Indiana Tribüne, Volume 17, Number 289, Indianapolis, Marion County, 8 July 1894 — Page 6
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JJte Tcflamcr.tsKlmlscl. Das prachtvoll: PalaiZ in der 32. Vvenue. dessen Eingangsthür einem Triumphbogen glich, stand in tiefer Trauer. Ein Schlaganfall hatte den Bankier Nobby Smitson, den Chef des Bankhauses Smitson & Son, dahingerafft. Droben in dem großen Schlafzimnier. das durch zwei brennende Kerzen nur mit einem matten Lichtschimmer erhellt wurde, betete die Wittwe in namenlosem Schmerz neben dem Leichnam. der kalt und starr auf dem Todtenbette lag. Am Schreibtifch saß Arthur und kartete auf den Moment der Aufbahrung. Inmitten dieser traurigen, nur durch das leise Geräusch der knisternden Flammen und des zerknitterten Papiers unterbrochenen Stille kamen der Wit!we träumerische Erinnerunund sie durchlebte in Gedanken noch einmal die ferne Vergangenheit-. Mit zehntausend Dollars hatten sie Beioc ihren Hausswnd in Hoffnung--freudigem Vertrauen auf die Zukunft b.'qründet. Nobby Smitson hatte ein Schiff gekaust, dann war' es ihm durch umsichtige Geschäftsführung gehingen, allmälig sich eine kleine Flöttille zuzulegen. Seitdem hatten sich Dollars auf Dollars gehäuft. Wie viel kühne und stets von Erfolg gekrönte Spekulationen! Gewaltige Vermögen verschwanden, große rivalisirende Häuser fielen der Vernichtung anheim: Smitson blieb seiner alten Devise Vorwärts!" treu, und das Bankhaus erhob sich über all diese derkrachenden Firmen immer reicher, im-' nrer größer, immer mächtiger. Inmitten dieser ungeheuren Reichjhümer hatte Smitfon senior sich eine gewisse Herzensweichheit, einen Zug von 'Sentimentalität bewahrt, wofür aber sein Sohn nur ein Achselzucken hatte; in einer kleinen Kassette bewahrte der Alte in seinem Arbeitszimmer in Rollen von Goldstücken die ersten zehntausend Dollars auf. mit denen er sein Glück begründet hatte. Dieses Kästchen war ihm wie ein Fetisch, der dem Hause Glück bringen mußte, aber das Müßigliegen d:r zehntausend Dollars gefiel dem jungen Arthur ganz und gar nicht; dieselben dünkten ihm ebenso unnütz wie der Stein, den der Philosoph in der Fabel dem Geizhals an die Stelle seines entwendeten Schatzes zu legen räth. Arthur träumte von allerlei bei der Leiche seines Vaters. Das Scepter qing jetzt in seine Hand über, er war der neue Machthaber. Denn König Dollar regiert unumschränkt. Die im Zimmer herrschende Stille unterbrach die Wittwe endlich mit den Worten: Arthur, wir dürfen nicht vergessen, die Kassette mit den zehntausend Dollars in den Sarg Deines Vaters zu legen. Du weißt, daß dieses eine der eisten Klauseln des Testaments ist ..Ja. ja." brummte der Sohn übellaunig, in der That eine aösonder!:che Idee von meinem Vater!" Inzwischen waren die Leichendiener eingetreten und hatten ihr trauriges Geschäft begonnen; sie hatten den Todten in den dreifachen Sarg gelegt und ließen im Kamin in einem Tiegel Blei schmelzen, um die Plomben anzulegen. Dies ist der Augenblick." sagte Madame Smitson. indem sie mit den Augen auf die Kassette deutete. Arthur erhob sich seufzend. Schließlich war das, was er zu thun im Begriffe war, doch widersinnig. Diese zehntausend Dollars, die seit zwanzig Iahren nicht gearbeitet hatten, repräsentirten vielleicht mit ihren ZinsesZinsen einen baaren Verlust von hunderttausend Dollars, und man wollte sie auch ferner unverwerthet lassen, man machte sich daran, sie in einen Sarg zu vergraben! Und warum das Alles, warum? Um den sentimentalen Wunsch eines Todten zu erfüllen, der mit diesen zehn Rollen irgend einen Aberglauben verbunden hatte. Wenn Papa noch da wäre." dachte Arthur, und ich ihm meine Gründe auseinandersetzen könnte, so bin ich sicher, daß er der Erste wäre, mir recht zu geben, vollständig recht. Aber wie Mama das begreiflich machen?" In der That hatte Frau Smitson diesen inneren Kampf in dem Mienenspiel ihres Sohnes gelesen, denn sie sagte mit fester Stimme: Schnell.Arthur! Laß uns den Willen Deines Vaters erfüllen." Nun gab es keinZurückweichen mehr, der junge Mann nahm das Kästchen von dem Plllschsockel, auf dem es schon seit so vielen Jahren wie auf einem Piedestal geruht hatte, und legte es zu Füßen des Todten nieder. Schön." sagte die Wittwe, jetzt will ich mich fertig machen zu diesem traurigen Gange." Sie ging in ihr Schlafzimmer, und der Mann, der' die Plomben an den Deckel des Sarges anlegen wollte trat mit dem Löthrohr hinzu. Halt!" ertönte es plötzlich von den Lippen Arthurs, warten Sie!" Der gnädige Herr wünschen das Gesicht des Todten noch ein letztes Mal zu betrachten?"
