Indiana Tribüne, Volume 17, Number 276, Indianapolis, Marion County, 24 June 1894 — Page 7

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Die Naturwisscnschaft als Erzieherin.

VI. A. von LöwenfelI. Wenn heutzutage Jemand von einem Magnet spräche, der Fleisch anziehen soll, so würde man an seiner Untcrscheidnngsgabe zweifeln und ihn nicht für fähig halten, anderen Leuten auf dem Pfade des Denkens zum Wegweiser zu dienen. Gleichwohl ist es keinem Geringeren als dein großen Aristoteles begegnet, eines Magnetismus zu erwähnen, der nicht nur Eisen, fondern auch Fleisch an sich haften machte. Wahrscheinlich hatte er hierbei die Erscheinung im Sinne, daß die frischen Bruchflächen bei schwacher Hitze gebrannte? Thonwaaren an der. Zunge kleben. Er übersah in dieser auf Hölensagen gegründeten Mittheilung die vielen anderen Erscheinungen, durch die das sxesthängen einer Thonscherb; an der Zunge und das Festhänzen des Eifens am Magneten sich unterscheiden; er war abstraft". Trotz seines Kampfes für die Erfahrung als Grundlage des Wissens im Gegensatz zum Platonischen Idealismus war ihm die sorgfältige Ermittelung und Unterscheidung aller Einzelheiten Der Erscheinungen, wie sie von der heutigen Naturwijjenschaft geübt wird, noch nicht geläufig. Bedenkt man. daß Aristoteles, dessen unermeß- . liche Verdienste natürlich nicht verkleinert werden sollen, fast zwei Jahrtausende lang die höchste philosophischeAutoriiät war und der Menschheit sozusagen ihre Denkregeln vorschrieb, zum Theil noch heutzutage vorschreibt, so begreift, daß zuletzt aber mit Nothwendiakeit, nicht nur gegen viele, lange als Grundpfeiler alles Wissens und Glaubens geltende, Denkresultate, sondern selbst gegen die absolute Verläßlichkeit unseres damaligen Denkvermögens überhaupt und seine unbeschränkte Fähigkeit zum Aufsassen der Wirklichkeit Zweifel entstehen mußten, die in den .erkenntniß-theoretischen" Bestrebungen der Neuzeit einen energischen und nachbaltigen Ausdruck gefunden haben. Hand in Hand mit der die letzteren charakterisirenden, zum Theil vernichtenden. Kritik altehrwürdiger Anschauungen. herg:brachter metaphysischer Kateqorien. als selbstverständlich geltenden Prinzipien und Axiome, aus ihnen abaeleiteter Theoreme und sogenannter Gesetze, hat jedoch dieNaturwissenschaft, von der jene Kritik hauptsächlich auZgegangen ist. auch die Anleitung und Gewöhnung des Menschengeistes zu Denkprozeduren begonnen, die weder Einseitigkeit noch Unvollkommenheit der Beobachtung, weder übereilte noch geradezu willkürlich? Schlußfolgerungen zulassen und weder von einer abergläubischen Ehrfurcht vor dem hergebrach !i:n Kategorienkram noch von dem Glauben an die Souveränität des Denkens überhaupt beherrscht werden. Diese durch vollständige und unbefanaene Beobachtung der Thatsachen nebst i 'ff : m c . i . rr iviuiger ancnennung oer angeiioncneu Grenzen, ja selbst Anerkennung der Möglichkeit, daß unserem Erkennen an sich Schranken gezogen sind, charakte risirte Methode bezweckt und verheißt nichts Geringeres, als die allmälige Befreiung des Menschena:iste5 einerseits ?on dem knechtischen Ankleben an hererbrachte, ihm anerzogene, haltloseVor Stellungen. Voraussetzungen und Be obachtungsweisen. andererseits von der schädlichen Selbstüberhebung, in die er durch den von den Schulphilosophen ihm beizebrachten Aberglauben an die t Ueberlegenheit abstrakter Denkprozeduren und die Vollkommenheit seiner damaligen Erkenntnißanlagen gerathen war. Zu diesem doppelten Vorschritt hat die neuere Naturwissenschaft den mäch4 0 s 1 4 & 4 fA Vm wft XX M A V. iiH&ii )3 ytcjcvtu, uivvm ic seits an sich selbst das Beispiel der Säuberung von einer Menge der bisher von ihr gelehrten Wesenheiten, Kräfte, Gesetze u. f. w. zu geben anfängt, andererseits jedweden Gegenstand, auch wenn der Schulphilosoph und das bisherige Denken ihn von vornherein für unmöglich oder abgeschmackt erklären, zur unbefangenen Prüfung durch Beobachtung und Versuch zuläßt. In ersterer Hinsicht braucht blos an das ehemalige Fundamentaldoama der (mißverständlich nach Newion benannten) allgemeinen Anziehung in der Körperwelt hingewiesen zu wer den. dessen Giltigkeit für ferne Näume als zweifelhaft erkannt worden ist, während seine Anwendung auf die kleinsten Massentheile oder 'Massen punkte innerhalb, eines Körpers sich als unmöglich herausgestellt hat. Weder 4$ie Ewigkeit des Stoffes" noch selbst das. berühmte Gesetz von der Erhaltung der Kraft" gelten heutzutage noch als unantastbare Wahrheiten. Was selbst Physiker von Fach gegenwärtig von diesen beiden Arjomer halten, geht . aus dem folgenden Autz'pruch eines hervorragenden deutschen PhyslkerZ und Universitätsprofessors hervor: Dr Satz von der Erhaltung der Mcterie ist ein Postulat, ohne welche die NaturWissenschaft überhaupt nicht denkbar ; ist. und insofern eine aprioristischeVor.Aussetzung; der Satz von der ErhalUiunq der Kraft beziebt sich auf die Ei- . . ry .si , ..,. 