Indiana Tribüne, Volume 17, Number 283, Indianapolis, Marion County, 1 July 1894 — Page 3
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SaiMiiüenii)eCidj(. Novelle soll rnll ren ilÄenbrnch. (b. fr'orttcfcuna..) Und, war ös denn eiwa ganz imberechtigt? War nicht ihm selbst etwas gewesen, daZ ihn mit Schauder erfüllte, wenn er daran zurückdachte? Immer wieder hörte er eine fürchterliche Stimme, die das Zimmer durchtönte, und das war seine Stimme; der Mensch, der so gebrüllt hatte, war er selbst gewesen. Immer wieder empfand er den Krampf, der plötzlich in seinem Rückenmark losgebrochen war, feine Glieder durchschüttelt, seinen Arm erhoben und seine Fäuste geballt hatte. Es ließ ihn gar nicht los; immer und wieder mußte er sich bis in Einzelne vergegenwärtigen, wie das gekommen, wie ihm dabei zu Muthe gewesen war. Wie wenn etwas von außen über ihn herfiele, so war es gewesen, wie wenn ihn etwas anspränge, sich seiner bemächtigte, eine fremde, furchtbare Gewalt, beinahe wie ein wildes Thier, das jählings in ihn eingedrungen war und aus ihm hervortobte. Dazu diese plötzliche, unbegreifliche Kraft, die er in den Armen gefühlt hatte. Wenn er jetzt den schweren gepolsterten Sessel anschaute, begriff er gar nicht, wie es ihm möglich gewesen war, ihn wie eine Keule emporzuschwingen. Und in dem Augenblick war ihm das mächtige Ding so federleicht erschienen. Unwillkürlich schloß er die Augen. Hatte er nicht gehört und gelesen, daß Menschen in der Tollwuth eiserne Stangen zerbrechen? Was war das gewesen, was ihm die Muskeln so schrecklich gestählt hatte? Brütend saß er in seinem Zimmer und kagte sich nicht Antwort auf das zu geben, was i ihm fragte. So also stand es mit ihm? Und wie viel hatte gefehlt, so hätte er seinen alten Johann niedergeschlagen und todtgeschlagen. Freilich, der Alte hatte ihn gereizt; aber wußte er denn nicht, wie er an ihm hing, treu wie ein Hund? Und er hätte ihn beinahe umgebracht! Und wie hatte der Alte von Anna gesagt? Wenn ein Fräulein kommt und den gnädigen Herrn heirathen will, weil sie reich werden möchte " Hier aber sprang er auf. Das war falsch und gelogen, das wußte er, so weit war er noch vernünftig. Das waren die Gedanken, wie sie in einer Knechtsseele sich zusammenkleistern! Er wußte ja doch, daß er zu ihr gekommen war. nicht sie zu ihm. Mit den Armen griff er in die Luft. Daß sie nur da gewesen wäre in diesem Augenblick.daß er sie an sich hätte preisen können! Denn mächtiger und bestimmter als je zuvor empfand er in diesem Augenblick, daß es nur ein Ziel und eine Rettung für ihn gab, und das war sie, an die er dachte, nach der er verlangte. Anna. Anna, Anna! Wie eine Todesangst erfaßte ihn, der Gedanke, daß sie ihm doch noch entgehen könnte, und mit krampfhafter Ungeduld sah er dem Tage entgegen, da sie Hochzeit machen würden, da sie ihm ganz gehören, immer und allerorts bei ihm und mit ihm sein würde. Das nächste, was er darum zu thun beschloß, war, daß er seine Braut zu seinemSchlosse hinausführte. Sie sollte den Ort kennen Ie;nen, wo sie mit ihm zusammen fein würde, die künftige Heimath. Man befand sich zu Anfang April; der Winter war überstanden, aber noch nicht überwunden, er kämpfte noch mit dem nahenden Frühling. Trotzdem wollte der Baron nicht länger warten. Es mußte etwas geschehen, wodurch Anna körperlich mit dem neuen Dasein verknüpft würde. , und sie selbst hatte Lust dazu. Auch in ihr war ein Bedürfniß, die Umgebung des künftigen Lebens kennen zu lernen; daneben regte sich die Neugier, das schlesische Paradies endlich einmal mit Augen zu sehen. So wurde der Besuch denn für einen der nächsten Tage beschlossen. Mit seinem alten Diener hatte der Baron seit jenem verhängnisvollen Vormittage kein Wort mehr gesprochen; schweigend waren sie umeinander hergegangen; es war wie ein Wassenstillstand zwischen ihnen. . Als er damals seine Wohnung verließ, um zu Anna zu gehen, hatteEberhard von Fahrenwald ernsthaft erwogen, ob er den Alten nicht fortschicken sollte. Es war das erste Mal, daß ihm ) -Der Gedanke kam. ; Er hatte ihn von seinem Vater erk erbt und es bisher wie eine Art von Naturnothwendigkeit empfunden, ihn fortwährend um sich zu haben. An dem Tage zum ersten Mal erbob sich eine Stimme in ihm, die ihm zurief: 'Schick' ihn fort!" Er würde ihm naürlich