Indiana Tribüne, Volume 17, Number 296, Indianapolis, Marion County, 15 July 1894 — Page 7
Ter Talisman.
Skizze von C. Crome-chwiening 33 gibt auch heutzutage noch Wun der große und kleine; aber der Menschen Augen sind blöde geworden und mögen sie nicht immer recht :rschauen Krieg!" flüsterten scheu die alten Leute mit zuckenden Lippen und zuckenden Herzen, und Krieg wider den Erbfeind! Warte, Napolium jetzt gibt's Wichfe fest steht und treu die Wacht am Rhein!" sangen die Jungen. Mit Gott für König und Vaterland!" sagten ernst die Landwehrleute. Sie wußten, was sie daheim ließen und was sie erwartete draußen im grausen Völkerkampfe. Und mit dem gleichen Ernste nahmen sie Weib und Kind, mit dem gleichen Ernst traten sie vor den Feind. Der Schreiner Sebald küßte zum legten Male vor bim Ausrücken sein weinendes Weib, und ein junger ehemaliger Einjähriger, der jetzt als Landwehr-Vice" mit hinaus zog, stand dabei. Er hatte nicht Weib noch Kind, nicht Vater noch Mutter und er freute sich auf den wilden Kriegstanz. Und wi? er sich von der ergreifenden Scene, die sich zwischen seinem guten nreunde Sebald und dessen Weib abspielte, abwendete, siehe, da stand auf einem Stuhl Klein-Mariechen, das fünfjährige Töchterchen Sebalds und hob ihm die Arme entgegen. Onkel Fritz!" flüsterte die Kleine komm, ich will Dir auch einen Kuß geben!" Gerührt ' beugte sich Fritz Winter nieder und ganz seltsam berührte es ihn. als die kleinen Arme sich um ihn schlangen und des Kindes Lippen die seinen berührten. Ihn überschauerte es, eine feierliche Stimmung kam über ihn, ihm war. als sei er nun gefeit qegen alles, was die Kriegsfurie brau ßen Schlimmes gegen ihn im Sinne haben könne. Die ersten Depeschen kamen. Nun war aus dem bangen Krieg!" das jubelnde Sieg!" geworden. Und endlich, endlich kamen auch sie wieder heim, die braven Krieger. Sebald kam zurück, und als Mariechen nach dem ersten jubelnden Empfang schüchtern nach dem guten Onkel Fritz" fragte, da schüttelte der Vater traurig das Haupt. Er liegt wohl draußen unter den Hunderten, die beim Sturm auf die Fabrik fielen, und daß ich hier vor Euch stehe, dane . ich dem braven Freunde. Er hat mich herausgehauen aus dem Handgemenge, als schon ein Zuave das Bajonnet gegen meine wehrlose Brust zückte. Friede und Ehre ihm!" Und die Jahre gingen und kamen wieder. Aber kein Onkel Fritz kam mit ihnen. Mariechen aber ward ein merkwürdig stilles Kind und wuchs heran zur Freude Aller. Eines Tages aber kam sie mit rothglühenden Wangen mit einem Zeitungsblatt in der Hand, darin die Nachricht stand von einem Kriegsgefangenen, der nach zehn Jahren erst aus Afrika heimgekehrt sei. Und nun verwunderten sich die Leute doppelt, denn Mariechen, die eine blühende Jungfrau geworden war, war nicht zu trennen von dem Gedanken, Onkel Fritz habe ein gleiches Schicksal getroffen er könne nicht todt sein, er müsse wiederkehren. Vater Sebald wurde nachdenklich. Gerade an jenem Tage waren, das hatte er wohl erfahren, eine Anzahl Gefangene von den Franzosen gemacht worden. Aber nein, wenn Fritz darunter gewesen. etwas hätte man zewiß in dem langen Laufe der Jahre von ihm erfahren. Und wieder verflossen ein paar Jahre. Mariechens Vater ging den Weg alles