Indiana Tribüne, Volume 17, Number 248, Indianapolis, Marion County, 27 May 1894 — Page 7

BZX

yarise? Msevrles.

Von M. W. Maz wart gegen die allzu schnell wechselnde Pariser Mode auch noch' so sehr eifern, so hat sie doch den einen, unbestrittenen Vorzug, daß sie durch ihren Chic und ihr: Eleganz vocbonden Schönheiten der Gestalt h?rvorhebt und etwaige kleine Mängel der Figur geschickt verdeckt, anstatt das Gegentheil zu verschulden. Uebrigens wechselt selbst die Pariser Mode richt auf allen Gebieten so schnell, wie es von ihren Gegnern behauptet wird. ES gibt bei den verschiedenen Tollettenartikeln gewisse FaconZ, die, mitunter unerwartet, den allgemeinen Geschmack treffen und sich daher häufiz recht lange halten. So z. I. die runden Pclerinenkragen, die nun schon seit zwei Jahren getragen werden und ncch immer sehr beliebt Hnd, w?nn auch jetzt in etwas andererorm. Die Kragen sind kürzer geworden und werden am Nande nur wenig ode? gar nicht garnirt. Dagegen schmückt man sie am Halse mit Einsatz von Guipürespitzen. Posamenten. Blenden und dergleichen in vertikalen oder auch horizontalen Linien und garnirt ihren inneren jfand mit einem fein plissirten Seidenvolant. der nicht zu schmal sein darf. Die Guipüre - Ornamente und Entre-deur sind oft Prächtig mit hell glänzenden Metallperlen, verziert, in denen Gold. Silber. Kupfer. Stahl und Bronze ein sehr schönes Farbenspiel ergeben. Ebenso beliebt sind wieder die Iettperlen und Pailletten, die zu schwarzen Spitzen verwendet werden. Oft umgibt man die Kragen euch fcordiirenarti mit Federn oder Nüschen. die man aus ausgeschlagenen Seidenstoffen, aus Bändern, Spitzen oder dergleichen bildet. Di? Pelerine besteht meist in einem runden Kragen, an welchen ein rund geschnittener Theil gesetzt ist. der von den Schultern in regellosen Falten herabfällt und mit einem Volant aus plissirter Seide begrenzt wird. Sehr wirkungsvoll ist z. B. eine Pelerine aus grünem Sammet, deren oberer, bis zum Arm reichender -Theil mit cremefarbenem Guipüreernsatz und reich mit Perlbordüre garnirt ist. Den gleichen Besatz zeigt der untere Pelelinenrand. Obend wird der Pelerine ein stolaartiger Guipürekragen aufgenäht. An den aus schwarzem Moire oder farbiger Seide gearbeiteten Kragen, wie sie jetzt die Pariser Frühjahrsinode aufweist, werden allgemein die bekannten großen Krawattenschleifcn getragen. Die einzige Aenderung, die on dieser hier allbeliebten Mode jetzt aufkommt, besteht darin, daß die Schleifen nicht mehr unmittelbar am Halse, sondern auf der Brust getragen werden. Vom Knoten aus gehen die beiden Schlingen der Schleift gerade nach oben in der Form eines lateinischeu V, während die langen Enden herabflattern. Man fertigt diese Schleifen aus einer Schärpe von Band oder Stoff und garnirt sie mit einer gekräusten Spitze oder mit einzelnen Spitzentheilen: auch schließt man sie mit Gazc-Plrsse ab, wenn die Pelerine mit Gaze garnirt ist. Die Schleife muß in der Farbe natürlich stets mit dem Kragen übereinstimmen. Für die Promenade, für kleine Reisen und Ausflüge werden die Pelerinenkragen nur einfach gewählt. Die Pariserin verwende: dafür glattesTuch in heller Harz-, Tabakfarb: u. s. w. Diese Pelerinen werden mit drei abgestuften Kragen gearbeitet, die' hinten, ebenso wie vorn, offen' sind. Die Ränder werden einfach mit 2 Cent, breiten Schrägstreifen begrenzt; gleiche Streifen schmücken den etwas hochgeschlagenen Kragen aus Sammet. Aus denselben Stoffen und mit ebensolchen Kragen fertigt man auch Paletots an. die, geschlossen, vertikale Aufschläge zeigen und mit zwei Reihen ziemlich großer Knöpfe aus Elfenbein, Perlmutter oder Horn 4 oder 5 in einer Reihe befetzt sind. Für die warmen Frühlings- und Sommertage werden die seidenen Pelerinenkragen wohl allein das Feld behaupten. Sie werden mit ' gebrannten Pliijcs aus Seidengaze, ge--nau mit der Farbe übereinstimmend, überschleiert. Die Fabrikanten haben dafür gesorgt, daß diese Gaze selbst zu changirenden Stoffen genau passend vorhanden ist. In der That: wirkt die Verbindung dieser beiden Stoffe sehr graziös und elegant. Am oberen Theil des Kragens werden oft rnuschelförmig gefaltete Plisses aus gleicher Gaze angebracht. Diese Kragen dienen nur der eleganten Toilette, und man darf sie nicht etwa zu einem einfachen Wollenkleide tragen; zu die- ' sem wählt man vielmehr ein kurzes Jackett mit faltigem, von der Taille herabfallendem Schoß. Sie werden ebenfalls an allen Rändern und Nähten, selbst aus dem Rücken und an den Aermeln mit Schrägstreifen besteppt. Zu den Kostümen tailor made" aus Tuch, Foule u. s. w. in dunkleren Farben wie Braun, Braunroth, Blau, Grau und dcrgl. schreibt die neueste Pariser Mode eine Weste aus cremefarbenem Tuch vor, aus -dem auch die Aufschläge hergestellt werden. Diese Kleide? sind ebenso elegant wie praktisch und werden durch ein Jackett vervollständigt. Diese Form ist fast typisch für Tuch, Wollensatin. Diagonal und ein neues Gewebe aus Ziegenhaar, auch für solche aus melirten Geweben in helleren und dunkleren Schätzungen und Mischungen, die aber in ihrer Gesammtwirkung einfarbjg erscheinen. Diese melirrcn Stosse verwendet man auch für Ja ckette' und Regenmäntel, jedoch würden wirrathen. die anderen eigens dafür bestiznmten Stoffs vorzuziehen. Letz-