eine für seine alten Tage ausreicherrde, ja eine glänzende Pension zahle?, aber er wollte ihn los sein. Als er dann aber zu Anna gekommen war, und diese für den Alten gebeten hatte, war sein Entschluß wieder schwankend geworden. Er wcrr sich nun wieder bewußt geworden, daß er gegen den ausdrücklichen letzten Willen seines Vaters handeln würde, wenn er so thäte, und er sagte sich, daß er es doch gewesen war, der durch seine Heftigkeit den widerwärtigen Auftritt verschuldet hatte. Kampf mit sich selbst, das war ja nun einmal die Aufgabe, die ihm vom Schicksal auferlegt worden war. und dazu gehörte, daß er auch den Widerwillen, den unheimlichen, niederkämpfte, der sich in ihm gegen den Alten zu regen begann. Also schwieg er; der alte Johann schwieg auch, und äußerlich schien es, , ' als wäre alles, wie es früher und im- ' mer gewesen war. qctzt, am Tage, bevor er mü Anna uszufahren beschlossen hatte, beftz Baron dem Alten, vorauszut, und das Schloß einigermaßen mpfange vorzubereiten. Die Zim-
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me? sollten gelüftet, in den Oefen und Kaminen sollten Feuer angezündet werden. In den Wegen des Parks, die vom Thauwette: jedenfalls aufgeweicht sein würden, -hieß er ihn Sand aufschütten und an besonders morastigen Stellen Bretter legen. Endlich sollte für ein Frühstück gesorgt werden. Alle diese, Weisungen ertheilte der Baron in kurzem, bestimmten Tone; der alte Johann nahm sie mit schweigender Unterwürfigkeit entgegen; er war in diesem Augenblick nichts weiter, als der demüthige, gehorsame Knecht. Ein grauer, nasser Himmel lag über der Erde, als der Baron am nächsten Morgen mit seinem Wagen bei Anna von Glassner vorfuhr, um sie zum Bahnhofe abzuholen. Als er bei ihr eintrat, stand sie schon reisefertig ihrem grauen Reisemantel da. Lächelnd wickelte er einen Gegenstand, den er in Händen trug, aus dem umhüllenden Papier; es war ein Paar nagelneuer, mit Pelz gefütterter Gummischuhe. Das ist kein Schmuck," sagte er, das darfst Du annehmen, und im Park draußen wird es feucht sein." Sie sah ihm dankbar in's Gesicht. Auch an so etwas denkst Du?" Sie setzte sich, um die Gummischuhe anzulegen, und dabei konnte sie nicht verhindern, daß er ficn auf ein Knie vor ihr niederließ, um ihr beim Anziehen behilflich zu sein. ' Zärtlich drückte er ihre kleinen Füße. Aber Eberhard!" mahnt: sie. Er sprang auf. schloß sie in seine Arme und küßte sie auf den Mund. Komm," sagte trL heute fährst Du als Anna von Glaijner hinaus; das nächste Mal als Anna von Fahrenwalo." Nach einer Eisenbabnsahrt von etwa einer Stunde kamen sie an der kleinen Station an, von der man zum Gute des Barons gelangte. Als der Zug einlief, stand bereits ein grauhaariger Mann mit abgezogenem Hute und gebeugtem Rücken auf dem Bahnsteige; es war der alte Johann. Sieh, wie pünktlich und aufmerksam er ist." flüsterte Anna, mit dem Kopfe nach dem Alten deutend, dem Bräutigam zu. Dieser erwiderte nichts, und als Johann hinzutrat, um dem Fräulein beim Aussteigen behilflich zu sein, verhinderte er, daß er sie berührte. Ist der Wagen da?" fragte er kurz. Der Wagen war da. Jnd5m sie dahin gingen, drückte sie mit leisem Vorwurf den Arm desBräutigams; er war so freundlich und gut, nur dem alten Diener gegenüber tu schien er ihr so barsch. Der Wagen war zugedeckt, weil es vorher geregnet hatte, jetzt aber hatte der Regen aufgehört. Möchtest Du ihn lieber offen haben?" fragte der Baron. O ja," bat sie. Es war ja eine neue Welt, in die sie kam, und die will man doch gern ordentlich sehen können. Also wurde' das Verdeck zurückgeschlagen; im Wagen befanden sich Fußsäcke und Decken; zwei prächtige Rappen stampften an der Deichsel. Der Ueberfluß kam ihr entgegen und breitete beide Arme aus. Nachdem er sie in eine Wagenecke gepackt und sorgfältig in die Decken gewickelt hatte, setzte er sich neben sie; die Pferde zogen an und der Wagen rollte auf die Landstraße hinaus. Wege und Stege trieften von Nässe, in den Feldern rechts und links standen breite Wasserlachen, so daß sie wie Sümpfe aussahen; am Himmel, der kalt und grau wie Stahl war, taumelten die Wolken, vom Aprilwind gejagt, in dicken schwärzlichen Ballen dahin. Alles in allem war es kein freundlicher Empfang. den die neue Welt dem jungen Mädchen bereitete. - Der