Indiana Tribüne, Volume 17, Number 283, Indianapolis, Marion County, 1 July 1894 — Page 9
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Jndiana Triviwe.
e i l a g c. Indianapolis, Ind., 1. Juli 1894. jic ölecple - Chase öcs Glücks. Humoreske von Ern st Rügen. EZ war kein Restaurant nach amen" kcmischen und auch nicht nach deutschen großtstädtischen Begriffen, obschon das Wort in goldenen Worten über der Thür thronte, sondern es war eine Art von Gasthaus nach mitteldeutschem Muster, wo Suppenteller und Bierkri! gel einander in liebevoller Eintracht ergänzten und ein Hauch über dem Ocean geretteter Gemüthlichkeit aufstieg. Na, und gar der dicke Wirth selbst! Der war noch vom guten, alten Schlag, und hieß Doerge. Schön guten Abend. Herr Jost, mdit Doerae eben, da er. wie.allabend lich, vor der Schwelle seines Lokals die ersten Gäste erwartete unv oas ounie treiben der BowerK' an sich vorbeiziehen ließ. Herr Weidenseld sitzt schon - i m r . , ! . . . . W l(4 T? - yinien, sugie er qinju uuv uui zeitig ein paar Schritte zurück, um den lZintrenden vorbei au lassen, denn Papa Doerge hatte einen gar stattlichen m t r. v.: f dür. Züaucy, oer 10 ziernncy wie üujc vu'' ösfnuna ausfüllte. Na. da wären wir ia durch," lachte Herr Jost, der gerade auch kein Hering war. und setzte seinen Weg nacy oer 5interstube fort, wo an einem der sauberlich gedeckten Tische die dünne Gestalt Weidenfeld's auftauchte. Nach vorn gebeugt, saß er da und veqcniang den nfialt einer Abendzeitung. Steht ja nichts drin!" rief ihm Jost von Weitem zu und streckte lachend seine derbe Hand aus, um inn zu oearüken. Ich lese eben eine Correspondenz aus St. Paul," erwiderte Weidenfeld ernstbaft. indem er die dargebotene ' l I .. , Cfr'TT I : . : 0T . iXtqit oruaie. ttjen Vle, im x sten hat's Einer immer noch besser." Er sagte es mit einem halben Seufzer. Ach, hören Sie mir auf. im Gegentheil, ich bedaure die Leute im Westen," meinte Jost lakonisch. Das kann doch Ihr Ernst nicht sein," ereiferte sich der Andere, das müssen Sie mir gefälligst erklären die Verhältnisse liegen dort besser, man findet leichter Arbeit. . Das wohl," unterbrach ihn Jost, aber sehen Sie.die Sache ist so: Wenn Unsereiner in Deutschland ist. da denkt er. eZ müßte ihm hier in unserm geliebten New York weiß der Himmel wie gut gehen, nicht wahr? Na, und wenn man einmal wirklich da ist. geht's schlecht und recht, aber es bleibt Ei"nem wenigstens die Hoffnung, daß es im Westen besser sein könnte... Die Leute, die aber schon im Westen sind. die haben gar keine Illusion mehr, die sind sozusagen hofsnungslos! Nun. sehen Sie. habe ich nicht recht?" schloß Jost und lachte gutmüthig, doch da sein Tischnachbar völlig ernst blieb, wurde er ein klein wenig ärgerlich und meinte ungeduldig: Weidenfeldchen.Sie machen ja heute ein Gesicht, als hätten Sie saure Kir- - schen gegessen! Was ist Ihnen denn ' über Ihre alte Leber gelaufen, Freund Huckebein?" Soll ich etwa noch ein freundliches Gesicht machen, weil man mich auf die . Straße geworfen hat?" fuhr Weiden- ; selb auf, indem er mit krampfhafter . Wuth einen Zahnstocher nach dem andern zerbrach. Die ganze Zeit schindet man sich für's Geschäft, und wenn dann die gute Saison vorüber ist, wird man an die Luft gesetzt! flsf nf Virt2 ?fl HntrWnrM fn YnnZ IJ U l, VUV 1 1 4 ViilV.Wl. tm'V tv-f kann aber blos auch in Amerika passiren!" Nu, Weidenseldchen.mal nicht gleich den Kopf so hängen lassen," suchte