Indiana Tribüne, Volume 17, Number 283, Indianapolis, Marion County, 1 July 1894 — Page 2
Merkwürdige Rettung.
Ja, sehn Sie mal, lieber Herr Dokioi! meint: kürzlich mein alter braver Leibschuster Pechhose, da reden dw Leute nun immer von dem ewigen Dalles und wie der die Menschen schließlich Dollständig herunterbringen und in Verzweiflung stürzen kann; und das 'Tnaa. jawohl denn auch theilweise wahr sein. Mir selbst hat aber der Dalles thatsächlich mal das Leben gerettet und darum bin ich ihm ewig dankbar und lasse nichts mehr auf ihn kommen, so sehr ich auch, wie Sie wissen, permaTrent darunter zu leiden habe. Ich hatte nämlich es sind nun etwa drei Jahre her mal gar f:in Geld mehr, absolut kein Geld. Versatzaeg?nstände besaß ich auch nicht Va geringsten und Arbeit hatte ich gar keine; da sagte ich mir sehr einfach: 'Was willst Du noch hier aus der Welt, Pechhose? Mach', daß Du in ein besseres Jenseits hinüberkommst! Geleaen ist so wie so nicht viel an Dir, Frau und Kind hast Du nicht, Schuster, gibt es außerdem mehr wie genug, also " . Gesagt, gethan! Ich gehe also, da es hier in unserer Gegend kein genüaend tiefes Wasser gibt und ich keine Mittel hatte, um mir einen Strick, geschweige denn einen Revolver zu kaufen, binaus vor die Stadt, drt wo der Eisenbahndamm entlang geht, und denk: so bei mir: Wirst Dich einfach auf die Schienen legen, da wird Dir die Sache billia und dauerhaft besorgt! Schön! Gleich hinter dem ersten Bahnwärterhäuschen, aber doch weit genug, daß ich von dort aus nicht geseben werden kann, klettere ich also auf -den Bahndamm hinauf, und da ich wußte, daß der Schnellzug (denn einen solchen hatte ich mir für meinen Zweck ausaesucht, da ich den Bummelzügen nicht recht traue) erst in ungefähr einer balbenStunde kommen würde, so fange ich sachte an, Toilette zu machen, indem ich mir fein säuberlich meine Stiefel, 'die noch ziemlich neu waren, auszieh: und mir auch den Gummikragen abknüpfe, denn dieser hätte ja beim Ueberfahren über den' Hals nur hinderlich sein können. Kaum bin ich aber mit dieser Beschäftizung fertig, da kommt plötzlich um die Biegung des Bahndammes ein Kerl mit einer rothen Laterne angeflitzt es war natürlicherweise pechschwarze Nacht), stürzt, als er mich erblickt, wüiljend auf mich zu und schreit mich an, was ich hier auf den Schienen zu thun l'ditt. Ach, lieber Herr Bahnwächter," sage ich (denn ein solcher war es) nehmen Sie's doch nur nicht weiter übel, ich wollte mich hier nur ein kleines Bisrijen umbringen! Was?"" brüllt der grobe Mensch mich sofort an, hier auf meiner Strecke und noch dazu mitten in der Nacht? Wissen Sie denn nicht, daß das absolut nicht gestattet ist?"" Ach ja," sage ich, das weiß ich jawohl; aber am hellen Tage war mir die Sache doch gar zu genirlich und es cieht mir doch so sehr schlecht. Lassen Sie mich doch nur ruhig gewähren!" Aber mit dem gestrengenBeamten schien vartout nichts anzufangen zu sein. Unsinn!"" schrie er mich an, da könnte ja Jeder kommen! So'ne Geschichten wollen wir hier nur garnicht erst anfangen!"" Und dann, nachdem er sich einen Augenblick besonnen hatte, meinte er in einem etwas herzlicheren Tone: Geht es Ihnen denn wirklich so schlecht?"" Ganz über alle- menschlichen Bearisfe!" erwiderte ich in der stillen Hoffnung, daß er vielleicht doch noch ein Einsehen mit mir haben würde. Hm! und Geld haben Sie absolut nicht mehr? Nicht wenigstens noch 2 3 Mark?"" Nein, nicht einen einuaen halben Nickel!" Da wurde er auf einmal wieder puderroth vor Entrüstung und schnauzte mich folgendermaßen an: So? Und wer foll denn die Geschichte hier nachher wieder rein maeben?! Glauben Sie etwa, Unsereins bätte weiter nichts zu thun, als ander Leuten nachzukramen?! Und noch daZI u ohne irgend ein Trinkgeld zu kricaen?! Sofort