Baron sah sie von der Seite an und sah, wi: ihr Stumpfnäschen keck und vergnügt aus Hüllen und Decken in die graue Luft ragte. Ist Dir kalt?" fragte er. Nicht im geringsten!" erwiderte sie. Aber schön ist es nicht." Himmlisch." gab sie zur Antwort. Was denkst Du denn? So eine Stadtpflanze, wie ich;, das ist ja die reine Wonne, so über Land zu fahren!" - Er war ganz glücklich und legte den Arm um sie; durch die Decken und Tucher, mit denen er sie umwickelt hatte, war sie aber ganz unförmlich geworden, so daß sein Arm nicht um sie herumreichte. Sie kicherte vor Vergnügen. Siehst Du," sagte sie, wenn Du mich so weiter verwöhnst, . werde ich noch so dick werden, daß Du mich gar nicht mehr umarmen kannst es fängt schon an damit." Er hörte ihrem Geplauder zu. Wie das ihn beglückte, daß sie so zufrieden war! Wie wenig sie brauchte, um zufrieden zu sein! Der Wagen war inzwischen von der Landstraße abgebogen und quer durch's Land gefahren. Jetzt tauchten in einiger Entfernung die kahlen Baumkronen eines weit ausgedehnten Parkes vor ihnen auf. Plötzlich kam Annas Hand unter den Decken hervorgekrochen und erfaßte die Hand des Barons. Eberhard," fragte sie leise, indem sie sich zu ihm hinüberbog, ist es das?" Er sah ihr in's Gesicht. Das ist es," erwiderte er Sie verstummte; ihre Augen wurden groß und ernst. Gefällt es Dir?" fragte er nach einiger Zeit. Es scheint ganz wundervoll," gab sie slüsternd zurück. Dann zeigte sie mit dem Finger nach vorn. . Und das da das ist dasSchloß?" Ueber den Wipfeln des Parks stiegen die Mauern eines großen Gebäudes finster empor. Das ist das Schloß," versetzte er. Dann ergriff er ihre Hand, die langsam niedergesunken war. Gefällt Dir das auch?" - Sie nickte gedankenvoll mit dem
Haupte. Nachdem sie dann ein Weilchen geschwiegen, schmiegte sie sich an ihn. Eberhard," bat sie leise, könnten wir nicht am Park aussteigen und durch den Park zum Schlosse aehn?" . Wäre Dir das lieber?-' fragte er. Sie nickte wieder; sie hätte kaum sagen können, warum, aber es war ihr wirklich lieber. Vielleicht, daß ihr das große düstere Gebäude unwillkürlich einen Schreck einflößte. Der Park öffnete sich in. das umgebende Gelände; weder Mauer noch Zaun schloß ihn ab. , Als jetzt der Wagen die Stelle erreicht hatte, wo die Parkwege sich mit der Fahrstraße kreuzten befahl der Baron, anzuhalten. . " , ( Also komm.fagte er zMnna, wir wollen aus steigernd' zu tLuße gehen." Rasch entledigtZ.sieÄchlihrer Umhüllungen, und auf5seme)and gestützt, sprang sie hinab. Während der Wagen zum Schlosse weiterfuhr, schritten die beiden. Arm in Arnj, in den Park hinein. Ihr Weg führte sie eine Allee entlang, die von hochstämmigen, uralten Buchen gebildet wurde. In den blätterlosen Wipfeln brauste der Wind, der immer stärker angeschwollen und jetzt beinahe zum Sturm geworden war. Die Bäume neigten und beugten sich. die kahlen Aeste schlugen klatschend aneinander, ein Chor von tausend seltsamen Lauten, ein Krachen, Pfeifen und Heulen erfüllte die Luft. Unwillkürlich schloß Anna sich dichter an ihren Begleiter. Zum erstenmal setzte sie den Fuß auf Fahrenwald'schen Grund und Bsen, und es war. als wenn die Geister und Dämonen, welche dieses Gebiet bewohnten, sie begrüßten. Der Baron fühlte ihre ängstliche Bewegung; er sagte sich, daß er sie nun da hatte, wo er sie haben wollte, haben mußte, aber es war wie ein Gefühl des Unrechts in ihm. Er kam sich vor. wie ein Jäger, der in einem fremden Erdtheile ein Wild gefangen und es in seine Heimath geschleppt hat. Wird das fremde Geschöpf sich an die Liest der neuen' Umgebung gewöhnen? In Gedanken verloren, waren sie schweigend fürbaß geschritten. Dann fing Anna an. Siehst Du," sagte sie, nun begreif ich, warum sie Deinen Park das schlesische Paradies nennen; das find' ich so schön, daß der Garten so offen ist; da können die armen, müden Leute, wenn sie von den Feldern draußen kommen, hereintreten und sich unter den schönen schattigen Bäumen erholen." Gefällt es Dir?" fragte er zurück, daS freut mich. Früher, versteht Du, war ein Gitter rings um den Park herum; ich habe es wegnehmen lassen." Das hast Du gethan"
