Indiana Tribüne, Volume 17, Number 227, Indianapolis, Marion County, 6 May 1894 — Page 3
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JÜrnin nonXeÖetttnnQ. 23ou Autyony Hoxe. (3. Fortsel)ung.) Hören Sie, Martin," entgegnete er brummig, wenn. Sie mitthun wollen, dann behalten Sie Ihre faulen Witze gefälligst für sich." Keinen Zank, meine Herren," fiel die Signorina ein, das ist die reine Zeitvergeudung. Theilen Sie ihm im fern Plan mit, während ich mich ablühle." Ich sah ein, daß das ein verständiger Vorschlag war. Bitte um Verzeihung, Oberst," sagte ich, aber würde nicht gerade dieses Abschütteln der Staatsschuld bei der Armee Anklang finden? Wenn er die Schuld los wird, kann er den Sold bezahlen." Sehr richtig," entgegnete er, desHalb müssen wir unsern Schlag führen, ehe diese Seite der Frage sie besticht. Sie nagen buchstäblich am Hungertu, und für zehn Dollars pro Mann würden sie Satan selbst zum Präsidenten machen. Haben Sie Geld, Mariin?" Ja," sagte ich, etwas." . Wieviel?" Zehntausend erwiderte Zch. Ich habe das für die Zinsen zurückgelegt." O, das brauchen Sie jetzt nicht niehr." Aber sehr für das zweite Anlehen, wissen Sie." Hören Sie zu, Martin, geven Sie mir die Zehntausend für die Trupytn. Stehen Sie zu uns, und am Tage, wo ich Präsident bin, werde ich Ihnen .Ihre Dreihunderttausend zurückgeben. Betrachten Sie doch einmal Ihre Lage. Ich will nicht beleidigend sein, aber es ist doch ein Fall von " Selbsthilfe," fiel ich nachdenklich ein. Ja, das ist es. Aber wo wollen (qit denn die dreimalhunderttausend Dollars h:rnehmen, von Ihren eigenen Antheilen ganz zu schweigen?" Er hat das Geld niemals ausgegeben," sagte er. seinen Stuhl näher an den meinen rückend und sich vorbeugend. Er hat es irgendwo versteckt, den größten Theil zum wenigsten." Hat Earr Ihnen das auch gesagt?" Er wußte es nicht bestimmt, aber er bat mir genug gesagt, um es fast gewiß zu machen. Außerdem." fügte er mit einem Blick auf die Sigkorina hinzu, haben wir noch andere Gründe, das zu vermutb:n. Geben Sie mir die Zehntausend. Sie sollen Ihr Anlehen zurückhaben, und wenn Sie wollen, tonnen Si: Finanzrninister werden. Wir wissen thatsächlich, daß das Geld vorbanden ist, nicht wahr, Signomar Sie nickte zustimmend. Und wenn's mißlingt?" fragte ich. Er zog einen hübschen ' kleinen Revolver hervor, hielt ihn einenAugenblick mit der Mündung an's Ohr und steckte ihn wieder in die Tasche. Sehr deutlich. Oberst." sagte ich. Wollen Sie mir eine halbe Stunde Bedenkzeit gewähren?" Ja," entgegnete er. Sie werken mich aber entschuldigen, wenn ich so lange im äußeren Zimmer bleibe. Natürlich traue ich Ihnen, allein in solchen Dingen " Schon recht, ich verstehe," unterbrach ich ihn. Und Sie, Signorina?" Ich werde ebenfalls warten." Sie erhoben sich, verließen das Zimrner, und ich hörte, wie sie eine UnterHaltung mit Jones anfingen. Ich blieb auf meinem Stuhle sitzen und dachte nach. Allein es war kaum ein Augenblick vergangen, als ich vernahm, wie hinter mir die Thüre geöffnet wurde. Es war die Signorina. Sie trat hinte: meinen Stuhl, und sich vornüberbeugend, schlang sie ihre Arme um meinen Hals. Auffahrend blickte ich in ein Antlitz voll Schelmerei. Wie steht's mit der Rose, Jack?" fragte sie. Ich entsann mich. Ihr Kämpfer bis zum Tod!" rief ick. verwirrt vor Entzücken und im Glauben, ich habe sie gewonnen. Ach was Tod!" entgegnete sie übermüthig. Niemand wird sterben. Wir werden siegen, und dann !" Und dann," sagte ich lebhaft, willst Du mein Weib werden. Du Süße?" Sie beugte sich ruhig noch weiter nach vorn und küßte mich auf die Lippen. Du bist ein lieber Junge," flüsterte sie. mein Haar streichelnd, aber Du bist kein artiger Junge. Jack." Christina, Du willst ihn doch nicht heirathen?" 3hn?" McGregor," antwortete ich. Jack." entgegnete sie leise, ich kann ihn nicht im Tode ausstehen." Ich auch nicht widerte ich rasch. Und wenn Du der Preis bist, dann will ich ein Dutzend Präsidenten stür?.en!" Dann willst Du es um meinetwillen thun? Es ist mir ein lieber Gedanke, daßDu es um meinetwillen thun willst. und nicht um des Geldes willen. Da die Signorina es zweifellos um des Geldes willen that", so war das ein klein wenig unlogisch. O, das Geld ist auch nicht zu rer achten," begann ich. Du geldgieriger Wicht!" rief sie. Ich habe Dich doch nicht geküßt. wie?" Nein." antwortete ich, aber Du hast versprochen, es sofort zu thn, wenn ich zustimmte. ..Sieh 'mal an, Jack, wie schlau, sagte sie. aber sie ging nach der Thüre, öffnete si: und rief McGregor zu: Mr. Martin ist einverstanden. Er will, wie Sie voaeschlaqen haben, heute Abend zum Diner kommen, um die Einzelhei-