Jost den aufgebrachten jungen Mann zu be-sT-v n (i. tlrf fiTV iVl hll2 Ull lltllll, IUV14 IU VUIV iVUVbl IVUV, wenn Einer nur zugreifen will, und 'n fixer Kerl wie Sie'! Nur 'n Bischen Humor behalten, dann kommt mit einem Mal wieder was, und vielleicht was Besseres." Ei gewiß, Sie , haben gut reden," versetzte Weidenfeld hastig. Sie haben Ihr Buttergeschäft, das ruhig fortgeht und seinen Mann redlich nährt, denn Eier und Butter brauchen die Leute das ganze runde Jahr über, aber ein armer Clerk wie ich, das ist was Anderes. ...Ich sitze schön in der Tinte. . Die paar Groschen reichen gerade noch für die Miethe, und im Uebrigen kann ich mit Humor Lust schnappen. . ." Weidenfeldchen. Sie sind ja der reinste Jeremias Schwarzseher. ... So schltmm tst Ihre Lage doch nicht, und wenn's an etlichen Dollarchen fehlt. . Er vervollständigte den Sah nicht.denn tben wackelte Papa Doerge heran. Er trug in Zeder Hand eine dampfende Suvvenbowle. deren Inhalt seine beiden Daumen bespülte, so oft er einen Schritte nach vorwärts that. Das war aewissermaken eine Doerae'sche - Spezialität. Weidenfeld pflegte sonst dieses Vorkommniß mit dem Ausrufe Einmal Daumensuppe zu registriren. aber diesmal achtete , er nicht darauf, weil ibm die lekten Worte seines Tisch- - nachbars so wonnevoll in den Ohren ' klangen. Etliche Dollars! Damit wäre ibm just geholfen, und zurückzahlen würde ers gewiß die Woche daraus.- Relzender Mann dieser Jost, aber nur mal erst baben. War aerade so schön im Zuge, und da kommt diese einfältige Suppe a la Julienne dazwischen. Et- . was versalzen war sie obendrein, aber Weidenfeld merkte es nicht, sondern rr.iL- f . .rx . i . rt. t 1 1 . iojjciie t Hanig yerunier. z yauz jetzt nur einen Wunsch, nämlich, daß Papa Doerge baldmöglichst verfchwln
den mochte. Docrge schien jedoch sei nerlei Eile zu haben. Er wischte sehr
bedachtig seine beiden Daumen an einem Servirtuckc ab. welches unter der Achsel eingeklemmt war, und that als dann die tiefsinnige Aeußerung, dan e V . C !.. aumalig warm zu weroen un,nuj. Dieses Thema zog nicht. Jost war vollauf mit seiner Julchensuppe beschäs. tigt. wie er das Gericht in xttx erdeutschung nannte, während Weidenfeld aus anderen Gründen daS peinlichste Stillschweigen beobachtete. Doerge pustete lebhaft, gleichsam als Bekräftiaung des Gesagten, und rückte ein paar Stühle zurecht. Heute gibt's was Feines, meine Herren," eröffnete er nach kurzer Pause. Recht so, edler Freund und iwinoi nickte Jost und führte den letzten Nest von Suppe seiner Bestimmung zu. Weidenfeld wurde nervös und trommelte mit den Fingern. Eine wunderbare Lammkeule mit grünen Erbsen gibt's heute Abend, meine Herren, aber so was findet man nicht alle Tage zart, sage ich Jhnen. daß der Bissen auf der Zunge zerfließt. ..." Na. dann mal her damit," sagte Jost. Und ich bitte Sie. zu bedenken, daß Lammfleisch noch Erstes vom Jahr ist " Aber Mister Doerge, machen Sie, daß wir's endlich kriegen," mahnte Weidenfeld ärgerlich. Dann wohl zweimal Lammkeule mit arllnen Erbsen?" Beide Gäste bejahten eifrig, und der gesprächige Wirth ging nach der Küche. Was wollten Sie vorher saden? erkundigte sich Weidenfeld alsbald mit einem einleitenden Nauspern. Wovon war denn die Rede. Wel denfeldcken?" Na, wir sprachen von. . . das heißt, ich sagte Ihnen doch, daß ich an die Pi,f aeitht worden bin. und da meinten Sie. . . hier stockte der Spre cker. .Natürlich, ich meinte. Sie sollten