Indiana Tribüne, Volume 17, Number 248, Indianapolis, Marion County, 27 May 1894 — Page 2

i X w

n" v i l L . . , s S

neipcnde Thiere.

Aus der Speisekammer der WerWelt" theilt Dr. Ich. Müller-Lieben-walde allerhand Absonderlichkeiten mit. Wenn ein Bruder Studm den Coulörhund dazu abgerichtet hat, die Neigen aus den Schoppenuntersätzen zu schlurfen und somit bierehrlich", zu roerden. so erblickt ein staunender Zuschauerkreis darin schon ein halbes Wunder. Man ist eben nicht daran gewöhnt, daß unser vierbeinigerHausfreund dem Genusse von Spiritussen huldigt. Noch drolliger und merkwürdiger finden gewiß Viele den Igel, der in der Gefangenschaft ohne Umstände süßen Liqueur zu sich nimmt und zwar in solcher Menge, daß sich gar bald bei ihm die Spuren eines rechtschaffenen Näuschchens zeigen. Recht bezeichnend ist es übrigens, daß ihn die niederdeutsche Fabel auf der Buxtehuder Feldmark mit dem turf kundigen Junker Hase um den Preis von eeiT Luggerdor un cen' Vuddel Bramwin" um die Wette rennen läßt. Ein Seitenstiici zu diesen Trunkenbolden bildet ein Hirsch, welcher so ausgeprägte Vorliebe für den schäumenden Gerstensaft hatte, daß er sofort herbeigeeilt kam, sobald man ihm den vollen Humpen kredenzte. Durchaus zuverlässige Gewährsmänner versichern, daß dieser Jünger des Gamibrinus eines Tages das ihm von gutien Freunden gespendete respektable 'Quantum von vierzehn Seideln bewältigte, ohne dadurch aus der Nichitung gebracht zu werden. Es war ein 'kapitaler Zehner, der Ausgangs der siebziger Jahre im Wildparke des .'Fürsten Elary nicht weit von Teplitz !lebte. Kein einziges Stück aus den starken dort stehenden Rudeln that sich m gleicher Weise hervor; und beim Änblick des alten Burschen, der lüstern und mit weit offenen Rüstern den vorgehaltenen Krug anäugte, mag in den Umstehenden ein gelinder Zweifel aufgestiegen sein, ob' dieser Hirsch jemals nach frischem Wasser geschrieen habe. ??ast noch unglaublicher klingt, was Dr. Philipp! aus Santiago in Chile rzählt. In S. Juan, in der Provinz Valdivia, mästete sich einer von seinen Weichlich und regelmäßig gefütterten 'Hunden buchstäblich mit dem Hafer, 'den er den Pferden aus der Krippe .stahl; und ein Gaul, der zeitweise frei im Hofe herumlief, hatte sich dermaen an das Fleisch junger Hühnchen und Tauben gewöhnt.daß er seine unschuldigen Opfer ergriss, sobald er ihxcx habhaft zu werden vermochte. Tie Ääubchen wurden sogar direkt aus den Nestern geraubt, welche sich, niedrig enug.dort in Mauerlöchern befanden. Man hatte das Fehlen des zarten Geslügels wohl bemerkt, aber natürlich nfangs die Ratten-im Verdacht der Thäterschaft gehabt, ehe man den wirklichen Verbrecher entdeckte. Etwas nders verhält es sich mit einem Affen, dessen Bekanntschaft ich selbst zu ma!chen Gelegenheit hatte. Er bediente sich des Priemtabaks so sachgemäß wie ein alter Matrose oder ein holländischer Fischhändler. Ein MenagerielStammqaft brachte ihm ab und zu 'sein Röllchen mit, welches dann mit fröhlichem Grinsen in Empfang gefrommen, beschnuppert und in die gesäumige Backenhöhlung geschoben wurde. Das Thier gehörte keines?vegs zu den anthropomorphen Affen, machte sich aber durch sein wunderbasres Gebahren in hohem Grade menschenähnlich. Während der Mahlzeit llegte er das steuerkräftige GenußMittel" sorgsam bei Seite und duldete nicht, daß seine Käfiggenossin danach riff. Tabak habe ich ferner manchen Reitefel im Gebirge mit Leidenschaft nehmen sehen: auch das frommste Langohr führte zum Entsetzen seiner Leiterin gelegentlich einen unverhoffien Seitensprung aus, um einen Stummel aufzuschnappen und sich da?an gütlich zu thun. Im Zickzack. Schier endlos dehnt der Weg sich aus. And bald schon hatten roiY heraus: Zr war nicht g'rad', er war nicht schräg'. Es lief vielmehr der ganze Weg Im Zickzack. Die Sonne brannte fürchterlich, Ihr, lieben Freunde wißt, daß ich . -Niemals zu übertreiben pfleg', Ganz miserabel war der Weg Im Zickzack. Am Ziele endlich fanden wir Zin herzerquickend gutes Bier. Da war'n im Trinken wir nicht trag' Nach den Strapazen auf dem Weg Im Zickzack. Spät heimwärts ging's auf der Chauss. Doch wir marschirten bald, o weh, Als wär es unser Privileg, Den schnurgeraden, schönen Weg Im Zickzack. E n t r i! st e t. Ein Herr wird von einem schon frisirten und gigerlmäßig Menschen angebettelt und weist lhn mit den Worten ab: Einem so stutzermäßig gekleideten Menschen kann ich doch kein Almosen geben!" Ru wirds aber Tag!" sagt der Bettler. gestern sagten Sie mir, einem Mei schen, der wie em Strolch dahergehe, gäben Sie' nischt, und heute, wo ich mich eztra fein gemacht habe, geben Sie mir ooch nischt?!" Vorsicht schadet nicht. A.: Nun, trinken wir noch EinS?" 58.: Nem. da5 geht absolut nicht! Meine Alte sagte, ich solle Schlag zehn Uhr zu Hause sein. A.: .Aber, auf ein paar Minuten wird c3 doch nicht ankommen?" B.: Q ja! Sie hat das .Schlag" ganz besonders Bctontr

