Indiana Tribüne, Volume 17, Number 310, Indianapolis, Marion County, 29 July 1894 — Page 2

Orthopädie in fccr otilic. " Eine gute Körperhaltung ist bis nothwendige Vorbedingung für die freie Entfaltung aller edlen Organe. Die schlechteHaltung ist ineist üble Angewohnheit, Nachlässigkeit, führt aber unfehlbar zu dauernder Entstellung. Eltern können nicht genug auf dieHaltung ihrer Kinder Acht geben, nicht oft genug ihnen die Mahnung zurufen: Halte dich gerade!" Ein französischer Hygieniker, Fernand Lagrange.schreibt darüber einen beherzigenswerten Artikel, in dem er ausführt: Im frühesicn Alter sind die Spiele in freier Luft von größtem Nutzen, denn sie beruhen alle auf der Bewegung des Laufens, und das ist die geeignetste KörperÜbung, um die Athmung zu heben und das Blut mit der größtmöglichen Menge Sauerstoffs zu verschen. Sodann aber sind die Laufühungen auch direkt in orthopädischem Sinne nützlieh, sie stärken die Wirbelsäule, die Haltung des Körpers ist beim Laufen die denkbar günstigste. Die LieblingsHaltung des Kindes ist immer so. daß sie eine Verkrümmung der Wirbelsäule zur Folge haben muß, wenn dem nicht bei Zeiten entgegengetreten wird; denn die Rllckenmuskeln sind beim Kinde äußerst schwach, unthätig, energielos und geben die Wirbelsäule allen Eindrücken preis, die dauernd auf sie wirken. Darum ist es vor Allem wichtig, daß das Kind seine Haltung so oft wie möglich ändert, dabei aber immer wieder zu geraden, gestreckten Stellungen angehalten wird. Man kan gar nicht genug darin thun ja man mag es getrost bis zur Nörgelei treiben, jede Sekunda dem Kinde zurufen: Sitz, steh, geh gerade!" Diese unausgesetzten Mahnungen sind der allcrwesentlichste ' Theil der häuslichen Rllckengymnastik. Die Muskeln der fortwährend Gemahnten fangen endlich an, mit großerer Energie zu arbeiten, sie gewinnen an Kraft, beginnen ihre Funktionen als Stütze der Wirbelsäule zu erfüllen. Wenn das Kind willfährig war und die Eltern hinlänglich aufmerksam geWesen sind, wird gerade diese Gymnastik nach der Formel Sitz oder steh oder geh gerade!" die allerbeste Orthopädie gewesen fein. Wir fehen's ja am Militär, was dieKörperdressur durch's bloße Wort bedeutet. Stillgestanden!" erschallt das Kommando, und die eben noch schlaffen Gliedmaßen und die Wirbelsäule ganz im besonderen straffen sich zur höchsten Spannkraft, zu

stahlharter Festigkeit. Für junge Leute von schlechter Körperhaltung ist der militärische Drill von wunderbarer Wirkung. Meist schon nach einem Mo riet des Militärdienstes hat die Wir belsäule eine Festigkeit erhalten, als wäre ein plötzliches Wachsthum in sie gekommen, während sie sich doch bloß gereckt und gestreckt und an Haltung gewöhnt hat. Außerordentlich empfehlenswerty ist sur Kinder, die zu schlechter Haltung geneigt sind, der orthopädische schwedische Gürtel" von Tydmann, der zugleich jungen Mädchen allerlei equilibristische Uebungen gestattet, wie das Tragen leichter Gegenstände auf dem Kopf u. s. w. Ferner sind als orthopädische Hausmittel alle die Jongleurspiele zu empfehlen, die stehend ausgeführt werden, wie Ballspiel, Tragen eines aufrecht stehenden Stabes auf der Fingerspitze oder dem Kinn. Sie alle zwingen zu einer sehr geraden, gestreckten Haltung der Wirbelsäule. Oesterreichische Aerzte, die gleich den Schweden sehr tüchtige Orthopädiker sind, haben beobachtet, daß. je ausgesprochener die Rückgratverkrümmung eines Menschen ist, um so weniger der Kranke ein Bewußtsein davon hat, wieviel er sich strecken muß. um eine gerade Figur zu machen. Meistens wird er noch eben so krumm erscheinen wie vorher, nachdem er schon geglaubt hat, die äußerst mögliche Streckung ausgeführt zu haben. Wenn man einem Kinde mit vernachlässigter Körperbltung sagt: Sitz. steh, geh ge?ade!" dann wird man die Erfahrung machen, daß es aus eigener Anstrengung sich gar nicht mehr gerade strecken kann, man wird mit den Händen nachhelfen müssen. Will man das Kind überzeugen, so muß man es vor einen Spiegel stellen. Ueberhaupt ist der Spiegel vielleicht das werthvollste Hilfsmittel bei der Angewöhnung einer geraden Körperhaltung, und die Mütttt werden gut thun, einen weisen Gebrauch von ihm für orthopädische Zwecke zu machen." Schwäbischer H u m o r. In einer schwäbischen Zeitung war unter den Lokalneuigkeiten zu lesen, daß sich ein achtzigjähriger Greis in ernem Wirthschaftsgarten vor der Stadt vergiftet habe, wozu ein Witzbold bemerkte: Ha, dees würd in's Pantscher's Ga'ta gewea sei'; dau ka' oiner scho hi wer'a, wenn er von deam sei'm Bier sauft; er braucht grad' koine chtz'g Johr' z' sei'." JmmerPessimist. BuchHalter (zum Principal): Ich denke, wir acceptiren den jungen Mann, e? ist zwar noch etwas klein, aber verspricht noch. Wachsthum. Principal: Wie haißi, er verspricht wird er's aber auch halten? Kindermund. Die kleine Elfe: Ach. Herr Doktor, Sie haben sich mit Schwester Käthe verlobt! O, so'n Verloben muß doch schön sein." Doktor: Warum, Du kleiner NasemUr Elfe: Käthe thut's nämlich schon zum dritten Mal." Grund sie vor Gericht. Richter: Ihr Alter? Junge Frau (auf ihren alten Mann deutend): Hier steht er aber im Vertrauen, so tfiil tz sich nicht gerne rufen!

