Indiana Tribüne, Volume 17, Number 269, Indianapolis, Marion County, 17 June 1894 — Page 3
Bor den Pyramiden von Tcotiyuacan.
von Emtt Ritdel. , Unker dem Westmantel dcZ Vulkanreichen Schneegebirges (Sierra Ne'vada), welcher das Thal von Mexico 'pon dem von Pueblo trennt und nahe dem verbindenden Bergpasse, umschließt eine Gruppe stattlicher Berge und Hügel das denkwürdige kleine Thal von Teotrhuacan. Etwa in der Mitte derselben besindet sich eine der interessantesten und bedeutendsten Ruinenstätten der neuen Welt.welche gerade in letzter Zeit durch mehrere wichtige Funde große Ausrnerksamkeit erweckt hat. Es ist dies die ehrwürdige Pyramidenstadt Teoti huacan, als deren Erbauer der in mystisches Dunkel gehüllte Stamm der Toltcken gilt. Hier haben stch nach alten, heiligen Legenden die Götter der Mexicaner offenbart und ihre Geböte kundgegeben, wie der Gott der Juden auf dem Berge Sinai und sich für das Wohl der Menschheit geopfert, wie der Gott der Christen auf dem Calvarienberge. Noch heute erinnert der Name daran, denn Teotihuacan' bedeutet in der aztekischen Sprache: Ort (can) der Götter-(teotl)Botschaft (ihua) oder der .göttlichen Osfenbarung. Dieser Ort war Jahrhunderte lang das Jerusalem oder das Mekka der fanatischen Toltcken und Chichi meken. Die beiden hohen Pyramiden.welch: so ziemlich unversehrt die Ruinen überragen, wurden als Denkmäler eines neuen Kultus errichtet, der hierher die Schöpfung der leuchtenden Gestirne des Tages und der Nacht ver- , legte, und ihre göttliche Verehrung anbefahl. Noch heute führen sie den Namen der Sonne und des Mondes. Humboldt hat die Sonnenpyramide von Teotihuacan mit der Cheopspyramide von Ghizeh (Egypten) vergli chen, weil sie beide die höchsten und eigenartigsten Bauwerke eines untergegangenen Kulturvolkes bilden. Merkwürdig ist es, daß zwei örtlich und zeitlich so weit von einander enlsernte Völker ein so eigenartiges und unzweckmäßiges Gebäude errichteten. dessen Herstellung viele Jahre und Tausende von Menschenhänden erforderte. Die Nuinenstätte von Teotihuacan, welche nach Batres beinahe vier und eine halbe Quadratmeile umfaßt, befindet sich nur fünfundzwanzig Meilen nordwestlich von der Hauptstadt und ist jetzt leicht durch zwei Eisenbahnen zu erreichen. Die Mexicanische und auch die Jnteroceanische Bahn durchstreifen das Thal und man kann vom Eisenbahnfenster aus die beiden Pyramiden erkennen. Da sie mit Bäumen, Sträuchern und Gras bewachsen und die hier häufig vorkom inende Form eines abgestumpften Kraterkegels haben, fallen sie jedoch kaum auf und werden allgemein für natürliche Erhebungen gehalten. Nur wer sie schärfer beobachtet, bemerkt auch aus der Ferne die regelmäßigeren kantigen Seiten und gleichmäßigen .Abhänge, welche an die Pyramidenbauten erinnern. Der kleine, wellige und ziemlich dürre Thalwinkel von Teotihuacan bildet einen Theil des großen Thales von Mexico und umschließt die alten Ortschaften Acolman, Teotihuacan und Otumba. Die überragenden Berggipfel sind zum Theil nackte Fel'sen, zum Theil mit Gras und Wald bedeckt. Hohe Weinagaven, schlanke, riesiege Orgel- und krumme Feigenkakteen geben der Landschaft die charakteristischen Merkzeichen des mexikanischen Hochlandes. Daneben bemerken wir einige wenige Sträucher und Saume, wie Huisache-Mimosen.Pfef-ferbäume, Auccapalmen und Cypressen (Ahuehuetes). Das etwa viertausend Bewohner zählende Dorf San Juan Teotihuacan befindet sich ungefähr zwei Meilen südwestlich von der Station der Mexicanischen Bahn und der Ruinenstatte, versteckt unter stattlichen Cypreen und überragt von dem schlanken Glockenthurme der Pfarrkirche. Bon Südosten her windet sich in dreiiem, tiefem und felsigem Bette ein bescheidenes Bächlein (Arroyo) durch das Thal, das jedoch im regenreichen Sommer meist zum reißenden Strom anschwillt. Südlich vom Dorfe be-
finden sich einige Quellen und in der Umgebung zahlreiche Höhlen, die wohl zumeist von alten Steinbrüchen herstammen. Ein Theil des Dorfes und der benachbarten Gutshöfe (Haciendas) sind aus den Ruinen der alten Pyramidenstadt erbaut. Auf ihren verödeten Trümmern sonnen sich heute bunte Eidechsen und Chamäleons und tummeln sich zahlreiche Kaninchen von großer, stattlicher Art. Den Mittel'Punkt der Ruinenstätte bildet eine fünfundsechzig Fuß breiteKunststraße, welche vor ver Mondpyramide ihren Ansän nimmt und einst das kleine Ähal Nlehre.re Meilen lang in südwestlicher Richtung durchquerte bis zum Hügel von Matlatzinca. Der etwa ein und eine Äiertel Meile lange Haupttheil der Straße wird heute von ,den aztekischen Bewohnern der Umgebung als Miccaotli" oder Todten strafe" bezeichnet, weil sich am Rand: derselben verschiedene Grabhügel befinden. Die hier lebenden Azteken sind meist kleine kupferrothe Gestalten mit kur$tm Gesichte, niedriger, gerader Stirn, großen dunklen Augen mit langen Wimpern, breiter, meist platter Nase, großen, vorstehenden Ohren, breitem Munde und spitzem Kinn. Den echten' 'Typus eines solchen Indianers finden' wir in dem Aufseher der Ruinen, Senor Madrid, vor, welcher sich uns aufder nahen Station der-Mexicanischen Bahn als .Führer zu den Ruinen vor..stellt .. x