scheeren Sie sich nach Hause. Sie Schnorrer! Versteh' Sit mich?"" Sehn Sie wohl, lieber Herr Doktor, und so wurde denn nichts aus der Sache. Wie aber das Schicksal manchmal spielt. Als ich nämlich nach Hause kam. da fand ich schon ein Paar 'tiesel zum Vorschuhen vor und hatte also sogleich wieder Arbeit. Nun. das war ja hübsch, lieber Meister!" entgegnete ich erfreut; nicht wahr, und da bekamen Sie sofort neuen Lebensmuth?" Ja. allerdings Herr Doktor! Leider waren das aber Ihre eigenen Stiefel, die Sie mir bis heute noch nicht bezahlt baben! Vielleicht bealeichm Sie jetzt, nachdem ich Ihnen meine Geschickte erzählt habe, die kleine Rechnung?!" ! I m B n ch l a d e n. Dienst Mädchen: Einrn Liebesbr'fsteller möcht' ich." Eommis: Zu zwei Mark?" Dienstmädchen: Nein, billiger lange wd's mit dem k?ch nicht dauern!" Kasernenhofblüthe. Ilnterossicier zu Tümpelmeyer, der be! Rumpf vorwärts-rückwärts beugen" wenig Biegsamkeit zeigt: 'KreuzschockMillionen - Element, Du plumpes Nashorn, gegen Dich ist ja die Siegesfaule der reine Gummischlauch!" Ihre Wünsche. Erster Vagabund: Wenn ich mir was wünschen dürst', möcht' ich ein Commercienrath sein." Zweiter Vagabund: Und ich n Graf." Dritter Vagabund: Uri A a SHnapshä'Mer." -- '
Cm Stiindälcn im Atelier.
Humoreske von Max Mir. 'raus, 'raus! Es ist die höchste Zeit! Heute wird die große Luft gestrichen!" Mit diesen Worten sprang der junge Maler Krapplack aus dem Bette. Während er sich hastig und ziemlich sorglos ankleidete, genoß er das Frühstück, welches die Wirten bereits hin gestellt hatte. Kaum eine Viertelstunde und er war auf der Straße und steuerte der Akademie zu. Der Ueberzieher, den er nur lose über die Schultern gehängt hatte, flog nur so hinter ihm her. Die große Lust, welche heute seine Segel so besonders schwellen machte, ist nicht nur räumlich die Hauptsache dieses für die internationale Mllnchener Ausstellung bestimmten Bildes, sie soll, auch denen Hauptwirkung abgeben. Noch nie hatte er sich an eine Leinwand von solchem Umfang gewagt. Einen Blick der Befriedigung warf er, als er nun vor seinem Werke stand, auf die Untermalung. Dann schleudcrte er Hut und Stock auf einen Stuhl und stürzte sich, wie einer, der Großes im Sinne hat. auf sein ArbeitZzeug. Um gar nicht aufgehalten zu sein, hatte er sich gestern schon alles sorgfältig vorbereitet. Eine Palette, würdig der Faust eines Kyklopen. und Pinsel, groß genug, um allenfalls ein Haus damit zu tünchen. Kaum konnte er es abwarten, bis die Palette mit all' den schönen Farben besetzt war, die so saftig aus den Tuben hervorquollen und die man ja nur an die richtige Stelle zu bringen braucht, um das schönste Bild zu schaffen. Nun kann's losgehen," rief er sich zu. Alle? Anfang ist. lustig! Heiliger Asphalt! Steh' mir bei, daß ich die Luft so herauskriege, wie sie mir vorschwebt: ein heiterer Himmel mit leichten Wolken. Nur heute keine Störung!" Und flugs war er an der Thür und schloß sich ein. Wer eine Ahnung davon hat, was es heißt, so eine große Luft zu malen, wird es begreiflich finden, daß Krapplack in einiger Aufregung war. Da gilt es schaffen und wurzeln"! Denn in einem Ruck muß sie 'runter gestrichen werden Naß in Naß wenn's was Rechtes werden soll. Da kann jeder dumme Zufall, jede kleine Unterbrechung der ganzen Sache verderblich werden. Wie oft war ihm dergleichen schon begegnet! Kaum hatte er die Palette ergriffen, da fiel ihm ein, er sollte ja heute Bescheid darüber erhalten, ob ein kleineres, im Kunstverein der Stadt Berlin ausgestelltes Bild zur Verloosung angekauft sei. Bescheid und Geld Geld! Ach, er hatte es ja so nöthig! Morgen, bedachte er, ist der Erste und so mancherlei zu bezahlen! Und noch eins fiel ihm ein: könnte nicht der Commercienrath Müller heute kommen? Und