Indiana Tribüne, Volume 17, Number 269, Indianapolis, Marion County, 17 June 1894 — Page 6
Eine K:ica.ZerInnerunz.
Es war in der Frühe deZ 26. August 1870, als ein Eigeborener des Dorfes Fleury vor Metz, in dessen Gehöft eine Feldwache untergebracht war, während weit draußen die Vedetten des Iftheir.ischen Kürassier - Regiments No. 8 da& Terrain sicherten, den cornmandirenden Officier aufsuchte und händeringend nach einein Arzte fragte. Seine Frau liege seit zwei Tagen schon in schweren Kindesnöthen jammervoll darnieder. Der Officier gab dem Manne einen Gefreiten mit und sandte ihn zu dem Oberstabsarzt des 8. Kürassier-Regi-ments. dem leider längst verstorbenen Dr. Wittichen, diesem seine Noth zu klagen. Sofort ging der menschenfreundliche Arzt mit und erkannte alsbald, daß die Wöchnerin nur durch schleunigen operativen Eingriff, wenn überhaupt, zu retten sei. Aber woher jetzt das nöthige Jnftrulent schnell herbeschaffen? Im kriegschirurgischen Instrumentarium war es natürlich nicht, auch französische Aerzte, die solches besitzen konnten, waren in weiter Umgebung nicht vorhanden. Da wurde, kurz entschlossen, der damalige Unterarzt Dr. Breyesser commandirt, das Instrument aus dem belagerten Metz zu holen. Ausgerüstet mit einem Begleitschreiben des Generals v. Mirus und des Ortspfarrers und begleitet von einem Lazarethgehilfen machte er sich alsbald auf den Weg und ritt in scharfem 'Trabe grade auf Fort Queulen zu. Ein solcher Ritt war Richt gerade angenehm, da die Herren Franzosen auf jede Gestalt, die sich ihnen näherte, zu schießen pflegten. Aber die beiden Reiter gelangten im behelligt über verschiedene Schanzgräben hinweg, bis fast dicht unter die Wälle des Forts, ohne daß eine Rothhose sich blicken ließ. Endlich wurde eine Schildwache auf das wiederholte Schwenken der Genfer Flagge aufinerksam und fragte unter schußfertig gemachtem Chassepot die beiden Parjamentäre nach ihrem Begehr. Mit einer.: Passirschein des Fort:ommandanten versehen, wurden die übergebenen Briefe rasch wieder zurückgestellt. Dann wurden den beiden Deutschen die Augen fest verbunden und sechs Mann mit geladenem Gewehr geleiteitn sie durch die Weinberge abwärts iibcr Magny hinaus zu einer größeren Feldwache, die an der Stelle lag, wo die Chaussee, die Eisenbahn und ein Flüßchen sich kreuzen. Hier mußte geZvartet werden, bis das gewünschte Instrument durch eine französischeOrdon7,anz aus der Entbindungsanstalt zu Metz herbeigeschafft worden war. Inzwischen wurde von zahlreich herbeigekommenen feindlichen Officieren den muthigen preußischen Reitern mit Cognac, Champagner und Cigarretten aufgewartet. Nach einer langen Stunde war endlich das Gewünschte zur Stelle, und nun erst wurde auf Weranlassung eines hinzugekommenen französischen Obersten den Deutschen i)ie Binde von den Augen genommen, damit der Rückweg um so schneller zuxückgelegt werden könne; denn die Chaussee war vielfach durch gefällte Pappeln und Verhaue gesperrt. Bald waren die feindlichen Vorposten passirt. Nur einmal wurden die beiden Reiter durch das Pseifen von ChassePotkugeln über ihren Köpfen beunruhigt, als eine französische Patrouille von der Eisenbahn her mehrere Schüsse aus sie abgab. Nachdem Pouilly langsam durchritten war. ging's dann in ein flottes Tempo über. Bald zeigten sich die Vedetten der Kürassiere und ich war, offen gestanden, verwundert, über herzlich erfreut, bca wohlbekannien Doctorschimmel nebst feinem 9Ut itx und Begleiter auf mich zukommen ZU sehen; es war kurz vor Mittag. Es war die höchste Zeit! Dank der sicheren Hand des Dr. Wittichen und dem glücklich, wenn auch mit Lebensgefahr beschafften Instrument gelang es nunmehr, die arme Dulderin vom sicheren Tode zu erretten und, zum Erstaunen des braven Aeskulap, einen lebenden. strammen kleinen Franzosen das Licht der Welt erblicken zu lassen. Die Dankbarkeit von Vater und Mut--ter kannte damals keine Grenzen ob der Junge wohl noch lebt und jetzt wacker auf die verdammten Preußen" schimpft? Er würde jetzt gerade im richtigen Alter dazu sein. Eine komische Strafe. Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz, welcher stets mit allen seinen Nachbarn Jagdstreitigkeiten hatte, be rentwegen er sogar öftersKrieg führte, gab auch feinen Unterthanen manche Ursachen zu Klagen. Kamen ihm solche Beschwerden zu Ohren.so strafte er die Urheber mitunter recht sonderbar. So erhielt eine Frau zu Weinheim aus der kurfürstlichen Kanzlei solgendes Strafmandat: Nachdem des Pfalzgrafen Churfürst!. Durchlaucht in gewisse Erfahrung gebracht, daß des Würths Frau zum Bock zu Weinheim ohnlängst sich gegen hohe Personen verlauten lassen, Churpfalz hinfüro eine Anzahl Gänse halten zu wollen, damit man lieber mit Federn, als im Felde Krieg führe; Als haben Churfllrstliche Durchlaucht ihr Anerbieten in Gnaden angenommen, und ist Dero gnädigster Befehl, daß gedachte Würthsfrau die Churpfälzische Kanzlei jährlich mit Schreibfedern genugsam versehen, solche alle Jahre auf Martini richtig liefern, auch daß dieses also geschehe, Kanzleidirektor v. Wollzogen darob halten solle. Heidelöerg, den 20. August 1669. Carl Ludwig." Anzüglich. Grawlire! R5che Braut he. he?!" Da3 nicht aber Verstand hat sie für Zwei!" Dann gratulire ganz besonders!" '
Die Schras'-F5crüäuferin.
Ein Blatt aus der Chronik der Armuth von HanS Wachenhufen. Es ist eine kleine traurige Geschichte, die ich hier erzähle, nämlich von der Wittwe Schwabe, die in einer meist von Arbeitern bewohnten Fa brikstraße Berlins nahe dem Rosenthaler Thor wohnte. Sie war von Hause aus ein ganz rechtschaffenes Weib. Ihr Mann war als Aufwärter in einem EisenbahnSchlafwagen angestellt gewesen, hatte ganz anständigesAuskommen, namentlich durch seine Trinkgelder gehabt, war aber eines Morgens aus der Strecke nach Frankfurt a. M. leblos, mit schwer verletztem Schädel -gefunden worden. Man vermuthete, er hab: Nachts die Plattform des Wagens betreten und das Gleichgewicht verloren. Seine Gattin, die in einem Leinengeschäft am Alexanderplatz eine ganz dankbare Stellung hatte, fügte" sich trauernd in das Geschehene. Böse Zungen sagten ihr allerdings nach, sie habe sich ihren Wittwenstand so erträglich wie möglich gemacht, da sie noch eine kinderlose, ganz hübsche Frau gewesen. Daß sie Glück darin gehabt, war nicht wahrscheinlich, denn als Frau von vierzig Jahren erschien sie in diesem Stadtviertel, wo sie ganz unbekannt, und miethete in einer großen Hauskaserne eine ganze Flucht von Dachkammern, von denen man durch ein schräges 'Fenster ein Stückchen am Himmel in der Größe von dreißig Quadratmetern erblicken konnte. Tags darauf brachte ein Rollwagen etwa ein Dutzend alte eiserne Bettstellen mit dem dürftigsten Inhalt an Strohsäcken, Kissen und Decken, die auf der Auktion gekauft sein mußten, alte Stühle und Tische, und am nächsten Tage hing an der Thür des nur von kleinen Leuten bewohnten 'Hauses ein Zettel: Möblirte Zimmer zu vermiethen." Und die Miether fehlten ihr nicht in diesem armen Fabrikviertel, durch dessen Straßen früh Morgens, Mittags und am Feierabend d.ie Arbeiter und Arbeiterinnen in ganzen Trupps zogen. Waren diese Miether auch keine dauernden Gäste, es blieb selten eine der Kammern, leer, und sie zahlten verhältnißmäßig mehr, als die reichen Leute in ihren stolzen Etagen, denn dem Armen ist das Dach über seinem Haupte immer theurer als dem Wohlhabenden. Männliche Gäste nahm Frau Schwabe nicht auf. nur weibliche, die ihr Bett selbst machen und die Kammer selbst reinigen mußten, und diese bestanden zumeist aus Nähterinnen und Arbeiterinnen überhaupt, darunter so manche fragliche und dunkle