tere werden besonders in Haselnußbraun, Kakao und der Farbe des schwedischen Leders getragen, sind aber auch in vielen anderen neutralen Tönen vorhanden. Die melirten Stoffe sind im Tragen entschieden praktischer als die glatten. Auch die Cheviotstoffe hat man. in fein melirten oder kleinkarirten Mustern. Garnirt werden alle diese Stoffe mit Sammet oder Moire, die stets der dunkelsten Farbe des Gewebes entsprechen müssen. Der Rock erhält einige Schrägstreifen, die Taille 'Westentheile und Aufschläge aus Sammet oder Moire. Unter den Geweben für die Frühlingszeit finden wir auch vielfach klein gemusterte, gepunktet: und chan girende Stoffe, ferner einen lesen, groben Sommerwollstoff, Bare" genannt, der überaus praktisch ist. Sodann Wollen-Etamine in durchbrockenen Streifen und Mustern, gestreifte .revps und gausfrirte Krcvpsioffe. die meist mit feinen Qnerstr'ifen verseben sind. Diese Stoffe werden gleichfalls -nit Moire und Sammet in der d:inListen Farbe desSiofscs, vielfach auch

m.N ept$cn und Posamenten gärn'.?!. Zur Verzierung der Sommer'lctlen werden cbenio wieder Stickereien und Verschnürungen mit großer Vorließ viiloendet. An den Aermeln zeigt sich die srs. -uriser Mode in diesem Jahre ganz b sonders phantasieöoll. Sie sind unendlich verschieden, immer aber noch stark gebauscht. Gern schließt man die Sommerkleider auf der linken Schulter und unter dem linken Arm. Die Taillen sind vielfach gekraust; werden sie am Rock getragen, so umwindet ein seidenes GUrtelband die Taille, das sich hinten oder seitwärts zu einer Schleife schließt. Zur Veranschaulichung des Gesagten bringen wir noch die Beschreibung von zwei Toiletten, die beide sehr elegant und chic sind. Die erste, eine Visitentoilette aus chinirter Seide in Violett und Malvenfarbe ist in überaus vornehm wirkender Farbenstellung mit lichtblauer Seidengaze und Einsah au3 weißer Guipüre verziert. Den keilförmigen Rock umgibt ein Volant. der in regelmäßigen Entfernungen in doppelte Falten gelegt ist .und oben mit einem schmalen Plisse abschließt. Die auseinander tretenden Vordertheile der Taille sind mit einem Faltenarrangement aus lichtblauer Seidengaze verbunden, welchem sich seitwärts Faltentheile anfügen, die aus der Schulternaht herabfallen und sich zu einem Bolerojäckchen gestalten. Der untere Rand dieser Theile wird von Einsätzen begrenzt. Ein violettes Seidenband windet sich um die Taille, kreuzt sich hinten und steigt aus der linken Seite vom bis zum Faltentheil empor, wo es mit einer flotten Schleife schließt, deren Mitte ein großer Brillaniknopf bildet. Die zweite Toilette, ebenso vornehm und künstlerisch erdacht, besteht aus bronzebraunem, gestreiftem Moire und zeigt am Rande des glatten Rockes einen maisgelben Sammetstreifen, dem ein. Spitzenernsatz aufliegt. Die Taille wird durch ein Volerozäckchm gebildet, das mit breitem Aufschlag aus maisgelbem Sammet ein Chemisett aus gleichem, gefaltetem Stoff einschließt. Zwei Querlinien von Spitzeneinsätzen theilen das Chemisett in drei Theile. Ein goldbrauner Gürtel umwindet die Taille und endet links in voller Schleife. Ganz eigenartig erscheinen fcie Aermel. die unten ziemlich enge, in zwei Spitzen auslaufende Röhren bilden und sich am Ellenbogen tulpenartig erweitern, um sich oben zu einer vollen Puffe zu gestalten. DaS MittagssÄlüfchtn. j?ine medez. historische Plauderei von Tr. med. C. Schmiß. Spezialarzt für Hydrotherapie.) Alarich erstürmte Rom, während die Römer im tiefsten Mittagsschlafe lagen," so melden die Chroniken. Die Gothen scheinen also keine solche Schlafmützen gewesen zu sein, wie die verweichlichten Römer. Schlemmer, die ihren Magen überladen, spüren nach Tische, ein unüberwindliches Ruhebedürfniß, welches sich nach einer frugalen Mahlzeit nicht einstellt. In warmen Ländern scheint die ganze Natur um die Mittagsstunde zu ruhen. Das Wild verkriecht sich im. Dickicht, die Vögel sitzen lautlos im Gebüsch, Nichts rührt sich. Der große Chan schläft", sagten die Griechen. DieThiere aber schlafen nicht um dies: Stunde.; sie ruhen nur, bedrückt von der Hitze. Ruhe und Schlaf sind zweierlei. Ein ruhiges Verhalten nach der Mahlzeit kann der Verdauung nur förderlich sein, hingegen das Schlafen mit vollem Magen ist vom Uebel. Ueberhaupt taugt es nichts.bei Tage zu schlafen. $taz und schön sagt der ehrwürdige Hippokrates: Bei Tage sollte man roachen.und bei Nacht schlafen; hierüber hinauszugehen ist schädlich. Am wenigsten schadet es noch, wenn Einer von frühmorgens an bis in den dritten Theil des Iag!s hinein schläft." Das heißt: will Ei. ner durchaus bei Tage schlafen, so mag er ein Langschläfer werden und. den Morgen verschlafen, das wird ihm viel weniger schaden, als zu einer, andern Tageszeit sich dem Schlaf zu ergeben. Ich bin ganz derselben Anficht, wie mein College Hippokrates. Den Morgen zu verschlafen, ist zwar nicht schön, aber auch nicht sonderlich ! schädlich, sonst wäre der Dichter SanI teuil. welcher allnächtlich 14 Stunden I in einer Tour schlief, sicherlich nicht in' bester Gesundheit m anre an geworden. Ds Mittagsschläfchen aber steht auf einem anderen .Blatte! Galen nimmt allerdings das. Mittagsschläfchen in Schutz. Er war Arzt des Kaisers Commodus und ich glaube, dajz er nur mit Rücksicht auf eine vor