1800.

Novelle von Emil Roland. Zweimal im Lauf der Jahrhunderte schritt dre Zerstörunq mit blutbefleck ten Händen durch das stille Thal, zuerst als wilde Bauernhorde, zügellos, mit arausam blickenden Augen damals sank das Schloß am Berge zusammen; eine Flammennacht tobte um Erker und Mauern, bis nichts übrig blieb,als eine graue, leere, schwermuthige Ruine. Dre Bauernscharen zogen weiter; die blutigen Sensen schwangen sie statt Morgensternen in der Luft, Kirchenlieder singend und Greuelthaten verrichtend gistige Auswüchse an dem großen Baume der neuen Zeit. Ihre Lieder verklangen. Neuerrkeoe kam, jahrhundertlanger Friede. Da ein zweites Blutbad eine zweite Zerstörung! Sie lieh den Namen einem Thale ab, das bisher in zedes Menschen Ohr etwas Schönes, Liebes bedeutet hatte, einer Stadt, um die silbern und süß Thüringens schönster Strom -mit tändelnden Minnesängern warb. Die Schlachtkanonen von Jena brüllten ihr schauriges Lied durch die Welt. Die herbstgrüne Erde erbebte. flehend streckten sich hilflose Arme zu einem Himmel empor, der im gigantischen Wettertreiben der Zeit das Erbarmen Derlernt hatte und gelassen, kalt und grausam,einem steingehauenen Götzen gleich, stand am deutschenBerghang die schauerliche Kaisergestalt, die Ball spielte mit den Sceptern und KöNlgrelchen einer von ihr verachteten Welt. Die große Schlacht war vorbei. Die Erde dampfte von Blut. Eine unheimliche Nacht sank herab und ein grauer. schrecklicher Tag folgte der Tag der Todtenbestattung. Alles wurde hinabgescharrt. Reite? undRoß, mitten abgeknickteLebenshoffnung, zu früh erloschene Flammen, Freund und Feind. Das war ein trübes, jammervolles Bild, aber doch nicht so grausig wie ein anderes. Unter einer Dorflinde breitete sich dies andere aus. Ein Haufe lachender Franzosen zerrte einen alten Edelmann unter den Baum er wehrte sich kaum, sah er sem Schicksal doch unabwendbar vor sich in der aufgehobenen Pistolenmündung eines grinsenden Carabiniers. Sterben müssen dafür, daß man Hab und Gut vertheidigte, daß man die schuldlosen Häupter von Weib und Kind beschützen wollte und im verzweifelten Nothwehrkampfe vielleicht dem Feind die Haut ritzte das war nichts Seltenes in jener Zeit. Mehr hatte er auch nicht verbrochen, aber er büßte jetzt dafür. Das wüste Geheul des FranzosenHaufens legte sich plötzlich, als gegenüber das Scheuerthor aufging und zwei Männer ins Freie traten. Der eine war blaß und jung. Er trug den Arm in der Binde. Eine Kugel hatte ihn in der Schlacht gestreift; nun riß ihm vor einer Stunde beim Ueberfall des G: ,hofs Jemand die Binde ab, daß eil., neue Blutwelle das weiße Linnen rötete. Es war ein Zufall und geschah aus Nothwehr; aber man ergriff den Thäter und jetzt richtete man ihn. Der Oberst befahl. Er wollte die ?wölf Blutstropfen seines Lieblings rächen mit dem ganzen Leben dessen, der sie fließen gemacht. Er selbst stand jetzt da, um dem Schauspiel zuzusehen, jenem Dutzendschausviel, das so abgebraucht war in dieser blutigen Zeit. Zwischen zwei Knöpsen seiner leuchtenden Uniform hingen ein paar große Neseden, die er in einem zerschossenen Bauernhause gepflückt: unversehrt hatten sie dort im irdnen Topf am zersprungenen Fenster gestanden; ihr Duft that ihm wohl nach dem Blutgeruch, dem Pulverqualm,und er steckte sie ins Knopfloch, als er nun hinging, um einen Menschen sterben zu sehen. Sein Gesicht war kalt und gleichgültig, schöne Züge, aber verhärtet und verwittert' im Kriegsleben, Augn, die einen Zug der Grausamkeit nicot verleugnen konnten, Lippen, die über das Schrecklichste zu lachen sicki längst gewöhnt der junge Officier neben ihm hatte noch etwas Weiches, Jugendliche, aber so weich war er doch nicht, daß es ihm jetzt einsiel, um das Leben des fremen Mannes zv bitten. Niemand that es. Nur ein grauhaariger Wachtmeister trat herzu und sagte leise: Er hat Welv und Kind. Warum bittet tt nicht um Par don! warf der Oberst hin und sog nachlässig den Dust seiner Reseden ein.. Der Gefangene hatte die Worte ver standen, ein dunkler Blitz schoß in sei nen rothgeränderten Augen auf. Weil ich von solchen Händen lieber den Tod will als die Gnade! schrie er heiser. Feuer! befahl der Oberst achsel zuckend. Eine Minute darauf war alles vor bei. Sie sahen ihn beide gelassen in sei nem Blute liegen, der Oberst und sein bleicher Günstling. Dann schritten sie von dem alltäglichen Schauspiel fort, den Pferden zu, die aufgezäumt harr ten, sie in das Lager des Kaisers zu bringen. Die Leiche des Erschossenen wurde in den Gutshof zurückgeschleppt und auf die Treppenstufen gelegt. ' Das wird auch eine Freude sein. wenn die Frau kommt und ihn findet! lachten sie,; schrieben einen Spottvers mit Kreide an das Hausthor und zogen singend von dannen. Die Kunde, daß der alte Gutsherr von den Franzosen erschossen war. schwirrte schnell genug von Dorf zu