Existenzen, Unglückliche, die der Sturm nach den Ausläufern der Stadt verschlagen. die Ursache hatten, sich der großen Straße zu entziehen, verkommene Wesen, auf deren Stirn der Stempel kaum überstandenenLeids oder des Lasters unverkennbar. Jedoch Frau Schwabe kannte keine Skrupel, ihr war Jede willkommen, die sie nicht unmittelbar in Verwickelung mit der Polizeibehörde bringen konnte, d. h. wenigstens irgend etwas, und war es das Unbedeutendste, zu ihrer Legitimation hatte oder ihren Namen in das Fremdenbuch" eintragen konnte, das sich dadurch mit den seltsamsten Facsimiles füllte. Eine Mark ließ sie sich täglich für jede Kammer zahlen, und zwar im Voraus: auf einen weiteren Vertrag ließ sie sich nicht ein. Mochte Eine nur für eine einzige Nacht Obdach suchen, die erhielt dasselbe mit einem Zuschlag von zehn Pfennigen, die baarer Profit waren. Solche Gäste waren ihr auch deshalb die angenehmsten, weil sie, gar nicht angemeldet, am nächsten frühen Morgen wieder verschwanden, keine Spur hinterließen, auch selbst oft kein Bedürfniß nach der Tasse Cichorienkaffe und derSchrippe batten. die Frau Schwabe mit wieder zehnPfennigen berechnete. Mochten in der Straße dieVermiethzettel für möblirte Zimmer in Mengen an den Fenstern hängen, sie hatte niemals leer." wie sie sich rühmte; sie hatte täglich mindestens zehn bis zwölf Mark baare Einnahme und mit der Miethe konnte ihr Niemand durchaehen; die Bettwäsche kostete sie wenig, denn Eine mußte sich auf die legen, welche die Andere verlassen, undfür Klagen über Mangel an Propretät" hatte sie taube Ohren. An Heizung war im Winter nicht zu denken, weil der Hauswirth keinen eisernen Ösen in den Kammern litt; wer es also wollte, der konnte Nachts seine Thür auflassen, um von der Wärme zu Profitiren, welche der Herd in der stets offenen, ihr als Wohnzimmer 'dienenden Küche verbreitete, von der sie einen Blick auf den breiten Flur hatte, um zu controlliren. wer aus- und einging. Zehn Jahre schon hatte sie ihr Geschäst betrieben, nicht ohne häufige Besuche oder Berührung mit der Polizei, wenn diese nach verdächtigen Jndividuen forschte, aber mit Ehren, wie sie behauptete, und mit gutem Erfolg, denn sie behandelte einen Gast wie den anderen, und nannte man ihre DachWohnung auch - ein Taubenhaus, sie galt sich selbst als eine ehrliche und fleißige Frau, der Niemand was Böses nachsagen könne. Eines Tages erhielt sie wieder ein.mal eine Vorladung vom R:vier-Bü-reau der Polizei. Das war ihr immer ein erschrecklich unangenehmer Gang, der ihr Beklemmung verursachte, aber sie mußt: Ihn thun. Die Beamten des Büreaus kannten sie und empfingen sie eben wie sonst qjs eine Zimmervermietherin, mit der man keine Umstände macht. Diesmal (ließ man sie indeß eine Viertelstund:
lang unbeachtet dastehen, bis der Wachtmeister sich erhob, in das andere Zimmer trat, sie dem Polizeihauptmann zu melden, und zurückkehrend, auf die hinter ihm offen gelassene Thür deutete, als werde sie drüben erwartet. Der Hauptmann, ein dicker, breitschultriger Mann, wies, vor seinem Schreibtisch sitzend, ihr einen, Stuhl an, suchte dann unter den Acten neben sich eine heraus, blätterte dain und fragte: Sie sind die Frau Albertine Schwabe, diö Zimmervermietherin, die man in unserem Viertel die SchlafVerkäuferin nennt?" Ihr Gesicht würd: fahl, dann stieg ihr das Vlut zur Stirn. Die Frau Schwabe bin ich, aber das Andere möcht' ich mir doch verbitten, Herr Hauptmann," antwortete sie schwer verletzt. Ich bin eine erfahren: Frau, die ihr Geschäft ebenso redlich und reinlich betreibt, wie alle Anderen!" Der Hauptmann hörte gar nicht auf sie. Sie sollen während der Jahre 18 . . mit Ihrem Mann, dem Heinrich Schwabe, in der Provinz in L. ein Gasthaus gehalten haben, und als das Geschäft nicht mehr gehen wollte. Beide nach Berlin gezogen sein." Frau