Zloro- und Süddeutsch. Novcllette von Otto Girndt.

Ein sckrecklicker Mann!" Mit dem Ausruf stürmte die lebhafte Frau Anna in das Atelier ihres Gatten. Hans Düben hatte sich seit Jahren in München als Maler niedergelassen; er war ein geborener Mecklenburger, Anna rühmte sich, ein Berliner Kind zu sein, Düben unterbrach seine Tbätiakeit an der Staffelei und wandte den Kopf

nach der Dame, auf dem nicht mehr gezeigt. die volle Jugend, doch ein unverwelk- So?" gab Anna zurück. Sie beliebe? Liebreiz blübte. der Abalan, eines dürfen nur eines kräftigen Anstoßes?

gesunden, frischen Herzens. Anna riß den Hut herunter, warf ihn aus den ' . , . 't - ' . ' . I nächsten Stuhl und strich sich, Athem schöpfend, das Haar aus der Stirn, während der Maler ruhig fragte: Gilt 1 "fc j ' Das mirs ' Ack wo. Dir!", wies sie mit halb schmollender Miene seine Annahme zurück, näherte fies) schnell und küßte ihn. ohne die Vorsicht vor den feuchten Farbcn auf seiner Palette zu -vergessen. u bist ein lieber Kerl, aber Dein College Brück ist ein Ungeheuer!" Duben sah sie verwundert an. Karl Brück? Erlaube, ick kenn: ibn nur als tüchtigen Künstler und guten Kameraden." Ein Ungeheuer gegen seine Frau!" erklärte Anna. Meine arme Franzisla! Das hat sie nun davon, daß sie ihre Jugendliebe sechzehn Jahre lang im Herzen aetraaen und. als sie ibn in Berchtesgaden wiedergesehen, seine späte

Werbung angenommen. Er ist inzwi- coarze, uucn aoer cn niemand kritischen verheirathet gewesen " faen. Was willst Du denn nun eiDie Geschickte." scknitt Sans ibr gütlich von Brück, und welchen Anstoß

den Faden ab, kenne ich doch? Als Brück daZ erste Mal um Deine Freundin freite, wies ihr Vater den armen Teufel ab; nun sind die gereiften Leute eben doch noch zusammen gekommen. Was thut er ihr denn zu Leide?" Zu Liebe thut er nichts!" betonte Anna. Abends geht er in seinen Bräu, und sie sitzt allein zu Hause." Das ließest Du Dir nicht gefallen", sagte Düben. Sie warf den Kopf in den Nacken, Gewiß nicht, Hans! Diese süddeutsche Art der Männer, ihre Frauen zu vernachlässigen, ist unausstehlich!" Er lächelte. Ich dächte, in unserer Heimath sähe man die Männer auch allein in den Bierhäusern. Ich habe Dich nur verwöhnt." Ein strafender Blick traf ihn, so daß er einlenkte: Nein, nein. Scherz bei Seite. Du hast es von Anfang unserer Ehe an verstanden, mir das Haus anziehender zu machen als jedes öffentliche Lokal." ' In der Hinsicht,", versetzte sie, thut Franziska ebenso alles Mögliche, doch Brück erkennt es nicht an. ' Es kann leicht kommen, daß sie sich von der Seite eines fo stumpfen Mannes in den Norden zurücksehnt." Möchtest Du in den Norden zurück?" fragte Düben. Daö will ick damit nickt atfaai , haben." antwortete Anna. Es lebt j sich hier in mancher Beziehung anaeneh- , r" . wer, nameniiicy sur nunstier. )ti Kunsthändler kauft Dir Deine Bilder schon auf der Staffele! ab. er macht dabei immer noch sein gutes Geschäft!" setzte sie rasch hinzu. ' Der Mann will doch auch leben!" , . ' ' mLinie oer realer. Aber wenn Deine Franziska über weiter nickts ,u gcn hat, als daß Brück in den Bräu atm" - ' ziöka's neue Wobnunaseinricktun. b sie aus ihren Mitteln angeschafft, Unbehagen verursacht. Seine alten, wurmstichigen Möbel mit den mottenzerfressenen Ueberzügen sollten ihr heilig sein! Welcher Frau von Geschmack ist das zuzumuthen?" Und da .hat es Streit gegeben?" fragte Düben. Sie wiegte den Kopf hin und hr. Streit! Wo denkst Du hin bei Franziska's Lammesnatur? Sie gibt leider in Allem nach, das ist ihr Unglück, Statt ihm rund heraus zu sagen: So will ich's, so muß es gemacht werden, so ist's recht, vom Hauswesen verstehst Du nichts," statt dessen duckt sie unter und schämt sich nur im Stillen über die Art. wie es bei ihnen zugeht. Ich yav' es'selbst gesehen. Neulich Nachmitiag ivmme rn) zu lyr, iie ntzen gerade beim Kaffee. Meinst Du. sie hätte mir

