Indiana Tribüne, Volume 17, Number 213, Indianapolis, Marion County, 22 April 1894 — Page 3

ein ZMnmMMG Won Antyouy sjofu (1. Fortsetzung.) Gott im Himmel, der Präsident!" rief JoneZ. und Mr. Martin! Was, in aller Welt, meine Herren V Der Präsident deutete mit einer anmuthigenHandbewegung auf mich, als ob er sagen wollte: Mr. Martin wird alles erklären," und fuhr ruhig fort, die Werthpapie:e in seine Ledertasche zu packen. Angesichts dieses Wendepunktes vcrließ mich alle Unschlüssigkeit. Ich habe eine Kabeldepesche von Europa bekommen, Mr. JoneZ," sagt: ich, die mich anweist. Seiner Ercellenz eine gewisse Summe vorzuschießen, und ich bin gerade dabei, dieseAn Weisung auszuführen." akld.'pesche?" fragt: JoneZ. Wo ist sie?" In meiner Tasche," entzegnete ich, und that so, als ob ich darnach suchte. Nein, ich hab' sie nicht, ich muJ sie im Goldenen Haus gelassen h.'.ben." Jetzt kam mir derPräsident zu Hilfe. Ich hab' sie noch kurz, ehe wir fortgingen, auf dem Tische gesehen. Obgleich ich vermuthe, daß Mr. Jones nicht das Nccht hat " Nicht das mindeste," sagte ick) rasch. Mr.Martin wird sie ihm jedoch aus Gefälligkeit morgen zeigen?" Nur aus Gefälligkeit werde ich das vielleicht thun, obschon ich gezwungen bin, es ausz'sprechen, daft mich Ihr Betragen sehr überrascht, Mr. JoneZ." JoneZ sah trostlos verständnißlos aus. Tie Sache ist ordnungswidrig, Herr." sagte er. 5?aum mehr, als Ihr Anzug!" warf der Präsident freundlich dazwischen. Jenes war eine schamhafte Seele, und als er so darauf aufmerksam gemacht wurde, welche Freiheiten sich der Luftzug mit seiner leichten Vekleioung herausnahm, schloß er rasch die Thür. Es ist doch hoffentlich alles inOrdnung. Herr?" wandte er sich in flehen dem Ton an mich. Vollkommen in Ordnung," crwiderte ich. Afor durchaus vertraulich," fügte der Präsident hinzu. Und Sie werden mich zu persönlichem Danle derpflickten, Mr.Jones, und zugleich Ihr: Pflicht gegen Ihre Vorgesehen erfüllen. wenn Sie, bis die Sache amtlich bekannt gemacht' wird, das tiefste Schwciqen bewahren. Ein Mann, der mir gefällig ist, wird das nicht zu bereuen haben." Jcizt nützte er eine andere Gelegenhat aus diesmal hieß sie Jone-Z. Genug," sagte ich. Ich werde die' Angelegenbeit morgen mit Ihnen besprechen, und inzwischen wäre es wohl am besten, wenn Sie sich " Zu Mrs. Jones Zurückverfügten," ergänzt: der Präsident. Und vergessen Sie nicht, Schweigen. Mr. Jones!" Als er diese Worte sprach, trat er dicht vor Jones hin und sah ihm fest in's Gesicht. Schweigen ist God und verlängert das Leben. Mr. Jones!" Jones sah ihm in die stahlharten Augen und fing plötzlich an, am ganzen Leibe zu zittern. Der Präsident war zufrieden. Er schob ihn ohne Umstände aus dem Zimmer, und wir hörten, wie er mit unsicheren Schritten die Treppe emporstieg. Seine Excellenz wandte sich nunmehr zu mir. ,.Sie überlassen mir wirklich sehr viel. Mr. Martin," sagte er äugenscheinlich geärgert. Er hatte allerdings mehr getban, als Jones gesagt, der Morgen sei sehr schön. Allein ich war in zu großer Unruhe, um ihm danken zu können; ich dachte an die Kabeldepesche, und der Präsident erkannte, .was in mir vorging. Sir müssen die Kabeldcpesche anfertigen." sagte er. Ja," entgegnete ich, das würde ihn berubiaen. Ich habe aber nicht viel Uebung in solchenGeschichten und weiß nicht recht "

Der Präsident kritzelte em paar Worte auf ein Blatt Papier. Bringen Sie das naö derPost. Daraufhin wird man Ihnen das erforderliche Formnlar verabfolaen. Ausfüllen können Sie's selbst." Manche Dinge machen sich wirklich außerordentlich leicht, wenn das Staatsoberhaupt der Mitschuldige ist. Und jetzt. Mr. Martin, wird es spät. Ich habe meineWerthpapiere, Sie vaben Ihre Schuldverschreibungen. Mr. Jhnes haben wir zum Schweigen gebracht. Alles geht so weit gut, und r' "MmW ffi gerettet. Sie haben JbrVermögen begründet, denn hier liegen fünfundsechzigtausend Dollars, euu oi.i un Ihnen sehr dank bar. Ich will Sie nicht weiter bemühen und entbinde Sie von der Berpniu) jung, mich nach Hause zu geleiten. Gute Nacht, Mr. Martin." Er ging hinaus, und ich warf mich auf meinen Schreibstuhl und starrte die Papiere an. die er mir dagelassen hätt?. Ich grübelte darüber nach, ob er mich nur als Werkzeug gebraucht hatte, cb ich ihm trauen könne, ob ich wohl daran gethan hatte, im Vertramn uf seme Versprechungen meine Ehrlichkeit zu opfern. Aber dort lag meine Bclolmunq, und da rem sittliche Beden kcn mich nicht beunruhigten, erhob ich mich oalo, legte die Staatsschuldver schreibunqen und die sünfundsechziaraufend Dollars in Werthpapieren in .den Geldschrank, schloß alles ab und ging nach meiner Wohnung. Als ich das Haus erreicht hatte, war es heller, lichter Tag. denn die Uhr hatte schon fünf geschlagen, und ich begegnete Bater Jacaues, der im Begriff iver, aus

zugehen. Er hatte schon gefrühstückt.