Schwabe schier) betroffen darüber, daß er so weit zurück aushole. Sie nickte schweigend. Wo waren Sie und womit beschäftiqten Sie sich, ehe Sie den Schwabe heiratheten?" Die Frage setzte sie in Verlegenheit. Sie. schwieg. Sie traten bei dem Kaufmann Münzer in S. als Wirthschaften ein, nachdem dessen junge Frau gestorben. Münzer wollte Sie heirathen, hatte aber Unglück im Geschäft, ging nach Amerika und ließ Sie mit einem Kinde, einem Mädchen, zurück." Frau Schwabe senkte die Augen, erschreckt über diese Kenntniß ihrer Vergangenheit, die ihr selbst kaum noch erinnerlich. Und das Alles stand da in dem Actenheft! Das Kind," fuhr der Hauptmann fort, das den Namen Elisabeth erhielt, nahm der Bruder dieses Münzer, ein Landpfarrer, zu sich. Sie heiratheten danach den Schwabe, und der hat wahrscheinlich nie von ihm gehört." Dagegen war nichts zu sagen Frau Schwabe saß mit gesenkter Stirn da, nicht begreifend, wohin eigentlich der Beamte wolle. Das Alles war doch nichts Unrechtes! Nachdem Ihr Mann gestorben, ernährten Sie sich durch verschieden?tige Beschäftigung. Es spricht während all' der Jahre nichts gegen Sie!" Das wollte ich meinen!" Die Schwabe athmete auf. Aber warum ward sie denn so in's Gebet genommen? Der Hauptmann fuhr fort: Haben Sie während all' der Zeit nichts von dem Mädchen gehört? Haben Sie sich nie um dasselbe gekümmert?" Beschämt schüttelte sie den Kops. Ein strafender Seitenblick des Hauptmanns traf sie für dieses Bekenntniß. Der Landpfarrer, ein kinderloser Wittwer, ist gestorben, als .das Mädchen im fünfzehnten Jahre stand. - Er hatte demselben eine gute Erziehung g ,.ben, aber das Wenige, was er zu rückgelassen, nahmen seine Verwandten und um das Mädchen kümmerte sich keiner von ihnen. Da es indeß etwas gelernt hatte, ward es in der Stadt als Hilfslehrerin an den untersten Klassen der Armenschule verwendet, hat danach, als es erwachsen, bald da bald dort in verschiedenen Familien ein Unterkommen gefunden " und sich gut geführt, bis es in seiner letzten Stellung als Hauslehrerin in Rathenow vor einiger Zeit in den dringenden Verdacht kam, ein Armband entwendet zu haben." Frau Schwabe, die scheinbar gleichgiltig zugehört, zuckte erschreckt zusammen. Vielleicht hatte dies doch eine Stelle in ihrem Herzen getroffen. Dieser Verdacht erscheint nun. da durch begründet, daß sie, anstatt ibre Unschuld zu beweisen, heimlich die Flucht ergrisf. ehe sie noch angeklagt war, und spurlos verschwunden ist. Inzwischen hatte man eine Veranlassung gesunden, auch eine andere Person in Verdacht zu nehmen, der aber leider nichts zu beweisen war. Ist sie nun wirklich unschuldig, so hat sie sich in ihrer Angst in doppelter Hinficht den dümmsten Streich gespielt. Man forscht nach ihr nämlich aus zwiefachen Gründen, erstens dieses Diebstlhls wegen, und zwtens läßt das deutsche Consulat in Philadelphia nach ihr suchen. Der Vater der Flüchtigen, der Kaufmann Emanuel Münzer. ist nämlich dort gestorben und hat ein Vermögen von beinahe dreimalhunderttausend Dollars hinterlassen, die seinem Kinde Elisabeth welchen Familiennamen man ihr gegeben, ist ihm unbekannt ausgezahlt werden sollen, wenn es noch am Leb:n. im anderen Falle zur Gründung eines Waisenhauses in der Stadt S. zu verwenden sind. Da man nun in Erfahrung gebracht, daß Sie die Mutter dieses unglücklichen Mädchens sind, erhielt ich den Auftrag, Sie zu vernehmen, und Sie haben jetzt alle Ursache, die Wahrheit zu sprechen, wenn Sie von dem Verbleiben der Gesuchten etwas wissen sollten." Frau Schwabe hatte sich noch nicht von ihrer Ueberraschung erholt. Sie legte, nach Athem suchend, die Hand auf die Brust. So wahr mir Gott helfen und mir verzeihen möge, ich habe nie von ihr qekört!" bekannte sie mit dem vollen Schein der Aufrichtigkeit. Ja. das soll Ihnen Gott erst ver-zeihen!"