Xtx kleine kundige unv gesprächige 1 aztekische Archäologe bringt uns zunächst zu seinem bescheidenen Jacal" (Hütte) im Kirchspiele von San Sebastian, wo er sich als eifriger Sammler und Händler in Alterthümern offenbart. bei deren Fabrikation ich ihn mehrmals überrascht habe. Dicht bei der armseligen Hütte aus Steinen und Lehmziegeln wurden jüngst dieGrundmauern und Fußböden frei gelegt. Die Mauern bestehen aus einem Masswerk von Stein und Mörtel; der Fußboden ist aus Cement, sein polirt und gefärbt. Bon hier aus führt er uns erstlich zur Todtenstraße, an deren Südein-. gange sich auf derOstseite ein festurrzsartiges Bauwerk erhebt, welches den Namen Ciudadela" (Citadelle) führt. Diese Feste besieht aus einem breiten, rechteckigen Walle aus Lehmziegeln (Adobes), welcher 1963 Fuß lang und ein Drittel dieses Maßes breit, 16 bis 32 Fuß hoch und 262 Fuß dick ist. Seltsamer Weise flacht sich diese Mauer nach außen ab, während sie' nach innen zu aufsteigt und ist auf der .Westseite nur halb so hoch ist wie die übrigen Seiten. Auf dem breiten Walle erhebt sich an jeder Seite eine Gruppe von Hügeln (Gebäudereste oder Grabstätte?). Auf der Ostseite besteht dieselbe aus drei, auf den übri-
gen-etten aus vier solchen royausen. Mitten in dem Hofe steht auf viereckiaer Basis eine abaeitumvfte Vnramide mit zwei Hügeln, welche den Wall wie izachtourme um mehrere Fug uverragen. Sie bestand wahrscheinlich, aus zwei Stockwerken und hatte einenAufgang auf der Ostseite. Im Westen windet sich als natürlicher Graben das felsige, mit zablreichen Obsidianstücken bestreute Bett des Äergoaches (AtlaUchtle, Arroyo) an der Feste vorüber und kreuzt dann im Norden die Todtenstraße. Dieselbe ist heute in ein Agavefeld umgewandelt worden und trägt viele Hunderte jener verhängnißvollen mexicanischen Weinpflanzen, welche einst die Zerstörung des Toltekenreiches verursacht haben sollen. Ungefähr eine halbe Meile von der Festung und auf derselben Seite befindet sich der gewaltige Bau der Sonncnpyramide (Tonatiuh Tzacualli), welche von den drei Außenseiten von einem Walle eingefaßt wird, ähnlich demjenigen der Citadelle", doch um 13 Fuß niedriger und um 65 Fuß weniger stark. Die Pyramide bildet inen Kunsthügel in der Form eines abgestumpften Kegels und zeigt Spuren von drei Terrassen, welche sie in vier Stockwerke abtheilten, zu welchem ein Zickzackgang bis zur Plattform 'hinaufführte. Der Mantel ist mit Mimosengebüsch und Pfefferbäumen, Agaven und Kakteen, Gestrüpp und Gras bewachsen und der Tummelplatz vieler Kaninchen. Oben auf .der Plattform steht auf der Westseite ein Trümmerhaufen, der vermuthlich einst die Kapelle oder das Heiligthum bildete. wie auf den Pyramiden der Azteke'n. Von hier aus überschaut man das kleine malerische Thal von Teotihuacan und den Südosten des weiten, herrlichen Thales von Mexico mit dem See von Teycoco, den Thürmen und Kuppeln der Hauptstadt und der schneegekrönten Vulkangruppe des Popocatepetl und des Jsstaccihuatl. Aor der Pyramide stehen verschiedene kleinere kegelförmige Hügel, ähnlich den Mounds" der Vereinigten Staaten, welche von den Bewohnern des Ortes für Grabmäler der Häuptlinge gehalten werden. . Diese Pyramide bildet nach Cubas an der Basis ein Rechteck von 761 Fuß Länge (Nord- und Südseite), bei 721 Fuß Breite (Ost- und Westseite), erreicht bei einer Steigung von 31 bis 36 Grad eine Höhe von über 216 Z?uß. Die ebenfalls rechteckige Plattform hat 105 Fuß Läng: bei 58 Fuß Breite. Soviel bisher erforscht wurde, besteht das über 4 1-2 Millionen Kubikfuß enthaltende Bauwerk aus je vier Schichten Masswerk von verschiedener Stärke: zuerst ein Mörtel von kleinen Steinen und Lehm, darüber ein anderer aus verhärtetem Thon (Tepetate) mit Lehm, ein dritter aus Sand von porösem Amygdaloid (Tezontle) mit Lehm, und zulekt ein dllnner polirter Cementboden aus feinem Basc?:tsande. Der höchste Kunsthügel oer ereiniaten taaten.der &ahain Mound in