Indiana Tribüne, Volume 17, Number 289, Indianapolis, Marion County, 8 July 1894 — Page 3

3flS!MiitaÖeidjf. Novelle von rnst von Wildenörnch. (4. Fortsetzung.) So saßen sie schweigend be! einander, lange Zeit. Das einzige Geräusch. fcas man vernahm, war das Knistern des Holzes im Kamin, das in sich zusammensiel, um sich in Kohle zu verwan deln und danach zu Asche zu werden. Sonst regte sich kein Laut, und es war, als hauchten die alten Möbel, dieBilder an den Wänden die dumpfe Stille aus, die wie eine Last im Zimmer lag. Es war, als thäten sich geräuschlos in Winkeln und Ecken und in der Luft umher Augen auf, dunkle, schwermikthig forschende Augen, als blickten sie fragend auf die beiden' in sich versunkenm Menschen dort, und als blinzelten sie sich gegenseitig zu, Gedanken tauschend, wie die Abgeschiedenen sie verstehen, die Lebenden aber nicht. Endlich hatte Anna ihre Fassung "wieder erlangt. Komm weiter," sagte sie, indem sie sich vom Sofa erhob. Er stand auf. Nun wirst Tu wohl nichts mehr sehen wollen?" fragte er. Sie fühlte, daß sie ihm Muth machen müsse. O ja, gewiß." beisetzte sie, Du hzst es mir versprochen, und Versprochenes muß man halten." Sie hing sich in seinen Arm, sie bemühte sich, einen leichten Ton anzuschlagen und ihm zu zeigen, daß alles überwunden und vergessen sei. . So führte er sie denn weiter, bis daß sie am andern Ende der Zimmerflucht in zwei kleinere, freundlichere Gemächer qelangten. Siehst Du," sagte er, stehen bleibend, dies, hatte ich gedacht, sollte Dein Wohnzimmer sein, und dort ne benan solltest Du schlafen." Anna blickte umher. O ja," meinte sie, hier könnte es mir gefallen." Sie ging an's Fenster. Da bab' ich ja gerade meineBlumen vor mir," sagte sie. indem sie in den Garten hinunterblickte. Das macht sich alles ganz vortrefflich. Nur, weißt Du, was ich möchte? Daß das Zimmer vielleicht eine andere Tapete bekäme." Sie trat an die Wand und befühlte den dicken, dunkelbraunen Stoff, mit dem sie bekleidet war. Das ist ja alles ganz prachtvoll," fuhr sie fort, und die eingepreßten Goldmuster geradezu kostbar, aber siehst Du. ich bin nun einmal ein Kind unserer Zeit und möchte es gern ein bischen beller haben und freundlicher." Der Baron machte ein Gesicht wie ein vergnügtes Kind. . Aber Anna," rief er, das ist ja mein Gedanke gewesen von Anfang an! Alle Zimmer miteinander möchte ich umtapeziren lassen, damit mehr Licht in die alte Finsterniß kommt. Und in Breslau habe ich ein Muster gesehen, weißen Untergrund mit goldenen und blauen Blumen, etwas reizend Freund-, liches, den suchen wir uns, gleich morgen. nicht wahr?" Sie nickte ihm zu. Gleich morgen," sagte sie. Er ergriff ihre Hände. Es sah aus, als wolle er sich bei ihr bedanken. Und andre Möbel darf ich Dir auch hineinstellen? Nicht wahr? Diese alten, schweren Sessel mit den riesigenLehnen. diese bauschigen Sofas, das ist doch alls nichts für Dich? Nicht wahr? Etwas recht Zartes, Luftiges und Duftiges suchen wir uns aus. das erlaubst Du mir? Nicht wahr? Hast Du Rosenholz gern?" Sie sah ihm in die Augen und neigte das Haupt. Alles, was Dir gefällt, wird auch mir gefallen, und was Du mir schenkst, nehme ich gern." Ein Freudenschein zuckte üb?r sein Gesicht. Er machte eine Bewegung, um sie zu küssen, bevor er aber dazu gelangt, bog er den Kopf wieder zurück. Der ängstliche Ausdruck, mit dem er sie ansah, verrieth, daß er sich nicht getraute. Er dachte an den Auftritt von vornhin. Anna schob langsam die Hände an seinen Armen hinauf, bis daß sie auf seinen Schultern ruhten. Da stand er vor ihr, der Besitzer all dieser Pracht und Herrlichkeit, der gegenüber sie sich wie eine Bettlerin erschien, da stand er, der starke Mann, in dessen Armen sie wie Glas zersplittert wäre, w?nn seine Kraft sich gegen sie gewandt ätte und bat sie, vemüthig wie ein Knabe, ihr all seinen Reichthum zu Füßen legen zu dürfen, und wie ein Schuldbewußter wagte er nicht, sie zu küssen. Und worin bestand denn seine Schuld? Ein unaussprechliches Mitleid i -uofl ihr im Herzen empor, die Thränen drängten sich ihr in die Augen. Aber sie wollte ihn keine Thränen sehen lassen, sie zwang sich zum Lächeln, und so, weil ihr trotz allem Widerstand die Äugen dennoch übergingen, hob sie sich ai den Fußivizen empor, und unter Thränen und Lächeln suchte sie mit ihrem Munde seinen Mund. Aufathmend, wie nach tiefer überstandener Qual, beugte er sich zu ihr hinab, und der Kuß, in dem sie sich zusammenfanden, war wie ein

gegenseitiges Versprechen, daß sie nun em neue cven oegrunoen wouler: in dem alten, ausgestorbenen Hause. Raschen Schrittes kehrten sie darauf zu dem Saale zurück, wo das Frühstück angerichtet stand. Die warmen Speisen waren inzwischen kalt geworden, aber das störte die Laune nicht. Auch war neben den warmen Gerichten kalter Braten in genügender Fülle da, um sich daran satt zu essen. fahrend der alte Johann die Teller wechselte, schenkte der Baron ihr Wein ein, und sie trank ein tüchtiges Glas. Sie war nun ganz belter, ganz ihrem Berufe als Sonne treu, und derBaron, ihre Erde", leuchtete in xxm Lichte auf.

