Indiana Tribüne, Volume 17, Number 248, Indianapolis, Marion County, 27 May 1894 — Page 6
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Der pcütize QtalnmtlsH.
' Im Ertrazimmer hinter der Cwswand beim Blauen Luchsex" saßen sie gestern wieder beisammen, um über den elendigen Zeitpunkt" zu schimpfen und im Hinblick auf den, dem Menschen nun einmal mnewoh nenden Glauben an ein Besserwerden eine halbe Hekatombe PiB" zu opfern. Das habt's jetzt mit Engerer Freiheit," sagte Bartl, indem er dabei seinen Freund Katzler, der an ihrem Stammtische die Fortschrittspartei bildete, mit einem boshaften Blicke streifte. Jetzt san m'r derweil schon soweit, dafz m'r vor jeder Sardinenbüchfen derschreaen, weil m'r's für a Dynamitbomben halten. JJn mei Haus himmen keine Sardinen mehr, ausser in a Papierl eing'wictelt. Wie leicht is das möglich, day so a wällisich: Ana?5)isteng'sel!schaft a geheime Sardinnbüchsenfabrit einricht ' und statt dö Sardinen Schuastcrnägeln cinfliut. N.lli bin i eh derschrocken, daß i kan Tropfen Bluat aefc'n hätt', i in der acht z' Haus' kumm' und vor meiner 2bür zwea aroße x:ttz Metallbächsen steh'n. I" bin cul zum Hausmaster abig'rennt und fcaj zu ea'.;M g'sagt: Sö, Hausmajlcr," sjV i. Sö g:b'n auf das Haus schcn Acht; i mach' Jhna für alle Folsi?n verantwortlich. Vor meiner Thür liea.cn wa Dynamitbomben; wo haü'n denn Sö Jhnere Aug:n? Für wa5 ,ahlt man Ihnen denn a Reininunacaelö, wann Sö dö Drinamitbomben so umalieg'n lassen. Gk'i machen S' m'r's Thor auf, daß i dö Freiwillige Rettung" avistr'n kann; denn meine Lcut' müassen beim Fensier aufsteigen; dö Thür laß i ne! aufmachen." Aber, Herr Bartl," sagt der Hausmeister, wer wird denn so ängstli sein? I wir' glei nachfchau'n." Mir machen S' früher 's Thor auf. Sö leichtsinniger Mensch," sag' i, Sö san halt no nia von aner Dynamitbomben z'risseri worden, sunst redeten S' schon anderscht." I hab' ka Ruah geb'n. bis er m'r's Thor ausg'macht hat. Voll Todesangst hab' i am andern Trotwir g'wart', daß jetzt und jetzt mei Alt? durch die Luft g'flog'n kommt." Geh, hör auf, i krieg schon a ganze Qanshaut," sagte Mausberger, der lein Freund von solchen Schauergeschichten ist. Las; 'hn nur auserzähl'n," beruhigte ihn Adaöei, Du siechst ja, daß er net z'rissen word'n is." Zum Glück is' aber zu kaner Katastroph'n kumma," fuhr Bartl fort. Nach einer Wcil' hat m'r der Hausmaster umig'ruf'n, daß i schon kumma kann. Es san nur blecherne Milchbüchsen g'wescn, dö's Milliweib am Abend immer hinstellt für'n Fruah-stuck-Kaffee. Könnt's Euch denken, wie i mi 'gift hab'. I hab' mei Weib no in der Nacht aufg'rebellt und hab' ihr dö Leviten g'lesen, wie s' so leichtsinnig sein kann, in so aner Zeit. Wie leicht kann so an Anarchist auf den Gedanken kommen, daß er so a 'Milliamperl austauscht . und mir kriag'n nachdem statt an Kaffee kuhwarme Schusternägeln in'n Mag'n." Ja, ja, weit is kommen mit. uns," rekapitulirte Mausberger in der gewohnten Weife. Da is neuli in dö Dinstag - G'sellschaft bei dö Hackeln" a dicker, behäbiger Herr 'kommen; ma. hätt' 'hn eher für an notleidenden Kleingewerbetreibenden g'halten, als. für sunst was. Der setzt sich ganz breit, als ob sich das von selbst derstünd', an 'n Stammtisch hin und obwohl die Ander'n von cahm wegg'ruckt san, fangt er do an Dischkurs an und red'l sich in