Jawohl, ich möchte noch einmal seine Züge sehen." Ehrerbietig entfernte sich der Angestellte auf einen Augenblick, während Arthur murmelte: Nein, das wäre , wirklich zu dumm!" Er öffnete schnell die Kassette und ergriff die zehn Goldrollen, welche e? in den Schreibtisch schob; da kam ihm plötzlich eine Idee, er setzte sich an das Büreau, riß aus dem Checkbuch einen Eheck, und schrieb: Smitson und Sohn. B. B. F. No. 2399. New York, 4. December . im
Zahlen Si: gefälligst gegen diesen Eheck an die Ordre des Herrn oder an den Ueberbringer die Summe von zehntausend Dollars. Arthur Smitson. Auf diese Weise.mein armer Papa, wirst Du nichts verlieren," überlegte er. der Check ist sicher. Du weißt es besser, als irgend Jemand sonst." Nnd wieder beruhigt, nachdem er sein Interesse mit seinem Gewissen in Einklang gebracht hatte, legte er den Check in die Kassette und wandte sich dann an den Bediensteten, der noch immer wartete. Das wäre gemacht. Jetzt ist Alles in Ordnung, und Sie können den Sarg schließen." Aus dem Nachlaß berühmter Ton dichter. Wenn heutzutage einem Componisien ein Werk einschlägt, so ist er gewöhnlich für alle Zeit finanziell geborgen. Ganz anders war es vor 100. ja noch vor 50 Jahren, wie ein Blick auf die Hinterlassenschaften berühmter Tondichter lehrt. So waren bei Mozarts Tode an baarem Gelde 60 Gulden vorhanden. Das ganze Inventar einschließlich der kleinen Musikalienbibliothek hatte einen Schätzungswerth von kaum 400 Gulden. Beethovens Hinterlassenschaft gestaltete sich besser: Nach der Mittheilung des Curators betrug das ganz: Activ - Vermögen an Vaarschaft. Erlös für verkaufte Möbel und Musikalien 10,232 Gulden Conv. - Münze. Davon gingen ab an Krankheits- und Beerdigungskosten sowie gerichtlicheGebühren.1213 Gulden, so daß rein erübrigt wurden 9019Gulden. Der Curator, D. Bach in Wien, bemerkte hierzu: Daß dieser geringe Vermögensnachlaß dem Verdienste dieses großen Meisters nicht angemessen war, ist wohl richtig und würde auf seine Zeitgenossen ein schlimmes Licht werfen, wenn die Ursachen dieses Zustandes nicht in der Denk- und Handlungsweise desselben gesucht werden müßten. Er war nur Meister, er kannte nur die Kunst, die Vortheile davon ließ er Anderen übrig." Zum Erbarmen ist nach den im Archiv des K. K. Wiener Landesgerichts befindlichen Franz Schubert'schen Verlassenschaftsakten der Nachlaß des großen, unerreichten Liedercomponisten. Derselbe bestand in folgenden, gerichtlich geschätzten Effecten: 3 Gebröcke. 3 tuchene Fracks. 10 Beinkleider, 9 Westen, zusammen im Werthe von 37 Gulden; 1 Hut. 5 Paar Schuhe, 2 Paar Stiefeln. Werth 2 Gulden; 4 Hemden. 9 Hals- und Sacktücheln, 13 Paar Socken. 1 Leintuch. 2 Bettzüchen. im Werthe von 8 Gulden; 1 Matratze. 1 Polster, 1 Decke, im Werthe von 6 Gulden; einige alte Musikalien, geschätzt auf 10 Gulden. Außer diesen genannten Sachen im Gesammtwerthe von 63, sage dreiundsechzig Gulden (!) war an irdischen Gütern vom Sänger des Erlkönigs" nichts vorhanden. Zur Badcsaison. Nun, Fräulein Pade, ist mein weißes Flanellkostüm fertig?" Bedauere, meine Gnädige, ganz noch nicht." Aber. Fräulein, ich begreife das nicht. Sie wußten doch, daß ich morgen reifen will." .Es wäre ia
