Indiana Tribüne, Volume 17, Number 283, Indianapolis, Marion County, 1 July 1894 — Page 6
Aus dcm ZZcichc der Alode.
Duftige Sommertoiletten bringen wir heute zur Anschauung unserer Leserinnen. Die erste Illustration stellt ein Costüm aus blauem, feinrippigem Pique, der mit weißen Punkten übersät ist, dar. Den glatten, keilig geschnittenen Nock umrandet ein mit einem Köpfchen eingekrauster Volant, der mit einer pcrsorirten, mit weißer Kurbelstickerei verzierten Bordüre versehen ist. - ä rA jV W 'j Vm Mmx t V-y Jm"V fcJL mm kVä&fk'l h-tix'wyü mjz&&MKa 2KTi?.f-Ä ISv'-l - r.'.v'jf'if 4.1 .' j TY&M ferv.?s.:-?-M Toilette aus blauem Pique. Eine in gleicher Weise ausgestattete Schürzentunika, die eine stark eingekrauste Spitze begrenzt, fällt vorn bis auf den Nocksaum hernieder; hinten verliert sie sich unter dem Schluß eines der Taille ausgesäten, fichuartigen Kragens, dessen lange, sich nach unten verbreitende, vorn gekreuzte Enden hinten in einandergeschlungen sind. Der Kragen ist rings herum perforirt und mit Spitze besetzt. Die kurze Taille ist seitwärts geschlossen und mit einem aus gefaltetem Stoff gebildeten Stehkragen verbunden, den vorn eine mit Spitzen geschmückte Stossschleife ziert. Das Fichu wird vorn durch eine lange, gol den: Nadel zusammengehalten. Sehr hübsch ist das hier dargestellte Kleid aus rosa Kreppstoff, das lose auf einem seidenen Futterrock gearbeitet ist. Der seidene Nock schließt mit einer doppeltenFrisur ab, während der darüberfallende Rock unten mit drei, je zwei Zoll breiten Säumen ausgestattet ist. Die auf Seide gearbeitete krause Taille ist mit gelblicher Spitze und elfenbeiny. v m k. MUMW Viiif-rti mAT-j tmi I7fcv MM1 M jf. !.-J., k$ii& V jMsLT L'V" ' - .Vf fci?-Ä; . , "-V '3: -r--.'. Kleid aus rosa Krepp. farbenem Seidenkrepp geschmückt. Aus der sieben 'Zoll breiten Spitze ist ein sattelähnlicher Kragen gebildet, der mit einem Stehkragen aus gefaltetem Seidenkrepp abschließt und vorn mit drei Fuß drei Zoll langen, 25 Zoll breiten, mit eingekrauster Spitze besetzten Echarpetheilen begrenzt wird; die Spitze setzt sich an dem Kragen fort. Ein hinten unter einer Schleife geschlossener GUrie! aus vier Zoll breitem, moosgrünem Moireband umgibt die Taille. Aus den Ateliers der Putzmacherinnen gehen in dieser Saison besonders geschmackvolle Hüte hervor. Aus schwarzem Pfantasiegeflecht besteht der hübsche Capothut für ältere Damen, den die Leserin hier dargestellt findet. Derselbe ist am vorderen Rande mit V i H';?l fmpf -f, " Cf yjv- ? iip-: 5 t.t-JAit?r.&s rv i-Z??--rf-.'x e . ' i Eapotehut für ältere Damen. aefaltctem, schwarzem Tüll bekleidet, sowie mit einem Diadem von Heliotropblüthen und Blättern garnirt. Letzteres wird theilweise durch eine Bordüre aus Jett und schwarzen Persen überdeckt, der sich eine vorn in zwei kochstehende Schlingen arrangirte schmale Spitzenecharpz anschließt. Bindebänder aus schmalem, schwarzem Moireband, welche,' zwei Schlingen bildend, saltig über den hinterenRand gelegt sind, sowie kleine, vorn zu beiden Seiten der Spitzenschleife befestigte Schleifen von gleichem Band bilden die übrige Garnitur des Hutes. Dieser auch für die Reise geeignete hübsche Hut aus grobem, blauem Strohzeflecht ist mit einem bandeauartig gefalteten, ca. 10 Zoll breiten weißscholtischen Scidenband garnirt, dessen Enden vorn, wie ersichtlich, in einen Knoten g:sch!unz:n und daselbst
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Allerlei Dausllsiere. Ein Beitrag zur Naturgeschichte von.