4itikut iu:vi i.uuilliyiU jumuu wut' plizirten Funktion Energie genannt und es fehlt wirklich ein zureichen'der Grund, weshalb sie gerade bei allen Wandlungen konstant bleiben sollte." .... Diese und ähnliche Axiome. Gesetze n. s. w. sind willkürliche Ausdeh,nunaen gewisser für beschränkte Kreise 'in Raum und Zeit giltize Erfahrungen auf das ganze Weltall und feine Geschichte in der Vergangenheit und Zuj'knnft. Auch der Darwin'fchen ' Ent4 n c . cy rtnimiii mi Ti tvy m i.ntii .amuri mm n).jiung,äienrc wein ver genannre vca jurforscher eine Stellung zur Wirklich-

keit an. die sich von der ihr vielfach noch zugeschriebenen dogmatischen Autorität als einer allgemeinen und erwiesenen Thatsache wesentlich unterscheidet, inder er u. A. sagt: Es ist bekannt, daß G. Kirchhofs (Bunsen's großer Mitarbeiter in der Entdeckung der Spektralerscheinungen) allen vermeintlichen Versuchen gegenüber, die Natur zu erklären, die Aufgabe der Physik als eine Beschreibung präzisirt hat; die Mehrzahl der Fachgenossen hat ihm

darin zugestimmt. Wenn die früher sogenannten beschreibenden Naturwissenschaften beute die entgegengesetzte Schwenkung machen und mit der Hypoth:se Darwin's nicht blos beschreiben, sondern auch entwickeln, also erklären wollen, dann ist darauf hinzuweisen, daß es sich bei der Entwi.rlung oder Ent.-?:ck!ung-Z:schich!e der Biologie doch nur streng gekommen um einen Bex':d;t, eine Erzählung von einer Enttttfelnna, sagen wir im historischen 5uk'2 handelt, dah von der Er?nn:'n':t einer Entwickelung im phsi;i listen Sinne doch nicht die Nede sein dürfte..." (Volkmann. Abh. über die mechanische Naturanschauunz.) Worin besteht nun die Eigenthumlichkeit und Wesenheit dcr in Qvizem gemeinten, naturwissenschaftlichen Methode? Im Allgemeinen besteht sie in einer sorgfältigen und gewissenhaften Unterordnung der Denkthätigkeit unter den Gegenstand, dem sie alle seine einzelnen Merkmale oder Eigenschaften, selbst die unbedeutend scheinenden, abzugewinnen sucht, ohne einige derselben auszulassen, andere ihm anzudichten und gemissermaßen aufzunöthigen, um schließlich alle zu einem treuen Abbild zu verbinden. Oder mit anderenWorten: die naturwissenschaftliche Metho de verlangt, konkret, nicht abstrakt, zu denken. Wären nicht Aristoteles ode? sein Gewährsmann bei der vereinzelten Erscheinung des Anklebens oder FestHaltens stehen gebli-öen, hätten sie die übrigen Eigenschaften und Wirtungsweisen der beiden Körper, namentlich die genaue Art des Festhaltens auf der einen Seite des Eisens durch den Magneten. auf der andern des Steins durch die Zunge, untersucht, mit einemWorte: hätten sie naturwissenschaftlich-konkret, nicht abstrakt, verfahren, so würde ihnen der große Unterschied nicht entganaen. die Verwechslung, die uns heute ein Lächeln abnöthigt, nicht begegnet sein. Das zweite Hauptmittel der naturwissenschaftlichen Methode zur Erzielung richtiger, oder der Wirklichkeit wenigstens nahe kommender, Vorfiellungert ist der Versuch, da Experiment, das eine von allen vorgefaßten Annahmen und Denkkategorien unabhängige, zuverlässige Kritik repräsentirt. Es ist unnöthig, die hohe Wichtigkeit der allmäligen Angewöhnung des Menschengeistes an ein derartiges Erkenntnißverfahren zu betonen. In der That hat der, von der Naturwissenschaft beaonnene und mit Energie fortschreitende Kampf aegen eingedrungene Produkte des sich überschätzenden, über die Ersahrung hinauswollenden, Denkvermögens nicht nur auf ihren eigenen Gebieten, sondern auch bereits in der praktischen Medizin und in der Geschichtsforschung eine Erschütterung der vielen, in manaelhafter Untersuchung und Feststellung der Thatsachen wurzelnden, irrigen Annahmen und Lehren früherer Zeiten bewirkt. Ja, man kann sagen, daß die naturwissenschaftliche Methode sich