a Hitz' ein! über's Großkapitäul und über dö gemästete Bourgeoisie, dene ma den Brotkorb höher hängen muaß. oder dö ma selber höcher henken muaß, damit s' zum Brotkorb nimmer dazuakommen bis Aner aus der G'sellschaft, den die G'schicht' schon z' dumm word'n is. zu eahm g'sagt hat: Was schimpfen S' denn immer über dö dicken Bourgeois? Sö hab'n ja selber an' Backhend! - Gottsacker, den S' kaum derschleppe können!" Sö." sagte der fremde Herr und sieht auf. i hab' an' Backhendl - Gottsacker? Möcht' wissen, wie mq bei engern Hungerlohn zu an' Backhendl - Gottsacker kummet. I wir Euch glei zeig'n, was das für a Backhendl - Gottsacker is." Und während er so red'k, knöpfelt er sei Gilet auf und wirft sein' Bauch mitten unier dö G'sellschaft. A Bomben," ruafen Alle voll Entsetzen und rennen bei der Thür aussi." Na, und is dö Bomben ezplodirt?" fragte Bartl. Zum Glück is s' net ezplodirt," antwortete Mausberger; denn es war nur a Kneipp'scher Bauchfleck. Aber wie leicht hätt' s' explodiren können, wann's was Ander's g'wesen wär'!" Es is überhaupt a ölendiger ZeitPunkt," versetzte Herr Adabei. Ma waß heutigstags net amal, warum ma sich plagt. Weg'n dö paar ölendisen Netsch. do ma verdient, is net drumi werth, daß man st' an' Steuerbog'n löst, 's wär' Noth, daß ma jeder nothigen Kundschaft, nachrennet und a Eompliment bis auf die Erd' abl macht Alois, bringen S' mir a Viertel mit Gieß; mir hab'n heut'' an' steierischen Kapauner g'habt und i vertrag' dö Fett'n net." Hosenträger, Zahnbürsteln, Hemdknöpfe, unzerbrechliche Kämme, Federmesser. kaufen S' m'r was ab, gnädiger Herr!" sagte eine alte Haustrerin, die blaß und müde von einem Tische zum anderen schlich und der das Elend aus den Augen guckte.. Schon Geldbörseln hätt' ich da, eaV tes Kalbleder, aus einem Stück, Kai vatten - Nadeln, Hühneraugenpflast:rj in der Uhr, brauchen Sie niz? A Klei-'
nigkeit nehmen S', auf Ehr' und Gewissen, ich hab' heut' noch um kane zwei Kreuzer a Losung g'macht." Genaan S' net weiter mit Jhnerer Posel-Waar'," sagt Herr Adabei. I unterstütz' so an' Schwindel net. Das wär' m'r recht, Dö Preisverderber no auffüttern helfen. Wann 's betteln geht's, gib i Euch an' Kreuzer. Aber auf dö G'schäftsleut' außispielen und den Leuten an Kremp'l anhängen, so was unterstütz' i net." Aber gnädiger Herr, was ich Jhnen schon schaden kann," sagte die Alte. Das bisserl Waar' is kane zehn Gulden werth. Sie verdienen in an' Tag mehr, als i in ganzen Monat." Verschwinden S', sag' i," rief Urban unwillig, mir san selber G'schästsleut'. Dös kenn' i net, so a Concurrenz no großziag'n helfen. Unserans waß net, wo er das viele Geld hernehma soll auf dö Steuern, in Zins, dö Beleuchtung, und a so a Hausirer hat keine Spesen, ka gar nix, verschleudert dö Waar' und lebt wie a Kavalier." Mein Gott und Herr." seuszte die Hausirerin. I wünschet Ihnen net, daß Sie nur an' Tag so a Kavalierlebei? führ'n sollten, wie Unserans. I hab' drei Kinder z' Haus', mei Mann is m'r g'storb'n, was soll ich denn thuan, um die Meinigen vor'm Verhungern zu schützen?" Arbeiten than S'," sagte Bartl. Gengan S' waschen, ausreiben, Fensterputzen; dös is a viel a passendere Beschäftigung für a Weib, als den reellen Geschäftsleuten' den Bissen wegschnappen." Halt ja." sagte Urban. Wird A'm eh sauer gnua g'macht, der Bissen. Alois, no a