Indiana Tribüne, Volume 17, Number 227, Indianapolis, Marion County, 6 May 1894 — Page 7

ter

Berlin?? Mosevries. Von v. B. Unstreitig geht ein großer Zug durch Äie diesjährigen Frühjahrsneuheiten, und wenn auch mit Vorliebe das Genre der dreißiger Jahre, sowie die Formen aus der Zeit Ludwigs des Fünfzehnten variirt werden, so sind es doch freie, gefällige Nachbildungen ohne kleinliche Nachkünstelei ode? sklavisches Nachempfinden. . Die Aermel werden bei den neuen Toiletten noch immer sehr bauschig getragen, und zwar entweder als Keulenärmel (Gigots) oder als ValoisPuffe. Man rafft sie auch zuweilen etwas zusammen und garnirt sie mit einem Spitzentheil, mit Schleifen oder Rosetten. Es herrscht viel Freiheit in der Mode, und in den Taillen sehen wir die verschiedensten Formen: die Blusen-, Schnebben-, Jackentaille, die runde, sowie die fichuartig arranyirte Taille. Wie überhaupt in der Mode dem persönlichen Geschmack ein immer weiterer Spielraum gelassen wird, so auch hier bei der Auswahl der verschiedenen Taillenarten. Aber gerade das muß zur besonderen Vorficht mahnen, denn nirgends ist das Goethe'sck Wort: Eines schickt sich nicht für Alle" mehr am Platze, als 1 t c cry r 1 rv.n. I bei der Wahl der Toilette. So reizvoll die meisten der neuen Frühjahrskleider an normalen Figuren erscheinen, so entstellend können sie bei kleinen oder starken Figuren wirken, wenn sie hier nicht in sehr maßvoller Weise auftreten. Der geschickten Hand einer denkenden Modistin wird es ein Leichtes sein, die modeine Form jeder Figur anzupassen, aber es kann vorkommen, daß sie in dem übereifrigen Bestreben, ihre ErZeugnisse hoch modern" zu gestalten, zu wenig Rücksicht auf die Jndividualität nimmt und dadurch nur ein' Zerrbild der Mode schafft. EL ist daher die Pflicht jeder Dame, die krausen Kragen und Schöße, die Berthen ;vd gewaltigen Schleifen am Halse, sowie die mächtig bauschenden Aermel in Bezug auf ihre Person erst kritisch zu prüfen, bevor .sie sie trägt. Bleibend in dem beständigen Wechsel der Mode sind die englischen Kleider (Tailor made"); sie passen sich auch am leichtesten jeder Figur an und erscheinen immer in vornehmer Einfachheit. Beispielsweise sieht ein solches Kleid aus hellmodefarbenemTuch, das mit bronzebraunemMoire verziert ist, äußerst chic" aus. Der glatte Rock zeigt seitwärts Moire-Galons, die so von Falten eingeschlossen sind, daß der. Rock geschlitzt erscheint und schräg auseinander tritt. Die Taille ist mit einem Einsatz aus Moire und ebensolchem Gürtel geschmückt; eine ärmellose Jacke mit rundgeschnittenem Kragen und einer Moireschleife mit langen Enden vervollständigt die Toilktte. Ein anderes sehr elegantes schwarzes Moirekleid hat am Rande des Rockes eine kettenartige Perlborte, während Gürtel und Stehkragen der mit Keulenärmeln versehenen Schnebbentaille aus türkisblauem Sammet bestehen. Beide sind gefaltet und unter vollen, gezogenen Rosetten geschlossen. Auf den Achseln ruhen glatte Sammettheile, die mit reichen Jettverzierungen bedeckt sind. Wunderhübsch ist auch ein Kleid aus blauem Cheviot mit weinrother Seide und sehr reicher Verschnürung aus rother Seidenlitze. Der reich verschnürten, mit .hoher Spitze aufstelger.den miederariigen Taille aus Cheviot schließen sich Aermel aus Seidenstoff und ein gleicher blusenartiger Einsatz 'an, während ein ebensolcher gefalteter Gürtel die Taille umgibt. Verschiedene Farben zur Toilette zu wählen, ist jetzt überhaupt sehr beliebt, ebenso spielt die Verschnürung an Kleidern und Umhängen bei den Frühjahrsmoden eine bedeutende Rolle. Bei dieser Gelegenheit sei imseren Leserinnen gleich verrathen, daß diese Mode auch weiterhin gelten wird, denn für den Sommer plant man Kleider aus glattem, blauem Leinenstoff mit weißer Verschnürung. Eine . besondere Bevorzugung erwartet man für die Kleider aus fein karrirten Stoffen. Sie werden in Wolle oder Seide gearbeitet und bestehen häufig aus einem glatten Rock und einer Jackentaille mit angesetztem.sehr krausem Schoß. Der gleichfalls sehr kraus fallende Kragen verläuft vorn in Shawlenden und schließt ein Plastron aus cremefarbener Seide oder Pique ein, das nach Art der Oberhemden mit kleinen goldenen oder Perlknöpsen geschmückt ist. Ein Stehkragen mit voller Rosette, Schleife oder Schnalle bildet den Abschluß des Kleides. Ein silbergraues Wollenkleid in der Tracht der Zeit Ludwigs des Fünfzehnten zeigt einen westenartigen Einsatz aus cremefarbenenSpitzen und Jackentheile mit kurzen, breiten Aufschlägen,- die nach den Seitentheilen spitz verlaufen und sich hinten mit einem sehr krausen, etwa 12 Cent, breiten Schoß vereinigen. Die Aufschläge, sowie der Rock sind mit Spitze garnirt. und wird die auf der linken Seite überzuhakende Taille daselbst mit großen Knöpfen verziert; die Valois-Aermel sind ein paarmal zusammengefaßt und mit Spitzentheilen bedeckt. Ganz reizend ist auch ein Kleid aus schwarz und weiß karrirter Seide mit blusenartig einzekräuster Taille, gefaltetem Gürtel und Stehkragen aus kirschroihem Sammet. Die Valois-Aermel sind n:it einer plissirten Krause begrenzt. Der breite, aus gefaltetem Stoff hergestellte Stehkragen ist ein charakteristisches Merkmal der Mode. Da die Kragen sehr oft in abstechenden Larven gemayü roeroen, serug! man . . i . t r I , . . .