Klara? Augenblicklich wieder aufgemacht! Ach, wollten sich doch die Hoffnungen verwirklichen, die er auf fein Bild in der Berliner Ausstellung gesetzt hat. Dann träte er stolz vor den Commercienrath und bäte um die Hand seiner Tochter. Aber leider, leider! So weit war er noch lange nicht. Also, frisch an's Werk! Und mit einer wahren Wuth griff er wieder zu Pinsel und Palette. Große Massen Farbe brachte er auf die Leinwand. Hin und wieder benlltzte er statt des Pinsels die Spachtel, wie ein Maurer, der mit der Kelle den Kalkverputz an die Wand wirft und glatt streicht. Bei dieser Manipulation fiel ihm ein großer Klecks Farbe zu Boden. Hahaha," lachte er, Lessing, großer Mann! Wie recht hattest du: Auf dem langen Wege aus dem Auge, durch den Arm, in den Pinsel, wieviel geht da verloren!" Aber der moderne Künstler ist ökonomisch!" Und indem er die Farbe vom Boden mit der Spachtel wieder aufnahm, strich er sie gegen seine Bildfläche. Die Zufälligkeiten, die aus den Formen des Fleckes entstanden, benutzte er geschickt und machte eine Wolke daraus. So arbeitete er eine Weile rüstig und fröhlich fort und vertiefte sich , dergestalt in sein Schassen, daß er ein wieverholtes Klopfen an der Thür gar nicht vernahm. Auch das Eintreten eines alten Weibes vermochte ihn nicht hinter seinem Bilde hervorzulocken. Brauchen Sie kein Modell?" fragte sie. Nein!"Der Akadcmiediener Herr Schlauöitz schickt mich." ..Sehen Sie nicht, daß ich Landschaften male?" Ack, malen Sie mich doch hinein, ich habe nichts zu thun." Ich sage Ihnen ja, Landschafter brauchen kein Modell! Aber " .Aber nun machen Sie, daß Sie hinauskommen!" unterbrach er sie erzürnt und brachte sie. trotz ihresWiderstreben und Rallonniretts, vor di Thür. Na. der -Tag fängt gut an. Ein altes Weib am frühen Morgen schlechte Vorbedeutung! Und als sollte sich dieser Aberglau ben bewahrheiten, klopfte es nach we niaen Minuten wieder, und, ohne erst das Herein" abzuwarten, trat der Akademiediener Schlaubltz in das Ate lier. Guten Morgen, Herr Krapplack! Ich habe hier ein paar Quittungen. So? Habe heute keinen Augenblick Zeit Da ist zuerst mal eine für Ateliermiethe. Sehr angenehm!" Um es hinter dem Bilde bervor.
Dann hier eine für Heizung " fuhr
der Diener unbekümmert fort. Genug, genug!" Und hier: Beitrag für den Kunstlerverein und für die Genossenschaft." Mein werther Herr Schlaubltz, verschonen Sie mich nur heute. Sie können doch nicht verlangen, daß ich meinen eisernenGeldschrank immer mit mir herumschleppe! Kommsn Sie diesc? Tage wieder." Schon. Herr Krapplack!" Aber anstatt sich zu trollen, trat er mit der Miene eines Kenners d.icht hinter den Maler. Eine historische Landschaft. sehr schön! Das wird Effekt machen auf der -Ausstellung. Wenn ich" Maler wäre, mochte ich nicht daneben bangen, das schlägt alles! Und wie flink es bei Ihnen geht! Dazu gehört aber auch eine leichte Hand. Ich könnte das nicht und wenn mir gleich einer hun der! Mark auf den Tisch legte." Krapplack, den dies Gewasch hinter sich unerträglich dünkte, trat -jetzt plötzlich zurück, wie um sein Werk zu überschauen; in Wahrheit aber, um. den Schwatzer empfindlich auf die Fuize zu treten. Diese oft geübte Kriegslist g:gen lästige Kunstfreunde hals auch diesmal, .verr Schlauöik entfernt: sich humpelnd, mehr noch in seinen Hübneraugen als in seinem Kunstinteresse verletzt. . Schon wieder eine Viertelstunde verloren! Wie bald," seufzte er mit tragikomischem Pathos, wie bald it nichts gethan! Das soll nun einen h:iteren Himmel geben, wenn tVs Barometer der Rechnungen auf Sturm und Gewitter steht heiliger Asphalt! da klopft es ja schon wieder! Hoffentlich der Bote vom Kunstverein. Der käme wie gerufen." Doch seine frohe Hoffnung verwandelte sich schnell in Enttäuschung, al er seinen