nehme' Clientel folgendermaßen auf

mildernde Umstände plaidirt: Woran man sich gewöhnt hat, das ist gut (?!) Ungewohntes- aber bekommt schlecht. ' Nun wich aber zur Zeit des Hippokrates die Gewohnheit der Menschen noch nicht so weit von der Natur ab. Qlnaeaen icfet bandeln die Rei chen dieser zuwider, wie in anderen Dingen, so auch in Bezug auf das Schlafen, indem sie bei Tage schlafen und bei Nacht wachen." Ja, ja, die lieb: Gewobnbeit! Sie allein ist es. die uns das Schlafen nach Tische zum Bedürfniß macht und andererseits es uns verleidet. ..mit den Huhnern zu Bette gehen. Sollten aber gesundheitsschädliche Gewohnheiten uns schließlich gar nicht mehr schaden, wie Galen meint ? Die Natur läßt ihrer nicht spotten. ' Mögen geschmeidige Leibärzte und phrasenreiche Modedoktoren dem Publikum noch so sehr nach dem Munde reden und jeder diäteti schen Sunde ein Mantelchen umhangen diese Teufelsadvokaten werden niemals aus Schwarz Weiß machen. Di: Schule von Salerno. die erste mediZlniiche aZultat in Europa, welche um das Jahr 1000 n. Chr. blühte. warnt ernstlich und nachdrücklich vor dem Mittagsschläfchen. In ihrem berühmten Lehrgedicht heißt es gleich zu Anfang: Halte es nicht sür unnütz Auszustehen nachTisch: und flieh: das ittagsschlaschen:Und weiter heißt es: .Furz sei Dein Mittagsschläfchen, lie. ber Mann, Noch besser meidest Du es ganz und gar. Was hast Du denn vom Mittagsschlaf ? sag' an! Bloß Fieber. Faulheit. Kopsweh und Katarrh!" Ich könnte noch andere Autoritäten anführen, die das Mittagsschläfchen verbieten, z. B. den großen arabischen Arzt Avicenna und den trefflichen Arnold von Villanova. Ob eZ etwas helfen würde ? Wer einmal ans Mittagsschläschen gewöhnt ist. der ist schon sein Sklave geworden, und fällt nach dem Teilen tM':n ..,7v.,.c;7..... in den Lehnstuhl, ohne sich um vie Strafpredigten der alten und neuen Autoren im Mindesten zu kümmern. Die neueren Gesundheitslehrer kennen ihre Pappenh.'imcr ranz g:n7.u und geben sich kaum die vergebliche Mühe, gegen das Mittagsschläfchn: zu predi. gen; sie gestatten es sogar den schwäch' lichen Personen, die sich nach Tisch? sehr müde fühlen, und dringen hochstens darauf, daß man mit hochgelagertem Kopfe, sitzend, nicht liegend, Siesta halte und nicht ungebührlich lange schlafe. Welche Vorsicht man auch beobachten möge, immer bleibt das Mittagsschläfchen eine bedenkliche iint Blutüberfüllung des Kopfes tritt dabei regelmäßig ein; man erwacht mit schwerem Haupte und blutunterlaufenen Augen. Die Congestion zum Gehirn kann unter Umständen seh? üble Folgen haben; Greise werden beim Mittagsschlafe nach einer reichlichen Mahlzeit erfahrungsgemäß leicht vom Gehirnschlagfluß betroffen. Ein geringerer Uebelstand ist es, daß der Mittagsschlaf, wie excessiver Schlaf überhaupt, den Fettansatz begünstigt. Unglücklicherweise pflegen gerade fettsüchtige und phlegmatische Individuen passionirte Mittagsschläfer ni sein. Sie drehen sich in einem verhängnißvollen Zirkel; je mehr sie nach Tische schlafen, desto fetter werden sie. und je fetter sie werden, desto lieber schlafen sie nach Tische. Wr einmal die üble Gewohnheit des Mittagsschläfchens angenommen hat, den befreit davon nur eine starke Willensanstrengung. Das Mittagsschläfchen ist eine Unsitte; aber das geistige oder körperliche Arbeiten nach Tische ist ebenfalls zu tadeln. Man soll nach der Mahlzeit nicht schlafen, aber auch nicht arbeiten; man soll einfach ruhen. Nach Tische im Stehen oder Sitzen plaudernd eine Tasse Kaffee zu trinken, ist eine gute Sitte.- Starke Bewegung nach dem Cssen stört di: Verdauung. Um die Zuträglichkeit deS Mittagsschläfchens zu beweisen, gab ein Forscher zweien Jagdhunden reichlich zu fressen und ging sofort mit dem Cinen auf die Jagd; heimgekehrt tödtete er beide Hund: und secirte sie. Er fand, daß der Magen des abgehetzten Hundes die Speisen noch vollständig und in fast unverdautem Zustande enthielt, wah rend der Magen des daheim gebliebenen Hundes bereits halb leer und die Verdauung weit vorgeschritten war. Er schloß hieraus auf den Nutzen des Mittagsschläfchens, obwohl er höchstens hätte schließen dürfen, daß man nach der Mahlzeit ruhen müsse. Qui nimium probat, nihil prvbat. Wer zuviel beweisen will, beweist gar Nichts. Kaiser Wilhelm der rste und die JaylcN'Kabvala. Vorweg -mag der Vermuthung, als ob der greise Kaiser irgendwo und irgendwie öffentlich zu der Geheimlehre der Kabbala Stellung genommen hätte, das ausdrückliche Bemerken entgegengehalten werden, daß die nachfolgende .Zahlenspielerei gänzlich auf Rechnung der freien Phantasie zu setzen ist. Im Jahre 1849 so will es die Anekdote zur Zeit, als die deutsche Kaiserkrone und das Geschlecht - der Hohenzollern zum ersten Mal in ideelle Verbindung gebracht wurden, äußerte sich gelegentlich Prinz Wilhelm von Preußen nachmals Kaiser des deutschen Reiches daß es seiner Neugier wohl behagen würde, zu erfahren, ob er, der Prinz, jemals den Kaisermantcl erhalten werde und wann etwa dies zu erwarten wäre. Königliche Hoheit," antwortete da-