.JUmPU,.,.. ...... -.. diese Kragen auch oft aus Band, schmückt sie vorn mit einer breiten Schnalle aus Jett, Stahl oder Bronze und schließt sie hinten unter einer Rosette.. In dieser Ausführung werden sie zu beliebigen Toiletten verwendet. Dasselbe gilt von den Gürteln, die mit Rosetten oder auch mit drei schmalen Lederriemen und ebensolchen Schnallen geschlossen werden. Stehkragen aus cremefarbener Seidengaze werden stark eingefaltet, mit sehr breiter Schnalle geschmückt und zu beiden Seiten derselben mit einer sollen Puffe versehen. Der beliebteste . Ausputz für die sfrühjahrstoilette besteht in Spitzen, Perlen. Band und Sammet. , Von den ersteren finden wir Kragen, Berthen, Plastrons etc. in Creme und Mode mit kräftiger, ausdrucksvoller Musterung, die wie mit feiner Schnur begrenzt erscheint. Eigenartig sind auch Kragen, die auf den Schultern schmal mit peplonartigen Zipfeln auf Brust und Rücken herunterfallen. Es labt sich nicht verkennen, daß die Frühjahrstoiletten eine recht malerische Wirkung haben. Die Bänder sind oft wie Tragbänder arrangirt und fallen unter dem sie festhaltenden Gürtel bis beinahe zum Rocksaum

r hernieder. Für junge Mädchen werden Gürtel mit hinten herabfallenden . . - ' ' . ' . Schleifen aus etwa 8 Cent, breitem Bande bevorzugt, während die sonst dazu verwendeten breiten Schärpenbänder nur noch von älteren Damen als Krawattenschleifen mit langen, spitzenverzierten Enden getragen werden. Sehr beliebt sind Tüll- und Spitzenfrisuren; die ersteren sind rund geschnitten und mit Perlen bestickt, die letzteren oft aus 4 Cent, breiten Einsätzen mit Perlenzacken zusammengesetzt. Diese Volants sind in allen Breiten zur Rock- und Taillengarnitur und zu kragenartigen Besätzen vorhanden. Auch Rüschen aus schwarzen schmalen Spitzen mit Perlenverzierung werden gern getragen. Außerordentlich begünstigt jetzt auch die Mode wieder chinirte Seidenstoffe in kleinen, gesprenkelten Mustern in Dunkelblau, Moosgrün, Girofle, Violett u. s. w., die mit Vorliebe mit Sviken und Svikenkraaen und abstechendem Band oder Sammet verziert werden. Es lassen sich herrliche Wirkungen mit diesen Zusammenfiellungen erzielen, um so mehr, als die heutige Mode Farben von wahrhaft künstlerischen Schattungen bietet. Nnlcr der Niwferdpiitsche. Die Monatsschrift Freie Bühne" veröffentlicht m ihrem Aprilheft' sehr interessante Tagebuchblätter eines in Kamerun lebenden Deutschen". Der Deutsche ist ein im Dienste 'der Regierund stehender Beamter, der offenbar aus den zuverlässigsten Quellen schöpft. Seine Mittheilunaen werfen deshalb nur ein um so grelleres Licht auf die furchtbare Mißwirthschaft, die in Kamerun schließlich im Äezember v. I. zu der vielerörterten Meuterei der Polizeitruppe führte. Der Kanzler Leist und Assessor Wehlau scheinen unter ihren schwarzen Unterthanen in der That wie brutale Paschas gewüthet zu haben. Ihrer liebenden Fürsorge sind natürlich auch die schwarzen Damen nicht entgangen, die bald mit der Nilpferdpeitsche, bald mit Fünfmarkstücken bedacht wurden. Doch lassen wir das Tagebuch" selbst sprechen: Am 13. März 93. Ich erfahre interessanteEinzelheitcn über den BakokoAusstand, den Berichten befinden sich zahlreich: Ungenauigkeiten. Herr Assessor Wehlau, welcher die Expedition führte, soll beim Niederbrennen der Dörfer faktisch befohlen haben, einigen alten Weibern die Hälse abzuschneiden; Männer konnte er nicht gefangen nennen. Statt der im betrefsenden Bericht erwähnten 150 Gefang.'nen sollen es deren nur 12 15 gewesen sein, Matt, verwundet, halb verschmachtet, zerschlcgen und geschunden wurden diese meist alte Frauen. Greise und Kinder an Land geschafft und unter Schlägen und Stoßen in Ketten zum Gefängniß geführt. Drei sollen am Fuße des Flaggenmastes, unter der wehenden deutschen Reichsfahne, vor Hunger gestorben sein. Die in diesem Felozuge" gemachten Gefangenen, soweit sie eben noch vorHanden sind, leisten jetzt Zwangsarbeit beim Hafenbau. Sie sterben aber alle weg, größtentheils wohl infolge der veränderten Lebensweise. Am 17. März 93. 2lus dem unter Führung des Assessors Wehlau unternommenen sogenannten Bakokofeldzuge" erfahre ich heute wieder verschiedene Einzelheiten. Es soll wirklich grauenhast gewesen sein. Die Gefangenen sind tagelang in der glühendsten Hitze auf dem Schiffe (Soden") an die Reelings derartig festgeschnürt worden, daß in die blutrünstigen und aufgeschwollenen Glieder Würmer sich eingenistet hatten. 'Und diese Qual tagelang in der Tropenhitze und ohne jede Labung! Als dann die armen Gefangenen dem .Verschmachten nahe waren, wurden sie einfach wie wilde Thiere niedergeschossen. Die amtlichen Berichte, die natürlich von den Führern derartiger Expeditionen aufgesetzt werden, rühmen dann einen solchen Feldzug als eine der größten Heldenthaten des Jahrhunderts. Nun ja! Papier ist geduldig und Niemand weiß oder bringt es an die Öffentlichkeit, was im dunklen Welttheil gefrevelt und verbrachen wird. Und selbst wenn es in solchem Berichte heißt, daß einem Manne, der einen Fluchtversuch machte 3 sofort der Kopf vom Rumpf getrennt 5 wurde, so läßt auch das schon tief ge- . : ' nug blicken. , ,' .