Krügel. guat ausschwab'n, und a Viertel Gansl; aber ka so a verreckt's Viech, wie's letzte Mal; das hat sogar mei Karo steh'n lassen." Die Hausirerin hat sich seufzend entfernt und die Tifchzesellschaft spinnt den Faden eifrig weiter. Es ist die höchste. Zeit, daß das G'setz über den Hausirhandel amal außakummt und dera Wirthschaft a End macht," sagte Adabei, sunst gengan mir no Alle z' Grund." In mei' Haus kummt schon lang' ka Hausirer mehr," versetzte Urban. Dös kenn' i net. Mei Hausmaster wirft alle Tag' a paar über d' Stiag'n abi." I thät s' Alle nach'n Paragraph
2 des Vagabundengesetzes behandeln,'" meinte Bartl. Es ls ja do nur a Vorwand für dö Arbeitsscheu. Wann s' was arbeiten wollten, brauchet? s' ja nur auf do großen Verkehrsanlagen z' warten, dö jetzt in Wien d'ran kummen." Freili, soll'n nur warten," sagte Mausberger. Wir lüassen a warten. Herr Wuth, . schlagen S no a Faßl Pils an, daß uns derweil dö Zeit vergeht Zweideutig. "trl Schwiegermama: Lieber Karl, Du hast ganz auf unsere Verabredung vergessen, mich nach der Vlumenausstellung u führen!" Schwiegersohn (überrascht): Wahrhaftig. liebe Mama, das hatte ich ganz vergessen da muß ich Dich zur Strafe sogleich dahin begleiten!" . ; ' Auch Kinder! . - Für Erwachsene kostet's 1 Mark, für Kinder die Hälfte!" Hier haben Se 50 Pfennig!" Aber, Sie sind doch keine Kinder mehr!" Nu, gehör'n mer denn nicht zu de Kinder Israels?" " Ein liebendes Herz. A.: Aber, lieber Junge, wenn Du und Deine Frau Euch fortwährend herumstreitet, warum trennt Ihr Euch denn lieber nicht?" V.: Was und ihr das Vergnügen rauben. Jemanden zu haben, an, dem sie ihre Wuth auslassen kann.... nein, daö bringe ich nicht über's Herz." . In Saratoga. Sie: Ich bleibe hier nicht länger, wenn Du jeden Abend Poker spielst." Er: Meine Liebe, wir können nicht hier bleiben, wenn ich nicht Poker spiele."
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Im Besitze des Pariser Sammlers Georges Salamon befindet sich eine merkwürdige Collect'.on von Büchern, welche nirgendwo ihres Gleichen haben dürfte; dieselbe ist eine veritableZwergBibliothek und enthält werthvolle Cabinetstllcke der Buchdruckerkunst. Dieses Unicum umfaßt im Ganzen ca. 700 Bände, die sammt und. sonders Pygmäen der Bücherwelt sind, denn Herr Salamon hat für die Einverleibung von Druckwerken in seine Bibliothek sehr enge Grenzen gezogen. Das größte Buch mißt in Höhe und Breite 54 bei 33 Millimeter, also nur wenig mehr, als zwei bü einem Zoll; es ist dies La Fontaine", im Jahre 1850 von Laurent und Deberny in mikroskopischen Schriftzeichen gedruckt. Dieses Buch ist bedeutend größer, als seine Nachbarn, darunter ein Horaz", der nur 47 bei 30 Millimeter mißt und im Jahre 1823 von Didot gedruckt ist;. Nochefoucould's, Maxims" aus der selben Druckerei und 42 bei 21 Millimeter groß; Le Rime di Petrarca", Venedig. 