I, sagte er einfach. Sie ruckte an seinem Arm; beide blieben stehen. Eberhard," sagte sie leise, indem sie ihm in die Augen sah, w:ißt Du. was ich glaube? Daß Du der beste, gütigste Mensch bist, den es auf Erden gibt." Er wandte das Haupt zurSeite, als wolle er ihrem Blicke ausweichen. Es gibt Menschen, die es nicht vertragen. fcaft man sich-mit ihnen beschäftigt; vielleicht auch, daß er an den Vormittag zurückdachte, da er nahe daran gewesen war, den alten Johann zu erschlagen, und daß ihr Lob ihm darum ungerechtfertigt erschien er erwiderte nichts und drückte nur hastig ihre Hante. Dann schlang er ibren Arm wieder in den seinen und setzte den Weg mit ihr fort. Von der Allee bogen sie in einenSeiienweg ab, und indem sich nun derPark tief wie ein Wald vor ihr aufthat, fah und empfand Anna erst, wie schön und herrlich er war. O Eberhard," fuhr sie bewundernd heraus, wie muß das alles herrlich sein, wenn es erst Frühling wird und alles in Laub und Blättern steht!" Nun warf er den Arm um sie her; sie fühlte seinen leidenschaftlichenDruck. Meinst Du, daß es schön sein wird? Glaubst Du, daß es Dir gefallen wird? daß Du glücklich sein wirst? Glaubst Du's?" Ja doch, ja gewiß." erwiderte sie, indem sie sich bemühte, ihn den Schreck nicht fühlen zu lassen, den seine plötzliche Leidenschaftlichkeit ihr eingejagt hatte. Dann will. ich Dir etwas sagen," fuhr er fort, indem er sie eng an sich preßte, sprich nie von mir! HörstD? Sag' nie, daß ich gut bin! Von mir, siehst Du, muß nie die Rede sein; das ist mir gerade recht, ist mir das allerliebste! Nur Du bist da, und Du sollst glücklich und zufrieden sein. SiehstDu, ich will 'mal ein Bild brauchen, damit Du's verstehst: Du bist für mich wie die Sonne, und ich bin wie die Erde. Und wenn die Sonne scheint. siehstDu. dann ist die Erde glücklich, daß sie sich um die Sonne drehen kann. Und mehr will ich nicht und brauch' ich nicht. Und darum gibt's für die Sonne nur eine Verpflichtung: nämlich, daß sie da ist und leuchtet, weiter gar nichts. Und nun sag mir, wirst Du daran denken? Und da sein für mich und leuchten? Wirst Du's? Versprichst Du's?" Was blieb ihr anders übrig, als eS zu versprechen? Aber während sie es that,, fühlte sie beklommenen Herzen's, daß es nicht immer leicht sein mochte, nichts weiter als Son-ne" zu sein und immerdar zu leuchten. Indem sie dem Schlosse näher kamen, lichtete sich der Park, das Baumdickicht blieb h'.nter ihnen und derWeg führte an Rasenflächen und Blumenbeeten vorüber. Anna riß sich vom Arm: des Bräutigams los und schlug in die Hände. O herrlich!" rief sie, hier beginnt mein Reich!" Sie lief einige Schritte voraus und achtete nicht darauf, daß ihre Füße in dem aufgeweichten Boden beinahe bis j an die Knöchel einsanken. Zwischen den
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kahlen Blumenbeeten ging sie auf und ab. O Eberhard," rief sie, Eberhard, wie sieht das ner aus! Da bekommt ich .Arbeit! Da bekomme ich Arbeit!" Der Baron war hinter ihr stehen geblieben. Geh' nicht zu weit," warnte er scherzend, Dir ertrinkst mir am Ende noch, .bevor Du an Deine Arbeit kommst." Jauchzend flog sie zu ihm zurück. Blumen gab es also auch hier in dem verwunschenen Hause, und da wo Blumen sind, ist ja auch Licht! Im Augenblick aber, da sie ihm in die Arme fallen wollte, blieb sie jählings stehen. Jetzt erst bemerkte sie, was sie vorhin nicht gesehen hatte, daß sie unmittelbar vor dem Schloß standen. Auf einem Unterbau von mächtigen Granitquadern, der nur von wenigen, engen, vergitterten Fenstern durchbrochen war, erhoben sich zwei Stockwerke, deren jedes zwölf Fenster hatte. Himmelhoch sah es von hier unten aus, die Mauern ganz grau, beinahe schwärzlich, wie angeblakt vom schweren Athem der Jahrhunderte; wie ein Gebirge lag es da,, und obschon keine Sonne am Himmel stand, war es, als wenn es einen schweren Schatten über die Menschen würfe, die schweigend zu ihm ausblickten. Du mußt nicht erschrecken," sagte der Baron, als er in Annas Zügen den Eindruck wahrnahm, den die düstere Behausung in ihr hervorrief, es ist in altes Komtureigebäude, daher . ist es so alt und sieht so sinster aus." Aber weißt Du," erwiderte sie, indem sie sich in seinen dargebotenen Arm hing, wenn Du es mit frischer. Farbe anstreichen ließest, würde es gewiß viel freundlicher aussehen." Er nickte zufrieden. Siehst Du," sagte er, das ist gleich ein vortrefflicher Gedanke. Ich merke schon, es kommt mit Dir ein neuerGeist