Irdischen und alsbald folgte auch die Mutter. Das junge jetzt zweiundzwanzigjährige Mädchen stand allein und hantirte mit Hilfe der alten Magd in dem väterlichen Erb' herum. Freier meldeten sich der Menge, aber das junge Mädchen wies alle zurück.' Sie möchte nicht heirathen. Und wieder kam ein Sommerabend, wie jener, an dem einst vor siebzehn Jahren die Krieger dem Rufe m'3 Feld folgen mußten. Mariechen saß, die alt.' Christine neben sich, auf dem Bänkchen vor dem Hause, mit einer Näharbeit beschäftigt. Da kam ein Mann die kleine Straße herauf, dem man ansah, daß die Gluthen südlicher Sonne ihm das Antlitz gebräunt,' Haar und Bart gebleicht hatten. Und mit seltsam zögernden Schritten kam der Fremde heran, bis er endlich vor dem aufschauenden Mädchen stand. Ist das nicht das Haus desSchreinermeisters Sebald?" fragte er mit unsicherer Stimme. Mariechen stand auf. Gewiß, der Mann war ihr weltenfremd aber die Stimme, die Stimme Mein Vater ist todt " So sind Sie " derFremde stockie und sah Mariechen mit seinen großen verwunderten Augen an. Ich bin sein Kind aber wer hat ein Interesse " Ich war einst sein Kamerad im letzten Krieg das ist lange, lange her " sagte trüb der Fremde, aber er schaute schier erschreckt empor, als Mariechen einen Schrei ausstieß und ohne sich zu besinnen, ihm um den Hals fiel. Onkel Fritz!" Dann erst kam das Besinnen, und gluthroth im Gesicht, fuhr sie zurück, j Sie nannten inen Vornamen, . Fräulein Sebald und ich glaubte, in der alten Heimath sei Niemand, der , sich meiner entsinne. Ja, wie ist mir ' denn." fuhr er fort, das Wort Onkel Fritz" dämmert eine freundliehe Erinnerun erauk die vor der
begonnenen Leidenszeit lag, die ich durchmachen mußte. Ich sehe wieder ein kleines Kind, das mich zum Abschied küßt " Das waren Sie, Mariechen, jetzt weiß ich auch Jhren Namen wieder!" Wie das kam, wußten sie beide nicht mehr, der vierzigjährige' Mann und das junge Mädchen, aber in den nächsten Minuten saßen sie in dem Wohnzimmer und Onkel Fritz" berichtete. Ja, die Ahnung des jungen Mädchens war Wahrheit. Er war wirklich Kriegsgefangener gewesen und nach Algerien gebracht worden, aber nur auf wenige Jahre, dann war es ihm geglückt zu entfliehen und er war nach Südamerika gegangen. In der alten Heimath erwartete ihn Niemand, so suchte er sich eine. Aber ich' habe sie doch nicht gefunden," schloß er trüb. Sie haben meinem Vater einst das Leben gerettet," sagte Mariechen leise o ich weiß es wohl! Hier ist ihre Heimath!" Und als er begriffen, welche DopKdutunz diese Worte haben könnten. da bemächtigte sich ihm eine hohe Verwirrung. Aber .Fritz Winter blieb in dem kleinen Städtchen. Und er kam täglich und nach Wochen kam wieder ein Sommerabend, und wieder saßen sie zusammen im Stübchen. Und da kam's, daß Fritz Winter mit halb siockendem Athem erzählte.von dem Kuß, den er einst bekommen und wie ?s für ihn ein Talisman geworden sei, im tobenden Wetter der Schlachten. Und da stand Mariechen, die es in denAugen des Mannes so eigen schimmern sah, wieder 'auf und legte dem Manne die Hände um den Hals und weinte und lachte: Onkel Fritz willst Du mich, so nimm mich hin!" Es gibt noch Wunder heute, große und kleine die kleinsten sind aber die süßesten!" - .