1829, zwei Bände, 39 bei 24 Millimeter; La Dwina Commedia di Dante", Mailand 1878, ein 33 bei 22 Millimeter großer Band von 500 Seiten. Geschichte und Politik ist in der Bibliothek in mehreren interessanten Werken repräsentirt, darunter Die französisch: Constitution von 1972", 41 bei 29 Millimeter, eine in holländischer Sprache in Haarlem gedruckte Eonstitution von Holland", 49 bei 30 Millimeter, welche wunderbar scharfe Schriftzeichen hat. Eine in Amsterdam im Jahre 1753 gedruckte Geschichte von Holland", zwei Bände von 33 bei 17 Millimeter, ist ebenfalls in holländischer Sprache abgesaßt. ( ' JUtmJty ti tttri hn ' I VüiTK& Prmikt 4.41 AlrßOlUt 1 y.w i"i kVÜM'flfl w,ltM i MM prö s'Yji- Ä l tWiJLVA' il i&MMkA . tUMMn X.VTjtJi t Unter den zahlreichen Büchern religiösen Inhalts befindet sich eine höchst werthvolle Eollection diminutiver Stundenbücher" und Bibeln aus dem 17. und 13. Jahrhundert. Zwei Lücher in altem Kalblederband sind besonders bemerkenswerth, denn dieselben erhalten eine Serie von 264. sehr kleinen bildlichen Darstellungen biblischen Inhalts, welche gegen das Ende des 17. Jahrhunderts von zwei Schweizerinnen angefertigt sind, ferner ein Katechismus" von 187 Seiten und Vom christlichen Hausstand", 191 Seiten, welche beide im Jahre 1606 in Nürnberg gedruckt sind und 31 bei 31 Millimeter messen. Mehrere Bibeln in elegantem Maroccoband, in London während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gedruckt, sind wahre. Eabinetstücke; ihre Dimensionen sind 26 bei 20 Millimeter. Noch kleiner, nämlich 22 bei 11 Millimeter, ist der Begriff Christlicher Lehre", aus dem Jahre 1773. An Liederbüchern und Almanachs ist kein Mangel. Von letzteren hat Herr Salamon eine sehr seltene Eollection aus den Jahren 1790 bis 1818; in derselben befinden sich französische, holländische und englische Almanachs. ! Zu den werthvollsten Werken seiner Zwerg-Bibliothek zählt Herr Salamon eine winzige Charte Constitutionelle" vom Jahre 1814,. die 22 bei 13 Millimeter mißt; dieselbe findet der Leser hier im Bilde veranschaulicht. Im Uebrigen werden di: französischen Bücher von den im Auslande angefertigten Werken bei Weitem übertroffen, so weit Schönheit und Klarheit des Druckes wie der Illustrationen in Betracht kommt. Einen der ersten Preise in dieser Beziehung verdient The English Bijou Almanac", der aus der Mitte dieses Jahrhunderts' stammt und 14 bei 10 Millimeter mißt. Da die Schriftzeichen so überaus klein sind, gehört eine Reproduction derselben an dieser Stelle zu den Dingen der Unmöglichkeit. In voller Größe ist ein Bijou for 1842" in vorstehender Illustration dargestellt, mit den Bildern der Princeß Royal" und der Tragödin Rachel. Ein Almanach vom Jahre 1837 enthält eine Widmung an die Königin und unter den Abbildungen ein hübsches Porträt der Malibran mit Noten und den Text eims Liedes. Kleiner als diese sind mehrere Almanachs, die in den Jahren 1817 bis 1840 in dem lithographischen Institut von C. F. Müller in Carltruhe
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hergestellt sind. Sie messen nur 14 bei 9 Millimeter und enthalten auf 26 bis 23 Seiten 6 bis 12 Illustrativnen. Der vorstehend abgebildete AImanach stammt aus dem Jahre 1814 und ist die Illustration um ein Geringes vergrößert. Ein Almanach aus dem Jahre 1831 enthält sehr hübsche Porträts von Paganini, Huffein Pascha, dem letzten Dev von Algier, und Anderen. In dem Almanach von 1834 findet man ausgezeichnet ausgeführte Porträts des Generals Jackson, des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und des Königs Otto von Griechenland. Das kleinste aller Zwergbüchlein der Bibliothek ist ein Chemin de la Erouix" (Kreuzweg) von nur 14 bei 6 Millimeter, d. h. ungefähr ein halber U einem viertel Zoll. Das Massctlducll in Lluxcrre.