rauf ein Herr aus dem Gefolge deZ Prinzen, dies zu berechnen, dürfte nicht schwer fallen. Die Kabbala gibt

uns diesbezüglich sichere Auskunft. Wir schreiben das Jahr 1849. Setzen wir dieselbe Jahreszahl noch emmal, die Zahlen nacheinander in senkrechter Folge, auf und addiren wir: 1849 1 8 4 9 1871 so gelangen wir zu der Jahreszahl, welche in der Geschichte als diejenige der Gründung des deutschen Reiches und der Erhebung Ew.' königlichen Hoheit auf den Kaiserthron genannt werden' wird." Das stimmte in 'der Folge allerdings ganz genau und Kaiser Wilhelm, dem also emmal die Zukunft vorhergesagt worden, trug ein nächstes Mal in der Anekdote, versteht sich das Verlangen, zu wissen, wie lange er die Kaiserkrone behalten, resp, wie lange er überhaupt leben werde. Es war dies m Versailles, im Jahre 1871. Ew. Majestät." antwortete derselbe Herr aus dem Gefolge, nichts leichter, als auf diese Frage Ew. Maiestat die richtige Antwort zu ertheilen. Wir schreiben das Jahr 1871. Setzen wir dieselbe Jahreszahl, die Zahlen nacheinander in senkrechter Folge, aus und addiren wir: 1871 1 8 ' 7 1 1888 so finden wir die Jahreszahl, welche das Ende der ruhmreichen Regierung von Ew. Majestät bedeutet." In der That, Kaiser Wilhelm verschied im Jahre 1888.. Diese kabbalistische Anekdote ctrculirt zetzt vielfach. Es ist merkwürdig, auf welche Einfälle die Leute kommen! Wttrz u,td Reizmittel. . Ueber die Würz- und Reizstoffe in unserer Nahrung äußert sich der bekannte Berliner Physiologe Professor Zuntz, der Begründer der modernen Ernährungstherapie, folgendermaßen: Ohne diese Würz, und Reizstoffe fehlt nicht nur die Lust zur Ausnahme einer genügenden Nahrungsmenge, es leidet auch die Absonderung der Verdauungssäfte und damit die Ausnützung der eingeführten Nahrung. Im Allgemeinen wird aber auf diesem Gebiete eher durch ein Zuviel als durch ein Zuwenig gesündigt. Namentlich der Wohlhabendere sucht nach immer neuen und stärkeren Anregungsmitteln, um den Genun der Nahrungsausnahme zu , erHöhen. Aus der Ueberreizung resultirt eine allmalige Abschwachung der Funk tionen der in Fraae kommenden nervö sen Apparate, der Absonderungsdrüsen und der resorbirenden Zellen. Eine große Menge von Verdauungsstörun gen des späteren Lebensalters ist aus derartige Ueberreizungen zurückzuführen. Besonders wichtig ist die Vermeidung derselben in der Jugend. In diesem Alter, wo, entsprechend der Wachsthumstendenz des Körpers, die Leistung des Verdauungs-Apparates an sich eine vorzügliche zu sein pflegt, wird durch Reizmittel die Nahrungsaufnähme leicht zu einer übermäßigen, das Wachsthum und der Fettansatz des Korpers werden eine zeltlang über Ge bühr gefördert; es folgt dann aber bald und besonders häufig m der Zeit der Pubertät ein Nachlaß der vorher überspannten Apparate, und damit ist die Grundlage zum Auftreten von neu rasthenischen Erscheinungen: vonBleich sucht und ähnlichen Erkrankungen, gelegt. Neben der Verwendung von Reiz Mitteln wird vielfach auch die Zufuhr der Elweißkorper in der Nahrung ein seitig über Gebühr gesteigert, dadurch zwar vorübergehend das Wachsthum gefordert, weiterhin aber zu emer vor zeitigen Geschlechtsreife Anlaß gegeben, deren schädliche Ruckwirkungen auf das Nervensystem und die weitere Entwicklung des Körpers ja nur allzu bekannt sind. Aus diesem Gesichtspunkte folgt der Rath, in der Nahrung der heranwachsenden Jugend die leicht verdaulichen Vegetabilien (Brot. Gemüse, Obst) zu begünstigen, daneben von EiWeißträgern in erster Linie Milch, welche sehr viel weniger erregend wirkt, als Fleisch und Eier, deren Menge darum nur eine mäßige sem sollte und die na mentlich nicht den Hauptbestandtheil der Abendmahlzeit bilden dürfen. Ganz zu vermeiden sind sowohl die alkoloid haltigen (Thee, Kaffee), als auch die alkoholischen Reizmittel. Namentlich letztere sollten bei Kindern nur als Arzneien Verwendung finden. Der in Laienkreisen so viel verbreitete Glaube, Wein und Bier seien als regelmäßige Stärkungsmittel namentlich schwacher Kinder geeignet, wird wohl kaum noch von einem denkenden Arzte getheilr'. Die Statistik des Langenwachsthums und der Gewichtszunahme hat gelehrt, daß der Üeberschuß im Körpergewichte wohlhabender und üppig genährter Kinder um die Zelt der Pubertät und bald nachher verloren geht, daß sie um diese Zeit vielfach sogar von den Kindern der Armen an Körperwachsthum und Gewicht überholt werden. Alles brav. Nun, - Hänschen, bist Tu denn während meiner Abwesenheit immer brav gewesenk" Hänschen: O, Papa, sehr brav. und 2cama lst auch immer brav ae Wesen und der fremde On?el, der jeden Abend kam, war auch sehr vrav."

Gesühnt. VonCarlPitlik.