bereits die Kanzeln zu erobern anfängt. wo sie von manchem orthodoxen Theologen als der richtige Pfad, oder wenigstens einer der Pfade, zur Wahrheit an erkannt wird. Ein zweiter, gegenwärtig noch wenig ausgebildeter, aber unserem Wissen vielleicht wichtige- Erweiterungen ver sprechender Zug der sogenannten naturwissenschaftlichen' Methode ist die völlige Unbefangenheit, mit der sie den. die Menschheit von jener und neuer dings besonders lebhaft beschäftigenden, Ahnungen? unbekannter Kräfte, Borgange und Daselnsformen, sei es kör perlicher, sei es seelischer Art, gegen übertritt. Der Hypnotismus, früher geleugnet oder als Betrug betrachtet, hat sich durch Vorurtheilsfreie Untersuchung nach der naturwissenschaftlichen Methode so sehr als Wirklichkeit her ausgestellt, daß er von Autoritäten der Medizin als Heilmittel empfohlen, qegen die Gefahren seiner Anwendung von Regierungen Maßregeln getroffen werden. Und was die Vorstelluna an d.-rer seelischer Wesen, die Möglichkeit. unserer eigenen Fortdauer nach dem körperlichen Tode und ähnliche Fragen betrifft, die früher als abgeschmackt oder Unlösbar auf die Seite qesckoben wurden, so widmen ihnen gegenwärtig Naturforscher ersten Ranges in mm haften Zeitschriften eingehende, sachliche Besprechungen. Daß die Gewöhnung an ein 2)enk verfahren, wie die oben 'geschilderte, totsentlich auf Genauigkeit, gewissen)after Sorgfalt und Vorurtherlslosigkeit beruhende. naturwissenschaftlicheMethode auch auf die ethische. Seite des Menschen auf sein Empfinden und Handeln, nicht ohne Einfluß bleiben kann, liegt auf der Hand. Die vollständige Erkenntnig und Anerkennung der Thatsa chen befähigt zu einem gerechten und nachsichtigen Urtheil über Andere, zu altruistischen Gewhlen und Handlungen, und fördert' die überaus werthvolle Tugend der einsichtsvollen Unter werfung unter das Unvermeidliche, nicht die blinde Unterwerfung des Fa talisten unter die eingebildeten Dekrete irgend einer nicht definirbaren dunklen Macht, sondern die sehende Unterwer fung unter eine als vernünftig oder un abändarlich Erkannte! Sachlage. Die wichtige Rolle, die in diesem Erziehungswerk der sogenannten populä ren Naturwissenschast'' .vorbehalten ist,

kennzeichnet der genannte Autor in folaenden inhaltvollen Worten: Wäre es die einzige Aufgabe der Popularisirung der Naturwissenschaften, für naturwissenschaftliche Gegenstände als solche zu interessiren, so wäre sie für den Gelehrten ein untergeordnetes Geschäft; dasselbe aber findet seine Vertiefung, sobald der Nachweis gelingt, daß Naturwissenschaft fähig ist, zu ei-

nem eigenen Erkenntnißstandpunkt zu erziehen, der in seiner Großartigkeit erst von Wenigen erkannt, doch dazu berufen sein dürfte, das Denken und Handeln der Menschheit in höherem Grade zu beherrschen, als es bisher der Fall war. Das höchste Ziel der Popularisirung der Naturwissenschaften muß die Vermittelung naturwissenschaftlichen Denkens sein... Die Naturwissenschaften. die so recht dazu berufen sind, das Interesse für das Objekt in den Vordergrund zu stellen, befinden sich noch in einer jugendlichen Altersstufe. Aber es kann jetzt nur noch eine s?rage de? Zeit sein, wann sie den Einfluß auf das allgemeine Denken in allen Verhältnissen des Lebens gewinnen, der ihnen zukommt. Die Beschäftigung mit der Natur scheint dazu berufen darin liegt wohl ihre tiefere, noch weniq zu Tage getretene, kulturelle Aufaabe ein 'Lehrmeister der Menschheit zu werden, den menschlichen Geist in die Schule zu nehmen. Die höchsten Bethätigungen des menschlichen Geistes, welche die nachdauerndsten Wirkungen ausüben, erblicken wir da. wo es dem Menschen gelingt, dem Objekt seines Problems als einem rein äußeren geaenüberzutreten, frei von Hoffnung und Furcht, frei von jeder Leidenschaft. Welche Wissenschaft hat es leichter, sich in diesem Sinne ihrem Objekt als ernem rein äußeren entgegenzustellen, wie die Nawrwissenschaft? Darin liegt mit ihr Vorzug, ihre Starke, die Möglichkeit. vorbildlich dienen zu können. Darin besteht die gewaltige Schule, in welche die Naturwissenschaft ihren Jünaer in jedem Augenblick erinnert, daß sie ihn beständig zu? Beantwortung von Fragen veranlaßt, deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit die Natur selbst sofort entscheiden kann. Wer eine solche SÄuIc vurcygemacht Yak, der komm, sich eher klein als groß vor, der wagt