Im Jahre 1803 lagen in der sranzHsischen Stadt Auxerre zwei Regimenter in Garnison. Das eine hatte ruhmreiche Feldzüge unter dem General Moreau gemacht. Nun entstanden Meinungsverschiedenheiten zwischen einigen Soldaten der beiden Regimenter über die Vorzüge der beiden Generale. Die von dem einen Regiment behaupteten, Moreau sei das größere Feldherrngenie; die des andern Regiments meinten, im Vergleich mit Bonaparte sei Moreau nur ein höchst unbedeutender General. Der Streit darüber wurde immer heftiger, und schließlich forderten die Moreau-Verehrer die Bewunderer Bonapartes zum Zweikampf heraus. Es wurde abgemacht, daß von jedem Regiment 100 Mann ausgewählt werden sollten, um auf einem freien Platze vor der Stadt mit blanken Waffen den Streit auszufechten. Dies geschah auch wirklich. Die 200 ergrimmten Kämpfer waren gerade im hitzigsten Handgemenge, als Offiziere dazu kamen und mit vieler Mühe die Leute auseinander brachten. Eine Untersuchung fand statt, und es war die Rede davon, daß die Zweihundert streng bestraft werden sollten. Aber da trat ein alter, mit Ordenszeichen und Narben bedeckter Sergeant vor und sagte: Da die Herren Offiziere sich miteinander schlagen, wenn sie in Streitigkeiten gerathen, so muß das auch uns frei stehen, denn wir haben ebenso viel Ehre im Leibe, als die Herren Offiziere!" Die Richtigkeit dieser Ansicht wurde anerkannt und also die Untersuchung niedergeschlagen. Und da man höheren Orts befürchtete, daß es wegen derselben Ursache wieder zu ähnlichen Streithändeln kommen könnte, so erhielt das Moreau-Negi-ment schleunigst eine andere Garnison und dafür rückte ein zweites Bona-parte-Regiment in Auxerre ein. Auf solche praktische Weise wurde die Ruhe wieder hergestellt. Wie ein Königbsohn zn seiner Frau kam. Prinz Oscar von Schweden liebte die Hofdame Fräulein Ebba Munk und gedachte sich mit derselben zu verloben. König Os:ar, der Vater des Prinzen, verweigerte jedoch seine Einwilligung zu diesem Bunde; Fräulein Munt mußte den Hof verlassen und Prinz Oscar als Kommandant eines Kriegsschiffes für längere Zeit in eine Art Verbannung gehen. Was der König damit erreichen wollte, erreichte er nicht; weder Zeit noch Entfernung vermochten die Herzen der Liebenden zu trennen. Da nahm sich die Königin Sophie der Verbannten an, sie zog Fräulein Munk wieder in ihre Nähe und erfreute sich an ihrem herrlichen Gesang. König Oscar, der bekanntlich ein begabter Dichter ist, hat auch mehrere Lieder tiefreligiösen Inhalts gedichtet. In einem derselben kommt die folgende Strophe vor: O Mensch, wenn noch in DeinemSinn Der höheren Liebe Flammen brennen. Geh' heut' zu Deinem Kreuze hin. Den treu'sten Freund dort zu erkennen. O heil'ges Fleh'n! O Trost, so schön! Erhörung wird dasHerz dann finden!" war Weihnachten. Auf einer Soiree der Königin wurde Fräulein Munk aufgefordert, dieses schöne Lied zu singen. Sie sang und brachte die mitgetheilte Strophe mit einer solchen Innigkeit und seelischem Ausdruck zum Vortrag, daß alle Zuhörer tief ergriffen waren, und jedes Auge richtete sich auf den König, der während des Gesanges eingetreten war und sich in der Nähe des Instrumentes niedergelassen hatte. Den König ergriff eine mächtige Bewegung. Stumm und wie in Gedanken verloren, saß er nach dem Gesang noch einige Zeit da, und im Salon herrschte eine Stille, wie in einem Gotteshause um Mitternacht. Dann erhob sich der König, er nahm seinen Sohn Oscar bei der Hand, führte ihn zu Fräulein Munk hin und legte ihre Hände in einander. Heimgegeben: Alte Coquette (die ein junger Mann nachHause begleitet): Doch. . . .mir wird auf einmal so angst: was werden die Leute sagen, wenn sie mich mit einem jungen Mann so spät auf der Straße sehen?" Junger Mann: Aengstigen Sie sich nicht, ich mache mir ja auch nicht das Geringste daraus, wenn ich ausgelacht werde." I m Herienberger Amtsblatt, dem Gäuboten", leistet ein Schmied folgende amtlich beurkundete Abbitte: Der Unterzeichnete bedauert, in der Trunkenheit über Schultheiß W.... beleidigende Aeußerungen gemacht zu haben, bittet ' öffentlich um Verzeihung und verspricht, in Zukunft sein ungewaschenes Maul zu halten."