?as Spiel in Dcutschlanv. Und weil das Spiel, wie offenbar und allbekannt ist, zu vielen schweren Sünden, Lastern und Uebelthateu Ursache gibt, und nicht allein die wenig Vermögenden, sondern auch die Reichen in's Verderben stürzt, wodurch ihren unschuldigen Weibern und Kindern an ihrer nothdürftigen Lebensnahrung und Unterhaltung vielmals Mangel und Abgang erfolgt ; so wollen wir unsere Unterthanen gnädig vermahnt ljaoen, daß sie sich aller und jeder theuren, schweren und häßlichen Spiele enthalten und sich selbst sammt ihren Werbern und Kindern dadurch vor Verfall, Schaden und Verderben hüten ; nur mit Würfeln oder Karten soll dem gemeinen Bürger und Arbeiter aus Kurzweil nach verrichtetem Gottesdienst dergestalt zu spielen erlaubt sein, daß ein Bürger an einem Tag nicht über 3 Mark und der Arbeiter allein am Feiertag nach verrichtetem Gottesdienst 20 Pfennig verspielen mag ; welche Gastwirthe aber diesem unserem Gebot zuwiderhandeln und das Spiel gestatten, die sollen, so ost. das geschieht, jedesmal nm 3 Mark gestraft werden. Den Grafen, Freiherrn und denen vom Adel aber soll nachgelassen sein, aus KurzweN mit einander zu spielen. Doch daß keiner mehr verspielt, als er an Geld bei sich trägt. Wenn aber jemand hiergegen handelt und entweder entleihen, oder auf Borg und Kreide spielen würde, der soll ebenfalls in die obige Strafe fallen." So lautet nicht etwa ein Paragraph des in Aussicht genommenen Gesetzes Rosenberg-v. Meyerinck, sondern eine alte deutsche Polizeiordnung von 1576, deren Lektüre gerade in der Gegenwart jedem Vaterlandssreunde nicht geringen Trost gewähren dürfte. Sehen wir doch daraus deutlich daß trotz des Zetergeschreies, das jetzt in der ganzen Welt über die Herrschaft des Spielteufels in Deutschland erhoben wird, unsere Zeit mindestens nicht schlechter als die Vergangenheit geworden ist, für die bereits derErlaß so drakonischer Spielgeböte bezeugt wird. Ja, es fragt sich sogar, ob wir nicht im Grunde sogar unleugbare Fortschritte in der Bekämpfung der Spielsucht gemacht haben, die allerdings bereits in grauer Vorzeit zu den veröerblichsten Nationaleigenschaften der Deutschen gehört hat. Schon Tacitus hatte bekanntlich sein Erstaunen nicht unterdrücken können, dieselben Menschen, die er sonst den entarteten Römern nach allen Richtungen hin als Musterbilder vorhalten durfte, von solcher Spielmanie ergriffen zu sehen, daß sie ganze Tage mit Würfeln verbrachten, wobei der unglückliche Spieler, der schon sein ganzes Hab und Gut aufgeopfert hatte, schließlich seine eigene Freiheit, den eigenen Leib als Einsatz wagte. Der steigende Reichthum, die Bekanntschaft mit dem Orient, der Wiege so mancher Arten des Glückspicls, vermehrte im Mittelalter die Lust am Spiel in's Ungemessene, so daß man beinahe von einer Spielkrankheit sprechen darf, die die Massen ebenso ergriff, wie die Tanzwuth, die Geißelzüge, die Judenhetzen; mußte doch den Kreuzfahrern wiederholt das Spielen im Lager, unterfagt werden, da ihr Zanken und Schreien die Berathungen der FeldHerren störte. Auch die Frauen blreden von dem Taumel nicht ausgeschlossen; Damen der besten Stände, denen der Minnedienst ihrer Ritter noch nicht alle Zeit ausfüllte, fanden sich zu Spielkränzchen, Karthöfen zusammen, und es wurde Sitte, daß junge Frauen ihre Freundinnen nach der Hochzeit zu solchen Veranstaltungen einluden. Den Männern genügte schließlich nicht mehr, im Gasthaus beim Spiel zu derweilen; es wurden besondere SpielHäuser gegründet, in denen sich wie in den modernen Spielbanken neben den