Ateliernachbar eintreten sah. Der Genremaler von Flunkerstein, ein echtes Kind der Reichshauptstadt, galt, allgemein für ein talentvolles Huhn". Diesen Ruf wüßte er sich sehr geflickt dadurch zu erhalten, daß er niemals etwas fertig machte und niemals etwas ausstellte. So bekam man nie etwas Schlechtes von ihm zu sehen. In seinem Atelier konnte man einige geniale Entwürfe bewundern, die er vor Jaaren gemalt hatte. Jetzt arbeitete er nur, wenn sein Genius ihm winkte", und dies geschah nicht allzu oft. Er war stets auf dem Sprunge der Neuigkeitskrämer der Akademie. Wenn er selbst keinen Schaffensdrang fühlte, so verdroß es ihn, andere flott bei der Arbeit zu sehen, und es gelang ihm leider fast immer, auch ihnen die Lust zu' rauben. Morjen. lieber Krapplack!" grüßte er gemüthlich in der weichen Mundart seiner Vaterstadt, na, wie jeht's dir denn?" Guten Morgen!" erwiderte dieser so freundlich, als er fertig bringen konnte, den Gruß. Sieht man dich auch mal wieder hier?" Und denke dir mein Pech! Habe mir heute Modell bestellt für meine Waldnymphe will feste malen, und da muß ja ausjerechnet jrade heute Scheuerfest bei mir sein. Mein Atelier schwimmt man so. Kannst Wasserstudien da machen. Na, denke ich. da willst du mal Atelierbesuche machen. So bringst du deine Zeit 'rum bis Mittag. Findest du das nicht sehr praktisch?" Die Interpunktion, dieser Rede bildeten Rauchwolken, die er aus einer türkischen Tabakspfeife stieß, das ganze Atelier war im Nu davon erfüllt. Sag' mal. Flunkerstein, du willst mir wohl Naturwolken für meine Luft vormachen? Aber ich kann nur ganz leichte gebrauchen. Bitte, nimm lieber eine von meinen Cigarren, mit denen bringst du das schon besser zu Stande." Warum nicht? Wenn ich dir damit einen Jefallen thun. kann von Herzen jerne!" Und, die. erbeutete Cigarre im Munde, warf er sich ohne Umstände auf das Sofa. Krapplack hätte ihn am liebsten auf eine Studienreise in das Pfefferland geschickt, aber als wohlerzogener junger Mann durfte er ihm seinen Unmuth nicht merken lassen und bat nur höslich um die Erlaubniß,' weiter arbeiten zu dürfen. Um Himmelswillen, laß dich nur Nicht stören! Leiste dir ja jerne Jesellschafi denVormittag über aber man muß nie einen Collejen aufhalten thue das nie!" Na. wenn du erlaubst " Was ich sagen wollte hast du Nicht ein Streichholz? Gewiß, gewiß!" Krapplack kochte innerlich vor Wuth. Doch half es nichts, er , mußte hinter das Bild laufen, wo die Schwedenschachte! auf einem Tische lag. Dort machte er, den Blicken seines Quälgeistes entzogen, sewem Herzen :n schreck lichen Grimassen Luft, um im nächsten Augenblick wieder mit Europens über tünchter Höflichkeit seinem Gaste Feuer ZU reichen. Was ich sagen wollte könnte heute nischt machen fühle es mein Jenius winkt mrr' Nlch. Bm auch zu früh aufjestanden mein Alter wollte mich schon um acht aus denPo sen holen. Na, dem hab' ich aber je dient!" Wieso?" Ich sagte zu ihm, Vater, sagt' ich, das wahre Wesen der Kunst ist Ruhe!" Aha!" drehte sich Krapplack leicht gegen den auf dem Sofa behaglich sich Streckenden, und nun pflegst du das wahre Wesen der Kunst hier weiter? Jewiß! Das viele Pinseln und Sichplacken ist es nicht, was denKunst ler macht, sondern die Empfindung 1 ?ch..dieS5n.iasie.. Wenn ich so da
liege, so schweben mir die jroßartigsien Compositioncn. die schönsten Bilder vor. Dann fühle ich es, daß ich ein jroßer Maler bin, auch ohne meine Jedanken auf Leinwand in Oel umzu-