Ten zu besprachen.' ' Wir trä&eit alle reich werden, Mr. Jones," fuhr sie fort, ohne auf meine Annahme ihrer indirekten Einladung zu warten, und wenn wir unser Vermögen erworben haben, werden wir auch an Sie und Mrs. Jones denken." Ich hörte, wie Jones einige Laute ausstieß, die wie ein unzusammenhängender Ausdruck der Befriedigung klan'gen, denn in Bezug auf die Signorina war er ebenso schlimm, wie wir alle, und dann war ich meinen Gedanken, überlassen. Sie waren viel wenig dü ster, als der Leser vielleicht erwartet. Allerdings steckte ich meinen Kopf in eine Schlinge, und wenn- die Hände des Präsidenten jemals das andere Ende des Strickes' zu fassen kriegten, dann würde er sie wohl ziemlich fest zuziehen, dachte ich mir. Ader andererseits war ich ungeheuer verliebt und ebenso ungeheuer verschuldet, und der Plan schien die besten Aussichten zu bieten, meine Liebe zu befriedigen, und die einzige, meine Tasche zu füllen. Mr einen jungen Mann ist das Leben bhne Lieb: nicht viel werth; für einen gcreift:n Mann ist, meiner Ansicht nach, das Leben ohne Geld nicht viel werth, und es wird noch werthloser, wenn er für Geld verantwortlich gemacht werden soll, das er eigentlich haben müßte, aber nicht hat. So ließ ich mich fröhlichen Sinnes auf das größtcSpiel ein und war der Meinung, daß der Einsatz das gemagte Leben werth sei. Meine Freude an der Sache wurde nur durch die nicht zu umgehende Verbindung mit McGregor beeinträchtigt. Das ließ sich nicht ändern, und ich wußte, daß er für mich nicht mehr ZuNeigung empfand, als ich für ihn, und ehe ich's mich versah, entdeckte ich, daß ich im stillen über die Reibung nachdachte, die zwischen dem neuen Präsidenten und seinem Finanzminster wahrscheinlich entstehen würde, wenn unsere Pläne gelangen. Aber die Signorina haßet ihn, und nach allen Anzeichen liebte sie mich. Mit solchen Gedanken lag ich in meinem Stuhl und rief mir das Bild meiner Zauberin dadurch zurück, daß ich die Freiheits Hymne pfiff, bis es Zeit war, zum Frühstück zu gehen, eine Gewohnheit, die selbst Verschwörer nicht vergessen dürfen. 7. Capitel. Die Morgenzusammenkunft war den allgemeinen Grundzügen und der Entslammung der Begeisterung gewidmet gewesen; am Abend ließen sich die Verschwörer dazu herab, sich mit den Einzelheiten zu befassen, und wir hielten eine sehr lange und sorgsame Besprechung 'bei der Signorina. Mrs. Carrington wurde nach Tisch überredet, sie habe Kopfweh und müsse zu Bett geben, und wir saßen von zehn bis eins zusammen und verschworen uns. Das Ergebniß unserer Verathungen war ein sehr niedlichesPlänchen, dessen Umrisse hier folgen: Heute war Dienstag. Am Freitag Abend sollte der Oberst mit Zwanzig vor nichts zurückschreckenden Hallunken (alias entschlossenenPa trioten), die er vorher mit Leib und Seele durch ein Geschenk von nicht weNiger als fünfzig Dollars pro Mann an sich gefesselt hatte, das Goldene Haus überrumpeln, sich der Person des Präsidenten und aller sich an Ort und Stelle vorfindenden Gelder und Werthpapiere bemächtigen. Wenn es sich vermeiden ließ, sollte niemand get'ödtet, andererseits aber sollte auch nicht gefackelt werden. McGregor wollte der Vorsicht wegen den Präsidenten so-
fort beseulgen, allem ich widersetzte mich dem auf's allerentschiedenste, und da auch die Signorina in dieser BeZiehung unbeugsam war, gab er. nach. Ich fühlte den lebhaften Wunsch, bei diesem mitternächtlichen Ueberfall zugeqen zu sein, allein meine Aufgabe uhrte mich an ernen andern Ort. An jenem Abend fand ein Festessen im Ofsicierscasino statt zur Feier irgend eines Ereignisses der vaterländischen Geschichte, und ich erhielt den Austrag, den Toast auf den Handel von Aureaaland zu erwidern. Meine Aufgabe war, diese Gesellschaft unter allen Umstanden so lanqe im Gana zu halten. bis der Oberst mit seinem Geschäst fertig war. Er sollte dann mit den no thigen klingenden. Ueberredungsmitteln in der Kaserne erscheinen und die Soldaten zum. Anschluß an uns aufsordern. Unsere Kenntniß des Charakters der Soldaten ließ uns an diesem Ergebniß gar nicht zweifeln, wenn nur erst der Präsident zum Gefangenen gemacht war und die Dollars vor ihren Augen funkelten. Dann würde der Oberst mit den Truppen die Officiers speneanstalt umringen und ihnen die Wahl zwischen seiner Dankbarkeit oder Tod und Vernichtung lassen. Auch ihrer Entscheidung sahen wir mit Ruhe entgegen. Hierauf sollte die Armee auf der Piazza ausgestellt, die Stadt em geschüchtert oder bekehrt" werden, und siehe da! die Revolution war vollbracht! Der Erfolg dieses Planes