5?

Am 31. März 93. Wahrend meiner Krankheit ist Assessor Wchlau von seinem neuen Feldzuge heimgekehrt. Gefangene hat er nicht mitgebracht. Da sie so äußerte er beim Essen hier doch alle stürben, hätte er sie auf dem Schiff todtschlagen lassen (wärtlich: habe ihnen 'n Paar auf den Kopp geben lassen"). Dann erzählte er weiter: Die Soldaten, namcnUich einer, hätten es famos 'raus, den Feinden die Haut über den Schädel zu ziehen. Am Unterkiefer würde mit dem Messer' ein Schnitt gemacht, dann mit den Zähnen angepackt und der ganze Skalp über Gesicht und Kopf herübergezogen.' Ist das nicht eine ideale Kriegsführung? Was für Schreckznsszenen mögen sich bei solchen Feldzügen" noch abspielen, von denen man überhaupt nichts erfährt und die der mitziehende Weiße aus Schamgefühl lieber verschweigt. Von solcher Kampsesweise wird der schwarze Feind nichts zu lernen vermögen. Er wird in seiner Rohheit verharren, ja darin sogar bestärkt werden, und wehe dem Weißen, der dann in seine Hände geräth! . vx 4. Mai 93. Gerichtstag, abge halten von Assessor Wehlau! Ich !?erde einige Beispiele zur Jllustration der hiesigen Rechtsverhältnisse anführen. Eine Frau (Schwarze) verklagt ihren Mann, weil er sie schlecht behandle. Ohne irgend, welche Bew5isaufnahme und Zeugenverhör wird der Mann zu 50 Hieben verurtheilt und die Strafe sogleich vollstreckt. Ein Schwarzer. Aug. Bell, ist beschuldigt, eine Uhr gestohlen zu haben. Er wird vorgeführt. Das erste, was ihm vorgehalten wird, ist: es gibt nur zweierlei Wege, entweder, er gesteht, er habe den in Frage stehenden Diebstahl begangen, oder er bekommt 60 Hiebe. Bell sagt aus: Nein, ich habe die Uhr nicht gestohlen." Sofort wird er abaeführt und er erhält 50 Hiebe mit der Rhlinozerospeitsche. Wieder vorgeführt, gesteht er auf weiteres Befragen, daß er die Uhr gestohlen habe. Er wird darauf zu 6 Iahren (schreibe und sage sechs Jahren) Gefängniß, 100 Mark Geldstrafe und 15 Hieben am ersten Sonnabend jeden' Monats verurtheilt. Aug. Bell soll während jener vorerwähnten Verhandlung ca. 80 Hiebe bekommen haben, sowohl dafür, daß er nicht gleich eingesband, daß er die Uhr gestohlen , hätte, als auch, weil er. bei der Niederschrift des Protokolls, die verlangtem Antworten nachsprechend, stotterte. Was aber 80 Hiebe an einem Nachmittag zu bedeuten haben, das kann nur der in vollem Umfange ermessen, der jemals eine? derartigen Prozedur beigewohnt hat. Ein rohes, gehacktes Beefsteak ist nichts dagegen! Ein weiterer Fall! Herr Assessor Wehlau vermutet, daft sein Boy ihm Cigarren gestohlen habe. Auf