Dorf. Mi! geballter Faust horte man

sie an, mit zornblerchen Lippen trug man sie leise weiter, leise, wie man den Feinden fluchen mußte in jenen 'Tagen, wo ein lautes Wort Grund genug zum Flüsiliren bot. Das Gerücht drang auch in die Mühle, in die der Getödtete vor der Schlacht Weib und Kind geflüchtet. Die Frau wollte fortstürzen an den Ort der That, wollte ihn noch einmal sehen, ihreSterbegebete an seiner Leiche murmeln, die welken Hände küssen, die ihr so viel Gutes gethan ber der alte Mulle? hielt sie zurück, dem Versprechen gemäß, das er dem Todten gegeben. Sie schluchzte wie em Kind und rang ihre weißen Hände, aber ihr Schmerz war keiner von den Schmerzen, die tödten können. Der alte Mann, dem sie ihren Eltern zuliebe Treue geschworen und geyalten hatte, war ihr wie Vater und Bruder gewesen, aber ihr Herz hatte er nie ausgefüllt. Das tqat allem der blonde Knabe, der jetzt vcrsiändnißlos zu ihre Schmerzen aussah. Zwei Tage lang wurden ihre Augen nicht trocken. Sie nähte mit der Magd ein Trauergewand aus grobem. schwarzen Swss, em dunkles Kleid, das lang und schwer um inre hohe Gestalt lag und die Blaue ihres Angesichts fast czelsterhalt hob. In der nächsten Nacht schlummerte sie wieder zum ersten Mal. Die junge Natur forderte ihr Necht. Da hörte sie Plötze lich einen Schuß unter ihrem Fenster, einen scharfen Knall, der laut und grell m das stille Geplatscher des Mühlbachs hineinklang und einen kurzen, heftigen Schrei. Sie sprang empor und stieß die Scheibe auf. Unten pochte Jemand an das Thor derMühle. sie sah nichts als zwei nächtliche Schatten, zwei schweigende Gestalten,deren Umrisse sie kaum erkannte. Die Tannen rauschten wild durch die kühle Nacht, von allen Bergen klang ihr düsteres Lied ins Waldtbal hinab, wie ein großer, lang geheimgehaltene? Groll, der sich endlich Luft macht. Sie schlug das Fenster zu. Ein Grauen überlief sie. Sie fürchtete sich. sie suhlte sich plötzlich so allein, ohne Gatten, ohne Beschützer. Unten hörte sie Geräusch. Bald darauf pochte der Müller an ihre Thür. Er bat sie herabzusteigen, man hätte einen Verwundeten ins Haus gebracht und ihren weichen Hände verständen das Pflegen gewiß besser als die seinen. Sie streifte ihr Trauerkleid über und ging hinab. Es war ja nicht der erste Kranke, zu dem sie tarn; wie oft hatte sie schon Samariterdienste gethan bei den Elenden und Gequälten ihres Dorfes! Als sie auf die Diele trat, sah sie einen Lichtstreif aus derWohnstube fallen; er zitterte so seltsam über die geweißten Brett:r,an dem altmodischen Wandschrank entlang, der in der Ecke stand. Sie sah ihn gedankenlos an, diesen verirrten Straff dann trat sie leise ein. Man hatte den Verwundeten auf das Sopha gebettet. Leichenblaß mit geschlossenen Augen lag er da, halb wie cin Todter. Nur den Mund umspielte noch ein verrätherischer Zug von Leben, ein hochmüthiger, verachtender Zug, der gleichsam den Tod verspotten sollte, der sich vorschnell an seine Seite gedrängt. Sie hatte niemals cin solches Gesicht gesehen. Es standen Geschichten darin, wie sie nie in ein Thüringer Thal gedrungen waren, Abenteuer, groß und ungewöhnlich wie jene, die auf Napoleons Kriegswegen überall blutigen Schwertlilien gleich emporschössen. In der großen Armee waren solche Gesichter nicht selten, ein gleiches Schicksal stempelte viele mit derselben Leidenschaftsgluth, demselben verachtenden Todestrotz wie dieseS Sie aber sah solche Züge zum ersten Mal. Der Athem versagte ihr fast, als ihr Blick in diese neue Welt herniedertauchte, und binnen einer Secunde wurde ihr etwas Seltsames, Ueberraschendes klar sie hätte ihr Leben auf der Stelle geopfert, um dies fremde Dafein zu retten. Der Bube läuft, was er kann! flüsterte ihr der alte Müller zu , aber ob der Arzt noch noththut. . . . Er muß leben! sagte da neben ihr ein junger, schlanker, Hochaufgeschossener Menich mit einer dunkeln Schul terbinde , er muß leben! und es lag soviel Energie, soviel starkes Wollen m dem leisen Ton, m dem er sprach. daß die Frau im selben Augenblick wirklich glaubte, wenn solche Menschen den Tod nicht wollten, so wage er sich auch nicht an sie heran. Scheu glitt ihr Blick an dem fahlen Profil des jungen Soldaten hinauf. Sie sah seine blitzende Uniform, sah plötzlich auch den rothen Mantel, der dem Ver mundeten zur Erde geglitten war, das Ehrenzeichen auf seiner Brust und nun fiel ihr jählings ein, was sie sich schon gleich hätte sagen können, aber sich zu sagen vergaß: diese Menschen waren ja Franzosen, die Mörder ihres Gatten. Sie lächelte zerstreut bei dem Gedan ken, aber regte sich nicht. Da schlug der Verwundete die Au gen auf, zwei braune, blitzende Augen. Wasser! stöhnte er. Sie eilte hinaus, schöpfte einen klaren Becher voll und stand in ' zwei Minuten an ' seiner Seite. Er trank durstig, den Blick zu ihr emporgewandt. Bei der leichten Bewegung schmerzte seme Wunde fast unerträglich; ein dunkler Schatten flog ihm über die Stirn. Sie sah ihm die Schmerzen an; aber mitten in seiner -Qual zwang er sich doch em galanres. abenteuermuthiges Lächeln um den Mund und sagte kosend: Hab Dank. schöne Frau! Dann fiel er in eine neue