in's alte. Haus." ' Er führte sie darauf durch eineHalle, die vom Garten nach dem Hofe hindurchging, und als Anna, mit offenem Munde, stehen bleiben und den großen, seltsam ausgeschmückten Raum bewundern wollte, zog er sie weiter. . Komm," mahnte er, es ist kalt hier drin." In dem schwachen Lichte, das durch enge Zensier hereinfiel, hatte sie nur soviel sehen können, daß die Wände von oben bis unten mit Jagdtrophäen und Jagdgeräthen behängen waren. Hirschgeweihe, Wildschweinsköpfe und Kopse von Elenthieren, mit lang herabhängenden Schnauzen, ragten aus den Mauern he?or; das Jagdgeräth und die Waffen schienen uralt zu sein; ein riesiger Kamin, in dem kein Feuer brannte, befand sich in der einen Wand. Sie. traten auf den Hof hinaus, den auf der einen Seite das Schloß, auf der anderen ein Wirtschaftsgebäude umgab, und hier öffnete sich dasThor, das zu den oberen Räumen führte. Durch einen Vorflur, dessen Boden mit Steinfliesen belegt war, und wo rechts und links zwei alte große Bilder an den Wänden hingen, Pferde in Lebensgröße darstellend, die von Stallknechten in der Kleidung des siebzehnten Jahrhunderts aeführt wurden, aelangte man an die Treppe. Es war eine Stiege von altem dunklen Eichenholz, mit so flachen Stufen, daß man das Steigen kaum gewahr wurde. Schwere Geländer liefen zubeiden Seiten hinauf. Anna wußte kaum, wie ihr zuMuth: war, als sie in diese wuchtic, von Jahrhunderten gesammelte und aufgespeicherte Pracht hineinschritt; die Erinnerung an den Abend kam ihr zurück, als sie zum erstenmal in seinem Wagen nach Hause gefahren war. Der Mann an ihrer Seite aber preßte ihren Arm und ließ ihr keine Zeit zum Besinnen. Hast Du gehört," fragte er, indem er sie die Stufen hinaufzog, wie die alte Treppe geknackt hat? Das ist eine gute Vorbedeutung; sie hat die neue Herrin erkannt und sie begrüßt." Stumm drückte sie ihm die Hand, sie hätte so gerne etwas Fröhliches erwidert, aber das fremdartige Neue, das sie umgab, lastete auf ihrer Brust. Es war ein alterthllmlich gebautes und verbautes Haus mit lichtlosenRäumen. Die Treppe mündete in einenFlur, ' der keine Fenster hatte, sondern nur durch eine hoch oben im Dach: angebrachte Glasscheibe so viel Helligkeit empfing, daß man die Gegenstände ringsumher erkennen konnte. Eine schmalere Treppe leitete vom ersten zum zweiten Stockwerke hinauf; der Haupttreppe gegenüber öffnete sich ein Gang, an dessen rechter, nach dem Hofe gelegener Seite , sich eine Reihe kleiner, winklig ineinander geschobener Gemächer befand; die eigentlichen Wohn- und Staatszimmer lagen vom Eintretenden links, durch eine Glasthür'vom Flure getrennt. Als der Baron mit Anna die Treppe bis zum ersten Stock hinaufgestiegen war, öffnete sich di? Glasthür und es erschien eine Gestalt, die Anna, in dem. Dämmer, der sie umgab, kaum zu erkennen vermochte. Es war der alte Johann, der lautlos daran ging, seinem Herrn und dessen Begleiterin dieMäntel abzunehmen. Hinter der Glasthür war noch ein Vorraum, und hier herrschte eine so völlige Dunkelheit, daß Anna nur tap1?end weiter zu schreiten vermochte. Plötzlich aber brach Licht herein. Der Baron hatte eine jlhür geöffnet, die Anna nicht gesehen hatte; an derHand zoa er sie über die Schwelle, und mit einem unwillkürlichen Ah" des Staunens und der Bewunderung stand sie mitten im Zimmer. Ter Raum, der sie umgab, war ein großer, viereckiger' Saal, dessen Decke in gothischen Spitzbogen gewölbt war und dessen Wände von großen, vom ! Fußboden bis an die Decke reichenden
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Bücherschränken eingenommen wurden. Die Schränke waren durch dicke, rothbraun HolZsäulen voneinander getrennt, die kunstvoll, in Gestalt von Palmbaumstämmen ausgeschnitzt waren.' In den Schränken drängte sich eine Masse von Büchern; vom Knäufe der Decke, in dem die Spitzbogen des Gewölbes zusammenliefen, hing ein schwerer, alterthümlicher Kronleuchter herab, und unter dem Kronleuchter, inmitten des Raumes, stand ein Frühstllckstisch, für zwei Menschen zug?richtet. Der Baron trat an den Tisch. Du mußt hungrig geworden sein," sagte er, wollen wir gleich frühstücken?" Anna aber stand in Staunen befangen und erstarrt. Nachher," erwiderte sie auf die Einladung des Barons, erst muß ich mir das alles ansehen. Das ist ja zu merkwürdig!" Sie