Grund dieser Vermuthung wird sein Boy von ihm zu 20 Hieben verurtheilt. So geschehen im Jahre 1893 in Deutsch-Afrika! Ein: derartige Bestrafung, welcke der Bestohlene über den vermeintlichen Dieb, ohne Beweise zu haben, verhängt, gehört allerdings auch in Kamerun nicht zu den alltäglichen Dingen. Der Gouverneur weiß von allen diesen Geschichten wohl kaum etwas. Lieutenant Sckröder entsente sich förmlich über diese GerichtsverHandlung, die auch, infolge des rohen Benehmens des Assessor Weblau, ein eigenartiges Gepräge trug. Es nimmt sich in der That seltsam aus, wenn der Vorsitzende nur in brüllendem Tone redet .und sich andauernd grobe? Schimpswörter, wie As, Hund, Luder, Schweinehunde, bedient. Am 20. Juni 93. vo? Oerhen, Bezirksamtmann von Kribi, hat mir heute seinen Besuch gemacht. Er erzählt mir u. a., daß in dem Berichte des Assessors Wehlau über den letzten Feldzug" nicht Alles so dargestellt ist, wie es sich in Wirklichkeit zugetragen hat. So sind nach dem Berichte drei Gefangene gehängt" worden. In Wirklichkeit hat Assessor Wchlau dieselben der Wollust der Soldaten preisgegeben und diese haben die drei Leute regelrech! abgeschlachtet. Maschinist Gebärdt von der Nachtigal" schildert diesen Vorgang folgendermaßen: Die Schwarzen wurden mit Messern zerschnitten, zerhackt und verstümmelt, da Assessor Wehlau den Befehl gegeben hatte, die Gewehre beim Todten nicht zu gebrauchen." Am 13. August 1893 Abends hat der stellvertretende Gouverneur Kanzler Leist sich aus dem Gefängniß drei Weiber holen lassen (Kassenverwalter .Hering sagte eZ mix am selben Abend) und dieselben über Nacht bei sich behal ten darunter die schöne Ngombe, Tochter des Ekwe Bell. Am nächsten Morgen sind die Wewer m 3 Gesang niß zurückgeschickt worden; Ngombe wurde mit einem Geschenk von 5 Mark bedacht. Lieutenant Rerrvth vom Falken" befand sich die Nacht über bei Leist. (Zeugen: Drees, Hering, Konrad Eleme, Eteki, die Boys Ndene undEkona.)' Ast 2. Oktober 93. Vergangene Nacht wurde ich durch lauten Lärm im Gefängniß aus. dem Schlafe geweckt (ca. 12 llyr Nachts.) Als die Stirn wen immer lauter wurden, ging ich hinaus und sah einen Polizeigehilfen im heftigen Wortwechsel mit drei anderen Schwarzen, von denen einer so angezogen war, wie die Boys des Kanz lers Leist, d:e an ihren rothen Husten tüchn erkenntlich sind. Auf mein Befragen wurde mir mitgetheilt, vaß ver Covernor' (Leist) em Weib aus dem Gefängniß holen ließe. Ich legte mtch ärgerlich zu Bette, konnte aber we gen des immer mebr anwachsenden Lärmes innerhalb ..desGefanSnisseZ,