und war auf dem Wege, den Blumenmädchen auf der Piazza einen srzmmen Morgengruß zu bringen. Mit bekümmertem Blick hielt er mich an. Ah. mein Freund, sagte er vor wurfs'ooll, zu solcher Stunde?" Ich sah, daß er Mich m einem ungerechten Verdacht hatte woaeaen sich mein Gewinn auflehnte. Ich komme erst ietzt von derBank, entgegnete ich. Ich war im Goldenen HauZ zum Diner und bin nachher hingegangen, um -eine Arbeit zu vollenden." Ah, das ist gut!" rief er. Also der getreue Knecht ist es, den ich treffe, nicht der ungetreue?" Er spielte mit diesen Worten auf einige Farbendruckbilder an, mit denen mein Zimmer geschmückt war, ein Abfchiedsgefchenk meines Vaters. Ich nickte und trat in's Haus. Verflucht getreu, wahrhaftig " saate ick zu mir selbst. Nicht viele bab:n eine solch; nächtliche Arbeit verrichtet, wie ich." Das war das ISmcmrn, wodurch meine Schicksale mit denen der Staatsschuld von Au.rea!alan) verknüpft wurden. 4. Capitel. Nach den vorstehend erzählten Ercigninen ginnen cinicj' Monate dahin. ohne daß ctwasV:m:r!enZw:rthes vorfiel. Ich hatte eine ernste Uni:rreduna mitJones. wobei ich ihm sein unpassendes Benehmen vorwarf. Er bat dcmütlna umEntschuldigung, als ich ihm die 5?abeldepezch: zeigte, d:e iq mir aus die vom Präsidenten so liebenswürdig angedeutete Weise verschafft hatte. Dieser war mit dem Auffahren seines schweren Geschützes vielleicht etwas voreilig geWesen, denn seine Anspielung auf geWaltsame Maßregeln hatte JonesMißtrauen eher gesteigert, als beseitigt. Wenn es nichts zu verbergen gab, weshalb ließ Seine Excellenz durchblicken, daß er nötigenfalls auch vor emem Mord nicht zurückschrecken würde, um das Geheimmü zu sichern? Ich setzte ihm jedoch auseinander, daß es Rücksichten auf die höhere Politik seien, die eme unvervrullziicv: eveimvattuna nothwendig machten und ein einigermaßen willkürliches Verfahren gegenüber einem sonst vertrauenswcrthen Beamten rechtfertigten, und die sehr auffällige Liebenswürdigkeit, mit der der Präsident Jones gegenübertrat, als er ihn einmal zufällig im Finanzmmisterium traf, trug viel dazu bei, die u.nangenehmen Erinnerungen an die nächtliche Begegnung zu verwischen. Noey fester aber fesselte ich ihn dadurch an mich und mein Geschick, daß ich bei den Direktoren eine Gehaltserhöhung ur irrn beantragte, die infolge der von Mr. Martin erstatteten günstigen Berichte über seine Tüchtigkeit" bewilIigt wurde. So friedlich die Dinae dem äußern Anschein nach auch verliefen, so war ich doch keineswegs vollkommen ruhig. Zunächst macht: ich die Beobachtung, daß die neue Anleihe die finacielle Lage Auucatalands augenscheinlich durchaus nicht verbe erte. Der Schauplatz der Hafenbautzn blieb nach wie vor trostlos verlassen, die gewöhnlichen Schwierigleiten, die Gehälter zu bezahlen und die laufenden Ausgaben zu bestreikn, waren immer noch vorhanden. Der Präsident zog mich in Beziehung auf die Verwendung seiner Gelder nicht in Vertrauen, ja, es dauerte nicht lange, so konnte ich meine Augen nicht mehr gegen die beunruhigende Wahrnehmung verschließen, daß er in seinem Wesen mir gegenüber fühlbar kälter wurde, was ich für undankbar und gleichzeitig bedrohlich hielt, und als das halbe Jahr abgelaufen war, weigerte er sich entschieden, mehr als die Hälfte der für das zweite Anlehen fälligen Zinsen zu zahlen, und zwang mich somit, meinen Reservefond von fünfundvierzigtausend Dollars anzugreifen. An guten Gründen, womit er dies Verhalten mir gegenüber zu rechtfertigen suchte, fehlte es ihm nicht. Besonders verbreitete er sich darüber, daß großartig: öffentliche Bauten während der Bauzeit naturgemäß keineErträgnisse liefern könnten, und versprach bestimmt, daß am nächsten FälligkeitZeitpunkt volle Zahlung, einschließlich der Rückstände, geleistet werden solle. Trotzdem sing ich an einzusehen, daß ich mit der Möglichkeit einer fortgesetzten Inanspruchnahme der Mittel rechnen müsse, die, wie ich so gern gehofft hatte, wenigstens für längere Zeit, mir für meine eigenen Zwecke zu Diensien stehen sollten. So trug eins und das andre dazu