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Zt, Karl Schneid. Ein Kind zu haben . zum mindesten eins ist die heimliche Sehnsucht einer jeden Mutter. Ein Weib, das ernsthaft erklärt, es wolle keine Kinder, rechne ich nicht zu den Frauen. Indes derartige Naturen bilden zum Glücke die Ausnahme und keineswegs die Regel. Ich kenne so manche Ehe, in der es anfangs, bevor der Ausgleich der Temperamente sich vollzogen hatte, etwas wild und stürmisch herzugehen Pflegte. In manchen Fällen war dann später, besonders wenn nun auch noch der Kindersegen ausblieb, die gegenseitige Entfremdung schon so weit gediehen, daß die Ehegatten alles Ernstes an Scheidung dachten. Solcher Ehen gibt es unzählige. Da kehrt eines Tages der Mann mürrisch und verdrossen von seiner Arbeit heim. Er weiß kaum noch, weshalb er immer und immer wieder zu der Frau zurückkehrt, die ihn kalt und gleichgültig empfängt. Aber, was war denn heute los? Guten Abend. Ernst " sprach seine Frau ihn an. Und wie ihre Wangen dabei erglühten! Wie die Stimme so herzlich klang! Das hatte Etwas zu bedeuten. Vielleicht ein Attentat auf seinen Geldbeutel. Er hatte sich ohnehin schon gewundert, daß Elise so lange schon keine Geldansprüche mehr zu persönlichen Zwecken an ihn gestellt hatte. Darin hatte er nicht mit Unrecht auf eine Folge der wachsenden Entfremdung erblickt, die nun bald zum völligen Bruch führen mußte. Eine Ehe, in der die Gattin vom Gatten nicht mehr das Geld zu einem neuen Kleide fordern kann, ist auf die Dauer nicht haltbar. Sollte das neue Kleid oder das Hutmodell, welches Elise heute gesehen, am Ende zum Bindeglied werden, das sie Beide einander wieder näher bringen würde? Eigentlich wäre ihm eme Wiederannäherung gar nicht unlieb. Er hatte keinen Grund zu ernster Beschwerde über seine Frau. Sie war gut, schön und sanftmüthig gewesen, als er sie heirathete. Seither hatte sie körperlich noch geWonnen. Seine Bekannten beneideten ihn um den Besitz des sinnberückend schönen Weibes Ihr Charakter aber hatte sich verändert. Nicht als ob sie schlecht geworden wäre. Solche schroffe Uebergänge in der Charakterentwickelung eines Menschen gibt es nicht. Nein, nur ihm gegenüber so wollte ihm dünken war sie jetzt eine Andere als früher... Ja, sie war anders geworden aber auch so ganz anders . . . Vielleicht war das auch ein wenig seine Schuld gewesen. Er war heftig und aufbrausend. Anfangs fegte er sich im Verkehr mit ihr stets die von der Galanterie gebotene Zurückhaltung auf. Aber die ritterliche Galanterie hält selten lange vor in der Ehe. Sie ist der letzte Nachklang der romantischen Liebe des Jünglings. Die heiße, leidenschaftliche Liebe ist einem Strohfeuer vergleichbar, das bald schon verglüht,wenn erst die beiden Liebenden einander für's ganze Leben angehören. Bei loderndem Strohfeuer läßt sich keine gute Suppe kochen. Und die leidenschaftliche Liebe bieter keine Gewähr für eine glückliche Ehe. Sie ist manchmal dem Eheglück sogar hinderlich. Bei einer mittleren ehelieden Temperatur so etwa 14 bis 15 Grad Reaumur kann das wahre Eheglück weit eher gedeihen. In solch'einer wohltemperirten Ehe pflegt sich zwischen den Gatten jenes behagliche Zusammenleben herauszubilden, welches Wechselseitige Beziehungen schafft, die sich oft dauerhafter erweisen, als die gesetzlichen Bande. Die Behaglichkeit hatte in der Ehe des vorhin erwähnten jungen Paares nie so recht aufkommen können. Die Temperamentsverschiedenheit war zu groß gewesen. DieGegensätze hatten sich immer mehr zugespitzt. Nichts war da, was mildernd und versöhnend hätte wirken können. Es fehlt das Kind ... Und dennoch: wie schmuck und anheimelnd sah es aus in dem Heim dieser beiden Leutchen! Drinnen im Wohnzimmer ein nett gedeckter Tisch, darauf ein duftiger Blumenstrauß, und neben der Lampe, die das Gemach mit ihrem traulichen, durch einen rosa-rothen Schirm gemilderten Schein erfüllte.eine Flasche Rothwein . .. wahrhaftig . Chateau Margeaux, seine Lieblingsmarke! Das hatte sicher Etwas zu bedeuten. Vielleicht war heute ihr oder sein Geburtstag oder der