,

aus dem es wie Weibergeheul und scheltende männliche Stimmen ertönte, nicht einschlafen; ich begab mich daher auf die Veranda, wo ich schon den Kaffenverwalter Hering traf. Beide sahen wir jetzt, wie ein Weib unter Sträuben und Schreien von drei Schwarzen in der Richwng zum Kanzlerhause hinweggeschleppt wurde. Um oa. 4 Uhr nochmal Lärm im Gefängniß! Am nächsten Morgen stellte ich, mich, als ob ich von nichts wüßte, fragte ewige Schwarze über die Ursache des Getöses in der Nacht aus und erhielt zur Antwort: Der Gouverneur wollte ein Frauenzimmer... Der Rest läßt sich denken. Am 30. Oktober 93. Wie ich heute Morgen erfuhr (Dr. Plehn äußerte es gegen Lieutenant Hering in meinem Zimmer), hat Kanzler Leist gestern Abend Weiber aus dem Gefängniß zum Tanzen holen lassen, aber nach beendigtem Tanz nickt alle zurückgeschickt. Wenn Leist wüßte, was für Aergerniß er hierdurch bei Weißen und Schwarzen erregte, er würde zum mindesten vorsichtiger handeln. Aber trotzend auf seine Machtstellung in der Kolonie hält er eine Rücksichtnahme nicht mehr für nothrz. Es ist bedauerlich, wenn ein sonst so befähigter Mann durch solche Geschickten das Ansehen des Reiches in den Kolonien untergräbt. Das Tagebuch" schließt mit einer eingch:nden Schilderung der Meuterei vom 15. und 16. Dezember, in der auch die , gepeitschten Weiber wieder eme Rolle spielen. Es heißt darüber wörtlich: Die Folgen der MlßreÄerung der Herren Assessor Wehlau und Leist kamen jetzt zum Vorschein. Kanzler Leist war schon lange unbeliebt, überall, bei den Beamten, den'Kaufleuten und den Schwarzen. Die Form der Regierung war Despotie. So hatte es diesem Herrn auch am 15. Nachmittags gegen 5 Uhr gefallen, die Weiber der schwarzen Soldaten öffentlich peitschen zu lassen, weil sie ihm zu wenig gearbeitet hatten. Während die Soldaten zum Zuschauen in Reih und Glied angetreten waren, erhielten ihre Leiber zedes 10 Hiebe mit der Flußpferdpeitsche, und Herr Leist stand dabei und sah der Exekution zu. Weithin tönte das Geschrei und Geheul der Gezüchtigten. Es läßt sich denken, daß die Wuth der Soldaten durch all dieses auf's. Höchste gestiegen war, und der lang verhaltene Grimm darüber, daß sie keinen Lohn, sondern vom Gouverneur nur Schläge kriegten so hatten sie sich wiederholt geäußert kam endlich zum explosiven Ausbruch. Am Abend desselben Tages gegen 7 Uhr erbrachen sie die Munitionskammer und bemächtigten sich aller Munition sowie der vier Geschütze. Unteroffizier Steineck:, der zur Zeit krank im Hospital lag, eilte auf den Larm herbei, meinend, es handle sich um einige Betrunkene; er wurde aber von den Soldaten mit den Worten zurückgewiesen: Zurück, wir wollen den Gouverneur todten. Es war also von Anfang an nur auf Leist abgesehen. Auch aus spateren Aeuße runaen ging dasselbe hervor. So hat denn daS öffentliche Durchpeitschen der Soldatenweiber den Anstoß zum Soldatenaufstand gegeben, der so verhängnißvoll für die Kolonie Kamerun geworden ist." 1 Ueber die Stellung des Komgs von Württemberg zum Frei maurerthum gibt ein Schreiben Aus kunft, das Cabinetschef Griestnger im Auftrage an den Meister vom Stuhl der Stuttgarter Loge Carl zu den drn Hebern" gerichtet hat. Das Schreiben, das die Erwiderung auf ot (sluawunsche der Logen enthält, lautet: Sr. Hochwohlgeboren Herrn Dr. Wilhelm Lauser, Chefre dacteur der Deutschen Verlaqsanstalt! Euer Hochmohlgeboren beehre ich mich Allerhöchstem Befehle gemäß ergebenst mitzutheilen, daß Seine königliche Majestät die zu Allerhöchst Ihrem eburtsseste dargebrachten Glück wünsche der vereinigten Freimaurer logen Württembergs mit Wohlaefal len entgegengenommen und Allerhöchst sich mit Befriedigung von Neuem davon überzeugt haben, daß die Freimaurer Württembergs, fest haltend an ihrer altbewährten Ueber lieferung. von dem ernsten Bestreben beseelt sind, als eine Gemeinschaft vom Geiste der Königstreue, der Vaterlandslieb: und der Gesetzlichkeit erfüllte? Männer dem Volke ein gutes Beispiel zu geben. Allerhöchst dieselden lassen sur mt durch die Beglück wünschung bethätigte Aufmerksamkeit den vereinigten Logen gnädigst danken und diese Allerhöchst Ihres ferneren wohlwollenden Interesses in der Ueberzeugung versichern, daß in ihren edlen Bestrebungen ein 'wirksames Mittel zur Ausgleichung der socialen, consesswnellen und politischen Gegen sätze unserer Zeit zum Heile der Mcnsckheit und des Vaterlandes gelegen ist. Indem ich Euer Hochwohl geboren ersuchen darf, Vorstehendes zur Kenntniß der sämmtlichen B:th:iligten bringen, zu wollen, ergreife ich diesen Anlaß zur erneuten Versicherung meiner hochachtungsvollen Gesinnung. Der Eav:n:tschef Griesin ger." Devot. (Aus dem Berichte eines deutschen Gefanaenenaufsehers an die vorgesetzte Behörde): Auch Sträfling Meier geberdete sich wie rasend und stieß unter Anderem auch die Drvhuna aus. er werde den dicken Bauch des ehrfurchvollst Gefertigten ausjchllven. Der gute Onkel. Neffe (der die Todesanzeige seines Onkels erhalt): Gerade auf meinem Geburtstage. Der gute Onkel denkt doch

noch immer an mich!"

Schlangengtschich.'en aus Birma.