Der Hauptmann legte das Actenheft vor sich hin. So habe ich heute nichts mehr mit Ihnen zu sprechen; aber ich erwarte, daß Sie das Möglichste thun werden zur Auffindung der Verschwundenen, deren Leumund ein sonst tadelloses fein soll, und die vielleicht nur aus bloßer Furcht vor Berührung mit den Gerich ten sich versteckt hält, während sie jetzt über ein großes Vermögen gebieten könnte!" Mit' hochklopfenden Herzen verließ die Schwabe das Büreau. Sie wußte nicht, was Dollars seien; aber Dreimalhunderttausend! Und der Hauptmann hatte ja wie von einem, großen Vermögen gesprochen! Wie hätte es sich jetzt belohnt, wenn sie sich um das Kind bekümmert hätte! Aber welche Möglichkeit hatte sie jetzt! Sie-hatte die Dienstbücher und, Papiere ihrer gegenwärtigen Inwohnerinnen .in der Tasche mitgebracht, str den Fall, daß mit der Einen oder der,Anderen etwas nicht richtig sei. denn sie forderte dieselben jedes Mal. wenn eine Neue zu ihr zog, und gab sie erst zurück, wenn diese die" Kammer aufgab; hätte sie ahnen können, um was es sich diesmal handle und dreimal O. Gott, der G:danke war fast betäubend! Sie eilte nach Hause, um sich zu beruhigen, auch das Wort Schlafverkäuferin" zu verwinden, das sie sehr gekränkt hatte. Viel Glück hatte sie mit ihren gegenwärtigen Miethsgästen nicht. Sie schienen ihr alle sieben ganz ordentliche Mädchen.Gesch'öpse zu sein, aber sie waren furchtbar arm. Die Eine war die Frau eines Maschinen'Arbeiters, der kürzlich gestorben, nach dessen Tode der Gerichtsvollziehe? die schon bei seinen Lebzeiten gepfändeten Habseligkeiten fortgeschleppt. Sie war so arm. daß sie sich nicht einmal ein dürftiges Trauerkleid hatte anschaffen können; der Hauswirth hatte ihr den Rest der Miethe geschenkt und sie hinausgesetzt, und jetzt arbeitete sie in einer Spitzenfabrik. Vor vierzehn Tagen war sie in eine der Kammern gezogen; für die letzteWoche hatte Frau Schwabe 'ihr die Miethe gestundet, aber morgen war ja Sonnabend, und sie bekäme ihren Lohn. Die arme junge Frau that ihr leidzTags arbeitete sie und Abends saß sie in ihrer Kammer und weinte. Die Andere war auch eine verunglückte junge Frau, aber abgezehrt von Leiden. Ihr Mann, der sie verlassen, war Stubenmaler, und jetzt verdiente sie ihren kümmerlichen Lohn bei einem solchen durch Farbenreiben, und das war so ungesund. Sie hustete die Nächte hindurch, aber sie behauptete immer, ihrer Lunge thue das nichts. Die Dritte mochte wohl ein ganz anderes und besseres Leben gekannt haben. Sie war 35 Jahre alt, mußte schon gewesen sein und bewahrte in ihrem Schließkorb noch einige werthlose Sachsen aus schönerer Zeit. Sie war die Tochter eines Lehrers, der längst gestorben, und jetzt als Handreicherm in einer Nähschule beschäftigt. Vor zehn Uhr kam sie niemals nach Hause; was sie Abends trieb, wußte ihre Wirthin nicht. Sie trieb dabei aus alter Angewohnheit noch gern Luxus aber einen recht armseligen, den sie sich Sonntags aus den Flicken zusammenstellte, die sie mitgebracht. Sie schien die Hoffnung auf Wiederkehr besserer Zeit nicht aufgegcben zu haben. Die übrigen Gäste bestanden aus zwei älteren Frauen, welche Unterstützung seitens der Stadt erhielten und Morgens nähen gingen, dann endlich aus einer mageren, kränklichen jungen Person, welche die Schwabe vor acht Tagen gar nicht hatte aufnehmen wollen. Sie war aus Pom mern und hieß Sophie Gundling, so besagte ihre schon drei Jahre alte Paßkarte war vor drei Monaten nach Verlin gekommen und hatte in einer Blumenfabrik Beschäftigung gefunden, in der sie wöchentlich sieben Mark verdiente, gerade so viel, um ihre Dachkammer zu bezahlen. Wo sie speiste, das wußte ihre Wirthin nicht, aber diese argwöhnte, daß das überhaupt nicht jeden Tag geschehe, denn die Aermste ward zusehends magerer und bleicher, ihre graublauen klugen Augen verloren immer mehr an Glanz, ihre Wangen wurden wie durchsichtig, ihre Schläfen nahmen eine gelbliche Farbe an, ihre eingesunkenen Mundwinkel gaben dem sonst ganz hübschen Gesicht ein vergrämtes Ansehen und ihr ost recht schweres, müdes Athmen aus der hohlen Brust deutete auf beginnende oder gar schon vorgeschrittene Schwindsucht. Trotzdem zeigte sie ihrer Wirthin gern ein gezwungenes Lächeln. Sie seh: nur so kränklich aus, sagte sie, weil das Einathmen des Farbstosfs und Staubs so schädlich sei, daß immer. einzelne ihrer Colleginnen zeitweise ins Krankenhaus müßten. Aber nervös war sie, und in hohem Grade, das gab sie zu, weil sie es nicht verHeimlichen konnte, wenn sie Abends bei der Schwabe in der Küche sitzen und umsonst mit ihr eine Tasse Cichorien trinken durste, denn sie fuhr oft unwillkürlich zusammen und ihre Züge nahmen eine krankhafte Spannung an. Alt wird Die nicht sagte sich die Schwabe wohl, wenn Sophie Gundling sie verließ, um ihr Lager zu suchen. Aber was hat denn so ein armes Geschöpf von seinem Leben!" Was sonst noch die Dachkammern theilte, waren Tages- oder vielmehr Nachtgäste, die meist nach Feierabend erschienen, -um ein Obdach für eine Nacht oder mehrere zu begehren. Sie verschwanden, wie sie gekommen waren, und dasAnmelde-Büreau erfuhr nichts, woher sie gekommen und wohin sie gegangen; ihrLogisgeld hatten sie ja vorh:r zu bezahlen gehabt. .. . ... ; .