Ja, wäre es das allein!" eiferte "ern, widersprach sie, von selbst Anna von Neuem. Er ist ein solches wird dem nichts klar! Geh', Hans, thue Gewohnheitstbier.dak ibm soaar ??ran- es mir zu Liebe!" Und sie zupfte ihm

i 2Vni" tC butf."? be- .Wir müssen im Freien sein," entalt ?tllux tD0X: segnete der Mecklenburger, die AngeUnd noch schlimmer! ranziska erzahlt leqenheit ist ernst und betrifft Dich, fShTil Dnne Frau darf uns nicht überraschen!" Brück stutzte, wurde neugierig, so fragt er den Gast: Wollen Sie auck tn;;&L

ß;:..ro Vv m r 1 c fi h?8r "A?.'. "5 greift m die .Tasche und zahlt der Magd zwölf

Vl !"u T xi c rr r . , MB sich. ZU folgen. Der große rJÄ'l ?u."Schatz. Park war zu dieser Stunde wenig beln3 ba& C w allge- sucht, die Beiden fanden bald eine ge-

L X 1v . c 0, ., JKütT Strslnjlrt " f Wnnn irnvrus. r; s r;t oc lig .st aus ihrem Lübeck her gewohnt daß man den Besuchbewlr het, und wird sich nie in diese Verhältnisse finden. Bei uns im Norden steht auf den U w'b. Achs.,- .Ländlich, slttlick!"

Nein, ländlich schändlich, muß fragte der Andere wiederum. Mit ihman hier sagen verbesserte die gereizte r neuen Zimmereinrichtung zum Beii rf srilm vTW Sn rtishk SMfrthrt

tjrau yesllg. Liebe Seele" besänftigte er. 9W ist eine so gutmüthige Haut, daß er sicher auf Alles eingeht, was Franziska wünscht, wenn sie's ihm richtig vorstellt." Da kennst Du ihn schlecht. Hans! Dickköpfig, eigensinnig ist er. wie alle Süddeutschen, am Alten klebend, jede: Neuerung entschieden abgeneigt und in erster Linie immer nur aus seine Ruhk und Beammlichkeit bedacht daßim lo

nichts in die "Quere kommt, was ihn stört und herausreißt." Im Allgemeinen," erwiderte DUden, ist das allerdings der süddeutsche