Illinois, ist nur 90 Fuß rzocy. z tzsonnenpyramlde von Teotihuacan ist dagegen mit 216 Fuß mehr als doppelt so bock, dock kaum halb so erhaben, wie die 452 Fuß hohe Cheopsvyramide oder das 555 Fuß yoye Wa ymaton-Denkmal. Vor der Sonnenvvramide befindet sich bei einem viereckigen Becken ein ugel muten aus ver Todtenstraße der eröffnet worden und eine Grab kammer ohne Leichnam entbielt. Etwa auf dem halben Wege von hier nach vem Mordende der Straße befindet sich ein dreieckiger Platz, bekannt als Suulenplatz", und eingefaßt mit fünf großen steinernen Plattformen sowie Resten von Pfeilern und einigen liuirnrien wtemen (Zlasse! der Klav Perschlange). Weiter nördlich nahe vem 'unopiatze . vor der Mondpyramide sind quer über der Straße einige Stufen erkenntlich. Mitten auf dem Platze und zu beiden Seiten stehen yugel, welcye zum Theil als Trum merhaufen von Gebäuden erkannt wurden, zum Theil für Gräber aebal ten werden. Im Hintergrunde ist ein viereckiges Becken, das vielleicht wie dasjenige naye der onnenpyramide einen Brunnen enthielt. !m Norden, beinabe eine Kalb Meile von der Sonnenpvramide. wird der Platz und die Straße durch die über 150 Fug yoye ivconopyramlde (MeztllTzacualll) abgeschlossen, wel che ebenfalls auf einer rechteckigen Ba sis von 511 Fuß Lange (Ost und Mti und 426 Fuh Breite ruhtund
annähernd nach dem magnetischen
Meridian orientirt ist. Das Material und die Steigung ist ähnlich dersenigen der Sonncnpyramide. Auf der 52 Fuß :m Geviert enthaltenen Plattform steht hier ein Trümmerhügel auf der Ostseite. der ebensüLs ein Heiligthum gebildet haben mag. Vsr demselben sUhrt em viereckiger Schacht von ungefähr dreieinhalb Fuß aus jeder Seite in das Innere der Pyramide. bis zu einem in der Mitte gelegenen Gewölbe, das wahrscheinlich den Leichnam eines Fürsten enthielt. Das kolossale Steinbild (Monolith), welches auf der Plattform stand, liegt jetzt im Torso mitten auf dem Rundplatze. Ein ähnliches Bildwerk, die Wasserg'öttin von Teotihuacan, von über 10 Fuß Hohe und 15 Tonnen Gewicht, wurde in einer Höhle nahe dem Westfuße der Pyramide gefunden und ziert jetzt das Nationalmuseum in Mexico. Auf der Westseite der Todtenstraße haben Charnay und Batres aus zweien der zahlreichen Trümmerhaufen interessante Gebäudereste ausgegraben. Nahe dem Rundplatze entdeckte Batres in 1866 das mehrstöckige Freskenhaus" mit- Ueberbleibseln einer Wasserleitung. Die jetzt verschwundenen Fresken erinnerten in Darstellung und Ausführung an aztekische Bilderschriften. Das größere stellte ein Gabenopfer dar. Weiter südlich hat Charnay den Pfeilerpalast" freigelegt, der mehrere geräumige Zimmer und Säle enthält. In einem derselben stehen Reste von zwei, m dem anderen von sechs sich nach oben verjüngenden viereckigen Pfeilern. Hier wurde auch das sogenannte Kreuz von Teotihuacan" gefunden, eine Steinplatte, welche ein unterirdifches Gewölbe verschloß und sich jetzt im Nationalmuseum befindet. Unter den, zahlreichen Alterthümern, welche hier gefunden wurden, sind nächst der kolossalen Wassergottheit" und dem Kreuze", besonders die steinernen Schlangensymbole (Klappern) und die verschiedenen zum Theil sehr schön ausgesührten und schwarz gefärbten Thonwaaren von großem Interesse. Darunter befinden sich Schalen, Becher, Vasen, Teller, Schüsseln, Töpfe, Formen, Stempel, zahlreiche Götzenbilder und Portraits, sowie auch eine Gliederpuppe. Aus den umliegenden Maisfeldern werden alljährlich viele Thonwaaren, sowie Messer, Instrumente und Waffen von Obstdian und anderem Gestein an's TageZlicht befördert, die nicht nur den Erzeugnissen der Azteken sehr ähnlich sehen, sondern auch vielfach an die Hügelbauer von Nordamerika und die Inkas von Peru gemahnen. Alle diese Funde bestätigen, daß die Kultur der Tolteken eng mit derjenigen der Azteken und Chichimeken verwandt war. Auch diese erbauten Pyramiden als Tempel, welche zugleich als Grabstätte für die Fürst und Papst rcpräsentirenden Herrscher und (wie auch häufig unsere Kirchen) im Nothfalle als letzte Zufluchtsstätte und Festung dienten. Die Todtenstraße war mit ihren Pyramiden und Denkmälern einst das Herz einer volkreichen Stadt. Um diese Heiligthllmer gruppirten sich die öffentlichen Gebäude, wie Markthallen und Theater, Ballspiel- und Zeughäuser, sowie die geräumigen Paläste der Fürsten, Priester und Häuptlinge, welche zugleich die verschiedenen Verwaltungsämter und die Wohnungen der zahlreichen Dienerschaft enthielten. Von diesen Pyramiden verkün'dete alltäglich der dumpfe Ton der Trommel (Huehuetl) den Äufgang