M. C o en.c r. '. " Es gibt gewiß in Dorf und Stadt Kein Haus, das nicht ein Hausthier hat. Ein Hund, ein Kätzchen, eine Maus -Ist sicher doch in jedem Haus. Und mag's kein Hund, kein Kätzchen sein, Dann mag's vielleicht ein Vögelein, Es füllt wohl gar ein Papagei Der Hausfrau Zimmer mit Geschrei. Allein bei uns, man glaubt es kaum, Was da für Thierlein finden Raum. Ich möchte wetten, unser Haus Sticht darin alle andern aus. Viel kleine Würmer"haben wir, Auch lust'ge Vögel" gibt es hier. Und Kuckuck" ruft's den ganzen Tag Für jeden, welcher suchen mag. Geht's nun zu Tische, sicherlich Zeigt meist dann auch der Vielfraß" sich. Bei Pfannenkuchen, Hefenkloß Und Birnen ist er wirklich groß. Und gibt es süßen Pudding gar, Ist seine Leistung wunderbar; , Doch richtet Hafersuppe an, Dann geht er wie ein Spätzchen dran. Daß es bei uns auch ..Efcl" gibt.' Ist wahr, doch sind sie nicht beliebt; Sie werden meist zu guter Letzt Summarisch vor die Thür gesetzt. . Dort schlagen sie ein paarmal au!?, Dann wird es still, man schaut hinaus. Und wo der Esel" sollte stehn, Da kann man jetzt ein Lämmchen" t sehn. S ' s liebe Schneckchen. Schon morgens früh, wenn alles still, Und Mutter gern noch schlafen will. Dann kriecht ein Schneckchen" rund . und sett, Ganz heimlich zu ihr auf das Bett. Ein Schneckchen!" ruft da manche? aus, Das würfe ich doch gleich hinaus!" Gemach! das fiele dir "nicht ein, Wär' dieses liebe Schneckchen dein. Der Nckefrosch. Ein Stündchen oder zwei vergehn. Dann ist der Nackeforsch" zu sehn. Das Wasserpatschen liebt er sehr. Wenn nur nicht auch das Waschen wär'. Doch ist er brav und schreit er nicht, Macht auch ein freundliches Gesicht, Und hält das Waschen artig aus. Wird manchmal noch ein Goldfisch" draus. Unsere lieben Schweinchen. Die Schweinchen" machen oft uns Müh; Am reinsten sind sie morgens früh, Doch kaum ein Stündchen laß vergehn, Dann ist davon nichts mehr zu sehn. Ein Schmeichelkätzchen" 'gibt's dann noch. Ein zärtliches Geschöpfchen, doch Der Liebling von dem ganzen Haus, Das ist die liebe kleine Maus".