Einige Woch:n waren seit Frau Schwabes Ladung vor den PolizeiHauptmann verstrichen, recht unruhige Wochen für sie. denn die Sache mit der Erbschaft wollte ihr nicht aus dem Kopf. Einen Tag um den andern fragte sie im Revier-Büreau nach, ob denn das Mädchen noch nicht aufgefunden sei. Sie ließ sich bei ihrem Materialisten jeden Tag das Jntelligcnzblatt zeigen und durchflog die polizeilichen Nachrichten immer vergebens. Es brannte sie, irgend Jemandem zu erzählen, was ihr so Unglaubliches passirt sei, was ihr keine Nuhe lasse, aber dadurch dadurch fiel doch eben lein günstiges Licht auf sie selbst, und so trug sie cS mit sich herum. Doch das machte auch sie nervös. Diese Dreimalhunderttausend lagen da in Amerika und von der Erbin keine Spur! War ja jemals so was erhört worden! Inzwischen machte ihr aber auch diese Sophie Gundling Verdruß. Das arme Geschöpf mußte mit seiner Gesundheit schlimmer dran sein, als es selbst zugeben wollte. Sie sollte eine andere Beschäftigung fuchen, rieth sie, die Wirthin, aber wo eine finden: Und darauf drang diese endlich und ernstlich; sie könne sie bei sich nicht dulden, sie müsse ins Hospital, denn einem Sterbefall, das gestand sie rücksichtslos, könne sie ihre Behausung nicht aussetzen, ohne wochenlangen großen Verlust zu riskiren. Die Unglückliche saß eines Abends wieder bei ihr in der Küche; sie sah wirklich einmal besser aus, als bisher, auf ihre eingesunkenen Wangen hatte sich eine leichte Rothe gelegt, und das beruhigte die Schwabe. Sie hatte eben hinter dem Lampenschirm eine merkwürdige Familiengeschichte gelesen, die zwischen Amerika und Deutschland spielte, und das drängte sie, der Sophie, die auf der andern Seite des Herdes saß, die ihrige zu erzählen. Denken Sie sich, was für ein prächtiges Leben ich mit dem Gelde führen könnte!" schloß sie, den Ellenbogen auf der Hand und den Kopf in die Hand stützend. Die Zuhörerin antwortete nicht, und sie erwartete, in sich versenkt, auch keine Antwort. Die kleine Schwarzwälder Uhr an der Wand schlug inzwischen zehn, und das weckte die Schwabe aus ihren traurigen Gedanken. Morgen will ich wieder zur Polizei," sagte sie gähnend und sich aufrichtend: Heute- aber wollen wir zu Bett gehen! Die Anderen sind ja heute Alle sehr früh nach Haus gekommen!" , 5 Am anderen Morgen, als sie das Töpfchen Milch unten von der Straße heraufbrachte, sah sie, daß in der Küche die Tasse Cichorien-Kaffe der Gundling, die sonst stets die Erste zu sein pflegte, noch unberührt dastand. Die hat sich auch einmal verschlasen!" Damit schritt sie den Flur entlang und pochte an eine der Thüren. Alles blieb still. Sie pochte nochmals vergeblich, öffnete und trat in die Dachkammer. Da lag sie noch und schlief! Sie trat an das Fußende des Bettes. Das Gesicht der Schlafenden war beschattet durch das schräge Dach; ihr dunkelblondes Haar hing ungeordnet um ihre Schläfe, ihre Arme waren auf der Bettdecke ausgestreckt. Gundlingen!" rief die Schwabe ungehalten. Aber das Gesicht der Darliegenden erschien '.hr doch gar zu bleich und ihre Augen waren geöffnet, auch ihre Lippen, und da lag auf dem Bett ein Stück weißen, dünnen Kar-, tons aus der Blumenfabrik, auf dem mit Blei etwas geschrieben stand. Eisig rieselte es der Schwabe durch Mark und Bein. Kaum im Stande, sich aufrecht zu halten, aber jeden Lärm vermeidend, schleppte sie sich zum Kopfende des Bettes, beugte sich und starrte mit einem Schreckenslaut zurück. Sie war todt!... Und da lag neben dem Papier ein ganz kleines Fläschchen, dessen zum Licht gekehrte Aufschrift einen kleinen Todtenkopf zeigte. Von Entsetzen gelähmt, sank sie auf den Stuhl am Bett, auf welchem in größter Ordnung die Kleider der Selbstmörderin lagen. Das thut sie mir an, mir in meiner Wohnung!" ' Die Zähne der Schwabe klapperten aus einander. Ihre Mietherinnen waren alle schon fortgegangen, denn es war acht Uhr. Rufen konnte und wollte sie auch Keine; sie mußt! also zu sich kommen, raffte sich auf und stützte sich auf den morschen Waschtisch. Das Fläschchen da brachte sie aus der Blumenfaörik mit! Sie wollte es mich sehen lassen, die elende Kreatur!. Und das Papier da!" Sie streckte den Arm aus, zog ihn aber schaudernd wieder zurück. Ich muß wissen, was sie da geschrieben hat!" Damit trat-