seine Worte mit ganz besonderer Vorlicht ao, als Einer, der nicht daran gewöhnt ist, in seinen Aeußerungen beständig kontrolirt oder berichtigt zu werden, oder Einer, der sich nicht gern kontroliren lagt. Wer Naturforscher ist. muß und soll sich gern kontroliren lassen . . Mit der Angewöhnung der Denkprozeduren an diese Bescheidenheit, an die Anerkennung der docta ignorantia", die gleich weit vom objekten Verzweifeln an der Fähigkeit, zur Wahrheit gelangen, wie vorr der Anma ßung der metaphysischen oder theologischen Unfehlbarkeitsfanatiker ist. trägt die Naturwissenschaft nothwendig zum Fortschritt der Menschheit bei! Tatowirte Ring,. Die curiose Gesellschaft zur Erzie hung und Reform der Ehemänner", über welche an dieser Stelle Mitthei lung gemacht wurde, ist nicht mehr das Neueste auf dem Gebiete der modernen Socialreform. Ein Erank" in dem gesegneten England, welcher in der Flatterhaftigkeit der Männlein und Welblein die Wurzel aller Uebel erblickt, will derselben in einer Weise, welch: freilich mehr originell, als ausführbar ist, ein Ende machen, indem er vorschlägt, daß einem jeden Manne und jede? Frau sofort nach Vollzie hung der Trauungsceremonie auden dritten Finger der linke? Hand ein Ring tätowirt werken foll. Die Operation.des Tätowirens soll an Paaren, welche sich in einer Kirche trauen lassen, in der Sakristei vollzogen werden, während Paare, welche sich mit der Eiviltrauung begnügen, derselben m der Amtsstube des copulrrenden Beamten sich zu unterwersen hätten. Das tatowirte Elesymbol wurde für alle Zeiten auf dem Finger bleiben und könnte nicht wie ein gewöhnlicher Trauring abgezogen uno m der Westentafche versteckt werden, was manchmal bei Gelegenheit kleiner Escapaden seitens lockerer Zeisig: geschehen soll. Wird de? Ehebund durch eine gerichtliche Scheidung gelost, so i die Tato wirung der Geschiedenen mit einem Querbalken zu kreuzen, ähnlich wie ein schräger Balken in den Wappenschildern einen illegitimen Sprößling bedeutet. . Wittwer und Wittwen müssen uzrem tatowirte n Ring: em Sternchen hinzufügen und findet eine Wiederver heirathung von Geschiedenen oder Ver wittweten statt, dann wird ihnen eben ein zweiter Ring auf den Finger täto Wirt. Unverheirateten ist bei strenger Strafe untersagt, den Fingerschmuck der Eheleut: zu tragen. Der biedere Socialreformer spricht die Ueberzeugung aus, daß der allgemeinen Annahme seines Vorschlags nur wohl lockere Gesellen, welche das Brechen von Herzen sozusagen als Sport betreiben, opponiren werden und daß seine Reformmaßregel allen Unsittlichsten ein Ende machen wird. Darum. Wamperl: Mir ist heut' ganz mi serabel zu Muth, bin gestern au? der Ordnung 'kommen. ' ', Frau Wamperl: Hast halt wieder a Glaser! z'viel 'trunken.' Wamperl: Z'wenig. Alte, zW niz. cylecyte Leiten. Frau Braun: Welch? Art Vonnet glaubst Tü wohl wird diese- Früh, jähr am meisten getragen werden?" Herr Braun (trocken): .Die vor jähriaen.

ßkn Londoner Stcssoichew.

Lon Iss. L'.klosy. Der Wurf gelang und es war ein Meisterstück! So konnte ich denken, da ein Bedienter in reichverqoldeter Livree das parfumirte Briefchen überbrachte, welches ich vor Erregung bebend in die Hände nahm und lange nicht zu öffnen wagte. Inzwischen möge man erfahren, um was es sich handelte. Ich sehnte mich in London lanae Zeit vergebens nach einer Damenbekanntschaft! In der Times" ftudirte ich und das ist keine geringe Arbeit alle die unzähligen Wünsche, von denen aber kemer auch nur im entferntesten mit meinem übereinstimmte. Die Noth aber macht erfinderisch. Auf eine von tausend gleichen kleinen Anzeigen, lautend: Wohnung gesucht von einer zungen Dame", schrieb ich ein allerliebstes Offert und bot der Wohnuna suchenden Dame' die beiden leerstehenden Kammern meines sehnenden Her zens an! In der Annonce war die Adresse angegeben: I. G. Ealiban Sauare" die Hausnummer ist mir seither entfallen. Meinen kecken Brief brachte ich schleunigst zur Post. Ich hatte ebenfalls nur die Anfangsbuchstaden meines. Namens unterfertiat. sonst aber meine Wohnung bezeichnet und meine Hauswirthin gehörig instruirt. Richtig kam eine Antwort und. wie gesagt, von einem qallonirten Boten überbracht. Und jetzt, wo ich rätch von dem Herzklopfen, das ich beim Empfange des Briefes fühlte, bereits erholt habe, kann ich eine authentische Uebersetzung der Botschaft abfassen; sie lautete: Geehrter Herr! Sie scheinen ein Original zu sein! Wenn mir Ihr Aeußeres ebenso gefallen wird, wie Ihre Art, zu schreiben, dann werden Sie mich nächsten Sonntag besuchen dürfen. Für heute habe ich Sie blos zu bitten, von der beiliegenden Karte pünktlich Gebrauch machen zu wollen. Ihre ergebene I. G." Die Karte, die dem Briefe beilag, lautete auf einen Parketsitz in einem der vornehmsten Londoner Theater. Da sieht man die praktische Engländerin! Sie will die Kutze nicht im Sack kaufen. Diese Art von Exponirung freute mich im Besonderen auch deshalb, weil mir öfter gesagt wurde, daß ich im Frack noch am besten Figur mache. Daran dachte ich aber nicht, daß, indem in London jeder Mensch im Freck ins Theater geht, ich durch diese Zier in keiner Weise gehoben würde. Einerlei aber, ich war im Theater und gefiel. Ich saß zwischen zwei Damen, wagte folglich weder nach rechts, noch nach links zu Kicken, aus Furcht, mit der Unrechten zu kokettiren. Ich sah, wenn auch widerwillig, immer nach der Bühne und that eigentlich wohl daran, in gewisser Beziehung wenigstens, wie der Leser später belehrt werden soll. Gegeben wurde ein blunzendummes Stück. So weit ich unter den gegebenen Umständen an demselben überhaupt ein Interesse empfand.galt dasselbe der Person des Hauptdarstellers, der zugleich Pächter und Direktor des betreffenden Theaters ist und nicht nur als vortrefflicher Mime, sondern auch als einer der elegantesten Reiter von Rot-ten-Row großen Ruf genießt; nennen wir ihn Mr. Alfred. Am Mittag nach diesem Theaterabend pochte wieder der herrschaftliche Lakai an meine Thür, und nun war ich außer Rand und Band! Von derselben feinen, spitzen, englischen Damenhand wurde ich kurz und bündig eingeladen, am morgigenSonntag. Nachmittags pünktlich um 2 Uhr zu erscheinen und nach Miß Gunners bury zu fragen. Oben auf dem dus tenden Papier stand mit Goldlettern die Adresse aufgedruckt; zum Ueberfluß. Denn ich war doch mittlerweile langst auf Ealiban Square gewesen und hatte gesehen, welcher prachtvolle Stadtpalast es ist. Dort erwartete mich, was ich verdiente. Sie glauben, daß ich hinausgeworfen wurde?.... O nein! Die Magd, die mir ösfnete, führte mich in den rückwärtigen Salon der ersten Etage, in em lauschiges, mit raffimrtem Luxus ausgestattetes Gemach. Allein Miß Jane Gunnersbury war in diesem Hause Tagesgouvernante, und zwar blos Untergouvernante, und, was das schlimmste, recht häßlich! Von den Vorzügen ihre Race einer von mir geträumten pikanten Schönheit be saß sie nur das eine, daß sie lang und mager war. Ich entdeckte gleich, daß sie es war, die rechts neben mir im Theater saß. Ich hatte flüchtig hingeblickt, einmal und nicht wieder. Denn diese konnte es, durfte es nicht sein. Auch schenkte sie mir im Theater nicht im geringsten Aufmerksamkeit. Und dennoch war sie es! Um ihr keinen Schmerz zu bereiten und den meinigen zu betäuben, sagte ich ihr so viele Artigkelten, als ich m dieser Situation und bei meiner noch mangelhasten Kenntniß der englischen Sprache produzlren konnte; aus letzte rer Ursache wohl geriethen die Eomplimente immer weit über Gebühr schwärmerisch. Denn Miß Gunners bury schien sehr zufrieden und verhieß mir, daß ich fortan alle Sonntage kom .men dürfte. Am Sonntag seien die meisten Dienstleute außer dem Hause, der Master (der Hausherr; er war ein ungeheuer reicher, geadelter Fabrikant führte ein Sir" vor und em art hinter seinem Namen, zählte also zur veritablen Aristokratie) .den ganzen Taa in der Kirche, die Lady,, katholisch im Rufe großer Schönheit und strenger Zurückgezogenheit, zwar anwesend, doch mit Lektüre beschäftigt und der ycliigen GevIoZenheit des Sonntags gemäß bis

zur Dinerstunde auf keinerlei Dienstleistung reflektirend.