der Sonne und die Tageszeiten. Zu diesen Heiligtümern pilgerten an Festtagen Tausende von frommen Wallfahrern, um durch Gaben und Kasteiungen die Gunst der hehren Lichtgötter Tomacatecuhtli (Sonnenherr) und Tomacihuatl (Sonnenfrau, Mond?) zu erflehen. Dieser heilige Ort wird zwar mehrfach von den älteren Schriftstellern erwähnt, doch die Daten über seine Gründung und Gründer stimmen durchaus nicht überein. Nach Sahagun, der auch die Schöpfungssage berichtet, wurde der Ort von den Ulme ken oder Nonoalkos gegründet, nach Jxtlilxochitl von den Tolteken, nach anderen von den Chichimeken. Nach Gomara wurden die Pyramiden im Jahre 694 n. Chr. erbaut, bald nach der Einwanderung der Tolteken. In 1120 besetzten die Chichimeken unter ihrem Führer Xolotl den Ort und dessen Nachkommen wurden die Herren der Stadt. Während der Regierung des weisen Chichimekenfllrsten Netzahualcoyotl, der im nahen Texcoco residirte, war der Herr von Teotihuacan (Quehalnamalitzin) zugleich Vorsteher des Kriegsgerichts. Nach der Schöpfungssage, wie sie uns Sahagun, Mendieta und Zumarraya erzählen, versammelten sich hier die Götter, um die dunkle Welt zu erleuchten. Es wurde beschlossen, das sich zwei der Götter dem Feuertode opferten und für diese Helden errichtete man die beiden Pyramiden. Nach Vollendung derselben wurde auf dem nahen Felsen Teutezcalli ein ScheiterHaufen entzündet und nachdem man vier Nächte auf den Pyramiden Opfer dargebracht, begaben sich die Götter auf den erwähnten Felsen zur Schöpfung der Gestirne. Nach Sahagun stürzte sich zuerst Gott Nanaoatzin in die Flammen und erschien als Sonne, während der ihm in die glühendeAsche folgende Tecuciztecatl als Mond am Himmel leuchtete. Beide Gestirne erschienen unbeweglich, bis sich sämmtliche Götter nacheinander als Opfer abschlachten ließen. Nun erhob sich I em? i. . r n i s, ' .' ein llino, weicyer txyi oie sonne uno dann den Mond in Bewegung brachte. So wurden, nach Zumarroga, diese Gestirne geschaffen, um die We't zu erhellen. Doch als Gegendienst ver- ' langte sie dafür den abscheulichen ftuj
tus'd'er Menschenopser. 'Die Pyramiden sind die stummen Zeugen dieser göttlichen" Verirrung, welche: Tausende von Menschenherzen zum Opfer sielen. Qzetterzauver.
Die' bei den verschiedenen Völkern herrschenden abergläubischen Vorfiellungen von einer Beeinflussung des Wetters durch Zauberei sind Gegenstand sehr sorgfältiger Studien des Freiherrn F. v. Adrian gewesen. In den Mittheilungen der Wiener Anthropologischen Gesellschaft hat er die Ergebnisse seiner Forschungen niedergelegt. Man erkennt daraus, daß zu allen Zeiten und bei allen Völkern, die noch nicht vom Licht der Naturwissen schaft erleuchtet sind, der Glaube vorherrschte, daß der Mensch durch gewisse religiöse oder durch abergläubische Gebräuche, Handlungen oder Gebete das Wetter beeinflussen könne. In der griechischen Philosophie wird bis zu den Neuphythagoräern und Neuplatonikern herab die Erfüllung des Luftraumes und die Beeinflussung der Wettererscheinungen durch Seelengespenster gelehrt. Porphyrius spricht von Dämonen, denen die Aussicht über das Wetter obliege. Bei den Griechen hielt man Wolkenbildungen, Regen und Gewitter für unmittelbare Aeußerungen des Zeus. Nach Hippokrates verstanden die griechischen Zauberer die Sonne zu verfinstern, Regen oder Dürre hervorzurufen. Selbst Pausanias behauptet, er habe durch Beschwörungen den Hagelschlag abwenden gesehen. In Rom wurden Regenprocessionen veranstaltet', bei welchen Matronen mit aufgelösten Haaren barfuß zum Hügel zogen und den Jupiter Pluvius anriefen. Aus dem Werke des im 9.Iahrhundert lebenden Bischofs Agobard ersieht man. daß damals Wetterbeschwörer förmliche Abgaben einholten, und daß die Leute diese lieber entrichteten als den Zehnten und die Almosen. Nach deutschen Akten des 16. und 17. Jahrhunderts sollen dieHexen mit Gerten so lange auf das Wasser von Seen und Bächen geschlagen haben, bis Nebel daraus aufstiegen, die sich zu Wolken verdichteten. Nach der Volksanschauung in Tirol helfen gegen Gewitterhexen geweihte Glocken, doch nicht alle haben gleiche Kraft. In Bayern gab es einen allgemein gefürchteten Wetterzauberer, den rothen Lochschuster bei Steingaden. Er soll gesagt haben: Wenn nicht die Glocken von Denkling murmelten und die Hundeln von Kreuzberg und Unterhausen b?llten, hätte ich den dritten Theil der Welt verdorben." Unter Kaiser Joseph dem Zweiten wurde in Tirol das Wetterläuten verboten,was beim Landvolk schlechten Eindruck machte. . Die Bauern wußten natürlich nicht, daß