hing ganz w . r l - srt r l vavon ao, van oas eyeimnizz vor oem Mann, den wir fürchteten, auf s sorg faltigste bewahrt blieb, und daß dieser Mann am Freitag um Mitternacht al lcin und ohne Wache gefunden wurde. Entdeckte er die Verschworung, . dann waren wir verloren. Setzte er es sich in den Kopf, an dem Festessen theilzunehmen, dann wurden unsere SchwierigZeiten erheblich größer. Als wir diese Möglichkeit besprachen, wandten wir uns an die Signorina. Dies sckeint mir der Punkt zu sein, wo Sie eingreifen müssen, Sianorrna " sagte ich kurz. Gestatten Sie mir, daß ich Sie einlade, am Freitag Abend, Punkt acöt Uhr, bei Seiner Excellenz zuspeisen. Sie meinen," fragte sie langsam. daß ich ihn am Freitag Abend zu Hause halten soll, und zwar so, daß f on v . 51. r. .i ? . ri nu außer mirniemano-weiier oei inm in? Ja entgSgnete ich, wird das I schwierig sein?" -
Ich glaube nicht, daß es Schwie-
rigkeiten machen würde," sagte sie, aber es gefallt mir Nicht, es sieht so falsch aus." Natürlich that eZ das. Mir gefiel es selbst nicht, aber gab es ein anderes Mittel, den Präsidenten bestimmt an's Haus zu fesseln?" Für solche Bedenken ist es ein bischen spät,' wie?" fragte McGregor mit einem höhnischen Grinsen. Auf hohen moralischen Rädern fährt ein: Revolutlon nicbt. Denken Sie daran, wie er Sie um Ihr Geld betrogen hat," fügte ich hinzu, die Rolle des Versuchers spielend. .Nebenbei bemerkt," fuhr McGregor fort, wir sind doch darüber einverstanden, daß die Signorina das Landhaus des Präsidenten erhält, nicht wahr?" Meine arme Signorina hatte ein großeZ Verlangen nach diesem allerliebsten kleinen Ruheplätzchen, und nun geneth sie in einen größeren inne ren Zwiespalt als je, zwischen der Erbitterung über ihr verlorenes Geld, dem Wunsch nach dem Bentz des hubschen Hauses einerseits und ihrem Widerwillen gegen die Delila-Rolle, die sie spielen sollte, andererseits. Ware sie sich selbst überlassen gewesen, dann würde sie, glaube ich, der Stimme ihres beuercn Selbst gefolgt sein und die Verschwörung unmöglich gemacht haben. So aber gelang es dem Oberst und mir, in unserer Besorgniß über dieses Erwachen des Gewissens, dessen Stimme zu ersticken und sie unserem sundhaften Willen gefugig zu machen. Im Grunde verdient er Nichts Besseres," sagte sie, und ich will's thun!" Es ist immer traurig, wenn man ie mand unter einem Verlust an Selbstachtunq leiden sieht. Deshalb' that ich mein Möglichstes, derSignorina Glauben an die Gerechrigkeit ihrer Beweggründe durch Hmweiie aus Jael, das Weib Hebers, des Keniten, Charlotte Corday und andere Heldinnen, die der Stimme des Erbarmens kein Gehör geschenkt hatten, wieder aufzurichten. McGregor sah diesem Streben nach Selbstrechtfertlgung mit unverhohlener Verachtung zu. Er wird nur 'mal wieder zum Narren gemacht," sagte er, und das haben Sie schon öfter gethan, wie Sie wissen." Ich will s thun, wenn Sie mir schwören wollen, ihn nicht zu zu verletzen," rief sie. Das habe ich schon versprochen," erwiderte er verdrießlich. Ich werde ihn nicht anrühren, wenn er mich nicht selbst dazu zwingt. Wenn er ersucht, mich kalt zu machen, brauche ich aber doch wohl nicht stille zu halten." Nein, nein, warf ich dazwischen. Ich habe große Achtung für Seine Excellenz, aber unsere Empfindungen dürfen uns nicht zur Schwäche verl:iten. Er muß zum Gefangenen gemacht werden, gesund und lebendig, wenn es möglich ist, aber im äußersten Nothfall, todt oder lebendig." Sehen Sie, das schmeckt eher nach Vernunft,- sagte der Oberst zustimmend. Die Signorina seufzte, erhob aber keinen Widerspruch mehr. Uns wieder der Besprechung derMittel und Wege zuwendend, verabredeten wir eine Art, wie wir uns im Falle der Noth während der nächsten drei Tage auch ohne persönliches Zusammentreffen verständigen konnten. Meine Stellung als Mittelpunkt des finanziellen Geschäfts in Whittinghzm machte das leicht. Das -.Hm- und Hergehen von Bankboten würde 'kein Aufsehen erregen, und die etwaigen Mittheilungen konnten, so abgefaßt werden, daß sie für den Uneingeweihten unverständlich blieben. Wir kamen ferner dahin überein, daß beim geringsten Anzeichen von Gesahr, das einer von uns dreien entdeckte, dieser den beiden andern sofort Warnung zugehen lassen sollte. Dann wollten wir uns auf dem Gut des Obersten, das etwa sieben Meilen von der Stadt entfernt lag. treffen, denn von dort aus war in ei nem solchen beklagenswerthen Falle die Flucht leichter. Und nun, sagte der Oberst, wenn Martin die Dollars herausrücken will. sind wir, glaube ich, fertig. Ich hatte die zehntausend Dollars mitgebracht, holte sie hervor