ging von Schrank zu Schrank, sie befühlte mit den Händen die geschnitzten Säulen und sah erst jetzt, welche Fülle erfinderischer Kunst dahineingelegt war. An den Palmen klctterten, in Holz geschnitzt. Affen, Leoparden und andere fremdartige Thiere aus; in den Wipfeln, die sich unter der Deckenwölbung ausbreiteten, sah man Papageien und andere Vögel sich wiegen. Wie wundervoll," sprach sie staunend vor sich hin, wie wundervoll." Der Baron verfolgte schweigend ihr Umherwandern. Das ist Holzschnitzerei aus dem Anfange des siebzehntenJahrhunderts," erklärte er. Aus dem Anfange des siebzehnten Jahrhunderts Anna blieb stehen und sah zu ihm hinüber. Das war ja ein königliches Besitzthum und in dem sollte sie gebieten? Sie, das dürftige Gewächschen des neunzehnten Jahrhunderts? Sie trat vor den Kamin, in dem ein Feuer von, mächtigen Holzscheiten prasselte; dann ging sie an die Fenster und bemerkte, daß sie auf denPark hinausgingen und daß sie sich hier am Ende der'Schloßfornt befand. Zu ihrer Rechten war die Thür geöffnet, durch die man in die anstoßenden Gemächer blickte. Die Thüren all dieser Zimmer standen osfen, so daß sich der Blick in einer schier endlosen Flucht von Räumen verlor, aus denen ein unbestimmtes Leuchten und Glänzen zu ihr drang. Sie ahnte, daß in allen diesen Gemächern eine gleiche Pracht wie in diesem ersten herrschen mochte. Stärker als Hunger und Durst war die Neugier. O Eberhard," sagte sie leise, indem sie die Hände zusammenlegte, thu mir's zuliebe, zeig' mir das alles erst. Frühstücken können wir ja nachher." Er war bereit, und an seiner Seite ging sie nun über den spiegelglatten Parketboden in das nächste Zimmer und von da weiter. Die Räume waren, wie man das in alten Häusern findet, launenhaft unsymmetrisch gebaut; bald in Form von langen, schmalen Gängen, bald zu tiefen Gelassen ausgeweitet. Allen gemeinsam aber war die reiche Pracht der Ausstattung. Ein alterthümlichcr schwerer Prunk herrschte in dem Mobiliar. Tiefrückige Sofas, mit vergoldeten, in Löwenköpfen auslausenden Armlehnen; Lehnstühle von schwarzem Ebenholz; dazwischen, einer jüngeren Epoche entstammend, kleine, Stühle von zartem, vergoldetem Holz und Rohrgeflecht. Dunkelrother Sammet in dem einen, dunkelblauer Sammet in dem nächsten Zimmer, dann wieder Polster von goldgepreßtemSeidenstoff. An den Wänden großeSpiegel in massiv goldenen oder silbernen Rahmen und eine Fülle von Bildern. Unter diesen, die sämmtlich von alte ren Meistern herrührten, vielfach he?vorragende Werke; wie denn überhaupt die ganze Ausschmückung der Räume den Eindruck erweckte, daß ein hochentwickelte? Kunst- und 'Schönheitssinn zur geistigen Erbschaft der Fahrenwalds gehörte. ' Am liebsten 'wäre Anna vor jedem einzelnen Bilde stehen geblieben; aber dann hätte sie bis zum Abend stehen können, und heut Abend wollten sie doch wieder in Breslau zurück sein. Darum ließ sie sich von ihrem Begleiter weiterführen, und nur in einem der Gemächer machte sie unwillkürlich vor den Gemälden Halt. Es war dies ein gangartiger Raum, ungefähr wie eine Galerie. Auf der Tapete von dickem, purpurroth gefärbten Leder hing eine Reihe von Porträts, Männer und Frauen darstellend, of fenbar die hauptsächlichsten Vertreter des Geschlechts. Aus dem sechzehnten Jahrhundert kamen sie hervor und gingen bis in die Neuzeit, eine gemalte Chronik der walldelnden Tracht und Kultur. Die Auaen des jungen Weibes haftcten an den Kleidungen, daneben aber beschäftigte es sie, den stark hervortretenden Zug - von Familienähnlichkeit wahrzunehmen, der die Gesichter innerlich verband. Lauter edle, fein ausgearbeitete Physiognomien, mit bleichenZugen und dunklen, schwermuthigen'Augen, eine Reihe von Menschen, von denen der vorhergehende immer dem nachfolgenden die schwere Bürde des Lebens auf die Schultern zu legen fchien. froh, daß er sie nicht länger zu schleppen brauchte. Annas Blicke gingen zu Eberhard hinüber, dem letztcn Fahrenwald, der mit offenbarer Ungeduld an derThür zum nächsten Zimmer ihrer wartete, und sie stellte fest, daß sein Aeußeres ihn als echten Nachkommen seinerVorfahren verkündete. Als sie seine Ungeduld bemerkte, riß sie sich los, um ihm zu folgen, an der Thür zum Nebenzimmer aber hing ein Bild, das ihre Schritte wider ihren. (YilfTM 'Will fc'UHUiS , .1.