Das einzige, was sie eknigerma.zn hätt: störenkönnen, war der Anblick des alten Dieners, der schweigend auswartete und, während sie aßen und tranken, hinter de fiaMt KinZHerrA stand. Unwillkürlich gingen ihre Bltc?e vs Zeit zu Zeit zu ihm hin. und immer sah sie ihn dann in einer ganz seltsamen Haltung, regungslos, den Kopf wie in brütendem Sinnen zu Boden gesenkt, an seinem Platze stehen. Offenbar dachte er immer noch darüber nach, wie furchtbar und eigentlich grundlos der Baron ihn vorhin ange fahren hatte. Das that ihr so leid um, den alten Mann. Sie fühlte das Bedürfniß, ihm irgend eine kleineFreund lichkeit zu erweisen. Zwischen Herrn und Diener war offenbar eine Spannung; es wäre ihr so lieb gewesen, wenn sie das Verhältniß zu einem guten hätte machen können; Menschen, die so einsam leben, wie sie drei nun bald leben würden, müssen sich doch verstehen, dürfen nicht mit feindseligen Gedanken umeinander hergehen. Aber wissen Sie, Johann," sing, sie möglichst unbefangenen Tones an, indem sie den Kopf zu ihm erhob, ich muß Ihnen wirklich mein Kompliment machen, wie das Schloß im Stande gehalten ist. Da ist ja keiif Stäubchen und kein Fleckchen, und das Feuer in den Kaminen " Sie brach im Satze ab. Der Alte, als er seinen Namen von ihrem Munde hörte, hatte langsam, wie aus einem Traume zurückkommend, den Kopf erhoben und die Augen auf sie gerichtet, und als sie seine Augen sah, konnte sie nicht weiter. Was für Augen waren das! Stierend. bohrend, als wollten sie sich durch ihre Augen hindurch bis in das Mark ihres Lebens hineinwühlen. Dabei that sich, wie sie es vorhin schon an ihm wahrgenommen hatte, sein Mund halb auf, so daß die langen Zähne sichtbar wurden, der Kopf schob sich nach vorn, und das ganzeGesicht nahm einen Ausdruck an ja. was war es nur für ein Ausdruck? Anna begriff ihn zuerst gar nicht, dann kam ihr das Bewußtsein: das war ja Haß! PZüthenderHaß! Sie hing wie gebannt an diesem Gesicht? Was hatte sie ihm gethan? War er so erbittert über sie, weil sie ahnungslos die Ursache gewesen war, daß sein Herr so heftig gegen ihn wurde? Der Baron, der nervös aufgezuckt war. als sie sich an den Alten wandte, hatte ihr plötzliches Verstummen bemerkt. Jetzt sah er ihr todtenblasseZ Gesicht und ihre verstörten Augen. Ist Dir etwas?" fragte er. Er faßte nach ihrer Hand; ihreHand war eiskalt. . Ist Dir unwohl?" wiederholte er hastig seine Frage.

Sie schüttelte den Kops. Von der Stuhllehne, an die sie zurückgesunken war, richtete sie sich gewaltsam auf. Sie drückte seine Hand, als wollte sie ihn beruhigen. Nein, nein, nein," erwiderte sie. Ihre Stimme war gepreßt, ihre Augen gingen zu den Büchern hinüber und von den Buchern in irgend eine Ecke. Es war, als flüchteten sie sich, als wüßten sie nicht mehr, wo sie Hinblicken sollten. Aufzuschauen waate sie nicht, denn da tyrnd ja der Alte; oen Baron anzuschauen vermochte sie auch nicht, denn sie spürte, wie die wilde Unruhe in sein Gesicht zurückkehrte. Der seltiame Raum, in dem sie sich befand, die fremdartigen Thiergestalten in den geschnitzten Palmen es war, als wenn das alles zu einem lautlosen, unHeimlichen, gespenstischen 'Leben erwachte, als wenn es wirklich ein verwunschenes und verzaubertes Haus sei, in das sie sich tollkühn hineingewagt hatte, und aus dem es nun kein Entrinnen mehr gab. Eine betäubende Angst legte sich auf sie; es war ihr zu Muthe, als würde ihr eine schwere bleierne Haube über den Kopf gezogen. Jahlmgs stand sie auf. Ach, weißt Du." sagte sie mit taumelnder Stimme, ich glaube wir mochten nach Haus fahren ich glau be, es wird Zeit." Mit einem Sprunge war er neben ihr; er hatte gesehen, wie sie wankte; er schlang den Arm um sie; mit lastender Wucht lehnte sie an seiner Schulter. DerWagen soll vorfahren!" herrschte er dem Alten zu. Sobald dieser hinaus war, beugte er sich zu ihr. Was ist Dir?" forschte er vollerBesorgniß. ist Dir etwas geschehen? Hat Dir jemand etwas gethan?" Sie suchte mit den .Augen umher der Alte war fort. Ihre Lippen bewegten sich lallend. Er ich Heiß nicht, was ich ihm gethan habe hat mich so schrecklich angesehen. Der Johann 7 Sie drückte das Gesicht an seine Brust. Um Gottes willen bleib ruhig." bat sie. Schon hörte sie. wie die steigende