Äft.--Die kleine Maus. " Manch andres Thierchen wohlbekannt. Hab' ich noch gar nicht hier genannt, Wie Brummbär", Furchthas", doch - ich muß Jetzt eilen, denn es geht zum Schluß. W.chl mancher denkt hier still für sich: Nein, solch' ein Haus ist fürchterlich! Doch wär's sein eigen auf mein Wort, Kein einzig Thierlein gäb' er fort. .-z Kalb, KameelundStockfisch. Man hält die Gänschen" meist für dumm. Doch weiß ich wirklich nicht warum. Daß Kalb", Kameel" und Stockfisch" gar Ein wenig dumm sind, das ist klar, . Und schlimm, daß ich es sagen muß. Man hat mit ihnen viel Verdruß; Doch unsre Schnattergänschen", nein. Wer soviel spricht, kann dumm nicht sein. Velociped-Ballade. Velocipeppi war ein hübsches Mädchen. Velocipeter liebte sie gar sehr: Wenn er sie fahren sah auf ihrem Rädchen, Vor lauter Wonne stets all eilte er. Auch sie schien seine Liebe zu erwiedern, Ach. wie entzückte ihn ihr zücht'ger Gruß! Um sie zu feiern nach Gebühr in Liedern. Bestieg er den Velocipegasus. '-v... rz Ein Briefchen warf er einst ihr zu. O Himmel! Ein heft'ger Windstoß trieb's vor den Papa. Ei. hol' Dich die Telocipest. Du Lümmel!" So rief der Alte, als den Brief er sah. Velocipeppi durft nicht mehr auf's Radel, ' Dieweil Velocipeter war so frech. Und das passirt' ihm schon beim dritten Madel. Der Arme hatte ein Velocipech. Was dabei sein muß. Aeltcres Fräulein: Sie liebex wohl auch die frische Luft sehr. Herr Wamperl?" Wamperl: Allerdings, aber was Gut's zu essen und zu trinken muß dabei sein!" Großmüthig. Präsident: Haben Sie noch etwas zu sagen?'" Angeklagter: Meine. Herren, wenn ick freigesprochen werd', lad' ick den ganien Gerichtshof zum Frühstück ein!"
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Taö Bodenstcdt'Tcnkmal.
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Zu Wiesbaden, wo der Sänger der Lieder des Mirza Schaffn" vor zwei Jahren die letzte Ruhestätte gefunden hat. ist dem Dichter am 22. April, seinem 75. Geburtstag, ein schönes Denkmal enthüllt worden. An der Wilhelmsallee des Kurparks, wo alljährlich Hunderttausende vorübergehen, erhebt sich ' überlebensgroß die wohlgetroffene Büste, getragen von einem zweieinhalb Meter hohen granitnen Sockel, der in schlichter Umrahmung den Namen Bodenstedts zeigt. Ueberragt von hohen Platanen, umgeben von jungen Tannen und Strauchwerk, macht das Denkmal einen harmonischen Eindruck, und der Künstler, der selbstlos, ohne jeden Anspruch auf Entschädigung für seine Mühe, dieses Werk qeschaffen hat, darf zufrieden sein. Es ist der Bildhauer Berwald aus Schwerin. Ncv Iorks Kcmc-Tcnkmal. Der deutsche Dichter, der in seinem Vaterlande noch immer des Denkmals harrt und dem sogar seine Vaterstadt Düsseldorf kürzlich das Heimathsrecht für sein Standbild verweigerte, Heinrich Heine, wird demnächst in New Vork zu seinem Rechte kommen. Im Central-Park soll Deutschlands großter Lyriker ein Standbild erhalten. Es ist dasselbe, welches ursprünglich für Düsseldorf in Aussicht genommen war. Der Schöpfer desselben ist Professor Emil Herter. Namentlich der New Aorker Gesangverein Arion und dessen Präsident Wilhelm Bäder haben sich um die Aufbringung der nöthigen Geldmittel verdient gemacht. Allerdings ist das Geld noch nicht vollständig beisammen und wer dazu beitragen will, den unsterblichen Sänger des Buchs der Lieder" zu ehren, der mag sich getrost an den Arion wenden. Der Contrakt mit Professor Herter ist bereits abgeschlossen und hoffentlich kann im nächsten Frühling die Enthüllung stattfinden. Wir lassen hier eine Abbildung des Herter'schen EntWurfs folgen: Heimgegeben. Herr: Darf ich Sie begleiten, meine Dame?" Dame: Bedaure, an einem Bedienten habe ich genug!" -. Immer praktisch. Wie Qerr Scknüffle sick au belfen I a , II i J l wußte, als er seinen Rasirpinsel nicht finden konnte. . Süße Erinnerung. Seit ich Sie zuletzt gesehen, haben Sie aber alle Haare verloren!" Ach ja, damals die schöne Zeit! Da gingen mir noch Haare aus!" Ein theurer Spaß. A.: .Sieh' doch mal, mit welchem Pomp der alte Geizhals Knauserig beerdigt wird." 53.: Ja. wenn der gewußt hätte, daß die Geschichte so theuer wird, dann wär' e: sicher nicht gestorben! .
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livAtx uns Trauen.