Ohnmacht zurück. Sie stand noch im-

mer wie gebannt da. den Becher rn der Hand. Endlich kam der Arzt, eine vermachte, elende Jammergestalt, der selber halb bewußtlos schien, als er nun sein Amt verrichtete. Der junge Offlcicr zog die Frau bei leite. Können wir hier ein paar Tage blei ben? fragte er. Er ist guter Pflege sicher .? t Ja! Er sah sie musternd an. Sie sind sehr schön, Madame! Und in Trauer? setzte er dann hinzu. Sie Nickte nur. Es ist fürwahr schade, bemerkte er. dasz unser großes und schönes Glück so vielen andern zum Unglück wird. Er sprach es leichthin. Sie aniwortete nicht. Es grauste ihr bei seinen Wortcn, aus denen das ganze Elend jener andern sprach, zu denen auch sie gehörte; aber es war eine stumpfe Ergebung in jenen Tagen über den besiegten Theil der Menschheit gekommen, eine widerstandsmüde Resignation, ein gedankenloses Forttaumeln von einer schrecklichen Minute zu einer schrecklichern. Nicht einmal die Frivolität, mit der selbst dieser junge Glücksritter, der noch der Empsindungsveichsten einer war, neben einem Halbsterbenden ein ruhiges Gespräch begann, entsetzte sie. Ruft mich.wenn ich nöthig bin! sagte sie zu dem Müller. Ihr war, als müsse sie entrinnen aus diesem Raum, als sei jede Minute Unrecht, in der sie ihre Feinde nicht zu verderben trachtete. Hastig glitt sie aus dem Zimmer. Oben warf sie sich nieder an dem Bett des schlummernden Kindes, ängstlich nach unten laufend auf jeden Ton, jeden Seufzer von dort. Wenn er doch todt wäre! Wenn er doch stürbe! rief sie, U7.d doch machte der Gedanke sie schaudern. Es wär eine unheimliche Nacht. Die Tannen rauschten laut zu ihr hinein. Der Mllhlbach grollte dazwischen und ein strenger Wind machte, sich auf und rüttelte an den Läden. Die Kugel, die den Obersien getroffen, war eine jener herrenlosen Kugeln gwesen, die in Kriegszciten plötzlich und überall heranschwirren können vielleicht die Kugel eines getäuschten Wachtpostens, der schleichende Spione ängstigen will, oder die Kuael eines zornigen Bauern, der seinen Herrn oder sein niedergebranntes Haus aus dem Verborgenen rächt oder die des tückischen Soldaten, der den ciaenen Vorgesetzten hinterlistig niederschieht um einer verdienten Züchtigung wilIen. In 'Tagen großen Völkersgemetzels kümmert sich Niemand viel um den einzelnen Schuß. Die Ordnung ist niedergetreten, die Sicherheit im Blute Tausender ertrankt aber wen solche Kugeln treffen, dem bringen sie bitterstes Verderben. Eine Kugel in der Schlacht ist etwas Schönes, Großes, Sterbenswerthes, eine Kugel aus dem Hinterhalt erbärmlich, schlecht, jedes Heldenthums bar. Das war es, was den Obersten am meisten kränkte an dieser Kugel wollte er mcht sterben! Der Dorfchirurg that seine Pflicht; der Wille des Kranken aber that Wunder; es war, als ob die drohende Gefahr sich auf seinen Befehl langsam mehr entferne. Am zweiten Tage ritt der junge Officier aus und kehrte fpät Abends zurück. Er brachte stolze Nachrichten mit. Des Kranken Augen leuchteten Ber trand, ich muß dabei sein! rief er wenn wir erst wieder fortiaaen zu Rotz, wenn es erst wieder Krieg gibt, blutigen, grausamen Krieg! und er griff nach seinerSeite, als ob er seinSchwert ersassen wollte. Der Oberst liebte seinen Günstling In einer Zeit, wo Familienleben Fabel war, sehnte sich selbst das sprödeste Herz zuweilen nach der Nahe emes an dern. In einem niedergebrannten Wallonendors hatte er ihn emst ausae lesen, aus einem sichern Tode an sich gezerrt. Der Jüngling, der damals mit so schmerzlicher Gelassenheit dem Zusammenbruch all seines HennathZ glucks zusah, gefiel ihm, der fatalisti sche Zug auf der Knabenstirn zog ihn an. Sie waren seitdem treue Zeltgenossen, und an dem Glück seines Obersten rankte sich die Fortune" des tun gen Abenteurers keck mit empor. Er sah m seinem Herrn seinen Götzen und sem Schicksal; er folgte ihm überall hin. In der Schlacht begegneten sich ihre Blicke über stürzende Rosse und sinkende Manner hinweg; am La gerfeuer ruhten sie zusammen auf ei nem blutbefleckten Mantel aus im Gefolge des Kaisers ritten sie neben einander auf schön zäumten, kost baren Rossen, übermüthig und stolz, von dem großen EmporkommlinasHochmuth beseelt, den ihr Cäsar ihnen vormachte in unvergleichlicher Vollen dung. . Ich will in drei Tagen reiten! rief der Oberst so lange gebe ich meiner Wunde Zeit zum Heilen dann achte ich nicht mehr aus sie! Du bist noch blaß, mein Vater! sagte Bertrand. Gewiß hast du dich gelangweilt, während ich fort war. daß dir nun so unvorsichtige Gedanken kommen. Ich bin geritten, daß derSchaum vor des Pferdes Gebiß stand, aber ich konnte nicht schneller. , Ich hatte Gesellschaft. Die schöne Frau? fragte Bertrand. ' Nein, nicht sie, aber ihr Knabe. Weißt du. was er mir erzählt hat? setzte er hinzu und seine Brauen runzelten sich. Am letzten Sonntag hätte ein französischer Oberst seinen Vater erschießen lassen unter der Linde im Dorf. Das Kind lallte es so hin. Vertrand! Ich glaube, wenn die blonde Schöne wüßte..,,.