Fluth in seinerBrust wieder zu rauschen begann; schon fühlte sie. wie derGrisf seiner Hand, mit der er sie umschlungen hielt, wieder eisern wurde. Ich schicke ihn fort!" knirschte er. Nein," flehte sie, nicht um meinetwillen!" Ich jage ihn fort!" wiederholte er drohend. Sie waren, indem er das sagte, auf den Flur hinausgeteeten; er hatte so laut gesprochen, daß rnt Worte durch den ganzen Treppenraum hallten. Am Fuße der .Treppe stand der alte Johann; er hatte hören müssen, was der Baron eben gesagt hatte. Und nun beaab sich etwas Unerhörtes.Indem der Baron mit Anna die Treppe hinabzusteigen begann, knickte der Alte da unten in die Kniee und fiel zu Boden, beide Hände nach oben ausgestreckt. Das Haar hing ihm wirr über's Gesicht, seine Augen waren caiu rotb: feine Brust arbeitete und

sein Mund war weit offen. Aber er brachte nichts hervor, als ein dumpfes Keuchen; mit plattem Leibe warf er sich auf die Treppe, so daß sein grauer Kopf auf den Stufen lag. ' Jesus. Gottes Sohn " stammelfe Anna, indem sie, von Grausen gevackt, itn Arm ihres Begleiters umTinmerte und ihn zum Stillstehen zwang. Jetzt fing der Alte mit dumpfer, h:ulender Stimme an: Gnädiger Herr wollen mich fortjagen und ich habe gnädigen Herrn auf den Armen getragen und ich bin immer mit gnädigem Herrn gewesen und habe immer nichts andres gedacht, als was gnädigem Herrn gut wäre und gesund und gnädiger Herr wollen mich fortjagen " Annas Hand krallte sich in den Arm ihres Bräutigams, sie wußte kaum mehr, was sie that; sie fühlte, wie die Ohnmacht ihre Augen zu verdunkeln begann. Sag ihm, daß Du ihn behältst," raunte sie mit fliegendem Athem; wenn Du mich lieb hast, sag ihm, dag Du ihn behältst!" Der Baron strich mit leiser Hand über ihr glatt gescheiteltes Haar; die Ruhe war ihm zurückgekehrt. Steh auf, Johann," sagte er, Du sollst bleiben, ich jage Dich nicht fort." Schwerfällig raffte sich der alte Mann auf und trat an den Fuß der Treppe zurück. Er blickte nicht auf, seine Arme hingen herab, mit der rechten Hand wischte er den Treppenstaub von seinem Rock. Und hier, bei dem gnädigen Fräu lein bedanke Dich." fuhr der Baron fort, indem er mit Anna bei ihm vorüberschritt, küß ihr die Hand, sie hat für Dich gebeten." Knechtisch gebeugten Hauptes trat der Alte auf Anna zu, um ihr die Hand zu küssen. Solcher Bezeigungen ungewohnt, wollte Anna es nicht dulden. Der Baron stieß sie heimlich an. Thu's," slüsterte er ihr zu, es muß sein!" Nun überließ sie ihm ihre Hand, die der Diener, ohne die Augen zu erheben, an den Mund führte. Indem sie die gebrochene Gestalt vor sich sah. überkam sie ein wahres Jammergesühl. Unwillkürlich drückte sie seine Hand. Das wird alles vorübergehen." sagte sie mit wohlwollendem Trost, ich weiß ja, wie treu Sie dem Herrn Baron immer gewesen sind, und das sollen Sie auch in Zukunft bleiben, und dann werden wir ganz gewiß gute

Freunde werden, ganz gewiß." Sie vermochte nichL zu erkennen, welche Wirkung ihre Worte auf den Alten hervorbrachten; ohne aufzublicken, zog er sich zurück, und gebeugten Hauptes blieb er stehen, bis Anna mit ihrem Begleiter aus den Hof hinausgetreten war. Sie stiegen ein; der Wagen rollte ab, und als das Schloß hinter ihnen lag, suhlte Anna es wie eine Erleichterung. Aus dem Bereiche der Gespenster und Dämonen kehrte sie zu. den Menschen zurück. Bon den Aufregungen erschöpft, die sie durchlebt hatte, lehnte sie blaß und schweigend in der Wagenecke; der Baron saß gleichfalls mit seinen Gedanken beschäftigt; so kamen sie auf der Bahnstation an, und als der Abend einbrach, waren sie wieder in Breslau. In seinem Koupe brachte er sie zu ihrer Wohnung; im Hausflur nahmen sie Abschied voneinander. Du siehst so müde aus." sagte er, indem er sie in die Arme nahm. Wirst Du auch gut schlafen?" Sie nickte stumm. Er stand noch immer und 'hielt sie umschlungen; sie fühlte, wie schwer es ihm wurde, von ihr zu gehen. Es war, als wenn er noch eines guten Wortes, eines Trostes bedürfte. Sie nahm sich zusammen und sah ihn freundlich lächelnd an. Ich werde gut schlafen," versicherte sie, sei ganz unbesorgt, und morgen holst Du mich ab, damit wir uns die Tapeten ansehen." Das gab ihm das Leben wieder. Freudig drückte er ihre Hand. Ja, ja, morgen