und legte sie auf den Tisch, sie mit liebender Hand bedeckend. Verstehen Sie auch vollständig meine Lage, Oberst?" fragte ich. Die ganze Geschichte ist für mich Nichts werth, wenn ich nicht mindestens dreiHundertzwanzigtausend Dollars er halte, um das Capital zurückzuzahlen. die Zinsen zu decken und der Bank eine andere kleine Schuld zu erstatten. Wenn ich das thue, werden mir gerade fünftausend Dollars übrig bleiben, gcwiß keine übertriebene Belohnung. Wenn ich diese Summe nicht erhalte. oln, ich ein Spitzbube, Revolution oder nicht." Wenn kem Geld dort ist, machen kann ich keins," sagte er, aber ohne seine gewöhnliche Barschheit. ,Aber wir sind damit einverstanden. Bis zu der von Ihnen genanntenSum-. me lollen Sie das Vorrecht auf alles haben, was wir finden. Es wird Ih nen unangerührt ausgehändigt werden. Die Signorina und ich nehmen den Rest. Davon beanspruchen Sie doch Nicht auch noch emen Theil, wie? Nein." entgegnete ich. Ich begnüge mich mit dem Vorzugsrecht. Wenn das Geld im GoldenenHaus gefunden wird. ist's mein. Wenn Nicht, wird mir die neue Regierung diese Summe auszahlen; mit dem Rest der Schuld kann sie machen, was sie -Lust hat." Mit diesen Worten schob ich das Geld dem Oberst zu. Ich danke, die neue Regieriinz wird sehr rücksichtsvoll gegen die Obligationenbesitzer verfahren " versetzte der Oberst, als er es kichernd einsteckte. Jedensalls sind Ihre Bedin-
gungen angenommen, , nicht wahr, Signorina?" Angenommen," entgegnete sie. .Und ich bekomme den Landsitz?" Angenommen," sagte ich. Und der Oberst wird Präsident und erhält das Goldene Haus, mit allem, waö darin ist." . Angenommen! Angenommen! Angensmmen!" fang die Signorina. und nun ist's genug mit den Geschäften. Es ist schon sehr spät für mich, um diese Zeit dürfte ich keinen Herrenbesuch mehr haben. Noch ein Toast, und dann gute Nacht! Auf eine erfolgreiche Revolution! Den wollen wir in blutrothem Wein trinken." Da außer französischem Rothwein kern anderer vorhanden war, und dieser um drei Uhr Morgens etwas zu schwer in den Magen fällt, tranken wir französischen Cognac. Ich hatte mich erhoben, um zu gehen, als mir plötzlich noch ein Gedanke kam. Zum Donnerwetter! Wo ist Johnny Carr? Hören Sie, Oberst, wie betrunken war er denn ' gestern Abend? Meinen Sie, daß er sich entsinnt, was er Ihnen erzählt hat?" Ja sagte der Oberst; daS wird er vermuthlich jetzt thun. Als ich ihn heute Morgen verließ, that er es noch nicht." Wird er dem Präsidenten beichten? Wenn er das thut, wird der alte Mann ein unangenehm scharfes Auge aufSie haben. Er weiß, daß Sie ihm nicht grün sind." Nun,' bis jetzt hat er den Präsidenten noch nicht gesehen. Er sollte die Nacht über in meinem HauS bleiben. Diesen Morgen hatte er einen riesigen Kater, und ich habe den Doktor überredet, ihm einen Schlaftrunk zu geben. Ich wollte ihn still machen, um Zeit zu gewinnen, mir alles ruhig zu überlegen. Daß er Gestandnisse machen würde, glaube ich nicht. Der Präsident würde schön über ihn herfallen? aber es könnte doch immerhin sein, und es wäre besser, wenn sie nicht zusammenträfen." Es gibt noch jemand, den er nicht treffen dürfte," sagte hier die Signorina. Wer ist das?" fragte ich. Donna Antonia," erwiderte sie. Ich glaube, er liebt sie, und verlassen Sie sich darauf, wenn er in eine schwierige Lage geräth, wird er zuerst mit ihr darüber sprechen; Mr. Carr ist seinen Freunden gegenüber sehr offen und vertrauensvoll." Wir konnten uns die Wichtigkeit dieser Andeutungen nicht verbergen. Erfuhr Donna Antonia etwas, dann hörte es auch der Präsident sehr bald. Sehr richtig," sagte der Oberst. Es geht nicht, daß wir ihn umHerrennen und erzählen lassen, wir wüßten alles. Einstweilen ist er aber besorgt und augehoben." Ja, wie aber, wenn er morgen früh widerspenstig wird?" fragte ich. Und ffreitaq Abend können Sie ihn auch nicht im Goldenen Hause brauchen, ebensowenig wie ich beimOficiersessen." Nein, er würde Widerstand leisten," stimmte der Oberst zu. Aber das kann nichts helfen; wir haben die Sache einmal angefangen, und ich' werde sie durchführen, es mag kosten, was es wolle. Icb werde Carr auf meinem Gut festhalten, bis alles vorüber ist.'' Wie?" fragte die Signorina. Durch Liebe, wenn es möglich ist." entgegnete der Oberst grinsend, das heißt beim Wein. Schlägt das fehl, mit Gewalt. Der alte Mann darf unbedingt keinen Wind kriegen, daß ir-