Und er lächelte zufrieden. " Da saß er in seinem Lehnsiuhl, behaglich seine Pfeife schmauchend. Hatte sich sein Junggesellenzimmer recht behaglich eingerichtet, der alte Lokomotivführer Werner. Und säuberlich war das Junggesellenheim gehalten, man sah das 'Schalten und Walten einer ordnungsliebenden Hausfrau aus allen Winkeln quellen. Ja, und der alte Werner hatte trotz seines ledigen Standes ein gar tüchtiges Hausfrauchen zum Mindesten aber ein weibliches Wesen zur Seite, das so ein fürtreffliches Hausmütterchen hätte abgeben können Wer das nur sein mochte? Wir werden's ja erfahren! Heute guckte die Sonne mal recht zudringlich herein durch die Fenster, die mit glitzernden Eisblumen geziert warcn. Rast wurde sie dem Alten lästia. wenn sie so keck in die Zeitung; die er init sichtlichem Vergnügen las, hineinblinzelte. Wollte sie etwa dem mit des Alters Schnee bedeckten Manne sagen, daß es auch recht schöne Wintertage geben könne?! , Und er lächelte zufrieden! Stand doch da drinnen in der Zeitung, daß der LandeL-herr dem verdienstvollen Lokomotivführer Werner das Ehrenkreuz verliehen bat für seine langjährige Dienstzeit, seine erst kürzlich bewieseneGeistesgegenwart, für seine Energie bei einer Bahnkatastrophe. Ueber des alten Führers Antlitz, in das die Zeit mit scharfem Griffel manch' herbe Stunde eingegraben, glitt ein Schern, wahren, tiefen Glückes. Und er betrachtete das glänzende Kreuz mit dem blutigrothen Bande, und er ließ seinen Blick ruhen auf einem vergilbten Bilde. Es war wahrhaftiges, ungetrübtes Glück in sein Herz eingezogen! Ein heftiges Pochen weckte den Alten aus seinen Träumen. Als er sich erheben wollte, um zu öffnen, huschte eine anmuthige Mädchengestalt aus dem Nebenzimmer herein, und indem sie Werner zurief: Es kommen gewiß Deine Collegen," war sie ihm zur Thüre vorausgeeilt, um dem Besuche Einlaß zu gewähren. Sie hatte gut gerathen. In festlicher Kleidung traten drei wettergebräunte Männer über die Schwelle, aus den alten Werner zu. Gruß Gott, Bater Werner!" hub der Aelteste an. Mußt schon erlauben, daß wir Dich in Deiner Klause aufstöbern, um Dir im Namen all unserer Collegen zu der hohen Auszeichnung zu gratuliren, um Dir zu danken für die Ehre, die durch Dein wackeres Verhakten bei demEisenbahnunfalle und durch die hierfür erfolgte Auszeichnung dem ganzen Stande zugebracht wurde." Dank' Euch recht sehr von Herzen, liebe Freunde", erwiderte der Angesprochene gerührt, freu mich wahrhaftig, daß Ihr meiner so liebevoll gedenkt. Hab' nur gethan, was Jeder von Euch thäte. Doch genug! Kommt, setzt Euch ein Weilchen zu mir, laßt Euch einen kleinen Imbiß und ein Gläschen Wein wohl bekommen, habt doch bischen Zeit sür mich übrig, was?" Es wäre wohl nicht nöthig," antworteten die Freunde, daß Du uns da bewirthest, aber 's ist gern angenommen, so viel Zeit haben wir schon noch für unseren alten Kameraden." Nun also!" lächelte zufrieden der Gefeierte, das ist recht. Marie, gehe in die Küche.besorge was Gutes! Weißt schon, was uns behagt." Wird gleich da sein, Väterchen, will Dir keine Schande machen," sagte das Mädchen und eilte in die Küche. So setzt Euch, Du daher, Müller, so, Kiehne, Du hier, nun denn, da wären wir beisammen, um ein bischen zu plaudern. Hab', offen gesagt, auf Euch gerechnet, meine Lieben, ja wohl, möcht Euch einmal was erzählen." Während der Hausherr so sprach, war.auch schon Marie mit dem