komm' ich, und dann holen wir uns das neue Leben in das alte Haus!" Als Anna zu dem Onkel und der Tante zurückkam, saßen die beiden 'alten Leute und. spielten Rabouge", ein Kartenspiel ältester Art. das heutzutage kaum jemand mehr kennt. Das war ihre Beschäftigung, einen Abend wie alle Abende. Bon dem jungenMädchen, das mit leisem guten Abend" zu ihnen eintrat, nahmen sie so gut wie keine Notiz. Man konnte zweifeln, ob sie. überhaupt wußten, daß sie denTag über fortgewesen war. Anna war daran gewöhnt. Ohne weiter zu sprechen, setzte sie sich. in 'einiger Entfernung von den Spielenden nieder, so daß die Lampe.' die auf dem runden Tisch stand, gerade noch genug Licht für ihre Handarbeit abgab, dann häkelte sie still vor sich hin und dachte nach. Welch' ein Kontrast! Heut am Tage das Fahrenwald'sche Schloß, und jetzt hier diese Behausung! Daß die Wohnung ärmlich war, hatte sie wohl immer gewußt wie erbärmlich sie war, fühlte sie heute zum erstenmal ganz. Als sie nach Haus gekommen war, hatte sie das Behagen empfunden, daß sie wieder in Sicherheit sei jetzt, da sie in Sicherheit saß, fühlte sie, daß dies gleichbedeutend mit Oede und Langeweile war. Hier diese dumpfen, stumpfen alten Menschen, die vom Leben nichts mehr wissen wollten, die kein Wort, kaum einen Blick für sie übrig hatten .und isri drüben der Mann, der nur ein Verlangen hatte, aus Nacht und Graucn in's helle gesundeLeben zu gelangen, der nach ihrer Persönlichkeit lechzte, nt der Nerscbmacbtende nack dem l Wasser! . . m-w - - vwwwj V

Als sie heute Mittag auf Schloß Fahrenwalo beim Frühstück gesessen und das Todesgrauen empfunden hat te. mit dem all das Unverständliche, Unbegreifliche über sie herfiel, war der Gedanke in ihr aufgestanden, daß es ihr unmöglich sein würde, dort in Zukunft zu leben, daß sie das Verhältniß mit Eberhard von Fahrenwald abbrechen müsse jetzt verblaßten dieSchre cken und das Schöne blieb. Sie dachte an den Park zurück, den herrlichen, walddunkeln, waldtiefen Park, und vergegenwärtigte sich, wie schön es sein würde, wenn er imFrühling, Sommer und Herbst ihr zu Häupten rauschte. An die Räume des Schlosses dachte sie, die schweigenden, feierlichen Gemächer, an die Bilder der Männer und Frauen, mit den edlen leidvollen Gesichtern. War es ihr nicht, indem sie an sie dachte, als wenn sie die Lippen aufthäten und sprächen: Fürchte Dich nicht vor uns wir sind nur unglücklich, nicht böse." War es icht. als zeigten sie mit den stummen, dunklen Augen auf ihn, den Letzten ihres Stammes, und als sprächen sie: Hilf ihm nur Du kannst ihm helfen und auch er ist nicht böse." Ach ob sie es wußte, daß er nicht böse war! Als sie am späteren Ab:nde ihr Schlafkämmerchen aufgesucht hatte, lag sie knieend vor ihrem dürftigen Bett, die gefalteten Hände in die Kissen gestützt, bitterlich weinend. Es war ihr, als stände er vor ihr und sähe sie an mit den schwermüthigen, bittenden Augen, als, hätte er in ihrem Herzen dieGedanken gelesen, die ihm die Treue gebrochen hatten, und als müßte sie ihm abbitten, alles was sie gedacht. , Nein, nein, nein, ich will Dich nicht verlassen! Furcht und Feigheit sollen nicht stärker sein in mir, als die Liebe in Deinem gütigen, geliebten Herzen! Was auch das Leben bringen mag, an Deiner Seite will ich ihm entgegengehen das will ich ja." Und während ihre Lippen noch das betheuernde ja" sprachen, sank ihr Köpfchen in die Kissen zurück, und sanft und ruhig schlief sie ein. Am nächsten Vormittage, seinem Versprechen getreu, erschien der Baron um Anna abzuholen. Bei drei Tapetenhandlungen fuhr

man vor, und alle drei Lager wurden von oben bis unten durchstöbert, bis man das Muster gefunden hatte, das für die beiden Zimmer als das passendste erschien; eine weiße Tapete mit blaugoldenen Frucht- und Blumenstücken für das Wohngemach, eine him melblaue für das Schlafzimmer; beide das Lieblichste, Freundlichste, was man sie denken konnte. Anna war gan.z erschöpft, der Baron zeigte keine Spur von Müdigkeit. Jetzt, meinte er, sollten wir gleich Noch an die Möbel denken." Anna verweigerte lachend denGehorsam. Morgen." sagte sie, das hat Zeit bis morgen." Gut, so wollen wir letzt aber frühstücken." Es half ihr Nichts, daß uc auf das nah bevorstehende