höchstenGesellschaftsschichten auch zweideutiges Gesinde! einfand, das als Spieler nicht unsympathisch sein mochte. Berüchtigt waren als solche Plätze Frankfurt am Main, München und Würzburg, letzterer Ort auch deshalb erwähnenswerth. weil hier als Bankhalter der Graf von Henneberg fungirte. dem der Bischof von Würzbürg diese Stellung als Lehen übertragen hatte. Der eigentliche Spielzweck, die Unterhaltung, ging hierbei völlig verloren; es ist bezeichnend, daß eins der Spiele ganz offenherzig den Namen Mach' mich reich" führte. Unter der ritterlichen Bevölkerung galt in der zweiten Hälfte des Mittelalters neben Wegelagerei da$ gewerbsmäßige Geldspiel als standesgemäßer Erwerbszweig; nicht umsonst erhielten die Frankfurter PairizierkinderWürfel als Pathengeschenk, mußten Karten und Würfelbecher in Bremen sich in jeder Junggesellenaussteuer befinden. Auch Bauern und Handwerker wurden von diesem Spieltaumel ergriffen, der das Spielen für die wichtigste Beschästigungsart erachtete. In Goslar war es z. 23. verboten, Bergleuten, die sich mit Würfeln oder Kegelschieben vergnügten, ein: Läoung zuzustellen; eine Bauernordnung schrieb sogar vor, daß der Dorfschulze, der zwei Bauern beim Spiel träfe, der dritte Mann dabei sein sollte, eine Satzung, aus der sich vielleicht die heute übliche Ausforderung, dritter Mann bim Skat zu sein, herleitet. Nicht um Geld allein wurde gespielt. Auch Weib und Kind, im älteren Recht einer unbeschränktenVerfügungsgewalt des Hausvaters unterworfen. erscheinen als Spielobject; das Verspielen der eigenen Gliedmaßen mußte das Wiener Stadtrecht noch im 13. Jahrhundert verbieten, ein schauriger Beweis, daß Scenen, wie sie im Kaufmann von Venedig durch das Eingreifen der Porzia verhindert werden, einstmals in Deutschland thatsächlich sich abgespielt haben. In dem Kinderspiel Auf Tod und Leben" ist der letzte Rest einer Periode erhalten, die sogar das Verspielen des eigenen KopfeS als zulässigen Einsatz anerkannte. Eine feindliche Stellung gegen das Spiel hatte von jeher die Kirche eingenommen; die Würfel galten als Erfindung des zum Teufel degradirten Wodans, die Neunzahl der Kegel erinnert an die neun Zeitalter, die neun Asen der heidnischen Mythologie. Deshalb 'bedrohte die Kirche schon im 10. Jahrhundert die Spieler mit dem Ausschluß vom Abendmahl, eine Maßre gel, die sich jedoch selbst den Mitgliedern der deutschen Geistlichkeit gegenüber, die ebenfalls gern beim Würfelspiel verweilten, als wirkungslos erwies. Mächtige? wurde der , Einfluß der Kirche, als bei der Überhand nehwenden Spielsucht auch einsichtige Laien sich gegen das Spiel erklärten. So klagte schon Freidank: Von Spiel erhebt sich manche Zeit Fluchen, Schelten, Widerstreit. Spiel thut manchen Leuten leid, Lehrt in Bösem Kundigkeit. Da ist gar wenig Zucht dabei. Wird von Schande selten frel. Vom Spiel erhebt sich große Noth, Vom Spiele liegt auch Mancher todt. Eindringend predigt Verthold von Regensburg gegen die Todsünde des Spiels, dessen Mahnungen auch viele seiner Zuhörer zum Verbrennen der Karten und Vernichten der Würfel bewogen haben sollen: Tausend Sünden geschehen vom Würfelspiel, die sonst nimmer geschähen. Manche tausend Leiber und Seelen gehen verloren, die sonst nimmer verloren gingen, wenn es keine Würfel gäbe. Davon kommt Mord. Diebstahl, Neid, Zorn, Haß und Trägheit im Gottesdienst." Seinen größten Zorn erregten die Wirthe, die das Spiel dulden und unterstützen: Ihr Wirthe, Ihr nehmt Euch den Nutzen der Sünde; wenn Ihr selbst nicht spielt, so nehmt Ihr vom Würfel und vom Licht, vom Spielbrett und vom Zusehen. Was für Nutzen Ihr vom Spiel nehmt, so seid Ihr an der fremden Sünde betheiligt. Der Spieler fährt für das Spiel zur Hölle gleich mit der ganzen Schaar, und Alle, die Nutzen davon haben, die fahren in der anderen Schaar wegen der fremden Sünde." Ein Hinderniß gegen eine passende Heirath sieht ein späterer Dichter, Konrad von Haslau, im Spiel. Dem Spieler, meint er: .... werden Feind gute Weib'; Es tödtet ihn Seel' und Leib. Es nimmt ihm Gut und