bereits vorbereiteten Imbisse wieder in's Zimmer gekommen und trug auf. Heiter und geschäftig unterstützte der Alte das Mädchen beim Auftischen. So brav, Marie, noch die Gläser her, und dann nimm da Platz, gehörst auch hierher, mußt auch mal was Neues von mir hören."' Die Gläser wurden gefüllt, und in ein herzliches Prosit, das der Aelteste der Gratulanten ausbrachte, stimmten alle freudig ein. Und nun los mit Deiner Erzählung, Alter!" drängten die Freunde. Ja, ja," erwiderte der Führer, nur Geduld, will's ja gerne thun, liegt mir lange schon am Herzen, nun, heute ist der richtige Tag dazu, heute soll's heraus, damit ihr den alten griesgrämigen Kauz einmal von einer anderen Seite kennen lernt." Wir hören," riefen Alle. Und Werner begann. Es sind jetzt schon an die dreißig Jahre vorbeigezogen, als .ich, ein schmucker Grenzgensdarm, in das Töcherlein eines Wirthes verliebt war." Ei, das wird ja. interessant, hätte man Dir gar nicht angesehen, daß Du auch mal was von Liebe gekannt hast," lachte übermüthig der Jüngste der Gratulanten, Kiehne mit Namen. Prosit Deiner Liebe!" Klingend wiederholten die Gläser das Prosit. Ja, ja," fuhr der alte Werner fort, war einmal recht närrisch verliebt. Und seht. Freunde, das war eigentlich der Hauptgrund, daß ich zur Bahn kam." Schau, schau," fiel der frühere Sprecher ein, das wird ja immer interessanter." Also hört," nahm der Erzähler wieder das Wort. Mein Wirthstöchterlein war mir recht zugethan, ich nicht

minder ihr, es wa? auch ein seelengutes. braves Wesen, Wir hatten schon besprochen, wie wir einstmals, wenn ich vom Militär frei, unser Nestchen bauen würden es stand uns ja nichts im Wege, hatte ich doch Anwartschaft auf eine Kanzlistenstelle, hatte doch sie eine für unsere Verhältnisse hinreichend gute Aussteuer zu erwarten. Wir hätten zusammen recht glücklich werden können aber !" Er hielt etwas inne, eine tiefe, in nere Bewegung nur mühsam verbergend. Nun weiter! Ich erhielt da eines Tages die Nachricht, daß Pepi's Vater Pepi hieß meine Braut nämlich mit Schmugglern in Verbindung sei, vielleicht auch selbst schmuggle. Ich wollte es anfangs nicht recht glauben, da ja ein Wirthshaus an der Grenze leichterdings unbegründet in den Verdacht der Hehlerei kommen kann. Mit der Zeit aber kam ich darauf, daß der Verdacht begründet war. Pepi's Vater war nicht nur Hehler, fondern auch Schmuggler fclbst. Das war für mich wohl eine sehr unangenehme Entdeckung. Auf die Gefahr hin, bestraft zu werden, theilte ich meine Erfahrung Pepi mit, sie beschwörend, ihren Vater von dem gesährlichen Geschäfte abzuhalten. Sie versprach es mir. Ich suchte dem Vater so viel als möglich nicht in den Weg zu kommmen, denn ich hätte ihn unnachsichtlich dem Gericht übergeben müssen, hätte ich ihn ertappt. DaS war ein furchtbarer Kampf, den ich da ausgestanden, den Kampf zwischen Liebe und Pflicht. Es war eine regnerische, dunkle Nacht, als ich mit einer Patrouille Grenzstreifung halten mußte. Nachdem wir lange kreuz und quer gezogen waren, wollten wir uns zur Rückkehr bequemen. Da auf einmal hören wir Stimmen, wir richten uns zur Lauer, schleichen dann den Stimmen entgegen. Es mußten Schmuggler sein, die in der Nähe dahin zogen. Wir gaben blindesFeuer und gebotenHalt. Schüsse antworteten, die Richtung, die wir einschlagen mußten, bezeichnend. Nurr feuerten wir ernstlich, weil unserem Befehl nicht gefolgt wurde. Da durch-