Vertrand sprang auf. Sie weiß es

nicht! Sie litte uns sonst nicht unter ihrem Dache. Was soll sie machen? Wir sind die Sieger. Mich wundert, daß sie kein einziges Ma! nach mir sah das ist verdächtig aber gleichviel! Die bloden Zufälligkeiten des Krieges sollen mir seine Schönheit nicht verkümmern. Sage mir doch.Verirand.wie die Chansonnette hieß, die sie neulich am Lagerseuer sangen? Das Zmeunerwetb hatte sie mitgebracht. Bertrand begann und der Rest der peinlichen Empfindung war schnell verflogen. Die Töne klangen ins Freie, zu der lauschenden Frau hinauf, die oben im Gebete kniete. Leicht und geflügelt flatterten die übermüthigen Verse von den Lippen der Glücksritter. Sie konnte nicht weiteröcten; sie stöhnte nur laut auf und rief: Nur kein Wiedersehen! Nur das nicht! Aber es wurde ihr nicht erspart. Sobald der Oberst wiederkehrende Kräfte spürte, schleppte er sich zu ihr hinauf. Vertrand war fort; er erwartete ihn erst spät Abends zurück. Er hatte solange keine schöne Frau gesehen, aber die letzten Tage mit der Erinnerung an sie gespielt warum sollte er , sich die Freude versagen? Der Schrecken schmeichelte ihm, den er ihr ansah, als er plötzlich in das Gemach trat, groß und stattlich, zwar Über die erste Jugend hinaus, aber noch immer von jener- Spannkraft der Be-wegung,-die andauerndes Kriegsleben nicht erlahmen läßt. Ich sehnte mich nach Sonnenschein, begann er, und da die Sonne nicht zu mir kommt, steige ich zu ihr hin auf. Sie sah ihn vorwurfsvoll an und blickte auf ihre ernsthaften Gewänder. Da trat er näher und griff nach ihrer Hand, um sie zu küssen. Erschreckt wich sie zurück. Nein, rief sie, es ist genug, daß ich verdammt bin, unter einem Dache mit meinen Todfeinden zu leben! Der Himmel bewahre mich, daß ich nicht gestraft werde, sie auch noch zu berühren! Ihm gefiel ihr Zorn. Sie sind sehr ungerecht. Madame wenn Sie verlangen. ich solle das Schicksal des JahrHunderts verantworten! Da biß sie die bleichen Lippen fest zusammen. Ihre Kameraden haben mir den Mann erschossen! sagte sie tonlos. Es ist mein: Pflicht, Sie zu hassen! Pflicht? rief er. Also nur aus Pflicht? Nicht aus eigenem Drang? Nicht, weil es nicht anders geht? Sie schlug die Hände vor das Gesicht. Gehen Sie, rief sie. wenn Sie nicht wollen, daß ich gehen muß! Er sank erschöpft auf einen Stuhl. Verdammte Kugel! stöhnte er. Wie kann ich gehen, wenn ich nicht aus der Stelle komme? Wenn Sie mich auch verabscheuen.schöne Frau, so haben Sie wenigstens soviel Mitleid, Jemanden zu meiner Hilfe zu rufen. Sie ging, und als der Müller kam, fand er den Kranken halb ohnmächtig an der Wand lehnen. Verdammte Kugel! stöhnte er warum gerieth ich auch wieder in diefe Gegend warum so? warum nicht wenigstens im Donner von Jena?! Als es dunkel im Hause wurde, schlich Jemand die Stiege herab. Die Frau wars, die ihren Knaben im Arm hielt, der friedlick schlummerte. Sie wollte fort aus der Mühle, sobald als möglich; es litt sie nicht mehr unter einem Dach .mit - ihren Feinden. Sie legte das Kind auf ein Strohbllndel, das neben dem Dielenschrank