T'5 ist dcr eigrntUche Zn?cck der Gr eh'CJng: die freien iirä'tc des ÄindrZ zu eiiivickkln und zu bilden. Ta.in die Psticht, der gcdilvckcn Freibeil l:i Kindes eine moralische Richiung zu Leben. I. G.F'.chre. Endlich sind die Ferien da." sprechen erleichtert aufathmend sämmtliche Prinzipale. Prösidenten, Professoren und prattische Pädagogen der diversen Lehranstalten, und schütteln ledig aller Pflicht" so gerne den Schulstaub von Körper und Geist, um nach der anstrengenden abspannenden Arbeit die wohlverdiente Erholung zu suchen und wieder neue Kräfte für das kommend: Jahr zu sammeln. Juchhe, die Ferien sind da," rufen jubelnd alle Schulmädchen und Knaben. klappen freudig Bücher und Hefte zu, sehen lachend die Schulbänke hinter den schweren Thüren verschwinden und wenden leichten Fußes und Herzens dem ernstenGebäude für geraume Zeit den Rücken. Mit beflügeltem Schritt stürzt die ganze Schaar dem Vergnügen und der Unabhängigkeit entgegen und wünscht, daß sie niemals enden mögen, diese frohen goldenen Tan? und Wochen der Freiheit. Ach Gott, die Ferien sind wieder da." 'seufzt bedrückt manch' kinderreiche Mutter, nun ist die ganze wilde Bande losgelassen, man weiß nicht, was man mit ihr ansangen soll, um sie in Ordnung zu halten, sie zu beschäftigen, daß sie nicht gar zu ungezogen und unartig wird!" So ist es aber im Leben eingerichtet. während dort die eine Partei, welche aus Tausenden von Lehrern und Schülern besteht, sich ungehinderter Freude hingiebt, seufzt hier die Andere, die der armen Mütter, über die ungewohnte Last und Mühe. Anstatt nun. wie meine Mitschwestern es vielleicht erwarten, mit in ihren Jammer einzustimmen, will ich mich vielmehr bemühen, ihnen Mittel und Wege anzugeben, wie sie die Ferien für'ihre Kinder und sich selbst zu einer schönen und nutzbringenden Zeit zu gestalten vermögen. Wenn wir es genau überlegen, so haben wir Mütter bei dem großen 5Zeitaufwand,welchen der Lehrplan des öffentlichen Systems erfordert, unsere Kinder während der meisten Stunden drs Tages durch nahezu zehn Monate des Jahres in der Schule oder durch dieselbe beschäftigt. Denn sowohl Knaben wie Mädchen verlassen des Morgens das Haus, kehren, nur wenn das Schulgebäude nahe genug von der Wohnung liegt, für ein halbesStündchen zur Mittagsmahlzeit heim, sonst aber sehen wir die Kinder erst nach drei Uhr wieder, und manchmal sogar noch später, wie es die Einrichtung des Nachsitzens für Ordnungsfehler des einzelnen Kindes oder der ganzen Klasse mit sich bringt. Nach so langen Stunden des Stillhaltens in der Schule ist es begreiflich, daß die Kinder jede Gelegenheit zur Bewegung im Freien herbeisehnen, und wir also schon aus Gesundheitsrücksichten nichts gegen das Spielen auf der Straße einwenden können. Sobald die ganze Gesellschaft sich nun sattsam herumgetummelt, rufen sie bereits ihre Schulaufgaben in's Haus, so daß ihnen kaum Zeit für Privatstudien wie z. B. Musikübungen und Unterrichtsstunden übrig bleiben, ehe die Nacht und der Schlaf sich einstellen. Und ! so geht es Woche um Woche, Monat um Monat, mit nur sehr geringen Feiertags-Unterbrechunzen, zu welchen nur theilweise der wöchentliche Samstag gerechnet werden kann, denn er ist eigentlich für die Kinder auch -noch ein Arbeitstag, an dem nur all' das nachgeholt, gelernt, geübt und geihan wird, wozu sonst nicht ausreichende Muße vorhanden ist. Nun aber kommen die großen Ferien heran, die gerade das bringen sollen. was die Schule, welche auf das Allgemeine berechnet ist, niemals geben kann, nämlich eine individuelle Berücksichtigung des einzelnen Kindes. Jede denkende, um das Wohl ihr Kinder ernstlich besorgte Mutter wird also schon aus diesem Grunde den Schulschluß herbeisehnen, anjlatt