sie dicht an das Bett, den Anblick derl Todten vermeldeno, paare das Papier, stürzte aus der Kammer und ließ sich zitternd in der Küche auf einen Stuhl sinken. "Aber ihre Augen waren wie geblendet, das Papier brannte ihr in der Hand, und das zwang sie, sich mühselig wieder aufzurichten und an das Giebelfenster zu treten. Dort war's heller, dort konnte sie lesen. Und sie begann die erste mit sichtbar bebender Hand a schrieben? Zeile mit einem Flimmern vor den Augen zu lesen: Ich bin Elisabeth Münzer. . ." Mein Gott, ist denn das möglich....!"' Ihr Arm sank herab mit dem Papier, ihre' Knie fielen hart auf den Boden, ihre Hände stützten sich auf die
ausgetretene Stele. C&vzr fc:e Nacht war's ihr vor den Augen, bis das vor ihr liegende weiße Blatt förmlich ihr auS dem Dunkel entgegen zu wachsen begann und gerade so dalag, daß es keiner lesen konnte ohne es zu beruhren. Elisabeth Münzer" so las sie abermals, und dann weiter: Aber ich kann nicht leben, denn in meiner Brust sitzt der Tod und meine Seele ist belastet mit Schuld. Ich war es, so bekenne ich in meiner letzten Stunde, die das Armbands entwendet. Die Familie, deren Kinder ich unterrichtete, kündigte mir auf der Stelle, weil eins derselben auf dem Spaziergang mit mir in seiner Wildheit den Arm gebrochen. Sie weigerte sich, mir zu zahlen, was mir zukam, und wies mich aus dem Hause." Ich besaß nur wenige Pfennige. Wohin, so obdachlos, so verlassen! Betäubt stand ich da, als die Hausfrau mir den Rücken gewandt und mir befohlen, mein Bündel zu schnüren. Da gab mir ein Dämon den Gedanken ein, mich an dem vor mir auf dem Tische liegenden Armband schadlos zu halten und ohne Abschied verließ ich das Haus. Bettelarm erreichte ich Berlin mit einer falschen Paßkarte,und hier zwang mich der Hunger, den Rath einer Schlafgefährtin in einer elenden Herberge anzunehmen und mich in der Fabrik zu melden, in der sie beschäftigt war. Gist war es, das ich da täglich einathmete zwischen jungen, schon abgezehrten Geschöpfen, aber der Tagelohn fristete wenigstens das armselige Dasein. Das meinige ist nichts als Reue und Elend. Ich will es nicht mehr! Warum die kurze Zeit noch warten, die mir noch beschieden ist! Ich verlasse eine Welt, in der ich zum Elend geboren war. Das Gold in Amerika will ich nicht, denn es kann weder mein Leben erhalten, noch die Schuld von mir nehmen. Mag es Derjenigen zufallen, die sich nun seinetwillen als meine Mutter bekennen wird. In meinem Kleide wird sie noch so viel Pfennige finden, um sich für meinen letztenSchlaf bezahlt zu machen." Die letzte Zeile war mit schon ermüdeter Hand geschrieben. Die Lesende starrte mit verzerrtem Antlitz auf sie hin. Den letzten Schlaf!" ächzte sie. Ihre auf den Boden gestützten Arme erlahmten, sie sank mit dem Gesicht auf die Diele und so lag sie wie bewußtlos da. Um die Mittagszeit erschien Frau Schwa.be wieder im Polizei-Büreau und wünschte mit bleichem, leidtragendem Gesicht den Hauptmann selbst zu sprechen; sie habe ihm Wichtiges mitzutheilen. Diesem, der eben zu Tisch gehen wollte, überreichte sie mit der Miene einer Finderin 'ein Papier, mühsam und mit niedergeschlagenen Augen herausbringend: Ich habe sie gesunden!" Wen? Die Elisabeth Münzer?" Ja! Sie wohnte bei mir, hatte sich als Sophie Gundling eingeschrieben. Jetzt ist sie todt!... Lesen Sie nur!" Während der Hauptmann las. sank sie auf einen Stuhl und krampfte die Hände im Schooß zusammen. Nicht wahr! Es ist gar ZU traurig!" rief sie, als der Beamte qelesen. Was meinen Sie? Werde ich das Geld aus Amerika bekommen?" Schwerlich!" Er nahm seinenHelm, winkte Frau Schwabe, ihm zu folgen und übergab das Papier dem Wachtmeister: Nehmen Sie die Aussage der Frau da zu Protokoll!" Schwer enttäuscht blickte sie dem Hauptmann nach, als dieser hinaustrat. Das schöne Geld in Amerika, was wird aus dem jetzt?" fragte sie, als der Wachtmeister niedergeschrieben, was sie mit keuchendem Athem erzählt. Na! Die Erbin ist ja gestorben; es wird damit das Waisenhaus erbaut!" Er streute Sand auf sein Protokoll und ließ sie ihres Weges gehen. Naiv.