Ein alter, 'weißhaariger Mann, 'in
langem schwarzem Rock, über den am Hale ern breiter, spanischer Spitzen kragen fiel, saß an einem Tiscye, auf dem sich Phwlen, Retorten und all die Gerathc befanden, wie sie vo: Zeiten die Alchimisten gebraucht hatten. Das aber, was den Beschauer an das Bild fesselte, waren die Augen des alten Mannes; dieseAugen waren IchreSlich. Stier und starr, mit eiser Wuth :m Ausdruck, die lebendig geblieben zu sein schien, nachdem der Körper des Mannes längst imGrabe zerfallen war. bohrten ue aus der Lemwand hervor. Während Anna sprachlos vor dem Gemälde stand, trat der Baron zu ihr heran und faßte sie, beinahe heftig, am Arm. Komm fort," sagte er. Der Ton seiner Stimme war rauh, wie nie zuvor. Bon dem unheimlichen Anblick gefesselt, stand sie noch immer. Jetzt wandte er sich nach der Thür, durch welche sie in die Galerie eingetreten waren. Hatte ich Dir nicht besohlen, das Bild fortzunehmen?" , Sie drehte den Kopf zu wem sprach er? In der Thur stand der alte Johann, der. wie es schien, lautlos hinter ihnen drein gekommen war. (Bit sah, wle er langsam den Kops vorstreckte und die Augen auf den Baron richtete. Gnädiger Herr." sagte er, haben nichts davon befohlen." In dem Augenblick fühlte Anna, deren Arm in dem des Barons lag, wie ein Zucken durch dessen Korper ging. Seme Gestalt reckte sich rn allen Gelenken, fo daß er Anna um mehr als Kopfeslänge überragte. Wenn ich's also wirklich noch nicht besohlen haben sollte." fuhr er fort, indem er über sie hinweg sprach, so besehr ich es jetzt. Das Bild kommt fort von der Wand! Gleich auf der Stelle! Jetzt!" Nun kam der alte Diener, immer den Kopf vorgestreckt, und immer die Augen auf seinen Herrn gerichtet, zwei Schritte näher. Das soll fort? Das Bild von dem alten Herrn?" Ja hast Du Mich nicht verstanden?" erwiderte der Baron.und seine Stimme rollte dumpf empor. Wohin soll ichs denn bringen?" Der Baron überlegte einen Augenblick. Oben hinauf," befahl er dann, in die grüne Kammer." In den Augen des alten Dieners zuckte ein grelles Licht auf; es sah aus, als traute er seinen Ohren nicht. Das Bild " fragte er. beinah drohenden Tones, von hier fort? in die grüne Kammer?" Und jetzt geschah etwas, das Anna mit eisigem Schreck überlief; von dem Mann an ihrer Seite, von dessen Mund sie bisher nur Töne sanftester Güte vernommen hatte, kam plötzlich ein unbeschreibbarer Laut. Wenn Dir das also nicht paßt," schrie er, dann also anders: auf den Boden mit dem Bild!" Der alte Johann erwiderte nichts, rührte sich aber auch nicht vom Fleck, nur sein Mund that sich halb auf, daß man die langen Zähne darin fah. In der Brust des Barons stieg etwas herauf, gurgelnd und rauschend, wie eine steigende Fluth. Auf den Boden damit, hast Du mich gehört?" Diesmal schrie er nicht, er brüllte. Anna blickte auf; sein Gesicht war verzerrt. Ein furchtbares Entsetzen überkam . Eberhard!" kreischte sie auf. Als er den Schrei vernahm, senkte er den Blick zu ihr. Sie stand leichenblaß, mit schlotternden Gliedern, die Hände wie flehend und zugleich wie abwehrend erhoben. In dem Augenblick war es, als knickte sein aufgestraffter Körper in sich zusammen, die lodernde Wuth in seinen Augen erlosch, um einem maßlosen Erschrecken zu weichen, und mit einem dumpfen o mein Gott!" schlang er beide Arme um sie, riß sie an seine Brust, und so, indem er sie an sich gepreßt hielt, zog er sie aus der Galerie in das anstoßendeGemach, wo er sie auf das Sofa niedersinken ließ. Sobald sie Platz genommen, sank er knieend zu ihren Füßen, das Haupt in ihren Schoß gedrückt, die Hände um sie gelegt, als fürchtete er, daß sie aufjpringen und entfliehen würde. Daran aber hätte Anna wohl kaum gedacht, sie fühlte sich von dem eben erlebten Schreck ganz kraftlos und gebrochen. Sie mußte die Zähne aufernanderpressen, damit sie nicht klappernd zusammenschlugen, ihre Glieder zitterten wie im Frost. Als der Baron das Beben ihres Leibe's verspürte, hob er das Gesicht zu ihr auf. Aengstige Dich nicht flehte tt ängstige Dich nicht" Aber er sah ihre Augen mit stum--mem Grauen auf sich gerichtet. ' Es war ja um Deinetwillen, daß ich so heftig wurde." fuhr er fort, weil ich sah, daß das Bild Dich erschrerkte." -Und als sie noch immer nicht im stände war, ein Wort zu erwidern, drückte er das Haupt wieder in ihren Schoß und schüttelte es und faßte sie fester mit den Händen. Geh' nicht von mir!" stöhnte er, verlaß mich nicht!" Bei diesem Worte wurde ihr wieder weich und warm. Schweigend breitete sie die Arme um ihn her, senkte das Gesicht auf sein Haupt und einStrom von Thränen, der lautlos aus ihren Augen brach, verkündete, daß das Eis geschmolzen war, das sich für einen Moment um ihre Seele gelegt und. sie von ihm getrennt hatte. (Fortsetzung Zolgt.)