ihn zu verwünschen. Sie wird freudig die Zeit begrüßen, wo die Kleinen endlich einmal ihrer persönlichen Leitung allein überlassen sind, wo ihr Gelegenheit geboten wird, für jedes Einzelne gerade das zu thun und zu veranlassen, ihm jene Beschäftigung zuzuthci-. len. welche ihr als die Richtigste erscheint. . Ferner wird sie bei Allen den großten Werth auf die Körperpflege legen, welche während der Schulzeit bei dem besten Willen etwas hintangesetzt werden muß. Denn in dem Hasten nach der Schule mag wahrscheinlich nicht jedes Kind jeden Morgen ein gründliches ausgiebiges Bad oder Douche erhalten, während das nun mit der größten Regelmäßigkeit durchgeführt' werden kann und soll. Ebenso muß die kleine Gesellschaft jetzt ruhig und langsam ihre Mahlzeiten einnehmen. denn keine Schulglocke veranlaßt sie zur Ueberstürzung und Eile. Auch an Schlaf mögen nun die heranwachsenden. Menschenkinder, namentlich die zarteren unter ihnen, ein reichliches Maaß genießen, da weder Ausgaben noch Aufregung sie des Abends ode: am Morgen von ihrer zur Gesundheit unbedingt nöthigen Ruhe abhält. Und schließlich wird jede Mutter ihr Haupt sächliches Streben dahin richten, daß die großen und kleinen Schulgängzr als Ersatz für den langen Aufenthalt in geschlossenen Räumen und das unbewegliche Stillsitzen, nun "ihre Lungmflügel in frischer würziger Luft gehör?g ausdehnen und ihre Glieder ungehindert und frei ausstrecken können. Wenn ich von Bewegung, m frischkr
Lust spreche, mrine Ich damit' nicht etwa ein endloses Herumlungern auf den übervölkerten Straßen der Stadt, welches auf die Dauer einen verrohendn Einfluß ausüben muß. sondern vielmehr, daß die Mutter, so oft es nur angeht, ihren Kindern ein kleines Opfer an Geld und ein größeres an Zeit bringen solle. Während die fleißige Frau sonst das ganze Jahr hindurch emsig im Hause und mit der Nadel thätig ist, sei in den Ferien ihre Hauptarbeit die Sorge für ihre Kinder. und Alles andere müßte auf das geringste Maaß eingeschränkt werden. Sind die Eltern nicht in der glücklichen Lage, mit ihren Kindern während der Ferienmonate auf's Land gehen zu können, so findet die Familie doch einen vortrefflichen Ersatz dafür in häufigen Ausflügen zu Wasser und zu Lande und in ausgiebigen Spaziergängen in dn größeren städtischen Parkanlagen. Wie athmen alle menschlichen Wesen freier auf im Anschauen der Natur, und wie glücklich erst sind die unschuldigen Kinder, wenn sie sich gemütblich im Grünen lagern, dort in ungebundener Heiterkeit ihre jugendfrischen' Stimmchen bei Spiel und Gesang erklingen lassen können, und das Alles im Verein mit ihrer lieben Mama. Da in ungezwungener Heiterkeit, wo die Kleinen ihre Wünsche. Gedanken und Gefühle it der Mutter austaufchen, knüpft sich oft in wenizenStunden ein innigeres Band der Liebe und des wahren Verständnisses, als in manchen langen Schulmonaten. Der Verkehr mit der Natur macht große und steine Menschenkinder edler und besser, er kräftigt Körper wie Seele, und gilt darum als das vorzüglichste Bildungs- und Erziehungsmittel. Wenn die Mütter nun ihren Kindern all' die genannten Wohlthaten, wie vernünftige Beschäftigung, Körperpflege, Nahrung,' Schlaf und Naturcenuß reichlich zu Theil werden lassen, dann dürften sie auch mit dem Resultat sicherlich zufrieden sein. Dann werden sie ihre Kinder während der Zxerien-Wochen an Körpergewicht und Wachsthum in körperlicher und ethischer Beziehung mehr gewinnen sehen, als in der ganzen langen Schulzeit. Deshalb hoffen wir in Zukunft ebenso wie Lehrer und Schüler auch alle guten Mütter freudig ausrufen zu hören: Die Ferien sind da!" Mögen, sie auch in diesem Jahre allen, gemeinsarn, vortrefflich bekommen! Die Toiletten einer Weltdame.