Die Blumen- und Landschaftsmalerin Olga W., die im X'schen Kunstsalon eine Kunstausstellung veranstaltet hat, weiß folgende kleine Geschichte aus ihrer künstlerischen Thätigkeit zu erzählen. Sie malte eine alte Bäuerin aus der Umgebung Wiens. Das Bild erregte Aufsehen und wurdz von dem Kaiser Franz Josef angekauft. Als die Künstlerin das nächste Mal in das Dorf kommt, erzählt sie der Bäuerin mit gebührendem Stolze von ihrem gemeinsamen Erfolge: Weißt, Wab-rl, der Kaiser hat Dei' Bild 'kaust!" I Du mein'. Und was hoat er y'zahlt?" sagt die Alte. Denk' Dir, fünfhundert Gulden!" Na weißt," ruft das Waberl, da hast'n Franzl aber guct oang'schmiert!" Immerhin Etwas. A.: Also Deine Schwester hat sich verheirathet?" B.: Ja, und sie hat eine ausgezeichnete Parthie gemacht. Die Banderbikts " A.: Hat sie in die Familie hineingeheirathet?" 23.: Well, man kann wohl, sagen. Sie heirathete einen Neffen von Bänderbilts Küchenchef. Er ist Pferdebahnkutscher." Der eigensinnZge Pat i e n t. Doktor: Sie müssen eine Brille tragen, mein Lieber." 'Chappie: Ich würde ein Monocle vorziehen." Doktor: Dann werden Ihre beiden Augen afficitt werden." Patient: Dann werde ich zwei Morscles tragen."
Grausam Auf meinem Wege hört' ich ein Schrei'n, Ein Aechzen, Stöhnen und Wüthen, Voll Schrecken eilt' ich in's Haus hin--ein. Ein Verbrechen vielleicht zu verhüten. . . Da wohnte ein Witzblatt-Ncdakteur. Der Lärm hatte nicht getrogen, Der Jammer kam von den Witzen, dieer , An den Haaren herbeigezogen!... Pfisfig.
.So geht's nicht. So geht's wir Zwei zusammen wiegen 163 Pfund. . . , Ich allein wieg' 110 Pfund bleibt für die Sau 53 Pfund!" , Erkcnnungssccuc. i (A. und B. haben sich soeben gegenseitig vorgestellt). A.: Mit einem Knaben Ihres Namens bin ich in die Schule gegangen!" B.: Wie war fein Vorname?" A.: Das weiF ich ,u."-' . . nimmer; es war ein rechter Lausbub'!" 23.: Ach, ich erinnere mich; das war ich ja selbst! Und Sie waren damalsein recht fader Kerl!" 21.: Das stimmt!" A. und V.: Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu erneueren!" Eineauf gehobeneVerl o b u n g. Er: Ich liebe Dich mehr, als Du mich." Sie: Das ist nicht wahr! Ich liebe Dich weit mehr.' als Du mich." Er: Nein, ich liebeDich mehr!" Sie: Gegen meine Liebe ' ist die Deinige gar nichts." Er: Mary!" Sie: John!" Err Miß Smith!!" Sie: Mr. Jones!!!" Seelenwanderung. Meyer: Glauben Sie an die Wänderung der Seelen?" Hicks: Gewiß. Sie nicht?" Meyer: Manchmal. Was glauben Sie, daß ich vor meiner Menschwerdung war?" Hicks: Or ich weiß es nicht. Ein Schwamm verrnuthe ich." , Ja 6a ß. -Frau Meyer: Na. wie wollen wir unsern Jungen nen nen? Denkst Du. nicht auch, Jack" is ä schöner Name?" Herr Mever: Unsinn. So heißt hier jede? Esel!- .