Mittagessen verwies. Ach was, Dein Onkel und Deine Tante können auch ohne Dich essen." Er war ganz ausgelassen, ganz glücklich, daß er das geliebte Wesen einmal in seiner Gewalt hatte. So mußte sie ihm zu einem Restaurant folgen, und es war natürlich nicht das schlechteste von Breslau. Dort taselten sie. Als sie auf die Straße hinaustraten und den Wagen wieder bestiegen. glühte Annas Gesicht und ihr Kopschen sank ganz schwer zurück. Aber Eberhard." sagte sie. Du hast mich ganz betrunken gemacht , mit dem vielen Champagner." Sie lächelte, ihre Arqen hatten e:nen schwimmenden Glanz; indem sie sich lässig in die Wagenkissen zurücklehnte, war eine Auflösung in ihrer ganzen Gestalt, wie er sie noch nie an ihr gesehen hatte. Er schlang den Arm um sie und küßte sie mit einer Gluth. wie nie zuvor. Weißt Du." sagte er. das ist köstlich. So wollen wir es jetzt alle Tage machen; so reizend wie heut bist Du mir noch nie erschienen." Ihr Körper lag warm und weich ?n seinen Armen; das nachgiebige Widcstreben des jungen Leibes verlieh ihm eine berauschende Lebendigkeit; es war das erue Mal. daß das Blut der beioen' Menschen zu einander zu sprechen begann. Am nächsten Tage ging es in gleicher Weise durch alle Möbelhandlungen der Stadt, und endlich war ein Mobiliar für die beiden Zimmer ausfindig gemacht, so zart und duftig, als wären die Gemächer sür eine Elfe bestimmt. Das Frühstück durfte natürlich auch heut nicht fehlen, und so folgte nun ein Tag dem andern. Der Baron war unerschöpflich . m der Erfindung von Nothwendigkeiten. An Teppiche war ja noch gar nicht gedacht worden, und als auch diese besorgt waren, fiel es ihm ein, daß Portieren über den Thüren, Gardinen und Vorhänge vor den Fenstern fehlten. . Anna ergab sich lachend. Der Rausch, der ihn erfüllte, theilte sich ihr allmäh lich mit; die täglichenRundfahrten und Einkäufe fingen an, ihr gar nicht übel zu gefallen. Es war ja, uls wenn sie das Märchen vom .ischlein deck' Dich" leibhaftig erlebt?; kaum daß sie einen Wunsch gedacht, war er schon erfüllt. Und wie unter seinen leidenschaftlichen Küssen ihr Blut in immer heiße, ren Wellen zu rollen begann, war es, als reckte und streckte sich ihre ganze Persönlichkeit;' aus der unscheinbaren Hülse des kleinen Mädchens blühte die Jungfrau auf. An einem dieser Tage, als sie durch Blumen- und Samenhandlungen at streikt waren, um Sämereien sür den

Garten zu kaufen, und nun wieder im Wagen saßen, rückte er, den Arm um sie geschlungen, dicht an sie heran. Weißt Du." flüsterte er ihr in's Ohr, nun hätte ich eine große Bitte." Sie lächelte vor sich hin; sie wußte ja. daß. um ihm etwas zu geben, sie nur still zu halten brauchte und zu nehmen. Was denn also?" fragte sie. SiehstDu, ich habe mir das in meiner Phantasie so ausgedacht: Wenn ich Dich so in den Armen halte und an mir fühle, komme ich mir vor, wie ein Gärtner, der eine Blume groß zieht. Den Winter hindurch hat meine Blume ihr altes, unscheinbares Gewand getragen, aber nun wird es Frühling, siehst Du. und da ist es doch in der Natur geboten'daß sie sich anders und reicher und schöner kleidet? Nicht wahr?" Anna senkte' die Augen und sah stumm an sich hernieder. Aermlich genug war sie ja freilich angezogen. Und siehst Du." fuhr er fort, was ich Dich nun bitten wollte: daß wir morgen in Kleiderhandlungen und Modemagazine gehen und uns Stoffe aussuchen zu Kleidern für Dich, wie sie Dir gefallen und am besten stehen?" Sie erröthete in Scham. Aber Eberhard," erwiderte sie leise, für seine Ausstattung muß doch ein jedes Mädchen selbst sorgen!" Indem sie aber das sagte, fragte sie sich im stillen, wer denn ihre Ausstattung besorgen sollte. Der Onkel und die Tante etwa? Oder sie selbst, aus ihrem eigenen Vermögen? Ja, wo war denn ihr eigenes Vermögen?" t Nein, siehst Du," nahm er wieder eifrig auf, das ist mit uns etwas ganz anderes. Das hao ich Dir ja gesagt, daß Du das Licht in meinem Leben bist, und ein Licht, siehst Du, das