gend 'was im Gang ist, und wenn Carr ihm vom gestrigen Abend erzählte, würde er seine verdammten altenOhren gewaltig spitzen. Nein, Mr. Johnny muß das Maul gestopft werden. ' Und wenn er eklig wird?" fragte ich nochmal. Cr mag o Ulla werden, wie er will," antwortete der Oberst, mein Haus-verläßt er nicht, falls er mir nicht etwa eine Kugel in den Leib, zagt. Das steht bombenfest, überlaßt das nur ruhig mir. Ist er artig, wird ihm Nichts geschehen, wenn mal Ich sah. daß ein neuer Ausbruch von Gewissensbedenken im An?uq war. und obgleich ich Johnny Carr sehr gern hatte, so hatte ich Mich selbst doch noch lieber. ,.O. überlassen Sie das nur dem Oberst, siel ich deshalb em. er wird die Sache schon richtig anfassen." Ich kehre jetzt zu meinem Freund Johnny zurück," sagte dieser. Gute Nacht, Signorina. Schreiben Sie mor gen an den Präsidenten. Gute Nacht, Martin. Bereiten Sie sich au eine recht lange Rede vor. Auf Wiedersehen nächsten Freitag. Auch ich machte mich fertig zu gehen, denn der Oberst zögerte, auf meine Begleitung wartend. Selbst jetzt mißtrauten wir einander noch so, daß keiner den andern mit der Signorina allein lauen wollte. An der Hausthure trenn ten wir uns. Er ging auf die Straße hinaus, um nach seinem Gut zu iten. ich schlug die Richtung nach der Piazza ein. Die Signorina blieb blaß und müde an der Hausthür stehen; ihre vebhastlgkelt hatte ste für jetzt im Stich gelassen. Armes Mädchen! Sie fand, daß Verschwören doch eine recht angreifende Äeschastrgung sei. Auch mir war -keineswegs whl zu Muthe. Ich fing an einzusehen, daz es für einen Mann mit einem Gewissen nicht leicht ist, sich mit politischen Geschäften zu befassen. Für den armen Johnny hatte ich eine große Zuneigung, und, mein Vertrauen. da der Oberst ihn mit besonderer Rückncht behandeln werde, war nicht sehr Zest. Thatsächlich würde ich Johnnys Leben für die nächste Woche nicht für eine sehr hohe Prämie versichert haben. Auch daß der Präsident, wenn, wir erfolgreich waren, seinen Sturz überleben werde, erschien mir sehr - unwahrscheinlich.-
Ich mufctt mir unaufhörlich du E?
schichte seiner Falschheit gegen mich
vorhalten und mich in eine künstliche Wuth gegen ihn hineinarbeiten, um den Gedanken an das demn'ächstigeErloschen dieses bedeutenden Lichtes ertragen zu können. Welch' ein Verlust für dieWelt! So viele reizendeGeschichten, so große Gaben, eine so uberwalugende persönliche Liebenswürdigkeit alles das sollte ins Nichts versinken! Und wofür? Um einen Halunken ohne die geringste mildernde Eigenschaft an seine Stelle zu setzen. War es wirklich der Mübe werth, Satanas zu stürzen, um Beelzebub auf den Thron zu heben? Dieser trüben Gedankensolge konnte ich nur dadurch einen Damm entgegensetzen, daß ich mir unerbittlich die wahre Frage in's Gedächtniß zu rückrief: was soll aus Dir werden. aä Martin? Für mich war die Revolution nothwendig. Ich würde das Geld wieder erhalten zum min desten Zeit gewinnen. Uno melneLiebe würde vielleicht zum Ziele kommen. Mich trieb der ehrenwerthe Beweggründ, meine Auftraggeber vor einem großen Verlust zu bewahren, und der überwältigende Drang meiner Leidenschaft. Wenn die Fortdauer des Daseins Johnnys und des Präsidenten mit diesen durchaus berechtigten Stre bungen unvereinbar war, dann sah es für Johnny und den Präsidenten allerdings schlimm aus. 8. Capitel. Die nächsten drei Tage waren wohl die unbehaglichsten meines Lebens. Ich fand wenig Schlaf und gar keine wirkliche Ruhe. Stets trug ich einen Revolver mit mir und fuhr bei jedem Geräusch zusammen. Alle Ausgaben sämmtlicherTagesblätter kaufte ich und mit Zittern lauschte ich den fernen Rufen der Zeitungsverkäuser, in der Furcht, wenn ihre Worte deutlicher wurden, entdecken zu müssen, daß unser Geheimniß kem . Gehennmß mehr sei. Es war durchaus nothig, daß ich mich öffentlich sehen ließ, und doch, schrak ich vor jeder Ansammlung von Menschen zurück. Meine Geschäfte verrichtete ich wie geistesabwesend und mit einem Gesichtausdruck so übermenschlicher Unschuld, daß ein Jeder. der mich scharf beobachtet hatte, aus den Gedanken hatte kommen müssen. es ser etwas nicht ,n Ordnung. Eine Reihe von Zahlen zu addiren, war ich völlig außer stände, und Jones machte sich wirkliche Sorgen über den Zustand meines Hirns. Mit einem Wort, mein Nervensystem war gründlich überreizt. und ich that im stillen ein Gelübde, rn meinem ganzen Leben keine Negierung mehr stürzen zu wollen. In Zutuns! sollte jede einmal eingeführte Verfassung auch für mich gut genug fein. Den Präsidenten, den Oberst, meine Direktoren und mich selbst wünschte ich zu allen Teufeln, und lch glaube allen Ernstes, es war nur der Gedanke an die Signorina, der mich davon abhielt, einen Mondscheinspaziergang über die Grenze mit unbeschädigter Haut, wenn auch leeren Taschen zu .unternehmen und es