Charakter: aber wenn die Leutchen einen kräftige Anstoß von außen bekommen, oer it aus lyrer junen eoaglicnkeit aufrüttelt, sind sie ebenso rührig, wie das Volk bei uns, ja sie werden fuchswild und gingen dem Teufel selber zu Leibe, wenn es einen gäbe; das hat sich an den Baiern. Schwaben und Pfälzern im französischen Kriege Dann besorge Du das einmal bei Deinem rua: rr ...... -. r . 'rtr"t . war remeswegs 10 wiusaorig, wie sie erwartet. Du bist die echte Berlinnm! Ueberall die Nase und Finger ItM!M f 1 A jf A CC . . 1 W Cs miiciuicucn, viuu; t jcemuc .ngcic genheiten mischen . Sie ließ ihn nicht enden. Weil wir hilfsbereit sind, weil uns fremdes Unglück rührt!" uno au&pxtO)tn laßt Jyr aucy biti nen. bemerkte uoen, immer fallt Jyr ms Wort. te rümpfte iyr Stumpfnäschen, das ZU dem Gesicht paßte, wie kein anderes gepaßt hätte, und erwiderte gekränkt: 'aJenn ich so unangenehme Eigenschafhabe, wundert's mich nur, wie Du Dich überhaupt m nncy verlieben konnli Er kniff ihr in's Ohr: Kindskopf! Eitel seid Ihr aber auch, Ihr kritisirt Alles und Jeden mit unerbittlicher soll ich ihm geben? Daß er künftig für seine Gäste das Bier bezahlt?" .Annas Empfindlichkeit war schon wieder verflogen; ihre Stimmungen wechselten im Handumdrehen, und kleine Reibereien gehörten bei ihr zum ehelichen Vergnügen. Sie nahm dem Maler Pinsel und Palette weg, hängte sl$ an seinen Arm und begann: Etwas ganz Anderes, Hänschen! Franziska ist durch ihren Philister so eingeschüchtert, daß sie sich fürchtet, nein. Du wirst es kaum für möglich halten!" Daß eine Frau sich vor ihrem Mann fürchtet? Nach meinen Erfahrungen nein!" warf er scherzend hn"Denke Dir. ich finde sie in Thränen, zuerst will sie nicht mit der Sprache heraus, ich lasse aber nicht nach " W Dir ähnlich!" schaltete Düben ein. "Bis ich höre, daß sie sich ängstigt, ihrem Mann zu gestehen, was jeden ändern glücklich machen würde." Düben errieth aus der Andeutung, um was es sich handelte. Anna sprach hastig weiter: Franziska fürchtet, die Unrudie ein Kind verursacht, wird für Brück ein entsetzlicher Gedanke sein. Da muß von unserer Seite etwas geschehen, Hans!" Von unserer?" fragte er aedehnt und fügte spöttisch hinzu: Sollen wir etwa das Kind zu uns nehmen?" rjt,,. c 1. . M i"1" v uui olc tfingcr. acr, Unsinn! Ich nahm mir sofort vor. der azmtn Seele beizustehen, natürlich durfte Franziska nichts davon merken, Du mußt zu Brück und ihm klarmachen, wie ein Mann sich in solchem Fall I ... C. C t - 1 U ucncyinen qai. Düben machte eine ablehnende Sand bewegung. Das wird ihm schon klar weroen. schmeichelnd am Bart "Muß es gleich sein?" fragte er.schon nachgiebiger gestimmt. Sie nickte nur bittend, sie kannte ihre Macht über ihn. Quälgeist!" brummte er, entledigte l'doch mit einem Ruck seiner Lodenjoppe. Unterwegs überlegte er, wie das Ding am besten anzufangen sei; denn nnt der Thür ins 'Haus fallen mochte er nicht. Er traf den College ebenso thätig, wie er selbst zuvor gewesen, warf aber keinen Blick auf Brucks Arbeit, sondern forderte ihn zu einem Spazierang in den Englischen Garten auf. Brück lehnte ab, er habe keine Zeit. Und ich stehle mir die Zeit." erklärte Düben, ich muß Dir etwas sagen." So red' hier!" verlangte Jener ziemlich mißmuthlg und fuhr 'fort zu malen. ttvv. wvvii iiuuuutiu iwitvtl hotte, hier sei nicht der geeignete Ort eine vertraulich: Mittheilung, entsame Alke,' und Hans ging ans Werk, 1 .. c . . , .. ? , ... mll oer irage einieileno: u vl t em BequemlichZcitsmensch, alter Sohn, thut Dir Deine Wiederverheirathung nicht id?" r,; ;; k.t nn jTVVZTuail Ich denke, sie thut Dir zu viel! It"" vvt g,..kkt Wesen sein?" Weißt, bei mir braucht's zu Allem Zeit, bis ich mich d'ran gewöhne, jetzt gefällt mir's schon ganz gut." . Hast Du ihr das gesagt?" forschte Duben. ...... . .... Nem, gesagt hab ich nichts! Das wärest Du ihr aber ebenso gut schuldig, mein Freund," belehrte , t m ri . . r? . i , lyn oer egtener, mz ne muzuneymen, wenn. Du ausgehst. Jchlass

meine Frau nu? im Nöthfall allein zu Hause." Brück blieb stehen. Ja. warum red't Franziska nicht, wenn sie mit will? Hätt' ich denn 'was dagegen?" Düben lächelte. Sie soll reden, wenn Du den Mund nicht aufthust? Die Wünsche und Bedürfnisse seiner Frau muß man errathen." Wie kann, ich?" vertheidigte sich Vruck. Dazu bin ich zu schwerfällig." Deine Franziska aber," sprach Hans rasch, ist zu zartfühlend, von Dir zu begehren, was Du ihr nicht anbietest. Sie fürchtet, es könnte Dir unangenehm sein. Und doch müßtest Du Dich in allen Stücken anders gewöhnen, wenn Ihr zum Exempel noch Kinder bekämt." Brück schüttelte den Kopf. Kinder? Ich glaub's nimmer." Die Möglichkeit ist doch vorhanden," meinte Düben. In dem Fall würdest Du außer Dir sein. Einen kleinen Störenfried, der Dir Tag und Nacht die Ohren vollschriee, ertrüg:st Du nicht." Brück warf sich verletzt in die Brust. Hör' einmal, was denkst? Das Geschrei von meinem eigenen Kind nicht ertragen? Wär' ich dann einen Schuß Pulver werth?" Der College legte ihm die Hand auf die Schulter. Hab' ich Dich doch richtiger taxirt, als unsere Frauen! Meine hat es aus Deiner herausgeholt, ihr bangt davor, Dir zu gestehen, daß sie Dich beschenken wird." Wi: ein elektrischer Schlag durchfuhr es den Hörer. Was sagst? Red'st wahr?" rief er. Mir sollt' noch der