Während diese Auskünfte ertheilt wurden, zerbrach ich mir auf das Allerheftiqste den Kopf darüber: wie ich dieser erhabenMißGunnersbury am direktesten ausrechen konnte?.... Wenn ich doch nur ebenfalls die Bedingung gestellt hätte: Wrn mir Ihr Aeu ßeres so gefallt, wie , a wie? Wie die Annonce? Nein, zum Teufel, da hilft eben gar nichts anderes, als schleunigst Durchbrennen! Die Gelegenheit dazu bot sich, als Miß Gunnersbury mich als voll kommenen Gentleman behandelnd frug, was ich trinken wolle? Nebstbei wurde sie auch em wenig 'nach den Kindern sehen; obzwar die Hierarchie auch noch eine Vice-Untergouvernante aufwies. Ich wählte Sherry Eobbler, obwohl mir gar nicht heiß war. Miß Gunnersbury verfügte sich hinaus. Kaum hört: ich jenseits eine Tdur ins Schiefe fallen, als ich mich fachte erhob, meinen Hut ergriff und t..,, .. rne tfiucr;! antrat. Unhoroar stieg ich die mit dicken Teppichen belegt: Treppe hinab. Da knarrt oben wieder eine Thüre. Himmel! Sollte Miß Gunnersbury bereits verdacht geschöpft haben? Ei was! Da hinein! Ich gelangte in einen aronen. verdüsterten Raum, der sich als Speisesaal erwies. Jenseits stand eine Tapetenthure angelehnt. Ohne zu überlegen, Ti:i--L- '- ' r c ilurzie icy micn innern, fano miaz aoer, statt in einem dunklen Wandschrank oder kleinen Kabinet, in einem großen, herrlichen Pserdestall. Ich hatte schon gehört, daß in manchen vornehmen englischen Häusern eine direkte Verbindung der Herrschaftlichen Gemacher Mit den Stallen besteht. Hier war es fo. Aus dem Speisesaal zu den Vollblutpferden. - Des Sonntags wegen waren sämmtliche Pferde daheim und alle Warter abwesend. Sonntagsruhe . auch bei den Vierfüßlern; sie standen an der Krippe, scharrten und pusteten und kümmerten sich nicht um mich. Da ich nun aus dem Speisesaal das Oeffnen ugd Wiederzullappen der Thure und nachrolgende Schritte zu hören glaubte.fprang ich rasch hinter me große Lage gepreßter Streu und postirte ein darauf befindliches eisernes Sieb derart, daß ich nicht nur gänzlich verborgen blieb, sondern auch ein praktikables Guckloch hatte. Im ärgsten Fall konnte ich einen Scherz,- ein neckisches Versteckensspiel daraus machen. Es war aber nicht Miß Gunnersbury, die mir in den Stall nachfolgte, sondern ein anderer, weit schmuckerer Geist des Hauses; ein junges Weib in zierlicher Zofenkleidung, aber doch in fo würdevoller Haltung, daß ich überzeugt war, es sei MißGunnersbury's Vorgesetzte, die Ober-Gouvernante! Oder war sie doch nur Stubenmädchen? Jedenfalls schien sie von meiner Anwesenheit keine Ahnung zu haben. Und sie war blendend schön! Es lag etwas Pedanterie in ihrem Gesichtsausdruck, was mich wieder darauf brachte, daß es dennoch die Ober-Gou-vernante sein müsse. ' Anscheinend ein Bild ohne Gnade, war aber doch irgendwie auf diesem Gesichte zu lesen, daß die Eigenthümerin mit dem Leben bekannt sei. Doch schön war sie, englisch, schön, im doppeltem Sinne des Wortes, und obwohl meiner Miß Gunnersbury der Stempel hoheitsvoller Unschuld ober der Brille aufgedrückt stand, hätte ich mir diesen Tausch wohl gerne gefallen lassen und wäre jeden Sonntag .wiedergekommen. Indessen aber konnnte ich mich bald überzeugen, daß die schöne Obergouvernante auf mich nicht angewiesen- war. Es klopfte leise an der äußeren Thüre des Stalles, Mit einem freudigen Lächeln hüpfte die schöne Person zur Thüre und öffnete vermittels eines Schlüssels, den sie fchon beim Hereintreten in der Hand gehalten hatte.. Ein Mann trat leise ein. In diesem vornehmen Londoner Hause ging es wahrlich schön zu, am heiligen Sonntage! Es ist heute leine Gefahr. Schatz!" sagte die Ober-Gouvernaute leise, aber mit sicherer Stimme zu dem Ankömmling, als dieser sie, scheu umherblickend, an sich zog; auch unsere Freundin Gunnersbury ist okkupirt; sie hat wirklich einen Liebhaber geangelt!" Dieser von Miß Gunnersbury aufgezwickte Liebhaber war ja ich! Unsinn!" rief der eingetreteneMann in höchstem Erstaunen und in lautes Gelächter ausbrechend. Ober-Gouver-nante legte erschreckt ihre schmale weiße Hand auf seinen Mund. Ich aber war auf das kolossalste überrascht. Dieses Lachen, diese Stimme! Ich sah genauer hin und überzeugte mich. Das war kein anderer als Mr. Alfred, der Pächter. Direktor und Hauptdarsteller des Theaters, in welches mich Miß Gunnersbury schickte. Der berühmte Mr. Alfred am Sonntag Nachmittag heimlicherweise bei einer dienenden Lady. Welch' eine Nackricht wäre das für Modern Society"! Die Beiden gingen Hand in Hand an meinem Versteck vorüber, noch immer von der armen Miß.Gunnersbury und ihrem Schatz, meiner Wenigkeit, sich unterhaltend. Ich möchte den Kerl für mein Leden gerne sehen," sagte Mr. Alfred. Ich auch." versicherte lachend die herrliche Ober-Gouvernante; aber sie ist ja so eifersüchtig und hält ihn eingesperrt." . - Oho." dachte ich mir, das gerade nicht; glücklicherweise!" Das Paar schritt auf den Fußspitzen in den Speisesaal hinein und bald hörte ich. wie leise die jenseitige Thür zugezogen wurde.