sich's nicht so sehr zu Herzen nehmen, ergänzte 5toft. Ja. und dann sagten bte, giauve V " I ; . ich, wenn's auf etliche. ..." Tim selben Auaenblick erschien Papa Doerae mit der vielaepriesenen Lammkeule. Sie duftete in der 2bat eyr lieblich, aber Weidenfeld konnte seinen Ingrimm über diese neuerliche toto rung nicht länger bemeistern und rief unmutbia: In meinem Leben esse ich das Zeug Nicht mehr, wenn man so lange warten muk. Bester Herr, das will zerlegt und angerichtet sein," vertheidigte sich Doerge mit gewichtiger Miene. Es mag vielleicht zwei Minuten länger dauern, als in so 'nem dining room". aber dafür kriegen Sie auch nicht den erstbesten Brocken Fleisch vorgesetzt, sondern eine anständige Portion, wie sich's aebort und wie lck s aelernt yave. denn Sie müssen wissen, meine Herren, daß Doerge, wie Sie ihn vor sich sehen. in Baris. . ." Die feinsten Leute servirt hat." fiel Jost ein, dem diese Wendung nicht mehr neu sein mochte. Hab' ich auch," bestätigte Doerge stolz. Case Riche, meine Herren das hat Klang, nicht wahr? Dem alten Thiers habe ich mit eigenen Händen eine Omelette aux sines herbes" aufgetragen.und er hat aus Mich geschmun zett, der nachmalige Präsident von Frankreich, und der allmächtige vcou her. dem ich eine Entrecote a la Ma renqo" vorset,te. hat zu mir gesagt: c'est bien. jeune homme", ja, so wabr ick hier siebe, er bat's aesaat und ich hab' nicht ein Bischen gezittert. ..." Glücklicherweise trat jetzt ein anderer Gast ein und' zwang Doerge, seine breit angelegten Pariser Erinnerungen abzubrechen. Weldenselo hatte uvrlaens schon alle Hoffnuna aufaeaeben. Wie konnte er das so schön einaeleitete Thema in das vorherige Geleise bringen. Er sann darüber nach, aber sein Witz ließ ihn jämmerlich im Stich, und je langer er grübelte, desto rathloser Inifrh pr Weidenfeldchen, Sie sind heute stumm wie n Fisch, am Ende gar ver liebt?" saate Jost vlöklich. Ach wo, ich habe andere Sorgen, antwortete Weldenserd mederge schlaaen. Macht nichts, Sorgen hin, Sorgen her! Als ich in Ihren Jahren war. kümmerte ich mich darum nicht, und wie der Teufel hinter die Mädels her.... Ja, wissen Sie, ich war auch kein Kostverachter in meiner Zeit. ... In Leipzig lernte ich mal Eine kennen... sie war so 'ne Biermamselle in der Dresdnerstraße.... kennen ja die Gegend, nicht?" Das aroke Eckhaus aebört ia meinem Onkel," schaltete Weidenfeld ein. -Nu. sieb' mal. da haben Sie aus die Art auch so 'nen Goldonkel. . . na, Sie wissen ja. drüben hat Jeder seinen Onkel in Amerika, und hier haben Sie ihn eben in Deutschland," lachte Jost mit gutmüthigem Spott, aber einerlei, Leipzig bleibt 'ne feine Stadt." Ein klein Paris-, ergänzte Weiden feld mit trüber Miene. .Jawohl, da hab' ich manchen Gro schen sitzen lassen und ich kann wohl saaen. manchen Dollar...." WeidenKid hörte meckanischLU. Das Itkb itxsort riß Ihn jedoch sahlmgs aus sei nem traumhasten Zustande. Weil Sie gerade von Dollars sprechen," platzte er ganz unvermittelt hervor, und hingerissen von seiner eigenen Verwegenheit, fuhr er fort: Sie machten vorhin eineAndeutung; nämlich Sie sagten, wenn es auf ein paar Dollar chen ankäme.... Sie würden mir in der.Fat.ei.neroe. eine tieji Gefäj-
iiarett erweisen, wenn Sie mir zehn