Von Tr. Fritz N o e t l i n g. Warum glaubt mir denn Niemand die wunderbaren Abenteuer, die ich mit Schlangen in Birma erlebt habe? Ich war kürzlich in Europa gewesen, warum lachten sie denn da Alle in so besonderer Weise,wenn ich meine haarsträubenden Erlebnisse zum Besten gab. die mir in Birma zustießen, w'ährend ich mit einem Vermessungscorps das Land durchstreifte? Birma ist das Land der. Wunder; die Abenteuer, die da ein gerechter Jägersmann' erleden kann! Z. B. die Moskitos, die so grok sind, wie bei uns die Spatzen, so daß man sie mit dem Schmetterlingsnetz fängt; ich hatte einen für eine kurze Zeit, aber das ist eine melancholische Geschichte. Er starb nämlich am Hungertod, weil ihn Niemand mehr füttern wollte, schon ganz zahm war er und Hans hieß er. die treue Seele, so einen. Moskito bekomme ich nie wieder in meinem. Leben, eden Morgen und Abend durste er sich auf den Arm eines meiner Diener setzen und saugen und sauaen, bis das Väuchlein so schön roth und durchsichtig war; aber diese undankbaren Kerle, meine Diener nämlich. Wie oft hatten sie mir erklärt, ich sei ihr Vater und ihre Mutter, und nun bewiesen sie ihre kindlichenGesühle in so schnöder Weise. Sie rissen nämlich aus, den Hans M 1 r rii r lüumcn iic niazi langer sunern, o senneb mir einer, sie seien schon aanz von Kräften gekommen die Lügner da starb denn halt der Hans am Hungertod. Es war betrüblich anzusehen. Ich habe seine irdischen Neste noch, sorgfältig zwischen Loschpapier getrocknet. Aber ich wollte ja nicht von den Moskitos reden und auch nicht von anderem wilden Gethier. ich wollte nur eben sagen, daß man in Birma ganz merkwürdige Dmge erleben kann. Mögen sie auch wunderbar erscheinen, sie sind darum nicht weniger wahr. selbst erlebt. Natürlich wird mir wieder Niemand dieSchlangengeschichten glauben, die ich jetzt erzählen will. aber was thut's, sie sind darum doch wahr. Hat Jemand .schon von der Hamadryade gehört? Lebt von nichts, al von anderen Schlangen, die sie auffrißt. Ist fürchterlich giftig; wenn man von einer gewöhnlichen Eobra gebissen wird, so stirbt man erst nach zwei Stunden, beißt einen aber eine Hamadryade, so ist man schon nach einer Stunde todt. Es kann einem ja egal sein, wenn man halt doch schon mal dran glauben muß, ob man erst nach zwei Stunden todt ist, oder schon nach einer, aber darum bleibt die Hamadryad halt doch viel giftiger als die Eobra. Außerdem hat sie noch die schlechte Angewohnheit, ohne jede Provocirung die Menschen anzufallen. Das habe ich selbst auch durchgemacht, und damals bin ich ums liebe Leben gelaufen wie nie vorher. Es war in Hlaingdet, gräßlicher Platz, nichts als Reisfelder. ?ein Strauch, kein Baum, ausgenommen em elendes Pappelbaumlem, das war der Stolz der Bevölkerung weit und breit. Warum ich eigentlich in Hlaingdet hielt? Ja, das weiß ich selber nicht. Wahrscheinlich hatten 'meine Herren Diener es so angeordnet, weils lda so viel Reis gab, an dem sie sich so hübsch rund fressen konnten. Was soll ein Europäer machen, wenn seine Herren Diener einmal für gut befunden haben, daß irgend etwas geschieht? Nichts, als sich mit Resignation darein ergeben. Ich ging an diesem Tage ganz friedlich spazieren, um mir noch etwas Appetit fürs Abendbrot zu machen, denn es war recht heiß. Man hatte mich zwar gewarnt, vorsichtig zu sein, denn eine Hamadryad mache die Gegend unsicher. Damals lachte ich, heute lache ich nicht mehr. Ich nahm meinen Weg nach der einzigen Sehenswürdigkeit, nämlich dem erwähnten Väumchen, als ein Geräusch mich umsehen machte. Heiliger Strohsack, da war die Hamadryad. Nun aber los. Ich rannte, aber die Hamadryad war schneller als ich. Schon gab ich mich verloren, da ein rettende: Gedanke, das Bäumchen. , Ich hatte es eben erreicht, rasch dahinter und dünn gemacht, da war auch schon die Schlange da. Blitzschnell kam sie heran, da gab's kein Halten mehr, hoch schnellte sie auf. und ein, zwei Mal grub sie die giftigen Fänge in das Väumchen. Nun hat die Hamadryad die Eigenschaft, daß, wenn sie einmal gebissen hat, so kümmert sie sich mcht weiter darum, was auch immer der Gegenstand sei, der ihre Wuth erregt hat. Ich war also gerettet; die Hamadryad, ohne sich weiter um mich zu kümmern, kroch 'langsam nach einem anderen Felde, rollte sich auf und fing an zu schlafen. Na, dir wollen, wfr's besorgen, dachte ich; rasch nach Hause, die Flinte geholt, und dann wollen wir mal sehen, wer der Stärkere ist. . Ich machte, daß ich zura Dorfe kam, griff nach meiner Flinte, und gefolgt von der ganzen Bewohnerschaft, lief ich zurück zum Platze, wo ich die. Schlange wußte. Es war aber doch mittlerweile eine halbe Stunde verflossen. - Allein wer beschreibt mein Erstaunen, als ich an das Bäumchen kam und dasselbe vollständig verändert , fand. . Ursprünglich war es nur etwa einen Fuß im Durchmesser gewesen, mittlerweile war es zur doppelten Dicke angeschwollen, und nahm unter meinen Augen immer mehr und mehr an Dicke zu. Mir standen die Haare zu Berge. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Die Vlätter fingen an, gelb zu werden, herabzufallen, und am andern Morgen war da? Bäumchen todt. So kam es, daß Hlaingdet seine einzige Sehenswürdigkeit verloren hat. ! Das Stück der Rinde, in welches die Hama-