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Es hatte b:i Frau Stein LogiZ Herr Wecke; dieser Äecke Glaubt', daß er liebgefeit und nie ' Der Lieb' die Waffen strecke. .i Cousine jung besucht Frau Stein; . Herr Wecke sah die Kecke, Und als sie ging, da brachte er Sie heimwärts eine Strecke. 23ald kam sie wieder, fand, daß er ' Das Herz am rechten Flecke Sie legte Bresche; stets bracht' er : Nach Haus sie eine Strecke. ; Natürlich hat capitulirt Der reckenhafte Wecke: Es kam zum Heirathsantrag, und So bracht' sie ihn zur Strecke". . -Tcr Zuckcrhut. Herr Thcobald Müller kam air einem schönen Morgen, nachdem er einige Geschäftsgänge besorgt hatte, in. ein Gasthaus.in dessen Nebenlokal eine Versteigerung vorgenommen wurde. Wie er hörte, handelte es sich um nicht abgeholte Gewinnste aus einer Wohlthatigkeltslotterie. Eben kam ein Zuckerhut zum Aufwurf. Halt," dachte sich Muller, den steigere ich! Meine Frau ist ohnedies über das etwas mager ausgefallene Geburtstagsgcschenk noch immer gekränkt; ein folches Nachtragsgeschenk wird sie wieder versöhnen um so mehr, als ich eS hier auch sehr billig bekommen werde! Mit Feuereiser betheiligte er sich sofort an dem Steigern, so daß er schließlich, als er den Zuckerhut etlichen hartnäckigen Eonkurrenten abqejagt hatte, mit einigem Schrecken be-
merkte, er habe ihn welt theurer erstanden.als die Waare in einem Kaufladen gewesen wäre. Mißmuthig über sich selbst, schleppte er die theure" Last nach Hause, wo ihn seine Gattin, welche eben die Sonntagskleider gereinigt hatte, mit zorngeröthetem Gesicht empfing. Dcr sieh' 'mal," rief sie, wie Du das Geld zum Fenster hinauswirsst; diesesLoos habe ich in Deiner Rocktasche gefunden weißt Du denn sonst nichts zu kaufen, als solchen Unsinn!" Nur mit Mühe gelang es ihm, ihren Redefluß mit dem Zuckerhut zu dämmen und sie einigermaßen durch die Vetheuerung zu versöhnen, daß er ihn spottbillig erstanden. Während sis ihre süße Beute nach der Küche trug, fiel ihm aber plötzlich ein, daß ja das Loos, auf welches er ganz vergessen hatte, schon längst gezogen sein müsse. 6r suchte in der Zeitung nach richtig, da stand's ja: die Ziehung sei vor vierzehn Tagen gewesen und die nicht abgeholten Gewinnste würden heute zu Gunsten der Vereins lasse versteigert. Mit jähem Schreck lief er zu dem Pereinskassirer, um zu erfahren, ob und was er etwa gewonnen habe. Das wissen Sie noch nicht?" lächelte Jener. Sie Glückskind! Eilen Sie nur schnell! Sie haben einen prächtigen Zuckerhut gewonnen!" O,ich Esel!" rief da Müller, sa habe ich also mzi . nen eigenen Gewinn ersteigert."
Vll:.' Sonntagsruhe. Vater, Mutter läßt Dir fragen,ob De noch nich bald mit's Spielen fertigbist. Komm doch man, det Essen wird ja kalt." Ick passe!" So. so!" Wie heißt er denn?" Schellen!" Herzen!" Picus, der Buntspecht!" Passe!" Jrau sticht!" Zater. Mutter " Mutter soll mit's Essen warten, bis ick komme. Na, wodruff warfst denn noch?!" Usf Dir." Jeh, rath ick Dir!" Der Knabe schlich sich von bannen, während Vater" den neunten Schoppen bestellte. Als der Kleine nach einer Stunde zurückkehrte, hatte Vater bereits den sechsten Bierskat verloren und verlangte mit lallen--der Zunge von seinen Mitspielenden, daß sie weiter spielten. Ju ju junge, se jeh mal ruff uu sa sage Muttern, da daß ick daß sie mir drei drei Märker runner--schicken soll." Drei Mark? Wofor denn. Vater?" Det jeht Di Dir: nischt nich an. Je jeh, sag' ick. Dir!"- Abermals verließ 'das Kind die Kneipe, ohne daß sein VaterMienemachte, mitzugehen. ' Schon nach zehn Minuten aber erschien er wieder und brachte for Vätern" die Futterration mit Muttern) Erklärung: Jeld is nich!" Auf einem Zettel, der sich auf dem Deckel des Futterkorbes" befcrnd, standen folgende Worte: Selbst ein Brunnen schöpft sich aus Dieses ist der letzte schmaus. ' Semverndem. Haben Sie: schon von dem großen Unglück gehört. das die alte Löwm. in der Schulze'scheu Menagerie angerichtet hat?" Eine Löwin?! Sonderbar! Die Löwinnen sind doch un Allgemeinen nicht o bösartig!" Nun, es wrrd wohl eine Löwen - Schwiegermutter geweseu sew!" Lebens gefährliche S i tuation. Mein Gott, Herr Mül. . ler, wie sehen Sie denn aus?" Gestern Harmonie - Kränzchen gewesen vierzig Damen, fünf Herren. Die an deren vier liegen noch im Gipsver' band! AusdenBerichteeinesMissionärs. Das Menschensleischfressen wollen sie zwar Zimmer, noch nicht lassen, aber sie gebrauche' doch dabei schon Messer und Gabel." Ein Sckwerenötber. Lieutenant: Ach, wenn ich gewußt hätte, Fräulein, daß Sie im heutigen Lustspiel so lachen werden; (ei Gott, ich hätt' es geschrieben! ., . j
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