beim Gewitter dieGlocke ein sehr gefährliches Objekt ist und der Blitz mit Vorliebe in Kirchtürme einschlägt. Höchst merkwürdige Sitten desWetiermachens finden sich auf einigen dänischen Inseln und in der Gegend von Kallundbörg. Die Weiber in den Dörfern machen" in der Regel im Februar Wetter, die Männer im März, alles in einer bestimmten, seit undenklichen Zeiten feststehenden Ordnung. An vielen Orten geht es dem Range nach, sodaß der Pastor und die Pastorin den ersten Tag (jeder in seinem Monat) haben, dann folgen die übrigen Einwohner. Können die Männer nicht die Tage des Monats füllen, so geht die Reih: noch einmal um und beginnt mit den Gesellen, sodaß z. V. der Großgefell am Vormittag Wetter macht", der Lehrjunge am Nachmittag des nämlichen Tages; ebenso die Köchin und die Küchenmagd. Man sagt auf Sejerö. daß der betreffende seinen Tag" hat. Will ein Samsing zu Land oder Wasser reisen, so erkundiat er sich, wen das Wettermachen trifft, und ist sehr besorgt, wenn dies eine als böse bekannte Frau ist, bessere Hoffnung hat er. wenn es eine sanfte Frau trifft. Als im Frühjahr 1892 Südrußland von einer furchtbaren Dürre betroffen wurde, begoß die Bevölkerung eines groben Dorfes nach dem allgemeinen Gebet in der Kirche den Geistlichen in seinem Ornat, nachdem sie ihn vorher zur Erde geworfen. Kein Faden blieb an ihm trocken, sodaß der Geistliche bei der Behörde klagbar wurde. Daß es Wasser und nicht . etwa Schnaps war. mit dem die russischen Bauern ihren Popen anfeuchteten, versteht sich von selbst. Sehr gesuchte Wetterzauberer bei den Ungarn und den Bauern Siebenbürgens sind . die Zigeuner. Gegen den Blitz pflanzen sie Donnerkraut auf die Hausdächer, und um die Frühjahrsfröste abzuwehren, läuft in der ersten Nacht nach der Aussaat ein Zigeuner nackt über das Feld. Die Juden hatten schon in älteren talmudischen Zeiten Regenbeschwörer. Äer Rabbi Chama bar Chanina ordnete in der Dürre ein Fasten an, aber es kam kein Regen. Da sprachen die Leute zu ihm: Siehe, wenn Rabbi Josua ein Fasten verfugte, kam Regen; er aber antwortete: ..Rabbi Josua erreichte seinen Zweck, indem er dem Himmel Vorwürfe machte; es kam Regen, dafür aber wurde der Rabbi. lahm." Dem Rabbi Chama waren seine gesunden Gliedmaßen l:eber als ein Regenschauer, doch verlangte er wenigstens von seiner Herde nichts Unmögliches. Letzteres pflegen dagegen die chinesischen Aerzte zu beanspruchen, indem sie z. B. Drachengebein verlangen, das -zu liefern unmöglich ist. Unbefrievlgender Schluß. Ter Mann: Nimmt der neue Ro man einen glücklichen AuSgang?" Die Frau: DaS kann man nicht j daraus entnehmen. , ES helt nur.
daß t geheirathet gaben."
Äeutenantskummer.
HumoreZke von Freiherr! v. Schlicht. Ich hatte mich an den Schreibtisch gesetzt, um zu arbeiten; da öffnete sich die Thür und herein trat, ohne vorher. angeklopft zu haben, mein Kämerad, derLieutenant Basedow, Sr.Majestät Schönster, wie wir ihn wegen seiner Häßlichkeit stets scherzhaft zu nennen pslegtcn. Aber obgleich ich, da Basedow über mir wohnte und viel mit mir zusammenkam, an sein Aeußeres gewöhnt war, erschrak ich dennoch, als er bei mir eintrat: seine großen Augen waren noch weiter geöffnet als sonst, seine Ohren standen noch mehr ab, als unter normalen VerHältnissen, seine Sommersprossen, die ihn auch im Winter nicht verließen, hatten noch nie so geleuchtet wie heute, und seine kurzen borstigen Haare schienen mir noch steiler als sonst in die Höhe zu stehen. Um Gotteswillen, was fehlt Dir?" fragte ich ihn, während ich ihn in einen bequemen Lehnstuhl zur Seite des wärmenden Ofens niederdrückte, bist Du krank, hat die hochmoderne Influenza auch Dich ergriffen? Kann ich Dir mit irgend etwas dienen.so sprich, es steht zu Deiner Verfügung." Wenn Du ein gutes Werk thun willst," fagte er endlich, so gieb mir, bitte, eine Cigarre nein, bitte nicht von diesen, sondern aus jener kleinen Kiste, die den einfachen Namen Uppmann führt Du weißt, ich bin nicht verwöhnt. So, und nun reiche mir einen Kognak, aber einen großen, denn ich bedarf der Stärkung. So, und nun höre." Und während er den Rauch der schönen Cigarre, von der ich als sparsamer Mensch mir höchstens alle fünf Minuten einen Zug gönne, in dichten Wolken von sich stieß, hub er also an: Das Leben ist schwer, das ist eine alte Geschichte, ja, Manche behaupten sogar, dies Leben wäre eines der schwersten, und die größten Philosophen haben dies nicht wegzuleugnen vermocht. Ein weiser Mann, Schopenhauer, glaube ich, heißt er, hat einmal irgendwo behauptet, das Leben wäre so