Dollars vorstrecken wollten." Jost zeigte ein etwas erstauntes iesicht, doch ohne seine olympische Ruhe zu verlieren, sagte er: Weidenfeldchen. ich hatte Sie von dieser Seite noch nicht gekannt, aber offen gestanden, im Pumpen sind Sie n bischen heim tückisch." ch .lable es ?Ihnen nächste Woche pünktlich zurück," entgegnete Weidenseid im Tone eines feierlichen )eiovnisses. ?lost blickte ibn nachdenklich an. dann zoa er eine Rolle Greenbacks aus der Tasche, händigte Weidenfeld den verlangten Betraq ein und meinte erze bungsvoll: Weidenfeldchen, hier sind die zehn Dollars, aber Wiedersehen macht Freude." Gewiß, nächsten Sonnabend komme ich her und berichtige meine Schuld versicherte der Andere nochmals unv sehte Hinzu: Uebriaens will ich Ihnen meine Adresse geben, ich wohne in der siebzehnten Straße. . . . .Lassen Sie." wehrte Jost ad. u will ich lieber die Affaire von Leipzig zu Ende erzählen, und er begann eine jener Geschichten ohne Anfang und lei der auch ohne Ende. Es braucht in deß wohl nicht gesagt zu werden, daß Weidenfeld sich nunmehr redlich Mühe gab, seinem Gegenüber mit sichtlichen Interesse zuzuhören. Ganz bei der Sache war er freilich nicht, denn wayrend Jost von alten Liebschaften, und was man so nennt, erzählte, schmiedete der Andere Plan: -,ur die nächste ukunft. wobei die zehn Dollars in einer Tasche eine hervorragende Rolle spielten. Seme etwas schadhaft gewordene Toilette mußte in Stand gesetzt werden, das war klar, dann würde es ihm nicht schwer fallen, einen anstandioen Vosten m finden, und dann. . . . Weidenfeld hatte schon ein recht stattllches Luftschloß fertig , gebaut, als Jost eben zu einer neuenGeschichte ausholen wollte und die schwerwiegenden Worte sprach: In Kassel erlebte ich 'nen gelungenen Spaß. . . ." Aber Weidenseld schnitt ihm letzt hurtig die Uiede ab. Nee, Sie wissen so reizend zu er zählen, daß man Ihnen stundenlang zuhören möchte," versicherte er mit einiger Selbstüberwindung, sllgte jedoch rasch hinzu, leider muß ich jetzt mal schnell nach der zweiten' Avenue springen." Weidenfeldchen, Sie wollen doch nicht schon auskneisen?" meinte Jost etwas gekränkt. .Muk wirklich." und Weidenfeld erhob sich gleichzeitig. Besten Dank einstweilen und Sonntag aus Wiedersehen!" Damit stürmte er fort. Jost mochte beareifen. daß er nicht zu halten war, schmunzelte auf seuie Weise, und dem Davoneilenden nachblickend, brummte er: .Ganz netter Kerl, aber auch Einer, der's in diesem Land zu nichts bringt. Sonnabend war angekommen, aber nicht Weidenseld, wie er s versprochen hatte, und vergeblich wartete der gute Jost bis in den späten Abend hinein. Daß ihn dabei keine freundliche Gesin nung für 'Weidenfeld erfüllte, ist fast selbstredend, aber hätte er ahnen können, in welcher Verzweiflung sich der arme Junge ob seines Wortbruches be fand, er hätte ihm das Versäumniß gern nachgesehen! I Jetzt wartet er auf seine zehn Dollars. und ich lasse ihn sitzen!" rief Wei denfeld aufgeregt und lief in seiner engen tuve aus und ao wie ein Äerrua ter. Ach. wenn ich gewußt hätte, daß mich das Unglück so verfolgen würde, ich hätte ihn wahrlich nicht angepumpt. Soll das ein Mensch mal voraussehen, daß man sich die Füße ganz umsonst wund läuft und nichts, rein nichts findet!" In der That hatte Weidenfeld wäh rend der nun zur Neige gehenden Woche alle erdenklichen Anstrengungen gemacht, um Arbeit, sei es welche immer, zu finden, aber allenthalben fertigte man ihn mit dem höflichen Troste cn". c fc . . ... m ao. normuslg vraucqen mir lleman den, aber vielleicht sprechen Sie in ei niger Zeit wieder vor." Weidenfeld nagte an den Lippen, wenn er diese stehende