drang ein Schrei, den ich niemals auSdem Gehör verlieren werde, der noch allzu lebhaft in meinem Ohren gellt, die Luft. Ich hatte eben gefeuert es war Pepi, die ich getroffen. Wie wahnsinnig, alle Gefahr außer Acht. lassend, stürzte ich dem Orte zu, wo' ich beim Aufblitzen eines Schusses eine weibliche Gestalt sich rücklings wersen sah. Röchelnd, blutüberströmt lag Pepr da getroffen von der Kugel des' pslichtgetreuen Gendarmen! Sie war ihrem Vater gefolgt, ihm den Weg zu weisen, da sie von uns wußte, welche Richtung ich dieses Mal einschlagen, werde. Der Zufall hatte es gewollt, daß ich andere Wege eingeschlagen. Pepi's Vater lag über der Leiche, jammernd über seine Schuld; seinetwegen fand sie den Tod. Gerne ließ er sich fesseln und heimführen. Der Leichnam Pepi's wurde auf Reisig gebettet und auf untergeschobenen Holzstämmen heimgebracht. Der Zug ist der traurigste meines Lebens gewesen. Ich. übergehe die weiteren Verhandlungen und Vorkommnisse.. Da es mich in der Gegend nicht mehr litt, nahm ich so rasch als möglich meinen Abschied und zog hinaus in die Welt ziel- und planlos tief unglücklich, doppelt unglücklich als vereinsamter Bräutigam, als Mörder der .eigenen Braut. Ich konnte mir noch so oft vorhalten, ich hätte nur meine Pflicht gethan; mein Gewissen sprach mich nicht frei, ich war der Mörder Pepi's! So zog ich dahin, weit, weit weg von der Stätte meiner unglückseligen That. Da schickte es sich, daß in hiesiger Gegend die Bahn gebaut wurde. Ich nahm Arbeit, und wollte hier sühnen, bitter lange sühnen. Da ich frühere Zeit Schlosserei gelernt hatte, wurde ich nach Fertigstellung der Bahn angestellt, und da ich tüchtig arbeitete und mich immer mehr vervollkommnete, gelang es mir endlich, Lokomotivführer zu werden. Viele Jahre sind seitdem vorbeigeflogen so wie ich vorbeigeflogen bin mit meinem Dampfrosse an den Hütten friedlicher Bewohner. Wie ruhig, wie friedsam liegen diese Häuser da längs der Bahn; könnte man aber hineinsehen, wie viel Leid und Kümmerniß würde man oft darin finden! Und wie viel Leid hat der überkämpft, der da an diesen Hütten und Gehöften vorbeigeflogen ist?! Ich wurde mürrisch, menschenscheu und zog mich von Allen zurück. Mich beseelte die fixe Idee, .ich müsse meine unglückselige That sühnen, sie aus meinem Gedächtnisse verwischen durch eine gleiche That. Lange ließ mich der Lenker der Geschicke auf meine Sühne warten, ich danke ihm aber jetzt, daß er sie mir gewährt, kurz bevor ich in die Grube steige, denn ich zähle bald an die siebzig Jahre. Nun mag ich Euch gestehen, liebe. Freunde, und Ihr werdet es begreifen, daß diese letzte Zeit die schönste meines verfehlten, einsamen Lebens ist. Ihr' wißt, daß ich, als ich letzthin die Brücke passirte, ein verdächtiges Knattern und Schlagen hörte, daß mir der Gedanke jählings durch den Kopf schoß, die Brücke könne einstürzen. Da riß ich den Regulator auf, gab vollen Dampf, der Zug sauste in unheimlicher Schnelle über die Brücke die bald nachher zusammenbrach. Ich hatte Menschenleben gerettet! begreift Ihr dies. Gefühl! Die Sühne war da! Da jauchzte ich auf nach vielen Jahren! . Ich hatte ein Menschenleben vernichtet ich habe viele Menschenleben ge-