lag, dann schlich sie leise lauschend der Wohnzimmerthür zu. Sie hörte kei-, nen Laut und trat hastig ein; we-' nigstens sehen wollt: sie ihn noch ein--mal. Da lag er, beim Schein einer kleinen Lampe, blässer, als sie ihn je gesehen, die Augen halb geöffnet, die ihr glanzlos entgegenstarrten. Mechanisch trat sie näher. Kommst du, Bertrand? stöhnte er. o, die Schmerzen! Gib mir das Gift, hörst du, links in der Brusttasche ich trag es seit Jahren bei mir für den Nothfall für Gefangenschaft, für, Wunden, wenn sie zu heiß brennen - ein Tropfen genügt dann ist der Krieg mit dem Leben aus! Er ächzte laut. .Ich bin nicht Vertrand! flüsterte sie. Da sah er sie an; seine Augen wurden größer, ein Lichtstrahl schoß aus ihnen empor, derselbe Strahl, der den Abenteurem jener greuelvollen Zeit jedesmal aus den Augen brach, wenn sie, etwas wahrhaft Schönes sahen, etwas, das anders war als der Schrecken, der sonst auf ihren Wegen wuchs. Ja, so murmelte er du bist! nicht Bertrand du bist das Weib' dessen, den ich niederschießen ließ. . . Er sah sie lachend an, als wisse er nichts von der Bitterkeit seiner Worte. Sie aber fühlte einen gräßlichen Schmerz in ihrer Brust, ein ungeheures Weh mit keine? Wimper zuckend, starrte sie ihn an, den Mörder ihres Gatten, den sie nicht zu hassen vermöcht hatte nein, der in ihren Augen ein Halbgott gewesen war. so sehr sie sich auch gegen diesen Götzendienst gesträubt. Wie ein großer Vorwurf stieg es in ihr auf. Du bist eine Elende, wenn du ihn jetzt noch liebst! keuchte sie und preßte die Hände auf das Herz. Nein, ich liebe ihn nicht mehr! Ich will es beweisen vor ihm vor mir wen man todten kann, den liebt man nicht! Und mit zitterndem Finger schob sie seinen rothen Mantel beiseite, der über I die Binde IC& und suchte in der Brust-

tasche des Fiend:n, bi5 sie fand, was sie wollt?. Er hatte die Auxen geschlossen; sein Kopf war aif ihren Arm gesunken. der dunkle waghalsige Räuberkopf. über dessen Stirn eine breite, große Narbe lief, ein altes Memento an die Feuertaufe bei der Brücke von Lodi! Ich liebe dich nicht! keuchte sie dann sacht und leise, als fürchte sie den Mann, den sie tödten wollte, vorher auch nur ein wenig zu verlchen. h&b sie sein Haupt langsam empor. Er lallte im Fiebertraum es war dieselbe Chansonnette, die er noch gestern sang, das Lagerlied der Zigeuner mit dem leichtlebigen, lustigen Refrain. Mitten im Liede brach er ab das Gift hatte -seine Lippen berührt. Er öffnete die Augen nicht mehr, wand sich noch ein paar Mal und lag dann entseelt da. Sie bettete sein Haupt auf ein Kissen. Ich habe dich nicht geliebt! sagte sie vor sich hin. Ich hätte dich sonst ja nicht tödten können! Und' wie im Traum löschte sie das Licht, das dem 'Todten ja nicht mehr zu scheinen hatte, und verließ das Gemach. Der Knabe schlief ruhig auf dem Stroh, ahnungslos, daß nur von einer Wand getrennt, der Schatten seines Vaters gerächt war. Sie nahm ihn auf den Arm und trat durch das leise knarrende Hausthor ins Freie. Der Mondschein lag über demMühlbach. Finster dräuten die Tannenwäl-