den Patrioten vonAureataland zu überlassen, die Geschichte unter sich auszufechten. Glücklicherweise trat jedoch nichts ein, was meine Befürchtungen rechtfertigte. Die andere Seite schien sich m blinder Sicherheit zu wiegen. DerPrasident ging oft nach dem Fmanzmmisterium und schloß sich stundenlang mit Don Antonio ein.' Wahrscheinlich beriethen sich über die Ausführung ihres spitzbübischen Planes. In der Kaserne war weder Gähruna noch eine erhöhte Thätigkeit wahrzunehmen, dieNachmittagsversammlungen auf derPiazza waren mit nichts Ernsterem beschäftigt, als Vorbereitungen zu Lawn Tennis und der bedauerlichen Seltenheit der Tanzvergnllgungen. Die oben erMahnte öffentliche Ziundgevung tnBezug auf die Schuld hatte eine beruh!gende Wirkung, und alle Elassen der Bevölkerung schienen geneigt, den neuen Plan des Präsidenten ruhig abzuwarten. So vergingen Mittwoch und' Donnerstag. An keinem dieser beiden Tage hatte ich etwas von meinen Mitverschworenen gehört; die Verabredungen, die wir für schriftliche Mittheilung getroffen, hatten sich soweit als unnöthlg erwiesen oder als erfolglos. Ein kalter Schauer überlief mich beim Gedanken an diese Möglichkeit, - und in - meiner lebhaften Einbildungskraft sah ich, wie der Präsident beim Lesen der aufqefanqenen verrathenschen Schriftstücke lächelte. Wenn ich bis zum Freitag Morgen nichts hörte, war ich entsmlossen, den Oberst auf zede Ge fahr hin aufzusuchen. Mit der Morgendämmerung dieses ereignißreichen Tages wurde ich indessen dieser Noth 'wendigkeit enthoben. Gegen Halbzehn, als ich noch zu Bett lag denn nie verlängere ich mir .die Leiden dieses Lebens durch frühes, Aufstehen , trat mein Diener ern . und brachte, drer Briefe. Mr. Jones schickt sie von der Bank, mit schönen Empfehlungen., sagte er. und ob Sie heute Morgen kamen?'' Einen Gruß an Mr. Jones,- und in fünf Minuten, wäre ich dort,tt widerte ich. ' Die Briefe waren alle mit ,Eili!' bezeichnet einer von der Sianorina, einer vom Oberst und einer aus der Kaserne. Düsen öffnete ich zuerst und las: . Die Officiere der. Armee von Au reataland beehren. sich, MrMariin daran zu erinnern, da-ß sie auf das Vergnllgin seiner - Gesellschaft bei dem Festessen heute Abend u.m - zehn Uhr rechnen. Infolge- der - durch dringend Staatsgeschäfte veranlaßten unver meidlichen Abwesenheit Seiner Excellenz des Präsidenten, und da Sem Hochwohlgeboren der Herr . Oberst we gen Unwohlseins ebenfalls nicht irschei nen kann, wird das Hoch auf die .Ar mee von Areataland vom Mayor Al phonse dt Chajr ausgebracht-werden.
NaHschrffi.' lieber Martin! '(sprachen Sie diesen Abend recht lange. Die beiden großen Thiere kommen nicht, und der Abend muß ausgefüllt werden. Tout a vous Alphonse deChair.Ich werde lange sprechen, mein Junge, und wir werden Deinen Abend wunderschön ausfüllen," sagte ich zu mir selbst, soweit ganz zufrieden. Hierauf öffnete ich die Epistel der Signorina. Lieber Mr. Martin," begann sie, wollen Sie so gut sein, mir im Laufe des TageS zwanzig Dollars in kleiner Münze zu schicken? Ich will es den Schulkindern in die Rappuse werfen. Einen Check lege ich bei.' Es thut mir so leid, daß Sie heute Abend nicht bei mir speisen können; im Grunde genommen aber ist es ganz gut denn ich hätte Ihnen abschreiben müssen, da ich ganz plötzlich zum Diner, im Goldenen Haus befohlen worden bin. Mit den besten Grüßen " Ihre ausrichtige Christina Nugent." ' Sehr gut,"' sagte ich. Mit der Rappuse wird es wohl nicht so eilig sein. Und nun der Herr Oberst." Der Brief des Obersten lautete: Ich lege meinen Check für fünfhundert Dollars bei, mein Bedienter wird das Geld morgen früh abholen. Ich theile dies Ihnen jetzt schon mit, weil, ich gern alles in Silber haben möchte,, um Löhne auszuzahlen." (Unsere Erfindungsgabe ist, etwas ärmlich, dachte ich.) Carr und ich sind hier, beide fehr verkatert. Der arme Carr liegt fest und wird allem Anschein nach einen oder zwei Tage liegen müssen ein schlimmer Anfall von Champagnerkater. Mir geht's besser, und wenn ich mich auch von der Geschichte heute Abend im Officierscasino gedrückt habe, hoffe ich doch diesen Nachmittag wieder hoch 'und auf den Beinen zu sein.. Ste den Ihrige Geo. McGregor." JDH, also Carr liegt fest und wird wahrscheinlich noch lange liegen bleiben. Höchst wahrscheinlich; aber was will er wohl damit sagen? Hoffentlich hat der Obcrft keine allzu drastischen Mittel gebraucht. So weit scheint ja alles gut zu gehen, wirklich besser als ich dachte." In dieser etwas heiteren Stimmung stand ich auf, frühstückte in alle? Ruhe und machte mich gegen elf auf den Weg nach der Bank.