Alles blieb still. Ich war allein gelassen bei den Pferden. Nach einer kurzen Weile nahm ich denselben Weg, durch den Speisesaal, zurück, fand die Vorhalle leer, öffnete mir leife die Hausthür, schlich draußen eine Strecke weit dicht an den Mauern der Häuser hin und licj dann, was ich laufen konnte, meinem Liebesglück davon. ' Monate waren vergangen. Ich hatte auf dem nicht mehr gewöhnlichen Wege einer wahren und aufrichtigen Liebe die Bekanntschaft eines Madchens gemacht und war bereits verlobt. Ich wohnte nun draußen inSt. JohnsWood. Wie ich da eines Abends mit der Untergrundbahn nach Hause fahren will, läuft beim Einsteigen ein kleiner Mann hinter mir drein, ruft meinen Namen und händigt mir.da ich nich um-

wende, ein zusammengelegtes Papier ern mit den Worten: Das gehört Ihnen!" Ich dankte, in der Meinung, ein Manuskript aus der Tasche verloren zu haben. Der kleine Mann entfernte sich, als ich den Bogen übernommen hatte, laut lachend und höchst vergnügt. Was es doch für römische Käuze gibt ln dem London! Im Waggon erst, während der Fahrt, entfaltete ich den Bogen. Er war vollbeschrieben mit englischen Sätzen und enthielt die Klage der Miß Jane Gunnersbury gegen mich auf Nichteinhaltung eines Heirathsversprechens. Ich blieb derart sitzen in meiner grenzenlosen Ueberraschung' daß ich um fünf Statwnen übers Ziel hinausfuhr und ebenso viele Pence nachzahlen mußte; und bei der Rückfahrt passirte mir dasselbe, mit einer Station und einem Penny. - Von hier aber ging ich zu Fuße, verirrte mich jedoch und nahm em Cab, wobei ich dem Kutscher meine frühere Adresse nannte und erst auf halbem Wege den Irrthum gewahr wurde. Endlich lag ich doch in meinem Bette, verbrachte aber die ganze Nacht schlaflos bei der Lampe. Am Morgen wußte ich die ganze Klageschrift, Wort für Wort, auswendig. Mein Brief war darin copirt, wie ich mein Herz und deiern Kammern anbot; serner gab es eine über Gebühr phantasiereiche Schilderung meines Beisammenserns mit Gunnersbury. Was mich jedoch am meisten schmerzte, stand nicht m der Schrift, wiewohl es am wahrsten war: Miß Gunnersbury ist doch aller Reize, bar! Als Verlobter eines schönen Mädchen mit einem lebenden Haubenstock vor Gericht erscheinen!, Ich war entschlossen, mir das Leben zu, nehmen. Zuvor aber ging ich zu dem Solidtor, der Miß Gunnersbury's Sache vertrat und dessenAdresse in der Klageschrift enthalten war. Mr. Atkinson erklärte sich sofort bereit, die Angelegenheit auf friedlichem Wege auszutragen, falls ich seiner Kltentrn eme Entschädigung von fünfhundert Pfung leisten wolle Ueber meine Vermögensverhältnisse seien bettits Erkund:gungen eingezogen; darum habe man die Summe so niedrig gearmen. Fünfhundert Pfund! Ich bin arm wie Hiob!" Jawohl; aber Sie beziehen- ein regelmäßiges Einkommen. Wir nehmen auch Ratenzahlung. Aber das Ganze ist ja erlogen; schändlicher Betrug: Sie vergessen sich Sir!". . . . Nun. dann werden Sie wenigstens soviel gelten lassen, daß dieses überspannte Frauenzimmer bloßen Einbil bildunaen folgt." ' Mr. Atkinson zuckte die Achseln. Und das war eme deutliche Antwort. Ich erzählte, wie sich die ganze Sache amtlich zugetragen und schwur, datz .o aleich beim ersten Anblick der holden Dame Fluchtgedanken faßte und auch aeflohen bin. Mit einem schlauen Lächeln frug der Solicitor: Haben Sie dafür einen Zeugen?" Einen Zeugen? Leider Gottes Halt!.... Mr. Atkinfon..ich habe die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen!" Und fort stürmte ich, zum nächsten Bar. Nicht um Whisky zu trinken. sondern um mir das Adreßbuch reichen zu lassen. Mit Hast blätterte ich in dem ungeheueren Bande. Endlich fand ich's: Grosveno Place 17.- Dorthin fuhr ich auaenblicklich. Mr. Alfred war aber nicht zu Hause, sondern im Club. i . . r Im IMiiD lagte man mir, er iei eoen in seine Kanzlei gegangen, in der Kanzlei, er sei zurück nach Hause. Zu Hause wieder hieß es. nun wäre er im Park. Ueberall suchte ich ihn vergebens. Aber Geduld. Geduld! Ermann mir ja nicht entgehen. Denn Abend für Abend spielt er m seinem Theater; dieselbe Rolle, in der ich ihn bereits gesehen. Der Schauspieler empfing mich in seinem Cabinet mit gerunzelter Stirn. in fast drohender Haltung und wurde bei meinem hastigen Vortrage immer finsterer. Er erschrack sichtlich und vergaß das Lachen letzt, wo er den Kerl leibhaftig vor Augen sah. Plötzlich aber heiterten sich feineMienen aus, als ich, trotz meiner Noth, nicht umhin konnte, ihm meine Anerkennung auszudrücken, in Bezug auf seine Gouvernante, die wirklich mit Recht die Ober-Gouvernante zu sein verdiene. Ihrer brauche man sich auch nicht zu schämen. Ich besazwor ihn, durch seine schöne Geliebte, die ich doch selbst sagen hörte, daß sie eine gute Freundin der hirnverbrannten Miß Gunnersbury sei,' auf diese einwirken zu lassen, daß sie ihre grundlose Klage zurückziehe; anderseits aber möge die schotte Ober-Gouvernante gütigst als Zeugin für mich eintreten, da sie doch . '-r . . . c-c !j I