auch schon fertig, wenn mir nicht noch etwas rothe Seide zum Abfüttern gefehlt hätte." Dann zeigen Sie mir doch wenigstens, wie weit Sie damit sind." Gnädige Frau Baronin, ich zeige grundsätzlich die Sachen den Damen niemals im Rohbau. Morgen ist es bestimmt fertig." Dann halten Sie aber auch Wort. Adieu!' Empfehle mich!" Marie, wie lange haben Sie noch mit derTaille der Frau Consul zu thun?" Ungefähr gute zwei Stunden." Schön, dann schneiden Sie sogleich das Flanellkostllm für die Baronin zu, sonst bekommen wir es bis morgen nicht zum Abliefern, und Sie haben doch eben gehört, wie nöthig die Dame es braucht." Ach wat, j woben Sie doch die nischt. Wenn-die wirklich morjen reisen dhäte, denn hätte det heute hier jebrannt!" Aber, Fräulein Pade, ich bin außer mich, daß Sie mir so in Stich lassen. Die Säßong in Wiesbaden hat längstens anjefangen und ich befinde mir noch immer hier." Frau B. hätten ja ruhig abreisen können. Ich" würde Ihnen die Kleider schon nachgesandt haben. Zu der Merveilleux - Robe kommt überhaupt die Jettgimpe erst anfangs nächster Woche aus Paris." O Monkjeh, da könnt man ja die Platze kriegen!" Ich bitte Sie. Madame. Sie haben doch erst in voriger Woche zwei Kleider herausbekommen." Das ist mich janz ejal; ich brauche de Iludersch. und wenn Se mich mein Tressor nicht herstellen können, denn muß ich Ihn' meine werthe Kundschaft entziehen." Na. macht die aber'n dicken Wilhelm; trotz ihrer Vornehmigkeit sitzt ihr die Hökersche noch immer in's Jenicke," lachte die Zuschneiderin. Aber wer det Jeld hat. kann'ooch den Deibel tanzen lassen." Det stimmt!" meinte der stets vorlaute weibliche Lehrstift, der abseits sitzend seine Fruhstucksstulle verschmauste. Unter guten Freundinnen. Fräulein A.: Das letzte, was Heinrich that, war, daß er mir einen Kuß gab. Fräulein B.: Das glaube ich. daß das das letzte war, was er that! Ein Vorschlag. Untersuchungsrichter: Na. Huber, für den Diebstahl bei der Dame werden Sie jedenfalls eine recht empfindliche Strafe davontragen!" Angeklagter: Herr Richter, wenn ich nun das Mädel üeiratbete
Lustige Toiletten. Die wonnigen Tage, an welchen man sich nach Herzenslust in der freien Natur tummeln und die Glieder in die frische Fluth tauchen kann, sind gekommen; es ist also an der Zeit, die Machtgebote der Tyrannin Mode in Betreff der neuesten und feschestenBadetoiletten zu verkünde?. Vor wenigen Wochen noch schien es, als würden in dieser Saison die allzu luftigen Badecostüme verpönt werden. Was von vielen jungen Damen bereits befürchtet wurde, ist aber nicht eingetreten; auch in dieser Saison sind die Costüme so zierlich, daß man dieselben ohne besondere Mühe in einen halbwegs großen Handschuhkasten packen kann. Zu einem fashionablen Badecostüm darf aber in dieser Saison keine Dame den gewöhnlichen blauenFlannel verwenden. Es ist kein Rhythmus, keine Poesie in einem solchen hausbackenen Anzüge hat Frau Mode gesorgt, und dagegen darf sich Niemand auflehnen. .