der tief schwarz und dunkel von allen Seiten. Sie schritt hastig die Landstraße entlang, den blonden Kinderkops an der Schulter, nur von dem einen Gedankten beseelt, daß sie recht gethan. daß sie ihre eigene Schuld gesühnt hatte. Da sprengte ein Reiter heran mit flatterndem Mantel; es war Bertrand, der mit einer Botschaft seines Kaisers zu seinem Herrn geeilt kam. Als sie ihn sah, kochte zahlings der Zorn in ihr auf zum ersten Mal kam er in ganzer Größe über sie, der bittere Franzosenhaß, der damals ihr Volk beseelte und nur sie noch nicht ergriffen hatte. Sie sah ein Glied jener Nation vor sich, die Heldenbrust mit einem Ehrenzeichen geschmückt, das Belohnung war für zahllose hingemetzelte Menschen; er war ein schuldloses Glied jener Kette; aber was fragte sie darnach, als sie nun ibren ganzen Haß, ihren ganzen Rachedurst diesem einen in das blasse Gesicht warf? Fluch dir! schrie sie ihm zu, als er vorllbersprengte. Er hielt das Roß an und sah erschreckt auf die bleiche Frau, die im Mondlicht am Wege stand. Ja, du! rief sie. Wußtest du etwa nicht, unter wessen Dach du warst? Weh dir, wenn du es wußtest! Dann sollst du einsam sterben verlassen, vergessen, im Elend! Ihr Fluch klang schauerlich durch die Nacht. Er jagte davon, wie von einer Erscheinung weitergetrieben wohin? einem Todten entgegen, der das einzige war, was er besaß. Fortune!". . . . Das war der Wahlspruch jener Zeit, das Glückswort der großen Armee. Zu Tausenden schoß sie auf. lustig, bunt, von romantischer Pracht, von fast unglaublicher, schwindelnder Keckheit. . . . Am hellsten aber leuchtete die Fortune des großen Kaisers über alle andern hinweg; sie war märchenhaft, diese Fortune, gleich, als hätten die Dichter aller Zeiten ihre Phantasie aufgeboten. sie zu ersinnen, bis sie dennoch übertrumpft wurde von der Wirklichkeit! Da aber kam der russische Feldzug, der schreckliche Winter, der große Bankerott aller Fortune. Dort wars. auf dem weißen Schneefeld, mitten im Lande des Schreckens. Wie eine wilde Geisterjagd raste die Flucht über die Steppe. Krieger, die noch nie geflohen, die gewohnt waren, ihre kugelzerfctzten Fahnen siegend auf zerschossene Thore zu pflanzen, die Helden von den Pyramiden, von Austerlitz. von Jena er selbst, der große Kaiser, der hier auf die unselige Bahn' getrieben wurde, die erst in Helena enden sollte sie alle stürmten dahin vor dey Feinden, dem Hunger, der Erstarrung. Da war ein junger Officier, ein Ritter der Fortune, der bisher immer weiter gestiegen war auf der Bahn des Glückes. Als er vom Rosse fank, achtete keiner auf ihn; wer hier niederfiel, nach dem schaute Niemand um. Die Zeltgenossen der letzten Nacht stürmten vorbei; seine Soldaten brüllten die Marseillaise und sausten dahin. Er blieb liegen.neben seinem Pserd, gleichgültig, fast bewußtlos. Das hetzte und wogte an ihm vorüber, über ihn hin; einmal streifte ein Huf- seine blasse Schläfe; er zuckte kaum. Die Erstarrung kam über ihn mit ihren kalten, erbarmungslosen Fingern. . . . Blaß und verschwommen zog das Bild seines Lebens ihm durch den Todestraum er sah die Züge eines Mannes, den er geliebt hatte, markige Heldenzüge mit einer Narbe über der Stirn und jenem Napoleonstrotz um den Mund, den alle, die ihm dienten, dem Marmorgesicht absahen, das ihr. Götzenbild war daneben den blonden Kopf eines Weibes, das ihm ge-' flucht hatte, einsam zu sterben ver lassen, vergessen, im Elend. ... Er verdiente den Fluch nicht aber er erfüllte sich an ihm. Kindlich. Herr (zu zwei sich zankenden Kindern): Was habt Ihr denn, Kinder?- Hans (leise zurSchwester): Du, sag's ihm nicht; ich glaube, der Mann ist Zeitunssreporter!- '

CtvaS üb.r Orden.