In Paris ist eine kleine Schrift erschienen, welche sich mit den Toiletten einer eleganten Weltdame, der Gräfin v. Tavann'es, beschäftigt. Die Gräfin galt um das Jahr 177Q am französischen Hofe als eine der vornehmsten Erscheinungen und war tonangebend' in Sachen der Toilette. Äus den Rechnungen der Lieferanten erhellt, daß die Toiletten der großen Damen der damaligen Zeit nicht geringere Summen verschlangen, als es heutzutage der Fall ist; selbstverständlich ließ dieGräsin nur bei Geschäftsleuten arbeiten, die en vogue waren und sich ihre Toilettenkunstwerke mit schwerem Gelde bezahlen ließen. Die Schneiderin Mademoiselle Alexandre ließ sich beispielsweise für ein silbergesticktes Hofkleid 440 Livres, für eine einfache weiße Hoftoilette 300 Livres - und für die Garnitur eines einfachen Domino 144 Livres bezahlen. Von einem großen Eonfectionär liegt eine Rechnung über gelieferte Stoffe vor, welche nicht weniger als 13,700 Liores ausmacht. Für eine einzige Eoiffüre mit Valenciennesspitzen mußte die Gräfin Tavannes 1600 Livres bezahlen. Geradezu unglaublich klingt eine Rechnung des Parfumeurs, der für Handschuhe, Flacons mit Myrthenwasser und Pomaden, die er in einem Jahre geliefert hat. 1839 Livres verlangt. Auf geringere Beträge lauten die Rechnungen dcsJuweliers, auZ denen übrigens hervorgeht, daß die vornehme Dame es keineswegs verschmähte, falschen Schmuck zu tragen. EZ gab überhaupt viel falschen Glanz im Hause der Gräsin, wo oft Schmalhans Küchenmeister war und man Menüs allereinfachster Sorte aus einer kleinen Winkelkneipe holen ließ. Auch darin ähneln die Verhältnisse von dazumal den heutigen, daß der Gatte der Gräfin oft in Heller Verzweiflung über die ToiletteAusgaben seiner Gemahlin war; er hatte ihr einen Betrag von 10,000 Livres für ihre Toilette ausgeworfen, doch genügte diese für die damaligeZeit enorme Summe keineswegs für 'die Bedürfnisse der Gräfin. , Sie nahm, daher stark ihren Credit in Anspruch und es mangelte nicht an Klagen von Seite . der Geschäftsleute, daß die Zahlungen der Gräfin, mit einer seltenen Unregelmäßigkeit einliefen. Die Leuke wendeten sich dann an den Grasen. welcher seufzend die .Schulden bezahlte. Die Folgen waren dann arge Verstimmungen und Scenen zwischen dem gräflichen Ehepaare, zu denen übrigens noch anderweitige schwere Anlässe vorlagen. ' Schnell fertig. A.: Denkst Du noch manchmal an unsere Studentenjahre, altes Haus? Was für entsetzliche Dummheiten haben wir da gemacht!" B.: Jch möchte Dich , wirklich ersuchen, in der Einzahl zu sprechen!" A.: Gut! Also: WaZ flr entsetzliche Dummheiten hast Du begangen!" Ein guter Kerl. A. (einen Vorübergehenden für einen Bekannten haltend): He, Mayer, alte? Junge, wir haben uns ja schon ein Menschenalter nicht gesehen da müssen wir . gleich eine Flasche miteinander ausstechen!" . B.:,Sie entschuldigen, ich bin zwar nicht der Mayer aber auf lin Glas Wein gehe ich schon mit!- .
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