muß man sich selbst anzünden. Und. sein Gluck muß man sich selbst erschaffen, wenn's ein echtes Glück sein soll und einem Kraft und Muth verleihen soll. Und darum, verstehst Du, wenn ich Dich so von Kopf bis zu den Füßen einkleide in Stoffe, die ich Dir geschenkt habe, dann wird mir zuMuthe sein, als hätte ich mir die ganze geliebte Gestalt, die dann vor mir steht, selber erschaffen, und das wird mir dann eine solche Kraft und Wonne und Seligkeit verleihen, und das wirst Du mir nicht verweigern. Nicht wahr? Nicht wahr?" Sie vermochte nichts zu erwidern. Anfänglich, als sie nur Mitleid mit dem Mann gefühlt hatte, der um ihre Liebe flehte, war nur ihre Seele wach gewesen; jetzt, da er stark und fröhlich war und sie am lebendig klopfenden Herzen hielt, waren auch ihre Sinne erwacht. Sie hatte angefangen, sich in ihn zu verlieben, und in dem großen Strome des süßen, unbestimmten Gefühls trieb sie willenlos dem Manne zu. Sie drückte ihr erglühendes Gesicht an seinen Hals. Thu. wie Du willst." flüsterte sie. Und nun war es, als wären alle diese Besorgungen nur Vorbereitungen für das Eigentliche und Wahre gewesen. Die Seidenwaarenlager wurden förmlich geplündert, und als sie damit fertig waren, wollte er sie m WascheHandlungen führen. Dem aber widersetzte sie sich' Ich müßte mich ja zu Tode schamen, wenn mich ein Mann dabei begleitete." Er fügte sich ihrem Willen. Aber sie mußte versprechen, daß sie sich das schönste Linnen, die zartesten seidenen Strümpfe tftd das zierlichste Schuhwerk kaufen wollte. Die Rechnungen sollten auf ihren Namen geschrieben werden, er würde sie bei ihr abholen und all, s abmachen Wenn sie nicht gewußt hatte, daß er reick war, so hätte sie ihn für einen rasenden Verschwender halten müssen. Ganze Ballen von Seidenstoffen und Leinen liefen nun bet Anna, em; vienehn. Taae lang wurde geschneidert und geschustert, als gälte es, ' den Brautstaat einer iungen Konigm fertigzustellen; der Onkel und die Tante alnaen mit dumpf verblüfften Gesich tern umher und wußten nicht, was sie sagen sollten.' Anna wußte es selber kaum; die Welt wa? nicht mehr die Welt. ' : ' Der Baron ließ sich in diesen Taaen nur von Zeit zu Zeit seyen, und wenn er kam, war er in Liegender Qast. Er war jetzt vielfach auf dem Schlosse draußen, wo die Zimmer, für Anna eingerichtet wurden. So oft er bei ihr in der Stadt erschien, wurde er rasch wieder hinauskomplimentirt Frauen, die in solcher Thätigkeit stecken, können Männer nicht brauchen. Gegen Ende der vierzehn Tage aber. , -, r" r r . . ri t " . sC.f. als ne iyn aus ren tfiui gmausjuicu tete, hielt sie ihn an der Hand ftst. Heute Abend," sagte sie leise,, mit lieblichem Erröthen, wird daä cremefarbige Seidenkleid fertig, das Du so besonders cern magst. Es hat einen sehr hübschen Schnitt uad wird mir vielleicht Indlich stehen." Sie beugte sich naher zu ibvz. . Wenn Du willst, kannst Du mor gen Mittag kommen, und ich will mich Dir zeigen. Er schloß sie an du Brust, als wollte er sie. erdrücken. .Du Engel" eÄvideite er. Em Gluthstro floß aus seinenAu gen. Dann riß er sich los, eilte d Treppe hinab. Zehrte vom Abfatz n?ch einmal zurück, schloß sie noch einmal wie rasend in die Arme und schoß dann zum Hause hmaus. Anna begriff kaum, was ihn so erregt hatte; aber die Gluth. die ihn erfüllte, setzte auch sie in Feuer, und als das Kleid am Abend angekommen war, beschloß sie, sich am nächsten Vormiltage recht schön für ihn herauszu: Ulken. Es war das erste Mal imLebin. daß I sie sich in so kostbare Stoffe hüllte. Sie

schloß sich in ihr Schlafkämmerchen ein und kleidete sich von Kopf bis zu

den Fußen um, weil es sie nun doch gelüftete, die neuangeschafften Sachen wirklich einmal zu Probiren. W:e das alles anders war als das. was sie bisher getragen hatte! Wie grob das Hemd war, das sie auszog. und w:e weich sich das neue zarte Lm-. nen um ihren Leib schmiegte! Und die seidenen Strümpfe, in die ihreFüßchen, nachdem sie die alten baumwollenen abgestreift hatte, beinahe schüchtern hlnelnschlupften, als wagten sie gar nicht, zu glauben, daß sie wirklich da hinein gehörten! Sie saß ganz schämroth aus ihrem Stuhl und kicherte vor sich hin, wie em Kind, das etwas Unerlaubtes thut und jeden Augenblick gewartlg ist, daß es ertappt und auszeschölten werden wird. In den Spiegel zu sehen, hatt? sie noch kaum gewagt, auch befand sich in ihrem Schlafzimmer nur em kleiner Handspiegel, der ihr nicht sagen konnte, ob das Kleid ihr san. Dazu mußte sie in das Gesellschaftszimmer gehen, wo zwischen den