tolz werden, Vater zu heißen?" Düben nickte.. Es steht Dir bevor!" Da beschleunigte Brück, der sonst nur sehr gemächlich zu gehen pflegte, seinen Schritt dermaßen, daß der Freund Mühe hatte, an- seiner Seite zu bleiben, und bat: Halt, halt. Du laufst ja furchtbar!" Brück winkte mit beiden Händen. Bleib' dahinten, geh' heim, ich dank' Dir, lieber Bruder!" Und seiner Wohlbeleibtheit zum Trotz schoß er vorauf und davon. Athemlos erreichte er Franziska's Zimmer. Sie saß mit ei ncr Handarbeit am Fenster, auf ihrem stillen Gesicht lag em Zug der Trauer. Franzel! nef er, und da sie zusam menzuckte, beschwichtigte er rasch: Erschrick nicht, um Gottes willen!" Ihre Hände ergreifend, nahm er den Ton sanften Vorwurfs an: Mem liebes Franzel, und du hast mir s Nicht zu erst vertraut? Steht Dir die Freundin näher? Wenn Du mir ein Glück bescherst, woran ich bei unserem beiderseitigen Alter rnmmer noch ge dacht " Du freust Dich, Karl?" unterbrach sie mit zitternder Stimme, aber aufleuchtenden Blickes. Ob's mich freut!" versicherte er. den Arm um ihren Nacken legend. Ohne zu fraoen, wußte sie, wer ihm ihr Geheimniß entdeckt. Bruc! zog einen Stuhl heran, er litt Nicht, daß sie sich erhob, als bedürfte sie scho tttzt der größten Schonung. Er setzte sich dicht neben sie und streichelte ihre Wangen: Jetzt behältst aber auch nichts mehr auf dem Herzen, oder läßt Dich gegen Andere aus, wenn Du Wünsche hast! Sieh, ich erfülle Dir Alles, was Du willst: nur errathen kann ich's nicht, wie der Düben meint, daß ich müßt'. Aber daß ich Dich rechtschaffen liebe, daran . darfst nicht zweifeln, sonst thust Dir und wir weh! Ich hab' meine süddeutschen Eigenthümlichkeiten, aber auch mein süddeutsch Gemüth, und wenn Du Dich nicht glücklich bei mir fühltest, wär ich ein unglücklicher Mensch!" Jedes seiner herzlichen Worte drang belebend in Franziska's Seele. Vergessen waren ihre heimlichen Sorgen vor der Zukunft. Am Nachmittag ging sie, verjüngt dareinschauend, mit ihrem Karl zu Dübens. Dort brannte auf dem gedeckten Tisch unter der Wiener Maschine der Spiritus, den Hans im Begriff war, zu löschen. Anna sah auf den ersten Blick, wie die Dinge standen, und empfing das Paar in ihrer lebhaften Weise: Kinder, Ihr kommt gerade recht zum Kaffee!" - Brück wurde etwas verlegen: Aber wenn Ihre Buben aus dem Gymnasium kommen?" Anna lachte. Nur heran, meine Herrschaften! Wenn die Jungen hereinstürzen, wird frischer gemacht!" Ein rascher Kuß auf Franziska's Kippen, dann langte sie nach Brucks Hand und fuhr ernster fort: Verzeihen Sie, Brück, ich habe heut was Ehrliches auf Sie geschimpft, bitte Ihnen aber Alles ab. Hans hat mir gehörig den Text gelesen, und ich sehe ein, wir Norddeutschen dürfen keine besonderen L!orzüge für uns in Anspruch nehmen. Wir sind vielleicht im Ganzen ein bischen resoluter und schneller bei der Hand als Ihr - Vor Allem," fiel Düben leicht spottend ein. schneller mit der Zunge!". Was man einen großen Mund haben" nennt", gab Anna offenherzig zu, aber der Kern Eures Wesens laßt nichts zu wünschen übrig!" Schon wieder von oben herunter," tadelte Düben halb ernst, halbcherzend seine Frau. Huldvoll und gnädig lassen wir Euch allenthalben neben uns gelten. Und bei der vornehmen Anmaßung, die Euch von uns verletzen muß, sollt Ihr uns von Herzen gut sein. Ehe wir die souveräne Manier nicht ablegen, werdet Ihr immer eine gewisse Scheu vor uns haben." Das mußt nicht glauben," versetzte Brück mit schalkhaftem Augenzwinkern, wir wissen recht gut, wo Euch der Schuh drückt; schaut Euch nur unsere Münchener Fliegende Blätter" 'an. die geben Euch manch einen gesundkn Hieb! Doch ' darum keine Feindschaft! Ihr habtuns das geeinigte Vaterland ver-