Idryad gebissen hat, schnitt ich aus un'l

habe dasselbe meiner KuriSsitatensammlung einverleibt. Die zweite Geschicute spielt in der dichten Urwäldern, welche sich zwischen Birma und Assam erstrecken. Deir Geographen war diese Gegend bisher so gut wie unbekannt. Nur wenige Europäer hatten den Saum jener düsteren Waldungen betreten, in denen der Wanderer Tage lang dahin ziehen kann, ohne durch das Gewirr der Aesie das Blau des Himmels zu erblicken. Die merkwürdige Stille dieser Uttoälder hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht. Nichts rührte sich, kein Vogcl war sichtbar, und abgesehen von den Blutegeln, die von jedem Aste herabhingen und ihre peitschenförmigen, gelbgrünen Körper züngelnd' und verlangend ausstreckten, schien kein Lebewesen in dieser düsteren Baumwildniß zu existiren. Und wie der Wald, so waren auch die Menschen, die auf . den wenigen offenen Platzen ihre, merkwürdigen Hütten errichtet hatten. Wild, mißtrauisch, ungastlich und unsäglich schmutzig, oh so schmutzig wie die Kashiers gibts wohl Zaum eine zweite Menschenrasse auf dieser Welt. Die Palannys vielleicht ausaenommen, aber bei denen war ich noch nicht. Im Winter 1891 92 hatte die Regierung eine swrke EzpedUion ausgerüstet, um durch diesen Urwald nach den sagenhaften Bernsteingruben, über deren ungeheuren Reichthum die fabelhafteten Gerüchte im Umlauf waren, vorzudringen. Mit dem Bernstein war's aber Essig, wie ich hier bemerken möchte. Tagelang waren wir bereits im Urwalde vorgedrungen, ohne etwas Anderes gesehen zu haben, als Bäume und wieder Bäume. Dicke- und dünne, kurze und lange. Wollte man, sich einen mal in der Nähe besehen, so stolperte man gewöhnlich vorher über eines der unzerreißbaren Schlinggewächse und fiel auf die Nase, wobei man dann noch außerdem von den Dornen ordentlich zerstochen wurde. Die Blutegel waren gratis. So ließ man. es dann, lieber, vom Wege abzugehender es wurde doch auf die Dauer langweilig. Erst schimpften wir, dann gaben wir aber auch das als hoffnungslos auf und marschirten weiter. Eines Morgens war der Wald zu Ende' wenigstens auf einer Seite, und vor uns lag eine fruchtbare Ebene, die anscheinend in früheren Jahren wohl kultivirt gewesen war; mehrere Dörfer, die wir sehen konnten, wiesen darauf hin. daß hie? auch Menschen lebten, die waren aber ausgerissen, vorläufig wenigstens. Wir marschirten auf das größte Dorf, in dem wir es uns für einige Zeit bequem zu machen suchten. Wir Offiziere bezogen ein ziemlich solid gebautes hölzernes Haus, das eine weite hohe Halle hatte. Im Aeußeren sah es einem birmesischen Kloster sehr ähnlich, wird wohl auch ein solches geWesen sein, aber der Herr Ortspfarrer war wohl schon lange todt. Ich durchstöberte das Gebäude nach allen Ricktungen, fand aber nichts.was des Mitnehmens werth gewesen wäre. Die erste Nacht, die wir hier verbrachten, verlief äußerst unruhig. Das Kloster war voll von Ratten, die herum rannten, quietschten und sich bis sen, kurz sich benahmen, als ob sie ganz allein Herren im Hause waren, was aber gar nicht der Fall war. Die Rattenfrage wurde natürlich am nächsten Morgen erörtert. Allein fo große Sportsmänner wir auch sonst waren, auf die Kammerjagd" verstand sich Keiner. Die Ratten wurden immer unverschämter, denn nun erschienen sie auch am Tage und beknabberten Alles, das nicht von Eisen war. Unsere' Stiefel zeigten fchon große Löcher, das Lederzeug war in Gefahr, gänzlich zu verschwinden: hier mußte Abhilfe geschaffen werd:n,wenn wir nicht schließlich selbst aufgefressen werden wollten. Ausziehen? Ja wohl, hat sich was, es goß draußen in Strömen und das einzig trockene Plätzchen . auf Meilen in der Runde war unser Kloster. Wahrend wir noch saßen und beriethen. stieg plotzllch mein Nachbar.de? Lieutenant Liar, einen Ruf des Erstaunens aus und deutete nach der Decke. Was war denn das, was da wie ein dickes Seil vom Dache herabhing, langsam hin und her pendelte und sich immer mehr und mehr zu verlängern schien? Wir saßen vor Erstaunen starr, aoe: die Ratten genethen m eme merkwur dige Aufregung, hin und her huschten sie, als wie wenn sie Schutz suchen wollten, mehrere verkrochen sich soaar unter unsern Fußen. ' Das Seil wurde immer länger und länger, jetzt hatte es den Fußboden erreicht, auf dem es sich langsam weiter schob. Da sahen wir denn zu unserem Entsetzen, daß es eine riesige Schlange war, die sich augenscheinlich mit dem Schwanzende um einen der Dachbalken gewickelt hatte, und von, da herabhing.und zwar in einer Länge von zum Mindesten 70 engl. Fuß (ich maß nachher die Schlange 'und fand, daß sie genau 99 engl. Fuß lang war). Das Unthier schien sich gar Nicht um uns zu bekummern, sondern hatte seine glitzernden Augen auf eine große Ratte gerichtet, die augenscheinlich unter dem Blick so hypnotisirt war, daß sie gleichsam wie mechanisch zurückwich, ohne an's Fortlaufen zu denken. Wir waren eben falls von dem merkwürdigen Schauspiel wie faszinirt, näher und näher schob sich die Schlange an die Ratte hm, d:e nun nicht mehr ausweiazen konnte, da sie in eine Ecke getrieben war. In diesem Augenblick stand Lieutenant Liar auf, ergriff ei'. der herumliegenden Säbel'.und schliß sich leise an d:e Schlange an. Wir ander erwarteten mit der größtenSpannung, was nun-folgen würde. Die Schlange hatte ihren Rachen weit geöffnet, weißlicher Geifer troff daraus und das gespaltene Zünglein schien sich schon im Voraus, des leckeren Mahles zu