Ehr', Kann man verspielen mehr? Mit Anspielung auf die Verferti. gung des Würfels auö Knochen ruft der Minnesänger Reinmar von Zweter, der die Schädlichkeit des Spiels am eigenen Geldbeutel empfunden: Ich weiß ein wunderliches Zwingen, Wunderlich vor allen Dingen, Daß einem todten Würselbein Lebendiger Mann Herz und Muth So ganz unterthänig thut. Daß es ihm nimmt Sinn und Verstand allein. Veranlaßt durch diese Opposition, schritt endlich auch die Gesetzgebung gegen das Spiel ein, das eine Volkskrankheit zu werden drohte und in' immer neuen Formen man zählte am Ausgang des Mittelalters gegen 150 Arten immer neue Anhänger gewann. Nach ver Volksauffassung war die Spielschuld wie jede andere Verpflich tung bindend. Es galt zunächst, diesen Grundsatz zu bekämpfen, was durch das Eindringen des römischen Rechts erleichtert wurde, das die Klaabarkeit der Spielschuld mit wenigen Äusnah
men verneint hatte. Es wurde deshalb dem Richter das Recht beigelegt, die eingeklagte Spielschuld zu ermäßigen, später Anordnungen getroffen, wonach überhaupt nur ein bestimmter Vermögenswerth das baare Geld, das Jemand bei sich trug, Kleidungsstücke etc. verspielt werden durfte, endlich aber die Unklagbarkeit der Spielschuld festgesetzt. Manche Gesetzgebungen gingen über diese gerechtfertigten Schritte noch hinaus und erließen .allgemeine Spielverböte, indem entweder jedes Spiel oder doch die als Hazardspiel bezeichneten für unzulässig erklärt wurden. Fraglich war allerdings wieder, was als Hazardspiel anzusehen sei. Man ver'suchte zwar eine Gruppirung in Kunst-, a.nnschte und Hazardspiele. je nachdem' das Geschick des Spielers allein, oder damit verbunden der Zu fall, oder endlich ausschließlich der Zufall die Entscheidung eines Spiels herbeiführten. Aber diese Grenzen waren zu flüchtig, um danach eine brauchbare Eintheilunz zu treffen. Es stellte sich auch überall bald heraus, daß derartige Anordnungen, die selbst die unschuldigsten Unterhaltungsspiele mit Strafe bedrohten, sich im Leben gar nicht zur Anwendung bringen. ließen. Falsches Spiel blieb lange straflos, da man annahm, daß die göttliche Rache den Falschspieler ohnehin ereilen werde. . Später schien dieser Wechsel auf die Zukunft nicht zu genügen: u Falschspieler wurde als Betrüger erachtet und mit hoher Geldstrafe gebüßt. Mittelalterlicher Geist spricht aus der Bestimmung des Brünner Rechts, die dem Falschspieler den Daumen der Spielhand abzuhauen befiehlt. Andere Rechte bedrohen ihn mit dem Verlust der ganzen Hand; in Frankfurt a. M. wurde das falsche Spiel mit Hinrichtung bestraft, nachdem dem Verbrecher vorher das Bild einer Spielkarte mit glühendenEisen auf den Leib gebrannt war. So abschreckend auch diese gesetzlichen Bestimmungen auf Einzelne wirken mochten eine wirkliche Genesung des Volksganzen konnte nur durch AbWendung der Massen von der Spielsucht erfolgen. In dieser Richtung gebührt vor Allem den Zünften ein Wort des Lobes, die in der richtigen Erkenntniß. daß ein Spieler niemals ein nützliches Mitglied der Gesellschaft sein könne, jeden Genossen, der sich dem Spiel ergab, mit Ausschließung bedrohten. Den Anfang machten mit solchen Satzungen die Breskower Schneider 1344, denen sich dann allmälig die übrigen Gewerke anschlössen, ein verständiges Vorgehen, das leider in den Kreisen des Adels keine Nachahmung fand. Solche, von' größeren Jnteressenkreisen ausgehenden Bewegungen gegen ein Laster, das zeitweise ganz Deutschland zu verderben schien, haben es bewirkt,' daß der Kern der Bevölkerung, der deutsche Mittelstand, sich der drohenden Gesahr mit Erfolg erwehrt hat. Einflußreich mag auch der dreißigjährige Krieg gewesen sein, der die breiten Massen in Deutschland zu einer geregelten Thätigkeit zwang, neben der ein Spieltrieb gar nicht mehr aufkommen konnte.