schasst, und treu wollen wir zusammen-

halten, denn es war eme Schand , wenn's wieder zerfiel!" Thu Mir den einzigen Gefallen, rief Düben, und bleib mir mit Politik weg!" Sofort wandte Vruck sich zu seiner Gefährtin: Mein Fränzel, mein liebes Fränzel, ich weiß gar nicht, was ich anstellen soll vor Seligkeit!" Seine Stimme stockte. Thränen traten ihm in die Augen. Plötzlich lachte er wieder und schlug sich auf die Kniee: Ich hab' )a)ov. meinen Plan, 's Atelier ist der wärmste Raum, der Bub kriegt's als Kindszimmer!" Anna stieß ihren Mann leise an: Dr B'tV" ""Siehst 'Tn." sagte Düben, eines so kindlichen Ausdrucks der Freude sind wir kaum fähig. ' Wir schämen uns fast, unser innerstes Gefühl zu verrathen. In der rückhaltlosen Kundgebung warmen Empfindens sind die Süddeutschcn uns voraus." Das leid' ich nicht," widersprach die crlincrin, si: sollen nichts voraus haben! Du bist der Beste!" Damit fiel sie ihrem Mann um den Hals und preßte il)n ungestüm an sich. :c Mttdcrmiläi im Dause. rr. ., c '.I o roslwort sür unbemittelte Mütter.' Es ist eine bekannte Thatsache, daß cme. große Zahl ausgezeichneter ärztllcher Errungenschaften wenig Nutzen zi stiften vermag, weil ihre Anwendung für weite Volkskreise zu kostspielig ist. So verhält es sicauch mit den Fortschritten, welche die Wissenschaft in der Lehre von der künstlichen Ernährung der sauglmge gemacht hat. Jahrzehnte ernsten und redlichen Mühens liegen hinter uns, und wir können doch keinen Erfolg verzeichnen, wenn wir die Allgemeinheit in's Auge fassen; denn im dritten und vierten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts stürben in Eur?pa von 1000 Lebendgeborenen 183 im ersten 'Lebensjahre und im achten und neunterrJahrzehnt betrug die Zahl dieser kleinen Todten 194 auf 1000 Lebendgeborene. Die Ursachen diese? großen Kindersterblichkeit sind sehr mannigfach; aber das steht fest, daß etwa zwei Drittel dieser Säuglinge durch Ernährungskrankheiten dahingerafft werden. Namentlich im Sommer während der heißen Jahreszeit, in den Monaten Juni, Juli, August und September, fordert der Brechdurchfall unter den künstlich ernährten Kindern zahllose Opfer. Einen wichtigen Antheil an der Entstehung dieser Krankheit hat zweifellos das Darreichen verdorbener ' Milch. Nun ist es in letzter Zeit gelungen, dieses so überaus leicht zersetzliche Nahrungsmittel durch zweckmäßiges Abkochen haltbar zu machen oder zu sterilisiren", und wir besitzen ausgezeichnete Apparate, mit deren Hilfe die junge Mutter gute Milch zu Hause haltbar zu machen und aufzr.wahren vermag. Aber diefe Apparate kosten Geld und wie billig sie Diefem oder Jenem erschin:n mögen, für sehr viele sind sie unerschwinglich. Daraus erhellt, daß durch diese Apparate in den bemittelten Kreisen Segen gestiftet wird, daß sie aber auf die Kindersterblichkeit weiter Kreise, auf die Volkssterblichkeit über Haupt keinen Einfluß 'haben können. Aber keine arme Mutter braucht darm oen Kops hangen zu lajjen. Es wäre auch traurig, wenn die Errungenschaften der hygieinischen Wisscnschaft nur den Reichen zugute kommri sollten! Sie sind glücklicher Weis? derart, daß sie Jedem Nutzen bringen können, der sich ein wenig Mühe gibt, die Grundsätze zu lernen und sie im Leben praktisch zu bethätigen. So kann man die Säuglingsmilch uch ohne einen kostspieligen Sterilisirunzsapparat zweckmäßig aufbewahren man braucht dazu weiter nichts als tf, nen reinen irdenen Topf mit einem Deckel, der in jedem Hausstande zu haben ist. Was di Milch verdirbt, das sind Pilzkeime, die in sie von außen gelangen. . Jede rohe Milch, die wir aus einer, selbst der besten Milchwirthschaft beziehen, enthält schon diese Keime, und indem sie sich in der Milch vermehren,. zersetzen sie dieselbe, bilden in ihr Stoffe, die ein Erwachsener wohl vertragen kann, die aber dem zarten Säugling ungemein schädlich sind. Diese Pilzkeime werden durch die Siedehitze abgetödtet, und wenn dies geschehen ist, dann halt sich die Milch längere Zeit. Das ist den Hausfrauen wohl bekannt, aber es muß dabei noch auf einige besondere Eigenschaften der unsichtbaren Keime geachtet werben, wenn die Milch in einem sür die Säuglinge tadellosen Zustande erhalten werden soll. Einige der in der Milch vorkommenden Bakterien werden erst nach sehr langem' Kochn abgetödtet und darum soll man die für Säuglinge bestimmte Milch etwa eine halbe Stunde lanq kochen. Ferner kann die abgekochte Milch durch neue Keime, die von außen in dieselbe gelangen, von Neuem verunreinigt werden. Bakterien. Pilzkeime etc. schweben in der Luft, sie setzen sich aus derselben mit dem Staube ab, und wenn sie in die Milch hinabfallen, so. verderben sie diese. Das ist wahr, aber über die Zahl der gewöhnlich in der Luft schwebenoen Keime herrschen sehr übertriebene Ansichten. Durch vielfache Versuche wurde bewiesen, daß d Zahl der Keime, die sich während einer kurzen Zeit, also während einiger Secunden oder einer' halben Minute, auf einer kleinen Fläche wie der Oeffnung eines Milchtopfts absetzen, sehr geringfügig ist. Anders aber liegt die Sache, nxnn wir die Milch mit Gegenständen in Berührung brinen die w gereinigt

wurd'en, aber dann lange Zeit stehen blieben; an den Wandungen solcher Töpfe haben sich inzwischen viele Bak-