bei, zwischen Seiner Excellenz und mir eine Entfremdung herbeizufllhrcn, und obgleich seineLiebensWürdigkeit im persönlichenVerkehr mich immer von neuem umstrickte, wurde mein Mißtrauen gegen ihn als Regent und, wie ich hinzufügen muß. als Mitschuldigen immer tiefer. Auch noch andere Einflüsse wirkten um diese Zeit wir befinden uns jetzt Anfang 83 in derselben Richtuna. Reich im Besitz meiner Vergu titnn," hatte ich mich noch rückhaltloser in den Strudel der Vergnügungen von Whittingham gestürzt, und war ich bis dahin ein willkommener Gast gewesen, so war ich jeßt ein hochgeehrter. Ich hatte auch angefangen, ziemlich hoch zu spielen, und qerooe mein Ruf als wag halsiger Spieler hatte mir die Ehrender Bekanntschaft mit der Signorina ver schafft, der Dame, die der Präsident in seiner Unterredung mit mir erwähnt hatte, und meine Bekanntschaft mit der Signonna war sehr folgenschwer. . Diese Dame war nächst dem Pr'äsidenten wohl die bekannteste Person lichkeit in Aureataland das heißt, die bekannteste in Bezug auf Namen, äußere Erscheinung und Ruf denn ihr Vorleben und ihre früheren Verbältnine waren tn em undurchdnng liches Geheimniß gehüllt. Al5 ich im Lande ankam, war Signonna Eyn stma Nugent seit etwa einem Jahre

dort seßhaft. Sie war als Mitglied ei-

uer Operngefellschaft dorthin, gelangt, die von den Vereinigten Staaten gekommen war und m unseremNationaltheater Gastvorstellungen gegeben hatte. Die Gesellschaft zog auf ihrer nicht sehr glanzenden Bahn weiter, aber dieSlguorina blieb zurück. Wie man sich erzählte, hatte Whittingham ihr gefallen, und da sie von ihrem Künstlerberuf unabhängig war, hatte sie den Entschluß aesaßt, sich dort für längere Zeit niederzulassen. Jedenfalls war sie da, ob ihr indeß Whittinabam, oder sie jemand in Whittingham besonders gefallen hatte, blieb zweifelhaft. Sie richtete sich in einer hübschen kleinen Villa in nächster Nachbarschaft des Goldenen Hauses ein, die dem Grundstück des Präsidenten gerade gegenüberlag und von der aus man d:ezes vollständig übersehen konnte. Dort lebte die Signonna unter der Obhut einer Dame, die von ihr Tante" angeredet wurde, aber dem Nest der Welt als Mrs. Earrington bekannt war. Der Titel Signonna" war nur ein Theatertltel, und soviel ich weiiz, war auü) der Name Nugent ein Geschöpf ihrer Wahl; jedenfalls behauptete die Dame niemals, etwas anderes als Enzlandenn zu sein, und räumte offen ein, das', sie die Theaterbezcichnunq Signorina" nur b::behielt, weil sie wohllautender klang, als Miß." Die alt: und die junqe Dame lebten anscheinend im besten Einvernehmen miteinander und sicherlich in den alleroehaglichsten Verhältnissen, denn sie gaben- wahrscheinlich mehr Geld aus, alZ irgend sonst jemand rn der Stadt, und die Quelle schien nicht zu versiegen. Woher dieZ Geld kam. war, wie ich wohl kaum zu erwähnen brauche, der Gegenstand der größten Neugier der gesellschaftlichen Kreise, und wenn ich noch weiter erwähne, daß die Signonna zur Zeit etwa dreiundzwanzig Jahre alt und eine außerordentlich einnehmende Erscheinuna war, dann wird man zugeben, daß wir in Whittingham nicht schlimmer waren, als andere Leute, wenn mir manchem lieblosen Verdacht Raum gaben. Etwas Bestimmtes zu entdecken, machte die Signonna aber durchaus nicht leicht. Sie war beinahe sofort eine der hervorragendsten Persönlichkeiten der Gesellschaft geworden, ihr Salon" war der VereinigungsPunkt aller Parteien und der meisten Cliquen, sie empfing viele zarte Aufmertsamkciten vom Goldenen Haus, aber keine, die der Verleumdung einen Haken bot, woran sie sich hangen konnte. Sie war ebenso häufig dieSastgebenn der Opposition, und empfing keines ihrer Glieder häufiger, als deren Führer, den Obersten George McGre-.. gor, einen Herrn von schottischer Aostammung. aber ohne besonders ausgesprochene nationale Eigenheiten, der m seinem Adoptwöaterland eine hohe Stellung erreicht hatte, denn er führte nicht nur die politische Opposition, sondern war auch zwene? Befehlshaber der Armee. Er war vom Präsidenten zumMitglied derKammcr ernannt worden (denn dieser