Redensart zu bören bekam. War irgendwo wirklich eine Stelle zu vergeben, dann drängten sich die Bewerber dutzendweise vor und er hatte nach stundenlanger Zeitversäumniß as Zusehen. Immer entmuthigter kehrte er nach Hause zurück, und seine kleine aarschaft schmolz er schrecklich , zusammen, obschon er blos nothdürftig lebte. Zu allem übrigen Kummer quälte ihn noch der Gedanke, wie er seine Schuld an Jost zurückzahlen sollte. Gab es denn keinen Ausweg? Jeder neue Tag beantwortete die Frage mit einem stets kräftigeren Nein", und endlich war Sonnabend da, ohne daß Weidenfelds Lage eine Wendung zum Besseren erfahren hätte. Ein letztes Auskunftsmittel war ihm noch geblieben. Er packte den grauen Chevwt-Anzug. roclchen er wenige Tage vorher vom Pfandleiher gebolt batte. wieder zusammen und trua ihn neuerdings In das HauS mit den gefürchteten drei goldenen Kugeln". Wenigstens wollte er Jost die Halste deS entliehenen Betrages geben, aber Schrecken! Der Mann wies die Kleidunczsstücke nach einer raschen Prüfung zurück und sagte kurz: Nichts für uns." Weidenseld machte Vorstellungen, doch einem Steine gegeüber wären sie wirksamer gewesen. Der Pfandleiher würdigte ihn leiner Antwort. Mit einem unsagbaren Gefühl der Verbitterung und des Ueberdrusses nahm Weidenfeld sein Bündel auf und schleppte es. fort. . Er. hätte es am liebsten in irgend ein tieseö Wasser geworfen und sich selbst hinterher, dann wäre Alles auS gewesen, auch seine Noth... Die Beine .Lnd iedock oftmals klllau
alZ der Kopf. Sie trugen Weidenfeld heimwärts, ohne daß er es recht wußte. Erst a:s er zwischen seinen vier Wänden stand, kündigten sie den Dienst und er sank auf einen Stuhl nieder, müde und abgespannt, in dumpfes Brüten verloren. Dann aber packte ihn plötzlich wieder der Gedanke an Jost, der auf sein Geld wartete. Er mußte ihn ja für einen Schwindler halten! Ich werde ihm wenigstens schreiben, daß er wß, woran er ist," begann Weidenseld in einem Tone, als ob er
einem Anderen sein Verhalten begreiflich machen wollte, und ergriff die Feder. Er tauchte sie ein, nahm einen Bogen Briefpapier zur Hand und schrieb: Werther Herr Jost!" hielt dann inne und rief unwillig: Zum Teufel, was soll ich ihm denn eigentlich schreiben! Daß er seine zehn Dollars nicht kriegt, den Braten wird er jetzt doch schon riechen. . . Ach. man konnte um sem Bischen Verstand kommen: Also erging sich Weidenseld in ahnlichen Klagen, und das Schreiben unterbllev, doch die Schuld druckte und quälte ihn ohne Unterlaß, und er kam sich wie em aroßer Missethäter vor. Daheim ging es noch eher, aber auf der Straße verfolgte ihn lcständig die Angst, mit Jost zusammen zu treffen. Wenn er um eine Ecke bog, glaubte er, hier und da müsse der Gefürchtete auftauchen; so oft ein Mann von untersetzt Gestalt des Weges kam, ergriff ihn ein heillosen Schrecken, und er wich in weitem Bogen aus. Weidenseld atymete erst wieder erleichtert auf, als er seine Bude erreicht hatte. Er blieb auch den ganzen Sonntag hübsch daheim, gab sich trübseligen Erwägungen hin, und dazu ging das Glockengeläute in trauriger Monotonie bim, bam, bim bam bis zum Abend, die Straße schien wie. ausgestorben, kein alltägliches Geräusch drang zu ihm hinauf. ach, es war, daß ein Hund hatte heulen mögen! , Die Dämmerung war kaum hereingebrochen, als Weidenfeld schon zu Bett lag. Er wollte den nächsten Tag früh ans Werk und neuerdings sein Glück versuchen, um jrtwi Preis eine Stelle