k

rettet. meine That gesühnt! Jetz5 bin ich glücklich ausgesöhnt mit meinem' Geschicke, ausgesöhnt mit mir. Der griesgrämige, düstere Werner ist nicht mehr, jetzt lebt nur mehr der glückliche, zufriedene Werner!" Eine Thräne rollte über die gefurchtete Wange des Sprechers, feucht wur den die Augen der Zuhörer. Marie aber umschlang den greisen Mann und sprach mit thranenerstickter Stimme: O Vater, wie lieb ich Euch, wie betrübt es mich, daß ich Euch nicht noch mehr lieben kann, als ich Euch eben schon liebe!" Da wurden dem alten Lokomotivführer die Hände gedrückt von seinen: Kollegen und seine That in kräftigen, feurigen Trinksprüchen gefeiert. Es klangen hoch die Gläser im trauten Kreise die Gläser klangen hell' und froh. Und nun noch Eins," begann vonNeuem der alte Werner. Wie Ihr seht, muß ich mich bald an denGedanken gewöhn:n,dieErde zu verlassen, in meinem Alter kommt Unverhofft" gar oft. Ich habe hier eine Pflegetochter, Marie, die Ihr Alle gut kennt. Du, Kiehne. hieltst einmal um ihre Hand' an. ich wies Dich ab, ich wollte das. Glück der Liebe nicht neben mir sehen, ich alter Griesgram, der ich nie mein Glück zu finden glaubte, es "erdings jetzt erst gefunden habe. Laß mich mit Dir vor Allem ein ernstes Wort reden. Einmal hat es mich gelockt, von der Familie Pepi's Nachrichten einzuzieIren, und ich schrieb deshalb an den Pfarrer des Ortes. Die Antwort blieb nicht aus. Es hieß, der Vater Pepi's, habe nach abgebüßter Strafe zum Trunke seine Zuflucht genommen, sein Hab und Gut verthan. Der Pfarrer bemerkte, daß eine Schwester Pepi's der Vater Pepi's hatte sich nach abgebüßter Strafe wie-! der verheirathet, da seine erste Frau gestorben war am Leben wäre, die nun daran sei, in die Fremde gehen zu' müssen, um ihren Lebensunterhalt zu suchen. Ob ich, da ich noch jung sei, nicht das Kind annehmen wolle? Diese Aufforderung kam ein zweites Mal, ich nahm die Schwester meiner Braut zu: mir; hab' sie erzogen, wie ich es eben' verstand, ich glaube aber, ich habe sie nicht schlecht erzogen Ihr könnt' ja. selbst urtheilen hier ist sie Marie." Willst Du sie jetzt noch, Kiehne, sie soll Dir gehören wenn sie will." Schluchzend umarmte Marie den braven Pflegevater. Gerührt drückte der junge Lokomotivführer Kiehne demKoll?gen dieHand und sagte: Werner, habt besten Dank, möchte mir keineAndere zur Frau wünschen. Ich glaube, sie ist mir noch immer gut. Soll ihr an meiner Seite nicht 'schlecht gehen, hier mein Wort." Und der alte Werner legte Marie's Hand in die Kiehne's. Die Sonne lachte herein zumFenster und spielte in den goldblonden Haaren. Marie's und webte hinein kostbare Demanten mit glitzerndem Scheine die Thränen des segnenden Werner's. Die Gratulanten verabschiedeten sich endlich von ihrem braven, alten Kollegen, aber Einer blieb noch eine Weile zurück, Marie's Bräutigam, gab's noch mancherlei zu sprechen. Wir gratuliren nochmals demJubl lanten dem Brautpaar." Ade, alter Freund! Ade, liebe Freunde!" Hatte die Sonne wohl recht gehabt, daß es auch schöne Wintertage geben, könne, als sie dem alten Werner so keck in die Zeitung hineinguckte, als ob sie ihm das hätte sagen wollen. Der greise Jubilant ließ sich nun wieder in seinen Lehnstuhl nieder und warf ab und zu einen Blick auf daS junge Brautpaar hinüber, einen Blick voll Freude und Glück und lächelte dabei zufrieden. Die tapfere Notyyaut. Finster stand am Schanktisch lange. Eingehüllt in's Büffelwamms, Chinachgook,'die große Schlange", Letzter Häuptling feines Stammes. Und der weiße Händler lachend Hielt ihm eine Flasche hin. In dem Aug' ihn Gluth entfachend Es war starker Whisky drin. Finster sprach er: Fluch den Weißen! Richt durch Muth, durch List undKraft, Nicht durch Kugel, Stahl und Eifen Haben sie uns hingerafft. Feuerwasser mordet besser Als ein Tomahawk, gezuckt, Sich'rer als ein Bowie-Messer Hätten wiYs doch nie geschluckt! Whisky heißt der große Sieger, Stärker noch als Manitou, Tödtet die Apachen-Krieger, Die Comanchen und Sioux. Diesen Sieger zu besiegen Chinachgook ist Ehrenpflicht, Erst muß ich ihn unterkriegen. Eher ruh' und rast ich nicht! Und es greift die Hand, die rasche, Bon den Lippen gellt ein Fluch. Und die große Whisky-Flasche Trinkt er aus in einem Zug! Mißverstanden. Junge Wittwe (bei einem Professor derWahrsazekunst): Sie können also aus den Linien der Hand die Zukunft lesen? Professor: Gewiß. Darf ich Sie um Ihre Hand bitten? Junge Wittwe: Oh. Herr Profenor. Ihr Antrag kommt aber so überraschend. S ie weiß es. Fräulein: Wenn ich wüßte, wie ich mich Photographiren lassen sollte, um meinem Bräutigam eine Freude zu machen." Kammerzofe: Lassen Sie mich statt ' Ihrer abnehmen, Fräulein Emma."