Die erste Person, der ich auf der Straße begegnete, war natürlich diejenige, die ich am allerwenigsten zu treffen wünschte, nämlich Donna Antonia. Sie war hoch zu Rosse,. und ihr Pferd sah aus, als ob es schon viel geleistet hätte. Sowie sie mich erblickte. hielt ste an, und ich konnte es nicht vermeiden, , stehen zu bleiben, als , ich meinen Hut zog. .Woher so sriih?" fragte ich. ,Früh?" entgecrnete sie. Ich nenne das nicht früh. Ich habe schon einen weiten Ritt gemacht, ich bm mit emer Bestellung von Papa drüben aus Carrs Gut gewesen, aber er ist nicht dort. Wissen Sie, wo er ist, Mr. Martin?Keinen Schimmer," antwortete ich. ,Er ist seit vier Abenden nicht nach Haus gekommen," fuhr sie fort, und ist auch nicht auf dem Ministerium geWesen. Sehr eigenthümlich, daß er sich auf diese Weise unsichtbar macht, gerade jetzt, wo so viel zu thun ist. .Viel zir thun, Donna. Antonia?"' fragte ich sanft. Sie erröthete, da es ihr ohne Zweisei einfiel, daß das, was es so viel zu thun gab" gab, noch ein Geheimniß war. Nun ja, Sie wissen-doch, daß umdiese Zeit, auf dem Mnanzminsterium immer viel zu thun ist. Es ist doch die Zeit, wo alle Welt bezahlt wird, nichtwahr?" .Es ist die Zeit, wo wenigstens alle Welt bezahlt werden sollte," antworteteich- ...... ,vlat fuhr sie sort ohne meinem Richtigstellung ihrer Worte zu beachten, jedenfalls sind Papa und der Präsident sehr ärgerlich auf ihn, deshalb erbot ich mich, meinen Spazier--ritt da hinaus zu machen." Wo kann er nur. sein?" fragte- ich noch, einmal. Ich glaube," erwiderte sie, er ist beim. Oberst McGruegor, und.- nach dem frühstück werde, ich 'mal hinreiten. Ich weiß, daß er am Montag dort gegessen hat, wahrscheinlich ist erhängen geblieben." Nem. dachte- rch, Das dann. u nicht thun, es könnte unbequem, werden." Dort ist er- nicht," sagte- ich kaut, .das weiß ich bestimmt. Ich habe heute Morgen Nachricht vom Oberst gehabt, und er schrieb Carr habe ihn am Dienstag verlassen. Nein aber, so dumm! Der Oberst erwähnt: Carr habe chm gesagt, er wolle ein?: kleine Segelfahrt mit funer Jacht machen. Wahrfcheinlick hat er widrigen Wind und kann nicbt zurückkommen." .Sehr rücksichtslos von ihm, gerade iekt forkuaeben." entaeanete sie. aber: das wird s wohl sein. Papa wird seyr w 1 'JL.-f w ' ' ärgerlich sein, aber er wird sich freuen zu hören, daß ihm: mchts Schlimmes zugestoßen ist." .Es macht mich alualich, das ich Sie, beruhigen konnte," fagte ich, mich :mpfehlend. Ich dankte meinen Sternen :iz die glückliche Eingebung und kragte mich, ob wohl Don Antomo wirklich finden würde, daß dem armen Johnny nichts Schlimmes zugestoßen sei. Ich hatte meine Zweifel. Datz ich Donna Antonia etwas hatte sagen müssen, was ich nicht für wahr hielt, that mir aufrichtig leid, aber solche Dinge sind nun eimnall von Revolutionen untrennbar, und darin aleichen diese dem kaufmännischen Geschäftsver kehr ortjevung sylzl.)
Cln Kind der Nevolution.