Nikotinvergiftung. Der Münchener Pharmakologe Professor Tappeiner schreibt in dem soeben zur Ausgabe gelangten Heste von Drasches Bibliothek der gesammten medizinischen Wissenschaften-: -Das Vorkommen von Nikotin im Tabakrauch, früher mehrfach bestritten, ist jetzt als vollkommen sichergestellt zu betrachten. Eine ziemlich beträchtliche Menge des Nikotins vermag sich in Folge seiner Flüchtigkeit der Verbrennung vollstänbig entziehen, und auch die Übrigbleibende wird nicht völlig zerstört, sondern scheint zum Theil nur der trockenen Destillation zu unterliegen, wobei Homologe des Pyridins gebildet werden, welche als flüchtige Körper ebenfalls in den Rauch übergehen und dem Nikotin ganz ähnliche Wirkungen entfalten können. Wie viel von demverflllchtigten Nikotin sofort mit dem Rauche eingesogen und absorbirt wird, hängt von der Beschaffenheit des Tabaks, der Art des. Rauchens und den Gewohnheiten des RaucherS ab. Erwähnt sei. daß unter allen Umständen nur ein Theil des verflüchtigten Nikotins die Cigarre oder Pfeife sofort verläßt, der andere condensirt sich in den von der Brandstelle entfernteren Theilen und wird erst wieder flüchtig nach Maßgabe, als die Gluthzone näher rückt. Wer.alfo beispielsweise seine Cigarre wegwirft, nachdem zwei Drittel verbrannt sind, und sich eine neue anzündet, wird weniger Nikotin aufnehmen, als Jener, welcher auch das letzte Drittel zu Ende raucht. Enthaarungsmittel. Zur Beseitigung unliebsamer Härchen an Stellen, wo man sie nicht haben will, ist man entweder auf die Scheere oder, auf eines der chemischen Entha.arungsMittel angewiesen. Das Ausziehen der Haare kann z. B. umgangen werden, wenn auf die betreffenden Stellen wöchentlich dreimal eine auf Leinwand aufgestrichen Paste aus 5 Tbeilen Resorcin. 25 Theilen Paraffinsalbe und und je 12 Theilen Zinkozyd und Reismehl aufgelegt wird. Schon nach kurzer, Zeit stoßen sich mit der kranken Oberhaut auch die erkrankten Haare ab. --Unentbehrliche Kleimgseit. A.: Was doch die Damen für kleine Händchen haben!" B.: Das ist eine weise Einrichtung! Wie könnten sie sich sonst so ost ins Fäustchen la. chen?! .
Zlsarrcr Kncipp und seine Zvas scrkur. Ein Helfer in geistlichen und leiblichen Dingen zugleich, ein Priester und Arzt in m einer Person, ist Pfarrer Kneipp in Wörishofen, einem freundlichen Pfarrdorf zwischen Memmingen und Augsburg, und wird daselbst wegen seiner wahren Menschenfreundlichkeit als eigentlicher Vater der Gemeinde auf's Rührendste verehrt. In der Mitte des Dorfes liegt der PfarrHof mit der historischen Waschküche.die fast den ganzen Tag von Kranken umlagert ist. Daran stößt die äußerlich einfache, im Innern aber geschmackvoll ausgestattete Pfarrkirche, vom KirchHof umgeben. Den höchstgelegenen Punkt des Dorfes nimmt das stattliche Kloster ein, in dem arme-kränk-liche Kinder von barmherzigen Schwestern gepflegt werden.
- In unmittelbarer Nähe der Klostermauern, im Angesicht von Wald und Flur, sind zwei neugebaute, aus mehreren Abtheilungen bestehende, mit Quellwasserleitung versehene, aber sonst höchst einfach ausgestattete BadHäuser, die zusammen mit der pfarrherrlichen' Waschküche das ganze KurMaterial ausmachen. Pfarrer Kneipp ist ein guter Sechziger, eine große, stattliche Erscheinung, noch merkwürdig geistessrisch und munter. Die etwas derben, aber durchgeistigten Gesichtszügc bekunden den Mann des Volkes. Er ist am 17. Mai 1821 in Stefansried bei Ottobeuren als der Sohn eines armen Webers geboren. Infolge eines unwiderstehlichen Dranges. Geistlicher zu werden.' entlief 'er mit 21 Jahren dem Webstuhl und zog von Pfarrhof zu Pfarrhof, bis sich endlich des talent- ( Wies entrümpele Z. vollen Jungen der Pfarrer Merkle in Grönenbach erbarmte. Dieser gab ibm lateinischen Unterricht und schickte ihn später aufs Gymnasium. Dort wurde er aber infolge von Ueberanstrengung lungen- und brustkrank, wogegen ihm sein Arzt, Professor Pezold, in München, nicht helfen konnte. In dieser Noth kam ihm das von Hufeland herausgegebene Büchlein des Dr. Georg Hahn, des ersten deutschen