Mohair-Cosiüme. Mohair gilt als das bevorzugteste Material; dasselbe hat allerdings einen bedeutenden Vorzug vor dem Flanell. da es das Wasser leichter 'abfließen läßt und nicht so schwer wird wie letzterer. Auch Serge in den verschiedensten Farbenschattirungen wird vielfach verwendet. Ein aus Paris impartirtes, fesches Costüm ist aus weißerSerge mit rothem Besatz gefertigt. Das Leibchen ist ziemlich weit, der Hals tief Französisches Costüm. ausgeschnitten und der Matrosenkragen breit. Unter letzterem kann ein Stück Stoff, das mit Besatz verziert ist, getragen werden, um Hals und Nacken zu schützen. Die weiten Puffärmel reichen nur bis zu den Ellbogen. Ein anderes hübsches Costüm aus blauer Serge hat Weste und Revers auf dem Leibchen; der aus weißem Kaschmir gefertigte Rock ist mit Streifen blauen Besatzes verziert; um die Taille wird lose eine weiße Schärpe geschlungen. Die Kopfbedeckung kann dem persönlichen Geschmack entsprechend arrangirt werden. Sehr kleidsam ist ein quadratförmiges Stück Phantasiestoff, dessen Farbe rrnt dem Costum harmomrt; dasselbe wird wie ein Turban um den Kopf geschlungen, vorn in großen Schleifen gebunden, deren Enden man weit abstehen läßt. Die langen Strümpfe müssen die Farbenharmonie des Costüms vervollständigen. Zum Schutz der Füße werden leichte Sandalen getragen. In Betreff der Sommertoiletten ha! die Mode für diese Saison eine anerkennenswerthe Neuerung decretirt. Seit langer Zeit sind Kleider von leichten Stoffen wie Battist. Müslin u. s. w. ausschließlich Abends, bei Gartenpartien und Sommerunterhaltungen getragen worden; auf den Straßen erschienen die Damen in engen Toiletten von schwerenStoffen, wie Seide, Wolle u. s. w. Die Damen schwitzten, allein sie fügten sich resignirt dem Machtgebote der Mode. Können aber zu hübschen, gefälligen Sommertoiletten passendere Stoffe gedacht werden, als die in feinem Gewebe, zarten Farbenschattirunaen und geschmackvollen Mustern hergestellten Muslins. Battists u.s.w.? Damen. welche ein einfarbiges Kleid bevorzugen. finden unter den schier zahllosen Schattirungen von. Blau, Rosa und Gelb eine überreiche Auswahl; größeren Ansprüchen wird mit wunderhübschen Blumen- und Arabeskenessekten Genüge aeleistet. Bevorzugt wird punktirter Schweizer Muslin vor dem einfach weißen Fs.brikat. Vorzüglichen Effekt macht eine Toilette von schwarzem Muslin mit weißen Punkten, über deren am Hals etwas offener Taille ein Fichu getra-
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gen wird; ein schmaler Gürtel und eine breite Schärpe von schwarzemBand vervollständiaen das Costüm.