tenen niederlassen können, und wenn sie in Massen in die Milch gelangen, so können sie dieselbe schnell verderben. Dies geschieht immer, wenn wir die Milch aus dem Topfe, in welchem sie abgekocht wurde, :n einen anderen, den man nicht gerade in demselben Augenblick ausgekocht hat, gießen. Aus Grund dieser Thätlichen lassen sich folgende Regeln . für die Behandlung der für Säuglinge bestimmten Milch im Hause aufstellen. Die Mutter suche möglichst gute und möglichst frische Milch zu beschaffen. Sofort nach Empfang wird die Milch in einem mit einem passenden Deckel versehenen Topfe eine halbe Stunde lang abgekocht, wobei der Anfang der halben Stunde vom Eintritt des Siedens an zu rechnen ist. In diesem Topfe wird nun die Milch als Vorrath, zugedeckt mit demselben Deckel, an einem kühlen Orte aufbewahrt. Will man dem Kinde Nahrung geben, fo gießt man die nöthige Menge in einen kleineren Topf ab, hält dabei den Deckel so, daß er mit einem festen Körper, wie z. B. Tischplatte, Klcidung etc., nicht in Berührung kommt, und setzt ihn, nachdem das Abgießen besorgt worden ist, wieder auf den Topf. Der Milchvorrath ist nur für die Dauer von wenigen Secunden mit der Luft in Berührung gekommen und es sind in ihn nur einige wenige Keime hineingefallen. Die in den kleinen Topf abgegossene Milch Mischt man m entsprechendem Verhältniß mit heißem, vorher abgekochtem Wasser, kocht ne noch einmal auf, bis sie aufwallt, und füllt sie in die Saugflasche, die natürlich peinlich sauber gehalten werden muß, zu deren Reinigung man gleichfalls heißes, vor her abgekochtes Wasser benutzt hat. Die entsprechend abgekühlte Milch wird dem 5inde verabreicht. Ebenso verfährt man bei der Ent nähme der zweiten, dritten etc. Portion aus dem Milchvorrath. Kann man frische Milch nur einmal in 24 Stunden erhalten, so empfiehlt es sich, den Vorrarh nach 12 Stunden noch einmal 'abzukochen: bei warmer Witterung ist dies sogar dringend nothwendig. Das. ist ein ' Verfahren, das schon früher in ähnlicher Weise geübt wurde; nur ist es heute besser begründet und die Bedeutung der einzelnen Handgriffe sind klar. Ein ausgezeichneter Kenner der Säuglingspflege empfiehlt diese Art der Milchbehandlung im Hause warm. Seine Assistenten haben verschiedenartig aufbewahrte Milch auf deren Ge halt an Keimen geprüft, und sie fanden in je einem Kubikcentimeter Milch 24 Stunden nach dem Abkochen: in einer Sterilisirflasche 21 Keime; m der Milch aus zugedecktem Topfe, die nach den oben angegebenen Regeln behandelt wurde, 38 bis 500 Keime; in abgekochter Milch, die nicht im Kochtopf geblieben war, 4 Millionen bis 400 Millionen Keime. Wir ersehen daraus, daß unser Verfahren nahezu die Zuverlässigkeit eines Sterilisirapparates erreicht. Die alte Jungfer. Sie sitzt allein im stillen Zimmer, Und rings um sie ist Einsamkeit; Ach, es verklärt kein Hosfnungsschimmer Ihr tief verborgenes Herzeleid. Sie träumte einst von sel'gem Lieben, Von einer frohen Kinderschaar; Ihr armes Herz ist krank geblieben, Meil es einmal verwundet war. Nun möchte gern sie Liebe zeigen Und auch verbergen sie zugleich; Ihr wird so schwer, davon zu schweigen. Jedoch sie fürchtet Spott von Euch. Die Ihr, trotz menschlicher Gebrechen, Von treuem Herzen seid geliebt, O spottet nicht der kleinen Schwächen, Die ungestilltes Sehnen gibt! Und du, verschmähtes Mädchen, mache Die Brust von Groll und Grämen frei, Und räche dich mit edler Rache Und steh' den Menschen hilfreich bei! Dame n-T u r n e n. Sie müssen doch einen Unterschied machen zwischen Knaben und Mädchen!" sagt der Schulinspektor zum Turnlehrer. Wie können Sie die jungen Damen über'n Bock springen lassen?" Turnlehrer (gereizt): Nicht über'n Bock? Nun. soll ich sie vielleicht über eine Ziege springen lassen?" Reciprocität. Warum haben Sie nicht geheirathet?" Ja, sehen Sie, lieber Freund, das kam so. L?s ich un7warM! ich miri!hi h" zu hka,hnals bis ich das CYWT , N,L yn, s,8 ,snk,n 9!nr VWU VUIV W V W W 4VI4tWt .ss.?, m,.? rr:

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Mv.s ManXtS Selbsterkenntniß. Hausfrau (zu einem Bettler): Was . . W L . 1 tzsie oellein uno irnv oave: o velrunken. daß Sie nicht stehen können? Kommen Sie wieder, wenn Sie nüchtern sind! Bettler: Oh, Madame, ich seh' schon, daß ich dann überhaupt hier nie auf Etwas zu rechnen hab', Kindlich. Hans (dem die Geschichte vom ewigen Juden erzählt wird): Papa, wenn der Mann immer und ewig umherwandern muß, weshalb kauft er sich da nicht ein Äelzci- '

Ihtc: uns z-raucn.