traurig,daß es sich gar nicht lobnic, geboren zu werden, und ein anderer, noch weiserer Mann, Julius Stettenheim, hat einmal die Behauptung aufgestellt, das höchste Glück auf Erden wäre, ein todtgeborenes Kind zu sein. Dem sei nun, wie ihm wolle, die Traurigkeit des Daseins steht fest.und wenn ein Mensch auf der Welt es schwer hat, so ist es der Offizier. Kürzlich las ich irgendwo, der Offizier wäre überhaupt kein Mensch, sondern .nur eine Maschine. Aber nicht einmal das sind wir: die Maschinen und uns in einem Punkt bedeutend über, sie können streiken. Wenn ihr das ewige Einerlei langweilig wird, bleibt sie eines schönen Tages stehen und freut sich über die Gelehrten, die mit dem Finger an der Nase herumstehen und nach ??ehler im Mechanismus suchen. Hat sie sich etwas erholt und fällt ihr ein, daß sie in der Zeitung gelesen hat, daß bei einem Streik doch nichts herauskommt, dann fängt sie. von selbst wieder an zu gehen, und die weisen Männer schütteln dann ihrHaupt und sagen: I, wie sonderbar. Aber wir können nicht einmal strei ken. und doch könnte ich esKeinem verdenken, denn die Langeweile, die man den schlimmsten Feind der Menschen nennt,erzeuqt aar wunderliche Gedanken. Wo aber, frage ich, bemächtigt sich die Langeweile unserer mehr als beim Exerciren,und da wiederum besonders bei dem Rekrutenerercieren". Wie seltsam es trifft mich immer wie ein Schlag, das ist das Wort, das ich nicht hören mag, sagt Faust m seinem Zweiten Theil. Sieben Jahre sind es nun h:r, daß ich Lieutenant wurde. Als ich zum ersten Mal im. Schmuck der Waffen prangte, kannte mein Stolz und meine Freude keine Grenzen. Aber schon nach wenigen Tagen sing ein Wunsch an, sich in meiner Heldenbrust zu regen. Der jüngste Lieutenant" zu sein, behagte mir dienstlich und außer 'dienstlich aar nicht, man wird so als Nestkuken behandelt, man liest auf allen Gesichtern so eine Art väterlichen Wohlwollens und mütterlichen Mitlelds.das ärgerte mich stets. Ich wollt Hintermänner haben, vorläufia nur einen, damit wollte ich mich bis auf Weiteres begnügen. Und der Himmel meinte es gut mit mir, emes Taaes konnte ich dem jüngeren Kameraden wohlwollend auf die Schulter klopfen und ihn darauf aufmerksam machen, daß sem Anzug nicht ganz vorschrifts mäßig sei. Wie war ich glucklich. Aber es wächst der Mensch mit sei nen höheren Zwecken, auch wenn man lerne Jungfrau von Orleans ist. Dieser eine Hintermann genügte mir bald nicht mehr, ich sehnte mich nach neuen Reservetruppen, und zwar fing diese Sehnsucht an, als ich zum ersten Mal Rekruten exerzierte. Da stiegen meine Wünsche himmelhoch, und ich begehrte gleich ein Dutzend. Zwölf Kompaa nien hat das Regiment, so rechnete ich mir aus, die zwölf Jüngsten ererzieren die Rekruten, folglich fehlen dir noch eise zur vollen Glucks eligkelt. Sieben Jahre habe ich auf diesen Au genblick warten müssen, sieben volle Jahre, und dem Jakob, als er um Rahel warb, kann die Zeit nicht länger vorgekommen sein, als mir. Wenn man auf etwas wartet, so gleicht die Sekunde der Minute, die Minute aber der Stunde, die Stunde aber der Ewigkeit. Und nun sieben volle ganze Jahre! Ich weiß s noch wie heute, als ich m das Kasino kam und den neuen Kameraden erblickte. Ihr zwölfter Hintermann, sagte mir der Adju
ant. Ich hatte meinen Nachfolger im
Amt noch nie zuvor gesehen, aber ich bm ihm um den Hals gefallen und habe ihn abgeküßt, gerade als wenn ch ein Russe wäre, ja, ich habe ihm ogar einen Floh in das Ohr gesetzt. allerdings keinen wirklichen. Ich bin der solideste Mensch unter der Sonne, aber wenn ich mein Leben dadurch reten konnte, ich vermochte nicht anzugekn, wie ich an jenem Abend nach Hause gekommen bin. Aber der Himmel sorqt dafür, daß wir Mensche nicht übermüthig werden. Als ich am Morgen nach jenem denkwürdigen Taae mit schwerem Kopf wach im Bette lag. brachte mein treuer Bursche mir die Zeitung, und was ich las. machte mir das Blut in den Adern erstarren: Neue MilitärVorlage, vierte Bataillone, zwei neue Compagnien, nein, so grausam konnte der Himmel nicht sein. Dann müßte ich ja noch zwei Jahre Rekrutcn ererzieren, dann wäre die ganze Freude w . 3 ri rv . r ri ir geurigen -tage umsonst gewqen, die hohe Weinrcchnung, an die ich mit schrecken dachte. Ware für nichts angeschafft? Nein. nein, das durfte :i r ri. i muji lein, oas ourjie nie uno nimmer geschehen, der Reichstag mußte die Militärvorlage ablehnen, der Schlag VrntrS y ( tZ Ss . 