setzen. In demselben Sinne äußert sich Lessing in Emilia Galotti. Da laßt er den Maler Conti behaupten. daß Rafael auch ohne Arme der jrößte Maler jewesen wäre. Oder meinen Sie nicht, mein Prmz? wandte er sich, einen beliebten Mimen des Schauspielhauses nachahmend, seinem Collegen zu. Hahaha! Schade, daß du mcht ohne Arme geboren wurdest. Nun sollst du es erst beweisen, daß du ein großer Maler bist, und das ist etwas umständlich." Krapplack war in Verzweiflung. Da fiel ihm etwas ein, wodurch er den Schwäker unschädlich machen, vielleicht gar loswerden könnte. Er ergriff einen Haufen Studien und legte sie ihm auf's Sofa. Du hast, glaube ich, meine letzten Neisestudien noch nicht gesehen?" Der andere gönnte ihnen nur einen Strcifblick und ließ sie, eine nach der anderen, auf den Boden gleiten. Vaumstudien Architektur Tirol. Recht fleißig. Was ich sagen wollte in der blauen Jrotte wird heute um elf das neue Lagerbier anjestochen!" Bedaure! Du siehst ja, ich kin unmöglich fort!" Schade!" sagte der Verführer; doch so leicht ließ er sich nicht aöschrecken. sofort erhob er sich, um seinen Zweck weiter zu verfolgen. Was ich sagen wollte wie hast du denn diesen Ton da gemischt?" Dabei zeigte er .aus eine kleine Stelle des Vordergrundes in Krapplacks Bilde. Dieser, erfreut über einen so seltenen Beweis von Theilnahme und Anerkennung seines College, gab sich alle Mühe, auf der Palette das Farbengemisch wieder herauszukriegen. "So etwas gelingt einem nicht so leicht wieder, aber ich denke, so stimmt der Ton." Na. mir jefällt er jar nich!" Nimm mir nicht übel, warum sagst du denn das nicht vorher? Dann hätte ich mich doch nicht so abzuquälen brauchen." rief Krapplack verstimmt. Das saß! Nun noch einen Angriff auf die Arbeitswuth seines Collegen. und er war geliefert. Eben zog sich Flunkerstein auf sein Sopha zurück, um eine neue Finte auszuhecken, da ließ sich schon wieder ein Klopfen hören. Er übernahm es Herein!" zu rufen. Ein junges Mädchen in etwas auffallender Kleidung trat in die Thür. Guten Morgen, Herr Krapplack? Haben Sie den Herrn von Flunkerstein nicht gesehen?" Der Gesuchte war zwar auf seinem Sopha durch das große Bild, das eine förmliche Wand in fcr Mitte des Raumes bildete, den Blicken des Mädchens entzogen, dennoch drückte er sich noch mehr in die Ecke Ich wollte, Sie ließen mich ungeschoren," rief Krapplack erbost über die neue Störung. Er hat mich herbestellt um acht Uhr zum Sitzen. Jetzt warte ich nun schon eine ganze Stunde auf dem zugigen Gang. Erlauben Sie mir, daß ick mich bei Ihnen ein wenig auswärrnc", ba? das Fräulein und wollte zum Sopha hinüber. Nichts da! Setzen Sie sich meinetgen auf den Stuhl." Es ist aber auch rein gar nichts mehr mit ihm los," sagte das Modell pikirt. Neulich auf dem Maskenball, da hätten Sie ihn nur sehen sollen, er war zu drollig! Als Hans-Narr oder Clown zum Todtlachen! Er hatte gleich können in den Cirkus gehen. Ich meme, da thäte er überhaupt hinpassen, isnd das versteht er besser als die ganze Bildermalerei, womit er doch nie etwas zu Wege bringt." Das war dem eitlen Künstler denn doch zu viel. Ein Satz von seinem Lager, und er stand vor ihr. Dummes Frauenzimmer! Was versteht denn der Bauer vom Jurkensalat! Jesses! Der Herr von Flunken stein!" In diesem Augenblick ließen sich von der Thur. Stimmen vernehmen. Heiliger Asphalt! Das ist der Kommerzienrath undKlara! Was werden sie sagen, wenn sie ein Mädel bei mir finden. Mach' man auf. es klopft schon! Ich werde sie derweüe schon njendwo ver stecken." Richtig trat der Kommerzienrath Muller mit seiner Tochter Klara ein. Krapplack suchte' seiner Verlegenheit möglichst Herr zu werden und seine Gäste mit der Begrüßung diesseits des Bildes aufzuhalten. ' Dadurch gewann sein College Zeit, das Modell drüben unsichtbar zu machen. Das Madchen mußte sich aus das Sopha se tzen und wurde mit einem großen Stuck Stoff, wie solche vielfach im Malerateliers herumhangen, völlig zu gedeckt. Nachdem Flunkerstein ihr noch leise anempfohlen hatte, ganz un beweglich zu bleiben, möge kommen. was da wolle, trat er auf die andere Seite und hatte die Ehre, den Herr schaften als ein Freund des Herrn Krapplack vorgestellt zu werden. Flunkerstein? Kommt mir bekannt vor," bemerkte der Kommerzienrath gnadig. wandte sich aber dann zu dem Landschafter, um als Kunstfreund zu glänzen, denn er beabsichtigte den Ankaus eines Bildes. Der Genremaler machte sich alsbald in seiner übermüthigen Weise an die junge Dame. 'Janz jewiß," sagte er mit einer drolligen Verbeugung, darf ich in Ihnen eine Mitschuldig bejrüßen?" Klara sah ihn erstaunt an. Ich meine natürlich, auch Male rin?" ' '