Ebenso geschmackvoll und chic ist ein Kleid von dunkelblauem Stoff mit kleinen weißen Punkten; ein solches Kleid rst außerordentlich kühl, da der Stoff nicht überall gefüttert zu werden braucht. Eine tief ausgeschnittene Taille von Seide läßt sich unter einem solchen mit Vortheil tragen, da sie genügende Stabilität gewährt, ohne unerträglich heiß zu sein. Toiletten von punktirtem schwarzen Muslin sollten mit spanischen Falbeln, die mit Spitzen besetzt sind, verziert werden; Pannierund Fichu-Effecte in solchem Muslin machen sich sehr gut. Erdbeben in Griechenland. . Die Erdbeben in Griechenland, von denen das atlantische Kabel die ausführlichsten Mittheilungen machte, haden Gottlob keinen großen Verlust an Menschenleben verursacht, jedoch eine große Anzahl von Ortschaften und Dörfern sind in Folge dessen unbewohnbar geworden. Die großen Londoner Blätter enthalten jetzt Jllustrationen der Folgen des Erdbebens. Wir copiren in dem öeigegebenenBilde die anschaulichste jener Folgen. Der Erdboden ist derartig zerklüftet und von tiefen Spalten durchfurcht, daß der so heimgesuchte Distrikt eine Landschaft des alten Böotien.60 Meilcn nordöstlich von Athen mit dem Hauptort Atalante fast unbewohnbar geworden ist. Hinrichtung der Anarchisten. Die sechs spanischen Anarchisten, welche die entsetzliche Katastrophe im Theater von Barcelona angerichtet haben" sollen, wurden, wie das Kabel berichtet hat. vor Kurzem erschossen. Das beigefügte Bild, nach Londoner illustrirten Blättern,veranschaulicht die Ezecution. Alle sechs Anarchisten ginaen dem Tode kaltblütig entgegen. Sie betrachteten sich als Märtyrer einer großen Sache. Man glaubt in Spanien, daß unter den Hingerichteten sich mehrere Haupträdelsführer der internationalen anarchistischen Verbindung befunden haben. Unter Dienern. Was rauchst Du denn da für schlechte Cigarren?" - Denke Dir, s? was raucht' mein Herr!" - . , , Das bose Gewissen. Warum gehen Sie denn gar nicht einmal auf Gastspielreisen. Herr Vrüller?" Ja, schauen Sie, das ewige Zischen der Locomotive bringt mich schon unterwegs um die ganze künstlerische Stimmung' ' Auch ein Geschenk. A. zu B. (einem eingefleischten Geizhals): Du solltest doch eigentlich Demer Nichte, die sich nächstens verheirathet, eine Freude machen!" B. (nach lan gerem Nachdenken): Will ich auch! Weißt Du was. ich werde mich krank stellend .
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SM (Tarnet, Das Gpstr elues Meuchelmörders. Die Ermordung des Präsidenten der französischen Republik Carnot durch den italienischen Bäckergesellen Cesare Giovanni Santo fand am Sonntag. 24. Juni, statt. Präsident Carnot befand sich auf einer Mission des Friedens, als er von dem Stahl des Meuchelmörders niedergestreckt wurde. Aus Anlaß der dortigen Ausstellung weilte Carnot in Lyon, wo er von dem Volke mit dem größten Enthusiasmus begrüßt worden war. Während Präsident Carnot nach einem Festbankett in einer offenen Equipage nach dem Theater fuhr und sich vor dem Gebäude des Credit Lyonnais in der Rue de la Republique befand, sprang der Mordbube mit einem Stilett, das er mit einer Zeitung verdeckt hatte, auf den Wagentritt und stieß ihm den Stahl in die rechte Seite. Der auf den Tod verwundete Präsident wu5de nach dem Präfekturgebäude transportirt, w'ährend der Mörder in Gewahrsam genommen wurde. Um 12 Uhr 45 MiNuten früh trat der Tod ein. Die Ermordung wird als ein Racheakt der Anarchisten angesehen, da der Mörder Santo sich offen zu denselben be-kannte.