Jahrestag ihrer Vermählung? ..... Nein,das war es nicht . . . also etwas anderes. . Nun tritiElise ein. Sie trägt ein eng anschließendes graues Wollkleid, welches das herrliche Ebenmaß ihresWuchses noch deutlicher hervortreten läßt, und auf demKleide eine blendend weiße Schürze, die ihr' allerliebst zu Gesicht steht . . . Sonst pflegte sie das Essen durch das Dienstmädchen auftragen zu lassen. Kam er etwas verspätet nach Hause, so hatte sie selbst ihr Abendbrot schon zu sich genommen. Er mußte dann allein speisen. Heute dagegen war T ganz Hausmütterchen. Heute standen auch zwei Gedecke auf dem Tisch und wie gesagt eineFlasche Wein. Ueberdies gab es Gänsebraten, einen recht saftigen, knusperigen Gänsebraten daS Wasser lief einem schon beim bloßen Anblick m Munde zusammen. Ernst war stumm und starr vor Uebcrraschung. Das Alles war ihm unfaßbar. Verstohlen blickte er Elise von de? Seite an. Eine zarte Nöthe verschönte ihr Antlitz und die großen, dunWlauen Augen erglänzten wie im Wiederschein eines stillen Glücke. Und
von dem goldblonden Haar schienen leuchtende Strahlen auszugehen, die einer Gloriole gleich die reine Stirn umrahmten... Frau Elise lächelte ihrem Manne vergnügt zu und begann dann, ihm stillschweigend vorzulegen. Sie wußte, daß Ernst bei dem wichtigen Geschäft des Essens nicht gerne sprach. Sie schenkte alsdann den Wein in die Gläser und stieß mit ihm an. Ihr Prost!" erklang so recht aus tiefem Herzensgründe. Auch Ernst legte unwillkürlich einen wärmeren Klang in seine Worte, als er mit einemPZohl bekomm' Dir's,Elise!" antwortete. Dabei blickte er sie wiederum an, und'tief senkten sich seine Augen in die ihrigen. Purpurröthe überflammte da das Antlitz der jungen Frau, die jetzt eine der schwersten und doch auch wonnevollsten Stunden ihres Lebens durchlebte... Sie wird heute dem Gatten ein , Geheimniß andertrauen ein süßes, heiliges Geheimniß, das allem Hader und aller Entfremdung ein Ende macht. Was unausgesprochen und unaussprechbar bislang zwischen ihnen gestanden, was ihreHerzen einander entfremdet hatte die Kinderlosigkeit ihrer Ehe das war jetzt überwunden und konnte keinen trübenden Schatten mehr werfen auf ihre beiderseitigen Beziehungen. Nun mußte 2llles,Alles zum Guten sich wenden... Nicht nur das Weib, auch der Mann sehnt sich nach dem Kinde. Sie stehen Beide unter dem Einfluß des Naturgesetzes. Nicht der Mann ist der Mensch und nicht das Weib. Erst der Mann, das Weib und das Kind , sind der
Mensch. Sie ergänzen einander und ihr innerstes Wesen sehnt sich nach dieser Ergänzung. Es ist die Einheit in der Dreiheit, die Dreiheit in der Einheit ein Mysterium, wenn ihr wollt.aber ein süßes Mysterium, das uns mit ehrfurchtsvollem Schauern erfüllt. Wir ahnen die Majestät der Natur, die sich unser als das Werkzeug bedient zu: Erreichung ihrer schöpferischen Zwecke. Deshalb werden Mann und Weib früher oder später unterschiedslos ergriffen von dem Drang zum Kinde. Kann dann die Ehe diesem Dränge nicht genügen, erscheint jede Hoffnung auf Kindersegen ausgeschlossen, so verliert das ehelicheZusammenleben in den Augen feinfühlender Gatten manchmal seine natürlich-sittliche Grundlage. Es erscheint ihnen zwecklos. Das muß zwar nicht so sein es gibt wohl auch manche glückliche, wenngleich kinderlose Ehe aber es kann doch so kommen und kommt thatsächlich sehr häufig so. Dann lockert sich das Band, welches bis dahin die Gatten zusammengehalten, und es kommt entweder zum Bruch, oder zu einem gleichgiltigen Nebeneinandergehen in der Ehe, welches doch unmöglich deren Zweck und Endziel sein kann. Wenn nun aber endlich der Klapperstorch über das Haus dahingeflogen ist und einen kräftigen Jungen, ein zierliches Mägdelein durch den Schornstein hat fallen lassen, dann ist die Freude zwar groß, aber noch keineswegs alle eheliche Noth ein Ende. Dann entbrennt nach kurzem Waffenstillstand manchmal auffs Neue ein erbitterter Streit derKampf um das Kind und seme Erziehung. Die Mutter würde aus überquellender Liebe und Zärtlichkeit das Kind verhätscheln und verziehen, wenn nicht