Ein wenig. Ach, Herr Krapp
lack gibt sich alle. Mühe mit mir, aber ich bringe ja doch nichts ftrtig!" Js ich arnick nöthig! Mit dem Fertigmachen verderben Sie sich man bl:ß die Bilder." Flunkerstein entwickelte nun des werteren seine Ansichten über Malerei. Er war ganz in seinem Fahrwasser, sehr zum Verdruß seines Collegn, den der i r i. ' i cer Ztommerzienraly oruoen cei oen andern festhielt. Mein wertyer Herr Krapplack, sagte dieser, die letzte Kritik Ihrer Bilder war nicht ungünstig. Ich wäre nicht aogeneigt. eins davon zu erwerben, falls nämlich das Maß paßt. Sehen Sie, ich bin ein wohlhabender, aber ich bm auch ein praktischer Mann. Ich habe da noch einen alten Goldrahmen zu Hause, den ich verwenden möchte. Da ist das Maß. Haben Sie etwas von der Größe?" Der Landschafter mußte nun alles. was er hatte, ausmessen. Gar zu gern wäre er jenseits bei der Geliebten geWesen.' Und wo mochte das Modell geblieben se:n? Er war in der pemlichsten Sorge, jeder Augenblick konnte eine Entdeckung herbeiführen. Flunkerstein hingegen war ganz unbekümmert und beantwortete Klaras technische Fragen seiner Laune gemäß, so recht orakelhaft. . Und die Schatten, Herr von Flunkerstein, malt man sie eigentlich kalt oder warm?" Ja, Fräulein, das ist so 'ne Sache. Hier zu Lande werden sie ja meistens kalt jemalt. In Paris malt man sie warm, das macht sich auch janz jut." Uebrigens hatte er ein wachsames Auge auf die dunkle Sophaecke. Wie er jetzt dort bei dem verschleierten Bilde vorüberstreifte, ertönte plötzlich ein kräftiges Niesen. Das Unglück wollte nämlich, daß die Stoffe des Ateliers der Motten wegen frisch mit InsektenPulver eingestreut worden waren. Was war denn da?" fuhr das Fräulein auf. Das? das Niesen? Meine Wenizkeit." log Flunkerstein. Habe mir in meinem nassen Atelier einen jräßlichen Schnupfen jeholt." Jetzt konnte Krapplack einen Augenblick abkommen. Im Nu war er drüben. Aber, Fräulein Klara, wollen Sie denn nicht Platz nehmen? Bitte, auf dem Sopha!" Klara that es arglos. Sie hatte, ebensowenig wie ihr Liebhaber, acht darauf, daß der Platz nicht frei war. Mein Gott! Was ist das?" fuhr sie auf wie eine Sprungfeder. Sie hatte sich gerade auf das Modell gesetzt. Krapplack war vor Schrecken starr, obgleich das Modell regungslos geblieben war. Das?" fragte er tonlos. Das?" trat schnell sein Nachbar dazwischen, das? Ja. das ist." fuhr er mit einem glücklichen Einfall fort, das ist man bloß-'ne Jliederpuppe." Ja, ja! Eine Gliederpuppe," bestätigte der andere aufathmend. Eine Gliederpuppe?" fragte Klara erstaunt. Brauchen denn Landschafter auch Gliederpuppen?" wollte letzt der Kommerzienrath wissen. Gewiß! Das heißt sie gehört eigentlich Herrn von Flunkerstein." Sie scheint mir wirklich recht naturllch. Sieh nur, Papa, wie nett die Füße sind. Könnte man sie nicht einmal ansehen?" Und schon wollte sie das Tuch abnehmen. Aber, zur rechter Zeit verhütete dies Flunkerstein. Nicht doch, mein Fräulein! 