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Der ermordete Präsident Marie Francois Sadi Carnot, der vierte Präsident der dritten französischen Republik, geboren am 11. August 1837 in Limoges, war ein Enkel des großen Carnot,des berühmten KriegsMinisters Napoleon des Ersten; sein Vater, Lazare Hippolyt Carnot, war ein ausgezeichneter Schriftsteller und Staatsmann. Sadi Carnot war Ci-vil-Jngenieur von Fach. Während des Krieges 1870 71 war er Präfect des Departements der Seine Inferieure; im Februar 1871 wurde er vom Departement Cote d'Or zum Mitglied der Nationalversammlung erwählt. Er fungirte mit Auszeichnung als Mitglied von Ferrvs und Freycinet's Cabinet und wurde im December 1887 zum Präsidenten erwählt. Präsident Carnot vermählte sich am 8. Juni 1865 mit der ältesten. Madame Carnot. im März 1845 geborenen Tochter des französischen National Oekonomen Dupont White. Madame Carnot ist eine hochgebildete Dame, welche von ihrem, gelehrten Vater in das Stu dium, der National-Oekonomie eingeweiht wurde und die ihm bei der Uebersetzung der Werke von John Stuart Mill hilfreiche Hand leistete. Der höchst glücklichen Ehe sind vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne, entsprossen. Die Tochter ist das älteste Kin und an einen Richter in Dijon verheirathet, m dessen -Haus der ermordete Präsident vor seiner verhängnißvollen Reise nach Lyon weilte; die Namen seiner Söhne sind Sadi, Francois und Victor. Madame Carnot ist eine Brünette; sie hat dunkelblaue Augen-und schwarzes, wieSeide glänzendes Haar. Sie gilt als das Muster einer Gattin und Hausfrau und trotz ihrer hervorragenden Stelluna überwacht sie persönlich alle Haushaltungsangelegenheiten. Präsident Carnot und seine Gattin führten in dem officiellen Palais der Präsidenten der französischen Republik, dem Elysee, ein höchst einfaches Leben; Madame Carnot selbst bekundete für die Arb.eiten und Studien ihres Gatten sehr lebhaftes Interesse und nahm reaen Antheil an den Werken der Wohlthätigkeit. .- ' r i-r . Elysee.
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Das Elysee, früher Elysee-our-tos, ist einer der stattlichsten altadelic.cn Paläste in Paris, zwischen de? Straße des FauÄourg St. Honore und den Elyseeischen Feldern Belegen, und im Jahre 1718 von dem Architekten Molet für den Grafen von Evereux gebaut. Er wurde später von der Marquise von Pompadour, dem Financier Beaujon. der letzten Herzogin von Bourbon, dem Prinzen Murat, Herzog von Berry, Grafen Chambord, Ludnxg Napoleon bewohnt und hat seit 1871 dieselbe Bestimmung für den Präsidenten der Republik. Der Palast grenzt an die Champs-Elysees. Die Seine und das Stadtviertel von Chaillot an der linken Seite und rechier Hand die beiden Vorstädte St. Honore und Le-Roule bilden die ungleiche Grenze.
Das große Theater. An der Place de la Comedie belegen, ist das Große Theater, wo zu Ehren des Präsidenten- Carnot eine Gala-Vorstellung stattfinden sollte, eines der schönsten öffentlichen Gebäude der Stadt Lyon. Dasselbe ist in den Jahren 1827 bis 1830 von dem berühmten Architekten Soufflot aufgeführt und hat vier Millionen Francs gekostet. Das Theater prangte im prächtigsten Festschmuck, und war bis auf das letzte Plätzchen von einer enthusiastischen Menge gefüllt, auf welche die Nachricht von dem ruchlosen Attentat wie ein Blitz aus heiterem Himmel wirkte. Jcan Casimir Perier. Der Nackfolaer des ermordeten Präsidenten Carnot. ist der wohlbekannte und verdienstvolle französische Diplomat und Politiker Casimir Perier. Es ist mit ziemlicher Gewißheit anzunehmen, daß er die Regierung im Sinne seines Vorgängers leiten wird. Casimir Pener geHort nicht zu ven evanche Politikern Frankreichs. Die Leser finden hier das Portraits des neuen französischen Präsidenten. Eugene Turpin. Mir brinaen hier das Bildniß des vielgenannten französischen Erfinders Eugene Turpm, welcher, nach den Kabeldevescken. soeben wieder viel von sich reden macht. Er soll der deutschen