Fenstern ein größerer Wandspiegel angebracht war. Als sie nun hier, die Bänder an ihrer Taille zurechtzupfend, vor dem Spiegel, mit dem Rücken gegen die Thür stand, wurde diese von außen aufgerissen und aus der Schwelle erschien der Baron. Sie sah, wie er stehen blieb und ihre Gestalt mit denAugen verschlang; in seinem Blick war eine verzehrende Gier. Anna sah wirklich niedlich genug aus. Das Kleid war tief ausgeschnitten, -am oberen Rande und an den Armel-Oesfnungeu mit einem Spitzenbesätze eingefaßt, und aus den zarten Spitzen quollen die runden. welchen Schultern, die nackten Arme, in jugendlicher Fülle hervor Sie wollte ihn bedeuten, daß er sich noch einen Augenblick gedulden müsse. aber bevor sie dazu gekommen war. stand er schon hmter ihr, und gleichzertig fühlte sie sich von seinen Armen umfaßt, vom Boden emporgehoben und mit einer Gewalt, wie von einem Orkane, an feine Brust gerissen. 'Ihre Schultern, ihr Nacken und ihr. Hals loderten unter seinen Küssen. Du zerdrückst mir ja da5 ganze Kleid," wandte sie ein. Der Ueberfall war ihr zu jäh gekommen; sie sträubte, sich in seinen Armen, aber er hörte nicht auf ihre Worte, achtete nicht auf ihre! sträubenden Bewegungen; m der Art, wie er mlt ihr umgmg, war etwas Gewaltsames. Seine Liebkosungen hatten etwas Erstickendes, Erdrückendes, Zermalmendes; seine Küsse fühlten sich an, als wenn er am liebsten rn Annas Fleisch hineingebissen hätte. Den einen Arm hatte er unter sie geschoben, so daß sie halb darauf saß, Mit dem andern druckte er ihren Oberleib an seine Brust, ihr Gesicht an sein Gesicht, und so. indem er sie m seinen. riesenstarken Armen wie em Kmd, wie eine Puppe, ein Spielzeug drückte. preßte und trug, ging er mit ihr im Zimmer auf und ab, dumpf abgerissene Laute von uch gebend, wie trunken,. beinah wie sinnlos. Er merkte gar nicht, wie pernvoll dem jungen Mädchen die Lage wurde. in der sie sicb befand, wie keuchend ihre Brust sich hob und senkte, weil sie. an ihn gepreßt, kaum noch Luft zum Athmen fand. Endlich warf sie mit äußerster Anstrengung den Kops zurück. stemmte beide Hände gegen seine Brust und Laß mich los!" stieß, sie wie. in Verzweiflung hervor. Der Ton kam so rauh, so zvrmz heraus, daß er erschrak. Er hielt m sei nem Auf- und Niedergehen- inne, sah ihr in's Gesicht und sah,.daß.sie-dieAu-gen geschlossen hatte. Nun ließ er sie aus den- Armerr aleiten; sie warf sich in den Lehnstuhl, der ihr zunächst stand, drehte sich mit ganzem. Leibe von ihm ab, legte beideHände auf die Lehne des. Sessels, das Gesicht auf dieArme, u nd brach m. schluch zendes Weinen aus. Der Baron stand todtenblaß- vor ihr. Anna," stammelte, er, was ist Dir?' Sie gab keine Antwort, und- weinte immer heftiger. Mitten im Zimmer, lag- eimr von ihren kleinen seidenen Schuhen, der chr vorhm, als er sie vom Boden emporqehoben hatte- vom- Fuße geflogen war. In seiner Ratlosigkeit hob der Baron ihn aus. als er-sich aber zu Au na niederbeugte,' um ihr den Schuh wieder anzuziehen, nß, sie- denselben aus seiner Hand und kerkirg ihren Fuß unter dem Klewe. ' Nein!" rief sie. faß mich nicht an! Du sollst mich nicht mehr-cmfassen! Ich weiß aar Licht, wie Du bist! Sie sprach aus, was ste. empfand; fit konnte sich in der That die Art des'. Mannes, nicht erklären. Das war ja gewesen als wenn.em. wildes Thier nch über si? atnuxht hattk. Bei der zornigen Bewegung, minder. sie ihni.den Schuh entrissen hatte, war er eilten Schritt zurückgewichen;- jetzt. stand' er wie zerschmettert da. Aber Anna," fing er wied an. bis? Du nur.- ders. böse, daß ich Dichso kiebe?" Sie warf den 2nb herum und Hefte rs die verweinten-. Augen auf ihn. Liebe?" fagte sie zornig, ist das Liebe, wenn man jemand so anfaßt? so bebasdelt? Faßt man ei Frau so an?" Sie blickte an sich herab und strich mit bebenderHand das zerknitterte und zerdruckteKleid glatt-, dann schlüpfte sie wieder in den Schuh, nd alZ sie den Fuß aussetzte, stammte sie beinahe aus. . (Fortsetzung folgt.) Weshalb 'haben Sie auf diesen Mann geschossen?" Aus Nothwehr"-. ecklärte der Äolizi t. Aber er hxta doch die Flucht vor Ihnen ergriffen." o sah eö allerdings aus, aber ich befiirchtete.er würde um den Block herum laufen und mich von hmten attackiren.

Zlntcr uns ?raucn.