freuen. Da machte die Ratte in ihrer Verzweiflung einen Satz und sprang der Schlange geradezu in den Rachen, im selben Äugenblick blitzte Lieutenant Liars Säbel durch die Luft und aus der entzwei gehauenen Schlange sprang die Ratte hinten wieder hinaus und verschwand in eine Ritze. Am nächsten 'Morgen mar-. schirten wir weiter, so mußte ich denn darauf verzichten, die Schlange abzuhäuten. Wahrscheinlich repräsentirte sie ein neues Genus! Nun zur letzten Geschichte, die ist die wahrste von allen. Es ist bekannt,daß die Schlangen lluz sind, ich glaube, das ist schon in der Bibel festgestellt worden.aber die folgende Geschichte be-' weist, daß die Schlangen einen gewis-

sen Grad von Ueberlcgungsgabe beitzen, der beinahe menschlich zu nennen Ware, izxn Nachmittag m Paian. Schwer brütet die glühende Sonne über der vertrockneten Er))e; ein heißer Wind wirbelt hin und wieder dicke Staubwolken auf, die sich in der Luft auflösen und mit dem bereits schwebenden Staube zu einem dichten Nebelschlerer vermischen, durcq den eme gluthrothe Sonne eine versengende Hitze zur Erde sendet. Selbst die Krahcn suhlen die Hitze; mit weit ausgesperrten Schnäbeln hüpfen sie seitwärts, hier hin, dort hin, gleichsam als sei ihnen der Boden zu heiß. Mit aufgeplustertem Gefieder sitzen die Hühner auf einem schattigen Platzchen, die Hunde versuchen, schwer keuchend. mit lang heraushangender Zunge,bald da. bald dort durch Scharren den kllhleren Boden zu erreichen, aus dem sie schlafen können. Ich liege in meiner Hängematte und blinzle mit halbgeschlossenen .Augen in die dunstgefüllte Luft. Schlaf ist für mich unmöglich. Im Hause mir gegenüber singt eine birmesische Mutter ein monotones Schlummerlied. Aber auch sie verstummt und schlaft, wie das Baby an' ihrer Brust. Alles Lebendige scheint der Gluth zu erliegen. Nichts regt sich, doch halt, was ist denn daS, das sich dort langsam unter demHause hervorschiebt. Eine große Schlange ist's. Ich will schon nach dem Gewehr qrcisen, um ihr das Lebenslicht auszublasen, als ich bemerke, daß es eine von den harmlosen Schlangen ist, die hie und da von den Birmesen, gleichsam als Hausthiere, gehalten werden. Auch die Schlange scheint die Hitze zu suhlen, langsam unö schwerfällig, aber doch, wte es scheint, vorsichtig, kriecht sie die Treppe hinauf nach der Veranda, auf der die birmesische Mutter schlummert. Naher und naher kommt sie heran, ich bin jetzt ganz wach, denn das Gebahren der Schlange ist mir unverständlich. Jetzt hat die Schlange die Schlafende errncht.vorsichtig drückt sie mit dem Kopfe das Baby bei Sttte und nimmt selbft die Stelle des Babys ein. Schlangen sind ja bekanntlich große Verehrer von Milch, und dann scheint ihr ein Gedanke zu kommen, damit das Baby ja nicht erwache, steckt sie demselben ihr eigenes Schwanzende in den Mund! Und draußen brütet die Sonne, die Fliegen surren, ich versuche zu schlafen. . DtShalv. Sag, Amor, holder Knabe doch Sprach jüngst zu Amor ich Warum bewaffnest Du denn noch : Mit Pfeil und Bogen .Dich? Du, der Du mrt dem Geist der Zeit Stets fortgeschritten bist " ; Und dem die größte Schnelligkeit Noch viel, zu langsam ist? Warum nimmst Kugel Du und Schrot .Nicht, wie sich's heut gehört?.Manch' Herz ist,"" spricht der kleine Gott. Nicht 'nen Schuß Pulver werth!"" i Sehr Schüchtern. 5 " Ich darf es nicht dulden. Auguste, daß Sie den Mann immer in drc Küche empfangen!" Ja, seh'n Sie, gnädige Frau, mein Bräutigam ist sehr schüchtern, und da glaube ich, daß er sich doch nie getrauen würde, in den Salon zu kommen." . . i Oeplacirt. Sekretär deö Fürsten (zu dessenLcibkoch): Ihre Küchenrechnungen sind fast immer ungenau verfaßt. Und Sie wägen es noch, meiner Aufstellung zu widersprechen?" Lcidloch: Herr Sekretär..., cl:x Wurm krümmt sich, t?JiN man ih? tritt."

M

f 11", r fr -t : ywj