auftreiben! Der Montag war von jeher sein Gluckstag gewesen, vielleicht bewährte sich's auch diesmal.... Der Wochenanfana stellte sich für Weidenfeld zum Mindesten mit einer Ueberraschung ein, freilich keiner angenehmen. Als er nämlich zu früher Stunde sein Frühstück bei einem Backer verzehrte und dabei die unterschiednchen Inserate in der Staatszeitung durchflog, siel sein Auge auch auf die Anzeigen vermischten Inhaltes, und da stand fett gedruckt sein Name, sein eigener Name! . Nein, es war keine Sinnestäu schung. sondern da hieß es schwarz auf weiß: - August Weidenfeld aus Leipzig wird im eigenen Interesse aufgefordert, sich ehestens bei H7'Jüst emzuflnden. . Weidenseld sank die Zeitung aus der Hand und er stöhnte wie zum Tode ge troffen. Jetzt war er über seine Lage im Klaren! Entweder er zahlte ehestens die zehn Dollars, oder Jost würde ihn verklagen, wegen betrügerischer Vorspiegelungen oder wie es dann heißen mochte. , Nun bin ich schön darin," murmelte er mit bestürzter Miene. Nur'n Glück, daß , ich ihm nicht sagte, wo ich wohne. sonst säße ich vielleicht schon hinter Schloß und Riegel. Die Straße nannte ich wohl, aber nicht die Nummer, wenn mir recht ist. - ' Weidenfeld wagte jetzt kaum aufzu blicken. Er fühlte sich von Gefahren umgeben und bewerkstelligte seineWan derung nach der untern Stadt, indem er am East River entlang ging. Die zwingende Nothwendigkeit allein vermochte ihn in die Geschäftsgegend von Fulton Street und da herum zu locken. Dabei machte er em Gesicht, wie em büßender Mönch, und sprach so leise, daß ihn die Leute kaum verstanden. Sein scheues, angstvolles Wesen machte gerade keinen günstigen Eindruck, und seine Bemühungen um den ersehnten Posten blieben wohl deshalb jetzt erst recht fruchtlos. Immer wieder dersel rv L. Oft . ve eicyeio: Nleuelcyl Ipaier emmal." Eine namenlose Niedergeschlagenheit bemächtigte sich seiner, und er beschloß. diesen ausstchlsly en Kamps aufzugeben, irgendwo fern von der großen Stadt, auf einer Farm sein Leben zu fristen, wenn ihn seine Füße noch so weit tragen würden. Jetzt freilich suhlte er sich so ermattet, daß er die ' n rt nr r w . nacyi.loei.le Pieroeoayn yeiileg, um möglichst bald nach Hause zu gelangen. Kaum hatte er sich auf das Trittbrett geschwungen, als er aus ewiger Ent fernung mehrmalz seinen Namen rufen körte. Ein tödtlicber Schrecken aina ihm durch die Glieder, denn er glaubte Joit's Stimme zu erkennen. Der Wa gen fuhr indeß ziemlich" rasch, so daß er sich bald außer Gefahr befand und vorjichtig den Kopf wenden konnte. Richtig, dort jagte Jost in sausendem Galopp hinterher. Weidenfeld bebte am ganzen Körper. Jetzt schien sein Verfolger still zu stehen. Osfenbar sah er ein, daß er den Flüchtigen nicht mehr einholen könne. Nee, so'n rachsüchtiger Mensch ist mir noch nicht vorgekommen," dachte Weidenfeld und jvischte sich' den kalten Schweiß von der Stirn, aber die Angst setzte ihm auch dann: noch zü, als e.r daheim war. Wie, wenn Jost in seinem früheren Platze gewesen wäre, um seine Adresse zu erfahren. Ja. dann war er ja doch uyter allen Umständen verloren! Was nützte es, daß er ihm einmal glücklich entronnen war! Weidenfeld Lriff sich an den Kopf. Nein, für ihn war keine? Bleibens in New Fork. Er mußte fort, bald fort, sonst fiel er Jost in die Hände, und der hätte kein Erbarmen. '. .Ein. Mensch, der Einem fetstm