Wasserdoktors, über Wasserheilkunde zufällig in die Hände. Darauf fing er an, in der Donau zu baden, und die Krankheit wurde dadurch wenigstens zum Stillstand gebracht, so daß er die Weihe empfangen und später als Geistlicher thätig sein konnte. Dem Wasser blieb er aber zeitlebens treu, wurde wieder vollständig gesund und rieth seine Kur auch anderen Kranken an. Als guter Beöbachter und praktisch angelegter Kopf ersann er sich allmählich in selbstständigcr Weise ein Wasserheilverfahren.das ci in seinem rasch berühmt gewordenen Buche: Meine Wasserkur, durch mehr als 30 Jahren erprobt, zur Heilung der Krankheiten und zur Erhaltuna der Gesundheit" in gemeinverständlicher Weise beschreibt. '--") yPrS' . V... m , . W'l'sn ito-fe Wmmr &C"4 - s . A An der oberen Mühle. Infolge dieses originell und durch die vielen eingestreuten Krankengeschichten packend geschriebenen Buches, das in zwe! Jahren die neunte Ausläge erlebt hat, entstand allgemach eine kleine Völkerwanderung nach Wöris Hosen. Kranke aus allen Ständen und aus allen Gegenden kamen herbei, und nicht wenige fanden Hort die gewünschte Heilung. Selbstverständlich werden auch in Wörishofen nicht alle Kranken geheilt; so viel kann ich aber verbürgen, daß viele Kranke, die vorher von ihren Aerzten vergeblich behandelt wurden, unter der Kneipp'schen Wasserbehand. lung in kurzer Zeit merklich besser ge worden sind. Die allgemeinen Anschauungen Kneippö über Erkrankung
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und Heilung sind imGroßen durchweg die nämlichen, wie sie in der Homöopathie und in derNaturheilkunde gang und gäbe sind: er behandelt nämlich niemals den kranken Theil für sich allein, sondern immer zugleich den ganzen Menschen.
tsfiC. D i e Wandelwasserbahn. Seine Specialität ist, daß er das Wasser eigentlich nur ausnahmsweise warm bei schwächlichen Individuen, sonst ganz frisch, wie es ist, dagegen immer nur ganz kurz und in milder norm zur Anwendung bringt und darnach nicht abtrocknen läßt. Nach jeder Anwendung müssen die Kranken vielmehr entweder zur Wiedererw'ärmung sich ordentlich tummeln, oder, sofern sie dies nicht können, zu Bette gehen. Das Nichtabtrocknen hat in der That durch die darauf folgende behaglichere Wärme und durch' die gleichmäßigere Blutvertheilung seine unleugbaren Vorzüge. Wie leicht einzusehen ist, bezweckt im übngen die Kiuipp'sche WasserbePromenade am Kloster. Handlung auf die einfachste Weise einmal eine Reinigung des Körpers von den aufgespeicherten Krankheitsstoffen, den Ptomainen und Leukomainen der wissenschaftlichen Schule, sodann eine verbesserte Blutcirculation, und vor allem durch die elektrisirende Wirkung des lalten Wassers eine Kräftigung und zugleich eine Abhärtung des ganzen Körpers. Selbstverständlich kann eine solche Kur für unser verweichlichtes. vielfach wasserscheues Geschlecht nur von Nutzen sein, und man könnte der ganzen civilisirten Menschheit nur ernstlich wünschen, daß sie ohne Ausnähme von dieser Art von Kneippen" regelmäßig Gebrauch machte. V o r t r a g. In diesem Sinne betrachte ich Pfarrer Kneipp, den ich für ein Genie und einen geborenen Arzt halte, als wahren Wohlthäter der Menschheit. Die unleugbar großen Erfolge der neuen Wasserkur lassen es wünschenswerth erscheinen, daß die Wissenschaft die Ideen Kneipps eingehend prüft und das Brauchbare davon zum Nutzen der kranken wie gesunden Menschheit sich möglichst bald aneignet. Dr. Vilsinger. Bevorzugt., , xzzi? .Na, Christian, wie gefällt's Dir denn beim Militär?" , . " Ganz gut, Mutter! Der Unterofficier ist ganz vertraulich zu mir: zu allen Anderen sagt er .Sie Esel", zu mir sagt er immer Du Esel!" Von was er lebt. Sag 'mal, der Clemens heirathct und hat keinen Heller. Da will er wohl von seiner Liebe leben. Das nicht, aber vom Vater seiner Liebe! Tressende Bezeichnung. A: Nun, was sagen Sie zu dem Gemälde dieses Modernsten":" B: Großartiges bild!Ein lezter ' Brief. ... So scheiden wir. Elender,-und dies ist der letzte Brief Deiner Unglücklichen Anna. Nachschrift. Morgen mehr.