hatte sich in der Verfassung das Recht gewahrt, fünf Abgeordnet: zu ernennen), aber zu dem Zeitpunkt, von dem ich jetzt berichte, hatte er sein Oberhaupt verlassen und bot, seiner Beliebtheit bei den Soldaten sicher, dem Manne Trotz, durch dessen Hilfe er emporgekommen war. Es war naturlich, daß der Präsident ein: tiefe Abneigung gegen ihn hete, eine Empfmdung, die ich von Herzen theilte. Aber Seiner Excellenz Mißbilligung hielt die Signonna keineswegs ab, McGregor mit großer Herzlichkeit zu empfangen, allein doch auch wiederum nicht mit mehr Zuvorkommenheit, als seme Stellung zu verlangen schien. Ich besitze ebensoviel Neugier, wie meineNebenmcnschen, und ich war dementsprechend befriedigt, als die Thüren von Mon Repos", wie die Signorina ihre Wohnung nannte, sich auch mir öffneten. Meine Neugier war. wie ich gestehen muß, nicht frei von einer BeiMischung anderer Empfindungen, denn ich war im Herzen ein zunger Mann, und wenn auch die Ereianisse einige ernüchternde Verantwortlichkeiten auf meine Schultern geladen hatten, so war doch derAnblick derSignorina bei ihren täglichen Spazierfahrten hinreichend. die Seele auch eines Bankiers auf lebhafteste zu erregen. S:e war ohne Frage sehr schön eine große blonde Erscyünung mit regelmäßigen Zügen und lachenden Augen. Eine weitere Beschreiouna werde ich Nicht versuchen. denn alle derartige Schilderungen klingen alltäglich, und die Signorina war. wie selbst ihre Feinde zugaben, sehr weit da von entfernt, alltäglich zu sein. Es mun genügen, wenn ich sage, daß sie, wie Va!:r O'Flynn. eine ganz besoildere Art" sich hatte, so daß wir Männer in Aureataland alle, alte wie junge, reiche wie arme, ihr zu Fü ßen lagen, oder wenigstens bereit waren. bei der geringsten Ermuthigung diesen Platz einzunehmen. Sie war, nach meiner Ansicht, die Verkörperung der Gesundheit, Schönheit und des Frohsinns, und sie krönte ihre Reize dadurch, daß sie ganz offen und frei sich um Bewunderung bewarb und sie dankbar anerkannte, wenn sie ihr entgegengebracht wurde. Denn imGrunde genommen sind es nur ungewöhnliche Männer, die von spröder Schönheit angezogen werden, für die großteMehr Zahl von uns ist eine anmuthige Hin nähme unserer schüchternen Annäherung die feinste Verfucoung Satans. Der gütige Leser darf demnach über zeugt sein, daß ich mein Geld für gut angelegt hielt, als tl mir eine Emla dung nach Mon Repos" " verschaffte. wo die Herrin d:s Hauses em anstan feiges Spielchen unter ihren Freunden gestattete. Sie selbst spielte niemals. aber sie stand dabei und sah mit gro ßem Interesse zu. Dann und wann ver suchte sie wohl 'mal das Glück durch die Hand eines auserwahlten Vertre terZ, und nichts konnt: hübscher oder

künstlerischer sein als ihr Benehmen.

Für ein unerfahrenes, an Aufregungen dieser Art nicht gewohntes, aber doch durch das Gelingen erfreutes junges Mädchen, war sie eben eifrig genug bei der Sache, und eben gleichgiltig genug. um zu zeigen, daß ihr das Spiel ledigllch Zeitvertreib und Gewinn oder Verlust ganz bedeutungslos für sie feien. Ah! Signorina, Sie waren eine große Künstlerin! Sehr bald war ich ein aewohnheüsmäßiger und, wie ich mir gern einbildete, willkommener Gast in Mon Repos." Mrs. Earrington, von einem tiefen Mißtrauen aeaen die Art und die Ausschreitungen der Lebensweise in Aureataland erfüllt, war fo gutig, mich als in hohem Grade gesetzt und achtbar anzusehen, und die Signorina war die Liebenswürdigkeit selbst. Ich wurde sogar zu dem auserwählten Kreis der Gesellschaft bei dem Diner zugelassen, das in der Regel am Mittwoch Abend vorausging, und ich war eine ständige Erscheinung an dem kleinen Rouettetisch, welches Spiel vor allen andern unser Wirthin Lieblingsvergnügen bildete. Der Oberst war, mcht zu meiner Freude, em ebenso unvermeidlicher Gast, und auch der Präsident ehrte die Gesellschaft häufig durch seine Anwesenheit, eine Ehre, die wir etwas kostspielig fanden, denn sein Glück in allen Spielen, sowohl Hazardspielen, wie solchen der Berechnung und Ueberlegung, war ganz außergewöhnlich. Ich habe immer der