1 . TY. l,tr. rniu uu uci vshcuc uqcu. wenn sie angenommen würde, und der Staat ist doch verpflichtet, das Leben und die Gesundheit seiner Bürger zu cyuten. Woty lehrt beten, das ist ein altes Wort. Jeden Morgen und jeden Abend habe ich ein Stoßgebet zum Himmel gesandt, daß die Vorlage ourcysiele. Hatte mich Jemand belauscht oder meine innersten Gedanken errathen, ich wäre kriegsgerichtlich mindestens zum Tode verurtheilt worden. Aber was sollte ich machen, auf Nachersatz konnte ich nicht rechnen.weiß der Teufel, woran es liegt, daß wir keine Fähnriche bekamen. Und sie sollten es so gut bei mir haben, auf diesen meinen Händen wollte ich sie tragen, ich wollte über sie wachen und für sie sorgen, auf daß ihnen kein Unglück zustieße und mir kein Hintermann entginge." Einen Augenblick schwieg er, gern hätte ich sein Gesicht gesehen, ich glaube, er weinte vor Freude bei dem Gedanken, der zu schön war. aber wie ein undurchdringlicher Schleier lag der Tabaksqualm über ihm. Nach einer kleinen Weile ertönte seine Stimme wieder aus den Wolken: Laß mich schweigen von jener Minute, in der das vierte Bataillon seinen Einzug hielt. Ich habe an meinem Fenster gestanden und zugesehen, wie die neueingetretenen Rekruten auf dem Kasernenhof antraten. Die Thränen sind mir die Wangen herunteraelaufen und ich habe gefleht, daß die Erde sich öffnen und die Unglücklichen und mich verschlingen möge. Nach vierzehn Tagen hatte ich mich in mein Schicksal gefunden,' man gewöhnt sich ja mit der Zelt an Alles. Zweimal noch, dachte ich, dann hast du den Leidenskelch bis auf die Neige geleert. Aber was sind Gedanken und Hoffnungen? Da muß den guten Zastrow der Teufel reiten, daß er im Klub zu viel Geld verliert. Aus Gnade und Erbarmen kann er bei der durch den Hannoverschen Prozeß gereiztenStimmung nimt rechnen. Was ist die Folge ? Der arme Mensch bekommt den Abschied und ich verliere dadurch wieder einen Hintermann.. ?575muß ich noch dreimal Rekruten emexerzieren." In unnennbarem Weh stölinte er laut auf, vergebens suchte ich. ihn zu trösten, er wehrte mich ab:. 'Laß gt, sein. Lieber, höre welter, ich bin noch nicht am Ende. Nachdem ich acht Tage wie ein Ber zweifelte? umhergeirrt war, schöpfte ich wieder Muth. Schlimmer, als es ist. kann es nun wenigstens nicht mehr werden, sagte ich ZU Mir, es ist dies ja zwar nur ein schwacher Trost, aber es ist doch wenigstens einer. Selbst die Prüfungen, die der Herr den Unglücklichen schickt, haben eine Grenze. Aber das Maß meines Leidens xt noch nicht voll. Es ist nun wohl vierzehn Taae her. da kam eines Abends der kleine Lanslow zu mir auf die Stube gestürmt: Basedow, Mensch, Sie müssen mir helfen, ico kann nicht mehr vorwärts, noch rückwärts, bis über die Ohren sitze ich ln Scyulden. Rathen Sie mir, was soll ich thun, bezahlen kann ich nicht, meinem alten Herrn beichten darf ich nicht, einen alten Erbonkel hab ich nlcht.mich todtschießen mag ich nicht, was soll ich thun?" . Nach einer kleinen Stunde war es mir gelungen, ihn zu trösten. Ich versprach, ihm zu helfen, ich bin ja reich, für einen einfachen Infanteristen fast zu reich. Ich wollte ihm die Schulden bezahlen und in monatlichen Raten sollte er mir das Gekd zurückgeben. Die einzige Bedingung, die ich daran knüpfte, war, daß die Angelegenheit vollständig unter uns bliebe, keines Menschen Seele durste etwas davon erfahren. Er versprach Alles, ich ließ mir von meinem Banquier taüse.nd Mark schicken, und achtundvierzig Stunden später war er schuldenfrei wie ein neugeborenes Kmd. Seme Dankbarkeit kannte keine Grenzen, er wollte mich sogar küssen mach Dir klar, was das bei meiner Häßlichkeit bedeutet und diese Dankbarkeit war es wohl, die ihn sem Versprechen vergessen ließ. In der Freude seines Herzens hat er nach Hause geschrieben und von dem Besten aller Freunde.wie er mich jetzt stets mit inniger Uebertreibung zu nennen pflegt, berichtet. Und was ist die ffolqe? Sieh diesen Brief, den mir derPostI. . W ' ooie oor einer yalven - lunoe emgeschrieben überbrackte. er ist es.der mick j von Neuem an den Rand der Ver ' w -- w
zweiflung bringt und alle meine Hoff