Regierung fernen neuesten und furchtbarsten Svrengstoff, das Panclastite, für schweres Geld verkaust haben. Obschon Herr Turpin, der Erfinder des Melenits, früher mit den Engländern Geschäfte gemacht haben soll, welche ihn feinen Revanche-lustizen Landsleuten als vatcrlandslosenLump erscheinen ließen und ihn in's Gefängniß brachten, so ist doch die.Nachricht, daß Turpin mit Deutschland einen Schacher gemacht haben soll, mit großer Vorsicht aufzunehmen. Die deutsche Regierung pflegt ihr Sprengmaterial nicht aus französischen Quellen zu beziehen, auch wenn dieselben noch so trübe, sein sollten. Vermeidung alles dessen, was den Franzosen Ursache zum Aerge: geben könnte, ist ja eines der Hauptgrundzüge der deutschen auswärtigen Politik. Tiefes Leid. Ihr fragt, warum ich so traurig bin, ' Was Schlimmes mir beschicken? . Es ist die kleine Nachbarin. Die raubt mir Ruh' und Frieden. Die wohnt im Zimmer neben mir, . ' Rothwangig. mit dunklen Locken Drei Stunden sitzt sie jetzt schon am Klavier Und paukt die Klosterglocken!- . Ne u e r Trick. Kunde: Ihre Ladenmädchen schielen ja alle; konnten Sie denn keine hübscheren bekommen? Chef: Die habe ich als Schutz gegen Ladendiebe engagirt; die Hallunken wissen dann nie. wo die Mädchen eigentlich 'hinsehen! v
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In Paris setzt gegenwärtig ein Fräu lein Alnioiis das Publikum in Staunen. Sie ist eine Kraftmeierin" allererster Güte. Mit den Zahnen hebt sie ein schweres Faß. auf welchem zwei Männer sitzen. Bei einer ihrer Vorstellungen trat neulich ein junger Mann vor und bot ihr mehrere hundert Francs Belohnung, sowie den vollen Ersatz für allen Schaden, wenn Frl. Alniotis den schweren Flügel mit den Armen aufheden und von der Bühne in's Orchester werfen würde. Kaum war das Geld für die Wette hingezählt, als dies Aus-nahme-Exemplar des schwachen" Geschlechis, die Aufgabe auch schon gelöst hatte. Wer die zur Frau kiegt. geht gewiß selten des Abends in die Loge. Noch zwei Kraftmenschen. Mit der Alniotis rivalisiren in Paris gegenwärtig zwei Deutsche, der ehemalige Hamburger Wirth Carl Abs und der sog. bairische Herkules Hans Steyrer. Letzterer hat z. B. eine Schnupftabaksdose von Riesendimensionen. Sie ist aus einem Marmorblock gearbeitet, über einen Fuß lang, einen halben Fuß breit und dreiviertel Fuß hoch. Hans Sichrer geht mit diesem Ding um, als ob's ein winziges Ding wäre. Es wirkt wunderbar komisch, wenn er den Marmorblock mit ausgestreckter Hand präsentirt und eine Prise daraus anbietet. Auch Steyrer's Sohn ist ein vielversprechendes Talent. Carl Abs hat die Franzosen ganz baff" gemacht mit seinem neuesten Stückchen, welches darin besteht, daß Abs einen Elephanten in die Höhe hebt. Natürlich ist dieses Rüsselthier nicht so groß und nicht so schwer, als Jumbo" seeligen Angedenkens, aber es ist doch schon ein recht stattliches Thier und AbS Kraftleistung ist gewiß staunenerrcgend. Der Elephant wird zwischen ein Gerüst gebracht und Abs hebt das Thier an einem Gürtel bis zu sieben Fuß in die Höhe. Während des Hebens klettert dieser HamburgerGoliath an den sprossenartigen Seitenstäben des Gerüsts Sprosse um Sprosse in die Höhe, um den Elephanten möglichst hoch schwe bend zu zeigen. Uebrigens haben sowohl Abs als Steyrer mit amerika nischen Unternehmern Contrakte abgeschlössen und nächsten Winter wird man diese Kraftmenschen auch hier bewunderrr können. EinganzSchlimmer. , . Laß mich durch. Hugo! Wenn Du mich nicht gehen lassen und noch einmal wieder küssen willst. , dann ruse ich Better Heinrich zu Hilfe! Also, ich allein genüge Dir nicht, mehr? O. Du Nimmersatt! Die theure Gattin. Sag' aufrichtig, Oskar, könntest Du ohne mich leben?" O ja. sogar viel billiger!" . Kindermund. Mama (nachdem sie den- kleinen Oskar gezüchtigt): Weißt Du nicht, daß der große Salomo gesagt hat: Wer sein Kind lieb hat. der züchtigt es"!? Der kleine Oskar: Wie er ein kleiner Junge war, wird er das wohl nicht gesagt haben! -