Fortuna vertraut," pflegte er zu sagen, und mir gegenüber ist sie nicht wankelmüthig." Wer konnt: auch wankelmüthig sein, wenn Ew. Excellenz ihm die Ehre Ihres Vertrauens erwiesen?" antwortete dann die Signorina mit einem Blick beinahe liebevoller Bewunderung. Derartige Reden genelen indeß McGregor keineswegs. Er verbarg es durchaus nicht, daß er Anspruch auf den ersten Platz unter den Bewunderern der Signorina erhob, und lehnte es auf' entschiedenste ab, diesen dem Präsidenten zu überlassen. Letzterer nahm seine üble Laune sehr ruhig hin, und ich konnte nicht anders, als zu dem Schluß kommen, daß er die Trumpfe in der Hand hatte. Selbstverständlich war ich auf diese beiden großen Männer im höchsten Grade eifersüchtig, und wenn ich auch keine Ursache hatte, mich über meine Behandlung zu beklagen, konnte ich doch einen gewissen Aerger nicht unterdrücken, daß ich im Grunde genommen ein Uneingeweihter war und in dem Schauspiel, das aufgeführt wurde, keine Rolle spielte. Ein weiterer Dämpfer wurde meiner Zufriedenheit dadurch aufgesetzt, daß das Gluck mir beständig unhold war und ich sehen mußte, wie meine Vergütung so rasch zusammenschmolz. Ich kann auch. glaube ich. ebenso gut aufrichtig snn und eingestehen, daß meine Vergütung sechs Monate nachdem ich zum erstenmal Mon Repos" betreten hatte, alle geworden war. und ich mich genöthigt sah, vorübergehend Gebrauch von dem .Zinsfond zu machen, der mir, wie der Präsident angedeutet dritte, nach den Bedingungen unseres Abkommens zur Verfügung stand. Meine Unruhe in dieser Hinsicht wurde deshalb sehr verringert, als die nächstfällige Zinsrate pünktlich bezahlt wurde, und in jugendllcher Vertrauensseligkeit zweifelte ich keinen Augenblick, daß das Glück sich wenden werde. So ging die Zeit hin, und der Beginn desJahres 1834 fand uns alle an-' scheinend vergnügt und sorglos dahin lebend. .In den Kreisen der Bcvölkerung war die Stimmung freilich ganz anders. Geld war außerordentlich knapp, und es erregte ernste Unzufriedenheit, daß der Präsident sein baares Geld damit verschwendete" Zinsen zu bezahlen, während er seine Civilbeamten und Soldaten auf Gehalt undSold warten ließ. DieseAngelegenheit wurde in der Presse sehr lebhaft erörtert, als ich eines Abends im März zur Signorina ging. Ich war langer als at wöhnlich auf der Bank aufgehalten worden und fand bei meinem Eintref fen das Spiel in vollem Gange. Die Signorina nahm nicht daran theil, sondern saß allein auf einem niedrigen Divan am Varandafensier. Ich trat zu ihr und machte meine Verbeugung. Sie widmen uns nur wenig vonJHrer Zeit, Mr. Martin," begann sie. Ach, aber alle meine Gedanken gehören Ihnen," entgegnete ich, denn sie sah reizend aus. An Ihren Gedanken liegt mir nicht so viel," sagte sie. Hier ist's sehr heiß. kommen Sie, wir wollen in s Gewacht haus gehen," fuhr sie nach einer kurzen Pause fort. Es machte fast den Eindruck, als ob sie auf mich gewartet habe, und ich folgte ihr hochbeglückt in das lange. fchmale Glashaus, das mit dem Salon paralell lies. Hohe grüne Gewächse verbargen uns vor den Blicken der in diesem befindlichen Gesellschaft, und wir hörten nur schwach die Stimme Seiner Excellenz, die mit großer Freundlichseit zum $Jtit sagte: Nun, Oberst, Sie scheinen Gluck m der Liebe zu haben," woraus ich schloß, daß'der Oberst bei den Karten Pech hatte. Die Lippen der Signonna umspielte ein leises Lächeln, als sie diese Worte hörte, dann brach sie eine weiße Rose, wandte sich um und stand nun vor mir mit einem Antlitz, das wie von innerer Ausrequng leicht gerothet war. Diese beiden Herren sind sich nicht allzu grun, furchte ich. hob sie an. rr-.. r : i . :x ... jiuum, iiirniuic iu p. Und Sie lieben Sie sie. oder einen von ihnen $ Ich ich liebe nur einen Menschen in Aureataland," entgegnete ich und legte so viel Innigkeit in die Worte, als ich zu thun wagte. Die Signorina biß auf ihre Rose und sah mit unverhohlener Befr:ediguna und Freude zu mir empor. Ich habe, glaube ich. schon erwähnt, .daß

sie durchaus nichts dagegen hatte, wenn man sie offen bewunderte.