ung:n wieder über den Haufen wirst. Durch meinen Sohn, so lautet das Unglücksschreiben, höre ich von dem großen Freundschaftsdienst, den Sie ihm erwiesen baben. Invem ich Ihnen einliegend die tausend Mark zurückerstatte, sage ich Ihnen für Ihre Liebenswürdigkeit und Opsersreudigkeit meinen herzlichsten Dank. Aber ich bin nicht reich, wenigstens nicht so reich, daß ich zum zweiten Male Schulden für meinen Sohn bezahlen könnte. Um diesem vorzubcugenchabe ich bereits an Ihren Herrn Regimentskommandeur geschrieben und ih gebeten, umgehend die Versetzung meines Sohnes rn eine kleinere, billigere Garnison beantragen zu wollen. Sie aber bitte ich nochmals., meincs herzlichsten Dankes versichert zu sein. Basedow sprang auf und schlug dröhnend mit der Faust auf den Tisch. Könnte man nicht rasend werden, wenn man es nicht schon wäre? Ist es zu sagen und zu glauben? Ich habe gethan, wis in meinen schwachen: Kräften stand, und was habe ich erreicht? Daß ich wieder einen Hintermann weniger habe." Vernichtet sank er rn den Stuhl zu rück und vergrub sein Gesicht in der? Händen. Dieses Mal weinte er wirklich, em konvulsivisches Zucken ließ seinen ganzen Körper erzittern. Dann aber sprang er wieder empor und faßte mich krampfhaft an der Schuten Du mußt nur helfen, mir rathen, cy ertrage es nicht mehr, ich werde veri 1 1. i rv jt.x' jr. . res in Yp mar, lyaijacyiicy uerruai. s ii,uii wenn der Himmel sich gegen mich verschworen hatte, es ist die umgekehrte Regeldetrie: je länger' ich diene, desto jünger werde ich, paß aus, wenn das
so weiter geht, bm ich rn einem Jayre Wieder der jüngste Lieutenant. Und! um das zu erreichen, habe ich sieben, sieben lange Jahre gebraucht." Aus seinen Worten klang ein so unsagbares Weh, daß sein Kummer mein Herz ergriff: Gerne wollte ich Dir helfen," sagte ich zu ihm, aber ich weiß wirklich keinen Rath. Schreibe mal eine Postkarte an Hahnke, vielleicht fühlt er ein menschliches Rühren und schenkt Dir zu Weihnachten einen Hintermann." Mach keine schlechten Witze." fuhr er zornig auf, solche Rathschläge kann ich mir selbst geben." Aber lieber Freund, so beruhige Dich doch," bat ich ihn. .jedes Ding muß doch erst reiflich überlegt werden. Laß mich einmal denken." Aber vergebens zermarterte ich mir mein Ge Hirn, wo sollte ich auch auf einmal einen neuen Lieutenant herbekommen?. Wie wäre es mit einer Annonce m irgend einer großen Zeitung?" wagte ich endlich schüchtern zu fragen. Ge sucht" per sofort oder fpäter ein tüchtiger Hintermann. Nur solche Herren, die die feste Absicht haben, nie zu spielen, keine Schulden zu machen und nicht zu sterben, werden um gefällige Angabe ihrer Adressen gebeten." In ohnmächtiger Wuth fuhr Basedow sich mit beiden Händen durch sein struppiges Haar: Nicht einmal Erbarmen nicht einmal Mitleid findet man heut zu Tage, nur Spott und Hohn überall, wohin man sich wendet. Das aber sage ich Dir." fuhr er zornig fort, während er sich in drohender Haltung mir gegenüberstellte, daS aber sage ich Dir, wenn Du es Dir etwa einfallen lassen solltest. Dich auch in der Öffentlichkeit über, mich lustig zu machen, oder wenn Du gar den Muth hättest, mich in eine Deiner Geschichten hineinzubringen, dann kündige- ich Dir die Freundschaft für ewig und werde mit den. Waffen in der Hand dafür Genugthuung fordern." Noch einen finsteren Blick warf er mir zu, dann ging er. Aber noch an demselben Abend schrieb ich diese Ge'schichte, ich fürchte Basedows Zorn ni 'Lwar wird er. wenn er sein Gespra hier aufgezeichnet findet, furchtbar schelten un toben, aber auf Pistolen fordern wirÄ er mich deshalb doch nickt. Denn es wäre doch immerhin möglich, daß er mich im Duell er-' fchösse und das wird' er doch nicht wollen: denn ich bin ja sein Hintermann. Gesunde Gesichtsfarbe. A.: Welch' rothesGesicht dieserOberst Yergcr hat!" 23.: Ja, aber das ist seine natürliche Farbe. Selbst wenn er bleich wie ein Gespenst ist, hat sein Gesicht diese ziegelrothe Farbe. Du solltest ihn sehen, wenn er wüthend ist. Dann wechselt er zwischen Purpur und ultramarinblau." Das starke Geschlecht. Fremder: Haben Sie nicht irgend welche Beschäftigung für eine fleißige Person? Sei es Waschen, Bügeln oder sonst eine Hausarbeit?" Hausherr: Sie sehen mir aber nicht aus wie Einer, der großes Verlangen nach Arbeit trägt." Fremder: O, es ist auch nicht für mich; ich suche Arbeit sür meine Frau!" Alles mit Unterschied. Sie: Sie sprach so rührend und mitleidig über die Grausamkeit, SingVögel zu todten, dann brach sie, wie von Rührung überwältigt, plötzlich ab und stand auf " Er: Ja, um in die Küche zu gehen und dort der Köchin zu zeigen, wie man lebend: Lobsters in siedendes Wasser wirft." Die liebe Eitelkeit. Er:' Mein liebes Frauchen, es ist eine bekannte Thatsache, daß sehr intelligente Frauen fast niemals hübsch sind." Sie: Und wie würdest Du mich klassifiziren?" Er: Du? ), Du bist nichts weniger als intelligent!" Sie: Du Schmeichler!" , E r k e n n t i h n. A.: Ich war gestern Abend bei einem feinen Diner, alle Gabeln. Messer und-Löffel waren von Silber." I.: Wo hast Du sie?-