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geschlossen bei Miß Gunnersbury saß. Sonst bliebe mir wahrhaftig

nichts Anderes übrig, als die ganze Geschichte aus dem Stalle bei Gericht vorZutragen. Mr. Alsred näherte sich mir jetzt. doch nicht mit Boxersäusten, die ich mit einem in meiner Tasche befindlichen Todtschläger abzuwehren bereit war. sondern mit bezmingenderFreund lichkeit. Lieber Freund", sagte er, meine beiden Händen ergreifend. Ich stehe Ihnen dafür, daß die Klage zurückgezogen wird. Aber.... lassen Sie es unter uns bleiben, daß Sie mich mit einer Collegin dieser verrückten Gunnersbury gesehen.... Uebrigens muß ich Sie berichtigen! Es war nicht die Ober-Gouvernante, sondern die Beschließerin des Hauses." Mr. Alsred schlug mir lachend in die Hand und wir schieden. Er lnußte welterspielen Ich habe darauf in der That keine Belästigung weiter von Seite der Miß Jane Gunnersbury erfahren. Meine Geschichte hat aber noch folgenden Epilog: Als ich bereits verheirathet war, entstand zwischen mir und meinem Landlo?d. dem Eigenthümer des Hauses, welches wir mietheten, eine Streitfrage, so daß ich. mich genöthigt sah, den Rath eines Solicitors einzuholen. Bei dieser Gelegenheit fiel mir Mr. Atkinfon wieder em, der ja em gar genesener Fuchs sein mußte. Ich ging zu ihm und er erkannte mich auch nach eimgem Nachsinnen. O ia, ganz recht!.... Ich versichere Sie, werther Herr, es war sehr klug von Ihnen gehandelt, jener Canterbury oder Hammersbury freiwillig die gewünschte Entschädigung zu geben... Wizviel war's? Fünfhundert Pfund, wenn Mir recht lst. Mit den kosten hätte es gewiß das Doppelte ausge macht. , Ja; Sie thäte gut, freiwillig u zahlen. Ich war starr. Was woher wissen Sie?" stammelte ich. Das Mädchen mußte doch zu mir kommen, um die Klage zurückzuziehen; sie war ganz glücklich, die Waterbury! Denn was Ihre Bedingung war, daß sie London verlassen! müsse, entsprach ja den eigenen Neigungen des FrauenZimmers, ie war Nicht gewohnt, zu dienen, und nun hat sie wohl, mit diefer hübschen Mitgift, längst einen Mann gefunden in ihrer Heimath. Sie war aus Wales, wenn ich nicht irre. . . Richtig! Ich fand es wirklich sehr diplomatisch von Ihnen, daß ie die Intervention der Dame des Hauses anriefen und zu ihren Händen das Geld deponirten.... Wie fanden Sie Lady X? .. . . Schöne Dame, was?. . ." Ja wohl; ich konnte sogar eine Schilderung von ihr geben. Beim Holzschlag im Forst bei Radom in Russisch-Polen wurden kürzlich in einem Gestrüpp zwei eigenthümliche, schon dem Verfall nahe Gefährte vorgefunden, die sich bei näherem Zusehen als holzern: Kanonen entpuppten. Sie stammen aus dem Aufstand von 1863, wo solcher viele im Gebrauch waren. Mit nicht zu großer Mühe wurden sie von Radmachern und Schmieden in Stadt und Dorf' hergestellt. Nach 4 bis 5 Schüssen hatten sie ihren Zweck erfüllt und wurden einfach zurückgelassen. Daraus erklärt sich die in den Berichten der. damaligen russischen Truppenführer angegebene auffallend groß: Zahl eroberter Jnsurgentengefchütze. I m S p e c i a l i t ä t e n t h eat er. Zauberkunstler: Jetzt, meine Herrschaften, werde ich Ihnen meine Kunststücke zeigen. Ich bitte nun eine Dame aus dem Zuschauerraum, auf die Bühne zu kommen und in dieses Cabmet zu treten. Ich werde die Thür schließen. Wenn ich sie dann wieder öffne, wird die Dame verschwunden sein! Stimme aus dem Publikum: Ach, liebe Schwiegermama, geh'n Sie doch 'mal 'rauf! Gegenseitig. Schöne, aber schon ältlicheDame (zu ihrer Kammerzofe): Na, Minna, was würden Sie wohl geben, wenn Sie meine Schönheit besäßen? Zofe: Dasselbe, was Sie darum geben würden, wenn Sie mein Alter besäßen! Was ihr gefällt. Schwätzer: Aber Fräulein, wie können Sie nur an dem Herrn solchesEefallen finden. Der thut ja kaum den ' Mund auf! Dame: Das ist's ja eben. Er versteht so reizend zu schweigen! Wirklich erholt. A.: Der Papierhändler Müller hat sich in Wiesbaden mit einer reichen jungen Dame verlobt, er ist nun aus allen Schwierigkeiten heraus. B.: Wenigstens 'mal einer, der sich im Bade wirklich erholt hat! Merkwürdig. Herr Simpal (erzählend): Ja, ja, die Welt verändert sich fortwährend. Als ich geboren wurde., war ich der jüngste in unserer Familie, und jetzt habe ich mehrere Brüder, die alle jünger sind als ich. AucheineWirkung. Vereinsordner: Bei der letzten Rede, die ich hielt, habe ich eine wunderbare Wirkung erzielt. Meine sämmtlichen Zuhörer waren plötzlich verschwunden, der Sturm meiner Beredsamkeit hatte sie fortgeweht! Kindermund. Mutter: Aber Karlchen, iß doch nicht immerzu. Man lebt doch nicht, um zu essen. Karlchen: Aber man stirbt doch, wenn man nicht ißt! Zeitbildchen. Sagen Sie. Herr Wirth, ist. denn bei Ihnen in aller Frühe immer so'n Radau?" , nein erst seit Einführung da Sonlüagsruhe!" .