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Aus dem ZUcizackcr. Zu den fruchtbärsten Gegenden der norddeutschen Tiefebene gehört der in der Provinz Pommern gelegene soenannte Weizacker". Es ist dies ein Landstrich, der zwischen Stargard und Pyritz liegt und seines äußerst fruchtbaren Bodens wegen - besonders für den Weizenbau geeignet ist. Ein tüchtiger, biederer und wohlhabender Bauernschlag ist hier zu finden, der noch an den Sitten und Gebräuchen der Väter festhält und sich durch eine höchst originelle Tracht auszeichnet. Besonders auffallend ist die bunte Tracht der Frauen. Sie tragen schwere, dicke, hochrothe Röcke, die unten herum mit grün- oder blauscidenem Band besetzt und in dichte Plissesalten gelegt sind. Dieselben sind sechs Ellen weit, reichen jedoch nur bis zum Knie und haben, da neun an der Zahl übereinander angezogen werden, das nicht unerhebliche Gewicht von achtzig bis
Mädchen imSonntagsstaat. hundert Pfund. Die vielen Röcke, welche durch ein Sammetleibchen mit einem um die Hüften gehenden dicken Wulst festgehalten werden, das den Namen Josip" führt, geben den Frauen einen kolossalen Umfang. Den Oberkörper bekleidet eine schwarze Tuchjacke, deren enge Aermel am Un terarm mit seidenen Bandschleifen und weißen Tüllkrausen ausgestattet sind, sowie ,drei in Falten gelegte Tücher, wovon das oberste sich besonders durch bunte Platistichstickerei auszeichnet. Es hat einen Werth von dreißig bis vierzig Mark. Den Hals schmückt eine Tüllkrause und eine dreireihige dicke Bernsteinperlenschnur. Ein schwarzoder blauseidenes Käppchen, dessen lange seidene Bände: hinten bis auf die Hälfte des Rockes herabfallen, bildet den Kopfputz der Bäuerinnen. Das feine, faltenreiche Hemd, welches unter den kurzen Röcken heraussieht, wird vorn durch eine lange weite Schürze aus geblümtem Seidenstoff den Blicken entzogen. Bei feierlichen Gelegenheiten wird letztere durch eine weite, weißgestickte Tüllschürze ersetzt und ebenso , tritt an die Stelle des. bunten Tuches alsdann ein weißes aus gesticktem Tüll. Die Fußbekleidung besteht aus rothen oder schwarzen buntgestickten Strümpfen, schwarzen Sammetpantoffeln oder Sammetschuhen. Zum Sonntagsstaat der Frauen und Mädchen gehört noch, was besonders auffallend ist, ein schwarzer, langhaariger, mit blauen Schleifen besetzter Muff, der nicht nur im Winter, sondern auch an heißen Sommertagen getragen wird. Zur besonderen Zierde werden durch denselben drei lange Tücher gezogen, ein weißes, ein Musselintuch und ein buntseidenes, die wohl fast eine Elle lang an beiden Seiten herunterhängen. Und dazu stecken die Hände noch in dicken, grünwollenen halben Handschuhen, an- denen die Stickerei nicht fehlen darf. . Die Tracht der Männer ist im Vergleich zu der der Frauen nur einfach zu nennen. Sie tragen lange blaue, rothgefütterte Tuchröcke, die mit vielen großen Knöpfen besetzt sind. Die Beinkleider aus Hirschleder reichen nur bis zum Knie, hieran schließt .sich der weiße Strumpf, welcher aus dem halbhohen Stiefel heraussieht. Ein schwarzseidenes Halstuch, in langen Schleifen auf die Brust herabfallend, bedeckt zum Theil die mit vielen blanken Knöpfen
Bauern aus dem Weizacker.' bedachte Weste. Die Kopfbedeckung besteht aus hohen oder flachen Filzhüten. Letztere, hinten mit langen Schleifen aus gepreßtem Sammetband verziert, haben eine so breite Krämpe. daß dieselbe, um nicht niederklappen zu können, mit Schnüren am Kopftheil befestigt ist. Besonders auffallend ist es, daß alte Männer ihr langes weißes Haar, wie es bei unseren kleinen Mädchen Sitte ist, mit einem Krummkamm zusammenhalten. . Moderner Schwindel. ... Wie sind denn aber die, zwei Brüder so reiche Leute geworden?" Ganz einfach sie haben immerfort zum Selbstkopuipmse ausverkaust."