Ware es möglich, daß Sie Mich meinen?" fragte sie mit einem anmuthigen Knicks. Ich glaube das nur, weil die meisten Damen von Whittingham Ihrem schwer zu befriedigenden Geschmack nicht genügen würden." KSMn Weib der Welt könnte mich befriedigen, ausgenommen eines," entgegnete ich mit der Empfindung, daß sie die Sache etwas zu leicht nehme. Ah! Das sagen S:e, entgegnete sie. Und doch glaube ich nicht, daß Sie etwas für mich waaen würden. Mr. Martin?" Ich verlange nach keinem größeren Glück!" rief ich aus. Sie sagte nichts: schweigend stand sie vor mir und biß auf die Rose. Geben Sie mir die Ro c," bat ich. sie soll mein Taliöman und meinAbzeichen als Ihr Sklave sein." Wollen Sie mir dann zu Diensten sein?" fragte sie. Und mein Lohn?" ,, --Hi Nun, die Rose." Ich möchte auch die Geberin besttzen." wagte ich zu sagen. D:e Rose ist hübscher, als die Geberin." erwiderte sie. und jedenfalls. nur eins auf einmal, Mr. Martin! Zahlen Sie Ihren Dienern ihren ganzen Lohn im Voraus?" Das Gegentheil eines solchen Verfahrens war bei mir so sehr die Regel, daß ich nicht umhin konnte, die Richtigkeit dieses Einwandes einzusehen. Sie reichte mir die Rose, ich ergriff sie und preßte sie so stürmisch an meine Lippen, daß sie dadurch sehr zerdrückt wurde. Himmel!" rief die Signorina, wenn ich Ihnen das Andere gegeben hätte, würden Sie tl auch so schrecklich behandelt haben?" Das werde ich Ihnen gleich zeigen antwortete ich. Rein, nein, ich danke bestens, jetzt nicht," sagte sie ohne Besorgniß, denn sie wußte, daß sie mit mir sicher war. Sind Sie konstitutionell oder li beral, Mr. Martin?" fragte sie dann plötzlich. Ich muß hier zur Erklärung erwähnen, daß bei dem üblichen Wettrennen um die ersterwähnte Bezeichnung die Partei des Präsidenten zuerst amSiegespsosten angelangt war und die Bande des Obersten (wie ich sie bei mir nannte) sich mit der anderen Venennung begnügen mußte. Keiner der beiden Namen hatte übrigens irgendwelche Beziehungen auf die Bestrebungen und Grundsätze der beiden Parteien. Wir wollen doch ietzt mcht von Politik sprechen?" fragte ich vorwurfsvoll. Doch, ein wenig. Bei dem andern Gegenstand sind wir in eine Sackgasse gerathen. Also, was sind Sie? Was sind Sie, Signorina? fragte ich. Ich war wirklich begierig, es zu erfahren, und noch viele andere Leute hatten es gern gewußt. Sie überlegte einen Augenblick. . Ich schätze den Präsidenten . sehr hoch, sagte sie dann. ..Er ist sehr gu tig gegen Mich gewesen und hat mir wirklich: Zuneigung bewiesen. Den Teufel auch! murmelte ich. Verzeihung, was sagten Sie?" O, ich sagte nur: Natürlich hat er das." Der Präsident hat auch zwei Auqen im Kopf. Die Signorina lachene wieder, aber sie fuhr fort, als ob ich Nichts gesagt hätte.. Andererseits kann ich mir nicht verhehlen, daß ewige seiner Maßregeln nrcht weise sind. Ich entgegnete, daß ich mir das auch Niemals verhehlt hatte. Der Oberst ist naturlich derselben Ansicht," sagte sie weiter. Zum Beispiel wegen der Staatsschuld. Ich glaube. Ihre Bank ist sehr dabei vetheiligt." Das war kem Geheimniß. ' In sehr beträchtlichem Maße." entgegnete ich also. Und Sie?" fragte sie leise. O. ich bin kein Capitalist. ich habe kein eigenes Geld in der Schuld angelegt." Nein, kein eigenes Gel). Aber sind Sie nicht dabei interessirt?" fuhr sie hartnäckig fort. Das war doch seltsam. Wußte sie etwas? Sie kam näher und legte leise ihre Hand auf meinen Arm. Sie neben, sagte Ire vorwurfs voll, und doch vertrauen Sie nicht. Mr. Martin?" Das war genau das, was ich der Sianorina aeoenüber empfand, aber das konnte ich ihr doch nichpin's Gesicht sagen. Ich überlegte, wie' weit ich ihr klugerweise trauen dürfe, und das hing in hohem Matze davon ab, rnwieweit Seine Excellenz es für angemessen erachtet hatte, sie in meine Geyclmme einzurociy:n. rr . lt. ' Ohne anderer Leute Geheimnisse zu enthüllen, Signorina, sagte ich endllch. kann ich zugeben, daß, wenn es schief ginge, meiner Vorgesetzten Vertrauen in meine Umsicht schwer erschüt tert werden wurde. In Ihre Umsicht," entgegnete sie lachend. Danke schön. Mr. Martin. Und Sie wünschen, daß das Nicht eintritt?" Ich wurve leyr mt thun, um zu verhindern, daß das emmtt. Nicht weniger gern, wenn Ihr Jw teressc und das meinige sich decken?" Ich war rmBcgriff, eme leidenschaftliche Antwort zu aeben, als wir die Stimme des Präsidenten vernahmen. Aber wo ist denn unsere Wirthin?" fragte er. Ich möchte ihr meinenDank aussprechen, ehe ich gehe. Stille!" flüsterte die Signorina. Wir müssen hineingehen. Wollen Sie mir! treu sein, Mr. Martin.?" Nennen Sie mich Jack," war meine blödsinnige Entgegnung. ie wouen mir aiw treu lem, o

Jack?" sagte sie, ein Lachen unter-drückend.