Die Naturgeschichte der Piep mätze", wie der Berliner Witz die Orden nennt, lät an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übng. Besonders sind es die Thiere, welche die OrdensWelt bevölkern, denn wir finden da vierzehn LLwen.neun Adler, vier Dra chcn, zwei Elephanten, einen Bären, zwei Phönixe, zwei Pferde, zwei Hunde, zwei Greife, einen Schwan, einen Falken, einen Hahn, eine Taube und sogar drei Schafe. Die zahlreichen Löwen und Adler gedeihen fast in allen Ländern, während Ostasien (China, Annam und Kambodscha) dieDrachen liefern.Spa nien aber den Hund, und zwar einen gekrönten. Auch die Flora ist ziemlich reick und zwar begegnen wir der Eiche, dem Kleeblatt, der Lilie, der Rose, der Distel, einer Korngarbe und dem aus dem fernen Japan kommenden Chrysanthemum. . Vor allem sind es aber die Heiligen, die einen breiten Platz einnehmen. Wir haben da den heiligen Stefan, Georg, Michael (diese beiden je über zehnmal), Ludwig, Theodorich, Jakob, .Moriz, Hubert, Ruprecht, Januarius, Ferdinand.Florentin. Andreas, Josef, Joachim.Karl, Wladimir, Alexander. Auch die Damen sind nicht vergessen und durch die heilige Elisabeth, Anna und Katharina vertreten.zu denen noch die schwedischen Seraphinen hinzukommen. Die Astronomie kommt auch nicht schlecht fort und wir haben aufgehende.strahlende und goldene Sonnen, eine Sonne, die sich mit dem Löwen vermählt, sehr viele Sterne verschiedenster Art und endlich auch einen Mond, der einsam seine Bahn zieht. Auffallenderweise betreibt nur das republikanische Südamerika den Personenkultus und verewigt auf seinen Sternen Cincinnatus und Bolivar. Am merkwürdigsten aber dürfte sein, das? auch das Strumpfband (Garter) in der erlauchtenGesellschast einen hervorragenden Rang einnimmt, der höchste englischeOrden ist nämlich nach diesem intimen Toilettenartikel be nannt. Unter Backfischen. Elsa:- ... Hast Du unsere neue Gouvernante gesehen? Wie gefällt sie Dir?" Rose: O weh! die sieht aus wie eine richtige Erzählung sür reifere Töchter." TaS Veilchen. r Nach uraltem Glauben sprossen un--ter den Tritten der Frühlingsgöttin, wenn sie über die Erde dahinschreitet die ersten Veilchen aus. Nicht die auffallende Gestalt oder die Farbenpracht der Blüthen, ihr köstlicher Duft ist es vielmehr, der das Veilchen zum Liebling der Menschen gemacht, und sein Standort in stiller Zurückgezogenheii sein Blühen in der Verborgenheit bewirkten es. dak uns das Veilchen das Svmbol der Bescheidenheit und Demuth geworden ist. Nach einer orien-' talischen Sorge entstand das Veilchen aus den Thränen des Adam, aus Thränen der Freude und Demuth, die er geweint, als ihm der Herr durch den Erzengel Gnade und Vergebung verkündet. Wie eine griechische Mythe berichtet, verfolgte Apoll.der leuchtende Sonnengott, mit seinen heißen Strahlen einst eine der schönen Töchter des Atlas. Um sich vor ihm zu retten und dem Verderben zu entrinnen, flehte die Verfolgte in ihrer Angst zum Himmelbeherrschenden Zeus um Schutz und Rettuna, der dann die anmuthige Jungfrau in das liebliche Veilchen verwandelte. Im lichten Halbschatten des Waldes blüht es nun weiter und lohnt dem hohen Göttervater in seinen heiligen Hainen die Rettung durch dankbare Opferdünste. Griechen und Römer liebten und pflegten das Veil-chen.-Es vertrat bei ihnen zum Theil die Stelle des würzigen Waldmeisters, denn durch Eintauchen der Veilchenblüthcn in Wein stellten sie einen duftenden Frühjahrstrank her. Im Mittelalter rühmte man dem Veilchen allerlei Kräfte nach und überzuckerte Veilchen gehörten zu den Heilmitteln jener Zeit. Aus der Schule. Lehrer: ES gibt also Weichthiere, Wirbelthiere . . . Müller, Du bist wieder nicht bei der . Sache! Nenne mir mal das höchstens wickelte Wirbelthier! Müller: Der Tambour, der hat 'n Wirbel und schlägt 'n Wirbel! Bibelauslegung. Vater: Thu mir doch den Gefallen, Karl, und Heirathe; schon in der Bibel steht: ES ist nicht gut, daß der Mensch, allein sei! Sohn: Ganz, recht, und deshalb sitze ich auch jeden Abend in der Kneipe! Rechtangenehm. A.: Fraulein Meinert ist also wieder verlobt? V.: Ja! A.: Die war auch schon mit allenMöglichen verlobt,wer ist denn d Schafskopf, der sie jetzt wieder hatt 23.: Ich!

K

4 i ,

s

, X