'Sie setzen uns ja in die jrößte Verlegenheit. Nämlich die Puppe ist man sehr man gelhaft jekleidet. Wollen Sie sich nicht lieber mit Krapplacks Studien amüsiren? Vielleicht blättern Sie mal diese Mappe durch." Mensch, was machst du? Das sind ja meine Aktzeichnungen. Verzeihen Sie, Fraulem Klara ; stotterte Krapplack erröthend und nahm ihr das Buch wieder ab. Klara mochte wohl merken, daß ein Maleratelier kein allzu sicherer Boden für eine junge Dame sei, sie setzte sich also, da Stühle weiter nicht vorhanden, auf das verhangrnßvolle Sopha. diÄt neben die vermeintliche Gliederpuppe. Der Kommerzienrath kam jetzt auf den unterbrochenen Büderhandel zu rück. Sagen Sie, mein lieber Krapplack, können Sie die Wiese auf dieser Landschaft nicht 3 1-2 Centimeter länger machen? Dann paßt das Bild ge rade in meinen Rahmen, und das ist die Hauptsache. Na. wir werden uns ja schon einigen. Aber, noch eins." setzte l rw m w er, oen. jungen waux aonnerljcy aus die Schulter klopfend, hinzu und zog ihn aus die andere Seite des Raumes. Was Ihre Bemühungen um meine Tochter, anlangt, die mir nicht verbor gen geblieben sind, so will ich Ihnen etwas sagen. Ich bin ein wohlhabender, aber ich bin em praktljcher Mann: es soll mir recht sein, wenn die Kunst in mein Haus ihren Einzug hälk. Warum? Weil es zeitgemäß ist und weil ich die flotten Künstler im Grunde gern habe. Aber nicht sofort, denn die Kunst muß auch einen Namen haben. Haben Sie einen Namen? Nein, Sie haben noch keinen!" . Herr Kommerzienrath, ich bin ja auch noch jung." Schön!" Also ttnnen Sie auch noch warten." Ich habe manches Günstige über meine letzten Sachen gehört und hofse zuversichtlich auf Erfolg. Aber Klaras Hand würde mich erst zu den höchsten Anstrengungen " Sagen Sie doch, Herr Krapplack," unterbrach ihn hier der eintretende Diener, ist denn das Modell nicht bei j Ihnen?"
Ein Modell?" fragten Klara und
ihr Vater. Hier ist kems! wes ihn Flunkerstein ab. Merkwürdig! Ich habe sie doch hereingehen sehen vor einer Viertelstunde." Muß ein Irrthum sein," wollte ihn Flunkerstein abfertigen. Krapp lack war unfähig, em Wort vorzubrmgen. Es ist nämlich ein Herr unten, der will sie durchaus sprechen. Er hat sie zu 9 1-2 Uhr bestellt." Ein Herr, der sie sprechen und cngagiren will?"' Jetzt war es mit der Geduld der auf dem Sopha Ruhenden zu Ende. Mit einem Ruck hate sie das Tuch von sich geworferu Das ist der Maler Velten!" rief sie und sprang zur Thur hinaus. Es war geschehen, das Entsetzliche, er war entlarvt, der arme Krapvlack. Ganz geknickt sah er zu Boden. Klara, vor Schrecken bleich, war hintenüber gesunken, als die Gliederpuppe neben ihr mit einemmal Leben bekam. Der Kommerzienrath, im Gefühl gekränkter Würde, brach die verlegene Pause. Herr Krapplack! Ich muß mich sehr wundern. Ich habe mich 'in Ihnen schwer getäuscht, und Sie haben mich und meine Tochter schwer getäuscht. Daß unter solchen Umständen von dem Ankauf eines Bildes oder gar von einer Annährung an meine Tochter nicht die Rede sein kann, werden Sie begreifen. Klara", wendete er sich an seine Tochter, ihr würdevoll do Arm bietend, laß uns gehen." Aber, verehrter Herr Kommerzienrith," brachte jetzt Krapplack vor, so hören Sie mich doch an. Sie befinden sich in einem Irrthum. Ein MißVerständniß! Herr Flunkerstein wird es Ihnen lösen. Du bist mir das durchaus schuldig," wandte er sich dringend an diesen. Jewiß! Janz jewiß! Meine Herrschaften! Herr Kommerzienrath! Mein Fräulein! Nehmen Sie ma! vor allen Dingen erst wieder Platz. Herr Krapplack, den ich meinen Freund zu nennen die Ehre habe, ein Mann, vor dessen jenialen Leistungen noch, spätere Jahrhunderte staunend stille stehen werden, ist an diesem kleinen Vorfall jänzlich unschuldig. Mein Jott, wenn jede Malersfrau jleich in Ohnmacht fallen wollte, wenn sie mal ein Modell im Atelier findet, dann möchte ich nicht heirathen. Das bringt das Jeschäft so mit sich, und da können Sie sich jar nich früh jenug dran jewöhnen." Aber Flunkerstein, du machst ja die Sache noch schlimmer, jetzt laß mich mal reden." Und