?ie Seele tc Tausend und abertausend Mllttes und Väter ergötzen sich in diesem Au genblicke, wie das ganze liebe Jahr hindurch, an dem halbverstandliche Lallen, den unbehslfenen Greif-, Steh und Gehversuchen, oder an dem unbe schreiblich wechselnden Ausdrucke deS rosigen Gesichtchens ihres Kindes. Wie süß! Wie herzig! Wie lieb! So und ähnlich, manchmal auch Wie klugl ertönt, wie feit Jahrtausenden auch jetzt noch, in allen erdenklichen Spra chen der vielstimmig: Chorus, zu xotU chem gewohnlich Tantchen oder Groß Mütterchen dieLeitstimme.zu führen sich nicht nehmen laßt. Wie Wenige aber waren oder sind sich dessen bewußt, daß sich vor ihren. Augen eine der interessantesten, merk würdigsten, geheimnißvollslen. Eschei nungen abspielt, welche die Welt über Haupt nur auszuweisen bat! Gedankenlos erfreut man sich des köstlichen Besitzes. Wer mag sich dcr überhaupt noch seine Freude, vielleicht die einzige, welche ein sorgenreiches Le den bietet, durch das Bewußtsein beemträchtigen lassen, daß man selbst an dem Ausgange des wunderbaren Wer deprocesses einen wesentlichen und ver antwortungsreichen Antheil trägt? Ge wiß ist es eine nach Erkenntniß rin gende Seele, ein irr der wichtigsten Entwickelungsstufe besindltcher Charakter, kurz, ein werdender Mensch, den man da in solcher Miniaturaus gäbe vor sich hat. Ist es aber nicht auch zugleich das possierlichste Spiel zeug? Das Erste sieht man kaum und begreift es noch weniger: das Zweite aber ist so leicht, förmlich mit den Hän den zu erfassen. . Der Sorglosigkeit und Bequemlich keit der Mütter bietet auch hier, wie ' anderwärts, die Wissenschaft eine gar leichte Handhabe für Jedej. die davon Gebrauch machen will. Wissenschaft ist ja bekanntlich von ganz besonderem Werthe für Alle, welche mir das Fett von der Oberfläche abschöpfen wollen. Gelehrte strengten sich offenbar zum Besten dieser Lebens künstler an. mit mehr oder minder großer Wahrschem lichkeit zu beweiien, daß Erblichkeit den Charakter und das Schicksal deS Kindes entscheiden. Ber oberflächli cher Auffassung wird es uns Frauen da recht leicht gemacht; die Hände in den Schooß zu- legen und für daZ Uebrige den lieben Herrgott sorgen zu lassen. Der wirklich denkende Mensch wird aber aus den Lehren der Wissenschaft ganz andere Schlüsse Ziehen müssen. Gerade weil die Erblichkeit unbestrttten eine große Rolle spielt, wenn auch nicht die allentscheidende, wird man da für sorgen müssen, daß man selbst die beste Grundlage für seine Nachkommen schaft liefert und der Glaube , an die Erblichkeit darf' die- denkende Mutter nicht abhalten., aus die Entwickelung von Seele und Charakter ihres Kindes den allerbesten- Ernsluß zu üben. Denn nur die Anlage ist Erbtheil, ihre Aus bildunq aber Sache der Erziehung. Im Grunde ist beides von den Eltern des Kindes abhängig: und bedingt. Es macr m nchhcr sein wlr ton nen es ebenso wenig bestreiten, als die Gelehrten es bisher- zu beweisen ver mochten,. daß die: Seele des Kmdes schon vor der Geburt mit vielen- unsichtbaren Zeichen beschrieben war. Wie weit aber diese-Zeichen zum Bor schein kommen, hangt ohne Zweifel von all'' den-Eindrucken ab, welche der frischen, empfänglichen Kindesseele aufgeprägt-werdcm Das kleine Wesen mag noch so unentwickelt scheinen, wenn es überhaupt bereits sieht' oder hört, sieht und Hort es doch Alles, waS im Bereiche seiner Sinnesorgane ist, und wird davon- beeinflußt. Eltern, aber namentlich' Mütter, die ihr Kind wahrhaft lieben und in ihm nicht blos ein lebendiges Spielzeug sehen wollen. werden die zarxe Kinderseele zu vefle cken sich wohl' huren. Und wenn schließ lich der um des-Kindes willen sich selbst auferlegte Zwang zur eigenen Besser" i r t.rr rung- suyri, um o veer mofi viv für die Eltern, sondern auch für die spätere Fortentwickelung dtr Seele des Äindes.. Gemüthlich.. Der- Rittmeister Graf Milde von Aartheiin. Kommandant einer Kaval--lerie-E5cadron, wurde für seine Güte und Nachsicht von allen seinen Unter gebenen förmlich angebetet. Bei der selben Escadron diente seit langen fahren schon em Wachtmeister, der hingegen wegen seiner Pedanterie und Strenge von der Mannschaft der? Es udron shr gefürchtet war. Emes Tao.es stand Rittmeister Graf Milde in der Thüre eines Stal- . ks feiner E5cad?on und wartete aus die Sattlung eure? Remonte. Bon hier aus bemerkte er, daß fern Wacht meister quer über den Kasernenhof m den Stall zu kommen beabsichtigte. ' Beangsticrt übe? das Wohl seiner Mannschaft, stürmte unser lieber Ritt meister entlang den Pserdestanden durch den ganzen Stall und flüsterte, den mit Pferdeaufwartung beschäftig . ten Soldaten zu: Leate, Leute, auf passen, fleißig putzen, der Herr Wacht meiste? kommt!" Frommer Wunsch. Alte Jungfer (im Kaffeekränzchen): Wenn d Flüsse Kaffee anstatt Wasser füh. ren würden, wüßte ich mir wahrhaftig keinen schöneren Tod als . Ertrinken " P a r i r t. Kritiker: Kurz und gut, von heute ab werde ich die ErZeugnisse Ihrer Muse gänzlich ignori ren! Dichter: Und ich werde Ihnen für diese Ignoranz sehr 'dan bar sein! ' -