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zehn Dollars Tag und Nacht auflauert, läßt Einen auch einsperren, das ist gar keine Frag?' sagte sich Weidenfeld und stierte rathloZ vor sich hin. ' Endlich gelangte er zu einem Entschlusse. Er wollte seine nothwendigsten Siebensachen in ein Ränzel thun und damit das Weite suchen, denn das war klar, daß er sich nur durch rasche Flucht retten konnte. Gesagt, gethan. Weidenfeld ging mit fieberhafter Eile daran, seine wenigen Habseligkeiten einer raschen Durchsicht zu unterziehen. Wenn mich Jost nur nicht in der letzten Viertelstunde ausschnüffelt dachte er zitternd und legte sein bischen Wäsche bei Seite. . Bei Gott, jetzt ging auch schon die Klingel, und er erkannte Jost's Stimme im Hausflur, i Ist Mr. Weidenfeld daheim?" Ich kann's nicht genau sagen," verfetzte die Wirthin. Gehen Sie mal bitte hinauf, es ist die zweite Thür ganz oben." Weidenfeld hatte vor Schrecken seine beiden Hemden fallen lassen. Jetzt raffte er sie mit krampfhafter Eile zusammen, warf sie in den Schrank und versteckte sich hinter . demselben, so daß jnan ihn von der Thür aus nicht sehen konnte. Er bebte wie Espenlaub und hielt den Athem an. ! Jetzt wurde an der Thür gepocht. Zuerst mäßig, dann stärker, endlich .fortissimo". Weidenfeld gab keinen Laut von sich. Der Einlaßbegehrende wollte eben wieder die Treppe hinab, wenigstens entfernte er sich von der Thür, als die Wirthin zu Weidenfeld's Ichrecken hinaufrief: Das Mädchen sagt, er wäre eben zinauf,- vielleicht schläft Den nächsten Augenblick ging die Thür auf und Jost trat ein. Als er die Stube leer fand,fluchte er, ging zum Fenster, warf einen Blick auf dieStraße hinunter, kehrte um.... und erblickte Weidenfeld, der ganz zusammengekauert in der Ecke stand. Ja, sagen Sie mal, was machen Sie hinter dem Schranke da!" rief Jost höchlich erstaunt. - Weidenfeld kam bebend hervor. Er fühlte die Schamröthe ins Gesicht steigen. Wie sollte er sein seltsames Benehmen erklären? Bevor er's aber noch recht bedacht hatte, stotterte er schon: Ach, ich hab' die zehn Dollars nort immer nicht!" Jost lachte hell auf. Ach, Sie haben sie schon. Verehrtester!" rief er in. ungestümer Heiterkeit. Weidenfeld blickte ihn betroffen an. Ja, gucken Gie mich nur an. Weidenfeldchen..,,. Sie kriegen jetzt auf einmal 'nen anständigen Haufen Geld...." , Weidenfeld's Äugen vergrößerten sich unheimlich. Deshalb suchte ich Sie schon seit drei Tagen und lause Ihnen nach wie'n Jagdhund ' Was ist's denn?" fragte Weidenfeld zaghaft. , . Was es ist, Weidenfeldchen? Ihr Onkel in Leipzig ist gestorben und hat Ihnen so was wie 60,000 Mark hinterlassen.'. . . Ich hab's aus der Leipziger Zeitung und hier ist sie Jost zog ein Journal aus der Tasche, pflanzte seinen derben Zeigefinger auf eine rothbezeichnete Notiz und las: Aus dem namhaften Hinterlasse des Verstorbenen entfällt unter Anderem auf dessen Neffen' August Weidenfeld (der jetzige Aufenthalt unbekannt) ein Baarlegat von 60,000 Mark. . . ." Jost hielt inne und erkundigte sich schmunzelnd; Nu, was sagen Sie jetzt, Weidenfeldchen, jetzt sind Sie fein 'raus, denke ich." Weidenseld sagte nichts. Er war von dieser freudig schmerzlichen Nachricht so ergriffen, daß er keine Worte fand. Was die drückende Noth indeß nicht' vermocht hatte, das zwang ihm daS Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit ab.' Er weinte..
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Indianapolis, den 1. Mai 1894.
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