der Vater ein Machtwort spräche und die verweichlichenden Einflüsse von dem Kinde abzuwehren suchte. Zunächst muß sich seine väterliche Fürsorge hauptsächlich auf eine Ucberwachung der körperlichen Pflege des Kindes beschränken, damit in hygienischer Hinsicht keine folgenschwercn Fehler begangen werden. Gerade auf diesem Gebiete wollen sogar sonst vorurtheilsfreie und intelligente Frauen häufig genug keine Vernunft annehmen. Es hat sich im Laufe der Zeit unter den Frauen hinsichtlich der Kinderpflege eineTradition heraus--gebildet, die allen Forderungen der Wissenschaft undVernunft schnurstracks zuwiderläuft, an der aber manche Frauen festhalten, wie der Südsee-Jn-sulaner an seinem Fetischglauben. Es ließe sich eine lange Reihe von Versündigungen aufzählen die als Sünden wider den heiligen Geist einer vernünftigen Kinderpflege zu betrachten sind. Die Unvernunft der Mütter kennt oft keine Grenzen. Was sie von der.Mutter, der Großmutter und der Urahne ererbt haben, ist ihnen maßgebend. Mögen alle Aerzte und Gelehrte der Welt beHäupten, diese oder jene Behandlung des jungen Weltbürgers sei falsch und widersinnig, sie werden trotz alledem dem alten Verfahren treu bleiben, blos weil.es alt und erprobt" ist. Sie selbst wurden in ihrer Kindheit nach diesem Rezept behandelt. Da nun diese Methode so prächtige Resultate gezeitigt hat, muß sie unbedingt gut sein . . . Ich will sie hier nicht erst alle aufzählen, die Sünden, welche unverständige Mütter sich gegen die Kleinen in deren ersten Lebensjahren zu Schulden kommen lassen freilich selten ohne Mitschuld der Männer. Der Mann, welcher um des lieben Friedens willen seine Frau gewähren läßt, möge sie noch so unvernünftig an dem Kinde handeln, bat keine Ahnung von der schweren Verantwortung, die er dadurch auf sich nimmt. Die Pflicht des Mannes ist es, die Kinderaufziehung zu überwachen. Auch soll er die Frau ausklären über Alles, was ihr in dieser Hinsicht zu wissen Noth thut. Es fehlt nicht an guten Volksbüchern, welche alles Wissenswerthe enthalten. Der jungen Mutter schadet es sicher Nichts, wenn sie statt des neuesten Romans ein derartiges Buch zur Hand nimmt. Sie hat auf diesem Gebiete noch geradezu Alles zu lernen; denn unsere jungen Mädchen werden heutzutage zn allcm
Möglichen erzogen, nur nicht zu Mut tern . . . Wenn das Kind die ersten Lebensjahre hinter sich hat, beginnen die Hauptaufgaben der Erziehung. Jetzt handelt es sich um dieCharakterbilduna und um die geistige Ausbildung. Da wartet denn vor allen Dingen des Vaters eine schöne und hehre Aufgabe, der er jedoch nur dann völlig gerecht werden kann, wenn er ihr in innigster Gemeinschaft mit der Mutter seine Kräfte widmet. , So erweist sich das Kind immer und immer wieder als Bindeglied zwischen den beiden Gatten. Hat da das Sprllchlein nicht Recht, welches sagt: Viele Kinder, viel Segen" ? Taö neue Piano; oder: Wie der Fred der Qual deö Piano Opiclcns entrann.
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Die Mutter sprach: Mein lieber Fred, Du willst nicht spielen? Das ist nett! Komm', Fredchen, spiel' schön, sei ge scheut, Auf daß Papa sich recht dran freut." Papa liest sein: Daily Preß", Der Fred auf Rache sinnt indeß. Ha," denkt er, wart', ich tränk's euch ein. Daß ihr fortan mich laßt allein." Und kaum gedacht, spielt er auch schoi? Den Anfang von Reveil de Lion". Es kracht, als ob das Haus fällt ein; Papa eilt ganz bestürzt herein. Er reißt das Söhnchen von dem Stuhl Und brüllt: Willst stoppen gleich. Du Fool?!" Der Fred get vom Piano froh, Denkt schmunzelnd: Well, I wld you so!" Militärisches. Officiere: Sie Esel Sie, wissen Sie, warum ich Sie an der Nase gezogen habe?" Rekrut: Wahrscheinlich, weil Sie vor aussetzen, daß ich kein Taschentuch habe." ' Warum. A.: Willst Du mich nicht Deiner hübschen sousine vorstellen?" B.: Gewiß will fth es. wenn Du es wünschest, thun, aber ich, bitte Dich schon jetzt, solltest Du sie je heirathen. mir niemals! Vor-I würfe wegen dieser Vorstellung 5U maz chen." ' , :
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