Und wenn es mich dasLeben kostet," antwortete ich, aber mit der stillen Hoffnung, daß es nicht so weit kommen werde. Sie reichte mir die Hand, die ich mit Inbrunst küßte, und wir kehrten in den Salon zurück, wo wir fanden. daß sich sämmtliche Spieler von ihren Platzen erhoben hatten. Sie standen in verschiedenen Gruppen umher und warteten, bis der Präsident sich empfohlen hatte, um dann auch ihre Verbeugung zu machen. Ich fcxrt neugierig, was zwischen Seiner Excellenz und der Signorina vorgehen werde, allein Donna Antonia, die Tochter des Finanzministers, die trotz der späten Stunde noch anwesend war, stürzt? sich auf mich. Sie war eine schöne junge Dame, eine spanische Brünette, wie man sich eine solche gewöhnlich denkt, aber mit einem Benehmen, das sie einem New Aorker Pensionat verdankte. wo sie ihre Erziehung genossen hatte, durch ihr angeborene Lebhaftigkeit verfeinert, aber nicht zerstört worden war. Sie hatte Mich schon wiederholt sehr ausgezeichnet, und ich war eitel genug anzunehmen, daß sie mir die Ehre erweise, wegen meiner Vorliebe für die Signorina etwas eifersüchtig zu sein. Hoffentlich haben Sie sich im Gewächshaus gut unterhalten," sagte sie boshaft. Wir haben von Geschäftsanaeleaenheiten. gesprochen, Donna Antonia," erwiderte ich. Ah! von Geschäften! Ich höre von nichts als Geschäften. Papa ist auch aus's and gegangen und hat sich lebendig begraben, um einen großen eicyastspian auszuarbeiten. Ich spitzte die Ohren. Ach, was für ein Plan maa das sein?" O, ich weiß nicht. Etwas weaen der langweiligen Schuld. Aber es ist mir verboten worden, darüber zu sprechen Die Schuld fing wirklich an lästig zu werden. Die Luft war voll davon. Ich sagte Donna Antonia rasch einige zusammenhanalose- Schmeicheleien und empfahl mich. Als ich meinen Ueberrock anzog, trat Oberst McGregor zu mir und begleitete mich mit mehr Liebenswurdigkeit, als er sonst mir gegenuber an den Tag legte,, die Allee hinunter nach der Piazza. Martin," begann er nach einigen gleichgiltigen Bemerkungen, unsere Interessen gehen in einigen Punkten auseinander, aber in andern sind sie die gleichen, glaube ich. Ich wußte sofort, was er meinte: es war schon wieder die Schuld, aber ich schwieg. Jn Bezug auf die Schuld zum Beispiel," fuhr er fort. Sie haben ein Interesse an der Schuld? Einigermaßen," entgegnete ich. Ein Bankier ist in der Regel bei der Swatsschuld interemrt. Das dachte ich mir, versetzte der Oberst. Es kann eine Zeit gemeinsamen Handelns für uns kommen. Emst weilen behalten Sie die Schuld im Auge. Gute Nacht." Wir trennten uns an der Thüre sei nes an der Piazza gelegenen Hauses, und ich begab mich nach meiner Woh nung. Als ich sehr nachdenklich - und beunruhigt zu Bett ging, verfluchte ich die Schuld. Als es mir aber einfiel,, daß die Schuld, wie es schien, etwas war, was das Band eines gemeinsamen Interesses zwischen der Signorina und mir wob, bat ich sie höflich umEntschuldigung und schlief ein. 6. Capitel. Die Zeit ging dahin, aber ihr Flug brachte keine Erleichterung für die Nöthe von Aureataland. Wenn ein in der Klemme sitzendes Individuum nn rührender Anblick ist, dann ist eme in der Klemme sitzende Nation ein wahrhaft beunruhigendes Schauspiel, und Aureataland steckte sehr tief dann. Jrqend iemand hatte, glaube ich, etwas Geld. Aber die Regierung hatte keins, und folglich hatten auch ihre Angestellten keins, dieBeamten hatten keins. der Präsident hatte kems. Die Bank hatte etwas anderer Leute Geld naturlich aber ich war ganz daraus gefaßt, daß eineö Tages ein Ansturm auf uns gemacht werden würde, und hatte die Direktoren telegraphisch angefleht, baar Geld zu senden, denn unsere Noten waren nur mit einem Discont unterzubringen, der wahrhast de muthigend war. Der politische Kampf war auf's heftiglte entbrannt. Eines Nachmittags gegen Ende Mai ging ich rn's Abgeordnetenhaus, und kam ge rade zur rechten Zeit, um von der Ga lcrie aus Zeuge zu sein, wie derOberst eine seiner grimmigsten Reden vom Stapel ließ. Er fragte den armen Don Antonw, wann die Armer errduch bezahlt werden würden Dieser saß, schlot ternd unter der Fluth des-Zornes, die sich über ihn ergoß, aus seinem Platz, und würde wahrscheinlich am liebsten davongelaufen sein, wenn ihn nicht das. kalte Auae des Präsidenten, der m sei ner Loge der Srtzung beiwohnte, auf seinen Stuhl festgenagelt hätte. Als der Minister sich erhob, konnte er weiter nichts vorbringen als unbestimmte Versprechungen einer baldigen Bezahlung; allein es fehlte ihm gänzlich an der. zu versichtlichen Unverfrorenheit seines Herrn und Meisters, und niemand ließ sich von fernen schwachen Berstcherun n tauschen. Ich verließ das Haus m beträchtlicher Aufregung und schlenderte nach der Wohnung einer Freundin von m,r, einer Madame Devarges, der Wittwe ernes Franzosen, der den Weg nach Whittingham von Neukaledomen Gefunden hatte. Die Höflichkeit gebot anzunehmen, daß er infolge politischer Wirren nach Neukaledomen - gelangi war, aber über Tag und nähere Umstände seines ' patriotischen Opfers hing der gewöhnliche undurchdrmz, liche Schleier. . (Fortsetzung folgt.)

Spinnen und äd.

