen und kostbare Steine die Leidenschaft und den Ruin ganzer Familien. Greqororäus berichtet uns in seiner Geschichte der Lucrezia Borgia ganz unglaubliche Dinge. Ein einziges Kleid aus ihrer reichen Ausstattung soll einen Werth von 20.000 Dukaten, ein Hut einen solchen: von 10.000 Dukaten gehabt haben. Als der Gesandte des Herzogs Ercole von Ferrara am römischen Hofe weilte, von Alexander dem Sechsten für den Sohn seines Gebieters die Hand der Lucrezia Borgia zu erbitten, öffnete der Kirchenfürst einen mit den kostbarsten orientalischen Perlen bis zum Rande gefüllten Koffer und sagte,' mit vor Erregung zitternden Händen in solchen Schäln wühlend: Seht, all' dies ist für Lucrezia, ich will, daß unter allen Fürstinnen Italiens sie diejenige sei. welche die schönsten und meisten Perlen ihr eigen nenne." Was nun die unfehlbaren Mittel zur Herstellung blonder Haare anbetrifft, so hat sich eine ganze Menge hiervon handelnder Bücher bis auf unsere Tage erhalten, die Zahl der bewährten" Rezepte ist eine ungemein große, die Zusammensetzung der Tinkturen ist im Grund: fast immer die gleiche, wenigstens sind es häusig dieselben Bestandtheile: die Asche verschiedener Hölzer, der Saft verschiedener Pflanzen und außerdem noH-minerali-sch: Alkalien, wozu sich animalische Ingredienzien mischen, die bekanntlich im Reiche der Gehcimmittel überhaupt eine sehr groß: Rolle spielen. Ob wieder einmal .die Zeit kommen wird, da den Blonden allein und ausschließlich die Herrschaft im Reiche der Schönheit zuerkannt wird,-ob nicht von Neuem die Kunst des Blondfärbens zu allerhöchstem Ansehen gelangen wird, wer will dies heute bestimmen? Wer weiß es? Ungefährlich. Fremder (bei einem Bankier eintretend, wo er nur das 16jährige Töchterchen findet): So allein, fürchten Sie sich nicht, wenn ich nun ein Dieb wäre?" Töchterchen: Ach Sie, Sie könnten doch höchstens ein Kußdieb sein." Ein Win k mit dem Sonnenaufgang. Er (um vier Uhr Morgens aus dem Club heimkehrend): Aber. Emma! Hab' ich Dir nicht gesagt.Du solltest nicht meinetwegen aufbleiben? Sie: O, ich bin gar nicht aufgeblieben. Ich bin nur soeben aufgestanden, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Sichert Zeichen. Ist Ihnen Schulze Geld schuldig? B.: Ja, warum? A.: Ich dachte es mir, er schimpft nämlich so furchtbar auf Sie!