damit schob er ihn beiseite. Diesem war es recht, denn er fand es an der Zeit, sich zu drücken. Wie er aber eben heimlich jenseits der Bildwand verschwinden wollte, öffnete sich die Thür, und herein trat das Modell. Ha, Herr Flunkerstein! Sind Sie jetzt allein? Sind die albernen Leute fort? Der Kommerzienrath, der Wichtigthuer? Und feine Tochter, die Gans mit ihrem eingebildetenRaphael? Ach, wie froh bin ich, daß Sie noch da sind! Mit dem Velten ist es nichts. Ich habe mich mit ihm über das Honorar nicht geeinigt. Jetzt komme ich zu Ihnen. Sie haben mich herbestellt." Und ohne sich an seine Verlegeliheit zu kehren, zog sie ihn mit hinaus. Die Gesellschaft hinter dem Bilde hatte sprachlos diesen Auftritt mit angehört. Fräulein Klaras hub jetzt Krapplack an, gewiß hat Ihnen Ihr Herz gleich gesagt, daß ich unschuldig bin. Nun wird dieser Vorgang Sie vollends davon überzeugt haben. Herr Kommerzienrath. auch Ihnen wird es klar geworden sein, daß ich nur aus Unbesonnenheit das Verstecken des Modells zuließ, dessen Besuch meinem Nachbar galt, wie Sie eben gehört haben." Ein anständiger junger Mann ist nicht so unbesonnen!" Herr Kommerzienrath.Sie sind doch auch einmal jung gewesen!" Woher wissen Sie das? Na jedenfalls nicht so unbesonnen wie Sie." Da trat Herr Schlaublitz ein. Herr Krapplack, da kommt ein Brief an Sie mit einem großen Siegel!" Vom Berliner Kunstverein!" Der Maler entfaltete hastig den Brief. Hierdurch die Mittheilung, daß die unterzeichnete Kommission Ihr Bild in der Ausstellung: Nach dem Gewitter!" zu dem geforderten Preise von zehntausend Mark gekauft hat." Hurra!" rief Krapplack und' sank unaufhaltsam in Klaras Arme. Wie? Was?" rief der Kommerzienrath, riß den Brief an sich und starrte ihn mit Ehrfurcht an. Nach dem Gewitter zehntausend Mark ! Herr Krapplack, diese Nachricht! Sie sind ein Ehrenmann! Auch hier hat sich das Gewitter verzogen, auch ich kaufe ein Bild. Und, da Sie nun doch schon einen Namen haben, so sollen Sie auch Äs 5 ,t me.me ttiara yaven! .Naiv. Richter: Sie gestehen also den Diebstahl zu. es ist somit das zweite Mal, daß Sie Mein und Dein verwechseln, können Sie was zu Ihrer Entschuldigung anführen?" Angeklagte?: .Ich hab' halt .garso 'ne mangelhafte Schulbildung gehabt, Herr Richter!" , WasistdasHöchste?Wenn Einer seine sämmtlichen Gläubiger zum Photographen bestellt und läßt sich auf ihre Kosten ein Gruppenbild : von denselben .machen! ,
K i d l i ch.
Tr FtT (W,rll ' Iß
Hänschen (zu einem soeben angekommenen Onkel): Onkel, Du hast wohl einen Globus gegessen? Summarisch. r.rs v i 'iVj Dame (zur 7.euen Köchin): JH muß Ihnen gleich zu Anfang sagen, daß ich drei Sachen nicht vertrage: Rauchfleisch, panirte Schnitzel und Widerspruch!" Auch ein Lehrling. L r Wissen Sie denn aber auch, dafc. meine Tochter Ihre Neigung erwiedert?" O, Herr Commerzienrath, seien Sie fest versichert, sie wird mich gewiß, lieben lernen" Ach so! Und ich soll oas Lehrgeld, bezahlen!" Modern. Wann werde ich denn endlich heirathen. Papa?" Nach dem nächsten Concurs, mein Kind der ist für Dich bestimmt!" T ru m p f. Dame (im Theater): Ach, heutzutage gibt es keine Siegfried's" mehr!" Herr: Schade, meine Gnädige, denn Drachen gibt's genug!" . Vererbungstheorie. Unterofficier: Heiliges Donnerwetter, wie stehen Sie wieder da, Meyer? Wenn Sie Ihre selige Großmutter. so' stehen gesehen hätte, dann würde sie Ihren Großvater gewiß nicht genommen haben; darauf können Sie sich verlassen!" Arge Stimm 5osigkeit. A.: .Hören Sie doch nur, wie schlecht der Tenorist Batti heute wieder singt, der hat doch gar keine Stimme mehr." B.: Bewahre, der hat nicht mal eine Stimme desGewissens mehr, sonst wurde er uns mit seinem Gekrächze verschonen." ..........
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