Der Berliner ' Schutzmann ist ein! Kind der Revolution. Daß im J?hre 1848 die Sicherheitsorgane Alles g-tf wünschen übrig ließen, ist bekannt, und fehr begreiflich war darum das Bestreben der Staatsgewalt, sich zuverlässi gere Kräfte, die sie selber in fester Hand hielt, zu schaffen. Am 22. Juli 1848 erschien der Erlaß des Polizeipräsidenten, welcher den Berlinern von decneubegründeten Schutzmannfchaft Kunde gab und daran die Bitte um 'deren Unterftützung durch alle ordnungsliebenden Bürger knüpfte. Eine gewisse Unsicherheit in dem Erlaß ist rrnverkennbar. Nachdrücklich wird betont, daß die neue Organisation nicht die Freiheit der Bürger beeinträchtigen, nicht daS angstliche Bevormundungssystem des Polizeistaates zurückführen wolle. Der Polizeipräsident hatte gut reden.!' Derr Berliner traute ihm und seiner neuen Schöpfung nicht, machten ihre schlechien Witze darüber- und nannte die Schutzmänner, dieweil ihre Ausrüstung derjenigen ihrer Londoner Kollegen nachgebildet war, Konstabler oder, mit. echt berlinischem Tonfäll, Konstabulöhr. Das Mißtrauen und die Abnei--gung auf der einen Seite erweckten die gleichen Empfindungen auf der anderen, und es traten sehr' unerquickliche Verhältnisse ein. Bald galt die B Zeichnung Konstabler"' als eine Beschrmpfüng, die gerichtlich bestraft wurde, und hieran trug' ein Lied die Schuld, das in der Zeit des Belagerungszustandes verfaßt' und nach der Weise Wenn ich am Fenster steh" gesüngen wurde. Hier, mögen' ein paar Strophen des wenig bekannten. LiedeSwiedergegeben werden:' O, welches Glück doch, ein' Konstabulöhr zu sein, Saat, ist das nicht das schönste Leben? Zu steh'n auf einem Fleck. Nur zu dem einigen Zweck,', Zu stehn und zu fehen,, Wie Andre gehen. Und so vergeht die Zeit In Ruh' und Friedlichkeit. Berlin, nu kannst Du ruhig schufen! So recht viel Pulizei, Belagrung auch dabei, Det is det Scheenste. Berlin, wat meenste?' Glaubt ihr. daß nichts ich thu? Mein Amt, das ist die Ruh', Die erste aller Bürgerpflichten-, Auf Bummler muß ich sehn,sest an die Ecke siebn. Seht her, das thu' ich. Berlin ist ruhig!' Ter erste Kunde. Man schildert so oft die Sehnsucht eines zunaen Arztes nach fernem ersten Patienten, aber noch niemals haben wir von den Schmerzen emes Photographen gelesen,. der. auf' semen ersten. Kunden wartet. Und doch waren diese' Schmerzercbei' dem neu etablirten , Photographen-' Emil Plattkopf z. B.. ziemlich groß.. Bereits acht Tage -saß er neben seinem Apparat, gespannt - horchend, ob die' Glocke ihr erlösendes Signal nicht ertonen lassen wurden Und siehe da!' Am nächsten Tage erklang diese Glocke leise und schüchtern.- Wahrscheinlich ein. Backfisch oder, ein- Dienstmädchen, dos sich für ihren :Unterofflcler Photographiren lassen will."' dachte er und stürzte nach der Thüre. Ein etwas ärmlich, aber sauber, gekleideter Manrr stand vor derselben.. Ich wollte . Sie bitten " Nur herein, treten: Sie ein." Der Mann-zögerte,, aber der Photograph wurde beinahe- grob und ersuchte iyn, möglichst schnell, hereinzukommen, da sich für beute eine Menge Kunden angemeldet" hatten. Er führte ihn in's Atelier- und; nöthigte den sich sträubenden Mann zum Sitzen Dann sprang Plattkopf, an den Apparat. Bleiben sie fa aber bitte, ein freundliches Gesicht." Wie soll ich denn ein fr-nndliches Gesicht machen,, ftra ich , drei Tage lang nichts, gegessen habe." sagte derMann weinerliche und ich wollte Siedeshalb..' um eine, kleine Gbe bitten."' Tableau!. S e l.b. si! 5 e w u ß t.-. Graf (zu: seinem- bürgerlichen, aber itnmens reichen Braut) Ja, liebe .Agnes, unter: den Millionen thönerner.-Gesäße, diemit. dem Jabrikstempel der Natur ver--sehen, daä. gemeine Gros der Menfch-. Keit bildet;, hast Du iu-.mir eins jener güldenen Gefäße gefunden, welches die: Natur in. ihrer starren:, abgeschloss men. Aristokratie nur hm. und wieder, zu. fthafw sich gefällt. Eup he must csch ausged r ü ü. A.: Dein Sohn wollte: doch Arzt werden, und nun fällt er zum ziveitenmÄe durch's Examen! WaS- cpdentt tzr denn nun anzufanaenZ" B.: O, dem geht's- gut; der pat bereits tins Heilanstalt sur DurstPatienten gegründet." A.: Wie ?" B.: ifan ia, er hat eine Kneipe aufgemacht.' . . , Errkärlich. Erster Protz: Warum spielt Ihr: Tochter z. 53. nie Wagne Zweiter Protz: Nun. wird si: doch nich spielen was Anderes, wenn f?e kann spielen was Selbstkompon!rt:3! J-der ist sich doch selbst der Nächste!" Ein Hundeleben. Ja sohl, mein Herr, seit er die reiche Erbin geheirathet hat, führt er ein wahres Hundeleben." Das sollte Anderen . zur Warnung " .Hat nichts weiter zu thun, als zu essen,, zu trinken.zu schlafen und sich streicheln zu: 'alsen.".-i . . : i ,