?le bes e cixrn,clsterin. In einer Zeit, wo alle Schulen und Lehranstalten ihre Pforten längst geschlössen haben und hinter dichten Dunstwolken verborgen einen langen festen Sommerschlaf thun, mag es eben so' unpassend als grausam erscheinen auch nur eme einzige der vielen vortrefflichen Schoolmam's aus ihrer wohlverdienten mittsommerlichen Ruheselbst nur momentan aufzuschrecken Nein, ohne den weisen, vielgeplagten und schwergeprüften Lehrerinnen irgend einer öffentlichen oder privaten schule nahetreten, ohne ihre Lehrbefähigung durch den Vergleich mit ihren taufenden von Colleginnen unter- oder überschätzen zu wollen, müssen wir zur Vermei dung von überflüssigen Eifersüchteleien gleich von vornherein bemerken, daß die Lehrmeisterin.von der wir spre chen, weder eine fixe Stellung einnimmt, noch eine anstrebt, noch, was vielleicht am bedaueÄichsten ist, an den meisten Schulen einen Platz erhalten dürfte. Unsere Lehrmeisterin ist nÖ7.ilich. genau betrachtet, eine sehr einfache, sehr anspruchslose, wenig aufdringlich: Person, sie benutzt weder Bücher noch Hefte, weder Tinte noch Feder, und doch ist ihreLehrmethod: eine äußerst eindrucks--volle und leicht faßliche. Sie zwängt ihre Schüler und Schülerinnen weder in Schulbänke, noch plagt sie sie mit großen schwarzen Schiefertafeln, auch brauchen die kleinen und selbst die großen Kinder weder Hausaufgaben zu machen, noch zur Strafe nachzusitzen, kurz, es ist eine ganz reizende Lehrerin und doch wird sie nur von sehr wenigen Eltern angestellt, und noch weniger Kinder zu ihr in die Lehre gegeben. Manche werden vielleicht vermuthen, daß dies geschieht, weil unsere Lehrerin kein umfassendes Wissen besitzt und keine genügende Bildung erzielen könnte und doch ist sie im Stande sowohl Zoologie als Botanik, Musik und Zeichnen, Malerei und Physik, Astronomie, Mineralogie und sogar Religion, die höhere Lebens-Philosophie und noch manche Wissenschaft mehr vortrefflich zu lehren. Sie zeigt uns die ganze Thierwelt in Lebensgröße wie sie lebt und sich ernährt, wie die schlanken Fische tief unten bei den deunklen Felson des von Waldriesen umgebenen Sees ihr Wasserdasein führen, und die kleine zierliche Bachforelle mit ihren röthlichen Pünktchen dahinschnellt zwischen dem glänzenden Gestein des rauschenden Bächleins. Wie die Krähe haust auf nackten Felsen, und das Bienlein sich schaukelt und vollsaugt in duftenden Dolden von süßem Klee. Wie das Mutterpferd in liebevollem Instinkt sein graziöses Fohlenkind hütet, wie die Kälblein mit fast intelligenten Gesichtern neben ihren respektiven etwas verdummten guten Kuhmamas sich der frischen würzigen Weide erfreuen, wie die Ztucyleln uno ntlem uno zungen Truthühner, pickend und gackernd und watschelnd, getreulich ihrer Erzeugerin folgen. Und dann wie die mächtigen, großen, weißen, rothen und norwegischen Tannen, die schlanken Cedern in den bläulichen Horizont förmlich hineinragen, wie die Kräuter, Flechten und Moose, und rothbäckigen Beeren bescheiden am Boden dahinkriechen, und die Wasserlilien an ihren schlanken, geisterhaft sich windenden Röhrenstielen wie Zauberblumen aus dem Wasserspiegel emporblühen. Wie der Erdboden zum Lohn für Mühe und Fleiß ergiebig alles trägt, was zur Erhaltung von Menschen und Thieren nöthig ist. Wie das Getreide in' goldgelben Aehrenfeldern leuchtet, Buchwe'.zen und Kartoffeln mit Weißen zarten Blumen, süße Erbsen mit rosig poetischen Blüthen sich schmücken und Korn-, Bohnen- und Liebesäpfel-Pslanzungen in frischem saftigen Grün ganze Landstrecken bedecken. Ferner läßt sie uns die Musik der tausend lieblichen Vogelstimmen vernehmen, das Schlagen der Buchfinken, das. Zwitschern des Rothkelchens, den eigenthümlich monotonen Schlag des Will o Whisp" und das ganze große gemischte Orchester der Waldstimmen an unser lauschendes Ohr klingen, begleitet von dem geheimnißvollen Rauschen der Blätter und dem Murmeln der Gebirgsquellen. Sie zeigt uns Farben und Formen in solcher Mannigfaltigkeit, daß wir es kaum fassen können. Wenn die Sonne Abends in's Meer versinkt, taucht sie vorher noch mit ihrem Wunberpinsel über das Firmament dahin, und in zarten, goldig, rosig, bläulich verwobenen Farbentönen wandern die Wolkengebilde am westlichen Himmel hinab. Sie zeigt uns, wie die Dünste der Wasserfläche entsteigen, wie der elektrifche Funke von Wolke zu Wolke springt. ' u5?'2 mSWU 3"i, v'"0''"" 7""."". . fern, Blüthen uno Blattern unö M j dem glänzenden gleißenden Wasserspiegel.' Sie lehrt uns dankend jene höhere - ' Macht Prelsen,welche uns eme so vollendet schöne Welt' geschaffen, und zeigt uns, wie thöricht wir sind, wenn wir im Kleinkram des Lebens verbittern, derkümmern und versumpfen, anstatt unS j an der strahlenden Pracht des Weltalls Zu erfreuen, erfrischen und erquicken: Und die Lehrmeifterin, welche all" dies bei ihren getreuen Schülern erreichen kann, ist die Natur. Darum' gehet hin und. lauschet andächtig ihreu vunderbaren Lehren. ,

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