Das liebe, traute Spinnrad längst vergangener Zeiten ist jüngst zum Modegegenstand geworden; man stellt es. mit Bändern und Schleifen geschmückt, in den Parlor als koketten Prunkgegenstand! So ändern sich die Zelten, und mit ihnen blüht neues Leben selbst aus alten Spinnrädern! Wer kennt sie mcht, icne poesievollen. schaurig-süßen Spinnstubengeschichten, wie sie uns Sechstem, Grimm und Simrock erzählen! Wer hätte nicht mit Interesse sich in jene Zeiten versetzt, wo beim schnurrigen Spinnrad schnürrige Dinge erzahlt wurden! Bon zeher knüpften sich allerlei Poetische Reminiszcnzen an das unschein bare Spinnrad; die Chronik berichtet uns von spinnenden Königstöchtern und Königinnen, von herrlichen Jungfrauen, die Glücksfäden spannen, von Göttersagen, die uns schickfalsspinrunde Nornen vorführen! Bis in unsere Zeit hinein ist Spinn-. rad und Rocken das Sinnbild des Fleißes der Frau geblieben; die'Dichter benutzen es; iSchlfor schildert die Hausfrau: Sie füllet mit Schätzen die d?ftend:n Laden Und drehet um die schnurrende Spindel den, Faden. Und Goethe's Gretchen i"M ein Spinnrocken während sie das Lied vom Könia im Thule singt. Albrecht Durer hat der Iunafrau Maria auf einem Bild Marienlebcn" die Spindel in die Hand gegeben;, der Mönch Otfried von Weißenburg be,ang.in leinen. Schriften über das Leben Jesu die spinnende Iunafmu Maria, der der Engel, die frohe Botschast brachte. Trotz der allaemeinen Verbreitima der Spindel wurde nicht überall auf die gleiche Weise gesponnen; die primitivste und älteste Art zu. spinnen. war jedenfalls die Spindel, bestehend aus einem an den Enden spitzen Holzstabchen, das zwischen den Fingern der rechten Hand gedreht wurde. Um das Drehen dieser Spindel zu beschleunigen, wurde das untere Ende durch einen Rinq beschwert, der den Namen Spinnwirbel" führte und ans Blei gegossen war. Solche Spinnwirbel gab man als Ehrenzeichen den alten Germanenfrauen mit in das Grab. wie man den Männern die Streitaxt mitgab. Erst im 15. Jahrhundert tauchten jene Spinnräder auf, wie wir sie noch heute sehen, und nach deren Modell die Damen des 19. Jahrhunderts sich Par-lor-Paradespinnräder anfertigen lassen. Man hat den Spinnabenden in den sattsam bekannten 'Spinnstuben viel Böses nachgesagt; man warf ihnen vor, nur Vorwand zu sem zum Zusammenkommen der zungen Burschen und Mädchen. Im Anfang dieses Jahrhunderts sah sich die Polizei sogar veranlaßt, gegen das Anstoß erregende Treiben in den Spinnstuben" einzuschreiten Die Spinnstube ist auch der Herd der meisten abergläubischen Prophezei ungen, die noch heute im Bolke Anklang finden; war es doch nur natürIi daß die Mystik deS nächtlichen Ganges zur Spinnstube, von oft weit entfernt liegenden Gehöften Anlaß gab. phantastische Naturen auf die verschiedensten Ueberspanntheiten zu bringen. Den Träumen wurde besondere Beachtung geschenkt; es ist kaum zu bezwelfeln, daß die Verfasserinnen oder Verfasser alter Traumdeutungsbucher ihr Wissen" aus den- Zeiten ' der Spinnstuben übernommen haben. So viel Muhe man sich aber gibt. um fast entschwundene Gebräuche festzuhalten und wieder modern" zu machen der eigentliche Zauber der Spindel ist mit den damaligen Zeiten untergegangen und läßt sich nicht wieder rmbnngen. Das Spinnrad im heutigen stylvoll eingerichteten Parlor ist nicht im Stande, uns irr traulichpoetische Stimmung zu versitzen, im Geaentbeil. es zeigt uns nur. daß die Herrin des Hauses eine Modedame ist! Der geölte Neptun.. Neptun, der alte SünderGar grimmig grollt und tobt, Die schönen Nixenkinder . . Sie haben ihn gefoppt, j Er wollte eine fangen. In die er war vernarrt, .-. Doch ist sie ihm entgangen Und zupft ihn an dem Bart, r Nun fängt er an zu rafen Vor Zorn und Liebeswch Und schickt durch Swrmesblasen Die Wogen in die Höh'. Ein Segler kommt gefahren Es spricht der Kapitän: Beim Duwel, so'n Gebahren Hew ick noch nie gesähn." Und um sein Schiff zu schützen;. Gibt rasch er den Befehl, Die Mannschaft solle spritze? In's Meer Provencer-Oel." .4 ' i zZünf Fässer von der Ladung- ' Schleppt man in Eile her f Vermittelst Schlauch und Spritze f Wird eingeölt das Meer.. . ' v - Und sieh' nlch Augenblicken ' Da liegt das Meer gQnz glatt Neptun fängt an zu. nicken, , . -Weil er 'nen kelkpp" hat. ' s Gute Stiefel. .Bin jetzt mit meinem Schuster, wirklich sehr zuftie hnt (34?FT Trt firr sif mt T vin. w.tiv. l'Qlll v viuviti, vuq umt ganz vergißt sie zu bezahlen!-..,...